Die Original-Bastard-Operator-Geschichten von 1996
Autor: Simon Travaglia
Übersetzer: Thomas Weidauer


Der B.O.F.H. beginnt das neue Jahr mit ein paar Sexspielzeugen ...

Es ist sehr ruhig zwischen den Feiertagen. Die Weihnachtszeit habe ich damit
verbracht, rumzusitzen, sorgfältig einen Schichtplan auszufüllen und freigiebig
Zahlen in der Überstundenspalte unter der Vermeidung einiger Familienmitglieder zu
verteilen. Es ist so frustrierend, die Kollegen zu sehen, die sich jämmerlich ins Büro
schleppen mit der alleinigen Absicht, mein Netzwerk zu zerstören. Während der
Shutdown-Zeit erhielt ich keinen Hilferuf, was meine Theorie bestätigt, daß mein
Netzwerk wirklich perfekt funktioniert und alle Fehler von den Nutzern verursacht
werden.
Es scheint so, daß ich nicht der einzige im Büro war: die Protokoll-Dateien verraten,
daß der Chef der Entwicklungsabteilung auch da war, um per Fax Dutzende
Bestellungen für verschiedene Teile für die neue Schüttel-Teststrecke, die sie in der
Qualitätssicherung bauen, rauszuschicken.
Dem Klatsch im Büro zufolge ist der Chef wirklich verrückt - die Teststrecke sollte
zum neuen Jahr laufen, aber alle meinen, sie sei noch nicht einmal zur Hälfte fertig.
Das Interessanteste am Netzwerk-Fax-Protokoll ist, daß das Programm, das ich auf
dem Server installiert habe, sich wenigstens einmal in einen Anruf nach draußen
eingeschaltet hat.
Es handelt sich um ein unterhaltsames kleines Programm, das das größte Problem
mit all diesen Netzwerk-Fax-Systemen auf der Welt löst - das Problem, daß sie
furchtbar langweilig sind.
Die Veränderung, die ich vorgenommen habe, ist einfach und brillant: der
Netzwerkmanager definiert einfach ein paar Suchen-und-Ersetzen-Filter für
Nachrichten, die nach draußen gehen, was bei richtiger Anwendung Nachrichten
deutlich aufwertet. Man kann natürlich auch dafür sorgen, daß Faxe ganz nach
Wunsch in andere Länder umgeleitet werden.
Das Telefon klingelt:
"Guten Morgen, sie sind der erste Anrufer in diesem Jahr. Kann ich ihnen helfen?"
(Manchmal überrasche ich mich selbst.)
"Hier ist der Chef-Ingenieur. Funktioniert das Fax-System?"
"Ganz bestimmt tut es das. Ich habe es vor ein paar Momenten selbst geprüft.
Haben sie etwa Probleme?"
"Ja. Ich habe vor Weihnachten ein paar Sachen für die Qualitätssicherung bestellt,
aber der Lieferant behauptet, das Fax sei nie angekommen. Können sie das für mich
überprüfen? Ich habe es am 22. Dezember abgeschickt und das Gerät meldete, das
Fax sei angekommen. Die Bestellnummer ist PE4456."
Ein schnelles ´grep´ im Fax-Protokoll zeigt das fragliche Fax an.
"Ja, es steht hier im Systemprotokoll und es sollte alles in Ordnung damit sein.
Menge 48, Produktbeschreibung: ´Vibrator (3-stufig, sehr zuverlässig)´. Vielleicht
konnte ihr Lieferant es noch nicht bearbeiten."
"Ja, das könnte durchaus sein. Vielen Dank."
"War mir ein Vergnügen."
Ich wundere mich ...
Das Telefon klingelt wieder. Die Rufnummernidentifizierung sagt, daß das
Warenlager dran ist.
"EDV hier."
"Warenlager hier. Wir haben eine Lieferung ohne Kontaktname. Der Lieferant sagt,
sie wurde mit einem Fax bestellt. Können sie herausfinden, wer von euch diese
interessanten Teile bestellt hat?"
"Natürlich, kein Problem. Wie lautet denn die Bestellnummer?"
"PE4456."
"Mal schauen ... ja, das ist die Bestellung vom 22. des letzen Monats. Vom Chef der
Entwicklungsabteilung."
"Danke Kollege."
Ich bin sicher, ein Kichern zu hören, als der Hörer aufgelegt wird.
Zeit und einige Levels von Doom III (Beta, natürlich) vergehen ohne Störung, dann
klopft es an der Tür. Geschickt schalte ich in den ´Boss-Mode´, dann lasse ich den
Chef-Ingenieur reinkommen.
"Irgendetwas stimmt nicht mit dem Fax-System." platzt es aus ihm heraus.
"Wirklich? Wieso?"
"Erinnern sie sich an das Fax? Ich habe gerade versucht, es nochmal abzuschicken,
aber es kam nicht an."
"Okay, testen wir es mal."
Ich entwerfe schnell ein Fax auf meinem PC, schließe eines der alten Fax-Geräte an
und schicke das Fax ab. Das Empfangsgerät erwacht zum Leben und gibt
zuverlässig die Test-Nachricht wieder.
Nun, es funktioniert - ich habe das Wort ´Vibrator´ nicht benutzt, so daß das Fax
nicht an Siggi´s Sex Emporium in Rotterdam umgeleitet wurde.
"Sie sehen es." erkläre ich meinem gespannt blickenden Kollegen. "Alles funktioniert
prächtig. Sie müssen dem Lieferanten sagen, daß sein Fax-Gerät kaputt ist."
"In Ordnung. Danke für die Überprüfung." sagt er und geht kleinlaut. Geschieht ihm
recht für seine Zweifel an meinem System.
Das Telefon klingelt.
"EDV, B.O.F.H. am Apparat."
"Hier ist der Chef. Haben sie Bradshaw von der Entwicklungsabteilung gesehen?
Man sagte mir, er würde zu ihnen gehen, weil er ein Systemproblem hat."
"Ja, er war gerade hier. Warum?"
"Oh, ich frage mich, warum das Warenlager mir ein Paket mit vier Dutzend
dreistufigen Sex-Spielzeugen gebracht hat, das unser Freund bei Siggi´s Sex
Emporium in Rotterdam bestellt haben soll. Sie können nicht etwa Licht in die Sache
bringen?"
"Selbstverständlich kann ich. In den Fax-Protokollen steht alles schwarz auf
weiß ..."


Der B.O.F.H. hat ein Beurteilungsgespräch ...

Als ich an diesem hektischen Nachmittag zur Arbeit komme, erwartet mich eine
E-Mail, die mich zu einem Beurteilungsgespräch im Rahmen des
Vorgesetztenbewertungsprogramms einlädt. In der E-Mail steht noch, daß ich
zufällig ausgewählt worden bin. Mein Abteilungsleiter ist überrascht, denn er
erinnert sich deutlich daran, meinen Namen von der Liste gelöscht zu haben.
Nun, "Zufall" kann so ein irreführendes Wort sein.
Später gehe ich zu dem Gespräch mit einem Menschen vom Vorstand und einem
Herrn Grau (der Name paßt vollkommen).
"Simon, ich denke, sie wissen, worum es bei diesem Gespräch geht?" lächelt Grau.
"Ja. sie wollen herausfinden, daß mein Abteilungsleiter fast immer in der Lage ist,
sich an seine Telefonnummer zu erinnern."
"Nein, ich denke, so schlimm wird es nicht." gluckst Grau.
Der Mann vom Vorstand scheint sich unwohl zu fühlen.
"Sein eigener Anschluß. Nicht die Büronummer. Die hat nur vier Stellen. Das ist nur
eine Endung."
"Ja, gut. Er ist ja nicht umsonst in seiner Stellung!"
"Oder verwandt mit dem Chef oder seiner Frau. Oder er spielt Golf im gleichen Club.
Oder er kennt jemanden, der im gleichen Club ist. Oder er weiß, wie ein Golf-Club
aussieht ..."
"Es sieht aus, als hätten sie keine besonders gute Meinung von Ihrem
Vorgesetzten."
"Nein."
Der Vorstandsmann fühlt sich jetzt wirklich unbehaglich.
"Aus welchen Gründen?"
"Nun, seien wir ehrlich. Bevor er hier anfing hat er Pappkartons in einer Fabrik
gefaltet, die für ihre gebackenen Bohnen bekannt ist."
"Aha. Und seine Netzwerkerfahrungen?"
"Hat er, weil er der zweite Cousin der Frau vom Chef ist." antworte ich.
"Aha."
"Mal ganz ehrlich, der Mann könnte keine Lampe untersuchen und das Stromkabel
identifizieren, von einem Netzwerk ganz zu schweigen. Als ich ihm sagte, wir sollten
ATM und passende Karten im Computerraum installieren, bestellte er eine neue
Barclay´s-Karte. Ich sagte ihm, daß wir eine Internet-Firewall haben, und er fragte,
ob es auch ein Feuerlöschgerät dafür gibt."
"Ich verstehe. Möglicherweise hat er mehr Erfahrung, wenn es um die Planung geht,
wie man das von einem Abteilungsleiter erwartet?"
"Vielleicht. Ich wundere mich jedoch noch immer, weshalb er sich bei mir bedankte
und meinte es gehe ihm gut, als ich ihn nach einer besseren Glasfaserverkabelung
[fibre] fragte."
"Ach so. Was erwarten sie denn von jemandem in dieser Position?" will Grau
wissen.
"Die Fähigkeit zu addieren, zu subtrahieren, lesen und schreiben ohne sich auf die
Zunge zu beißen. Die Intelligenz, seinen Namen unter alles zu schreiben, das ich ihm
vor die Nase halte, unabhängig davon, wie seltsam es klingen mag."
"So, sie meinen, daß er nichts weiter sein soll als ein Ja-Sager."
"Genau."
"Nun, wir sind uns einig, daß wir dem nicht zustimmen. Sie können doch nicht
ernsthaft erwarten, daß er alles unterzeichnet ohne es zu prüfen. Mit einer kleinen
Wartezeit von ein paar Tagen für eine Prüfung muß man leben können. Was ihr
Verhältnis zueinander betrifft, nun, auch wenn ihr Abteilungsleiter nicht unbedingt
die Idealbesetzung für diese Stelle zu sein scheint, so ist ihr Urteil doch ziemlich
ungerecht und übertrieben."
"Hmmm." sage ich besorgtes Nachdenken simulierend. "Ich glaube, wir haben da
eine Sackgasse erreicht."
Dann stehe ich auf und gehe.
Auf dem Weg nach draußen höre ich, wie der Mann vom Vorstand Grau davor warnt,
den Fahrstuhl oder irgendein anderes Gerät zu nutzen, welches von Computern
kontrolliert wird. Dafür hat er Strafe verdient ...
...
Später, gegen 18:17 Uhr sehe ich im Überwachungsmonitor, wie sich ein Schatten
von den anderen löst und sich an der Tür zu schaffen macht.
Ein paar Tastatur-Klicks - die Drehtür bleibt in Mittelstellung stehen und der
Sicherheitsalarm geht los.
Zwanzig Minuten später gehe ich die Treppen hinunter und tue so, als wollte ich das
Haus verlassen. Eine kleine Menschenmenge hat sich um die Drehtür versammelt
und schaut den Sicherheitsleuten zu, die sich abmühen, den gefangenen Grau zu
befreien. Ich lächle wohlwollend, als Grau mich sieht.
"Keine Angst", sage ich. "Wir können ja noch das Glas einschlagen, um sie zu
befreien."
"Das ist Panzerglas", wirft ein Wachmann ein. "Man müßte schon mit einem Auto
dagegenfahren. Ich befürchte, das wäre nicht gut für ihn."
"Es gibt immer eine Möglichkeit für den Notfall", sage ich hilfreich.
"Irgendetwas ging schief. Der ganze Kontrollmechanismus ist tot." kommt die
Antwort.
"Wirklich?" frage ich und schaue Grau an. "Nun, der Wartungsvertrag war Teil
meiner Anforderung, DIE MEIN ABTEILUNGSLEITER HEUTE NICHT
GENEHMIGEN WOLLTE. EINE KLEINE WARTEZEIT VON EIN PAAR TAGEN
WIRD DOCH NIEMANDEN UNGLÜCKLICH MACHEN."
Der Wachmann murmelt etwas. "Wir dachten, wir könnten einfach die Kabel
durchtrennen, damit die Türverriegelung freigegeben wird, und ihn dann rausholen."
"Wenn das so einfach wäre, dann könnte jeder Einbrecher hier reinkommen", erkläre
ich. "JETZT IST DIE INTERNE BATTERIE AKTIV, DIE UNABHÄNGIG VOM
REST DER STROMVERSORGUNG LÄUFT. ES DAUERT 48 STUNDEN, UM SIE
ZU ENTLADEN."
"Was können wir tun?" will der Wachmann wissen.
"Nun, Tacos und Käsescheiben würden ganz gut passen."
"Hä?"
"Um sie ihm unter der Tür hindurchzuschieben. Er muß ja etwas essen! ICH HOFFE
NUR, ER MUSS NICHT ZUR TOILETTE. ICH KÖNNTE ES NICHT
AUSHALTEN, 48 STUNDEN IN EINER GLASKABINE EINGESPERRT ZU
SEIN, IN DIE JEDER HINEINSCHAUEN KANN, UND NUR MEINE
AKTENTASCHE DABEIZUHABEN."
Das Leben kann grausam sein, wenn du versuchst, nicht auf das zu hören, was
andere dir sagen ...


Der B.O.F.H. erzieht den Pickelgesichtigen Jüngling (PJ) ...

Es ist ein ruhiger Montagmorgen, als ich in mein Büro komme und die Anwesenheit
eines Wesens bemerke, welches nur als Pickelgesichtiger Jüngling (PJ) bezeichnet
werden kann. Zu allem Überfluß hat dieses Wesen meinen Schreibtisch übernommen.

"Hallo!" keucht der PJ. "Ich bin der neue Auszubildende, den sie letzte Woche
angefordert haben."
Anstatt anzuhalten, nehme ich meine Tasche und mache sofort kehrt, um in Richtung
des Büros des Abteilungsleiters davonzustürmen. Der informiert mich in sehr
deutlichen Worten, daß die Lohnabrechnung, die er nach meinem
Bewertungsgespräch in der vergangenen Woche erhielt, in keiner Weise zu dem
beigetragen hat, was der flüchtige Beobachter wohl als Rache bezeichnen würde.
Reiner Zufall, daß er den PJ jetzt angestellt hat, behauptet er ...
Er erklärt mir außerdem, daß der PJ nicht nur bleiben, sondern mich auch irgendwann
ablösen soll. Ich soll ihn zu einem absoluten Fachmann ausbilden. Traurigerweise ist
in meinem Büro nur Platz für einen, aber das kann noch warten.
...
"Ich habe die Anrufe entgegengenommen, als sie weg waren!" ruft mir der PJ zu, als
ich zurückkomme und wedelt mit einem Stapel ´Während sie weg waren´-Notizen.
Ich entscheide mich, so zu tun, als stimme ich voll und ganz mit dem Abteilungsleiter
überein.
"In Ordnung, sortieren sie sie ein und dann beobachten sie dann das hier", sage ich
und schalte den Netzwerk-Monitor ein.
"Wo soll ich sie einordnen?"
"In den Aktenschrank." sage ich.
"Aber ich kann keinen sehen ..."
"Der runde ..."
"... auf dem Boden ..."
"JA, IN DER ECKE!!"
"Ein Anruf war aber wichtig!" keucht er.
"Das ist ein Netzwerk, hier sind alle wichtig. Jetzt ist es von Bedeutung zu
erkennen, welche Nutzer wirklich wichtig sind, wenn sie anrufen."
"Oh, kann man das denn?"
"Das kann man nicht. Es war nur ein Witz. Das hier ist ein Netzwerk, okay? Sie
nehmen, was sie kriegen können und sind damit zufrieden, oder sie bekommen ein
´Upgrade´ auf ein 150 Baud-Modem mit einem nicht isolierten Netzteil."
"Wie haben sie es geschafft, ihren Job zu behalten?"
"Hmm. Eine clevere Mixtur aus überlegener Intelligenz, Unersetzbarkeit und
unbarmherziger Erpressung, wenn es nötig ist. Das hat bisher funktioniert. Nun, ich
verwette meinen nächsten Lohnscheck darauf, daß 90 Prozent der Beschwerden an
diesem Morgen von der Lohnbuchhaltung kamen - oder irre ich mich etwa?"
"Nein, sie haben Recht! Ist deren Netzwerk fehlerhaft?"
"Nein, das ist mehr ein Protokoll-Problem."
"Was? Etwa mit dem TCP/IP-Protokoll?"
"Nein, eher eines von der Art ´Wenn Simon Rückerstattungen für technische
Handbücher fordert, dann schickt ihn weit, weit weg´. Wirklich, es ist zwar nicht
dokumentiert, aber ein De-facto-Standard hier."
"Und was tun wir wegen dieser Fehler?"
"Nichts. Wir erklären, daß es sich um einen unvorhersehbaren Fehler handelt, der
möglicherweise irgendwo in einem technischen Handbuch beschrieben wird. Dann
installieren wir die ´Niemals-versagende-Netzwerkproblem-Lösungstechnik´."
"Was ist das?"
"Wir lösen alle Probleme durch ein ´Router-Reset´."
"Ich verstehe nicht ..."
"Das ist doch ganz einfach!! Irgendwer ruft wegen eines ´Netzwerk´-Problems an.
Du gehst hin und schaltest den Router ab und startest ihn neu. Dann gehst du durch
die Abteilung und erklärst, daß du es tun mußtest, da der Anrufer ein dringendes
Problem hatte, das nicht warten konnte. Es ist faszinierend, wieviel Feindseligkeit
man auf diese Weise in nur einer Woche innerhalb der Abteilung erzeugen kann.
Wenn man wirklich etwas erreichen will, dann tut man das etwa 10 Minuten vor der
Mittagspause - niemand speichert seine Arbeit vor der Pause, so daß sich dann die
Programme aufhängen und sie alles verlieren, was sie bis dahin getan haben."
"Was passiert dann?"
"Wir ´tun natürlich auch nur unseren Job´. Aber oben in der Abteilung entsteht eine
demilitarisierte Zone! Dinge verschwinden, Mittagessen werden mit Pfeffer
´verfeinert´ und dann, langsam aber sicher, hören die Anrufe auf. Wenn jemand einen
Ausfall hat, rufen sie nicht mehr uns an, sondern die Service-Abteilung."
"Und was tun die?"
"Sie schreiben eine ´Während sie weg waren´-Notiz."
"Und dann?"
"Dann geben sie sie uns."
"Und wir ..."
"SORTIEREN SIE EIN!"
"Was tun wir sonst noch?"
"Wir beobachten, wie das Netzwerk wirklich arbeitet, finden Engpässe und planen
Upgrades für die nächste Budget-Runde."
"Wirklich?"
"Ach was. Sind sie gut in ´Immortal Kombat´?"
"Naja, es geht so."
"In Ordnung, der Gewinner macht den nächsten Reset, der Verlierer kauft Krapfen."
Das leben an der Spitze ist hart, aber es ist, was man daraus macht ...


Der B.O.F.H. trifft einen ebenbürtigen Gegner, behält aber die Oberhand ... vorerst ...

Überraschenderweise scheint die Ausbildung des PJ gut zu verlaufen. Er bemüht
sich, alles richtig zu machen, aber ich bezweifle, daß das auch noch in ein paar
Wochen so ist, wenn er mit ein paar schwierigen Klienten zusammentreffen wird ...
Ach ja, unsere Klienten. Einer unserer schlimmsten Klienten ist kürzlich
zurückgetreten, nachdem ein paar wirklich sehr persönliche Fotos im Speicher einer
geliehenen digitalen Kamera ´vergessen´ wurden. Das ist eine sehr seltsame Sache,
denn die Löschfunktion funktionierte perfekt, als ich die Kamera vor einer Woche
´wartete´. Die Sache wäre wohl weniger schlimm ausgegangen, wenn der Finder
nicht eines der Bilder als Startlogo aller Windows-PCs auf seiner Etage eingerichtet
hätte. Das Opfer hat natürlich behauptet, daß jemand das Bild bearbeitet und
gefälscht habe. Doch alle waren der Meinung, daß es nicht das Bild war, das da
´bearbeitet´ wurde.
Arme Sau.
Der PJ ist besorgt und benötigt offensichtlich Rat.
"Wo liegt das Problem?" frage ich.
"Ich verstehe nicht, wie dieses Bild auf alle PCs gelangen konnte."
"Ach so. Ich schätze, daß es jemandem gelungen ist, in den Programm-Server
einzubrechen und das Bild auf die verschiedenen Desktops zu bringen."
"Aber der Server ist durch ein Passwort geschützt. Und das
Versionsverwaltungsprogramm auch. Wie konnte das passieren?"
"Jemand muß das Passwort herausgefunden haben", antworte ich und warte auf das
Unvermeidliche.
"Aber nur sie und ich haben Passwörter, und ich erst seit gestern."
"Notieren sie sich die Passwörter?"
"Nun, ja. Aber der Zettel liegt in meinem abgeschlossenen Fach."
Ich schüttle traurig den Kopf. "Und wer hat Schlüssel zu dem Fach?" frage ich.
"Nur sie und ich."
"Und waren sie es?"
"Nein."
"Dann können wir diese Möglichkeit verwerfen. Also muß ich es gewesen sein, der
das Fach geöffnet und die Passwörter benutzt hat, um sich mit einer anderen
Identität beim Server anzumelden."
"Sie waren es?!"
"Natürlich. Sie denken doch, daß es niemand anderes gewesen sein kann, oder? Gott,
die einzige weitere Person mit mehr Zugriffsrechten ist der Systemmanager, aber der
ist so langsam, daß er ein Abschleppseil braucht."
"Warum haben sie das getan?"
"Weil sie lernen sollen, was Sicherheit bedeutet. Ich bin mir sicher, daß sie diese
Erfahrung bei ihrem nächsten Job, der sie irgendwann nach dem morgigen Tag
erwartet, nutzen können."
"A ... a ... aber."
"Kein Grund zur Aufregung."
"Aber ich wollte sagen, daß sie mich doch nicht dazu bringen wollen, Onkel Brian zu
sagen, daß das mein Fehler war. Das können sie doch nicht tun!"
Warnlampen an!
"Onkel Brian?"
"Onkel Brian. Sie kennen doch das große Büro im 6. Stock. Das mit den Ledermöbeln.
Ich würde ihrem Bericht an den Geschäftsführer nur ungern widersprechen."
ONKEL Brian ... Onkel Brian. Der Geschäftsführer. Ich hätte es wissen müssen.
Das ist keine einfache Sache, sondern ein Riesending.
"Nun, vielleicht ist es besser, diese Angelegenheit einem Hacker von draußen
anzuhängen", sage ich so freundlich wie ich kann.
"Oder einem Hacker aus unserem Haus ..."
Der PJ lächelt bedrohlich.
Dieser hinterhältige Bastard! Möglicherweise steckt mehr in ihm, als ich dachte.
"... wie unser Abteilungsleiter." fügt er hinzu und läßt mich vom Haken.
Gott sei Dank ...
"In Ordnung", sage ich schnell, bevor er das riesige Potential von Erpressungen
erkennt. "Sie sagen es Onkel Brian und ich werde einen Zettel mit ihren Passwörtern
auf den Schreibtisch vom Abteilungsleiter schmuggeln."
"So machen wir es!"
Zehn Minuten später beobachten wir bei süßen Krapfen, wie ein weiterer Chef aus
den geheiligten Hallen der Hölle hinausbegleitet wird.
"Sie wissen, daß er ihnen diesen Job gegeben hat", sage ich.
"Ja. Aber für Sentimentalität ist jetzt keine Zeit." antwortet er.
Wirklich, ein PJ voller Potential ...
"Okay, was sollen wir nun tun?" fragte er lernbegierig.
"Nun, ich denke es ist Zeit, den Stecker eines Remote-Rechners zu ziehen und die
Leute anzurufen. Wir erklären ihnen dann, daß die Etiketten ihrer EPROMs ungültig
sind und sie sie an einem gut beleuchteten Ort abziehen sollen. Irgendwo, wo die
Sonne hell scheint."
"Würde das nicht ...?"
"Yep."
"Legen wir los."
Einen Job wie diesen zu haben, kann man nicht BEREUEN!


Der B.O.F.H. kennt keine Störungen in seinen Druckersystemen ...

Es ist ein angenehm kühler Morgen, als ich zurückgelehnt in meinem Sessel liege
und die nächsten Überraschungen im Leben der Netzwerknutzer plane. Nun, es ist
angenehm kühl für mich. Aufgrund eines bedauerlichen Fehlers in der Klimaanlage
herrschen in allen anderen Zimmern Temperaturen, die entweder denen der Arktis
oder denen der Tropen gleichen.
Einige aus der höheren Belegschaft haben versucht, die Brandschutztüren zu den
Treppen zu öffnen, die den Luftausstausch blockierten, doch seltsamerweise wurde
dadurch mehrmals Feueralarm ausgelöst. Die Sicherheitsleute sorgen seitdem dafür,
daß diese Brandschutztüren geschlossen sind. Natürlich nur zur Sicherheit aller.
Aufgrund all dieser Aktivitäten ist es in meinem Raum, in dem es zu dieser Zeit
normalerweise recht hektisch zugeht, ziemlich ruhig. Überraschend hat sich der PJ
als ein Fanatiker mit einem kaum menschlichen Gesicht entpuppt. Er hat es
geschafft, den Personalchef zu ´überreden´, ihn zu einem Kurs über ´Grundregeln des
Managements´ zu schicken ... nach Paris. Nicht schlecht für einen Nicht-Manager
und Anfänger - könnte das etwas mit dem E-Mail-Filter zu tun haben, den er im
Mailsystem der Personalabteilung installiert hat? All diese jungen Sekretärinnen ...
Ich denke, daß mein Tag friedlich und ohne Unterbrechungen durch sinnlose
Anfragen vergehen wird. Ich klopfe auf Holz.
Zu spät. Das Telefon klingelt. Es ist ein Nutzer.
"Hallo, ich schreibe dieses Programm, um unsere Drucker aufeinander abzustimmen,
um zu sehen ..." Ich lege auf.
Es klingelt erneut: "Hallo, ich schreibe ..." Ich lege auf.
Wieder klingelt es: "Hallo, ich ..." Ich lege auf.
Die Lernfortschrittskurve dieser Menschen ist beinahe horizontal, so daß man auf ihr
Bowling spielen könnte. Ich lasse den Hörer neben der Gabel liegen. Zehn Minuten
später klopft der Kauz an meine Tür. Ich habe gerade noch Zeit, den Telefonhörer
wieder auf die Gabel zu legen, dann kommt er auch schon herein.
"Hallo, ich habe versucht, sie anzurufen, doch ihr Telefon muß defekt sein ..."
"Ich deute auf die ´Konsole der Hölle´ und schüttle meinen Kopf. "Das ist die
Konsole", sage ich leise, "sie geht niemals kaputt."
"Na gut, dann ..."
"Ihr Telefon", fahre ich fort, "hat eine Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren, aber
dieses Baby hier wird noch am Weltuntergangstag funktionieren. Es wird auch dann
noch Anrufe dummer Nutzer annehmen."
Der Kauz ist verblüfft. Er versucht, seine Gedanken neu zu ordnen. Da klingelt das
Telefon. "Sehen sie, was ich meine?" sage ich und nehme den Hörer ab.
"Mein PC ist schon wieder abgestürzt. Das passiert immer, wenn ich auf mein
Netz-Laufwerk zugreifen will." schluchzt ein deprimierter Nutzer.
"Aha." sage ich und suche die Ausrede des Tages im Ausredenkalender. "Es könnte
sich um VORÜBERGEHENDE KNOTENVERDOPPLUNGEN handeln."
"Was?"
"Nun, ihr PC stürzt ab, weil er doppelte Dateien auf dem Fileserver und ihrer
Festplatte findet.
"Oh. Was soll ich tun?"
"Nun, das Beste wird sein, sie melden sich beim Fileserver an und machen ein
remove-rename."
"Und wie?"
"Geben sie einfach ein rm -rf ein. Das bedeutet remove minus rename, alle nur
einmal vorhandenen Dateien werden nicht umbenannt."
"Oh, in Ordnung. Danke."
"Gern geschehen." ich lege auf. Der Kauz ist noch immer hier.
"Ich schreibe ein Programm ..." setzt er an.
"... um die Drucker abzustimmen." vollende ich.
"Ja."
"MEINE Drucker." stelle ich fest.
"Ähm ... ja."
"Warum?"
"Nun, ich dachte, daß ich einmal pro Sekunde abfrage, welche Druckaufträge sie
gerade bearbeiten und wie schnell sie waren."
"Warum?"
"Um zu sehen, ob es irgendwelche Engpässe im Netzwerk gibt."
"Wie, um ein Beispiel zu nennen, einen Engpaß, der dadurch verursacht wird, daß die
Drucker einmal in der Sekunde auf die Anfrage eines ´intelligenten´ Programms
antworten müssen?"
"Ich dachte, daß das kein Problem wäre."
"Das dachten sie nicht", sage ich, ändere die Temperatur im Treppenhaus auf Null
und erhöhe die Luftfeuchtigkeit. "Aber sie haben das Programm schon laufen lassen,
stimmts?"
"Nun, ein- oder zweimal vielleicht."
"Nein, mehr als ..." (Ich zähle die roten Punkte, die der
Druckerwarteschleifen-Monitor zeigt.) "Mindestens 17mal, wenn ich richtig gezählt
habe. Sie schicken eine falsche SNMP-Anfrage an die Drucker, die natürlich nicht
antworten. So geht es weiter, und sie schicken eine weitere Anfrage an den nächsten
Drucker."
"Ich ... nun, es könnte sein ..."
"MEIN Problem ist nun: Wen soll ich damit beauftragen IHR Problem zu bearbeiten?
Vielleicht meinen beinahe wahnsinnigen Auszubildenden, dem beigebracht wurde,
unnötige Netzlast mehr zu hassen als Wiederholungen von ´Unsere kleine Farm´?
Oder möglicherweise die Programmierer, die Möchtegernprogrammierer mehr
hassen, als sie es hassen, zu arbeiten wenn die Kneipen geöffnet sind? Wissen sie,
ich werde einfach alle fragen."
Er ist verschwunden und hat seinen sechsmonatigen Spanienurlaub schneller geplant
als ich es schaffe, den Telefonhörer neben den Apparat zu legen.
Ich schaue im Monitor zu, wie er zu den Treppen stürmt, um zu flüchten.
Dummerweise kondensierte im nun kalten Treppenhaus ein wenig Wasser auf dem
Linoleumbelag, so daß er ausrutscht und ein paar Treppen nach unten rollt. Auf
seinem Weg aus dem Gebäude heraus wirft er eine Gruppe Erbsenzähler um, die
begierig zu ihren Summen zurückkehren wollen.
Als er aus dem Haus hinkt, kommt mir ein Gedanke: Man kann Zufriedenheit mit dem
Job eben nicht planen. Nun, jedenfalls nicht wirklich, schätze ich ...


Der B.O.F.H. gibt einem hilflosen Verkäufer die Chance, an Geld zu kommen ...

Ich sitze in meinem Büro, als der Anruf eines Verkäufers kommt, der mir ein paar
ATM-Kits aufschwatzen will. Er hat meinen Namen aus einer dieser Anforderungen
für Gratis-Zeitschriftenexemplare, die ich vor Monaten abgeschickt habe. Man muß
auf diesen Anforderungen ja immer ein paar ´statistische´ Informationen geben, also
habe ich die Angaben zu meinem technischen Wissen auf ein Zehntel nach unten
korrigiert. Bei der Frage nach ´Verfügbaren Finanzmitteln´, habe ich meine Antwort
um den Faktor 100 aufgeblasen. Eine kleine Lüge tut niemandem weh, und widerlegt
nebenbei das Gerücht, es gäbe so etwas wie eine Einladung zu einem kostenlosen
Mittagessen nicht.
Ich schalte mental in den ´Vergnügungs-Modus´ und sage dem Anrufer, daß er mit
dem technischen Manager sprechen soll, und ich ihn sofort weiterverbinde. Zwei
Sekunden später spricht er mit meiner Imitation unseres technischen Managers.
"Ich möchte zu ihnen kommen, um ihnen eine zukunftssichere Netzwerk-Lösung
vorzustellen, wenn das möglich ist." legt er los.
Das Letzte, was ich will, ist, daß er herkommt und alle Leute nach ´dem technischen
Manager´ fragt. Daher entscheide ich mich für einen schnellen Spaß.
"Nun", sage ich, "ich bin in dieser Woche stark mit ein paar Besprechungen über
Neuanschaffungen beschäftigt."
Er macht eine Pause. Ein klein wenig zu lang, finde ich. Das bedeutet vermutlich, daß
er nicht bereit ist, sein Ausgabenbudget einzusetzen.
Ich ´füttere´ ihn noch ein wenig.
"Dann habe ich eine Budget-Konferenz in der nächsten Woche, um die Ausgaben im
nächsten Vierteljahr zu planen, also bin ich mit der Vorbereitung darauf auch
ziemlich beschäftigt."
Er beißt an.
"Ich sage ihnen etwas - wie wäre es, wenn wir uns zu einem Mittagessen träfen -
sie müssen doch etwas essen, oder? Und ich beschreibe Ihnen ganz unverbindlich
unsere Produkte. Sie werden die Vorteile dann ganz von selbst sehen."
"Ähm ..." denke ich laut nach.
"´Luigi´s´, am Donnerstag um 12 Uhr?"
"Ich, also ...", murmle ich, spiele den Unbestechlichen.
"In Ordnung, ich reserviere uns Plätze", schließt er wie ein wirklicher
Verkaufschampion.
Ich öffne den elektronischen Terminkalender mit dem Passwort des Chefs (der Name
seiner Frau - glaube ich jedenfalls ...) und trage den Termin bei ´Luigi´s´ ein.
Es ist Donnerstag und ich komme um 11:30 Uhr in die Bar, arbeite mich durch die
´importierten Spirituosen´ durch, solange ich kann. Irgendwann taucht der Verkäufer
auf. Ich bin, wie wir Ethernet-Freunde sagen würden, in einem Wahllos-Modus. Ich
würde jetzt alles kaufen. Zumindest dann, wenn ich Geld hätte. Was nicht der Fall
ist. Wie auch immer, ich habe ein paar Visitenkarten des technischen Managers
dabei und beherrsche eine akzeptable Nachahmung seiner Unterschrift.
Die nächsten drei Stunden vergehen schnell, während ich verschiedene Kataloge mit
glänzender, beta-getesteter, ´höchstmoderner´ Hardware anschaue, in Verzückung
gerate, wie das nur ein technischer Manager kann, und gelegentlich Kommentare
wie: "Schöne Lichter" abgebe. Irgendwann gegen 15 Uhr entschließe ich mich, den
Mann etwas unter Druck zu setzen. Ich erkläre ihm, daß in diesem Jahr kein Geld für
das Netzwerk vorgesehen ist, da ich alles schon im letzten Jahr ausgegeben habe.
Er beginnt zu weinen und versucht alles, damit ich mich schuldig fühle. Ich gebe vor
aufzugeben und erkläre ihm, daß ich eine Wagenladung Waren bestellen würde und
es so aussehen lassen werde, als handele es sich um eine Bestellung aus dem
letzten Jahr.
"Wird das gehen?" schnieft er.
"Natürlich ..." sage ich. "Jetzt gehen sie und machen sich wieder fein. Sie sehen ein
wenig durcheinander aus."
Er verschwindet zur Toilette. Ich prüfe schnell seine Brieftasche. Sie enthält 70
Pfund. Ich nehme mir 40 - ich will ihn ja nicht völlig zusammengebrochen
zurücklassen. Und wo ich gerade dabei bin, nehme ich ihm noch die letzte
Möglichkeit zur Bezahlung, indem ich meinen guten alten Permanent-Magnet über
die Magnet-Streifen seiner Kreditkarten ziehe. Dann gehe ich wieder zur Bar und
bestelle einen anderen Drink.
Ich unterhalte mich mit dem Barkeeper, bis der Verkäufer wiederkommt.
"Nun", sage ich, "ich muß zurück ins Büro."
Er blickt mich mißtrauisch an.
"Wissen sie", sage ich. "Wie wäre es, wenn ich einfach einen Bestellschein
unterschreiben würde, den sie dann ganz ruhig in ihrem Büro ausfüllen können?"
Der Traum eines jeden Verkäufers.
Ich werfe schnell die Unterschrift unseres technsichen Managers aufs Papier,
stecke die Quittung ein und habe schon die Hälfte der Strecke zur Arbeit
zurückgelegt, als die Polizeiwagen mit Blaulicht das ´Luigi´s´ ansteuern.
Offensichtlich haben sich die Methoden beim Umgang mit potentiellen Kunden
bisher noch nicht geändert. Mit etwas Glück war das aber nur ein kleiner Tiefschlag
- es sei denn, der Wurfarm seines Chefs ist gesund ...


Der B.O.F.H. sorgt mit einer kleinen Bestechung für einen Zusammenbruch seines
Chefs ...

An einem ruhigen Morgen werde ich vom Pförtner angerufen. Neues Equipment ist
angekommen und nun muß ich sagen, wohin es gebracht werden soll.
Ich brauche ein paar Sekunden, um mich an das Essen mit dem Verkäufer im
´Luigi´s´ zu erinnern und die wortreichen Versuche meinerseits, ihn aus seiner
mißlichen Lage zu befreien, als er kein Geld mehr hatte ... Seine beiden Vorderzähne
waren aus Gold. Möglicherweise konnte er sich mit dem Restaurant einigen. Oder er
hat etwas herausgefunden ...
Das bedeutet möglicherweise, daß unser technischer Direktor nun extrem
hochgezüchtete Hardware besitzt, die geeignet ist, alle Geräte zu überfordern, in die
sie eingebaut wird.
Da ich keine Ahnung habe, was eigentlich geliefert wurde, sollen sie die Sachen erst
einmal zum technischen Direktor bringen. Immerhin steht ja ´seine´ Unterschrift
unter der Bestellung ...
"Es ist aber sehr viel ..." sagt der Pförtner. "Der Platz im Lift wird kaum ausreichen."
Ich sage, daß sie es in den Lift schaffen sollen, dann bereite ich mich darauf vor, dem
Untergang des technischen Direktor beizuwohnen.
Fünf Minuten später ist der Lift mit hundert glänzenden Schachteln und
Schächtelchen unterwegs.
Der technische Direktor scheint sehr verwirrt zu sein. Mit einem Budget
ausgestattet, das gerade für ein paar Schachteln Chips reicht, ist er wirklich besorgt
über die Lieferung dieser bunten Schachteln. Das ist nicht weiter verwunderlich,
denn er ist ja der einzige, der für Technik Geld ausgeben darf.
Ich warte, bis er die Rechnung und die beigeheftete Bestellung sieht. Seinem Blick
zufolge scheint ihn ein mächtiges Problem zu beschäftigen.
"Das muß ein Irrtum sein!" ruft er, als ein besonders besorgniserregend blickender
Buchprüfer mit dem Inventarverzeichnis hereinkommt.
"Das ist die neue Technik?" fragt er.
"Es scheint so", antowrte ich. "Aber ich dachte, wir hätten kein Geld mehr?"
"Haben wir auch nicht." plärrt der technische Direktor.
"Wenn das so ist", frage ich und deute auf ´seine´ Unterschrift, "Warum haben sie
dann diese Sachen bestellt?"
"Habe ich doch gar nicht", beteuert er mit 28.8 bps (Beteuerungen pro Sekunde).
Ein kleiner Auflauf interessierter Zuhörer hat sich gebildet, so daß ich um Ruhe bitte.
"Und das auch noch, nachdem sie die Wünsche nach einer besseren Klimaanlage
abgelehnt haben!"
Das Murmeln der Ablehnung zeigt den Grad der Zustimmung an, die der technische
Direktor jetzt noch erwarten kann (eine beliebig große Zahl multipliziert mit Null).
Dieses feindselige Publikum ist nicht empfänglich für Ausreden, ganz besonders
nach den ´extremen Wetterschwankungen´ des vergangenen Jahres.
In seiner Verzweiflung meint er einen rettenden Strohhalm gefunden zu haben: "Hey!
Diese Bestellung ist sechs Monate alt. Damals war ich doch noch gar nicht hier!"
ruft er.
"Bestellungen zurückdatieren, um dem Inventar-System zu entkommen!" rufe ich.
Die Augen des Buchprüfers leuchten auf wie ein Weihnachtsbaum, als er sich den
Ruhm vorstellt, den er mit der Aufdeckung dieses Betruges ernten kann.
"Aber ... Ich ..." fleht der technische Direktor.
Ich nehme mir eine Schachtel und sorge für etwas mehr Druck: "ATM-Karten für
XT-kompatible. Wie nützlich."
Die Ablehnung wird lauter. Der technische Direktor gibt alle Versuche, den
Unschuldigen zu spielen, auf und versucht etwas anderes.
"Wir haben eine Menge altes Equipment!" keucht er. "Die Karte kann DOS
beschleunigen!"
Er ist eingekreist und hat keine Aussicht auf einen Ausweg. Ich weiß es, er weiß es.
Die Belegschaft weiß es.
"Was zum Henker ist denn das?" frage ich und deute auf die Rückseite des Stapels
im Lift.
Der technische Direktor eilt in der Hoffnung hinein, weitere Schwierigkeiten
verstecken zu können.
"Was?" fragt er, als ich ihn einhole.
"Oh, nichts, einfach all das. Der Buchprüfer, die Belegschaft, diese nutzlose
Hardware. Alles. Das ist nicht gut für einen Karrieremenschen, wissen sie."
"Aber, ich ..."
"Ich meine, wenn ihr Chef etwas davon erfährt ..."
Wortlos steht er einfach nur da.
"Andererseits, wenn all dies hier einfach verschwinden würde ..."
Ein Hoffnungsschimmer erscheint am Horizont.
"Verschwinden?"
"Wie ein böser Traum." bestätige ich.
"Wie?"
"Nun, sie geben mir die Rechnung und dann unterschreiben sie diese Bewilligung für
einen Fortbildungskurs."
Er liest sich die Kursbeschreibung durch:
"Aber das ist ein Zwei-Wochen-Kurs in Amerika, in dem es um Grundlagen von
Netzwerken geht. Sie wissen das doch alles schon."
"Dann werde ich viel Zeit zum Vertiefen haben, oder?"
"Aber ..."
"Oh, ist das nicht eine ATM-Karte für den Commodore C-64?"
"In Ordnung. In Ordnung."
Er unterschreibt die Unterlagen und wir verlassen den Lift. Ich lege alle Schachteln
wieder zurück in den Lift, gehe in mein Büro und rufe den Pförtner an.
"Irgendetwas stimmt nicht mit dem Lift!" erkläre ich und nutze dessen
Service-Konsole um seine Beschleunigung ein wenig über die rote Linie hinaus zu
erhöhen.
Als ich wieder beim Lift ankomme, steht der Buchprüfer noch immer da. Er hat
offensichtlich etwas dagegen, den Lift abfahren zu lassen.
"Sie meinen, das hier sieht schlimm aus", sage ich zu ihm. "Dann sollten sie erst
einmal sehen, was noch alles beim Pförtner liegt!"
Die Halteverriegelung löst sich mit einem Klick, als er zum Pförtner verschwindet.
Genau 23 Sekunden später hört man im gesamten Gebäude den Aufprall eines mit
Waren vollbeladenen Lifts im 2. Kellergeschoß.
Sowie die Sirenen der Krankenwagen näherkommen, beginne ich damit, mir
Reisebroschüren anzuschauen, um einen netten Platz für meinen
´Auffrischungskurs´ zu finden. Dann rufe ich unsere Versicherung an, um sie über
den Unfall, durch den all diese moderne Technik vernichtet wurde, zu informieren ...


Der B.O.F.H. sorgt für Normalität ...

Ich sitze in meinem Büro und genieße die Musik aus meinem Radio, als ein ´Kollege´
aus einem weiter entfernten Büro im meiner Tür erscheint.
"Ja?" frage ich und blicke ihn an.
"Ähm. Könnten sie ihre Anlage etwas leise stellen - ich versuche, einige Arbeiten
zu erledigen und da fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren."
Er ist neu hier, überlege ich, statt Politik der verbrannten Erde hat er eine großzügige
Chance verdient.
"Entschuldigung", sage ich mit einem wirklich zerknirschten Gesichtsausdruck und
drehe den Lautstärkeregler von 11 auf 2.
Sehr zur Verwunderung der anderen Kollegen, die ihren Freunden schon die freie
Stelle melden wollten, verläßt er fröhlich mein Büro.
Sogar der Abteilungsleiter bemüht sich her, um zu sehen, ob ich wirklich da bin. Als
er wieder geht, bemerke ich den Anflug eines Lächelns in seinem Gesicht.
Fünf Minuten später ist er wieder da und fragt mich, ob ich ihm bei der Installation
einer Backup-Software für seinen Laptop helfen könne. Ich weiß nicht warum, doch
anstatt die DELETE.EXE in BACKUP.EXE umzubenennen, richte ich die
Backup-Software tatsächlich ein.
...
Jetzt bin ich sicher, daß irgendetwas nicht stimmt. Ich rufe meinen Beinahe-Freund,
den Pickelgesichtigen Jüngling (PJ), an und frage, was er so macht.
Er erklärt mir, daß er die Probleme einiger Nutzer gelöst und einem Buchhalter
geholfen hat, seine Maschine nach einem Umzug wieder zum Laufen zu bringen.
Jetzt bin ich wirklich besorgt. Ganz bestimmt läuft irgendetwas falsch! Er hat das
´B´-Wort benutzt und nicht das übliche ´Erbsenzähler´.
Der nächste Tag bricht an und ich beginne ihn mit der Reparatur einiger Telefone.
Aber mit dem Herz bin ich woanders. Am frühen Nachmittag bringe ich die Apparate
zurück und entschuldige mich sogar für die Unannehmlichkeiten. Der
Abteilungsleiter lächelt noch immer.
Ich war vorsichtig und habe nichts gegessen. Also muß es etwas anderes sein.
Etwas sehr, sehr hinterhältiges. Nach einer langen Schlacht mit meinem Gewissen
werfe ich einen Blick in die Liste der vom Abteilungsleiter genehmigten Einkäufe,
wobei ich mein Gewissen damit beruhige, daß ich dies ja nur tue, um dafür zu sorgen,
daß die Bestellungen auch korrekt ausgeführt werden.
Ich finde, wonach ich zu suchen glaubte, und zwar in Form von 10
´Ultra-Positiv´-Ionisierern, die in die Klimaanlage eingebaut wurden. Noch kann ich
mich nicht dazu bringen, etwas zu unternehmen, also gehe ich in den Druckerraum,
schalte die Klimaanlage ab und die Laserdrucker auf volle Kraft. Eine halbe Stunde
später bin ich beinahe wieder normal. Ich beende meine Arbeit und gehe nach Hause,
um über einen Plan nachzudenken.
Am nächsten Morgen stehe ich früh auf und komme unbeobachtet zur Arbeit.
Mein erster Halt: der Turm der Klimaanlage auf dem Dach. Ich lokalisiere die
störenden Ionisierer und programmiere sie mit meinem Hammer neu.
Der nächste Halt: das Büro des Geschäftsführers, wo ich den Ionisierer durch einen
von mir gebauten ersetze und gut verstecke. Dann marschiere ich in die
Telefon-Vermittlung, sorge für eine Umleitung aller Anrufe direkt zum
Geschäftsführer und sperre dann die Konsole der Vermittlungsanlage.
Unten im Computerraum forme ich einen Stolper-Draht aus den Netzkabeln der
Datenbank- und Netzwerkserver. Dann erwarte ich in meinem Büro, die Fenster
natürlich weit geöffnet, den Beginn des Arbeitstages.
Bis 9:45 Uhr passiert nichts, doch nach 15 Minuten voller Anrufe und nach der
Einwirkung meines Ionisierers ruft der Geschäftsführer genervt meinen
Abteilungsleiter an. Ich beobachte es und rufe, sobald der Abteilungsleiter aufgelegt
hat, den Geschäftsführer an.
"HIER IST NICHT DIE VERMITTLUNG!" schreit er.
"Natürlich, Sir. Das weiß ich", sage ich voller Freundlichkeit und Verständnis. "Ich
habe gerade festgestellt, daß anscheinend alle Anrufe von der Vermittlung an ihren
Apparat umgeleitet werden. Die Konsole der Anlage in der Vermittlung ist auch
blockiert. Überhaupt, die Leute aus der Vermittlung verhalten sich in den letzten
Tagen recht seltsam - nun, in Wahrheit haben wir uns in der letzten Zeit alle seltsam
benommen, glaube ich. Ich werde mich mal im Computerraum etwas umsehen ..."
Der Abteilungsleiter schaltet in den Panik-Modus, fegt durch mein Büro, reißt die
Tür des Computerraums auf. Und dann die Netzkabel der Server heraus.
Ich schenke ihm ein mitleidiges Lächeln, als er mit Schrecken feststellt, was er
gerade angerichtet hat.
"Home Team ONE, ihre Zukunftsaussichten, NULL", sage ich in den Telefonhörer,
die Hand natürlich vor dem Mikrofon. "Nichts weiter passiert", sage ich dann, die
Hand nicht mehr auf dem Mikrofon. "Der Abteilungsleiter hatte gerade einen kleinen
Unfall ..."


Der B.O.F.H. läßt sich nicht von einem Wichtigtuer mit einem schicken Auto
anhupen ...

Ich sitze gerade in einem Workshop, als der Abteilungsleiter mit verwirrtem Blick
hereinkommt. Den Gedanken, er könnte eine wichtigere Bedeutung des Lebens
gefunden haben als den Versuch einer rekordverdächtigen Verkörperung eines
Briefbeschwerers, verwerfe ich schnell wieder und entscheide mich stattdessen
dafür, ihn nach seinen Gedanken zu fragen.
"Gibt es ein Problem?" frage ich also, und es klingt, als wären seine Probleme auch
die meinen.
"Ähm ... nein. Kein Problem. Ich hatte nur etwas Ärger mit meinem Wagen."
"Das königliche blaue Monster im Parkhaus? Startet es nicht?" will ich wissen.
"Nein, nein. Es startet perfekt. Zu perfekt, um die Wahrheit zu sagen. Das ist das
Problem."
Ich weiß, was jetzt kommt, also frage ich nach. "Zu gut?"
"Ich habe schon wieder einen Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommen?"
"Wirklich? Wieviele sind es denn insgesamt?"
"Drei. Aber das Verwunderliche ist, daß der Wagen mit Automatik fuhr und nicht
schneller war als erlaubt. Doch als ich etwas später auf den Tacho blickte, war ich
plötzlich schneller als erlaubt."
"Wirklich?"
"Ja. Von einem Augenblick zum anderen. Aber wirklich seltsam ist, daß der
Radarwarner keinen Ton von sich gegeben hat."
"Nun, die Polizei wechselt manchmal die Frequenzen dieser Blitzer, damit
Radarwarner nichts nützen." antworte ich, um seine Neugier zu befriedigen.
"Aber ich habe das Ding doch erst seit einer Woche! Wenn ich es nicht besser
wüßte, würde ich schwören, daß der Wagen sich immer den ungeeignetsten
Augenblick aussucht, um zu beschleunigen. Als ob die Automatik und der
Radarwarner zusammenarbeiten würden."
Ich murmle etwas vor mich hin.
"Wie bitte?"
"Ich sagte, die Polizei hat anscheinend etwas Neues erfunden."
"Oh."
Er geht hinaus und denkt offenbar über das Leben ohne Fahrerlaubnis nach. Ich
verschwinde ins Parkhaus und verlagere mein neulich gebautes Radarzubehör vom
Wagen des Abteilungsleiters in den des PJ. Er ist in letzter Zeit etwas zu
selbstzufrieden, daher ist es gut, ihm in Erinnerung zu bringen, was es bedeutet, an
der Spitze zu leben.
Nachdem ich ihm das kleine Spielzeug untergejubelt habe, will ich mich wieder zum
Lift begeben, als ich plötzlich aus größter Nähe von zwei lauten Hupen angegriffen
werde. Hinter mir ist ein rotes Kabriolett nebst Eigentümer aufgefahren und wartet
darauf, daß ich den Weg freigebe. Der Name auf dem Schild des Parkplatzes dieses
Wagens wird augenblicklich in mein Langzeitgedächtnis übertragen.
Als ich wieder im Büro bin, fällt mir auf, daß ich die Ausbildung des PJ
vernachlässigt habe, und beschließe, dies unverzüglich zu berichtigen. Ich berichte
dem PJ von meinem Erlebnis mit dem viel zu ungeduldigen Verkaufsmanager und
seinem sportlichen Kabrio.
"Sollen wir seine Telefonleitung kappen?" fragt der PJ brennend interessiert.
"Nein, nein", antworte ich. "Dies ist ein spezieller Fall, der spezieller Behandlung
bedarf. Nehmen sie mal das Buch dort."
"Das mit dem Metalleinband?"
"Genau."
Er greift nach dem Buch, nimmt es und stürzt zu Boden. Sekunden später ist er
wieder bei Bewußtsein.
"Was ist passiert?" fragt er benommen.
"Der älteste Trick in dem Buch. ´Welches Buch?´ fragen sie Nun, der ´Bastard
Operator-Führer´. Der Wälzer der Hölle."
"Aber was ist passiert?"
"Als sie das Buch hochgehoben haben, hat ein kleiner Schalter am Boden des
Buches eine gesunde Dosis Spannung an den Buchumschlag abgegeben. Mit diesem
Buch kann man nie vorsichtig genug sein."
"Oh."
Er ist nicht gerade fröhlich, aber eine gute Ausbildung gibt es nicht umsonst.
"Okay", sage ich, "nehmen sie ein Paar Gummihandschuhe und schlagen dann Seite
43 auf, den letzten Absatz."
"Diesen über Internet-News hier?" fragt er.
"Genau, dieser Abschnitt. Jetzt können sie mir vielleicht helfen, die Nachricht zu
schreiben, die unser Freund an eine große Anzahl auf Sex spezialisierter
Newsgruppen senden wird. Für welche sexuelle Perversion wird er sich wohl
interessieren?"
Fünf Minuten später haben wir ein virtuelles Meisterwerk geschaffen, das ihm die
Aufmerksamkeit einer großen Anzahl seltsamer Leute im Internet verschaffen wird.
"Soll ich die Nachricht abschicken?" fragt der PJ.
"Noch nicht sofort. Sie wissen, daß diese Nachricht enormen E-Mail-Verkehr
auslösen wird, der den Server regelrecht überfluten kann, und daher der
System-Adminstrator eingreifen wird?"
"Sie meinen, er wird es bekanntmachen?"
"Wir können uns nicht darauf verlassen. Nehmen wir als Antwortadresse die des
Cheftelefonisten. Das ganze Haus wird es wissen, bevor einer es wagen wird,
diesen Verkaufsmanager zu informieren."
"Sie sind ein wirklicher Schweinehund!"
"Bis ins Fleisch, an der Tastatur und erbarmungslos durch das Leben anderer
Menschen stapfend." antworte ich in einen Anflug von Hochmut.
Später an diesem Tag marschiere ich in das Parkhaus und beobachte eine Person aus
dem Lift heraustreten und sich zu einem kleinen roten Kabrio schleichen. Der
Ausdruck in seinem Gesicht zeigt, daß er nicht nur von draußen Angebote bekommen
hat ...
Als er in einen langen Urlaub verschwindet, um seine Erinnerungen zu erforschen,
kehre ich in mein Büro zurück, um die Arbeit des Tages zu beenden. Ich mache eine
kurze Pause, um dann sogleich seine Akten in den Mülleimer zu werfen ...


Der B.O.F.H. erlebt seinen Schwarzen Mittwoch ...

Dieser Mittwoch entpuppt sich als denkwürdiger Tag, als ich in das Büro des
Abteilungsleiter gebeten werde, um angeblich einige wichtige Informationen zu
bekommen. Anwesend sind neben dem Abteilungsleiter noch ein technischer
Manager und unser Personalchef. Ein Treffen mit drei gleichgesinnten
Schwachköpfen, könnte man sagen - oder fünf, wenn man den Briefbeschwerer und
den Mülleimer mitzählt, die weitaus mehr arbeiten und der Firma mehr Geld bringen,
als die anderen drei.
"Wir, ähm, also, wir haben uns entschlossen, ihren Vertrag nicht zu verlängern",
meint der Abteilungsleiter nach einigen Sekunden gespannter Stille.
Ganz plötzlich haben der technische Manager und der Personalchef interessante
Dinge zum Anschauen an der Decke und auf dem Boden gefunden. In der
Zwischenzeit, so scheint es, bemüht sich der Abteilungsleiter darum, den
Weltrekord im Schwitzen zu brechen. Er erwartet offenbar das Schlimmste, also soll
er es bekommen.
"In Ordnung", sage ich leise. "Ich verlasse die Firma dann in vier Wochen, schätze
ich."
"Ähm, nun, wir haben uns entschlossen, sie jetzt schon auszuzahlen. Sie bekommen
das Geld für die letzten vier Wochen. Eigentlich können sie uns verlassen, wann
immer sie wollen, also auch sofort." lockt er. "Wir würden diese Lösung vorziehen."
"Okay", sage ich. "Ich suche meine Sachen zusammen und verschwinde dann."
"Ähm, wir haben den Sicherheitsdienst gebeten, sich darum zu kümmern", erklärt der
Abteilungsleiter auf einen Ausbruch wartend. "Draußen steht eine Kiste."
"In Ordnung. Man sieht sich", sage ich und verschwinde, nachdem ich mir meine
Sachen gegriffen habe.
Im Fahrstuhl treffe ich auf den verblüfften PJ.
"Was werden sie unternehmen?" fragt er schockiert.
"Ich? Ich werde Urlaub machen, ein paar Bücher lesen - keine Ahnung."
"Nein, ich meine, weil die sie rausschmeißen."
"Ach das! Wirklich nichts. Ich bin sicher, sie werden auch ohne mich klarkommen."
Ein Grinsen huscht über sein Gesicht, als er sich die Zukunft vorstellt.
"Ich werde sehen, was ich tun kann ..." verspricht er.
Drei Tage später klingelt das Telefon. Es ist der Abteilungsleiter.
"Äh, ich wollte fragen, ob sie vielleicht wieder zurückkommen könnten." höre ich ihn
nuscheln.
"Warum? Mein Lehrling macht doch alles richtig, oder?"
"Ähm, nein, nicht wirklich."
"Seltsam. Dabei habe ich ihm doch alles beigebracht, was ich weiß", antworte ich
und bringe die Kugel langsam ins Rollen.
"Ja, das hatten wir befürchtet."
"Wie bitte?"
"Ich weiß auch nicht. Er macht nur noch Fehler. Zumindest behauptet er, es handele
sich dabei um Unfälle."
"Was für Unfälle?"
"Alles mögliche! An einem Tag ´reparierte´ er eine ´unnormale´ Einstellung der
Heizung im Sitzungszimmer und kochte so die tropischen Fische im Aquarium des
Geschäftsführers; seine ´Wartung´ des Lifts ließ mich und einen Manager zur
Mittagszeit eine Stunde lang zwischen der dritten und der vierten Etage hin- und
herfahren; der Monitor mit den Aktienkursen zeigt nur noch holländische Pornokanäle
an; die Sicherheitstüren lassen die Leute nicht mehr zu den Toiletten - bis auf eine
Ausnahme, als sie eine nervöse Sekretärin nicht mehr herausließen - und einer aus
der Geschäftsleitung hörte ihre wilden Hilfeschreie, die ihn so erschreckten, daß er
für vier Tage klinisch tot war."
"Nun, die Betreuung eines Netzwerkes ist eine heikle Sache. Und er wird es noch
lernen, denke ich."
"Gut, gut, aber könnten sie nicht zurückkommen und die Sachen wieder in Ordnung
bringen? Die Passwörter für die Anmeldung im Netzwerk sind nur noch einen Tag
gültig und mit jedem Tag müssen sie um einen Buchstaben länger werden. Am Ende
der Woche sind wir bei 15 Zeichen angekommen, und sie wissen doch, wie wenig es
der große Boss liebt, seine Initialen fünfmal hintereinander einzutippen."
"Nun, ich weiß nicht recht ...", sage ich auf das Unvermeidliche wartend.
"5000 mehr pro Jahr?"
"Zehntausend?"
"Okay, zehntausend!"
"Und ich mochte noch nie diese Klauseln zur persönlichen Haftung."
"DAS HAT SIE DOCH VORHER NIE GESTÖRT!"
"Stimmt, aber irgendwann rächt sich sowas und sie kriegen einen doch noch ..."
"In Ordnung, alles klar. Wann können sie wieder anfangen?"
Einen Tag später ist der Status Quo wiederhergestellt. Der PJ gibt mir einen kurzen
Überblick über die Dinge, die während meiner Abwesenheit passierten. Der
Wendepunkt war offenbar ein Unfall auf der Rolltreppe, bei dem die Frau des
Abteilungsleiters, die für ihn bestimmte Geburtstagstorte, der Anzug des
Geschäftsführers und eine plötzliche Änderung der Rolltreppengeschwindigkeit
zusammentrafen. Ein außerordentlich seltenes Zusammentreffen ...
Das Telefon klingelt und gutgelaunt nehme ich ab.
"Ist dort der Netzwerk-Betreuer?" fragt eine Stimme.
"Ja ..."
"Ich habe ein Problem mit dem neuen Rechner und dem Netzwerk."
"Geht es um einen Pentium?" rate ich.
"Ja."
"Oh-oh. Der Hersteller hat uns gerade ein Fax wegen Problemen mit der
elektrostatischen Aufladung geschickt."
"Was?"
"Um das Problem zu lösen, müssen sie einfach das Gehäuse öffnen ..."
"Okay."
"Die Netzwerkkarte herausnehmen ..."
"Gemacht."
"... und einen schmalen Metallstreifen am Verbindungsstecker zum Mainboard
anbringen, um statische Aufladung zu verhindern."
"Gut."
"Jetzt stecken sie die Karte wieder ein und schalten den PC an."
"Okay, ich schalte jetzt ..."
KNALL!
"Arghh ...!"
<Klick>
Es ist schon lustig, wie man die gute alte Zeit vermissen kann ...


Der B.O.F.H. und sein Partner rächen sich für gestohlenen Platz ...

"Da geht er hin ..." murmelt der PJ, als der neue Programmierer aus seinem Büro
schleicht und nach Hause geht. Der arme Mann leidet unter Verfolgungswahn, der
natürlich nichts damit zu tun hat, daß sein Büro in einem Raum eingerichtet wurde,
der früher zum Computerraum gehörte. Die Bosse meinten, der Platz würde nicht
genutzt und haben ihn geklaut, um das Programmiererbüro einzurichten.
Leider kam ich nicht an die Pläne heran, bevor sie das Zeichenbrett verlassen hatten,
doch der PJ hat es wenigstens noch geschafft, die Angaben für die Bauleute neu zu
'berechnen' und die Kabelschächte zu 'optimieren'. Es ist lustig, daß nun die Wände
nach innen einzustürzen scheinen und der Türgriff sich immer dann erhitzt, wenn die
Klimaanlage in Betrieb ist.
Ganz im Geiste der Wiederverwertung haben die Bosse auch noch alle anderen
Büros nach ungenutzten Möbeln durchsucht, bevor der Programmierer eingestellt
wurde. Bei uns fanden sie den Schrank des Todes, den wir genutzt hatten, um die
Back-Ups der Erbsenzähler aufzubewahren. Äußerlich gleicht der Schrank des
Todes normalen Aktenschränken. Und er verhält sich auch so - bis man ihn schließt.
Das löst dann nämlich ein fünfsekündiges Brummen aus. Und Momente später findet
der Programmierer die Arbeit des Tages auf mysteriöse Weise ausgelöscht vor.
Verblüffend, wie klein ein Aktenvernichter sein kann ...
Die Fernsteuerung für den Stuhl des Programmierers war die Idee des PJ. Der
Programmierer kann problemlos die Höhe der Sitzfläche einstellen, doch
seltsamerweise scheint der Gasdruck in der Höheneinstellung in unregelmäßigen
Abständen abzufallen und die Sitzfläche saust dann nach unten. Der arme Mann
scheint ein wenig zu hinken. Möglicherweise ein Gelenkproblem.
Der Abteilungsleiter hat mitbekommen, daß etwas passiert ist - das sollte er auch,
denn er hat den Diebstahl des Raumes zu verantworten. Ich bin sicher, er denkt
immer daran, wenn diese scheußliche Türklinke ihm ihren Umriß in die Handfläche
brennt ...
Nach einem persönlichen Telefonat des Programmierers mit dem Abteilungsleiter,
das der PJ und ich nur zufällig belauschten, weil das Mikrofonkabel versehentlich mit
einer redundanten UTP-Verbindung verkabelt war, scheint er anzunehmen, daß wir
etwas mit seinen Problemen zu tun haben. Offenbar glaubt er die skandalösen Lügen,
die der Abteilungsleiter ihm auftischte, denn er lud uns zu einem Gespräch ein ...
"Ich habe gehört, daß sie für all das verantwortlich sind", sagt er.
"Wofür?" frage ich unschuldig.
"Diese Belästigungen! Ich will, daß das aufhört. Ich arbeite an einem wichtigen
Projekt und werde Störungen nicht dulden."
Ich bin kein Freund harter Worte und der PJ sieht auch nicht so aus, als würde er sie
mögen.
"Wissen sie, wieviel man mir bezahlt?" fährt der Programmierer fort.
"Keine Ahnung", lüge ich, damit ich nicht vorgeben muß, ich sei verärgert, weil er
mehr bekommt, als der PJ und ich zusammen.
"Ich mache ihnen einen Vorschlag", sage ich. "Sie teilen ihr Glück mit uns und wir
werden sehen, was sich machen läßt. Jede Woche ein paar Scheine für jeden von
uns. Nennen wir es einfach Miete für die Nutzung des Computerraumes."
"NIEMALS!"
In stiller Einigkeit gehen der PJ und ich hinaus. Wohl als Folge eines kleinen Unfalls
wegen fehlerhafter Verkabelung seiner Schreibtischlampe (Ich hasse diese billigen
Importe!) lädt uns der Programmierer zwei Tage danach zu einer weiteren
Unterredung ein.
Mit einer großzügigen Spende für unsere Weihnachtskasse kehren wir in unser Büro
zurück.
Einige Zeit später bittet der Programmierer mich und den PJ erneut in sein Büro. Er
hat dieses selbstzufriedene Lächeln aufgesetzt, daß auf nichts Gutes hindeutet.
"Ich, ähm, ich hätte gern mein Geld zurück", sagt er um Lässigkeit bemüht.
"Entschuldigung", entgegne ich leise. "Es wurde in schon in den laufenden Betrieb
investiert.
"Nun, bestimmt können sie es wieder zurückholen. Natürlich nur, wenn sie
wünschen, daß diese Angelegenheit nicht bei der Geschäftsführung landet."
Er klickt auf ein Icon seines Bildschirms, worauf eine Aufzeichnung auftaucht, die er
heimlich mit der Kamera, die zu seinem Laptop gehört, gemacht haben muß - eine
Aufzeichnung unserer letzten Begegnung mit Ton und allem.
Er lächelt.
Ich lächle zurück und nicke dem PJ zu.
Ein Stolpern-über-den-Bodenbelag später liegen die Trümmer des Laptops auf dem
Boden, ein riesiger Handabdruck dekoriert die ehemalige Festplatte.
"Ups", keucht der PJ. "Muß wohl der Zuckermangel im Blut sein ..."
"Ein guter Versuch", spottet der Programmierer, "Aber nicht gut genug. Ich habe
Backup-Bänder."
"Aha. Und befürchten sie nicht, daß ich irgendwie an die Bänder herankommen
könnte?" frage ich nach, um herauszufinden, wo sie liegen.
Er lächelt zufrieden.
"Wovor sollte ich mich fürchten? Sie sind sicher weggeschlossen."
KRACH!!
Ein Fünf-Sekunden-Brummen-und-Krachen später kehren der PJ und ich in unser
Büro und die Normalität zurück.
"Soll ich die Spannung an der Türklinke etwas erhöhen?" fragt der PJ.
"Alles was drin ist! Oh, und die Tischlampe wirkte ein wenig gedämpft, wenn sie
gerade dabei sind ..."
Mit soviel Initiative hat er noch eine glänzende Zukunft vor sich ...


Der B.O.F.H. ist dem Wahnsinn nahe und der PJ folgt ihm ...

Es ist ein ruhiger Tag, als der Abteilungsleiter mit einem Stapel offiziell aussehender
Papiere im mein Büro kommt, was nur eins bedeuten kann - er will einen weiteren
Versuch machen, mich loszuwerden. Eine große persönliche Tragödie wird sich
ereignen. Und sie wird nicht mich betreffen ...
"Simon, schön, daß ich sie treffe!"
Angesichts der Tatsache, daß es 14:30 Uhr am Zahltag ist und gerade keine teure
Hardware rumliegt, die bequem in meine Geldtasche passen würde, ist seine Freude
geheuchelt.
Er versucht offensichtlich, von seinen wahren Motiven abzulenken.
"Ich habe eine Anweisung vom Personalchef bekommen. Der Boss will, daß wir alle
an persönlichen Interviews teilnehmen, bevor es in diesem Jahr Gehaltserhöhungen
gibt.
Die ´Lohnerhöhungs-Fabel´ wurde schon früher benutzt, und normalerweise erweist
sie sich als riesige Übertreibung. Wie auch immer, eine Lohnerhöhung ist eine
Lohnerhöhung, also nicke ich nur.
Der Abteilungsleiter schöpft Kraft aus der Tatsache, daß er schon so weit
gekommen ist und fährt fort.
"Ihr Interview ist für den morgigen Tag um 10:00 Uhr angesetzt. Ist das in Ordnung?"
fragt er voll geheuchelter Freundlichkeit.
"Natürlich habe ich dann Zeit", antworte ich unschuldig wie Bambi lächelnd.
Der Abteilungsleiter dankt mir und geht hinaus, wobei er ein selbstgefälliges Grinsen
kaum unterdrücken kann. Ja, es liegt etwas in der Luft ...
Der nächste Morgen bricht an und ich bin schon um 9:00 Uhr da, um den Eingang zu
beobachten.
Die Zeit vergeht ereignislos bis 9:48 Uhr, als sich mein Verdacht bestätigt. Eine
blasse, abgezehrte Gestalt mit nachdenklichem Bart, Brille und medizinisch
wirkendem weißen Hemd nebst unauffälliger Krawatte betritt das Gebäude.
Ein Mittelklasse-Psychologe, wenn ich mich nicht zu sehr täusche.
Ich gehe zum PJ, um kurz mit ihm zu sprechen. Er nickt einfach. Wortlos meldet er
sich bei den verschiedensten Kontrollsystemen an, wobei er den Kopf schüttelt.
Beim Interview, einem typischen Psychologen-Ding, geht es um Tintenkleckse,
Geschichten über die Kindheit, Träume und so weiter ...
Ich entscheide mich dazu, Bestleistungen zu zeigen, und sehe massenhaft Hexen
und Mörderinnen in den Tintenklecksen, ´erinnere´ mich an einige verstörende
Kindheitserlebnisse und erzähle, daß in all meinen Träumen Äxte, Gewehre und
ähnliche ´Spielzeuge´ auftauchen.
Eine Stunde später scheint der Psychologe die Ruhe selbst zu sein, lächelt viel, läßt
mich aber keinen Moment aus den Augen.
Ich lächle ihn an.
"Kaffee?" frage ich.
Er ist zu ängstlich um abzulehnen und nickt.
Kaum eine Minute später erscheint der PJ schon mit Kaffee und beobachtet
gespannt, wie es weitergeht. Ich lächle weiter, um die Stimmung aufrechtzuerhalten.
Ein Haufen Sicherheitsdienstler stürmt herein, als wir etwa die Hälfte des Kaffees
getrunken haben. Offenbar versuchen sie nicht nur, mich loszuwerden, sondern mich
gleichzeitig auch bloßzustellen - möglicherweise, um sich der Loyalität des PJ
während meiner Abwesenheit zu versichern ...
Der Psychologe scheint sprechen zu wollen.
"Simon, ich fürchte, sie sind das, was wir als Soziopath bezeichnen. Sie haben einige
tief verwurzelte Probleme, die ich als von der Regierung bestellter
Gesundheitsberater ..."
Regierung? Diese Schweinehunde!
"... als Gefahr für sie selbst und ihre Kollegen ansehen muß."
Er ist wirklich schnell, oder?
Er scheint sich nun auch ein wenig unwohl zu fühlen, was nicht überraschend kommt,
wenn man an das starke Abführmittel, das der PJ mit dem Kaffee mischte, denkt.
Aber warten wir ab ...
Den inneren Kampf verlierend, zu bleiben und auszuharren oder sich zu erleichtern,
stürmt er zu den Toiletten, um festzustellen, daß sie verschlossen sind, wenn ich
mich nicht irre.
Seltsam, denn der einzige Schlüssel, mit dem man sie verschließen kann, ist der
Generalschlüssel, der im Hi-Tech-Safe des Sicherheitsdienstes (drei Drehungen
zur 37, zwei Drehungen zur 12 und einmal zur 45) aufbewahrt wird, dessen
Kombination niemand kennt.
Während der Psychologe rennend das Treppenhaus erreicht, kommt der
Abteilungsleiter herein und nimmt mit teuflischem Grinsen meinen psychiatrischen
Beurteilungsbogen. Hämisch grinsend geht er mit mir zurück ins Büro, aber ich bin
viel zu beschäftigt damit, die Monitore der Überwachungsanlage über seiner Schulter
zu beobachten. Der Psychologe versucht den kürzesten Weg zur nächsten Toilette
zu nehmen - eine Etage tiefer.
Seltsamerweise ist auch hier die Tür verschlossen ...
In der Etage darunter gibt es eine Tür, die nicht verschlossen werden kann, doch acht
große Kisten mit 28 Zoll-Videomonitoren, von denen jeder rund eine Tonne wiegt,
blockieren sie. Man bräuchte einen Gepäckwagen um die Kisten zu bewegen ...
Der Psychologe weiß, daß er es nicht mehr bis zu den Treppen schaffen wird, als er
einen rettenden Hoffnungsschimmer in Form eines Abfalleimers im
Lieferanteneingang der Cafeteria erblickt.
Seine Erleichterung ist riesig, doch sie wird weder vom Personal der Cafeteria, das
ihn zur Unzeit überrascht, noch von meinem Abteilungsleiter geteilt, als ich ihn auf
den Monitor hinweise.
"Es ist wirklich gut, eine Einschätzung der Angestellten von einem so umsichtigen
und intelligenten Mann zu bekommen", zwitschere ich, als ich ihm meine Beurteilung
aus den Händen nehme und in den Mülleimer werfe, den die Beurteilung nun als neue
Heimat betrachten kann.


Der B.O.F.H. läßt seinen Abteilungsleiter singend dahinschmelzen ...

Der Abteilungsleiter hat sich zu einer Plage entwickelt. Traurig aber wahr. Und hinzu
kommt, daß die Ausbildung des PJ noch nicht abgeschlossen ist. Es muß also etwas
geschehen.
Der Abteilungsleiter spürt, daß etwas im Gange ist und will sich bei mir
einschmeicheln, indem er mich immer wieder um technischen Rat fragt und mir dann
überschwenglich dankt. Mit anderen Worten - er nervt. Ich hätte besser niemals das
Telefon abgenommen, als er anrief ...
Den schlimmsten Einschmeichelversuch unternahm er, als er seine Stereoanlage
mitbrachte, um meinen Rat für deren Reparatur einzuholen. Ich weiß nicht weshalb,
aber er scheint zu glauben, daß ich mich mit allem auskenne, das etwas mit Technik
zu tun hat, nur weil ich etwas von den Innereien eines Netzwerkes verstehe.
Nun, ich mustere die Stereoanlage kurz, um den Fehler zu finden und stelle schnell
fest, daß Ein- und Ausgang vertauscht sind.
"Wo liegt das Problem?" frage ich.
"Es ist das Band", jammert er. "Es funktioniert nicht mehr richtig, seit wir die Anlage
ins Gästezimmer gestellt haben. Selbst wenn wir die Lautstärke voll aufdrehen,
hören wir nur das Laufgeräusch, das die Kassette verursacht."
"Hm", murmle ich nachdenklich. "Wir brauchen möglicherweise die Lautsprecher, um
uns einen kompletten Überblick zu verschaffen."
"Ich hole sie in der Mittagspause." antwortet er begeistert.
Drei Stunden später stehen die kleinen Schönheiten auf dem Tisch. Ich schließe die
Überlastungssicherungen kurz, während der PJ die Lautsprecher mit Tüten voller
Isopryl-Alkohol und Brandbeschleuniger füllt. Eine halbe Stunde später haben wir
ein kleines Meisterwerk geschaffen und stehlen uns davon, nachdem wir es
eingeschaltet haben.
Fünfzehn Minuten später - wir spielen inzwischen Poker im Lagerraum - hören wir
die ersten lauten Töne eines Liedes von Neil Diamond. Ich schaue den PJ an.
"Der Lautstärkeregler müßte funktionieren", murmelt er, seine elektrischen
Kenntnisse betonend.
Ein paar Sekunden später hören wir einen Knall aus dem Kontrollraum, als Neil nicht
nur ein Gitarrensolo abfeuert, sondern auch ein teures Lautsprecherpaar.
Der PJ und ich können die Warntöne der Sauerstoffüberwachung der Klimaanlage
hören, was bedeutet, daß der Abteilungsleiter nun eine Entscheidung treffen muß -
die Lautsprecher retten und dabei ersticken, oder sein Leben retten.
Das Verstummen der Warntöne sagt uns, daß er sich für das Leben entschieden hat.
Wir geben ihm ein paar Minuten zur Erholung, dann nehmen wir uns etwas
Equipment und gehen zurück, dabei stolpern wir beinahe über eine riesige Kiste mit
Terminatoren für das Netzwerk.
"Ups", murmelt der PJ. "Wir sollten die Kiste lieber umstellen ... später."
Da entdecken wir auch schon den Abteilungsleiter, der an einer Sauerstoffmaske
hängt und den vergangenen Horror noch einmal durchlebt.
"Es fing einfach Feuer", plärrt er, "und dann gingen diese Akten in Flammen auf,
dann die Ordner, dann die Türverkleidung, die brannte wie Zunder, dann ..."
Ihm kommt ein Gedanke, sucht nach Informationen, findet nichts und verschwindet
wieder. Er starrt uns an.
"Sie Schweinehund!" sagt er schockiert.
Der PJ und ich tauschen bestürzte Blicke aus.
"Wir waren im Lager!" beteure ich mit der Unschuld eines Engels.
Er unterbricht sich kurz und nimmt die Maske vom Gesicht, um meine Aussage zu
prüfen.
Das ist nicht die einzige Unterbrechung an diesem Tag, denn das Brechen eines
Armes und des Schlüsselbeins folgen kurz darauf, als er auf runden Terminatoren
durch den Gang in die unvorsichtig gefüllten Aktenschränke schleudert, die prompt
über ihm einstürzen.
Scheußlich. Wir teilen das dem Ermittler von der Polizei mit, als er erscheint. (Die
neue Politik des Abteilungsleiters sieht vor, daß alle Unfälle der Polizei gemeldet
werden müssen.) Und dieser Fall sollte als Testfall betrachtet werden. Der Polizist
notiert traurig die Details und holt dann noch eine Stellungnahme des
Geschäftsführers ein. Zwei Stunden später wirft er seine Aufzeichnungen weg, denn
es handelt sich nun um einen ´Arbeitsunfall´, und nimmt eine lautsprecherlose
Stereoanlage mit, für die wir keine Verwendung mehr haben.
Beim Hinausgehen bleibt er kurz stehen.
"Sie sind doch der Netzwerkmensch?" fragt er mich.
"Ja", bestätige ich nickend.
"Kennen sie sich mit Videorecordern aus? Meine Frau will ..."
Aufhängen ist noch zu gut für sie ...


Der B.O.F.H. verläßt sich darauf, daß Manager sich niemals erinnern ...

Es ist Zeit für die vierteljährlichen Budget-Besprechungen, und ich versuche, die
Manager davon zu überzeugen, daß wir das Ethernet in einer der Außenstellen
ausbauen sollten.
Nach etwa einer Stunde hört sich das so an:
Manager 1: "Sie sagen also, daß 10 Millionen dieser ´Bit´-Dinger PRO SEKUNDE
nicht schnell genug ist?"
Ich: "Genau."
Manager 2: "Er hat recht, müssen sie wissen. Ich war in dieser Außenstelle und die
Geschwindigkeit dort war wirklich mies!"
Manager 1: "Es klingt einfach nicht besonders plausibel! Zum Teufel, ich kann kaum
ZEHN Dinge gleichzeitig beherrschen."
Ich: "Das überrascht mich nicht."
Manager 1: "Wie bitte?"
Ich: "Ich sagte, diese Zahl überrascht mich wirklich. Ebenfalls, ich meine ..."
Manager 1: "Oh."
Ich: "Sehen sie, als mein Vorgänger das Netz einrichtete, machte er es auf die
billigste Art und Weise. Alle Geräte sind sternförmig mit dem gleichen Rechner
verbunden. Das ist so, als würden alle die gleiche Straße zur Arbeit nehmen."
Manager 1: "Aber wir haben UNHEIMLICH viel für dieses Netzwerk bezahlt!"
Ich: "Das war vor vier Jahren. Netzwerke waren damals teurer als heute. Und ..."
Manager 1: "Und was?"
Ich: "Und ursprünglich sollte ja jeder seine eigene Netzwerk-´Straße´ bekommen."
Manager 2: "Was ist daraus geworden?"
Ich: "Nun, vermutlich eine Kombination finanzieller und verteilungstechnischer
Probleme."
Manager 2: "Was heißt das?"
Ich: "Er hat quasi eine Leitung durch alle Büros gezogen, das übriggebliebene
Material verkauft und ihnen noch einmal berechnet."
Manager 1: "Wirklich?"
Ich: "Ja, so ist das mit weniger zuverlässigen Netzwerk-Ingenieuren."
Manager 1: "Ich finde, daß das schwer zu glauben ist. Irgendwo muß ein Irrtum
vorliegen. Er hat mir versichert, alles richtig gemacht zu haben."
Ich: "Ähm, vermutlich hat er gesagt, SIE hätten alles richtig gemacht."
Manager 1: "Nein! Ich bin sicher, daß er uns nicht übers Ohr gehauen hat!"
Ich: "Na gut, dann sagen sie mir, wieviel er verdient hat?"
Manager 1: "Siebeneinhalb [australische Pfund] pro Stunde."
Ich: "Und welches Auto fuhr er?"
Manager 1: "Ein Mercedes Kabrio."
Ich: "Welche Kleidung trug er?"
Manager 1: "Gute italienische Anzüge."
Ich: "Werden die Dinge jetzt ein wenig klarer?"
Manager 1: "Sie wollen also sagen ..."
Ich: "Ja, das will ich."
Manager 1: "Er ..."
Ich: "Er hat es getan!"
Manager 2: "Wie schlimm IST das?"
Ich: "Zur damaligen Zeit war es nicht schlecht, aber nach allen Erweiterungen, die es
inzwischen gab, verschwenden die Angestellten wertvolle Zeit damit, auf das
Netzwerk zu warten."
Manager 3: "Was schlagen sie vor?"
Ich: "Nun, wie sie hier sehen können, empfehle ich UTP für die Workstations und
Cat-5, so daß wir auf ATM umsteigen können, wenn diese Technologie sich weiter
verbreitet und durchsetzt. Damit könnten wir die Kosten für eine komplett neue
Verkabelung in ein paar Jahren einsparen."
Ich unterbreche meine Darlegungen kurz, um ihren Gehirnen Gelegenheit zu geben,
sich von den Abkürzungen zu erholen.
Manager 1: "Wieviel wird es kosten?"
Ich: "Nun, es wird nicht billig. Aber wenn man die Kosten über einen Zeitraum von
fünf Jahren betrachtet, wird es ein fairer Preis, vorausgesetzt, die Verkabelung wird
durch mich und meinen Assistenten durchgeführt und die Zeit als Überstunden mit
doppeltem Stundensatz abgerechnet. Natürlich könnten wir auch ein anderes
Unternehmen damit beauftragen, doch wie sie leicht sehen können, würde das dann
das Dreifache kosten und auch nicht schneller fertig sein. Und wenn wir es sind, die
die Kabel verlegen, werden wir auch besser auf mögliche Probleme in der Zukunft
reagieren können ..."
Manager 2: "Das klingt plausibel. Es scheint so, als hätten sie alle Aspekte der
Problematik dargelegt. Ich stimme ihrem Vorschlag zu. Ist jemand dagegen?"
Zwei Wochen später zieht der PJ in die Außenstelle und beginnt mit der Arbeit.
"Wir tauschen also wirklich nur die alten UTP-Verbindungskabel gegen welche mit
einer anderen Farbe aus, lassen ein paar abgeschnittene Cat-5-Kabelenden im Gang
liegen und bohren ein paar Löcher in die Kabelverkleidung?" will er wissen.
"Ja! Ein oder zwei Wochen lang."
"Wird man das nicht herausfinden?"
"Nun, sie KÖNNTEN, wenn es irgendwo eine Dokumentation gäbe, in der steht, daß
das Cat-5-Kabel schon vorhanden ist, aber unglücklicherweise fiel dieses
Schriftstück heute früh in den Reißwolf." antworte ich.
"Also wechseln wir in Wirklichkeit nur die Farbe der Anschlußkabel?"
"Genau!"
"Aber wieso soll das die Performance steigern?"
"Das doch nicht. Aber wenn ich den Traffic-Generator im Computerraum des
zweiten Stockwerkes abschalte, der seit Jahresbeginn wöchentlich etwa ein Prozent
mehr Datenverkehr verursacht hat, wird die Performance merklich ansteigen."
"Also gaukeln wir nur eine Menge Arbeit vor und betrügen sie."
"Und vergessen sie nicht die erstklassigen Cat-5-Kabelrollen, die wir
weiterverkaufen können."
"Sie Bastard!"
"Hey, ich hätte sie beinahe auch für neue Netzwerkkarten bezahlen lassen, doch ich
hatte Mitleid."
"Waren die Geschichten über ihren Vorgänger erfunden?"
"Nein. Er hat es ebenso gemacht, nur in einer anderen Außenstelle ..."


Der B.O.F.H. spürt, daß etwas Seltsames vorgeht - und er nutzt sein Netz ...

Etwas sehr verdächtiges passiert in unserer Abteilung. Ich nehme die Zeichen wahr,
als ich unsere Etage erreiche - die Atmosphäre unterdrückter Vorahnungen.
Erster Halt, mein internes Postfach - der Abteilungsleiter plaziert seine Bomben
lieber hier, um sich dann in die trügerische Sicherheit seines Büros zurückzuziehen.
Nun, Naivität kennt manchmal keine Grenzen.
Wie erwartet finde ich etwas, das auf der Richterskala der Bürokratie durchaus als
eine Bombe bezeichnet werden kann.
Als Versuch, die Planungen für die Zukunft zu standardisieren, haben die Chefs eine
´Richtlinie für Zukunftsplanungen´ festgelegt. Schlimmer konnte es kaum kommen.
Jeremy, der die Idee dazu hatte, verfügt über die Initiative und Weitsicht eines
Schraubstocks und hat neulich 10 analoge Diktiergeräte gekauft, die 6000 Pfund
gekostet haben. Die teuersten Bleistift-Kästen in der Geschichte der Firma ...
Damit ich nicht falsch verstanden werde, das ist einfach eine weitere Episode der
Saga "Der Krieg der Erbsenzähler gegen die Techies". Ich lese weiter und stelle
fest, daß alle Einkäufe in der Zukunft von der Buchaltung geprüft und genehmigt
werden müssen, um sicherzustellen, daß sie den Zukunftsvorstellungen der
Chefetage entsprechen ...
Ich erhalte eine Frist von zwei Wochen, bevor Ihr-wißt-schon-wer sich mit einem
Klopfen an der Tür ankündigt. Jeremy kommt herein.
"Ah, Simon, nur ein paar Unklarheiten", sagt er. "Dieses kabellose LAN-Zubehör
zum Beispiel. Sie wissen doch, daß wir das im Moment noch gar nicht einsetzen
können?"
"Auf welche Weise?" frage ich. "Haben wir nicht einige freie Arbeitsbereiche, die
schwer zu verkabeln sind - sie kennen sie doch; zum Beispiel die PR-Büros - oder
ist es nicht so, daß wir den einzigen freien AUI-Connector, erst dann nutzen können,
wenn wir ein paar ungenutzte Terminal-Server abschalten?
"Oh. Äh. Nun, nein, nicht genau, es ist nur so, daß aus meinen Berechnungen
hervorgeht ..."
Er tippt ein paar Zahlen in seinen Organizer, ein Gerät, das in der oberen Etage
weitverbreitet zu sein scheint; ein flottes Design, um für die Dummheit des
vorangegangenen Kaufes zu entschädigen.
"... daß wir 300 Pfund pro Gerät sparen könnten, wenn wir sie von unserem
gegenwärtigen Zulieferer kaufen würden."
"Aha. Unser derzeitiger Lieferant von ... analogen Diktiergeräten?" frage ich.
Er zieht es vor, mich zu ignorieren. "Nein, unser Lieferant persönlicher Organizer.
Und wir haben den Zusatznutzen, daß wir in der Lage sind, Informationen mit
anderen Organziern auszutauschen, was anderes Equipment nicht kann."
Er wackelt davon und hinterläßt in mir das Gefühl, daß das Ergebnis dieses
Gesprächs etwa so aussieht: "Geplante Anschaffungen, 1., Simon, Null". So schnell
ich kann, verfasse ich eine Mitteilung, in der vor den möglichen Sicherheitsrisiken
durch den Datenaustausch mit anderen Organziern gewarnt wird. Es gibt
Übernahmegerüchte und das Letzte, was wir wollen, ist das Abhören sensitiver
Daten.
Meine Warnungen treffen auf taube Ohren. Das Marketing war offenbar schon so
erfolgreich, daß man diesen Leuten alles glaubt. Das ist nicht gut.
Ich bekomme pünktlich auch solch einen Organizer und nehme ihn widerwillig in
Betrieb. Das Handbuch ist zum Thema Up- und Download von Informationen sehr
ausführlich, also lese ich es voller Interesse ...
Eine Woche später belausche ich wie üblich eine Besprechung im Konferenzraum.
Es handelt sich um wirklich um einen verblüffenden Zufall, daß ein paar
hochempfindliche Mikrofone in diesen Raum verirrten, als er neu verkabelt wurde.
"Nun, ehrlich gesagt, habe ich alles satt", wimmert ein Manager.
"Warum?" fragt Jeremy, wobei meine angeschlossene Stimmanalyse-Software eine
Spur von Streß in seiner Stimme feststellt.
"Dieses verdammte Ding schaltet sich von selbst mitten in der Nacht ein und
erinnert mich lautstark an den Geburtstag meiner Frau, der vor Wochen stattfand.
Seitdem ich die von ihnen empfohlene Lernfunktion aktiviert habe, kann ich das Ding
nicht mit ins Wohnzimmer nehmen, weil es dann meinen Fernseher einschaltet. Und,
als wäre das nicht schon genug, es schaltet der Fernseher immer kurz bevor
Inspektor Morse den Mörder findet, wieder ab."
"Mir geht es ebenso", sagt ein anderer Manager.
"Mein Organizer hat bei allen gespeicherten Adressen eine Eins zu den
Hausnummern addiert." sagt eine weitere Stimme.
"Das ist noch gar nichts", schnieft ein anderer, "meiner klingelte laut und zeigte
´Dinner mit Trudi´ mit drei Ausrufezeichen bei ihrem Namen an. Und das auch noch
in der Nacht, als ich das Ding meiner Frau gegeben hatte. Dabei kenne ich keine
Trudi!! Aber jetzt habe ich viel Zeit, eine Trudi zu suchen."
"Das sind offenbar kleine Kinderkrankheiten", versucht Jeremy zu erklären. "Ich bin
sicher, daß da einige überflüssige Informationen fehlgeleitet wurden."
Ich greife kurz zu meiner Tastatur und aus dem Konferenzraum ist kurz darauf ein
Klingeln zu hören.
"Großer Gott!" ruft eine Stimme. "Meiner sagt gerade, ich soll meinen Arzt wegen
des HIV-Tests anrufen!!"
"Ich denke, wir haben genug gehört", wird er vom Geschäftsführer unterbrochen.
"Bis auf weiteres werden diese Geräte nicht mehr genutzt. Danke, meine Herren.
Jeremy, kommen sie doch nochmal auf ein Wort zu mir."
Dann höre ich, wie Jeremy eine andere verantwortungsvolle Position zugewiesen
wird - oberster Fensterputzer. Es ist nur so, daß wir eine fremde Firma damit
beauftragt haben ...
Wirklich schade. Aber es zahlt sich eben nicht aus, an einem Job zu kleben.


Der B.O.F.H. soll eine Firmenübernahme verhindern ...

Ich bin schwer mit Arbeit beschäftigt, als der Abteilungsleiter und der
Geschäftsführer mit betretenen Mienen die Tür aufreißen und hereinstürmen.
"Wir haben Ärger", sagt der Abteilungsleiter.
"Wir werden übernommen", unterbricht der Geschäftsführer ihn und tritt vor den
Abteilungsleiter.
"Warum sagen sie mir das?" frage ich mit gespielter Unschuld.
"Weil sie eigene Methoden zur ´Lösung´ von Problemen haben ..." schlägt der
Abteilungsleiter vor.
"Router?" erwidere ich ganz unschuldig.
"Nein. Sie wissen schon, was ich meine!"
"Netzwerke!" rufe ich fröhlich.
Der Geschäftsführer scheint sich langsam aufzuregen, so befreie ich ihn lieber aus
diesem kollektiven Mißverständnis.
"Okay, wer ist es?"
Er spuckt den Namen unseres verhaßten Konkurrenten aus. Später, hinter
geschlossenen Türen beraten der PJ und ich die Lage und machen einen Plan, dann
laden wir den Abteilungsleiter und den Geshäftsführer wieder zu uns ein.
"Also, erster Schritt: Feuern sie den PJ!"
"Wie? Warum? Aus welchem Grund?" platzt es aus dem Abteilungsleiter heraus.
"Er hat irgendetwas veruntreut."
"Wenn das ein Grund für eine Entlassung wäre, dann wären sie ..."
Ein kalter Blick des Geschäftsführers bringt ihn zum Schweigen, so daß ich
weitermachen kann.
"Zweiter Schritt: Ich treffe mich mit einem Netzwerkverantwortlichen unserer
Konkurrenz und auf dem Weg nach draußen stürze ich und verberge dann schnell
aber sichtbar für ihre Sicherheitskameras ein Datenband mit ihrem Logo auf der
Hülle.
Dritter Schritt: Der PJ, unbezahlbar für unseren Konkurrenten wegen seiner intimen
Kenntnis unserer Arbeitsweise, tritt eine kürzlich freigewordene Stellung als
Netzwerkverantwortlicher an."
"Klingt gut", zwitschert der Abteilungsleiter.
Drei Tage später ist es soweit. Ich verpasse unserer Firma ein unattraktives Image,
indem ich ein paar Memos über zukünftige Verpflichtungen wegen krimineller
Verheimlichung von Defekten in der Möbelabteilung der Presse zuspiele.
Natürlich glauben richtige Reporter, die ihr Geld wert sind, nicht ohne weitere
Beweise anonymen Schreiben, also beordere ich eine paar Erbsenzähler in die
´Belastungsteststrecke für Möbel´ und sorge dafür, daß die Presse dabei ist, wenn
sie mit ihren Verletzungen vom Krankenwagen abgeholt werden.
In der Zwischenzeit hat sich der PJ beim Konkurrenten durch die ersten drei Kapitel
des Bastard-Handbuches durchgearbeitet und dabei eine Spur der Vernichtung
hinter sich gelassen. Das Acetylen im Sauerstoffbehälter der Klimaanlage war ein
netter Zug und hat die Hälfte der Mitarbeiter aus dem Haus getrieben, bevor sie
mitbekamen, was los war und die Sprinkleranlage abschalteten. Ein kleiner
Buchstabendreher auf einem Anforderungsformular kann ziemlich wirksam sein ...
Seine technischen Ratschläge scheinen von minderer Qualität zu sein, wenn man die
andauernden Lieferungen von Ersatzmaschinen und Tischfeuerlöschern an unseren
Konkurrenten betrachtet.
Mittlerweile wurde in den letzten drei Tagen häufiger Feueralarm ausgelöst, als in
den vorausgegangenen zwei Jahren, und die Fahrtstrecke von der Feuerwehrstation
bis zum Gebäude unseres Konkurrenten wurde daraufhin in eine Parkverbotszone
umgewandelt.
Ich habe versucht, den PJ anzurufen, doch aufgrund einer Verwechslung bei der
Wartung und ´Reparatur´ der Telefonanlage sind die Leute jetzt viel zu beschäftigt,
um noch auf Anrufe zu reagieren. Seite 73, wenn ich mich nicht irre.
Ich arbeite weiter, als sei nichts geschehen und repariere gerade einen Verstärker,
als der Abteilungsleiter mir einen Besuch abstattet.
"Es geht um diese Unfälle", sagt er.
"Welche Unfälle?" frage ich.
"Sie wissen, worum es geht. Diese Unfälle müssen aufhören. Warum werden die
Leute aus der Buchhaltung zum Testen der Möbel beordert? Wir haben doch eine
eigene Testabteilung."
"Natürlich haben wir eine, aber DIESE Leute sind gute Leute", antworte ich.
"Was?! Nun, das ist mir egal. Es muß aufhören! Es sind nur noch drei Buchhalter
übrig!"
"Nein ..." sage ich und blicke auf meine Uhr, "... es sind ..."
Ein dumpfer Aufschlag und ein gedämpfter Schrei aus der Etage über mir
unterbrechen mich.
"... zwei. Ich vermute, die Garderobeneinheit hat den ´Schwere Last an erhöhter
Stelle plaziert´-Test nicht bestanden. Aber wo ich gerade bei schweren Lasten bin,
sie haben nicht zufällig die Kiste mit den neuen Festplatten, die normalerweise bei
mir steht, gesehen?"
Er verschwindet ohne ein weiteres Wort, um sich in seinem Büro zu erholen ...
Ich komme gerade in mein Büro, als das Telefon klingelt. Einer unserer Lieferanten
will einem potentiellen Kunden unsere Anlagen vorführen. Das wird helfen, die Zeit
totzuschlagen, bis der Spaß wirklich beginnt ...
Das Telefon klingelt wieder. Da ich Zeit totschlagen muß, nehme ich ab.
"Mein Telefon ist defekt!"
"Wieso können sie mich dann anrufen?" frage ich.
"Ich benutze einen anderen Apparat, Dummkopf."
Dummkopf?!?!
"Na gut", flüstere ich, "und wie lautet ihre Nummer?"
Er sagt es mir. Ich schaue es mir an.
"Ah, Herr 0898."
"Ich weiß nicht, wovon sie sprechen."
"Sind sie sicher? Ich habe einige SEHR INTERESSANTE Bänder hier, die sie sich
anhören können, wenn sie wollen."
"Ähm ... das wird nicht nötig sein."
"Sind sie sicher?"
"Ja, vergessen sie meinen Anruf."
"Nun, ich könnte ihren Anruf vergessen, aber die einzige Möglichkeit, meine
Vergeßlichkeit zu fördern, sind ein paar Flaschen Scotch Whisky. Von der guten
Sorte, nicht die, die sie in der Bar servieren ..."
"Ich werde sie ihnen sofort schicken lassen."
Zehn Minuten später ist die Transaktion vollendet und ich beende den Tag damit, daß
ich eines der Bänder auf den Anrufbeantworter in seiner Wohnung überspiele. Es ist
nur zu seinem Besten, diese Anrufe sind die Hilferufe einer geplagten Seele ...


Der B.O.F.H. trifft einen unerwarteten Gast - den B.O.F.H. der Konkurrenz ...

Als ich im Büro ankomme, ist es im Netzwerk angenehm ruhig, so daß ich mich auf einen
Besuch unseres Zulieferers vorbereiten kann, der einem potentiellen Kunden unsere Anlagen
zeigen will. Und dann muß ich natürlich noch daran denken, die drohende Übernahme der Firma
zu verhindern, indem ich unseren schlechten Ruf weiter verteidige.
Mir wird einmal mehr klar, weshalb ich solche Besuche hasse. Deren einziger Zweck ist es
nämlich, einem Kunden vorzugaukeln, daß alle wirklich so funktioniert, wie es in den
Werbebroschüren steht, indem man einen Betrieb findet, in dem man schon herausgefunden hat,
wo die Handbücher falsche Informationen liefern und die entsprechenden Fehler beseitigt hat.
Wenn es nicht um ein kostenloses Mittagsmahl und die Möglichkeit, bessere Konditionen für
den nächsten Einkauf zu erpressen, ginge, würden diese Leute es bei mir nicht einmal bis zum
Eingang schaffen.
Diese Besuche laufen nach dem gleichen Muster ab: der Lieferant belügt den Kunden; ich
erpresse Waren, damit ich diese schändlichen Fehlinformationen decke; ein Betriebsrundgang;
ein kostenloses Mittagessen und mein Versprechen, ich würde sie unterstützen, sollten sie
jemals auf Probleme stoßen.
Mit anderen Worten, ein Tag, der Pinocchio in einen Feueranzünder verwandeln würde.
Als es 10 Uhr wird, informiert mich ein Anruf des Pförtners über die Besucher.
Ein schneller Blick auf den Monitor der Überwachungsanlage zeigt alles, wie ich es erwartet
habe: unser Lieferant mit seinem Kunden. Doch ich habe nicht erwartet, daß es sich um den
Netzwerk-Administrator unseres Konkurrenten handelt. Etwas schmeckt mächtig verdorben,
und es ist nicht der dänische Käse, den sie in der Cafeteria haben.
Zusammen mit dem Abteilungsleiter marschiere ich die Treppen nach unten, wobei wir uns
fragen, was der Zweck dieses Besuches sein könnte. Offenbar ein Zeichen der Stärke, aber in
welcher Form bleibt noch abzuwarten. Es handelt sich jedenfalls offensichtlich um einen
Übermittlungsfehler des PJ, der uns nicht gewarnt hat, welchen ich mit einem Rippenstoß bei
unserem nächsten Zusammentreffen zu ahnden gedenke.
Die technische Kompetenz meines Rivalen zeigt sich an seinen gummibesohlten Schuhen. Der
elektrische Türgriff war reine Zeitverschwendung ...
... aber dann doch nicht, denn der Lieferant verpaßt sich einen Schlag, nach dem er erst einmal
seinen Namen vergißt und für wen er arbeitet.
Mein Gegner entpuppt sich schnell als ein Netzwerkprofi, als er die PIN-Nummer der
Zugangskarte meines Abteilungsleiters an der Tür ausspioniert und zweimal 'zufällig' die Tür
so schließt, daß die Hand meines Abteilungsleiters eingeklemmt wird. Dann klaut er dessen
Zugangskarte, als mein Abteilungsleiter sich mit seinen Schmerzen beschäftigt.
Nicht übel - 11 Sekunden brauchte er für diese Aktion insgesamt.
Seine Versuche, den Computerraum zu ´erobern´, sind hingegen erfolglos. Ich setze voraus, daß
jeder der sich mit Elektrizität beschäftigt, die Gefahren kennt, und daher
Sicherheitsmaßnahmen und Warnhinweise überflüssig sind ...
Das ist der Preis, den man zahlt, wenn man gut ist. Und wer wird schon ein ganzes Netzwerk
opfern, nur um das Gedächtnis von jemandem zu retten, der mit etwas spielt, von dem er lieber
die Finger lassen sollte.
Um auf den Punkt zu kommen, mein Gegenstück spricht kryptisches Fachchinesisch,
´NetSpeak´ sozusagen.
"Wie schnell ist dieser Anschluß?" fragt er und deutet auf unseren Netzwerkanschluß.
"Ein kleiner 2400er. Nein, in Wirklichkeit ist es ein 300er im Synchronmodus, aber nur an guten
Tagen."
"Ja, die haben die Nullen früher mit übertragen."
"Nichts, was man mit einem mehrfachen Control-Alt-Delete nicht beheben könnte."
Der Abteilungsleiter kommt in Verbände gehüllt wieder, um am kostenlosen Mittagessen
teilzunehmen. Während des Essens sprechen mein Opponent und ich Klartext - für den, der
versteht ...
"Ich würde die vorherige Konfiguration bevorzugen", sagt mein Rivale.
"Ja, ein wenig zuviel SNMP zur Zeit, aber das war eigentlich schon immer so."
"Stimmt, das ist bei mir auch so. Also ... eine Neuinstallation der Ursprungskonfiguration ..."
Zwei Wochen später ist die Übernahme nicht mehr als eine leise Erinnerung. Wir haben
Aussicht auf eine völlig neue Erbsenzähler-Abteilung, und ich kann es kaum erwarten, ihnen
einen Besuch abzustatten. Einige aus dem mittleren Management, die eine verhinderte
Übernahme als Grund für eine Lohnerhöhung für sich selbst ansahen, zogen plötzlich ein
vorzeitiges Ausscheiden vor - die Vierziger sind ein schwieriges Alter, besonders dann, wenn
man ein Foto von sich selbst in Frauenunterwäsche (in einem fortschrittlichen Club in Soho) in
der obersten Schreibtischschublade entdeckt.
Ich bekomme einen Anruf meines Gegenstücks auf der abhörsicheren Leitung.
"Alles in Ordnung?" fragt er.
"Na klar, und selber?"
"Keine Probleme. Wir mußten euren PJ gehen lassen, sie wissen, wie das ist. Wirklich
bedauerlich."
"Machen sie sich keine Sorgen, er hat seinen Schreibtisch wiederbekommen und spielt gerade
mit der Temperatur des Kühlschranks mit dem Hühnerfleisch für das morgige Mittagessen. Ich
glaube, ich esse lieber auswärts ..."
Die Welt ist voller siegreicher Netzwerke - dies ist eines von ihnen.

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Ein kurzes NetSpeak-Wörterbuch des B.O.F.H.
2400: 2400 baud.
300er im Synchronmodus: So langsam, daß ein Abschleppseil gebraucht wird.
Vorherige Konfiguration: So, wie es einmal war. Die gute alte Zeit.
SNMP: Dummheit der Vorschläge von Nicht-technischen Managern (stupidity of
non-technical manager's proposals).
Nullen früher übertragen: Schwachsinn reden.
Wiederholtes Control-Alt-Delete: viele Neueinstellungen - und ein paar Kündigungen.


Der B.O.F.H. mischt beim Lieblingsprojekt des Geschäftsführers mit ...

Der PJ und ich können ein Kichern nicht unterdrücken, als der Abteilungsleiter
vorbeigeht. Deshalb bleibt er stehen und kommt herein - vermutlich, um zu sehen, an
wen er die Kündigung schicken soll.
"Gibt es einen Grund für ihre Heiterkeit?" fragt er.
"Nein, nein, wirklich nicht. Es ist nur dieses Memo. Für eine Minute dachte ich
wirklich, sie hätten es ernstgemeint, als sie nach den Root-Passwörtern unserer
Rechner fragten."
"Es ist mein voller Ernst", sagt er ohne die Miene zu verziehen.
"Halt, sie töten mich", lache ich. "Warum wollen SIE die Root-Passwörter?"
"Das Warum ist irrelevant. Geben sie sie mir einfach", stößt er hervor.
"Sie wissen, daß das unsicher ist?"
"Ich werde sie in meinen persönlichen Safe einschließen."
"Sie meinen, drei Drehungen im Uhrzeigersinn bis zur 37 ...", sage ich.
"Zweimal in umgekehrter Richtung zur 18 ...", setzt der PJ fort.
"... und zurück zur 43", vollendet die Putzfrau.
"Und dann rufen sie frustriert ihre Sekretärin, damit sie den Safe für sie öffnet."
Der Abteilungsleiter zeigt seine Version eines betäubten Fisches, dann redet er
weiter.
"In Ordnung, ich werde einen neuen Safe bestellen - und ich WERDE diese
Passwörter bekommen", sagt er, als er nach draußen stürmt.
In dieser Nacht installieren wir heimlich eine kleine Überwachungskamera in seinem
Büro ...
Am nächsten Tag stöhnen die Stockwerke unter der Last eines riesigen grauen
Monsters, das in das Büro des Abteilungsleiters gebracht wird. Er selbst
beaufsichtigt den Aufbau in seinem Büro.
"Wir können nichts sehen", stöhnt der PJ, als uns die versteckte Kamera nur den
Hinterkopf des Abteilungsleiters zeigt.
"Nicht mit dieser Kamera", gebe ich zurück, "aber mit dieser haben wir..." <Klick!>
"... eine komplette Frontalansicht!"
Natürlich zeigt die in der Lampe versteckte Kamera alles, was wir sehen wollen.
"Warum haben wir dann die andere Kamera installiert?" fragt der PJ verwirrt.
"Ein Köder. Der Chef war dabei, den Raum zu kontrollieren, also wollte ich, daß er
diese eine Kamera findet."
"Warum?"
"Nun, wenn sie sich den Raum aufmerksam anschauen, sehen sie, daß es nur einen
einzigen Platz gibt, den die Kamera nicht einsehen kann und wo er zugleich den
Unwissenden spielen kann."
"Raffiniert ..."
"Doppelt raffiniert", füge ich geheimnisvoll hinzu.
Die Nachgebenden spielend geben wir dem Abteilungsleiter die Passwörter und
ändern sie am nächsten Tag, nachdem er sie zuvor erfolgreich überprüft hat. Um den
Einsatz noch ein wenig zu erhöhen, lassen wir uns vom Geschäftsführer in dessen
Lieblingsprojekt, ein Videokonferenzsystem, einspannen, damit der Abteilungsleiter
uns nicht "dringend zu einer Besprechung rufen" kann, wenn er herausfindet, daß wir
die Passwörte wieder geändert haben ...
"Wie stehen die Dinge?" fragt der Geschäftsführer wohlwollend.
"Großartig, Sir", schwärmt der PJ.
"Morgen sollten wir fertig sein", ergänze ich, als ich die Kameras mit der
Multiplex-Einheit verbinde - der Multiplexer hat ungefähr soviel gekostet, wie mir
im Vierteljahr zur Verfügung steht -, die der Abteilungsleiter empfohlen hatte,
nachdem er vom Verkäufer zu einem Zweitagesausflug nach Brighton eingeladen
wurde, der mit seiner Verhaftung in einem Pub endete, weil er einem der Mädchen
seine Interpretation der größten Sehenswürdigkeit vom Trafalgar Square gezeigt
hatte ...
Ich schicke ein paar Testbilder durch die Maschine und zeige dem Geschäftsführer,
wie die Bilder in unseren überseeischen Filialen ankommen.
"Die Bilder sehen dann ungefähr so aus", sage ich. "Für jeden Teilnehmer gibt es
eins. Die Kamera wird aktiviert, wenn sie sich in den Sessel setzen."
"Und das funktioniert alles wirklich so einfach?" fragt der Geschäftsführer und kann
dabei seine Freude, selbst im Firmen-TV zu sein, kaum unterdrücken.
"Es könnte ein paar kleinere Probleme geben, doch ich bin sicher, daß mein Lehrling
und ich in der Lage sind, sie zu finden und zu beseitigen. Das meiste müßte
problemlos funktionieren, höchstens bei den Außenstellen in Rom und Florida könnte
es im Sommer zu solaren Interferenzen kommen.
Der Geschäftsführer riecht den Braten vielleicht, doch er will nicht riskieren, sein
Lieblingsspielzeug zu verlieren. "Natürlich werde ich ihren Abteilungsleiter
entsprechend informieren."
Eine Stunde später sitzen wir im Büro unsere Abteilungsleiters, der vor hilfloser Wut
kocht.
"Oh! Haben wir vergessen, sie über die Passwortänderung zu unterrichten? Und über
die Videokonferenz? Machen sie sich eine Notiz für die Zukunft", wende ich mich an
den PJ.
Der Abteilungsleiter kocht noch mehr.
Drei Stunden später haben wir ein paar Biere gekippt und teilen Freizeit durch das
Ziehen von Strohhalmen auf. Ich meine natürlich Aufgaben.
Zwei Stunden danach sind wir im Getränkeladen und kaufen zwei Kisten Gin, die wir
im Schutz der Dunkelheit später in das graue Ungetüm von einem Safe schmuggeln.
"Warum tun wir das?" will der PJ wissen.
Ich sage nichts, sondern springe in die Höhe und lande schwer wieder auf dem
Boden. Ein Knirschen des Bodens unter dem Safe klärt ihn auf und er macht mit.
Sekunden später klingt es, als fiele ein schwerer Safe nach unten.
Am nächsten Morgen können wir zusehen, wie der Abteilungsleiter seine Sachen
packt. Der PJ philosophiert dabei über die seltsamen Zufälle des Lebens. "Wissen
sie, er wäre vielleicht davongekommen, wenn der Safe nicht auf dem
Video-Multiplexer gelandet wäre ..."
"Ja", antworte ich, "was für ein unglücklicher Zufall. Vielleicht war es sogar das
Buch mit den Passwörtern, das dem Kamel schließlich das Rückgrat gebrochen
hat ..."


Der B.O.F.H. findet heraus, daß es ´Fehler in der Ausbildung´ und ´Ausbildung in
Fehlern´ gibt ...

Der PJ und ich sind gerade dabei, einige wichtige Netzwerk-Tests durchzuführen,
als das Telefon klingelt. Es handelt sich um den Apparat des PJ, der vorher noch nie
geklingelt hat, also feiert er das Ereignis, indem er den Anschluß aus der Steckdose
zieht. Als er seine Aufmerksamkeit für ein paar Momente dem Telefon widmet,
verpasse ich ihm ein paar Schüsse in den Rücken.
Doom II im Netzwerk ist ein hervorragender Nährboden für den Machiavelli in uns
allen.
"Das war der Abteilungsleiter", erkläre ich, um die Spannung im Raum etwas zu
verringern.
"Zeit für neue Arbeitsverträge", sagt er und schiebt zum Büro des Abteilungsleiters
ab. Fünf Minuten später ist er mit einem nicht gerade fröhlichen Gesichtsausdruck
zurück.
"Schwierigkeiten?"
"Er glaubt nicht, daß ich über genügend Erfahrungen verfüge, die eine Erhöhung
meines Stundenlohnes rechtfertigen könnten." Das mag ich gar nicht - denn wenn es
ihm passiert kann, dann könnte es mir ebenso ergehen. Und ich habe eine
tiefsitzende Angst vor allem, das aussieht, wie das schmale Ende eines Keils.
Blitzschnell bin ich am Telefon und rufe den Personalchef an. "Was müssen wir tun,
um zu beweisen, daß mein Assistent eine Lohnerhöhung verdient hat?"
"Normalerweise gibt es in solchen Fällen ein Treffen des Personalchefs mit einem
unabhängigen Experten und dem Kandidaten selbst. Auf diese Weise prüfen wir das
Wissen des Kandidaten über Netzwerke."
Ich arrangiere den Test für den nächsten Tag und beauftrage den PJ damit, seine
Hausaufgaben zu machen ...
Der nächste Tag bricht an, und um 10 Uhr warten wir alle auf das Ereignis des
Tages - mit Ausnahme des unabhängigen Experten. Wie auch immer, für die
nächsten paar Stunden werden wir wohl kaum etwas von ihm hören ... vorausgesetzt
der Wartungsdienst für den Lift ist so langsam wie gewohnt.
Ich biete mich als unabhängiger Experte an.
"Okay, ein paar Fragen", sage ich. "Schießen sie los", antwortet der PJ.
"Nach welchen Kriterien entscheiden sie, ob sie die Dateien eines Nutzers
löschen?"
"Wie lange ich in der vorherigen Nacht geschlafen habe?"
"Sehr gut. Wenn sie den Rechner eines Nutzers vom Tisch schieben, worauf sollten
sie achten?"
"Darauf, daß die Tastatur drunterliegt."
"Halbe Punktzahl. Die Tastatur und ein wertvoller persönlicher Gegenstand."
"Natürlich."
"Wann sollten Überstunden geplant werden?"
"Wenn die Umstände eine Operation während der normalen Arbeitszeit als
gefährlich erscheinen lassen."
"Weitere Informationen?"
"Wenn ich mich schlecht fühle, weil mir das Geld in diesem Monat ausgegangen ist."

"Korrekt. Ein Kollege bittet um ihre Hilfe beim Kauf eines Computers für seine
Privatangelegenheiten. Was würden sie empfehlen, einen Macintosh oder einen PC?"

"Weder den einen noch den anderen. Ich empfehle den Commodore C-64 mit einem
doppelten Kassettenlaufwerk, den ich als Türstopper benutze - zu einem Preis von
600 Pfund."
"Und wenn etwas schiefgeht?"
"Das kann es nicht."
"Wieso?"
"Das Ding ist so präpariert, daß es Feuer fängt, wenn es angeschlossen wird. Ich
würde es dann darauf schieben, daß das Gerät falsch angeschlossen wurde."
"Ausgezeichnet. Die Telefone klingeln sich heiß mit Beschwerden, daß Sitzungen am
NT-Server in der vierten Etage immer wieder abstürzen. Wo könnte das Problem
liegen?"
"Das Problem, soweit ich es sehe, liegt darin, daß der Telefonhörer nicht neben dem
Telefon, sondern auf der Gabel liegt."
"Korrekt."
Eine halbe Stunde später ...
"Nun, ich bin davon überzeugt, daß er viel gelernt hat."
"Und ich bin nicht überzeugt!" ruft der Personalchef. "Dieser Lehrling wurde
angestellt, um die Ursachen für schlechten Service und mangelnde Erreichbarkeit,
unsere schlimmsten Probleme unter ihrer Terrorherrschaft, herauszufinden. Statt ihn
in dieser Richtung auszubilden, haben sie ihn zu einer noch schlimmeren Version
ihrer selbst gemacht!"
"Stimmt, und er ist doch wirklich gut, oder?" kommentiere ich.
"NEIN! Und wenn sie auch nur einen Moment glauben, ich gebe meine Zustimmung
zu ... zu diesem ZERRBILD eines Tests, dann liegen sie völlig falsch. Es BLEIBT
dabei, daß die Höhe des Lohnes in seinem Ausbildungsvertrag nicht geändert wird."
Es stimmt, daß es für jeden Job ein Werkzeug gibt. Es amüsiert mich immer, wie
viele ´Jobs´ vom Einsatz des Werkzeuges ´Erpressung´ profitieren.
"Nun gut", sage ich. "Sie haben möglicherweise Recht. Immerhin ist er ja noch ein
Anfänger in diesem Bereich. Und da er als Lehrling Fehler macht, ist es sicher
gerechtfertigt, wenn sie ihm als Resultat dieser Fehler weniger bezahlen. Sie wissen
doch, von welchen Fehlern ich spreche, oder? Da wäre zum Beispiel das Schicken
einer E-Mail mit der Liste teurer Auslandsgespräche aus der Personalabteilung an
den Geschäftsführer. Wie geht es eigentlich ihrer Tocher? Arbeitet sie noch immer
auf den Cayman Islands?
"Äh. Gut, wenn man genau überlegt, könnten seine Fähigkeiten mehr ..."
"Fehler wie etwa eine falsche Konfiguration des Netzwerk-Backup-Servers, der
deshalb die Bilder aus dem Verzeichnis SMUT auf einer Arbeitsplatzmaschine in
das ... sagen wir mal ... Verzeichnis mit der Präsentation, die der Geschäftsführer bei
seiner nächsten Beratung mit dem Aufsichtsrat zeigen will, kopieren könnte.
In der internationalen Einheit der Operatoren für ihren Erfolg, Beteuerungen pro
Sekunde (BpM), gemessen, nähert sich der Personalchef gefährlich der roten Linie.
Eine halbe Stunde und eine spürbare Lohnerhöhung für den PJ später sitzen wir
wieder in unserem Büro.
"Was soll ich mit diesen Telefonprotokollen machen?"
"Schicken sie sie ab."
"An den Personalchef?"
"NATÜRLICH NICHT! An das Büro des Geschäftsführers. Sie sind noch in der
Ausbildung, da lassen sich Fehler nicht ganz vermeiden."
Ich muß wohl nicht betonen, daß meine Lohnerhöhung ohne Probleme genehmigt wird.


Südfrankreich lockt den B.O.F.H. unter dem Motto ´Netzwerk-Profi des Jahres´ ...

Es ist ein ruhiger Tag im Büro. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, daß ich die
Anrufe an die Service-Abteilung in das vor kurzem frei gewordene Büro des
Abteilungsleiters umgeleitet und zufällig eine Axt dreiundfünfzigmal auf die
Telefonkabel unten im Gang fallengelassen habe.
Vergessen sie diese seltsamen Cassetten mit Enspannungsmusik, nichts ist für den
B.O.F.H. entspannender als das einzigartige Geräusch von Telefonenhörern, die
wütend auf die Gabel geknallt werden. Unser Telefonsystem befindet sich im
Schockzustand; das liegt eindeutig daran, daß alle Leute ihren Ärger an den
Telefonhörern auslassen müssen.
Ich überzeuge mich, daß die Tür geschlossen und angemessen unter Strom gesetzt
wurde (Für den Fall, daß ein mutiger Nutzer es wagen sollte, persönlich zu
erscheinen.), und befasse mich dann mit meiner Lektüre.
Gewöhnlich ist dies die richtige Zeit zur Beschäftigung mit diesen holländischen
Magazinen, die eines Tages unerwartet an den Hintereingang geliefert wurden - und
seitdem immer wieder mit schöner Regelmäßigkeit versehentlich gebracht werden.
Man sollte nicht glauben, daß ein Fehler sich so oft wiederholen kann. Trotzdem,
jemand hat mein privates Steckenpferd entdeckt, denn es scheint, als seien den
Magazinen Beine gewachsen. Seit der PJ immer mit einem seltsam wissenden
Lächeln herumläuft, vermute ich, daß er hinter der Sache steckt. Er wird noch die
Gefahren kennenlernen, die zuviel Neugier mit sich bringt, wenn ich herausgefunden
habe, was man mit dem elektrischen Tacker alles anstellen kann. Wie auch immer, in
der Zwischenzeit bin ich damit beschäftigt, in Netzwerk-Magazinen zu lesen.
Ich unterbreche meine Lektüre kurz, um einen ´Bitte schicken sie einen
Verkaufsmanager für Telefonvermittlungsanlagen vorbei, damit er mich über ihre
Leistungen informieren kann´-Coupon im Namen eines Typs aus der
Verwaltungsabteilung, der mir heute im Parkdeck die Vorfahrt genommen hat,
auszufüllen. Dann beginne ich, mich auf den verblüffend hohen Stapel ungelesener
Netzwerk-Magazine zu stürzen. Ein Thema fällt mir sofort auf. Die Auszeichnung
´Netzwerk-Profi des Jahres´. Ich lache in mich hinein - vermutlich wird irgendein
trauriger Anorak den Preis gewinnen, der am Wochenende nichts anderes tut, als
sich mit UTP zu befassen, seine Abende damit verbringt, verlorengegangene Dateien
auf den PCs der Angestellten zu suchen und wiederherzustellen und der dafür auch
noch kaum Lohn und schon gar keine Anerkennung erntet. Ich lese erstmal weiter:
"... wird vorgestellt während einer speziellen Veranstaltung im l´Hotel Amassadeur
in Südfrankreich".
Ah, nun, nicht so schnell. Es gibt eigentlich soviel zu sagen über die unbesungenen
Helden der Netzwerk-Welt. Zumindest wird das meine Argumentation sein, wenn
ich den Geschäftsführer dazu zu überreden versuche, mich an diesem Wettbewerb
teilnehmen zu lassen.
Oben im Büro des Geschäftsführers schaut mich der Chef höchstpersönlich eine
Minute lang aus glasigen Augen an. Schließlich schaffen es die Worte, mit einem
Krächzen seine Kehle zu verlassen. "SIE wollen Netzwerk-Profi des Jahres
werden?!"
"So ist es. Denken sie nur an den Ansehensgewinn, den ich der Firma einbringen
könnte."
"Ich denke an die schlechte Werbung, die sie für die Firma machen könnten."
"Das ist nicht besonders nett!" kombiniere ich das schlimmste Schimpfwort, welches
ich kenne, mit meinem unschuldigsten Tonfall. "Und das auch noch nach allem, was
ich für die Firma getan habe."
"Meinen sie nicht, was sie der Firma ANGETAN haben?" Der Geschäftsführer
schaut erst mich an, dann das Teilnahmeformular. "Unterstützung für seine
Vorgesetzen? Sie haben fünf Vorgesetzte allein im letzten Jahr zur Kündigung
getrieben!"
"Also mußte ich fünf verschiedene Arbeitsmethoden meistern - das ist eine sehr
anspruchsvolle Herausforderung. Ich denke, das demonstriert meine große
Flexibilität."
"Aber sie sind dafür verantwortlich, daß sie uns verließen!!"
"Reiner Zufall ... sie alle schienen sich an Angebote anderer Firmen zu erinnern.
Vielleicht sollten sie sich einmal um bessere Arbeitsbedingungen und Löhne
kümmern." schlage ich vielsagend vor.
"Vielleicht sollte ich überlegen, ob ich wirklich alle Netzwerkexperten brauche, die
ich zur Zeit habe."
Autsch. Das ging unter die Gürtellinie. Na gut ...
"Vielleicht wird das Finanzamt etwas über das Geheimkonto herausfinden, daß
jemand im Ausland angelegt hat."
Der Geschäftsführer wird rot und scheint sich plötzlich sehr für seinen Tintenlöscher
zu interessieren. Dann erholt er sich etwas und liest weiter.
"Und was ist damit", er schreit jetzt beinahe. "Ein guter Teamarbeiter?"
"Ja. Natürlich erwarte ich, daß mein PJ ebenfalls mitmachen kann. Mitglieder des
Teams sollen schließlich nicht vergessen werden."
"Aber er ist ein Psychopath!"
"Ach so? Wollen sie das gegen ihn verwenden? Das ist nicht sehr hilfreich von ihnen.
Ich für meinen Teil denke, daß das Klima in Südfrankreich Wunder für sein
Temperament wirken wird. Und die Erfahrung, an einem solchen Ereignis
teilzunehmen, wird bestimmt auch positiv auf die Entwicklung seiner sozialen
Fähigkeiten wirken."
"Das wird einen diplomatischen Zwischenfall geben!"
Der Geschäftsführer liest weiter. "Kandidaten für die Preise müssen von drei
Kollegen vorgeschlagen werden, die unterschriebene Beurteilungen verfassen." Er
unterbricht sich. "Es gibt hier niemanden, der einen solchen Vorschlag
unterschreiben würde. Sie werden von allen gehaßt."
"Ich kann also an dem Wettbewerb teilnehmen, wenn ich die Unterschriften
bekomme?"
"Wenn sie drei Beschäftigte finden, dann können sie mitmachen. Aber ich sage das
nur, weil ich weiß, daß sie niemanden finden werden." Er verläßt den Raum, lacht
leise vor sich hin.
Ein Wunder? In der Welt der Netzwerke ist nichts unmöglich, wie ich auch immer
Nutzern erkläre, deren Festplatten auf wundersame Weise komplett gelöscht
wurden. Und wer hat behauptet, daß jemand, dessen Unterschrift auf einem Blatt
Papier steht, es auch selbst unterschrieben haben muß ...
Wird fortgesetzt ...


Der süße Duft des Erfolgs umgibt den siegreichen B.O.F.H. ...

Es ist ein großartiger Tag in Südfrankreich, insbesondere nachdem mein Zimmer im
L´Hotel Ambassadeur irgendwie mehrfach vergeben wurde, und sie mir deshalb eine
Suite mit mehr Räumen zu Verfügung gestellt haben, als mein Chef sie sich jemals
leisten könnte. Die Unterschriften für mein Teilnahmeformular waren kein Problem.
Ich wußte doch, daß die elektronische Signier-Einheit unseres Faxservers für
irgendetwas gut ist. Und daher bin ich nun hier, um meinen Preis entgegenzunehmen.
Gut, es gibt noch ein halbes Dutzend anderer Finalisten, aber ich habe die dunkle
Vorahnung, daß es in der nächsten Zeit ein paar Unfälle geben könnte.
Beim Dinner zur Preisverleihung, das ein sogenannter Entertainer mit billigen Witzen
begleitet, treffe ich auf eine recht hübsche Werbefrau, die von den modernen
Netzwerktechnologien fasziniert zu sein scheint.
"Also haben sie wirklich ihren ATM-Backbone auf 827 Mbps aufgerüstet?"
"Natürlich nur, um das Netzwerk zu testen. Wir können etwas, das so schne ...
ähm ... neu und noch in der Entwicklung ist, natürlich noch nicht für die Benutzer
freigeben."
"Natürlich. Wie messen sie denn den Datendurchsatz?"
"Doom II auf einem halben Dutzend SGI Challenge-Rechnern. Wir erreichen etwas
45.000 pps."
"45.000 Pakete pro Sekunde klingt nicht sehr schnell." Diese Frau aus der Werbung
scheint zu wissen, wie schnell ein Netzwerk sein sollte ...
Eine geradezu unheimliche Vorstellung.
"Nein, es geht um Punkte pro Sekunde. In Doom bekommt man keine Datenpakete,
wenn man jemanden getötet hat, müssen sie wissen."
"Ach so. Sie müssen aber ein großes Budget im Jahr habe, wenn sie allein sechs SGI
Challenges für ihr Testnetzwerk verwenden."
"Nun, also, wissen sie, die werden für das Videokonferenzsystem des
Geschäftsführers gebraucht; wir haben sie mit dem Geld der Versicherung gekauft,
das wir nach dem Unfall mit den Pentium 75-Rechnern des ersten
Videokonferenzsystems bekommen haben."
"Da gibt es doch noch immer einen Kostenunterschied."
"Nun, wir haben eine sehr zuvorkommende Versicherung." Und ein noch viel
schöneres Heimvideo von einer Aufsichtsratskonferenz in Amsterdam.
"Sehr schön. Ich vermute, sie haben erzählt, sie müßten die Taktfrequenz der
Challenges prüfen und ihre ATM-Karten optimieren, was sie zu ´Testobjekten´ für
ein oder zwei Monate macht."
Diese Frau weiß, worum es geht. Ich bin beinahe beeindruckt ...
"Nun, ja, aber das Testen ist eine sehr komplexe Arbeit, die wohl etwas länger als
ein paar Monate dauern wird ... 2004 dürfte ein gutes Jahr für das Testende sein,
schätze ich."
"Sie sind ein gerissener Hund!"
Sie begreift schnell. Als wir weiterplaudern, wird eine TV-Persönlichkeit (ein
Widerspruch in sich) vorgestellt und ihr ein goldener Umschlag zum Öffnen
überreicht. Er schafft es, den Umschlag ohne weitere Instruktionen zu öffnen ...
"Und der Gewinner ist ..."
Am Gewinnertisch treffe ich meine Freundin aus der Werbung wieder; tierisch, diese
Anziehungskraft, die von mir ausgeht. Sie scheint von meinem Sieg überrascht zu
sein.
"Wie haben sie das gemacht? Ich muß zugeben, daß ich nicht damit gerechnet habe,
daß gerade sie den Preis bekommen, wenn man ihre unkonventionellen Ansichten
zum Management von Netzwerken bedenkt. Haben sie den Computer der
Schiedsrichter irgendwie gehackt?"
Hacken? Sie ist offensichtlich nicht auf dem neuesten Stand - niemand mit etwas
Selbstachtung würde sich heutzutage selbst als Hacker bezeichnen, es sei denn, er
besäße einen wirklich widerlichen Anorak. Ich bestelle noch ein paar Drinks (von der
teuren Sorte, natürlich - ich kenne selbstverständlich bereits das Root-Passwort für
das Hotelnetzwerk und, nicht zu vergessen, die Zimmernummer des alten
Entertainers, der uns beim Dinner so genervt hat), hole tief Luft und erkläre es ihr.
"Nein, ich habe nichts _gehackt_ ... (Ich brauche all meine Kraft, um dieses
schlimme Wort auszusprechen.) Wie auch immer, die Kandidatenlisten und all die
anderen Sachen mußten mittels anderer Hardware bearbeitet werden, denn sie waren
auch nicht über das Hotel-LAN erreichbar."
"Mit Hardware?"
"Mit einem Kugelschreiber und einem Blatt Papier. Diese Schiedsrichter haben
immer Ärger mit der Technik."
"Ach so, _diese_ Hardware."
"Genau. Übrigens mußte ich gar nichts hacken; alle bis auf einen meiner Mitbewerber
schieden im letzten Moment aus. Nun, einige von ihnen hätten es bestimmt nicht
getan, wenn sie nicht in ihrer gestrigen Post diese komischen Polaroids gefunden
hätten."
"Was, sie haben sich _ALLE_ ein wenig danebenbenommen?"
"Zwei von sechs, ja - das ist eine unvermeidliche Nebenwirkung, wenn man so viel
Zeit in heißen Ländern auf Netzwerk-Messen und Konferenzen verbringt."
"Was ist mit den anderen?"
"Ganz einfach. Einer von ihnen arbeitet für ein Unternehmen, das diese
Preisverleihung finanziell unterstützt. Und die anderen, nun, einer besitzt nun die
Kopie eines Fahrzeugbriefes und der andere wurde nach einem unerklärlichen
anonymen Anruf gefeuert und seine Nominierung von seinen jetzt ehemaligen
Kollegen zurückgenommen." Ich muß den PJ für eine Lohnerhöhung vorschlagen - er
hat diese Anrufe übernommen, ohne mich damit zu belästigen.
"Interessant. Was steckt hinter der Sache mit dem Fahrzeugbrief?"
"Oh, irgend etwas, das mit dem Verschwinden eines Betriebs-Rolls Royce und
einem bekannten Autoschieber zu tun hat."
"Faszinierend. Sie sind wirklich ein Schweinehund!"
"Natürlich. Es hat mich allerdings einige Zeit gekostet, perfekt zu werden."
"Und was ist mit dem Konkurrenten, der nicht aufgab?"
"Oh, den habe ich fair und ehrlich geschlagen. Die Worte im Empfehlungsschreiben
meines Chefs waren einfach schmeichelhafter als die seines Chefs." Zumindest
waren sie das, _nachdem_ die Empfehlung in einem Abteil des Zuges nach
Doncaster in der vergangenen Woche in die Geldtasche des Obersten
Schiedsrichters wanderte.
"Was passiert nun?"
"Zurück zur Arbeit, eine nette Lohnerhöhung für die Steigerung des Ansehens der
Firma, ein Dank an meine Vertretung dafür, daß die Nutzer während meiner
Abwesenheit nicht zu übermütig wurden und dann noch ein gelegentliches Gespräch
nach einem Dinner mit einer fünfstelligen Rechnung."
"Was wäre, wenn jemand etwas über den Betrug verlauten läßt?"
"Oh, darüber muß ich mir keine Sorgen machen."
"Wirklich nicht?" Ich mag das Leuchten in ihren Augen und den Klang ihrer Stimme
nicht. "Was würden sie sagen, wenn ich dieses Gespräch auf Band mitgeschnitten
hätte?"
"Ich würde sagen, daß das Diktiergerät in ihrer Tasche keinen Aufnahmeknopf hat,
also haben sie ein leeres Band. Und wenn ich gerade dabei bin, was würden sie dazu
sagen, daß in ihrem Zimmertelefon eine Wanze eingebaut ist? Nun, wie waren doch
gleich die Namen..." Ich klopfe auf meine Tasche und höre den beruhigenden Klang
einer Kassette in einer Plastikhülle.
Augenblicklich verliert sie ihren Sinn für Humor, dreht sich um und verschwindet
schmollend.
Meine Mutter hatte Recht ... man sollte niemandem aus der Werbebranche trauen.


Auf der Suche nach neuen Herausforderungen setzt der B.O.F.H. alles auf eine
Karte ...

Der Chef ist etwas zurückhaltend, wenn es um meinen Lohn geht. Deshalb
beschließe ich, mich ein wenig umzusehen und eine Arbeitsvermittlung
einzuschalten. Meine einzige Befürchtung ist, daß ich tatsächlich einen neuen
Arbeitsplatz finden könnte, wenn ich einen guten Arbeitsvermittler treffe. Denn das
ist ja nicht das Ziel dieser Übung. Ich will nur, daß der Chef zusammenzuckt, wenn
ich wieder einmal eine Lohnerhöhung fordere.
Ich überlege, welche Aussichten ich habe und strecke meine Fühler aus, um Kontakt
mit ein paar Vermittlungsagenturen aufzunehmen. Ich nehme welche von der Sorte,
die den Lebenslauf erst einmal ´überarbeiten´, bevor sie ihn an einen möglichen
Arbeitgeber faxen.
Dinge wie ´Ich habe einmal mit DOS gearbeitet´ und ´Ich kann meinen Bildschirm
allein einschalten´ werden zu ´Hat DOS neu geschrieben´ und ´Ausführliches
Hintergrundwissen zum Hardware-Support´.
Ich erwarte das Schlimmste und bekomme es. Ich treffe meinen Arbeitsvermittler in
einem Pub, wo er mir ein Bier spendiert, um zu beweisen, daß er wirklich mein Freund
ist und nicht nur einen kriminell hohen Anteil von meinem zukünftigen Lohn haben
will.
"Also", sagt mein ganz persönlicher, erfahrener Vermittler, der die Computerbranche
wie seine Westentasche kennt. "Sie suchen also eine Stelle im Netzwerkbereich?"
"Ja."
"Welche Erfahrungen haben sie?"
Ich gebe ihm einen kurzen Überblick über die vergangenen zehn Jahre.
"Ausgezeichnet. Und haben sie auch Erfahrung mit DOS?"
"Wieso?"
"Nun, wir haben im Moment ein ausgezeichnetes Angebot für einen DOS-Berater."
"Und meinen sie, daß das etwas mit Netzwerken zu tun hat?" frage ich leicht
verärgert.
"Also, nicht genau. Am Anfang wird es eher mit einer Hotline zu tun haben."
"Ich bin nicht interessiert. Ich bin ein Netzwerker, kein Programmspezialist und ganz
sicher kein Mensch für den Support."
"Ah. Na gut, es war ja nur so ein Gedanke. Was ist mit VAX/VMS?"
(IBM-Großrechner [thomas w.])
"DECNet? TCP/IP? Und habe ich schon CI erwähnt?"
"Nein, eher in Richtung Cobol-Programmierung. Großartige Stelle. In Milton Ke ..."
"Nein."
"Sehr gute Bezahlung ..."
"Wenn ich Interesse daran hätte in Cobol zu programmieren, hätte ich das auch
gesagt. Habe ich aber nicht. Ich sagte ´Netzwerke´."
"Natürlich haben sie das. Könnte die Reparatur von Hardware sie interessieren?"
"Was für Hardware?"
"Hauptsächlich defekte Terminals. Aber wenn sie funktionieren, sind sie mit einem
Terminal-Server verbunden, der in ein Netzwerk ..." schreit er als ich den Pub
verlasse. Das Bier habe ich nur zur Hälfte getrunken.
Der Chef spielt inzwischen mein Spiel und hat seinerseits ein paar Arbeitsvermittler
kontaktiert. Offensichtlich hat er vor, mir zu beweisen, wie leicht es ist, einen Ersatz
für mich zu finden. Es ist traurig, wie manche Menschen sich der Selbsttäuschung
hingeben.
Die nächsten Tage verbringe ich damit, die Arbeit einer Sekretärin zu machen: Daten
eingeben, Bänder abtippen etc. Ich mag das gar nicht. Schließlich kommt ein Angebot
von der letzten Arbeitsvermittlung, in dem eine Summe geboten wird, die dem Chef
Tränen in die Augen treiben würde. Ich vertiefe mich in die Details und denke über
sie nach, als der Chef hereinkommt.
"Ich werde es annehmen", sage ich, als der Chef heimlich mitlesen will.
"Was annehmen?" fragt er.
"Die Stelle, die mir gerade angeboten wird", erwidere ich lächelnd.
Er blüht unter dem Druck richtig auf und antwortet: "Und das genau zum richtigen
Zeitpunkt!"
"Wofür? Rechtzeitig zu den Weihnachtseinkäufen?" sage ich, um die Spannung ein
wenig zu erhöhen.
"Nein. Gerade rechtzeitig für uns. Ich habe ihren Nachfolger gefunden!" freut er sich
und schüttelt ein kaum lesbares Fax in der Hand.
"Das meinen sie nicht ernst!" sage ich und zeige auf das Fax. "Darauf kann man ja
kaum etwas erkennen!"
"Muß ich auch nicht", grinst er. "Ich habe die Leute angerufen und die Details
überprüft."
"Sie vertrauen doch nicht etwa DIESER Arbeitsvermittlung!" rufe ich. "Die können
doch weder eine Stellenanzeige richtig veröffentlichen noch einen Computer-Profi
finden."
"Das ist ihr Irrtum!" knurrt der Chef. "Sie HABEN jemanden für mich gefunden. Mit
etwas mehr Erfahrung und er ist nur einen Bruchteil teurer als sie. Und er fängt
schon am heutigen Nachmittag an. SICHERHEITSDIENST!"
Der Augenblick, von dem der Chef seit Monaten träumt, ist gekommen.
"Begleiten sie diesen Herrn nach draußen. Lassen sie ihn nichts berühren und lassen
sie sich seine Schlüssel geben. Er soll auf dem Weg nach draußen mit niemandem
reden. Und löschen sie seinen Namen SOFORT aus der Angestelltenliste! Prüfen sie
seine persönlichen Sachen, ob sich unter ihnen Eigentum der Firma befindet und
händigen sie sie ihm dann aus."
Zufrieden mit sich selbst stolziert er, der John Wayne der Netzwerke, zurück in sein
Büro.
Ich werde auf die Straße begleitet und gebe den Sicherheitsleuten meine Schlüssel.
Ich werfe noch einen kurzen Blick auf das Gebäude, das einmal mein Arbeitsplatz
war und gehe wieder hinein zum Empfang.
<Kling!> "Hallo", lächle ich die Empfangschefin an. "Ich wurde gerade als
Netzwerk-Administrator eingestellt. Könnten sie bitte meinen Vorgesetzten
informieren ..."
Ich kann es kaum erwarten, John Waynes Gesicht zu sehen. Oder meinen neuen
Lohnscheck. Oder die Mitteilung, daß ich als neuer Mitarbeiter erst einmal eine
Woche damit verbringen muß, alle Sicherheitsregeln zu lernen.


Mit einer Lohnerhöhung in der Tasche geht der B.O.F.H. auf Nummer sicher und
schockiert den PJ ...

Als neu angestellter Mitarbeiter an meinem alten Arbeitsplatz muß ich die
Regelungen des Arbeitsvertrages erfüllen und nehme daher an einem Sicherheitskurs
teil. Es ist die übliche Routinebelehrung, die Geräte, die nicht benutzt werden,
abzuschalten und so weiter - Kinderkram.
"Kann mir jemand sagen, was das ist?" fragt der Ausbilder und hält ein Stück
Stromkabel mit abgeschabter Isolierung hoch.
"Ein Unfall, der auf seine Chance wartet", schlage ich hilfreich vor.
"Ausgezeichnet! Völlig richtig." ist er begeistert über die bisherige Mitarbeit seines
Publikums.
"Und was ist das?" fragt er, während er ein Stück eines Datenkabels von ähnlichem
Aussehen hochhält.
"Ein Unfall, der auf seine Chance wartet", antworte ich noch einmal.
"Ähm, nun, nicht ganz", gluckst er.
"Doch, wenn sie das Kabel in etwa zwei Zoll Höhe über der dritten Stufe der
ziemlich schlecht beleuchteten Treppe von der sechsten in die fünfte Etage
anbringen."
Die Augen des Ausbilders werden für einen Moment schmal, als er versucht, seinen
Gesichtsausdruck unter Kontrolle zu bringen ...
Erkenntnis spiegelt sich in seinen Zügen wieder.
"Sie haben diesen Kurs schon einmal besucht, oder?"
"Nun, natürlich habe ich das. Aber ich habe das Zertifikat am Ende nicht bekommen.
Niemand scheint es bekommen zu haben; nicht, nachdem sie die Treppe
hinuntergestürzt sind, ihr Schlüsselbein brachen und ihre Ausbildungserlaubnis
verloren. Ich glaube, es war die dritte Stufe, wo sie den Halt verloren, stimmt´s?"
Er knurrt leise, als die Erinnerungen an den Sturz und die Fahrt ins Hospital
wiederkommen; die Erinnerung an seine Warnung vor dem Unfall, daß meine
´Einstecken und hoffen´-Politik nicht mit den Richtlinien der Firma übereinstimme.
Sein Aussehen erinnert mich daran, daß ein ´Vergeben und Vergessen´ noch nicht
zur Firmenpolitik gehört ...
Um auf alles vorbereitet zu sein komme ich etwas früher von der Frühstückspause
zurück und muß feststellen, daß mein Stuhl nicht mehr da steht, wo er stehen sollte.
Ein schneller prüfender Blick läßt mich erkennen, daß einige wichtige Teile fehlen.
Ich schiebe den Stuhl nach hinten und suche mir einen anderen aus.
Da ich noch immer allein bin, schaue ich mir die Präsentation unseres Ausbilders auf
dessen PC an und erlaube mir ein paar kleinere Änderungen an seinen Folien. Als die
anderen zurückkommen, lasse ich mich mit einem lauten ´Plumps´ auf meinen Stuhl
fallen. Ich kann mir nicht helfen, doch der leicht irritierte Ausdruck im Gesicht
unseres Ausbilders entgeht mir nicht, ein Ausdruck, der sich noch verstärkt, als wir
zu seiner Lieblingsfolie kommen. Die Folie, die uns auffordert, im Fahrstuhl nicht in
der Nase zu bohren oder zu essen, wird ein wahrer Publikumserfolg
"Nun, vielen Dank für die Folien", sage ich am Ende des Kurses. "Und ich kann ihnen
versprechen, daß ich diese Folie, die vor dem Rindfleisch im Lift warnt, ganz
besonders beachten werde. Ein wirklich sehr wertvoller Hinweis - einmal etwas
ganz anderes als die üblichen Tips, die Abdeckung von Kabelschächten sorgsam zu
prüfen."
Am nächsten Morgen kommt der Abteilungsleiter mit einem besorgten
Gesichtsausdruck herein.
"Hallo, Simon. Ich habe hier eine Beschwerde über sie."
"Eine Beschwerde! Über ihn! Das kann ich nicht glauben!" ruft der PJ überrascht und
schlägt sich mit der Hand gegen die Stirn. Er übertreibt die Rolle des schockierten
Kollegen ein wenig, muß ich sagen.
"Ja, unser Sicherheitslehrer hat sich darüber beschwert, daß sie die Folien für seinen
Vortrag verändert haben."
"PRÄSENTATIONSFOLIEN VERÄNDERT!" macht der PJ weiter und wird vom
Abteilungsleiter mit einem eiskalten Blick zum Schweigen gebracht.
"Nun, ich habe vielleicht ein paar grammatische Berichtigungen vorgenommen", gebe
ich zu. "Aber ich habe nichts getan, was die Qualität der Präsentation nicht
verbessert hätte. Wie auch immer, wenn das so schlimm ist, kann er doch seine alte
Präsentation mit den Backups wiederherstellen."
"Ja, das war auch unser erster Gedanke - bis wir die fehlende Schutzwand gegen
störende elektrische Felder im Regal für die Backups bemerkten."
Der PJ unterdrückt ein schuldiges Lachen.
"Und die Backups, die wir außerhalb der Firma aufbewahren?" schlage ich vor.
"Ja, aber es scheint ein Problem mit ihnen zu geben", antwortet der Abteilungsleiter.
"Der Inhalt der Bänder scheint nicht mit den Prüfsummenangaben der Barcodes auf
den Hüllen übereinzustimmen."
"Nun, der Barcode-Leser von einem der Bandlaufwerke hat einen Fehler", antworte
ich. "Es ist möglich, daß das Archiv mit der Präsentation auf einem Band mit einer
ähnlichen Prüfsumme zu finden ist."
"Und wie viele Bänder müßten wir prüfen?"
"Etwa 2000 - sie alle haben unglücklicherweise die gleiche Prüfsumme - aber das
ist ein Fehler der Software, den ich ihnen in einer Notiz vor, Moment, ja, vor zwei
Monaten mitteilte."
"Ah, nun, ich sehe keinen Grund, warum er seine Folien nicht noch einmal erstellen
könnte", sagt der Abteilungsleiter, kehrt damit die ganze Sache unter den Teppich
und verläßt unser Büro.
"Gab es diese Notiz wirklich?" fragt der PJ.
"Ja, eine Mitteilung, die ihm die Verantwortung überträgt, mit vielen Fachwörtern am
Anfang, um ihn abzuschrecken. Nun wird er sie lesen und sehen, daß die
Verantwortung bei ihm liegt."
"Und was wird geschehen?"
"Oh, die übliche Vertuschung - ein Anruf in ein paar Minuten, um sich zu
entschuldigen; dann dürfte bald ein verärgerter Sicherheitslehrer durch die Tür da
drüben kommen ..."
Fünfundzwanzig Minuten später ist meine praktische Demonstration der Gefahren,
die von einem Datenkabel, das in etwa einem Zoll Höhe quer über die erste Stufe
einer dunklen Treppe gespannt ist, ausgehen, beendet. Ich greife mir ein
Blanko-Formular, das die Teilnahme an der Sicherheitsbelehrung bestätigt, vom
Stapel, den die Sanitäterin im Treppenhaus zurückgelassen hat, und reiche es dem
PJ, damit er die leeren Felder ausfüllt.
Die Welt der Netzwerke ist wirklich voller Unfälle, die auf ihre Chance lauern.


Der B.O.F.H. leidet unter vorübergehendem Ärger mit den Telefonen ...

"Wir haben eine kleines Problem mit der Rufumleitung", ruft der PJ, als er
hereinkommt und mit Verschwörermiene auf den Raum mit der Telefonanlage deutet.
Ich greife mir den Laptop mit der Diagnosesoftware für die Anlage und folge ihm.
Da ich den Laptop nicht wirklich brauche, lasse ich ihn auf den Boden fallen und
unterziehe alle möglichen Lauschgeräte, die der Chef ´zufällig´ im Raum hinterlassen
haben könnte, einem Belastungstest, indem ich meinen Kugelschreiber in den
Lüfterschlitz der Unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) der
Vermittlungsanlage schiebe.
"Wo liegt das Problem?" rufe ich, um die Geräusche eines Kugelschreibers, der von
den besten Ventilatorflügeln im Raum zerlegt wird, zu übertönen.
"Der Chef hat etwas über die 0190er-Nummern herausgefunden", schreit er und
blickt sich gehetzt um, jeden Moment Entdeckung und grausame Bestrafung
erwartend.
Eine kleine Goldgrube, diese Einrichtung. Eine eigentlich simple Idee in der
Theorie - wir leiten einfach die Anrufe für jedes abgeklemmte Telefon in der Firma
zu einer 0190er Nummer weiter, die Ratschläge für die Arbeit mit Computern gibt,
und kassieren dabei als Vermittler kräftig mit.
Tips wie: "Ihr Problem scheint eine unzureichende Belüftung zu sein. Die einzig
mögliche Lösung besteht darin, ihren Computer mit Wasser zu kühlen. Gehen sie zu
einem Springbrunnen ..." und so weiter. Es ist beeindruckend, wie viele Anrufe
jemand bekommt, der gerade die Firma verlassen hat - für 99 Pence je Minute - und
noch beeindruckender ist, wie viele Telefone keine Umleitungssperre haben.
So schnell wie möglich rufe ich die 0190er Leute an und erkläre ihnen widerwillig, daß
wir ihren Service nicht mehr länger brauchen. Das Geld sollen sie auf ein Konto
überweisen, daß ich unter dem wenig bekannten Pseudonym ´Verstorben´ angelegt
habe. Die Zahl, die sie nennen, erfreut den PJ und mich sehr. Offenbar kamen mehr
Anrufe als erwartet.
"Wie konnte der Chef etwas herausfinden?" frage ich.
"Ich befürchte, ich habe einen Tippfehler gemacht und statt einer abgeklemmten
Nummer eine noch genutzte eingegeben", beichtet der PJ mit überzeugendem
Bedauern im Tonfall.
Vergebung ist in Krisenzeiten der Schlüssel zum Erfolg, also schlage ich dem PJ vor,
daß wir so tun, als ob wir die Vermittlungsanlage reparieren bis der Chef kommt.
Minuten später platzt der Chef voller Wut herein, um zu hören, was seine
Lauschgeräte nicht mehr mitbekommen können, und landet stattdessen mit einem
Fuß auf dem Laptop, der am Boden liegt. Seine langsamen Reflexe schaffen es nicht,
den Chef zu bremsen, so daß das Display des Laptops aufspringt, über das er stürzt
und mit dem Gesicht zuerst in das Regal mit der Telefonvermittlungsanlage rast.
Scheußlich.
"Autsch", murmelt der PJ. "Ich wette, daß das verdammt schmerzhaft ist."
Der Blick des Chefs bestätigt diese Vermutung, als er sich langsam aus dem
baumelnden Kabelsalat befreit ...
"Was zum Teufel machen sie hier?" knurrt er und wischt sich mit seinem
Taschentuch über das blutige Gesicht.
"Wir überprüfen nur diesen lärmenden Lüfter. Es sieht ziemlich ernst aus", sage ich
und verpasse dem Ding einen Schlag als Rache für den Ärger in der Vergangenheit.
Sagte ich Vergangheit? Ich meinte eigentlich den aktuellen Ärger. Der Lüfter, der
endlich genug von meinem Kugelschreiber hat, stoppt plötzlich, gibt ein leises ´Klick´
von sich und läuft polternd aus.
"VERDAMMTER MIST!" schreit der Chef, um den automatischen Alarm der USV
zu übertönen, was angesichts der Tatsache, daß dieser Ruf auch durch die Wände
dringen soll, keine schwere Übung für den Chef darstellt - er schreit ja gern.
"SCHALTEN SIE U ... m auf die andere Einheit", vollendet er, als ich die Alarm
abschalte.
"Da haben wir wohl nicht viel Aussicht auf Erfolg", erklärt der PJ und hält die
zerkleinerten Überreste des Laptops mit der Software in den Händen. Offenbar hat
das Gerät in den letzten Sekunden ziemlich viel aushalten müssen.
"Ich bin untröstlich", sagt er. "Aber irgendwer hat wohl ein Kabel auf dem Boden
liegengelassen ..."
Wir schauen den Chef an.
"... über das ich stolperte."
"Zu spät für dieses Ding - holen sie ein anderes!" ruft der Chef, der schon den
Selbstschutz beim nächsten Managertreffen im Auge hat.
"Können wir nicht", werfe ich ein. "Die Sicherheitskopien befinden sich auf einer
defekten Festplatte, die wir aufgrund ihrer Anweisungen nicht ersetzen durften",
füge ich noch hinzu, um die Situation zu meinem Vorteil zu wenden.
"Hu!" murmelt der PJ. "In ihrer Haut möchte ich jetzt nicht stecken. Das wird nicht
gut für ihr Budget aussehen - dieser Totalausfall der Vermittlungstechnik."
"EIN KOMPLETTAUSFALL!?!" keucht der Chef.
"Nun, sie sagten doch, daß wir defekte Teile unserer Vermittlungsanlage durch Teile
der Zentralvermittlung ersetzen sollen, um Kosten zu sparen ..." antworte ich.
Der Chef bekommt ein gehetztes Aussehen.
"In Ordnung. Was wollen sie?"
"Ich denke, daß sie das schon wissen", lächle ich wohlwollend. Oder ist es
übelwollend, ich verwechsle das immer.
Zehn Minuten später halte ich die Telefonrechnungen und die Kopien, die der Chef
angefertigt und in seinem Safe versteckt hatte, in den Händen.
Ich kehre in den Vermittlungsraum zurück, wo die Temperatur der Anlage sich
bedenklich der Ausfalltemperatur genähert hat, und demonstriere, wie leicht es ist,
die elektrische Sicherung eines Lüfters auszutauschen ...
Es ist doch lustig, daß sich manche Dinge immer zum Besten entwickeln, oder?


Ein erhitzter Wortwechsel mit dem Chef über die Klimaanlage erhöht die Temperatur
im gesamten Gebäude ...

An diesem angenehmen Sommermorgen kommt der PJ vom Einkauf in unser Büro
zurück. Er hat sich dabei offensichtlich an meine Anweisungen gehalten.
"Wirklich ein perfekter, handgemachter elektrischer Wasserkocher mit einer
Sicherung, um eine Überhitzung zu verhindern", sage ich voller Zufriedenheit über die
Perfektion meines Planes.
"Aber wir haben doch eine Kaffee- und auch eine Teemaschine!" sagt der PJ.
Während ich den Kocher am Wasserbrunnen fülle, schüttele ich den Kopf über diese
Frage. "Was passiert jedes Jahr im Sommer?" frage ich ihn.
"Es wird heiß?" rät er.
"Korrekt. Und die Klimaanlage tut was?"
"Sie fällt aus."
"Und wir müssen was tun?" frage ich.
"Wir sitzen den ganzen Tag im Vermittlungsraum."
"Richtig. Nehmen sie den regelbaren Transformator und kommen sie in den
Vermittlungsraum."
Er folgt meiner Anweisung, so daß ich wenig später den Transformator auf 5 Volt
einstellen und den Kocher anschließen kann, den ich unter dem Gitter eines
Fußbodenventilators der Klimaanlage versteckt habe.
"Ihre Aufgabe besteht, sofern sie mitmachen wollen - sie haben natürlich gar keine
andere Wahl, aber es klingt so gut - darin, dafür zu sorgen, daß diesen Kocher immer
schön versteckt bleibt. Darüber hinaus erhöhen sie die Spannung am Transformator
pro Tag um 5 Volt."
Ich zeige ihm ein Thermostat an der Wand und öffne dessen Umhüllung.
"Schritt 2: Drehen sie jeden Tag die Justierschraube entgegengesetzt zum
Uhrzeigersinn um 5 Grad, damit die Klimaanlage annimmt, es wird kälter. Nun, noch
Fragen?"
"Ja, eine. Was passiert, wenn der Transformator 200 Volt erreicht?"
"Ich wette zwanzig Pfund, daß am Kocher nie mehr als 50 Volt anliegen werden."
"Glauben sie!" keucht der PJ in Erwartung von leichtverdientem Geld.
"Und denken sie daran, daß immer Wasser in dem Kocher sein muß" erinnere ich ihn,
denn ich weiß ja, wie vergeßlich er sein kann.
Nun, die Wette kommt zustande, und ich befasse mich für ein paar Tage mit dem
Testen der Belastbarkeit unseres Netzwerkes. Als ich genug davon habe, die
Netzwerkvariante von Doom 2 zu spielen, rufe ich den Chef an und informiere ihn
über die Probleme mit der Klimaanlage im Vermittlungsraum.
Um den Schein zu wahren, erscheint er auch bald und schaut sich neugierig um. Er
betastet die Thermostate ein wenig, schnuppert ein wenig, um die Luftfeuchtigkeit zu
prüfen. Als er sein technisches Repertoire ausgeschöpft hat, bestellt er einen
Fachmann für Klimaanlagen, der ihm bestätigt, daß unsere Messungen korrekt sind.
"Sie brauchen eine neue Einheit", erklärt der Techniker dem Chef. "Die Anlage, die
sie zur Zeit benutzen, scheint überlastet zu sein."
"Das habe ich dem Chef doch schon im letzten Sommer erklärt", ergänze ich. "Aber
er hat sich nicht darum gekümmert. Und nun sehen sie, was daraus geworden ist."
Meine vorsichtigen Worte scheinen ihn daran zu erinnern, daß zwischen uns der
Kriegszustand herrscht. Er scheint zu ahnen, daß etwas an der Sache faul ist, kann
es aber nicht herausfinden, obwohl er sich verzweifelt bemüht, mich zu
überführen - ganz besonders nach meinem kürzlich errungenen Sieg, als es um die
Vermittlungsanlage ging, wo es ihm ebenfalls nicht gelang, mich zu entlarven.
"Ja, dann müssen wir eben eine neue Einheit hier einbauen, aber wo ..." lächelt er und
entdeckt den idealen Ort dafür genau vor sich. "Wie wäre es denn hier?" fragt er und
deutet auf die Wand zwischen dem Vermittlungsraum und unserem
Netzwerkkontrollraum.
"Keine gute Idee", sagt der Techniker. "Der Wärmetauscher würde den Raum
dahinter in eine Sauna verwandeln."
"Nun, es scheint keine andere Alternative zu geben", antwortet der Chef
selbstgefällig.
"Wie wäre es hiermit?" frage ich und zeige auf eine Lücke zwischen zwei
Wärmetauschern an der gegenüberliegenden Wand.
"Nein, das geht nicht", unterbricht mich der Chef. "Da stehen schon zu viele
Einheiten. Wenn wir eine weitere hinzustellen, gefährden wir die Trägfähigkeit der
Decke."
Etwas sagt mir, daß er diesmal seine Hausaufgaben gemacht hat.
"Also nehmen wir diese Wand", lächelt er. Dabei zeigt er voller Schadenfreude auf
einen Platz, der ziemlich genau zwischen meinem Schreibtisch und dem des PJ liegt.
Der entsetzte Blick des PJs spricht Bände.
Zwei Wochen später ist es in unserem Kontrollraum wirklich ein wenig ungemütlich,
erst recht, nachdem jemand den Auftrag gegeben hat, unsere Fenster dauerhaft zu
verriegeln.
In der Folgezeit geht unsere Besucherzahl drastisch nach unten und erreicht einen
neuen Tiefstand. Eigentlich kommt nur noch der Chef täglich vorbei, um durch das
doppelt verglaste Fenster hereinzuschauen und hämisch zu grinsen.
Bis heute - heute ist der Tag der Vergeltung.
Der PJ und ich sind ungewöhnlich früh in unserem Kontrollraum, um meinen Plan zu
vollenden. Vollendung heißt nichts anderes, als daß wir die neue Einheit der
Klimaanlage abklemmen, sie umpolen und wieder anschließen, so daß wir endlich
eine funktionierende Klimaanlage bekommen.
"Das wird der Chef bemerken!" ruft der PJ.
"Er wird nicht mehr hereinkommen - niemand tut das", antworte ich, um ihn zu
beruhigen.
"Aber wenn er draußen vorbeigeht, wird er die Rückseite des Wärmetauschers
bemerken."
"Nicht, wenn sie die Abdeckung ebenfalls austauschen."
"Das wird ihn nicht täuschen!"
"Ich bin ganz sicher, daß es klappt - neulich hat er herausgefunden, daß ich die
Gehäuse des Shredders und des Faxgerätes ausgetauscht habe. Bedauerlicherweise
hat der ´Shredder´ automatisch die Zeitungen angewählt und die Berichte über die
horrenden Ausgaben an sie gesendet. Boulevardzeitungen können wirklich grausam
und verantwortungslos sein."
"Was hat der Chef getan, als er es herausfand?"
"Was denken sie denn? Zugeben, daß wir ihn zum Gespött der Leute gemacht haben?
Ich habe nun noch eine kleine Aufgabe für sie."
"Worum geht es?"
"Machen sie ihre Abrechnung noch einmal - sie war sein letztes ´Fax´."
"Sie Hund!"
"Durch und durch, immer auf der Jagd und meine 20 Pfund erwartend ..."


Der B.O.F.H. wird zum Vertragskiller, als er Schäden beseitigt, die sein Chef
verursachte ...

Ich bin nicht glücklich. Eigentlich ist das nicht selten, aber heute bin ich WIRKLICH
unglücklich.
Der Abteilungsleiter hat gerade eine Zeitbombe dadurch gestartet, daß er ohne
nachzufragen einen großen Wartungsvertrag mit einem unserer Hardwarelieferanten
abgeschlossen hat, der uns einen fünfzigprozentigen Rabatt einräumt.
Nun gefällt mir ein Rabatt bei Wartungsverträgen ungefähr ebenso, wie irgendein
anderer Administrator, der meint, man müsse Wartungstechnikern erst einmal mit
einem Sack voller Terminatoren auf den Kopf schlagen, aber das klingt wohl ein
wenig verdächtig.
Der Abteilungsleiter, bekannt dafür, daß er Probleme hat, unverletzt durch lange
Korridore zu gehen, hat es irgendwie geschafft, mit diesen hochqualifizierten und
geldgeilen Profis, die das Wartungsteam bei der ´Raub-mich-aus´-Gesellschaft
bilden, diesen Rabatt auszuhandeln.
Nun, wir werden sehen.
Und wo ich gerade dabei bin, er behauptet, ohne Hilfe den Weg zu seinem Büro
gefunden zu haben, was ich bezweifle.
Alles was mir nun bleibt, ist zu sehen, welchen Schwachsinn er da konkret
ausgehandelt hat.
"Was für ein Vertrag ist es?" frage ich, nachdem er in seinem Büro angekommen ist
und mich fröhlich angrinst.
"Ein Standardvertrag wie vorher. Nur habe ich die Hunde damit für 20 Jahre
FESTGENAGELT!" sagt er hämisch lächelnd. "DAS IST EIN WASSERDICHTER
VERTRAG! Deren Anwalt hat sich sogar ein wenig dagegen gesträubt!"
"Und UNSERE Anwälte?" frage ich und ahne schon, was jetzt kommen wird.
"Die werden überschätzt!", antwortet er. "Das hätte ich mit geschlossenen Augen
tun können."
Ich schaue mir den Vertrag an und sehe, daß er ihn vermutlich wirklich mit
verbundenen Augen unterzeichnet hat.
"Nun, eine kleine Frage", sage ich und bereite mich auf eine lange Reise ins Land der
Ahnungslosigkeit vor.
"Ja?"
"Sie wissen, daß WIR ebenfalls für 20 Jahre an diesen Vertrag gebunden sind?"
"Natürlich."
"Nun, merken wir uns das einmal und dann zeigen sie mir bitte
irgendein - IRGENDEIN Gerät, das wir schon länger als 5 Jahre haben, ganz
abgesehen von 20 Jahren!"
Ein Groschen beginnt zu fallen. Langsam.
"Oh ... Ah ... Nun ... Keines?!?" piepst er, als der Groschen am Boden ankommt und
sich in dieser Hinsicht als lohnende Investition erweist.
"Nicht ganz", sage ich. "Wir haben diese große Lochkarten-Stanzmaschine von IBM
im Computerraum. Und wissen sie wieso wir die noch haben?"
"Um Lochkarten herzustellen?"
"Nein, denn wir haben ja keine Lochkartenleser mehr ..."
"Ballast für die Klimaanlage!" platzt er heraus und hofft auf einen Treffer.
"Nein. Gut, wenn wir die Maschine abstellten, dann wären einige der Lüfter nicht
mehr nötig, aber das ist nicht der Grund. Wir haben diese Maschine noch, weil das
Gebäude praktisch um sie herum errichtet wurde. Als Schrott könnten wir wohl noch
etwa 200 Pfund für sie bekommen, aber wir können das Geld nicht bekommen, WEIL
SIE ZU GROSS IST, UM SIE HINAUS ZU TRANSPORTIEREN!"
"Ich weiß nicht, worauf sie hinauswollen", gesteht der Abteilungsleiter.
Ich prüfe zur Sicherheit noch einmal den Vertrag.
"Nun, sie haben einen BINDENDEN, WASSERDICHTEN Vertrag unterschrieben,
der besagt, daß wir ihnen monatlich 2000 Pfund bezahlen, jeden Monat der nächsten
zwanzig Jahre, damit sie sich um einen Mini-Computer kümmern, der in etwa fünf
Jahren jeden Wettkampf gegen einen Taschenrechner verlieren dürfte. Und sie haben
offenbar nicht einmal ihre Erlaubnis verlangt, bevor sie diesen Vertrag
unterschrieben?!"
"Welche Erlaubnis?"
"IHRE VERDAMMTE ERLAUBNIS ZUM GELDDRUCKEN! SIE HABEN IHNEN
ALLES GEGEBEN! DIE EINZIGE SACHE, DIE SIE VERGESSEN HABEN,
WAR EIN HAFTUNGSAUSSCHLUSS!" rufe ich und bin dem Wahnsinn nahe.
Ein eiskalter Gedanke geht mir durch den Kopf. "Sie haben ihnen keinen kompletten
Haftungsausschluß gegeben, oder?"
"Was meinen sie?" fragt unser qualifizierter und professioneller
Entscheidungsträger.
"Kompletter Haftungsausschluß bei Unfällen. Sie wissen schon, die Leute gehen
durch einen Korridor und lassen einen Schraubenzieher fallen, der durch ein Loch für
die Belüftung fällt und auf irgendeiner Maschine landet, einen Kurzschluß verursacht
und die Maschine in ihre Einzelteile zerlegt. Mit einem Haftungsausschluß hört
deren Verantwortung bei einem ´Entschuldigung´ auf."
"Ähm ... Nein, nein. Ich bin mir sicher, daß ich das nicht gemacht habe, weil ein
Techniker irgendwann meinen Lieblingskugelschreiber zerstört hat, den er auch
bezahlen mußte."
"Nun, bei 2000 Pfund im Monat werden die Kosten für einen Kugelschreiber sie
wirklich in den Ruin treiben."
Zwei Wochen später kommt der Techniker von der
´Raub-mich-aus-für-20-Jahre´-Gesellschaft.
Um uns das Gefühl zu geben, er verdiene sein Geld, schraubt er das Gehäuse auf,
wirft einen Blick auf die Diagnose-Lämpchen, schreibt ein paar Zahlen auf, lächelt
selbstgefällig und schließt das Gehäuse wieder.
In Wirklichkeit ist er so von sich selbst überzeugt, daß er nicht bemerkt, wie der PJ
ihm einen seiner Schraubenzieher klaut und damit verschwindet.
Er bemerkt auch nicht die ein wenig hervorstehende Kachel am Boden des Korridors.
Bis sein Fuß auf ihr landet und damit, wie geplant, einen Mechanismus auslöst, der
ein sehr, sehr lautes ´BANG!!´ unserer unbezahlbaren und historisch wertvollen
ersten Lochkartenmaschine erzeugt, als sie mit dem Schraubenzieher des
Technikers zwischen dem Netzteil und den nun kurzgeschlossenen Netzkabeln
explodiert.
Und da es sich um eine alte Maschine handelt, geht sie prompt in Flammen auf.
Möglicherweise wird dieser Vorgang noch durch ein petroleumgetränktes Tuch
beschleunigt, daß der PJ und ich in weiser Voraussicht in sie hineingestopft haben ...
Der Abteilungsleiter und ein Anwalt tauchen lautlos hinter uns auf. Der Anwalt
betrachtet sich die Zerstörungen und der Abteilungsleiter den unschätzbaren Betrag,
den er mir bei der nächsten Verhandlung über meinen Lohn schuldet ...


Der B.O.F.H. zeigt, daß Dummköpfe nicht auf Bäumen wachsen, sie stattdessen
über mehrere Jahre lang trainiert werden müssen ...

"Hallo. Ist dort die Netzwerk-Verwaltung?" fragt ein Nutzer über die
Freisprechanlage.
Ich nehme das LAN-Topologie-Überwachungs-Gerät (VR Brille [VR: Virtual
Reality]) ab und beende die Verbindung mit dem leistungsfähigen
Netzwerk-Analyse-Server (VR Panzerschlacht Game-Server), um meine
Aufmerksamkeit dem Anrufer zuzuwenden.
Die Rufnummernidentifizierung meldet, daß er aus der Erbsenzählerzentrale kommt.
"Ja, hier ist die Netzwerk-Verwaltung", antworte ich.
"Gut. Ich habe ein Problem mit dem Herunterladen einer Datei aus Brüssel mittels
FTP. Die Verbindung wird immer nach genau einem Megabyte abgebrochen."
Der PJ grinst zu mir herüber, schreibt hastig einen Zettel voll: "HEUTIGES LIMIT
1024K" und deutet auf die Packet-Filter Software.
Langsam wird er richtig gut.
"Ah, ja", sage ich und blättere im Ausredenkalender. "Wir haben im Moment mehrere
Fälle dieser Art. Wir glauben es liegt an ... Netzwerk-Destabilisierung durch
floureszierende Niedrigspannungslampen."
"Wie bitte?"
"Nun, wenn eine fluoreszierende Lampe eingeschaltet wird, sendet sie einen Strom
durch das Kabel zurück, was zu Interferenzen in Netzwerkkabeln führt, die daneben
liegen. Gerade bei niedrigen Spannungen tritt dieser Effekt verstärkt auf."
<DUMMY MODE EIN>
[Aus dem Bastard-Wörterbuch:
DUMMY MODE, Substantiv. Der Zustand in dem der Nutzer, überwältigt durch
technische Begriffe, alles glaubt und/oder tut, was ihm gesagt wird.]
"Oh. Und was kann man da tun?"
[Habe ich es nicht gesagt?]
"Naja, heute können wir nichts mehr unternehmen, denn irgendetwas erzeugt
offenbar ständig diese Ströme. Wie groß ist denn die Datei, die sie brauchen?"
"Etwa 1.6 Megabyte."
Ich kritzele auf den Zettel des PJ: "MORGIGES LIMIT 1.59 MEGEBYTE" und gebe
ihn ihm zurück.
"Nun", erwidere ich. "Gibt es in ihrer Etage irgendwelche Lampen, die mit niedriger
Spannung betrieben werden?"
"Ich habe keine Ahnung."
"Nun, sie müßten klein sein, meistens sind es rechteckige Lämpchen, wie man sie in
Anzeigen oder Displays findet."
"DIE NOTAUSGANGS-SCHILDER!!" ruft er, als er endlich das Ende des Pfades
gefunden hat, auf den ich ihn schickte.
"Natürlich!" rufe ich und teile seine Begeisterung. "Sie sind über den Türen
angebracht, wo auch die Netzwerkkabel liegen. Nun, es sieht so aus, als könnten sie
im Moment nichts unternehmen - und wir können die Kabel leider auch nicht so
schnell neu verlegen. Ich bedaure ..."
"Und könnten wir nicht die Notausgangsschilder woanders anbringen?"
"Oh, ich fürchte, WIR können dies nicht, selbst wenn wir die Zeit hätten."
"Oh?"
"Nein, wir haben einfach nicht die Zeit, die Abdeckung der Kabelschächte
abzunehmen, dann jedes Ausgangsschild mit seinem Kabel ein paar Meter von den
Datenkabeln wegzuschieben und die Abdeckung wieder anzubringen."
"Oh", antwortet er. Das Rattern seiner Gedanken ist dabei beinahe zu hören. "Dann
muß ich eben versuchen, die Datei in kleineren Paketen zu übertragen."
Ich lege auf, streiche auf dem Zettel des PJ die 1024K durch und ersetze sie durch
50K. Ich nicke ihm zu, den Filter entsprechend einzustellen.
"Er wird es nicht tun ..." sagt der PJ. Er ist so jung und hat doch schon kein
Vertrauen mehr ...
"10 Pfund?" frage ich.
"Es ist ihr Geld", sagt er naiv an leichtverdientes Geld denkend.
Der nächste Morgen bricht an und ich verstaue einen druckfrischen neuen 10
Pfund-Schein in meiner Geldtasche. Der PJ hat mit Empörung festgestellt, daß die
Notausgangsschilder tatsächlich nicht mehr über den Türen leuchten, sondern links
und rechts an der Wand des Notausgangskorridors, damit sie die Netzwerk-Kabel
nicht mehr stören.
"Man sollte niemals die Verzweiflung eines Nutzers unterschätzen", erkläre ich und
bringe ihm so einen weiteren wichtigen Grundsatz der Kunst der Netzwerkbetreuung
bei.
Um ihn ein wenig abzulenken, lasse ich ihn neue ´Kabellose Infrarot-LAN-Sender
und -empfänger´ (Infrarot-Kameras) in der Erbsenzähleretage installieren. Ich
verteile noch ein paar Kabelrollen, so daß es aussieht, als seien wir sehr mit Arbeit
beschäftigt.
Etwas später an diesem Nachmittag ist die Netzwerkzentrale beinahe mit
befreundeten Netzwerkadministratoren aus anderen Firmen überfüllt.
"Sie kennen die Regeln", erkläre ich. "20 Pfund pro Spieler mit Ausnahme des PJ und
mir, denn wir sind die Gastgeber und beginnen auch mit der Wahl unseres Spielers."
Zustimmendes Nicken, als der PJ die Wetteinsätze einsammelt und wir die
Spiel-Monitore einschalten. Als jeder seinen Spieler ausgesucht hat, kann es
losgehen.
"Laßt das Spiel beginnen!" rufe ich, betätige den Schalter, der das Licht in der
Erbsenzähleretage und den Treppen abschaltet und löse den Feueralarm aus.
"Gewonnen hat der, dessen Spieler als erster das sichere Treppenhaus erreicht!"
Durch die Infrarotmonitore beobachten wir, wie das Chaos ausbricht, wie jeder in der
Dunkelheit verzweifelt versucht, in die scheinbare Sicherheit, die die matt
leuchtenden Notausgangsschilder versprechen, zu gelangen.
Der Tribut, den die neuangebrachten Schilder von den Wänden verlangen, ist recht
hoch und wird sich vermutlich nur durch eine dicke Schicht Putz wieder berichtigen
lassen.
Nächstes Hindernis (für die schlaueren Wettbewerber) auf der Liste sind
Kabelkisten, die der PJ zufällig in den Korridoren verteilt hat.
"Das ist wie Pinball mit mehreren Kugeln!" ruft der PJ begeistert.
Zehn Minuten später zähle ich meinen Gewinn - denn natürlich hat der
Erbsenzähler, der die Schilder neu angebracht hat, gewonnen ...
Und da behaupten manche noch, mit Netzwerken könne man kein Geld verdienen.


Die Handschrift des B.O.F.H. entwickelt sich zu kindlichem Gekritzel beim Versuch,
astronomisch hohe Ausgaben ersetzt zu bekommen ...

Es ist ein angenehmer Tag in der Netzwerkzentrale, als ich zu einem Treffen mit den
Erbsenzählern schlendere. Es soll um die Spesenabrechungen gehen, die ich für die
letzten beiden Monate abgegeben habe.
Es sieht so aus, als hätte sich die brandneue, topmoderne und mit überflüssigen
Funktionen nur so vollgestopfte Schrifterkennungssoftware (zur Erfassung von
Spesenabrechnungen und deren Überführung in Tabellen, um dann allerlei mystische
Berechnungen vorzunehmen, um denjenigen zu finden, der all die Spesengelder
ausgibt) sich an meinen Belegen und Rechnungen verschluckt. Vielleicht, und hier
muß ich raten, liegt das daran, daß ich nicht WILL, daß jemand herausfindet, wieviel
ich wirklich ausgebe.
Wenn ich wollte, daß der Chef ´Bier und Wodka´ auf meinen Spesenabrechnungen
liest, würde ich in Großbuchstaben ´BIER und WODKA´ schreiben und nicht ´Briek
und Brohrl´ hinkritzeln, als hätte ich eine Schreibhemmung.
Es ist schließlich ein Vorrecht von Netzwerk-Administratoren, sich für ihr eigenes
Geld ein paar Chips zu kaufen, sich dann eine horrende Rechnung vom Bartisch zu
greifen und die Firma dafür zahlen zu lassen! Ja, das ist ein gottgegebenes Recht!
Ich bereite mich geistig und moralisch mit ein paar Gläsern Bier und Chips in der
nahegelegenen Kneipe auf das Treffen vor. Zehn Minuten später bin ich in der
Erbsenzählerzentrale und rede mit einem ihrer Repräsentanten.
"Gut, kommen wir zu den Spesen für Essen und Trinken ... was soll das heißen?"
fordert der Erbsenzähler mich heraus. "Briek und Brohrl. Was zum Teufel sind Briek
und Brohrl?"
"Lassen sie mich mal sehen ... " antworte ich und heuchle Hilfsbereitschaft. "Oh!
Das ist Rindfleisch! Ich habe wohl ein Steak gegessen!"
"Und Brohrl?"
"Brohrl. Hmm ... Brüsseler Kohl, Rosenkohl!"
"Sie haben für 150 Pfund Steak und Rosenkohl gegessen??"
"Könnte schon sein. Es war außerhalb der Steak- und Rosenkohl-Saison ...
Übrigens sehr lecker, wenn es richtig zubereitet serviert wird. Und es war ein sehr
großes Steak ... "
Eine halbe Stunde, die wir mit kreativer Veranschaulichung von Speisen zubringen,
später ...
"Was ist das?" fragt der Erbsenzähler. "Briek und Escrot?"
"Nun, das erste ist offensichtlich wieder Rindfleisch und das andere ... hmmm ...
sieht irgendwie wie ESCORT aus, stimmt´s?! HA HA HA! Stellen sie sich das
vor - die Firma zahlt für einen Begleit-Service! Nein, ich weiß wirklich nicht, was es
sein könnte - irgedeine Delikatesse, die sie im Kongreßzentrum von Amsterdam
servieren?"
Natürlich habe ich es kommen sehen. Die neue Handschriftanalyse-Software kann
ohne Probleme mein ´Briek und Brohrl´ und mein ´Ligord und Amno´ lesen,
übersetzen und auch noch herausfinden, wo ich was zu mir genommen habe, wieviel
ein Treffer gekostet hat und wie ihr Name war!
Ich glaube nicht, daß ich betonen muß, daß diese Entwicklung alles andere als positiv
ist.
Zum Glück glaube ich fest daran, daß bei der Weiterentwicklung der Technik die
Menschen sich schrittweise zurückentwickeln sollten, was eine Form von
Selbstverteidigung ist. Also begann ich, meine Schreibgeräte und Schriftgröße zu
variieren und füllte meine Formulare halb mit einem Buntstift und halb mit
Fingerabdrücken aus (was alles der gegenwärtigen Vorschrift entspricht, die
vorschreibt, daß Spesenabrechnungen handschriftlich ausgefüllt werden müssen).
Möglicherweise ist es auch die unterschiedliche Größe meiner Buchstaben, die der
Software Probleme macht. Manchmal sind die Buchstaben 16 Punkte groß, manchmal
auch 1600 ...
Die Ankunft eines neuen Erbsenzählers, der den alten, der wirklich erschöpft
aussieht, ablöst, weckt mich aus meinen Gedanken ...
"Simon, nur noch ein paar Unklarheiten", beginnt der neue Erbsenzähler.
"Mmmm?" antworte ich zu jeder Hilfe bereit.
"Dies hier. Es ist eine senkrechte Linie. Buntstift, oder?"
"Ja. Das müßte stimmen. Ich glaube, das ist der erste Strich vom K im Wort
Kalbfleisch."
"Hä?"
"Ich hatte einen Krampf in der Hand und konnte nicht kleiner schreiben. Ich konnte
den Stift kaum halten, aber vergessen wollte ich es auch nicht. Ich werde doch nicht
bestraft wegen dieser kleinen Behinderung?" Die Worte ´kleine Behinderung´
versetzen ihn in Angst und Schrecken. Das Management legt auf politische
Korrektheit besonders großen Wert, und die kleinste Geschmacklosigkeit gegenüber
Behinderten wird mit einem sofortigen Rauswurf geahndet.
"Aha. In Ordnung. Aber Kalbfleisch für 100 Pfund?" fragt er nervös.
"Es gab eine Salattheke und Weintrauben."
"Ich verstehe. Und dies? Das sieht aus wie ein Farbkleks."
"Ein Fingerabdruck." antworte ich. "Steak Sandwich. Sehr selten. Schauen sie, hier
können sie das S erkennen."
"Es ist ein Fleck!"
"Nein, es heißt wirklich Steak Sandwich. Ich mußte es abkürzen, damit es auf das
Formular paßt, denn mein Finger kann keine dünneren Linien malen."
"Warum haben sie keine Tastatur benutzt?"
"Was? Um RSI [Repetitive Strain Injury - ´Tastaturkrankheit´] zu riskieren?"
Zehn Minuten später gibt der zweite Erbsenzähler gebrochen auf und zählt einfach
die Einzelposten zusammen.
"Oh!" rufe ich plötzlich. "Ich habe noch etwas."
"Was ist das?" fragt er. "Briek und Clops von heute?"
"Das steht für ... Rindfleisch und Chips."
"Sie hatten zwei Schüsseln davon."
"Natürlich, ich muß auf Proteine achten!"
Es ist ein Hundeleben, wirklich ...


Der B.O.F.H. verlangt nach einer lästigen Nutzeranfrage Gebühren ...

Es ist Zeit, die Ausbildung des PJ fortzusetzen, also führe ich ihn durch einen
Computerraum, als ein Anruf kommt. Was zum ...? Nun, niemand außer uns ist im
Raum, also gehe ich ans Telefon.
"Hallo."
"Ist dort der Computerraum?"
"Ja ..."
"Sind sie der Systembetreuer?"
Ich schaue mich schnell um - außer dem PJ gibt es keine Zeugen.
"... Ja ..."
"Ich glaube, sie haben eine defekte Festplatte in ihrem Datenbankserver."
"Wirklich? Wie kommen sie darauf?"
"Nun, meine Datenbank-Updates funktionieren nur sehr langsam."
"Welche Updates?"
"Ich versuche, die mittleren Initialen aller Angestellten und Geschäftspartner seit
1991 durch große Buchstaben zu ersetzen."
"Wie ... sinnvoll. Und sie erwarten, daß diese ganze Arbeit in wenigen Augenblicken
erledigt ist?"
"Handelt es sich etwa nicht um ein Festplattenproblem?"
"Nein, wir würden es schon vorher wissen, denn die Festplatten sind mit einem
Warnsystem ausgestattet, das einen Ausfall ankündigt."
"Wirklich?"
"Ja, und ich sage voraus, daß sie in drei Sekunden ausfallen."
"Wieso?"
"Weil ich die Server dann abschalte."
Ich höre einen ganzen Sturm von Tastenanschlägen, aber sie kommen zu spät, um
noch etwas zu bewirken ...
Ein paar Rüttler an den Kabeln und einen lauten Klick später beginnt ein rasch
improvisierter Neustart der Festplatten, dem eine automatische ´Reparatur´ folgen
wird. Der PJ, dem seine Ausbildung wichtig ist, beobachtet aufmerksam alles und
macht sich Notizen.
"Keine Zeugen", erinnere ich ihn, als wir zum nächsten Gerät gehen. Gerade
rechtzeitig sehe ich noch, wie der Chef um die Ecke biegt und zu uns kommen will.
Noch ein >Klick< und der Beweis für unser Handeln verschwindet.
"Was ist passiert?" fragt der Chef aufgeregt.
"Wann?" frage ich überrascht und ahnungslos zurück.
"Gerade eben - meine Datenbank-Sitzung blieb einfach stehen!"
Der PJ und ich stellen uns dumm, solange der Chef die Nachrichten auf den
Kontrollmonitoren nach Spuren der Bastardisierung untersucht. Natürlich findet er
nichts, so daß er nach ein paar Minuten wieder verschwindet. Als ich sicher bin, daß
er nicht so schnell zurückkommen wird, schließe ich die Konsolen wieder an den
Datenbankserver an und beobachte die Meldungen, die das
Festplattenreparaturprogramm auf den Monitor zaubert.
Der Chef ist so berechenbar, daß er in ein Laufrad gehört.
Das Telefon im Computerraum klingelt wieder. Der PJ greift danach. Ich schüttle
meinen Kopf und forme mit den Lippen das Wort "Ausbildung". Ich greife nach dem
Hörer.
"Hilfe, meine Tabellen spielen verrückt!" heult der Nutzer.
"Beschreiben sie das näher", fordere ich ihn auf.
"Nun, dort, wo der Eintrag aus der Datenbank kommen soll, funktionieren sie einfach
nicht!"
"Hmm. Das klingt ganz nach einem Prä-Revisions SQL-Befehl in ihrer Tabelle."
>DUMMY MODE EIN<
"Hä?"
"Also, öffnen sie ihre Tabellenkalkulation. Irgendwo im Menü gibt es einen Eintrag
zur Ausführung von SQL-Anweisungen."
"Ah ... Oh, ja, hier ist er!"
"Gut. Jetzt klicken sie auf den Eintrag. Dann sollte ein Fenster aufgehen, in dem
´SELECT irgendetwas FROM irgendwo WHERE irgendetwas anderes´ steht."
"Ja, das steht da."
"Jetzt löschen sie alles bis auf das, was zwischen FROM und WHERE steht."
"Gut, jetzt steht nur noch HR_IDX, ein Komma, HR_SAL_SCALE, wieder ein
Komma und HR_NAME da."
"Richtig, das sind die fehlerhaften SQL-Anweisungen, die sie loswerden wollen.
Also schreiben sie jetzt vor jeden Eintrag ´DROP´ und ersetzen sie die Kommas
jeweils durch ein Semikolon. Dann lassen sie jedes DROP auf einer neuen Zeile
stehen. Nun müssen sie noch die ´Automatisch ausführen´-Option aktivieren und
sich mit dem Login und dem Passwort des Chefs anmelden, um die SQL-Fehler zu
beseitigen."
"Aber ich kenne das Passwort doch nicht!"
"Natürlich kennen sie es. Es ist der Name seiner Frau, oder?"
"Ihr zweiter Vorname. Aber er hat gesagt, wir sollten es nicht nutzen, weil er
speziellen Rechte hat, um ..."
"Um fehlerhaftes SQL zu berichtigen, was sie tun wollen ..."
"Oh ... >Klick. Klick. Klick.< ... Das ist lustig. Meine Tabelle ist nun völlig leer!"
"Das ist korrekt so, weil die Reparaturen einige Zeit dauern werden. Und vergessen
sie nicht, ihren Chef über die ´Reparatur´, die sie gemacht haben, zu informieren."
"Mache ich. Vielen Dank!"
"Schon gut. War mir ein Vergnügen. Wirklich."
Kaum habe ich aufgelegt, klingelt das Telefon schon wieder.
"Computerraum ..." seufze ich.
"Hallo, wir haben ein Problem mit der Angestellten-Datenbank. Es sieht aus, als sei
die Hälfte der Einträge verschwunden!"
"Ja", murmle ich. "Wir arbeiten zur Zeit daran."
"Oh. Gut, und läuft es jetzt?"
"Natürlich. Und schon bald können sie sie wieder nutzen ..."
"Großartig!"
"... wenn sie darauf zugreifen können. Die Gebühren für eine Anfrage betragen heute
fünf Pfund."
"Was?!"
"Pro Anfrage!"
"Sie machen Witze!"
"Pro Minute."
"Das können sie nicht tun!"
"Da haben sie Recht. Ich kann das nicht tun - ich habe nämlich Mittagspause, aber
vielleicht kann ihnen mein Assistent helfen."
Ich gebe den Telefonhörer dem PJ und marschiere in die Cafeteria, um zu prüfen, wie
der Kaffee heute schmeckt.
"Zehn Pfund", höre ich den PJ fordern.
"Was?"
"Pro Anfrage und pro Minute."
Fünfzehn Minuten später gesellt er sich zu mir, um mir in der Cafeteria die wilde
Horde von Nutzern zu beschreiben, die darauf lauert, die Systembetreuer in ihre
Hände zu bekommen.
Man kann für diese Genugtuung nicht bezahlen. Es sei denn, man ist ein Nutzer ...


Der B.O.F.H. verbringt einen Tag als Hotliner ...

"Also, ich denke, es wäre gut für die Zusammenarbeit der Abteilungen untereinander,
wenn wir alle für einen Tag einmal in einer anderen Abteilung arbeiten", erklärt der
Chef, um seinen ´Job-Sharing´-Plan zu verteidigen, mit dem er uns ungefähr alle
sechs Monate nervt. "Der Geschäftsführer war begeistert von meiner Initiative!"
"Sicher wissen sie, daß dann unser Netzwerk ohne Aufsicht ist, oder?"
"Genau deshalb werden sie an der Hotline arbeiten", antwortet der Chef lächelnd.
"Sie werden dann als Erster erfahren, ob es Probleme gibt ..."
Alle Argumente, die ich vorbringe, werden doppelt so schnell vom Chef
zurückgewiesen, was bedeutet, daß ein Tag in der Höllen-Hotline unvermeidlich ist.
Der PJ, gesegnet sei er, riecht den Braten.
"Was ist passiert?" fragte er. "Der Chef kann einfache Fragen nicht beantworten,
selbst wenn er die Nacht zuvor mit dem Studium von Fachliteratur zugebracht hat,
aber heute hat er plötzlich Antworten auf alle Probleme! Und sie haben nicht einmal
gekämpft. Es scheint beinahe so, als hätten sie es darauf angelegt, einen Tag lang
die Fragen dummer Softwarenutzer zu beantworten! Was ist los!?!?"
Leider ist es notwendig, daß ich jemanden in meinen Plan einweihe. Und sei es auch
nur, um zu beweisen, daß ich noch immer die volle Kontrolle habe.
"Schauen sie sich mal in der Abteilung um", sage ich. "Betrachten sie die
Ausrüstung! Wo steht stets die neueste Technik?"
"Nun, in der Hotline - die brauchen immer das Neueste und Beste, um die Software
der Anrufer auf ihren Maschinen zu testen. Aber ich verstehe nicht ..."
"Wieviel RAM-Speicher hat ihr PC?" will ich wissen.
"16 Megabyte."
"LÄCHERLICH!" rufe ich. "Warum? Nun, jeder PC in der Hotline hat mindestens 32,
einige haben sogar 64!"
"SIE HABEN VOR, IHNEN HARDWARE ZU STEHLEN!" antwortet der
geschockte PJ. "Aber wir ... wir teilen uns doch alles, oder?"
"Ja, mein Freund!" rufe ich und fülle meine ´Brotbüchse´ mit Werkzeug.
Am nächsten Morgen bin ich schon vor Arbeitsbeginn (!) vor Ort, um meinen neuen
Posten einzunehmen. Das Telefon klingelt schon fünf Minuten vor der offiziellen
Bürozeit. Aber ich bin so gut gelaunt, daß ich mich melde.
"Hallo, ist dort die Hotline?" fragt eine nervöse Stimme.
"Aber natürlich", antworte ich hilfsbereit.
"Auf der Platte meines Bildbearbeitungsrechners ist kaum mehr Speicherplatz frei.
Jemand hat mir empfohlen, daß ich alle nicht genutzten Dateien mit einem
´Komprimierprogramm´ zusammpacken soll. Aber welches Programm soll ich dazu
denn benutzen?"
"Sie haben einen Macintosh, stimmt´s?" frage ich.
"Ja, den Grafik-Server der Abteilung", antwortet er.
"Genau. Nun, sie können den Standard-Komprimierer benutzen, der auf dem
Desktop installiert ist. Ich glaube, er heißt ´Papierkorb´."
"Aber kann man damit nicht Dateien löschen?"
"Nein, dafür ist die ´ENTFERNEN´-Taste da. Aber sie haben keine auf ihrem
Computer, also sind sie völlig sicher. Ziehen sie die Dateien einfach auf den
´Papierkorb´-Ordner und wählen sie dann ´Papierkorb leeren´, damit der
Komprimierer die Dateien komprimiert."
"Wirklich?"
"Ja. Das ist übrigens eine sehr effiziente Methode zum Komprimieren. Sie werden
überrascht sein, wieviel freien Platz sie durch die Arbeit des Komprimierers
gewinnen."
Ich lasse den armen Idioten seine gesamte Arbeit für die Abteilung ´komprimieren´
und widme mich wieder meiner eigentlichen Beschäftigung. Ich entferne alle
Coprozessoren und überflüssige RAM-Bausteine, nachdem ich im BIOS die nötigen
Änderungen vorgenommen habe, damit die BIOS-Routinen die fehlende Hardware
nicht bemerken. Ein Kinderspiel, wirklich. Um eine Entdeckung sicher zu verhindern,
schalte ich noch überall wo es geht den virtuellen Speicher ein.
In der Zwischenzeit ist der PJ damit beschäftigt, unsere Nummern aus dem
Telefonverzeichnis der Hotline zu entfernen. Danach schließt er die Batterien und die
Speicherchips der Telefone kurz, was zwangsläufig und irgendwie zufriedenstellend
die noch gespeicherten Nummern löscht.
Das Telefon klingelt, und da die Maschine des PJ noch immer mit heraushängenden
Innereien dasteht, nehme ich den Anruf an.
"Hallo, Hotline?" fragt der Anrufer.
"Ja, was kann ich für sie tun?" frage ich noch immer bestens gelaunt, denn die Menge
der verkäuflichen Hardware in meiner ´Brotbüchse´ nimmt schnell zu.
"Ich habe meine Software aktualisiert, und nun spielt das CD-ROM-Laufwerk keine
Musik-CDs mehr." heult der Anrufer.
"Nun, das liegt vermutlich nur an Staubablagerungen auf der CD-ROM-Linse",
antworte ich. Ich weiß natürlich, daß diese Problem auf der ersten Seite des
Handbuches beschrieben wird, doch wer liest heute noch Handbücher?
"Was kann ich nur tun?"
"Nun, sie haben doch sicher von ihrem CD-ROM-Hersteller eine speziell für diesen
Laufwerkstyp vorgesehene Reinigungs-CD?" frage ich.
"Äh ... nein", kommt die Antwort.
>DUMMY MODE EIN<
"In Ordnung, bleiben sie ganz ruhig. Dann müssen wir eben mit einer
leichtbeschichteten Schleifscheibe improvisieren."
"Großartig!" freut sich der Anrufer. "Wie?"
"Nun, leihen sie sich am besten gleich morgen beim Hausmeister ein Blatt
feinbeschichtetes Schleifpapier. Dann nehmen sie sich eine ihrer CDs als Schablone
und schneiden eine Schleifpapierscheibe mit der Größe der CD aus. Dann legen sie
diese Scheibe in ihr Laufwerk und starten es."
"Aber wie kann ich merken, daß alles fertig ist?"
"Nun, sie werden hören, wie das Laufwerk hochfährt. Dann hört es langsam wieder
auf zu rotieren. Wenn das Laufwerk keine Geräusche mehr von sich gibt, ist die
Reinigung abgeschlossen."
"Vielen Dank!" freut sich der Anrufer, dann legt er auf.
...
Der PJ und ich sind beinahe traurig, als wir am Ende des Tages die Hotline
verlassen. Irgendwie ist ihr Potential doch sehr vielversprechend. Ich erlaube mir ein
düsteres Lächeln, als ich ein Streichholz im Schlüsselloch der abgeschlossenen Tür
zur Hotline plaziere. Da müssen sie morgen wohl etwas später beginnen ...


Der B.O.F.H. und der PJ breiten ihr Netzwerk der Verdammnis über das ganze Land
aus ...

Der PJ und ich sind in Feierstimmung. Die Chefetage hat schließlich dem Plan
zugestimmt, Zugangsprovider für das Internet in allen Städten zu werden, in denen
wir Außenstellen haben, um unsere Betriebskosten ein wenig zu senken.
Freilich ist das ein langfristiger Plan, denn für die nächsten Wochen bedeutet es, daß
der PJ und ich unzählige Überstunden in Büros in fremden Städten damit zubringen
werden, mit unseren Systemen zu kämpfen, um sie idiotensicher einzurichten.
Der Ursprung für die Idee der Erweiterung unseres Angebotes liegt etwas länger
zurück. Damals hat der Geschäftsführer all die schöne Videokonferenzsoftware, die
es für das Internet gibt, gesehen. Und nach den diversen Fehlschlägen und Reinfällen
des letzten Jahres bei der Realisierung seines eigenen Videokonferenzsystems
schöpfte er neue Hoffnung. Seine Augen glänzen, wenn er daran denkt, gleichzeitig
in allen Außenstellen auf den Monitoren zu erscheinen. Ich glaube nicht, daß es
angebracht wäre, ihn daran zu erinnern, daß die Software-Clients natürlich über eine
eigene Bediensoftware verfügen ...
Als ich seine Unterschrift hatte, setzte ich sofort alle Räder in Bewegung und
kündigte den Vertrag mit unserem Internet Service Provider - ein Unternehmen, das
noch immer nicht weiß, auf welcher Seite es die Datenautobahn befahren soll und
annimmt, daß das World Wide Web etwas mit Spinnen und Delphinen zu tun hat.
Natürlich haben sie uns trotzdem dafür bezahlen lassen, daß sie den Hohlraum in
ihren Köpfen als Wissen bezeichneten. Aber als wir anriefen, um ihnen mitzuteilen,
daß IHR Router WIEDER abgestürzt war, wußten wir, daß das Ende nah ist.
Der PJ macht sich mit tapferer Miene auf, um eine Woche in einer unserer
Außenstellen in Schottland zu verbringen. Da das Appartement, das der Firma
gehört, für einen Mr. Babbage reserviert wurde, der übrigens vor einer Woche auch
das walisische Firmenappartement reserviert aber nicht besucht hatte, muß der PJ in
einem Luxushotel übernachten. Dieser Mr. Babbage ist auch dafür verantwortlich,
daß ich die vergangene Woche im Hotel untergebracht war. Viel von meinem Zimmer
habe ich wegen der reichlich vorhandenen Arbeit allerdings nicht gesehen - durch ein
zufälliges Zusammentreffen glücklicher Umstände fiel meine Arbeitszeit mit den
Öffnungszeiten der Hotelbar zusammen.
Das war wirklich reiner Zufall, mußte ich auch dem Chef erklären, als er mich zwei
Tage später über die astronomische Bar-Rechnung befragte. Völlig ehrlich kann ich
sagen, daß ich WIRKLICH keine Erinnerung daran mehr habe, diese Bar jemals
betreten zu haben.
Wie auch immer, um dem Chef zu demonstrieren, daß unsere Bemühungen
erfolgreich sind, erkläre ich ihm, daß eine Firma von der anderen Straßenseite (und
nur einen kurzen Weg durch die städtischen Abwasserleitungen entfernt) sich dafür
interessiert, durch uns an das Internet angebunden zu werden. Ich rechne ihm die
zusätzlichen Profite vor, die wir dadurch erzielen können.
Aufmerksam betrachtet der Chef das dicke Kabel, das in ihrem Router verschwindet,
und die vier USV-Segmente mit Kabeln, die aussehen wie Netzkabel. Zurück in
unserem Haus bemerkt er die Enden der UTP-Kabel (Unshielded Twisted Pair,
schlagt es nach.) und daß sie an einen unserer Netzknoten angeschlossen sind. Er
begreift sofort, daß die Anschaffung von drei 2,4 Kilowatt-Stromanschlüssen eine
Investition in die Stromrechnungen der Zukunft ist. Daß die andere Firma auch für
unseren Service zahlt, läßt ihn lächeln - ein irgendwie erschreckender Gedanke.
Er ist natürlich nicht der einzige, der etwas bemerkt. "Diese Internet-Geschichte
verbraucht eine Menge Strom", stellt der Netzwerk-Experte (´ex´ steht dabei für
´ehemalig´) unseres Kunden fest. "Die Stromrechnung unseres Netzwerkes ist
geradezu explosionsartig gestiegen!"
"Nun, das ist doch logisch", antworte ich. "Ich meine, sie müssen sich einmal
vorstellen, daß sie nun ihre Daten über die gesamte Welt verbreiten können und nicht
nur in EIN anderes Büro. Und dann stellen sie sich noch vor, wie hoch ihre Rechnung
wäre, wenn sie nicht durch uns mit dem Netz verbunden wären!"
"Oh!" murmelt er. "Von dieser Seite habe die Sache noch nicht betrachtet."
"Und denken sie an die Geschwindigkeit, mit der sie die Daten nun bekommen oder
senden. Wie schnell ist ihr normaler Provider?"
"Oh", nuschelt er. "14.4 oder 28.8. Viel zu langsam für die Arbeit. Obwohl wir
manchmal auch Pausen machen."
"Eben. Wir können ihren Anschluß ebenfalls schneller machen", sage ich. "Aber das
würde bedeuten, daß wir noch ein paar Kabel verlegen müßten, was natürlich den
Stromverbrauch erhöht. Dann könnten wir noch einen redundanten Server bei uns
aufstellen. Aber die Stromrechnung müssen freilich sie bezahlen."
"Nun, die Chefs wollen Redundanz zur Datensicherheit, wenn wir unsere eigene
Homepage fertigstellen ..."
Ich hasse mich. Wirklich. Das ist, als würde man auf einen Fisch in einer
Sardinenbüchse schießen. Mit einem Gewehr für die Elefantenjagd.
Um meine aktuellen Erfolge zu feiern, rufe ich die andere schottische Außenstelle
an, um die Vorbereitungen für die nächste Woche zu treffen.
"Hallo? Ich möchte das Firmenappartement reservieren ... Babbage mein Name. Aus
London. Ich habe schon gebucht? Ausgezeichnet."
Der PJ ist verdammt gut.


Reisen, Flugzeuge und ein Laptop - der B.O.F.H. bringt einen abgehobenen Anorak
sicher zur Erde ...

Es ist wieder Messezeit. Und das bedeutet, daß ich eine Woche an der Ostküste der
USA zubringe, um die letzten Neuigkeiten aus der Welt wackelnder Kabel zu sehen.
Natürlich lese ich manchmal Produktvorstellungen in der Computer-Presse, doch es
ist noch immer besser, einen ATM-Switch leibhaftig zu sehen, als nur seine
Abbildung.
Eigentlich ist es viel wichtiger, eine Hotelbar von innen zu sehen, als einen echten
ATM-Switch; man muß schließlich wissen, wo man die Prioritäten zu setzen hat.
Und wenn ich Lust darauf habe, blinkende Lichter zu sehen, kann ich mich auch in
unseren Vermittlungsraum setzen, statt durch eine schweißtreibende
Ausstellungshalle zu pilgern.
Der Flug über den Atlantik ist großartig. Die Sitze sind hervorragend, der Lachs war
allerdings ein wenig zu kalt. Natürlich reden wir über die erste Klasse - mein
´Drehe-dich-nach-links-und-blicke-auf-die-Toilette-Economy´-Sitz wurde
mysteriöserweise mit dem einer Mrs. E. Windsor vertauscht ... nun, das ist natürlich
auch ein ziemlich protziger Name. Ich schätze, daß jetzt jemand, der wichtig ist,
hinten sitzt, denn einige unauffällig-auffällig aussehende Männer in schwarzen
Anzügen diskutieren mit den Stewardessen über Sitze, Reservierungen und solches
Zeug; ich muß mich bei der Fluggesellschaft über die schlechte Schalldämmung in
der ersten Klasse beschweren - es ist wirklich recht laut.
"Entschuldigen sie, welchen Prozessor haben sie?"
Mein durch Brandy beförderter Fünf-Sterne-Traumzustand wird jäh unterbrochen.
"Entschuldigung?"
"Welchen Prozessor haben sie in ihrem Laptop? Ich habe einen 133
Megahertz-Pentium."
Großartig! Noch schlimmer als ein Schwätzer im Bus, den man spätestens an der
übernächsten Station rauswerfen kann, ist ein Computer-Langweiler als Sitznachbar
im Flugzeug.
"Das ist eine SPARC Ultra mit 437 Megabyte." Nur eine kleine Übertreibung - ich
fange lieber freundlich an.
"Wirklich? Ich wußte nicht, daß Windows auf SPARC läuft."
"Tut es auch nicht."
"Welches Betriebssystem nutzen sie denn?"
"Solaris 2.7."
"Wow! Sie müssen ein echter Profi sein."
"Ja. Etwas in der Art." Und genau das macht dich zum Verlierer. "Sie haben
Windows 95?"
"Ja."
"Nun, sie müssen ein wirklich armes Schwein sein."
Er lächelt unsicher, versucht, sich zu beweisen, daß ich nur scherze. Es wird Zeit,
dieses Mißverständnis aufzuklären.
"Wissen sie, daß sie dieses Modell durch einen einfachen Hardware-Trick
beschleunigen können?"
"Nein! Wirklich? Wie geht das?"
"Naja, eigentlich sollte ich das nicht sagen, denn es ist ein kleines Risiko dabei - es
könnte gegen die Garantiebestimmungen verstoßen."
"Das ist in Ordnung. Ich würde es gern ausprobieren, solange es einigermaßen sicher
funktioniert. Was muß ich tun?"
"Gut. Haben sie eine Büroklammer? Natürlich reicht auch ein kurzes Kabelstück."
"Ja, hier habe ich eine Klammer. Und was muß ich nun tun?"
"Nun, sie können den SCSI-Bus beschleunigen, indem sie die anliegende Spannung
etwas erhöhen. Drehen sie den Laptop um, so daß sie die Rückseite sehen, und
verbinden sie einfach diesen Pin des SCSI-Busses mit dem Kopfhörer-Anschluß."
Er fingert ein wenig herum und schafft es tatsächlich, die Büroklammer richtig zu
plazieren. Kein blauer Dunst ... noch nicht.
"Und jetzt?"
"Jetzt haben sie einen Rechner, den sie bei Bedarf beschleunigen können. Sie
müssen das nicht ständig tun, denn das würde unnötig Strom aus den Akkus fressen.
Beschleunigen sie den Rechner nur dann, wenn sie es wirklich brauchen."
"Wie kann ich ihn denn nun beschleunigen, wenn ich dies brauche?"
"Spielen sie einfach eine Musik-CD im CD-Laufwerk. Dann wird bekanntlich ein
kleiner Strom in den Kopfhörerstecker gesendet, durch den dann auch der SCSI-Bus
beschleunigt wird. Aber drehen sie die Lautstärke nicht zu hoch, denn es könnte
etwas zerstört werden; ´Dark Side of the Moon´ von Pink Floyd dürfte ausreichen;
aber achten sie auf die Wecker."
"Hmmm ... Ich habe keine Musik-CD dabei. Kann ich stattdessen das Mikrophon
benutzen?"
"Natürlich - schalten sie es einfach auf ´Wiedergabe´ und sprechen sie hinein, wenn
sie mehr Geschwindigkeit brauchen. Aber seien sie vorsichtig! Schreien sie nicht zu
laut."
Fünfzehn Minuten vergehen, und ich beginne meinen letzten Ratschlag zu bereuen.
Mein Freund hat herausgefunden, daß der einfachste Weg, um Geräusche zu
erzeugen, darin besteht, in das Mikrophon zu pfeifen. Und es sieht so aus, als sei
sein Laptop gegen Spannungen widerstandsfähiger, als die, die ich kenne. Aber zum
Glück naht Hilfe in Gestalt eines erregten Gentlemans, der ziemlich zornig zu sein
scheint.
"HÖREN SIE ENDLICH MIT DIESEM VERDAMMTEN PFEIFEN AUF!" schreit
er. Prompt tut auch die Büroklammer das, wofür sie vorgesehen ist ...
Es ist interessant, wie fein die Rauchmelder bei Boeing eingestellt sind - der
Feueralarm geht etwas entfernt von uns los.
"Ich schätze, das gibt eine Geldstrafe von 1000 Pfund", lächle ich süß, als die
Stewardess kommt, um die Streithähne, die handgreiflich werden, voneinander zu
trennen. Bald sind die Beteiligten an dem Streit fest an ihre Sitze geschnallt - jeder
unter der Aufsicht eines finster blickenden Stewards. Es herrscht endlich wieder
wunderbare Ruhe.
"Entschuldigen sie bitte die Störung, Sir. Kann ich ihnen noch einen Brandy bringen?"


Aus Angst vor einem Abteilungsausflug zur Besserung des Teamgeistes erinnert
sich der B.O.F.H. an seine eigene Definition von Teamarbeit ...

Ich teste gerade meine neue Infrarot-Fernsteuerungs-Hardware, als der PJ
hereinkommt.
"Wer ist das?" fragt er und deutet auf ein Individuum im Anzug, das im Nachbarbüro
zu sehen ist.
Das Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor. Dann fällt der Groschen ...
"Irgendwer aus der Personalabteilung", antworte ich. "Einer von diesen immer
freundlichen Typen, die sich um den Teamgeist und die Zufriedenstellung der Kunden
kümmern, wenn ich mich richtig erinnere."
"Unsere Kunden wissen doch sowieso, was sie erwartet!"
"Ja. Genau das könnte das Problem sein ..."
"Der Chef ist ein wenig zu freundlich", beobachtet der PJ, als der Chef Mr.
Freundlich begrüßt.
"Ja. Und angesichts seines Kriechfaktors würde ich sagen, daß da irgendwas von
oben kommt ..."
Zwei Stunden später kommt der PJ hereingerannt.
"Es gibt etwas, das sie wissen sollten", sagt er.
"Was? Sie haben doch nicht etwa den Chef belauscht!?"
"Nein, ich habe nur ein ungenutztes Netzwerkkabel getestet. Das Testgerät hat
freilich hervorragende aurale Fähigkeiten."
"Wie ein Mikrophon?"
"Ummm ...."
"In Ordnung, worum geht es?" unterbreche ich ihn.
"Sie planen einen Abteilungsausflug!" platzt er heraus.
"Einen verdammten was?!" rufe ich und verliere für einen Moment meine
Gelassenheit.
"Einen Abteilungsausflug. Ganz so schlimm ist das doch nicht, oder?" will er wissen.

"Sie scherzen! Ein Wochenende in der Teamgeist-Hölle zusammen mit Leuten, die
glauben, ein Benchmark kommt davon, daß man die Untertasse beim Kaffe vergißt?"
"Uuuuhh ..."
"Sie haben Verteter unserer Kunden dabei, die Tag und Nacht mit dummen Fragen
nerven, zum Beispiel: ´Wie erfüllen sie ihre Fehlerbeseitigungs-Politik?´"
"Wie erfüllen wir sie?"
"Tun wir nicht. Die plötzliche Selbstentzündung von Ausstattung ist ein bewiesenes
und dokumentiertes Phänomen."
"Was werden wir tun?"
"Nicht gehen. Es sei denn, sie haben Interesse an Maßnahmen, die ´Vertrauen´
bilden sollen, indem sie sich rückwärts in die Arme von Leuten fallen lassen, die
Schwierigkeiten haben, sich ohne schriftliche Anleitung zu erkälten."
"Anscheinend ist die Teilnahme Pflicht - zumindest hängen die Bonus-Zahlungen
von der Teilnahme ab."
"Diese betrügerischen Hunde!"
"Was werden wir machen?" fragt der PJ.
"Nun, beginnen wir mit dem Anfang - wann soll das Ganze denn stattfinden?"
"Sonnabend in drei Wochen."
Wir stecken unsere Köpfe zusammen, um einen Schlachtplan auszutüfteln, der so
fies ist, daß selbst Rommel die Tränen kommen würden. Am nächsten Tag sind wir
dann die ersten, die voller Begeisterung ihre Teilnahme melden. Den Chef scheint
das so aufzuregen, daß er vor Freude gleich eine neue Packung Magentabletten
aufreißt.
Der PJ sorgt dafür, daß die Faxe abgefangen werden. Er bestellt statt der geplanten
45 Einzelzimmer nur 10, ersetzt das geplante Menü durch Alkohol und bestellt
anstelle einer Jazzband für die Abendunterhaltung eine bekannte Cabaret-Truppe
aus Soho ...
Ich leihe mir die Kreditkarte von Mr. Freundlich - unvorsichtigerweise hat er sie im
Besucherraum eingeschlossen - überschreibe den Magnetstreifen mit neuen
Informationen: "Gestohlene Karte - Verhaften" und kurbele dann die Gerüchteküche
etwas an, indem ich leere Hustensaftflaschen (Natürlich mit viel Alkohol!) in seinem
Abfalleimer plaziere. Dann tausche ich das Netzteil seines Laptops gegen eines, daß
nicht funktioniert.
Am nächten Tag beginnt unser Angriff ...
"Irgendetwas scheint mit dem Netzteil nicht zu stimmen", sagt Mr. Freundlich zu mir
und macht dabei keinen besonders fröhlichen Eindruck. Offensichtlich hat es seiner
Stimmung nicht gutgetan, für eine Stunde von einem stämmigen Mechaniker
eingesperrt zu werden, um auf die Überprüfung der Kreditkartendaten zu warten.
Der PJ gibt ihm ein anderes Netzteil. Einen lauten Knall später kommt Mr.
Freundlich wieder zu uns und riecht ein wenig nach Rauch.
"Oh, mein Lieber!" rufe ich. "Der PJ hat ihnen doch nicht etwa einen
Spannungsverstärker gegeben! Wissen sie, ich gebe ihnen unseren Notfall-386er bis
wir ihren Laptop repariert haben. Vier Megabyte sollten für Windows 95 eigentlich
genügen."
"Das mit der neuen Infrarot-Maus?!" fragt der PJ.
Am nächsten Tag bekommt auch der Chef mit, was läuft, nachdem ihn die
Erbsenzähler wegen Mr. Freundlichs Alkoholbestellung angerufen haben. Die
Gerüchte sind mittlerweile auch bis zum Chef vorgedrungen, und als er etwas von
der Cabaret-Truppe erfährt, ruft er den PJ und mich in sein Büro.
"Haben sie etwas damit zu tun?" will er wissen.
Der PJ und ich schütteln verneinend die Köpfe.
"Wenn sie meine Meinung wissen wollen", sage ich. "Ich habe die Gerüchte gehört
und denke, daß er möglicherweise seelisch zu instabil ist, um den Teamgeist zu
fördern."
Die Saat der Zweifels ist nun angelgt, und ich warte darauf, daß der PJ noch für ein
wenig Dünger und Wasser sorgt ...
"Ist das nur mein Eindruck, oder ist es hier etwas zu heiß?" stellt er die richtige
Frage.
"Ja, es ist wirklich etwas warm", antworte ich.
Der Chef greift zu seinem neuesten Lieblingsspielzeug, der Fernbedienung für die
Klimaanlage, und stellt die Temperatur etwas niedriger ein. Durch einen seltsamen
Zufall führt dies dazu, daß der Rechner von Mr. Freundlich nun schon zum dritten
Mal an diesem Morgen abstürzt. Schweigend beobachten wir, wie Mr. Freundlich
wütend den Austausch-Laptop vom Tisch wirft und damit beginnt, seine
Büroeinrichtung in ihre Einzelteile zu zerlegen.
Zehn Minuten später haben die Wachmänner ihn aus dem Gebäude begleitet, und die
Pläne zur Förderung des Teamgeistes sind im Papierkorb gelandet - da gehören sie
auch hin.
Und da behaupten manche noch, das Leben sei nicht fair.


Der PJ will den B.O.F.H. in einem Wettkampf besiegen ...

"Ich glaube, damit haben wir wieder 500 Pfund zum Fenster hinausgeworfen. Und
das macht dann zwei Punkte für mich." freut sich der PJ und fügt zwei weitere
Häkchen zu seiner Liste hinzu.
Nun, vielleicht ist ein Wettbewerb darum, wer die meiste Technik innerhalb einer
Woche vernichten kann, wirklich ein wenig kindisch, aber Probieren geht über
Studieren und so ist dieser Wettstreit seiner etwas vernachlässigten Ausbildung
vielleicht noch ganz nützlich. Wir spielen um den üblichen Einsatz - ein Bier in der
Kneipe um die Ecke.
"Was haben sie gemacht", frage ich und heuchle Interesse.
"Ich habe einem Anrufer aus der sechsten Etage erklärt, sein Problem habe etwas
mit dem Spannungsabfall in seiner Etage zu tun. Der Ausredenkalender hat mich
dazu inspiriert, und ich habe die Idee etwas weiterentwickelt. Ich sagte ihm, die
Spannung in seinem Büro sei deshalb zu niedrig. Und deshalb soll er ..."
"Seinen PC auf 115 Volt umschalten", beende ich genervt.
"Habe ich etwas falsch gemacht?" will er wissen.
"Nicht direkt. Aber denken sie immer daran, daß es nicht unsere Aufgabe ist,
Technik zu zerstören oder Nutzer zu erschrecken. Das ist eher ein Bonus für uns, die
wir selbstlos unser Leben der Anwenderunterstützung gewidmet haben. Unsere
Aufgabe ist es, den reibungslosen Betrieb unseres Netzwerkes zu garantieren."
"Indem wir Netzwerknutzer ausschalten."
"Zeigen sie mir eine Ethernet-Kollision und ich werde ihnen ein Netzwerk zeigen,
das auch mit einem Nutzer weniger auskommt." antworte ich.
"Aber sie sorgen doch ständig für solche Kollisionen!"
"Und ich widme mich immer der Erweiterung der Leistungsfähigkeit unseres
Netzwerks."
"Und nebenbei produzieren sie eine Wagenladung Schrott." unterbricht der PJ mich.
"Nicht zwangsläufig. Diese Wagenladung Schrott ist mehr eine zufällige Belohnung.
Ich bevorzuge nämlich kleine tägliche Belohnungen, denn ein zufriedener
Angestellter ist ein sicherer Angestellter. Und ein sicherer Angestellter ist ein guter
Angestellter. So habe ich in der vergangenen Woche zum Beispiel ein Video, das
zeigte, was am vorausgegangenen Freitag um 11:47 Uhr im Lift passierte, an einen
der Beteiligten geschickt. Nachdem ich von ihm einen dicken Umschlag mit
Geldscheinen bekommen hatte, war ich ein zufriedener Angestellter und habe einen
Router in Rekordzeit konfiguriert. Hätte ich mich dagegen mit düsteren Gedanken
befaßt, dann wäre der Router heute noch nicht eingerichtet ..."
"Und warum haben sie dieses Video dann noch in der Kantine über die Monitore, die
eigentlich die Aktienkurse der Firma zeigen, geschickt?"
"Ausschließlich zum Wohle der Firma. Sie haben doch gesehen, wie vielen Leuten es
gefiel. Sie waren fröhlich und glücklich. Und das hat ihre Produktivität gesteigert."
"Und die drei Beteiligten?"
"Nun, die waren nicht so fröhlich und haben kurz danach gekündigt. Aber das
beweist nur noch einmal, daß in unserer Firma nur Platz für fröhliche und produktive
Menschen ist."
"Gut, aber sie liegen noch immer weit hinter mir", grinst er hämisch und deutet auf
die Liste mit den Punkten.
"Wie sieht es denn aus?"
Er zählt fieberhaft die Punkte zusammen und antwortet dann: "Vierzig zu neun - für
mich."
"Also jage ich einem Vorsprung von 26 Punkten hinterher."
"Nein, 31!" korrigiert er.
Ah, nein, 26", wiederhole ich und schiebe den Laptop des Chefs vom Tisch, lasse
ihn auf den Boden knallen und springe noch ein wenig auf den Trümmern herum.
"Das war nicht fair!" ruft er.
"Das Leben ist nicht fair." antworte ich. "Aber das Rootpasswort ist sehr hilfreich."
Doch all dies täuscht nicht darüber hinweg, daß ich wirklich weit zurückliege, was
mir nicht gefällt. Und mir bleiben nur noch 32 Minuten - dann muß ich ein "Radler"
bestellen, was der PJ normalerweise nicht trinkt, doch diesmal wird er es tun, um
mich dumm vor den Leuten an der Bar und den anderen Gästen aussehen zu lassen.
Völlig mit diesen Gedanken beschäftigt lasse ich einen Router abstürzen und nehme
den Anruf eines Nutzers entgegen.
"Hallo?" fragt eine nervöse Stimme.
"Womit glauben sie ein Problem zu haben?" frage ich.
"Es sind ihre Rechner. Sie stehen alle."
"Ja, das wird am Spannungsverlust liegen, der durch hitzegeschädigte Sicherungen
verursacht wird."
>DUMMY MODE EIN<
"Ah, ähm, wie ... Was soll ich tun?"
"Nun, da rufen sie einfach die Elektriker an, die die Sicherungen in ihrer Etage
kontrollieren und zurücksetzen müssen."
"Aber wir haben dringende Arbeiten!"
"Nun, vielleicht sollte ich das jetzt lieber nicht sagen ..." flüstere ich.
"Was?" fragt er und zappelt schon am Haken.
"Sie können die beschädigten Sicherungen auch selbst reparieren."
"Wie?" drängt er mich und stellt sich schon den Ruhm und die neuen
Aufstiegsmöglichkeiten vor, die er dadurch erlangen kann.
"Gehen sie einfach zum Hauptanschluß ihrer Etage, den sie im Treppenhaus finden.
Dort finden sie einen Schalter, der die gleiche Nummer trägt wie ihr Hauptanschluß.
Diesen Schalter betätigen sie ungefähr zwanzigmal so schnell wie sie können."
Der PJ schaut mich voller Verachtung an, doch zehn Minuten später wird
offensichtlich, welche Folgen mein Ratschlag hatte; nur noch 2 Punkte hinter ihm.
Bei diesem Stand bleibt es auch bis 5 Uhr, als der PJ mich zur nächsten
U-Bahn-Station begleitet.
"Einige Leute können es eben und andere nicht", lacht er selbstgefällig.
Seine gute Laune ist durch nichts zu beeinträchtigen, doch sie hält zum Glück nur
solange an, bis unser Zug einfährt und ich seinen Laptop auf die Schienen stoße.
"Ups!" sage ich, als ich die korrekte Zeit wieder einstelle. "Eine Minute vor ... Ich
schätze, sie schulden mir ein Bier ..."
"Sie BASTARD!" sagt er, als der süße Geschmack des Sieges sich in Wohlgefallen
auflöst.
"Zählen sie es zu den Kosten für die Ausbildung hinzu", sage ich. "Und ich hoffe,
daß Bier für Schlappschwänze wird ihnen schmecken ..."


Der Kampfgeist des B.O.F.H. erwacht, als die Erbsenzähler gegen die Netzwerker
intrigieren ...

Ich bin schockiert. Zutiefst gekränkt ... In einem hinterhältigen und unfairen Angriff
haben die Erbsenzähler voller Niedertracht einen schwerwiegenden Diebstahl
durchgeführt - unsere Espresso-Maschine wurde aus dem Inventar gestrichen und
über Nacht geraubt.
"Ich ... ich ..." jammert der PJ völlig aufgelöst.
Da ich schon einige Zeit in der Computerbranche tätig bin, weiß ich, wie wichtig
Sicherheitskopien sind, hole meinen Notfalltauchsieder und eine Packung
Instantpulver hervor.
"DAS ist ein Schlag unter die Gürtellinie", schnieft der PJ, als er langsam wieder zu
Bewußtsein kommt. "Ich kann einfach nicht glauben, daß sie das wirklich getan
haben!"
"Warum denn nicht?" antworte ich. "Schließlich befinden wir uns inmitten eines
wunderschönen Krieges zwischen den Abteilungen, auch wenn der Chef immer
etwas von gemeinsamen Zielen erzählt."
"Aber die Espresso-Maschine!" ruft er. "Das tut wirklich weh. Was werden wir tun?
Wir müssen doch etwas dagegen unternehmen!! Überall Einen Ausbau der
´RAM-Speicher´ vortäuschen? Noch eine Runde Erbsenzähler-Pinball?"
Ich schüttle nur den Kopf.
"Nein, denn genau das erwarten sie jetzt. Und wir werden auch keine
Netzverbindung unterbrechen - sie würden es als Entschuldigung für die
Beauftragung eines auswärtigen Unternehmens nutzen."
"Nun, was werden wir dann unternehmen?"
"Für den Augenblick - nichts."
"Aber ..."
"... aber später werden wir sie treffen, wo es wirklich schmerzt."
Nach zwei Wochen ist die Maschine noch immer verschwunden, und der PJ zeigt
ernsthafte Entzugserscheinungen. Es wird Zeit zu handeln.
"Richtig. Die Datenbank mit den Konten!" rufe ich.
"Das geht nicht. Ich habe es gestern versucht, doch sie haben das Passwort
geändert!" antwortet der PJ.
Im Geiste schätze ich den Einfallsreichtum der Erbsenzähler ein, versuche ein paar
mögliche Passwörter und lande mit ´PROFIT´ einen Treffer. Die Datenbank verbirgt
ein einfaches Rechnungssystem, das so programmiert wurde, daß selbst Kinder es
verstehen könnten. Das bedeutet, es ist genau auf die Zielgruppe zugeschnitten.
Ich nehme ein paar kleinere rückwirkende Änderungen vor und trenne dann die
Verbindung wieder. Der PJ schlägt die Zeit damit tot, daß er einen anonymen
Hinweis an die Rechnungsprüfer schickt.
Der nächste Tag bricht an, und der PJ und ich sind schon frühzeitig da, um ein paar
verschlafene Manager die Rolltreppe reiten zu sehen.
Einen Doppelklick auf einen Button der Rolltreppensteuersoftware später führt die
Rolltreppe einen prompten Nothalt aus und verstreut Buchprüfer und
Rechtsverdreher in alle möglichen Richtungen. Die blutenden Nasen werden für eine
unvoreingenomme Prüfung sorgen. Ein weiterer Doppelklick drei Sekunden später
garantiert ein uns genehmes Ergebnis.
Da sie nun aus Angst keine weitere Rolltreppe benutzen wollen, machen die
Buchprüfer und Rechtsverdreher den zweiten Fehler an diesem Morgen, indem sie
die Lifte ansteuern. Denn zu ihrem Unglück ist mein neuer Lift-Joystick
angeschlossen und funktioniert tadellos, so daß sie ein Abenteuer erleben, das man
normalerweise in Zusammenhang mit Achterbahnen bringt.
Die Überreste eines Frühstücks auf der Jacke eines Prüfers lassen keinen Zweifel
an der Funktionalität meines neuesten Spielzeugs zu. Die Stimmung der Buchprüfer
würde der normale Betrachter der Bilder, die die Videoüberwachungsanlage liefert,
nun wohl als ´aggressiv´ bezeichnen.
Eine Stunde später marschieren der PJ und ich in die Erbsenzählerzentrale, um ´ein
paar Netzwerkprobleme zu beseitigen´.
"Das ist der Bastard!" schreit ein Erbsenzähler den Prüfern zu und zeigt auf mich.
"Entschuldigung?" frage ich unschuldig und demütig.
"Der, der die Lifte und die Rolltreppen manipuliert hat!"
"Wie bitte?! Niemand hat die Lifte und Rolltreppen angefaßt, seitdem diese Abteilung
vor sechs Monaten den neuen Wartungsvertrag abgelehnt hat!"
"Das haben wir ganz sicher nicht getan!" ruft der Chef der Erbsenzähler aufgeregt
und verläßt die relative Sicherheit seines Büros.
"Also ... irgendjemand hat es getan", sagt der erste Prüfer und trennt seinen Blick
von den Ausdrucken mit den Zahlungen. "Das Geld wird nun gezahlt an ... einen
Clinton Ash."
"C. ASH", murmle ich leise. "Hmmmm. Ach, diese Firma aus Panama! Sie waren
doch gerade vor sechs Wochen in Panama, oder?!" frage ich den Erbsenzählerchef.
"Haben sie den Scheck mit der Post geschickt oder persönlich überbracht?"
Der Erbsenzähleranführer ist nicht dumm (zu meiner Überraschung) und schätzt die
für ihn bedrohliche Situation korrekt ein. Er traut sich nicht, mich herauszufordern,
denn er weiß nicht, welche Überraschungen ich noch für ihn vorbereitet habe ...
"Ach so, Ash und Partner", improvisiert er schnell. "Vertragspartner für Service und
Wartung."
"Natürlich!" lache ich. "Und auch Installateure für Espresso-Maschinen, oder?"
"... Ja!" stimmt der Chef der Erbsenzähler zu und begreift, in welche Richtung dieser
Dialog geht.
"Hat nicht eines ihrer Tochterunternehmen vor, heute eine in unserem Büro zu
installieren?"
"... Jjjjaaa, das hätte ich beinahe vergessen. Ich werde das am heutigen Nachmittag
persönlich überprüfen."
"Warum warten?" frage ich und reiche ihm mein Handy. "Rufen sie jetzt an.
Möglicherweise haben die Leute es ja vergessen."
Diesen Nachmittag verbringen der PJ und ich bei einer starken Mischung entspannt
darüber nachdenkend, daß es schon ein Glücksfall ist, daß unsere alte
Espresso-Maschine nun durch ein brandneues Modell mit allerlei Schikanen ersetzt
wurde.
"Ich habe offenbar noch einiges zu lernen", gibt der PJ nachdenklich zu.
"Betrachten sie es nicht als Lernaufwand", sage ich. "sondern als Aufgabe, das
Beste aus ihren Fähigkeiten zu machen ..."


Als sein Chef Probleme mit Kabeln hat, scheut der B.O.F.H. weder Kosten noch
Mühen, um die Schwierigkeiten auszuräumen ...

Ich versuche, ein Geschäft mit Raoul, einem unserer Zulieferer für Netzwerkkabel,
zu machen. Er soll uns Cat-5-Kabel liefern, doch er stellt sich stur, denn er weiß,
daß er der einzige Händler ist, der dieses 100 MBit-Kabel vorrätig hat ... Was
natürlich unserem Plan entspricht, der in Kraft trat, als ich den Geheimcode ´der
Chef will´ benutzte. Den zusätzlichen Gewinn werden wir selbstverständlich
brüderlich teilen.
Der Chef ahnt zwar etwas derartiges, aber beweisen konnte er es noch nie, trotzdem
er befohlen hat, daß solche Telefongespräche über die Freisprechanlage geführt
werden, damit er immer mithören kann. Sein zweiter dummer Einfall war die Idee, ein
paar aufpolierte Büros im Alleingang zu verkabeln.
"Nun, das könnte schwierig werden", sagt mein Lieferant am anderen Ende der
Leitung. "Natürlich habe ich das Kabel, das sie brauchen. Ja, ich habe sogar die
doppelte Menge davon - aber es ist schon bestellt und wird noch heute ausgeliefert.
Haben sie es schon bei einem anderen Lieferanten probiert?"
Der Mann ist aalglatt ...
"Selbstverständlich, aber die haben alle kein Cat-5-Kabel mehr", antworte ich.
"Sie scherzen!" keucht er recht überzeugend.
"Es scheint, als hätte jemand den gesamten Kabelbestand aufgekauft - für die
nächsten Tage ist alles ausverkauft. Sind sie sicher, daß sie nichts für mich tun
können?"
"Nein, nicht wirklich - ich habe zwar noch ungeprüftes Kabel da, das nach Cat-5
aussieht, aber darauf sind ein paar fremdländisch aussehende Militärbezeichnungen,
die mit den unseren nicht übereinstimmen."
"Wir nehmen es! Lassen sie es zum Mittag liefern!" ruft der Chef.
"Warten sie einen Augenblick", sage ich und schalte schnell die
Stimmen-Aufzeichnung des Telefons ein. "Wäre es nicht besser, zunächst
herauszufinden, was diese Bezeichnungen auf dem Kabel bedeuten - es könnte sich
schließlich auch um ein simples Telefonkabel handeln."
"Dafür haben wir keine Zeit. Ich habe versprochen, daß die neuen Büros in drei
Tagen voll funktionstüchtig sind!" ruft der Chef und eilt nach draußen, um die Leute,
die die Büros verkabeln sollen, zusammenzutrommeln.
Ich schalte die Aufzeichnung wieder ab.
"Was bekommen wir wirklich?" frage ich.
"Ich bin mir wirklich nicht sicher. Die Kabel wurden aus einem versunkenen
rumänischen Containerschiff geborgen - ich habe nur den Wert des Kupfers
bezahlt."
"Aber es wird Signale übertragen?"
"Natürlich."
"Wirklich?"
"Nun, kann sein - ohne Abschirmung und ohne die sonst übliche Verflechtung der
einzelnen Drähte - ich würde es mir zweimal überlegen, ob ich es für die
Weihnachtsbaumbeleuchtung einsetzen könnte. Aber es ist ihre Entscheidung."
"Warum haben sie gesagt, es sieht wie Cat-5 aus?" will ich wissen.
"Nun, die Ummantelung sieht ganz ähnlich aus und es wird auf Kabeltrommeln
geliefert." antwortet er.
"Und unsere Kabel kommen sonst auch immer mit leicht versinkenden
Transportmitteln?"
"Ich habe nicht gesagt, daß es exakt so aussieht wie Cat-5!"
"Ausgezeichnet!" lache ich. "Wir hören später voneinander."
Später an diesem Nachmittag werde ich vom Chef unterbrochen, der sehr aufgeregt
zu sein scheint.
"Dieses verdammte Kabel ist Schrott!" schreit er.
"Nun, ich habe sie davor gewarnt, es zu kaufen", bemerke ich trocken und deute auf
die Diode, die bei der Stimmen-Aufzeichnung eigentlich leuchten sollte. "Das
erinnert mich daran, daß ich dieses kleine Lämpchen reparieren muß."
Der Chef sitzt in der Falle. Er hat kein Kabel, einen Termin und vier oder fünf Profis
für das Verkablen, die jetzt sinnlos herumstehen und trotzdem kräftig dafür
kassieren werden. Hinzu kommt noch, daß er gutes Geld für falsches Kabel
ausgegeben hat.
Als wohlwollender Mensch beschließe ich, dem Chef zu helfen. Ich rufe Raoul an.
"Raoul, was müßten wir für Cat-5-Kabel bezahlen?" frage ich.
"Ich habe doch schon gesagt, daß ich kein Kab ..."
"Entschuldigung, ich formuliere meine Frage etwas anders: Was müßten wir für das
Kabel eines anderen bezahlen?"
Die Augen des Chefs leuchten auf, als die Lösung seines Problems nahe zu sein
scheint. Raoul nennt eine widerlich hohe Summe, doch der Chef nickt ohne
nachzudenken.
"Allerdings wurde unser Lieferwagen gestohlen", fügt Raoul plangemäß hinzu. "Sie
müssen es selbst abholen."
"Nein, kann ich nicht", antworte ich. "Ich habe nur einen Zweisitzer."
"NEHMEN SIE MEINEN!" ruft der Chef, der seine Felle wieder davonschwimmen
sieht.
Eine halbe Stunde später beladen der PJ und ich den Palast auf Rädern unseres
Chefs mit Kabeltrommeln. Die Rückfahrt werde ich übernehmen, denn der PJ hat
mittlerweile zugegeben, daß er erst zwei Fahrstunden hatte.
Ich bin sicher, daß man alle Beulen (mit Ausnahme derer, die die drei Parkuhren
hinterließen) leicht wieder ausbeulen kann.
Ich verabschiede mich von Raoul und lasse ihn meine Massenbestellung von
Cat-5-Kabel stornieren, die zu dieser künstlichen Knappheit in den letzten Tagen
geführt hat.
Als wir wieder im Büro ankommen, ist der Chef so erfreut, daß er die Überreste des
Kühlers, die die drei Parkuhren übrigließen, nicht einmal erwähnt. Er schickt die
Kabelleute wieder an die Arbeit.
"Richtig ...", sage ich. "... die Kabel finden sie dort drüben in dem Auto."
"Dieses Zeug!" fragt einer von ihnen. "Das sieht doch wie eine rumänische
Beschriftung aus?" Zehn Minuten später macht Raoul mir ein Angebot für ein paar
Restbestände Cat-5, dem ich nicht widerstehen kann ...


Wichtigste Regel beim Aufbau eines Netzwerkes: Niemals die ´Initiative´ dem Chef
überlassen ...

Die Stimmung im Chef-Land ist nicht gut. Es geht wieder um die Vernetzung der
neuen Büros. Bedauerlicherweise haben die Manager herausgefunden, was bei der
lausig geplanten Verkabelung und deren Durchführung, die auf eine ´Initiative´ des
Chefs zurückging, gelaufen ist. Sie sind NICHT erfreut. Wie sie Wind von der Sache
bekommen haben, überlasse ich der Fantasie des Lesers. Ich habe allerdings
bemerkt, daß der PJ die Unbedingt-Erledigen-Liste abgearbeitet hat, die ich ihm in
der vergangenen Nacht hingelegt hatte. Sein Sinn für Details ist wirklich erstaunlich.
Die Verwendung von Kabel, das dem Standard nicht ganz entspricht, wäre allein
nicht so schlimm für den Chef gewesen. Hinzu kommt aber noch seine Entscheidung
für eine absolut untaugliche Weise der Verkabelung. Möglicherweise wurde seine
Entscheidung durch ein freundschaftliches Gespräch, das der PJ und ich mit ihm
unter Hinzuziehung von ein paar Bieren hatten, nachteilig beeinflußt.
Chef: "Also, ich denke an ein mehradriges Kabel, das entlang der Büros unter dem
Bodenbelag verlegt wird. An drei Punkten, die ich in jedem Raum ausgesucht habe
wird es Anschlüsse geben. Dafür nehmen wir normale Steckdosen ..."
Ich: "Steckdosen? Doch nicht etwa solche Dinger, wie sie in den Büros im
Erdgeschoß vor ein paar Jahren verwendet wurden? Eine Erschütterung und die
Stecker fallen aus der Dose und die Verbindung zum Netz ist unterbrochen."
Chef: "Aber dann dachte ich, Twisted Pair, das direkt aus der Netzwerkzentrale
kommt, wäre besser."
PJ: "Am Boden entlang der Wand? So daß jemand, der zufällig seinen Kaffee
verschüttet, gleich einen Kurzschluß verursacht ..."
Chef (schnell): "Habe ich am Boden gesagt? Ich meinte natürlich in der Wand ..."
Wir: "Wo es dann gleich bei den elektrischen Leitungen liegt und es zu störenden
Interferenzen kommt."
Chef: "Nicht, wenn es alle 6 Zoll mit der elektrischen Leitung verdrillt wird. Dann
heben sich die Wirkungen der elektrischen Felder gegenseitig auf. So ist das ja auch
beim Twisted Pair-Kabel."
Ich bin sicher, der weitere Verlauf des Gesprächs ist damit hinreichend
beschrieben - es ist, als würde man in einem Aquarium angeln.
Noch immer sind die drei sinnlosen Löcher in den Wänden Anlaß für interessante
Gespräche in den Büros. Aber auch das hätte ich dem Chef noch durchgehen lassen,
wenn er nicht versucht hätte, irgendwelches kabelloses LAN-Equipment zu
installieren. Er nahm wohl an, daß infrarote Strahlung eine Form von kurzwelligem
Radio ist. (Ich habe keine Ahnung, wer ihm diesen Floh ins Ohr gesetzt hat,
allerdings scheint es, als sei die Nase des PJ in diesen Tagen etwas gewachsen.)
Jetzt hat der Chef jedenfalls herausgefunden, welche negativen Einflüsse auf seine
Karriere von einem Netzwerk ausgehen, das nur dann funktioniert, wenn die
Bürotüren weit geöffnet sind ...
"Wir haben wirklich ein Problem", jammert er gehetzt, als er in mein Büro kommt.
"Womit?" frage ich hilfsbereit.
"Das verdammte Netzwerk! Es ist ein einziges Trümmerfeld!"
"Nun, eigentlich will ich ja kein Salz in offene Wunden streuen, doch sie hätten daran
denken sollen, daß wir, der PJ und ich, dafür bezahlt werden, Netzwerke zu planen.
Sie hätten uns nur unsere Arbeit machen lassen sollen."
"Und was hätten sie gemacht, das so anders wäre?" will er beleidigt wissen.
"Hm ..." mischt sich der PJ ein. "Ich hätte ein paar Cat-5-Kabel entlang der Büros
unter dem Bodenbelag verlegt (und nicht eine billige Imitation) und hätte an drei
Punkten pro Raum für Anschlüsse gesorgt."
"Aber das ist doch genau das, was ich vorgeschlagen hatte!" ruft er, als der
Groschen fällt.
"Nun, Taten sagen mehr als Worte", grinse ich. "Aber wo ich gerade dabei bin, eine
offizielle Untersuchung scheint da auf sie zuzukommen."
"Was soll ich tun", wimmert er mit einer Stimme, die an einen Nutzer während der
´Festplatten-Defragmentierungs-Zeit´ erinnert.
"Nun, sie könnten die Kabel austauschen", antworte ich.
"Sie haben recht, das werde ich tun."
"Nur ist es alle sechs Zoll mit den Elektrokabeln verdrillt. Und das bedeutet, daß die
Wand teilweise aufgerissen werden muß, um ..."
"Das ist nicht gut!"
"Nun, dann bleibt nur noch Plan B übrig."
"Was ist Plan B?"
"Sie zahlen eine einmalige Prämie an die ´Bastard-Net GmbH´ und stimmen hohen
Überstundenabrechnungen zu. Dann wird das Problem schon morgen behoben und am
nächsten Mittwoch nur noch eine Erinnerung sein."
"Wie hoch soll die Prämie sein und an wen muß sie zahlen?" fragt er.
"Zweihundert; jeweils für den PJ und mich."
Angesichts seine Lage begreift der Chef schnell und greift nach seiner Geldtasche.
Am nächsten Morgen durchsuchen die Sicherheitsleute das ganze Gebäude auf der
Suche nach acht Bürotüren, die über die Nacht in der Etage mit den neuen Büros
verschwunden sind. Seltsamerweise haben die Überwachungskameras nichts
aufgezeichnet ...
Die Zuverlässigkeit des Netzwerkes in den neuen Büros ist einzigartig - es sei
denn, der Chef der PR-Abteilung (ein ziemlich kräftig gebauter Mann, der problemlos
die Türen ausfüllt) kommt vorbei. Seine Beliebtheit in den Büros geht schnell zurück.
Eine Woche später ist der Austausch der Kabel unter dem Bodenbelag vollendet und
der PJ und ich präsentieren unsere Überstundenabrechnungen, damit der Chef sie
unterzeichnet.
"Das können sie doch nicht tun", ruft der Chef. "168 Stunden? Das sind
24 Überstunden in nur sieben Tagen!"
"Wir haben wirklich sehr hart gearbeitet." sagt der PJ leise.
"Sie können doch nicht ernsthaft erwarten, daß ich das unterschreibe", sagt der Chef,
der sich wie immer viel zu schnell aufregt.
"Natürlich nicht", antworte ich. "Dann werden wir das Netzwerk eben wieder in den
Ursprungszustand versetzen. Oh, und ich frage mich ..."
"Fragen sich was?!?" knurrt der Chef.
"Wessen Fingerabdrücke wohl auf dem Stapel gestohlener Türen sind, die die
Sicherheitsleute gefunden haben ..."
"Wann?!"
"Morgen früh ..."
Eine Unterschrift später nehmen der PJ und ich uns für den Rest des Tages frei, um
uns von den arbeitsreichen Überstunden zu erholen.


Ein Eindringling im E-Mail-System veranlaßt den B.O.F.H. dazu, die Gelben Seiten
zu gebrauchen ...

Ich bin gerade dabei, unsere Satellitenschüssel für das WAN (Wide Area Network)
und das Verschlüsselungssystem einzurichten, als mein E-Mail-Client mir eine
ankommende Nachricht meldet. Ich löse meinen Blick vom Kalibriermonitor (und dem
US-Militär-Kanal, den man unglücklicherweise nicht mehr löschen kann), um die
Nachricht zu lesen.
Es ist seltsam, daß ich eine E-Mail bekomme, denn alle Nachrichten, die in meiner
normalen Mailbox landen, werden sofort gelöscht nachdem die Absenderadresse
automatisch in verschiedene Mailinglisten für Werbung eingetragen wurde.
Die Nachricht scheint aus unserer Firma zu kommen, was noch verwunderlicher ist,
da nur der PJ meine ´private´ Adresse kennt. Aber diese E-Mail kommt nicht vom
PJ, denn der ist gerade mit der Verteilung der neuen Telefonbücher beschäftigt.
Meine Neugier wächst und wächst ...
Die weitere Untersuchung enthüllt, daß die E-Mail von der neuen Software der
Service-Abteilung kommt, die die Passwortdateien des Mail-Servers durchsucht
hat, um eine Adressenliste zu generieren. Die Nachricht an sich ist belanglos - eine
einfache Anfrage.
Ich hasse die Software der Service-Abteilung, ich haßte sie schon immer. Der
Gedanke an Software, die ´Ich befasse mich mit dem Problem, wenn ich mich mit
dem Problem befasse´ nicht als Terminangabe akzeptieren will, verärgert mich sehr.
Wirklich sehr.
So sehr, daß ich mich beim Server der Service-Abteilung anmelde.
Zwanzig Minuten später bekomme ich einen Anruf aus der Service-Abteilung.
"Hallo, hier ist der Service. Wir fragen uns, ob sie wissen, was mit unserem Server
passiert ist?"
"Keine Ahnung", antworte ich. "Wieso?"
"Er ist langsamer als sonst. Die Aktualisierung unserer Daten schleicht geradezu."
"Wirklich? Vielleicht ist es fehlerhaft programmierte Software, die nur begrenzt
skalierbar ist", antworte ich und benutze ein paar geeignete Fachausdrücke, die
prompt Wirkung zeigen.
"Testen sie, ob sich das später ändert - es könnte auch sein, daß gerade ein paar
interne Prüfroutinen ausgeführt werden."
"Oh, natürlich! Danke."
Die Anruferin legt auf, und ich erhöhe Priorität für die Festplattenprüfsoftware von
80 auf 95 Prozent der Serverleistung. Gleichzeitig stelle ich Intensität der
Fehlerprüfung von ´oberflächlich´ auf ´sehr intensiv´.
Zum Glück habe ich eine angepaßte Version der Prüfsoftware, die nicht nach den
standardmäßigen 15 Minuten damit aufhört, einen Abschnitt der Festplatte sehr
intensiv zu überprüfen. Nun - zum Glück für irgendjemanden. In jedem Fall.
"Fünf Pfund darauf, daß die Platte die Nacht nicht übersteht", sage ich zum PJ.
"Kein Interesse", erklärt der PJ nachdem er meine ´Test´-Einstellungen geprüft hat
und sich an die extrem hohe Ausfallrate bei den von uns ´getesteten´ Festplatten für
die Erbsenzählerabteilung erinnert. 87 Prozent im ersten Monat, wenn ich mich nicht
irre. Und das bedauerlichste daran war, daß bei den Erbsenzählern eine inkompatible
Version der Backup-Software installiert war.
Natürlich taten die allnächtlichen Abtipp-Übungen von Formularen einigen von ihnen
ganz gut.
Selbstverständlich kommt es am nächsten Tag zu einem plötzlichen Headcrash auf
dem Server der Service-Abteilung, so daß alles zum stehen kommt. Der Chef scheint
sich persönlich für diesen Fall zu interessieren, doch kann er keine Anzeichen für
außergewöhnliche Aktivitäten erkennen. Ich bemerke, daß er sich persönlich um die
Bänder mit den Software-Backups kümmert, statt der Software-Bibliothek zu
vertrauen. Hmmm.
Ich gebe dem PJ die neue Ausgabe der Gelben Seiten für den Chef. Wir grinsen uns
wissend an ...
Der Server der Service-Abteilung wird neu installiert und konfiguriert, die
Datenbankeinträge werden neu eingespielt. Und wieder bekomme ich die gleiche
E-Mail wie am Vortag, die gerade in dem Augenblick bei mir ankommt, als ich
bemerke, daß eines meiner Skripte in einer Endlosschleife angekommen ist und alle
fünf Minuten die Zeit um fünf Minuten zurücksetzt. Aber ich bin mir sicher, daß die
Fehlerdetektoren der Software in der Service-Abteilung dies nicht bemerken
werden ...
Da die Sache mich interessiert, gehe ich zum Chef.
"Ich dachte, ich bringe das Band mit der Software der Service-Abteilung in die
Software-Bibliothek", schlage ich ihm hilfsbereit vor.
Er gibt mir das Band, und es entgleitet mir unglücklicherweise. Bei meinen
Bemühungen, es wieder aufzuheben, wird es von einem Stuhlbein zerquetscht.
Viermal.
Als ich hochschaue, sehe ich das lächelnde Gesicht des Chefs. In der Hand hält er
ein Band, das unübersehbar die Aufschrift ´Backup - Service-Abteilung´ trägt.
"Ich bin ja nicht von gestern", freut er sich und legt das Band auf den einzigen freien
Platz auf seinem Schreibtisch - auf die gerade vom PJ vorbeigebrachte neue
Ausgabe der Gelben Seiten.
Ein kurzes ´Hmm´ später verlasse ich das Büro.
Als ich wieder in meinem Büro angekommen bin, starte ich die Prüfsoftware für die
Festplatten wieder mit 97-prozentiger Prozessorauslastung und - natürlich - ´sehr
intensiv´.
Am nächsten Tag passiert das Schreckliche erneut: Der Server der
Service-Abteilung erlebt einen weiteren Headcrash seiner Festplatte. Ich eile sofort
in das Büro des Chefs.
"Ich könnte das Backup-Band den Technikern bringen, damit sie den Server wieder
reparieren können." schlage ich vor.
Der Chef lächelt und schüttelt nachdenklich den Kopf.
"Oh", antworte ich. "Nun, in diesem Fall gehe ich wieder an meine Arbeit. Sie haben
nicht etwa unser transportables Bandlöschgerät gesehen? Ich bin besorgt, denn es
reagiert wirklich sehr empfindlich auf Erschütterungen und ähnliches. Deshalb habe
ich aus einer überzähligen Ausgabe der Gelben Seiten ein Schutzgehäuse
gebastelt ..."
Der Chef wird blaß, als sein Blick auf das Telefonbuch auf seinem Schreibtisch fällt.
"Ah ... das muß es sein", sage ich und spaziere mit dem wiedergefundenen
Löschgerät, das nichts anderes ist, als ein kräftiger Magnet, aus seinem Büro.
Wer mit dem Feuer spielt, kann sich die Hände verbrennen ...


Geld wechselt den Besitzer, als der B.O.F.H. sich geheime Informationen
beschafft ...

Es ist ein ruhiger Nachmittag, als mein persönliches Telefon klingelt. Ich hebe ab,
höre zu und lege dann wieder auf.
"Streßabbau-Sitzung", erkläre ich dem PJ, und wir verdrücken uns in den
nahegelegenen Pub.
Ich sehe, daß mein Anrufer schon da ist, also lasse ich den PJ die Getränke holen.
"Guten Tag, George", beginne ich, als der PJ und ich an seinen Tisch kommen.
"Guten Tag", antwortet George und blickt sich vorsichtig um.
"Sie haben meinen Assistenten noch nicht kennengelernt." fahre ich fort. "PJ,
George; George, PJ."
Der PJ schaut mich mit einem Blick an, den er sonst für mental Instabile reserviert
hat (wofür er später noch bezahlen wird; er sollte sich vor Schränken in acht
nehmen ...).
"George ist einer unserer Hausmeister", sage ich und warte darauf, daß das Gehirn
des PJ auf Touren kommt.
Sein Gesichtsausdruck bleibt unverändert, also muß ich seinen Gedanken auf die
Sprünge helfen.
"George leert die Papierkörbe der Reichen und Mächtigen ..." helfe ich ihm.
Das Feuer der Erkenntnis spiegelt sich in den Augen des PJ, als er in George eine
hervorragende Quelle für potentiell zerstörerische Informationen erkennt.
"Hallo", sagt er und streckt die Hand aus.
George bewegt sich nicht. Ich seufze.
"Das ist nicht die richtige Art und Weise, um George zu begrüßen", erkläre ich.
"DIES ist die richtige Art und Weise."
Wir schütteln die Hände und George läßt einen neuen 20 Pfund-Schein in seiner
Tasche verschwinden.
"Das Videokonferenzsystem ist wieder auf dem Plan." sagt George leise.
"AUSGEZEICHNET!" rufe ich. "Das klingt nach viel neuer und teurer Technik für
uns."
"Nicht, wenn man der Kopie einer handschriftlichen Bestellung Glauben schenkt ..."
flüstert George.
"ÜBUNG IM HÄNDESCHÜTTELN!" sage ich zum PJ.
Er kramt in seinen Taschen und schüttelt dann die Hand von George. Ein weiterer 20
Pfund-Schein verschwindet, und ein Stück Papier fällt zu Boden. Da ich ein
ordentlicher Mensch bin, hebe ich es auf und stecke es ein, um es später zu
entsorgen.
"Nun, wir können nicht den ganzen Tag hier herumhängen", scherze ich. "Wir haben
Arbeiten zu erledigen etc."
Wenige Minuten später studieren der PJ und ich eine Rechnungskopie mit vielen
Nullen in der rechten unteren Ecke. Viele Nullen. Eine Rechnung, die viele Glocken
des ´Netzwerk-Überwachungs-Monitors´ zum Klingen gebracht hätte, wenn die
Rechnung wie üblich behandelt worden wäre.
"Erkennen sie das?" frage ich den PJ.
"Was?"
"Die Ratte." antworte ich. "Eine große Ratte mit einem flachen Schwanz, weil in der
jüngsten Vergangenheit jemand darauf getreten ist."
Der PJ schaut zum Büro des Abteilungsleiters.
"Eine Ratte mit einem Gespür für unpassende Kleidung?" schlägt er vor.
"Bingo!"
Die weitere Untersuchung der Rechnung zeigt, daß die bestellten Geräte aktuelle
Versionen der Geräte sind, die vor einigen Monaten bei einem Unfall zerstört
wurden, der den Vorgänger unseres Abteilungsleiters seine Stellung gekostet hat.
Sein Nachfolger hat offenbar erkannt, daß die Person, die die Anlage installiert, zum
lebenslangen Freund des Geschäftsführers wird.
Um keine Zeit zu verlieren, rufe ich den Lieferanten mit befehlsgewohnter Stimme
an, um die Lieferadresse zu ändern. Als ich auflege, fällt mir ein, daß die Worte ´wie
besprochen´ oben auf der Rechnung stehen.
Ich fliege zur Telefonanlage und vertausche die Nummer des Chefs mit meiner
eigenen. Keinen Augenblick zu früh. Die Stimme des Lieferanten klingt wieder an
meinem Ohr.
"JA!" knurre ich im Chef-Modus.
"Hallo, ich wollte mich nur vergewissern, daß die Änderung der Lieferadre ..."
"WAS?! ICH HABE SIE DOCH GERADE ANGERUFEN!!"
"Ja, aber sie haben ausdrücklich gesagt ..."
"Ja, stimmt. Sie haben Recht", gebe ich zu. "Ich bin einfach nur bestrebt, die Geräte
möglichst schnell hier stehen zu sehen."
"Nun, wie wäre es, wenn ich ihnen unser Vorführmodell schicke, damit sie damit ein
paar Tage üben können", schlägt er großzügig vor.
Einen Tag später empfangen der PJ und ich ein hochmodernes
Videokonferenzsystem, suchen dann im Internet die benötigte Software und laden
nebenbei noch ein paar nützliche Bilder herunter.
Wieder einen Tag später können wir dank der Überwachungskameras beobachten,
wie der Abteilungsleiter, unser Chef, seine ´neu gelieferten´ Geräte in ein Zimmer
schleppt, das ziemlich nahe beim Büro des Geschäftsführers liegt.
Kaum eine Woche später hat der Geschäftsführer seine erste Sendung hinter sich,
die in allen unseren Niederlassungen gleichzeitig gesehen wurde.
Der PJ und ich diskutieren diese Sendung später.
"Ich glaube, daß das Faß zum Überlaufen gebracht wurde, als der Kopf des
Geschäftsführers auf dem Körper dieser nackten Frau erschien." schlägt der PJ vor.
"Könnte sein", stimme ich zu. "Wie auch immer, ihr kleines Filmchen, wie der Kopf
des Geschäftsführers sich in den eines schinkenproduzierenden Tieres verwandelte,
war wirklich ein Kunstwerk."
Unser Chef beteiligt sich nicht an unserer Unterhaltung. Möglicherweise liegt das
daran, daß er so eifrig bemüht ist, seinen Schreibtisch auszuräumen, bevor der
Sicherheitsdienst in hinausbegleiten wird.
Ich habe es einmal gesagt, ich habe es tausendmal gesagt - es ist ein lustiges Spiel.


Schon einmal den Wunsch verspürt, am Arbeitsplatz Computerspiele zu spielen? Der
B.O.F.H. bemüht sich, den Spaß zu vervielfachen ...

"Hallo, ist da die Netzwerk-Abteilung?" fragt ein Nutzer.
"Natürlich. Wie kann ich helfen?" antworte ich voller Hilfsbereitschaft, die immer gut
für die PR ist.
"Alle Dateien auf meinem Netzlaufwerk sind verschwunden!"
"Verschwunden?"
"Ja. Einfach verschwunden. Ich hatte einige Sicherheitskopien von Dateien, die ich
für die Arbeit brauche."
"Wie lautet ihr Nutzername?" frage ich.
Er sagt es mir, doch das ist eigentlich belanglos, denn das Display unserer
Telefonanlage zeigt ja ohnehin den Namen des Anrufers, seine Zimmernummer,
seinen Nutzernamen und seine Position in der Hierarchie unserer Firma an.
In diesem Fall: Name: Ronald Williams; Zimmer: 2.23; Nutzername: prsrw; Position:
´Kanonenfutter´.
"Aber ja", erwidere ich. "Und ihre Arbeit besteht darin, sich mit den verschiedenen
Versionen von Leisure Suit Larry, Doom und einigen anderen Spielen
beschäftigen, ist es nicht so?"
Ich höre eine beängstigtes Keuchen, als er seinen fatalen Fehler bemerkt - doch nun
sitzt er in der Falle.
"Sie waren nur zu Testzwecken da ..."
"Waren sie nicht." seufze ich. "Es sei denn, sie haben eine wirklich gute und
überzeugende Entschuldigung, damit sie nicht wegen Software-Piraterie bestraft
werden."
"Bestrafung?"
"Nun, natürlich nicht, wenn sie die Original-Disketten besitzen, aber das scheint
sehr unwahrscheinlich zu sein, da ihre Dateien aus gepackten Archiven
bestanden ..."
"Woher wollen sie das wissen? Sie waren doch verschlüsselt!"
"Mit ihren Initialen als Passwort. Also wirklich, wenn sie nicht versucht hätten ..."
"Ich kann nicht glauben, daß sie das getan haben ..."
"Ich habe es getan. Ich habe das auch schon vorher gemacht und werde es wieder
tun. Auf Wiederhören." sage ich und lege auf.
Der PJ sieht verwirrt aus.
"So kenne ich sie doch gar nicht. Seit wann kümmern sie sich um illegale Kopien?"
fragt er.
"Das ist mir doch egal. Ich brauche nur Platz, um meine eigenen Spiele zu sichern.
Und ich kann nicht schon wieder den Chef übers Ohr hauen, um an eine neue
Festplatte heranzukommen."
Das Telefon klingelt wieder. Ich schaue nach der Nummer des Anrufers. Es ist
´Kanonenfutter´.
Der PJ nimmt den Anruf schließlich an.
"Alle Dateien auf meiner Festplatte sind ebenfalls verschwunden!" meckert der
Anrufer aufgeregt.
"Ich wollte nur gründlich sein", flüstere ich und überlasse es dem PJ, ein wenig zu
improvisieren.
"Ja, das stimmt", antwortet der PJ. "Das liegt am ..."
>flip< >flip< Er sucht schnell eine Antwort im Ausredenkalender.
"... dynamisch-transienten magnetischen Re-Allokations-Mechanismus ihrer
Festplatte. Sie sollten regelmäßig Sicherheitskopien ihrer Platte machen."
"Aber das mache ich doch!" platzt der Anrufer heraus. "Es ist alles gesichert, auch
meine Dateien auf dem Server! Könnten sie sie bitte wiederherstellen?"
"Warten sie einen Moment", antwortet der PJ. "Ich verbinde sie mit dem
Systembetreuer, der ihnen hilft, ihr Problem zu lösen. Seine Nummer ist die 8002 für
den Fall, daß die Verbindung nicht klappt."
Er verbindet weiter und legt dann auf.
"Zwei Minuten, zwei Anrufe", sagt der PJ und legt einen Fünf-Pfund-Schein auf den
Tisch.
"Sechs Minuten, zehn Anrufe", halte ich dagegen und lege meinen Schein auf den
des PJ.
Wir beobachten Kanonenfutters Aktivitäten auf dem Display der
Vermittlungsanlage. Nachdem nach fünf Minuten keine Verbindung mit dem
Systembetreuer zustande gekommen ist, legt er auf. Es ist allerdings nicht
verwunderlich, daß der Systembetreuer den Anruf nicht entgegennehmen kann, denn
die Nummer, die Kanonfutter anruft, gehört zu einem Apparat, der im Kellergeschoß
hinter einer Wandverkleidung steckt. Sieben weitere Anrufversuche später stecke
ich meine zehn Pfund ein.
Der PJ ist nicht gerade erfreut, denn er erwartete etwas mehr Intelligenz von diesem
Anrufer. Seine Naivität ist wirklich immer eine zuverlässige Quelle für
Überraschungen (und ein zusätzliches Einkommen).
Wir beobachten, wie unser Freund schließlich die richtige Nummer der
Systembetreuung anruft.
"Nun, da löst sich ihr zusätzlicher Plattenplatz wohl in Luft auf." sagt der PJ.
"Zehn Pfund, daß das nicht passiert", schlage ich vor.
"Da gehe ich mit", antwortet der PJ in der Hoffnung auf den doppelten Gewinn.
Ich hebe die verdreckteste Kassette mit Magnetband vom Boden auf, und wir
marschieren in den Raum mit den Bandmaschinen, um auf einen Systembetreuer zu
warten. Selbstverständlich müssen wir nicht lange warten, bis er kommt. Er hat ein
paar Bandkassetten bei sich. Als er mich sieht, preßt er sie, aus welchen Gründen
auch immer, fest an sich ...
"Lassen sie sich nicht stören", sage ich und halte deutlich meine Kassette hoch, von
der prompt ein Stück vom Gehäuse herunterfällt.
"Sie haben das Band in ihrem Laufwerk gelesen?" fragt der Systembetreuer.
"Natürlich", antworte ich. "Und es funktionierte bestens - nur ein paar Lesefehler,
was nicht schlimm ist für ein Band, das so alt ist."
Der Systembetreuer rollt verzweifelt mit den Augen und greift nach der Kassette mit
dem Reinigungsband, die auf dem Bandgerät bereitliegt. Der PJ beobachtet verstört
und ahnungslos, was passiert.
Seine Ahnungslosigkeit verschwindet, als das Reinigungsband in das LAufwerk
eingelegt ist.
"Aha ..." sagt er und lauscht aufmerksam auf das Geräusch, das aus dem Laufwerk
kommt. "Sandpapier ... und ... ist es ein Gleitmittel?"
Er ist gut.
"In Ordnung - und - für die zehn Pfund, die sie mir schulden ..." sage ich und nicke in
die Richtung des Systembetreuers, der in Panik mit dem Auswurfknopf des
Bandlaufwerkes kämpft.
"Hm ... nein, handelt es sich um schnellhärtendes Epoxid-Harz?"
"Und der Gewinner des Tages ist ... DER PJ!" rufe ich.
Wir verlassen den Computerraum und kehren zurück in unser Kontrollzentrum.
"Wann haben sie ..." beginnt der PJ.
"... das Reinigungsband ´perfektioniert´? Vor etwa sechs Wochen - es wird
normalerweise nicht benutzt, also wußte ich, daß es das perfekte Werkzeug zur
ferngesteuerten Zerstörung ist. Man kann von irgendwo aus anrufen und sagen, daß
man Lesefehler hat ..."
"Aber damit haben sie sich nur Zeit gekauft."
"Nicht korrekt." sage ich und entferne die Aufkleber von einigen herrenlosen
Bandkassetten, die ich vorhin im Papierkorb gefunden habe.
"Sie Bastard!" ruft er voller Respekt.
"Durch und durch, privat, im Job und immer bereit für eine Runde Netzwerk-Doom."
"Legen wir los!"


Als der B.O.F.H. mit Verschlüsselung bedroht wird, versetzt er seinem Chef den
bisher größten Schock ...

Der PJ und ich marschieren durch die Korridore des Rechenzentrums, als unsere
Schritte plötzlich durch die firmeneigene Umweltschützergruppe gestoppt werden.
Wir fragen uns, warum diese Gruppe so offensichtlich gewachsen ist. Vor langer,
langer Zeit wurde sie von zwei oder drei Veteranen gegründet, deren technischer
Verstand gerade dazu ausreichte, ein 8 Zoll-Laufwerk zu reparieren. Heute scheint
diese Gruppe zum Ruheplatz für Drückeberger geworden zu sein.
Um den wahren Grund für die Existenz dieser Gruppe zu verschleiern (Flucht vor
Arbeit und Verantwortung), führen ihre Mitglieder lange Gespräche über neue
Entwicklungen in der Rechentechnik, wohin diese führen werden und warum, auf
welche Entwicklungen man besonders achten sollte und wer davon betroffen sein
wird.
An sich wäre dies ja auch nicht besonders schlimm, wenn sie (a) sich nicht in den
Korridoren oder in irgendeinem Büro versammeln würden, wo sie ganz sicher stören,
oder (b) den Chef nicht manchmal mit dem Virus ihrer Zukunftsvisionen infizieren
würden.
Heute ist wieder einer dieser Tage. Verschlüsseltes TCP/IP und wie es bei uns
eingeführt werden könnte - das ist das Thema ihrer aktuellen
Vierstundendiskussion.
Der PJ und ich bleiben stehen ...
"Was macht dieser Typ?" fragt der PJ
leise und deutet auf einen der Wortführer, der
ganz offensichtlich von der Idee begeistert ist, einen seiner strategischen Pläne
verwirklicht zu sehen, um mit seinem ausgezeichneten Fachwissen eine Stufe in der
Firmenhierarchie aufsteigen zu können.
"Abgesehen davon, daß er Unmengen Deodorant in die Klimaanlage versprüht?"
frage ich den PJ.
"Ich bin mir nicht sicher, irgendwie sehen die alle gleich aus."
In der Zwischenzeit ist der Chef, der sich unter ihnen befindet, hellauf davon
begeistert, daß er in einem einzigartigen Coup die Barrieren für den Zugriff auf die
einzelnen Arbeitsplatzrechner verstärken und damit anscheinend die Sicherheit
unseres Netzwerkes erhöhen kann.
Das ist nicht gut.
Zwei Stunden später marschiert der Chef mit ein paar hastig beschriebenen
Notizblättern in der Hand in unser Büro.
"Sagen sie mir", fragt er mich. "Warum benutzen wir eigentlich kein verschlüsseltes
TCP/IP?"
"Zusätzliche Last im Netzwerk", antworte ich, um zu sehen, wie gut er vorbereitet
wurde.
"Aber die zusätzliche Last ist doch minimal, wenn die Verschlüsselung mit
persönlichen Schlüsseln von Programmen auf den Arbeitsplatzrechnern durchgeführt
wird", schlägt er vor. Da hat ihn jemand offensichtlich gut präpariert, denn diese
Thematik geht sonst weit über seinen Horizont hinaus.
"Stimmt! Das ist mir noch gar nicht eingefallen!" rufe ich begeistert.
"Nun, dann bereiten sie sich schon einmal auf die Einführung vor", antwortet er voller
Enthusiasmus.
"Selbstverständlich."
Der PJ blickt mich mit dem gleichen beunruhigten Ausdruck an wie vorhin auf dem
Gang.
"Sie werden doch nicht etwa weich?" fragt er besorgt.
"Dies hier wird für mich sprechen", antworte ich und deute auf einen soeben
installierten PC, dessen Monitor einen Bildschirmschoner anzeigt.
Förmlich betätigt der PJ die Return-Taste ... und Mikrosekunden später berührt er
unsanft die Wand hinter sich.
"Das ist doch gut, oder?" frage ich, als er das Bewußtsein wiedererlangt. "Das Wort
´Return´ ist mit leitfähigem Material aufgedruckt worden. Wird die Taste gedrückt,
dann wird eine Verbindung mit der Erdung des Rechners hergestellt, wodurch eine
hohe aber weitgehend harmlose Spannung entsteht. Ach, wie war das noch mit dem
Weichwerden?"
Der PJ zweifelt nicht mehr und hilft mir, die Anweisung des Chefs buchstabengetreu
auszuführen.
Der Chef nimmt diese Nachricht mit selbstgefälligem Grinsen entgegen und verbringt
den nächsten Tag damit, ein begeistertes Memo über die Sicherheit in Netzwerken
anzufertigen, eine neue Ära der Sicherheit, bla bla bla bla. Er formuliert das Memo
so, als hätte er höchstpersönlich und ohne fremde Hilfe nur mit seinem Feuerzeug
ausgestattet die Bits und Bytes zusammengebracht, um dies alles zu ermöglichen.
Um die theatralische Wirkung noch zu steigern, legt er als Termin für die
Inbetriebnahme des neuen Systems den nächsten Montag fest.
Der Montag ist da, und der Chef erscheint mit den Chefs der IT im Schlepptau. Mit
angehaltenem Atem wartet er darauf, daß es 9 Uhr wird, damit er die
Verschlüsselung einschalten kann.
Das Klicken des Sekundenzeigers mischt sich mit dem Klackern der Tastatur und
dem Geräusch, das der Chef verursacht, als er in einem alten Metallregal mit vielen
spitzen Ecken und Kanten landet, nachdem er die Verschlüsselung aktiviert hat.
Dann fangen die Anrufe an. Die Freisprechanlage erlaubt es den IT-Chefs
mitzuhören.
"Hallo, Netzwerkbetreuung." melde ich mich.
"Hallo, hier ist die Nutzerbetreuung. Wir bekommen unzählige Anrufe von Nutzern,
deren PCs nur noch TCP/IP-Fehler melden."
"Ja, das liegt an der Verschlüsselung." antworte ich.
"Aber wie können wir die Daten entschlüsseln?"
"Das geht nicht. Ich dachte, sie wissen das. Wir sollten doch nur die
Verschlüsselung einrichten."
"WOLLEN SIE DAMIT SAGEN, DASS SIE GERADE EIN SYSTEM
INSTALLIERT HABEN, DAS NICHT MIT ANDEREN RECHNERN
KOMMUNIZIEREN KANN?" fragt der IT-Boss wütend.
"Wir waren es nicht." sage ich und zeige ihm ein aktuelles Memo.
"Ja, das sehe ich." sagt der Boss mit einem eiskalten Blick auf unseren Chef.
Unglücklicherweise führen dessen vergebliche Versuche, die Verschlüsselung
wieder abzuschalten, zu unnötigen Beschädigungen eines Regals. Doch zum Glück
war der IT-Chef noch so nett, auch allen anderen Mitgliedern der
Drückerberger-Gruppe, die ja diese Idee hatte, einen Versuch zu gestatten, die
Verschlüsselung zu stoppen, so daß die Dinge schließlich wieder ins Lot kamen.
Status Quo wiederhergestellt - alle Systeme laufen.


Sehr zum Mißfallen des B.O.F.H. wird der PJ Opfer eines Zaubers ...

Irgendwann mußte es ja passieren. Und um ehrlich zu sein, ich wundere mich nur,
warum es so lange gedauert hat. Trotz meiner zahlreichen Belehrungen, meiner
anschaulichen Schilderungen der zu erwartenden Schwierigkeiten bei der kleinsten
Andeutung eines solchen Handelns und trotz meiner zahlreichen Erinnerungen an die
Konsequenzen eines solchen Verhaltens hat der PJ mich alleingelassen.
Er hat sich verliebt.
Eine der weniger erfreulichen Nebenwirkungen der ständigen Arbeit mit vernetzten
Rechnern ist das Nachlassen der eigenen Vorsicht - ganz besonders dann, wenn
man so viele persönliche Mitteilungen auf dem Bildschirm des Netzwerk-Monitors
mitlesen kann wie wir. Und genau dies ist dem PJ passiert - er fand ´seine´ Frau, die
sich mit dem jüngsten Erbsenzähler im Internet Relay Chat (IRC) unterhielt. (Die
beiden müssen verrückt sein, wenn sie annehmen, daß niemand ihre Unterhaltung
belauschen kann.) Der PJ hat die Frau sofort davon überzeugt, daß er ein weitaus
interessanterer Typ zum Kennenlernen ist als ein Erbsenzähler. Was freilich nicht
besonders schwer war, wenn man davon ausgeht, daß das nächtliche Verlegen von
Kabeln mehr Spaß bereitet als ein Gespräch mit einem Erbsenzähler.
Das Telefon klingelt.
"Netzwerk-Service. Wie kann ich ihnen helfen?" singt der PJ mit diesem kranken
verliebten Tonfall - sie wissen, was ich meine.
"Ich habe anscheinend meine Adressenliste für die Weihnachtskarten vom Server
gelöscht. Könnten sie sie möglicherweise vom Backup-Band wiederherstellen?"
"Eine kleinen Moment bitte ... " >CLICK< >WHIRRRR<
>CHUNKACHUNKACHUNKA< "... da ist sie wieder."
"Oh, vielen, vielen Dank!"
"Kein Problem."
Ich überprüfe die Adressenliste - und es handelt sich tatsächlich um eine
Adressenliste, keine logische Bombe oder ein fehlerhaftes Makro. Dieser Bursche
ist krank.
Ich werfe einen Blick auf seinen Netzwerkmonitor, um zu sehen, in welcher Etage
heute ganz plötzlich das Netz ausfallen wird. Aber alles was ich sehe ist grün - also
kein ´unerwarteter´ Bandbreitenengpaß in Sicht. Beängstigend.
Mir fällt auf, daß das Hintergrundbild seiner Workstation sich geändert hat. Es zeigt
nun jemanden, der blond und weiblich ist.
"Ist das ..." deute ich auf das Bild.
"Yep. Sieht sie nicht prächtig aus?"
Ich muß zugeben, daß das Wort ´Babe´ mir als erstes einfällt. Dann verspüre ich
plötzlich das Verlangen, den Netzanschluß des Servers der Erbsenzähler
lahmzulegen. Mir wird klar, daß es noch normal ist, wenn man das Bild einer anderen
in der Geldbörse mit sich herumträgt. Doch das Verschicken von JPEGs mit
E-Mails ist etwas, was nur Anoraks machen.
"Habe ich ihnen schon gesagt, daß wir uns heute zum ersten Mal treffen wollen?"
singt der PJ in diesem kranken Tonfall. Das klingt wie das Kratzen von Fingernägeln
auf einer Wandtafel. Wirklich.
"Nein", antworte ich müde. Ich habe es ein paar Tage lang geschafft, Begeisterung
und Interesse zu heucheln, denn ich hoffte, ihn dadurch zur Vernunft zu bringen, doch
meine Bemühungen waren offensichtlich erfolglos.
"Wo werden sie sie denn treffen?"
"Oh, ich weiß noch nicht - ich bin ein absoluter Anfänger auf diesem Gebiet. Aber
vielleicht können sie mir einen Tip geben?"
"Hmmmm ... warum versuchen sie nicht das neue Fischrestaurant in der High Street?
Es ist preiswert und wird sehr geschätzt. Und natürlich können sie mit der Karte für
´geheime´ Ausgaben vom Chef bezahlen."
"Gute Idee. Ich schicke ihr gleich eine E-Mail." Entweder ist mein ´ehrlicher´
Gesichtsausdruck noch nicht verbraucht oder er weiß es wirklich nicht besser.
Ein kleines Filterprogramm auf dem Mailserver sorgt dafür, daß die Geliebte des PJ
sich nun auf Curry in Highgate freut.
Jetzt gilt es, die andere Hälfte meines Plans umzusetzen. Ich schicke den PJ weg,
damit er für sein Schätzchen einen romantischen Blumenstrauß kaufen kann. Das
wird ihn mindestens eine halbe Stunde lang beschäftigen, so daß ich die Gelegenheit
nutzen kann, um eine Bekannte anzurufen.
Der PJ nutzt seine Chance für eine verlängerte Mittagspause (Zum Glück, den sein
verliebtes Geplapper macht mich langsam verrückt.), und so ist es nicht besonders
schwer, die letzten Stunden des Tages zu überstehen, bevor er mit krankem Lächeln
verschwindet.
Der Morgen kommt, und ich erscheine besonders früh gegen 11 Uhr im Büro, um
herauszufinden, wie der Abend meines Untergebenen verlaufen ist.
"Verdammt erschreckend. Sie war gebaut wie ein kleiner Büroblock, sie hatte eine
Stimme wie Arthur Mullard und sie redete den ganzen Abend über ihre neue
Kirsch-Entstein-Maschine."
Lustig, das klingt ganz nach Julie, der Schwester meiner Nachbarin. Aber nein, sie
kann es nicht gewesen sein, denn sie hat mit Computern nichts zu schaffen. Und
eigentlich dürfte sie kaum Zeit für Verabredungen haben, denn ihr Truck belädt und
fährt sich ja nicht selbst.
"Aber was ist mit dem Foto?" frage ich.
"Das ist eine Fälschung. Zum Teufel, ich habe genug von Frauen!"
>Klingel<
Der PJ nimmt den Anruf an.
"Netzwerk-Service."
"Mein Netzlaufwerk ist voll."
"So?"
"Könnte ich etwas mehr Platz bekommen?"
"Natürlich gebe ich ihnen mehr Platz ... " >KLIKEDIKLAK< "... schon geschehen.
Sie haben fünf Megabyte freien Platz bekommen."
Ich schaue neugierig auf seinen Monitor: "rm -rf *". Schon besser.


Wo findet man einen PJ, wenn man einen braucht? Es ist eine echte
Herausforderung, doch ...

Ein trauriger Tag für die Netzwerk-Abteilung. Der PJ hat sich leider entschlossen,
unsere Firma zu verlassen. Offenbar gibt es Wiesen die grüner sind und anziehender
auf die Jungen und Ahnungslosen wirken. Er hat eine Stelle als Netzwerk-Betreuer
eines Unternehmens aus der Öl-Branche angenommen, wo die Kollegen annehmbar
sind und die Bezahlung vielversprechend ist.
Mit einem Anflug von Sentimentalität in seinem Blick holt er zwei Wochen nach
seiner Kündigung seine Sachen. In diesen zwei Wochen lief der Chef mit dem
wohlbekannten Ausdruck ständigen Verfolgungswahns herum.
Offensichtlich hat ein ´Druckfehler´ im Online-Rufnummernverzeichnis die Anzahl
der Fehlverbindungen zu seinem Anschluß dramatisch erhöht. Und auch die
Änderung seiner Nummer konnte das Problem nicht lösen. Die Erkenntnis, daß er für
eine Versetzung nach Wales nicht nur im Gespräch, sondern auch noch dafür
ausgewählt wurde, führte zusätzlich noch zu einigen verzwickten und langwierigen
Streitereien, die ihn für einige Tage beschäftigten.
Die Vorstellungsgespräche für den Nachfolger des PJ beginnen, und es ist
offensichtlich, daß das Niveau der Bewerber nicht gerade an das des echten PJ
heranreicht.
Ich: "Ein Nutzer beschwert sich über die Geschwindigkeit im Netzwerk. Werden sie
das Problem suchen oder den Netzwerk-Port des Nutzers sperren?"
Sie: "Ich such ..."
Ich: "Danke, sie werden von uns hören. Nächster!"
Ich: "Es ist 16:54 Uhr am Freitag und ein Nutzer ruft mit einer Frage zu TCP/IP an.
Was werden sie tun?"
Sie: "Die Frage beantworten?"
Ich: "Verzwickte Frage. Sie beantworten niemals an einem Freitag eine Anfrage
nach 15 Uhr! Selbst WENN sie noch bei der Arbeit sind! NÄCHSTER!"
Ich: "Sie bemerken, daß die Firmware des Routers seit einigen Revisionen nicht mehr
aktuell ist. Was tun sie: Füllen sie ein Austausch-Beantragungs-Formular aus,
sorgen für die Sicherung der alten Eproms oder bestellen gleich die neue
Firmware-Version?"
Sie: "Die neue Version bestellen?"
Ich: "Nein. Sie lassen den Router alle drei Stunden abstürzen, bis der Chef sie
anfleht, die Firmware so schnell wie möglich zu aktualisieren, was zu vier
Überstunden mit doppeltem Stundensatz führt! NÄCHSTER!"
Nach zwei Tagen mit Vorstellungsgesprächen entscheidet der Chef sich dazu, selbst
einen Bewerber auszuwählen. Erwartungsgemäß entscheidet er sich für Ronald, den
schlimmsten annehmbaren Bewerber, einen mit offensichtlichen Problemen seiner
Auffassungsgabe. Und natürlich werden die Nutzer ihn lieben, was immer ein
deutliches Warnzeichen ist. Ich mache das beste aus der Situation bis ich einen Plan
habe.
"In Ordnung, Ron, ich zeige ihnen ihr ..."
"Nein, Ronald, nicht Ron."
"Ja." Ich mache mir in Gedanken eine Notiz, daß ich die Platten des Bodenbelags ein
wenig lockern muß ...
Dann bereite ich ihn auf seine neue Karriere im Netzwerk-Service vor, indem ich ihn
den Staub aus den Kabelschächten entfernen lasse.
Zwei Tage und einen Unfall im Kabelschacht später fängt Gerald als neuester PJ an.
Ein kindischer Typ, doch immerhin ist er unfreundlich zu unseren Kunden. Trotzdem,
ihm fehlt der richtige Killerinstinkt, der die Profis von den Amateuren unterscheidet.
Und im fehlt auch der technische Verstand, nicht mit dem Regenmantel mit den
großen Metall-Verschlüssen auf das Dach zu steigen, um während eines Gewitters
die ´Satellitenschüssel zu kalibrieren´. Ups. Aber Hautverbrennungen verheilen ja
recht schnell.
Gerald folgt dem Beispiel Ronalds, indem er sich in einen langen Erholungsurlaub
verabschiedet, so daß ich die Festung allein verteidigen muß. Es geht hektisch zu,
denn die Anzahl der Anrufe, die ich annehmen kann während ich mit dem alten PJ
Netzwerk-Doom über das Internet spiele, ist begrenzt.
Gleichzeitig scheint es schwierig zu werden, Bewerber für den Posten des PJ zu
finden. Beinahe unmöglich, um es genau zu sagen. Es hat sich wohl
herumgesprochen, daß es sicherer ist, mit laufenden Motorsägen auf einem Einrad
balancierend zu jonglieren, als bei uns zu arbeiten, so daß die Bewerber in Scharen
einen Bogen um unser Angebot machen.
Da ich arbeitsmäßig überlastet bin, komme ich nicht dazu, die vielen Netzwerkfehler
zu beseitigen, die uns plagen - zum Beispiel den Netzanschluß des Chefs, der sich
plötzlich wie ein unterbrochener Stromkreis verhält. Zum Glück bin ich immerhin in
der Lage, ihm als Interims-Lösung aus meinem Bestand ein 2400er Modem zu
leihen. Bei 2400 Baud brummt sein File-Server natürlich mächtig. Ganz zu
schweigen vom Netzteil des Modems, das soviel Strom frißt, daß nach dem
Einschalten des Modems die Lampen in seinem Büro weniger hell leuchten.
Der Chef sieht keinen anderen Ausweg mehr, als ich ihm einen Vorschlag mache.
Wenn er eine ansprechende Prämie und einen entsprechenden Lohn anbietet, dann
könne ich ihm einen Ersatz für den PJ beschaffen, erkläre ich ihm.
Der Chef greift nach dem rettenden Strohhalm und nennt zwei akzeptable Zahlen. Ich
rufe den PJ an und mache ihm ein unwiderstehliches Angebot.
Dem er auch nicht widerstehen kann.
Einen Tag später hat der PJ seinen Urlaub beendet und eine kräftige Lohnerhöhung in
der Tasche. Was der Chef nicht weiß, kann ihn auch nicht ärgern. Vorerst.
Als ich später dem PJ die Hand schüttle, dringt ein lauter Schrei zu uns.
Ich LIEBE dieses Geschäft.