Die
Original-Bastard-Operator-Geschichten von 1997
Autor: Simon
Travaglia
Übersetzer: Thomas Weidauer
Wie
kann man den Besuch der Schnüffler von der Buchprüfung heil
überstehen? Der
B.O.F.H. hat ein paar Ideen ....
Die Dinge stehen nicht gut. Die Geschäftsleitung will
offenbar Blut sehen. Bis jetzt
gab es zwar noch keine offiziellen
Verlautbarungen, doch jeder im Haus weiß, was
die Besuche
der Buchprüfer zu bedeuten haben ...
Die Buchprüfer
gehen nicht erst zu den Chefs, was bedeutet, daß sie schon mit
allen
notwendigen Informationen scharfgemacht wurden. Jemand von
den hohen Tieren hat
sie wohl auf mich angesetzt, wenn man das
Gelächter der notorischen Ja-Sager, die
sich meine Kollegen
nennen, richtig deutet. Oder es geht um den PJ ...
Ich erinnere
mich daran, daß ich alle Mitglieder der Geschäftsleitung
bei der
Mailingliste eines schäbigen Videoversands angemeldet
habe, doch ich glaube nicht,
daß ich mir dadurch diese
Aufmerksamkeit ´verdient´ habe.
Die kleinkarierten
Prüfer spielen ´Guter Bulle - böser Bulle´. Ein
staatlicher
Steuerprüfer wirkt verglichen mit ihnen wie
Mutter Theresa.
Ich habe noch eine Minute, bis sie in meinem Büro
eintraffen, also melde ich mich
noch schnell beim Router der
Geschäftsführung an und starte einen Packet-Sniffer
zur
Überwachung der Daten. Dann richte ich die
automatische
Gesprächsaufzeichnung so ein, daß sie die
Gespräche für ein paar zusätzliche
Telefonanschlüsse
mitschneidet.
Ich bin gerade damit fertig, als sie kommen.
"Das
ist eine Sicherheitszone", rufe ich laut und spiele den
schwerbeschäftigten
Arbeiter.
"Interne Buchprüfung",
knurrt der böse Bulle.
"Haben sie einen Ausweis?"
frage ich, um Zeit zu gewinnen, bis ich die
verräterischen
Zeichen von meinem Monitor löschen kann.
Ihre Fotos sind
ziemlich unscharf, doch unter dem Vergrößerungsglas kann
ich sie
identifizieren.
"Die scheinen in Ordnung zu sein.
Wie kann ich ihnen helfen?"
"Wir sind hier, um ihre
Ausrüstung zu prüfen und ins
Inventarverzeichnis
aufzunehmen. Halten sie sich bereit bis wir
mit der Prüfung fertig sind."
"Wie lange wird das
dauern?" frage ich.
"Wenn wir fertig sind, dann sind
wir fertig." sagt er böse Bulle.
Ausgezeichnet. Ich
schreibe ihre Namen in das Besucherbuch und lasse sie dann mit
meiner
Kennung durch die Tür.
Sie laufen ein wenig herum, rufen
sich Inventarnummern zu und machen dabei
komische Geräusche.
Ich vertreibe mir die Zeit damit, daß ich die neuesten
Bänder
der automatische Gesprächsaufzeichnung anhöre.
Es dauert nur ein paar Minuten,
um dem Sekretärinnengeschwätz
zu entnehmen, daß jemand in der
Erbsenzählerabteilung
herausgefunden hat, daß einer unserer Mikrowellenstrahler
auf
das Zentrum der Erbsenzähleretage gerichtet ist und nicht in den
Himmel. Es ist
nicht so, daß wir den Strahler derzeit zum
Senden nutzen würden ... Andererseits
wäre es in bezug
auf die psychsomatischen Kopfschmerzen und andere Krankheiten,
die
diese Strahlen vielleicht auslösen, die Mühe wert.
"In
Ordnung", kommt der böse Bulle zu mir.
"Ihren
Aufzeichnungen entnehme ich, daß sie im vergangenen Jahr als
angeblich
nicht mehr reparierbar drei Fernseher ausgemustert haben
...."
"Ah, Satellitenempfangs-Monitore",
unterbreche ich ihn schnell. "Sehr schlechte
Qualität,
ja."
"Zwei Stereo-Videorecorder ..."
"Recorder
für die Überwachungsanlage mit zwei Audio-Kanälen.
Schlechte
Qualität."
"Einen Mikrowellenherd
...."
"Ein Testgerät für die Übertragung
von Mikrowellen geringer Reichweite."
"Und 112 Videos."
"Aufzeichnungsmedien für die Überwachungskameras,
stimmt."
"Gekauft im Megastore?"
"Zu
einem guten Preis."
"Unbespieltes Material für 15
Pfund pro Kassette?"
"Qualität kostet ..."
"Warum sind dann die Titel der Kassetten aufgeführt?"
"Ein Fehler bei der Erstellung der Rechnung. Rufen sie sie
doch an. Ich bin sicher,
daß sie in den Aufzeichnungen des
Megastores als Leerkassetten auftauchen.
Nun ..."
"Und
sie haben sie ausgemustert?"
"Die
Sicherheitsrichtlinien verpflichten uns, vertrauliche Aufzeichnungen
nach drei
Monaten zu vernichten ..."
"Nun, und was
ist mit diesen vielfarbigen Indikator-Leuchten?"
"Wir
benutzen sie hier überall ..."
"Ja, aber dabei
könnte es sich um beinahe alles handeln. Selbst
eine
Weihnachtsbaumbeleuchtung paßt zu dieser Rechnung."
Scharfsinnige Bastards, wirklich ...
"Ich bin sicher,
daß alles in bester Ordnung ist", sagt der gute Bulle in
einem Tonfall,
der Vertrauen wecken soll. Zweifellos ist das die
gleiche Art von Vertrauen, die in
dem Satz: "Halte mir den
Rücken frei, Brutus." steckt. Das kann nur eines
bedeuten
....
"Nur eine Sache noch", fragte der böse Bulle
etwas freundlicher. "Sie besitzen
WIRKLICH alle
Ausmusterungsformulare, die von ihrem Abteilungsleiter und dem
Chef
der Einkaufsabteilung unterschrieben wurden?"
Ups. Plötzlich
stehen die Dinge für die Heimmannschaft gar nicht mehr so gut.
"Denn wenn sie sie nicht haben, dann MÜSSEN sie
persönlich für die Verluste
haften. Bei einem Buchwert
von rund 5000 Pfund ..." sagt er und genießt
dabei
sichtlich jede Silbe.
"Natürlich habe ich die
Formulare", lächle ich und deute auf den Stapel Papier,
den
ich für solche Situationen vorbereitet habe. "Irgendwo
hier. Entschuldigen sie bitte
die Unordnung."
Während
sie sich durch den Papierstapel durcharbeiten, suche ich die
Autonummern
heraus, die zu ihren Namen gehören, und schicke
dem PJ dann eine E-Mail mit
seinem Auftrag.
Eine Stunde später
beschließen die Prüfer, daß der Arbeitstag vorbei
ist und ziehen
ab. Der PJ und ich machen es ihnen nach folgen
ihnen, um Zeuge einer ´zufälligen´
Sicherheitsprüfung
am Fahrzeugausgang zu werden. Der PJ und ich sind schockiert
und
sprachlos, als wir die Kofferraumladungen mit wertvoller
´ausgemusterter´
Technik sehen, die unsere ehemaligen
Buchprüfer zusammen mit einem Stapel
Ausmusterungsformulare
hinaustransportieren wollten. Die Formulare waren leer bis
auf
jeweils zwei verräterische Unterschriften.
"Also dahin
verschwinden unsere Ausrüstungen!" platze ich heraus für
den Fall, daß
die Sicherheitsleute den Faden nach dem
anonymen Anruf verloren haben sollten.
Status Quo
wiederhergestellt. Ich biete dem PJ an, ihn mit einem Bier für
den Krampf
in seiner Signierhand zu entschädigen.
Das
Leben an der Spitze ist hart - glaubt niemandem, der etwas
anderes
behauptet ...
Der B.O.F.H. hat Lust auf
einen harmlosen Schwindel. Doch wie wird man den
störenden
Chef los? Kleinigkeit ...
Unser Chef ist tollwütig, könnte man sagen. Ich habe ihn
nicht mehr so verrückt
gesehen, seit der PJ und ich die
Erbsenzähler davon überzeugt haben, daß Windows
95
seit zwei Jahren obsolet ist und sie auf die diesjährige
Version, nämlich OS/2,
umsteigen müßten.
"Was
zum Teufel ist in der Werbeabteilung passiert?" stößt
er hervor. "Der
Abteilungsleiter hat mich angebrüllt. Er
sagte, sie hätten eine Sekretärin
alle
Installationsdisketten löschen lassen und ihre Rechner
mit Viren infiziert!"
"Sie machen Scherze",
antworte ich und strahle tiefste Unschuld aus. "Ich habe
mit
niemandem in der PR-Abteilung geredet. Oder haben die mich
etwa angerufen?"
"Nein, sie haben den Nutzer-Service
angerufen, aber den Anruf haben sie
angenommen!"
"Das
kann nicht sein - ich habe den gesamten Tag mit Arbeiten am
Netzwerk
zugebracht." antworte ich. Unser automatischer
Netzwerk-Betreuer dürfte für ein
bequemes Alibi sorgen.
"Und was ist DAMIT?" ruft er und fuchtelt mit meiner
Viren-Diskette herum.
"Das ist eine Diskette mit einem
Virus", sage ich.
"Und warum haben sie sie mit ´VIRUS
SCAN´ beschriftet?"
"Das war eine Erinnerungen
für mich selbst, daß ich diese Diskette prüfen muß.
Ich
habe herausgefunden, daß sich tatsächlich ein Virus
auf ihr befindet und sie in den
Papierkorb geworfen. Aber
offensichtlich hat jemand irrtümlicherweise versucht
sie
weiterzuverwenden."
"Der komplette Server in der
PR-Abteilung ist nun infiziert, und sie müssen den
Nutzern
verbieten, ihn zu nutzen, damit sie ihre PCs nicht wieder neu
infizieren."
"Natürlich", sage ich. "Aber
der PJ und ich können die Dinge wieder richten."
Der PJ
ist sichtlich verwundert über meine Bereitschaft, dem Plebs in
der
Werbeabteilung zu helfen, doch das ist genau die Gelegenheit,
auf die ich gewartet
habe, um ihre Computer dazu zu nutzen, ein
paar kleinere Veränderungen in den
Jahresabschlußberichten
vorzunehmen. Nur wenige Betrachter haben die Reißzähne
und
Geweihe, die ich den IT-Chefs verpaßt hatte, im vergangenen
Jahr bemerkt. Für
dieses Jahr muß ich wohl eine weniger
subtile Bearbeitung der Druckversionen
vornehmen.
Die
Sicherheitsvorkehrungen haben sie freilich verstärkt, als sie
feststellten, daß die
Zahlen der Firma nicht so aussahen,
wie sie aussehen sollten - die Sorte von
Zahlen, die man den
Aktieneigentümern lieber nicht zeigt. Auf der anderen Seite
hat
sich die Druckerei über den Extra-Auftrag gefreut, deren
Bonus natürlich auch die
Wohltätigkeitskasse des
B.O.F.H. wieder schwarze Zahlen schreiben ließ.
"Gut",
erklärt der Chef und unterbricht meine Gedanken. "Ich werde
die Aktion
natürlich persönlich überwachen - zur
moralischen Stärkung und des
Zusammengehörigkeitsgefühls
wegen ..."
Unglücklicherweise kann der Chef den Beitrag
zur moralische Stärkung, den er vor
einigen Tagen in der
Cafeteria leistete, kaum mehr übertreffen. Er rutsche damals
auf
einem Fettfleck aus und plazierte sein Gesicht in einer
vegetarischen Lasagne. Doch
das ist nicht der Hauptgrund. Meine
kreativen Gedanken werden einfach gehemmt,
wenn der Chef mir
ständig über die Schulter blickt.
Zeit für eine
Strategie, mit der wir ihn loswerden ...
"Großer
Gott!" rufe ich und trete gegen den Netzstecker des PCs des PJ.
"Dieser
Blitzableiter ist einfach lächerlich."
"Welcher Blitzableiter?" fragt der Chef.
"Sie
wissen doch, die Kupferleitung, die diese Seite des Gebäudes mit
der Erde
verbindet. Wir haben sechs Wochen auf den Wartungsdienst
gewartet, der sich den
Blitzableiter über unserem Fenster
auch nur anschaute."
"Aber wir haben doch mehrere
Blitzableiter", antwortet der Chef, der offenbar keine
Ahnung
von den aktuellen Kupferpreisen hat (oder, um etwas genauer zu sein,
von
den Preisen vor sechs Wochen, als der PJ und ich etwas Geld
brauchten).
"Nein, nur einen - eine ökonomische
Einsparmaßnahme ihres Vorgängers", füge ich
als
passende Ausrede hinzu, die er auch nicht widerlegen kann.
"Oh?
Dann werfen wir doch einen Blick darauf!"
Ich führe ihn
zum Fenster und zeige auf den Blitzableiter.
"Wozu brauchen
wir einen Wartungsdienst? Sie können doch ebenfalls
hinaufklettern
und das Ding in ein paar Augenblicken reparieren."
"Ich bin nur für das INNERE des Gebäudes zuständig
...." sage ich.
"Oh, zum Teufel damit - machen sie das
verdammte Fenster auf!" schreit der Chef
nun offensichtlich
im Idioten-Modus.
Fünf Minuten später ist er in einer
verletzlichen Position und damit auch sehr
beschäftigt.
"Ich
habe gar nicht gewußt, wie hoch wir wirklich sind ..."
sagt der PJ verträumt.
"Stimmt. Wenn sie aus dieser
Höhe abstürzen, dann braucht man eine Schaufel, um
sie
in den Krankenwagen zu befördern." antworte ich.
Erwartungsgemäß blickt der Chef nach unten. Die
plötzliche Blässe seines Gesichts
und das Weiß
seiner Knöchel zeigen an, daß er nun an seinem Platz
gefangen ist und
so schnell auch nirgends mehr hingehen wird.
Nachdem wir zwei Stunden in der Werbeabteilung mit dem
´Beseitigen´ von Viren
zugebracht haben, sieht der
Jahresbericht perfekt aus. Zumindest dann, wenn man
den Werbe-Chef
mit einer John Lennon-Brille und einem Dollarschein als Zunge
sowie
zwei sehr konservative IT-Bosse, die Händchen halten, gern
sieht.
Natürlich haben sich die Zahlen der Firma auch nicht
verbessert - nun schon in zwei
aufeinanderfolgenden Jahren.
Ich
bleibe kurz stehen, um dem Chef zuzusehen, der in seiner neuen und
ziemlich
attraktiv aussehenden Zwangsjacke aus dem Haus begleitet
wird. Der Wachdienst
muß ´seine´ Notizen über
Streß und Arbeitsüberlastung auf dem Fensterbrett
gefunden
haben.
Das sieht nach einem neuen Spitzenwert moralischer
Unterstützung aus ... Und auch
der nette kleine Bonus von den
Druckern sollte nicht vergessen werden.
Der Chef der Erbsenzähler
hat einen drittklassigen Plan ausgeheckt, um den
B.O.F.H. und
seinen Gefährten auszutricksen. Wie konnte er nur ....
Es geschieht nicht oft, daß wir durch einen Besuch des Chefs
der Erbsenzähler
´geehrt´ werden.
In Wahrheit
kam es bisher nur einmal vor, daß er den Frieden in den
heiligen Hallen
des B.O.F.H. störte, als er herausgefunden
hatte, daß die ´satellitengestützte
Datentransfertechnologie´
anscheinend auf ein Buchmacherbüro gerichtet war
und
hauptsächlich Resultate von Pferderennen übetrug.
Ich spüre, daß er mir diesmal etwas zu sagen hat, das
wichtig ist. Er sieht aus, als
sei er wirklich sehr zufrieden mit
sich selbst. Sein gutgenährtes Gesicht zeigt einen
Ausdruck,
der eine unheimliche Ähnlichkeit mit dem eines Wolfes hat, der
ein
einsames Schaf beobachtet. Er richtet sich zu seiner vollen
Größe von einem Meter
sechzig auf und spricht mit
freundlicher, aber merklich nervöser Stimme.
"Angesichts
der Tatsache, daß ihre Vorstellungen von technischem Service
ziemlich
eigenwillig sind, um es vorsichtig auszudrücken,
haben wir uns entschlossen, uns
einen eigenen Server zuzulegen und
einen eigenen Netzwerkbetreuer einzustellen."
Er schweigt
vornehm, damit mir die Schlußfolgerungen seiner Rede bewußt
werden.
"Kann ich das so auffassen, daß sie nicht
zufrieden mit dem Service sind, den mein
Assistent und ich ihnen
bieten?" erwidere ich und deute auf den PJ.
"Er?"
gluckst der Erbsenzähler. "Er ist nichts anderes als ein
Psychopath."
Der PJ strahlt wegen dieses Kompliments. Die
Anklage aus der höheren Etage geht
weiter.
"Wir
werden einen richtigen Netzwerkbetreuer einstellen, so daß wir
sie beide nie
mehr in die Nähe unseres Netzes lassen müssen.
JEDER den wir finden ist
verglichen mit ihnen eine Verbesserung."
Schreckliche Worte, doch ich war sowieso gelangweilt.
Etwa
eine Woche später wird uns das entsprechende Rundschreiben von
einem
Briefträger der Erbsenzähler gebracht. (Es ist
offensichtlich, daß die
vorangegangene Konfrontation mit uns
den gesamten Mut des Chefs der
Erbsenzähler aufgebraucht
hat.) Ab 9 Uhr sind wir nicht mehr für das Netzwerk in
der
Finanzabteilung zuständig.
Ich gebe die Notiz dem PJ und
sehe die Angst in seinen Augen aufleuchten. "Nun, da
wir
nicht mehr für die Erbsenzähler zuständig sind, haben
sie wohl ihre eigenen
Router", sage ich und ziehe ein paar
Stecker. Interessanterweise meldet das kleine
Testgerät, das
ich in ihre Kaffeemaschine eingebaut habe, daß sie noch immer
Daten
aus dem Netz bekommen ... hmmmm ... nicht schlecht, diese
Typen.
Ich tippe schnell eine Nachricht und ziehe sie auf das
Pager-Icon auf meinem
Desktop. Ein paar Sekunden später
klingelt mein wirklich furchtbar privates Handy.
Der PJ ist
fasziniert und verängstigt; nur wichtige und mächtige
Personen kennen die
Nummer dieses Handys. Und wenn es klingelt,
dann bedeutet das normalerweise,
daß wir wirklich in Gefahr
sind. Der PJ hat das Handy noch nie in Aktion gesehen,
deshalb
beobachtet er es wirklich sehr ängstlich.
"Hallo? Ja,
das ist richtig ... ja, ich meine ... nein, wir haben absolut
keine
Zugriffsrechte. Es wird vollständig vom neuen
Netzwerk-Operator gepflegt. Oh, sie
sind das, wirklich? Das ist
schön ... ja, in Ordnung, Victoria-Station in fünfzehn
Minuten."
Der PJ sieht verwirrt aus und wird noch mehr von dem Feueralarm
verschreckt. Ich
erkläre, daß der Alarm wohl etwas mit
dem Rauch zu tun hat, der aus der
Erbsenzähler-Zentrale
kommt, und er eilt nach draußen, um sich die Sache
anzuschauen.
Der Groschen fällt, er kommt wieder zurück und will von mir
wissen,
woher ich wußte, daß etwas in der
Erbsenzähler-Etage nicht stimmt, denn ich
konnte weder den
Rauch noch die Feueralarmüberwachung sehen.
"Nun, sie
erinnern sich an Martin?"
"Was, den Mann, dem sie mich
einmal vorgestellt haben?"
"Ich habe sie so vielen
Leuten vorgestellt ..."
"Okay, den mit dem
Pferdeschwanz und der Fixierung auf Alkohol, dessen
Temperament
und Verhalten den Nutzern gegenüber uns beide wie den
heiligen
Franz von Assisi aussehen läßt?"
"Ja,
das ist er."
"Von dem sie letzte Woche erzählt
haben, daß er eine Arbeit sucht?"
"Hmmm ... nun,
er war eher derjenige, dessen Name durch einen seltsamen Zufall
ganz
oben auf der Bewerberliste der Erbsenzähler stand." erkläre
ich.
Ihm dämmert plötzlich, weshalb ich in der
vergangenen Woche so viel Zeit mit dem
Stöbern in der
Personal-Datenbank verbracht habe - und weshalb ich so wild
darauf
war, dem netten Arbeitsvermittler ein paar freundliche
Vorschläge zu machen.
Ein Gedanke kommt mir noch. "Halt,
halt ... warten sie, bis sie den Router sehen, den
die
Erbsenzähler sich zugelegt haben. Das ist eines von diesen
zusammengeflickten
Dingern, wie man sie nicht gerade oft sehen
kann. Ich verspreche ihnen, daß die
Erbsenzähler noch
viel Ärger mit dem Ding haben werden. Es gibt auf der
ganzen
Erde nur zwei Leute, die das Betriebssystem des Routers
kennen, und das sind die
zwei, die es geschrieben haben. Einer von
ihnen sitzt vor ihnen."
"Und der andere?"
"...
kennt die Nummer meines privaten Handys und ist nun auf dem Weg zum
Pub um
die Ecke. Kommen sie, ich habe ein paar Biere zu kaufen."
Jemand hat herausgefunden,
wohin die ´befreiten´ Telefone verschwinden. Es
ist
höchste Zeit, ´B´ für Bastard zu wählen
....
Wir haben ein Problem. Der Chef hat sich vorgenommen, mit Geld,
das viel sinnvoller
für andere Dinge angelegt werden könnte,
die Telefone in der Firma zu
standardisieren.
"Warum tut
er das?" fragt der PJ
"Weil er irrtümlich glaubt,
daß das irgendeine Auswirkung auf die Anzahl der
Telefone
hat, die jedes Jahr ´befreit´ werden und dann bei den
Angestellten landen."
"Sie meinen, die Telefone werden
GEKLAUT?!" fragt der PJ, der offenbar noch
glaubt, das
Verbrechen mache einen Bogen um unsere Firma.
"Natürlich",
rufe ich. "Das gehört einfach zur Arbeit im Büro dazu.
Es war auch
schon immer so. Im Tausch gegen ein neues Telefon
bekommt die Firma lebenslange
Loyalität und ein weiteres
uraltes und riesiges Monster aus dem Jahr 200 vor Christi
Geburt,
was ganz nebenbei eine gute Rechtfertigung für all den Platz
ist, den wir im
Erdgeschoß für uns reserviert haben
...."
"Und das funktioniert wirklich?"
"Logisch.
Denken sie sich eine Nummer aus. Irgendeine Nummer!"
Der PJ
tippt eine Nummer und schaltet die Lautsprecher ein.
"Hallo,
Entwurfsabteilung."
"Hallo, die Netzwerkbetreuung ist
hier. Es scheint, als hätten wir ein kleines
Problem mit
ihrem Telefon mit der Seriennummer 138728."
Mein Monolog
wird durch das Geräusch unterbrochen, das ein in Panik auf die
Gabel
gelegter Telefonhörer verursacht.
"Was ist
passiert?" fragt der PJ.
"Ich würde sagen, jemand
ist im Moment damit beschäftigt, die Treppen hinunter und
nach
Hause zu rasen, um ein Telefon zu holen. Merken sie sich, wie wirksam
die
Nennung einer Geräte-Seriennummer ist, um die Leute aus
dem Gebäude zu
jagen ..."
Der PJ und ich beobachten,
wie ein Angestellter aus dem Haupteingang rennt und
über die
Straße zur nächsten U-Bahn-Station hetzt. Dann rufe ich
die Nummer
erneut an ...
"Hallo", meldet sich
schroff eine Stimme im Gestörter-Chef-Modus.
"Pete",
plaudere ich los. "Zum Glück erreiche ich dich noch. Grüße
Sheryl von mir,
wenn du sie siehst, du Verführer."
"WER
IST DA?"
Ich lege schnell auf.
"Ich bin sicher, daß
zumindest SEINE Abwesenheit nicht bemerkt werden
wird ... nun,
lassen sie uns nach oben gehen und sein Schreibtischtelefon klauen.
Er
wird zu geschockt sein, um sein Firmentelefon wieder mit nach
Hause zu nehmen.
Bis zum Zahltag muß er wohl ohne Anrufe
auskommen."
"Sie sind wirklich ein Bastard", gibt
der PJ widerwillig zu.
"Natürlich. Und jetzt gehen wir
zum Chef ..."
"... und wie soll das den Diebstahl
verhindern?" frage ich den Chef, nachdem ich mir
seinen
Vorschlag angehört habe.
"Weil es sich um ein
spezielles Modell handelt - mit einem schmalen Gehäuse
und
Digital-Display, das in DIESER Ausführung nur für
DIESES Unternehmen
hergestellt wird. Und natürlich wird das
Firmenlogo aufgedruckt sein."
"Nun, ich glaube, sie
sind da ein wenig vom richtigen Weg abgekommen", stellt der
PJ
völlig richtig fest. "Wenn sie ein Telefon haben wollen,
das niemand klauen kann,
dann machen sie es 20 Pfund schwer und
lassen es wie Schrott klingen."
Braver Junge.
Der Chef
ist etwas verwirrt, denn er weiß, daß er seinen Vorschlag
der
Geschäftsführung zur Genehmigung vorlegen muß.
Und er will nicht, daß wir seinen
Plan stören ...
Ich
entscheide mich, ihn vorerst in Ruhe zu lassen.
"Nun, wir
können nicht den ganzen Tag hier herumlungern. Das Netzwerk
muß
gewartet werden und so weiter."
Sehr zu seiner
Erleichterung marschieren wir aus seinem Büro.
"Ich
glaube nicht, daß die Geschäftsführung seinen Plan
genehmigen wird", vermutet
der PJ, als wir unser Büro
betreten.
"Verlassen sie sich lieber nicht darauf",
antworte ich. "Kleben sie das Firmenloge
auf irgendetwas und
sie werden ihnen alles genehmigen - besonders dann, wenn
die
Konkurrenz noch nicht auf diese Idee gekommen ist ..."
Ich lasse den PJ allein und begebe mich in die Räume der
Geschäftsführung, um die
Präsentation unseres Chefs
´vorzubereiten´. Zum Termin der Präsentation halten
wir
uns in der Netzwerkzentrale auf, als ein Anruf des Chefs
kommt.
"Warum funktioniert die Testleitung nicht?"
knurrt er erwartungsgemäß.
"Keine Ahnung",
sage ich. "Wir sind schon unterwegs."
"Sie müssen
nicht ..."
Schnell wie ein Blitz sind der PJ und ich im
Präsentationsraum.
"Na sowas", ruft der PJ, der
seinen Text perfekt beherrscht. "Neue Telefone, die
genauso
aussehen wie die, die die Konkurrenz gerade eingeführt hat."
Alle Köpfe drehen sich herum, als unser Chef in die Rolle
des Verlierers
schlüpft - er weiß genau, daß man
niemals die Konkurrenz kopieren wird.
"Und da haben wir auch
schon das Problem", sage ich und löse meinen Blick
vom
Testgerät. "Es ist das Anschlußkabel dieses
Modells. Ich werde mir eine
entsprechende Notiz machen."
Ich
hole meinen persönlichen Disorganiser hervor, den ich zu Beginn
des
vergangenen Jahres bei einem Nutzer befreit hatte. Auf das
Gehäuse habe ich
neulich ein Firmenlogo geklebt.
"Was
ist das?" will einer aus der Geschäftsleitung wissen.
"Oh,
nur ein Organiser. Ich habe das Firmenlogo aufgeklebt, damit er
auf
Konferenzen nicht mehr so leicht verwechselt oder gar geklaut
wird."
"Davon könnte ich auch einen gebrauchen."
kommt die Antwort, auf die
zustimmendes Gemurmel folgt.
Unserem
Chef dämmert, daß er nun endgültig verloren hat.
Wie
geplant sitzen der PJ und ich zwei Stunden später im Pub um die
Ecke, wo wir
ein paar Biere trinken, die wir mit dem Geld
bezahlen, das wir soeben als Prämie für
unseren
Vorschlag, ´Firmen-Organiser´ einzuführen, bekommen
haben. Nun, wenn
es nicht so einfach wäre, könnte man es
beinahe als Herausforderung bezeichnen.
Der Chef kocht sein Süppchen
in der falschen Mikrowellenschüssel, so daß der
B.O.F.H.
ihn wieder einmal ganz einfach ausmanövrieren kann ....
Der Chef ist auf dem Kriegspfad! Statt wie ein tapferer Mann seine
Niederlage bei
der jüngsten Firmentelefonaffäre
einzugestehen, will er sich an uns rächen und
versucht nun,
uns das Leben zur Hölle zu machen.
Dabei zwingt er uns jeden
einzelnen Sicherheitsstandard auf, den die Menschheit
kennt. Hinzu
kommt noch, daß er persönlich überprüft, wann
wir zur Arbeit kommen
und Feierabend machen. Und auch vom
kreativen Erfinden von Abrechnungen, womit
wir sonst den größten
Teil unserer Arbeitszeit verbringen, hält er uns dadurch ab.
Das ist nicht gut.
Nun, Angriff ist die beste Verteidigung.
Und natürlich dauert es auch nicht lange, bis der PJ und ich
ins Büro des Chefs
kommen sollen, weil wir vergessen haben,
Warnschilder bei den geöffneten
Kabelschächten
aufzustellen. Meine Befürchtungen bestätigen sich, als ich
den Chef
der Personalabteilung neben dem Chef sitzen sehe. Er war
noch nie ein großer Fan
von mir oder dem PJ - zumindest
nicht mehr, seitdem wir uns im Rahmen von
Reparaturarbeiten an der
Telefonanlage ein wirklich sehr privates Telefongespräch,
das
er mit seinem Arzt über ein sehr persönliches Problem
führte, mithören mußten.
Vielleicht hätten
wir ihm nicht dafür danken sollen, nicht ´vorschnell´
gehandelt zu
haben ...
Der Chef beginnt seinen Angriff. "So
sehr ich solche Sachen auch ablehne, doch in
diesem Fall kann ich
einfach kein Auge mehr zudrücken. Ich fürchte, ich muß
sie
beide nach diesem gefährlichen Sturz schriftlich und vor
der Belegschaft verwarnen."
sagt er.
"Den
gefährlichen Sturz in drei oder vier Zoll Tiefe?"
"Was
nichts daran ändert, daß es ein gefährlicher Sturz
war", antwortet er
aufgehetzt vom Personalchef.
"Könnte
ich einmal mit ihnen persönlich reden?" frage ich ganz um
sein Vertrauen
bemüht.
"Nein, das wird nicht nötig
sein", antwortet der Chef.
"Oh, ich habe eigentlich
nicht sie gemeint. Ich meinte den Repräsentanten aus
der
Personalabteilung. Denn da wir gerade über
Sicherheitsrisiken reden, dachte ich, der
PJ und ich könnten
mit ihm über den billigen Mikrowellen-Sender reden."
Wie
durch ein Wunder wandelt sich die Stimmung im Zimmer. Könnte es
daran
liegen, daß der Chef sich daran erinnert, WER die
besagte Sendeschüssel empfohlen
und (gegen den ausdrücklichen
Rat der Netzwerk-Techniker) bestellte?
"Vielleicht könnte
ich ein oder zwei Minuten entbehren", sagt der Chef
schmallippig.
"Nun, es geht hauptsächlich um eine
Vorsichtsmaßnahme, müssen sie wissen", sage
ich,
als wir unter vier Augen miteinander sprechen. "Da dies meine
letzte
Verwarnung ist, kann ich nicht damit rechnen, daß
mein Arbeitsvertrag noch einmal
verlängert wird. Und deshalb
muß ich natürlich jemanden finden, der sich um
diese
Sendeschüssel, die sie im vergangenen Jahr empfohlen
haben, kümmert und alle zwei
oder drei Wochen einmal auf das
Dach klettert, um die Befestigungsschrauben
anzuziehen. Offenbar
neigt sich die Schüssel immer mehr nach vorn, so daß
sie
irgendwann direkt auf das Dach strahlen wird. Wir hätten
das alles nicht
herausgefunden, wenn sich nicht einer der
Mitarbeiter im Büro direkt unter dem Dach
darüber
gewundert hätte, daß der Kaffee in seiner Tasse immer dann
zu kochen
anfängt, wenn wir mehr als 20 Prozent der
verfügbaren Bandbreite nutzen ..."
Der Chef ist, wie
wir unter uns Fachleuten sagen, gefangen in einem Kanu ohne
Paddel
und rast auf den Wasserfall zu. Er versucht erfolglos, seine Angst
zu
verbergen, die ihn überfällt, als ihm die möglichen
Folgen für seine Karriere bewußt
werden. Und, was noch
wichtiger ist, wer für seinen Sturz verantwortlich wäre ...
"Wer war doch gleich der Angestellte?" fragt er und
simuliert leises Interesse.
"Oh, sie kennen ihn!"
antworte ich. "Wilson, Wilkins - etwa so klang sein Name.
Sie
wissen doch, der Kerl, der immer wegen Kopfschmerzen und
ähnlichem Krimskrams
fehlt."
Der Wasserfall kommt
immer näher. Er WEISS, daß wir eine unterschriebene
Kopie
seines Schreibens (natürlich zusammen mit unserer
Antwort) sicher an einem
feuersicheren Ort hinterlegt haben, zu
dem er erst dann Zugang erhält, wenn der
Teufel
Frostschutzmittel und Wolldecken bestellt.
52 Sekunden später
sind wir wieder im Büro ...
"Nun, damit ist die Sache
dann hoffentlich erledigt", sagt der Chef sehr zum Ärger
des
Personalchefs. "Es hat den Anschein, daß die Warnschilder
aufgestellt
WAREN. Ja, ich glaube, ich habe sie sogar selbst
gesehen! Nun, sollten sie sich
nicht besser an die Arbeit machen
und die Reparatur abschließen ..."
"Wir sind
schon unterwegs", stimme ich zu. "OH! Das hätte ich
doch beinahe
vergessen. Hier sind noch die Stundenabrechnungen,
die sie vorhin nicht
unterschreiben wollten! Ah! Ich sehe schon,
warum sie sie beanstandet haben! Der
PJ und ich konnten die ...
ähm ... dringenden Wartungsarbeiten nicht in unserer
regulären
Arbeitszeit beenden, deshalb haben wir sie ja in zwei
Sonntagnächten
gemacht. Ich werde das Formular ausfüllen,
so daß sie gleich unterschreiben
können."
Der
Personalchef verschwindet mit einem Fluch, von dem ich ganz sicher
weiß, daß
er von der Unternehmensleitung nicht
gebilligt wird, und der Chef unterzeichnet die
Überstundenabrechnung
über eine Summe, die vermutlich dem Bruttosozialprodukt
eines
kleinen kommunistischen Staates entspricht.
Der Sieg und die
Bezahlung der Überstunden gehören uns, deshalb zeige ich
guten
Willen und überlasse dem Chef eines der Back-Ups, die
wir außerhalb der Firma
lagern.
"Was war das?"
fragt der PJ.
"Oh, ich habe dem Chef nur sein Memo über
die Anschaffung der Sendeschüssel
zurückgegeben."
"Sind sie sicher, daß das eine gute Idee war? Er wird
das Back-Up einfach
zerstören."
"Das ist
vermutlich das beste", antworte ich. "Nach allem, was
geschehen ist, war
das die einzige Aufzeichnung über die
Schüssel, die noch existierte. Und ohne
Aufzeichnungen ...."
"Ich rufe den Schrotthändler an."
Verkatert und gezwungen, die
Nutzer-Betreuung zu übernehmen - wäre er nicht
der
B.O.F.H., wäre es ein schlimmer Tag ...
Es ist ein schwerer Tag in der Netzwerkzentrale und ich habe einen
Kater, der selbst
die tapfersten Superhelden zum Heulen gebracht
hätte.
Ich weiß nicht mehr genau, wie ich nach Hause
kam, aber ich glaube, daß eine sehr,
sehr lange Taxifahrt
und die Kreditkarte von irgendjemandem dabei eine Rolle
gespielt
haben ...
Nachdem wir den gestrigen Tag auf der Computer-Messe am
anderen Ende der
Stadt mit dem ´Ködern´ von
Lieferanten zubrachten, war es einfach unvermeidlich,
daß
wir danach mit einigen dieser speichelleckenden Verkaufsmanager in
den
Nachtclubs landeten, um jeden Drink auszuprobieren, den es
gibt. Der Erste, der
zusammenbricht, hat verloren - das Geschäft,
die Initiative und seine
Firmenkreditkarte, wenn er nicht
hinschaut.
Wegen meines Gesundheitszustandes habe ich beinahe
vergessen, daß wir dem
Chef mitgeteilt haben, daß der
PJ und ich natürlich gern die Vertretung in der
Nutzer-Betreuung
übernehmen, während sie bei einem
Arbeitsschutz-Seminar
lernen, wie man ein ganzes Wort eintippt,
ohne gleich an RSI (Repetitive Strain
Injury - Tastaturkrankheit),
oder wie man das heute auch nennt, zu sterben. Der
Chef ahnte
zwar, daß wir etwas im Schilde führen, doch hat er
natürlich nicht den
Mut, uns mit seiner Anwesenheit zu
´erfreuen´. Und ihm fehlt wohl auch das
geistige
Auffassungsvermögen um herauszufinden, worum es uns
geht. Aber das ist ja keine
Überraschung.
Nun, soll er
bei dem RSI-Seminar zusammen mit all den anderen Halbtoten sich
doch
darüber wundern, daß die Gesundheits- und
Arbeitsschutzvorschriften der Firma
zwar vorschreiben, daß
alle Mitarbeiter daran teilnehmen müssen. Sein Protest, er
hätte
schon an diesem Seminar teilgenommen, verpuffte aber wirkungslos,
denn in
der Personaldatenbank war weder ein entsprechender Eintrag
vorhanden (Ups!),
noch besitzt er
die
´Sie-kommen-aus-dem-Gefängnis-frei´-RSI-Kurs-Teilnahmekarte.
Der PJ und ich haben andererseits schon verschiedene dieser
Zertifikate und
entsprechende Einträge in der Datenbank,
obwohl wir noch immer keine Ahnung
davon haben, wie der
Seminarleiter aussieht oder worum es bei diesen
Veranstaltungen
eigentlich geht.
Im Bewußtsein seiner Niederlage zieht der
Chef leise und unauffällig davon.
In der Zwischenzeit habe
ich im Benutzer-Service die Rauchmelder wieder
angeschlossen,
nachdem ein kleines Feuerchen das Zertifikat des Chefs über
seine
Teilnahme am RSI-Seminar verbrannt hat. Ich verdächtige
das Heizungssystem - es
hat wohl Überstunden gemacht.
"Hallo, ist dort die Nutzer-Betreuung?"
"Ja,
sie sind richtig." antworte ich liebenswürdig und
hilfsbereit.
"Können sie mir die Nummer des Modem-Pools
geben?"
"Natürlich kann ich!" antworte ich
und nenne dann die Nummer eines Fax-Gerätes
aus der vierten
Etage, was sie wohl für ein paar Wochen erfolgreich verwirren
wird.
Ich lege auf und bin gerade am Einschlafen, als das Telefon
wieder klingelt.
"Mein Laptop läuft immer langsamer.
Können sie mir helfen?"
"Natürlich kann ich
das. Aber sagen sie mir nicht, daß sie noch immer mit
der
Stromfiltereinheit arbeiten?"
*DUMMY MODE EIN*
"Die
Stromfiltereinheit?"
"Ja, die Einheit, die den Strom
für ihren Laptop filtert. Normalerweise ist sie schwarz
und
ungefähr drei Zoll lang und zwei Zoll breit."
"Oh
.... ja, ich sehe sie."
"Gut, dann müssen sie erst
einmal die Filtereinheit durch das filterlose Kabel
ersetzen."
"Das filterlose Kabel?"
"Ja, es lag mit in der
Verpackung des Laptops. Wahrscheinlich liegt es noch dort."
"Aber ich habe die Verpackung in den Müll geworfen!"
"Hmmm. Nun, ich könnte ihnen eins bestellen, aber haben
sie für die Zwischenzeit
denn ein ungenutztes Netzkabel?"
"Uuuuhhhmmm ..."
"Leihen sie sich einfach eins
von einem anderen Rechner - das ist dann deren
Problem."
"Ja, ha ha", lacht er ins Telefon.
Was für ein
Einfaltspinsel.
"Gut, jetzt schalten sie den Laptop und den
Stromfilter aus, dann schneiden sie das
Kabel zwischen dem
Stromfilter und dem Laptop etwa in der Mitte durch und
entfernen
etwas von dem Isolationsmaterial. Dann müssen sie nur noch die
beiden
Kabelenden in die Anschlußdose des neuen Netzkabels
einführen ..."
"Das habe ich gemacht."
"Und
das Netzkabel anschließen."
"Okay, vielen Dank."
Er legt auf und ich beginne in Gedanken mit dem Countdown.
Ungefähr zehn
Sekunden später geht der Feueralarm los,
was ich als vielversprechendes Zeichen
werte ...
Am Ende des
Tages kommt der Chef ins Büro. Er wirkt nicht gerade
begeistert.
Offensichtlich hat er etwas vom Ratschlag des PJ
gehört, der einem Nutzer
empfohlen hat, die Passwörter
für die Bildschirmschoner auf allen Rechnern in seiner
Abteilung
zur Erhöhung der Sicherheit durch völlig
zufällige
Buchstabenkombinationen zu ersetzen. Die Nachricht
von der Aussperrung aus den
Computern verbreitete sich nach der
Mittagspause innerhalb weniger Minuten im
gesamten Haus ...
Angesichts der Ahnungslosigkeit und des offensichtlich naiven
Verständnisses von
Sicherheit, das der PJ zeigt, kommt der
Chef herein, tobt ein wenig über die verlorene
Zeit,
Produktionsausfall, Verschwendung von Firmengeld, unzufriedene
Kollegen,
bla, bla, bla ...
Wir stimmen pflichtbewußt
seinen Argumenten zu und versprechen, uns in der
Zukunft zu
bessern, sollten solche Probleme noch einmal auftauchen.
"Übrigens",
fährt der Chef mit einem Stirnrunzeln fort, "haben sie mein
Zertifikat
über die Teilnahme am RSI-Seminar gesehen? Ich
könnte schwören, daß ich es auf
den Tisch dort
drüben gelegt habe ..."
Auf der Suche nach der Urkunde
verläßt er uns, während ich die Rauchmelder
abschalte
und der PJ einen Eintrag in der Personaldatenbank aktualisiert ...
Es sieht so aus, als hätten wir morgen wieder Arbeit,
Arbeit, Arbeit ...
Der B.O.F.H. wird mit
ultimativer Bürokratie konfrontiert. Aber er hat keine
Lust
darauf ...
Der Geruch von Fisch liegt in der Luft. Faulem Fisch. Im besten
Falle ist es der von
geschmortem Thunfisch.
Der Chef hat gute
Laune. Ja, er strahlt richtig. Das kann nur etwas Schlechtes für
uns
bedeuten. Ganz besonders angesichts der Tatsache, daß er in
letzter Zeit
verdächtig oft mit einem der Firmenanwälte
telefoniert hat.
Leider wurden die Gespräche nicht
aufgezeichnet, da der PJ vergessen hatte, die
Kassetten des
Gesprächsrekorders auszutauschen. Nun, diesen Fehler wird er
nicht
zweimal machen - dafür wird der elektrische Tacker
sorgen ...
Es liegt also ganz offensichtlich etwas in der Luft -
der Chef hat uns für 10:30 Uhr
zu einem Gespräch
eingeladen, zu einer Zeit, die wir sonst gar nicht kennen.
Der
selbstgefällige Ausdruck in seinem Gesicht überzeugt mich
vollends davon, daß
er glaubt, er sei in einer
unangreifbaren Position.
"Gentlemen", sagt er mit einem
völlig untypischen Tonfall der Kameraderie. "Warum
nehmen
sie sich nicht eine Stunde unbezahlten Urlaub und besorgen sich
neue
Kleidung?"
Der PJ antwortet prompt.
"Und
warum nehmen sie sich nicht eine Stunde bezahlten Urlaub und lassen
sich
f ..."
"WIE BITTE?!" unterbreche ich ihn
und rette den PJ davor, mit seinen Worten eine
Disziplinarmaßnahme
zu provozieren. "Wie sie sicher wissen, ist es uns erlaubt,
die
Kleidung zu tragen, die zur Natur unserer Arbeit paßt."
"Es sei denn", sagt der Chef und hält eine mit
vielen Unterstreichungen versehene
Kopie eines Vertrages hoch, der
so aussieht wie der, den wir unterschrieben haben,
als wir in der
Firma anfingen. "Es sei denn, ihre Arbeit schließt
Kontakte ein mit ..."
Er schweigt für einen Moment, um
uns Zeit zu geben, seinen Satz zu
vervollständigen und kostet
sichtlich jede Milisekunde aus ...
"... es beginnt mit einem
K ...", fügt er hinzu, "... und endet mit einem N ...."
Weder der PJ noch ich haben eine Ahnung, so daß der Chef
das Rätsel selbst auflöst.
"KUNDEN."
"Oh", sagt der PJ. "Das war nicht das K-Wort, an
das ich gedacht habe. Aber ich
schätze, wir reden trotzdem
über die gleichen Leute ..."
Mit einer Handbewegung
unterbreche ich ihn und bringe die Sache auf den Punkt.
"Wir
arbeiten nicht mit Kunden", erkläre ich als redete ich mit
einem einfältigen
Kind.
"AHEM", antwortet der
Chef und zündet die Bombe, die er bisher versteckte. "Es
war
die Idee der Geschäftsführung wie auch die der
Nutzerbetreuung, daß die
Nutzerbetreuung und die anderen
Abteilungen nun offiziell ihre Kunden sind."
Sein
selbstgefälliger Gesichtsausdruck sagt alles. Diesmal
hat er seine Hausaufgaben
gemacht.
"Und was schlagen sie
vor?" frage ich.
"Die normale Repräsentanten-Kleidung.
Anzug ..."
Der PJ keucht.
"... Hemd, Krawatte ...."
Ich unterdrücke das Würgen in meinem Hals.
"...
und natürlich besohlte Schuhe, vorzugsweise Leder."
"Nun",
fasse ich zusammen. "Wir stimmen nicht oft in unserer Meinung
überein, aber
ich muß zugeben, daß sie Recht
haben. Morgen werde ich bereit sein."
Die aufgerissenen
Augen des PJ zeigen, daß er an meinem Verstand zweifelt.
Aber
der Chef ist auch kein Idiot. Nun, natürlich ist er
einer, aber für den Augenblick lasse
ich ihm seinen Frieden,
denn er riecht sicher schon den Braten, kann aber noch nicht
genau
sagen, wo der Haken ist. Wir verlassen ihn um nachzudenken ...
Am
nächsten Tag drehen sich alle nach uns um, als der PJ und ich
wie befohlen im
Anzug erscheinen, und präsentieren dem Chef
die Rechnung für unsere neue
Kleidung, der plötzlich
unter einer dramatischen Herzattacke zu leiden scheint.
Eine
Stunde später hat die Schwester ihn wiederbelebt, nachdem der PJ
und ich die
Gelegenheit genutzt haben, seinem Schreibtisch mit dem
Defilibrator ein paar
Kratzer und Schrammen zu verpassen und den
Arbeitsplatz-PC des Chefs zu
zerlegen.
"Wo bin ich?"
fragt der Chef.
"In ihrem Büro." antworte ich.
"Sie hatten offenbar einen Zusammenbruch."
"Das
stimmt. Was VERDAMMT NOCHMAL IST DAS?!" fragt er und deutet auf
die
Rechnung.
"Das ist die Rechnung für unsere
Kleidung. Erinnern sie sich daran, daß in unserem
Vertrag
steht, daß die Firma für jede speziell zu Arbeitszwecken
angefertigte
Kleidung bezahlen muß. Wußten sie, wie
schwer es ist, innerhalb von sechs Stunden
echte italienische
Schuhe mit Stahlkappen, die professionell aussehen, zu
bekommen?
Sie mußten sie extra einfliegen!"
"Damit kommen
sie nicht durch!" knurrt er und läßt seinen Blick
wieder auf die große
Ansammlung von Zahlen am unteren Ende
der Rechnung fallen.
"Nun, befürchten sie nicht",
antworte ich versöhnlich. "Befürchten sie nicht, daß
sie
sich auf dem falschen Gleis befinden. Einer der netten
Buchhalter mit einer Vorliebe
für Internet-Strip-Shows hat
uns gestern einen Blankoscheck gegeben ..."
"Dann werde
ich ihn eben SPERREN!" sagt der Chef knurrend, die Aussicht
auf
seinen Sieg schon deutlich vor Augen.
Soviel Zuversicht,
daß selbst die Überreste seines PCs davon wieder zum
Leben
erweckt zu werden scheinen ...
Ich gebe ihm noch eine
zehnminütige Behandlung mit herzschlagsteigerndem Strom,
bevor
ich die Firmenkrankenschwester erneut rufe, während in der
Zwischenzeit der
PJ unseren Kleiderlieferanten anruft, damit der
den Scheck schnell einlöst ...
Und da sagen manche noch,
Nadelstreifen seien eine Garantie für Erfolg ...
Der B.O.F.H. hat Ärger, weil er nicht an einem Seminar teilnimmt ...
Die Dinge stehen schlecht. Die Kräfte der Finsterniß
(die Brigade der Mißmutigen)
bereiten mir Probleme. Der PJ
und ich wurden zu ´politisch unkorrekten Personen´
erklärt,
weil wir nicht an einem Seminar über ´Belästigungen
am Arbeitsplatz´
teilgenommen haben.
Der Chef hat
offensichtlich seine Hände im Spiel, denn schließlich war
er es, der
darauf hinwies, daß wir NIEMALS an einem dieser
Zwangstreffen teilgenommen
haben; ich führe diese
Handlungsweise auf die neulich verabreichte elektrische Erste
Hilfe
zurück.
Erwartungsgemäß wird ein Treffen mit der
Personalchefin und dem Chef der
Betriebsgewerkschaft (die
Abteilung der Besorgten) angesetzt.
"Ah, ja", beginnt
die Personalchefin. "Offenbar haben sie nie am Seminar
über
Belästigung am Arbeitsplatz teilgenommen."
"Stimmt", antworte ich. "Die Wahrheit ist, daß
wir in unserer Position einfach zu
beschäftigt sind, um (a)
jemanden zu belästigen; oder (b) an einem Seminar
darüber
teilzunehmen, was wir nicht tun sollen."
"Gut,
das dürfen sie ruhig annehmen, aber ich kann ihnen nur
versichern, daß die
Teilnahme an diesem Seminar Vorschrift
für Mitarbeiter und Vertragspartner ist. Ich
glaube nicht,
daß ich sie daran erinnern muß, daß ihr
Arbeitsvertrag vorsieht, daß sie
an allen relevanten
Seminaren teilnehmen müssen", sagt sie mit Stahl in der
Stimme,
der die Dicke von Panzerstahl erreicht hat.
"Ich
glaube nicht."
"Entschuldigung?!"
"Nun,
nehmen wir für einen Augenblick, und wirklich nur, um ihre These
zu
widerlegen, einmal an, daß der PJ oder ich wirklich
jemanden belästigen wollten.
Nehmen wir zum Beispiel sie.
Würde ich als Netzwerk- und
Kommunikations-Ingenieur den
weiten Weg bis zu ihrem Büro gehen, um dann laute
und
unanständige Geräusche oder Bemerkungen zu ihnen oder über
sie zu machen,
die sie (und natürlich auch ich) als
Belästigung auffassen könnten? ODER würde
ich
stattdessen aus einer unangreifbaren Position heraus - zum
Beispiel dem Büro des
Chefs - ein paar Bilder finden und
veröffentlichen, auf denen sie weniger Kleidung
tragen, als
das der Standard in unserem Haus vorsieht?"
Plötzliche
Stille macht sich im Raum breit. Die Personalchefin sieht aus, wie
jemand,
der jetzt lieber an irgendeinem anderen Ort wäre und
völlig vergessen hat, weiter
seine Axt zu schärfen.
"Ich weiß nicht, worauf sie anspielen, mögl ...."
fängt Frau Liebenswürdig an.
"Oh, auf nichts, das
versichere ich ihnen. Ich bin sicher, daß das nur ein Problem
mit
der Klimaanlage war, das die Sicherheitska ..."
"HALT!
Ich glaube nicht, das wir dieses Thema jetzt noch weiter vertiefen
müssen",
unterbricht mich der Gewerkschaftschef.
"Zumindest nicht, wenn der Beweis ..."
Mit anderen
Worten, er will die Bänder.
"Nun, wie ich schon sagte,
dies war nur ein Beispiel", antworte ich. "Und es
war
völlig frei erfunden. Doch wo wir gerade bei Fakten sind,
stimmt es, daß demnächst
eine Lohnerhöhung geplant
ist?"
Er sieht einen Rettungsanker. "Ah, es gab
Gespräche über ..."
"Ausgezeichnet. Der PJ
und ich haben gehofft, daß dies der Fall ist."
Verhandlungen beendet. Der PJ und ich ziehen uns in unser Büro
zurück, um die
Lohnerhöhung zu verplanen. Zwei Tage
später halten wir die schriftliche Bestätigung
der
Lohnerhöhung in den Händen und sind einmal mehr zufriedene
Mitarbeiter. Der
Chef andererseits ist nicht so zufrieden. Wieder
hat er gegen uns verloren und sich in
eine Ein-Mann-Armee
verwandelt, die wütend durch die Abteilung marschiert, um
ein
Opfer zu suchen, das sich nicht wehren kann.
Das Telefon
klingelt. Es ist die Nutzer-Betreuung.
"Hallo?" melde
ich mich.
"Ist dort die Netzwerk-Abteilung?"
"Sie
wissen, wer wir sind."
"Wir haben ein ... Problem, daß
wir gerne gelöst hätten."
"Hardware oder
Software?"
"Ähmmm ... Bossware."
"Das
könnte teuer werden ..."
"Ein Abend für vier
mit Drinks und Essen im Dorchester auf unsere Kosten?"
"Gut,
wir kümmern uns darum."
"Oh! In Ordnung."
"Keine Ursache."
Ich liebe Anrufe dieser Art. Ich
informiere den PJ über das Geschäft.
Später an
diesem Tag stürmt der Chef herein auf der Suche nach der Person,
die den
Mail-Server heruntergefahren hat.
"Das war wohl
ich", erkläre ich. "Sie haben uns doch gesagt, wir
sollen den Server in
den Computer-Raum stellen. Aber die
Elektriker haben die Stromleitungen noch
nicht geprüft."
"RICHTIG!", antwortet er bissig. "Ich komme
wieder, um mich mit IHNEN zu
unterhalten, wenn ICH den Server
wieder hochgefahren habe."
Wie vorschnell. Der PJ und ich
sehen, wie das Netzteil des Servers eine Rauchwolke
ausstößt,
als der falsch verkabelte Netzstecker 400 Volt statt der erwarteten
240
liefert. Es ist unserem Sicherheitssystem zu verdanken, daß
im Notfall die Türen der
betroffenen Räume sofort
geschlossen werden, damit niemand irrtümlich in einen
Raum
gelangt, der sich mit Ozon füllt. Andererseits kann auch niemand
mehr
heraus ... Der Chef in dem Raum greift nach der
Sauerstoffmaske.
"Er muß verrückt geworden sein!
Er lachte wie ein Wahnsinniger, stürmte in den
Raum und ging
auf die Technik los!" erkläre ich den Leuten vom
Sicherheitsdienst
etwas später.
Der Chef lacht noch immer
(offensichtlich findet er irgendetwas unheimlich lustig),
als sie
in hinaustragen ...
Der B.O.F.H. und der PJ machen ein paar Konsultationsbesuche ...
Zum ersten Mal in seiner Karriere hat der Chef etwas richtig
gemacht! Das ist
verwunderlich, doch irgendwie hat er es
geschafft, ein paar Konsultationsbesuche
mit anderen lokalen
Unternehmen zu verabreden, um den kollegialen Austausch
von
Informationen und Erfahrungen über Netzwerke zu fördern.
Das könnte ihm so passen!
Wir wissen, daß es sich
dabei nur um eine List handelt, mit der er uns loswerden will,
um
nach den drei Blanko-Bestellformularen, die seine Unterschrift
tragen, zu
suchen, die wir von ihm erpreßt haben, indem wir
damit drohten, den Geschäftsführer
darüber zu
informieren, was ein Tisch und eine Sekretärin unter reger
Beteiligung
unseres Chefs im Beratungsraum der Geschäftsleitung
getrieben haben. Wer hätte
gedacht, daß die Erweiterung
der Gesprächsaufzeichnungsanlage um eine
Infrarotkamera sich
so schnell auszahlen würde?
Und in Konsultationsbesuchen
erkennt ein erfahrener Bastard natürlich SOFORT
eine
Möglichkeit zur Aufrüstung der eigenen Hardware. Der PJ und
ich bereiten uns
auf die Besuche vor, indem wir die leider für
längere Zeit nicht mehr gebrauchten
falschen Böden in
unsere Aktentaschen einsetzen und sie dann mit
veraltetem
Netzwerkzubehör füllen.
Gemäß
unserer Absprache hat der PJ bereits ein halbes Dutzend
10/100
MBit-Ethernet-Karten gegen unsere alten 10 MBit-Karten
ausgetauscht,
als der Netzwerk-Manager, den wir zuerst besuchen,
mir die ganze Schönheit seiner
Technikregale vorgeführt
hat. Es ist beinahe so, als nähme man einem Baby die
Bonbons
weg - und läßt ihm dann noch das Einwickelpapier ...
Unser zweiter Besuch führt uns in ein etwas sichereres
Unternehmen, das eine
leichte Herausforderung verspricht.
Jedenfalls solange, bis wir zur Mittagszeit in ein
Lokal gehen, um
sieben oder acht Biere zu trinken, auf die ein paar Tequilas
folgen.
Ein geringer Preis für Router-EPROMs mit der neuesten
Version der Firmware, für
die unser Lieferant ein mittleres
Vermögen kassieren wollte, während der
Netzwerk-Manager
unseres Gastgebers friedlich schnarcht.
Da ich ein gutmütiger
Trottel bin, werde ich die EPROMs später als
´Fehlerbereinigung´
mit der Post zurückschicken, nachdem ich ein paar
kleine
Änderungen an der internen Logik vorgenommen habe.
Ich bin sicher, der derzeitige Vorteil unseres Konkurrenten wird
zu unserem
Vorsprung, wenn die "Benutze das am meisten
belastete Segment"-Anweisungen
ausgeführt werden ...
Wir werden nur einmal unterbrochen, als ihr PJ (so grün, daß
er einmal mit einem
Rasenmäher zusammengebracht werden
sollte) hereinkommt, um zu sehen, was wir
machen.
Aber das
Winken mit meiner Metro-Monatskarte überzeugt ihn davon, daß
wir das
Wartungsteam ihres Zulieferers sind und routinemäßig
die Hardware prüfen. Es
bricht mir wirklich das Herz, daß
ich diese Leichtgläubigkeit nicht bestrafen kann.
Die
Auswirkungen des Mittagessens bringen den PJ, der auf dem Gebiet
der
alkoholischen Künste noch ein wenig unerfahren ist, dazu,
sich vom anderen PJ den
Ort zeigen zu lassen, den selbst Könige
zu Fuß aufsuchen. Der andere PJ vergißt
natürlich
achtlos seine Tasche mit der Nutzerkarte ...
Sekunden später
fällt der Strom aus, was nur bedeuten kann, daß
seine
Erholungspause den PJ am Sicherungskasten vorbeigeführt
hat. Die Dunkelheit, der
wahre Freund eines jeden Bastards, wird
nur noch durch einige
NOTAUSGANG-Schilder gestört, die ein
wenig flackern und schließlich auch
ausgehen. Nun, das nenne
ich einen guten Lehrling.
Schneller als man
"Hochkapazitäts-Speicherplatz-Downgrade" sagen kann
führe
ich ein solches an einem PC durch, was zugleich einen
spürbaren Gewichtszuwachs
für meine Aktentasche
bedeutet. Ich komme rechtzeitig nach draußen, um den PJ
unseres
Gastgebers über eine Kabelrolle stürzen zu sehen, die ich
auf meinem Weg
in den Raum zufällig von einem Regal
herunterstieß.
Die Lichter gehen wieder an, und ich sehe,
wie der PJ dem anderen PJ in einen Stuhl
hilft. Der arme Tropf
sieht etwas verstört aus, also entschließe ich mich, ihm
ein
wenig unter die schwachen Arme zu greifen, indem ich ein paar
Anrufe
entgegennehme.
"DAS VERDAMMTE NETZWERK IST TOT!"
schreit ein Nutzer in einer
Lautstärke, die bei uns dazu
geführt hätte, das uns jemand Krankengeld zahlen muß.
Hier
scheint sowas üblich zu sein.
"Ja, das liegt am
Stromstärkeabfall, der durch die starke Nutzung verursacht
wird."
antworte ich. "Sie sollten ihre Rechner im
Niedrigstrom-Modus benutzen, um solche
Ausfälle zu
vermeiden."
"Wie kann ich das tun?" fragt der
Nutzer und läßt mich wieder an die guten alten
Werte
wie Vertrauen und Bestrafung denken.
"Schalten sie erst
einmal alle Rechner in ihrem Büro ab. Auf der Rückseite
jedes
Rechners finden sie den Schalter, um den Niedrigstrom-Modus
einzuschalten. Dann
schalten sie die Rechner gleichzeitig wieder
ein."
"Sie meinen die 115 Volt-Einstellung?" will
der Nutzer wissen.
"Sie haben es!"
"Danke."
"Keine Ursache!" rufe ich, als der PJ und ich nach
draußen eilen.
Unser Abgang wird begleitet von lautem Krach
aus den Büros im Erdgeschoß, der in
meinen Ohren wie
fröhliche Musik klingt ...
Die letzte Station unserer
Konsultationsreise ist eine Überraschung. Wir besuchen
unseren
Konkurrenten, der uns vor einiger Zeit übernehmen wollte.
Sieht
aus wie eine Falle ...
Meine Befürchtungen bewahrheiten
sich, als ich die vielen kleinen Löcher für die
versteckten
Überwachungskameras bemerke, die die Wände der Korridore
und der
Büros so unauffällig auffällig zieren. Nun,
das erhöht den Reiz ein wenig ...
Ich liebe die
Herausforderung, aber das sagte ich wohl schon ...
Der B.O.F.H. und der PJ helfen einem Konkurrenten, seine PSIK-Probleme zu
lösen ....
Es ist Zeit für den letzten Besuch auf unserer
Konsultationsreise. Und diesmal
scheint es sich um eine wirklich
harte Nuß zu handeln ...
Die Netzwerk-Zentrale scheint
direkt aus dem Science-Fiktion-Land zu kommen,
eine echte
Sicherheits-Zentrale und eine Schatztruhe volle komplizierter Geräte.
Meine Finger beginnen sofort zu zittern, doch Vorsicht ist jetzt
die wichtigste
Parole. Der PJ nimmt die hervorragende
Sicherheitsausstattung ebenfalls wahr und
paßt sich
entsprechend an.
Ein Telefon in meiner Nähe klingelt, und
ich nehme den Anruf hilfsbereit entgegen,
wobei ich vorhabe, das
gute alte FDISK-Programm zur Fehlerbehebung einzusetzen,
doch das
verräterische Piepen des Gesprächsrekorders macht mir klar,
daß alles,
was ich sage, gegen mich verwendet werden kann
und wird. Ich gebe ein paar
unnütze Floskeln als Ratschlag
von mir, dann lege ich wieder auf. Mein Gegenpart
beobachtet mich
mit dem selbsgefälligen Ausdruck von jemandem, der genau
weiß,
wie sicher seine Einrichtung ist.
Dieser Bastard!
Bei der Besichtigung der Kommunikationsanlagen zeigt er mir
topmoderne und neue
Technik, für die ich sogar dem Chef keine
Streiche mehr spielen würde, um sie zu
bekommen - was meinen
allgemeinen Kummer nur noch verstärkt.
"Ziemlich gut,
oder?" kommentiert mein Gegenspieler. "Ich bin mir sicher,
daß sie
solche Technik auch bekommen werden ... irgendwann
...."
Dieser Doppel-Bastard!
Zur Mittagszeit habe ich
beinahe alle Hoffnung aufgegeben - es sieht aus, als hätten
sich
die Mächte gegen mich verschworen. Selbst in der Cafeteria
bemerke ich überall
Kameralinsen. Außer ...
Der PJ
interpretiert das plötzliche Leuchten in meinen Augen korrekt
und stellt sich
für den Bruchteil einer Sekunde so, daß
niemand sieht, wie ich das alte
Hausmittel - ein wenig
Abführmittel - in den Nachtisch meines Gastgebers
schmuggle.
Das mag zwar nicht besonders fair sein, doch wie sagt man so schön,
in
der Liebe und im Netzwerk-Geschäft ist alles erlaubt ...
Wie geplant erreicht der Ruf der Natur mein Gegenstück ein
paar Stunden später, so
daß der PJ und ich endlich mit
der Arbeit beginnen können. Er stolpert zufällig über
ein
Kabel und landet mit dem Gesicht auf der Kontrollkonsole
der
Kamera-Überwachung. Dabei zieht er sich im Dienst unserer
Sache ein paar
Quetschungen zu. Die Überwachungskameras
befinden sich nun im
Alzheimer-Modus, und ich starte auf jedem PC,
den ich von hier aus erreichen kann,
die SNMP-Testprogramme.
Sekunden später stürmt jemand herein, den ich als den
Chef meines Gegenstücks
identifizieren kann, und wettert über
erschreckend hohe Antwortzeiten im Netzwerk.
Doch eigentlich kann
das gar nicht so schlimm sein, es sei denn, die 400 ungenutzten
PCs
im Gebäude schicken jede Sekunde SNMP-Fehlermeldungen durchs
Netz ...
"Das sieht aus wie das PSIK-Problem, das wir mit
neuer Hardware vor ein paar
Monaten hatten." kommentiere ich
hilfsbereit
"PSIK?" fragt er.
"Ja,
Pseudo-Standard-Interface-Konflikte", antworte ich. "Die
neue Hardware hält
sich meistens an keinen Standard, was auch
prächtig funktioniert, solange die Geräte
nicht an ein
Netzwerk angeschlossen werden und mit anderen Geräten keine
Daten
austauschen. Wenn sie aber angeschlossen werden, dann gibt
es früher oder später
zwangsläufig Probleme ..."
"... wenn nur noch Fehlermeldungen durch das Netz geschickt
werden." vollendet der
PJ, der meine Taktik schnell
durchschaut hat.
"Was können wir dagegen tun?"
fragt der Chef-Verschnitt. "Mein Netzwerkbetreuer
hat mir
nichts davon berichtet!"
"Sie machen Scherze!"
erwidere ich entsetzt. "Sie meinen, er füllt keine
täglichen
Reports aus, in denen er protokolliert, womit er
den Tag verbringt? Natürlich! Großer
Gott, aber sagen
sie bitte nicht, er hätte keine Netzwerk-Dokumentation für
solche
Fälle!"
"Hat er nicht!"
"Aber
das hat doch oberste Priorität bei dieser Arbeit! Kein Wunder,
daß sie
Probleme mit all diesen neuen Geräten haben!!
Ich spreche es ja nicht gern aus, aber
es hat ganz den Anschein,
als hätte er sie mit irgendwelchen technischen Floskeln
an
der Nase herumgeführt ... Ich sage ihnen, was wir tun können
- denn sie sind ja
ein guter Bekannter meines Chefs. Ich werde
ihnen ein paar unserer Geräte
leihweise überlassen,
damit wir ein paar von ihren Geräten mitnehmen und die
Fehler
lokalisieren und beheben können."
"Das
würden sie tun?!?!" freut er sich, die Rettung des
Netzwerkes vor Augen.
"Natürlich! Aber nur, wenn sie
nicht glauben, wir hätten ihnen nur noch mehr
technische
Floskeln, Fachbegriffe und Geek-Geschwätz vorgesetzt."
"NEIN. Ich bin in der Lage, allein technische Entscheidungen
zu treffen. Sagen sie
mir, was wir ersetzen müssen und sie
können es mitnehmen, wenn sie gehen ..."
"Gut,
dieser Gigabit-Ethernet-Switch sieht verdächtig aus."
antworte ich.
"Und vergessen sie nicht diesen kleinen
Handheld zur Netzwerk-Analyse" ergänzt
der PJ.
...
fünf Minuten später ...
"Und zum Schluß noch
diesen Dual Audio-Kanal Video-Monitor."
"Sie meinen den
neuen 29 Zoll Stereo-Farbfernseher des Geschäftsführers?!?!?"
jammert
er.
"Ich wette, der verursacht allein schon die Hälfte
aller Fehlermeldungen." antworte
ich.
Innerhalb einer
halben Stunde vermißt ihre Kommunikationszentrale nichts als
einige
fehlerhafte Geräte. Ich organisiere die Anlieferung
einer Ladung mit
Netzwerk-Zubehör, das so alt ist, daß
man die Bytes beim Wandern beobachten
kann und mache Pläne
für die Verhandlungen, die zwangsläufig folgen werden.
Ich
kann es kaum erwarten, die Rechnung für die "Behandlung"
jedes Gerätes, das
wir untersuchen und als
standard-kompatibel einstufen, zu sehen ...
Ja, diese
Konsultationsbesuche machen sich wirklich bezahlt ...
Dem B.O.F.H. wird von seinen Kollegen ein Preis verliehen ...
Es ist ein ruhiger Montagmorgen, als der Chef ins Büro
hereinschlendert. Er streicht
wie eine Katze um dem
sprichwörtlichen Brei.
"Wie lief der Router-Verkauf?"
will er wissen. Er kann seine Zufriedenheit darüber,
daß
er es geschafft hat, einen Router zu verkaufen, der so kaputt war,
daß er nicht
einmal mehr den Selbsttest schaffen würde,
um als Anker zu dienen, kaum
verbergen.
"Sie kamen und
haben ihn abgeholt." antworte ich und denke an den armen Tropf,
der
den Router von uns gekauft hat und mit ziemlicher Sicherheit
gerade damit
beschäftigt ist, ein Feuer zu löschen. "Ich
glaube noch immer, daß wir nicht ganz
korrekt gehandelt
haben."
"Klingt wie ein Fall von später Reue",
gluckst der Chef selbstgefällig.
"Tatsächlich?"
erwidere ich. "Ich dachte wirklich, daß es ein Router war!
Man kann
diesen ausländischen Weinen auch nicht mehr trauen -
nach Tschernobyl kann man
nie wissen, ob sie radioaktiv sind ...."
Der Chef schaut mich an, als sei ich ein völliger Dummkopf,
doch der PJ bleibt ruhig,
denn er kennt meinen Plan.
"Wie
HABEN sie die Leute überzeugen können?" frage ich, um
das Bedürfnis des
Chefs nach Anerkennung und Verehrung zu
befriedigen.
"Oh. Ich habe ihnen gesagt, daß es ein
Originalgerät ist und noch immer so gut, wie
an dem Tag als
wir es kauften." kichert er, um sich selbst zu beweisen, was für
ein
Genie er ist ...
Und das ist ein Glaube, gegen den ich
nichts habe, denn heute ist der erste
April - Bastard Boss Tag -
und ich will endlich einen Preis bekommen, um den ich
mich schon
seit vielen Jahren bemühe.
In diesem Jahr habe ich
beschlossen, dem Chef das Netzwerk als Speichermedium
zu
verkaufen. Ich muß noch ein paar Andeutungen machen, damit er
seine gewaltige
Intelligenz von dem Versuch, seine Schnürsenkel
zuzubinden abwendet und mir
zuhört.
"Es ist doch
ganz einfach!" rufe ich. "Wir haben überall diese
Gigabit Ethernet
Switches herumstehen, aber nutzen sie nicht!
Statt sie im Leerlauf ungenutzt zu
lassen, könnten wir doch
ständig die Daten durch das Netz senden, bis jemand sie
braucht
und benutzt. Das würde auch den Bedarf an Festplatten drastisch
senken!
Und dann noch die Wartezeit, die durch die Verzögerungen
bei Lese- und
Schreibzugriffen auf den Festplatten entsteht! Die
könnten wir einsparen, wenn die
Daten immer im Netz verfügbar
wären!"
"Das wird niemals funktionieren",
kontert der PJ verabredungsgemäß. "Unser
Netzwerk
ist viel zu klein - die Daten wären schon wieder zurück,
bevor sie
vollständig abgeschickt wurden."
"Nicht,
wenn wir die Leitungen etwas verlängern, um eine kurze
Verzögerung zu
bewirken", antworte ich. "Zehn
Cat-5-Kabelrollen dürften genügen."
"Ja!"
lächelt der PJ. "Das stimmt - daran hatte ich noch gar
nicht gedacht."
Unsere Diskussion hat den Chef überzeugt.
Wenn der PJ mir sofort zugestimmt
hätte, dann wäre der
Chef vorsichtiger gewesen und hätte das Schlimmste
vermutet.
Doch nun hat er den PJ "auf seiner Seite",
also ist die Sache sicher.
Wie ein Schaf im Schlachthof ...
"Ausgezeichnet. Ich bin mir sicher, daß der
Geschäftsführer zustimmen wird!"
"Wären
sie so nett, ihm zu sagen, daß es meine Idee war?" frage
ich und bringe die
letzten beiden Sargnägel an. Jetzt ist er
völlig davon überzeugt, daß die Sache sicher
ist.
Und nichts wird ihn davon abbringen, den ganzen Ruhm selbst
einzuheimsen.
Er verschwindet zum Geschäftsführer,
während der PJ und ich versuchen, gelassen
in unser Büro
zurückzulaufen. Ich schalte die Überwachungskamera im Büro
des
Geschäftsführers ein und starte den Videorekorder.
Diese kleine Aufzeichnung wird mir ganz sicher die Trophäe
einbringen, die ich
schon so lange verdiene - den begehrten
"IT-Idiot-Preis" für den dümmsten Chef,
den
ich am heutigen Abend in einem zentralen Pub in London bekommen
werde, wo
ich mit ein paar befreundeten B.O.F.H.s verabredet bin
....
Die Aufzeichnung startet gerade rechtzeitig ...
"Wie
auch immer ..." schnattert der Chef aufgeregt und mit gespielter
Intelligenz
drauflos. "Ich lief durch die Abteilung, als mir
der Gedanke kam. Angesichts der
steigenden Kosten für
Festplattenplatz wäre es doch eine interessante Sache,
das
Netzwerk als Speicher zu nutzen ..."
Er fährt
fort und schmückt wortgewaltig das aus, was wir ihm als
"Futter"
vorgesetzt haben, und erwähnt ganz
nebenbei, daß er gerade eine Bestellung über
zwanzig
Cat-5-Kabeltrommeln abgeschickt hat.
Die Explosion ist
unvermeidlich. Der Geschäftsführer, dessen Praxiswissen
zwar
gerade dazu ausreicht, eine elektrische Schreibmaschine zu
bedienen, hat
andererseits sechs Jahre damit verbracht,
Erstsemesterstudenten die theoretischen
Grundlagen von Netzwerken
beizubringen.
Der PJ und ich kopieren alles für den Fall,
daß uns jemand "bestrafen" will ...
Später
in der Nacht verputze ich ein oder zwei Biere im Pub, um meinen neuen
Preis
zu feiern. Trotzdem, ich spüre eine gewisse
Unzufriedenheit. Vielleicht hätte ich den
Chef besser davon
überzeugt, die Liftkabel auch als Stromleitungen für die
USV zu
nutzen.
Ach was, es gibt ja noch das nächste Jahr
....
Die Netzwerk-Zentrale wird
in ihrem Fundament erschüttert, als die Dinge
kopfstehen ....
Die Dinge entwickeln sich nicht gerade so, wie ich das geplant
hatte. Ja, beinahe
scheint ein Wechsel der Karriere angebracht zu
sein. Ich wurde zu einem
dienstlichen Gespräch eingeladen, um
auf einige Beschwerden über meine
"Arbeitsweise" zu
reagieren ...
Um den Schein von ´Fairness´ zu wahren,
sorgt der Chef dafür, daß als Zeuge sein
guter Freund
und mein ewiger Feind, der Personalchef, anwesend ist. Aber auch
wenn
ich, natürlich nur bei wenigen Gelegenheiten, Differenzen mit
ihm habe, so
rechne ich doch mit seiner Professionalität. Ich
bin sicher, daß er nur das Kriegsbeil
begraben will ...
"Simon", beginnt der Chef. "Wir haben formelle
Beschwerden über sie von einem
neuen Systemprogrammierer
bekommen. Er erklärt, daß sie sich grundlos anstößig
ihm
gegenüber benehmen."
"Ich fürchte, daß
ich nicht die leiseste Ahnung habe, worüber sie reden."
"Er behauptet, sie hätten ihn aufgefordert, er könne
sie an gewissen Körperteilen
lecken."
"Wie
bitte?" frage ich schockiert. "Da muß ein gewaltiger
Irrtum vorliegen. Als ich
ihn zuletzt getroffen habe, sagte ich
ihm, daß ich einen Systemabsturz hatte, den er
sich einmal
anschauen sollte. Ich kann doch nicht dafür verantwortlich
gemacht
werden, daß er mich falsch interpretiert."
"Sie kamen von der Toilette."
"Reiner Zufall.
Ich habe es erwähnt, als die Gelegenheit sich bot."
"Erwähnt? Das war wohl eher lautes Geschrei, oder? Ich
glaube, sogar ich habe es
noch gehört."
"Ich
gebe zu, daß es etwas lauter als ein Flüstern war, aber
das tat ich nur aus
Respekt vor seinem reichhaltigen und
professionellen Wissen ..." (Nun, einen
Versuch war es wert
....)
"Die Worte ´lecken sie meinen´, nun, sie
wissen schon, was ich meine, haben nach
MEINER Meinung nichts mit
professionellem Respekt zu tun."
"Natürlich werde
ich mich entschuldigen, falls ich eine Störung des guten Klimas
in
der Abteilung hervorgerufen habe - ich werde mich jetzt sofort
entschuldigen!"
"Sie wissen so gut wie ich, daß
der Programmierer gekündigt hat."
"Nein, das ist
mir neu. Wie kam es denn dazu?"
"Es hat den Anschein,
als sei er beunruhigt über die häufigen Explosionen
seiner
Geräte gewesen."
"Wirklich?
Möglicherweise gab es wieder Probleme mit seinem USV-System.
Erst
kürzlich hatten wir damit Schwierigkeiten ..."
"Ja, ich habe auch bemerkt, daß der Chefbuchhalter für
unsere Abteilung ebenfalls
gekündigt hat. Er sprach von
zuviel Streß am Arbeitsplatz."
"Nun, ich finde
auch, daß die Hersteller von Geräten nicht mehr das sind,
was sie
einmal waren." antworte ich. "In der guten alten
Zeit reagierten die Geräte etwas
toleranter, wenn es kleinere
Fehler gab."
"Meinen sie damit die 400 Volt-Netzkabel,
für die die Elektriker keine Erklärung
haben?"
"Wirklich? Das wußte ich nicht. Jemand hat meinen
Strom- und Spannungsmesser
gestohlen."
"Damit meinen
sie wohl das Meßgerät, das mit der Hauptleitung
im
Beratungszimmer verbunden ist und bei dem die 10 Ampere-Skala
eingeschaltet ist,
so daß die Sicherungen auf der Etage
jedesmal durchbrennen, wenn der
Overhead-Projektor eingeschaltet
wird?"
"Wirklich? Wer würde denn sowas machen?"
"Haben sie eine Begründung dafür, daß der
Sicherheitsdienst ihre Fingerabdrücke auf
dem Gerät
gefunden hat?"
"Ich muß bei meiner Arbeit viele
Geräte anfassen. Das ist meine Aufgabe."
"Das sehe
ich. Nun, die Sache liegt nicht mehr bei uns. Der Geschäftsführer
will sich
persönlich mit ihnen unterhalten."
Persönliche Gespräche mit dem Geschäftsführer
sind höchst selten. Und beinahe
immer sind sie Anlaß
für eine ´Kündigung´.
Der Chef und ich
werden in das Zimmer des Geschäftsführers gebeten ...
"Was
gibt es bei ihnen eigentlich für Probleme?" knurrt der
Geschäftsführer.
"Wollen sie die Antwort mit
technischen Fachbegriffen oder verständlich für
Laien?"
frage ich höflich.
"Für den Anfang
versuchen sie es so, daß ein Laie es versteht."
"Ich
und mein Auszubildender sind die einzigen Angestellten im ganzen
Betrieb, die
wirklich wissen, was wir tun."
Der Chef
schüttelt den Kopf und lächelt humorlos.
"Ja, ich
habe gehört, daß das der Fall ist." antwortet der
Geschäftsführer, der bei
einem Familientreffen durch den
PJ informiert wurde. Diese Familientreffen sind eine
fantastische
Einrichtung ...
"Entschuldigen sie!" unterbricht der
Chef leidenschaftlich. "Ich glaube, sie übersehen
da
etwas."
"Natürlich tue ich das." lächelt
der Geschäftsführer wohlwollend. "Wir sind,
natürlich,
traurig, daß sie uns verlassen wollen."
"Was? Ich
denke überhaupt nicht daran, eine Kündigung zu
unterschreiben. Und sie
können mich nicht dazu überreden!"
"Aber das haben sie doch schon getan", antwortet der
Geschäftsführer etwas
verwirrt und zeigt ein
Schriftstück mit der rasch hingekritzelten Unterschrift
des
Chefs.
"Aber wer kann mich denn ersetzen?"
murmelt der Chef resigniert.
"Er sitzt vor ihnen."
lächelt der Geschäftsführer.
"Sie wollen sich
um das Netzwerk kümmern?!" ruft der Chef.
"Nein
...."
"Aber wer ..." Unglaube und Angst tragen
einen kurzen Kampf um die Vorherrschaft
auf seinem Gesicht aus.
"Das meinen sie nicht ernst!"
"Aber natürlich
meint er es ernst", antworte ich schnell. "Nun, ich höre,
daß sie eine
Arbeit suchen. Und ganz zufällig haben wir
eine freie Position in unserer
Netzwerk-Abteilung zu vergeben. Sie
werden natürlich mir unterstellt sein ..."
Manchmal
kann das Leben schrecklich sein, aber wenn es gut ist, dann ist
es
WIRKLICH gut.
Der B.O.F.H. unterzieht
seinen neuen Schützling einer würdigen Taufe ... Und
sieht
ihn erblühen ...
Jetzt bin ich also in einer hervorragenden Manager-Position. Das
zusätzliche
Einkommen als Manager genügt schon, um mir
den Tag zu versüßen.
Die Möglichkeiten, zur
Umleitung von Geldern, die für weniger wichtige
Projekte
(Aufrüstung der Hardware der Service-Abteilung)
vorgesehen sind, in wichtige
Projekte (neue Hardware für die
Netzwerkzentrale) sind zahlreich. Und der
Zuckerguß auf der
Torte ist die Tatsache, daß mein früherer Chef jetzt
mein
Untergebener ist ...
Und bis jetzt habe ich noch keine
Beschwerde gehört. Ich beschließe, mein Glück mit
den
anderen zu teilen. Der PJ hatte schon immer den Wunsch, nach New
Orleans zu
verreisen. Im WWW finde ich schnell eine passende
Konferenz, bei der ich ihn
anmelde.
Er ist hocherfreut, da er
noch nie in New Orleans war. Der Ex-Chef erwartet einen
ähnlichen
Gefallen, und ich kann mir nicht verkneifen, ihn zu enttäuschen.
Ich zeige
ihm, wo er den Staubsauger findet und dann auf der Karte
alle Räume, die zu unserer
Abteilung gehören ...
Eine
Woche später sind beide wieder da, der Ex-Chef wirkt etwas
seltsam, was
wohl daran liegt, daß er die meiste Zeit im
Dunkeln zugebracht hat. Wie konnte ich
nur vergessen, ihn daran zu
erinnern, daß einige der Schränke in unseren Räumen
keine
Griffe an den Innenseiten der Türen haben? Ups.
Immerhin
hatte er noch den Verstand, das Netzkabel der Vermittlungsanlage
zu
ziehen, so daß jemand ihn finden konnte. Allerdings hätte
er diesen Einfall wohl
besser vor dem langen Wochenende gehabt.
Doch bekanntlich lernt man ja am
besten aus den eigenen Fehlern.
Es ist schon furchtbar, was man aus Wassermangel
alles tut.
Da
nun alle wieder in der Netzwerkzentrale versammelt sind, verteile ich
die
Aufgaben. Der PJ übernimmt wegen seiner Erfahrungen meine
alte Rolle, also
Installation, Überwachung und Wartung. Der
Ex-Chef, natürlich ist er völlig
ahnungslos, wird vor
das Telefon gesetzt. Ich mußte es sogar für ihn
anschließen.
Meine Hoffnungen werden nicht enttäuscht.
Innerhalb der ersten halben Stunde
klingelt es. Und da er sich in
der Ausbildung befindet, muß der Ex-Chef die
Freisprechanlage
benutzen, damit er Anweisungen vom PJ oder mir entgegennehmen
kann,
wenn dies nötig wird.
"Hallo, Netzwerk-Zentrale",
meldet der Ex-Chef sich.
"Hallo, ist dort die
Netzwerk-Zentrale?" Ein schneller Blick auf
die
Rufnummernidentifizierung erklärt den Umstand, daß
die Stimme bekannt klingt. Der
PJ flüchtet voller Angst.
"Wie kann ich ihnen helfen?"
"Das Netzwerk
funktioniert schon wieder nicht."
"Ja. Wann trat der
Fehler auf?"
"Gerade eben. Ich habe versucht, etwas zu
drucken, aber es geht nicht."
"In Ordnung, ich schaue
mir das mit dem Netzwerk-Monitor an und prüfe, ob ihr
Computer
defekt ist. In welchem Raum sitzen sie?"
Sie gibt ihm die
Nummer, und er durchforstet die Netzwerk-Datenbank auf der
Suche
nach Informationen. Erfolglos. Da er uns in seiner neuen Position
nicht so früh
um Hilfe bitten will, entscheidet er sich für
die erprobte alte Methode und begibt sich
zu ihr.
Als er weg
ist, kommt der PJ wieder.
"Ist er wirklich losgegangen?"
"Yep."
"Der arme Hund!"
"Yep."
In jedem Unternehmen gibt es mindestens einen paranoiden
Mitarbeiter, der unter
einer Computerphobie leidet. Und sie gehört
zu diesen Leuten, die glauben, daß die
Computer heimlich die
Einstellungen verändern, wenn sie wegschauen. Zu jenen, die
sich
ständig darüber beschweren, daß jemand ihre
Passwörter geändert hat. (Immer
dann, wenn sie die
Umschalttaste drücken.) Zu denen, die überhaupt nichts
angefaßt
haben wollen, und trotzdem läuft das Netzwerk
nicht. (Das kommt zweimal im Jahr
vor, wenn sie den Standort ihres
PCs wegen der Sonneneinstrahlung ändern und
dabei die
Netzwerkkabel abziehen ...)
Allerdings ist es in diesem Fall noch
schlimmer. Das ´Netzwerk´, von dem sie
sprach, besteht
aus einem RS232-Druckerkabel zwischen ihrem XT-PC der
ersten
Generation und einem Nadeldrucker.
Sie hat niemals der
neueren Technologie vertraut (die nicht funktionierte und
sich
heimlich gegen sie verschwor) und zieht es vor, getrennt von
der wirklichen Welt zu
bleiben. Mit Ausnahme zweier Anrufe im
Jahr, wenn sie das Druckerkabel
abgezogen hat.
Eine Stunde
später ist der Ex-Chef zurück - ein verwandelter Mensch.
Nachdem er
sich eine Stunde lang verschiedene
Verschwörungstheorien und weiteres geistloses
Geschwätz
vom Akte X-Typ anhören mußte, hat er erfahren, was es
heißt, an
unserem Ende der Telefonleitung zu sitzen.
Verschwunden ist der Geist der Hilfsbereitschaft. Verschwunden
ist der gute Wille
gegenüber den Anliegen der Nutzer. Der PJ
und ich tauschen einen wissenden
Blick - das haben wir schon
früher gesehen, und wir werden es wieder sehen.
Er wurde
bastardisiert.
Das Telefon klingelt erneut.
"Netzwerk",
stößt er kurzatmig hervor.
"Hallo, ist dort die
Netzwerk-Betreuung?" fragt die bekannte Stimme. Das Telefon
gibt
ein knackendes Geräusch von sich, als es hochgerissen und in den
Mülleimer
gefeuert wird.
"So, ich nehme an, ich
werde dafür gefeuert, daß ich das Telefon zerstört
habe?"
fragt er seinem Schicksal ergeben.
"Nun,
improvisierte Deinstallationen stehen normalerweise etwas später
auf dem
Ausbildungsplan, aber es hat den Anschein, daß das
eigene Erleben der beste Lehrer
ist ..."
Ich gehe nach
draußen und überlasse es dem PJ, ihm die restlichen Ketten
zu
zeigen ...
Und die Peitschen ...
Und die
´Video-Überwachungs´-Steuerung ...
Wer hätte
gedacht, daß er so vielversprechendes Material ist?
Wer hat behauptet, es sei
leicht, ein Manager zu sein? Es gibt noch immer Dinge, die
nicht
mit einer Axt geregelt werden können ...
ICH KANN ES NICHT MEHR AUSHALTEN!!! Dabei lief es in meiner
neuen
Position als Manager so gut - Geld für wichtige
Projekte (Stereo-Fernseher, die mit
den neuesten und besten
Sateliten-Empfangsschüsseln verbunden sind)
auszugeben, als
die Bombe platzte.
Ich fand heraus, daß von mir erwartet
wird, an ungefähr sechs ´Planungs-´
Besprechungen
in JEDER Woche teilzunehmen! Meine bisherige Meinung über
das
Management wurde mehr als bestätigt ...
Irgendwann,
nachdem die Frage, ´was diese Byte-Dinger eigentlich sind´
ungefähr
tausendmal gestellt wurde, ist Schluß! Und
dann ertappt man sich bei der
Vorstellung, welche Verbesserungen
man mit einer Axt und einem großen
Abfallzerkleinerer in der
Firma durchsetzen könnte.
Wo ich gerade beim Thema bin - die
erste hochwichtige Beratung fand zu der
bedeutenden Frage statt,
ob wir die Pflanzen für unser Haus mieten sollten. Da
eigentlich
schon überall Pflanzen herumstehen, fand ich, daß das eine
irgendwie
redundante Thematik sei - aber ganz offensichtlich haben
sich meine
Gedankengänge noch nicht an meine neue Position
gewöhnt. Ich hatte vergessen,
daß diese kleine
Managergruppe nicht eine, nicht zwei, nicht drei, sondern
VIER
Umstrukturierungen in der Abteilung (um die Änderungen
in der
Managementhierarchie widerzuspiegeln) in den vergangenen 18
Monaten empfohlen
hat.
Nach nur zweistündiger Besprechung
wurde beschlossen, daß wir die Pflanzen
mieten, denn dann
wäre ja der Vermieter dafür verantwortlich, sie zu gießen
und zu
pflegen. (Als ob der Geschmack des Tees und des Kaffees aus
den Automaten nicht
ohnehin dafür sorgen würde.)
Und
nach diesen zwei Stunden ging es eine weitere halbe Stunde lang
darum, was
mit den schon vorhandenen Pflanzen passieren soll, die
in dem Gebäude stehen,
seitdem es eröffnet wurde - in
den oberen Etagen sind einige schon so groß, daß
sie
nicht mehr aus dem Gebäude transportiert werden können.
Und da kam als kleinerer
Geistesblitz der Müllzerkleinerer
ins Spiel. Die Planungen sehen vor, eine
Zerkleinerungsmaschine zu
mieten, sie mit dem Lift nach oben zu befördern und vor
Ort
eine Art organische Entsorgung durchzuführen.
Zu diesem
Zeitpunkt sehnte ich mich nach dem Netzwerk. Die Dinge waren
so
simpel - ein Nutzer ruft an mit einem Problem, das zuerst
natürlich durch ihn
verursacht wurde, ich quäle ihn
dafür ein wenig und beseitige das Problem dann auf
bequeme
Weise. Einfach. Effektiv. Schnell. Ich brauche Hilfe, also wende ich
mich
an jemanden, der den nötigen Verstand hat.
Den
Ex-Chef. Der Ex-Chef ist ein verwandelter Mensch. Er behandelt die
Nutzer
mit der typischen Geringschätzung eines
Netzwerk-Profis, der die allgegenwärtige
Frage, warum das
Netzwerk nicht funktioniert, einmal zuviel gehört hat. Er
hat
gesehen, was wir sahen, er weiß, was wir wissen.
Er
IST ein Bastard! Ich finde ihn im Raum mit der Telefonanlage, wo
er
Wechselstrom mit 240 Volt durch die Telefonleitungen schickt,
um die Telefone
bestimmter Nutzer zu grillen. Ich erkläre ihm
mein Problem, und er hört mir
aufmerksam zu.
"Es
gibt nichts, was sie tun können", antwortet er. "Sie
müssen es einfach
mitmachen. Halten sie den Kopf unten,
mucken sie nicht auf, denn sonst werden sie
wieder eine
Umstrukturierung ihrer Abteilung vorschlagen."
Ein Gedanke
kommt mir. "Wollen sie ihre alte Position zurückhaben?"
frage ich.
"Niemals!" antwortet er sofort. "Ach,
kommen sie", flehe ich (da ich ein Manager
bin, ist das nicht
unter meiner Würde).
"Das wird nicht billig", sagt
er. DIESER BASTARD! Ich hätte ihn besser niemals
eingestellt.
"Wieviel?"
Er nennt eine erpresserisch hohe Summe
mit einem Klang seiner Stimme, der
Verhandlungen ausschließt.
Traurigerweise unterzeichne ich einen >Heul!< Barscheck
>Jammer!< über die
Summe, die er verlangt. Er
verschwindet damit, um ihn einzulösen, nachdem er mir
einen
weiteren guten Rat gegeben hat.
Die Ankunft des großen
Abfallzerkleinerers ist ganz offensichtlich eine Möglichkeit,
um
auf einem Firmenfoto zu erscheinen, die sich keiner meiner
Manager-´Kollegen´
entgehen lassen will - eine
weiteres Merkmal der Firmenpolitik.
Natürlich nehme auch ich
an dem Ereignis teil und sehe mich mit paar "In Ordnung,
zeigen
sie jetzt auf den Zerkleinerer. Und nun noch ein Bild, auf dem sie in
den
Abfallschacht schauen"-Aufforderungen konfrontiert.
Als
alle Fotos gemacht wurden, setze ich mich zum Chef des Aufsichtsrates
und
schlage ihm vor, daß es doch eine gute Idee wäre,
wenn er auf einem Foto
auftauchte, wenn gerade Holz zerkleinert
wird. Ich klopfe auf einen Plastiksack, der
mit einem Geräusch
antwortet, als klopfte ich auf Holz.
Der Aufsichtsratschef
lächelt. Wir warten, bis alle gegangen sind, dann bereiten
die
Fotografen alles vor, denn wenn die Maschine erst einmal
läuft, werden bestimmt
auch die anderen Manager zurückkommen,
die die Chance auf ein weiteres Foto
wittern. Der Chef des
Aufsichtsrates muß sich also beeilen.
Er baut sich auf, ich
starte die Maschine und leere den Sack.
Um fair zu bleiben, muß
ich sagen, daß er die Verwandlung seiner Segeltrophäen
in
Staub mit Fassung trägt - er entläßt mich nur
aus meiner derzeitigen
Managerposition.
Einen Tag später
erreicht mich zuhause ein Anruf des ehemaligen Ex-Chefs, der
jetzt
wieder der Chef ist, der mir eine Arbeit bei einem sehr überzeugendem
Lohn
anbietet.
Natürlich akzeptiere ich. Die neue Arbeit
ist GROSSARTIG. Der Chef ist dank
seiner neuen Erfahrungen recht
annehmbar. Das Leben könnte kaum besser werden.
"KOMMEN
SIE SCHNELL!" schreit der PJ, als er in das Büro stürmt.
"Es ist der Chef! Er hat sich auf der Management-Beratung
eingeschlossen! Dann
hat er die Sekretärin aufgefordert, ihm
seine Axt zu bringen, und jetzt hören wir nur
noch die
Geräusche des Müllzerkleinerers!" Mistkerl.
Ich
wußte, daß es zu schön war, um wahr zu sein ...
Nicht nur der Duft von
Napalm am Morgen, sondern auch ein durchgebrannter Server
stellt
einen guten Tagesbeginn dar ...
Nach einer harten Nacht im Pub komme ich zur Arbeit. Meine Sinne
sind noch wach
genug, um den Brandgeruch richtig zu deuten, der
aus dem Computerraum kommt.
Dieser Geruch und die Jacke des PJs
auf der Lehne seines Sessels lassen nur einen
Schluß zu. Er
will eine weitere Lohnerhöhung.
Und die ist mehr als
überfällig, wenn ich bedenke, daß die letzte
Lohnerhöhung schon
sechs Wochen zurückliegt. Doch die
Personalabteilung zeigt mit den Daumen nach
unten.
Der PJ
kommt aus dem Computerraum und bringt einen Feuerlöscher und
etwas, das
wie ein wichtiger Teil des Kühlsystems des Servers
der Personalabteilung aussieht,
mit. Gemäß seiner
Ausbildung strebt er sein Ziel mit ganzem Einsatz an und rammt
jedem,
der sich ihm dabei in den Weg stellt, die Faust in den Bauch.
"Guter
Junge", denke ich mit stolzgeschwellter Brust.
Ich bereite
mich auf den unausweichlichen Anruf vor. Momente später klingelt
auch
schon das Telefon. Die Rufnummernidentifikation zeigt, daß
mein ´Kunde´ niemand
anders ist, als der Vizechef der
Personalabteilung, eine Person, mit der ich mehr als
nur einen
Zweikampf ausgetragen habe.
"Was zum Teufel ist mit unserem
Server passiert?"
"Nun, ich bin mir noch nicht ganz
sich, aber ich glaube, er litt unter Überhitzung ..."
"Sie
haben unseren Server in Brand gesteckt?" schreit er.
"Nein,
natürlich nicht. Das ist ein häufiger Fehler - wenn die
Maschinen älter
werden, kann der Staub im Gerät zur
Selbstentzündung führen, weil ..."
"Das
verdammte Ding ist erst drei Wochen alt!"
"Hmmm, sowas
kommt manchmal vor. Sie können doch nicht erwarten, daß
der PJ
ihren Server rund um die Uhr bewacht - bei dem Hungerlohn,
den sie ihm zahlen."
erwidere ich.
"Das ist es! Wir
werden uns ein eigenes System beschaffen", schreit er
und
schmeißt den Hörer auf die Gabel.
Ein paar Tage
später sind meine Befürchtungen Realität, denn ein
neuer Server
taucht in der Personalabteilung auf. Er ist komplett
eingerichtet, so daß ich keinen
Zugriff auf ihn bekomme. Der
Chef erkennt natürlich nicht den ganzen Umfang des
Problems -
wenn die Abteilungen alle eigene Server kaufen, ist es
wahrscheinlich,
daß sie einen kleinen Unterschied zwischen
dem, was sie uns in der Vergangenheit
für die Anschaffung von
Servern zahlten, und dem, was die Server wirklich kosten,
bemerken.
Ein kleiner Unterschied von etwa 200 Prozent.
Ich lasse den
Dingen ihren Lauf - nach einer ´göttlichen´
Einmischung durch den PJ
und mich. Und natürlich ruft am
nächsten Tag der Chef der Personalabteilung
an - die
Freundlichkeit in Person.
"Hallo", schnurrt er.
"Hallo."
"Wir haben ein wenig Ärger mit
unserem Server und fragen uns, ob sie uns einen Rat
geben
könnten."
"Wo liegt das Problem?"
"Nun,
wir wollen alle Dateien in einem Verzeichnis mit ihrem
Erstellungsdatum
anzeigen lassen." antwortet er.
Aha, das
ist eindeutig eine Falle. Offensichtlich will er mich testen, ob mein
Rat gut
oder schlecht ist, wobei er sein sehr beschränktes
Wissen als Maßstab nimmt.
"Kein Problem", sage
ich. "Geben sie einfach ´ls -l´ ein. Wollen sie die
Ausgabe
seitenweise sehen?"
"Oh, natürlich",
antwortet er und erwartet das allgegenwärtige ´rm´
als Antwort.
"Geben sie einfach noch ´| more´
ein."
"Oh." Er ist offensichtlich unzufrieden, da
er mich nicht dabei ertappte, daß ich ihm
einen falschen Rat
gab. In seiner Naivität entscheidet er sich dazu, mir
zu
vertrauen ... "Wir haben noch ein anderes Problem. Wir
hatten Schwierigkeiten mit
unserem System. Die Antwortzeiten waren
viel zu hoch."
Was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, daß
der PJ dafür gesorgt hat, daß die
Ping-Anfragen etwa 30
Prozent ihrer Netzwerkbandbreite ausmachen.
"Ich frage mich,
ob sie mir etwas empfehlen können, damit wir das System
wieder
beschleunigen können?"
"Nein, nicht
wirklich. Die neueren Rechner werden eigentlich ordentlich
konfiguriert
ausgeliefert. Oh! Warten sie! Ich wette, sie haben
die Speicher-Expansions-Routine
noch nicht aktualisiert, oder?"
"Ahhh ... nein, nein, ich glaube nicht." murmelt er und
versucht, nichtvorhandenes
Fachwissen vorzugaukeln.
"Na
gut, dann sollten sie das am besten gleich tun."
"Gute
Idee. Frischen sie mein Gedächtnis auf - wie ging das doch
gleich?"
"Das wissen sie doch", antworte ich
hilfsbereit. "Echo
´MEMORY-EXPANSION´ >
/dev/kmem - das ist normalerweise der erste Eintrag
in
/etc/inittab."
"Oh, natürlich. Ich glaube, ich
habe den Eintrag bei der Feinabstimmung gelöscht",
antwortet
er mit gespaltener Zunge.
Eine Viertelstunde später ist er
wieder am Telefon. Diesmal noch erregter ...
"Der verdammte
Server läuft noch immer nicht!" jammert er panisch. "Er
startet nicht
einmal mehr!"
"Nun, ich schätze,
wir könnten uns die Sache einmal anschauen. Wie lautet
ihr
Root-Passwort?"
Nach einem kurzen Augenblick des
Zweifels stößt er "MEHRGELD" hervor. Schnell
wie
ein Blitz prüfen der PJ und ich das Passwort auf ihren anderen
Rechnern.
Trefferquote: hoch.
Einen Tag später ist der
Server der Personalabteilung wieder unter unserer Kontrolle,
der
Vizechef der Abteilung wurde in die Schranken gewiesen und der PJ
sitzt
zufrieden im gutgepolsterten Sattel eines soeben beförderten
Mitarbeiters.
Er ist sogar so zufrieden, daß er dem
Personalchef sagen will, was in ihrem
Wasserspender wirklich ist.
Ich überrede ihn dazu, diese Angelegenheit für eine
spätere
Gelegenheit aufzusparen ...
Es ist Besuchszeit, und der
B.O.F.H. geht hin, um, ähm, Informationen über die
neueste
Technik zu sammeln ...
"Ich schätze, es ist Zeit, daß wir uns nach neuer
Technik umsehen."
Ich kann nicht glauben, was ich höre.
Der Chef kauft neue Technik ungefähr so
häufig, wie
Margret Thatcher für die Labour-Partei stimmt. Es war damals
seine
Idee, auf die Pentium-Rechner zu verzichten und eine Menge
alter XTs
anzuschaffen, die er sehr billig bekommen konnte. Zum
Glück hörte ich noch
rechtzeitig von diesem Plan, so daß
ich ´zufällig´ dem Geschäftsführer eine
Notiz
zuspielen konnte, in der stand, daß der Lieferant ein
Cousin des Chefs ist, so daß
dieser Plan aufgegeben wurde -
ich konnte nicht glauben, daß der Chef meinen Anteil
vergessen
hatte.
Wie auch immer, seitdem der Chef an unserem
Service-Telefon saß, ist er ein neuer
Mensch. Sein Geist ist
immer offen für neue Möglichkeiten ...
"Es gibt
ein Forschungslabor, das einen Tag der offenen Tür
veranstaltet", erklärt er.
"Ich denke, sie sollten
sich einmal umsehen, was es für Neuigkeiten gibt."
Früher
hätte er wohl gesagt: "stehlen sie, was neu ist" -
doch seit seiner jüngsten
Bastardisierung ist das eine
Selbstverständlichkeit, die nicht mehr extra erwähnt
werden
muß.
Ein paar Tage später sitzen der PJ und ich zu
einer unmenschlich frühen Stunde in
einem Zug, der durch die
Landschaft tuckert. Natürlich haben wir unsere
bewährten
Aktentaschen mit den doppelten Böden dabei.
Schließlich landen wir in einem Dschungel aus
Forschungslabors und mitten in der
Show. Unser Schicksal läßt
uns zunächst an einer Vorbereitungstour,
Entschuldigung, an
einer geführten Besichtigung teilnehmen, bevor wir von der
Leine
gelassen werden und unseren eigenen Vorlieben nachgehen
können. Die Tour ist
langweilig, doch immerhin ist unser
Führer so dumm, daß er nicht sieht, was wir
anstellen.
Schließlich werden wir uns selbst überlassen - mit ein
paar ihrer Sachen,
die nicht am Boden festgeschraubt waren.
Es
ist interessant, all die herumliegenden Spielzeuge zu sehen, doch
meine
Aufmerksamkeit wird von den Sicherheitsleuten angezogen, die
um die Räume
herumlungern, in denen die Apparate, die
wirklich teuer sind, besichtigt werden
können.
Im ersten
Raum scheint es um Telearbeit zu gehen, für die ich mich
interessiere,
seitdem der Chef eine Standleitung zu meiner Wohnung
gelegt hat.
"Nun, erzählen sie mir mal etwas über
Telearbeit", sage ich begeistert zu dem jungen
Anzug am
ISDN-Werbestand.
"Dieses Gerät kann sie mit dem
Netzwerk ihrer Firma verbinden. Dabei merken sie
gar nicht, daß
sie ISDN nutzen. Alle Netzwerkprotokolle werden unterstützt, so
daß
es aussieht, als seien sie direkt mit dem LAN
verbunden." erklärt er mit glänzenden
Augen.
"Sieht aus wie ein ISDN-Router."
"Ähm ...
ja, so ist es. Aber er hat ein hübsches blaues Gehäuse und
blinkende
Leuchtdioden."
Ich betrachte das Gehäuse
verächtlich - nein, daran verschwende ich keinen
Gedanken.
"Haben sie sonst noch etwas Interessantes anzubieten?"
"Nun, wir haben einen Router auf einer PCMCIA-Karte."
"Wieso?"
"Damit sie ihren Laptop mit dem
Netzwerk über einen Router statt per Modem
verbinden können."
"Wieso?"
"Damit müssen sie keinen
Modem-Einwählserver zusätzlich zu ihren
Routern
installieren."
"Natürlich. Statt eines
preiswerten Modem-Servers sollen wir einen teuren Router
benutzen.
Wie ökonomisch."
Meine Gedanken werden durch einen Stoß
des PJs unterbrochen. "Sie haben ein
Sicherheitssystem hier,
das wie bei uns über die Iris des Auges die
Nutzer
identifiziert."
"Nicht ganz - unser System
schädigt das Augengewebe nicht dauerhaft und ist auch
nicht
mit dem Sprinklersystem verbunden."
Er muß noch soviel
lernen ...
Das Mittagessen ist besser als erwartet, hauptsächlich
deshalb, weil wir nicht die
Kantine benutzen, sondern den
VIP-Bereich. Es dauerte nur ein paar Momente, den
Leser für
die Identitätskarten zu ´reparieren´, damit er
unsere Karten richtig liest.
Echte VIPs beim Versuch zu
beobachten, sich Zugang zum VIP-Bereich zu
verschaffen, ist eine
interessante Mittagsunterhaltung ...
Angenehm gestärkt durch
Chateaubriand und einen recht edlen Rotwein sind wir
bereit, den
Rest der Ausstellung in Angriff zu nehmen. Das Gewicht meiner
Tasche
wird durch eine Flasche eines hervorragenden Cognacs
erhöht, die achtlos auf dem
Spirituosen-Regal herumstand.
Unser Vorankommen wird durch einen der Sicherheitsleute
unterbrochen. Während
er uns lang und breit mitteilt, warum
wir warten müssen, bevor wir Zugang zu den
guten Sachen
bekommen, verschwindet der PJ wie ein Schatten.
Sektion Sechs
wird lange vor der geplanten Zeit plötzlich geöffnet, wo
wir diesen
wunderbaren optischen Speicher sehen, der offenbar ohne
eigene Stromversorgung
arbeitet.
"... wie sie sehen
können, gibt es keine Kabelverbindung zur Stromversorgung mit
der
Basisstation", leiert der Langweiler herunter und
versucht offensichtlich, die
Aufmerksamkeit auf den
Video-Datenstrom zu lenken, der auf das
angeblich
stromversorgungslose Gerät übertragen wird.
"Und hier können sie eine Aussparung
in der Datenleitung
sehen. Wenn ich nun diese Karte in die Aussparung stecke, wird
der
Datenstrom unterbrochen, damit sie sehen, daß wir die Wahrheit
sagen." Er
plaziert die Karte in der Aussparung und dreht
sich mit selbstgefälligem Grinsen zum
Monitor, um auf ein
Standbild zu deuten. Sein Gesichtsausdruck verändert
sich
plötzlich, und er sieht nun wie jemand aus, der einen
Wasserbüffel in seinem Jakusi
entdeckt.
"Debbie
macht es in Dalles. Ein netter Einfall", gratuliere ich dem PJ.
Zeit zum Verschwinden ...
Wir haben die Hälfte des Weges
zum nächsten Pub zurückgelegt, als die Hölle
losbricht.
Sirenen, Feuerwehren, flüchtende Menschen - der ganze
Krims-krams.
Die Verwirrung des PJs ist direkt proportional zu
meiner Zufriedenheit, als ich mich
an die Theke lehne.
"Ich
setze fünf Pfund darauf, daß der Chef des amerikanischen
Mutterkonzerns sich
gerade einem Iris-Test unterziehen mußte",
kommentiere ich und sehe, wie das
Wasser aus ihrem Eingang
herausläuft ...
"Keine Chance", antwortet der PJ.
"Noch ein Bier?"
Eine lustige Sache, diese neue
Technologie ...
Dank des technischen Fortschritts geht der B.O.F.H. unter die Filmemacher ...
Die Leute in der Chefetage wollen wieder neue Spielzeuge haben.
Weil der
Geschäftsführer einen Artikel über
Video-Mail gelesen hat, ist er nun der Meinung,
unserer Firma
fehle etwas.
Natürlich bin ich über die immensen
Möglichkeiten zur Anschaffung neuer Technik
begeistert. Der
Chefbuchhalter andererseits wirkte ziemlich besorgt, doch
schließlich
verlangte er keinen Kostenvoranschlag mehr, der mit Blut
unterschrieben
ist. Natürlich war er es, der versuchte, mich
aus dem Prozeß der Technikbeschaffung
herauszuhalten.
Offenbar wurde er mißtrauisch, als ich das Wrack, das ich bis
dahin
fuhr, seinem brandneuen BMW in den Weg stellte - nun,
genaugenommen stand der
BMW im Weg, doch Bewegung ist ja relativ.
Ich rufe unseren Netzwerklieferanten an, um die Wünsche des
Geschäftsführers zu
erfüllen.
"Hallo,
Netzwerk Express."
"Mein Name ist Farquarson. Könnte
ich mit Jon sprechen?"
"Bitte warten sie einen Moment."
>Click<
"Guten Morgen, Herr ... ähm ...
Farquarson. Ist die Leitung sicher?"
"Ja, keine
Lauscher. Guten Morgen, Jon. Ich brauche ein paar Server."
"Kein Problem. Mit welcher Last sollen sie klarkommen?"
"Eine Riesenlast. Wir wollen Video-Mail einsetzen. Sie
wissen schon, sie schreiben
auf ein Grafiktablett, eine Kamera
zeichnet alles auf und übersetzt die Worte in
Töne."
"Nett. Dual-Pentium Pro 200, würde ich sagen?"
"Ähm ... für die Kosten muß ich mich nicht
verantworten."
"Oh, gut! Dann wollen sie bestimmt,
acht, zehn oder zwölf Prozessoren?"
"Zwölf
sind in Ordnung. Und natürlich auch eine Menge Speicherplatz."
"40 GigaByte pro Server?"
"Wie bitte?"
"Ups, ich habe wohl eine Null übersehen."
"Gut.
Ein halbes Gigabyte RAM müßte auch ausreichen - wir wollen
ja nicht
übertreiben. Wie hoch wäre der Schaden?"
"Hmmm ... Der Listenpreis liegt bei 62.995 Pfund pro
Server."
"Und nach dem Erbsenzähler-Rabatt?"
"124.999 Pfund. Die Steuern kämen natürlich noch
dazu. Ich nehme an, ihr Anteil soll
auf das übliche Konto
überwiesen werden?"
Pünktlich werden zwei Kisten
geliefert. Der PJ hat die Server schnell installiert und
schwirrt
umher, um ein paar Dutzend Video-Mail-Tabletts, die wir in
der
vergangenen Woche in den Leitungsetagen verstreut haben, an
das Netz
anzuschließen.
Wir kehren zurück in unsere
Netzwerk-Zentrale, wo der PJ gleich nach einer
Quake-Sitzung die
Konsole für das Video-Mail-System startet. Eine kurze
E-Mail
informiert den Administrator-Assistenten in unserem anderen
Büro, bringt die
Manager aus anderen Niederlassungen an ihre
Rechner, und bald sehen wir auf der
Kontroll-Konsole die Worte
durch das WAN fliegen. Zufrieden lehne ich mich für
einen
Moment zurück und versuche, in die Haut eines psychopathischen
Mörders zu
schlüpfen, unglücklicherweise natürlich
nur in einer virtuellen Welt.
"Sie haben das System offenbar
begriffen - ich glaube, sie konkurrieren nun darum,
wer die
längste Video-Mail mit den meisten komplizierten Worten
zusammenbauen
kann." kommentiert der PJ, sorgfältig
hinter der Mauer versteckt.
"Nun", antworte ich. "Sie
sind Kinder mit neuem Spielzeug. Hoffentlich haben wir
bald genug
Material." sinniere ich.
"Material?"
"Oh,
machen sie sich darüber keine Sorgen."
>BAMBAMBAMBAMBAM<
"Ha! Stirb, Trottel!"
Nach dem kurzen einstündigen
Mittagessen kehren wir zurück. Ich inspiziere
das
Video-Mail-System und bin ziemlich überrascht, daß
sie es geschafft haben, 40
Prozent des Festplattenplatzes in so
kurzer Zeit zu verbrauchen. Doch da alles
einem guten Zweck dient,
stört mich das nicht weiter. Ich starte mein gutes
altes
Premiere und suche mir ein paar Dateien aus.
"Was
haben sie vor?" fragt der PJ.
"Ich mache einen Film.
Nach was sieht es denn ihrer Ansicht nach aus?"
"Einen
Film? Worüber?"
"Über unseren
Geschäftsführer. Ziemlich loyal, oder?"
"Sehr.
Genau das macht mir Sorgen."
Es dauert eine Weile, bis ich
mich wieder an die Bedienung des Programmes
gewöhnt habe,
doch bald sind die Video-Schnipsel hübsch
zusammengeschnitten.
Der PJ wirkt noch immer verwirrt und sucht
das Weite, um irgendeinen Server in der
Hoffnung abzuschießen,
daß damit sein Geist etwas beruhigt wird. Eine Stunde
später
transferiert er die letzten Bits in den digitalen Mülleimer,
während ich mich
zufrieden zurücklehne.
Der PJ
bemerkt mein befriedigtes Lächeln und kommt zu mir. Er wirft
einen Blick auf
den Notizzettel, auf dem ich ein paar Sätze
aufgeschrieben habe.
"Jährliche Nachtwanderung mit
Lagerfeuer ... Finanzdirektor ... Gerüchte
besagen ...
Wachschutz ... Tonstörungen ... Ziegenkäse als Vorspeise
.... Was hat
das zu bedeuten?" fragt er.
"Warten sie
einfach ab. Das Telefon müßte gleich klingeln ... JETZT."
Er zuckt zusammen, als das Telefon klingelt.
"Hallo,
Nutzerbetreuung hier. Wessen Zugangskonto wollen sie sofort
gelöscht
haben? Aber ist er nicht der Finanzchef? Okay, okay,
ich will mich nicht mit ihnen
streiten, ich bin nur überrascht,
denn ich dachte, er sei auf Ewigkeiten mit der
Schwester des
Geschäftsführers verheiratet. Wer hat ihnen den Auftrag
gegeben?
Was, der Geschäftsführer höchstpersönlich?
In einer Video-Mail ... wie passend."
Der PJ verabschiedet
sich von unserem Administrator-Assistenten am anderen
Ende, der
selbstverständlich auch mit einer gewissen Prozentrate beteiligt
wird und
daher verschwiegen ist, und mustert mich neugierig.
"Haben sie etwas dagegen, mir den Film einmal vorzuführen?"
"Natürlich nicht."
Ich betätige den
Abspielbutton, worauf der PJ den Geschäftsführer sieht, der
den
restlichen Managern mitteilt, daß einige der seltsamen
Gewohnheiten des
Finanzchefs nicht zur Firmenpolitik passen und er
deshalb leider verabschiedet
werden muß. Dann folgen in
verschiedenen Varianten noch die Anweisungen an die
Administratoren,
die sich mit Sicherheitsfragen und logistischen Problemen
dieser
Personalentsorgung befassen. Und selbstverständlich
wird auch der Anruf bei der
Polizei nicht vergessen. Natürlich
hätte die reine Stimmaufzeichnung niemanden
befriedigt, doch
nun kann man den Geschäftsführer dabei auch sehen. Und wir
alle
wissen, daß man Video-Mails nicht fälschen kann -
oder?
Der PJ ist nicht mehr er selbst. Aber er muß ja auch einen Schleimer erdulden ....
Manchmal kann ich das Offensichtliche ja ignorieren, doch der PJ
zeigt alle
Symptone einer sehr tiefen Enttäuschung. Und
natürlich beantwortet er Fragen nach
deren Ursache nicht.
Seine Arbeit leidet merklich darunter - gestern ertappte ich ihn
dabei, wie er den
Papierschacht in einem Faxgerät neu
auffüllte, nachdem ein Nutzer ihn angerufen
hatte. Die
Protokolldateien mit den Passwortänderungen zeigen, daß er
tatsächlich
Nutzern geholfen hat, die ihre Passwörter
vergessen hatten, indem er sie abänderte
zu Worten wie
´temporär´ und ´änderemich´, statt
die üblichen ´hirnloseridiot´
oder
´wiekannmannursodummsein´ zu verwenden.
Das
schlimmste Anzeichen ist, daß er wirklich eine komplette
Festplatte aus einer
Sicherheitskopie wiederherstellte, nachdem
ein Nutzer sie unbeabsichtigt gelöscht
hatte.
Bei einem
ernsthaften Gespräch stelle ich ihn und erfahre so die Wahrheit.
Es scheint so, als hätte seine Verwandtschaft in der
Firmenleitung ihm einen neu
eingestellten Internet-Berater
vorgezogen, der so aalglatt ist, daß der Einsatz von
Streusand
angebracht zu sein scheint. Natürlich habe ich die Zeichen
gesehen, doch
ich dachte, der PJ hätte mehr Mut, sich den
Herausforderungen zu stellen. Nun, es
gibt offenbar noch Aufgaben,
die den echten Profis vorbehalten bleiben.
Natürlich kämpft
der PJ mit einem Interessenkonflikt, denn wir wurden von
oben
aufgefordert, Mr. Schleimer bei der Durchsetzung seiner
´politisch korrekten
Richtlinien zur Internet-Nutzung´
zu unterstützen - ein kaum verschleierter Versuch
des Chefs,
all jene zu bestrafen, die ihre Arbeitszeit dazu nutzen, die
geheimsten
Porno-Seiten zu finden.
Ich versuche die Depression
des PJ durch etwas Ablenkung zu lindern ...
"Haben sie Lust
auf einen Besuch im Labor von Dr. Bastard?" frage ich und
enthülle
meine neueste Erfindung.
"Das ist eine
Maus." antwortet der PJ lustlos.
"Aber nicht irgendeine
Maus", antworte ich. "Es ist eine ferngesteuerte Maus,
sehen
sie?"
Ich spiele mit den Pfeiltasten meines
persönlichen Des-Organizers, der über
eine
Infrarot-Schnittstelle verfügt. Die Maus bewegt sich
entsprechend.
"Nett", kommentiert der PJ unbeeindruckt.
"Und wie wäre es damit?" frage ich und deute auf
ein soeben modifiziertes
Büro-Utensil.
"Ein
Aktenkoffer?"
"Ja, ja - aber mit einer zusätzlichen
Erweiterung", antworte ich. "Bringen sie ihn
her."
Er nimmt ihn, hat etwas mit dem unerwarteten Gewicht zu kämpfen
und kommt zu
meinem Tisch.
Ein Tastendruck auf meinem
Des-Organizer läßt das Schloß aufspringen und
ein
paar Ziegel herausfallen, die auf den Füßen des PJs
landen. Manchmal muß man
wirklich grausam sein, um
freundlich zu sein.
"Warum zum Teufel haben sie das
gemacht?" schreit der PJ.
"Ausbildung." antworte
ich. "Sie litten offensichtlich unter der irrtümlichen
Annahme,
daß das Leben fair sei. Das ist es nicht. Deshalb
handeln befähigte Menschen wie
sie und ich so, wie wir es
tun."
"Ich verstehe sie nicht."
Müde
erkläre ich es ihm. "Stellen sie sich vor, sie wären
ein Internet-Berater, der
einen ganzen Tag lang der harten und
ermüdenden Arbeit nachging, seinen Bürostuhl
zu wärmen.
Und nun betreten sie die U-Bahn mit der Aktentasche -
voller
Hausaufgaben, die sich nur darum drehen, wie sie die
Netzwerk-Zentrale verärgern
können. Und dann springt die
Aktentasche plötzlich auf und verstreut ihren Inhalt auf
die
Gleise."
"Also nimmt er heute die U-Bahn, um nach Hause
zu kommen?" erwidert der PJ.
"Keine Ahnung. Ich wollte
hier nur die Möglichkeiten beschreiben. Und wo ich
gerade bei
Möglichkeiten bin - ich sehe keine Möglichkeit, daß
wir uns vor der
Teilnahme an seinem Internet-Bericht am heutigen
Nachmittag drücken können."
Der PJ, beinahe
gerettet, verfällt wieder in Pseudo-Depressionen.
Also wird
es Zeit für einen Notfallplan, den ich mir eigentlich für
eine andere
Gelegenheit aufheben wollte.
Einen kurzen Besuch
im Land der Netzwerkprotokolle später wird der Feueralarm
durch
eine nicht lokalisierbare Rauchmeldung ausgelöst.
Am späten
Nachmittag erscheinen wir dann im Beratungszimmer der
Firmenleitung,
um den Internet-Empfehlungen des Schleimmonsters zu
lauschen. Die Anwesenheit
seines ehemaligen Verwandten hebt die
Stimmung des PJs kaum.
Der Schleimer beginnt seine Offensive,
indem er den ´besorgten mordernen Mann´
spielt, der
überall Gefahren wittert, während er gleichzeitig die
Bedeutung der
´unvoreingenommenen Netzwerk-Menschen´
herunterspielt, die ich in den vielen
Jahren als Eckpfeiler meines
Wirkens betrachtet habe. Innerhalb weniger Minuten
hat er die
Zuhörer soweit, daß sie ihm aus der Hand fressen, als er
seinen Plan für
ein isoliertes Netzwerk darlegt, während
sein Laptop ein Diagramm nach dem
anderen liefert, um seine
Intranet-Ideen zu untermauern.
Der Chef grinst zufrieden, da sich
die Dinge nach seinen Vorstellungen entwickeln.
"Ich denke,
sie wissen was zu tun ist." flüstere ich dem PJ zu.
Er
blickt ungerührt auf meinen Des-Organizer, den ich zu ihm
schiebe.
"Vielleicht findet sich etwas auf seiner
Festplatte?" ermutige ich ihn.
Tief in ihm drin erwachen
seine Lebensgeister, schöpfen neuen Mut und kämpfen
gegen
die Depressionen.
Eine halbe Stunde später schlucke ich mit
dem PJ ein Bier, der seiner
Verwandtschaft schon vergeben und die
Bevorzugung des anderen vergessen hat.
Der Schock und das
Entsetzen, das auf die Anzeige einiger Aufnahmen aus
der
Damentoilette folgte, hat die Glaubwürdigkeit unseres
Internet-Beraters nicht
gerade erhöht - und seinen
raketengleichen Abgang erfolgreich beschleunigt. Aber
es diente
einer guten Sache.
"Noch ein Bier?" will der PJ wissen.
"Nun, ich habe noch etwas vor. Ich muß dem Chef noch
die Gefahren aufzeigen, die
davon ausgehen, daß er seine
Schlüssel blind einer Aktentasche anvertraute, die ihm
anonym
zugespielt wurde."
Wie sagt man so schön, das eigene
Erleben ist der beste Lehrmeister ...
Die Nadelstreifen-Brigade hat nur Geld im Kopf und will nicht nachgeben ...
Es hat mich schon immer gestört, daß die Erbsenzähler
ihr eigenes Netzwerk
betreiben dürfen, auf das wir keinen
Zugriff haben.
Der Nadelstreifen-Brigade wurde es vor einiger
Zeit gestattet, auf unsere Dienste
verzichten zu dürfen. Und
so sehr wir uns in der Zwischenzeit auch bemühten, sie
auf
den rechten Weg zurückzubringen, es gab immer wieder einige
Rebellen, die
dafür sorgten, daß sie wenigstens die
Kontrolle über die wichtigsten Systeme in ihrer
Etage
behielten.
Dieses Verhalten kann ich gar nicht verstehen. Wir
haben uns monatelang mit aller
Kraft bemüht, für sie da
zu sein, haben in endlosen Stunden ihre Notebooks
dauergetestet
etc. Die Sache mit dem Amboß war wirklich ein unglücklicher
Zufall,
und wir haben noch immer nicht herausgefunden, wieso die
Transaktionen mit dem
örtlichen Wettbüro als einzelner
Posten in ihrem Jahresbericht auftauchen konnten.
Aber ich bin
sicher, daß dies nicht durch uns veranlaßt wurde.
Trotz
unserer gewaltigen Bemühungen beharren die Erbsenzähler
noch immer darauf,
daß sie ihre eigene Technik-Abteilung
brauchen. Schlimmer noch ist die Tatsache,
daß sie ihre
Technik-Abteilung als Waffe gegen uns gebrauchen wollen. Der
Mann,
den sie für die Betreuung des Netzwerkes angeheuert
haben, hat eine seltsame
Einstellung gegenüber seinen Nutzern
- er glaubt wirklich daran, daß seine heilige
Aufgabe darin
bestehe, ihnen zu helfen.
Gefährlich für uns ist auch
die Tatsache, daß die Buchprüfer nun den realen Wert
der
Technik kennen, die wir in den vergangenen Jahren angeschafft
haben. Es war einige
Rennerei nötig, um dafür zu sorgen,
daß der Geschäftsführer nicht erfährt, daß
die
elekto-magnetischen Multiplex-Kommunikationsgeräte, für
die wir eine Rechnung
über 1.200 Pfund präsentierten,
nichts anderes waren als schnurlose Telefone, die
ein Freund des
PJs zu Niedrigstpreisen in einem Elektroladen verschleuderte.
Es
ist offensichtlich, daß wir die Erbsenzähler wieder unter
unsere Kontrolle bringen
müssen. Wir vermissen nicht nur die
´Bonus´-Zahlungen unserer Zulieferer, es geht
auch das
Gerücht, daß andere Abteilungen sich ernsthafte Gedanken
über unseren
Service machen.
Zum Glück neigt unser
Chef zur Bösartigkeit, seitdem er an unserem Telefon saß,
so
daß wir von ihm Rückendeckung erhalten. Seitdem die
Erbsenzähler ihm die
Rückerstattung für seine
geschäftlichen Auslagen für den ´Was immer
sie
wollen´-Begleitservice verweigerten, steht er auf
unserer Seite.
Es hilft auch nichts, daß der
Netzwerkmanager der Erbsenzähler zu den irritierenden
Individuen
gehört, die immer mit einem selbstgefälligen Grinsen
herumlaufen. Er
sieht aus, wie einer der Alligatoren, die man
sieht, wenn man die Sumpfgebiete
besucht. Allerdings hat sein
Gesicht eine etwas andere Färbung ...
Er bewacht
eifersüchtig sein Territorium, was an sich schon eine
Herausforderung
darstellt.
"Ihr Netzwerk ist ja schon
wieder zusammengebrochen", sinniert er, als er an
uns
vorbeigeht.
Während eines Updates brach das Netzwerk
plötzlich zusammen - gerade als das
große Rennen
beginnen sollte. "Es ist bemerkenswert, daß die
Mitarbeiter immer
dann vom Arbeiten im Netz abgehalten werden,
wenn große Rennen oder
Fußballspiele stattfinden,
nicht wahr?" grinst er hintergründig.
"Ja, wir
haben eine Menge Schwierigkeiten mit Engpässen", höre
ich mich sagen,
bevor ich höflich die Tür vor ihm
zuknalle und einen weiteren Espresso schlürfe.
Ein paar Tage
später finde ich mich auf dem Weg zu meinem
Parkplatz
´zusammengebrochen´ vor dem Auto des
Lächlers. Er betätigt die Dauerhupe, doch
die Krankheit
meines Wagens scheint unheilbar zu sein - zumindest seitdem ich
die
Zündkerze entfernt habe.
"Ich habe keine Ahnung,
woran es liegt", schreie ich unter der Motorhaube hervor.
"Ich
werde ihnen Hilfe holen."
Ich weiß, daß der
Parkplatzwächter ganz bestimmt nicht aufspringen wird,
um
irgendjemandem zu helfen; einerseits liegt das daran, daß
er über 90 Jahre alt ist,
andererseits daran, daß ich
ihm ein paar Videobänder der Überwachungskameras
überlassen
habe, die den Personalchef und die stellvertretende Verkaufschefin
dabei
zeigen, wie sie einige neue hocheffektive Techniken
diskutieren, die sie ausprobieren
wollen - im Hotel am Ende der
Straße.
"Schnell", rufe ich den PJ. "Wir
haben nur ein paar Minuten."
Wir wissen, daß die
Sitzung der Geschäftsleitung in wenigen Augenblicken
beginnt.
Nach ein paar kleineren Veränderung am Server der
Erbsenzähler sind wir bereit für
die Show.
Als ich
in meinem Büro sitze, schalte ich das Audioüberwachungsgerät
ein - okay,
die Wanze.
Wir hören die einschmeichelnde
Stimme des Geschäftsführers. "Ich freue
mich
außerordentlich, ihnen heute unser neuestes Produkt
vorführen zu können. Mein
Dank geht an Anthony, unser
Computer-Genie aus der Finanz-Abteilung, der mir bei
der
Vorbereitung dieser Vorführung geholfen hat. Ich glaube, wir
haben eine
Liveschaltung zu den Forschungslabors."
Liveschaltung, ja - Forschungslabors, nein. Der 3:30 Uhr in
Newbury, definitiv.
Keuchen aus der versammelten Runde sorgt
dafür, daß der Lächler sofort in die
Runde gebeten
wird. Seine Proteste und Unschuldsbeteuerungen können
nicht
überzeugen, erst recht nicht, als die Sicherheitsleute,
die der Parkplatzwächter
begeistert (und in meinem Auftrag)
alarmiert hatte, die Quittungen für die Geschäfte
mit
dem Wettbüro in seinem Schreibtisch ´finden´.
Der
Geschäftsführer gibt wenig später die Auflösung
des Netzwerkes der
Erbsenzähler bekannt. "Ich denke, daß
es besser ist, wenn ich die
Netzwerk-Betreuung unter einem Dach
zusammenbringe - dann können die
Abteilungen zumindest
solchen Aktivitäten nicht mehr nachgehen."
Netzwerke -
es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. Und irgendwie scheinen
die
guten Chancen immer auf meiner Seite zu sein ...
Der Genuß der
örtlichen kulinarischen Delikatessen läßt den neuen
Kollegen
verschwinden ...
"Verdammt! Sie haben ihn vertrieben, stimmt´s?"
schreit der Chef, dessen Stimmung
Anzeichen heftiger Verärgerung
darüber zeigt, daß ihm schon wieder ein
potentieller
Kandidat für den Posten des ´Kontaktmanagers´,
der die Kommunikation zwischen
uns und unseren Kunden verbessern
soll, abhanden gekommen ist. Er ist der vierte
innerhalb einer
Woche - bei dieser ´Erfolgsrate´ werden wir unser
Verhältnis zu den
Kunden leider kaum verbessern können.
"Wie bitte?" reagiert der PJ mit dem unschuldigsten
Gesichtsausdruck, zu dem er in
der Lage ist.
"Er ist
nicht hier, oder?" will der Chef wissen.
"Au
contraire", antworte ich. "Ich habe ihn noch am Morgen
gesehen. Der PJ war
auch bei mir. Er sah allerdings etwas
kränklich aus - offenbar ist er mit einigen
zukünftigen
Arbeitskollegen durch die Kneipen gezogen."
"Sie haben
ihn dazu überredet?"
"Nun, wir haben ein paar
Biere getrunken. Natürlich nur zum besseren Kennenlernen
und
zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses." gebe
ich widerwillig zu.
"Und wo ist er jetzt?"
"Nun,
das ist wirklich lustig. Zuletzt sah ich ihn, als er zusammen mit dem
PJ und mir
im Lift fuhr. Wir haben diese leckeren neuen Zigarren
ausprobiert, die es am Stand
vor dem Eingang für ein Pfund
gibt. Er sah wirklich krank aus. Dann ist er plötzlich
aus
dem Lift gestürmt."
"Warum?"
"Keine
Ahnung. Ich glaube, der PJ hatte ihm gerade ein fettes
Specksandwich
angeboten."
"Ähm, nein",
unterbricht mich der PJ. "Ich glaube das war, nachdem sie ihm
diese
konservierte Alkoholikerleber gezeigt haben."
"Wirklich? Wenn sie das sagen, wird es wohl so gewesen
sein."
"Ich wußte, daß das passieren wird",
antwortet der Chef mit selbstgefälligem
Lächeln und
greift das Telefon, um mit der Rezeption zu reden. "Schicken sie
bitte
den nächsten Bewerber hoch."
Aha, der alte
Trick mit der doppelten Bewerberanzahl.
Natürlich wird der
neue Bewerber ("Nennt mich Dave.") eingestellt und
bekommt
seinen Schreibtisch. Der Chef gibt ihm die glänzende
Broschüre über die Firma, in
der völlig fiktive
Tätigkeiten beschrieben werden, die wir angeblich
durchführen.
Dann fragt er Dave nach seinen Erfahrungen ...
"Nun", antwortet der offenherzig. "Das könnte
ich ihnen sagen, doch danach müßte
ich sie leider
töten."
Meine Hände verkrampfen sich plötzlich
in den Armlehnen des Stuhls, als mir klar
wird, wie gefährlich
die Arbeit mit jemandem sein kann, der so fanatisch ist.
"Wann
können sie beginnen?" fragt der Chef, der bemüht ist,
den Posten schnell zu
besetzen, da ihm sonst eine Umstrukturierung
der IT-Abteilung droht.
"Sofort, wenn sie wollen. Ich bin
flexibel einsetzbar."
Die Armlehne des PJs knarrt gefährlich
- im Gleichklang mit meiner. Große
Menschen haben den
gleichen Gedanken.
Später an diesem Morgen wird unser neuer
´Repräsentant´ im Vermittlungsraum
versteckt, wo
er ´ein Gefühl für unsere Arbeit bekommen soll´.
Der PJ und ich
erhöhen die Fühlbarkeit noch, indem wir
die Temperatur um einige Grade senken und
all die lautstarken
Geräte einschalten, die wir für spezielle Gelegenheiten wie
diese
aufgehoben haben.
Zur Mittagszeit sind seine Lippen
bläulich und er wirkt irgendwie entrückt - ein
Zustand,
den man schwer beschreiben kann. Wir plazieren eine
leere
Wodka-Flasche im Abfalleimer der Vermittlung und melden
unseren ´Fund´ dem
Chef.
Der läßt sich
allerdings entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten ausnahmsweise
nicht
von uns hereinlegen.
Am nächsten Tag ist unser Kollege
wieder auf den Beinen und wird ziemlich unsanft
mit der Arbeit in
Netzwerken vertraut gemacht, als es in einem der Kabelschächte,
die
er entlangkriecht, zu einem ´plötzlichen
Potentialunterschied´ zwischen seinen
Füßen und
seinem Oberkörper kommt. Schockierend!
Ich werde bei der
Arbeit gestört, als der Chef wenig später vorbeikommt.
"Haben sie Dave gesehen?" fragt er.
"Nicht in
der letzten Zeit", antworte ich. "Warum?"
"Oh,
jemand ist über eine der Abdeckplatten der Kabelschächte
gestolpert, die
ungesichert herumlag."
"Ja",
bemerkt der PJ. "Er hat auch in der Vermittlung eine
Abdeckplatte nicht wieder
festgeschraubt. Das hätte einen
schlimmen Unfall geben können, doch jetzt ist die
Platte
wieder festgeschraubt."
Der Chef bemüht sich bei der
Schilderung unserer Sicherheitsvorkehrungen,
unschuldig zu
lächeln, während er unbemerkt ein Stück Papier auf
meinen
Schreibtisch schmuggeln will.
"Oh", rufe ich
und schnappe es mir. "Ein offizielles Rundschreiben, in dem
die
Haftung des Arbeitgebers für Unfälle am Arbeitsplatz
beschränkt wird - auf dem
Gebiet ... Oh! ... der Sicherung
von Abdeckplatten? Mit dem Datum von gestern? Ich
kann mich gar
nicht erinnern, daß das gestern gekommen ist. Und sie?"
"Nein", antwortet der PJ. "Bis zum heutigen Morgen
gehörte das noch nicht zur
offiziellen Arbeitsschutzordnung."
Der Chef setzt sein ´Wir sitzen alle im gleichen
Boot´-Gesicht auf und appeliert an
das Gute in uns, um seine
negative Erwähnung im nächsten
internen
Arbeitsschutzbericht zu verhindern.
"Das macht
20 Pfund für jeden." antworte ich, um die Sache abzukürzen.
Das
Geschäft wird gemacht, und der Chef verschwindet mit der
Sicherheit, daß er für den
Unfall nicht zur
Verantwortung gezogen wird.
"Übrigens", meldet
sich der PJ. "Haben sie bemerkt, daß in diesem
Rundschreiben
nirgends gefordert wird, daß man vor dem
Festschrauben der Abdeckplatten
nachschaut, ob sich noch jemand in
dem Kabelschacht aufhält?"
"Das haben sie nicht
getan!" rufe ich.
"Nun, haben sie tatsächlich
angenommen, daß die Klopfgeräusche durch die
Klimaanlage
verursacht wurden?"
"Aber das ist ja furchtbar. Ich
kann nicht glauben, daß sie das getan haben!"
Nun, bei
der Arbeit in Netzwerken kann man nie zu vorsichtig sein.
Der B.O.F.H. und die Paintball-Schlacht ...
Ich liebe den Geruch brennender Geräte am Morgen - das ist
der Duft des Sieges.
Ich überspringe den Sieg vorläufig
und konzentriere mich auf die Stimmen, die das
Mikrofon im
Taschenrechner auf dem Schreibtisch des Chefs aufnimmt. (Erste
Regel
für die Anwendung von Wanzen: Plaziere sie in einem
Gerät, das gut sichtbar ist,
aber niemals wirklich benutzt
wird.)
"Ich denke, das ist eine FANTASTISCHE Idee!!"
höre ich den Geschäftsführer
aufgeregt sagen.
"Das
ist BRILLANT!" versucht der Chef den Geschäftsführer
noch zu übertreffen.
"Eine Paintball-Schlacht! Das ist
genial!"
Ich schalte den Lautsprecher aus. Endlich kann ich
die Früchte monatelanger Arbeit,
vieler ausgestreuter
Hinweise und Andeutungen, unzähliger umgeleiteter Webseiten
und
zahlloser Spam-Mails ernten. Der Fehdehandschuh wurde aufgenommen ...
... Seufz ...
"EINE PAINTBALL-SCHLACHT!" ruft der
PJ besorgt. "Dieser Herausforderung
werden sie sich nie
stellen!"
"Aber natürlich werden sie",
antworte ich. "Wir gegen die Erbsenzähler! Gewehre,
die
Farbbeutel verschießen. Es sieht so aus, als hätte der
Geschäftsführer, immerhin
indirekt *IHR* Fleisch und
Blut, beschlossen, daß es vernünftig und richtig ist,
den
offenen Krieg zwischen den Abteilungen auf dem Feld der Ehre
mit einer
Paintball-Schlacht zu beenden - niemand kann sich hinter
der Technik verstecken
oder mit Siegeln für genehmigte
Anschaffungen herausreden!"
"Sie klingen, als freuten
sie sich auch noch darauf!" jammert er und ist noch immer
nicht
von dieser Chance überzeugt.
"Gehen wir einfach davon
aus, daß es nun nicht mehr abwendbar ist. ´Freuen´
ist
allerdings etwas übertrieben. Aber ich muß zugeben,
daß es mich reizt, unserem
Gegner auf dem Feld der Ehre fair
und ehrlich zu begegnen. Ohne Mißgunst und Neid
(Sie haben
meinen Benzinzuschuß zum Beispiel nur deshalb gesperrt, weil
ich mein
Auto verkauft habe und vorher drei Monate lang nicht mehr
mit ihm auf Dienstreise
war.) in einer
´Alles-ist-erlaubt´-Schlacht."
"Aber sie
werden uns einseifen!" plärrt er. "Sie haben
Wochenendkrieger auf ihrer
Seite!" jammert er mit letzter
Kraft.
"Und wir haben unsere Lieferanten! Ich bin sicher,
daß ich ein oder zwei Leute finden
werde, die mit einem
Gewehr umgehen können! Wie auch immer, es ist alles von
oben
angeordnet. Jetzt bleibt uns nur noch, das Beste aus der Situation zu
machen.
Nehmen wir die bittere Medizin wie echte Männer und
berechnen wir den doppelten
Stundensatz für die
Wochenendarbeit ..."
Der PJ ist nicht überzeugt ...
"Oh, habe ich schon erwähnt, daß im Interesse des
Zusammengehörigkeitsgefühls
der Chef - sie wissen schon,
der, der ihre Handynummer an die Nutzerbetreuung
weitergegeben hat
- bald herausfinden wird, daß er zum Team gehört?"
"Wirklich?" erwidert der PJ mit glänzenden Augen.
Seine Zweifel sind
Vergangenheit ...
Eine Woche später
ist es soweit. An diesem schicksalhaften Tag verlassen wir den
Bus,
wobei uns unsere Gegner höhnisch lächelnd beobachten - sie
haben sich in den
vergangenen Tagen intensiv auf diesen Tag
vorbereitet und ausgiebig trainiert ...
Meine eigenen Kenntnisse
sind nicht so gut, habe ich doch nur ein paar Meldungen in
den
Newsgroups zum Thema lesen können. Seufz ...
Der
Paintball-Veranstalter verteilt die Munition und die Waffen an die
Truppen, so
daß das Spiel beginnen kann. Unser neulich
bestelltes Buchverfolgungssystem für
die Firmenbibliothek
wird in diesem ´Feldversuch´ natürlich auch
eingesetzt - die
eigentlich für die Bücher bestimmten
Sender sind in die Kampfanzüge unserer
Gegner eingenäht.
Offenbar eine lohnende Investition ...
Ein Hinterteil präsentiert
sich mir in meinem Versteck, so daß ich problemlos mitten
ins
Schwarze treffen kann. Selbstverständlich benutze ich meine
Reservewaffe, die
mit etwas mehr Druck feuert und als Munition
gefrorene Farbbeutelchen
verschießt ...
Der
resultierende Schmerzschrei läßt mich aus zwei Gründen
lächeln: (a) Er
beweist, daß Einträge in
Newsgroups wahr sind und (b) läßt unsere restlichen
Gegner
sich noch tiefer ducken ...
Eine halbe Stunde später haben
wir die Erbsenzähler in ihrer behelfsmäßigen
Festung
umzingelt.
"Wir ergeben uns!" rufen sie und kommen mit
erhobenen Händen und Waffen heraus.
"In einem echten Krieg müßten wir jetzt Gefangene
machen", erkläre ich dem PJ.
"Doch die Genfer
Konvention bezieht sich ja nicht auf Paintball-Schlachten,
was
irgendwie traurig ist ..."
Das folgende Massaker muß
unnötigerweise schnell über die Bühne gehen.
"Schnell!" ruft der PJ. "Sie flüchten in den
Bus!!!"
"Sie meinen den Bus, der zur Zeit vor einem
ruhigen Landgasthaus in 4 Meilen
Entfernung parkt, oder?"
In
Ermangelung unseres Gegners sah sich der Chef plötzlich von
Mitgliedern seines
Teams umgeben, das ausschließlich aus
Leuten bestand, die er in den vergangenen
Wochen verärgert
hatte. Möglicherweise erklärt das seinen
gehetzten
Gesichtsausdruck ...
Der Geschäftsführer
taucht später auf, um zu sehen, wie sich die Dinge
entwickeln,
ob die Unstimmigkeiten zwischen uns und den
Erbsenzählern schon ausgeräumt
wurden.
"Freundliches
Feuer", erkläre ich gegen das Protestgeschrei des Chefs
dem
Geschäftsführer. "Ein dokumentiertes Phänomen
in Kriegszeiten. Und ein
bedauerlicher Zufall."
...
Am
nächsten Montag sind wir zurück am Arbeitsplatz, und die
Vorhersage des
Geschäftsführers hat sich bewahrheitet -
die Streitereien zwischen den Abteilungen
haben einen neuen
Tiefstwert erreicht.
Das ist natürlich nicht verwunderlich,
denn da die meisten Erbsenzähler noch unter
den Folgen eines
traumatischen Schocks leiden - die Nachwirkung des Hinterhaltes
in
der Nähe des ´ruhigen Landgasthauses´ -, ist auch
niemand zum Streiten da.
Nicht nur die Erbsenzähler leiden.
Wir stecken bis zum Hals in
Anforderungsformularen für neue
Technik, die wir dem Chef zur Unterschrift
vorlegen. Er hat etwas
von einem Rückspiel in ein paar Wochen gehört und will
es
sich anscheinend nicht mit uns verderben ...
Ich glaube,
ich sollte den 29 Zoll-Stereo-Monitor für die Telearbeit in
meiner
Wohnung jetzt bestellen ...
Der PJ erzielt hervorragende
Resultate beim wichtigen ´Wie wird man ein richtiger
Bastard
Operator´-Test ...
"Ich glaube, sie wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben!"
Der PJ denkt kurz nach. "Hmm ... Carter, Rechnungsprüfer.
Zimmer 402,
Durchwahl 6473, Geburtstag: 22. Juni 1963.
Verheiratet, ein Kind - nicht das eigene.
Apfelsafttrinker. Ein
roter Volvo mit einem kaputten Rücklicht. Hobby: Sammeln
von
Bierdeckeln. Das Passwort ist ... ähmmmm."
"Etwas
mit Fisch", helfe ich ihm.
"Treibnetz." ruft der
PJ.
"Ausgezeichnet." antworte ich und wende mich
unserem Besucher zu. "Und jetzt
noch eine Sportfrage, bitte."
"Aber ... ich ..."
"Nein. Sport."
erwidere ich nachdrücklich.
Während der Nutzer wieder
abzieht, fülle ich den Praxisteil auf
dem
Abschlußprüfungsvordruck des PJs aus.
"Mal
sehen. Ja, sie haben die nötige Punktzahl für das Stiften
von Verwirrung und
Demoralisierung erreicht. Sie haben ein paar
Extrapunkte durch das Streuen von
Zweifeln erzielt, indem sie den
´Nicht ihr Fehler´-Kommentar benutzten. Kommen
wir nun
zur Theorie. Die Festplatte ihres Rechners fällt nach Ablauf der
Garantiezeit
aus. Was werden sie unternehmen?"
"Ich
tausche sie mit der Platte des Chefs, so daß er sofort eine
neue anfordert. Wenn
die neue Festplatte bei uns ankommt,
formatiere ich seine alte Festplatte und baue
sie wieder in seinen
Rechner ein."
"Jaaaaa. Aber denken sie daran, daß
sie auch für vorausschauendes Handeln Punkte
bekommen ..."
"Ja, natürlich!" antwortet der PJ schuldbewußt.
"Dann baue ich die defekte Platte in
den Rechner eines
Beraters ein, so daß ich immer eine Festplatte in Reserve
habe."
"Exzellent. Jetzt helfen sie in ihrer Freizeit
einem Nutzer, als ..."
Der PJ lacht laut los.
"Korrekt.
Nächste Frage: Der Chef hat ein Gerät gekauft, das so alt
ist, daß sogar
die Ingenieure verstehen, wie es
funktioniert. Wie werden sie es wieder los?"
"Ich lasse
es ein paar Treppen hinunterfallen?"
"Zu
offensichtlich."
"Ich sorge dafür, daß das
Gerät für eine Weile mit 115 Volt betrieben werden kann?"
"Er kann das Netzteil austauschen."
"Hmm ...
Ich weiß schon, ich richte einen Hitzestrahler auf die
Kühlschlitze."
"Korrekt. Beenden sie diesen Satz:
Macht korrumpiert, absolute Macht ..."
"... ist noch
mehr Spaß!"
"Ausgezeichnet. Ihr Chef und ein
Kunde haben sie zwei Stunden lang mit ihrem
Geschwätz über
die Zukunft der Rechentechnik genervt. Jetzt gehen die beiden tief
in
ein Gespräch vertieft die Treppen zum Gehsteig hinunter. Wer
wird zuerst auf dem
Boden der Realität aufschlagen?"
"Wen interessiert das schon?"
"Richtig. Wenn
sie sich das Verhalten des Chefs anschauen, was glauben sie ist
seine
Ansicht darüber, wie unser Netzwerk betrieben wird?"
"VZ-Management."
"Seien sie etwas genauer."
"Verf***te Zauberei."
"Genau."
"Wie
lange braucht ein Ingenieur für den Reifenwechsel?"
"Das
hängt davon ab, wieviele Ersatzreifen er mitgebracht hat."
"Richtig. Wo wir gerade beim Thema sind: Ein Ingenieur sagt:
´Das ist ja
interessant´. Was ist passiert?"
"Hm, entweder hat er ihren Computer zerstört, hat
seinen Schraubenzieher irgendwo
in dessen Gehäuse vergessen,
hat ihn zusammengesetzt, wobei er ein paar
herumliegende Teile
vergessen hat, oder es kommt eine Fehlermeldung, die er nie
zuvor
gesehen hat."
"Wirklich?"
"Oh, er sagt
das nur, um Zeit totzuschlagen, da es ihm nicht erlaubt ist,
in
Anwesenheit von Kunden zu fluchen."
"So ist es.
Einer unserer Nutzer bringt seinen Heim-PC mit, damit sie ihn
reparieren.
Sie ..."
"Ich sorge mit Lötzinn
dafür, daß die Sicherungen kurzgeschlossen werden,
stelle
das Netzteil auf volle Spannung, tausche alle
funktionierenden Speicherchips durch
Schrott aus und installiere
ein paar Viren auf seiner Festplatte."
"Und?"
"Ups - und berechne ihm einen ´Freundschaftspreis´
von 20 Pfund pro Stunde."
"Ja. Komplettieren sie diesen
Satz: Die Sanftmütigen werden bekommen ..."
"...
was sie verdammt nochmal verdienen. Und sie sollen dankbar dafür
sein."
"Korrekt. Sie haben zehn von möglichen zehn
Punkten beim ersten Versuch erreicht.
Als letzte Aufgabe müssen
sie 50 Nutzeranfragen verursachen und sie innerhalb von
zwei
Minuten behandeln. Ihre Zeit läuft - jetzt!"
Eine
Stunde später betrachten wir die rauchenden Überreste des
Regals mit der
Servertechnik der Erbsenzähler.
"Ein
abnormaler plötzlicher Kabelbrand?" fragt der PJ den
Sachverständigen der
Feuerwehr.
"Es sieht ganz
danach aus", erwidert der sehr zum Mißfallen des
Cheferbsenzählers,
der nicht so dumm ist, wie er aussieht.
"Es sieht so aus, als hätte jemand eine 5
Ampere-Sicherung
in einer tragbaren Lampe durch einen einfachen Nagel ersetzt,
was
zu einem kleinen Feuer führte, als die Isolierung von deren
Kabel dadurch
beschädigt wurde, daß sie in der Tür
eingeklemmt wurde. Ein Unfall, zu dem es
irgendwann kommen mußte."
"Ja, und es ist insbesondere tragisch, daß die
Rechnungsabteilung alle Daten über
die Anschaffungen der
IT-Abteilung ausschließlich auf diesem Server
gespeichert
hatte, obwohl wir sie wegen des Brandrisikos gewarnt
haben." füge ich hinzu.
"Sehr, sehr tragisch."
stimmt der PJ zu.
Ich gratuliere dem PJ zu seinem neuen Rang als
´Meister-Bastard´ als wir später in
einem Pub in
Soho sitzen, indem ich ihm ein Bier spendiere.
"Und das war
schon alles?" kommentiert er.
"DAS?" rufe ich.
"Das ist erst der Anfang. Morgen beginnen wird dann mit
der
weiteren Ausbildung." Auch jetzt hat der arme Junge noch
viel zu lernen. Zum
Beispiel, wie leicht es ist, Abführmittel
in ein Bier zu schmuggeln ...
Der B.O.F.H. soll ein
begeisterter fröhlicher IT-Mensch sein. Und er kann es
kaum
erwarten, damit zu beginnen ...
Es ist früher Nachmittag und wir befinden uns mitten in den
jährlich stattfindenden
´14 Tagen zur Imageverbesserung
der IT-Abteilung´. Die Dinge entwickeln sich
einfach
prächtig.
Der Chef scheint mächtig aufgeregt über
meine freizügige Interpretation des
Werbespruchs ´Wir
geben den Kunden, was sie brauchen´ zu sein. Offenbar
liegen
meine Anleitungen für den Service, wie wir den Kunden
´einen verdammt guten Tritt´
geben können, etwas
außerhalb des beabsichtigten Themenspektrums ...
Noch
schlimmer gelaunt war er, als der berührungsempfindliche
Folietaster am
Drucker nicht funktionierte, mit dem er den
Ausdruck von tausend Kopien der
besagten Anleitung anhalten
wollte. Der Rand des rasendschnell transportierten
Papiers
verpaßte ihm einen langen und tiefen Schnitt in der Hand, den
er so schnell
wohl nicht vergessen wird. Und der PJ und ich wissen
leider auch nicht, wieso in der
Flasche mit Desinfektionsmittel
aus dem Erste Hilfe-Kasten plötzlich sehr, sehr
salziges
Wasser war.
Doch die Verwirrung des Chefs begann schon etwas
früher, als er ein PR-Foto eines
Mitglieds der
Rugby-Mannschaft unserer Firma sah (die durch die
IT-Abteilung
unterstützt und ausgestattet wird), auf dem das
Shirt des Spielers nicht in der Hose
steckte. Die Shirts wurden in
teurer Handarbeit, deren Preis einen Erbsenzähler zum
Heulen
bringen würde, mit dem Logo der IT-Abteilung versehen
(gekreuzte
Tastaturen vor einem brennenden PC). Der Spruch ´IT
- Wir geben ihnen mehr´ steht
in großen Buchstaben auf
der Rückseite. Und wenn das Shirt nicht in der Hose
steckt,
sieht man auch noch die Worte: ´mit der Latte´. Der Chef
war nicht
beeindruckt.
Der PJ und ich machen keine Versuche,
seiner Wut zu entkommen, denn wir wissen,
daß er das Büro
des IT-Chefs durchqueren muß, wenn er uns fassen will. Er ist
nicht
gerade wild darauf, seitdem ein Bastard einen neuen
Klingelton für das Handy des
IT-Chefs eingestellt hat - einen
Klang, der an die Geräusche erinnert, die eine
Linsensuppe
nach ihrer Reise durch die Verdauungsorgane verursacht.
Entsprechend
kurz war das Treffen der Manager der IT-Abteilung, an dem er
an
diesem Morgen teilnahm. Und als Live-Übertragung zu
PR-Zwecken eignete es sich
noch weniger. Sogar das Personal der
Cafeteria weigerte sich danach, ihm eine
Zwiebelsuppe zum Mittag
zu servieren.
Nein, ich habe kein Mitleid mit dem Chef. Diese
ganze Veranstaltung war schließlich
seine Idee. Und, was
noch schlimmer ist, er erinnerte den IT-Chef auch in diesem
Jahr
daran, daß es wieder Zeit dafür sei.
Wirklich niemand
mag diese PR-Wochen, denn die Chefs verlangen, daß man
alle
langweiligen Fragen, wie: ´Kann ich den Lebenslauf
tausendmal ausdrucken? Kann
ich mich mit den Netzwerk-Betreuern
ein oder zwei Stunden unterhalten? Wissen
sie, wer mein Auto in
Brand gesteckt hat?´, mit ´Ja´, ´Ja´
und ´Nein´ beantwortet,
statt, wie es angebracht wäre,
zu sagen: ´Nicht, wenn sie ihren nächsten
Geburtstag
erleben wollen. Nicht wenn sie noch irgendeinen
Geburtstag erleben wollen.´ und
´Wir. Wir dachten, sie
haben heute Geburtstag.´
Was den Chef aber wirklich in die
Schußlinie brachte, war seine Anordnung, daß jede
Anfrage
innerhalb einer ´Antwortzeit´ zu bearbeiten sei, die er
in unseren
Arbeitsverträgen versteckt hatte. Nun sollen wir
innerhalb einer vernünftigen Zeit
Fragen beantworten.
In
der PR-Woche bedeutet ´vernünftig´ zehn Minuten. Es
mag ja sein, daß der Chef
eine ordentliche Runde MDK in zehn
Minuten spielt, doch ein Netzwerk-Profi
schafft das nicht!
Und
natürlich habe ich MDK gerade gestartet, als das Telefon läutet.
"Hallo?"
"Ja?" antworte ich und erwarte
das Schlimmste.
"Ich habe ein Problem mit meinem Netzwerk."
Ich habe es geahnt ...
"Hmmm?" Warum sollte man
Worte an diese Trottel verschwenden? Sie sind viel
glücklicher,
wenn sie Grunzen und ein beruhigendes Gluckern hören.
"Es
ist schwierig, das am Telefon zu erklären - könnte jemand
hochkommen?"
Seufz.
Ich winke dem PJ und bin verblüfft,
als ich verliere. Dann wird mir klar, daß er meine
50
Penny-Münze mit den Wappen auf beiden Seiten durch eine mit
Zahlen auf Ober-
und Unterseite ersetzt hat.
Es macht mich
stolz, daß er sich so gut entwickelt.
Doch natürlich
werde ich ihm trotzdem nicht sagen, daß ich das Schutzgitter
vom
Lüfters seines Rechners entfernt habe, so daß die
messerscharfen Klingen des
Ventilators ungeschützt im Kreise
herumsummen, aber man wird sehen ...
Ich trotte in das Büro
des Nutzers. Das übliche Problem erwartet mich. Sie haben
den
PC umgestellt und dabei den Netzwerkanschluß vergessen ...
"Aber das ist doch sonst nie passiert."
"Nein,
aber seitdem wir nicht mehr Thin Wire zur Verkabelung nutzen,
passiert es."
"Das klingt aber nicht nach einer guten
Entscheidung."
Ich schaffe es, mich nach einer Stunde
wegzustehlen (nach der Geschichte über die
gute alte Zeit der
Fünfziger, in denen die Technologie noch
hervorragend
funktionierte).
Der PJ grinst tückisch, als
ich im Büro ankomme.
"Er hat zurückgerufen - der
Stecker ist abgefallen, und er hat Angst, ihn selbst
wieder
einzustecken."
"Ein separater Anfruf", rufe ich.
"Damit ist das ihre Sache!"
"Werfen wir doch eine
Münze." sagt er. Offenbar versteht er nicht, wann
meine
Schmerzgrenze erreicht ist.
"Gut, diesmal nehme ich
Zahl."
"Bastard!" Einsichtig gibt er natürlich
trotzdem nichts zu.
"Oh, vergessen sie nicht zu erwähnen,
wie zuverlässig die Technik heutzutage
verglichen mit der in
den Fünfzigern ist ..."
Der PJ murmelt etwas, bevor er
sich stöhnend erhebt.
"Haben sie meine Zugangskarte
gesehen?"
"Ja", antworte ich. "Ich brauchte
sie, um in den Vermittlungsraum zu kommen. Ich
glaube, sie ist
hinter ihren PC gefallen, als ich sie ablegen wollte. Auf der Seite
mit
dem Kühlventilator ..."
Ein wenig Sabotage ist nötig, um die System-Abteilung und den Chef zu schlagen ....
Wir befinden uns in der zweiten Woche der PR-Veranstaltung, und es
ist endlich
etwas ruhiger geworden. Die Leute rufen uns kaum mehr
wegen der ´garantierten
Antwort´ an. Vermutlich hängt
das irgendwie damit zusammen, welche Antwort sie
garantiert
bekommen.
Die Fanatiker der System-Abteilung liegen mit ihrer
Hardware in der
Popularitäts-Hitparade weit vor uns, der
Netzwerk-Abteilung, nachdem sie die
Nutzer dadurch bestochen
haben, daß sie ihnen ein Terrybyte an
Festplattenplatz
offerierten und ein elektronisches ´Helft
euch selber´ an uns schickten. Wenn wir
jetzt jeden Rechner
mit 100 Megabit Ethernet-Karten an das Netz anschließen
würden,
wären unsere Chancen, sie zu überholen, relativ gering.
Die
System-Abteilung muß geschlagen werden.
Das
Terrabyte Fesplattenplatz kommt als erstes dran - etwa 20
sorgfältige
´Behandlungen´ mit dem Gefrierspray
und dann mit dem Hitzestrahler entlang der
Festplattenelektronik
dürften für einen märchenhaften ´Zufallsfaktor´
bei der
Datensicherheit sorgen.
In der Zwischenzeit versucht
unser Chef, sich beliebt zu machen, indem er eine
kräftige
Speichererweiterung des Applikationsservers ankündigt, um
wirkliche
Verfügbarkeit zu erreichen. Dabei ignoriert er
freilich die Ergebnisse der Prüfung
durch die Software zur
Schwachstellenanalyse, die eindeutig die
mangelhafte
Arbeitsgeschwindigkeit vor den Monitoren als Ursache
ausgemacht hatte. Nun,
manchen kann man nicht helfen.
Natürlich
versucht ein paar Stunden später ein Ingenieur, in unseren
Serverraum
einzudringen.
"Was zum Henker tut er da?"
frage ich.
"Was meinen sie?" Der PJ ist momentan etwas
durcheinander.
"Sollte er nicht irgendwo im Lift
feststecken?"
"Ja, natürlich! Das war mir völlig
entfallen. Ah, sie wollen sicher in die 5. Etage." Er
deutet
auf einen Lift, den nur das Personal und sehr dumme Leute benutzen.
Zehn Minuten später ist der Ingenieur zurück.
"Dort
steht kein verdammter Server!" stößt er hervor,
offenbar ein wenig über die
kleine Verzögerung erregt,
die die Liftprobleme hervorgerufen haben.
"Server?"
reagiert der PJ. "Ich dachte, sie wollten die Stahlträger
in der 5. Etage
reparieren."
Der Ingenieur schaut ihn
unfreundlich an, dann fragt er nach dem Prozessor, der mit
neuen
Speicherchips ausgerüstet werden soll.
Der PJ zieht seine
Nutzerkarte durch den Schlitz des Kartenlesers am Eingang
der
Serverraums. Der Kartenleser antwortet mit dem fürchterlichen
´Zutritt
verweigert´-Piepen. Ich versuche es mit
meiner Karte, doch habe ich auch keinen
Erfolg.
"Die
Sicherheitsleute haben anscheinend wieder Probleme. Wir warten
besser, bis
sie wieder am Netz sind. Kaffee?"
"Klingt
wie ein verdammtes Anfängersystem." kommentiert der
Ingenier und folgt
dem PJ nach draußen.
Kaum sind sie
draußen hole ich das Skalpel hervor und entferne das
Paketklebeband
im Kartenleser wieder.
Fünf Minuten später
versuche ich es mit meiner echten Zugangskarte, und wir
betreten
den Serverraum.
"So, dieses Baby bekommt also 2 Gigabyte",
sagt der Ingenieur und greift nach dem
Ausschalter des
Applikationsservers.
"NEIN!" rufe ich von panischem
Schrecken gepackt. "Dieser Server soll nicht
aufgerüstet
werden. Es geht doch um diesen." Dabei deute ich auf ein System,
das
so alt ist, daß neben ihm ein 286er hochmodern wirkt.
"Sie machen Witze."
"Nein. Wieso?"
"Zwei
Gigabyte für diesen Server würden die Hälfte dieses
Raumes in Anspruch
nehmen, sofern der Speicher überhaupt
adressiert werden könnte, was aber nicht
möglich ist."
"Aber warum haben ihre Leute das System dann an uns
verkauft?" mischt sich der PJ
ein.
"Das haben wir
ganz bestimmt nicht gemacht. Ich bin hier, um diesen
Rechner
aufzurüsten." Der Ingenieur wird langsam
ärgerlich - was die kleinen Äderchen auf
seiner Stirn
beweisen.
"Aber dieser Server braucht keinen zusätzlichen
Speicher."
"Sehen sie, es gibt hier offensichtlich
einige Unklarheiten", sagt der Ingenieur. "Ich
muß
mit ihrem System-Chef reden."
"Der ist leider krank."
Ich glaube nicht, daß ich ihm etwas über
die
Hautentzündungen des armen Mannes berichten werde, die
selbstverständlich in
keinem Zusammenhang mit der vor einer
Woche erfolgten irrtümlichen Lieferung von
Lampen, die sonst
in Bräunungsstudios eingesetzt werden, steht. Wir haben
damals
Wind von der geplanten Kriegserklärung mit dem
Terrybyte Speicherplatz gehört.
Der PJ hatte zufällig
die Telefonanschlüsse überwacht. Natürlich nur mit der
Absicht
der Serviceverbesserung.
Eigentlich ist es unnötig
zu sagen, daß einige der etwas klügeren
Mitarbeiter
Sonnenbrillen und Pullover trugen - selbst als die
Zetralheizung plötzlich begann,
mitten im Sommer kräftig
zu heizen.
"In Ordnung", gibt der Ingenieur angesichts
unseres Widerstandes auf. "Mein Chef
wird Kontakt mit ihnen
aufnehmen."
Zehn Minuten später ist er gegangen, wobei
er uns mit ein paar uralten
MFM-Festplatten verläßt,
die mit Paketklebeband in seinen
Speichererweiterungs-Modulen
fixiert wurden.
"Ich denke, daß die Kamakuza
Speicherbausteine AG den Chef mit einem Anruf und
einem Angebot
beglücken sollte, dem er nicht widerstehen kann." erkläre
ich dem PJ
und wiege die neuen Speicherbausteine in der Hand. "Wo
ich gerade von
Arbeitsspeicher spreche - könnten die beiden
Zentralrouter nicht auch bessere
Prozessoren brauchen?"
Am
Ende der Woche hat das Image unserer Abteilung neue Spitzenwerte
erreicht.
Dank des Gewinns, den wir aus dem Verkauf ungenutzter
Speicherchips erzielen
konnten, haben die für die Bewertung
der Beliebtheit wichtigsten Leute nun
100 Megabit Ethernet-Karten.
Unterdessen treffen sich der "Geschäftsführer"
der
Kamakuza Speicherbausteine AG und der "Geschäftsführer"
der Kamakuza
Router-Erweiterungen AG im Pub.
"Wer hat
diese Runde gewonnen?" fragt der PJ. "Sie, oder?"
"Ja, ich glaube schon." seufze ich, als ich an die
Theke gehe. Das
Geschäftsführerdasein besteht leider
nicht nur aus Spaß und Freude. Der Bankrott
lauert an jeder
Theke, wenn man dieses Geschäft richtig betreibt ...
Der B.O.F.H. will eine Verkaufsausstellung besuchen ...
"Da ist er wieder! Dieser Duft!" rufe ich den PJ und
genieße voller Freude diesen
vertrauten Wohlgeruch in der
Luft ...
"Was, Bohnensuppe?" will der PJ wissen, dessen
Sinne durch den jahrelangen Genuß
von leichter Musik und
Bildungsfilmen geschädigt sind.
"Nein! *DIESEN* Duft."
"Angst?"
"Nein!"
"Brennende
Technik?"
"NEIN! Können sie es denn nicht in ihren
Knochen spüren?"
"Rheumatismus?" antwortet er
sarkastisch.
"Nein", antworte ich. "Aber es liegt
ein Knochenbruch in der Luft, wenn sie ihre
Sinne nicht schärfen
...."
"Nun, ich fühle absolut ni ... oh, ja!"
ruft er, als die Erleuchtung ihn trifft.
"VERKAUFSAUSSTELLUNG!"
kommt es simultan über unsere Lippen.
"Jetzt brauchen
wir nur noch eine zufriedenstellende Begründung für den
Chef, der
aus irgendwelchen Gründen etwas gegen
Verkaufsausstellungen hat."
"Könnte es an ihrem
letzten Ausstellungsbesuch liegen?" fragt der PJ.
"Wann
soll das gewesen sein?" will ich wissen. "Ich kann mich
nicht an
ungewöhnliche Vorfälle erinnern."
"Sie
meinen, damals, als sie vor der Ausstellung ein paar Wochen in einer
Hautklinik
zubrachten, um dann auf der Ausstellung als Scheich El
Al Hand Kebab
aufzutauchen, der angeblich jedes Haus in seinem
Emirat vernetzen wollte - ohne
Rücksicht auf die Kosten!"
"Ich kann mich nicht erinn ..."
"Als sie zwei
Lieferanten in den Konkurs tranken, für drei Tage mit dem Auto
des
Chefs, seiner Sekretärin, seiner Visa-Karte und den
Nacktaufnahmen aus dem
Urlaub verschwanden - und nur sie tauchten
jemals wieder auf - angeblich hatten
sie einen Ski-Unfall auf der
M25."
"Jetzt, da sie es erwähnen, erinnere ich
mich an den Ski-Unfall. Ja, so war es. Und
da der Unfall während
der Arbeitszeit passierte, war die Firma verantwortlich für
meine
Behandlung ..."
"In der Betty Ford-Klinik?"
"Nur
das Beste ist gut genug für die Angestellten, habe ich mir
gedacht. Wie auch
immer, es gab keinen Beweis dafür, daß
ich etwas mit dem Auto, der Visa-Karte,
der Sekretärin oder
den Urlaubsbildern zu tun hatte."
"Die Bilder, die in
einem Umschlag mit der Aufschrift ´Anleitung zum
Formatieren
von MFM-Festplatten´ in ihrem Schrank im zweiten
Fach von oben stecken?"
Hmm. Ich glaube, irgendwie hat der
PJ mich mit seiner Ausdauer bei der
Wahrheitsfindung, möge er
auch noch so tief im Schmutz wühlen müssen,
überflügelt.
Dabei habe ich ihm alles beigebracht, was er weiß ...
"Nun,
das ist doch längst vom Fluß der Zeit weggespült
worden", sage ich, um das
Gesprächsthema zu wechseln.
"Zusammen mit dem Auto des Chefs, wenn man den Gerüchten
glauben darf",
unterbricht der PJ mich. "Immerhin haben
sie sich nicht komplett wie Ted Kennedy
benommen, denn sie
bekommen noch immer Postkarten aus Spanien ..."
Die Dinge
entwickeln sich nicht so, wie ich das geplant hatte. Der PJ scheint
bei
dieser Unterhaltung die Oberhand zu behalten - worauf ich
nicht vorbereitet bin. Und
wohl fühle ich mich dabei schon
gar nicht.
"GENUG!" rufe ich. "Ich gebe zu, daß
es ein paar Irrtümer gegeben hat, nicht nur
was die
Verkleidung in der Woche danach betrifft, vielleicht haben sie auch
mehr
erfahren, als sie wissen müssen."
"Das
sage ich ja!" ruft der PJ. "Sie hätten ihre Spuren
besser verwischen müssen,
damit niemand darüber redet,
befürchte ich."
Traurigerweise gehen mir die verbalen
Möglichkeiten zur Änderung des
Gesprächsthemas aus,
so daß die Anwendung von Gewalt vor meinem
Gewissen
gerechtfertigt erscheint. Ich lasse ihn Kontakt mit dem
leicht modifizierten
Elektroschocker aufnehmen, der ein paar
Ampere mehr liefert als sonst üblich. Und
natürlich ist
der PJ danach wieder viel, viel ruhiger.
"ZURÜCK ZUM
THEMA!" schreie ich. "Wir müssen diese
Verkaufsausstellung
besuchen, und ich werde weitere
Unterbrechungen nicht dulden!"
Der PJ nickt demütig.
"Gut, dann brauchen wir jetzt einen idiotensicheren Plan,
der uns die Teilnahme
ermöglicht."
"Ich könnte
meinen Onkel anrufen."
"Ja, ja, aber ein Gefallen des
Geschäftsführers ist kein richtiger Plan. Es ist in
jedem
Fall besser, wenn wir dem Chef KEINE Möglichkeit geben,
aus technischen
Gründen dagegen zu votieren."
"Nach
den Vorfällen beim letzten Mal brauchen wir schon ein Erdbeben,
um die
Ansichten des Chefs zu ändern ..." sagt der PJ
niedergeschlagen.
"NATÜRLICH! EIN ERDBEBEN! GENIAL!"
"Sie wollen ein Erdbeben auslösen??!?!"
"Nein,
nein, natürlich nicht! Nicht, wenn es nicht nötig ist.
Nein, der Grund aller
Gründe! Die Entschuldigung aller
Entschuldigungen!"
"Und was meinen sie dann?"
fragt der PJ noch immer unwissend.
"DIE NOTFALL-SYSTEME! Es
ist JAHRE her, daß wir unsere Notfall-Systeme
getestet
haben. Und es ist durchaus möglich, daß sie Feuer fangen,
wenn wir sie
wieder hochfahren! BRILLANT!"
Der PJ ruft
seinen Onkel an, um die Kugel zum Rollen zu bringen.
"Ah!"
sagt der Chef, als er unser Büro ein paar Minuten später
betritt. "Wissen sie,
worüber ich gerade nachgedacht
habe? Nun, ich glaube, es ist Zeit für einen
Probelauf
unserer Notfall-Systeme!"
"Haben wir überhaupt
Notfall-Systeme?" antworte ich und ebne den Weg. "Denn
es
findet in zwei Wochen eine Ausstellung zu diesem Thema statt,
die der PJ und ich
gern besuchen würden."
"UNWAHRSCHEINLICH!" antwortet der Chef barsch. "Wir
haben schon zwei
getrennte Notfall-Systeme, die startklar sind.
Und genau das werden wir jetzt auch
tun."
Gesagt - getan.
Als etwa zwei Stunden später die Feuerwehr wieder abzieht,
winkt
mich der Geschäftsführer zu sich heran, damit ich
auf die Sabotage-Vorwürfe des
Chefs antworten kann.
"Lächerlich!" rufe ich. "Das Feuer wurde
durch den Staub verursacht, der sich über
drei Jahre in den
Gehäusen angesammelt hat. Wir sollten froh sein, daß nicht
das
gesamte Gebäude abgebrannt ist. Auf einer Ausstellung für
Notfall-Systeme kann
man sich über solche Themen besonders
gut informieren. Und zufällig findet in zw ..."
Zwei Wochen später beginnen der PJ und ich unsere dreitägige
Pflichterfüllung auf
der Ausstellung. Es ist eine harte
Arbeit, doch irgendjemand muß sie ja erledigen.
Wir werden
sofort von einer charmant lächelnden jungen Frau begrüßt,
die für einen
bekannten Zulieferer arbeitet.
"Guten
Morgen und willkommen, Herr, ähm ..."
"Scheich Ali
Mohammed", antworte ich. "Und mein Sohn, Ahmed Mohammed.
Wir
sind hier, um ein wenig Rechentechnik für unseren Palast
zu kaufen.
Selbstverständlich ist das Allerbeste gerade gut
genug für uns ..."
Die Nachwirkungen der
Verkaufsausstellung zwingen den PJ, sein Konto
geschuldeter
Gefallen zu vergrößern ...
"Was zum Teufel ist eigentlich passiert?" will der PJ
wissen, der etwas
mitgenommen aussieht.
"Ich nehme an,
sie können sich nicht mehr daran erinnern, daß sie sich
mit ihrer
Freundin aus der Abteilung für
Öffentlichkeitsarbeit, Salz- und Essigchips, einer
Kiste
Limonade sowie zwei Krügen mit alkoholbasiertem
´Magnetkopf-Reiniger´ für
zwei Tage im
Vermittlungsraum eingeschlossen haben, um angeblich ´ein paar
Köpfe
durchzuspülen´?"
"Uhhhh,
nein", antwortet der PJ verlegen.
"Und ich konnte mich
auch nicht mehr erinnern", antworte ich. "Ich wachte
im
Sanitätsraum zusammen mit dieser Frau von der Router-Firma
auf. Ich mußte die
Aufzeichnungen der Sicherheitskameras
anschauen, um zu sehen, wie wir es dahin
geschafft haben."
"Haben sie sie gel ..." fragt er nervös.
"Natürlich, jede Kopie ist vernichtet. Sie schulden mir
einen Gefallen."
"Ja, ich nehme an, es ist so",
gibt der PJ mit einem Hauch von Verlegenheit und
Schuld zu.
"Trotzdem", sage ich. "Eine verdammt gute
Verkaufsausstellung."
"Ich bin mir nicht ganz sicher",
antwortet der PJ. "Es gibt da ein paar
Gedächtnislücken.
Ich glaube mich an ein rotes Stroboskoplicht zu erinnern."
"Das
war eigentlich kein Stroboskop. Das war der Router, von dem sie
behauptet
haben, daß er nicht mit Wechselstrom läuft.
Sie haben sogar fünf Pfund darauf
verwettet."
"Und,
lief er?"
"Ja. Natürlich nicht besonders lange.
Erinnern sie sich an das alte Sprichtwort, daß
eine Birne,
die doppelt so hell leuchtet, nur die Hälfte der Zeit
funktioniert? Nun, hier
ging es um das gleiche Prinzip, allerdings
müßte man die Aussage dahingehend
modifizieren, daß
Technik, die mit Dreifach-Strom läuft, dies ungefähr nur
2.5
Sekunden lang durchhält. Oh, sie schulden mir übrigens
noch fünf Pfund."
"Das ist nicht fair."
"Eine Wette ist eine Wette. Wir haben niemals gesagt, wie
lange der Router laufen
soll. Nun, wenn das der Fall wäre,
dann gäbe es auf der Welt nur noch halb so
viele
Softwarehersteller."
Der PJ reicht mir das Geld,
während wir darauf warten, daß der Chef hereinstürmt.
Und
wo ich gerade vom Teufel spreche - in diesem Moment biegt der Orkan
um die
Ecke.
"Uh-oh", sagt der PJ. "Er sieht
noch wütender als beim letzten Mal aus, als sie mit
seinem
Dienstwagen und seiner Sekretärin verschwanden."
"Das
liegt vielleicht daran, daß sie diesmal seinen Dienstwagen
benutzt haben."
"Ich kann mich daran wirklich nicht
erinnern."
"Das wird daran liegen, daß sie sofort
ohnmächtig wurden, nachdem sie die
Handbremse gelöst und
mit dem Wagen frontal gegen die Wand gerast sind. Deshalb
haben
sie sich doch auch im Vermittlungsraum eingesperrt ..."
"Ohhhh,
ja. Jetzt erinnere ich mich wieder an die Mauer. Da steht mir das
Wasser
nun wohl bis zum Hals, oder?"
"Nun",
erwidere ich. "Als Antwort möchte ich die folgende Analogie
benutzen: Sie
sind im Turm des Herrn und schon im tiefsten
Kellergeschoß angekommen, drücken
aber noch immer den
Knopf, damit der Lift weiter nach unten fährt."
Ein
Krachen unterbricht unsere Unterhaltung, als der Chef, bis oben
gefüllt mit purer,
konzentrierter Wut, in unserem Büro
explodiert.
"Verschwinden sie!" schreit er. Seine
Stimme überschlägt sich vor Anstrengung.
"Nehmen
sie ihr Zeug und hauen sie ab. Jetzt! Ich will, daß sie einfach
verschwinden,
keine ´Wenns´ und kein ´aber´!"
Meine Versuche, ihn zu beruhigen, treffen auf taube Ohren, und
seine Tirade wird nur
durch das Klingeln des Telefons
unterbrochen. Das Telefon, das rote Telefon. Ich
schalte die
Lautsprecher ein, damit alle mithören können.
"Hallo,
Gotham City."
Wie immer reagiert der Geschäftsführer
mit einem Lacher. Es sind die kleinen Dinge,
die die höheren
Etagen bei Laune halten.
"Ich habe gerade einen Blick in
ihren Notfall-System-Bericht geworfen." erklärt er.
"Er
ist sehr interessant. Ganz besonders die Ausführungen über
eine mögliche
Aussperrung aus dem Vermittlungsraum und einen
Angriffsversuch über die
Tiefgarage als Test unserer
Verwundbarkeit durch Gruppen unzufriedener
Mitarbeiter. Ich habe
den Bericht gerade an den Aufsichtsrat weitergeleitet. Sie
scheinen
sehr angetan zu sein von ihrer Arbeit."
Der Chef scheint
unter einer Attacke zu leiden, die etwas mit gefährlich
hohem
Blutdruck zu tun haben könnte, deshalb eile ich ihm zu
Hilfe.
"Weg", ruft er, wird dann merklich ruhiger, um
sich an den Geschäftsführer zu
wenden. "Und darf
ich fragen, wieso sie meinen Dienstwagen für die
Simulation
benutzt haben?"
"Nun, mir wurde gesagt,
sie hätten ihn zur Verfügung gestellt, um wenigstens
etwas
von dem Schaden wiedergutzumachen, den sie mit dem Feuer der
Notfall-Systeme in
der vergangenen Woche angerichtet haben. Ist
das etwa nicht der Fall?"
"Oh, natürlich. Ja, das
stimmt." biedert sich der Chef an. "Aber ich glaube,
der
Aufsichtsrat interessiert sich bestimmt dafür, was sich
genau abgespielt hat, so, wie
es von den Überwachungskameras
aufgezeichnet wurde."
Die Augen des PJ verraten, daß
er wieder seinen Untergang vorhersieht. Wo ich mit
einem Tadel
wegen meiner unorthodoxen Arbeitsweise davonkommen könnte,
dürften
die Aufzeichnungen aus dem Vermittlungsraum für ihn eine nicht
so harmlose
Wirkung zeigen wie die aus dem Sanitätsraum mit
mir.
"Ich denke, daß meine Dokumentation alle nötigen
Gesichtspunkte abdeckt"
erwidere ich. Trotzdem gibt sich der
Geschäftsführer damit nicht zufrieden, so daß
wir
alle in sein Büro trotten, um uns Videos anzuschauen.
Der
Chef kostet den Moment aus, in dem er die Wiedergabe startet.
"Was
zum Teufel machen die Sicherheitsleute eigentlich den ganzen Tag?"
fragt der
Geschäftsführer, als der Vorspann von ´Unsere
kleine Farm´ auf dem Monitor
erscheint.
"Habe ich
von einem Gefallen gesprochen?" wende ich mich an den PJ. "Ich
meinte
natürlich zwei."
"Wie ich schon in
meiner Zusammenfassung feststellte", sage ich, "ist die
Gefahr
revoltierender unzufriedener Mitarbeiter bei diesem laschen
Sicherheitsdienst
durchaus eine reale Bedrohung."
"Riechen
sie das?" frage ich wenig später den PJ. "Das riecht
wie ein
Notfall-Budget mit meinem Namen drauf."
Die Meinungen über die
nötige Notfall-Ausstattung gehen auseinander - bis der
B.O.F.H.
den Beweis für deren Notwendigkeit erbringt ...
Der PJ und ich studieren Kataloge mit Computerzubehör, als
der Chef in unser Büro
hereinplatzt. Er hat sich offenbar
vorgenommen, einen Anteil vom Budget für die
Notfall-Systeme
zu fordern, welches dem PJ und mir hinter seinem Rücken
zugewiesen
wurde.
Wir waren natürlich auch recht gut, als wir die
Installation einer ´redundanten´
Satellitenschüssel
an der Rückseite des Firmengebäudes empfahlen und
selbstlos
deren Ausrichtung auf ein etabliertes ´Testsignal´
einer niederländischen TV-Station
forderten, um der Firma
Geld zu sparen.
"Was glauben sie eigentlich tun sie hier?"
regt der Chef sich auf und wedelt mit
einem kräftigen Stapel
aus Anforderungsformularen für Notfall-Systeme aller Art,
die
der PJ und ich ihm vorlegen ließen.
"Was meinen sie?"
"Die Empfehlung einer weiteren Satellitenschüssel. Wir
benutzen nicht einmal die,
die wir schon haben."
"Ja,
aber wenn wir eine an jeder Seite des Gebäudes haben, dann haben
wir einen
redundanten Zugang zur Außenwelt, wenn die
Sendeantennen einmal ausfallen
sollten - wie das zum Beispiel bei
einem Erdbeben passieren könnte ..."
natürlich ist
ein Erdbeben noch unwahrscheinlicher als daß der Chef eine
Runde
ausgibt, aber sorgfältige Planung erfordert nun einmal
die penible Beachtung der
kleinsten, obgleich unwahrscheinlichen,
Details.
Für ein paar Sekunden muß er mit sich
kämpfen, um dies zu schlucken. "Machen sie
sich doch
nicht lächerlich! Wir haben gar keine USV an der Rückseite
des
Gebäudes."
"Ja, aber ich glaube, daß
ich das auf Seite 2 erhwähnt habe, zwischen der
redundanten
Espresso-Maschine mit einem zusätzlichen Akku und
dem Notfall-Lagezentrum mit
einer kompletten Wohnungseinrichtung."
"Wenn sie auch nur einen Moment daran glauben, daß die
Firma ihnen beiden eine
Stadtwohnung bezahlt, in die sie Frauen
abschleppen können, dann sollten sie sich
lieber andere
Gedanken machen", knurrt er. "Und was ihre
verdammte
Kaffee-Maschine angeht ..."
"... nehmen
sie die, die gleichzeitig drei Tassen zubereiten kann."
vollendet der
Geschäftsführer den Satz, als er
hereinkommt.
"Und da sie noch immer in der Planungsphase
sind, dachte ich mir gerade, daß dies
hier eine gute Farbe
für den Teppichboden im Notfall-Lagezentrum wäre",
erklärt er
und hält ein Stück eines
Axminster-Teppichs hoch, dessen Straßenpreis oberhalb
jeder
rechtfertigbaren Summe liegt. "Das ist genau der richtige
Farbton, der den
Stress in einer Belastungssituation vermindern
dürfte."
Und genau der richtige Farbton, wenn ich mich
nicht irre, um dafür zu sorgen, daß die
Chancen des PJs
und mir, außerhalb der Ferien des Geschäftsführers
einen Blick auf
ihn zu werfen, ziemlich gering sind. Nun, im
Dienste der höheren Sache müssen
Kompromisse gemacht
werden.
Und die höhere Sache in dieser Woche ist die
Sicherung von Exklusivität. Natürlich
ist die
Stadtwohnung an sich schon großartig, doch selbst mit der auf
dem Dach
geplanten ´wassergekühlten
Speichereinrichtung´, selbstverständlich komplett
mit
einem Sprungbrett, werden der PJ und ich nur mit weiterer
Technikaufrüstung
glücklich sein.
Der Chef verzieht
sich - jahrelange Erfahrung hat ihn gelehrt, die Niederlage
zu
erkennen, wenn sie an seiner Tür klingelt -, um unsere
weiteren Vorschläge zu
prüfen.
"Was zum Teufel
soll das sein?" schreit er fünf Minuten später und
fuchtelt mit der
Empfehlung, die Thin Wire-Verkabelung zu
ersetzen. "Das wird ein Vermögen
kosten. Und das ist
bestimmt kein Notfall."
Seltsamerweise ist es ein paar
Sekunden einer. Ein verzwickter Terminierungsfehler
schlägt
zwei Etagen über uns zu, der die Server der Personal-Abteilung
vom
restlichen Netzwerk isoliert.
"Ah, wir brauchen
jemanden für Überstunden", sagt der Chef mit
gespielter
Zwanglosigkeit.
"Dann muß das der PJ
erledigen. Ich habe in einer halben Stunde einen Termin mit
meinem
Arzt."
"Oh", erwidert der PJ erwartungsgemäß.
"Ich spüre die ersten Zeichen einer Migräne
und
glaube nicht, daß ich damit allein klarkomme."
"Aber
jemand muß es doch tun - die Server der Personal-Abteilung sind
vom
Netzwerk abgeschnitten!"
"Das ist doch nicht das
erste mal, also kein besonderes Problem", sage ich
unschuldig.
"Aber nicht, wenn am nächsten Tag die Lohnschecks
fällig sind! Als das schon
einmal geschah, randalierten die
Angestellten und zerstörten den Platz! Das war eine
richtiger
Notfall!" Der Chef verstummt, als er erneut das bekannte
Klingeln an seiner
Tür hört.
Als Netzwerkprofi
begeistert es mich immer wieder, daß selbst die
vereinte
Geschwindigkeit von FDDI, CDDI und ATM schneckenlangsam
gegenüber der
Geschwindigkeit ist, mit der sich schlechte
Neuigkeiten verbreiten.
Der Chef gibt auf. "Wieviel?"
Müde holt er seine Geldbörse hervor.
"Wofür?
Für unser Schweigen oder für die Reparatur?"
"Beides."
"Geben sie sie uns am besten gleich
ganz. Wir geben ihnen dann morgen, was
übriggeblieben ist."
Ein Thin Wire-Kabel und einen Gedächtnisverlust unsererseits
später können der PJ
und ich einen Stapel
Anforderungsformulare mit dem ´Genehmigt´-Stempel und
der
Unterschrift des Chefs betrachten. Neben einer Stadtwohnung,
niederländischer
Pornographie und neuen Kaffee-Maschinen geht
ein weiterer Traum von mir in
Erfüllung - das Ende von Thin
Wire ist nahe.
"Das müssen wir feiern. Kellner, ihren
besten Champagner, bitte. Und wenn das
Bargeld aus dieser Börse
verbraucht ist, nehmen sie einfach die Kreditkarten."
Es haben sich einige
Beschwerden über den PJ angesammelt - und der B.O.F.H.
muß
diesen Vorwürfen nachgehen ...
Dies ist ein trauriger Tag für die Netzwerker in der ganzen
Welt. Als
Netzwerkberater und Vorgesetzter des PJ wurde mir die
Aufgabe übertragen, einige
Beschwerden, die über den PJ
vorliegen, zu untersuchen und angemessene
Sanktionen für
diese Vorfälle zu empfehlen.
Offensichtlich hat der Chef an
einem Kurs für ´progressive Personalleitung´
teilgenommen
und ist mit einer Wagenladung Handbücher zurückgekommen,
die sich
mit der Erhöhung der Produktivität und dem
Abbau von Streß am Arbeitsplatz
befassen. Ich hätte ihm
freilich eher die Lektüre von Literatur über die
sieben
Zwerge und Schneewitchen empfohlen, statt ihn sich mit den
wirklichen Problemen
des Managements befassen zu lassen.
Noch
ist es in unserer Etage recht ruhig, so daß ich mich
entschließe, diese Ruhe zu
beenden. Und natürlich kommt
auch prompt ein Anruf aus der
Personalabteilung - kaum daß
ich um 11 Uhr am Arbeitsplatz erscheine. Bei
Gesprächen wie
dem bevorstehenden muß immer ein Repräsentant
der
Personalabteilung anwesend sein, so daß wir uns relativ
schnell auf eine Zeit einigen
und darauf, daß wir uns in
einem ihrer ungenutzten Räume in der fünften Etage
treffen.
Ups, ich meinte einen Raum für Vorstellungsgespräche.
"In
Ordnung", beginne ich gleich bei meiner Ankunft. "Ich nehme
an, wir wissen,
weshalb wir uns heute hier treffen." Ich
wende mich an den PJ. "Offenbar liegen drei
Beschwerden über
sie aus dem letzten Monat vor. Es ist unsere Aufgabe,
diesen
Beschwerden auf den Grund zu gehen und eine angemessene
Antwort zu finden."
"Ich verstehe." erwidert der
PJ.
"Gut, zunächst haben wir hier eine Beschwerde
darüber, daß sie einem Mitarbeiter
aus der Buchhaltung
eine Software-Aktualisierung versprochen, sich aber nicht
weiter
darum gekümmert haben."
"Ja, daran erinnere ich
mich." antwortet der PJ.
"Erzählen sie es mit
ihren eigenen Worten. Wonach hat er gefragt?"
"Nun, er
rief mich im Büro um 16:50 Uhr an und sagte, daß er
WYSIWYG (What you
see is what you get [thomas w.]) wolle. Und er
wollte es, bevor ich das Büro
verlasse."
"Was
haben sie gemacht?"
"Ich habe die Lichter und die
Notbeleuchtung auf seiner Etage abgeschaltet."
"Und was
konnte er sehen?"
"Nichts."
"Und er
bekam?"
"Nichts."
"Also haben sie seinen
Wunsch erfüllt?"
"Ich nahm es an."
"Ausgezeichnet", rufe ich fröhlich. "Ich
glaube nicht, daß ..." legt der Repräsentant
aus
der Personalabteilung los, doch mein eiskalter Blick läßt
ihn sofort wieder
verstummen.
"Die Fragen stelle
noch
immer ich, glaube ich. Nun, kommen wir zu der
ATM-Sache."
"Ja, einer der Erbsenzähler wollte ATM in seinem
Zimmer."
"Und was taten sie?"
"Nun, ich
habe unseren Firmenarchitekt gebeten, sein Zimmer in das
Erdgeschoß
gleich neben den Geldautomaten zu verlegen (ATM -
Automatic Teller Machine,
Geldautomat [thomas w.])."
"Also
haben sie seinen Wunsch bestmöglich erfüllt."
"Ich
glaube, er wollte einen besseren Netzwerkanschluß."
erklärt der Repräsentant
der Personalabteilung in den
Tiefen der Technik verfangen. "Immerhin ist das ja
ihr
Aufgabengebiet." (ATM - Asynchronus Transfer Mode, ein
Netzwerkprotokoll
[thomas w.])
"Wirklich? Hmm, da könnten
sie Recht haben. Aber das werden wir wohl nie genau
erfahren, da
der Mann die Firma bereits verlassen hat. Offenbar haben ihn
die
Geräusche des Geldautomaten gestört. Ich konnte mir
auch nicht vorstellen, weshalb
er danach gefragt hatte. Seine
Pläne, das IT-Budget zu kürzen, konnte er deshalb
offenbar
auch nicht vollenden ..."
"Ein unglücklicher
Zufall. Nun gut, die Schuld liegt damit wohl eindeutig bei
den
Nutzern, die ihre Wünsche nicht deutlich genug äußern.
Sie haben ihr Bestes
gegeben, auch wenn alles gegen sie zu
sprechen scheint. Gut gemacht. Und zum
Schluß", fahre
ich fort, bevor der Personalabteilungsrepräsentant etwas sagen
kann.
"Ja, hier haben wir noch die Beschwerde darüber,
daß jemand im Korridor hinter der
Vermittlungsanlage
eingesperrt wurde."
"Nun, das war mein Fehler",
stimmt der PJ zu.
"Ein Datenbank-Mensch wollte prüfen,
daß sein Büro korrekt an das FDDI-Netz
angeschlossen
ist, und muß sich dabei irrtümlich selbst in dem Korridor
eingesperrt
haben. Ich konnte ihn im Vermittlungsraum nicht sehen
und nahm daher an, sie
hätten ihn hinausbegleitet."
"Ja, das ist ein verständlicher Irrtum", antworte
ich. "Das ist mir auch schon
passiert. Deshalb sollten wir
eigentlich jeden Zugang zur Vermittlungsanlage
verbieten."
"Das ist doch lächerlich." regt sich Herr
Personalabteilung verärgert auf. "Das kann
doch gar
nicht passieren. Das ist einfach unmöglich!"
"Es
kann passieren", antworte ich. "In dem Sicherheitskorridor
gibt es keine Fenster,
so daß man nie wissen kann, ob sich
jemand in ihm aufhält. Wir haben diesen
Umstand schon
mehrfach dem Wachdienst mitgeteilt und nach einer
Überwachungskamera
gefragt, doch bisher hatten wir leider kein Glück."
Es
macht mich wirklich sehr traurig, daß er unseren Worten nicht
glauben will.
"Nun", sage ich etwas später dem PJ.
"Ich sehe keinen Anlaß für einen Tadel. Wie
wäre
es mit einem Bier im Pub?"
"Ausgezeichnet."
erwidert der PJ. "Soll ich den Sicherheitskorridor prüfen?"
"Nein, ich bin sicher, jemand hat ihn herausgelassen, als
wir einen Tee in der Kantine
tranken. Sorgen sie nur dafür,
daß die Temperatur niedrig genug ist, nur für den
Fall,
daß es in der Nacht eine Hitzewelle gibt."
Netzwerk-Grundsatz Nummer 4: Gelegenheiten sind, wie die Zigarren
des Chefs,
dazu da, ergriffen zu werden ...
Wenn der Chef versucht, den
B.O.F.H. mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen, ist es
Zeit,
Notfallplan A zu starten, sich zurückzulehnen und das Feuerwerk
zu
genießen ...
Ich mache mir wirklich Sorgen um den Chef. Sein Verhalten ist
irgendwie
unbeschreiblich - und zwar seitdem er in der vergangenen
Woche auf dem Weg zu
einer Präsentation mit seinen mühsam
erstellten Folien über ein herumliegendes
Kabelstück
stolperte.
Traurigerweise sind dabei seine Folien zum Thema
´Externe Auftragsarbeiter und
fest angestellte Mitarbeiter -
Wege zur Verringerung der Lohnausgaben´ ein
wenig
durcheinandergekommen, was seinem Vortrag wohl nicht
besonders förderlich war ...
Es ist mir auch nicht entgangen, daß er meinen Tip, seine
Folien vor dem nächsten
Vortrag zu numerieren, ignorierte.
Auch den Hinweis des PJ, daß es Programme zur
Erstellung von
Präsentationen gibt, die sich selbst um die richtige
Reihenfolge
kümmern und billiger sind, läßt er
ungehört verhallen.
Man könnte beinahe annehmen, daß
er die Folien heimlich und nicht auf einem
Firmen-PC angefertigt
hat, damit niemand etwas von seinem Vortragsthema erfährt.
In
diesem Fall wäre allerdings die Benutzung des Foliendruckers,
der 98% seiner
Lebenszeit ungenutzt herumsteht, keine gute
Methode, um von den eigenen
Aktivitäten abzulenken.
Besonders schlimm ist, daß einer seiner Gedanken seinen Weg
in eine
mottenzerfressene Ecke im Gehirn des IT-Chefs gefunden hat
- seitdem ist unser
Leben nur noch mit Kummer und Leid verbunden.
In dem Bemühen, eine weitere Prämie von den
Erbsenzählern zu bekommen, hat der
IT-Chef dem Plan unseres
Chefs zugestimmt, den PJ und mich Arbeiten für andere
Firmen
erledigen zu lassen ...
Sicher, nach den ersten paar
Netzwerk-Zusammenbrüchen und einigen
seltsamen
Sicherheitsproblemen gingen die Wünsche nach
unserer Hilfe etwas zurück - und
gegen Null. Doch der Chef
ließ sich auch dadurch nicht davon abbringen, es
uns
heimzuzahlen. Wir kommen gerade wieder einmal in unser Büro
zurück, wo uns drei
große Kisten begrüßen,
die unübersehbar auf dem Boden stehen.
Meine Sinne für
furchtbar teures Equipment flattern, als mein Blick auf den Namen
des
Herstellers und die Produktbezeichnung fällt, die eine Seite
einer der Kisten
schmücken. Natürlich war auch der PJ
nicht gerade langsam bei der Wahrnehmung
der Technik, die dem
Heiligen Gral im Netzwerkbereich entspricht.
Wir stehen wie
betäubt vor den Kisten und schweigen andächtig, als der
Chef
´zufällig´ hereinschlendert und uns
anspricht.
"Ja", sagt er selbstgefällig. "Es
ist genau das, was sie denken. Neueste und beste
Switch- und
Routertechnik von Teranet, vollkommen ausgerüstet mit Karten
für
alles, was von RS232 über ATM bis zu Gigabit
Ethernet heute auf dem Markt zu
haben ist. Sagen sie einfach etwas
und es wird in dem Gerät stecken. Und sie sind
als glückliche
Tester auserkoren worden!"
"Ein Test?" frage ich
und blicke auf eine Ausrüstung, die ausreichend für
einen
kleinen Telefonnetzbetreiber ist.
"Ja, verdammt.
Sie haben die nicht etwa angenommen, ich hätte ihnen das
Zeug
gekauft? Sie werden dafür bezahlt, daß sie diese
Technik einem unabhängigen Test
unterziehen und einen Bericht
darüber schreiben. Dann schicken wir die
Technik
selbstverständlich wieder zurück an den
Hersteller - natürlich nachdem dieser die
Vollständigkeit
überprüft hat ..."
Dieser Bastard.
"Dieser
Basterd", flüstert auch der PJ, als der Chef
hinausmarschiert.
Der Chef, ich kann es kaum zugeben, hat das
Undenkbare getan - er hat uns einen
Schlag versetzt, den uns nur
ein richtiger Manager versetzen kann. Er weiß genau,
daß
die Rückgabe dieser wunderbaren Schatztruhen nach dem Test und
der Umstieg
auf unsere alte Technik auf uns ungefähr die
gleiche Wirkung haben wird wie der
Umstieg von einem Rolls Royce
auf einen R 5. Ein Schlag tief unter die Gürtellinie.
Einen
Tag später können der PJ und ich der Versuchung nicht
mehr
widerstehen - wir spielen mit der neuen Technik. Sie ist
leider nicht so gut, wie man
es erwartet - sie ist besser.
Der
Chef macht alles zunichte - er füttert den Einzug des Reißwolfs
sowohl mit
unserem Bericht als auch mit unserer Einkaufsempfehlung
und läßt uns dann stehen,
um grinsend in die Kantine zu
verschwinden.
"Das können die doch nicht machen!"
jammert der PJ, als die Leute des Herstellers
die Technik wieder
einpacken.
"Alles in Ordnung, ich bin sicher, wir werden
irgendwann derartige Technik
bekommen." versuche ich ihn zu
beruhigen.
"Ja, wenn sie so verdammt alt ist, daß sie
nur noch als Kühlung taugt."
"Gut", murmele
ich. "Ich sage ihnen etwas - wie wäre es mit ein paar
Flaschen Bier
zum Mittag. Sie mögen doch Bier, oder?"
"Das geht heute nicht", platzt er heraus. "Ich
habe Sharon gesagt, daß ich sie in der
Mittagspause treffe.
Und sie hat nur eine halbe Stunde Zeit."
Einen Zug an einem
Stück Schnur später dämmert es auch dem PJ, als
hunderte
Papierstückchen wie Konfetti in die Klimaanlage des
Erdgeschoßes eingespeist
werden. Die Rauchmelder tun, was
sie tun sollen, und Notfallplan A läuft an.
Wir sichern
unsere Zentrale und reihen uns, der PJ, Sharon und ich, in die
Schlange
der anderen Schafe ein, die das Gebäude über
die Notausgänge verlassen.
Unterdessen folgt der Frachtlift
am anderen Ende des Ganges seiner
Notfallprogrammierung und fährt
in den Keller.
Die drei Kisten mit der Aufschrift
´Weihnachts-Dekoration´ werden nach dem
Alarm von der
Lagerabteilung ganz bestimmt korrekt gelagert.
Ich denke, wir
werden sie wiedersehen, wenn der Chef die Verantwortung für
das
seltsame Verschwinden unheimlich teurer Technik übernommen
(und deren
Bezahlung organisiert) hat.
"Rechts!"
rufe ich, als wir ins Tageslicht hinaustreten. "In den Pub. Ich
glaube, dort
wartet ein Vertreter von Teranet mit ein paar Bieren
auf uns."
Der Chef versucht erneut,
den B.O.F.H. und den PJ zu vetreiben. George, einige
Biere, ein
Reißwolf und ein paar potentielle PJs treten auf ....
Nachdem ich einige Stunden (und Biere) brauchte, um
herauszufinden, was wirklich
gespielt wird, fühle ich mich an
diesem Morgen etwas unwohl.
Es scheint, als hätte George,
unser Spezialist für Reinigung und Reparaturen,
ein
erschütterndes Gespräch zwischen unserem Chef und
dem IT-Chef mitgehört. Sie
haben vor, dem Geschäftsführer
einen Gefallen zu tun, um ihn auf ihre Seite zu
ziehen und den PJ
und mich dadurch loszuwerden.
Ein kleines Vermögen später
erzählte uns George, wie sie ihren Plan umsetzen
wollen ...
So kommt es nicht überraschend, daß der
Geschäftsführer und die Schleimer-Truppe
(unser Chef und
der IT-Chef) bei uns erscheinen.
"Ich wollte sie um einen
kleinen Gefallen bitten", beginnt der
Geschäftsführer
freundlich.
"Was kann ich für
sie tun?" frage ich und bemerke einen leichten Anflug
von
Schleimerei bei mir.
"Nun, es geht um den
Computer-Kurs, an dem meine Enkel teilnehmen." erklärt er.
"Aber sie sind doch viel zu jung, um schon Großvater
zu sein." schmeichelt der
IT-Chef.
Der Geschäftsführer
redet weiter: "Nun, die Kinder haben offenbar den Wunsch,
die
Theorie in der Praxis zu erleben. Und da dachte ich ..."
"... daß wir ihnen zeigen könnten, wie ein echtes
Computernetzwerk funktioniert."
vollendet der PJ.
"Genau."
"Es wird uns eine Ehre sein." sage ich und übernehme
die Führung beim
Einschmeicheln.
"Und ich kümmere
mich um ein paar schöne Andenken, die Verpflegung und
den
Transport", setzt sich der PJ an die Spitze und erreicht
mit einer Länge Vorsprung
das Ziel, dicht gefolgt von mir und
dem Chef.
Zwei Tage später erscheint die Gruppe
pickelgesichtiger Dreikäsehochs. Das halbe
Haus ist auf den
Beinen, denn es geht das Gerücht, daß man sich bei
solcherlei
Aktivitäten Freunde in den oberen Etagen machen
kann.
"Bevor wir beginnen, möchte ich ein wenig über
die Sicherheitmaßnahmen in unserem
Haus berichten."
Der Geschäftsführer lächelt stolz, als er sieht,
daß sein Nachwuchs bei mir in den
besten Händen ist.
Fünf Minuten später bereiten sich unsere Schüler
darauf vor, die Vermittlung zu
betreten, als ein lauter Schrei zu
uns dringt.
"Und schließlich", erkläre ich
und entferne das Kabel, welches die Türklinke mit
dem
Transformator verband, "gilt unser Dank auch unserem
Chef, der sich bereitwillig für
diese Demonstration der
Gefahren, die von elektrischem Strom ausgehen, zur
Verfügung
stellte." Ich öffne die Tür, um den Chef vorzustellen,
der mit einem
gehetzten Gesichtsausdruck und einem Haufen
Zugangskarten für die IT-Abteilung,
die wild um ihn herum
verstreut sind, auf dem Boden sitzt. "Man kann nie
vorsichtig
genug sein."
Der Chef wird zur Sanitäterin
gebracht, die ihn schnell wieder aufpäppelt (und ihm
wohl
auch neue Unterwäsche gibt, wenn mich mein Geruchssinn nicht
täuscht).
Unterdessen gesellt sich der IT-Chef zu uns, als
wir die Vermittlung ansteuern. Er
starrt in Ehrfurcht auf die
einzelnen Komponenten (von denen er ungefähr die
Hälfte
angeschafft hat), die wir unseren Besuchern erklären.
Als wir in das Archiv für
Software und Dokumente gehen,
fordern wir sie auf, uns Fragen zu stellen.
"Wofür sind
diese Geräte da?" will der Nachkomme des Geschäftsführers
wissen.
"Das sind ein Reißwolf und ein Bandlöschgerät,
die wir zur Vernichtung von
Dokumenten benutzen. Wollt ihr sie
ausprobieren?"
Natürlich können einige es nicht
erwarten, mit den Geräten zu spielen, also geben
wir ihnen
ein paar alte Videokassetten und einen Stapel Papier.
"Und
wofür ist dieser Fernseher?" will ein anderer wissen und
zeigt auf den 29
Zoll-Monitor.
"Das ist kein
Fernsehgerät", gluckst der IT-Chef amüsiert. "Das
ist ein Monitor für
die Überwachungskameras."
"Aber da ist doch ein Videorekorder angeschlossen."
"Zur Aufzeichnung der Bilder der Kameraüberwachung,
oder?" wendet er sich an
mich.
"Nun, für mich
sieht das wie ein Fernseher mit einem Videorekorder aus. Ich
frage
mich noch immer, wieso sie das bestellt haben."
"Bestellt?" taucht der PJ auf. "Er hat mich
beauftragt, sie in seine Wohnung zu
transportieren."
"Sie
haben es doch beantragt", verliert der IT-Chef langsam die
Fassung. "Wofür
eigentlich? Wie auch immer, ich habe
Kopien aller Anträge. Ich hebe sie auf, bis die
Anfrage
erledigt ist. Dann werden sie vernichtet ..."
Der IT-Chef
stürzt im Superman-Modus los, versucht, einen hohen
Kassettenstapel
zu überspringen, und landet mit dem Gesicht
voran auf dem Einzug des Reißwolfs.
Kein schöner
Anblick für unsere jungen Besucher, aber nicht so schlimm wie
der
Anblick des IT-Chefs, als die Messer des Reißwolfs zum
Leben erwachen und sich
über seine Krawatte hermachen ... Der
PJ betätigt den Notschalter, um ihn vor
weiteren Verletzungen
zu bewahren, wobei freilich auch der Rückwärtsgang
nun
nicht mehr funktioniert.
"Und wieder sehen wir, wie
riskant es an unserem Arbeitsplatz zugeht." erkläre
ich,
während der IT-Chef versucht, sich mit rudernden Armen
aus seiner Lage zu
befreien. "Ein Reißwolf kann sehr
gefährlich sein. Doch auch von einem
Bandlöschgerät
gehen gewisse Gefahren aus, wenn man eine Uhr trägt,
deren
Gehäuse nicht antimagnetisch beschichtet ist, wie wir
dies bei unserem
Vorgesetzten sehen."
BZZZZZZZZZERT ...
"Oh, oder wenn man eine Uhr trägt, die nur angeblich
beschichtet wurde. Vielen
Dank für diese eindrucksvolle
Demonstration."
Der Geschäftsführer lächelt
zufrieden, weiß er doch, daß die jungen Besucher
etwas
gelernt haben. Normalzustand wiederhergestellt.
Als der PJ Mitleid mit einem
Nutzer zeigt, vermutet der B.O.F.H. eine beginnende
Krise und
leitet Notfallmaßnahmen ein ...
Es ist ein ruhiger Nachmittag, als das Telefon klingelt. Der Anruf
kommt nicht aus
dem Haus, sondern von außerhalb, also ist er
interessant.
Das Glück ist auf meiner Seite, denn es ist
mein Lieblingsvertreter, der mich zum
zweimal jährlich
stattfindenden Kneipenbesuch einladen will, bei dem er immer
für
Getränke, Speisen und die Unterhaltung sorgt, um
mich als guten Kunden zu
behalten. Natürlich könnte ich
auch wieder wie früher einfach direkt Verträge
abschließen,
doch so muß jemand anderes die Rechnung für den
Kneipenexzess
bezahlen. Der PJ und ich sorgen dafür, daß
wir früh davonschleichen können und
treffen den
Vertreter in der nahen Besäufnisanstalt. Die Nacht
verspricht
interessant zu werden ...
Natürlich sind der
PJ und ich am nächsten Tag noch etwas geschafft. Um zehn
nach
fünf und unter dem Einfluß einiger Biere klang die
Idee, den Rekord im Biertrinken zu
brechen, noch gut, doch um zehn
nach zehn am nächsten Morgen ist unsere
Begeisterung dafür
nicht mehr so groß und hat irgendwie einen Dämpfer
erlitten.
Und der war groß genug, daß die Anwesenheit
eines Nutzers in unserem Büro nur
unbedeutende Reaktionen
hervorruft.
Halbherzig greift der PJ nach dem Tacker, der ein
wenig dahingehend modifiziert
wurde, daß er nun schneller
die Heftklammern ausspuckt. Und der
Sicherheitsschalter ist
natürlich auch außer Betrieb.
"Warten sie!"
rufe ich, denn in meiner derzeitigen Verfassung habe ich keinen
Bedarf
ein paar hundert KLACKs gemischt mit Schreien zu hören.
"Kann ich etwas für sie
tun?" frage ich den Nutzer.
"Ich suche ein Twisted Pair-Kabel für meinen Computer",
sagt der Nutzer und zeigt
damit schon einen gewissen
Kenntnisstand, der Nutzern generell verboten sein
sollte.
(Natürlich nur, um sie vor Gefahren zu bewahren.)
"Wie
lang hätten sie es denn gern?" frage ich müde.
"Nun,
da verlasse ich mich ganz auf sie", antwortet er glucksend über
den Witz, der
so alt ist, daß schon Noah ihn beim Holzkauf
für seine Arche benutzt hat.
"Natürlich, nehmen
sie sich einfach eins aus der braunen Kiste in der Ecke."
Zufrieden verschwindet der Nutzer mit einem Kabel, während
der PJ zu mir kommt.
"Sind sie in Ordnung?" will er mit
besorgter Miene wissen. "Sie haben einem Nutzer
geholfen!?"
"Indem ich ihm eines der defekten Kabel gab, die wir als
Kupferschrott verkaufen?
Ich habe mir nur einen zeitlichen
Aufschub verschafft, bis meine Kopfschmerzen
vorrüber sind.
Er wird wieder zurückkommen, erinnern sie sich an meine Worte."
"Oh", schluckt der PJ, als ihm aufgeht, daß auch
in schlechten Zeiten die grauen
Zellen noch arbeiten. Er hält
für einen Moment inne - kein besonders Problem in
seiner
Verfassung.
"Befürchten sie nicht, daß wir die
Nutzer zu oft belügen?"
Eine Sinnkrise! Ich hätte
es früher bemerken müssen. All die Symptome waren
da -
die Sorge um andere, das langsame Angeln nach dem Tacker.
"Machen
sie sich nicht lächerlich!" rufe ich, um sein noch
schwaches Gewissen am
weiteren Wachstum zu hindern. "Nutzer
erwarten, daß sie angelogen werden.
Ebenso wie
Versicherungen und die Finanzämter. Es ist unser Recht, nein,
unsere
Pflicht, sie im Interesse des technologischen Vorsprungs zu
desinformieren."
"Ich, ich habe gedacht - ich weiß
nicht, ob ich dieser Arbeit wirklich gewachsen bin."
Es ist schlimmer als ich dachte. Bevor die Krankheit sich weiter
ausbreiten kann,
rufe ich bei der Nutzer-Betreuung an und gebe
ihnen die Handynummer des PJs,
damit sie ihn bei 'problematischen
Anrufen' erreichen können. Überraschend
beginnen sie
beinahe sofort, Anrufer zu ihm weiterzuverbinden.
"Hallo?"
Zwei Stunden später ist die Mission erfolgreich
abgeschlossen und der PJ verhält
sich wieder normal. Die
Nutzerin, die danach fragte, weshalb die Rufumleitung bei
ihrem
Telefon nicht funktionierte, hat dem Kamel vermutlich das
Rückgrat
gebrochen. Der PJ brauchte eine Weile, bis er
herausfand, daß die Anruferin das
Telefon von ihrem
Schreibtisch mit durch das Gebäude schleppte. Als Veteran
hatte
ich freilich nichts anderes erwartet.
Der PJ ist
wiederhergestellt, als unser Amateur-Netzwerker wieder auftaucht.
"Das Kabel ist defekt!" beschwert er sich verzweifelt.
"Das glaube ich nicht", antwortet der PJ völlig
ruhig. "Wir haben alle Kabel geprüft."
"Das
stimmt", füge ich hinzu. "Natürlich konnten wir
die
Luftfeuchtigkeits-Differentiale nicht testen, weil unser
Mulitmeter kaputt ist."
"Natürlich." keucht
der PJ.
"Das wird es sein." ruft der Nutzer und spielt
uns nichtvorhandene Kenntnisse vor.
"Ich mache ihnen einen
Vorschlag", wende ich mich an unseren
leidenschaftlichen
Amateur. "Sie nehmen einfach das eine Ende
des Kabels und gehen damit in den
Korridor vor der Vermittlung.
Dann halten sie das Ende einfach an ihre Zunge. Wenn
es den
Luftfeuchtigkeits-Differential-Test besteht, werden sie ein leichtes
Kitzeln
spüren. Und wenn sie nichts spüren sollten, ist
das Kabel defekt."
Sekunden später wird die Stille im
Korridor durch einen lauten Schrei und eine Reihe
dumpfer Schläge
unterbrochen.
"Ups", platzt der PJ heraus. "Da
habe ich das Kabel doch versehentlich an das
Stromnetz
angeschlossen."
Die dumpfen Schläge in der Nähe
der Tür hören auf, was nur bedeuten kann, daß
unser
Freund es geschafft hat, sich von dem Kabel zu trennen, indem er
es
durchgebissen hat.
"Schön, daß sie wieder
gesund sind", sage ich, als der PJ den Beweis entfernt.
Ich
meine - das Kabel.
"Schön, wieder da zu sein."
Ist es nicht lustig, wie sich die Dinge immer zum besten wenden?
Es sieht so aus, als hätte
der B.O.F.H. sich selbst ein Bein gestellt, doch der PJ
steht ihm
mit einem listigen Plan zur Seite ...
Wenn ich die Worte ´Virtuelle Vorstandssitzung´ noch
einmal höre, muß ich
jemanden verprügeln.
Der
verdammte Chef hat es geschafft, das kindliche Interesse des
Geschäftsführers
an einem Videokonferenzsystem
wiederzuerwecken. Im Normalfall würde ich aus
diesem Anlaß
ja bei dem Gedanken daran, noch mehr Firmengeld verpulvern zu
dürfen,
lächeln, doch wir haben einfach nicht genügend
Leitungskapazität, um ein
solches System im gesamten
Unternehmen einzurichten.
"Warum?" fragt der PJ, der
den Geruch eines Nagetiers wittert.
"Ah. Nun, ich muß
ihnen sagen ..."
"Daß sie unsere
Leitungskapazitäten an andere weiterverkauft haben, oder?"
"Nein, nicht ganz. Nein."
"Sie haben den
ISP-Service (Internet Service Provider [thomas w.]) unserer
Firma
aufgegeben?"
"Nein, den habe ich vor ewigen
Zeiten verkauft."
"Sie haben ihn verkauft!"
"Genau, ich habe den Kundenbestand und den Domainnamen an
einen anderen
Zulieferer verkauft. Zu sehr lukrativen
Bedingungen."
"Und sie haben mich nicht daran
beteiligt?"
"Nein. Ich habe nicht einmal meinen Anteil
ausgezahlt."
"Was haben sie dann mit dem Geld
angestellt?"
"Sie meinen: Was habe ich mit dem ´Venture
Kapital´ gemacht?"
"Wie bitte?"
"Es
ist ausreichend, wenn ich sage, daß wir die einzigen Partner
der InterTelecom
International sind, einem Anbieter sehr billiger
Telefontarife ..."
"Wie?"
"Und unser
neuester Kunde ist ein Unternehmen mit Außenstellen in der
gesamten
Welt. In einer dieser Außenstellen stehen sie
gerade."
"Sie verkaufen unsere Leitungskapazität
wieder zurück an die Firma? Wieso hat sich
die Firma darauf
eingelassen?"
"Nun, erinnern sie sich an den großen
Ausfall des Netzwerks bei den
Erbsenzählern?"
"Welchen
Ausfall?"
"Den, als der Chefbuchhalter erklärte,
daß wir besser nicht mehr telefonieren sollten,
statt weiter
Unsummen für Anrufe ins Ausland auszugeben. Wir sollten dafür
besser
einen freien Anbieter nutzen."
"Ja, aber ich
dachte, sie hätten eine Art Notfallplan gehabt und die Sache
wieder
gerichtet ..."
"Das habe ich getan. Und sie
werden bestimmt gern hören, daß die
InterTelecom
International alle anderen Anbieter leicht ausstechen
konnte, da die Gebühren
unheimlich niedrig sind."
"Was
bedeutet, daß wir unserer Firma Leitungskapazitäten
stehlen!"
"Stehlen klingt so negativ. Wir sorgen nur
dafür, daß die ohnehin vorhandenen
Leitungen zu 100
Prozent genutzt werden - dafür sollte uns die Firma belohnen.
Und
das tut sie immer dann, wenn wir unserer Bonuszahlungen von
InterTelecom
International bekommen."
"Clever."
stimmt der PJ widerwillig zu. "Aber wo liegt das Problem?"
"Wenn wir das Konferenzsystem anschaffen, bekommen wir
Probleme mit der
Auslastung der Leitungen."
"Sicher.
Aber wir wissen doch, daß das nichts weiter als ein Spielzeug
ist, das in den
ersten Tagen benutzt wird, dann aber in
Vergessenheit gerät."
"Das hoffe ich",
erwidere ich.
"Dann habe ich einen Vorschlag ..."
Eine
Woche später wird sehr, sehr teure Technik unter den wachsamen
Augen des
Chefs in die Firma gebracht. Der PJ ist in unsere
Außenstelle in die USA geflogen,
während eine
Hilfskraft in Rom die Stellung für die Tests hält.
Die
Tests sind gerade beendet, als der Geschäftsführer
herunterkommt und gleich
elektronische Grüße an den PJ
und die Hilfskraft schickt. Die Antwort erfolgt prompt
und in
guter Qualität, so daß der Chef und der Geschäftsführer
sehr zufrieden mit
sich selbst wirken.
"Jetzt würde
ich gern zu den restlichen Außenstellen sprechen." sagt
der
Geschäftsführer.
Drüben im Vermittlungsraum
sorgt eine Vermittlungseinheit plötzlich dafür, daß
eine
Sicherung durchbrennt und die Leitung unterbricht.
Die
angerufenen Außenstellen erscheinen auf dem Monitor - ziemlich
körnig und
unscharf, würde ich sagen. Die versammelten
Mitarbeiter lauschen, als der
Geschäftsführer eine kurze
Rede über die Wunder der Technik hält. Ein paar
Kommentare
wandern hin und her, bevor der Geschäftsführer ´auflegt´.
"Was meinen sie?" fragt der Chef.
"Nun, der
Test sah sehr gut aus, doch die Bilder aus den Außenstellen
sahen nicht
besonders schön aus."
"Stimmt",
gebe ich zu. "Das ist ein Problem mit
Heisenbergs
Wahrscheinlichkeitsprinzip der Videokompression."
"Was?" witzelt der Chef.
"Heisenbergs
Wahrscheinlichkeitsprinzip der Videokompression. Es handelt sich
um
ein bekanntes Experiment aus der Quantenphysik, bei dem Katzen
in Kisten mittels
Video überwacht wurden. Je mehr Katzen
beobachtet werden, desto höher ist die
Wahrscheinlichkeit,
daß es zu Quantenstörungen bei der
Videokomprimierung
kommt."
"Das kommt mir irgendwie
bekannt vor", verrät sich der Chef.
"Wie können
wir das ändern?" fragt der Geschäftsführer.
"Nun, die einzige Chance besteht darin, daß wir auf
die Kompression verzichten, was
allerdings bessere Leitungen mit
höherer Kapazität erfordert ..."
"Kümmern
sie sich um die Sache", antwortet der Geschäftsführer,
der während der
Arbeitszeit offensichtlich ein paar Folgen
´Star Trek´ zuviel gesehen hat.
Der Chef
unterzeichnet ein paar Bestellungen und schleimt mit dem
Geschäftsführer
nach draußen.
Ich gehe in das
benachbarte Zimmer zum PJ und der Hilfskraft und zeige ihnen
die
Bestellungen. Dann kümmere ich mich um die Sicherung in
der Vermittlung.
"Soll ich den Telefon-Dienstleister
anrufen?" fragt der PJ.
"Ja, und sagen sie ihnen, daß
InterTelecom International expandieren möchte ..."
Ein
Fisch, ein Faß, ein Gewehr.
Was könnte einfacher sein
....
Der Duft einer
Umstrukturierung liegt in der Luft, als der B.O.F.H. das
Herumkratzen
auf einer CD zur Beseitigung von Viren empfiehlt ....
Wenn ich jedesmal fünf Pfund bekommen hätte, wenn der
IT-Chef glaubte, die
Unfähigkeit von Managern durch eine
´Neustrukturierung der Abteilung´ beseitigen
zu
können, wäre ich heute ein reicher Mann. Es ist nicht so,
daß er besonders
trickreich dabei vorgeht. Vielmehr scheint
ihm der Aufsichtsrat immer nur deshalb
zuzustimmen, weil sie eine
neue Anordnung der Beschäftigten sehen, die sie vorher
nie zu
sehen bekamen.
Und das Meisterstück in dieser Woche ist die
Bildung von Nutzergruppen, die von
kompetenten Vertrauenspersonen
betreut werden - was bedeutet, daß jedes
Mitglied unserer
Abteilung sich um eine andere Gruppe kümmern muß.
Und
weil er ein boshafter und rachsüchtiger Bastard ist, hat der
IT-Chef mir eine
Gruppe Vertriebsberater zugeteilt - Leute, deren
technischer Sachverstand dem von
Tomatensträuchern gleicht,
deren soziale Fähigkeiten ´einzigartig´ sind.
Der
PJ hat es etwas einfacher, ihm teilt man eine Gruppe von
Nutzerbetreuern zu,
die schon wissen, daß man uns nur dann
anruft, wenn man Verbrennungen dritten
Grades liebt.
Die
Anrufe kommen prompt - ungefähr in dieser Art: "Der Drucker
des Nutzers
funktioniert nicht, deshalb muß das Netzwerk
defekt sein". Und wenn man dann
schließlich die
Schritte zur Fehlersuche hinter sich hat, stellt sich heraus, daß
das
Papierfach leer ist. Zur Mittagszeit klingelt mein Handy, ein
Berater schildert sein
Problem, und mir wird klar, daß der
IT-Chef meine persönliche Handy-Nummer
weitergegeben hat. Ich
mache mir im Geist eine Notiz, daß diese Indiskretion
gerächt
werden muß.
Doch in der Zwischenzeit muß
ich mich um den Berater kümmern.
"Die Software, die ich
auf dem Rechner eines Nutzers installieren will, bricht immer
mit
einem Schreibfehler ab." jammert er. "Glauben sie, daß
die Festplatte voll sein
könnte."
"Hmmm",
antworte ich nachdenklich. "Was haben sie installiert?"
"Office, ein Spracherkennungsprogramm, ein
3D-Design-Programm und die Online
Enzyklopädie. Ist das
zuviel?"
"Nein, natürlich nicht!" rufe ich.
"Das ist doch nur ein Bruchteil von dem Platz, der
auf dem
386er des Nutzers zur Verfügung steht. Nein, ich glaube, es ist
schlimmer."
"Schlimmer?" höre ich es am
anderen Ende mit vereinten Stimmen fragen, die
befürchten,
daß dies ihren Erfahrungshorizont (Drücken der
Return-Taste und das
Einlegen von Disketten) übersteigt.
"Ja, ich glaube, daß wir es mit einem weiteren Fall
von Rückwärts-Maskierung einer
CD-ROM zu tun haben."
"Was ist passiert?"
"Nun, diese Maskierung
wirkt wie ein Filter, der dafür sorgt, daß die
installierte
Software nur noch mit Programmen des gleichen
Herstellers funktioniert. Wenn sie
versuchen, die Software eines
anderen Herstellers zu installieren, kommt es zu
Fehlern. Alle
großen Firmen handeln heute so - Marketingtaktik, sie wissen
schon."
"Na sowas! Was soll ich tun?"
"Nun,
welche CD-ROMs haben sie?"
"Ganze Ladungen. Unsere
gesamte Software ist auf CD."
"Hmmm, das ist
möglicherweise schlimmer als ich dachte. Es überrascht
mich, daß
sie bisher noch keine Probleme hatten."
"Da
sie es erwähnen, mir fällt ein, daß die Enzyklopädie
ziemlich langsam bei der
Installation war. Könnte das etwas
damit zu tun haben?"
"Zweifellos. Da wirkt
offensichtlich der Anti-Installationsvirus."
"Was soll
ich nun tun?"
"Ich weiß nicht recht - wissen sie,
was wir machen, wenn wir Computer-Bänder
löschen
wollen?"
"Sie zerkratzen sie?"
"Genau.
Und das tun sie mit den CD-ROMs. Wenn sie allerdings die Daten
erhalten
und nur den Virus entfernen wollen, dann zerkratzen sie
natürlich nur ein kleines
Stück auf den CDs. Das Stück,
auf dem sich die Daten befinden, die anzeigen, mit
welcher
Software die CD-ROMs nicht funktionieren."
"Wie?"
"Nun, sie haben doch ein chirurgisches Skalpel aus Keramik
bei sich?"
Dummy-Mode ein.
"Nein?"
"Oh,
dann nehmen sie eine Rasierklinge. Sie müssen zwei möglichst
eng
beieinanderliegende Kratzer rund um die CD entlang der
sogenannten ´Inhaltsspur´
machen. Dann kann die
Software nicht mehr prüfen, ob sie funktionieren darf."
"Wirklich?"
"Aber sicher", antworte ich
voller Überzeugung. "Mir können sie doch vertrauen."
"Also soll ich das bei allen CDs machen?"
"Bei
jeder CD, die sie finden können."
"Aber wir haben
Hunderte davon."
"Machen sie das nach der normalen
Arbeitszeit, dann werden sie für die
Nachtarbeit
Überstundenzuschläge bekommen",
appelliere ich an seine Habgier.
"Ja!" sagt er und
zählt in Gedanken die Pfundnoten.
"Aber denken sie
daran, es niemandem zu sagen." füge ich hinzu. "Denn
sonst
wollen auch die anderen sich daran beteiligen. Wenn sie den
IT-Chef allerdings
schon morgen früh überraschen wollen
...."
"Kein Sterbenswort", ruft er.
"Und
wenn sie gerade dabei sind ..." sage ich.
"Ja?"
"Der Abteilungsleiter hatte übrigens ebenfalls Probleme
mit einigen seiner
Musik-CDs - wenn sie noch Zeit haben, dann ...."
Der Rest ist - natürlich - Geschichte. Das Jammern, das
Zähneknirschen, die
prompten Hinauswürfe - ganz zu
schweigen von der Zerstörung verschiedener
teurer
Sammler-Ausgaben von Jazz-CDs.
Ich sehe eine Umstrukturierung am
Horizont aufziehen.
Ein Disput mit der Kantine
fesselt den B.O.F.H. an Porzellan und läßt den Chef
den
Genuß von Bohnen bereuen ...
Etwas ist faul im Staate Dänemark. Und unglücklicherweise
hat die Betriebskantine
es mir zum Mittagessen serviert. Ich fühle
mich nicht gut. Ich bin ein kranker Mann.
Es scheint, als sei das
Abkommen über die friedliche Koexistenz zwischen mir und
der
Kantine in der fünften Etage durch meine zufällige
Bemerkung zum PJ (Leider
konnten sie sie hören.), daß
ihr neues Motto - wie das der Luftwaffe - wohl ´Der
Tod
kommt von oben´ lautet, zerbrochen.
Selbstverständlich
ist das Menu du Jour nicht schlimmer als jemand in einer
Todeszelle
dies erwarten würde, doch trotzdem hätte ich auf
ihrer
´Diätmahlzeiten´-Webseite im Intranet die
Ankündigung von ungarischem Gulasch
nicht in ungarischen
Klebstoff ändern und auf das Geflügelklein Diarrhöe
verzichten
sollen. Manche Menschen haben eben keinen Humor.
Der
Chef duldet es natürlich, denn er weiß, daß jeder
Mitarbeiter mit Selbstachtung
sich erst dann krankmelden würde,
wenn der Tod vor der Tür stand und seine Dienste
angeboten
hat. Das zählt zu den ungeschriebenen Gesetzen in unserer Firma.
Nein, wenn ich schon den ganzen Tag auf Porzellanoberflächen
zubringen muß, dann
tue ich das während der
Arbeitszeit. Seine häufigen Besuchen lassen keinen
Zweifel
daran, daß der Chef es darauf anlegt, ein paar
Stunden auf meiner
Arbeitszeitabrechnung streichen zu können.
Doch meine Anwesenheit, auch wenn
es mir schlecht geht, wird
fortgesetzt.
Die einzige Sache, die ich nicht ganz verstehe, ist,
wie sie mir die tödliche Dosis
verabreichen konnten. Im
Normalfall bin ich sehr vorsichtig mit dem Essen (erste
Regel -
kein Fisch, kein Geflügel, kein Schwein), so daß mir der
entscheidende
Hinweis noch fehlt.
Das selbstgefällige
Grinsen und die auffällige Anteilnahme der
Kantinenmitarbeiter
an meinem Schicksal bestätigen meine
Zweifel, als ich die Brottheke direkt
ansteuere, um mein
Krankenmahl zu holen. Ein Schlachtplan wird dringend
gebraucht.
Und ausgebrütet.
Kaum hat der Chef den Platz nach seinem
´Vier Stück von allem´-Menü verlassen,
starte
ich Phase 1. "Nun, ich weiß nicht recht ..." wende
ich mich an den PJ, als einer
der Kantinenmitarbeiter, der sich
unbeobachtet fühlt, heranschleicht. "... aber der
Chef
vermutet, daß mein Zustand mit dieser Kantine zusammenhängt.
Er sagte, daß
in irgendeiner Gasse in Soho bessere
hygienische Bedingungen herrschen würden als
an diesem
Platz."
"Wirklich?" fragt der PJ perfekt die Rolle
des Dr. Watson spielend.
"Nun, ich weiß nicht",
antworte ich und bemerke die aufmerksam gespitzten Ohren
im
Hintergrund, "... aber der Chef haßt diese Kantine. Die
Angestellten sollten froh
sein, wenn sie noch eine Anstellung als
Toilettenreiniger in einem Kebab-Restaurant
bekämen, hat er
mir erzählt."
Während ich am nächsten Tag
schon zum elften Mal dem Ruf der Natur folge, richtet
der PJ den
Monitor der Überwachungsanlage ein. Heutige Bildquelle ist
der
´Thermostatsensor´ neben der Bedientheke.
Der
Chef kommt kurz vorbei, um zu sehen, ob wir schon Mittagspause
machen, doch
der PJ erklärt ihm durchaus wahrheitsgemäß,
daß ich ein paar Notfall-Maßnahmen
überwache.
Ich komme rechtzeitig zurück, um dem Chef dabei zuzuschauen,
wie er sein Tablett
füllt. "Keine besonderen
Vorkommnisse." kommentiert der PJ.
"Ja. Nichts
außergewöhnli ..." murmle ich, als mir etwas
auffällt.
Unter dem Vorwand, eine Schale Tapetenleim für
Rindfleisch (angeblich
Bratensoße) auszutauschen, schmuggelt
ein Kantinenmitarbeiter einen zusätzlichen
Teller Bohnensuppe
auf das Tablett. Vergeßlich wie er ist, schleppt der Chef
sein
Tablett zu seinem Platz und bindet sich das alte Taschentuch
um den Hals.
"Sollten wir ihn nicht warnen?" will der
PJ wissen.
Das zynische Glänzen meiner Augen beantwortet
seine Frage.
Problemursache identifiziert, Phase 1 abgeschlossen.
Der nächste Tag gehört zu denen, die diese Arbeit so
angenehm machen. Der Chef
hat sich krankgemeldet. Man sagt sich,
daß er es noch in die Metrostation geschafft
hat, bevor sein
Frühstück wieder hochkam.
Die Kantinenbelegschaft ist
in der Zwischenzeit mit einer spontanen
Gesundheitskontrolle
beschäftigt (Ein anonymer Anruf ...), die neben
anderen
Verstößen echtes Rattenfleisch im Ratatouille
entdeckt.
Eine Woche später bin ich einigermaßen
wiederhergestellt. Freilich habe ich noch ein
wenig Angst vor
Lebensmitteln. Der Chef ist nach seiner wundersamen Heilung
ebenfalls
wieder da. Er freut sich hämisch über die Vorteile der
Gesundheitspläne
der Firma, das Krankengeld, die Vorzüge
des Daheimbleibens etc., etc., ...
Zur Mittagszeit freut er sich
noch mehr, als er seinen Teller vollpackt und sich
geradezu
lyrisch über die Vorteile äußert, ein bezahlter
Angestellter unserer Firma
zu sein.
Seine Begeisterung wird
auch nicht gebremst, als der PJ ihm dabei hilft, seine
tägliche
Portion Bohnensuppe auf dem Tablett zu verstauen.
Am Nachmittag
redet der PJ einmal mehr mit ihm durch die verklemmten Türen
des
Lifts. In meiner Eile, ihn aus seiner Lage zu befreien, habe
ich den Hebel des
Notfalltüröffners abgerissen, so daß
wir den Wartungsdienst anrufen mußten.
"Wie lange
brauchen die denn noch?" heult der Chef. "Es kann nicht
mehr lange
dauern!" rufe ich ihm zu und winke dem PJ, daß
er dem Service-Mann noch eine
Tasse Kaffee machen soll, während
ich den letzten Eintrag in der Liste der
möglichen
Verletzungen der Nutzungsbedingungen des Lifts vornehme.
Ich gebe
ihm noch maximal 10 Minuten ...
Der Chef wurde ´ermutigt´,
nach Tonga umzuziehen, doch sein Ersatz ist ein
Alptraum ....
"Wie haben sie das angestellt?" fragt der PJ, nachdem er
zur Arbeit kam und sieht,
wie der Chef seine Sachen packt ...
"Ich?" frage ich unschuldig. "Nichts habe ich
angestellt!"
Der PJ wartet geduldig, bis ich mit der
Wahrheit herausrücke.
"Also, es könnte sein, daß
ich ihn geringfügig verängstigt habe ..."
"Wie
´geringfügig´ war das denn?"
Ich bemerke
gewisse Zeichen von Traurigkeit in seinem Tonfall, mit denen ich
mich
später befassen werde. Natürlich, der Chef ist
mittlerweile formbar wie frische
Knetmasse, doch man sollte immer
bedenken, daß Veränderungen positiv wirken
können.
"Nun, ich könnte gesagt haben, daß es langfristig
besser und sicherer wäre, in Tonga
zu leben statt hier in
Großbritannien."
"Wie bitte?"
"Es
fing wohl damit an, daß der Chef wissen wollte, wie weit wir
mit unserem Jahr
2000-Projekt sind. Ich denke, er ahnte, was in
Wirklichkeit dahinter steckt - ein
idiotensicherer Plan, um sich
für fünf Monate im Büro zu verschanzen und danach
mit
einem Lächeln, den Worten: ´Alles in Ordnung´ und
einem Stapel Rechnungen für
Beratungen wieder
herauszukommen."
"Und?" fragt der PJ.
"Und
deshalb habe ich ihm gesagt, daß es wirklich keinen Grund zur
Besorgnis gibt."
"Wieso?"
"Weil ich ihm
sagte, daß die Welt unter dem Jahr 2000-Virus leidet. Und daß
alles
schon im Jahr 1999 vorbei sein wird, wie Nostrodamus und die
meisten religiösen
Gruppen das vorhersagen."
"Und
er hat das geglaubt?"
"Nun, sie wissen ja, wie
wahrscheinlich es ist, daß er mir vertraut ..."
"Sie
meinen, nachdem sie ihm empfohlen haben, den Toaster mit unter die
Dusche zu
nehmen, um am Morgen beim Frühstück Zeit zu
sparen?"
"Das und dem Empfehlung, Magnete als
Diskettenhalter zu benutzen, ja. Wie auch
immer, ich habe ihn
daran erinnert, daß die älteren
Nuklearverteidigungseinrichtungen
aus der Zeit des Kalten Krieges
von Computern kontrolliert werden, darunter auch
die, die so
programmiert wurden, daß sie den Startvorgang einleiten, wenn
sie die
Verbindung zum Pentagon verlieren."
"Und?"
"Und es ist doch offensichtlich, daß kurz nach 23:59
Uhr am 31. Dezember 1999 der
Wert für die seit der letzten
erfolgreichen Verbindungsaufnahme verstrichene Zeit
dank der
Datumsarithmetik sich von einer Minute zu tausenden negativen
Minuten
ändern wird ..."
"... und - Start!"
vollendet der PJ.
"Sie haben es erfaßt!"
"Und
er hat ihnen geglaubt?"
"Nun, beim Prüfen der
Protokolldaten fiel mir auf, daß er ein regelmäßiger
Besucher
einiger Webseiten ist."
"Sie meinen die
Homepage der Liebhaber von Spitzenunterwäsche?"
"Unter
anderem, ja, aber wichtiger ist, daß er auch ´Nostrodamus
sagt´-Seiten und
solche mit Warnungen vor Gefahren des
Nuklearwaffen besuchte. Ausgestattet mit
diesen Informationen war
es leicht, mit seinen Ängsten zu spielen."
"Und
jetzt geht er nach Tonga?"
"Dahin oder an einen anderen
Ort, der absolut ohne jegliche strategische Bedeutung,
dafür
aber sicher davor ist, etwa 10 Minuten nach Mitternacht von einer
alten Rakete
aus den 60er Jahren getroffen zu werden."
"Aber
sie glauben doch nicht wirklich, daß das passieren kann?"
"Schon möglich. Aber wen kümmert das? Ich werde in
der Silvesternacht betrunken
wie ein Stinktier auf der Party
feiern. Nebenbei - mein guter Wille, andere zu
beraten, wird neue
Tiefstände erreicht haben - dank meiner
hervorragend
finanzierten Aussage: ´Jetzt ist alles in
Ordnung.´"
"Also arbeiten sie an unserem
Jahrtausend-Projekt?"
"Seit dem heutigen Morgen bin ich
nur noch damit beschäftigt."
"Und womit werden sie
es abschließen?"
"Das werden sie in genau fünf
Monaten sehen ..."
Eine Woche später stehen die Dinge
schlechter als erwartet. Der alte Spruch ´Der
Teufel, den du
kennst, ist besser als ein Tritt in die Rippen an einem kalten
Morgen´
bewahrheitet sich einmal mehr. Der Ersatz für
den Chef ist schlimmer, als dieser es
jemals war. Er hat mir mein
Jahr 2000-Projekt abgenommen und unsere Software-
und
Hardware-Zulieferer damit beauftragt, ihre Waren zu testen. Ich
könnte
heulen ...
... wenn ich nicht das Root-Passwort,
Kontrolle über die Telefonvermittlung und
einen beinahe
psychopatischen Haß auf Manager hätte.
Nach ein paar
Tagen sieht der neue Chef wirklich krank aus. Ganz offensichtlich
hat
ein Fehler in der Vermittlungsanlage dafür gesorgt, daß
die Hälfte der
Einwahlnummern aus unserem Modem-Pool auf sein
Privattelefon umgeleitet wird.
Und die andere Hälfte landet
auf seinem Handy.
Als sei dies nicht schon schlimm genug, lief
sein Telefon auch heiß, nachdem er
seinen wöchentlichen
Bericht in unserem Intranet veröffentlicht hatte, in dem
aus
´Version Control Server´ ein ´Virgin Control
Server´ wurde. Offenbar haben einige
der jüngeren
Erbsenzählerinnen angefragt, wie er denn diesen
Jungfräulichkeitstest
durchführen will ...
Der PJ
und ich schlagen die Zeit damit tot, daß wir die internen Uhren
unserer
Ausrüstung auf den 31.12.1999 setzen. Nach dem Ärger,
den wir mit dem
E-Mail-Server verursacht haben, ist es wohl Zeit,
erneut unser siebenmonatiges
Jahr 2000-Projekt vorzuschlagen.
Veränderung ist wirklich gut.
Der neue Chef entdeckt, daß
Lernen manchmal schmerzhaft ist, besonders dann,
wenn der Lehrer
der B.O.F.H. ist ...
Normalerweise wird die Vorstellung eines neuen Kandidaten für
das mittlere
Management begleitet von all dem Pomp, den man beim
Auswechseln des
Staubbeutels eines Staubsaugers veranstaltet, doch
heute laufen die Dinge etwas
anders. Dieser neue Chef ist
angeblich eine Verbesserung gegenüber all seinen
Vorgängern,
denn er hat einen Universitätsabschluß in Management. Also
haben wir
nun einen unschuldigen, neugierigen und völlig
ahnungslosen Chef zum Formen.
Seine erste ahnungslose und
neugierige Handlung besteht darin, ein Treffen
zwischen sich
selbst und einigen global agierenden Netzwerkanbietern
zu
vereinbaren, um bessere Preise für die Bandbreiten zu
erzielen - eine Gruppe von
Individuen, die ihre eigene Großmutter
für fünf Pfund verkaufen würden. Der Chef
bewegt
sich so weit außerhalb seiner Heimatgewässer, daß er
eine Schwimmhilfe
braucht.
Um ihn vor dem Wahnsinn (und die
Firma vor dem Bankrott) zu bewahren, sorge ich
dafür, daß
ich in das Verhandlungsteam komme. Die Anrufe, die seitdem auf
meinem
Anrufbeantworter landen, lassen den Schluß zu, daß
dies kein populärer Zug ist.
"Nennen sie mich Alan."
stellt sich der neue Chef vor, als wir die verschiedenen
potentiellen
Versorger treffen. Offensichtlich hat er die üblichen Seminare
besucht,
in denen ihm erzählt wurde, daß der informelle
Ton die Verhandlungen erleichtern
würde.
Ginge es nach
mir, würden wir die Verhandlungen erleichtern, indem wir
die
Vertreter in einen Raum zusammen mit ein paar Ziegelsteinen
einsperren und nur mit
dem ins Geschäft kommen, der als
Letzter aufrecht stehen kann.
"Die Vorschläge scheinen
alle noch verhandelbar zu sein", eröffnet der Chef
das
Schachspiel. Er bemerkt anscheinend nicht, daß sie uns
alle fünfzig Prozent mehr
kosten würden als wir
gegenwärtig zahlen - Zulieferer nennen das
´Anfangsangebot´.
"Und dabei müssen sie das gewachsene
Bandbreiten-Potential beachten", antwortet
einer der
Vertreter.
"Sie meinen, das ist genau das, was wir jetzt
schon haben, abgesehen von mehr
Potential?" interpretiere ich
die Aussage neu, damit der Chef mitkommt.
"Wachstumspotential
ohne zusätzliche Hardware-Installation, ja."
"Und
da wir ohnehin schon über überdimensionierte
Leitungskapazitäten verfügen,
bedeutet das also, daß
wir ohne Grund 50 Prozent mehr bezahlen sollen?"
"Potential
kostet Geld", mischt sich ein anderer Vertreter ein. "Und
ich bin mir
sicher, daß unser Plan maximales Potential
verspricht."
"Während sie nichts zusätzlich
liefern ..." füge ich hinzu.
Das Treffen plätschert
auf diese Weise noch etwas vor sich hin, bis der Chef endlich
zu
seinem letzten Mittel greift, um von niemanden über´s Ohr
gehauen zu werden.
Schließlich schafft er es, sein letztes
Angebot zu machen.
"Nun, was können wir hierfür
bekommen?" fragt er und schreibt mit
Verschwörermiene
eine Zahl auf, die ungefähr 40 Prozent unseres
Netzwerk-Budgets
entspricht.
"Ich werde meine Großmutter anrufen",
sagt einer der Vertreter und greift nach
seinem Handy.
Ab
jetzt geht es abwärts. Am Ende der stundenlangen Verhandlungen
ist der Chef
ein gebrochener Mann und bereit, unsere derzeitigen
Kapazitäten durch eine
Ansammlung von 300 Baud-Modems und
Telefonzellen zu ersetzen.
Zeit für eine strategische Pause,
also rufe ich eine Mittagspause aus und schaffe
den Chef
schnellstmöglich aus dem Gefahrenbereich.
"Das ist
alles ziemlich technisch, oder?" jammert er, als wir außer
Hörweite sind.
"Das ist ein Ochsenjob!" antworte
ich und fahre damit fort, ihn über die Methoden
der
Preisfestlegung zu informieren - offensichtlich ein Thema, das nicht
zur
Ausbildung für den Abschluß als Manager einer
Pfarrgemeinde gehört. Ich bringe ihn
in den Vermittlungsraum,
damit der PJ mich ergänzen kann.
Unsere Kommentare treffen
auf taube Ohren.
"Aber ich bin sicher, daß sie wissen,
worüber sie reden." murrt er naiv. "Immerhin
sind
sie ja schon jahrelang in dem Geschäft."
"Natürlich,
weil ahnungslose Manager ihnen blind vertrauen." antworte ich.
"Ehrlich,
in diesem Geschäft können sie niemandem
vertrauen."
"Das ist aber eine zynische Ansicht",
erwidert er erwartungsgemäß.
Es wird offensichtlich
Zeit für Plan B.
"Es kostet ein Vermögen, um das
Potential der Leitungen unserer Telefonanlage zu
erhöhen."
"Wieso?"
"Ich denke, daß der PJ ihnen
das Problem, über das wir sprechen, am besten
demonstrieren
kann."
Zehn Minuten, einen Schrei und einen senkrechten
Sturz auf den Boden später kann
ich als Solist zu den
Verhandlungen gehen, da ein weiterer Chef es vergessen hat,
die
Abdeckgitter im Vermittlungsraum zu überprüfen, die
schmerzhafte Stürze
vermeiden sollen ...
Der Arme.
"Gentlemen", beginne ich, nachdem ich ins
Beratungszimmer zurückkomme. "Wegen
eines Arbeitsunfalls
ist Alan leider für den Rest der Verhandlungen
verhindert,
weshalb die Entscheidung über einen
Vertragsabschluß nun in meinen Händen ruht.
Ich denke,
ich werde es ihnen überlassen, unseren Vertragspartner zu
finden, indem
ich sie alleinlasse. Oh, sie finden die Ziegelsteine
unter ihren Sitzen."
Manchmal muß man sich eben ein
wenig dafür einsetzen, die Kunden
zufriedenzustellen ...
Monate des Biersaufens haben
dem B.O.F.H. zugesetzt, so daß er beschließt,
eine
Erholungsreise zu unternehmen ...
Ich habe mich entschieden, mir eine wohlverdiente Pause zu gönnen,
um mich von
den Anstrengungen der Arbeit (zum Beispiel
Alkoholvergiftungen) zu erholen. Meine
Reise soll mich an die
Küste führen.
Da ich vorsichtig bin, beauftrage ich den
PJ, mich mit täglichen E-Mails über die
Geschehnisse in
der Firma zu informieren. Traurigerweise wartet mein Laptop noch
auf
seine Aufrüstung, die der Chef mir in einem seiner laxeren
Momente genehmigt
hat, so daß ich für Kontakte mit der
zivilisierten Welt auf ein Internet-Café
angewiesen bin.
Wie 90 Prozent der kultivierten E-Mail-Nutzer bevorzuge ich es,
meine persönliche
Kommunikation in der Zurückgezogenheit
meines Büros oder meiner Wohnung zu
erledigen, wo ich nicht
durch die Geräusche von Quake spielenden Jünglingen
abgelenkt
werde. Dafür ist genug Zeit in den restlichen Stunden des
Tages.
Außerdem warte ich nicht besonders gern darauf, daß
mir ein Typ mit Pferdeschwanz
den langsamsten Computer auf der
Erde einschaltet, der so wenig Arbeitsspeicher
hat, daß er
selbst für die Eingabe des Passwortes nicht reicht.
Als ich
erwähne, daß ich gern mein bevorzugte E-Mail-Programm
nutzen würde,
ernte ich ein mitleidiges Lächeln.
"Ihr
erstes Mal?" gluckst der Pferdeschwanz selbstgefällig.
"Niemand benutzt
dieses Programm."
Ich könnte
ihm das Gegenteil beweisen, aber ich will mich ja erholen.
"Ja,
mein erstes Mal", antworte ich ängstlich. "Was
empfehlen sie denn?"
Er schwärmt mir etwas von der
Alpha-Version der neuesten Fehleransammlung
irgendeiner
selbsternannten absolut hochmodernen Programmierfirma vor und
tippt
das Passwort (´verbinden´, wie ich mühelos
mitbekomme) ein. Er beginnt seinen
Monolog darüber, daß
ich keine Angst vor der Technik haben müsse, die jemand
mit
seiner Erfahrung betreut, um mich zu beruhigen. Irgendwann
verstummt er, wendet
sich wieder dem Rechner zu, um festzustellen,
daß alles nicht so ist, wie es sein
sollte, was
möglicherweise daran liegt, daß ich alle Programme in den
Papierkorb
verschoben habe, als seine Aufmerksamkeit nachgelassen
hatte.
Ich konnte mich nicht bremsen - alte Gewohnheiten wird man
nicht so leicht los.
"Das ist interessant", kommentiert
er.
"Oh, es funktioniert nicht?" jammere ich in einem
Tonfall, der mir aus der
Nutzerbetreuung sehr vertraut ist. "Ich
wußte es, Computer hassen mich."
In der Überzeugung,
ich sei ein ahnungsloser Anfänger, meldet er
sich
erwartungsgemäß beim Datei-Server mit seiner
eigenen Nutzerkennung an und
verläßt sich dabei zur
Geheimhaltung des Passwortes ganz auf sein ´blitzschnelles´
Tippen
(´Mädchenschwarm´ - geschmacklos und größtenteils
unwahr).
Während er eine Neuinstallation durchführt
mache ich 20 Pfund locker und kaufe mir
von einem anderen fettigen
Pferdeschwanz an der Espresso-Theke ein Nutzerkonto.
Er setzt mich
an einen anderen Rechner und gibt mir den Rat, mich einfach ein
wenig
im Internet umzusehen, während sie mit der Fehlersuche
an dem anderen Rechner
beschäftigt sind. Als er verschwunden
ist, beende ich meinen Verlierer-Modus und
lade die E-Mails von
der Arbeit herunter.
Ein weiterer Pferdeschwanz kommt vorbei und
lächelt mitleidig, als er über meine
Schulter blickt und
beobachtet, wie die E-Mails mit 2.400 Baud hereinkriechen, weil
eine
Schulklasse an einem anderen Rechner sich ein Echtzeit-Video
anschaut.
Ein schneller Blick in meine E-Mail sagt mir, daß
der Chef noch immer
Schwierigkeiten macht, indem er in meiner
Abwesenheit einen Netzwerk-Analysten
anheuert. Darum werde ich
mich kümmern müssen.
Doch in der Zwischenzeit habe ich
einen kleineren Fisch zu braten, denn ein
Pferdeschwanz
verschüttet hinter meinem Rücken seinen Espresso, als er
von
hinten zu dem ahnungslosen Kunden heranwatschelt.
Ich
melde mich auf dem Datei-Server als ´Pferdeschwanz1´ an
und schaue mir die
Dateien an. Um die Zeit totzuschlagen,
modifiziere ich das Anmelde-Skript ein
wenig.
Wo ich gerade so
schön dabei bin, beschließe ich, daß die Homepage
des Cafés ein
wenig aufgemotzt werden könnte.
Ein
schockiertes Keuchen wenige Augenblicke später sagt mir, daß
jemand die
erweiterte Fassung der Homepage mit den gerade
hochgeladenen Videos anschaut.
Ein kleiner Hauch von Schweden tut
niemandem weh - speziell dann nicht, wenn,
wie ein schneller Blick
mir zeigt, das Keuchen von der Lehrerin der Schulklasse
kommt, die
versucht, ihre Schüler vom Monitor abzulenken. Mir scheint, er
zeigt
nicht die erwartete Dangermouse-Homepage.
Ich lasse
meine Finger noch einen Augenblick länger über die Tastatur
gleiten, um
meine Nutzerdaten anzupassen, dann gehe ich herüber
um zuzuschauen, wie das
Ende des Unterrichts aussieht, dem die
Jugendlichen ausgesetzt waren.
"Das ist ja ekelhaft!"
rufe ich entsetzt.
Ein Pferdeschwanz entschuldigt sich wortreich.
"Es stimmt also, wenn man über das Internet sagt, daß
es voller Perversitäten ist."
wende ich mich an die
junge Lehrerin.
"Es ist doch nur ein Werkzeug",
verteidigt sich der Pferdeschwanz.
"Das habe ich gesehen."
sagt die Lehrerin.
Es ist lustig, wie warmherzig man zu Personen
sein kann, die man kaum kennt.
Einen Anruf bei der lokalen
Fernsehstation später helfe ich der verlockend hübschen
Lehrerin
und ihren Schützlingen durch das Blitzlichtgewitter, die
TV-Kameras und
die Reporter-Mikrofone nach draußen und halte
nur einmal an, um meine 200 Pfund,
die ich für das
Nutzerkonto bezahlt hatte, wieder in Empfang zu nehmen, die ich
nun
in ein Abendessen mit der Lehrerin zu investieren vorhabe.
Ferien? Nichts als Arbeit, Arbeit, Arbeit ...
Während der B.O.F.H.
sich erholt, sieht sein Ersatz Karrierechancen - was
Gegenmaßnahmen
des PJ herausfordert ...
Dieser Urlaubstag ist ein trüber Tag. Mein neuer Kontakt zum
Bildungswesen muß
arbeiten, so daß ich in die Stadt
ausweiche, um meine tägliche E-Mail in Empfang zu
nehmen.
(Zur Zeit sind die Internet-Cafés an der Küste nur schwer
zugänglich, weil
sie von besorgten Eltern belagert werden und
die Betreiber abgetaucht sind.)
Als ich mich auf dem
Firmenrechner anmelde, bemerke ich, daß der letzte Bericht
des
PJs sehr lang ist. Deshalb werfe ich die Espresso-Machine an und
öffne dann
den Bericht, den der PJ geschickt hat. Er ist ein
Dokument von geradezu epischem
Ausmaß, welches den Kampf
eines kompetenten Netzwerkbetreuers angesichts
schier
unüberwindlicher Widerstände schildert.
Anscheinend hat
sich der vom Chef eingesetzte Netzwerk-Analyst innerhalb
weniger
Tage von der demütigen und unauffälligen Person zu einer
heimtückischen
und verschworenen Person gewandelt. Sicher,
etwas derartiges war absehbar und
wird auch vom Inhaber dieser
Position erwartet, doch er hätte damit wenigstens
warten
können, bis ich gefeuert wurde.
Der PJ hat freilich schnell
herausgefunden, daß das Wissen des neuen
Schoßhündchens
des Chefs über Netzwerke und Unix gleich nach ´nichts´
kommt
- obwohl es sehr nahe daran ist, beinahe noch weniger - wie auch
immer, er
hat keine Ahnung.
Die hervorragend trainierten
Instinkte des PJ bemerkten die Spuren, die auf heimliche
Absprachen
deuteten, so daß er die Telefonüberwachung aktivierte.
Seine Sinne
hatten ihn nicht getäuscht - sein neuer
Vorgesetzter und der Chef kennen sich seit
der Zeit, als die
Elektrizität erfunden wurde.
Weitere Nachforschungen ergaben
erschütternde Übereinstimmungen zwischen
seinem und
meinem Lebenslauf - Wort für Wort vermutlich.
Es scheint,
als hätte der Chef meinen Lebenslauf seinem Freund geschickt.
Und der
hat offenbar das Potential meiner Postition richtig
gedeutet, jede Arbeitsstunde
damit verbracht, beim Nutzerservice
und der Firmenleitung herumzuschnüffeln, um
dadurch die
Erinnerung an mich verblassen zu lassen. Die Beobachtungen des
PJ
deuten darauf, daß er entweder meine Arbeit übernehmen,
den Nobelpreis bekommen
oder auch beides will.
Die Bemühungen
gipfelten darin, daß mein Ersatz sich selbst in den
Vordergrund
spielen wollte, indem er mir eine Nachlässigkeit
nachweist, die er in einer
bewegenden halben Stunde beseitigt, um
so seinen Ruhm unsterblich zu machen. Ich
muß mich nun auf
die Schilderungen des PJ verlassen ...
"Etwas seltsames ist
mit dem Mail-Server passiert", erklärte mein Ersatz dem
PJ
und spürte den kommenden Ruhm. "Es gibt einen Prozeß,
der das Mailprogramm
gestartet hat. Der Prozeß kommt aber
von draußen. Ich glaube, wir werden
angegriffen."
"Woher kommt der Prozeß?" fragte der PJ nach und
erahnte schon die Antwort.
"Von einem Rechner, der sich
bofh.stirbGeekstirb.com nennt."
Der PJ erkannte natürlich
meinen Domainnamen und weiß auch um meine Vorliebe,
mittels
E-Mail auf dem laufenden gehalten zu werden. Also entschied er sich,
die
Situation zu entschärfen, bevor sie außer Kontrolle
geraten konnte.
"Ja, das scheint ein Hacker zu sein."
stimmte er zu.
"Was können wir dagegen tun?" will
der Aushilfs-B.O.F.H. wissen und denkt
offenbar schon an die
Verwertungsrechte an seinem Buch über
Internet-Kriminalität.
"Sollten wir das Anmelden auf unseren Maschinen verbieten?"
"Natürlich nicht", rät der PJ ab. "Das
würde sie nur ärgern. Am besten lassen wir
das
Desinfektionsprogramm durch das Netzwerk laufen."
"Wie?"
"Mit dem Spray-Kommando. Der Name kommt von
Desinfektionsspray. Geben sie
einfach SPRAY RECHNERNAME Strich c
eine Million Strich l Zweitausend und ein
UND-Zeichen ein. Das
machen sie mit allen Rechnern, die zu unserem Netzwerk
gehören.
Das sollte das Netzwerk reinigen, während ich mir einen Kaffee
hole."
Als der PJ zurückkehrt, wird er von gequältem
Heulen empfangen. "Das verdammte
Netzwerk ist tot."
"Nein, nein", kommentiert der PJ. "Es ist noch da
und läuft - aus irgendwelchen
Gründen allerdings nur
sehr langsam."
Ab dann ging es nur noch bergab. Ihn davon zu
überzeugen, alle 10/100 MBit
Ethernet Switch Ports auf 100
Non-Switched umzukonfigurieren, "für erhöhte
Leistung",
war ein Meisterstück - auch wenn 10 Prozent der Nutzer, die 100
MBit
nutzen können, wirklich zufrieden mit der Leistung
waren, die ihnen der Ausfall der
restlichen 90 Prozent bescherte.
Bei dem Versuch, die aufgebrachten Nutzer wieder
zufriedenzustellen hat er von
sich aus die Steuersoftware für
die Router aktualisiert und dabei offensichtlich eine
goldene
Regel nicht beachtet: Traue niemals einer Aktualisierung, die du
nicht selbst
bearbeitet hast.
Das führte zu einem
weiteren heftigen Ausfall, als ein seltsamer Fehler
die
SLIP-Verbindungen (Protokoll zur Einwahl in Netzwerke mittels
Telefon [thomas
w.]) mit höchster Priorität versah, so
daß das Netzwerk beinahe lahmgelegt wurde.
Und das
überraschte den PJ wirklich, hatte er doch noch nicht die Zeit
gehabt, dies
per Hand einzustellen.
Ich will gerade meine
Lektüre beenden, als ein neuer Bericht hereinkommt. Offenbar
hat
es einen scheußlichen Arbeitsunfall mit meinem Telefon gegeben.
Anscheinend
hat das Anschlußkabel meines Headsets die
Isolierung des Netzkabels
durchgescheuert, was dazu führte,
das das Headset nicht nur dem Ego meines
Ersatzes heftigen
Auftrieb gab.
Zum Glück haben wir als ordentliche Netzwerker
einen Notfall-Ausschalter, doch
unglücklicherweise lehnte
eines der schweren Handbücher des PJs zu diesem
Zeitpunkt vor
ihm.
Die Sanitäter haben es dann irgendwie geschafft, meinen
Ersatz mit ein paar
Schokokeksen und einer warmen Decke unter
meinem Tisch hervorzulocken, aber es
sieht so aus, als müßte
ich nun bald damit rechnen, wieder in die Firma
zurückgerufen
zu werden. Man gönnt uns Arbeitenden eben keine Erholung.
Oder
unseren Vorgesetzten ...
Die Fehler eines cleveren
neuen Einkaufssystems bringen die bis dahin
unterdrückten
rachsüchtigen Seiten des B.O.F.H. zum Vorschein ...
Die Leute der Systembetreuung gehen mir wirklich auf die Nerven.
Sie sind nicht
mehr damit zufrieden, daß sie in ihrem
Maschinenraum die unumschränkten
Herrscher - ähnlich wie
der PJ und ich in der Netzbetreuung - sind, sondern haben
nun auch
noch das Bestell- und Einkaufssystem übernommen.
Anstatt wie
bisher ein Gerät, das seinen letzten Atemzug getan hat, zu
identifizieren
und eine Bestellung für ein besser
ausgestattetes Ersatzgerät dem Chef
unterzuschieben, damit er
seine drei Kreuze darunter setzen kann, müssen wir nun
jeden
Wunsch nach Geräten, die etwas mit Computern zu tun haben, per
E-Mail an
das neue Bestellsystem schicken, damit die Systemleute
die Bestellung lesen,
genehmigen und sich um eine preisgünstigere
Alternative umsehen können ...
Ich bin darauf vorbereit, mit
dieser Situation umgehen zu können. Doch der PJ fühlt
sich
wie in Ketten gelegt. Möglicherweise hängt das damit
zusammen, daß wir einen
´Crisco´-Switch anstelle
des ´Crisco´-Switches, den wir bestellt hatten,
bekamen
- direkt aus dem Silicon Back-Valley in Venezuela. Gemessen am
Wert
seiner Gesichter hätte dieses Land seine Exporte bei der
Miss
World-Herausforderer-Marke stoppen sollen. Ich schäme
mich selbst dafür, dem
Repräsentanten des gewählten
Zulieferers ´zuzüglich der Früchtchen, die es für
den
Gegenwert von zwanzig 100base-T Hubs gibt´ gesagt zu
haben, da diese Forderung
offenbar buchstabengenau interpretiert
wurde. Nun, zumindest dürfte die Kantine in
den nächsten
zwei Jahren keinen Engpaß bei Bananen zu befürchten haben.
So schnell wie möglich beschwere ich mich beim Chef.
"Wir
können diese Lieferung nicht annehmen", rufe ich. "Das
Netzteil hat nur zwei
verschiedene Einstellungsmöglichkeiten:
12 und 24."
"Das ist offensichtlich ein
Beschriftungsfehler", antwortet er. "Man hat wohl die
Null
am Ende vergessen."
Als ich einen der Betreuer des
Bestellsystems mit den rauchenden Überresten der
erwähnten
Ansammlung von Müll konfrontiere, erklärt der Chef
defensiv: "Nun
können wir es wohl nicht mehr umtauschen.
Letztlich stand auf dem Gerät ja 12 Volt
beziehungsweise 24
Volt ... Wir müssen es reparieren! Und überhaupt, sie
haben
nicht gesagt, daß sie ein Gerät für 240 Volt
Wechselstrom wollen, als sie die
Bestellung an das Einkaufssystem
schickten. Die Leute können ja schließlich keine
Gedanken
lesen."
"Nein, denn dann hätte ich auch nicht
gesagt: ´Vermeiden sie, Thinwire-Kabel
mitzukaufen´,
oder?"
"Oh, das Kabel lagert noch im Erdgeschoß",
unterbricht der System-Mensch. "Wir
haben dank Crisco´s
Winter-Aktion einen tollen Preis erzielt - ´Thikwire für
wenig
Geld´"
"Sehen sie", sagt der Chef.
"Wir sind schon dabei, Geld zu sparen."
"Sie haben
4.000 Meter Thikwire-Kabel für die Büros gekauft?"
"Genau. Und es war geradezu unheimlich billig." strahlt
er.
Im Rahmen eines außergewöhnlichen Wandels meines
Charakters muß ich einen Tag
lang krankmachen, da ich mich
wirklich schlecht fühle. Als ich dies am nächsten Tag
dem
PJ erzähle, geht es ihm ebenso. Am nächsten Tag sind wir
wieder an unserem
Arbeitsplatz und entschlossen, etwas aus dem Tag
zu machen. Ich zeige dem Chef
ein Stück Thikwire-Kabel, den
Kabelschacht und einen Bohrer mit sehr großem
Durchmesser.
"Wo sollen wir anfangen?" frage ich.
"Uhm",
murmelt der Chef, der genau weiß, daß seine
Beliebtheitswerte in den Büros
sich umgekehrt proportional
zur Lautstärke eines Bohrers verhalten, der sich
langsam
seinen Weg von einem Ende des Gebäudes zum anderen bahnt.
"Vielleicht
sollten wir das Kabel zurückschicken."
"Natürlich sollten wir", antworte ich.
"Das
ist nicht möglich", sagt der System-Mensch. "Wir
müßten eine
Stornierungsgebühr bezahlen, doch das
Bestellsystem ist dafür noch nicht
eingerichtet."
Das
bedeutet Krieg!
Ich schreibe ein Skript, um 20 Disketten zu
bestellen - eine nach der anderen. Dann
ändere ich die
Antwortadresse meiner E-Mails auf die Adresse des Bestellsystems.
Fünf Minuten später geht dem Bestellsystem der
Arbeitsspeicher aus, so daß der PJ
und ich zu einem
improvisierten Treffen mit dem Chef und den Leuten
der
Systembetreuung gebeten werden.
"Er hat den
Arbeitsspeicher unserer Server überlastet und sie abstürzen
lassen!"
heulen die vereinten Systembetreuer.
"Kein
Arbeitsspeicher!" Klickediklack. "Ich habe ihnen gerade
neuen
bestellt ... Oh-oh, schon wieder ein Absturz. Sie scheinen
wirklich ziemlich wenig
Arbeitsspeicher zu haben. Wissen sie,
sobald ihr System wieder läuft, bestelle ich
ihnen noch etwas
mehr, damit sie auf der sicheren Seite sind ..."
"Nein!"
stößt der Chef hervor.
"Aber wir müssen die
Bestellung doch durch das Bestellsystem schicken." sage ich.
"In Ordnung", seufzt der Chef. "Schreiben sie es
auf und geben sie es den
Systembetreuern, und die werden es dann
selbst in das System eingeben."
Der PJ mischt sich ein:
"Aber sie werden Teile vergessen oder übersehen, von
denen
sie glauben, sie seien unwichtig, und wir bekommen wieder
nur Schrott!"
"Nein. Sie werden ihre Bestellung Wort
für Wort eingeben", beschließt der Chef. "Sie
haben
verstanden!"
Die Systembetreuer nicken, und der PJ und ich
stimmen widerwillig zu.
Kaum sind sie wieder verschwunden,
beauftrage ich den PJ, einen neuen Switch zu
bestellen.
"Was
soll ich schreiben, 240 Volt Wechselstrom-UTP-Switch ...?"
"Schreiben sie, was sie wollen. Versichern sie sich nur, daß
es nach den ersten 256
Zeichen kommt, denn für die
Produktbeschreibung sind 256 Zeichen die oberste
Grenze."
"Das ist doch kindisch."
"Nicht so kindisch
wie ´Ein Idiot gibt dies ein´ in das Beschreibungsfeld
zu
schreiben."
"Das würden sie nicht tun!"
"Doch. Ich werde es wieder tun und ich gedenke auch, dies
für den Rest der
Abteilung zu dokumentieren. Noch Fragen?"
"Nein, natürlich nicht."
"Gut, dann
kritzeln sie los. Und machen sie es so unleserlich wie möglich."
Soweit der B.O.F.H. das
einzuschätzen vermag, werden die Leute von der
Systembetreuung
nicht vom Geist der Weihnachtszeit beflügelt. Ganz im
Gegenteil
....
Es ist Weihnachtszeit und die Schleimerei erreicht Rekordwerte,
denn für morgen
sind die Schecks mit dem Weihnachtsgeld
angekündigt, also will jeder seine
Bedeutung im den Augen der
IT-Chefs steigern. Natürlich haben sie dabei alle
völlig
vergessen, daß die anhand der
Kundenzufriedenheit durchgeführten Berechnungen im
vergangenen
Jahr nur zwei Schecks mit extrem hohen Summen hervorgebracht
hatten.
Ich muß gestehen, daß der PJ und ich darüber
wirklich überrascht waren, doch
wie wir alle wissen, irren
Computer sich ja nie.
Das Problem ist nur, daß der IT-Chef
selbst sich wegen einer Extra-Belohnung bei
seiner Weihnachtsparty
bei einer Frau aus der Werbeabteilung einzuschmeicheln
versucht,
indem er ihr eine technische Position in der Abteilung anbietet. Sehr
viel
technischer als die Position, die er ihr bietet, wenn er es
schafft, sie während der
Party im Kopiererraum zu treffen.
Als ich durch die Nutzerbetreuung schleiche, um die Menge vor dem
Büro des
IT-Chefs zu umgehen, klingelt ein Telefon. Voller
Weihnachtsfreude nehme ich den
Anruf an.
"Hallo, hier ist
Bruce aus der Marketing-Abteilung. Jemand scheint
das
Administrator-Passwort für die Website der Firma geknackt
und die Webseiten
verändert zu haben. Ich würde unsere
Website gern gegen Hacker schützen, damit
während der
Weihnachtsferien nichts passiert."
"Wirklich?"
frage ich und erinnere mich daran, wie leicht es war,
die
Produkt-Abbildungen gegen Bilder auszutauschen, die unsere
Kunden wirklich
begeistern werden. "Nun, dann sollten sie
einfach das Passwort ändern."
"Was soll ich
nehmen? Nur ein paar Buchstaben und Satzzeichen?"
"Nein,
seien sie doch nicht albern, nehmen sie etwas, daß sich niemand
aufschreiben
muß, um sich daran zu erinnen. Den Namen der
Firma zum Beispiel. Ich bin sicher,
daß das ausreicht."
"Wirklich? Jemand aus der Systembetreuung sagte, wir sollten
das Passwort so
kompliziert wie möglich gestalten."
"Natürlich haben sie das gesagt." bemerke ich und
erinnere mich nur zu gut an den
alptraumhaften Ärger, den das
Bestellsystem in den letzten Wochen verursacht hat.
"Die
Leute haben es gern, wenn sie angerufen werden, weil jemand das
Passwort
vergessen hat."
"Das stimmt",
antwortet er und erinnert sich ebenfalls gut an die damit
verbundene
Schande.
Ich lege auf und schaue nach, wie weit der
PJ mit seiner
´Kundenzufriedenheitsumfrage´ gekommen
ist. Ein wenig Datenanpassung hat
schließlich noch niemandem
geschadet.
Alles was ich noch tun muß, ist, mich darum zu
kümmern, daß ich die
Aufmerksamkeit des Chefs auf mich
ziehe. Ich bewaffne mich also mit den Bilanzen
der IT-Abteilung,
locke ihn in die Falle und lulle ihn mit bizarren Begriffen
wie
Betriebsausgaben, innerbetriebliche Wertschöpfung,
Kontenausgleich und ähnlichem
ein, bis seine Augen glänzen,
um ihn dann auf die kreative Buchführung hinzuweisen,
um die
es mir geht.
"Und hier habe ich unser Anlagevermögen in
Euro umgetauscht, wie wir das 1999
sowieso machen müssen. Ich
dachte, es sei gut, wenn wir unsere Programme so früh
wie
möglich testen, denn dann können wir die Fehler schneller
finden - und sie vor
der Umstellung rechtzeitig beseitigen."
"Oh, natürlich", antwortet der Chef. "Gute
Idee. Und was ist das da?"
"Hier habe ich alles wieder
in Pfund umgetauscht, da wir im Moment den Euro ja
noch nicht
brauchen und auch noch nicht verwenden."
"Aber die
Ausgangs- und die Endwerte unterscheiden sich um ungefähr
zehntausend
Pfund!"
"Ja, nun, dieser Wechselkurs, die Kommission,
die Bearbeitungsgebühr und die
Steuern müssen
schließlich auch bezahlt werden."
"Oh, Mann!"
ruft der Chef aus. "Hoffentlich müssen wir nicht viele
Tests dieser Art
durchführen."
"Nun, man kann
nie sicher sein. Ich weiß, daß wir noch einen Test machen
werden,
bevor ich im nächsten Jahr meinen Osterurlaub
antrete, doch abgesehen davon liegt
alles in Gottes Hand - wer
weiß, zu wievielen Tests uns die Buchprüfer
noch
verpflichten werden."
"Hmm, nun, dann sollten
wir bis zur Umstellung im Interesse der Firma wohl die
Buchprüfer
davon abhalten, daß sie unsere Finanzen prüfen - sehen sie
ein Problem
darin?"
"Nein, da fällt mir im
Augenblick nichts ein." antworte ich.
"Gut. Aber was
ist denn das da?" fragt er und deutet auf die einzige Grafik in
roter
Farbe.
"Das?" frage ich. "Oh, das ist das
Geld aus dem Budget der Systembetreuer, das
angeblich niemand
ausgegeben hat. Es scheint in zwei größeren Summen
ausgezahlt
worden zu sein, als zwei Systemleute ihren Urlaub
antraten."
"Oh", sagt der Chef und hat meine
Erklärung für die finanziellen Unstimmigkeiten bei
uns
schon wieder vergessen.
"Es ist schon lustig, daß das
Geld genau dann verschwand, als sie ihren Urlaub
antraten."
sage ich, um seinen Verstand wieder in die richtige Richtung zu
lenken.
"Sie meinen, daß die uns bestohlen haben?"
fragt der Chef, als die Erleuchtung
seinen Geist erhellt.
"Ich
befürchte, diese Zahlen lassen keinen anderen Schluß zu",
seufze ich traurig.
"Soll ich die Polizei rufen?"
"Mit
welcher Begründung?" will ich wissen. "Das ist nur
eine Zusammenfassung der
Kontenbewegungen. Damit sie jemanden
strafrechtlich verfolgen können, müssen
wir eine
komplette Buchprüfung mit all den Prüferrechnungen,
möglichem
Euro-Umtausch, Steuern, Gebühren und den
Kosten für die Prüfungserlaubnis
durchführen."
"Prüfungserlaubnis?"
"Die Erlaubnis, die
Buchprüfung in zusätzlicher Zeit vorzunehmen", erkläre
ich ihm.
"Für die Arbeit in den Weihnachtsferien. Das
könnten gut fünfzehntausend Pfund
werden, schätze
ich. Und dabei gibt es keine Garantie dafür, daß sie auch
bestraft
werden."
"Also werfe ich sie raus ...",
ruft er.
"... und riskieren, für einen Rausschmiß
ohne Grund verantwortlich gemacht zu
werden."
"Aber
etwas muß doch dagegen unternommen werden."
"Stimmt",
antworte ich. "Und zwar vor dem nächsten Bilanztag, der in
der zweiten
Januarwoche liegt, wenn ich mich nicht irre."
"Was schlagen sie vor?"
"Nun, sie können
ihnen eine Abfindung zahlen und den Vertrag am 1. Januar
nicht
verlängern." schlage ich vor.
"Ausgezeichnet.
Aber ..."
"Aber?" will ich wissen.
"Wer
wird sich um die Systembetreuung kümmern?"
"Nun,
das ist nicht besonders viel Arbeit. Ich meine, wir könnten uns
darum
kümmern, wenn wir einen weiteren Lehrling einstellen
würden. Wir könnten bis Mitte
Januar bereit sein."
"Wirklich?"
"Natürlich würde das
einen höheren Stundensatz für uns bedeuten."
"Oh
...."
"Was aber viel weniger wäre, als wir am 10.
Januar verlieren würden, wenn die
Situation sich nicht
ändert."
"In Ordnung, dann machen wir es so",
ruft der Chef und watschelt davon, um es so
zu machen.
Ich
erkläre dem PJ die letzten Entwicklungen, als die System-Leute
sich selbst zu
Knochenbrüchen verhelfen - die neuen
Sicherheitsleute gehen ziemlich hart gegen
Widerstand vor, wenn
man sich weigert, das Haus zu verlassen. Vermutlich
ehemalige
Elite-Soldaten.
"Noch mehr Arbeit?" jammert der PJ.
"Verbunden mit einer Lohnerhöhung."
"So?"
"Und sie bekommen eine neue Auszubildende."
"Was
verdammt ..."
"Ihrer Wahl."
"Und?"
"Und ist es nicht Zeit, mit der ´Befragung´ von
Bewerberinnen aus der
Werbeabteilung zu beginnen? Natürlich
erst dann, wenn der Abteilungsleiter mit dem
´Kopieren´
fertig ist."
"Hä?" ruft der PJ, doch dann
kommt auch sein Verstand auf Touren.
"Genau,
bezeichnen sie mich ruhig als einen sentimentalen Weihnachtsmann ...."