Die
Original-Bastard-Operator-Geschichten von 1996
Autor: Simon
Travaglia
Übersetzer: Thomas Weidauer
Der B.O.F.H. beginnt das neue Jahr mit ein paar Sexspielzeugen ...
Es ist sehr ruhig zwischen den Feiertagen. Die Weihnachtszeit habe
ich damit
verbracht, rumzusitzen, sorgfältig einen
Schichtplan auszufüllen und freigiebig
Zahlen in der
Überstundenspalte unter der Vermeidung einiger
Familienmitglieder zu
verteilen. Es ist so frustrierend, die
Kollegen zu sehen, die sich jämmerlich ins Büro
schleppen
mit der alleinigen Absicht, mein Netzwerk zu zerstören. Während
der
Shutdown-Zeit erhielt ich keinen Hilferuf, was meine Theorie
bestätigt, daß mein
Netzwerk wirklich perfekt
funktioniert und alle Fehler von den Nutzern verursacht
werden.
Es scheint so, daß ich nicht der einzige im Büro war:
die Protokoll-Dateien verraten,
daß der Chef der
Entwicklungsabteilung auch da war, um per Fax Dutzende
Bestellungen
für verschiedene Teile für die neue Schüttel-Teststrecke,
die sie in der
Qualitätssicherung bauen, rauszuschicken.
Dem
Klatsch im Büro zufolge ist der Chef wirklich verrückt -
die Teststrecke sollte
zum neuen Jahr laufen, aber alle meinen,
sie sei noch nicht einmal zur Hälfte fertig.
Das
Interessanteste am Netzwerk-Fax-Protokoll ist, daß das
Programm, das ich auf
dem Server installiert habe, sich wenigstens
einmal in einen Anruf nach draußen
eingeschaltet hat.
Es
handelt sich um ein unterhaltsames kleines Programm, das das größte
Problem
mit all diesen Netzwerk-Fax-Systemen auf der Welt löst
- das Problem, daß sie
furchtbar langweilig sind.
Die
Veränderung, die ich vorgenommen habe, ist einfach und brillant:
der
Netzwerkmanager definiert einfach ein paar
Suchen-und-Ersetzen-Filter für
Nachrichten, die nach draußen
gehen, was bei richtiger Anwendung Nachrichten
deutlich aufwertet.
Man kann natürlich auch dafür sorgen, daß Faxe ganz
nach
Wunsch in andere Länder umgeleitet werden.
Das
Telefon klingelt:
"Guten Morgen, sie sind der erste Anrufer
in diesem Jahr. Kann ich ihnen helfen?"
(Manchmal überrasche
ich mich selbst.)
"Hier ist der Chef-Ingenieur. Funktioniert
das Fax-System?"
"Ganz bestimmt tut es das. Ich habe es
vor ein paar Momenten selbst geprüft.
Haben sie etwa
Probleme?"
"Ja. Ich habe vor Weihnachten ein paar
Sachen für die Qualitätssicherung bestellt,
aber der
Lieferant behauptet, das Fax sei nie angekommen. Können sie das
für mich
überprüfen? Ich habe es am 22. Dezember
abgeschickt und das Gerät meldete, das
Fax sei angekommen.
Die Bestellnummer ist PE4456."
Ein schnelles ´grep´
im Fax-Protokoll zeigt das fragliche Fax an.
"Ja, es steht
hier im Systemprotokoll und es sollte alles in Ordnung damit
sein.
Menge 48, Produktbeschreibung: ´Vibrator (3-stufig,
sehr zuverlässig)´. Vielleicht
konnte ihr Lieferant es
noch nicht bearbeiten."
"Ja, das könnte durchaus
sein. Vielen Dank."
"War mir ein Vergnügen."
Ich wundere mich ...
Das Telefon klingelt wieder. Die
Rufnummernidentifizierung sagt, daß das
Warenlager dran ist.
"EDV hier."
"Warenlager hier. Wir haben eine
Lieferung ohne Kontaktname. Der Lieferant sagt,
sie wurde mit
einem Fax bestellt. Können sie herausfinden, wer von euch
diese
interessanten Teile bestellt hat?"
"Natürlich,
kein Problem. Wie lautet denn die Bestellnummer?"
"PE4456."
"Mal schauen ... ja, das ist die Bestellung vom 22. des
letzen Monats. Vom Chef der
Entwicklungsabteilung."
"Danke
Kollege."
Ich bin sicher, ein Kichern zu hören, als der
Hörer aufgelegt wird.
Zeit und einige Levels von Doom III
(Beta, natürlich) vergehen ohne Störung, dann
klopft es
an der Tür. Geschickt schalte ich in den ´Boss-Mode´,
dann lasse ich den
Chef-Ingenieur reinkommen.
"Irgendetwas
stimmt nicht mit dem Fax-System." platzt es aus ihm heraus.
"Wirklich? Wieso?"
"Erinnern sie sich an das
Fax? Ich habe gerade versucht, es nochmal abzuschicken,
aber es
kam nicht an."
"Okay, testen wir es mal."
Ich
entwerfe schnell ein Fax auf meinem PC, schließe eines der
alten Fax-Geräte an
und schicke das Fax ab. Das Empfangsgerät
erwacht zum Leben und gibt
zuverlässig die Test-Nachricht
wieder.
Nun, es funktioniert - ich habe das Wort ´Vibrator´
nicht benutzt, so daß das Fax
nicht an Siggi´s Sex
Emporium in Rotterdam umgeleitet wurde.
"Sie sehen es."
erkläre ich meinem gespannt blickenden Kollegen. "Alles
funktioniert
prächtig. Sie müssen dem Lieferanten sagen,
daß sein Fax-Gerät kaputt ist."
"In Ordnung.
Danke für die Überprüfung." sagt er und geht
kleinlaut. Geschieht ihm
recht für seine Zweifel an meinem
System.
Das Telefon klingelt.
"EDV, B.O.F.H. am
Apparat."
"Hier ist der Chef. Haben sie Bradshaw von
der Entwicklungsabteilung gesehen?
Man sagte mir, er würde zu
ihnen gehen, weil er ein Systemproblem hat."
"Ja, er
war gerade hier. Warum?"
"Oh, ich frage mich, warum das
Warenlager mir ein Paket mit vier Dutzend
dreistufigen
Sex-Spielzeugen gebracht hat, das unser Freund bei Siggi´s
Sex
Emporium in Rotterdam bestellt haben soll. Sie können
nicht etwa Licht in die Sache
bringen?"
"Selbstverständlich
kann ich. In den Fax-Protokollen steht alles schwarz auf
weiß
..."
Der B.O.F.H. hat ein Beurteilungsgespräch ...
Als ich an diesem hektischen Nachmittag zur Arbeit komme, erwartet
mich eine
E-Mail, die mich zu einem Beurteilungsgespräch im
Rahmen des
Vorgesetztenbewertungsprogramms einlädt. In der
E-Mail steht noch, daß ich
zufällig ausgewählt
worden bin. Mein Abteilungsleiter ist überrascht, denn
er
erinnert sich deutlich daran, meinen Namen von der Liste
gelöscht zu haben.
Nun, "Zufall" kann so ein
irreführendes Wort sein.
Später gehe ich zu dem
Gespräch mit einem Menschen vom Vorstand und einem
Herrn Grau
(der Name paßt vollkommen).
"Simon, ich denke, sie
wissen, worum es bei diesem Gespräch geht?" lächelt
Grau.
"Ja. sie wollen herausfinden, daß mein
Abteilungsleiter fast immer in der Lage ist,
sich an seine
Telefonnummer zu erinnern."
"Nein, ich denke, so
schlimm wird es nicht." gluckst Grau.
Der Mann vom Vorstand
scheint sich unwohl zu fühlen.
"Sein eigener Anschluß.
Nicht die Büronummer. Die hat nur vier Stellen. Das ist nur
eine
Endung."
"Ja, gut. Er ist ja nicht umsonst in seiner
Stellung!"
"Oder verwandt mit dem Chef oder seiner
Frau. Oder er spielt Golf im gleichen Club.
Oder er kennt
jemanden, der im gleichen Club ist. Oder er weiß, wie ein
Golf-Club
aussieht ..."
"Es sieht aus, als hätten
sie keine besonders gute Meinung von Ihrem
Vorgesetzten."
"Nein."
Der Vorstandsmann fühlt sich jetzt
wirklich unbehaglich.
"Aus welchen Gründen?"
"Nun, seien wir ehrlich. Bevor er hier anfing hat er
Pappkartons in einer Fabrik
gefaltet, die für ihre gebackenen
Bohnen bekannt ist."
"Aha. Und seine
Netzwerkerfahrungen?"
"Hat er, weil er der zweite
Cousin der Frau vom Chef ist." antworte ich.
"Aha."
"Mal ganz ehrlich, der Mann könnte keine Lampe
untersuchen und das Stromkabel
identifizieren, von einem Netzwerk
ganz zu schweigen. Als ich ihm sagte, wir sollten
ATM und passende
Karten im Computerraum installieren, bestellte er eine
neue
Barclay´s-Karte. Ich sagte ihm, daß wir eine
Internet-Firewall haben, und er fragte,
ob es auch ein
Feuerlöschgerät dafür gibt."
"Ich
verstehe. Möglicherweise hat er mehr Erfahrung, wenn es um die
Planung geht,
wie man das von einem Abteilungsleiter erwartet?"
"Vielleicht. Ich wundere mich jedoch noch immer, weshalb er
sich bei mir bedankte
und meinte es gehe ihm gut, als ich ihn nach
einer besseren Glasfaserverkabelung
[fibre] fragte."
"Ach
so. Was erwarten sie denn von jemandem in dieser Position?" will
Grau
wissen.
"Die Fähigkeit zu addieren, zu
subtrahieren, lesen und schreiben ohne sich auf die
Zunge zu
beißen. Die Intelligenz, seinen Namen unter alles zu schreiben,
das ich ihm
vor die Nase halte, unabhängig davon, wie seltsam
es klingen mag."
"So, sie meinen, daß er nichts
weiter sein soll als ein Ja-Sager."
"Genau."
"Nun, wir sind uns einig, daß wir dem nicht zustimmen.
Sie können doch nicht
ernsthaft erwarten, daß er alles
unterzeichnet ohne es zu prüfen. Mit einer kleinen
Wartezeit
von ein paar Tagen für eine Prüfung muß man leben
können. Was ihr
Verhältnis zueinander betrifft, nun,
auch wenn ihr Abteilungsleiter nicht unbedingt
die Idealbesetzung
für diese Stelle zu sein scheint, so ist ihr Urteil doch
ziemlich
ungerecht und übertrieben."
"Hmmm."
sage ich besorgtes Nachdenken simulierend. "Ich glaube, wir
haben da
eine Sackgasse erreicht."
Dann stehe ich auf und
gehe.
Auf dem Weg nach draußen höre ich, wie der Mann
vom Vorstand Grau davor warnt,
den Fahrstuhl oder irgendein
anderes Gerät zu nutzen, welches von Computern
kontrolliert
wird. Dafür hat er Strafe verdient ...
...
Später,
gegen 18:17 Uhr sehe ich im Überwachungsmonitor, wie sich ein
Schatten
von den anderen löst und sich an der Tür zu
schaffen macht.
Ein paar Tastatur-Klicks - die Drehtür
bleibt in Mittelstellung stehen und der
Sicherheitsalarm geht los.
Zwanzig Minuten später gehe ich die Treppen hinunter und tue
so, als wollte ich das
Haus verlassen. Eine kleine Menschenmenge
hat sich um die Drehtür versammelt
und schaut den
Sicherheitsleuten zu, die sich abmühen, den gefangenen Grau
zu
befreien. Ich lächle wohlwollend, als Grau mich sieht.
"Keine Angst", sage ich. "Wir können ja noch
das Glas einschlagen, um sie zu
befreien."
"Das ist
Panzerglas", wirft ein Wachmann ein. "Man müßte
schon mit einem Auto
dagegenfahren. Ich befürchte, das wäre
nicht gut für ihn."
"Es gibt immer eine
Möglichkeit für den Notfall", sage ich hilfreich.
"Irgendetwas ging schief. Der ganze Kontrollmechanismus ist
tot." kommt die
Antwort.
"Wirklich?" frage ich
und schaue Grau an. "Nun, der Wartungsvertrag war Teil
meiner
Anforderung, DIE MEIN ABTEILUNGSLEITER HEUTE NICHT
GENEHMIGEN
WOLLTE. EINE KLEINE WARTEZEIT VON EIN PAAR TAGEN
WIRD DOCH
NIEMANDEN UNGLÜCKLICH MACHEN."
Der Wachmann murmelt
etwas. "Wir dachten, wir könnten einfach die
Kabel
durchtrennen, damit die Türverriegelung freigegeben
wird, und ihn dann rausholen."
"Wenn das so einfach
wäre, dann könnte jeder Einbrecher hier reinkommen",
erkläre
ich. "JETZT IST DIE INTERNE BATTERIE AKTIV, DIE
UNABHÄNGIG VOM
REST DER STROMVERSORGUNG LÄUFT. ES DAUERT
48 STUNDEN, UM SIE
ZU ENTLADEN."
"Was können
wir tun?" will der Wachmann wissen.
"Nun, Tacos und
Käsescheiben würden ganz gut passen."
"Hä?"
"Um sie ihm unter der Tür hindurchzuschieben. Er muß
ja etwas essen! ICH HOFFE
NUR, ER MUSS NICHT ZUR TOILETTE. ICH
KÖNNTE ES NICHT
AUSHALTEN, 48 STUNDEN IN EINER GLASKABINE
EINGESPERRT ZU
SEIN, IN DIE JEDER HINEINSCHAUEN KANN, UND NUR
MEINE
AKTENTASCHE DABEIZUHABEN."
Das Leben kann grausam
sein, wenn du versuchst, nicht auf das zu hören, was
andere
dir sagen ...
Der B.O.F.H. erzieht den Pickelgesichtigen Jüngling (PJ) ...
Es ist ein ruhiger Montagmorgen, als ich in mein Büro komme
und die Anwesenheit
eines Wesens bemerke, welches nur als
Pickelgesichtiger Jüngling (PJ) bezeichnet
werden kann. Zu
allem Überfluß hat dieses Wesen meinen Schreibtisch
übernommen.
"Hallo!" keucht der PJ. "Ich bin der neue
Auszubildende, den sie letzte Woche
angefordert haben."
Anstatt anzuhalten, nehme ich meine Tasche und mache sofort
kehrt, um in Richtung
des Büros des Abteilungsleiters
davonzustürmen. Der informiert mich in sehr
deutlichen
Worten, daß die Lohnabrechnung, die er nach
meinem
Bewertungsgespräch in der vergangenen Woche erhielt,
in keiner Weise zu dem
beigetragen hat, was der flüchtige
Beobachter wohl als Rache bezeichnen würde.
Reiner Zufall,
daß er den PJ jetzt angestellt hat, behauptet er ...
Er
erklärt mir außerdem, daß der PJ nicht nur bleiben,
sondern mich auch irgendwann
ablösen soll. Ich soll ihn zu
einem absoluten Fachmann ausbilden. Traurigerweise ist
in meinem
Büro nur Platz für einen, aber das kann noch warten.
...
"Ich habe die Anrufe entgegengenommen, als sie weg waren!"
ruft mir der PJ zu, als
ich zurückkomme und wedelt mit einem
Stapel ´Während sie weg waren´-Notizen.
Ich
entscheide mich, so zu tun, als stimme ich voll und ganz mit dem
Abteilungsleiter
überein.
"In Ordnung, sortieren sie
sie ein und dann beobachten sie dann das hier", sage ich
und
schalte den Netzwerk-Monitor ein.
"Wo soll ich sie
einordnen?"
"In den Aktenschrank." sage ich.
"Aber ich kann keinen sehen ..."
"Der runde
..."
"... auf dem Boden ..."
"JA, IN DER
ECKE!!"
"Ein Anruf war aber wichtig!" keucht er.
"Das ist ein Netzwerk, hier sind alle wichtig. Jetzt ist es
von Bedeutung zu
erkennen, welche Nutzer wirklich wichtig sind,
wenn sie anrufen."
"Oh, kann man das denn?"
"Das
kann man nicht. Es war nur ein Witz. Das hier ist ein Netzwerk, okay?
Sie
nehmen, was sie kriegen können und sind damit zufrieden,
oder sie bekommen ein
´Upgrade´ auf ein 150 Baud-Modem
mit einem nicht isolierten Netzteil."
"Wie haben sie es
geschafft, ihren Job zu behalten?"
"Hmm. Eine clevere
Mixtur aus überlegener Intelligenz, Unersetzbarkeit
und
unbarmherziger Erpressung, wenn es nötig ist. Das hat
bisher funktioniert. Nun, ich
verwette meinen nächsten
Lohnscheck darauf, daß 90 Prozent der Beschwerden an
diesem
Morgen von der Lohnbuchhaltung kamen - oder irre ich mich etwa?"
"Nein, sie haben Recht! Ist deren Netzwerk fehlerhaft?"
"Nein, das ist mehr ein Protokoll-Problem."
"Was?
Etwa mit dem TCP/IP-Protokoll?"
"Nein, eher eines von
der Art ´Wenn Simon Rückerstattungen für
technische
Handbücher fordert, dann schickt ihn weit, weit
weg´. Wirklich, es ist zwar nicht
dokumentiert, aber ein
De-facto-Standard hier."
"Und was tun wir wegen dieser
Fehler?"
"Nichts. Wir erklären, daß es sich
um einen unvorhersehbaren Fehler handelt, der
möglicherweise
irgendwo in einem technischen Handbuch beschrieben wird.
Dann
installieren wir die
´Niemals-versagende-Netzwerkproblem-Lösungstechnik´."
"Was ist das?"
"Wir lösen alle Probleme
durch ein ´Router-Reset´."
"Ich verstehe
nicht ..."
"Das ist doch ganz einfach!! Irgendwer ruft
wegen eines ´Netzwerk´-Problems an.
Du gehst hin und
schaltest den Router ab und startest ihn neu. Dann gehst du durch
die
Abteilung und erklärst, daß du es tun mußtest, da
der Anrufer ein dringendes
Problem hatte, das nicht warten konnte.
Es ist faszinierend, wieviel Feindseligkeit
man auf diese Weise in
nur einer Woche innerhalb der Abteilung erzeugen kann.
Wenn man
wirklich etwas erreichen will, dann tut man das etwa 10 Minuten vor
der
Mittagspause - niemand speichert seine Arbeit vor der Pause,
so daß sich dann die
Programme aufhängen und sie alles
verlieren, was sie bis dahin getan haben."
"Was
passiert dann?"
"Wir ´tun natürlich auch nur
unseren Job´. Aber oben in der Abteilung entsteht
eine
demilitarisierte Zone! Dinge verschwinden, Mittagessen werden
mit Pfeffer
´verfeinert´ und dann, langsam aber
sicher, hören die Anrufe auf. Wenn jemand einen
Ausfall hat,
rufen sie nicht mehr uns an, sondern die Service-Abteilung."
"Und was tun die?"
"Sie schreiben eine
´Während sie weg waren´-Notiz."
"Und
dann?"
"Dann geben sie sie uns."
"Und wir
..."
"SORTIEREN SIE EIN!"
"Was tun wir
sonst noch?"
"Wir beobachten, wie das Netzwerk wirklich
arbeitet, finden Engpässe und planen
Upgrades für die
nächste Budget-Runde."
"Wirklich?"
"Ach
was. Sind sie gut in ´Immortal Kombat´?"
"Naja,
es geht so."
"In Ordnung, der Gewinner macht den
nächsten Reset, der Verlierer kauft Krapfen."
Das leben
an der Spitze ist hart, aber es ist, was man daraus macht ...
Der B.O.F.H. trifft einen ebenbürtigen Gegner, behält aber die Oberhand ... vorerst ...
Überraschenderweise scheint die Ausbildung des PJ gut zu
verlaufen. Er bemüht
sich, alles richtig zu machen, aber ich
bezweifle, daß das auch noch in ein paar
Wochen so ist, wenn
er mit ein paar schwierigen Klienten zusammentreffen wird ...
Ach
ja, unsere Klienten. Einer unserer schlimmsten Klienten ist
kürzlich
zurückgetreten, nachdem ein paar wirklich sehr
persönliche Fotos im Speicher einer
geliehenen digitalen
Kamera ´vergessen´ wurden. Das ist eine sehr seltsame
Sache,
denn die Löschfunktion funktionierte perfekt, als ich
die Kamera vor einer Woche
´wartete´. Die Sache wäre
wohl weniger schlimm ausgegangen, wenn der Finder
nicht eines der
Bilder als Startlogo aller Windows-PCs auf seiner Etage
eingerichtet
hätte. Das Opfer hat natürlich behauptet,
daß jemand das Bild bearbeitet und
gefälscht habe. Doch
alle waren der Meinung, daß es nicht das Bild war, das
da
´bearbeitet´ wurde.
Arme Sau.
Der PJ ist
besorgt und benötigt offensichtlich Rat.
"Wo liegt das
Problem?" frage ich.
"Ich verstehe nicht, wie dieses
Bild auf alle PCs gelangen konnte."
"Ach so. Ich
schätze, daß es jemandem gelungen ist, in den
Programm-Server
einzubrechen und das Bild auf die verschiedenen
Desktops zu bringen."
"Aber der Server ist durch ein
Passwort geschützt. Und das
Versionsverwaltungsprogramm auch.
Wie konnte das passieren?"
"Jemand muß das
Passwort herausgefunden haben", antworte ich und warte auf
das
Unvermeidliche.
"Aber nur sie und ich haben
Passwörter, und ich erst seit gestern."
"Notieren
sie sich die Passwörter?"
"Nun, ja. Aber der
Zettel liegt in meinem abgeschlossenen Fach."
Ich schüttle
traurig den Kopf. "Und wer hat Schlüssel zu dem Fach?"
frage ich.
"Nur sie und ich."
"Und waren sie
es?"
"Nein."
"Dann können wir diese
Möglichkeit verwerfen. Also muß ich es gewesen sein,
der
das Fach geöffnet und die Passwörter benutzt hat, um
sich mit einer anderen
Identität beim Server anzumelden."
"Sie waren es?!"
"Natürlich. Sie denken
doch, daß es niemand anderes gewesen sein kann, oder? Gott,
die
einzige weitere Person mit mehr Zugriffsrechten ist der
Systemmanager, aber der
ist so langsam, daß er ein
Abschleppseil braucht."
"Warum haben sie das getan?"
"Weil sie lernen sollen, was Sicherheit bedeutet. Ich bin
mir sicher, daß sie diese
Erfahrung bei ihrem nächsten
Job, der sie irgendwann nach dem morgigen Tag
erwartet, nutzen
können."
"A ... a ... aber."
"Kein
Grund zur Aufregung."
"Aber ich wollte sagen, daß
sie mich doch nicht dazu bringen wollen, Onkel Brian zu
sagen, daß
das mein Fehler war. Das können sie doch nicht tun!"
Warnlampen an!
"Onkel Brian?"
"Onkel
Brian. Sie kennen doch das große Büro im 6. Stock. Das mit
den Ledermöbeln.
Ich würde ihrem Bericht an den
Geschäftsführer nur ungern widersprechen."
ONKEL
Brian ... Onkel Brian. Der Geschäftsführer. Ich hätte
es wissen müssen.
Das ist keine einfache Sache, sondern ein
Riesending.
"Nun, vielleicht ist es besser, diese
Angelegenheit einem Hacker von draußen
anzuhängen",
sage ich so freundlich wie ich kann.
"Oder einem Hacker aus
unserem Haus ..."
Der PJ lächelt bedrohlich.
Dieser
hinterhältige Bastard! Möglicherweise steckt mehr in ihm,
als ich dachte.
"... wie unser Abteilungsleiter." fügt
er hinzu und läßt mich vom Haken.
Gott sei Dank ...
"In Ordnung", sage ich schnell, bevor er das riesige
Potential von Erpressungen
erkennt. "Sie sagen es Onkel Brian
und ich werde einen Zettel mit ihren Passwörtern
auf den
Schreibtisch vom Abteilungsleiter schmuggeln."
"So
machen wir es!"
Zehn Minuten später beobachten wir bei
süßen Krapfen, wie ein weiterer Chef aus
den
geheiligten Hallen der Hölle hinausbegleitet wird.
"Sie
wissen, daß er ihnen diesen Job gegeben hat", sage ich.
"Ja. Aber für Sentimentalität ist jetzt keine
Zeit." antwortet er.
Wirklich, ein PJ voller Potential ...
"Okay, was sollen wir nun tun?" fragte er lernbegierig.
"Nun, ich denke es ist Zeit, den Stecker eines
Remote-Rechners zu ziehen und die
Leute anzurufen. Wir erklären
ihnen dann, daß die Etiketten ihrer EPROMs ungültig
sind
und sie sie an einem gut beleuchteten Ort abziehen sollen. Irgendwo,
wo die
Sonne hell scheint."
"Würde das nicht
...?"
"Yep."
"Legen wir los."
Einen
Job wie diesen zu haben, kann man nicht BEREUEN!
Der B.O.F.H. kennt keine Störungen in seinen Druckersystemen ...
Es ist ein angenehm kühler Morgen, als ich zurückgelehnt
in meinem Sessel liege
und die nächsten Überraschungen
im Leben der Netzwerknutzer plane. Nun, es ist
angenehm kühl
für mich. Aufgrund eines bedauerlichen Fehlers in der
Klimaanlage
herrschen in allen anderen Zimmern Temperaturen, die
entweder denen der Arktis
oder denen der Tropen gleichen.
Einige
aus der höheren Belegschaft haben versucht, die Brandschutztüren
zu den
Treppen zu öffnen, die den Luftausstausch blockierten,
doch seltsamerweise wurde
dadurch mehrmals Feueralarm ausgelöst.
Die Sicherheitsleute sorgen seitdem dafür,
daß diese
Brandschutztüren geschlossen sind. Natürlich nur zur
Sicherheit aller.
Aufgrund all dieser Aktivitäten ist es in
meinem Raum, in dem es zu dieser Zeit
normalerweise recht hektisch
zugeht, ziemlich ruhig. Überraschend hat sich der PJ
als ein
Fanatiker mit einem kaum menschlichen Gesicht entpuppt. Er hat
es
geschafft, den Personalchef zu ´überreden´,
ihn zu einem Kurs über ´Grundregeln des
Managements´
zu schicken ... nach Paris. Nicht schlecht für einen
Nicht-Manager
und Anfänger - könnte das etwas mit dem
E-Mail-Filter zu tun haben, den er im
Mailsystem der
Personalabteilung installiert hat? All diese jungen Sekretärinnen
...
Ich denke, daß mein Tag friedlich und ohne
Unterbrechungen durch sinnlose
Anfragen vergehen wird. Ich klopfe
auf Holz.
Zu spät. Das Telefon klingelt. Es ist ein Nutzer.
"Hallo, ich schreibe dieses Programm, um unsere Drucker
aufeinander abzustimmen,
um zu sehen ..." Ich lege auf.
Es
klingelt erneut: "Hallo, ich schreibe ..." Ich lege auf.
Wieder klingelt es: "Hallo, ich ..." Ich lege auf.
Die
Lernfortschrittskurve dieser Menschen ist beinahe horizontal, so daß
man auf ihr
Bowling spielen könnte. Ich lasse den Hörer
neben der Gabel liegen. Zehn Minuten
später klopft der Kauz
an meine Tür. Ich habe gerade noch Zeit, den Telefonhörer
wieder
auf die Gabel zu legen, dann kommt er auch schon herein.
"Hallo,
ich habe versucht, sie anzurufen, doch ihr Telefon muß defekt
sein ..."
"Ich deute auf die ´Konsole der Hölle´
und schüttle meinen Kopf. "Das ist die
Konsole",
sage ich leise, "sie geht niemals kaputt."
"Na
gut, dann ..."
"Ihr Telefon", fahre ich fort, "hat
eine Lebenserwartung von drei bis fünf Jahren, aber
dieses
Baby hier wird noch am Weltuntergangstag funktionieren. Es wird auch
dann
noch Anrufe dummer Nutzer annehmen."
Der Kauz ist
verblüfft. Er versucht, seine Gedanken neu zu ordnen. Da
klingelt das
Telefon. "Sehen sie, was ich meine?" sage
ich und nehme den Hörer ab.
"Mein PC ist schon wieder
abgestürzt. Das passiert immer, wenn ich auf mein
Netz-Laufwerk
zugreifen will." schluchzt ein deprimierter Nutzer.
"Aha."
sage ich und suche die Ausrede des Tages im Ausredenkalender. "Es
könnte
sich um VORÜBERGEHENDE KNOTENVERDOPPLUNGEN
handeln."
"Was?"
"Nun, ihr PC stürzt
ab, weil er doppelte Dateien auf dem Fileserver und ihrer
Festplatte
findet.
"Oh. Was soll ich tun?"
"Nun, das
Beste wird sein, sie melden sich beim Fileserver an und machen
ein
remove-rename."
"Und wie?"
"Geben
sie einfach ein rm -rf ein. Das bedeutet remove minus rename, alle
nur
einmal vorhandenen Dateien werden nicht umbenannt."
"Oh,
in Ordnung. Danke."
"Gern geschehen." ich lege
auf. Der Kauz ist noch immer hier.
"Ich schreibe ein
Programm ..." setzt er an.
"... um die Drucker
abzustimmen." vollende ich.
"Ja."
"MEINE
Drucker." stelle ich fest.
"Ähm ... ja."
"Warum?"
"Nun, ich dachte, daß ich
einmal pro Sekunde abfrage, welche Druckaufträge sie
gerade
bearbeiten und wie schnell sie waren."
"Warum?"
"Um zu sehen, ob es irgendwelche Engpässe im Netzwerk
gibt."
"Wie, um ein Beispiel zu nennen, einen Engpaß,
der dadurch verursacht wird, daß die
Drucker einmal in der
Sekunde auf die Anfrage eines ´intelligenten´
Programms
antworten müssen?"
"Ich dachte, daß
das kein Problem wäre."
"Das dachten sie nicht",
sage ich, ändere die Temperatur im Treppenhaus auf Null
und
erhöhe die Luftfeuchtigkeit. "Aber sie haben das Programm
schon laufen lassen,
stimmts?"
"Nun, ein- oder
zweimal vielleicht."
"Nein, mehr als ..." (Ich
zähle die roten Punkte, die der
Druckerwarteschleifen-Monitor
zeigt.) "Mindestens 17mal, wenn ich richtig gezählt
habe.
Sie schicken eine falsche SNMP-Anfrage an die Drucker, die natürlich
nicht
antworten. So geht es weiter, und sie schicken eine weitere
Anfrage an den nächsten
Drucker."
"Ich ... nun,
es könnte sein ..."
"MEIN Problem ist nun: Wen
soll ich damit beauftragen IHR Problem zu bearbeiten?
Vielleicht
meinen beinahe wahnsinnigen Auszubildenden, dem beigebracht
wurde,
unnötige Netzlast mehr zu hassen als Wiederholungen
von ´Unsere kleine Farm´?
Oder möglicherweise die
Programmierer, die Möchtegernprogrammierer mehr
hassen, als
sie es hassen, zu arbeiten wenn die Kneipen geöffnet sind?
Wissen sie,
ich werde einfach alle fragen."
Er ist
verschwunden und hat seinen sechsmonatigen Spanienurlaub schneller
geplant
als ich es schaffe, den Telefonhörer neben den
Apparat zu legen.
Ich schaue im Monitor zu, wie er zu den Treppen
stürmt, um zu flüchten.
Dummerweise kondensierte im nun
kalten Treppenhaus ein wenig Wasser auf dem
Linoleumbelag, so daß
er ausrutscht und ein paar Treppen nach unten rollt. Auf
seinem
Weg aus dem Gebäude heraus wirft er eine Gruppe Erbsenzähler
um, die
begierig zu ihren Summen zurückkehren wollen.
Als
er aus dem Haus hinkt, kommt mir ein Gedanke: Man kann Zufriedenheit
mit dem
Job eben nicht planen. Nun, jedenfalls nicht wirklich,
schätze ich ...
Der B.O.F.H. gibt einem hilflosen Verkäufer die Chance, an Geld zu kommen ...
Ich sitze in meinem Büro, als der Anruf eines Verkäufers
kommt, der mir ein paar
ATM-Kits aufschwatzen will. Er hat meinen
Namen aus einer dieser Anforderungen
für
Gratis-Zeitschriftenexemplare, die ich vor Monaten abgeschickt habe.
Man muß
auf diesen Anforderungen ja immer ein paar
´statistische´ Informationen geben, also
habe ich die
Angaben zu meinem technischen Wissen auf ein Zehntel nach
unten
korrigiert. Bei der Frage nach ´Verfügbaren
Finanzmitteln´, habe ich meine Antwort
um den Faktor 100
aufgeblasen. Eine kleine Lüge tut niemandem weh, und
widerlegt
nebenbei das Gerücht, es gäbe so etwas wie
eine Einladung zu einem kostenlosen
Mittagessen nicht.
Ich
schalte mental in den ´Vergnügungs-Modus´ und sage
dem Anrufer, daß er mit
dem technischen Manager sprechen
soll, und ich ihn sofort weiterverbinde. Zwei
Sekunden später
spricht er mit meiner Imitation unseres technischen Managers.
"Ich
möchte zu ihnen kommen, um ihnen eine zukunftssichere
Netzwerk-Lösung
vorzustellen, wenn das möglich ist."
legt er los.
Das Letzte, was ich will, ist, daß er herkommt
und alle Leute nach ´dem technischen
Manager´ fragt.
Daher entscheide ich mich für einen schnellen Spaß.
"Nun", sage ich, "ich bin in dieser Woche stark
mit ein paar Besprechungen über
Neuanschaffungen
beschäftigt."
Er macht eine Pause. Ein klein wenig zu
lang, finde ich. Das bedeutet vermutlich, daß
er nicht
bereit ist, sein Ausgabenbudget einzusetzen.
Ich ´füttere´
ihn noch ein wenig.
"Dann habe ich eine Budget-Konferenz in
der nächsten Woche, um die Ausgaben im
nächsten
Vierteljahr zu planen, also bin ich mit der Vorbereitung darauf
auch
ziemlich beschäftigt."
Er beißt an.
"Ich
sage ihnen etwas - wie wäre es, wenn wir uns zu einem
Mittagessen träfen -
sie müssen doch etwas essen, oder?
Und ich beschreibe Ihnen ganz unverbindlich
unsere Produkte. Sie
werden die Vorteile dann ganz von selbst sehen."
"Ähm
..." denke ich laut nach.
"´Luigi´s´,
am Donnerstag um 12 Uhr?"
"Ich, also ...", murmle
ich, spiele den Unbestechlichen.
"In Ordnung, ich reserviere
uns Plätze", schließt er wie ein
wirklicher
Verkaufschampion.
Ich öffne den elektronischen
Terminkalender mit dem Passwort des Chefs (der Name
seiner Frau -
glaube ich jedenfalls ...) und trage den Termin bei ´Luigi´s´
ein.
Es ist Donnerstag und ich komme um 11:30 Uhr in die Bar,
arbeite mich durch die
´importierten Spirituosen´
durch, solange ich kann. Irgendwann taucht der Verkäufer
auf.
Ich bin, wie wir Ethernet-Freunde sagen würden, in einem
Wahllos-Modus. Ich
würde jetzt alles kaufen. Zumindest dann,
wenn ich Geld hätte. Was nicht der Fall
ist. Wie auch immer,
ich habe ein paar Visitenkarten des technischen Managers
dabei und
beherrsche eine akzeptable Nachahmung seiner Unterschrift.
Die
nächsten drei Stunden vergehen schnell, während ich
verschiedene Kataloge mit
glänzender, beta-getesteter,
´höchstmoderner´ Hardware anschaue, in
Verzückung
gerate, wie das nur ein technischer Manager kann,
und gelegentlich Kommentare
wie: "Schöne Lichter"
abgebe. Irgendwann gegen 15 Uhr entschließe ich mich, den
Mann
etwas unter Druck zu setzen. Ich erkläre ihm, daß in
diesem Jahr kein Geld für
das Netzwerk vorgesehen ist, da ich
alles schon im letzten Jahr ausgegeben habe.
Er beginnt zu weinen
und versucht alles, damit ich mich schuldig fühle. Ich gebe
vor
aufzugeben und erkläre ihm, daß ich eine
Wagenladung Waren bestellen würde und
es so aussehen lassen
werde, als handele es sich um eine Bestellung aus dem
letzten
Jahr.
"Wird das gehen?" schnieft er.
"Natürlich
..." sage ich. "Jetzt gehen sie und machen sich wieder
fein. Sie sehen ein
wenig durcheinander aus."
Er
verschwindet zur Toilette. Ich prüfe schnell seine Brieftasche.
Sie enthält 70
Pfund. Ich nehme mir 40 - ich will ihn ja
nicht völlig zusammengebrochen
zurücklassen. Und wo ich
gerade dabei bin, nehme ich ihm noch die letzte
Möglichkeit
zur Bezahlung, indem ich meinen guten alten Permanent-Magnet über
die
Magnet-Streifen seiner Kreditkarten ziehe. Dann gehe ich wieder zur
Bar und
bestelle einen anderen Drink.
Ich unterhalte mich mit
dem Barkeeper, bis der Verkäufer wiederkommt.
"Nun",
sage ich, "ich muß zurück ins Büro."
Er
blickt mich mißtrauisch an.
"Wissen sie", sage
ich. "Wie wäre es, wenn ich einfach einen
Bestellschein
unterschreiben würde, den sie dann ganz ruhig
in ihrem Büro ausfüllen können?"
Der Traum
eines jeden Verkäufers.
Ich werfe schnell die Unterschrift
unseres technsichen Managers aufs Papier,
stecke die Quittung ein
und habe schon die Hälfte der Strecke zur Arbeit
zurückgelegt,
als die Polizeiwagen mit Blaulicht das ´Luigi´s´
ansteuern.
Offensichtlich haben sich die Methoden beim Umgang mit
potentiellen Kunden
bisher noch nicht geändert. Mit etwas
Glück war das aber nur ein kleiner Tiefschlag
- es sei denn,
der Wurfarm seines Chefs ist gesund ...
Der B.O.F.H. sorgt mit einer
kleinen Bestechung für einen Zusammenbruch seines
Chefs ...
An einem ruhigen Morgen werde ich vom Pförtner angerufen.
Neues Equipment ist
angekommen und nun muß ich sagen, wohin
es gebracht werden soll.
Ich brauche ein paar Sekunden, um mich
an das Essen mit dem Verkäufer im
´Luigi´s´
zu erinnern und die wortreichen Versuche meinerseits, ihn aus
seiner
mißlichen Lage zu befreien, als er kein Geld mehr
hatte ... Seine beiden Vorderzähne
waren aus Gold.
Möglicherweise konnte er sich mit dem Restaurant einigen. Oder
er
hat etwas herausgefunden ...
Das bedeutet möglicherweise,
daß unser technischer Direktor nun extrem
hochgezüchtete
Hardware besitzt, die geeignet ist, alle Geräte zu überfordern,
in die
sie eingebaut wird.
Da ich keine Ahnung habe, was
eigentlich geliefert wurde, sollen sie die Sachen erst
einmal zum
technischen Direktor bringen. Immerhin steht ja ´seine´
Unterschrift
unter der Bestellung ...
"Es ist aber sehr
viel ..." sagt der Pförtner. "Der Platz im Lift wird
kaum ausreichen."
Ich sage, daß sie es in den Lift
schaffen sollen, dann bereite ich mich darauf vor, dem
Untergang
des technischen Direktor beizuwohnen.
Fünf Minuten später
ist der Lift mit hundert glänzenden Schachteln und
Schächtelchen
unterwegs.
Der technische Direktor scheint sehr verwirrt zu sein.
Mit einem Budget
ausgestattet, das gerade für ein paar
Schachteln Chips reicht, ist er wirklich besorgt
über die
Lieferung dieser bunten Schachteln. Das ist nicht weiter
verwunderlich,
denn er ist ja der einzige, der für Technik
Geld ausgeben darf.
Ich warte, bis er die Rechnung und die
beigeheftete Bestellung sieht. Seinem Blick
zufolge scheint ihn
ein mächtiges Problem zu beschäftigen.
"Das muß
ein Irrtum sein!" ruft er, als ein besonders besorgniserregend
blickender
Buchprüfer mit dem Inventarverzeichnis
hereinkommt.
"Das ist die neue Technik?" fragt er.
"Es
scheint so", antowrte ich. "Aber ich dachte, wir hätten
kein Geld mehr?"
"Haben wir auch nicht." plärrt
der technische Direktor.
"Wenn das so ist", frage ich
und deute auf ´seine´ Unterschrift, "Warum haben
sie
dann diese Sachen bestellt?"
"Habe ich doch gar
nicht", beteuert er mit 28.8 bps (Beteuerungen pro Sekunde).
Ein kleiner Auflauf interessierter Zuhörer hat sich
gebildet, so daß ich um Ruhe bitte.
"Und das auch noch,
nachdem sie die Wünsche nach einer besseren
Klimaanlage
abgelehnt haben!"
Das Murmeln der Ablehnung
zeigt den Grad der Zustimmung an, die der technische
Direktor
jetzt noch erwarten kann (eine beliebig große Zahl
multipliziert mit Null).
Dieses feindselige Publikum ist nicht
empfänglich für Ausreden, ganz besonders
nach den
´extremen Wetterschwankungen´ des vergangenen Jahres.
In
seiner Verzweiflung meint er einen rettenden Strohhalm gefunden zu
haben: "Hey!
Diese Bestellung ist sechs Monate alt. Damals
war ich doch noch gar nicht hier!"
ruft er.
"Bestellungen
zurückdatieren, um dem Inventar-System zu entkommen!" rufe
ich.
Die Augen des Buchprüfers leuchten auf wie ein
Weihnachtsbaum, als er sich den
Ruhm vorstellt, den er mit der
Aufdeckung dieses Betruges ernten kann.
"Aber ... Ich ..."
fleht der technische Direktor.
Ich nehme mir eine Schachtel und
sorge für etwas mehr Druck: "ATM-Karten für
XT-kompatible.
Wie nützlich."
Die Ablehnung wird lauter. Der
technische Direktor gibt alle Versuche, den
Unschuldigen zu
spielen, auf und versucht etwas anderes.
"Wir haben eine
Menge altes Equipment!" keucht er. "Die Karte kann
DOS
beschleunigen!"
Er ist eingekreist und hat keine
Aussicht auf einen Ausweg. Ich weiß es, er weiß es.
Die
Belegschaft weiß es.
"Was zum Henker ist denn das?"
frage ich und deute auf die Rückseite des Stapels
im Lift.
Der technische Direktor eilt in der Hoffnung hinein, weitere
Schwierigkeiten
verstecken zu können.
"Was?"
fragt er, als ich ihn einhole.
"Oh, nichts, einfach all das.
Der Buchprüfer, die Belegschaft, diese nutzlose
Hardware.
Alles. Das ist nicht gut für einen Karrieremenschen, wissen
sie."
"Aber, ich ..."
"Ich meine, wenn
ihr Chef etwas davon erfährt ..."
Wortlos steht er
einfach nur da.
"Andererseits, wenn all dies hier einfach
verschwinden würde ..."
Ein Hoffnungsschimmer erscheint
am Horizont.
"Verschwinden?"
"Wie ein böser
Traum." bestätige ich.
"Wie?"
"Nun,
sie geben mir die Rechnung und dann unterschreiben sie diese
Bewilligung für
einen Fortbildungskurs."
Er liest
sich die Kursbeschreibung durch:
"Aber das ist ein
Zwei-Wochen-Kurs in Amerika, in dem es um Grundlagen von
Netzwerken
geht. Sie wissen das doch alles schon."
"Dann werde ich
viel Zeit zum Vertiefen haben, oder?"
"Aber ..."
"Oh, ist das nicht eine ATM-Karte für den Commodore
C-64?"
"In Ordnung. In Ordnung."
Er
unterschreibt die Unterlagen und wir verlassen den Lift. Ich lege
alle Schachteln
wieder zurück in den Lift, gehe in mein Büro
und rufe den Pförtner an.
"Irgendetwas stimmt nicht mit
dem Lift!" erkläre ich und nutze dessen
Service-Konsole
um seine Beschleunigung ein wenig über die rote Linie hinaus
zu
erhöhen.
Als ich wieder beim Lift ankomme, steht der
Buchprüfer noch immer da. Er hat
offensichtlich etwas
dagegen, den Lift abfahren zu lassen.
"Sie meinen, das hier
sieht schlimm aus", sage ich zu ihm. "Dann sollten sie
erst
einmal sehen, was noch alles beim Pförtner liegt!"
Die Halteverriegelung löst sich mit einem Klick, als er zum
Pförtner verschwindet.
Genau 23 Sekunden später hört
man im gesamten Gebäude den Aufprall eines mit
Waren
vollbeladenen Lifts im 2. Kellergeschoß.
Sowie die Sirenen
der Krankenwagen näherkommen, beginne ich damit,
mir
Reisebroschüren anzuschauen, um einen netten Platz für
meinen
´Auffrischungskurs´ zu finden. Dann rufe ich
unsere Versicherung an, um sie über
den Unfall, durch den all
diese moderne Technik vernichtet wurde, zu informieren ...
Der B.O.F.H. sorgt für Normalität ...
Ich sitze in meinem Büro und genieße die Musik aus
meinem Radio, als ein ´Kollege´
aus einem weiter
entfernten Büro im meiner Tür erscheint.
"Ja?"
frage ich und blicke ihn an.
"Ähm. Könnten sie
ihre Anlage etwas leise stellen - ich versuche, einige Arbeiten
zu
erledigen und da fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren."
Er ist neu hier, überlege ich, statt Politik der verbrannten
Erde hat er eine großzügige
Chance verdient.
"Entschuldigung", sage ich mit einem wirklich
zerknirschten Gesichtsausdruck und
drehe den Lautstärkeregler
von 11 auf 2.
Sehr zur Verwunderung der anderen Kollegen, die
ihren Freunden schon die freie
Stelle melden wollten, verläßt
er fröhlich mein Büro.
Sogar der Abteilungsleiter
bemüht sich her, um zu sehen, ob ich wirklich da bin. Als
er
wieder geht, bemerke ich den Anflug eines Lächelns in seinem
Gesicht.
Fünf Minuten später ist er wieder da und fragt
mich, ob ich ihm bei der Installation
einer Backup-Software für
seinen Laptop helfen könne. Ich weiß nicht warum,
doch
anstatt die DELETE.EXE in BACKUP.EXE umzubenennen, richte ich
die
Backup-Software tatsächlich ein.
...
Jetzt bin
ich sicher, daß irgendetwas nicht stimmt. Ich rufe meinen
Beinahe-Freund,
den Pickelgesichtigen Jüngling (PJ), an und
frage, was er so macht.
Er erklärt mir, daß er die
Probleme einiger Nutzer gelöst und einem Buchhalter
geholfen
hat, seine Maschine nach einem Umzug wieder zum Laufen zu bringen.
Jetzt bin ich wirklich besorgt. Ganz bestimmt läuft
irgendetwas falsch! Er hat das
´B´-Wort benutzt und
nicht das übliche ´Erbsenzähler´.
Der
nächste Tag bricht an und ich beginne ihn mit der Reparatur
einiger Telefone.
Aber mit dem Herz bin ich woanders. Am frühen
Nachmittag bringe ich die Apparate
zurück und entschuldige
mich sogar für die Unannehmlichkeiten. Der
Abteilungsleiter
lächelt noch immer.
Ich war vorsichtig und habe nichts
gegessen. Also muß es etwas anderes sein.
Etwas sehr, sehr
hinterhältiges. Nach einer langen Schlacht mit meinem
Gewissen
werfe ich einen Blick in die Liste der vom
Abteilungsleiter genehmigten Einkäufe,
wobei ich mein
Gewissen damit beruhige, daß ich dies ja nur tue, um dafür
zu sorgen,
daß die Bestellungen auch korrekt ausgeführt
werden.
Ich finde, wonach ich zu suchen glaubte, und zwar in Form
von 10
´Ultra-Positiv´-Ionisierern, die in die
Klimaanlage eingebaut wurden. Noch kann ich
mich nicht dazu
bringen, etwas zu unternehmen, also gehe ich in den
Druckerraum,
schalte die Klimaanlage ab und die Laserdrucker auf
volle Kraft. Eine halbe Stunde
später bin ich beinahe wieder
normal. Ich beende meine Arbeit und gehe nach Hause,
um über
einen Plan nachzudenken.
Am nächsten Morgen stehe ich früh
auf und komme unbeobachtet zur Arbeit.
Mein erster Halt: der Turm
der Klimaanlage auf dem Dach. Ich lokalisiere die
störenden
Ionisierer und programmiere sie mit meinem Hammer neu.
Der
nächste Halt: das Büro des Geschäftsführers, wo
ich den Ionisierer durch einen
von mir gebauten ersetze und gut
verstecke. Dann marschiere ich in die
Telefon-Vermittlung, sorge
für eine Umleitung aller Anrufe direkt zum
Geschäftsführer
und sperre dann die Konsole der Vermittlungsanlage.
Unten im
Computerraum forme ich einen Stolper-Draht aus den Netzkabeln
der
Datenbank- und Netzwerkserver. Dann erwarte ich in meinem
Büro, die Fenster
natürlich weit geöffnet, den
Beginn des Arbeitstages.
Bis 9:45 Uhr passiert nichts, doch nach
15 Minuten voller Anrufe und nach der
Einwirkung meines
Ionisierers ruft der Geschäftsführer genervt
meinen
Abteilungsleiter an. Ich beobachte es und rufe, sobald der
Abteilungsleiter aufgelegt
hat, den Geschäftsführer an.
"HIER IST NICHT DIE VERMITTLUNG!" schreit er.
"Natürlich, Sir. Das weiß ich", sage ich
voller Freundlichkeit und Verständnis. "Ich
habe gerade
festgestellt, daß anscheinend alle Anrufe von der Vermittlung
an ihren
Apparat umgeleitet werden. Die Konsole der Anlage in der
Vermittlung ist auch
blockiert. Überhaupt, die Leute aus der
Vermittlung verhalten sich in den letzten
Tagen recht seltsam -
nun, in Wahrheit haben wir uns in der letzten Zeit alle
seltsam
benommen, glaube ich. Ich werde mich mal im Computerraum
etwas umsehen ..."
Der Abteilungsleiter schaltet in den
Panik-Modus, fegt durch mein Büro, reißt die
Tür
des Computerraums auf. Und dann die Netzkabel der Server heraus.
Ich
schenke ihm ein mitleidiges Lächeln, als er mit Schrecken
feststellt, was er
gerade angerichtet hat.
"Home Team
ONE, ihre Zukunftsaussichten, NULL", sage ich in den
Telefonhörer,
die Hand natürlich vor dem Mikrofon.
"Nichts weiter passiert", sage ich dann, die
Hand nicht
mehr auf dem Mikrofon. "Der Abteilungsleiter hatte gerade einen
kleinen
Unfall ..."
Der B.O.F.H. läßt
sich nicht von einem Wichtigtuer mit einem schicken Auto
anhupen
...
Ich sitze gerade in einem Workshop, als der Abteilungsleiter mit
verwirrtem Blick
hereinkommt. Den Gedanken, er könnte eine
wichtigere Bedeutung des Lebens
gefunden haben als den Versuch
einer rekordverdächtigen Verkörperung
eines
Briefbeschwerers, verwerfe ich schnell wieder und entscheide
mich stattdessen
dafür, ihn nach seinen Gedanken zu fragen.
"Gibt es ein Problem?" frage ich also, und es klingt,
als wären seine Probleme auch
die meinen.
"Ähm
... nein. Kein Problem. Ich hatte nur etwas Ärger mit meinem
Wagen."
"Das königliche blaue Monster im Parkhaus?
Startet es nicht?" will ich wissen.
"Nein, nein. Es
startet perfekt. Zu perfekt, um die Wahrheit zu sagen. Das ist
das
Problem."
Ich weiß, was jetzt kommt, also frage
ich nach. "Zu gut?"
"Ich habe schon wieder einen
Strafzettel für zu schnelles Fahren bekommen?"
"Wirklich?
Wieviele sind es denn insgesamt?"
"Drei. Aber das
Verwunderliche ist, daß der Wagen mit Automatik fuhr und
nicht
schneller war als erlaubt. Doch als ich etwas später
auf den Tacho blickte, war ich
plötzlich schneller als
erlaubt."
"Wirklich?"
"Ja. Von einem
Augenblick zum anderen. Aber wirklich seltsam ist, daß
der
Radarwarner keinen Ton von sich gegeben hat."
"Nun,
die Polizei wechselt manchmal die Frequenzen dieser Blitzer,
damit
Radarwarner nichts nützen." antworte ich, um seine
Neugier zu befriedigen.
"Aber ich habe das Ding doch erst
seit einer Woche! Wenn ich es nicht besser
wüßte, würde
ich schwören, daß der Wagen sich immer den
ungeeignetsten
Augenblick aussucht, um zu beschleunigen. Als ob
die Automatik und der
Radarwarner zusammenarbeiten würden."
Ich murmle etwas vor mich hin.
"Wie bitte?"
"Ich
sagte, die Polizei hat anscheinend etwas Neues erfunden."
"Oh."
Er geht hinaus und denkt offenbar über das Leben ohne
Fahrerlaubnis nach. Ich
verschwinde ins Parkhaus und verlagere
mein neulich gebautes Radarzubehör vom
Wagen des
Abteilungsleiters in den des PJ. Er ist in letzter Zeit etwas
zu
selbstzufrieden, daher ist es gut, ihm in Erinnerung zu
bringen, was es bedeutet, an
der Spitze zu leben.
Nachdem ich
ihm das kleine Spielzeug untergejubelt habe, will ich mich wieder
zum
Lift begeben, als ich plötzlich aus größter
Nähe von zwei lauten Hupen angegriffen
werde. Hinter mir ist
ein rotes Kabriolett nebst Eigentümer aufgefahren und
wartet
darauf, daß ich den Weg freigebe. Der Name auf dem
Schild des Parkplatzes dieses
Wagens wird augenblicklich in mein
Langzeitgedächtnis übertragen.
Als ich wieder im Büro
bin, fällt mir auf, daß ich die Ausbildung des
PJ
vernachlässigt habe, und beschließe, dies
unverzüglich zu berichtigen. Ich berichte
dem PJ von meinem
Erlebnis mit dem viel zu ungeduldigen Verkaufsmanager und
seinem
sportlichen Kabrio.
"Sollen wir seine Telefonleitung
kappen?" fragt der PJ brennend interessiert.
"Nein,
nein", antworte ich. "Dies ist ein spezieller Fall, der
spezieller Behandlung
bedarf. Nehmen sie mal das Buch dort."
"Das mit dem Metalleinband?"
"Genau."
Er
greift nach dem Buch, nimmt es und stürzt zu Boden. Sekunden
später ist er
wieder bei Bewußtsein.
"Was ist
passiert?" fragt er benommen.
"Der älteste Trick
in dem Buch. ´Welches Buch?´ fragen sie Nun, der
´Bastard
Operator-Führer´. Der Wälzer der
Hölle."
"Aber was ist passiert?"
"Als
sie das Buch hochgehoben haben, hat ein kleiner Schalter am Boden
des
Buches eine gesunde Dosis Spannung an den Buchumschlag
abgegeben. Mit diesem
Buch kann man nie vorsichtig genug sein."
"Oh."
Er ist nicht gerade fröhlich, aber eine
gute Ausbildung gibt es nicht umsonst.
"Okay", sage
ich, "nehmen sie ein Paar Gummihandschuhe und schlagen dann
Seite
43 auf, den letzten Absatz."
"Diesen über
Internet-News hier?" fragt er.
"Genau, dieser
Abschnitt. Jetzt können sie mir vielleicht helfen, die Nachricht
zu
schreiben, die unser Freund an eine große Anzahl auf Sex
spezialisierter
Newsgruppen senden wird. Für welche sexuelle
Perversion wird er sich wohl
interessieren?"
Fünf
Minuten später haben wir ein virtuelles Meisterwerk geschaffen,
das ihm die
Aufmerksamkeit einer großen Anzahl seltsamer
Leute im Internet verschaffen wird.
"Soll ich die Nachricht
abschicken?" fragt der PJ.
"Noch nicht sofort. Sie
wissen, daß diese Nachricht enormen E-Mail-Verkehr
auslösen
wird, der den Server regelrecht überfluten kann, und daher
der
System-Adminstrator eingreifen wird?"
"Sie
meinen, er wird es bekanntmachen?"
"Wir können uns
nicht darauf verlassen. Nehmen wir als Antwortadresse die
des
Cheftelefonisten. Das ganze Haus wird es wissen, bevor einer
es wagen wird,
diesen Verkaufsmanager zu informieren."
"Sie
sind ein wirklicher Schweinehund!"
"Bis ins Fleisch, an
der Tastatur und erbarmungslos durch das Leben anderer
Menschen
stapfend." antworte ich in einen Anflug von Hochmut.
Später
an diesem Tag marschiere ich in das Parkhaus und beobachte eine
Person aus
dem Lift heraustreten und sich zu einem kleinen roten
Kabrio schleichen. Der
Ausdruck in seinem Gesicht zeigt, daß
er nicht nur von draußen Angebote bekommen
hat ...
Als
er in einen langen Urlaub verschwindet, um seine Erinnerungen zu
erforschen,
kehre ich in mein Büro zurück, um die Arbeit
des Tages zu beenden. Ich mache eine
kurze Pause, um dann sogleich
seine Akten in den Mülleimer zu werfen ...
Der B.O.F.H. erlebt seinen Schwarzen Mittwoch ...
Dieser Mittwoch entpuppt sich als denkwürdiger Tag, als ich
in das Büro des
Abteilungsleiter gebeten werde, um angeblich
einige wichtige Informationen zu
bekommen. Anwesend sind neben dem
Abteilungsleiter noch ein technischer
Manager und unser
Personalchef. Ein Treffen mit drei gleichgesinnten
Schwachköpfen,
könnte man sagen - oder fünf, wenn man den Briefbeschwerer
und
den Mülleimer mitzählt, die weitaus mehr arbeiten
und der Firma mehr Geld bringen,
als die anderen drei.
"Wir,
ähm, also, wir haben uns entschlossen, ihren Vertrag nicht zu
verlängern",
meint der Abteilungsleiter nach einigen
Sekunden gespannter Stille.
Ganz plötzlich haben der
technische Manager und der Personalchef interessante
Dinge zum
Anschauen an der Decke und auf dem Boden gefunden. In
der
Zwischenzeit, so scheint es, bemüht sich der
Abteilungsleiter darum, den
Weltrekord im Schwitzen zu brechen. Er
erwartet offenbar das Schlimmste, also soll
er es bekommen.
"In
Ordnung", sage ich leise. "Ich verlasse die Firma dann in
vier Wochen, schätze
ich."
"Ähm, nun, wir
haben uns entschlossen, sie jetzt schon auszuzahlen. Sie bekommen
das
Geld für die letzten vier Wochen. Eigentlich können sie uns
verlassen, wann
immer sie wollen, also auch sofort." lockt
er. "Wir würden diese Lösung vorziehen."
"Okay",
sage ich. "Ich suche meine Sachen zusammen und verschwinde
dann."
"Ähm, wir haben den Sicherheitsdienst
gebeten, sich darum zu kümmern", erklärt
der
Abteilungsleiter auf einen Ausbruch wartend. "Draußen
steht eine Kiste."
"In Ordnung. Man sieht sich",
sage ich und verschwinde, nachdem ich mir meine
Sachen gegriffen
habe.
Im Fahrstuhl treffe ich auf den verblüfften PJ.
"Was
werden sie unternehmen?" fragt er schockiert.
"Ich? Ich
werde Urlaub machen, ein paar Bücher lesen - keine Ahnung."
"Nein, ich meine, weil die sie rausschmeißen."
"Ach das! Wirklich nichts. Ich bin sicher, sie werden auch
ohne mich klarkommen."
Ein Grinsen huscht über sein
Gesicht, als er sich die Zukunft vorstellt.
"Ich werde
sehen, was ich tun kann ..." verspricht er.
Drei Tage später
klingelt das Telefon. Es ist der Abteilungsleiter.
"Äh,
ich wollte fragen, ob sie vielleicht wieder zurückkommen
könnten." höre ich ihn
nuscheln.
"Warum?
Mein Lehrling macht doch alles richtig, oder?"
"Ähm,
nein, nicht wirklich."
"Seltsam. Dabei habe ich ihm
doch alles beigebracht, was ich weiß", antworte ich
und
bringe die Kugel langsam ins Rollen.
"Ja, das hatten wir
befürchtet."
"Wie bitte?"
"Ich weiß
auch nicht. Er macht nur noch Fehler. Zumindest behauptet er, es
handele
sich dabei um Unfälle."
"Was für
Unfälle?"
"Alles mögliche! An einem Tag
´reparierte´ er eine ´unnormale´ Einstellung
der
Heizung im Sitzungszimmer und kochte so die tropischen Fische
im Aquarium des
Geschäftsführers; seine ´Wartung´
des Lifts ließ mich und einen Manager zur
Mittagszeit eine
Stunde lang zwischen der dritten und der vierten Etage hin-
und
herfahren; der Monitor mit den Aktienkursen zeigt nur noch
holländische Pornokanäle
an; die Sicherheitstüren
lassen die Leute nicht mehr zu den Toiletten - bis auf eine
Ausnahme,
als sie eine nervöse Sekretärin nicht mehr herausließen
- und einer aus
der Geschäftsleitung hörte ihre wilden
Hilfeschreie, die ihn so erschreckten, daß er
für vier
Tage klinisch tot war."
"Nun, die Betreuung eines
Netzwerkes ist eine heikle Sache. Und er wird es noch
lernen,
denke ich."
"Gut, gut, aber könnten sie nicht
zurückkommen und die Sachen wieder in Ordnung
bringen? Die
Passwörter für die Anmeldung im Netzwerk sind nur noch
einen Tag
gültig und mit jedem Tag müssen sie um einen
Buchstaben länger werden. Am Ende
der Woche sind wir bei 15
Zeichen angekommen, und sie wissen doch, wie wenig es
der große
Boss liebt, seine Initialen fünfmal hintereinander einzutippen."
"Nun, ich weiß nicht recht ...", sage ich auf das
Unvermeidliche wartend.
"5000 mehr pro Jahr?"
"Zehntausend?"
"Okay, zehntausend!"
"Und
ich mochte noch nie diese Klauseln zur persönlichen Haftung."
"DAS HAT SIE DOCH VORHER NIE GESTÖRT!"
"Stimmt,
aber irgendwann rächt sich sowas und sie kriegen einen doch noch
..."
"In Ordnung, alles klar. Wann können sie
wieder anfangen?"
Einen Tag später ist der Status Quo
wiederhergestellt. Der PJ gibt mir einen kurzen
Überblick
über die Dinge, die während meiner Abwesenheit passierten.
Der
Wendepunkt war offenbar ein Unfall auf der Rolltreppe, bei dem
die Frau des
Abteilungsleiters, die für ihn bestimmte
Geburtstagstorte, der Anzug des
Geschäftsführers und
eine plötzliche Änderung der
Rolltreppengeschwindigkeit
zusammentrafen. Ein außerordentlich
seltenes Zusammentreffen ...
Das Telefon klingelt und gutgelaunt
nehme ich ab.
"Ist dort der Netzwerk-Betreuer?" fragt
eine Stimme.
"Ja ..."
"Ich habe ein Problem
mit dem neuen Rechner und dem Netzwerk."
"Geht es um
einen Pentium?" rate ich.
"Ja."
"Oh-oh.
Der Hersteller hat uns gerade ein Fax wegen Problemen mit
der
elektrostatischen Aufladung geschickt."
"Was?"
"Um das Problem zu lösen, müssen sie einfach das
Gehäuse öffnen ..."
"Okay."
"Die
Netzwerkkarte herausnehmen ..."
"Gemacht."
"...
und einen schmalen Metallstreifen am Verbindungsstecker zum
Mainboard
anbringen, um statische Aufladung zu verhindern."
"Gut."
"Jetzt stecken sie die Karte wieder ein
und schalten den PC an."
"Okay, ich schalte jetzt ..."
KNALL!
"Arghh ...!"
<Klick>
Es ist
schon lustig, wie man die gute alte Zeit vermissen kann ...
Der B.O.F.H. und sein Partner rächen sich für gestohlenen Platz ...
"Da geht er hin ..." murmelt der PJ, als der neue
Programmierer aus seinem Büro
schleicht und nach Hause geht.
Der arme Mann leidet unter Verfolgungswahn, der
natürlich
nichts damit zu tun hat, daß sein Büro in einem Raum
eingerichtet wurde,
der früher zum Computerraum gehörte.
Die Bosse meinten, der Platz würde nicht
genutzt und haben
ihn geklaut, um das Programmiererbüro einzurichten.
Leider
kam ich nicht an die Pläne heran, bevor sie das Zeichenbrett
verlassen hatten,
doch der PJ hat es wenigstens noch geschafft,
die Angaben für die Bauleute neu zu
'berechnen' und die
Kabelschächte zu 'optimieren'. Es ist lustig, daß nun die
Wände
nach innen einzustürzen scheinen und der Türgriff
sich immer dann erhitzt, wenn die
Klimaanlage in Betrieb ist.
Ganz im Geiste der Wiederverwertung haben die Bosse auch noch
alle anderen
Büros nach ungenutzten Möbeln durchsucht,
bevor der Programmierer eingestellt
wurde. Bei uns fanden sie den
Schrank des Todes, den wir genutzt hatten, um die
Back-Ups der
Erbsenzähler aufzubewahren. Äußerlich gleicht der
Schrank des
Todes normalen Aktenschränken. Und er verhält
sich auch so - bis man ihn schließt.
Das löst dann
nämlich ein fünfsekündiges Brummen aus. Und Momente
später findet
der Programmierer die Arbeit des Tages auf
mysteriöse Weise ausgelöscht vor.
Verblüffend, wie
klein ein Aktenvernichter sein kann ...
Die Fernsteuerung für
den Stuhl des Programmierers war die Idee des PJ. Der
Programmierer
kann problemlos die Höhe der Sitzfläche einstellen,
doch
seltsamerweise scheint der Gasdruck in der Höheneinstellung
in unregelmäßigen
Abständen abzufallen und die
Sitzfläche saust dann nach unten. Der arme Mann
scheint ein
wenig zu hinken. Möglicherweise ein Gelenkproblem.
Der
Abteilungsleiter hat mitbekommen, daß etwas passiert ist - das
sollte er auch,
denn er hat den Diebstahl des Raumes zu
verantworten. Ich bin sicher, er denkt
immer daran, wenn diese
scheußliche Türklinke ihm ihren Umriß in die
Handfläche
brennt ...
Nach einem persönlichen
Telefonat des Programmierers mit dem Abteilungsleiter,
das der PJ
und ich nur zufällig belauschten, weil das Mikrofonkabel
versehentlich mit
einer redundanten UTP-Verbindung verkabelt war,
scheint er anzunehmen, daß wir
etwas mit seinen Problemen zu
tun haben. Offenbar glaubt er die skandalösen Lügen,
die
der Abteilungsleiter ihm auftischte, denn er lud uns zu einem
Gespräch ein ...
"Ich habe gehört, daß sie
für all das verantwortlich sind", sagt er.
"Wofür?"
frage ich unschuldig.
"Diese Belästigungen! Ich will,
daß das aufhört. Ich arbeite an einem wichtigen
Projekt
und werde Störungen nicht dulden."
Ich bin kein Freund
harter Worte und der PJ sieht auch nicht so aus, als würde er
sie
mögen.
"Wissen sie, wieviel man mir bezahlt?"
fährt der Programmierer fort.
"Keine Ahnung", lüge
ich, damit ich nicht vorgeben muß, ich sei verärgert, weil
er
mehr bekommt, als der PJ und ich zusammen.
"Ich mache
ihnen einen Vorschlag", sage ich. "Sie teilen ihr Glück
mit uns und wir
werden sehen, was sich machen läßt.
Jede Woche ein paar Scheine für jeden von
uns. Nennen wir es
einfach Miete für die Nutzung des Computerraumes."
"NIEMALS!"
In stiller Einigkeit gehen der PJ und
ich hinaus. Wohl als Folge eines kleinen Unfalls
wegen
fehlerhafter Verkabelung seiner Schreibtischlampe (Ich hasse diese
billigen
Importe!) lädt uns der Programmierer zwei Tage
danach zu einer weiteren
Unterredung ein.
Mit einer
großzügigen Spende für unsere Weihnachtskasse kehren
wir in unser Büro
zurück.
Einige Zeit später
bittet der Programmierer mich und den PJ erneut in sein Büro.
Er
hat dieses selbstzufriedene Lächeln aufgesetzt, daß
auf nichts Gutes hindeutet.
"Ich, ähm, ich hätte
gern mein Geld zurück", sagt er um Lässigkeit bemüht.
"Entschuldigung", entgegne ich leise. "Es wurde in
schon in den laufenden Betrieb
investiert.
"Nun, bestimmt
können sie es wieder zurückholen. Natürlich nur, wenn
sie
wünschen, daß diese Angelegenheit nicht bei der
Geschäftsführung landet."
Er klickt auf ein Icon
seines Bildschirms, worauf eine Aufzeichnung auftaucht, die
er
heimlich mit der Kamera, die zu seinem Laptop gehört,
gemacht haben muß - eine
Aufzeichnung unserer letzten
Begegnung mit Ton und allem.
Er lächelt.
Ich lächle
zurück und nicke dem PJ zu.
Ein Stolpern-über-den-Bodenbelag
später liegen die Trümmer des Laptops auf dem
Boden, ein
riesiger Handabdruck dekoriert die ehemalige Festplatte.
"Ups",
keucht der PJ. "Muß wohl der Zuckermangel im Blut sein
..."
"Ein guter Versuch", spottet der
Programmierer, "Aber nicht gut genug. Ich habe
Backup-Bänder."
"Aha. Und befürchten sie nicht, daß ich irgendwie
an die Bänder herankommen
könnte?" frage ich nach,
um herauszufinden, wo sie liegen.
Er lächelt zufrieden.
"Wovor sollte ich mich fürchten? Sie sind sicher
weggeschlossen."
KRACH!!
Ein
Fünf-Sekunden-Brummen-und-Krachen später kehren der PJ und
ich in unser
Büro und die Normalität zurück.
"Soll
ich die Spannung an der Türklinke etwas erhöhen?"
fragt der PJ.
"Alles was drin ist! Oh, und die Tischlampe
wirkte ein wenig gedämpft, wenn sie
gerade dabei sind ..."
Mit soviel Initiative hat er noch eine glänzende Zukunft vor
sich ...
Der B.O.F.H. ist dem Wahnsinn nahe und der PJ folgt ihm ...
Es ist ein ruhiger Tag, als der Abteilungsleiter mit einem Stapel
offiziell aussehender
Papiere im mein Büro kommt, was nur
eins bedeuten kann - er will einen weiteren
Versuch machen, mich
loszuwerden. Eine große persönliche Tragödie wird
sich
ereignen. Und sie wird nicht mich betreffen ...
"Simon,
schön, daß ich sie treffe!"
Angesichts der
Tatsache, daß es 14:30 Uhr am Zahltag ist und gerade keine
teure
Hardware rumliegt, die bequem in meine Geldtasche passen
würde, ist seine Freude
geheuchelt.
Er versucht
offensichtlich, von seinen wahren Motiven abzulenken.
"Ich
habe eine Anweisung vom Personalchef bekommen. Der Boss will, daß
wir alle
an persönlichen Interviews teilnehmen, bevor es in
diesem Jahr Gehaltserhöhungen
gibt.
Die
´Lohnerhöhungs-Fabel´ wurde schon früher
benutzt, und normalerweise erweist
sie sich als riesige
Übertreibung. Wie auch immer, eine Lohnerhöhung ist
eine
Lohnerhöhung, also nicke ich nur.
Der
Abteilungsleiter schöpft Kraft aus der Tatsache, daß er
schon so weit
gekommen ist und fährt fort.
"Ihr
Interview ist für den morgigen Tag um 10:00 Uhr angesetzt. Ist
das in Ordnung?"
fragt er voll geheuchelter Freundlichkeit.
"Natürlich habe ich dann Zeit", antworte ich
unschuldig wie Bambi lächelnd.
Der Abteilungsleiter dankt
mir und geht hinaus, wobei er ein selbstgefälliges Grinsen
kaum
unterdrücken kann. Ja, es liegt etwas in der Luft ...
Der
nächste Morgen bricht an und ich bin schon um 9:00 Uhr da, um
den Eingang zu
beobachten.
Die Zeit vergeht ereignislos bis
9:48 Uhr, als sich mein Verdacht bestätigt. Eine
blasse,
abgezehrte Gestalt mit nachdenklichem Bart, Brille und
medizinisch
wirkendem weißen Hemd nebst unauffälliger
Krawatte betritt das Gebäude.
Ein Mittelklasse-Psychologe,
wenn ich mich nicht zu sehr täusche.
Ich gehe zum PJ, um
kurz mit ihm zu sprechen. Er nickt einfach. Wortlos meldet er
sich
bei den verschiedensten Kontrollsystemen an, wobei er den Kopf
schüttelt.
Beim Interview, einem typischen Psychologen-Ding,
geht es um Tintenkleckse,
Geschichten über die Kindheit,
Träume und so weiter ...
Ich entscheide mich dazu,
Bestleistungen zu zeigen, und sehe massenhaft Hexen
und
Mörderinnen in den Tintenklecksen, ´erinnere´ mich
an einige verstörende
Kindheitserlebnisse und erzähle,
daß in all meinen Träumen Äxte, Gewehre und
ähnliche
´Spielzeuge´ auftauchen.
Eine Stunde später
scheint der Psychologe die Ruhe selbst zu sein, lächelt viel,
läßt
mich aber keinen Moment aus den Augen.
Ich
lächle ihn an.
"Kaffee?" frage ich.
Er ist zu
ängstlich um abzulehnen und nickt.
Kaum eine Minute später
erscheint der PJ schon mit Kaffee und beobachtet
gespannt, wie es
weitergeht. Ich lächle weiter, um die Stimmung
aufrechtzuerhalten.
Ein Haufen Sicherheitsdienstler stürmt
herein, als wir etwa die Hälfte des Kaffees
getrunken haben.
Offenbar versuchen sie nicht nur, mich loszuwerden, sondern
mich
gleichzeitig auch bloßzustellen - möglicherweise,
um sich der Loyalität des PJ
während meiner Abwesenheit
zu versichern ...
Der Psychologe scheint sprechen zu wollen.
"Simon, ich fürchte, sie sind das, was wir als
Soziopath bezeichnen. Sie haben einige
tief verwurzelte Probleme,
die ich als von der Regierung bestellter
Gesundheitsberater ..."
Regierung? Diese Schweinehunde!
"... als Gefahr für
sie selbst und ihre Kollegen ansehen muß."
Er ist
wirklich schnell, oder?
Er scheint sich nun auch ein wenig unwohl
zu fühlen, was nicht überraschend kommt,
wenn man an das
starke Abführmittel, das der PJ mit dem Kaffee mischte,
denkt.
Aber warten wir ab ...
Den inneren Kampf verlierend, zu
bleiben und auszuharren oder sich zu erleichtern,
stürmt er
zu den Toiletten, um festzustellen, daß sie verschlossen sind,
wenn ich
mich nicht irre.
Seltsam, denn der einzige Schlüssel,
mit dem man sie verschließen kann, ist der
Generalschlüssel,
der im Hi-Tech-Safe des Sicherheitsdienstes (drei Drehungen
zur
37, zwei Drehungen zur 12 und einmal zur 45) aufbewahrt wird,
dessen
Kombination niemand kennt.
Während der Psychologe
rennend das Treppenhaus erreicht, kommt der
Abteilungsleiter
herein und nimmt mit teuflischem Grinsen meinen
psychiatrischen
Beurteilungsbogen. Hämisch grinsend geht er
mit mir zurück ins Büro, aber ich bin
viel zu
beschäftigt damit, die Monitore der Überwachungsanlage über
seiner Schulter
zu beobachten. Der Psychologe versucht den
kürzesten Weg zur nächsten Toilette
zu nehmen - eine
Etage tiefer.
Seltsamerweise ist auch hier die Tür
verschlossen ...
In der Etage darunter gibt es eine Tür, die
nicht verschlossen werden kann, doch acht
große Kisten mit
28 Zoll-Videomonitoren, von denen jeder rund eine Tonne
wiegt,
blockieren sie. Man bräuchte einen Gepäckwagen um
die Kisten zu bewegen ...
Der Psychologe weiß, daß er
es nicht mehr bis zu den Treppen schaffen wird, als er
einen
rettenden Hoffnungsschimmer in Form eines Abfalleimers
im
Lieferanteneingang der Cafeteria erblickt.
Seine
Erleichterung ist riesig, doch sie wird weder vom Personal der
Cafeteria, das
ihn zur Unzeit überrascht, noch von meinem
Abteilungsleiter geteilt, als ich ihn auf
den Monitor hinweise.
"Es ist wirklich gut, eine Einschätzung der
Angestellten von einem so umsichtigen
und intelligenten Mann zu
bekommen", zwitschere ich, als ich ihm meine Beurteilung
aus
den Händen nehme und in den Mülleimer werfe, den die
Beurteilung nun als neue
Heimat betrachten kann.
Der B.O.F.H. läßt seinen Abteilungsleiter singend dahinschmelzen ...
Der Abteilungsleiter hat sich zu einer Plage entwickelt. Traurig
aber wahr. Und hinzu
kommt, daß die Ausbildung des PJ noch
nicht abgeschlossen ist. Es muß also etwas
geschehen.
Der
Abteilungsleiter spürt, daß etwas im Gange ist und will
sich bei mir
einschmeicheln, indem er mich immer wieder um
technischen Rat fragt und mir dann
überschwenglich dankt. Mit
anderen Worten - er nervt. Ich hätte besser niemals das
Telefon
abgenommen, als er anrief ...
Den schlimmsten
Einschmeichelversuch unternahm er, als er seine
Stereoanlage
mitbrachte, um meinen Rat für deren Reparatur
einzuholen. Ich weiß nicht weshalb,
aber er scheint zu
glauben, daß ich mich mit allem auskenne, das etwas mit
Technik
zu tun hat, nur weil ich etwas von den Innereien eines
Netzwerkes verstehe.
Nun, ich mustere die Stereoanlage kurz, um
den Fehler zu finden und stelle schnell
fest, daß Ein- und
Ausgang vertauscht sind.
"Wo liegt das Problem?" frage
ich.
"Es ist das Band", jammert er. "Es
funktioniert nicht mehr richtig, seit wir die Anlage
ins
Gästezimmer gestellt haben. Selbst wenn wir die Lautstärke
voll aufdrehen,
hören wir nur das Laufgeräusch, das die
Kassette verursacht."
"Hm", murmle ich
nachdenklich. "Wir brauchen möglicherweise die
Lautsprecher, um
uns einen kompletten Überblick zu
verschaffen."
"Ich hole sie in der Mittagspause."
antwortet er begeistert.
Drei Stunden später stehen die
kleinen Schönheiten auf dem Tisch. Ich schließe
die
Überlastungssicherungen kurz, während der PJ die
Lautsprecher mit Tüten voller
Isopryl-Alkohol und
Brandbeschleuniger füllt. Eine halbe Stunde später haben
wir
ein kleines Meisterwerk geschaffen und stehlen uns davon,
nachdem wir es
eingeschaltet haben.
Fünfzehn Minuten
später - wir spielen inzwischen Poker im Lagerraum - hören
wir
die ersten lauten Töne eines Liedes von Neil Diamond. Ich
schaue den PJ an.
"Der Lautstärkeregler müßte
funktionieren", murmelt er, seine elektrischen
Kenntnisse
betonend.
Ein paar Sekunden später hören wir einen
Knall aus dem Kontrollraum, als Neil nicht
nur ein Gitarrensolo
abfeuert, sondern auch ein teures Lautsprecherpaar.
Der PJ und
ich können die Warntöne der Sauerstoffüberwachung der
Klimaanlage
hören, was bedeutet, daß der
Abteilungsleiter nun eine Entscheidung treffen muß -
die
Lautsprecher retten und dabei ersticken, oder sein Leben retten.
Das
Verstummen der Warntöne sagt uns, daß er sich für das
Leben entschieden hat.
Wir geben ihm ein paar Minuten zur
Erholung, dann nehmen wir uns etwas
Equipment und gehen zurück,
dabei stolpern wir beinahe über eine riesige Kiste
mit
Terminatoren für das Netzwerk.
"Ups",
murmelt der PJ. "Wir sollten die Kiste lieber umstellen ...
später."
Da entdecken wir auch schon den
Abteilungsleiter, der an einer Sauerstoffmaske
hängt und den
vergangenen Horror noch einmal durchlebt.
"Es fing einfach
Feuer", plärrt er, "und dann gingen diese Akten in
Flammen auf,
dann die Ordner, dann die Türverkleidung, die
brannte wie Zunder, dann ..."
Ihm kommt ein Gedanke, sucht
nach Informationen, findet nichts und verschwindet
wieder. Er
starrt uns an.
"Sie Schweinehund!" sagt er schockiert.
Der PJ und ich tauschen bestürzte Blicke aus.
"Wir
waren im Lager!" beteure ich mit der Unschuld eines Engels.
Er
unterbricht sich kurz und nimmt die Maske vom Gesicht, um meine
Aussage zu
prüfen.
Das ist nicht die einzige
Unterbrechung an diesem Tag, denn das Brechen eines
Armes und des
Schlüsselbeins folgen kurz darauf, als er auf runden
Terminatoren
durch den Gang in die unvorsichtig gefüllten
Aktenschränke schleudert, die prompt
über ihm
einstürzen.
Scheußlich. Wir teilen das dem Ermittler
von der Polizei mit, als er erscheint. (Die
neue Politik des
Abteilungsleiters sieht vor, daß alle Unfälle der Polizei
gemeldet
werden müssen.) Und dieser Fall sollte als Testfall
betrachtet werden. Der Polizist
notiert traurig die Details und
holt dann noch eine Stellungnahme des
Geschäftsführers
ein. Zwei Stunden später wirft er seine Aufzeichnungen weg,
denn
es handelt sich nun um einen ´Arbeitsunfall´, und
nimmt eine lautsprecherlose
Stereoanlage mit, für die wir
keine Verwendung mehr haben.
Beim Hinausgehen bleibt er kurz
stehen.
"Sie sind doch der Netzwerkmensch?" fragt er
mich.
"Ja", bestätige ich nickend.
"Kennen
sie sich mit Videorecordern aus? Meine Frau will ..."
Aufhängen
ist noch zu gut für sie ...
Der B.O.F.H. verläßt sich darauf, daß Manager sich niemals erinnern ...
Es ist Zeit für die vierteljährlichen
Budget-Besprechungen, und ich versuche, die
Manager davon zu
überzeugen, daß wir das Ethernet in einer der
Außenstellen
ausbauen sollten.
Nach etwa einer Stunde
hört sich das so an:
Manager 1: "Sie sagen also, daß
10 Millionen dieser ´Bit´-Dinger PRO SEKUNDE
nicht
schnell genug ist?"
Ich: "Genau."
Manager 2:
"Er hat recht, müssen sie wissen. Ich war in dieser
Außenstelle und die
Geschwindigkeit dort war wirklich mies!"
Manager 1: "Es klingt einfach nicht besonders plausibel! Zum
Teufel, ich kann kaum
ZEHN Dinge gleichzeitig beherrschen."
Ich: "Das überrascht mich nicht."
Manager 1:
"Wie bitte?"
Ich: "Ich sagte, diese Zahl
überrascht mich wirklich. Ebenfalls, ich meine ..."
Manager 1: "Oh."
Ich: "Sehen sie, als mein
Vorgänger das Netz einrichtete, machte er es auf die
billigste
Art und Weise. Alle Geräte sind sternförmig mit dem
gleichen Rechner
verbunden. Das ist so, als würden alle die
gleiche Straße zur Arbeit nehmen."
Manager 1: "Aber
wir haben UNHEIMLICH viel für dieses Netzwerk bezahlt!"
Ich: "Das war vor vier Jahren. Netzwerke waren damals teurer
als heute. Und ..."
Manager 1: "Und was?"
Ich:
"Und ursprünglich sollte ja jeder seine eigene
Netzwerk-´Straße´ bekommen."
Manager 2:
"Was ist daraus geworden?"
Ich: "Nun, vermutlich
eine Kombination finanzieller und verteilungstechnischer
Probleme."
Manager 2: "Was heißt das?"
Ich: "Er hat
quasi eine Leitung durch alle Büros gezogen, das
übriggebliebene
Material verkauft und ihnen noch einmal
berechnet."
Manager 1: "Wirklich?"
Ich: "Ja,
so ist das mit weniger zuverlässigen Netzwerk-Ingenieuren."
Manager 1: "Ich finde, daß das schwer zu glauben ist.
Irgendwo muß ein Irrtum
vorliegen. Er hat mir versichert,
alles richtig gemacht zu haben."
Ich: "Ähm,
vermutlich hat er gesagt, SIE hätten alles richtig gemacht."
Manager 1: "Nein! Ich bin sicher, daß er uns nicht
übers Ohr gehauen hat!"
Ich: "Na gut, dann sagen
sie mir, wieviel er verdient hat?"
Manager 1: "Siebeneinhalb
[australische Pfund] pro Stunde."
Ich: "Und welches
Auto fuhr er?"
Manager 1: "Ein Mercedes Kabrio."
Ich: "Welche Kleidung trug er?"
Manager 1: "Gute
italienische Anzüge."
Ich: "Werden die Dinge jetzt
ein wenig klarer?"
Manager 1: "Sie wollen also sagen
..."
Ich: "Ja, das will ich."
Manager 1: "Er
..."
Ich: "Er hat es getan!"
Manager 2: "Wie
schlimm IST das?"
Ich: "Zur damaligen Zeit war es nicht
schlecht, aber nach allen Erweiterungen, die es
inzwischen gab,
verschwenden die Angestellten wertvolle Zeit damit, auf das
Netzwerk
zu warten."
Manager 3: "Was schlagen sie vor?"
Ich: "Nun, wie sie hier sehen können, empfehle ich UTP
für die Workstations und
Cat-5, so daß wir auf ATM
umsteigen können, wenn diese Technologie sich weiter
verbreitet
und durchsetzt. Damit könnten wir die Kosten für eine
komplett neue
Verkabelung in ein paar Jahren einsparen."
Ich
unterbreche meine Darlegungen kurz, um ihren Gehirnen Gelegenheit zu
geben,
sich von den Abkürzungen zu erholen.
Manager 1:
"Wieviel wird es kosten?"
Ich: "Nun, es wird nicht
billig. Aber wenn man die Kosten über einen Zeitraum von
fünf
Jahren betrachtet, wird es ein fairer Preis, vorausgesetzt, die
Verkabelung wird
durch mich und meinen Assistenten durchgeführt
und die Zeit als Überstunden mit
doppeltem Stundensatz
abgerechnet. Natürlich könnten wir auch ein
anderes
Unternehmen damit beauftragen, doch wie sie leicht sehen
können, würde das dann
das Dreifache kosten und auch
nicht schneller fertig sein. Und wenn wir es sind, die
die Kabel
verlegen, werden wir auch besser auf mögliche Probleme in der
Zukunft
reagieren können ..."
Manager 2: "Das
klingt plausibel. Es scheint so, als hätten sie alle Aspekte
der
Problematik dargelegt. Ich stimme ihrem Vorschlag zu. Ist
jemand dagegen?"
Zwei Wochen später zieht der PJ in die
Außenstelle und beginnt mit der Arbeit.
"Wir tauschen
also wirklich nur die alten UTP-Verbindungskabel gegen welche
mit
einer anderen Farbe aus, lassen ein paar abgeschnittene
Cat-5-Kabelenden im Gang
liegen und bohren ein paar Löcher in
die Kabelverkleidung?" will er wissen.
"Ja! Ein oder
zwei Wochen lang."
"Wird man das nicht herausfinden?"
"Nun, sie KÖNNTEN, wenn es irgendwo eine Dokumentation
gäbe, in der steht, daß
das Cat-5-Kabel schon vorhanden
ist, aber unglücklicherweise fiel dieses
Schriftstück
heute früh in den Reißwolf." antworte ich.
"Also
wechseln wir in Wirklichkeit nur die Farbe der Anschlußkabel?"
"Genau!"
"Aber wieso soll das die Performance
steigern?"
"Das doch nicht. Aber wenn ich den
Traffic-Generator im Computerraum des
zweiten Stockwerkes
abschalte, der seit Jahresbeginn wöchentlich etwa ein
Prozent
mehr Datenverkehr verursacht hat, wird die Performance
merklich ansteigen."
"Also gaukeln wir nur eine Menge
Arbeit vor und betrügen sie."
"Und vergessen sie
nicht die erstklassigen Cat-5-Kabelrollen, die wir
weiterverkaufen
können."
"Sie Bastard!"
"Hey, ich
hätte sie beinahe auch für neue Netzwerkkarten bezahlen
lassen, doch ich
hatte Mitleid."
"Waren die
Geschichten über ihren Vorgänger erfunden?"
"Nein.
Er hat es ebenso gemacht, nur in einer anderen Außenstelle ..."
Der B.O.F.H. spürt, daß etwas Seltsames vorgeht - und er nutzt sein Netz ...
Etwas sehr verdächtiges passiert in unserer Abteilung. Ich
nehme die Zeichen wahr,
als ich unsere Etage erreiche - die
Atmosphäre unterdrückter Vorahnungen.
Erster Halt, mein
internes Postfach - der Abteilungsleiter plaziert seine Bomben
lieber
hier, um sich dann in die trügerische Sicherheit seines Büros
zurückzuziehen.
Nun, Naivität kennt manchmal keine
Grenzen.
Wie erwartet finde ich etwas, das auf der Richterskala
der Bürokratie durchaus als
eine Bombe bezeichnet werden
kann.
Als Versuch, die Planungen für die Zukunft zu
standardisieren, haben die Chefs eine
´Richtlinie für
Zukunftsplanungen´ festgelegt. Schlimmer konnte es kaum kommen.
Jeremy, der die Idee dazu hatte, verfügt über die
Initiative und Weitsicht eines
Schraubstocks und hat neulich 10
analoge Diktiergeräte gekauft, die 6000 Pfund
gekostet haben.
Die teuersten Bleistift-Kästen in der Geschichte der Firma ...
Damit ich nicht falsch verstanden werde, das ist einfach eine
weitere Episode der
Saga "Der Krieg der Erbsenzähler
gegen die Techies". Ich lese weiter und stelle
fest, daß
alle Einkäufe in der Zukunft von der Buchaltung geprüft und
genehmigt
werden müssen, um sicherzustellen, daß sie
den Zukunftsvorstellungen der
Chefetage entsprechen ...
Ich
erhalte eine Frist von zwei Wochen, bevor Ihr-wißt-schon-wer
sich mit einem
Klopfen an der Tür ankündigt. Jeremy
kommt herein.
"Ah, Simon, nur ein paar Unklarheiten",
sagt er. "Dieses kabellose LAN-Zubehör
zum Beispiel. Sie
wissen doch, daß wir das im Moment noch gar nicht
einsetzen
können?"
"Auf welche Weise?"
frage ich. "Haben wir nicht einige freie Arbeitsbereiche,
die
schwer zu verkabeln sind - sie kennen sie doch; zum Beispiel
die PR-Büros - oder
ist es nicht so, daß wir den
einzigen freien AUI-Connector, erst dann nutzen können,
wenn
wir ein paar ungenutzte Terminal-Server abschalten?
"Oh. Äh.
Nun, nein, nicht genau, es ist nur so, daß aus meinen
Berechnungen
hervorgeht ..."
Er tippt ein paar Zahlen in
seinen Organizer, ein Gerät, das in der oberen
Etage
weitverbreitet zu sein scheint; ein flottes Design, um für
die Dummheit des
vorangegangenen Kaufes zu entschädigen.
"... daß wir 300 Pfund pro Gerät sparen könnten,
wenn wir sie von unserem
gegenwärtigen Zulieferer kaufen
würden."
"Aha. Unser derzeitiger Lieferant von ...
analogen Diktiergeräten?" frage ich.
Er zieht es vor,
mich zu ignorieren. "Nein, unser Lieferant persönlicher
Organizer.
Und wir haben den Zusatznutzen, daß wir in der
Lage sind, Informationen mit
anderen Organziern auszutauschen, was
anderes Equipment nicht kann."
Er wackelt davon und
hinterläßt in mir das Gefühl, daß das Ergebnis
dieses
Gesprächs etwa so aussieht: "Geplante
Anschaffungen, 1., Simon, Null". So schnell
ich kann,
verfasse ich eine Mitteilung, in der vor den möglichen
Sicherheitsrisiken
durch den Datenaustausch mit anderen Organziern
gewarnt wird. Es gibt
Übernahmegerüchte und das Letzte,
was wir wollen, ist das Abhören sensitiver
Daten.
Meine
Warnungen treffen auf taube Ohren. Das Marketing war offenbar schon
so
erfolgreich, daß man diesen Leuten alles glaubt. Das ist
nicht gut.
Ich bekomme pünktlich auch solch einen Organizer
und nehme ihn widerwillig in
Betrieb. Das Handbuch ist zum Thema
Up- und Download von Informationen sehr
ausführlich, also
lese ich es voller Interesse ...
Eine Woche später belausche
ich wie üblich eine Besprechung im Konferenzraum.
Es handelt
sich um wirklich um einen verblüffenden Zufall, daß ein
paar
hochempfindliche Mikrofone in diesen Raum verirrten, als er
neu verkabelt wurde.
"Nun, ehrlich gesagt, habe ich alles
satt", wimmert ein Manager.
"Warum?" fragt Jeremy,
wobei meine angeschlossene Stimmanalyse-Software eine
Spur von
Streß in seiner Stimme feststellt.
"Dieses verdammte
Ding schaltet sich von selbst mitten in der Nacht ein und
erinnert
mich lautstark an den Geburtstag meiner Frau, der vor Wochen
stattfand.
Seitdem ich die von ihnen empfohlene Lernfunktion
aktiviert habe, kann ich das Ding
nicht mit ins Wohnzimmer nehmen,
weil es dann meinen Fernseher einschaltet. Und,
als wäre das
nicht schon genug, es schaltet der Fernseher immer kurz
bevor
Inspektor Morse den Mörder findet, wieder ab."
"Mir geht es ebenso", sagt ein anderer Manager.
"Mein
Organizer hat bei allen gespeicherten Adressen eine Eins zu
den
Hausnummern addiert." sagt eine weitere Stimme.
"Das
ist noch gar nichts", schnieft ein anderer, "meiner
klingelte laut und zeigte
´Dinner mit Trudi´ mit drei
Ausrufezeichen bei ihrem Namen an. Und das auch noch
in der Nacht,
als ich das Ding meiner Frau gegeben hatte. Dabei kenne ich
keine
Trudi!! Aber jetzt habe ich viel Zeit, eine Trudi zu
suchen."
"Das sind offenbar kleine Kinderkrankheiten",
versucht Jeremy zu erklären. "Ich bin
sicher, daß
da einige überflüssige Informationen fehlgeleitet wurden."
Ich greife kurz zu meiner Tastatur und aus dem Konferenzraum ist
kurz darauf ein
Klingeln zu hören.
"Großer
Gott!" ruft eine Stimme. "Meiner sagt gerade, ich soll
meinen Arzt wegen
des HIV-Tests anrufen!!"
"Ich
denke, wir haben genug gehört", wird er vom Geschäftsführer
unterbrochen.
"Bis auf weiteres werden diese Geräte
nicht mehr genutzt. Danke, meine Herren.
Jeremy, kommen sie doch
nochmal auf ein Wort zu mir."
Dann höre ich, wie Jeremy
eine andere verantwortungsvolle Position zugewiesen
wird -
oberster Fensterputzer. Es ist nur so, daß wir eine fremde
Firma damit
beauftragt haben ...
Wirklich schade. Aber es
zahlt sich eben nicht aus, an einem Job zu kleben.
Der B.O.F.H. soll eine Firmenübernahme verhindern ...
Ich bin schwer mit Arbeit beschäftigt, als der
Abteilungsleiter und der
Geschäftsführer mit betretenen
Mienen die Tür aufreißen und hereinstürmen.
"Wir
haben Ärger", sagt der Abteilungsleiter.
"Wir
werden übernommen", unterbricht der Geschäftsführer
ihn und tritt vor den
Abteilungsleiter.
"Warum sagen sie
mir das?" frage ich mit gespielter Unschuld.
"Weil sie
eigene Methoden zur ´Lösung´ von Problemen haben
..." schlägt der
Abteilungsleiter vor.
"Router?"
erwidere ich ganz unschuldig.
"Nein. Sie wissen schon, was
ich meine!"
"Netzwerke!" rufe ich fröhlich.
Der Geschäftsführer scheint sich langsam aufzuregen, so
befreie ich ihn lieber aus
diesem kollektiven Mißverständnis.
"Okay, wer ist es?"
Er spuckt den Namen unseres
verhaßten Konkurrenten aus. Später, hinter
geschlossenen
Türen beraten der PJ und ich die Lage und machen einen Plan,
dann
laden wir den Abteilungsleiter und den Geshäftsführer
wieder zu uns ein.
"Also, erster Schritt: Feuern sie den
PJ!"
"Wie? Warum? Aus welchem Grund?" platzt es
aus dem Abteilungsleiter heraus.
"Er hat irgendetwas
veruntreut."
"Wenn das ein Grund für eine
Entlassung wäre, dann wären sie ..."
Ein kalter
Blick des Geschäftsführers bringt ihn zum Schweigen, so daß
ich
weitermachen kann.
"Zweiter Schritt: Ich treffe mich
mit einem Netzwerkverantwortlichen unserer
Konkurrenz und auf dem
Weg nach draußen stürze ich und verberge dann schnell
aber
sichtbar für ihre Sicherheitskameras ein Datenband mit ihrem
Logo auf der
Hülle.
Dritter Schritt: Der PJ, unbezahlbar
für unseren Konkurrenten wegen seiner intimen
Kenntnis
unserer Arbeitsweise, tritt eine kürzlich freigewordene Stellung
als
Netzwerkverantwortlicher an."
"Klingt gut",
zwitschert der Abteilungsleiter.
Drei Tage später ist es
soweit. Ich verpasse unserer Firma ein unattraktives Image,
indem
ich ein paar Memos über zukünftige Verpflichtungen wegen
krimineller
Verheimlichung von Defekten in der Möbelabteilung
der Presse zuspiele.
Natürlich glauben richtige Reporter,
die ihr Geld wert sind, nicht ohne weitere
Beweise anonymen
Schreiben, also beordere ich eine paar Erbsenzähler in
die
´Belastungsteststrecke für Möbel´ und
sorge dafür, daß die Presse dabei ist, wenn
sie mit
ihren Verletzungen vom Krankenwagen abgeholt werden.
In der
Zwischenzeit hat sich der PJ beim Konkurrenten durch die ersten drei
Kapitel
des Bastard-Handbuches durchgearbeitet und dabei eine Spur
der Vernichtung
hinter sich gelassen. Das Acetylen im
Sauerstoffbehälter der Klimaanlage war ein
netter Zug und hat
die Hälfte der Mitarbeiter aus dem Haus getrieben, bevor
sie
mitbekamen, was los war und die Sprinkleranlage abschalteten.
Ein kleiner
Buchstabendreher auf einem Anforderungsformular kann
ziemlich wirksam sein ...
Seine technischen Ratschläge
scheinen von minderer Qualität zu sein, wenn man die
andauernden
Lieferungen von Ersatzmaschinen und Tischfeuerlöschern an
unseren
Konkurrenten betrachtet.
Mittlerweile wurde in den
letzten drei Tagen häufiger Feueralarm ausgelöst, als
in
den vorausgegangenen zwei Jahren, und die Fahrtstrecke von der
Feuerwehrstation
bis zum Gebäude unseres Konkurrenten wurde
daraufhin in eine Parkverbotszone
umgewandelt.
Ich habe
versucht, den PJ anzurufen, doch aufgrund einer Verwechslung bei
der
Wartung und ´Reparatur´ der Telefonanlage sind die
Leute jetzt viel zu beschäftigt,
um noch auf Anrufe zu
reagieren. Seite 73, wenn ich mich nicht irre.
Ich arbeite
weiter, als sei nichts geschehen und repariere gerade einen
Verstärker,
als der Abteilungsleiter mir einen Besuch
abstattet.
"Es geht um diese Unfälle", sagt er.
"Welche Unfälle?" frage ich.
"Sie wissen,
worum es geht. Diese Unfälle müssen aufhören. Warum
werden die
Leute aus der Buchhaltung zum Testen der Möbel
beordert? Wir haben doch eine
eigene Testabteilung."
"Natürlich haben wir eine, aber DIESE Leute sind gute
Leute", antworte ich.
"Was?! Nun, das ist mir egal. Es
muß aufhören! Es sind nur noch drei Buchhalter
übrig!"
"Nein ..." sage ich und blicke auf meine Uhr, "...
es sind ..."
Ein dumpfer Aufschlag und ein gedämpfter
Schrei aus der Etage über mir
unterbrechen mich.
"...
zwei. Ich vermute, die Garderobeneinheit hat den ´Schwere Last
an erhöhter
Stelle plaziert´-Test nicht bestanden. Aber
wo ich gerade bei schweren Lasten bin,
sie haben nicht zufällig
die Kiste mit den neuen Festplatten, die normalerweise bei
mir
steht, gesehen?"
Er verschwindet ohne ein weiteres Wort, um
sich in seinem Büro zu erholen ...
Ich komme gerade in mein
Büro, als das Telefon klingelt. Einer unserer Lieferanten
will
einem potentiellen Kunden unsere Anlagen vorführen. Das wird
helfen, die Zeit
totzuschlagen, bis der Spaß wirklich
beginnt ...
Das Telefon klingelt wieder. Da ich Zeit totschlagen
muß, nehme ich ab.
"Mein Telefon ist defekt!"
"Wieso können sie mich dann anrufen?" frage ich.
"Ich benutze einen anderen Apparat, Dummkopf."
Dummkopf?!?!
"Na gut", flüstere ich, "und
wie lautet ihre Nummer?"
Er sagt es mir. Ich schaue es mir
an.
"Ah, Herr 0898."
"Ich weiß nicht,
wovon sie sprechen."
"Sind sie sicher? Ich habe einige
SEHR INTERESSANTE Bänder hier, die sie sich
anhören
können, wenn sie wollen."
"Ähm ... das wird
nicht nötig sein."
"Sind sie sicher?"
"Ja,
vergessen sie meinen Anruf."
"Nun, ich könnte
ihren Anruf vergessen, aber die einzige Möglichkeit,
meine
Vergeßlichkeit zu fördern, sind ein paar Flaschen
Scotch Whisky. Von der guten
Sorte, nicht die, die sie in der Bar
servieren ..."
"Ich werde sie ihnen sofort schicken
lassen."
Zehn Minuten später ist die Transaktion
vollendet und ich beende den Tag damit, daß
ich eines der
Bänder auf den Anrufbeantworter in seiner Wohnung überspiele.
Es ist
nur zu seinem Besten, diese Anrufe sind die Hilferufe einer
geplagten Seele ...
Der B.O.F.H. trifft einen unerwarteten Gast - den B.O.F.H. der Konkurrenz ...
Als ich im Büro ankomme, ist es im Netzwerk angenehm ruhig,
so daß ich mich auf einen
Besuch unseres Zulieferers
vorbereiten kann, der einem potentiellen Kunden unsere Anlagen
zeigen
will. Und dann muß ich natürlich noch daran denken, die
drohende Übernahme der Firma
zu verhindern, indem ich unseren
schlechten Ruf weiter verteidige.
Mir wird einmal mehr klar,
weshalb ich solche Besuche hasse. Deren einziger Zweck ist
es
nämlich, einem Kunden vorzugaukeln, daß alle
wirklich so funktioniert, wie es in den
Werbebroschüren
steht, indem man einen Betrieb findet, in dem man schon
herausgefunden hat,
wo die Handbücher falsche Informationen
liefern und die entsprechenden Fehler beseitigt hat.
Wenn es
nicht um ein kostenloses Mittagsmahl und die Möglichkeit,
bessere Konditionen für
den nächsten Einkauf zu
erpressen, ginge, würden diese Leute es bei mir nicht einmal bis
zum
Eingang schaffen.
Diese Besuche laufen nach dem gleichen
Muster ab: der Lieferant belügt den Kunden; ich
erpresse
Waren, damit ich diese schändlichen Fehlinformationen decke; ein
Betriebsrundgang;
ein kostenloses Mittagessen und mein
Versprechen, ich würde sie unterstützen, sollten sie
jemals
auf Probleme stoßen.
Mit anderen Worten, ein Tag, der
Pinocchio in einen Feueranzünder verwandeln würde.
Als
es 10 Uhr wird, informiert mich ein Anruf des Pförtners über
die Besucher.
Ein schneller Blick auf den Monitor der
Überwachungsanlage zeigt alles, wie ich es erwartet
habe:
unser Lieferant mit seinem Kunden. Doch ich habe nicht erwartet, daß
es sich um den
Netzwerk-Administrator unseres Konkurrenten
handelt. Etwas schmeckt mächtig verdorben,
und es ist nicht
der dänische Käse, den sie in der Cafeteria haben.
Zusammen mit dem Abteilungsleiter marschiere ich die Treppen nach
unten, wobei wir uns
fragen, was der Zweck dieses Besuches sein
könnte. Offenbar ein Zeichen der Stärke, aber in
welcher
Form bleibt noch abzuwarten. Es handelt sich jedenfalls
offensichtlich um einen
Übermittlungsfehler des PJ, der uns
nicht gewarnt hat, welchen ich mit einem Rippenstoß bei
unserem
nächsten Zusammentreffen zu ahnden gedenke.
Die technische
Kompetenz meines Rivalen zeigt sich an seinen gummibesohlten Schuhen.
Der
elektrische Türgriff war reine Zeitverschwendung ...
...
aber dann doch nicht, denn der Lieferant verpaßt sich einen
Schlag, nach dem er erst einmal
seinen Namen vergißt und für
wen er arbeitet.
Mein Gegner entpuppt sich schnell als ein
Netzwerkprofi, als er die PIN-Nummer der
Zugangskarte meines
Abteilungsleiters an der Tür ausspioniert und zweimal 'zufällig'
die Tür
so schließt, daß die Hand meines
Abteilungsleiters eingeklemmt wird. Dann klaut er
dessen
Zugangskarte, als mein Abteilungsleiter sich mit seinen
Schmerzen beschäftigt.
Nicht übel - 11 Sekunden
brauchte er für diese Aktion insgesamt.
Seine Versuche, den
Computerraum zu ´erobern´, sind hingegen erfolglos. Ich
setze voraus, daß
jeder der sich mit Elektrizität
beschäftigt, die Gefahren kennt, und daher
Sicherheitsmaßnahmen
und Warnhinweise überflüssig sind ...
Das ist der
Preis, den man zahlt, wenn man gut ist. Und wer wird schon ein ganzes
Netzwerk
opfern, nur um das Gedächtnis von jemandem zu
retten, der mit etwas spielt, von dem er lieber
die Finger lassen
sollte.
Um auf den Punkt zu kommen, mein Gegenstück spricht
kryptisches Fachchinesisch,
´NetSpeak´ sozusagen.
"Wie schnell ist dieser Anschluß?" fragt er und
deutet auf unseren Netzwerkanschluß.
"Ein kleiner
2400er. Nein, in Wirklichkeit ist es ein 300er im Synchronmodus, aber
nur an guten
Tagen."
"Ja, die haben die Nullen
früher mit übertragen."
"Nichts, was man mit
einem mehrfachen Control-Alt-Delete nicht beheben könnte."
Der Abteilungsleiter kommt in Verbände gehüllt wieder,
um am kostenlosen Mittagessen
teilzunehmen. Während des
Essens sprechen mein Opponent und ich Klartext - für den,
der
versteht ...
"Ich würde die vorherige
Konfiguration bevorzugen", sagt mein Rivale.
"Ja, ein
wenig zuviel SNMP zur Zeit, aber das war eigentlich schon immer so."
"Stimmt, das ist bei mir auch so. Also ... eine
Neuinstallation der Ursprungskonfiguration ..."
Zwei Wochen
später ist die Übernahme nicht mehr als eine leise
Erinnerung. Wir haben
Aussicht auf eine völlig neue
Erbsenzähler-Abteilung, und ich kann es kaum erwarten,
ihnen
einen Besuch abzustatten. Einige aus dem mittleren
Management, die eine verhinderte
Übernahme als Grund für
eine Lohnerhöhung für sich selbst ansahen, zogen plötzlich
ein
vorzeitiges Ausscheiden vor - die Vierziger sind ein
schwieriges Alter, besonders dann, wenn
man ein Foto von sich
selbst in Frauenunterwäsche (in einem fortschrittlichen Club in
Soho) in
der obersten Schreibtischschublade entdeckt.
Ich
bekomme einen Anruf meines Gegenstücks auf der abhörsicheren
Leitung.
"Alles in Ordnung?" fragt er.
"Na
klar, und selber?"
"Keine Probleme. Wir mußten
euren PJ gehen lassen, sie wissen, wie das ist.
Wirklich
bedauerlich."
"Machen sie sich keine
Sorgen, er hat seinen Schreibtisch wiederbekommen und spielt
gerade
mit der Temperatur des Kühlschranks mit dem
Hühnerfleisch für das morgige Mittagessen. Ich
glaube,
ich esse lieber auswärts ..."
Die Welt ist voller
siegreicher Netzwerke - dies ist eines von ihnen.
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Ein kurzes NetSpeak-Wörterbuch des B.O.F.H.
2400: 2400
baud.
300er im Synchronmodus: So langsam, daß ein
Abschleppseil gebraucht wird.
Vorherige Konfiguration: So, wie es
einmal war. Die gute alte Zeit.
SNMP: Dummheit der Vorschläge
von Nicht-technischen Managern (stupidity of
non-technical
manager's proposals).
Nullen früher übertragen:
Schwachsinn reden.
Wiederholtes Control-Alt-Delete: viele
Neueinstellungen - und ein paar Kündigungen.
Der B.O.F.H. mischt beim Lieblingsprojekt des Geschäftsführers mit ...
Der PJ und ich können ein Kichern nicht unterdrücken,
als der Abteilungsleiter
vorbeigeht. Deshalb bleibt er stehen und
kommt herein - vermutlich, um zu sehen, an
wen er die Kündigung
schicken soll.
"Gibt es einen Grund für ihre
Heiterkeit?" fragt er.
"Nein, nein, wirklich nicht. Es
ist nur dieses Memo. Für eine Minute dachte ich
wirklich, sie
hätten es ernstgemeint, als sie nach den Root-Passwörtern
unserer
Rechner fragten."
"Es ist mein voller
Ernst", sagt er ohne die Miene zu verziehen.
"Halt, sie
töten mich", lache ich. "Warum wollen SIE die
Root-Passwörter?"
"Das Warum ist irrelevant. Geben
sie sie mir einfach", stößt er hervor.
"Sie
wissen, daß das unsicher ist?"
"Ich werde sie in
meinen persönlichen Safe einschließen."
"Sie
meinen, drei Drehungen im Uhrzeigersinn bis zur 37 ...", sage
ich.
"Zweimal in umgekehrter Richtung zur 18 ...",
setzt der PJ fort.
"... und zurück zur 43",
vollendet die Putzfrau.
"Und dann rufen sie frustriert ihre
Sekretärin, damit sie den Safe für sie öffnet."
Der Abteilungsleiter zeigt seine Version eines betäubten
Fisches, dann redet er
weiter.
"In Ordnung, ich werde
einen neuen Safe bestellen - und ich WERDE diese
Passwörter
bekommen", sagt er, als er nach draußen stürmt.
In
dieser Nacht installieren wir heimlich eine kleine Überwachungskamera
in seinem
Büro ...
Am nächsten Tag stöhnen die
Stockwerke unter der Last eines riesigen grauen
Monsters, das in
das Büro des Abteilungsleiters gebracht wird. Er
selbst
beaufsichtigt den Aufbau in seinem Büro.
"Wir
können nichts sehen", stöhnt der PJ, als uns die
versteckte Kamera nur den
Hinterkopf des Abteilungsleiters zeigt.
"Nicht mit dieser Kamera", gebe ich zurück, "aber
mit dieser haben wir..." <Klick!>
"... eine
komplette Frontalansicht!"
Natürlich zeigt die in der
Lampe versteckte Kamera alles, was wir sehen wollen.
"Warum
haben wir dann die andere Kamera installiert?" fragt der PJ
verwirrt.
"Ein Köder. Der Chef war dabei, den Raum zu
kontrollieren, also wollte ich, daß er
diese eine Kamera
findet."
"Warum?"
"Nun, wenn sie sich den
Raum aufmerksam anschauen, sehen sie, daß es nur einen
einzigen
Platz gibt, den die Kamera nicht einsehen kann und wo er zugleich
den
Unwissenden spielen kann."
"Raffiniert ..."
"Doppelt raffiniert", füge ich geheimnisvoll
hinzu.
Die Nachgebenden spielend geben wir dem Abteilungsleiter
die Passwörter und
ändern sie am nächsten Tag,
nachdem er sie zuvor erfolgreich überprüft hat. Um
den
Einsatz noch ein wenig zu erhöhen, lassen wir uns vom
Geschäftsführer in dessen
Lieblingsprojekt, ein
Videokonferenzsystem, einspannen, damit der Abteilungsleiter
uns
nicht "dringend zu einer Besprechung rufen" kann, wenn er
herausfindet, daß wir
die Passwörte wieder geändert
haben ...
"Wie stehen die Dinge?" fragt der
Geschäftsführer wohlwollend.
"Großartig,
Sir", schwärmt der PJ.
"Morgen sollten wir fertig
sein", ergänze ich, als ich die Kameras mit
der
Multiplex-Einheit verbinde - der Multiplexer hat ungefähr
soviel gekostet, wie mir
im Vierteljahr zur Verfügung steht
-, die der Abteilungsleiter empfohlen hatte,
nachdem er vom
Verkäufer zu einem Zweitagesausflug nach Brighton
eingeladen
wurde, der mit seiner Verhaftung in einem Pub endete,
weil er einem der Mädchen
seine Interpretation der größten
Sehenswürdigkeit vom Trafalgar Square gezeigt
hatte ...
Ich
schicke ein paar Testbilder durch die Maschine und zeige dem
Geschäftsführer,
wie die Bilder in unseren überseeischen
Filialen ankommen.
"Die Bilder sehen dann ungefähr so
aus", sage ich. "Für jeden Teilnehmer gibt es
eins.
Die Kamera wird aktiviert, wenn sie sich in den Sessel setzen."
"Und das funktioniert alles wirklich so einfach?" fragt
der Geschäftsführer und kann
dabei seine Freude, selbst
im Firmen-TV zu sein, kaum unterdrücken.
"Es könnte
ein paar kleinere Probleme geben, doch ich bin sicher, daß mein
Lehrling
und ich in der Lage sind, sie zu finden und zu
beseitigen. Das meiste müßte
problemlos funktionieren,
höchstens bei den Außenstellen in Rom und Florida
könnte
es im Sommer zu solaren Interferenzen kommen.
Der
Geschäftsführer riecht den Braten vielleicht, doch er will
nicht riskieren, sein
Lieblingsspielzeug zu verlieren. "Natürlich
werde ich ihren Abteilungsleiter
entsprechend informieren."
Eine Stunde später sitzen wir im Büro unsere
Abteilungsleiters, der vor hilfloser Wut
kocht.
"Oh!
Haben wir vergessen, sie über die Passwortänderung zu
unterrichten? Und über
die Videokonferenz? Machen sie sich
eine Notiz für die Zukunft", wende ich mich an
den PJ.
Der Abteilungsleiter kocht noch mehr.
Drei Stunden später
haben wir ein paar Biere gekippt und teilen Freizeit durch das
Ziehen
von Strohhalmen auf. Ich meine natürlich Aufgaben.
Zwei
Stunden danach sind wir im Getränkeladen und kaufen zwei Kisten
Gin, die wir
im Schutz der Dunkelheit später in das graue
Ungetüm von einem Safe schmuggeln.
"Warum tun wir das?"
will der PJ wissen.
Ich sage nichts, sondern springe in die Höhe
und lande schwer wieder auf dem
Boden. Ein Knirschen des Bodens
unter dem Safe klärt ihn auf und er macht mit.
Sekunden
später klingt es, als fiele ein schwerer Safe nach unten.
Am
nächsten Morgen können wir zusehen, wie der
Abteilungsleiter seine Sachen
packt. Der PJ philosophiert dabei
über die seltsamen Zufälle des Lebens. "Wissen
sie,
er wäre vielleicht davongekommen, wenn der Safe nicht auf
dem
Video-Multiplexer gelandet wäre ..."
"Ja",
antworte ich, "was für ein unglücklicher Zufall.
Vielleicht war es sogar das
Buch mit den Passwörtern, das dem
Kamel schließlich das Rückgrat gebrochen
hat ..."
Der B.O.F.H. findet heraus,
daß es ´Fehler in der Ausbildung´ und ´Ausbildung
in
Fehlern´ gibt ...
Der
PJ und ich sind gerade dabei, einige wichtige Netzwerk-Tests
durchzuführen,
als das Telefon klingelt. Es
handelt sich um den Apparat des PJ, der vorher noch nie
geklingelt
hat, also feiert er das Ereignis, indem er den Anschluß aus der
Steckdose
zieht. Als er seine Aufmerksamkeit für ein paar
Momente dem Telefon widmet,
verpasse ich ihm ein paar Schüsse
in den Rücken.
Doom II im Netzwerk ist ein hervorragender
Nährboden für den Machiavelli in uns
allen.
"Das
war der Abteilungsleiter", erkläre ich, um die Spannung im
Raum etwas zu
verringern.
"Zeit für neue
Arbeitsverträge", sagt er und schiebt zum Büro des
Abteilungsleiters
ab. Fünf Minuten später ist er mit
einem nicht gerade fröhlichen Gesichtsausdruck
zurück.
"Schwierigkeiten?"
"Er glaubt nicht, daß
ich über genügend Erfahrungen verfüge, die eine
Erhöhung
meines Stundenlohnes rechtfertigen könnten."
Das mag ich gar nicht - denn wenn es
ihm passiert kann, dann
könnte es mir ebenso ergehen. Und ich habe eine
tiefsitzende
Angst vor allem, das aussieht, wie das schmale Ende eines Keils.
Blitzschnell bin ich am Telefon und rufe den Personalchef an.
"Was müssen wir tun,
um zu beweisen, daß mein
Assistent eine Lohnerhöhung verdient hat?"
"Normalerweise
gibt es in solchen Fällen ein Treffen des Personalchefs mit
einem
unabhängigen Experten und dem Kandidaten selbst. Auf
diese Weise prüfen wir das
Wissen des Kandidaten über
Netzwerke."
Ich arrangiere den Test für den nächsten
Tag und beauftrage den PJ damit, seine
Hausaufgaben zu machen ...
Der nächste Tag bricht an, und um 10 Uhr warten wir alle auf
das Ereignis des
Tages - mit Ausnahme des unabhängigen
Experten. Wie auch immer, für die
nächsten paar Stunden
werden wir wohl kaum etwas von ihm hören ... vorausgesetzt
der
Wartungsdienst für den Lift ist so langsam wie gewohnt.
Ich
biete mich als unabhängiger Experte an.
"Okay, ein paar
Fragen", sage ich. "Schießen sie los", antwortet
der PJ.
"Nach welchen Kriterien entscheiden sie, ob sie die
Dateien eines Nutzers
löschen?"
"Wie lange ich
in der vorherigen Nacht geschlafen habe?"
"Sehr gut.
Wenn sie den Rechner eines Nutzers vom Tisch schieben, worauf
sollten
sie achten?"
"Darauf, daß die Tastatur
drunterliegt."
"Halbe Punktzahl. Die Tastatur und ein
wertvoller persönlicher Gegenstand."
"Natürlich."
"Wann sollten Überstunden geplant werden?"
"Wenn
die Umstände eine Operation während der normalen
Arbeitszeit als
gefährlich erscheinen lassen."
"Weitere
Informationen?"
"Wenn ich mich schlecht fühle,
weil mir das Geld in diesem Monat ausgegangen ist."
"Korrekt. Ein Kollege bittet um ihre Hilfe beim Kauf eines
Computers für seine
Privatangelegenheiten. Was würden
sie empfehlen, einen Macintosh oder einen PC?"
"Weder den einen noch den anderen. Ich empfehle den Commodore
C-64 mit einem
doppelten Kassettenlaufwerk, den ich als Türstopper
benutze - zu einem Preis von
600 Pfund."
"Und wenn
etwas schiefgeht?"
"Das kann es nicht."
"Wieso?"
"Das Ding ist so präpariert, daß es Feuer fängt,
wenn es angeschlossen wird. Ich
würde es dann darauf
schieben, daß das Gerät falsch angeschlossen wurde."
"Ausgezeichnet. Die Telefone klingeln sich heiß mit
Beschwerden, daß Sitzungen am
NT-Server in der vierten Etage
immer wieder abstürzen. Wo könnte das Problem
liegen?"
"Das Problem, soweit ich es sehe, liegt darin, daß der
Telefonhörer nicht neben dem
Telefon, sondern auf der Gabel
liegt."
"Korrekt."
Eine halbe Stunde später
...
"Nun, ich bin davon überzeugt, daß er viel
gelernt hat."
"Und ich bin nicht überzeugt!"
ruft der Personalchef. "Dieser Lehrling wurde
angestellt, um
die Ursachen für schlechten Service und mangelnde
Erreichbarkeit,
unsere schlimmsten Probleme unter ihrer
Terrorherrschaft, herauszufinden. Statt ihn
in dieser Richtung
auszubilden, haben sie ihn zu einer noch schlimmeren Version
ihrer
selbst gemacht!"
"Stimmt, und er ist doch wirklich gut,
oder?" kommentiere ich.
"NEIN! Und wenn sie auch nur
einen Moment glauben, ich gebe meine Zustimmung
zu ... zu diesem
ZERRBILD eines Tests, dann liegen sie völlig falsch. Es
BLEIBT
dabei, daß die Höhe des Lohnes in seinem
Ausbildungsvertrag nicht geändert wird."
Es stimmt, daß
es für jeden Job ein Werkzeug gibt. Es amüsiert mich immer,
wie
viele ´Jobs´ vom Einsatz des Werkzeuges
´Erpressung´ profitieren.
"Nun gut", sage
ich. "Sie haben möglicherweise Recht. Immerhin ist er ja
noch ein
Anfänger in diesem Bereich. Und da er als Lehrling
Fehler macht, ist es sicher
gerechtfertigt, wenn sie ihm als
Resultat dieser Fehler weniger bezahlen. Sie wissen
doch, von
welchen Fehlern ich spreche, oder? Da wäre zum Beispiel das
Schicken
einer E-Mail mit der Liste teurer Auslandsgespräche
aus der Personalabteilung an
den Geschäftsführer. Wie
geht es eigentlich ihrer Tocher? Arbeitet sie noch immer
auf den
Cayman Islands?
"Äh. Gut, wenn man genau überlegt,
könnten seine Fähigkeiten mehr ..."
"Fehler
wie etwa eine falsche Konfiguration des Netzwerk-Backup-Servers,
der
deshalb die Bilder aus dem Verzeichnis SMUT auf einer
Arbeitsplatzmaschine in
das ... sagen wir mal ... Verzeichnis mit
der Präsentation, die der Geschäftsführer bei
seiner
nächsten Beratung mit dem Aufsichtsrat zeigen will, kopieren
könnte.
In der internationalen Einheit der Operatoren für
ihren Erfolg, Beteuerungen pro
Sekunde (BpM), gemessen, nähert
sich der Personalchef gefährlich der roten Linie.
Eine halbe
Stunde und eine spürbare Lohnerhöhung für den PJ
später sitzen wir
wieder in unserem Büro.
"Was
soll ich mit diesen Telefonprotokollen machen?"
"Schicken
sie sie ab."
"An den Personalchef?"
"NATÜRLICH
NICHT! An das Büro des Geschäftsführers. Sie sind noch
in der
Ausbildung, da lassen sich Fehler nicht ganz vermeiden."
Ich muß wohl nicht betonen, daß meine Lohnerhöhung
ohne Probleme genehmigt wird.
Südfrankreich lockt den B.O.F.H. unter dem Motto ´Netzwerk-Profi des Jahres´ ...
Es ist ein ruhiger Tag im Büro. Vielleicht hat das etwas
damit zu tun, daß ich die
Anrufe an die Service-Abteilung in
das vor kurzem frei gewordene Büro des
Abteilungsleiters
umgeleitet und zufällig eine Axt dreiundfünfzigmal auf
die
Telefonkabel unten im Gang fallengelassen habe.
Vergessen
sie diese seltsamen Cassetten mit Enspannungsmusik, nichts ist für
den
B.O.F.H. entspannender als das einzigartige Geräusch von
Telefonenhörern, die
wütend auf die Gabel geknallt
werden. Unser Telefonsystem befindet sich im
Schockzustand; das
liegt eindeutig daran, daß alle Leute ihren Ärger an
den
Telefonhörern auslassen müssen.
Ich überzeuge
mich, daß die Tür geschlossen und angemessen unter Strom
gesetzt
wurde (Für den Fall, daß ein mutiger Nutzer es
wagen sollte, persönlich zu
erscheinen.), und befasse mich
dann mit meiner Lektüre.
Gewöhnlich ist dies die
richtige Zeit zur Beschäftigung mit diesen
holländischen
Magazinen, die eines Tages unerwartet an den
Hintereingang geliefert wurden - und
seitdem immer wieder mit
schöner Regelmäßigkeit versehentlich gebracht
werden.
Man sollte nicht glauben, daß ein Fehler sich so oft
wiederholen kann. Trotzdem,
jemand hat mein privates Steckenpferd
entdeckt, denn es scheint, als seien den
Magazinen Beine
gewachsen. Seit der PJ immer mit einem seltsam wissenden
Lächeln
herumläuft, vermute ich, daß er hinter der Sache steckt.
Er wird noch die
Gefahren kennenlernen, die zuviel Neugier mit
sich bringt, wenn ich herausgefunden
habe, was man mit dem
elektrischen Tacker alles anstellen kann. Wie auch immer, in
der
Zwischenzeit bin ich damit beschäftigt, in Netzwerk-Magazinen zu
lesen.
Ich unterbreche meine Lektüre kurz, um einen ´Bitte
schicken sie einen
Verkaufsmanager für
Telefonvermittlungsanlagen vorbei, damit er mich über
ihre
Leistungen informieren kann´-Coupon im Namen eines Typs
aus der
Verwaltungsabteilung, der mir heute im Parkdeck die
Vorfahrt genommen hat,
auszufüllen. Dann beginne ich, mich
auf den verblüffend hohen Stapel ungelesener
Netzwerk-Magazine
zu stürzen. Ein Thema fällt mir sofort auf. Die
Auszeichnung
´Netzwerk-Profi des Jahres´. Ich lache in
mich hinein - vermutlich wird irgendein
trauriger Anorak den Preis
gewinnen, der am Wochenende nichts anderes tut, als
sich mit UTP
zu befassen, seine Abende damit verbringt, verlorengegangene
Dateien
auf den PCs der Angestellten zu suchen und
wiederherzustellen und der dafür auch
noch kaum Lohn und
schon gar keine Anerkennung erntet. Ich lese erstmal weiter:
"...
wird vorgestellt während einer speziellen Veranstaltung im
l´Hotel Amassadeur
in Südfrankreich".
Ah, nun,
nicht so schnell. Es gibt eigentlich soviel zu sagen über die
unbesungenen
Helden der Netzwerk-Welt. Zumindest wird das meine
Argumentation sein, wenn
ich den Geschäftsführer dazu zu
überreden versuche, mich an diesem Wettbewerb
teilnehmen zu
lassen.
Oben im Büro des Geschäftsführers schaut
mich der Chef höchstpersönlich eine
Minute lang aus
glasigen Augen an. Schließlich schaffen es die Worte, mit
einem
Krächzen seine Kehle zu verlassen. "SIE wollen
Netzwerk-Profi des Jahres
werden?!"
"So ist es.
Denken sie nur an den Ansehensgewinn, den ich der Firma
einbringen
könnte."
"Ich denke an die schlechte
Werbung, die sie für die Firma machen könnten."
"Das
ist nicht besonders nett!" kombiniere ich das schlimmste
Schimpfwort, welches
ich kenne, mit meinem unschuldigsten Tonfall.
"Und das auch noch nach allem, was
ich für die Firma
getan habe."
"Meinen sie nicht, was sie der Firma
ANGETAN haben?" Der Geschäftsführer
schaut erst
mich an, dann das Teilnahmeformular. "Unterstützung für
seine
Vorgesetzen? Sie haben fünf Vorgesetzte allein im
letzten Jahr zur Kündigung
getrieben!"
"Also
mußte ich fünf verschiedene Arbeitsmethoden meistern - das
ist eine sehr
anspruchsvolle Herausforderung. Ich denke, das
demonstriert meine große
Flexibilität."
"Aber
sie sind dafür verantwortlich, daß sie uns verließen!!"
"Reiner Zufall ... sie alle schienen sich an Angebote
anderer Firmen zu erinnern.
Vielleicht sollten sie sich einmal um
bessere Arbeitsbedingungen und Löhne
kümmern."
schlage ich vielsagend vor.
"Vielleicht sollte ich
überlegen, ob ich wirklich alle Netzwerkexperten brauche,
die
ich zur Zeit habe."
Autsch. Das ging unter die
Gürtellinie. Na gut ...
"Vielleicht wird das Finanzamt
etwas über das Geheimkonto herausfinden, daß
jemand im
Ausland angelegt hat."
Der Geschäftsführer wird
rot und scheint sich plötzlich sehr für seinen
Tintenlöscher
zu interessieren. Dann erholt er sich etwas und
liest weiter.
"Und was ist damit", er schreit jetzt
beinahe. "Ein guter Teamarbeiter?"
"Ja. Natürlich
erwarte ich, daß mein PJ ebenfalls mitmachen kann. Mitglieder
des
Teams sollen schließlich nicht vergessen werden."
"Aber er ist ein Psychopath!"
"Ach so? Wollen
sie das gegen ihn verwenden? Das ist nicht sehr hilfreich von
ihnen.
Ich für meinen Teil denke, daß das Klima in
Südfrankreich Wunder für sein
Temperament wirken wird.
Und die Erfahrung, an einem solchen Ereignis
teilzunehmen, wird
bestimmt auch positiv auf die Entwicklung seiner sozialen
Fähigkeiten
wirken."
"Das wird einen diplomatischen Zwischenfall
geben!"
Der Geschäftsführer liest weiter.
"Kandidaten für die Preise müssen von drei
Kollegen
vorgeschlagen werden, die unterschriebene Beurteilungen verfassen."
Er
unterbricht sich. "Es gibt hier niemanden, der einen
solchen Vorschlag
unterschreiben würde. Sie werden von allen
gehaßt."
"Ich kann also an dem Wettbewerb
teilnehmen, wenn ich die Unterschriften
bekomme?"
"Wenn
sie drei Beschäftigte finden, dann können sie mitmachen.
Aber ich sage das
nur, weil ich weiß, daß sie
niemanden finden werden." Er verläßt den Raum,
lacht
leise vor sich hin.
Ein Wunder? In der Welt der
Netzwerke ist nichts unmöglich, wie ich auch immer
Nutzern
erkläre, deren Festplatten auf wundersame Weise komplett
gelöscht
wurden. Und wer hat behauptet, daß jemand,
dessen Unterschrift auf einem Blatt
Papier steht, es auch selbst
unterschrieben haben muß ...
Wird fortgesetzt ...
Der süße Duft des Erfolgs umgibt den siegreichen B.O.F.H. ...
Es ist ein großartiger Tag in Südfrankreich,
insbesondere nachdem mein Zimmer im
L´Hotel Ambassadeur
irgendwie mehrfach vergeben wurde, und sie mir deshalb eine
Suite
mit mehr Räumen zu Verfügung gestellt haben, als mein Chef
sie sich jemals
leisten könnte. Die Unterschriften für
mein Teilnahmeformular waren kein Problem.
Ich wußte doch,
daß die elektronische Signier-Einheit unseres Faxservers
für
irgendetwas gut ist. Und daher bin ich nun hier, um
meinen Preis entgegenzunehmen.
Gut, es gibt noch ein halbes
Dutzend anderer Finalisten, aber ich habe die dunkle
Vorahnung,
daß es in der nächsten Zeit ein paar Unfälle geben
könnte.
Beim Dinner zur Preisverleihung, das ein sogenannter
Entertainer mit billigen Witzen
begleitet, treffe ich auf eine
recht hübsche Werbefrau, die von den
modernen
Netzwerktechnologien fasziniert zu sein scheint.
"Also
haben sie wirklich ihren ATM-Backbone auf 827 Mbps aufgerüstet?"
"Natürlich nur, um das Netzwerk zu testen. Wir können
etwas, das so schne ...
ähm ... neu und noch in der
Entwicklung ist, natürlich noch nicht für die
Benutzer
freigeben."
"Natürlich. Wie messen sie
denn den Datendurchsatz?"
"Doom II auf einem halben
Dutzend SGI Challenge-Rechnern. Wir erreichen etwas
45.000 pps."
"45.000 Pakete pro Sekunde klingt nicht sehr schnell."
Diese Frau aus der Werbung
scheint zu wissen, wie schnell ein
Netzwerk sein sollte ...
Eine geradezu unheimliche Vorstellung.
"Nein, es geht um Punkte pro Sekunde. In Doom bekommt man
keine Datenpakete,
wenn man jemanden getötet hat, müssen
sie wissen."
"Ach so. Sie müssen aber ein großes
Budget im Jahr habe, wenn sie allein sechs SGI
Challenges für
ihr Testnetzwerk verwenden."
"Nun, also, wissen sie,
die werden für das Videokonferenzsystem des
Geschäftsführers
gebraucht; wir haben sie mit dem Geld der Versicherung gekauft,
das
wir nach dem Unfall mit den Pentium 75-Rechnern des
ersten
Videokonferenzsystems bekommen haben."
"Da
gibt es doch noch immer einen Kostenunterschied."
"Nun,
wir haben eine sehr zuvorkommende Versicherung." Und ein noch
viel
schöneres Heimvideo von einer Aufsichtsratskonferenz in
Amsterdam.
"Sehr schön. Ich vermute, sie haben erzählt,
sie müßten die Taktfrequenz der
Challenges prüfen
und ihre ATM-Karten optimieren, was sie zu ´Testobjekten´
für
ein oder zwei Monate macht."
Diese Frau weiß,
worum es geht. Ich bin beinahe beeindruckt ...
"Nun, ja,
aber das Testen ist eine sehr komplexe Arbeit, die wohl etwas länger
als
ein paar Monate dauern wird ... 2004 dürfte ein gutes
Jahr für das Testende sein,
schätze ich."
"Sie
sind ein gerissener Hund!"
Sie begreift schnell. Als wir
weiterplaudern, wird eine TV-Persönlichkeit (ein
Widerspruch
in sich) vorgestellt und ihr ein goldener Umschlag zum
Öffnen
überreicht. Er schafft es, den Umschlag ohne
weitere Instruktionen zu öffnen ...
"Und der Gewinner
ist ..."
Am Gewinnertisch treffe ich meine Freundin aus der
Werbung wieder; tierisch, diese
Anziehungskraft, die von mir
ausgeht. Sie scheint von meinem Sieg überrascht zu
sein.
"Wie haben sie das gemacht? Ich muß zugeben, daß
ich nicht damit gerechnet habe,
daß gerade sie den Preis
bekommen, wenn man ihre unkonventionellen Ansichten
zum Management
von Netzwerken bedenkt. Haben sie den Computer der
Schiedsrichter
irgendwie gehackt?"
Hacken? Sie ist offensichtlich nicht auf
dem neuesten Stand - niemand mit etwas
Selbstachtung würde
sich heutzutage selbst als Hacker bezeichnen, es sei denn, er
besäße
einen wirklich widerlichen Anorak. Ich bestelle noch ein paar Drinks
(von der
teuren Sorte, natürlich - ich kenne
selbstverständlich bereits das Root-Passwort für
das
Hotelnetzwerk und, nicht zu vergessen, die Zimmernummer des
alten
Entertainers, der uns beim Dinner so genervt hat), hole tief
Luft und erkläre es ihr.
"Nein, ich habe nichts
_gehackt_ ... (Ich brauche all meine Kraft, um dieses
schlimme
Wort auszusprechen.) Wie auch immer, die Kandidatenlisten und all
die
anderen Sachen mußten mittels anderer Hardware
bearbeitet werden, denn sie waren
auch nicht über das
Hotel-LAN erreichbar."
"Mit Hardware?"
"Mit
einem Kugelschreiber und einem Blatt Papier. Diese Schiedsrichter
haben
immer Ärger mit der Technik."
"Ach so,
_diese_ Hardware."
"Genau. Übrigens mußte
ich gar nichts hacken; alle bis auf einen meiner Mitbewerber
schieden
im letzten Moment aus. Nun, einige von ihnen hätten es bestimmt
nicht
getan, wenn sie nicht in ihrer gestrigen Post diese
komischen Polaroids gefunden
hätten."
"Was, sie
haben sich _ALLE_ ein wenig danebenbenommen?"
"Zwei von
sechs, ja - das ist eine unvermeidliche Nebenwirkung, wenn man so
viel
Zeit in heißen Ländern auf Netzwerk-Messen und
Konferenzen verbringt."
"Was ist mit den anderen?"
"Ganz einfach. Einer von ihnen arbeitet für ein
Unternehmen, das diese
Preisverleihung finanziell unterstützt.
Und die anderen, nun, einer besitzt nun die
Kopie eines
Fahrzeugbriefes und der andere wurde nach einem
unerklärlichen
anonymen Anruf gefeuert und seine Nominierung
von seinen jetzt ehemaligen
Kollegen zurückgenommen."
Ich muß den PJ für eine Lohnerhöhung vorschlagen -
er
hat diese Anrufe übernommen, ohne mich damit zu
belästigen.
"Interessant. Was steckt hinter der Sache
mit dem Fahrzeugbrief?"
"Oh, irgend etwas, das mit dem
Verschwinden eines Betriebs-Rolls Royce und
einem bekannten
Autoschieber zu tun hat."
"Faszinierend. Sie sind
wirklich ein Schweinehund!"
"Natürlich. Es hat
mich allerdings einige Zeit gekostet, perfekt zu werden."
"Und
was ist mit dem Konkurrenten, der nicht aufgab?"
"Oh,
den habe ich fair und ehrlich geschlagen. Die Worte im
Empfehlungsschreiben
meines Chefs waren einfach schmeichelhafter
als die seines Chefs." Zumindest
waren sie das, _nachdem_ die
Empfehlung in einem Abteil des Zuges nach
Doncaster in der
vergangenen Woche in die Geldtasche des Obersten
Schiedsrichters
wanderte.
"Was passiert nun?"
"Zurück zur
Arbeit, eine nette Lohnerhöhung für die Steigerung des
Ansehens der
Firma, ein Dank an meine Vertretung dafür, daß
die Nutzer während meiner
Abwesenheit nicht zu übermütig
wurden und dann noch ein gelegentliches Gespräch
nach einem
Dinner mit einer fünfstelligen Rechnung."
"Was
wäre, wenn jemand etwas über den Betrug verlauten läßt?"
"Oh, darüber muß ich mir keine Sorgen machen."
"Wirklich nicht?" Ich mag das Leuchten in ihren Augen
und den Klang ihrer Stimme
nicht. "Was würden sie sagen,
wenn ich dieses Gespräch auf Band mitgeschnitten
hätte?"
"Ich würde sagen, daß das Diktiergerät in
ihrer Tasche keinen Aufnahmeknopf hat,
also haben sie ein leeres
Band. Und wenn ich gerade dabei bin, was würden sie dazu
sagen,
daß in ihrem Zimmertelefon eine Wanze eingebaut ist? Nun, wie
waren doch
gleich die Namen..." Ich klopfe auf meine Tasche
und höre den beruhigenden Klang
einer Kassette in einer
Plastikhülle.
Augenblicklich verliert sie ihren Sinn für
Humor, dreht sich um und verschwindet
schmollend.
Meine Mutter
hatte Recht ... man sollte niemandem aus der Werbebranche trauen.
Auf der Suche nach neuen
Herausforderungen setzt der B.O.F.H. alles auf eine
Karte ...
Der Chef ist etwas zurückhaltend, wenn es um meinen Lohn
geht. Deshalb
beschließe ich, mich ein wenig umzusehen und
eine Arbeitsvermittlung
einzuschalten. Meine einzige Befürchtung
ist, daß ich tatsächlich einen neuen
Arbeitsplatz
finden könnte, wenn ich einen guten Arbeitsvermittler treffe.
Denn das
ist ja nicht das Ziel dieser Übung. Ich will nur,
daß der Chef zusammenzuckt, wenn
ich wieder einmal eine
Lohnerhöhung fordere.
Ich überlege, welche Aussichten
ich habe und strecke meine Fühler aus, um Kontakt
mit ein
paar Vermittlungsagenturen aufzunehmen. Ich nehme welche von der
Sorte,
die den Lebenslauf erst einmal ´überarbeiten´,
bevor sie ihn an einen möglichen
Arbeitgeber faxen.
Dinge
wie ´Ich habe einmal mit DOS gearbeitet´ und ´Ich
kann meinen Bildschirm
allein einschalten´ werden zu ´Hat
DOS neu geschrieben´ und ´Ausführliches
Hintergrundwissen
zum Hardware-Support´.
Ich erwarte das Schlimmste und
bekomme es. Ich treffe meinen Arbeitsvermittler in
einem Pub, wo
er mir ein Bier spendiert, um zu beweisen, daß er wirklich mein
Freund
ist und nicht nur einen kriminell hohen Anteil von meinem
zukünftigen Lohn haben
will.
"Also", sagt mein
ganz persönlicher, erfahrener Vermittler, der die
Computerbranche
wie seine Westentasche kennt. "Sie suchen
also eine Stelle im Netzwerkbereich?"
"Ja."
"Welche Erfahrungen haben sie?"
Ich gebe ihm einen
kurzen Überblick über die vergangenen zehn Jahre.
"Ausgezeichnet. Und haben sie auch Erfahrung mit DOS?"
"Wieso?"
"Nun, wir haben im Moment ein
ausgezeichnetes Angebot für einen DOS-Berater."
"Und
meinen sie, daß das etwas mit Netzwerken zu tun hat?"
frage ich leicht
verärgert.
"Also, nicht genau. Am
Anfang wird es eher mit einer Hotline zu tun haben."
"Ich
bin nicht interessiert. Ich bin ein Netzwerker, kein
Programmspezialist und ganz
sicher kein Mensch für den
Support."
"Ah. Na gut, es war ja nur so ein Gedanke.
Was ist mit VAX/VMS?"
(IBM-Großrechner [thomas w.])
"DECNet? TCP/IP? Und habe ich schon CI erwähnt?"
"Nein, eher in Richtung Cobol-Programmierung. Großartige
Stelle. In Milton Ke ..."
"Nein."
"Sehr
gute Bezahlung ..."
"Wenn ich Interesse daran hätte
in Cobol zu programmieren, hätte ich das auch
gesagt. Habe
ich aber nicht. Ich sagte ´Netzwerke´."
"Natürlich
haben sie das. Könnte die Reparatur von Hardware sie
interessieren?"
"Was für Hardware?"
"Hauptsächlich defekte Terminals. Aber wenn sie
funktionieren, sind sie mit einem
Terminal-Server verbunden, der
in ein Netzwerk ..." schreit er als ich den Pub
verlasse. Das
Bier habe ich nur zur Hälfte getrunken.
Der Chef spielt
inzwischen mein Spiel und hat seinerseits ein paar
Arbeitsvermittler
kontaktiert. Offensichtlich hat er vor, mir zu
beweisen, wie leicht es ist, einen Ersatz
für mich zu finden.
Es ist traurig, wie manche Menschen sich der
Selbsttäuschung
hingeben.
Die nächsten Tage
verbringe ich damit, die Arbeit einer Sekretärin zu machen:
Daten
eingeben, Bänder abtippen etc. Ich mag das gar nicht.
Schließlich kommt ein Angebot
von der letzten
Arbeitsvermittlung, in dem eine Summe geboten wird, die dem
Chef
Tränen in die Augen treiben würde. Ich vertiefe
mich in die Details und denke über
sie nach, als der Chef
hereinkommt.
"Ich werde es annehmen", sage ich, als der
Chef heimlich mitlesen will.
"Was annehmen?" fragt er.
"Die Stelle, die mir gerade angeboten wird", erwidere
ich lächelnd.
Er blüht unter dem Druck richtig auf und
antwortet: "Und das genau zum richtigen
Zeitpunkt!"
"Wofür? Rechtzeitig zu den Weihnachtseinkäufen?"
sage ich, um die Spannung ein
wenig zu erhöhen.
"Nein.
Gerade rechtzeitig für uns. Ich habe ihren Nachfolger gefunden!"
freut er sich
und schüttelt ein kaum lesbares Fax in der
Hand.
"Das meinen sie nicht ernst!" sage ich und zeige
auf das Fax. "Darauf kann man ja
kaum etwas erkennen!"
"Muß ich auch nicht", grinst er. "Ich habe
die Leute angerufen und die Details
überprüft."
"Sie vertrauen doch nicht etwa DIESER Arbeitsvermittlung!"
rufe ich. "Die können
doch weder eine Stellenanzeige
richtig veröffentlichen noch einen Computer-Profi
finden."
"Das ist ihr Irrtum!" knurrt der Chef. "Sie HABEN
jemanden für mich gefunden. Mit
etwas mehr Erfahrung und er
ist nur einen Bruchteil teurer als sie. Und er fängt
schon am
heutigen Nachmittag an. SICHERHEITSDIENST!"
Der Augenblick,
von dem der Chef seit Monaten träumt, ist gekommen.
"Begleiten
sie diesen Herrn nach draußen. Lassen sie ihn nichts berühren
und lassen
sie sich seine Schlüssel geben. Er soll auf dem
Weg nach draußen mit niemandem
reden. Und löschen sie
seinen Namen SOFORT aus der Angestelltenliste! Prüfen sie
seine
persönlichen Sachen, ob sich unter ihnen Eigentum der Firma
befindet und
händigen sie sie ihm dann aus."
Zufrieden
mit sich selbst stolziert er, der John Wayne der Netzwerke, zurück
in sein
Büro.
Ich werde auf die Straße begleitet
und gebe den Sicherheitsleuten meine Schlüssel.
Ich werfe
noch einen kurzen Blick auf das Gebäude, das einmal mein
Arbeitsplatz
war und gehe wieder hinein zum Empfang.
<Kling!>
"Hallo", lächle ich die Empfangschefin an. "Ich
wurde gerade als
Netzwerk-Administrator eingestellt. Könnten
sie bitte meinen Vorgesetzten
informieren ..."
Ich kann
es kaum erwarten, John Waynes Gesicht zu sehen. Oder meinen
neuen
Lohnscheck. Oder die Mitteilung, daß ich als neuer
Mitarbeiter erst einmal eine
Woche damit verbringen muß,
alle Sicherheitsregeln zu lernen.
Mit einer Lohnerhöhung
in der Tasche geht der B.O.F.H. auf Nummer sicher und
schockiert
den PJ ...
Als neu angestellter Mitarbeiter an meinem alten Arbeitsplatz muß
ich die
Regelungen des Arbeitsvertrages erfüllen und nehme
daher an einem Sicherheitskurs
teil. Es ist die übliche
Routinebelehrung, die Geräte, die nicht benutzt
werden,
abzuschalten und so weiter - Kinderkram.
"Kann
mir jemand sagen, was das ist?" fragt der Ausbilder und hält
ein Stück
Stromkabel mit abgeschabter Isolierung hoch.
"Ein
Unfall, der auf seine Chance wartet", schlage ich hilfreich vor.
"Ausgezeichnet! Völlig richtig." ist er begeistert
über die bisherige Mitarbeit seines
Publikums.
"Und
was ist das?" fragt er, während er ein Stück eines
Datenkabels von ähnlichem
Aussehen hochhält.
"Ein
Unfall, der auf seine Chance wartet", antworte ich noch einmal.
"Ähm, nun, nicht ganz", gluckst er.
"Doch,
wenn sie das Kabel in etwa zwei Zoll Höhe über der dritten
Stufe der
ziemlich schlecht beleuchteten Treppe von der sechsten
in die fünfte Etage
anbringen."
Die Augen des
Ausbilders werden für einen Moment schmal, als er versucht,
seinen
Gesichtsausdruck unter Kontrolle zu bringen ...
Erkenntnis
spiegelt sich in seinen Zügen wieder.
"Sie haben diesen
Kurs schon einmal besucht, oder?"
"Nun, natürlich
habe ich das. Aber ich habe das Zertifikat am Ende nicht
bekommen.
Niemand scheint es bekommen zu haben; nicht, nachdem sie
die Treppe
hinuntergestürzt sind, ihr Schlüsselbein
brachen und ihre Ausbildungserlaubnis
verloren. Ich glaube, es war
die dritte Stufe, wo sie den Halt verloren, stimmt´s?"
Er
knurrt leise, als die Erinnerungen an den Sturz und die Fahrt ins
Hospital
wiederkommen; die Erinnerung an seine Warnung vor dem
Unfall, daß meine
´Einstecken und hoffen´-Politik
nicht mit den Richtlinien der Firma übereinstimme.
Sein
Aussehen erinnert mich daran, daß ein ´Vergeben und
Vergessen´ noch nicht
zur Firmenpolitik gehört ...
Um
auf alles vorbereitet zu sein komme ich etwas früher von der
Frühstückspause
zurück und muß feststellen,
daß mein Stuhl nicht mehr da steht, wo er stehen sollte.
Ein
schneller prüfender Blick läßt mich erkennen, daß
einige wichtige Teile fehlen.
Ich schiebe den Stuhl nach hinten
und suche mir einen anderen aus.
Da ich noch immer allein bin,
schaue ich mir die Präsentation unseres Ausbilders auf
dessen
PC an und erlaube mir ein paar kleinere Änderungen an seinen
Folien. Als die
anderen zurückkommen, lasse ich mich mit
einem lauten ´Plumps´ auf meinen Stuhl
fallen. Ich
kann mir nicht helfen, doch der leicht irritierte Ausdruck im
Gesicht
unseres Ausbilders entgeht mir nicht, ein Ausdruck, der
sich noch verstärkt, als wir
zu seiner Lieblingsfolie kommen.
Die Folie, die uns auffordert, im Fahrstuhl nicht in
der Nase zu
bohren oder zu essen, wird ein wahrer Publikumserfolg
"Nun,
vielen Dank für die Folien", sage ich am Ende des Kurses.
"Und ich kann ihnen
versprechen, daß ich diese Folie,
die vor dem Rindfleisch im Lift warnt, ganz
besonders beachten
werde. Ein wirklich sehr wertvoller Hinweis - einmal etwas
ganz
anderes als die üblichen Tips, die Abdeckung von Kabelschächten
sorgsam zu
prüfen."
Am nächsten Morgen kommt
der Abteilungsleiter mit einem besorgten
Gesichtsausdruck herein.
"Hallo, Simon. Ich habe hier eine Beschwerde über sie."
"Eine Beschwerde! Über ihn! Das kann ich nicht
glauben!" ruft der PJ überrascht und
schlägt sich
mit der Hand gegen die Stirn. Er übertreibt die Rolle des
schockierten
Kollegen ein wenig, muß ich sagen.
"Ja,
unser Sicherheitslehrer hat sich darüber beschwert, daß
sie die Folien für seinen
Vortrag verändert haben."
"PRÄSENTATIONSFOLIEN VERÄNDERT!" macht der PJ
weiter und wird vom
Abteilungsleiter mit einem eiskalten Blick zum
Schweigen gebracht.
"Nun, ich habe vielleicht ein paar
grammatische Berichtigungen vorgenommen", gebe
ich zu. "Aber
ich habe nichts getan, was die Qualität der Präsentation
nicht
verbessert hätte. Wie auch immer, wenn das so schlimm
ist, kann er doch seine alte
Präsentation mit den Backups
wiederherstellen."
"Ja, das war auch unser erster
Gedanke - bis wir die fehlende Schutzwand gegen
störende
elektrische Felder im Regal für die Backups bemerkten."
Der PJ unterdrückt ein schuldiges Lachen.
"Und die
Backups, die wir außerhalb der Firma aufbewahren?" schlage
ich vor.
"Ja, aber es scheint ein Problem mit ihnen zu
geben", antwortet der Abteilungsleiter.
"Der Inhalt der
Bänder scheint nicht mit den Prüfsummenangaben der Barcodes
auf
den Hüllen übereinzustimmen."
"Nun,
der Barcode-Leser von einem der Bandlaufwerke hat einen Fehler",
antworte
ich. "Es ist möglich, daß das Archiv mit
der Präsentation auf einem Band mit einer
ähnlichen
Prüfsumme zu finden ist."
"Und wie viele Bänder
müßten wir prüfen?"
"Etwa 2000 - sie
alle haben unglücklicherweise die gleiche Prüfsumme - aber
das
ist ein Fehler der Software, den ich ihnen in einer Notiz vor,
Moment, ja, vor zwei
Monaten mitteilte."
"Ah, nun,
ich sehe keinen Grund, warum er seine Folien nicht noch einmal
erstellen
könnte", sagt der Abteilungsleiter, kehrt
damit die ganze Sache unter den Teppich
und verläßt
unser Büro.
"Gab es diese Notiz wirklich?" fragt
der PJ.
"Ja, eine Mitteilung, die ihm die Verantwortung
überträgt, mit vielen Fachwörtern am
Anfang, um ihn
abzuschrecken. Nun wird er sie lesen und sehen, daß
die
Verantwortung bei ihm liegt."
"Und was wird
geschehen?"
"Oh, die übliche Vertuschung - ein
Anruf in ein paar Minuten, um sich zu
entschuldigen; dann dürfte
bald ein verärgerter Sicherheitslehrer durch die Tür
da
drüben kommen ..."
Fünfundzwanzig Minuten
später ist meine praktische Demonstration der Gefahren,
die
von einem Datenkabel, das in etwa einem Zoll Höhe quer über
die erste Stufe
einer dunklen Treppe gespannt ist, ausgehen,
beendet. Ich greife mir ein
Blanko-Formular, das die Teilnahme an
der Sicherheitsbelehrung bestätigt, vom
Stapel, den die
Sanitäterin im Treppenhaus zurückgelassen hat, und reiche
es dem
PJ, damit er die leeren Felder ausfüllt.
Die Welt
der Netzwerke ist wirklich voller Unfälle, die auf ihre Chance
lauern.
Der B.O.F.H. leidet unter vorübergehendem Ärger mit den Telefonen ...
"Wir haben eine kleines Problem mit der Rufumleitung",
ruft der PJ, als er
hereinkommt und mit Verschwörermiene auf
den Raum mit der Telefonanlage deutet.
Ich greife mir den Laptop
mit der Diagnosesoftware für die Anlage und folge ihm.
Da
ich den Laptop nicht wirklich brauche, lasse ich ihn auf den Boden
fallen und
unterziehe alle möglichen Lauschgeräte, die
der Chef ´zufällig´ im Raum hinterlassen
haben
könnte, einem Belastungstest, indem ich meinen Kugelschreiber in
den
Lüfterschlitz der Unterbrechungsfreien Stromversorgung
(USV) der
Vermittlungsanlage schiebe.
"Wo liegt das
Problem?" rufe ich, um die Geräusche eines Kugelschreibers,
der von
den besten Ventilatorflügeln im Raum zerlegt wird, zu
übertönen.
"Der Chef hat etwas über die
0190er-Nummern herausgefunden", schreit er und
blickt sich
gehetzt um, jeden Moment Entdeckung und grausame
Bestrafung
erwartend.
Eine kleine Goldgrube, diese
Einrichtung. Eine eigentlich simple Idee in der
Theorie - wir
leiten einfach die Anrufe für jedes abgeklemmte Telefon in der
Firma
zu einer 0190er Nummer weiter, die Ratschläge für
die Arbeit mit Computern gibt,
und kassieren dabei als Vermittler
kräftig mit.
Tips wie: "Ihr Problem scheint eine
unzureichende Belüftung zu sein. Die einzig
mögliche
Lösung besteht darin, ihren Computer mit Wasser zu kühlen.
Gehen sie zu
einem Springbrunnen ..." und so weiter. Es ist
beeindruckend, wie viele Anrufe
jemand bekommt, der gerade die
Firma verlassen hat - für 99 Pence je Minute - und
noch
beeindruckender ist, wie viele Telefone keine Umleitungssperre haben.
So schnell wie möglich rufe ich die 0190er Leute an und
erkläre ihnen widerwillig, daß
wir ihren Service nicht
mehr länger brauchen. Das Geld sollen sie auf ein
Konto
überweisen, daß ich unter dem wenig bekannten
Pseudonym ´Verstorben´ angelegt
habe. Die Zahl, die
sie nennen, erfreut den PJ und mich sehr. Offenbar kamen mehr
Anrufe
als erwartet.
"Wie konnte der Chef etwas herausfinden?"
frage ich.
"Ich befürchte, ich habe einen Tippfehler
gemacht und statt einer abgeklemmten
Nummer eine noch genutzte
eingegeben", beichtet der PJ mit überzeugendem
Bedauern
im Tonfall.
Vergebung ist in Krisenzeiten der Schlüssel zum
Erfolg, also schlage ich dem PJ vor,
daß wir so tun, als ob
wir die Vermittlungsanlage reparieren bis der Chef kommt.
Minuten
später platzt der Chef voller Wut herein, um zu hören, was
seine
Lauschgeräte nicht mehr mitbekommen können, und
landet stattdessen mit einem
Fuß auf dem Laptop, der am
Boden liegt. Seine langsamen Reflexe schaffen es nicht,
den Chef
zu bremsen, so daß das Display des Laptops aufspringt, über
das er stürzt
und mit dem Gesicht zuerst in das Regal mit der
Telefonvermittlungsanlage rast.
Scheußlich.
"Autsch",
murmelt der PJ. "Ich wette, daß das verdammt schmerzhaft
ist."
Der Blick des Chefs bestätigt diese Vermutung,
als er sich langsam aus dem
baumelnden Kabelsalat befreit ...
"Was zum Teufel machen sie hier?" knurrt er und wischt
sich mit seinem
Taschentuch über das blutige Gesicht.
"Wir
überprüfen nur diesen lärmenden Lüfter. Es sieht
ziemlich ernst aus", sage ich
und verpasse dem Ding einen
Schlag als Rache für den Ärger in der Vergangenheit.
Sagte
ich Vergangheit? Ich meinte eigentlich den aktuellen Ärger. Der
Lüfter, der
endlich genug von meinem Kugelschreiber hat,
stoppt plötzlich, gibt ein leises ´Klick´
von
sich und läuft polternd aus.
"VERDAMMTER MIST!"
schreit der Chef, um den automatischen Alarm der USV
zu übertönen,
was angesichts der Tatsache, daß dieser Ruf auch durch die
Wände
dringen soll, keine schwere Übung für den
Chef darstellt - er schreit ja gern.
"SCHALTEN SIE U ... m
auf die andere Einheit", vollendet er, als ich die
Alarm
abschalte.
"Da haben wir wohl nicht viel Aussicht
auf Erfolg", erklärt der PJ und hält die
zerkleinerten
Überreste des Laptops mit der Software in den Händen.
Offenbar hat
das Gerät in den letzten Sekunden ziemlich viel
aushalten müssen.
"Ich bin untröstlich", sagt
er. "Aber irgendwer hat wohl ein Kabel auf dem
Boden
liegengelassen ..."
Wir schauen den Chef an.
"...
über das ich stolperte."
"Zu spät für
dieses Ding - holen sie ein anderes!" ruft der Chef, der schon
den
Selbstschutz beim nächsten Managertreffen im Auge hat.
"Können wir nicht", werfe ich ein. "Die
Sicherheitskopien befinden sich auf einer
defekten Festplatte, die
wir aufgrund ihrer Anweisungen nicht ersetzen durften",
füge
ich noch hinzu, um die Situation zu meinem Vorteil zu wenden.
"Hu!"
murmelt der PJ. "In ihrer Haut möchte ich jetzt nicht
stecken. Das wird nicht
gut für ihr Budget aussehen - dieser
Totalausfall der Vermittlungstechnik."
"EIN
KOMPLETTAUSFALL!?!" keucht der Chef.
"Nun, sie sagten
doch, daß wir defekte Teile unserer Vermittlungsanlage durch
Teile
der Zentralvermittlung ersetzen sollen, um Kosten zu sparen
..." antworte ich.
Der Chef bekommt ein gehetztes Aussehen.
"In Ordnung. Was wollen sie?"
"Ich denke, daß
sie das schon wissen", lächle ich wohlwollend. Oder ist
es
übelwollend, ich verwechsle das immer.
Zehn Minuten
später halte ich die Telefonrechnungen und die Kopien, die der
Chef
angefertigt und in seinem Safe versteckt hatte, in den
Händen.
Ich kehre in den Vermittlungsraum zurück, wo
die Temperatur der Anlage sich
bedenklich der Ausfalltemperatur
genähert hat, und demonstriere, wie leicht es ist,
die
elektrische Sicherung eines Lüfters auszutauschen ...
Es ist
doch lustig, daß sich manche Dinge immer zum Besten entwickeln,
oder?
Ein erhitzter Wortwechsel
mit dem Chef über die Klimaanlage erhöht die Temperatur
im
gesamten Gebäude ...
An diesem angenehmen Sommermorgen kommt der PJ vom Einkauf in
unser Büro
zurück. Er hat sich dabei offensichtlich an
meine Anweisungen gehalten.
"Wirklich ein perfekter,
handgemachter elektrischer Wasserkocher mit einer
Sicherung, um
eine Überhitzung zu verhindern", sage ich voller
Zufriedenheit über die
Perfektion meines Planes.
"Aber
wir haben doch eine Kaffee- und auch eine Teemaschine!" sagt der
PJ.
Während ich den Kocher am Wasserbrunnen fülle,
schüttele ich den Kopf über diese
Frage. "Was
passiert jedes Jahr im Sommer?" frage ich ihn.
"Es wird
heiß?" rät er.
"Korrekt. Und die Klimaanlage
tut was?"
"Sie fällt aus."
"Und wir
müssen was tun?" frage ich.
"Wir sitzen den ganzen
Tag im Vermittlungsraum."
"Richtig. Nehmen sie den
regelbaren Transformator und kommen sie in den
Vermittlungsraum."
Er folgt meiner Anweisung, so daß ich wenig später den
Transformator auf 5 Volt
einstellen und den Kocher anschließen
kann, den ich unter dem Gitter eines
Fußbodenventilators der
Klimaanlage versteckt habe.
"Ihre Aufgabe besteht, sofern
sie mitmachen wollen - sie haben natürlich gar keine
andere
Wahl, aber es klingt so gut - darin, dafür zu sorgen, daß
diesen Kocher immer
schön versteckt bleibt. Darüber
hinaus erhöhen sie die Spannung am Transformator
pro Tag um 5
Volt."
Ich zeige ihm ein Thermostat an der Wand und öffne
dessen Umhüllung.
"Schritt 2: Drehen sie jeden Tag die
Justierschraube entgegengesetzt zum
Uhrzeigersinn um 5 Grad, damit
die Klimaanlage annimmt, es wird kälter. Nun, noch
Fragen?"
"Ja, eine. Was passiert, wenn der Transformator 200 Volt
erreicht?"
"Ich wette zwanzig Pfund, daß am
Kocher nie mehr als 50 Volt anliegen werden."
"Glauben
sie!" keucht der PJ in Erwartung von leichtverdientem Geld.
"Und denken sie daran, daß immer Wasser in dem Kocher
sein muß" erinnere ich ihn,
denn ich weiß ja, wie
vergeßlich er sein kann.
Nun, die Wette kommt zustande, und
ich befasse mich für ein paar Tage mit dem
Testen der
Belastbarkeit unseres Netzwerkes. Als ich genug davon habe,
die
Netzwerkvariante von Doom 2 zu spielen, rufe ich den Chef an
und informiere ihn
über die Probleme mit der Klimaanlage im
Vermittlungsraum.
Um den Schein zu wahren, erscheint er auch bald
und schaut sich neugierig um. Er
betastet die Thermostate ein
wenig, schnuppert ein wenig, um die Luftfeuchtigkeit zu
prüfen.
Als er sein technisches Repertoire ausgeschöpft hat, bestellt er
einen
Fachmann für Klimaanlagen, der ihm bestätigt, daß
unsere Messungen korrekt sind.
"Sie brauchen eine neue
Einheit", erklärt der Techniker dem Chef. "Die Anlage,
die
sie zur Zeit benutzen, scheint überlastet zu sein."
"Das habe ich dem Chef doch schon im letzten Sommer
erklärt", ergänze ich. "Aber
er hat sich nicht
darum gekümmert. Und nun sehen sie, was daraus geworden ist."
Meine vorsichtigen Worte scheinen ihn daran zu erinnern, daß
zwischen uns der
Kriegszustand herrscht. Er scheint zu ahnen, daß
etwas an der Sache faul ist, kann
es aber nicht herausfinden,
obwohl er sich verzweifelt bemüht, mich zu
überführen
- ganz besonders nach meinem kürzlich errungenen Sieg, als es um
die
Vermittlungsanlage ging, wo es ihm ebenfalls nicht gelang,
mich zu entlarven.
"Ja, dann müssen wir eben eine neue
Einheit hier einbauen, aber wo ..." lächelt er und
entdeckt
den idealen Ort dafür genau vor sich. "Wie wäre es
denn hier?" fragt er und
deutet auf die Wand zwischen dem
Vermittlungsraum und unserem
Netzwerkkontrollraum.
"Keine
gute Idee", sagt der Techniker. "Der Wärmetauscher
würde den Raum
dahinter in eine Sauna verwandeln."
"Nun, es scheint keine andere Alternative zu geben",
antwortet der Chef
selbstgefällig.
"Wie wäre es
hiermit?" frage ich und zeige auf eine Lücke zwischen
zwei
Wärmetauschern an der gegenüberliegenden Wand.
"Nein, das geht nicht", unterbricht mich der Chef. "Da
stehen schon zu viele
Einheiten. Wenn wir eine weitere
hinzustellen, gefährden wir die Trägfähigkeit
der
Decke."
Etwas sagt mir, daß er diesmal seine
Hausaufgaben gemacht hat.
"Also nehmen wir diese Wand",
lächelt er. Dabei zeigt er voller Schadenfreude auf
einen
Platz, der ziemlich genau zwischen meinem Schreibtisch und dem des PJ
liegt.
Der entsetzte Blick des PJs spricht Bände.
Zwei
Wochen später ist es in unserem Kontrollraum wirklich ein wenig
ungemütlich,
erst recht, nachdem jemand den Auftrag gegeben
hat, unsere Fenster dauerhaft zu
verriegeln.
In der Folgezeit
geht unsere Besucherzahl drastisch nach unten und erreicht
einen
neuen Tiefstand. Eigentlich kommt nur noch der Chef täglich
vorbei, um durch das
doppelt verglaste Fenster hereinzuschauen und
hämisch zu grinsen.
Bis heute - heute ist der Tag der
Vergeltung.
Der PJ und ich sind ungewöhnlich früh in
unserem Kontrollraum, um meinen Plan zu
vollenden. Vollendung
heißt nichts anderes, als daß wir die neue Einheit
der
Klimaanlage abklemmen, sie umpolen und wieder anschließen,
so daß wir endlich
eine funktionierende Klimaanlage
bekommen.
"Das wird der Chef bemerken!" ruft der PJ.
"Er wird nicht mehr hereinkommen - niemand tut das",
antworte ich, um ihn zu
beruhigen.
"Aber wenn er draußen
vorbeigeht, wird er die Rückseite des Wärmetauschers
bemerken."
"Nicht, wenn sie die Abdeckung ebenfalls austauschen."
"Das wird ihn nicht täuschen!"
"Ich bin
ganz sicher, daß es klappt - neulich hat er herausgefunden, daß
ich die
Gehäuse des Shredders und des Faxgerätes
ausgetauscht habe. Bedauerlicherweise
hat der ´Shredder´
automatisch die Zeitungen angewählt und die Berichte über
die
horrenden Ausgaben an sie gesendet. Boulevardzeitungen können
wirklich grausam
und verantwortungslos sein."
"Was
hat der Chef getan, als er es herausfand?"
"Was denken
sie denn? Zugeben, daß wir ihn zum Gespött der Leute
gemacht haben?
Ich habe nun noch eine kleine Aufgabe für
sie."
"Worum geht es?"
"Machen sie ihre
Abrechnung noch einmal - sie war sein letztes ´Fax´."
"Sie Hund!"
"Durch und durch, immer auf der
Jagd und meine 20 Pfund erwartend ..."
Der B.O.F.H. wird zum
Vertragskiller, als er Schäden beseitigt, die sein
Chef
verursachte ...
Ich bin nicht glücklich. Eigentlich ist das nicht selten,
aber heute bin ich WIRKLICH
unglücklich.
Der
Abteilungsleiter hat gerade eine Zeitbombe dadurch gestartet, daß
er ohne
nachzufragen einen großen Wartungsvertrag mit einem
unserer Hardwarelieferanten
abgeschlossen hat, der uns einen
fünfzigprozentigen Rabatt einräumt.
Nun gefällt
mir ein Rabatt bei Wartungsverträgen ungefähr ebenso, wie
irgendein
anderer Administrator, der meint, man müsse
Wartungstechnikern erst einmal mit
einem Sack voller Terminatoren
auf den Kopf schlagen, aber das klingt wohl ein
wenig verdächtig.
Der Abteilungsleiter, bekannt dafür, daß er Probleme
hat, unverletzt durch lange
Korridore zu gehen, hat es irgendwie
geschafft, mit diesen hochqualifizierten und
geldgeilen Profis,
die das Wartungsteam bei der ´Raub-mich-aus´-Gesellschaft
bilden,
diesen Rabatt auszuhandeln.
Nun, wir werden sehen.
Und wo ich
gerade dabei bin, er behauptet, ohne Hilfe den Weg zu seinem
Büro
gefunden zu haben, was ich bezweifle.
Alles was mir
nun bleibt, ist zu sehen, welchen Schwachsinn er da
konkret
ausgehandelt hat.
"Was für ein Vertrag ist
es?" frage ich, nachdem er in seinem Büro angekommen
ist
und mich fröhlich angrinst.
"Ein Standardvertrag
wie vorher. Nur habe ich die Hunde damit für 20
Jahre
FESTGENAGELT!" sagt er hämisch lächelnd. "DAS
IST EIN WASSERDICHTER
VERTRAG! Deren Anwalt hat sich sogar ein
wenig dagegen gesträubt!"
"Und UNSERE Anwälte?"
frage ich und ahne schon, was jetzt kommen wird.
"Die werden
überschätzt!", antwortet er. "Das hätte ich
mit geschlossenen Augen
tun können."
Ich schaue mir
den Vertrag an und sehe, daß er ihn vermutlich wirklich
mit
verbundenen Augen unterzeichnet hat.
"Nun, eine
kleine Frage", sage ich und bereite mich auf eine lange Reise
ins Land der
Ahnungslosigkeit vor.
"Ja?"
"Sie
wissen, daß WIR ebenfalls für 20 Jahre an diesen Vertrag
gebunden sind?"
"Natürlich."
"Nun,
merken wir uns das einmal und dann zeigen sie mir bitte
irgendein
- IRGENDEIN Gerät, das wir schon länger als 5 Jahre haben,
ganz
abgesehen von 20 Jahren!"
Ein Groschen beginnt zu
fallen. Langsam.
"Oh ... Ah ... Nun ... Keines?!?"
piepst er, als der Groschen am Boden ankommt und
sich in dieser
Hinsicht als lohnende Investition erweist.
"Nicht ganz",
sage ich. "Wir haben diese große Lochkarten-Stanzmaschine
von IBM
im Computerraum. Und wissen sie wieso wir die noch haben?"
"Um Lochkarten herzustellen?"
"Nein, denn wir
haben ja keine Lochkartenleser mehr ..."
"Ballast für
die Klimaanlage!" platzt er heraus und hofft auf einen Treffer.
"Nein. Gut, wenn wir die Maschine abstellten, dann wären
einige der Lüfter nicht
mehr nötig, aber das ist nicht
der Grund. Wir haben diese Maschine noch, weil das
Gebäude
praktisch um sie herum errichtet wurde. Als Schrott könnten wir
wohl noch
etwa 200 Pfund für sie bekommen, aber wir können
das Geld nicht bekommen, WEIL
SIE ZU GROSS IST, UM SIE HINAUS ZU
TRANSPORTIEREN!"
"Ich weiß nicht, worauf sie
hinauswollen", gesteht der Abteilungsleiter.
Ich prüfe
zur Sicherheit noch einmal den Vertrag.
"Nun, sie haben
einen BINDENDEN, WASSERDICHTEN Vertrag unterschrieben,
der besagt,
daß wir ihnen monatlich 2000 Pfund bezahlen, jeden Monat der
nächsten
zwanzig Jahre, damit sie sich um einen Mini-Computer
kümmern, der in etwa fünf
Jahren jeden Wettkampf gegen
einen Taschenrechner verlieren dürfte. Und sie haben
offenbar
nicht einmal ihre Erlaubnis verlangt, bevor sie diesen
Vertrag
unterschrieben?!"
"Welche Erlaubnis?"
"IHRE VERDAMMTE ERLAUBNIS ZUM GELDDRUCKEN! SIE HABEN
IHNEN
ALLES GEGEBEN! DIE EINZIGE SACHE, DIE SIE VERGESSEN
HABEN,
WAR EIN HAFTUNGSAUSSCHLUSS!" rufe ich und bin dem
Wahnsinn nahe.
Ein eiskalter Gedanke geht mir durch den Kopf.
"Sie haben ihnen keinen kompletten
Haftungsausschluß
gegeben, oder?"
"Was meinen sie?" fragt unser
qualifizierter und professioneller
Entscheidungsträger.
"Kompletter Haftungsausschluß bei Unfällen. Sie
wissen schon, die Leute gehen
durch einen Korridor und lassen
einen Schraubenzieher fallen, der durch ein Loch für
die
Belüftung fällt und auf irgendeiner Maschine landet, einen
Kurzschluß verursacht
und die Maschine in ihre Einzelteile
zerlegt. Mit einem Haftungsausschluß hört
deren
Verantwortung bei einem ´Entschuldigung´ auf."
"Ähm
... Nein, nein. Ich bin mir sicher, daß ich das nicht gemacht
habe, weil ein
Techniker irgendwann meinen Lieblingskugelschreiber
zerstört hat, den er auch
bezahlen mußte."
"Nun,
bei 2000 Pfund im Monat werden die Kosten für einen
Kugelschreiber sie
wirklich in den Ruin treiben."
Zwei
Wochen später kommt der Techniker von
der
´Raub-mich-aus-für-20-Jahre´-Gesellschaft.
Um uns das Gefühl zu geben, er verdiene sein Geld, schraubt
er das Gehäuse auf,
wirft einen Blick auf die
Diagnose-Lämpchen, schreibt ein paar Zahlen auf,
lächelt
selbstgefällig und schließt das Gehäuse
wieder.
In Wirklichkeit ist er so von sich selbst überzeugt,
daß er nicht bemerkt, wie der PJ
ihm einen seiner
Schraubenzieher klaut und damit verschwindet.
Er bemerkt auch
nicht die ein wenig hervorstehende Kachel am Boden des Korridors.
Bis
sein Fuß auf ihr landet und damit, wie geplant, einen
Mechanismus auslöst, der
ein sehr, sehr lautes ´BANG!!´
unserer unbezahlbaren und historisch wertvollen
ersten
Lochkartenmaschine erzeugt, als sie mit dem Schraubenzieher
des
Technikers zwischen dem Netzteil und den nun kurzgeschlossenen
Netzkabeln
explodiert.
Und da es sich um eine alte Maschine
handelt, geht sie prompt in Flammen auf.
Möglicherweise wird
dieser Vorgang noch durch ein petroleumgetränktes
Tuch
beschleunigt, daß der PJ und ich in weiser Voraussicht
in sie hineingestopft haben ...
Der Abteilungsleiter und ein
Anwalt tauchen lautlos hinter uns auf. Der Anwalt
betrachtet sich
die Zerstörungen und der Abteilungsleiter den unschätzbaren
Betrag,
den er mir bei der nächsten Verhandlung über
meinen Lohn schuldet ...
Der B.O.F.H. zeigt, daß
Dummköpfe nicht auf Bäumen wachsen, sie stattdessen
über
mehrere Jahre lang trainiert werden müssen ...
"Hallo. Ist dort die Netzwerk-Verwaltung?" fragt ein
Nutzer über die
Freisprechanlage.
Ich nehme das
LAN-Topologie-Überwachungs-Gerät (VR Brille [VR:
Virtual
Reality]) ab und beende die Verbindung mit dem
leistungsfähigen
Netzwerk-Analyse-Server (VR Panzerschlacht
Game-Server), um meine
Aufmerksamkeit dem Anrufer zuzuwenden.
Die
Rufnummernidentifizierung meldet, daß er aus der
Erbsenzählerzentrale kommt.
"Ja, hier ist die
Netzwerk-Verwaltung", antworte ich.
"Gut. Ich habe ein
Problem mit dem Herunterladen einer Datei aus Brüssel
mittels
FTP. Die Verbindung wird immer nach genau einem Megabyte
abgebrochen."
Der PJ grinst zu mir herüber, schreibt
hastig einen Zettel voll: "HEUTIGES LIMIT
1024K" und
deutet auf die Packet-Filter Software.
Langsam wird er richtig
gut.
"Ah, ja", sage ich und blättere im
Ausredenkalender. "Wir haben im Moment mehrere
Fälle
dieser Art. Wir glauben es liegt an ... Netzwerk-Destabilisierung
durch
floureszierende Niedrigspannungslampen."
"Wie
bitte?"
"Nun, wenn eine fluoreszierende Lampe
eingeschaltet wird, sendet sie einen Strom
durch das Kabel zurück,
was zu Interferenzen in Netzwerkkabeln führt, die
daneben
liegen. Gerade bei niedrigen Spannungen tritt dieser
Effekt verstärkt auf."
<DUMMY MODE EIN>
[Aus
dem Bastard-Wörterbuch:
DUMMY MODE, Substantiv. Der Zustand
in dem der Nutzer, überwältigt durch
technische
Begriffe, alles glaubt und/oder tut, was ihm gesagt wird.]
"Oh.
Und was kann man da tun?"
[Habe ich es nicht gesagt?]
"Naja, heute können wir nichts mehr unternehmen, denn
irgendetwas erzeugt
offenbar ständig diese Ströme. Wie
groß ist denn die Datei, die sie brauchen?"
"Etwa
1.6 Megabyte."
Ich kritzele auf den Zettel des PJ: "MORGIGES
LIMIT 1.59 MEGEBYTE" und gebe
ihn ihm zurück.
"Nun",
erwidere ich. "Gibt es in ihrer Etage irgendwelche Lampen, die
mit niedriger
Spannung betrieben werden?"
"Ich habe
keine Ahnung."
"Nun, sie müßten klein sein,
meistens sind es rechteckige Lämpchen, wie man sie in
Anzeigen
oder Displays findet."
"DIE NOTAUSGANGS-SCHILDER!!"
ruft er, als er endlich das Ende des Pfades
gefunden hat, auf den
ich ihn schickte.
"Natürlich!" rufe ich und teile
seine Begeisterung. "Sie sind über den Türen
angebracht,
wo auch die Netzwerkkabel liegen. Nun, es sieht so aus, als könnten
sie
im Moment nichts unternehmen - und wir können die Kabel
leider auch nicht so
schnell neu verlegen. Ich bedaure ..."
"Und könnten wir nicht die Notausgangsschilder woanders
anbringen?"
"Oh, ich fürchte, WIR können dies
nicht, selbst wenn wir die Zeit hätten."
"Oh?"
"Nein, wir haben einfach nicht die Zeit, die Abdeckung der
Kabelschächte
abzunehmen, dann jedes Ausgangsschild mit
seinem Kabel ein paar Meter von den
Datenkabeln wegzuschieben und
die Abdeckung wieder anzubringen."
"Oh", antwortet
er. Das Rattern seiner Gedanken ist dabei beinahe zu hören.
"Dann
muß ich eben versuchen, die Datei in kleineren
Paketen zu übertragen."
Ich lege auf, streiche auf dem
Zettel des PJ die 1024K durch und ersetze sie durch
50K. Ich nicke
ihm zu, den Filter entsprechend einzustellen.
"Er wird es
nicht tun ..." sagt der PJ. Er ist so jung und hat doch schon
kein
Vertrauen mehr ...
"10 Pfund?" frage ich.
"Es
ist ihr Geld", sagt er naiv an leichtverdientes Geld denkend.
Der nächste Morgen bricht an und ich verstaue einen
druckfrischen neuen 10
Pfund-Schein in meiner Geldtasche. Der PJ
hat mit Empörung festgestellt, daß die
Notausgangsschilder
tatsächlich nicht mehr über den Türen leuchten,
sondern links
und rechts an der Wand des Notausgangskorridors,
damit sie die Netzwerk-Kabel
nicht mehr stören.
"Man
sollte niemals die Verzweiflung eines Nutzers unterschätzen",
erkläre ich und
bringe ihm so einen weiteren wichtigen
Grundsatz der Kunst der Netzwerkbetreuung
bei.
Um ihn ein
wenig abzulenken, lasse ich ihn neue ´Kabellose
Infrarot-LAN-Sender
und -empfänger´ (Infrarot-Kameras)
in der Erbsenzähleretage installieren. Ich
verteile noch ein
paar Kabelrollen, so daß es aussieht, als seien wir sehr mit
Arbeit
beschäftigt.
Etwas später an diesem
Nachmittag ist die Netzwerkzentrale beinahe mit
befreundeten
Netzwerkadministratoren aus anderen Firmen überfüllt.
"Sie
kennen die Regeln", erkläre ich. "20 Pfund pro Spieler
mit Ausnahme des PJ und
mir, denn wir sind die Gastgeber und
beginnen auch mit der Wahl unseres Spielers."
Zustimmendes
Nicken, als der PJ die Wetteinsätze einsammelt und wir
die
Spiel-Monitore einschalten. Als jeder seinen Spieler
ausgesucht hat, kann es
losgehen.
"Laßt das Spiel
beginnen!" rufe ich, betätige den Schalter, der das Licht
in der
Erbsenzähleretage und den Treppen abschaltet und löse
den Feueralarm aus.
"Gewonnen hat der, dessen Spieler als
erster das sichere Treppenhaus erreicht!"
Durch die
Infrarotmonitore beobachten wir, wie das Chaos ausbricht, wie jeder
in der
Dunkelheit verzweifelt versucht, in die scheinbare
Sicherheit, die die matt
leuchtenden Notausgangsschilder
versprechen, zu gelangen.
Der Tribut, den die neuangebrachten
Schilder von den Wänden verlangen, ist recht
hoch und wird
sich vermutlich nur durch eine dicke Schicht Putz wieder
berichtigen
lassen.
Nächstes Hindernis (für die
schlaueren Wettbewerber) auf der Liste sind
Kabelkisten, die der
PJ zufällig in den Korridoren verteilt hat.
"Das ist
wie Pinball mit mehreren Kugeln!" ruft der PJ begeistert.
Zehn
Minuten später zähle ich meinen Gewinn - denn natürlich
hat der
Erbsenzähler, der die Schilder neu angebracht hat,
gewonnen ...
Und da behaupten manche noch, mit Netzwerken könne
man kein Geld verdienen.
Die Handschrift des B.O.F.H.
entwickelt sich zu kindlichem Gekritzel beim Versuch,
astronomisch
hohe Ausgaben ersetzt zu bekommen ...
Es ist ein angenehmer Tag in der Netzwerkzentrale, als ich zu
einem Treffen mit den
Erbsenzählern schlendere. Es soll um
die Spesenabrechungen gehen, die ich für die
letzten beiden
Monate abgegeben habe.
Es sieht so aus, als hätte sich die
brandneue, topmoderne und mit überflüssigen
Funktionen
nur so vollgestopfte Schrifterkennungssoftware (zur Erfassung
von
Spesenabrechnungen und deren Überführung in
Tabellen, um dann allerlei mystische
Berechnungen vorzunehmen, um
denjenigen zu finden, der all die Spesengelder
ausgibt) sich an
meinen Belegen und Rechnungen verschluckt. Vielleicht, und hier
muß
ich raten, liegt das daran, daß ich nicht WILL, daß
jemand herausfindet, wieviel
ich wirklich ausgebe.
Wenn ich
wollte, daß der Chef ´Bier und Wodka´ auf meinen
Spesenabrechnungen
liest, würde ich in Großbuchstaben
´BIER und WODKA´ schreiben und nicht ´Briek
und
Brohrl´ hinkritzeln, als hätte ich eine Schreibhemmung.
Es ist schließlich ein Vorrecht von
Netzwerk-Administratoren, sich für ihr eigenes
Geld ein paar
Chips zu kaufen, sich dann eine horrende Rechnung vom Bartisch
zu
greifen und die Firma dafür zahlen zu lassen! Ja, das ist
ein gottgegebenes Recht!
Ich bereite mich geistig und moralisch
mit ein paar Gläsern Bier und Chips in der
nahegelegenen
Kneipe auf das Treffen vor. Zehn Minuten später bin ich in
der
Erbsenzählerzentrale und rede mit einem ihrer
Repräsentanten.
"Gut, kommen wir zu den Spesen für
Essen und Trinken ... was soll das heißen?"
fordert der
Erbsenzähler mich heraus. "Briek und Brohrl. Was zum Teufel
sind Briek
und Brohrl?"
"Lassen sie mich mal sehen
... " antworte ich und heuchle Hilfsbereitschaft. "Oh!
Das
ist Rindfleisch! Ich habe wohl ein Steak gegessen!"
"Und
Brohrl?"
"Brohrl. Hmm ... Brüsseler Kohl,
Rosenkohl!"
"Sie haben für 150 Pfund Steak und
Rosenkohl gegessen??"
"Könnte schon sein. Es war
außerhalb der Steak- und Rosenkohl-Saison ...
Übrigens
sehr lecker, wenn es richtig zubereitet serviert wird. Und es war ein
sehr
großes Steak ... "
Eine halbe Stunde, die wir
mit kreativer Veranschaulichung von Speisen zubringen,
später
...
"Was ist das?" fragt der Erbsenzähler. "Briek
und Escrot?"
"Nun, das erste ist offensichtlich wieder
Rindfleisch und das andere ... hmmm ...
sieht irgendwie wie
ESCORT aus, stimmt´s?! HA HA HA! Stellen sie sich das
vor -
die Firma zahlt für einen Begleit-Service! Nein, ich weiß
wirklich nicht, was es
sein könnte - irgedeine Delikatesse,
die sie im Kongreßzentrum von Amsterdam
servieren?"
Natürlich habe ich es kommen sehen. Die neue
Handschriftanalyse-Software kann
ohne Probleme mein ´Briek
und Brohrl´ und mein ´Ligord und Amno´
lesen,
übersetzen und auch noch herausfinden, wo ich was zu
mir genommen habe, wieviel
ein Treffer gekostet hat und wie ihr
Name war!
Ich glaube nicht, daß ich betonen muß, daß
diese Entwicklung alles andere als positiv
ist.
Zum Glück
glaube ich fest daran, daß bei der Weiterentwicklung der
Technik die
Menschen sich schrittweise zurückentwickeln
sollten, was eine Form von
Selbstverteidigung ist. Also begann
ich, meine Schreibgeräte und Schriftgröße
zu
variieren und füllte meine Formulare halb mit einem
Buntstift und halb mit
Fingerabdrücken aus (was alles der
gegenwärtigen Vorschrift entspricht, die
vorschreibt, daß
Spesenabrechnungen handschriftlich ausgefüllt werden müssen).
Möglicherweise ist es auch die unterschiedliche Größe
meiner Buchstaben, die der
Software Probleme macht. Manchmal sind
die Buchstaben 16 Punkte groß, manchmal
auch 1600 ...
Die
Ankunft eines neuen Erbsenzählers, der den alten, der wirklich
erschöpft
aussieht, ablöst, weckt mich aus meinen
Gedanken ...
"Simon, nur noch ein paar Unklarheiten",
beginnt der neue Erbsenzähler.
"Mmmm?" antworte
ich zu jeder Hilfe bereit.
"Dies hier. Es ist eine
senkrechte Linie. Buntstift, oder?"
"Ja. Das müßte
stimmen. Ich glaube, das ist der erste Strich vom K im
Wort
Kalbfleisch."
"Hä?"
"Ich
hatte einen Krampf in der Hand und konnte nicht kleiner schreiben.
Ich konnte
den Stift kaum halten, aber vergessen wollte ich es
auch nicht. Ich werde doch nicht
bestraft wegen dieser kleinen
Behinderung?" Die Worte ´kleine Behinderung´
versetzen
ihn in Angst und Schrecken. Das Management legt auf
politische
Korrektheit besonders großen Wert, und die
kleinste Geschmacklosigkeit gegenüber
Behinderten wird mit
einem sofortigen Rauswurf geahndet.
"Aha. In Ordnung. Aber
Kalbfleisch für 100 Pfund?" fragt er nervös.
"Es
gab eine Salattheke und Weintrauben."
"Ich verstehe.
Und dies? Das sieht aus wie ein Farbkleks."
"Ein
Fingerabdruck." antworte ich. "Steak Sandwich. Sehr selten.
Schauen sie, hier
können sie das S erkennen."
"Es
ist ein Fleck!"
"Nein, es heißt wirklich Steak
Sandwich. Ich mußte es abkürzen, damit es auf das
Formular
paßt, denn mein Finger kann keine dünneren Linien malen."
"Warum haben sie keine Tastatur benutzt?"
"Was?
Um RSI [Repetitive Strain Injury - ´Tastaturkrankheit´]
zu riskieren?"
Zehn Minuten später gibt der zweite
Erbsenzähler gebrochen auf und zählt einfach
die
Einzelposten zusammen.
"Oh!" rufe ich plötzlich.
"Ich habe noch etwas."
"Was ist das?" fragt
er. "Briek und Clops von heute?"
"Das steht für
... Rindfleisch und Chips."
"Sie hatten zwei Schüsseln
davon."
"Natürlich, ich muß auf Proteine
achten!"
Es ist ein Hundeleben, wirklich ...
Der B.O.F.H. verlangt nach einer lästigen Nutzeranfrage Gebühren ...
Es ist Zeit, die Ausbildung des PJ fortzusetzen, also führe
ich ihn durch einen
Computerraum, als ein Anruf kommt. Was zum
...? Nun, niemand außer uns ist im
Raum, also gehe ich ans
Telefon.
"Hallo."
"Ist dort der Computerraum?"
"Ja ..."
"Sind sie der Systembetreuer?"
Ich schaue mich schnell um - außer dem PJ gibt es keine
Zeugen.
"... Ja ..."
"Ich glaube, sie haben
eine defekte Festplatte in ihrem Datenbankserver."
"Wirklich?
Wie kommen sie darauf?"
"Nun, meine Datenbank-Updates
funktionieren nur sehr langsam."
"Welche Updates?"
"Ich versuche, die mittleren Initialen aller Angestellten
und Geschäftspartner seit
1991 durch große Buchstaben
zu ersetzen."
"Wie ... sinnvoll. Und sie erwarten, daß
diese ganze Arbeit in wenigen Augenblicken
erledigt ist?"
"Handelt es sich etwa nicht um ein Festplattenproblem?"
"Nein, wir würden es schon vorher wissen, denn die
Festplatten sind mit einem
Warnsystem ausgestattet, das einen
Ausfall ankündigt."
"Wirklich?"
"Ja,
und ich sage voraus, daß sie in drei Sekunden ausfallen."
"Wieso?"
"Weil ich die Server dann abschalte."
Ich höre einen ganzen Sturm von Tastenanschlägen, aber
sie kommen zu spät, um
noch etwas zu bewirken ...
Ein
paar Rüttler an den Kabeln und einen lauten Klick später
beginnt ein rasch
improvisierter Neustart der Festplatten, dem
eine automatische ´Reparatur´ folgen
wird. Der PJ, dem
seine Ausbildung wichtig ist, beobachtet aufmerksam alles und
macht
sich Notizen.
"Keine Zeugen", erinnere ich ihn, als wir
zum nächsten Gerät gehen. Gerade
rechtzeitig sehe ich
noch, wie der Chef um die Ecke biegt und zu uns kommen will.
Noch
ein >Klick< und der Beweis für unser Handeln verschwindet.
"Was ist passiert?" fragt der Chef aufgeregt.
"Wann?"
frage ich überrascht und ahnungslos zurück.
"Gerade
eben - meine Datenbank-Sitzung blieb einfach stehen!"
Der PJ
und ich stellen uns dumm, solange der Chef die Nachrichten auf
den
Kontrollmonitoren nach Spuren der Bastardisierung untersucht.
Natürlich findet er
nichts, so daß er nach ein paar
Minuten wieder verschwindet. Als ich sicher bin, daß
er
nicht so schnell zurückkommen wird, schließe ich die
Konsolen wieder an den
Datenbankserver an und beobachte die
Meldungen, die das
Festplattenreparaturprogramm auf den Monitor
zaubert.
Der Chef ist so berechenbar, daß er in ein Laufrad
gehört.
Das Telefon im Computerraum klingelt wieder. Der PJ
greift danach. Ich schüttle
meinen Kopf und forme mit den
Lippen das Wort "Ausbildung". Ich greife nach dem
Hörer.
"Hilfe, meine Tabellen spielen verrückt!" heult
der Nutzer.
"Beschreiben sie das näher", fordere
ich ihn auf.
"Nun, dort, wo der Eintrag aus der Datenbank
kommen soll, funktionieren sie einfach
nicht!"
"Hmm.
Das klingt ganz nach einem Prä-Revisions SQL-Befehl in ihrer
Tabelle."
>DUMMY MODE EIN<
"Hä?"
"Also, öffnen sie ihre Tabellenkalkulation. Irgendwo im
Menü gibt es einen Eintrag
zur Ausführung von
SQL-Anweisungen."
"Ah ... Oh, ja, hier ist er!"
"Gut. Jetzt klicken sie auf den Eintrag. Dann sollte ein
Fenster aufgehen, in dem
´SELECT irgendetwas FROM irgendwo
WHERE irgendetwas anderes´ steht."
"Ja, das steht
da."
"Jetzt löschen sie alles bis auf das, was
zwischen FROM und WHERE steht."
"Gut, jetzt steht nur
noch HR_IDX, ein Komma, HR_SAL_SCALE, wieder ein
Komma und HR_NAME
da."
"Richtig, das sind die fehlerhaften
SQL-Anweisungen, die sie loswerden wollen.
Also schreiben sie
jetzt vor jeden Eintrag ´DROP´ und ersetzen sie die
Kommas
jeweils durch ein Semikolon. Dann lassen sie jedes DROP auf
einer neuen Zeile
stehen. Nun müssen sie noch die
´Automatisch ausführen´-Option aktivieren und
sich
mit dem Login und dem Passwort des Chefs anmelden, um die SQL-Fehler
zu
beseitigen."
"Aber ich kenne das Passwort doch
nicht!"
"Natürlich kennen sie es. Es ist der Name
seiner Frau, oder?"
"Ihr zweiter Vorname. Aber er hat
gesagt, wir sollten es nicht nutzen, weil er
speziellen Rechte
hat, um ..."
"Um fehlerhaftes SQL zu berichtigen, was
sie tun wollen ..."
"Oh ... >Klick. Klick. Klick.<
... Das ist lustig. Meine Tabelle ist nun völlig leer!"
"Das ist korrekt so, weil die Reparaturen einige Zeit dauern
werden. Und vergessen
sie nicht, ihren Chef über die
´Reparatur´, die sie gemacht haben, zu informieren."
"Mache ich. Vielen Dank!"
"Schon gut. War mir
ein Vergnügen. Wirklich."
Kaum habe ich aufgelegt,
klingelt das Telefon schon wieder.
"Computerraum ..."
seufze ich.
"Hallo, wir haben ein Problem mit der
Angestellten-Datenbank. Es sieht aus, als sei
die Hälfte der
Einträge verschwunden!"
"Ja", murmle ich.
"Wir arbeiten zur Zeit daran."
"Oh. Gut, und läuft
es jetzt?"
"Natürlich. Und schon bald können
sie sie wieder nutzen ..."
"Großartig!"
"... wenn sie darauf zugreifen können. Die Gebühren
für eine Anfrage betragen heute
fünf Pfund."
"Was?!"
"Pro Anfrage!"
"Sie
machen Witze!"
"Pro Minute."
"Das können
sie nicht tun!"
"Da haben sie Recht. Ich kann das nicht
tun - ich habe nämlich Mittagspause, aber
vielleicht kann
ihnen mein Assistent helfen."
Ich gebe den Telefonhörer
dem PJ und marschiere in die Cafeteria, um zu prüfen, wie
der
Kaffee heute schmeckt.
"Zehn Pfund", höre ich den
PJ fordern.
"Was?"
"Pro Anfrage und pro
Minute."
Fünfzehn Minuten später gesellt er sich
zu mir, um mir in der Cafeteria die wilde
Horde von Nutzern zu
beschreiben, die darauf lauert, die Systembetreuer in ihre
Hände
zu bekommen.
Man kann für diese Genugtuung nicht bezahlen.
Es sei denn, man ist ein Nutzer ...
Der B.O.F.H. verbringt einen Tag als Hotliner ...
"Also, ich denke, es wäre gut für die
Zusammenarbeit der Abteilungen untereinander,
wenn wir alle für
einen Tag einmal in einer anderen Abteilung arbeiten", erklärt
der
Chef, um seinen ´Job-Sharing´-Plan zu verteidigen,
mit dem er uns ungefähr alle
sechs Monate nervt. "Der
Geschäftsführer war begeistert von meiner Initiative!"
"Sicher wissen sie, daß dann unser Netzwerk ohne
Aufsicht ist, oder?"
"Genau deshalb werden sie an der
Hotline arbeiten", antwortet der Chef lächelnd.
"Sie
werden dann als Erster erfahren, ob es Probleme gibt ..."
Alle
Argumente, die ich vorbringe, werden doppelt so schnell vom
Chef
zurückgewiesen, was bedeutet, daß ein Tag in der
Höllen-Hotline unvermeidlich ist.
Der PJ, gesegnet sei er,
riecht den Braten.
"Was ist passiert?" fragte er. "Der
Chef kann einfache Fragen nicht beantworten,
selbst wenn er die
Nacht zuvor mit dem Studium von Fachliteratur zugebracht hat,
aber
heute hat er plötzlich Antworten auf alle Probleme! Und sie
haben nicht einmal
gekämpft. Es scheint beinahe so, als
hätten sie es darauf angelegt, einen Tag lang
die Fragen
dummer Softwarenutzer zu beantworten! Was ist los!?!?"
Leider
ist es notwendig, daß ich jemanden in meinen Plan einweihe. Und
sei es auch
nur, um zu beweisen, daß ich noch immer die
volle Kontrolle habe.
"Schauen sie sich mal in der Abteilung
um", sage ich. "Betrachten sie die
Ausrüstung! Wo
steht stets die neueste Technik?"
"Nun, in der Hotline
- die brauchen immer das Neueste und Beste, um die Software
der
Anrufer auf ihren Maschinen zu testen. Aber ich verstehe nicht ..."
"Wieviel RAM-Speicher hat ihr PC?" will ich wissen.
"16 Megabyte."
"LÄCHERLICH!" rufe
ich. "Warum? Nun, jeder PC in der Hotline hat mindestens
32,
einige haben sogar 64!"
"SIE HABEN VOR, IHNEN
HARDWARE ZU STEHLEN!" antwortet der
geschockte PJ. "Aber
wir ... wir teilen uns doch alles, oder?"
"Ja, mein
Freund!" rufe ich und fülle meine ´Brotbüchse´
mit Werkzeug.
Am nächsten Morgen bin ich schon vor
Arbeitsbeginn (!) vor Ort, um meinen neuen
Posten einzunehmen. Das
Telefon klingelt schon fünf Minuten vor der
offiziellen
Bürozeit. Aber ich bin so gut gelaunt, daß
ich mich melde.
"Hallo, ist dort die Hotline?" fragt
eine nervöse Stimme.
"Aber natürlich",
antworte ich hilfsbereit.
"Auf der Platte meines
Bildbearbeitungsrechners ist kaum mehr Speicherplatz frei.
Jemand
hat mir empfohlen, daß ich alle nicht genutzten Dateien mit
einem
´Komprimierprogramm´ zusammpacken soll. Aber
welches Programm soll ich dazu
denn benutzen?"
"Sie
haben einen Macintosh, stimmt´s?" frage ich.
"Ja,
den Grafik-Server der Abteilung", antwortet er.
"Genau.
Nun, sie können den Standard-Komprimierer benutzen, der auf
dem
Desktop installiert ist. Ich glaube, er heißt
´Papierkorb´."
"Aber kann man damit nicht
Dateien löschen?"
"Nein, dafür ist die
´ENTFERNEN´-Taste da. Aber sie haben keine auf
ihrem
Computer, also sind sie völlig sicher. Ziehen sie die
Dateien einfach auf den
´Papierkorb´-Ordner und wählen
sie dann ´Papierkorb leeren´, damit der
Komprimierer
die Dateien komprimiert."
"Wirklich?"
"Ja.
Das ist übrigens eine sehr effiziente Methode zum Komprimieren.
Sie werden
überrascht sein, wieviel freien Platz sie durch
die Arbeit des Komprimierers
gewinnen."
Ich lasse den
armen Idioten seine gesamte Arbeit für die Abteilung
´komprimieren´
und widme mich wieder meiner
eigentlichen Beschäftigung. Ich entferne alle
Coprozessoren
und überflüssige RAM-Bausteine, nachdem ich im BIOS die
nötigen
Änderungen vorgenommen habe, damit die
BIOS-Routinen die fehlende Hardware
nicht bemerken. Ein
Kinderspiel, wirklich. Um eine Entdeckung sicher zu
verhindern,
schalte ich noch überall wo es geht den
virtuellen Speicher ein.
In der Zwischenzeit ist der PJ damit
beschäftigt, unsere Nummern aus dem
Telefonverzeichnis der
Hotline zu entfernen. Danach schließt er die Batterien und
die
Speicherchips der Telefone kurz, was zwangsläufig und
irgendwie zufriedenstellend
die noch gespeicherten Nummern löscht.
Das Telefon klingelt, und da die Maschine des PJ noch immer mit
heraushängenden
Innereien dasteht, nehme ich den Anruf an.
"Hallo, Hotline?" fragt der Anrufer.
"Ja, was
kann ich für sie tun?" frage ich noch immer bestens
gelaunt, denn die Menge
der verkäuflichen Hardware in meiner
´Brotbüchse´ nimmt schnell zu.
"Ich habe
meine Software aktualisiert, und nun spielt das CD-ROM-Laufwerk
keine
Musik-CDs mehr." heult der Anrufer.
"Nun, das
liegt vermutlich nur an Staubablagerungen auf der
CD-ROM-Linse",
antworte ich. Ich weiß natürlich,
daß diese Problem auf der ersten Seite des
Handbuches
beschrieben wird, doch wer liest heute noch Handbücher?
"Was
kann ich nur tun?"
"Nun, sie haben doch sicher von
ihrem CD-ROM-Hersteller eine speziell für diesen
Laufwerkstyp
vorgesehene Reinigungs-CD?" frage ich.
"Äh ...
nein", kommt die Antwort.
>DUMMY MODE EIN<
"In
Ordnung, bleiben sie ganz ruhig. Dann müssen wir eben mit
einer
leichtbeschichteten Schleifscheibe improvisieren."
"Großartig!" freut sich der Anrufer. "Wie?"
"Nun, leihen sie sich am besten gleich morgen beim
Hausmeister ein Blatt
feinbeschichtetes Schleifpapier. Dann nehmen
sie sich eine ihrer CDs als Schablone
und schneiden eine
Schleifpapierscheibe mit der Größe der CD aus. Dann legen
sie
diese Scheibe in ihr Laufwerk und starten es."
"Aber
wie kann ich merken, daß alles fertig ist?"
"Nun,
sie werden hören, wie das Laufwerk hochfährt. Dann hört
es langsam wieder
auf zu rotieren. Wenn das Laufwerk keine
Geräusche mehr von sich gibt, ist die
Reinigung
abgeschlossen."
"Vielen Dank!" freut sich der
Anrufer, dann legt er auf.
...
Der PJ und ich sind beinahe
traurig, als wir am Ende des Tages die Hotline
verlassen.
Irgendwie ist ihr Potential doch sehr vielversprechend. Ich erlaube
mir ein
düsteres Lächeln, als ich ein Streichholz im
Schlüsselloch der abgeschlossenen Tür
zur Hotline
plaziere. Da müssen sie morgen wohl etwas später beginnen
...
Der B.O.F.H. und der PJ
breiten ihr Netzwerk der Verdammnis über das ganze Land
aus
...
Der PJ und ich sind in Feierstimmung. Die Chefetage hat
schließlich dem Plan
zugestimmt, Zugangsprovider für
das Internet in allen Städten zu werden, in denen
wir
Außenstellen haben, um unsere Betriebskosten ein wenig zu
senken.
Freilich ist das ein langfristiger Plan, denn für
die nächsten Wochen bedeutet es, daß
der PJ und ich
unzählige Überstunden in Büros in fremden Städten
damit zubringen
werden, mit unseren Systemen zu kämpfen, um
sie idiotensicher einzurichten.
Der Ursprung für die Idee
der Erweiterung unseres Angebotes liegt etwas länger
zurück.
Damals hat der Geschäftsführer all die schöne
Videokonferenzsoftware, die
es für das Internet gibt,
gesehen. Und nach den diversen Fehlschlägen und Reinfällen
des
letzten Jahres bei der Realisierung seines eigenen
Videokonferenzsystems
schöpfte er neue Hoffnung. Seine Augen
glänzen, wenn er daran denkt, gleichzeitig
in allen
Außenstellen auf den Monitoren zu erscheinen. Ich glaube nicht,
daß es
angebracht wäre, ihn daran zu erinnern, daß
die Software-Clients natürlich über eine
eigene
Bediensoftware verfügen ...
Als ich seine Unterschrift
hatte, setzte ich sofort alle Räder in Bewegung und
kündigte
den Vertrag mit unserem Internet Service Provider - ein Unternehmen,
das
noch immer nicht weiß, auf welcher Seite es die
Datenautobahn befahren soll und
annimmt, daß das World Wide
Web etwas mit Spinnen und Delphinen zu tun hat.
Natürlich
haben sie uns trotzdem dafür bezahlen lassen, daß sie den
Hohlraum in
ihren Köpfen als Wissen bezeichneten. Aber als
wir anriefen, um ihnen mitzuteilen,
daß IHR Router WIEDER
abgestürzt war, wußten wir, daß das Ende nah ist.
Der PJ macht sich mit tapferer Miene auf, um eine Woche in einer
unserer
Außenstellen in Schottland zu verbringen. Da das
Appartement, das der Firma
gehört, für einen Mr. Babbage
reserviert wurde, der übrigens vor einer Woche auch
das
walisische Firmenappartement reserviert aber nicht besucht hatte, muß
der PJ in
einem Luxushotel übernachten. Dieser Mr. Babbage
ist auch dafür verantwortlich,
daß ich die vergangene
Woche im Hotel untergebracht war. Viel von meinem Zimmer
habe ich
wegen der reichlich vorhandenen Arbeit allerdings nicht gesehen -
durch ein
zufälliges Zusammentreffen glücklicher
Umstände fiel meine Arbeitszeit mit den
Öffnungszeiten
der Hotelbar zusammen.
Das war wirklich reiner Zufall, mußte
ich auch dem Chef erklären, als er mich zwei
Tage später
über die astronomische Bar-Rechnung befragte. Völlig
ehrlich kann ich
sagen, daß ich WIRKLICH keine Erinnerung
daran mehr habe, diese Bar jemals
betreten zu haben.
Wie auch
immer, um dem Chef zu demonstrieren, daß unsere
Bemühungen
erfolgreich sind, erkläre ich ihm, daß
eine Firma von der anderen Straßenseite (und
nur einen
kurzen Weg durch die städtischen Abwasserleitungen entfernt)
sich dafür
interessiert, durch uns an das Internet angebunden
zu werden. Ich rechne ihm die
zusätzlichen Profite vor, die
wir dadurch erzielen können.
Aufmerksam betrachtet der Chef
das dicke Kabel, das in ihrem Router verschwindet,
und die vier
USV-Segmente mit Kabeln, die aussehen wie Netzkabel. Zurück
in
unserem Haus bemerkt er die Enden der UTP-Kabel (Unshielded
Twisted Pair,
schlagt es nach.) und daß sie an einen unserer
Netzknoten angeschlossen sind. Er
begreift sofort, daß die
Anschaffung von drei 2,4 Kilowatt-Stromanschlüssen
eine
Investition in die Stromrechnungen der Zukunft ist. Daß
die andere Firma auch für
unseren Service zahlt, läßt
ihn lächeln - ein irgendwie erschreckender Gedanke.
Er ist
natürlich nicht der einzige, der etwas bemerkt. "Diese
Internet-Geschichte
verbraucht eine Menge Strom", stellt der
Netzwerk-Experte (´ex´ steht dabei für
´ehemalig´)
unseres Kunden fest. "Die Stromrechnung unseres Netzwerkes
ist
geradezu explosionsartig gestiegen!"
"Nun, das
ist doch logisch", antworte ich. "Ich meine, sie müssen
sich einmal
vorstellen, daß sie nun ihre Daten über die
gesamte Welt verbreiten können und nicht
nur in EIN anderes
Büro. Und dann stellen sie sich noch vor, wie hoch ihre
Rechnung
wäre, wenn sie nicht durch uns mit dem Netz
verbunden wären!"
"Oh!" murmelt er. "Von
dieser Seite habe die Sache noch nicht betrachtet."
"Und
denken sie an die Geschwindigkeit, mit der sie die Daten nun bekommen
oder
senden. Wie schnell ist ihr normaler Provider?"
"Oh",
nuschelt er. "14.4 oder 28.8. Viel zu langsam für die
Arbeit. Obwohl wir
manchmal auch Pausen machen."
"Eben.
Wir können ihren Anschluß ebenfalls schneller machen",
sage ich. "Aber das
würde bedeuten, daß wir noch
ein paar Kabel verlegen müßten, was natürlich
den
Stromverbrauch erhöht. Dann könnten wir noch einen
redundanten Server bei uns
aufstellen. Aber die Stromrechnung
müssen freilich sie bezahlen."
"Nun, die Chefs
wollen Redundanz zur Datensicherheit, wenn wir unsere eigene
Homepage
fertigstellen ..."
Ich hasse mich. Wirklich. Das ist, als
würde man auf einen Fisch in einer
Sardinenbüchse
schießen. Mit einem Gewehr für die Elefantenjagd.
Um
meine aktuellen Erfolge zu feiern, rufe ich die andere schottische
Außenstelle
an, um die Vorbereitungen für die nächste
Woche zu treffen.
"Hallo? Ich möchte das
Firmenappartement reservieren ... Babbage mein Name. Aus
London.
Ich habe schon gebucht? Ausgezeichnet."
Der PJ ist verdammt
gut.
Reisen, Flugzeuge und ein
Laptop - der B.O.F.H. bringt einen abgehobenen Anorak
sicher zur
Erde ...
Es ist wieder Messezeit. Und das bedeutet, daß ich eine
Woche an der Ostküste der
USA zubringe, um die letzten
Neuigkeiten aus der Welt wackelnder Kabel zu sehen.
Natürlich
lese ich manchmal Produktvorstellungen in der Computer-Presse, doch
es
ist noch immer besser, einen ATM-Switch leibhaftig zu sehen,
als nur seine
Abbildung.
Eigentlich ist es viel wichtiger,
eine Hotelbar von innen zu sehen, als einen echten
ATM-Switch; man
muß schließlich wissen, wo man die Prioritäten zu
setzen hat.
Und wenn ich Lust darauf habe, blinkende Lichter zu
sehen, kann ich mich auch in
unseren Vermittlungsraum setzen,
statt durch eine schweißtreibende
Ausstellungshalle zu
pilgern.
Der Flug über den Atlantik ist großartig. Die
Sitze sind hervorragend, der Lachs war
allerdings ein wenig zu
kalt. Natürlich reden wir über die erste Klasse -
mein
´Drehe-dich-nach-links-und-blicke-auf-die-Toilette-Economy´-Sitz
wurde
mysteriöserweise mit dem einer Mrs. E. Windsor
vertauscht ... nun, das ist natürlich
auch ein ziemlich
protziger Name. Ich schätze, daß jetzt jemand, der wichtig
ist,
hinten sitzt, denn einige unauffällig-auffällig
aussehende Männer in schwarzen
Anzügen diskutieren mit
den Stewardessen über Sitze, Reservierungen und solches
Zeug;
ich muß mich bei der Fluggesellschaft über die schlechte
Schalldämmung in
der ersten Klasse beschweren - es ist
wirklich recht laut.
"Entschuldigen sie, welchen Prozessor
haben sie?"
Mein durch Brandy beförderter
Fünf-Sterne-Traumzustand wird jäh unterbrochen.
"Entschuldigung?"
"Welchen Prozessor haben sie
in ihrem Laptop? Ich habe einen 133
Megahertz-Pentium."
Großartig! Noch schlimmer als ein Schwätzer im Bus,
den man spätestens an der
übernächsten Station
rauswerfen kann, ist ein Computer-Langweiler als Sitznachbar
im
Flugzeug.
"Das ist eine SPARC Ultra mit 437 Megabyte."
Nur eine kleine Übertreibung - ich
fange lieber freundlich
an.
"Wirklich? Ich wußte nicht, daß Windows auf
SPARC läuft."
"Tut es auch nicht."
"Welches
Betriebssystem nutzen sie denn?"
"Solaris 2.7."
"Wow! Sie müssen ein echter Profi sein."
"Ja.
Etwas in der Art." Und genau das macht dich zum Verlierer. "Sie
haben
Windows 95?"
"Ja."
"Nun, sie
müssen ein wirklich armes Schwein sein."
Er lächelt
unsicher, versucht, sich zu beweisen, daß ich nur scherze. Es
wird Zeit,
dieses Mißverständnis aufzuklären.
"Wissen sie, daß sie dieses Modell durch einen
einfachen Hardware-Trick
beschleunigen können?"
"Nein!
Wirklich? Wie geht das?"
"Naja, eigentlich sollte ich
das nicht sagen, denn es ist ein kleines Risiko dabei - es
könnte
gegen die Garantiebestimmungen verstoßen."
"Das
ist in Ordnung. Ich würde es gern ausprobieren, solange es
einigermaßen sicher
funktioniert. Was muß ich tun?"
"Gut. Haben sie eine Büroklammer? Natürlich reicht
auch ein kurzes Kabelstück."
"Ja, hier habe ich
eine Klammer. Und was muß ich nun tun?"
"Nun, sie
können den SCSI-Bus beschleunigen, indem sie die anliegende
Spannung
etwas erhöhen. Drehen sie den Laptop um, so daß
sie die Rückseite sehen, und
verbinden sie einfach diesen Pin
des SCSI-Busses mit dem Kopfhörer-Anschluß."
Er
fingert ein wenig herum und schafft es tatsächlich, die
Büroklammer richtig zu
plazieren. Kein blauer Dunst ... noch
nicht.
"Und jetzt?"
"Jetzt haben sie einen
Rechner, den sie bei Bedarf beschleunigen können. Sie
müssen
das nicht ständig tun, denn das würde unnötig Strom
aus den Akkus fressen.
Beschleunigen sie den Rechner nur dann,
wenn sie es wirklich brauchen."
"Wie kann ich ihn denn
nun beschleunigen, wenn ich dies brauche?"
"Spielen sie
einfach eine Musik-CD im CD-Laufwerk. Dann wird bekanntlich
ein
kleiner Strom in den Kopfhörerstecker gesendet, durch den
dann auch der SCSI-Bus
beschleunigt wird. Aber drehen sie die
Lautstärke nicht zu hoch, denn es könnte
etwas zerstört
werden; ´Dark Side of the Moon´ von Pink Floyd dürfte
ausreichen;
aber achten sie auf die Wecker."
"Hmmm
... Ich habe keine Musik-CD dabei. Kann ich stattdessen das
Mikrophon
benutzen?"
"Natürlich - schalten sie
es einfach auf ´Wiedergabe´ und sprechen sie hinein,
wenn
sie mehr Geschwindigkeit brauchen. Aber seien sie vorsichtig!
Schreien sie nicht zu
laut."
Fünfzehn Minuten
vergehen, und ich beginne meinen letzten Ratschlag zu bereuen.
Mein
Freund hat herausgefunden, daß der einfachste Weg, um Geräusche
zu
erzeugen, darin besteht, in das Mikrophon zu pfeifen. Und es
sieht so aus, als sei
sein Laptop gegen Spannungen
widerstandsfähiger, als die, die ich kenne. Aber zum
Glück
naht Hilfe in Gestalt eines erregten Gentlemans, der ziemlich zornig
zu sein
scheint.
"HÖREN SIE ENDLICH MIT DIESEM
VERDAMMTEN PFEIFEN AUF!" schreit
er. Prompt tut auch die
Büroklammer das, wofür sie vorgesehen ist ...
Es ist
interessant, wie fein die Rauchmelder bei Boeing eingestellt sind -
der
Feueralarm geht etwas entfernt von uns los.
"Ich
schätze, das gibt eine Geldstrafe von 1000 Pfund", lächle
ich süß, als die
Stewardess kommt, um die Streithähne,
die handgreiflich werden, voneinander zu
trennen. Bald sind die
Beteiligten an dem Streit fest an ihre Sitze geschnallt - jeder
unter
der Aufsicht eines finster blickenden Stewards. Es herrscht endlich
wieder
wunderbare Ruhe.
"Entschuldigen sie bitte die
Störung, Sir. Kann ich ihnen noch einen Brandy bringen?"
Aus Angst vor einem
Abteilungsausflug zur Besserung des Teamgeistes erinnert
sich der
B.O.F.H. an seine eigene Definition von Teamarbeit ...
Ich teste gerade meine neue Infrarot-Fernsteuerungs-Hardware, als
der PJ
hereinkommt.
"Wer ist das?" fragt er und
deutet auf ein Individuum im Anzug, das im Nachbarbüro
zu
sehen ist.
Das Gesicht kommt mir irgendwie bekannt vor. Dann
fällt der Groschen ...
"Irgendwer aus der
Personalabteilung", antworte ich. "Einer von diesen
immer
freundlichen Typen, die sich um den Teamgeist und die
Zufriedenstellung der Kunden
kümmern, wenn ich mich richtig
erinnere."
"Unsere Kunden wissen doch sowieso, was sie
erwartet!"
"Ja. Genau das könnte das Problem sein
..."
"Der Chef ist ein wenig zu freundlich",
beobachtet der PJ, als der Chef Mr.
Freundlich begrüßt.
"Ja. Und angesichts seines Kriechfaktors würde ich
sagen, daß da irgendwas von
oben kommt ..."
Zwei
Stunden später kommt der PJ hereingerannt.
"Es gibt
etwas, das sie wissen sollten", sagt er.
"Was? Sie
haben doch nicht etwa den Chef belauscht!?"
"Nein, ich
habe nur ein ungenutztes Netzwerkkabel getestet. Das Testgerät
hat
freilich hervorragende aurale Fähigkeiten."
"Wie
ein Mikrophon?"
"Ummm ...."
"In Ordnung,
worum geht es?" unterbreche ich ihn.
"Sie planen einen
Abteilungsausflug!" platzt er heraus.
"Einen verdammten
was?!" rufe ich und verliere für einen Moment
meine
Gelassenheit.
"Einen Abteilungsausflug. Ganz so
schlimm ist das doch nicht, oder?" will er wissen.
"Sie scherzen! Ein Wochenende in der Teamgeist-Hölle
zusammen mit Leuten, die
glauben, ein Benchmark kommt davon, daß
man die Untertasse beim Kaffe vergißt?"
"Uuuuhh
..."
"Sie haben Verteter unserer Kunden dabei, die Tag
und Nacht mit dummen Fragen
nerven, zum Beispiel: ´Wie
erfüllen sie ihre Fehlerbeseitigungs-Politik?´"
"Wie
erfüllen wir sie?"
"Tun wir nicht. Die plötzliche
Selbstentzündung von Ausstattung ist ein bewiesenes
und
dokumentiertes Phänomen."
"Was werden wir tun?"
"Nicht gehen. Es sei denn, sie haben Interesse an Maßnahmen,
die ´Vertrauen´
bilden sollen, indem sie sich
rückwärts in die Arme von Leuten fallen lassen,
die
Schwierigkeiten haben, sich ohne schriftliche Anleitung zu
erkälten."
"Anscheinend ist die Teilnahme Pflicht
- zumindest hängen die Bonus-Zahlungen
von der Teilnahme ab."
"Diese betrügerischen Hunde!"
"Was werden
wir machen?" fragt der PJ.
"Nun, beginnen wir mit dem
Anfang - wann soll das Ganze denn stattfinden?"
"Sonnabend
in drei Wochen."
Wir stecken unsere Köpfe zusammen, um
einen Schlachtplan auszutüfteln, der so
fies ist, daß
selbst Rommel die Tränen kommen würden. Am nächsten
Tag sind wir
dann die ersten, die voller Begeisterung ihre
Teilnahme melden. Den Chef scheint
das so aufzuregen, daß er
vor Freude gleich eine neue Packung Magentabletten
aufreißt.
Der PJ sorgt dafür, daß die Faxe abgefangen werden. Er
bestellt statt der geplanten
45 Einzelzimmer nur 10, ersetzt das
geplante Menü durch Alkohol und bestellt
anstelle einer
Jazzband für die Abendunterhaltung eine bekannte
Cabaret-Truppe
aus Soho ...
Ich leihe mir die Kreditkarte von
Mr. Freundlich - unvorsichtigerweise hat er sie im
Besucherraum
eingeschlossen - überschreibe den Magnetstreifen mit
neuen
Informationen: "Gestohlene Karte - Verhaften" und
kurbele dann die Gerüchteküche
etwas an, indem ich leere
Hustensaftflaschen (Natürlich mit viel Alkohol!) in
seinem
Abfalleimer plaziere. Dann tausche ich das Netzteil seines
Laptops gegen eines, daß
nicht funktioniert.
Am nächten
Tag beginnt unser Angriff ...
"Irgendetwas scheint mit dem
Netzteil nicht zu stimmen", sagt Mr. Freundlich zu mir
und
macht dabei keinen besonders fröhlichen Eindruck. Offensichtlich
hat es seiner
Stimmung nicht gutgetan, für eine Stunde von
einem stämmigen Mechaniker
eingesperrt zu werden, um auf die
Überprüfung der Kreditkartendaten zu warten.
Der PJ
gibt ihm ein anderes Netzteil. Einen lauten Knall später kommt
Mr.
Freundlich wieder zu uns und riecht ein wenig nach Rauch.
"Oh, mein Lieber!" rufe ich. "Der PJ hat ihnen
doch nicht etwa einen
Spannungsverstärker gegeben! Wissen
sie, ich gebe ihnen unseren Notfall-386er bis
wir ihren Laptop
repariert haben. Vier Megabyte sollten für Windows 95
eigentlich
genügen."
"Das mit der neuen
Infrarot-Maus?!" fragt der PJ.
Am nächsten Tag bekommt
auch der Chef mit, was läuft, nachdem ihn die
Erbsenzähler
wegen Mr. Freundlichs Alkoholbestellung angerufen haben. Die
Gerüchte
sind mittlerweile auch bis zum Chef vorgedrungen, und als er etwas
von
der Cabaret-Truppe erfährt, ruft er den PJ und mich in
sein Büro.
"Haben sie etwas damit zu tun?" will er
wissen.
Der PJ und ich schütteln verneinend die Köpfe.
"Wenn sie meine Meinung wissen wollen", sage ich. "Ich
habe die Gerüchte gehört
und denke, daß er
möglicherweise seelisch zu instabil ist, um den Teamgeist
zu
fördern."
Die Saat der Zweifels ist nun angelgt,
und ich warte darauf, daß der PJ noch für ein
wenig
Dünger und Wasser sorgt ...
"Ist das nur mein Eindruck,
oder ist es hier etwas zu heiß?" stellt er die
richtige
Frage.
"Ja, es ist wirklich etwas warm",
antworte ich.
Der Chef greift zu seinem neuesten
Lieblingsspielzeug, der Fernbedienung für die
Klimaanlage,
und stellt die Temperatur etwas niedriger ein. Durch einen
seltsamen
Zufall führt dies dazu, daß der Rechner von
Mr. Freundlich nun schon zum dritten
Mal an diesem Morgen
abstürzt. Schweigend beobachten wir, wie Mr. Freundlich
wütend
den Austausch-Laptop vom Tisch wirft und damit beginnt,
seine
Büroeinrichtung in ihre Einzelteile zu zerlegen.
Zehn
Minuten später haben die Wachmänner ihn aus dem Gebäude
begleitet, und die
Pläne zur Förderung des Teamgeistes
sind im Papierkorb gelandet - da gehören sie
auch hin.
Und
da behaupten manche noch, das Leben sei nicht fair.
Der PJ will den B.O.F.H. in einem Wettkampf besiegen ...
"Ich glaube, damit haben wir wieder 500 Pfund zum Fenster
hinausgeworfen. Und
das macht dann zwei Punkte für mich."
freut sich der PJ und fügt zwei weitere
Häkchen zu
seiner Liste hinzu.
Nun, vielleicht ist ein Wettbewerb darum, wer
die meiste Technik innerhalb einer
Woche vernichten kann, wirklich
ein wenig kindisch, aber Probieren geht über
Studieren und so
ist dieser Wettstreit seiner etwas vernachlässigten
Ausbildung
vielleicht noch ganz nützlich. Wir spielen um den
üblichen Einsatz - ein Bier in der
Kneipe um die Ecke.
"Was
haben sie gemacht", frage ich und heuchle Interesse.
"Ich
habe einem Anrufer aus der sechsten Etage erklärt, sein Problem
habe etwas
mit dem Spannungsabfall in seiner Etage zu tun. Der
Ausredenkalender hat mich
dazu inspiriert, und ich habe die Idee
etwas weiterentwickelt. Ich sagte ihm, die
Spannung in seinem Büro
sei deshalb zu niedrig. Und deshalb soll er ..."
"Seinen
PC auf 115 Volt umschalten", beende ich genervt.
"Habe
ich etwas falsch gemacht?" will er wissen.
"Nicht
direkt. Aber denken sie immer daran, daß es nicht unsere
Aufgabe ist,
Technik zu zerstören oder Nutzer zu erschrecken.
Das ist eher ein Bonus für uns, die
wir selbstlos unser Leben
der Anwenderunterstützung gewidmet haben. Unsere
Aufgabe ist
es, den reibungslosen Betrieb unseres Netzwerkes zu garantieren."
"Indem wir Netzwerknutzer ausschalten."
"Zeigen
sie mir eine Ethernet-Kollision und ich werde ihnen ein Netzwerk
zeigen,
das auch mit einem Nutzer weniger auskommt." antworte
ich.
"Aber sie sorgen doch ständig für solche
Kollisionen!"
"Und ich widme mich immer der Erweiterung
der Leistungsfähigkeit unseres
Netzwerks."
"Und
nebenbei produzieren sie eine Wagenladung Schrott." unterbricht
der PJ mich.
"Nicht zwangsläufig. Diese Wagenladung
Schrott ist mehr eine zufällige Belohnung.
Ich bevorzuge
nämlich kleine tägliche Belohnungen, denn ein
zufriedener
Angestellter ist ein sicherer Angestellter. Und ein
sicherer Angestellter ist ein guter
Angestellter. So habe ich in
der vergangenen Woche zum Beispiel ein Video, das
zeigte, was am
vorausgegangenen Freitag um 11:47 Uhr im Lift passierte, an einen
der
Beteiligten geschickt. Nachdem ich von ihm einen dicken Umschlag
mit
Geldscheinen bekommen hatte, war ich ein zufriedener
Angestellter und habe einen
Router in Rekordzeit konfiguriert.
Hätte ich mich dagegen mit düsteren Gedanken
befaßt,
dann wäre der Router heute noch nicht eingerichtet ..."
"Und warum haben sie dieses Video dann noch in der Kantine
über die Monitore, die
eigentlich die Aktienkurse der Firma
zeigen, geschickt?"
"Ausschließlich zum Wohle der
Firma. Sie haben doch gesehen, wie vielen Leuten es
gefiel. Sie
waren fröhlich und glücklich. Und das hat ihre
Produktivität gesteigert."
"Und die drei
Beteiligten?"
"Nun, die waren nicht so fröhlich
und haben kurz danach gekündigt. Aber das
beweist nur noch
einmal, daß in unserer Firma nur Platz für fröhliche
und produktive
Menschen ist."
"Gut, aber sie liegen
noch immer weit hinter mir", grinst er hämisch und deutet
auf
die Liste mit den Punkten.
"Wie sieht es denn aus?"
Er zählt fieberhaft die Punkte zusammen und antwortet dann:
"Vierzig zu neun - für
mich."
"Also jage
ich einem Vorsprung von 26 Punkten hinterher."
"Nein,
31!" korrigiert er.
Ah, nein, 26", wiederhole ich und
schiebe den Laptop des Chefs vom Tisch, lasse
ihn auf den Boden
knallen und springe noch ein wenig auf den Trümmern herum.
"Das
war nicht fair!" ruft er.
"Das Leben ist nicht fair."
antworte ich. "Aber das Rootpasswort ist sehr hilfreich."
Doch all dies täuscht nicht darüber hinweg, daß
ich wirklich weit zurückliege, was
mir nicht gefällt.
Und mir bleiben nur noch 32 Minuten - dann muß ich ein
"Radler"
bestellen, was der PJ normalerweise nicht
trinkt, doch diesmal wird er es tun, um
mich dumm vor den Leuten
an der Bar und den anderen Gästen aussehen zu lassen.
Völlig
mit diesen Gedanken beschäftigt lasse ich einen Router abstürzen
und nehme
den Anruf eines Nutzers entgegen.
"Hallo?"
fragt eine nervöse Stimme.
"Womit glauben sie ein
Problem zu haben?" frage ich.
"Es sind ihre Rechner.
Sie stehen alle."
"Ja, das wird am Spannungsverlust
liegen, der durch hitzegeschädigte Sicherungen
verursacht
wird."
>DUMMY MODE EIN<
"Ah, ähm, wie
... Was soll ich tun?"
"Nun, da rufen sie einfach die
Elektriker an, die die Sicherungen in ihrer Etage
kontrollieren
und zurücksetzen müssen."
"Aber wir haben
dringende Arbeiten!"
"Nun, vielleicht sollte ich das
jetzt lieber nicht sagen ..." flüstere ich.
"Was?"
fragt er und zappelt schon am Haken.
"Sie können die
beschädigten Sicherungen auch selbst reparieren."
"Wie?"
drängt er mich und stellt sich schon den Ruhm und die
neuen
Aufstiegsmöglichkeiten vor, die er dadurch erlangen
kann.
"Gehen sie einfach zum Hauptanschluß ihrer
Etage, den sie im Treppenhaus finden.
Dort finden sie einen
Schalter, der die gleiche Nummer trägt wie ihr
Hauptanschluß.
Diesen Schalter betätigen sie ungefähr
zwanzigmal so schnell wie sie können."
Der PJ schaut
mich voller Verachtung an, doch zehn Minuten später
wird
offensichtlich, welche Folgen mein Ratschlag hatte; nur noch
2 Punkte hinter ihm.
Bei diesem Stand bleibt es auch bis 5 Uhr,
als der PJ mich zur nächsten
U-Bahn-Station begleitet.
"Einige Leute können es eben und andere nicht",
lacht er selbstgefällig.
Seine gute Laune ist durch nichts
zu beeinträchtigen, doch sie hält zum Glück
nur
solange an, bis unser Zug einfährt und ich seinen Laptop
auf die Schienen stoße.
"Ups!" sage ich, als ich
die korrekte Zeit wieder einstelle. "Eine Minute vor ...
Ich
schätze, sie schulden mir ein Bier ..."
"Sie
BASTARD!" sagt er, als der süße Geschmack des Sieges
sich in Wohlgefallen
auflöst.
"Zählen sie es zu
den Kosten für die Ausbildung hinzu", sage ich. "Und
ich hoffe,
daß Bier für Schlappschwänze wird ihnen
schmecken ..."
Der Kampfgeist des B.O.F.H.
erwacht, als die Erbsenzähler gegen die Netzwerker
intrigieren
...
Ich bin schockiert. Zutiefst gekränkt ... In einem
hinterhältigen und unfairen Angriff
haben die Erbsenzähler
voller Niedertracht einen schwerwiegenden Diebstahl
durchgeführt
- unsere Espresso-Maschine wurde aus dem Inventar gestrichen und
über
Nacht geraubt.
"Ich ... ich ..." jammert der PJ völlig
aufgelöst.
Da ich schon einige Zeit in der Computerbranche
tätig bin, weiß ich, wie wichtig
Sicherheitskopien
sind, hole meinen Notfalltauchsieder und eine Packung
Instantpulver
hervor.
"DAS ist ein Schlag unter die Gürtellinie",
schnieft der PJ, als er langsam wieder zu
Bewußtsein kommt.
"Ich kann einfach nicht glauben, daß sie das wirklich
getan
haben!"
"Warum denn nicht?" antworte ich.
"Schließlich befinden wir uns inmitten eines
wunderschönen
Krieges zwischen den Abteilungen, auch wenn der Chef immer
etwas
von gemeinsamen Zielen erzählt."
"Aber die
Espresso-Maschine!" ruft er. "Das tut wirklich weh. Was
werden wir tun?
Wir müssen doch etwas dagegen unternehmen!!
Überall Einen Ausbau der
´RAM-Speicher´
vortäuschen? Noch eine Runde Erbsenzähler-Pinball?"
Ich schüttle nur den Kopf.
"Nein, denn genau das
erwarten sie jetzt. Und wir werden auch keine
Netzverbindung
unterbrechen - sie würden es als Entschuldigung für
die
Beauftragung eines auswärtigen Unternehmens nutzen."
"Nun, was werden wir dann unternehmen?"
"Für
den Augenblick - nichts."
"Aber ..."
"...
aber später werden wir sie treffen, wo es wirklich schmerzt."
Nach zwei Wochen ist die Maschine noch immer verschwunden, und
der PJ zeigt
ernsthafte Entzugserscheinungen. Es wird Zeit zu
handeln.
"Richtig. Die Datenbank mit den Konten!" rufe
ich.
"Das geht nicht. Ich habe es gestern versucht, doch sie
haben das Passwort
geändert!" antwortet der PJ.
Im
Geiste schätze ich den Einfallsreichtum der Erbsenzähler
ein, versuche ein paar
mögliche Passwörter und lande mit
´PROFIT´ einen Treffer. Die Datenbank verbirgt
ein
einfaches Rechnungssystem, das so programmiert wurde, daß
selbst Kinder es
verstehen könnten. Das bedeutet, es ist
genau auf die Zielgruppe zugeschnitten.
Ich nehme ein paar
kleinere rückwirkende Änderungen vor und trenne dann
die
Verbindung wieder. Der PJ schlägt die Zeit damit tot, daß
er einen anonymen
Hinweis an die Rechnungsprüfer schickt.
Der nächste Tag bricht an, und der PJ und ich sind schon
frühzeitig da, um ein paar
verschlafene Manager die
Rolltreppe reiten zu sehen.
Einen Doppelklick auf einen Button
der Rolltreppensteuersoftware später führt die
Rolltreppe
einen prompten Nothalt aus und verstreut Buchprüfer
und
Rechtsverdreher in alle möglichen Richtungen. Die
blutenden Nasen werden für eine
unvoreingenomme Prüfung
sorgen. Ein weiterer Doppelklick drei Sekunden später
garantiert
ein uns genehmes Ergebnis.
Da sie nun aus Angst keine weitere
Rolltreppe benutzen wollen, machen die
Buchprüfer und
Rechtsverdreher den zweiten Fehler an diesem Morgen, indem sie
die
Lifte ansteuern. Denn zu ihrem Unglück ist mein neuer
Lift-Joystick
angeschlossen und funktioniert tadellos, so daß
sie ein Abenteuer erleben, das man
normalerweise in Zusammenhang
mit Achterbahnen bringt.
Die Überreste eines Frühstücks
auf der Jacke eines Prüfers lassen keinen Zweifel
an der
Funktionalität meines neuesten Spielzeugs zu. Die Stimmung der
Buchprüfer
würde der normale Betrachter der Bilder, die
die Videoüberwachungsanlage liefert,
nun wohl als ´aggressiv´
bezeichnen.
Eine Stunde später marschieren der PJ und ich in
die Erbsenzählerzentrale, um ´ein
paar Netzwerkprobleme
zu beseitigen´.
"Das ist der Bastard!" schreit
ein Erbsenzähler den Prüfern zu und zeigt auf mich.
"Entschuldigung?" frage ich unschuldig und demütig.
"Der, der die Lifte und die Rolltreppen manipuliert hat!"
"Wie bitte?! Niemand hat die Lifte und Rolltreppen angefaßt,
seitdem diese Abteilung
vor sechs Monaten den neuen
Wartungsvertrag abgelehnt hat!"
"Das haben wir ganz
sicher nicht getan!" ruft der Chef der Erbsenzähler
aufgeregt
und verläßt die relative Sicherheit seines
Büros.
"Also ... irgendjemand hat es getan", sagt
der erste Prüfer und trennt seinen Blick
von den Ausdrucken
mit den Zahlungen. "Das Geld wird nun gezahlt an ...
einen
Clinton Ash."
"C. ASH", murmle ich leise.
"Hmmmm. Ach, diese Firma aus Panama! Sie waren
doch gerade
vor sechs Wochen in Panama, oder?!" frage ich den
Erbsenzählerchef.
"Haben sie den Scheck mit der Post
geschickt oder persönlich überbracht?"
Der
Erbsenzähleranführer ist nicht dumm (zu meiner
Überraschung) und schätzt die
für ihn bedrohliche
Situation korrekt ein. Er traut sich nicht, mich
herauszufordern,
denn er weiß nicht, welche Überraschungen
ich noch für ihn vorbereitet habe ...
"Ach so, Ash und
Partner", improvisiert er schnell. "Vertragspartner für
Service und
Wartung."
"Natürlich!" lache
ich. "Und auch Installateure für Espresso-Maschinen, oder?"
"... Ja!" stimmt der Chef der Erbsenzähler zu und
begreift, in welche Richtung dieser
Dialog geht.
"Hat
nicht eines ihrer Tochterunternehmen vor, heute eine in unserem Büro
zu
installieren?"
"... Jjjjaaa, das hätte ich
beinahe vergessen. Ich werde das am heutigen Nachmittag
persönlich
überprüfen."
"Warum warten?" frage ich
und reiche ihm mein Handy. "Rufen sie jetzt an.
Möglicherweise
haben die Leute es ja vergessen."
Diesen Nachmittag
verbringen der PJ und ich bei einer starken Mischung
entspannt
darüber nachdenkend, daß es schon ein
Glücksfall ist, daß unsere alte
Espresso-Maschine nun
durch ein brandneues Modell mit allerlei Schikanen ersetzt
wurde.
"Ich habe offenbar noch einiges zu lernen", gibt der PJ
nachdenklich zu.
"Betrachten sie es nicht als Lernaufwand",
sage ich. "sondern als Aufgabe, das
Beste aus ihren
Fähigkeiten zu machen ..."
Als sein Chef Probleme mit
Kabeln hat, scheut der B.O.F.H. weder Kosten noch
Mühen, um
die Schwierigkeiten auszuräumen ...
Ich versuche, ein Geschäft mit Raoul, einem unserer
Zulieferer für Netzwerkkabel,
zu machen. Er soll uns
Cat-5-Kabel liefern, doch er stellt sich stur, denn er weiß,
daß
er der einzige Händler ist, der dieses 100 MBit-Kabel vorrätig
hat ... Was
natürlich unserem Plan entspricht, der in Kraft
trat, als ich den Geheimcode ´der
Chef will´ benutzte.
Den zusätzlichen Gewinn werden wir selbstverständlich
brüderlich
teilen.
Der Chef ahnt zwar etwas derartiges, aber beweisen konnte
er es noch nie, trotzdem
er befohlen hat, daß solche
Telefongespräche über die Freisprechanlage geführt
werden,
damit er immer mithören kann. Sein zweiter dummer Einfall war
die Idee, ein
paar aufpolierte Büros im Alleingang zu
verkabeln.
"Nun, das könnte schwierig werden",
sagt mein Lieferant am anderen Ende der
Leitung. "Natürlich
habe ich das Kabel, das sie brauchen. Ja, ich habe sogar die
doppelte
Menge davon - aber es ist schon bestellt und wird noch heute
ausgeliefert.
Haben sie es schon bei einem anderen Lieferanten
probiert?"
Der Mann ist aalglatt ...
"Selbstverständlich,
aber die haben alle kein Cat-5-Kabel mehr", antworte ich.
"Sie
scherzen!" keucht er recht überzeugend.
"Es
scheint, als hätte jemand den gesamten Kabelbestand aufgekauft -
für die
nächsten Tage ist alles ausverkauft. Sind sie
sicher, daß sie nichts für mich tun
können?"
"Nein, nicht wirklich - ich habe zwar noch ungeprüftes
Kabel da, das nach Cat-5
aussieht, aber darauf sind ein paar
fremdländisch aussehende Militärbezeichnungen,
die mit
den unseren nicht übereinstimmen."
"Wir nehmen es!
Lassen sie es zum Mittag liefern!" ruft der Chef.
"Warten
sie einen Augenblick", sage ich und schalte schnell
die
Stimmen-Aufzeichnung des Telefons ein. "Wäre es
nicht besser, zunächst
herauszufinden, was diese
Bezeichnungen auf dem Kabel bedeuten - es könnte
sich
schließlich auch um ein simples Telefonkabel handeln."
"Dafür haben wir keine Zeit. Ich habe versprochen, daß
die neuen Büros in drei
Tagen voll funktionstüchtig
sind!" ruft der Chef und eilt nach draußen, um die
Leute,
die die Büros verkabeln sollen, zusammenzutrommeln.
Ich schalte die Aufzeichnung wieder ab.
"Was bekommen
wir wirklich?" frage ich.
"Ich bin mir wirklich nicht
sicher. Die Kabel wurden aus einem versunkenen
rumänischen
Containerschiff geborgen - ich habe nur den Wert des
Kupfers
bezahlt."
"Aber es wird Signale übertragen?"
"Natürlich."
"Wirklich?"
"Nun,
kann sein - ohne Abschirmung und ohne die sonst übliche
Verflechtung der
einzelnen Drähte - ich würde es mir
zweimal überlegen, ob ich es für
die
Weihnachtsbaumbeleuchtung einsetzen könnte. Aber es ist
ihre Entscheidung."
"Warum haben sie gesagt, es sieht
wie Cat-5 aus?" will ich wissen.
"Nun, die Ummantelung
sieht ganz ähnlich aus und es wird auf Kabeltrommeln
geliefert."
antwortet er.
"Und unsere Kabel kommen sonst auch immer mit
leicht versinkenden
Transportmitteln?"
"Ich habe
nicht gesagt, daß es exakt so aussieht wie Cat-5!"
"Ausgezeichnet!" lache ich. "Wir hören später
voneinander."
Später an diesem Nachmittag werde ich vom
Chef unterbrochen, der sehr aufgeregt
zu sein scheint.
"Dieses
verdammte Kabel ist Schrott!" schreit er.
"Nun, ich
habe sie davor gewarnt, es zu kaufen", bemerke ich trocken und
deute auf
die Diode, die bei der Stimmen-Aufzeichnung eigentlich
leuchten sollte. "Das
erinnert mich daran, daß ich
dieses kleine Lämpchen reparieren muß."
Der Chef
sitzt in der Falle. Er hat kein Kabel, einen Termin und vier oder
fünf Profis
für das Verkablen, die jetzt sinnlos
herumstehen und trotzdem kräftig dafür
kassieren werden.
Hinzu kommt noch, daß er gutes Geld für falsches
Kabel
ausgegeben hat.
Als wohlwollender Mensch beschließe
ich, dem Chef zu helfen. Ich rufe Raoul an.
"Raoul, was
müßten wir für Cat-5-Kabel bezahlen?" frage ich.
"Ich habe doch schon gesagt, daß ich kein Kab ..."
"Entschuldigung, ich formuliere meine Frage etwas anders:
Was müßten wir für das
Kabel eines anderen
bezahlen?"
Die Augen des Chefs leuchten auf, als die Lösung
seines Problems nahe zu sein
scheint. Raoul nennt eine widerlich
hohe Summe, doch der Chef nickt ohne
nachzudenken.
"Allerdings
wurde unser Lieferwagen gestohlen", fügt Raoul plangemäß
hinzu. "Sie
müssen es selbst abholen."
"Nein,
kann ich nicht", antworte ich. "Ich habe nur einen
Zweisitzer."
"NEHMEN SIE MEINEN!" ruft der Chef,
der seine Felle wieder davonschwimmen
sieht.
Eine halbe Stunde
später beladen der PJ und ich den Palast auf Rädern
unseres
Chefs mit Kabeltrommeln. Die Rückfahrt werde ich
übernehmen, denn der PJ hat
mittlerweile zugegeben, daß
er erst zwei Fahrstunden hatte.
Ich bin sicher, daß man
alle Beulen (mit Ausnahme derer, die die drei Parkuhren
hinterließen)
leicht wieder ausbeulen kann.
Ich verabschiede mich von Raoul und
lasse ihn meine Massenbestellung von
Cat-5-Kabel stornieren, die
zu dieser künstlichen Knappheit in den letzten Tagen
geführt
hat.
Als wir wieder im Büro ankommen, ist der Chef so
erfreut, daß er die Überreste des
Kühlers, die die
drei Parkuhren übrigließen, nicht einmal erwähnt. Er
schickt die
Kabelleute wieder an die Arbeit.
"Richtig
...", sage ich. "... die Kabel finden sie dort drüben
in dem Auto."
"Dieses Zeug!" fragt einer von
ihnen. "Das sieht doch wie eine rumänische
Beschriftung
aus?" Zehn Minuten später macht Raoul mir ein Angebot für
ein paar
Restbestände Cat-5, dem ich nicht widerstehen kann
...
Wichtigste Regel beim Aufbau
eines Netzwerkes: Niemals die ´Initiative´ dem
Chef
überlassen ...
Die Stimmung im Chef-Land ist nicht gut. Es geht wieder um die
Vernetzung der
neuen Büros. Bedauerlicherweise haben die
Manager herausgefunden, was bei der
lausig geplanten Verkabelung
und deren Durchführung, die auf eine ´Initiative´
des
Chefs zurückging, gelaufen ist. Sie sind NICHT erfreut.
Wie sie Wind von der Sache
bekommen haben, überlasse ich der
Fantasie des Lesers. Ich habe allerdings
bemerkt, daß der PJ
die Unbedingt-Erledigen-Liste abgearbeitet hat, die ich ihm in
der
vergangenen Nacht hingelegt hatte. Sein Sinn für Details ist
wirklich erstaunlich.
Die Verwendung von Kabel, das dem Standard
nicht ganz entspricht, wäre allein
nicht so schlimm für
den Chef gewesen. Hinzu kommt aber noch seine Entscheidung
für
eine absolut untaugliche Weise der Verkabelung. Möglicherweise
wurde seine
Entscheidung durch ein freundschaftliches Gespräch,
das der PJ und ich mit ihm
unter Hinzuziehung von ein paar Bieren
hatten, nachteilig beeinflußt.
Chef: "Also, ich denke
an ein mehradriges Kabel, das entlang der Büros unter
dem
Bodenbelag verlegt wird. An drei Punkten, die ich in jedem
Raum ausgesucht habe
wird es Anschlüsse geben. Dafür
nehmen wir normale Steckdosen ..."
Ich: "Steckdosen?
Doch nicht etwa solche Dinger, wie sie in den Büros
im
Erdgeschoß vor ein paar Jahren verwendet wurden? Eine
Erschütterung und die
Stecker fallen aus der Dose und die
Verbindung zum Netz ist unterbrochen."
Chef: "Aber dann
dachte ich, Twisted Pair, das direkt aus der Netzwerkzentrale
kommt,
wäre besser."
PJ: "Am Boden entlang der Wand? So
daß jemand, der zufällig seinen Kaffee
verschüttet,
gleich einen Kurzschluß verursacht ..."
Chef
(schnell): "Habe ich am Boden gesagt? Ich meinte natürlich
in der Wand ..."
Wir: "Wo es dann gleich bei den
elektrischen Leitungen liegt und es zu störenden
Interferenzen
kommt."
Chef: "Nicht, wenn es alle 6 Zoll mit der
elektrischen Leitung verdrillt wird. Dann
heben sich die Wirkungen
der elektrischen Felder gegenseitig auf. So ist das ja auch
beim
Twisted Pair-Kabel."
Ich bin sicher, der weitere Verlauf des
Gesprächs ist damit hinreichend
beschrieben - es ist, als
würde man in einem Aquarium angeln.
Noch immer sind die drei
sinnlosen Löcher in den Wänden Anlaß für
interessante
Gespräche in den Büros. Aber auch das hätte
ich dem Chef noch durchgehen lassen,
wenn er nicht versucht hätte,
irgendwelches kabelloses LAN-Equipment zu
installieren. Er nahm
wohl an, daß infrarote Strahlung eine Form von
kurzwelligem
Radio ist. (Ich habe keine Ahnung, wer ihm diesen
Floh ins Ohr gesetzt hat,
allerdings scheint es, als sei die Nase
des PJ in diesen Tagen etwas gewachsen.)
Jetzt hat der Chef
jedenfalls herausgefunden, welche negativen Einflüsse auf
seine
Karriere von einem Netzwerk ausgehen, das nur dann
funktioniert, wenn die
Bürotüren weit geöffnet sind
...
"Wir haben wirklich ein Problem", jammert er
gehetzt, als er in mein Büro kommt.
"Womit?" frage
ich hilfsbereit.
"Das verdammte Netzwerk! Es ist ein
einziges Trümmerfeld!"
"Nun, eigentlich will ich
ja kein Salz in offene Wunden streuen, doch sie hätten
daran
denken sollen, daß wir, der PJ und ich, dafür
bezahlt werden, Netzwerke zu planen.
Sie hätten uns nur
unsere Arbeit machen lassen sollen."
"Und was hätten
sie gemacht, das so anders wäre?" will er beleidigt wissen.
"Hm ..." mischt sich der PJ ein. "Ich hätte
ein paar Cat-5-Kabel entlang der Büros
unter dem Bodenbelag
verlegt (und nicht eine billige Imitation) und hätte an
drei
Punkten pro Raum für Anschlüsse gesorgt."
"Aber das ist doch genau das, was ich vorgeschlagen hatte!"
ruft er, als der
Groschen fällt.
"Nun, Taten sagen
mehr als Worte", grinse ich. "Aber wo ich gerade dabei bin,
eine
offizielle Untersuchung scheint da auf sie zuzukommen."
"Was soll ich tun", wimmert er mit einer Stimme, die an
einen Nutzer während der
´Festplatten-Defragmentierungs-Zeit´
erinnert.
"Nun, sie könnten die Kabel austauschen",
antworte ich.
"Sie haben recht, das werde ich tun."
"Nur ist es alle sechs Zoll mit den Elektrokabeln verdrillt.
Und das bedeutet, daß die
Wand teilweise aufgerissen werden
muß, um ..."
"Das ist nicht gut!"
"Nun,
dann bleibt nur noch Plan B übrig."
"Was ist Plan
B?"
"Sie zahlen eine einmalige Prämie an die
´Bastard-Net GmbH´ und stimmen
hohen
Überstundenabrechnungen zu. Dann wird das Problem schon
morgen behoben und am
nächsten Mittwoch nur noch eine
Erinnerung sein."
"Wie hoch soll die Prämie sein
und an wen muß sie zahlen?" fragt er.
"Zweihundert;
jeweils für den PJ und mich."
Angesichts seine Lage
begreift der Chef schnell und greift nach seiner Geldtasche.
Am
nächsten Morgen durchsuchen die Sicherheitsleute das ganze
Gebäude auf der
Suche nach acht Bürotüren, die über
die Nacht in der Etage mit den neuen Büros
verschwunden sind.
Seltsamerweise haben die Überwachungskameras
nichts
aufgezeichnet ...
Die Zuverlässigkeit des
Netzwerkes in den neuen Büros ist einzigartig - es sei
denn,
der Chef der PR-Abteilung (ein ziemlich kräftig gebauter Mann,
der problemlos
die Türen ausfüllt) kommt vorbei. Seine
Beliebtheit in den Büros geht schnell zurück.
Eine
Woche später ist der Austausch der Kabel unter dem Bodenbelag
vollendet und
der PJ und ich präsentieren unsere
Überstundenabrechnungen, damit der Chef sie
unterzeichnet.
"Das können sie doch nicht tun", ruft der Chef.
"168 Stunden? Das sind
24 Überstunden in nur sieben
Tagen!"
"Wir haben wirklich sehr hart gearbeitet."
sagt der PJ leise.
"Sie können doch nicht ernsthaft
erwarten, daß ich das unterschreibe", sagt der Chef,
der
sich wie immer viel zu schnell aufregt.
"Natürlich
nicht", antworte ich. "Dann werden wir das Netzwerk eben
wieder in den
Ursprungszustand versetzen. Oh, und ich frage mich
..."
"Fragen sich was?!?" knurrt der Chef.
"Wessen Fingerabdrücke wohl auf dem Stapel gestohlener
Türen sind, die die
Sicherheitsleute gefunden haben ..."
"Wann?!"
"Morgen früh ..."
Eine
Unterschrift später nehmen der PJ und ich uns für den Rest
des Tages frei, um
uns von den arbeitsreichen Überstunden zu
erholen.
Ein Eindringling im
E-Mail-System veranlaßt den B.O.F.H. dazu, die Gelben Seiten
zu
gebrauchen ...
Ich bin gerade dabei, unsere Satellitenschüssel für das
WAN (Wide Area Network)
und das Verschlüsselungssystem
einzurichten, als mein E-Mail-Client mir eine
ankommende Nachricht
meldet. Ich löse meinen Blick vom Kalibriermonitor (und
dem
US-Militär-Kanal, den man unglücklicherweise nicht
mehr löschen kann), um die
Nachricht zu lesen.
Es ist
seltsam, daß ich eine E-Mail bekomme, denn alle Nachrichten,
die in meiner
normalen Mailbox landen, werden sofort gelöscht
nachdem die Absenderadresse
automatisch in verschiedene
Mailinglisten für Werbung eingetragen wurde.
Die Nachricht
scheint aus unserer Firma zu kommen, was noch verwunderlicher ist,
da
nur der PJ meine ´private´ Adresse kennt. Aber diese
E-Mail kommt nicht vom
PJ, denn der ist gerade mit der Verteilung
der neuen Telefonbücher beschäftigt.
Meine Neugier
wächst und wächst ...
Die weitere Untersuchung
enthüllt, daß die E-Mail von der neuen Software
der
Service-Abteilung kommt, die die Passwortdateien des
Mail-Servers durchsucht
hat, um eine Adressenliste zu generieren.
Die Nachricht an sich ist belanglos - eine
einfache Anfrage.
Ich
hasse die Software der Service-Abteilung, ich haßte sie schon
immer. Der
Gedanke an Software, die ´Ich befasse mich mit
dem Problem, wenn ich mich mit
dem Problem befasse´ nicht
als Terminangabe akzeptieren will, verärgert mich sehr.
Wirklich
sehr.
So sehr, daß ich mich beim Server der
Service-Abteilung anmelde.
Zwanzig Minuten später bekomme
ich einen Anruf aus der Service-Abteilung.
"Hallo, hier ist
der Service. Wir fragen uns, ob sie wissen, was mit unserem
Server
passiert ist?"
"Keine Ahnung", antworte
ich. "Wieso?"
"Er ist langsamer als sonst. Die
Aktualisierung unserer Daten schleicht geradezu."
"Wirklich?
Vielleicht ist es fehlerhaft programmierte Software, die nur
begrenzt
skalierbar ist", antworte ich und benutze ein paar
geeignete Fachausdrücke, die
prompt Wirkung zeigen.
"Testen
sie, ob sich das später ändert - es könnte auch sein,
daß gerade ein paar
interne Prüfroutinen ausgeführt
werden."
"Oh, natürlich! Danke."
Die
Anruferin legt auf, und ich erhöhe Priorität für die
Festplattenprüfsoftware von
80 auf 95 Prozent der
Serverleistung. Gleichzeitig stelle ich Intensität
der
Fehlerprüfung von ´oberflächlich´ auf
´sehr intensiv´.
Zum Glück habe ich eine
angepaßte Version der Prüfsoftware, die nicht nach
den
standardmäßigen 15 Minuten damit aufhört,
einen Abschnitt der Festplatte sehr
intensiv zu überprüfen.
Nun - zum Glück für irgendjemanden. In jedem Fall.
"Fünf
Pfund darauf, daß die Platte die Nacht nicht übersteht",
sage ich zum PJ.
"Kein Interesse", erklärt der PJ
nachdem er meine ´Test´-Einstellungen geprüft
hat
und sich an die extrem hohe Ausfallrate bei den von uns
´getesteten´ Festplatten für
die
Erbsenzählerabteilung erinnert. 87 Prozent im ersten Monat, wenn
ich mich nicht
irre. Und das bedauerlichste daran war, daß
bei den Erbsenzählern eine inkompatible
Version der
Backup-Software installiert war.
Natürlich taten die
allnächtlichen Abtipp-Übungen von Formularen einigen von
ihnen
ganz gut.
Selbstverständlich kommt es am nächsten
Tag zu einem plötzlichen Headcrash auf
dem Server der
Service-Abteilung, so daß alles zum stehen kommt. Der Chef
scheint
sich persönlich für diesen Fall zu
interessieren, doch kann er keine Anzeichen für
außergewöhnliche
Aktivitäten erkennen. Ich bemerke, daß er sich persönlich
um die
Bänder mit den Software-Backups kümmert, statt
der Software-Bibliothek zu
vertrauen. Hmmm.
Ich gebe dem PJ
die neue Ausgabe der Gelben Seiten für den Chef. Wir grinsen
uns
wissend an ...
Der Server der Service-Abteilung wird neu
installiert und konfiguriert, die
Datenbankeinträge werden
neu eingespielt. Und wieder bekomme ich die gleiche
E-Mail wie am
Vortag, die gerade in dem Augenblick bei mir ankommt, als
ich
bemerke, daß eines meiner Skripte in einer
Endlosschleife angekommen ist und alle
fünf Minuten die Zeit
um fünf Minuten zurücksetzt. Aber ich bin mir sicher, daß
die
Fehlerdetektoren der Software in der Service-Abteilung dies
nicht bemerken
werden ...
Da die Sache mich interessiert, gehe
ich zum Chef.
"Ich dachte, ich bringe das Band mit der
Software der Service-Abteilung in die
Software-Bibliothek",
schlage ich ihm hilfsbereit vor.
Er gibt mir das Band, und es
entgleitet mir unglücklicherweise. Bei meinen
Bemühungen,
es wieder aufzuheben, wird es von einem Stuhlbein
zerquetscht.
Viermal.
Als ich hochschaue, sehe ich das
lächelnde Gesicht des Chefs. In der Hand hält er
ein
Band, das unübersehbar die Aufschrift ´Backup -
Service-Abteilung´ trägt.
"Ich bin ja nicht von
gestern", freut er sich und legt das Band auf den einzigen
freien
Platz auf seinem Schreibtisch - auf die gerade vom PJ
vorbeigebrachte neue
Ausgabe der Gelben Seiten.
Ein kurzes
´Hmm´ später verlasse ich das Büro.
Als ich
wieder in meinem Büro angekommen bin, starte ich die
Prüfsoftware für die
Festplatten wieder mit
97-prozentiger Prozessorauslastung und - natürlich -
´sehr
intensiv´.
Am nächsten Tag passiert das
Schreckliche erneut: Der Server der
Service-Abteilung erlebt einen
weiteren Headcrash seiner Festplatte. Ich eile sofort
in das Büro
des Chefs.
"Ich könnte das Backup-Band den Technikern
bringen, damit sie den Server wieder
reparieren können."
schlage ich vor.
Der Chef lächelt und schüttelt
nachdenklich den Kopf.
"Oh", antworte ich. "Nun,
in diesem Fall gehe ich wieder an meine Arbeit. Sie haben
nicht
etwa unser transportables Bandlöschgerät gesehen? Ich bin
besorgt, denn es
reagiert wirklich sehr empfindlich auf
Erschütterungen und ähnliches. Deshalb habe
ich aus
einer überzähligen Ausgabe der Gelben Seiten ein
Schutzgehäuse
gebastelt ..."
Der Chef wird blaß,
als sein Blick auf das Telefonbuch auf seinem Schreibtisch fällt.
"Ah ... das muß es sein", sage ich und spaziere
mit dem wiedergefundenen
Löschgerät, das nichts anderes
ist, als ein kräftiger Magnet, aus seinem Büro.
Wer mit
dem Feuer spielt, kann sich die Hände verbrennen ...
Geld
wechselt den Besitzer, als der B.O.F.H. sich geheime
Informationen
beschafft ...
Es ist ein ruhiger Nachmittag, als mein persönliches Telefon
klingelt. Ich hebe ab,
höre zu und lege dann wieder auf.
"Streßabbau-Sitzung", erkläre ich dem PJ,
und wir verdrücken uns in den
nahegelegenen Pub.
Ich
sehe, daß mein Anrufer schon da ist, also lasse ich den PJ die
Getränke holen.
"Guten Tag, George", beginne ich,
als der PJ und ich an seinen Tisch kommen.
"Guten Tag",
antwortet George und blickt sich vorsichtig um.
"Sie haben
meinen Assistenten noch nicht kennengelernt." fahre ich fort.
"PJ,
George; George, PJ."
Der PJ schaut mich mit
einem Blick an, den er sonst für mental Instabile reserviert
hat
(wofür er später noch bezahlen wird; er sollte sich vor
Schränken in acht
nehmen ...).
"George ist einer
unserer Hausmeister", sage ich und warte darauf, daß das
Gehirn
des PJ auf Touren kommt.
Sein Gesichtsausdruck bleibt
unverändert, also muß ich seinen Gedanken auf die
Sprünge
helfen.
"George leert die Papierkörbe der Reichen und
Mächtigen ..." helfe ich ihm.
Das Feuer der Erkenntnis
spiegelt sich in den Augen des PJ, als er in George
eine
hervorragende Quelle für potentiell zerstörerische
Informationen erkennt.
"Hallo", sagt er und streckt die
Hand aus.
George bewegt sich nicht. Ich seufze.
"Das ist
nicht die richtige Art und Weise, um George zu begrüßen",
erkläre ich.
"DIES ist die richtige Art und Weise."
Wir schütteln die Hände und George läßt
einen neuen 20 Pfund-Schein in seiner
Tasche verschwinden.
"Das
Videokonferenzsystem ist wieder auf dem Plan." sagt George
leise.
"AUSGEZEICHNET!" rufe ich. "Das klingt nach
viel neuer und teurer Technik für
uns."
"Nicht,
wenn man der Kopie einer handschriftlichen Bestellung Glauben schenkt
..."
flüstert George.
"ÜBUNG IM
HÄNDESCHÜTTELN!" sage ich zum PJ.
Er kramt in
seinen Taschen und schüttelt dann die Hand von George. Ein
weiterer 20
Pfund-Schein verschwindet, und ein Stück Papier
fällt zu Boden. Da ich ein
ordentlicher Mensch bin, hebe ich
es auf und stecke es ein, um es später zu
entsorgen.
"Nun,
wir können nicht den ganzen Tag hier herumhängen",
scherze ich. "Wir haben
Arbeiten zu erledigen etc."
Wenige Minuten später studieren der PJ und ich eine
Rechnungskopie mit vielen
Nullen in der rechten unteren Ecke.
Viele Nullen. Eine Rechnung, die viele Glocken
des
´Netzwerk-Überwachungs-Monitors´ zum Klingen
gebracht hätte, wenn die
Rechnung wie üblich behandelt
worden wäre.
"Erkennen sie das?" frage ich den PJ.
"Was?"
"Die Ratte." antworte ich. "Eine
große Ratte mit einem flachen Schwanz, weil in der
jüngsten
Vergangenheit jemand darauf getreten ist."
Der PJ schaut zum
Büro des Abteilungsleiters.
"Eine Ratte mit einem
Gespür für unpassende Kleidung?" schlägt er vor.
"Bingo!"
Die weitere Untersuchung der Rechnung
zeigt, daß die bestellten Geräte aktuelle
Versionen der
Geräte sind, die vor einigen Monaten bei einem Unfall
zerstört
wurden, der den Vorgänger unseres
Abteilungsleiters seine Stellung gekostet hat.
Sein Nachfolger
hat offenbar erkannt, daß die Person, die die Anlage
installiert, zum
lebenslangen Freund des Geschäftsführers
wird.
Um keine Zeit zu verlieren, rufe ich den Lieferanten mit
befehlsgewohnter Stimme
an, um die Lieferadresse zu ändern.
Als ich auflege, fällt mir ein, daß die Worte
´wie
besprochen´ oben auf der Rechnung stehen.
Ich
fliege zur Telefonanlage und vertausche die Nummer des Chefs mit
meiner
eigenen. Keinen Augenblick zu früh. Die Stimme des
Lieferanten klingt wieder an
meinem Ohr.
"JA!"
knurre ich im Chef-Modus.
"Hallo, ich wollte mich nur
vergewissern, daß die Änderung der Lieferadre ..."
"WAS?! ICH HABE SIE DOCH GERADE ANGERUFEN!!"
"Ja,
aber sie haben ausdrücklich gesagt ..."
"Ja,
stimmt. Sie haben Recht", gebe ich zu. "Ich bin einfach nur
bestrebt, die Geräte
möglichst schnell hier stehen zu
sehen."
"Nun, wie wäre es, wenn ich ihnen unser
Vorführmodell schicke, damit sie damit ein
paar Tage üben
können", schlägt er großzügig vor.
Einen
Tag später empfangen der PJ und ich ein
hochmodernes
Videokonferenzsystem, suchen dann im Internet die
benötigte Software und laden
nebenbei noch ein paar nützliche
Bilder herunter.
Wieder einen Tag später können wir
dank der Überwachungskameras beobachten,
wie der
Abteilungsleiter, unser Chef, seine ´neu gelieferten´
Geräte in ein Zimmer
schleppt, das ziemlich nahe beim Büro
des Geschäftsführers liegt.
Kaum eine Woche später
hat der Geschäftsführer seine erste Sendung hinter
sich,
die in allen unseren Niederlassungen gleichzeitig gesehen
wurde.
Der PJ und ich diskutieren diese Sendung später.
"Ich glaube, daß das Faß zum Überlaufen
gebracht wurde, als der Kopf des
Geschäftsführers auf
dem Körper dieser nackten Frau erschien." schlägt der
PJ vor.
"Könnte sein", stimme ich zu. "Wie
auch immer, ihr kleines Filmchen, wie der Kopf
des
Geschäftsführers sich in den eines schinkenproduzierenden
Tieres verwandelte,
war wirklich ein Kunstwerk."
Unser
Chef beteiligt sich nicht an unserer Unterhaltung. Möglicherweise
liegt das
daran, daß er so eifrig bemüht ist, seinen
Schreibtisch auszuräumen, bevor der
Sicherheitsdienst in
hinausbegleiten wird.
Ich habe es einmal gesagt, ich habe es
tausendmal gesagt - es ist ein lustiges Spiel.
Schon einmal den Wunsch
verspürt, am Arbeitsplatz Computerspiele zu spielen?
Der
B.O.F.H. bemüht sich, den Spaß zu vervielfachen ...
"Hallo, ist da die Netzwerk-Abteilung?" fragt ein
Nutzer.
"Natürlich. Wie kann ich helfen?" antworte
ich voller Hilfsbereitschaft, die immer gut
für die PR ist.
"Alle Dateien auf meinem Netzlaufwerk sind verschwunden!"
"Verschwunden?"
"Ja. Einfach verschwunden. Ich
hatte einige Sicherheitskopien von Dateien, die ich
für die
Arbeit brauche."
"Wie lautet ihr Nutzername?"
frage ich.
Er sagt es mir, doch das ist eigentlich belanglos,
denn das Display unserer
Telefonanlage zeigt ja ohnehin den Namen
des Anrufers, seine Zimmernummer,
seinen Nutzernamen und seine
Position in der Hierarchie unserer Firma an.
In diesem Fall:
Name: Ronald Williams; Zimmer: 2.23; Nutzername: prsrw;
Position:
´Kanonenfutter´.
"Aber ja",
erwidere ich. "Und ihre Arbeit besteht darin, sich mit den
verschiedenen
Versionen von Leisure Suit Larry, Doom und einigen
anderen Spielen
beschäftigen, ist es nicht so?"
Ich
höre eine beängstigtes Keuchen, als er seinen fatalen
Fehler bemerkt - doch nun
sitzt er in der Falle.
"Sie
waren nur zu Testzwecken da ..."
"Waren sie nicht."
seufze ich. "Es sei denn, sie haben eine wirklich gute
und
überzeugende Entschuldigung, damit sie nicht wegen
Software-Piraterie bestraft
werden."
"Bestrafung?"
"Nun, natürlich nicht, wenn sie die Original-Disketten
besitzen, aber das scheint
sehr unwahrscheinlich zu sein, da ihre
Dateien aus gepackten Archiven
bestanden ..."
"Woher
wollen sie das wissen? Sie waren doch verschlüsselt!"
"Mit
ihren Initialen als Passwort. Also wirklich, wenn sie nicht versucht
hätten ..."
"Ich kann nicht glauben, daß sie
das getan haben ..."
"Ich habe es getan. Ich habe das
auch schon vorher gemacht und werde es wieder
tun. Auf
Wiederhören." sage ich und lege auf.
Der PJ sieht
verwirrt aus.
"So kenne ich sie doch gar nicht. Seit wann
kümmern sie sich um illegale Kopien?"
fragt er.
"Das
ist mir doch egal. Ich brauche nur Platz, um meine eigenen Spiele zu
sichern.
Und ich kann nicht schon wieder den Chef übers Ohr
hauen, um an eine neue
Festplatte heranzukommen."
Das
Telefon klingelt wieder. Ich schaue nach der Nummer des Anrufers. Es
ist
´Kanonenfutter´.
Der PJ nimmt den Anruf
schließlich an.
"Alle Dateien auf meiner Festplatte
sind ebenfalls verschwunden!" meckert der
Anrufer aufgeregt.
"Ich wollte nur gründlich sein", flüstere ich
und überlasse es dem PJ, ein wenig zu
improvisieren.
"Ja,
das stimmt", antwortet der PJ. "Das liegt am ..."
>flip< >flip< Er sucht schnell eine Antwort im
Ausredenkalender.
"... dynamisch-transienten magnetischen
Re-Allokations-Mechanismus ihrer
Festplatte. Sie sollten
regelmäßig Sicherheitskopien ihrer Platte machen."
"Aber das mache ich doch!" platzt der Anrufer heraus.
"Es ist alles gesichert, auch
meine Dateien auf dem Server!
Könnten sie sie bitte wiederherstellen?"
"Warten
sie einen Moment", antwortet der PJ. "Ich verbinde sie mit
dem
Systembetreuer, der ihnen hilft, ihr Problem zu lösen.
Seine Nummer ist die 8002 für
den Fall, daß die
Verbindung nicht klappt."
Er verbindet weiter und legt dann
auf.
"Zwei Minuten, zwei Anrufe", sagt der PJ und legt
einen Fünf-Pfund-Schein auf den
Tisch.
"Sechs
Minuten, zehn Anrufe", halte ich dagegen und lege meinen Schein
auf den
des PJ.
Wir beobachten Kanonenfutters Aktivitäten
auf dem Display der
Vermittlungsanlage. Nachdem nach fünf
Minuten keine Verbindung mit dem
Systembetreuer zustande gekommen
ist, legt er auf. Es ist allerdings nicht
verwunderlich, daß
der Systembetreuer den Anruf nicht entgegennehmen kann, denn
die
Nummer, die Kanonfutter anruft, gehört zu einem Apparat, der im
Kellergeschoß
hinter einer Wandverkleidung steckt. Sieben
weitere Anrufversuche später stecke
ich meine zehn Pfund ein.
Der PJ ist nicht gerade erfreut, denn er erwartete etwas mehr
Intelligenz von diesem
Anrufer. Seine Naivität ist wirklich
immer eine zuverlässige Quelle für
Überraschungen
(und ein zusätzliches Einkommen).
Wir beobachten, wie unser
Freund schließlich die richtige Nummer der
Systembetreuung
anruft.
"Nun, da löst sich ihr zusätzlicher
Plattenplatz wohl in Luft auf." sagt der PJ.
"Zehn
Pfund, daß das nicht passiert", schlage ich vor.
"Da
gehe ich mit", antwortet der PJ in der Hoffnung auf den
doppelten Gewinn.
Ich hebe die verdreckteste Kassette mit
Magnetband vom Boden auf, und wir
marschieren in den Raum mit den
Bandmaschinen, um auf einen Systembetreuer zu
warten.
Selbstverständlich müssen wir nicht lange warten, bis er
kommt. Er hat ein
paar Bandkassetten bei sich. Als er mich sieht,
preßt er sie, aus welchen Gründen
auch immer, fest an
sich ...
"Lassen sie sich nicht stören", sage ich
und halte deutlich meine Kassette hoch, von
der prompt ein Stück
vom Gehäuse herunterfällt.
"Sie haben das Band in
ihrem Laufwerk gelesen?" fragt der Systembetreuer.
"Natürlich",
antworte ich. "Und es funktionierte bestens - nur ein paar
Lesefehler,
was nicht schlimm ist für ein Band, das so alt
ist."
Der Systembetreuer rollt verzweifelt mit den Augen und
greift nach der Kassette mit
dem Reinigungsband, die auf dem
Bandgerät bereitliegt. Der PJ beobachtet verstört
und
ahnungslos, was passiert.
Seine Ahnungslosigkeit verschwindet,
als das Reinigungsband in das LAufwerk
eingelegt ist.
"Aha
..." sagt er und lauscht aufmerksam auf das Geräusch, das
aus dem Laufwerk
kommt. "Sandpapier ... und ... ist es ein
Gleitmittel?"
Er ist gut.
"In Ordnung - und - für
die zehn Pfund, die sie mir schulden ..." sage ich und nicke
in
die Richtung des Systembetreuers, der in Panik mit dem
Auswurfknopf des
Bandlaufwerkes kämpft.
"Hm ...
nein, handelt es sich um schnellhärtendes Epoxid-Harz?"
"Und der Gewinner des Tages ist ... DER PJ!" rufe ich.
Wir verlassen den Computerraum und kehren zurück in unser
Kontrollzentrum.
"Wann haben sie ..." beginnt der PJ.
"... das Reinigungsband ´perfektioniert´? Vor
etwa sechs Wochen - es wird
normalerweise nicht benutzt, also
wußte ich, daß es das perfekte Werkzeug
zur
ferngesteuerten Zerstörung ist. Man kann von irgendwo aus
anrufen und sagen, daß
man Lesefehler hat ..."
"Aber
damit haben sie sich nur Zeit gekauft."
"Nicht
korrekt." sage ich und entferne die Aufkleber von einigen
herrenlosen
Bandkassetten, die ich vorhin im Papierkorb gefunden
habe.
"Sie Bastard!" ruft er voller Respekt.
"Durch
und durch, privat, im Job und immer bereit für eine Runde
Netzwerk-Doom."
"Legen wir los!"
Als der B.O.F.H. mit
Verschlüsselung bedroht wird, versetzt er seinem Chef den
bisher
größten Schock ...
Der PJ und ich marschieren durch die Korridore des Rechenzentrums,
als unsere
Schritte plötzlich durch die firmeneigene
Umweltschützergruppe gestoppt werden.
Wir fragen uns, warum
diese Gruppe so offensichtlich gewachsen ist. Vor langer,
langer
Zeit wurde sie von zwei oder drei Veteranen gegründet, deren
technischer
Verstand gerade dazu ausreichte, ein 8 Zoll-Laufwerk
zu reparieren. Heute scheint
diese Gruppe zum Ruheplatz für
Drückeberger geworden zu sein.
Um den wahren Grund für
die Existenz dieser Gruppe zu verschleiern (Flucht vor
Arbeit und
Verantwortung), führen ihre Mitglieder lange Gespräche über
neue
Entwicklungen in der Rechentechnik, wohin diese führen
werden und warum, auf
welche Entwicklungen man besonders achten
sollte und wer davon betroffen sein
wird.
An sich wäre
dies ja auch nicht besonders schlimm, wenn sie (a) sich nicht in
den
Korridoren oder in irgendeinem Büro versammeln würden,
wo sie ganz sicher stören,
oder (b) den Chef nicht manchmal
mit dem Virus ihrer Zukunftsvisionen infizieren
würden.
Heute ist wieder einer dieser Tage. Verschlüsseltes TCP/IP
und wie es bei uns
eingeführt werden könnte - das ist
das Thema ihrer aktuellen
Vierstundendiskussion.
Der PJ und
ich bleiben stehen ...
"Was macht dieser Typ?" fragt
der PJ
leise und deutet auf einen der Wortführer, der
ganz
offensichtlich von der Idee begeistert ist, einen seiner
strategischen Pläne
verwirklicht zu sehen, um mit seinem
ausgezeichneten Fachwissen eine Stufe in der
Firmenhierarchie
aufsteigen zu können.
"Abgesehen davon, daß er
Unmengen Deodorant in die Klimaanlage versprüht?"
frage
ich den PJ.
"Ich bin mir nicht sicher, irgendwie sehen die
alle gleich aus."
In der Zwischenzeit ist der Chef, der sich
unter ihnen befindet, hellauf davon
begeistert, daß er in
einem einzigartigen Coup die Barrieren für den Zugriff auf
die
einzelnen Arbeitsplatzrechner verstärken und damit
anscheinend die Sicherheit
unseres Netzwerkes erhöhen kann.
Das ist nicht gut.
Zwei Stunden später marschiert der
Chef mit ein paar hastig beschriebenen
Notizblättern in der
Hand in unser Büro.
"Sagen sie mir", fragt er
mich. "Warum benutzen wir eigentlich kein
verschlüsseltes
TCP/IP?"
"Zusätzliche Last
im Netzwerk", antworte ich, um zu sehen, wie gut er
vorbereitet
wurde.
"Aber die zusätzliche Last ist
doch minimal, wenn die Verschlüsselung mit
persönlichen
Schlüsseln von Programmen auf den Arbeitsplatzrechnern
durchgeführt
wird", schlägt er vor. Da hat ihn
jemand offensichtlich gut präpariert, denn diese
Thematik
geht sonst weit über seinen Horizont hinaus.
"Stimmt!
Das ist mir noch gar nicht eingefallen!" rufe ich begeistert.
"Nun, dann bereiten sie sich schon einmal auf die Einführung
vor", antwortet er voller
Enthusiasmus.
"Selbstverständlich."
Der PJ blickt mich mit
dem gleichen beunruhigten Ausdruck an wie vorhin auf dem
Gang.
"Sie werden doch nicht etwa weich?" fragt er besorgt.
"Dies hier wird für mich sprechen", antworte ich
und deute auf einen soeben
installierten PC, dessen Monitor einen
Bildschirmschoner anzeigt.
Förmlich betätigt der PJ die
Return-Taste ... und Mikrosekunden später berührt
er
unsanft die Wand hinter sich.
"Das ist doch gut,
oder?" frage ich, als er das Bewußtsein wiedererlangt.
"Das Wort
´Return´ ist mit leitfähigem
Material aufgedruckt worden. Wird die Taste gedrückt,
dann
wird eine Verbindung mit der Erdung des Rechners hergestellt, wodurch
eine
hohe aber weitgehend harmlose Spannung entsteht. Ach, wie war
das noch mit dem
Weichwerden?"
Der PJ zweifelt nicht mehr
und hilft mir, die Anweisung des Chefs buchstabengetreu
auszuführen.
Der Chef nimmt diese Nachricht mit selbstgefälligem Grinsen
entgegen und verbringt
den nächsten Tag damit, ein
begeistertes Memo über die Sicherheit in
Netzwerken
anzufertigen, eine neue Ära der Sicherheit, bla
bla bla bla. Er formuliert das Memo
so, als hätte er
höchstpersönlich und ohne fremde Hilfe nur mit seinem
Feuerzeug
ausgestattet die Bits und Bytes zusammengebracht, um
dies alles zu ermöglichen.
Um die theatralische Wirkung noch
zu steigern, legt er als Termin für die
Inbetriebnahme des
neuen Systems den nächsten Montag fest.
Der Montag ist da,
und der Chef erscheint mit den Chefs der IT im Schlepptau.
Mit
angehaltenem Atem wartet er darauf, daß es 9 Uhr wird,
damit er die
Verschlüsselung einschalten kann.
Das
Klicken des Sekundenzeigers mischt sich mit dem Klackern der Tastatur
und
dem Geräusch, das der Chef verursacht, als er in einem
alten Metallregal mit vielen
spitzen Ecken und Kanten landet,
nachdem er die Verschlüsselung aktiviert hat.
Dann fangen
die Anrufe an. Die Freisprechanlage erlaubt es den
IT-Chefs
mitzuhören.
"Hallo, Netzwerkbetreuung."
melde ich mich.
"Hallo, hier ist die Nutzerbetreuung. Wir
bekommen unzählige Anrufe von Nutzern,
deren PCs nur noch
TCP/IP-Fehler melden."
"Ja, das liegt an der
Verschlüsselung." antworte ich.
"Aber wie können
wir die Daten entschlüsseln?"
"Das geht nicht. Ich
dachte, sie wissen das. Wir sollten doch nur die
Verschlüsselung
einrichten."
"WOLLEN SIE DAMIT SAGEN, DASS SIE GERADE
EIN SYSTEM
INSTALLIERT HABEN, DAS NICHT MIT ANDEREN
RECHNERN
KOMMUNIZIEREN KANN?" fragt der IT-Boss wütend.
"Wir waren es nicht." sage ich und zeige ihm ein
aktuelles Memo.
"Ja, das sehe ich." sagt der Boss mit
einem eiskalten Blick auf unseren Chef.
Unglücklicherweise
führen dessen vergebliche Versuche, die Verschlüsselung
wieder
abzuschalten, zu unnötigen Beschädigungen eines Regals.
Doch zum Glück
war der IT-Chef noch so nett, auch allen
anderen Mitgliedern der
Drückerberger-Gruppe, die ja diese
Idee hatte, einen Versuch zu gestatten, die
Verschlüsselung
zu stoppen, so daß die Dinge schließlich wieder ins Lot
kamen.
Status Quo wiederhergestellt - alle Systeme laufen.
Sehr zum Mißfallen des B.O.F.H. wird der PJ Opfer eines Zaubers ...
Irgendwann mußte es ja passieren. Und um ehrlich zu sein,
ich wundere mich nur,
warum es so lange gedauert hat. Trotz meiner
zahlreichen Belehrungen, meiner
anschaulichen Schilderungen der zu
erwartenden Schwierigkeiten bei der kleinsten
Andeutung eines
solchen Handelns und trotz meiner zahlreichen Erinnerungen an
die
Konsequenzen eines solchen Verhaltens hat der PJ mich
alleingelassen.
Er hat sich verliebt.
Eine der weniger
erfreulichen Nebenwirkungen der ständigen Arbeit mit
vernetzten
Rechnern ist das Nachlassen der eigenen Vorsicht - ganz
besonders dann, wenn
man so viele persönliche Mitteilungen
auf dem Bildschirm des Netzwerk-Monitors
mitlesen kann wie wir.
Und genau dies ist dem PJ passiert - er fand ´seine´
Frau, die
sich mit dem jüngsten Erbsenzähler im Internet
Relay Chat (IRC) unterhielt. (Die
beiden müssen verrückt
sein, wenn sie annehmen, daß niemand ihre
Unterhaltung
belauschen kann.) Der PJ hat die Frau sofort davon
überzeugt, daß er ein weitaus
interessanterer Typ zum
Kennenlernen ist als ein Erbsenzähler. Was freilich
nicht
besonders schwer war, wenn man davon ausgeht, daß das
nächtliche Verlegen von
Kabeln mehr Spaß bereitet als
ein Gespräch mit einem Erbsenzähler.
Das Telefon
klingelt.
"Netzwerk-Service. Wie kann ich ihnen helfen?"
singt der PJ mit diesem kranken
verliebten Tonfall - sie wissen,
was ich meine.
"Ich habe anscheinend meine Adressenliste für
die Weihnachtskarten vom Server
gelöscht. Könnten sie
sie möglicherweise vom Backup-Band wiederherstellen?"
"Eine kleinen Moment bitte ... " >CLICK<
>WHIRRRR<
>CHUNKACHUNKACHUNKA< "... da ist sie
wieder."
"Oh, vielen, vielen Dank!"
"Kein
Problem."
Ich überprüfe die Adressenliste - und es
handelt sich tatsächlich um eine
Adressenliste, keine
logische Bombe oder ein fehlerhaftes Makro. Dieser Bursche
ist
krank.
Ich werfe einen Blick auf seinen Netzwerkmonitor, um zu
sehen, in welcher Etage
heute ganz plötzlich das Netz
ausfallen wird. Aber alles was ich sehe ist grün - also
kein
´unerwarteter´ Bandbreitenengpaß in Sicht.
Beängstigend.
Mir fällt auf, daß das
Hintergrundbild seiner Workstation sich geändert hat. Es
zeigt
nun jemanden, der blond und weiblich ist.
"Ist das
..." deute ich auf das Bild.
"Yep. Sieht sie nicht
prächtig aus?"
Ich muß zugeben, daß das
Wort ´Babe´ mir als erstes einfällt. Dann verspüre
ich
plötzlich das Verlangen, den Netzanschluß des
Servers der Erbsenzähler
lahmzulegen. Mir wird klar, daß
es noch normal ist, wenn man das Bild einer anderen
in der
Geldbörse mit sich herumträgt. Doch das Verschicken von
JPEGs mit
E-Mails ist etwas, was nur Anoraks machen.
"Habe
ich ihnen schon gesagt, daß wir uns heute zum ersten Mal
treffen wollen?"
singt der PJ in diesem kranken Tonfall. Das
klingt wie das Kratzen von Fingernägeln
auf einer Wandtafel.
Wirklich.
"Nein", antworte ich müde. Ich habe es
ein paar Tage lang geschafft, Begeisterung
und Interesse zu
heucheln, denn ich hoffte, ihn dadurch zur Vernunft zu bringen,
doch
meine Bemühungen waren offensichtlich erfolglos.
"Wo
werden sie sie denn treffen?"
"Oh, ich weiß noch
nicht - ich bin ein absoluter Anfänger auf diesem Gebiet.
Aber
vielleicht können sie mir einen Tip geben?"
"Hmmmm
... warum versuchen sie nicht das neue Fischrestaurant in der High
Street?
Es ist preiswert und wird sehr geschätzt. Und
natürlich können sie mit der Karte für
´geheime´
Ausgaben vom Chef bezahlen."
"Gute Idee. Ich schicke
ihr gleich eine E-Mail." Entweder ist mein
´ehrlicher´
Gesichtsausdruck noch nicht verbraucht
oder er weiß es wirklich nicht besser.
Ein kleines
Filterprogramm auf dem Mailserver sorgt dafür, daß die
Geliebte des PJ
sich nun auf Curry in Highgate freut.
Jetzt
gilt es, die andere Hälfte meines Plans umzusetzen. Ich schicke
den PJ weg,
damit er für sein Schätzchen einen
romantischen Blumenstrauß kaufen kann. Das
wird ihn
mindestens eine halbe Stunde lang beschäftigen, so daß ich
die Gelegenheit
nutzen kann, um eine Bekannte anzurufen.
Der
PJ nutzt seine Chance für eine verlängerte Mittagspause
(Zum Glück, den sein
verliebtes Geplapper macht mich langsam
verrückt.), und so ist es nicht besonders
schwer, die letzten
Stunden des Tages zu überstehen, bevor er mit krankem
Lächeln
verschwindet.
Der Morgen kommt, und ich erscheine
besonders früh gegen 11 Uhr im Büro, um
herauszufinden,
wie der Abend meines Untergebenen verlaufen ist.
"Verdammt
erschreckend. Sie war gebaut wie ein kleiner Büroblock, sie
hatte eine
Stimme wie Arthur Mullard und sie redete den ganzen
Abend über ihre neue
Kirsch-Entstein-Maschine."
Lustig,
das klingt ganz nach Julie, der Schwester meiner Nachbarin. Aber
nein, sie
kann es nicht gewesen sein, denn sie hat mit Computern
nichts zu schaffen. Und
eigentlich dürfte sie kaum Zeit für
Verabredungen haben, denn ihr Truck belädt und
fährt
sich ja nicht selbst.
"Aber was ist mit dem Foto?"
frage ich.
"Das ist eine Fälschung. Zum Teufel, ich
habe genug von Frauen!"
>Klingel<
Der PJ nimmt den
Anruf an.
"Netzwerk-Service."
"Mein
Netzlaufwerk ist voll."
"So?"
"Könnte
ich etwas mehr Platz bekommen?"
"Natürlich gebe
ich ihnen mehr Platz ... " >KLIKEDIKLAK< "... schon
geschehen.
Sie haben fünf Megabyte freien Platz bekommen."
Ich schaue neugierig auf seinen Monitor: "rm -rf *".
Schon besser.
Wo findet man einen PJ, wenn
man einen braucht? Es ist eine echte
Herausforderung, doch ...
Ein trauriger Tag für die Netzwerk-Abteilung. Der PJ hat sich
leider entschlossen,
unsere Firma zu verlassen. Offenbar gibt es
Wiesen die grüner sind und anziehender
auf die Jungen und
Ahnungslosen wirken. Er hat eine Stelle als Netzwerk-Betreuer
eines
Unternehmens aus der Öl-Branche angenommen, wo die Kollegen
annehmbar
sind und die Bezahlung vielversprechend ist.
Mit
einem Anflug von Sentimentalität in seinem Blick holt er zwei
Wochen nach
seiner Kündigung seine Sachen. In diesen zwei
Wochen lief der Chef mit dem
wohlbekannten Ausdruck ständigen
Verfolgungswahns herum.
Offensichtlich hat ein ´Druckfehler´
im Online-Rufnummernverzeichnis die Anzahl
der Fehlverbindungen zu
seinem Anschluß dramatisch erhöht. Und auch die
Änderung
seiner Nummer konnte das Problem nicht lösen. Die Erkenntnis,
daß er für
eine Versetzung nach Wales nicht nur im
Gespräch, sondern auch noch dafür
ausgewählt wurde,
führte zusätzlich noch zu einigen verzwickten und
langwierigen
Streitereien, die ihn für einige Tage
beschäftigten.
Die Vorstellungsgespräche für den
Nachfolger des PJ beginnen, und es ist
offensichtlich, daß
das Niveau der Bewerber nicht gerade an das des echten
PJ
heranreicht.
Ich: "Ein Nutzer beschwert sich über
die Geschwindigkeit im Netzwerk. Werden sie
das Problem suchen
oder den Netzwerk-Port des Nutzers sperren?"
Sie: "Ich
such ..."
Ich: "Danke, sie werden von uns hören.
Nächster!"
Ich: "Es ist 16:54 Uhr am Freitag und
ein Nutzer ruft mit einer Frage zu TCP/IP an.
Was werden sie tun?"
Sie: "Die Frage beantworten?"
Ich: "Verzwickte
Frage. Sie beantworten niemals an einem Freitag eine Anfrage
nach
15 Uhr! Selbst WENN sie noch bei der Arbeit sind! NÄCHSTER!"
Ich: "Sie bemerken, daß die Firmware des Routers seit
einigen Revisionen nicht mehr
aktuell ist. Was tun sie: Füllen
sie ein Austausch-Beantragungs-Formular aus,
sorgen für die
Sicherung der alten Eproms oder bestellen gleich die
neue
Firmware-Version?"
Sie: "Die neue Version
bestellen?"
Ich: "Nein. Sie lassen den Router alle drei
Stunden abstürzen, bis der Chef sie
anfleht, die Firmware so
schnell wie möglich zu aktualisieren, was zu vier
Überstunden
mit doppeltem Stundensatz führt! NÄCHSTER!"
Nach
zwei Tagen mit Vorstellungsgesprächen entscheidet der Chef sich
dazu, selbst
einen Bewerber auszuwählen. Erwartungsgemäß
entscheidet er sich für Ronald, den
schlimmsten annehmbaren
Bewerber, einen mit offensichtlichen Problemen
seiner
Auffassungsgabe. Und natürlich werden die Nutzer ihn
lieben, was immer ein
deutliches Warnzeichen ist. Ich mache das
beste aus der Situation bis ich einen Plan
habe.
"In
Ordnung, Ron, ich zeige ihnen ihr ..."
"Nein, Ronald,
nicht Ron."
"Ja." Ich mache mir in Gedanken eine
Notiz, daß ich die Platten des Bodenbelags ein
wenig lockern
muß ...
Dann bereite ich ihn auf seine neue Karriere im
Netzwerk-Service vor, indem ich ihn
den Staub aus den
Kabelschächten entfernen lasse.
Zwei Tage und einen Unfall
im Kabelschacht später fängt Gerald als neuester PJ an.
Ein
kindischer Typ, doch immerhin ist er unfreundlich zu unseren Kunden.
Trotzdem,
ihm fehlt der richtige Killerinstinkt, der die Profis
von den Amateuren unterscheidet.
Und im fehlt auch der technische
Verstand, nicht mit dem Regenmantel mit den
großen
Metall-Verschlüssen auf das Dach zu steigen, um während
eines Gewitters
die ´Satellitenschüssel zu
kalibrieren´. Ups. Aber Hautverbrennungen verheilen ja
recht
schnell.
Gerald folgt dem Beispiel Ronalds, indem er sich in
einen langen Erholungsurlaub
verabschiedet, so daß ich die
Festung allein verteidigen muß. Es geht hektisch zu,
denn
die Anzahl der Anrufe, die ich annehmen kann während ich mit dem
alten PJ
Netzwerk-Doom über das Internet spiele, ist
begrenzt.
Gleichzeitig scheint es schwierig zu werden, Bewerber
für den Posten des PJ zu
finden. Beinahe unmöglich, um
es genau zu sagen. Es hat sich wohl
herumgesprochen, daß es
sicherer ist, mit laufenden Motorsägen auf einem
Einrad
balancierend zu jonglieren, als bei uns zu arbeiten, so daß
die Bewerber in Scharen
einen Bogen um unser Angebot machen.
Da
ich arbeitsmäßig überlastet bin, komme ich nicht
dazu, die vielen Netzwerkfehler
zu beseitigen, die uns plagen -
zum Beispiel den Netzanschluß des Chefs, der sich
plötzlich
wie ein unterbrochener Stromkreis verhält. Zum Glück bin
ich immerhin in
der Lage, ihm als Interims-Lösung aus meinem
Bestand ein 2400er Modem zu
leihen. Bei 2400 Baud brummt sein
File-Server natürlich mächtig. Ganz zu
schweigen vom
Netzteil des Modems, das soviel Strom frißt, daß nach
dem
Einschalten des Modems die Lampen in seinem Büro weniger
hell leuchten.
Der Chef sieht keinen anderen Ausweg mehr, als ich
ihm einen Vorschlag mache.
Wenn er eine ansprechende Prämie
und einen entsprechenden Lohn anbietet, dann
könne ich ihm
einen Ersatz für den PJ beschaffen, erkläre ich ihm.
Der
Chef greift nach dem rettenden Strohhalm und nennt zwei akzeptable
Zahlen. Ich
rufe den PJ an und mache ihm ein unwiderstehliches
Angebot.
Dem er auch nicht widerstehen kann.
Einen Tag später
hat der PJ seinen Urlaub beendet und eine kräftige Lohnerhöhung
in
der Tasche. Was der Chef nicht weiß, kann ihn auch nicht
ärgern. Vorerst.
Als ich später dem PJ die Hand
schüttle, dringt ein lauter Schrei zu uns.
Ich
LIEBE dieses Geschäft.