Die Original-Bastard-Operator-Geschichten von 1997 Autor: Simon Travaglia Übersetzer: Thomas Weidauer Wie kann man den Besuch der Schnüffler von der Buchprüfung heil überstehen? Der B.O.F.H. hat ein paar Ideen ... Die Dinge stehen nicht gut. Die Geschäftsleitung will offenbar Blut sehen. Bis jetzt gab es zwar noch keine offiziellen Verlautbarungen, doch jeder im Haus weiß, was die Besuche der Buchprüfer zu bedeuten haben ... Die Buchprüfer gehen nicht erst zu den Chefs, was bedeutet, daß sie schon mit allen notwendigen Informationen scharfgemacht wurden. Jemand von den hohen Tieren hat sie wohl auf mich angesetzt, wenn man das Gelächter der notorischen Ja-Sager, die sich meine Kollegen nennen, richtig deutet. Oder es geht um den PJ ... Ich erinnere mich daran, daß ich alle Mitglieder der Geschäftsleitung bei der Mailingliste eines schäbigen Videoversands angemeldet habe, doch ich glaube nicht, daß ich mir dadurch diese Aufmerksamkeit ´verdient´ habe. Die kleinkarierten Prüfer spielen ´Guter Bulle - böser Bulle´. Ein staatlicher Steuerprüfer wirkt verglichen mit ihnen wie Mutter Theresa. Ich habe noch eine Minute, bis sie in meinem Büro eintraffen, also melde ich mich noch schnell beim Router der Geschäftsführung an und starte einen Packet-Sniffer zur Überwachung der Daten. Dann richte ich die automatische Gesprächsaufzeichnung so ein, daß sie die Gespräche für ein paar zusätzliche Telefonanschlüsse mitschneidet. Ich bin gerade damit fertig, als sie kommen. "Das ist eine Sicherheitszone", rufe ich laut und spiele den schwerbeschäftigten Arbeiter. "Interne Buchprüfung", knurrt der böse Bulle. "Haben sie einen Ausweis?" frage ich, um Zeit zu gewinnen, bis ich die verräterischen Zeichen von meinem Monitor löschen kann. Ihre Fotos sind ziemlich unscharf, doch unter dem Vergrößerungsglas kann ich sie identifizieren. "Die scheinen in Ordnung zu sein. Wie kann ich ihnen helfen?" "Wir sind hier, um ihre Ausrüstung zu prüfen und ins Inventarverzeichnis aufzunehmen. Halten sie sich bereit bis wir mit der Prüfung fertig sind." "Wie lange wird das dauern?" frage ich. "Wenn wir fertig sind, dann sind wir fertig." sagt er böse Bulle. Ausgezeichnet. Ich schreibe ihre Namen in das Besucherbuch und lasse sie dann mit meiner Kennung durch die Tür. Sie laufen ein wenig herum, rufen sich Inventarnummern zu und machen dabei komische Geräusche. Ich vertreibe mir die Zeit damit, daß ich die neuesten Bänder der automatische Gesprächsaufzeichnung anhöre. Es dauert nur ein paar Minuten, um dem Sekretärinnengeschwätz zu entnehmen, daß jemand in der Erbsenzählerabteilung herausgefunden hat, daß einer unserer Mikrowellenstrahler auf das Zentrum der Erbsenzähleretage gerichtet ist und nicht in den Himmel. Es ist nicht so, daß wir den Strahler derzeit zum Senden nutzen würden ... Andererseits wäre es in bezug auf die psychsomatischen Kopfschmerzen und andere Krankheiten, die diese Strahlen vielleicht auslösen, die Mühe wert. "In Ordnung", kommt der böse Bulle zu mir. "Ihren Aufzeichnungen entnehme ich, daß sie im vergangenen Jahr als angeblich nicht mehr reparierbar drei Fernseher ausgemustert haben ..." "Ah, Satellitenempfangs-Monitore", unterbreche ich ihn schnell. "Sehr schlechte Qualität, ja." "Zwei Stereo-Videorecorder ..." "Recorder für die Überwachungsanlage mit zwei Audio-Kanälen. Schlechte Qualität." "Einen Mikrowellenherd ..." "Ein Testgerät für die Übertragung von Mikrowellen geringer Reichweite." "Und 112 Videos." "Aufzeichnungsmedien für die Überwachungskameras, stimmt." "Gekauft im Megastore?" "Zu einem guten Preis." "Unbespieltes Material für 15 Pfund pro Kassette?" "Qualität kostet ..." "Warum sind dann die Titel der Kassetten aufgeführt?" "Ein Fehler bei der Erstellung der Rechnung. Rufen sie sie doch an. Ich bin sicher, daß sie in den Aufzeichnungen des Megastores als Leerkassetten auftauchen. Nun ..." "Und sie haben sie ausgemustert?" "Die Sicherheitsrichtlinien verpflichten uns, vertrauliche Aufzeichnungen nach drei Monaten zu vernichten ..." "Nun, und was ist mit diesen vielfarbigen Indikator-Leuchten?" "Wir benutzen sie hier überall ..." "Ja, aber dabei könnte es sich um beinahe alles handeln. Selbst eine Weihnachtsbaumbeleuchtung paßt zu dieser Rechnung." Scharfsinnige Bastards, wirklich ... "Ich bin sicher, daß alles in bester Ordnung ist", sagt der gute Bulle in einem Tonfall, der Vertrauen wecken soll. Zweifellos ist das die gleiche Art von Vertrauen, die in dem Satz: "Halte mir den Rücken frei, Brutus." steckt. Das kann nur eines bedeuten ... "Nur eine Sache noch", fragte der böse Bulle etwas freundlicher. "Sie besitzen WIRKLICH alle Ausmusterungsformulare, die von ihrem Abteilungsleiter und dem Chef der Einkaufsabteilung unterschrieben wurden?" Ups. Plötzlich stehen die Dinge für die Heimmannschaft gar nicht mehr so gut. "Denn wenn sie sie nicht haben, dann MÜSSEN sie persönlich für die Verluste haften. Bei einem Buchwert von rund 5000 Pfund ..." sagt er und genießt dabei sichtlich jede Silbe. "Natürlich habe ich die Formulare", lächle ich und deute auf den Stapel Papier, den ich für solche Situationen vorbereitet habe. "Irgendwo hier. Entschuldigen sie bitte die Unordnung." Während sie sich durch den Papierstapel durcharbeiten, suche ich die Autonummern heraus, die zu ihren Namen gehören, und schicke dem PJ dann eine E-Mail mit seinem Auftrag. Eine Stunde später beschließen die Prüfer, daß der Arbeitstag vorbei ist und ziehen ab. Der PJ und ich machen es ihnen nach folgen ihnen, um Zeuge einer ´zufälligen´ Sicherheitsprüfung am Fahrzeugausgang zu werden. Der PJ und ich sind schockiert und sprachlos, als wir die Kofferraumladungen mit wertvoller ´ausgemusterter´ Technik sehen, die unsere ehemaligen Buchprüfer zusammen mit einem Stapel Ausmusterungsformulare hinaustransportieren wollten. Die Formulare waren leer bis auf jeweils zwei verräterische Unterschriften. "Also dahin verschwinden unsere Ausrüstungen!" platze ich heraus für den Fall, daß die Sicherheitsleute den Faden nach dem anonymen Anruf verloren haben sollten. Status Quo wiederhergestellt. Ich biete dem PJ an, ihn mit einem Bier für den Krampf in seiner Signierhand zu entschädigen. Das Leben an der Spitze ist hart - glaubt niemandem, der etwas anderes behauptet ... Der B.O.F.H. hat Lust auf einen harmlosen Schwindel. Doch wie wird man den störenden Chef los? Kleinigkeit ... Unser Chef ist tollwütig, könnte man sagen. Ich habe ihn nicht mehr so verrückt gesehen, seit der PJ und ich die Erbsenzähler davon überzeugt haben, daß Windows 95 seit zwei Jahren obsolet ist und sie auf die diesjährige Version, nämlich OS/2, umsteigen müßten. "Was zum Teufel ist in der Werbeabteilung passiert?" stößt er hervor. "Der Abteilungsleiter hat mich angebrüllt. Er sagte, sie hätten eine Sekretärin alle Installationsdisketten löschen lassen und ihre Rechner mit Viren infiziert!" "Sie machen Scherze", antworte ich und strahle tiefste Unschuld aus. "Ich habe mit niemandem in der PR-Abteilung geredet. Oder haben die mich etwa angerufen?" "Nein, sie haben den Nutzer-Service angerufen, aber den Anruf haben sie angenommen!" "Das kann nicht sein - ich habe den gesamten Tag mit Arbeiten am Netzwerk zugebracht." antworte ich. Unser automatischer Netzwerk-Betreuer dürfte für ein bequemes Alibi sorgen. "Und was ist DAMIT?" ruft er und fuchtelt mit meiner Viren-Diskette herum. "Das ist eine Diskette mit einem Virus", sage ich. "Und warum haben sie sie mit ´VIRUS SCAN´ beschriftet?" "Das war eine Erinnerungen für mich selbst, daß ich diese Diskette prüfen muß. Ich habe herausgefunden, daß sich tatsächlich ein Virus auf ihr befindet und sie in den Papierkorb geworfen. Aber offensichtlich hat jemand irrtümlicherweise versucht sie weiterzuverwenden." "Der komplette Server in der PR-Abteilung ist nun infiziert, und sie müssen den Nutzern verbieten, ihn zu nutzen, damit sie ihre PCs nicht wieder neu infizieren." "Natürlich", sage ich. "Aber der PJ und ich können die Dinge wieder richten." Der PJ ist sichtlich verwundert über meine Bereitschaft, dem Plebs in der Werbeabteilung zu helfen, doch das ist genau die Gelegenheit, auf die ich gewartet habe, um ihre Computer dazu zu nutzen, ein paar kleinere Veränderungen in den Jahresabschlußberichten vorzunehmen. Nur wenige Betrachter haben die Reißzähne und Geweihe, die ich den IT-Chefs verpaßt hatte, im vergangenen Jahr bemerkt. Für dieses Jahr muß ich wohl eine weniger subtile Bearbeitung der Druckversionen vornehmen. Die Sicherheitsvorkehrungen haben sie freilich verstärkt, als sie feststellten, daß die Zahlen der Firma nicht so aussahen, wie sie aussehen sollten - die Sorte von Zahlen, die man den Aktieneigentümern lieber nicht zeigt. Auf der anderen Seite hat sich die Druckerei über den Extra-Auftrag gefreut, deren Bonus natürlich auch die Wohltätigkeitskasse des B.O.F.H. wieder schwarze Zahlen schreiben ließ. "Gut", erklärt der Chef und unterbricht meine Gedanken. "Ich werde die Aktion natürlich persönlich überwachen - zur moralischen Stärkung und des Zusammengehörigkeitsgefühls wegen ..." Unglücklicherweise kann der Chef den Beitrag zur moralische Stärkung, den er vor einigen Tagen in der Cafeteria leistete, kaum mehr übertreffen. Er rutsche damals auf einem Fettfleck aus und plazierte sein Gesicht in einer vegetarischen Lasagne. Doch das ist nicht der Hauptgrund. Meine kreativen Gedanken werden einfach gehemmt, wenn der Chef mir ständig über die Schulter blickt. Zeit für eine Strategie, mit der wir ihn loswerden ... "Großer Gott!" rufe ich und trete gegen den Netzstecker des PCs des PJ. "Dieser Blitzableiter ist einfach lächerlich." "Welcher Blitzableiter?" fragt der Chef. "Sie wissen doch, die Kupferleitung, die diese Seite des Gebäudes mit der Erde verbindet. Wir haben sechs Wochen auf den Wartungsdienst gewartet, der sich den Blitzableiter über unserem Fenster auch nur anschaute." "Aber wir haben doch mehrere Blitzableiter", antwortet der Chef, der offenbar keine Ahnung von den aktuellen Kupferpreisen hat (oder, um etwas genauer zu sein, von den Preisen vor sechs Wochen, als der PJ und ich etwas Geld brauchten). "Nein, nur einen - eine ökonomische Einsparmaßnahme ihres Vorgängers", füge ich als passende Ausrede hinzu, die er auch nicht widerlegen kann. "Oh? Dann werfen wir doch einen Blick darauf!" Ich führe ihn zum Fenster und zeige auf den Blitzableiter. "Wozu brauchen wir einen Wartungsdienst? Sie können doch ebenfalls hinaufklettern und das Ding in ein paar Augenblicken reparieren." "Ich bin nur für das INNERE des Gebäudes zuständig ..." sage ich. "Oh, zum Teufel damit - machen sie das verdammte Fenster auf!" schreit der Chef nun offensichtlich im Idioten-Modus. Fünf Minuten später ist er in einer verletzlichen Position und damit auch sehr beschäftigt. "Ich habe gar nicht gewußt, wie hoch wir wirklich sind ..." sagt der PJ verträumt. "Stimmt. Wenn sie aus dieser Höhe abstürzen, dann braucht man eine Schaufel, um sie in den Krankenwagen zu befördern." antworte ich. Erwartungsgemäß blickt der Chef nach unten. Die plötzliche Blässe seines Gesichts und das Weiß seiner Knöchel zeigen an, daß er nun an seinem Platz gefangen ist und so schnell auch nirgends mehr hingehen wird. Nachdem wir zwei Stunden in der Werbeabteilung mit dem ´Beseitigen´ von Viren zugebracht haben, sieht der Jahresbericht perfekt aus. Zumindest dann, wenn man den Werbe-Chef mit einer John Lennon-Brille und einem Dollarschein als Zunge sowie zwei sehr konservative IT-Bosse, die Händchen halten, gern sieht. Natürlich haben sich die Zahlen der Firma auch nicht verbessert - nun schon in zwei aufeinanderfolgenden Jahren. Ich bleibe kurz stehen, um dem Chef zuzusehen, der in seiner neuen und ziemlich attraktiv aussehenden Zwangsjacke aus dem Haus begleitet wird. Der Wachdienst muß ´seine´ Notizen über Streß und Arbeitsüberlastung auf dem Fensterbrett gefunden haben. Das sieht nach einem neuen Spitzenwert moralischer Unterstützung aus .... Und auch der nette kleine Bonus von den Druckern sollte nicht vergessen werden. Der Chef der Erbsenzähler hat einen drittklassigen Plan ausgeheckt, um den B.O.F.H. und seinen Gefährten auszutricksen. Wie konnte er nur ... Es geschieht nicht oft, daß wir durch einen Besuch des Chefs der Erbsenzähler ´geehrt´ werden. In Wahrheit kam es bisher nur einmal vor, daß er den Frieden in den heiligen Hallen des B.O.F.H. störte, als er herausgefunden hatte, daß die ´satellitengestützte Datentransfertechnologie´ anscheinend auf ein Buchmacherbüro gerichtet war und hauptsächlich Resultate von Pferderennen übetrug. Ich spüre, daß er mir diesmal etwas zu sagen hat, das wichtig ist. Er sieht aus, als sei er wirklich sehr zufrieden mit sich selbst. Sein gutgenährtes Gesicht zeigt einen Ausdruck, der eine unheimliche Ähnlichkeit mit dem eines Wolfes hat, der ein einsames Schaf beobachtet. Er richtet sich zu seiner vollen Größe von einem Meter sechzig auf und spricht mit freundlicher, aber merklich nervöser Stimme. "Angesichts der Tatsache, daß ihre Vorstellungen von technischem Service ziemlich eigenwillig sind, um es vorsichtig auszudrücken, haben wir uns entschlossen, uns einen eigenen Server zuzulegen und einen eigenen Netzwerkbetreuer einzustellen." Er schweigt vornehm, damit mir die Schlußfolgerungen seiner Rede bewußt werden. "Kann ich das so auffassen, daß sie nicht zufrieden mit dem Service sind, den mein Assistent und ich ihnen bieten?" erwidere ich und deute auf den PJ. "Er?" gluckst der Erbsenzähler. "Er ist nichts anderes als ein Psychopath." Der PJ strahlt wegen dieses Kompliments. Die Anklage aus der höheren Etage geht weiter. "Wir werden einen richtigen Netzwerkbetreuer einstellen, so daß wir sie beide nie mehr in die Nähe unseres Netzes lassen müssen. JEDER den wir finden ist verglichen mit ihnen eine Verbesserung." Schreckliche Worte, doch ich war sowieso gelangweilt. Etwa eine Woche später wird uns das entsprechende Rundschreiben von einem Briefträger der Erbsenzähler gebracht. (Es ist offensichtlich, daß die vorangegangene Konfrontation mit uns den gesamten Mut des Chefs der Erbsenzähler aufgebraucht hat.) Ab 9 Uhr sind wir nicht mehr für das Netzwerk in der Finanzabteilung zuständig. Ich gebe die Notiz dem PJ und sehe die Angst in seinen Augen aufleuchten. "Nun, da wir nicht mehr für die Erbsenzähler zuständig sind, haben sie wohl ihre eigenen Router", sage ich und ziehe ein paar Stecker. Interessanterweise meldet das kleine Testgerät, das ich in ihre Kaffeemaschine eingebaut habe, daß sie noch immer Daten aus dem Netz bekommen ... hmmmm ... nicht schlecht, diese Typen. Ich tippe schnell eine Nachricht und ziehe sie auf das Pager-Icon auf meinem Desktop. Ein paar Sekunden später klingelt mein wirklich furchtbar privates Handy. Der PJ ist fasziniert und verängstigt; nur wichtige und mächtige Personen kennen die Nummer dieses Handys. Und wenn es klingelt, dann bedeutet das normalerweise, daß wir wirklich in Gefahr sind. Der PJ hat das Handy noch nie in Aktion gesehen, deshalb beobachtet er es wirklich sehr ängstlich. "Hallo? Ja, das ist richtig ... ja, ich meine ... nein, wir haben absolut keine Zugriffsrechte. Es wird vollständig vom neuen Netzwerk-Operator gepflegt. Oh, sie sind das, wirklich? Das ist schön ... ja, in Ordnung, Victoria-Station in fünfzehn Minuten." Der PJ sieht verwirrt aus und wird noch mehr von dem Feueralarm verschreckt. Ich erkläre, daß der Alarm wohl etwas mit dem Rauch zu tun hat, der aus der Erbsenzähler-Zentrale kommt, und er eilt nach draußen, um sich die Sache anzuschauen. Der Groschen fällt, er kommt wieder zurück und will von mir wissen, woher ich wußte, daß etwas in der Erbsenzähler-Etage nicht stimmt, denn ich konnte weder den Rauch noch die Feueralarmüberwachung sehen. "Nun, sie erinnern sich an Martin?" "Was, den Mann, dem sie mich einmal vorgestellt haben?" "Ich habe sie so vielen Leuten vorgestellt ..." "Okay, den mit dem Pferdeschwanz und der Fixierung auf Alkohol, dessen Temperament und Verhalten den Nutzern gegenüber uns beide wie den heiligen Franz von Assisi aussehen läßt?" "Ja, das ist er." "Von dem sie letzte Woche erzählt haben, daß er eine Arbeit sucht?" "Hmmm ... nun, er war eher derjenige, dessen Name durch einen seltsamen Zufall ganz oben auf der Bewerberliste der Erbsenzähler stand." erkläre ich. Ihm dämmert plötzlich, weshalb ich in der vergangenen Woche so viel Zeit mit dem Stöbern in der Personal-Datenbank verbracht habe - und weshalb ich so wild darauf war, dem netten Arbeitsvermittler ein paar freundliche Vorschläge zu machen. Ein Gedanke kommt mir noch. "Halt, halt ... warten sie, bis sie den Router sehen, den die Erbsenzähler sich zugelegt haben. Das ist eines von diesen zusammengeflickten Dingern, wie man sie nicht gerade oft sehen kann. Ich verspreche ihnen, daß die Erbsenzähler noch viel Ärger mit dem Ding haben werden. Es gibt auf der ganzen Erde nur zwei Leute, die das Betriebssystem des Routers kennen, und das sind die zwei, die es geschrieben haben. Einer von ihnen sitzt vor ihnen." "Und der andere?" "... kennt die Nummer meines privaten Handys und ist nun auf dem Weg zum Pub um die Ecke. Kommen sie, ich habe ein paar Biere zu kaufen." Jemand hat herausgefunden, wohin die ´befreiten´ Telefone verschwinden. Es ist höchste Zeit, ´B´ für Bastard zu wählen ... Wir haben ein Problem. Der Chef hat sich vorgenommen, mit Geld, das viel sinnvoller für andere Dinge angelegt werden könnte, die Telefone in der Firma zu standardisieren. "Warum tut er das?" fragt der PJ "Weil er irrtümlich glaubt, daß das irgendeine Auswirkung auf die Anzahl der Telefone hat, die jedes Jahr ´befreit´ werden und dann bei den Angestellten landen." "Sie meinen, die Telefone werden GEKLAUT?!" fragt der PJ, der offenbar noch glaubt, das Verbrechen mache einen Bogen um unsere Firma. "Natürlich", rufe ich. "Das gehört einfach zur Arbeit im Büro dazu. Es war auch schon immer so. Im Tausch gegen ein neues Telefon bekommt die Firma lebenslange Loyalität und ein weiteres uraltes und riesiges Monster aus dem Jahr 200 vor Christi Geburt, was ganz nebenbei eine gute Rechtfertigung für all den Platz ist, den wir im Erdgeschoß für uns reserviert haben ..." "Und das funktioniert wirklich?" "Logisch. Denken sie sich eine Nummer aus. Irgendeine Nummer!" Der PJ tippt eine Nummer und schaltet die Lautsprecher ein. "Hallo, Entwurfsabteilung." "Hallo, die Netzwerkbetreuung ist hier. Es scheint, als hätten wir ein kleines Problem mit ihrem Telefon mit der Seriennummer 138728." Mein Monolog wird durch das Geräusch unterbrochen, das ein in Panik auf die Gabel gelegter Telefonhörer verursacht. "Was ist passiert?" fragt der PJ. "Ich würde sagen, jemand ist im Moment damit beschäftigt, die Treppen hinunter und nach Hause zu rasen, um ein Telefon zu holen. Merken sie sich, wie wirksam die Nennung einer Geräte-Seriennummer ist, um die Leute aus dem Gebäude zu jagen ..." Der PJ und ich beobachten, wie ein Angestellter aus dem Haupteingang rennt und über die Straße zur nächsten U-Bahn-Station hetzt. Dann rufe ich die Nummer erneut an ... "Hallo", meldet sich schroff eine Stimme im Gestörter-Chef-Modus. "Pete", plaudere ich los. "Zum Glück erreiche ich dich noch. Grüße Sheryl von mir, wenn du sie siehst, du Verführer." "WER IST DA?" Ich lege schnell auf. "Ich bin sicher, daß zumindest SEINE Abwesenheit nicht bemerkt werden wird ... nun, lassen sie uns nach oben gehen und sein Schreibtischtelefon klauen. Er wird zu geschockt sein, um sein Firmentelefon wieder mit nach Hause zu nehmen. Bis zum Zahltag muß er wohl ohne Anrufe auskommen." "Sie sind wirklich ein Bastard", gibt der PJ widerwillig zu. "Natürlich. Und jetzt gehen wir zum Chef ..." "... und wie soll das den Diebstahl verhindern?" frage ich den Chef, nachdem ich mir seinen Vorschlag angehört habe. "Weil es sich um ein spezielles Modell handelt - mit einem schmalen Gehäuse und Digital-Display, das in DIESER Ausführung nur für DIESES Unternehmen hergestellt wird. Und natürlich wird das Firmenlogo aufgedruckt sein." "Nun, ich glaube, sie sind da ein wenig vom richtigen Weg abgekommen", stellt der PJ völlig richtig fest. "Wenn sie ein Telefon haben wollen, das niemand klauen kann, dann machen sie es 20 Pfund schwer und lassen es wie Schrott klingen." Braver Junge. Der Chef ist etwas verwirrt, denn er weiß, daß er seinen Vorschlag der Geschäftsführung zur Genehmigung vorlegen muß. Und er will nicht, daß wir seinen Plan stören ... Ich entscheide mich, ihn vorerst in Ruhe zu lassen. "Nun, wir können nicht den ganzen Tag hier herumlungern. Das Netzwerk muß gewartet werden und so weiter." Sehr zu seiner Erleichterung marschieren wir aus seinem Büro. "Ich glaube nicht, daß die Geschäftsführung seinen Plan genehmigen wird", vermutet der PJ, als wir unser Büro betreten. "Verlassen sie sich lieber nicht darauf", antworte ich. "Kleben sie das Firmenloge auf irgendetwas und sie werden ihnen alles genehmigen - besonders dann, wenn die Konkurrenz noch nicht auf diese Idee gekommen ist ..." Ich lasse den PJ allein und begebe mich in die Räume der Geschäftsführung, um die Präsentation unseres Chefs ´vorzubereiten´. Zum Termin der Präsentation halten wir uns in der Netzwerkzentrale auf, als ein Anruf des Chefs kommt. "Warum funktioniert die Testleitung nicht?" knurrt er erwartungsgemäß. "Keine Ahnung", sage ich. "Wir sind schon unterwegs." "Sie müssen nicht ..." Schnell wie ein Blitz sind der PJ und ich im Präsentationsraum. "Na sowas", ruft der PJ, der seinen Text perfekt beherrscht. "Neue Telefone, die genauso aussehen wie die, die die Konkurrenz gerade eingeführt hat." Alle Köpfe drehen sich herum, als unser Chef in die Rolle des Verlierers schlüpft - er weiß genau, daß man niemals die Konkurrenz kopieren wird. "Und da haben wir auch schon das Problem", sage ich und löse meinen Blick vom Testgerät. "Es ist das Anschlußkabel dieses Modells. Ich werde mir eine entsprechende Notiz machen." Ich hole meinen persönlichen Disorganiser hervor, den ich zu Beginn des vergangenen Jahres bei einem Nutzer befreit hatte. Auf das Gehäuse habe ich neulich ein Firmenlogo geklebt. "Was ist das?" will einer aus der Geschäftsleitung wissen. "Oh, nur ein Organiser. Ich habe das Firmenlogo aufgeklebt, damit er auf Konferenzen nicht mehr so leicht verwechselt oder gar geklaut wird." "Davon könnte ich auch einen gebrauchen." kommt die Antwort, auf die zustimmendes Gemurmel folgt. Unserem Chef dämmert, daß er nun endgültig verloren hat. Wie geplant sitzen der PJ und ich zwei Stunden später im Pub um die Ecke, wo wir ein paar Biere trinken, die wir mit dem Geld bezahlen, das wir soeben als Prämie für unseren Vorschlag, ´Firmen-Organiser´ einzuführen, bekommen haben. Nun, wenn es nicht so einfach wäre, könnte man es beinahe als Herausforderung bezeichnen. Der Chef kocht sein Süppchen in der falschen Mikrowellenschüssel, so daß der B.O.F.H. ihn wieder einmal ganz einfach ausmanövrieren kann ... Der Chef ist auf dem Kriegspfad! Statt wie ein tapferer Mann seine Niederlage bei der jüngsten Firmentelefonaffäre einzugestehen, will er sich an uns rächen und versucht nun, uns das Leben zur Hölle zu machen. Dabei zwingt er uns jeden einzelnen Sicherheitsstandard auf, den die Menschheit kennt. Hinzu kommt noch, daß er persönlich überprüft, wann wir zur Arbeit kommen und Feierabend machen. Und auch vom kreativen Erfinden von Abrechnungen, womit wir sonst den größten Teil unserer Arbeitszeit verbringen, hält er uns dadurch ab. Das ist nicht gut. Nun, Angriff ist die beste Verteidigung. Und natürlich dauert es auch nicht lange, bis der PJ und ich ins Büro des Chefs kommen sollen, weil wir vergessen haben, Warnschilder bei den geöffneten Kabelschächten aufzustellen. Meine Befürchtungen bestätigen sich, als ich den Chef der Personalabteilung neben dem Chef sitzen sehe. Er war noch nie ein großer Fan von mir oder dem PJ - zumindest nicht mehr, seitdem wir uns im Rahmen von Reparaturarbeiten an der Telefonanlage ein wirklich sehr privates Telefongespräch, das er mit seinem Arzt über ein sehr persönliches Problem führte, mithören mußten. Vielleicht hätten wir ihm nicht dafür danken sollen, nicht ´vorschnell´ gehandelt zu haben ... Der Chef beginnt seinen Angriff. "So sehr ich solche Sachen auch ablehne, doch in diesem Fall kann ich einfach kein Auge mehr zudrücken. Ich fürchte, ich muß sie beide nach diesem gefährlichen Sturz schriftlich und vor der Belegschaft verwarnen." sagt er. "Den gefährlichen Sturz in drei oder vier Zoll Tiefe?" "Was nichts daran ändert, daß es ein gefährlicher Sturz war", antwortet er aufgehetzt vom Personalchef. "Könnte ich einmal mit ihnen persönlich reden?" frage ich ganz um sein Vertrauen bemüht. "Nein, das wird nicht nötig sein", antwortet der Chef. "Oh, ich habe eigentlich nicht sie gemeint. Ich meinte den Repräsentanten aus der Personalabteilung. Denn da wir gerade über Sicherheitsrisiken reden, dachte ich, der PJ und ich könnten mit ihm über den billigen Mikrowellen-Sender reden." Wie durch ein Wunder wandelt sich die Stimmung im Zimmer. Könnte es daran liegen, daß der Chef sich daran erinnert, WER die besagte Sendeschüssel empfohlen und (gegen den ausdrücklichen Rat der Netzwerk-Techniker) bestellte? "Vielleicht könnte ich ein oder zwei Minuten entbehren", sagt der Chef schmallippig. "Nun, es geht hauptsächlich um eine Vorsichtsmaßnahme, müssen sie wissen", sage ich, als wir unter vier Augen miteinander sprechen. "Da dies meine letzte Verwarnung ist, kann ich nicht damit rechnen, daß mein Arbeitsvertrag noch einmal verlängert wird. Und deshalb muß ich natürlich jemanden finden, der sich um diese Sendeschüssel, die sie im vergangenen Jahr empfohlen haben, kümmert und alle zwei oder drei Wochen einmal auf das Dach klettert, um die Befestigungsschrauben anzuziehen. Offenbar neigt sich die Schüssel immer mehr nach vorn, so daß sie irgendwann direkt auf das Dach strahlen wird. Wir hätten das alles nicht herausgefunden, wenn sich nicht einer der Mitarbeiter im Büro direkt unter dem Dach darüber gewundert hätte, daß der Kaffee in seiner Tasse immer dann zu kochen anfängt, wenn wir mehr als 20 Prozent der verfügbaren Bandbreite nutzen ..." Der Chef ist, wie wir unter uns Fachleuten sagen, gefangen in einem Kanu ohne Paddel und rast auf den Wasserfall zu. Er versucht erfolglos, seine Angst zu verbergen, die ihn überfällt, als ihm die möglichen Folgen für seine Karriere bewußt werden. Und, was noch wichtiger ist, wer für seinen Sturz verantwortlich wäre ... "Wer war doch gleich der Angestellte?" fragt er und simuliert leises Interesse. "Oh, sie kennen ihn!" antworte ich. "Wilson, Wilkins - etwa so klang sein Name. Sie wissen doch, der Kerl, der immer wegen Kopfschmerzen und ähnlichem Krimskrams fehlt." Der Wasserfall kommt immer näher. Er WEISS, daß wir eine unterschriebene Kopie seines Schreibens (natürlich zusammen mit unserer Antwort) sicher an einem feuersicheren Ort hinterlegt haben, zu dem er erst dann Zugang erhält, wenn der Teufel Frostschutzmittel und Wolldecken bestellt. 52 Sekunden später sind wir wieder im Büro ... "Nun, damit ist die Sache dann hoffentlich erledigt", sagt der Chef sehr zum Ärger des Personalchefs. "Es hat den Anschein, daß die Warnschilder aufgestellt WAREN. Ja, ich glaube, ich habe sie sogar selbst gesehen! Nun, sollten sie sich nicht besser an die Arbeit machen und die Reparatur abschließen ..." "Wir sind schon unterwegs", stimme ich zu. "OH! Das hätte ich doch beinahe vergessen. Hier sind noch die Stundenabrechnungen, die sie vorhin nicht unterschreiben wollten! Ah! Ich sehe schon, warum sie sie beanstandet haben! Der PJ und ich konnten die ... ähm ... dringenden Wartungsarbeiten nicht in unserer regulären Arbeitszeit beenden, deshalb haben wir sie ja in zwei Sonntagnächten gemacht. Ich werde das Formular ausfüllen, so daß sie gleich unterschreiben können." Der Personalchef verschwindet mit einem Fluch, von dem ich ganz sicher weiß, daß er von der Unternehmensleitung nicht gebilligt wird, und der Chef unterzeichnet die Überstundenabrechnung über eine Summe, die vermutlich dem Bruttosozialprodukt eines kleinen kommunistischen Staates entspricht. Der Sieg und die Bezahlung der Überstunden gehören uns, deshalb zeige ich guten Willen und überlasse dem Chef eines der Back-Ups, die wir außerhalb der Firma lagern. "Was war das?" fragt der PJ. "Oh, ich habe dem Chef nur sein Memo über die Anschaffung der Sendeschüssel zurückgegeben." "Sind sie sicher, daß das eine gute Idee war? Er wird das Back-Up einfach zerstören." "Das ist vermutlich das beste", antworte ich. "Nach allem, was geschehen ist, war das die einzige Aufzeichnung über die Schüssel, die noch existierte. Und ohne Aufzeichnungen ..." "Ich rufe den Schrotthändler an." Verkatert und gezwungen, die Nutzer-Betreuung zu übernehmen - wäre er nicht der B.O.F.H., wäre es ein schlimmer Tag ... Es ist ein schwerer Tag in der Netzwerkzentrale und ich habe einen Kater, der selbst die tapfersten Superhelden zum Heulen gebracht hätte. Ich weiß nicht mehr genau, wie ich nach Hause kam, aber ich glaube, daß eine sehr, sehr lange Taxifahrt und die Kreditkarte von irgendjemandem dabei eine Rolle gespielt haben ... Nachdem wir den gestrigen Tag auf der Computer-Messe am anderen Ende der Stadt mit dem ´Ködern´ von Lieferanten zubrachten, war es einfach unvermeidlich, daß wir danach mit einigen dieser speichelleckenden Verkaufsmanager in den Nachtclubs landeten, um jeden Drink auszuprobieren, den es gibt. Der Erste, der zusammenbricht, hat verloren - das Geschäft, die Initiative und seine Firmenkreditkarte, wenn er nicht hinschaut. Wegen meines Gesundheitszustandes habe ich beinahe vergessen, daß wir dem Chef mitgeteilt haben, daß der PJ und ich natürlich gern die Vertretung in der Nutzer-Betreuung übernehmen, während sie bei einem Arbeitsschutz-Seminar lernen, wie man ein ganzes Wort eintippt, ohne gleich an RSI (Repetitive Strain Injury - Tastaturkrankheit), oder wie man das heute auch nennt, zu sterben. Der Chef ahnte zwar, daß wir etwas im Schilde führen, doch hat er natürlich nicht den Mut, uns mit seiner Anwesenheit zu ´erfreuen´. Und ihm fehlt wohl auch das geistige Auffassungsvermögen um herauszufinden, worum es uns geht. Aber das ist ja keine Überraschung. Nun, soll er bei dem RSI-Seminar zusammen mit all den anderen Halbtoten sich doch darüber wundern, daß die Gesundheits- und Arbeitsschutzvorschriften der Firma zwar vorschreiben, daß alle Mitarbeiter daran teilnehmen müssen. Sein Protest, er hätte schon an diesem Seminar teilgenommen, verpuffte aber wirkungslos, denn in der Personaldatenbank war weder ein entsprechender Eintrag vorhanden (Ups!), noch besitzt er die ´Sie-kommen-aus-dem-Gefängnis-frei´-RSI-Kurs-Teilnahmekarte. Der PJ und ich haben andererseits schon verschiedene dieser Zertifikate und entsprechende Einträge in der Datenbank, obwohl wir noch immer keine Ahnung davon haben, wie der Seminarleiter aussieht oder worum es bei diesen Veranstaltungen eigentlich geht. Im Bewußtsein seiner Niederlage zieht der Chef leise und unauffällig davon. In der Zwischenzeit habe ich im Benutzer-Service die Rauchmelder wieder angeschlossen, nachdem ein kleines Feuerchen das Zertifikat des Chefs über seine Teilnahme am RSI-Seminar verbrannt hat. Ich verdächtige das Heizungssystem - es hat wohl Überstunden gemacht. "Hallo, ist dort die Nutzer-Betreuung?" "Ja, sie sind richtig." antworte ich liebenswürdig und hilfsbereit. "Können sie mir die Nummer des Modem-Pools geben?" "Natürlich kann ich!" antworte ich und nenne dann die Nummer eines Fax-Gerätes aus der vierten Etage, was sie wohl für ein paar Wochen erfolgreich verwirren wird. Ich lege auf und bin gerade am Einschlafen, als das Telefon wieder klingelt. "Mein Laptop läuft immer langsamer. Können sie mir helfen?" "Natürlich kann ich das. Aber sagen sie mir nicht, daß sie noch immer mit der Stromfiltereinheit arbeiten?" *DUMMY MODE EIN* "Die Stromfiltereinheit?" "Ja, die Einheit, die den Strom für ihren Laptop filtert. Normalerweise ist sie schwarz und ungefähr drei Zoll lang und zwei Zoll breit." "Oh ... ja, ich sehe sie." "Gut, dann müssen sie erst einmal die Filtereinheit durch das filterlose Kabel ersetzen." "Das filterlose Kabel?" "Ja, es lag mit in der Verpackung des Laptops. Wahrscheinlich liegt es noch dort." "Aber ich habe die Verpackung in den Müll geworfen!" "Hmmm. Nun, ich könnte ihnen eins bestellen, aber haben sie für die Zwischenzeit denn ein ungenutztes Netzkabel?" "Uuuuhhhmmm ..." "Leihen sie sich einfach eins von einem anderen Rechner - das ist dann deren Problem." "Ja, ha ha", lacht er ins Telefon. Was für ein Einfaltspinsel. "Gut, jetzt schalten sie den Laptop und den Stromfilter aus, dann schneiden sie das Kabel zwischen dem Stromfilter und dem Laptop etwa in der Mitte durch und entfernen etwas von dem Isolationsmaterial. Dann müssen sie nur noch die beiden Kabelenden in die Anschlußdose des neuen Netzkabels einführen ..." "Das habe ich gemacht." "Und das Netzkabel anschließen." "Okay, vielen Dank." Er legt auf und ich beginne in Gedanken mit dem Countdown. Ungefähr zehn Sekunden später geht der Feueralarm los, was ich als vielversprechendes Zeichen werte ... Am Ende des Tages kommt der Chef ins Büro. Er wirkt nicht gerade begeistert. Offensichtlich hat er etwas vom Ratschlag des PJ gehört, der einem Nutzer empfohlen hat, die Passwörter für die Bildschirmschoner auf allen Rechnern in seiner Abteilung zur Erhöhung der Sicherheit durch völlig zufällige Buchstabenkombinationen zu ersetzen. Die Nachricht von der Aussperrung aus den Computern verbreitete sich nach der Mittagspause innerhalb weniger Minuten im gesamten Haus ... Angesichts der Ahnungslosigkeit und des offensichtlich naiven Verständnisses von Sicherheit, das der PJ zeigt, kommt der Chef herein, tobt ein wenig über die verlorene Zeit, Produktionsausfall, Verschwendung von Firmengeld, unzufriedene Kollegen, bla, bla, bla ... Wir stimmen pflichtbewußt seinen Argumenten zu und versprechen, uns in der Zukunft zu bessern, sollten solche Probleme noch einmal auftauchen. "Übrigens", fährt der Chef mit einem Stirnrunzeln fort, "haben sie mein Zertifikat über die Teilnahme am RSI-Seminar gesehen? Ich könnte schwören, daß ich es auf den Tisch dort drüben gelegt habe ..." Auf der Suche nach der Urkunde verläßt er uns, während ich die Rauchmelder abschalte und der PJ einen Eintrag in der Personaldatenbank aktualisiert ... Es sieht so aus, als hätten wir morgen wieder Arbeit, Arbeit, Arbeit .... Der B.O.F.H. wird mit ultimativer Bürokratie konfrontiert. Aber er hat keine Lust darauf ... Der Geruch von Fisch liegt in der Luft. Faulem Fisch. Im besten Falle ist es der von geschmortem Thunfisch. Der Chef hat gute Laune. Ja, er strahlt richtig. Das kann nur etwas Schlechtes für uns bedeuten. Ganz besonders angesichts der Tatsache, daß er in letzter Zeit verdächtig oft mit einem der Firmenanwälte telefoniert hat. Leider wurden die Gespräche nicht aufgezeichnet, da der PJ vergessen hatte, die Kassetten des Gesprächsrekorders auszutauschen. Nun, diesen Fehler wird er nicht zweimal machen - dafür wird der elektrische Tacker sorgen ... Es liegt also ganz offensichtlich etwas in der Luft - der Chef hat uns für 10:30 Uhr zu einem Gespräch eingeladen, zu einer Zeit, die wir sonst gar nicht kennen. Der selbstgefällige Ausdruck in seinem Gesicht überzeugt mich vollends davon, daß er glaubt, er sei in einer unangreifbaren Position. "Gentlemen", sagt er mit einem völlig untypischen Tonfall der Kameraderie. "Warum nehmen sie sich nicht eine Stunde unbezahlten Urlaub und besorgen sich neue Kleidung?" Der PJ antwortet prompt. "Und warum nehmen sie sich nicht eine Stunde bezahlten Urlaub und lassen sich f ..." "WIE BITTE?!" unterbreche ich ihn und rette den PJ davor, mit seinen Worten eine Disziplinarmaßnahme zu provozieren. "Wie sie sicher wissen, ist es uns erlaubt, die Kleidung zu tragen, die zur Natur unserer Arbeit paßt." "Es sei denn", sagt der Chef und hält eine mit vielen Unterstreichungen versehene Kopie eines Vertrages hoch, der so aussieht wie der, den wir unterschrieben haben, als wir in der Firma anfingen. "Es sei denn, ihre Arbeit schließt Kontakte ein mit ..." Er schweigt für einen Moment, um uns Zeit zu geben, seinen Satz zu vervollständigen und kostet sichtlich jede Milisekunde aus ... "... es beginnt mit einem K ...", fügt er hinzu, "... und endet mit einem N ..." Weder der PJ noch ich haben eine Ahnung, so daß der Chef das Rätsel selbst auflöst. "KUNDEN." "Oh", sagt der PJ. "Das war nicht das K-Wort, an das ich gedacht habe. Aber ich schätze, wir reden trotzdem über die gleichen Leute ..." Mit einer Handbewegung unterbreche ich ihn und bringe die Sache auf den Punkt. "Wir arbeiten nicht mit Kunden", erkläre ich als redete ich mit einem einfältigen Kind. "AHEM", antwortet der Chef und zündet die Bombe, die er bisher versteckte. "Es war die Idee der Geschäftsführung wie auch die der Nutzerbetreuung, daß die Nutzerbetreuung und die anderen Abteilungen nun offiziell ihre Kunden sind." Sein selbstgefälliger Gesichtsausdruck sagt alles. Diesmal hat er seine Hausaufgaben gemacht. "Und was schlagen sie vor?" frage ich. "Die normale Repräsentanten-Kleidung. Anzug ..." Der PJ keucht. "... Hemd, Krawatte ..." Ich unterdrücke das Würgen in meinem Hals. "... und natürlich besohlte Schuhe, vorzugsweise Leder." "Nun", fasse ich zusammen. "Wir stimmen nicht oft in unserer Meinung überein, aber ich muß zugeben, daß sie Recht haben. Morgen werde ich bereit sein." Die aufgerissenen Augen des PJ zeigen, daß er an meinem Verstand zweifelt. Aber der Chef ist auch kein Idiot. Nun, natürlich ist er einer, aber für den Augenblick lasse ich ihm seinen Frieden, denn er riecht sicher schon den Braten, kann aber noch nicht genau sagen, wo der Haken ist. Wir verlassen ihn um nachzudenken ... Am nächsten Tag drehen sich alle nach uns um, als der PJ und ich wie befohlen im Anzug erscheinen, und präsentieren dem Chef die Rechnung für unsere neue Kleidung, der plötzlich unter einer dramatischen Herzattacke zu leiden scheint. Eine Stunde später hat die Schwester ihn wiederbelebt, nachdem der PJ und ich die Gelegenheit genutzt haben, seinem Schreibtisch mit dem Defilibrator ein paar Kratzer und Schrammen zu verpassen und den Arbeitsplatz-PC des Chefs zu zerlegen. "Wo bin ich?" fragt der Chef. "In ihrem Büro." antworte ich. "Sie hatten offenbar einen Zusammenbruch." "Das stimmt. Was VERDAMMT NOCHMAL IST DAS?!" fragt er und deutet auf die Rechnung. "Das ist die Rechnung für unsere Kleidung. Erinnern sie sich daran, daß in unserem Vertrag steht, daß die Firma für jede speziell zu Arbeitszwecken angefertigte Kleidung bezahlen muß. Wußten sie, wie schwer es ist, innerhalb von sechs Stunden echte italienische Schuhe mit Stahlkappen, die professionell aussehen, zu bekommen? Sie mußten sie extra einfliegen!" "Damit kommen sie nicht durch!" knurrt er und läßt seinen Blick wieder auf die große Ansammlung von Zahlen am unteren Ende der Rechnung fallen. "Nun, befürchten sie nicht", antworte ich versöhnlich. "Befürchten sie nicht, daß sie sich auf dem falschen Gleis befinden. Einer der netten Buchhalter mit einer Vorliebe für Internet-Strip-Shows hat uns gestern einen Blankoscheck gegeben ...." "Dann werde ich ihn eben SPERREN!" sagt der Chef knurrend, die Aussicht auf seinen Sieg schon deutlich vor Augen. Soviel Zuversicht, daß selbst die Überreste seines PCs davon wieder zum Leben erweckt zu werden scheinen ... Ich gebe ihm noch eine zehnminütige Behandlung mit herzschlagsteigerndem Strom, bevor ich die Firmenkrankenschwester erneut rufe, während in der Zwischenzeit der PJ unseren Kleiderlieferanten anruft, damit der den Scheck schnell einlöst ... Und da sagen manche noch, Nadelstreifen seien eine Garantie für Erfolg ... Der B.O.F.H. hat Ärger, weil er nicht an einem Seminar teilnimmt ... Die Dinge stehen schlecht. Die Kräfte der Finsterniß (die Brigade der Mißmutigen) bereiten mir Probleme. Der PJ und ich wurden zu ´politisch unkorrekten Personen´ erklärt, weil wir nicht an einem Seminar über ´Belästigungen am Arbeitsplatz´ teilgenommen haben. Der Chef hat offensichtlich seine Hände im Spiel, denn schließlich war er es, der darauf hinwies, daß wir NIEMALS an einem dieser Zwangstreffen teilgenommen haben; ich führe diese Handlungsweise auf die neulich verabreichte elektrische Erste Hilfe zurück. Erwartungsgemäß wird ein Treffen mit der Personalchefin und dem Chef der Betriebsgewerkschaft (die Abteilung der Besorgten) angesetzt. "Ah, ja", beginnt die Personalchefin. "Offenbar haben sie nie am Seminar über Belästigung am Arbeitsplatz teilgenommen." "Stimmt", antworte ich. "Die Wahrheit ist, daß wir in unserer Position einfach zu beschäftigt sind, um (a) jemanden zu belästigen; oder (b) an einem Seminar darüber teilzunehmen, was wir nicht tun sollen." "Gut, das dürfen sie ruhig annehmen, aber ich kann ihnen nur versichern, daß die Teilnahme an diesem Seminar Vorschrift für Mitarbeiter und Vertragspartner ist. Ich glaube nicht, daß ich sie daran erinnern muß, daß ihr Arbeitsvertrag vorsieht, daß sie an allen relevanten Seminaren teilnehmen müssen", sagt sie mit Stahl in der Stimme, der die Dicke von Panzerstahl erreicht hat. "Ich glaube nicht." "Entschuldigung?!" "Nun, nehmen wir für einen Augenblick, und wirklich nur, um ihre These zu widerlegen, einmal an, daß der PJ oder ich wirklich jemanden belästigen wollten. Nehmen wir zum Beispiel sie. Würde ich als Netzwerk- und Kommunikations-Ingenieur den weiten Weg bis zu ihrem Büro gehen, um dann laute und unanständige Geräusche oder Bemerkungen zu ihnen oder über sie zu machen, die sie (und natürlich auch ich) als Belästigung auffassen könnten? ODER würde ich stattdessen aus einer unangreifbaren Position heraus - zum Beispiel dem Büro des Chefs - ein paar Bilder finden und veröffentlichen, auf denen sie weniger Kleidung tragen, als das der Standard in unserem Haus vorsieht?" Plötzliche Stille macht sich im Raum breit. Die Personalchefin sieht aus, wie jemand, der jetzt lieber an irgendeinem anderen Ort wäre und völlig vergessen hat, weiter seine Axt zu schärfen. "Ich weiß nicht, worauf sie anspielen, mögl ..." fängt Frau Liebenswürdig an. "Oh, auf nichts, das versichere ich ihnen. Ich bin sicher, daß das nur ein Problem mit der Klimaanlage war, das die Sicherheitska ..." "HALT! Ich glaube nicht, das wir dieses Thema jetzt noch weiter vertiefen müssen", unterbricht mich der Gewerkschaftschef. "Zumindest nicht, wenn der Beweis ..." Mit anderen Worten, er will die Bänder. "Nun, wie ich schon sagte, dies war nur ein Beispiel", antworte ich. "Und es war völlig frei erfunden. Doch wo wir gerade bei Fakten sind, stimmt es, daß demnächst eine Lohnerhöhung geplant ist?" Er sieht einen Rettungsanker. "Ah, es gab Gespräche über ..." "Ausgezeichnet. Der PJ und ich haben gehofft, daß dies der Fall ist." Verhandlungen beendet. Der PJ und ich ziehen uns in unser Büro zurück, um die Lohnerhöhung zu verplanen. Zwei Tage später halten wir die schriftliche Bestätigung der Lohnerhöhung in den Händen und sind einmal mehr zufriedene Mitarbeiter. Der Chef andererseits ist nicht so zufrieden. Wieder hat er gegen uns verloren und sich in eine Ein-Mann-Armee verwandelt, die wütend durch die Abteilung marschiert, um ein Opfer zu suchen, das sich nicht wehren kann. Das Telefon klingelt. Es ist die Nutzer-Betreuung. "Hallo?" melde ich mich. "Ist dort die Netzwerk-Abteilung?" "Sie wissen, wer wir sind." "Wir haben ein ... Problem, daß wir gerne gelöst hätten." "Hardware oder Software?" "Ähmmm ... Bossware." "Das könnte teuer werden ..." "Ein Abend für vier mit Drinks und Essen im Dorchester auf unsere Kosten?" "Gut, wir kümmern uns darum." "Oh! In Ordnung." "Keine Ursache." Ich liebe Anrufe dieser Art. Ich informiere den PJ über das Geschäft. Später an diesem Tag stürmt der Chef herein auf der Suche nach der Person, die den Mail-Server heruntergefahren hat. "Das war wohl ich", erkläre ich. "Sie haben uns doch gesagt, wir sollen den Server in den Computer-Raum stellen. Aber die Elektriker haben die Stromleitungen noch nicht geprüft." "RICHTIG!", antwortet er bissig. "Ich komme wieder, um mich mit IHNEN zu unterhalten, wenn ICH den Server wieder hochgefahren habe." Wie vorschnell. Der PJ und ich sehen, wie das Netzteil des Servers eine Rauchwolke ausstößt, als der falsch verkabelte Netzstecker 400 Volt statt der erwarteten 240 liefert. Es ist unserem Sicherheitssystem zu verdanken, daß im Notfall die Türen der betroffenen Räume sofort geschlossen werden, damit niemand irrtümlich in einen Raum gelangt, der sich mit Ozon füllt. Andererseits kann auch niemand mehr heraus ... Der Chef in dem Raum greift nach der Sauerstoffmaske. "Er muß verrückt geworden sein! Er lachte wie ein Wahnsinniger, stürmte in den Raum und ging auf die Technik los!" erkläre ich den Leuten vom Sicherheitsdienst etwas später. Der Chef lacht noch immer (offensichtlich findet er irgendetwas unheimlich lustig), als sie in hinaustragen ... Der B.O.F.H. und der PJ machen ein paar Konsultationsbesuche ... Zum ersten Mal in seiner Karriere hat der Chef etwas richtig gemacht! Das ist verwunderlich, doch irgendwie hat er es geschafft, ein paar Konsultationsbesuche mit anderen lokalen Unternehmen zu verabreden, um den kollegialen Austausch von Informationen und Erfahrungen über Netzwerke zu fördern. Das könnte ihm so passen! Wir wissen, daß es sich dabei nur um eine List handelt, mit der er uns loswerden will, um nach den drei Blanko-Bestellformularen, die seine Unterschrift tragen, zu suchen, die wir von ihm erpreßt haben, indem wir damit drohten, den Geschäftsführer darüber zu informieren, was ein Tisch und eine Sekretärin unter reger Beteiligung unseres Chefs im Beratungsraum der Geschäftsleitung getrieben haben. Wer hätte gedacht, daß die Erweiterung der Gesprächsaufzeichnungsanlage um eine Infrarotkamera sich so schnell auszahlen würde? Und in Konsultationsbesuchen erkennt ein erfahrener Bastard natürlich SOFORT eine Möglichkeit zur Aufrüstung der eigenen Hardware. Der PJ und ich bereiten uns auf die Besuche vor, indem wir die leider für längere Zeit nicht mehr gebrauchten falschen Böden in unsere Aktentaschen einsetzen und sie dann mit veraltetem Netzwerkzubehör füllen. Gemäß unserer Absprache hat der PJ bereits ein halbes Dutzend 10/100 MBit-Ethernet-Karten gegen unsere alten 10 MBit-Karten ausgetauscht, als der Netzwerk-Manager, den wir zuerst besuchen, mir die ganze Schönheit seiner Technikregale vorgeführt hat. Es ist beinahe so, als nähme man einem Baby die Bonbons weg - und läßt ihm dann noch das Einwickelpapier ... Unser zweiter Besuch führt uns in ein etwas sichereres Unternehmen, das eine leichte Herausforderung verspricht. Jedenfalls solange, bis wir zur Mittagszeit in ein Lokal gehen, um sieben oder acht Biere zu trinken, auf die ein paar Tequilas folgen. Ein geringer Preis für Router-EPROMs mit der neuesten Version der Firmware, für die unser Lieferant ein mittleres Vermögen kassieren wollte, während der Netzwerk-Manager unseres Gastgebers friedlich schnarcht. Da ich ein gutmütiger Trottel bin, werde ich die EPROMs später als ´Fehlerbereinigung´ mit der Post zurückschicken, nachdem ich ein paar kleine Änderungen an der internen Logik vorgenommen habe. Ich bin sicher, der derzeitige Vorteil unseres Konkurrenten wird zu unserem Vorsprung, wenn die "Benutze das am meisten belastete Segment"-Anweisungen ausgeführt werden ... Wir werden nur einmal unterbrochen, als ihr PJ (so grün, daß er einmal mit einem Rasenmäher zusammengebracht werden sollte) hereinkommt, um zu sehen, was wir machen. Aber das Winken mit meiner Metro-Monatskarte überzeugt ihn davon, daß wir das Wartungsteam ihres Zulieferers sind und routinemäßig die Hardware prüfen. Es bricht mir wirklich das Herz, daß ich diese Leichtgläubigkeit nicht bestrafen kann. Die Auswirkungen des Mittagessens bringen den PJ, der auf dem Gebiet der alkoholischen Künste noch ein wenig unerfahren ist, dazu, sich vom anderen PJ den Ort zeigen zu lassen, den selbst Könige zu Fuß aufsuchen. Der andere PJ vergißt natürlich achtlos seine Tasche mit der Nutzerkarte ... Sekunden später fällt der Strom aus, was nur bedeuten kann, daß seine Erholungspause den PJ am Sicherungskasten vorbeigeführt hat. Die Dunkelheit, der wahre Freund eines jeden Bastards, wird nur noch durch einige NOTAUSGANG-Schilder gestört, die ein wenig flackern und schließlich auch ausgehen. Nun, das nenne ich einen guten Lehrling. Schneller als man "Hochkapazitäts-Speicherplatz-Downgrade" sagen kann führe ich ein solches an einem PC durch, was zugleich einen spürbaren Gewichtszuwachs für meine Aktentasche bedeutet. Ich komme rechtzeitig nach draußen, um den PJ unseres Gastgebers über eine Kabelrolle stürzen zu sehen, die ich auf meinem Weg in den Raum zufällig von einem Regal herunterstieß. Die Lichter gehen wieder an, und ich sehe, wie der PJ dem anderen PJ in einen Stuhl hilft. Der arme Tropf sieht etwas verstört aus, also entschließe ich mich, ihm ein wenig unter die schwachen Arme zu greifen, indem ich ein paar Anrufe entgegennehme. "DAS VERDAMMTE NETZWERK IST TOT!" schreit ein Nutzer in einer Lautstärke, die bei uns dazu geführt hätte, das uns jemand Krankengeld zahlen muß. Hier scheint sowas üblich zu sein. "Ja, das liegt am Stromstärkeabfall, der durch die starke Nutzung verursacht wird." antworte ich. "Sie sollten ihre Rechner im Niedrigstrom-Modus benutzen, um solche Ausfälle zu vermeiden." "Wie kann ich das tun?" fragt der Nutzer und läßt mich wieder an die guten alten Werte wie Vertrauen und Bestrafung denken. "Schalten sie erst einmal alle Rechner in ihrem Büro ab. Auf der Rückseite jedes Rechners finden sie den Schalter, um den Niedrigstrom-Modus einzuschalten. Dann schalten sie die Rechner gleichzeitig wieder ein." "Sie meinen die 115 Volt-Einstellung?" will der Nutzer wissen. "Sie haben es!" "Danke." "Keine Ursache!" rufe ich, als der PJ und ich nach draußen eilen. Unser Abgang wird begleitet von lautem Krach aus den Büros im Erdgeschoß, der in meinen Ohren wie fröhliche Musik klingt ... Die letzte Station unserer Konsultationsreise ist eine Überraschung. Wir besuchen unseren Konkurrenten, der uns vor einiger Zeit übernehmen wollte. Sieht aus wie eine Falle ... Meine Befürchtungen bewahrheiten sich, als ich die vielen kleinen Löcher für die versteckten Überwachungskameras bemerke, die die Wände der Korridore und der Büros so unauffällig auffällig zieren. Nun, das erhöht den Reiz ein wenig ... Ich liebe die Herausforderung, aber das sagte ich wohl schon ... Der B.O.F.H. und der PJ helfen einem Konkurrenten, seine PSIK-Probleme zu lösen ... Es ist Zeit für den letzten Besuch auf unserer Konsultationsreise. Und diesmal scheint es sich um eine wirklich harte Nuß zu handeln ... Die Netzwerk-Zentrale scheint direkt aus dem Science-Fiktion-Land zu kommen, eine echte Sicherheits-Zentrale und eine Schatztruhe volle komplizierter Geräte. Meine Finger beginnen sofort zu zittern, doch Vorsicht ist jetzt die wichtigste Parole. Der PJ nimmt die hervorragende Sicherheitsausstattung ebenfalls wahr und paßt sich entsprechend an. Ein Telefon in meiner Nähe klingelt, und ich nehme den Anruf hilfsbereit entgegen, wobei ich vorhabe, das gute alte FDISK-Programm zur Fehlerbehebung einzusetzen, doch das verräterische Piepen des Gesprächsrekorders macht mir klar, daß alles, was ich sage, gegen mich verwendet werden kann und wird. Ich gebe ein paar unnütze Floskeln als Ratschlag von mir, dann lege ich wieder auf. Mein Gegenpart beobachtet mich mit dem selbsgefälligen Ausdruck von jemandem, der genau weiß, wie sicher seine Einrichtung ist. Dieser Bastard! Bei der Besichtigung der Kommunikationsanlagen zeigt er mir topmoderne und neue Technik, für die ich sogar dem Chef keine Streiche mehr spielen würde, um sie zu bekommen - was meinen allgemeinen Kummer nur noch verstärkt. "Ziemlich gut, oder?" kommentiert mein Gegenspieler. "Ich bin mir sicher, daß sie solche Technik auch bekommen werden ... irgendwann ..." Dieser Doppel-Bastard! Zur Mittagszeit habe ich beinahe alle Hoffnung aufgegeben - es sieht aus, als hätten sich die Mächte gegen mich verschworen. Selbst in der Cafeteria bemerke ich überall Kameralinsen. Außer ... Der PJ interpretiert das plötzliche Leuchten in meinen Augen korrekt und stellt sich für den Bruchteil einer Sekunde so, daß niemand sieht, wie ich das alte Hausmittel - ein wenig Abführmittel - in den Nachtisch meines Gastgebers schmuggle. Das mag zwar nicht besonders fair sein, doch wie sagt man so schön, in der Liebe und im Netzwerk-Geschäft ist alles erlaubt ... Wie geplant erreicht der Ruf der Natur mein Gegenstück ein paar Stunden später, so daß der PJ und ich endlich mit der Arbeit beginnen können. Er stolpert zufällig über ein Kabel und landet mit dem Gesicht auf der Kontrollkonsole der Kamera-Überwachung. Dabei zieht er sich im Dienst unserer Sache ein paar Quetschungen zu. Die Überwachungskameras befinden sich nun im Alzheimer-Modus, und ich starte auf jedem PC, den ich von hier aus erreichen kann, die SNMP-Testprogramme. Sekunden später stürmt jemand herein, den ich als den Chef meines Gegenstücks identifizieren kann, und wettert über erschreckend hohe Antwortzeiten im Netzwerk. Doch eigentlich kann das gar nicht so schlimm sein, es sei denn, die 400 ungenutzten PCs im Gebäude schicken jede Sekunde SNMP-Fehlermeldungen durchs Netz .... "Das sieht aus wie das PSIK-Problem, das wir mit neuer Hardware vor ein paar Monaten hatten." kommentiere ich hilfsbereit "PSIK?" fragt er. "Ja, Pseudo-Standard-Interface-Konflikte", antworte ich. "Die neue Hardware hält sich meistens an keinen Standard, was auch prächtig funktioniert, solange die Geräte nicht an ein Netzwerk angeschlossen werden und mit anderen Geräten keine Daten austauschen. Wenn sie aber angeschlossen werden, dann gibt es früher oder später zwangsläufig Probleme ..." "... wenn nur noch Fehlermeldungen durch das Netz geschickt werden." vollendet der PJ, der meine Taktik schnell durchschaut hat. "Was können wir dagegen tun?" fragt der Chef-Verschnitt. "Mein Netzwerkbetreuer hat mir nichts davon berichtet!" "Sie machen Scherze!" erwidere ich entsetzt. "Sie meinen, er füllt keine täglichen Reports aus, in denen er protokolliert, womit er den Tag verbringt? Natürlich! Großer Gott, aber sagen sie bitte nicht, er hätte keine Netzwerk-Dokumentation für solche Fälle!" "Hat er nicht!" "Aber das hat doch oberste Priorität bei dieser Arbeit! Kein Wunder, daß sie Probleme mit all diesen neuen Geräten haben!! Ich spreche es ja nicht gern aus, aber es hat ganz den Anschein, als hätte er sie mit irgendwelchen technischen Floskeln an der Nase herumgeführt ... Ich sage ihnen, was wir tun können - denn sie sind ja ein guter Bekannter meines Chefs. Ich werde ihnen ein paar unserer Geräte leihweise überlassen, damit wir ein paar von ihren Geräten mitnehmen und die Fehler lokalisieren und beheben können." "Das würden sie tun?!?!" freut er sich, die Rettung des Netzwerkes vor Augen. "Natürlich! Aber nur, wenn sie nicht glauben, wir hätten ihnen nur noch mehr technische Floskeln, Fachbegriffe und Geek-Geschwätz vorgesetzt." "NEIN. Ich bin in der Lage, allein technische Entscheidungen zu treffen. Sagen sie mir, was wir ersetzen müssen und sie können es mitnehmen, wenn sie gehen ..." "Gut, dieser Gigabit-Ethernet-Switch sieht verdächtig aus." antworte ich. "Und vergessen sie nicht diesen kleinen Handheld zur Netzwerk-Analyse" ergänzt der PJ. .... fünf Minuten später ... "Und zum Schluß noch diesen Dual Audio-Kanal Video-Monitor." "Sie meinen den neuen 29 Zoll Stereo-Farbfernseher des Geschäftsführers?!?!?" jammert er. "Ich wette, der verursacht allein schon die Hälfte aller Fehlermeldungen." antworte ich. Innerhalb einer halben Stunde vermißt ihre Kommunikationszentrale nichts als einige fehlerhafte Geräte. Ich organisiere die Anlieferung einer Ladung mit Netzwerk-Zubehör, das so alt ist, daß man die Bytes beim Wandern beobachten kann und mache Pläne für die Verhandlungen, die zwangsläufig folgen werden. Ich kann es kaum erwarten, die Rechnung für die "Behandlung" jedes Gerätes, das wir untersuchen und als standard-kompatibel einstufen, zu sehen ... Ja, diese Konsultationsbesuche machen sich wirklich bezahlt ... Dem B.O.F.H. wird von seinen Kollegen ein Preis verliehen ... Es ist ein ruhiger Montagmorgen, als der Chef ins Büro hereinschlendert. Er streicht wie eine Katze um dem sprichwörtlichen Brei. "Wie lief der Router-Verkauf?" will er wissen. Er kann seine Zufriedenheit darüber, daß er es geschafft hat, einen Router zu verkaufen, der so kaputt war, daß er nicht einmal mehr den Selbsttest schaffen würde, um als Anker zu dienen, kaum verbergen. "Sie kamen und haben ihn abgeholt." antworte ich und denke an den armen Tropf, der den Router von uns gekauft hat und mit ziemlicher Sicherheit gerade damit beschäftigt ist, ein Feuer zu löschen. "Ich glaube noch immer, daß wir nicht ganz korrekt gehandelt haben." "Klingt wie ein Fall von später Reue", gluckst der Chef selbstgefällig. "Tatsächlich?" erwidere ich. "Ich dachte wirklich, daß es ein Router war! Man kann diesen ausländischen Weinen auch nicht mehr trauen - nach Tschernobyl kann man nie wissen, ob sie radioaktiv sind ..." Der Chef schaut mich an, als sei ich ein völliger Dummkopf, doch der PJ bleibt ruhig, denn er kennt meinen Plan. "Wie HABEN sie die Leute überzeugen können?" frage ich, um das Bedürfnis des Chefs nach Anerkennung und Verehrung zu befriedigen. "Oh. Ich habe ihnen gesagt, daß es ein Originalgerät ist und noch immer so gut, wie an dem Tag als wir es kauften." kichert er, um sich selbst zu beweisen, was für ein Genie er ist ... Und das ist ein Glaube, gegen den ich nichts habe, denn heute ist der erste April - Bastard Boss Tag - und ich will endlich einen Preis bekommen, um den ich mich schon seit vielen Jahren bemühe. In diesem Jahr habe ich beschlossen, dem Chef das Netzwerk als Speichermedium zu verkaufen. Ich muß noch ein paar Andeutungen machen, damit er seine gewaltige Intelligenz von dem Versuch, seine Schnürsenkel zuzubinden abwendet und mir zuhört. "Es ist doch ganz einfach!" rufe ich. "Wir haben überall diese Gigabit Ethernet Switches herumstehen, aber nutzen sie nicht! Statt sie im Leerlauf ungenutzt zu lassen, könnten wir doch ständig die Daten durch das Netz senden, bis jemand sie braucht und benutzt. Das würde auch den Bedarf an Festplatten drastisch senken! Und dann noch die Wartezeit, die durch die Verzögerungen bei Lese- und Schreibzugriffen auf den Festplatten entsteht! Die könnten wir einsparen, wenn die Daten immer im Netz verfügbar wären!" "Das wird niemals funktionieren", kontert der PJ verabredungsgemäß. "Unser Netzwerk ist viel zu klein - die Daten wären schon wieder zurück, bevor sie vollständig abgeschickt wurden." "Nicht, wenn wir die Leitungen etwas verlängern, um eine kurze Verzögerung zu bewirken", antworte ich. "Zehn Cat-5-Kabelrollen dürften genügen." "Ja!" lächelt der PJ. "Das stimmt - daran hatte ich noch gar nicht gedacht." Unsere Diskussion hat den Chef überzeugt. Wenn der PJ mir sofort zugestimmt hätte, dann wäre der Chef vorsichtiger gewesen und hätte das Schlimmste vermutet. Doch nun hat er den PJ "auf seiner Seite", also ist die Sache sicher. Wie ein Schaf im Schlachthof ... "Ausgezeichnet. Ich bin mir sicher, daß der Geschäftsführer zustimmen wird!" "Wären sie so nett, ihm zu sagen, daß es meine Idee war?" frage ich und bringe die letzten beiden Sargnägel an. Jetzt ist er völlig davon überzeugt, daß die Sache sicher ist. Und nichts wird ihn davon abbringen, den ganzen Ruhm selbst einzuheimsen. Er verschwindet zum Geschäftsführer, während der PJ und ich versuchen, gelassen in unser Büro zurückzulaufen. Ich schalte die Überwachungskamera im Büro des Geschäftsführers ein und starte den Videorekorder. Diese kleine Aufzeichnung wird mir ganz sicher die Trophäe einbringen, die ich schon so lange verdiene - den begehrten "IT-Idiot-Preis" für den dümmsten Chef, den ich am heutigen Abend in einem zentralen Pub in London bekommen werde, wo ich mit ein paar befreundeten B.O.F.H.s verabredet bin ... Die Aufzeichnung startet gerade rechtzeitig ... "Wie auch immer ..." schnattert der Chef aufgeregt und mit gespielter Intelligenz drauflos. "Ich lief durch die Abteilung, als mir der Gedanke kam. Angesichts der steigenden Kosten für Festplattenplatz wäre es doch eine interessante Sache, das Netzwerk als Speicher zu nutzen ..." Er fährt fort und schmückt wortgewaltig das aus, was wir ihm als "Futter" vorgesetzt haben, und erwähnt ganz nebenbei, daß er gerade eine Bestellung über zwanzig Cat-5-Kabeltrommeln abgeschickt hat. Die Explosion ist unvermeidlich. Der Geschäftsführer, dessen Praxiswissen zwar gerade dazu ausreicht, eine elektrische Schreibmaschine zu bedienen, hat andererseits sechs Jahre damit verbracht, Erstsemesterstudenten die theoretischen Grundlagen von Netzwerken beizubringen. Der PJ und ich kopieren alles für den Fall, daß uns jemand "bestrafen" will ... Später in der Nacht verputze ich ein oder zwei Biere im Pub, um meinen neuen Preis zu feiern. Trotzdem, ich spüre eine gewisse Unzufriedenheit. Vielleicht hätte ich den Chef besser davon überzeugt, die Liftkabel auch als Stromleitungen für die USV zu nutzen. Ach was, es gibt ja noch das nächste Jahr ... Die Netzwerk-Zentrale wird in ihrem Fundament erschüttert, als die Dinge kopfstehen ... Die Dinge entwickeln sich nicht gerade so, wie ich das geplant hatte. Ja, beinahe scheint ein Wechsel der Karriere angebracht zu sein. Ich wurde zu einem dienstlichen Gespräch eingeladen, um auf einige Beschwerden über meine "Arbeitsweise" zu reagieren ... Um den Schein von ´Fairness´ zu wahren, sorgt der Chef dafür, daß als Zeuge sein guter Freund und mein ewiger Feind, der Personalchef, anwesend ist. Aber auch wenn ich, natürlich nur bei wenigen Gelegenheiten, Differenzen mit ihm habe, so rechne ich doch mit seiner Professionalität. Ich bin sicher, daß er nur das Kriegsbeil begraben will ... "Simon", beginnt der Chef. "Wir haben formelle Beschwerden über sie von einem neuen Systemprogrammierer bekommen. Er erklärt, daß sie sich grundlos anstößig ihm gegenüber benehmen." "Ich fürchte, daß ich nicht die leiseste Ahnung habe, worüber sie reden." "Er behauptet, sie hätten ihn aufgefordert, er könne sie an gewissen Körperteilen lecken." "Wie bitte?" frage ich schockiert. "Da muß ein gewaltiger Irrtum vorliegen. Als ich ihn zuletzt getroffen habe, sagte ich ihm, daß ich einen Systemabsturz hatte, den er sich einmal anschauen sollte. Ich kann doch nicht dafür verantwortlich gemacht werden, daß er mich falsch interpretiert." "Sie kamen von der Toilette." "Reiner Zufall. Ich habe es erwähnt, als die Gelegenheit sich bot." "Erwähnt? Das war wohl eher lautes Geschrei, oder? Ich glaube, sogar ich habe es noch gehört." "Ich gebe zu, daß es etwas lauter als ein Flüstern war, aber das tat ich nur aus Respekt vor seinem reichhaltigen und professionellen Wissen ..." (Nun, einen Versuch war es wert ...) "Die Worte ´lecken sie meinen´, nun, sie wissen schon, was ich meine, haben nach MEINER Meinung nichts mit professionellem Respekt zu tun." "Natürlich werde ich mich entschuldigen, falls ich eine Störung des guten Klimas in der Abteilung hervorgerufen habe - ich werde mich jetzt sofort entschuldigen!" "Sie wissen so gut wie ich, daß der Programmierer gekündigt hat." "Nein, das ist mir neu. Wie kam es denn dazu?" "Es hat den Anschein, als sei er beunruhigt über die häufigen Explosionen seiner Geräte gewesen." "Wirklich? Möglicherweise gab es wieder Probleme mit seinem USV-System. Erst kürzlich hatten wir damit Schwierigkeiten ..." "Ja, ich habe auch bemerkt, daß der Chefbuchhalter für unsere Abteilung ebenfalls gekündigt hat. Er sprach von zuviel Streß am Arbeitsplatz." "Nun, ich finde auch, daß die Hersteller von Geräten nicht mehr das sind, was sie einmal waren." antworte ich. "In der guten alten Zeit reagierten die Geräte etwas toleranter, wenn es kleinere Fehler gab." "Meinen sie damit die 400 Volt-Netzkabel, für die die Elektriker keine Erklärung haben?" "Wirklich? Das wußte ich nicht. Jemand hat meinen Strom- und Spannungsmesser gestohlen." "Damit meinen sie wohl das Meßgerät, das mit der Hauptleitung im Beratungszimmer verbunden ist und bei dem die 10 Ampere-Skala eingeschaltet ist, so daß die Sicherungen auf der Etage jedesmal durchbrennen, wenn der Overhead-Projektor eingeschaltet wird?" "Wirklich? Wer würde denn sowas machen?" "Haben sie eine Begründung dafür, daß der Sicherheitsdienst ihre Fingerabdrücke auf dem Gerät gefunden hat?" "Ich muß bei meiner Arbeit viele Geräte anfassen. Das ist meine Aufgabe." "Das sehe ich. Nun, die Sache liegt nicht mehr bei uns. Der Geschäftsführer will sich persönlich mit ihnen unterhalten." Persönliche Gespräche mit dem Geschäftsführer sind höchst selten. Und beinahe immer sind sie Anlaß für eine ´Kündigung´. Der Chef und ich werden in das Zimmer des Geschäftsführers gebeten .... "Was gibt es bei ihnen eigentlich für Probleme?" knurrt der Geschäftsführer. "Wollen sie die Antwort mit technischen Fachbegriffen oder verständlich für Laien?" frage ich höflich. "Für den Anfang versuchen sie es so, daß ein Laie es versteht." "Ich und mein Auszubildender sind die einzigen Angestellten im ganzen Betrieb, die wirklich wissen, was wir tun." Der Chef schüttelt den Kopf und lächelt humorlos. "Ja, ich habe gehört, daß das der Fall ist." antwortet der Geschäftsführer, der bei einem Familientreffen durch den PJ informiert wurde. Diese Familientreffen sind eine fantastische Einrichtung ... "Entschuldigen sie!" unterbricht der Chef leidenschaftlich. "Ich glaube, sie übersehen da etwas." "Natürlich tue ich das." lächelt der Geschäftsführer wohlwollend. "Wir sind, natürlich, traurig, daß sie uns verlassen wollen." "Was? Ich denke überhaupt nicht daran, eine Kündigung zu unterschreiben. Und sie können mich nicht dazu überreden!" "Aber das haben sie doch schon getan", antwortet der Geschäftsführer etwas verwirrt und zeigt ein Schriftstück mit der rasch hingekritzelten Unterschrift des Chefs. "Aber wer kann mich denn ersetzen?" murmelt der Chef resigniert. "Er sitzt vor ihnen." lächelt der Geschäftsführer. "Sie wollen sich um das Netzwerk kümmern?!" ruft der Chef. "Nein ..." "Aber wer ..." Unglaube und Angst tragen einen kurzen Kampf um die Vorherrschaft auf seinem Gesicht aus. "Das meinen sie nicht ernst!" "Aber natürlich meint er es ernst", antworte ich schnell. "Nun, ich höre, daß sie eine Arbeit suchen. Und ganz zufällig haben wir eine freie Position in unserer Netzwerk-Abteilung zu vergeben. Sie werden natürlich mir unterstellt sein ..." Manchmal kann das Leben schrecklich sein, aber wenn es gut ist, dann ist es WIRKLICH gut. Der B.O.F.H. unterzieht seinen neuen Schützling einer würdigen Taufe ... Und sieht ihn erblühen ... Jetzt bin ich also in einer hervorragenden Manager-Position. Das zusätzliche Einkommen als Manager genügt schon, um mir den Tag zu versüßen. Die Möglichkeiten, zur Umleitung von Geldern, die für weniger wichtige Projekte (Aufrüstung der Hardware der Service-Abteilung) vorgesehen sind, in wichtige Projekte (neue Hardware für die Netzwerkzentrale) sind zahlreich. Und der Zuckerguß auf der Torte ist die Tatsache, daß mein früherer Chef jetzt mein Untergebener ist ... Und bis jetzt habe ich noch keine Beschwerde gehört. Ich beschließe, mein Glück mit den anderen zu teilen. Der PJ hatte schon immer den Wunsch, nach New Orleans zu verreisen. Im WWW finde ich schnell eine passende Konferenz, bei der ich ihn anmelde. Er ist hocherfreut, da er noch nie in New Orleans war. Der Ex-Chef erwartet einen ähnlichen Gefallen, und ich kann mir nicht verkneifen, ihn zu enttäuschen. Ich zeige ihm, wo er den Staubsauger findet und dann auf der Karte alle Räume, die zu unserer Abteilung gehören ... Eine Woche später sind beide wieder da, der Ex-Chef wirkt etwas seltsam, was wohl daran liegt, daß er die meiste Zeit im Dunkeln zugebracht hat. Wie konnte ich nur vergessen, ihn daran zu erinnern, daß einige der Schränke in unseren Räumen keine Griffe an den Innenseiten der Türen haben? Ups. Immerhin hatte er noch den Verstand, das Netzkabel der Vermittlungsanlage zu ziehen, so daß jemand ihn finden konnte. Allerdings hätte er diesen Einfall wohl besser vor dem langen Wochenende gehabt. Doch bekanntlich lernt man ja am besten aus den eigenen Fehlern. Es ist schon furchtbar, was man aus Wassermangel alles tut. Da nun alle wieder in der Netzwerkzentrale versammelt sind, verteile ich die Aufgaben. Der PJ übernimmt wegen seiner Erfahrungen meine alte Rolle, also Installation, Überwachung und Wartung. Der Ex-Chef, natürlich ist er völlig ahnungslos, wird vor das Telefon gesetzt. Ich mußte es sogar für ihn anschließen. Meine Hoffnungen werden nicht enttäuscht. Innerhalb der ersten halben Stunde klingelt es. Und da er sich in der Ausbildung befindet, muß der Ex-Chef die Freisprechanlage benutzen, damit er Anweisungen vom PJ oder mir entgegennehmen kann, wenn dies nötig wird. "Hallo, Netzwerk-Zentrale", meldet der Ex-Chef sich. "Hallo, ist dort die Netzwerk-Zentrale?" Ein schneller Blick auf die Rufnummernidentifizierung erklärt den Umstand, daß die Stimme bekannt klingt. Der PJ flüchtet voller Angst. "Wie kann ich ihnen helfen?" "Das Netzwerk funktioniert schon wieder nicht." "Ja. Wann trat der Fehler auf?" "Gerade eben. Ich habe versucht, etwas zu drucken, aber es geht nicht." "In Ordnung, ich schaue mir das mit dem Netzwerk-Monitor an und prüfe, ob ihr Computer defekt ist. In welchem Raum sitzen sie?" Sie gibt ihm die Nummer, und er durchforstet die Netzwerk-Datenbank auf der Suche nach Informationen. Erfolglos. Da er uns in seiner neuen Position nicht so früh um Hilfe bitten will, entscheidet er sich für die erprobte alte Methode und begibt sich zu ihr. Als er weg ist, kommt der PJ wieder. "Ist er wirklich losgegangen?" "Yep." "Der arme Hund!" "Yep." In jedem Unternehmen gibt es mindestens einen paranoiden Mitarbeiter, der unter einer Computerphobie leidet. Und sie gehört zu diesen Leuten, die glauben, daß die Computer heimlich die Einstellungen verändern, wenn sie wegschauen. Zu jenen, die sich ständig darüber beschweren, daß jemand ihre Passwörter geändert hat. (Immer dann, wenn sie die Umschalttaste drücken.) Zu denen, die überhaupt nichts angefaßt haben wollen, und trotzdem läuft das Netzwerk nicht. (Das kommt zweimal im Jahr vor, wenn sie den Standort ihres PCs wegen der Sonneneinstrahlung ändern und dabei die Netzwerkkabel abziehen ...) Allerdings ist es in diesem Fall noch schlimmer. Das ´Netzwerk´, von dem sie sprach, besteht aus einem RS232-Druckerkabel zwischen ihrem XT-PC der ersten Generation und einem Nadeldrucker. Sie hat niemals der neueren Technologie vertraut (die nicht funktionierte und sich heimlich gegen sie verschwor) und zieht es vor, getrennt von der wirklichen Welt zu bleiben. Mit Ausnahme zweier Anrufe im Jahr, wenn sie das Druckerkabel abgezogen hat. Eine Stunde später ist der Ex-Chef zurück - ein verwandelter Mensch. Nachdem er sich eine Stunde lang verschiedene Verschwörungstheorien und weiteres geistloses Geschwätz vom Akte X-Typ anhören mußte, hat er erfahren, was es heißt, an unserem Ende der Telefonleitung zu sitzen. Verschwunden ist der Geist der Hilfsbereitschaft. Verschwunden ist der gute Wille gegenüber den Anliegen der Nutzer. Der PJ und ich tauschen einen wissenden Blick - das haben wir schon früher gesehen, und wir werden es wieder sehen. Er wurde bastardisiert. Das Telefon klingelt erneut. "Netzwerk", stößt er kurzatmig hervor. "Hallo, ist dort die Netzwerk-Betreuung?" fragt die bekannte Stimme. Das Telefon gibt ein knackendes Geräusch von sich, als es hochgerissen und in den Mülleimer gefeuert wird. "So, ich nehme an, ich werde dafür gefeuert, daß ich das Telefon zerstört habe?" fragt er seinem Schicksal ergeben. "Nun, improvisierte Deinstallationen stehen normalerweise etwas später auf dem Ausbildungsplan, aber es hat den Anschein, daß das eigene Erleben der beste Lehrer ist ..." Ich gehe nach draußen und überlasse es dem PJ, ihm die restlichen Ketten zu zeigen ... Und die Peitschen ... Und die ´Video-Überwachungs´-Steuerung ... Wer hätte gedacht, daß er so vielversprechendes Material ist? Wer hat behauptet, es sei leicht, ein Manager zu sein? Es gibt noch immer Dinge, die nicht mit einer Axt geregelt werden können ... ICH KANN ES NICHT MEHR AUSHALTEN!!! Dabei lief es in meiner neuen Position als Manager so gut - Geld für wichtige Projekte (Stereo-Fernseher, die mit den neuesten und besten Sateliten-Empfangsschüsseln verbunden sind) auszugeben, als die Bombe platzte. Ich fand heraus, daß von mir erwartet wird, an ungefähr sechs ´Planungs-´ Besprechungen in JEDER Woche teilzunehmen! Meine bisherige Meinung über das Management wurde mehr als bestätigt ... Irgendwann, nachdem die Frage, ´was diese Byte-Dinger eigentlich sind´ ungefähr tausendmal gestellt wurde, ist Schluß! Und dann ertappt man sich bei der Vorstellung, welche Verbesserungen man mit einer Axt und einem großen Abfallzerkleinerer in der Firma durchsetzen könnte. Wo ich gerade beim Thema bin - die erste hochwichtige Beratung fand zu der bedeutenden Frage statt, ob wir die Pflanzen für unser Haus mieten sollten. Da eigentlich schon überall Pflanzen herumstehen, fand ich, daß das eine irgendwie redundante Thematik sei - aber ganz offensichtlich haben sich meine Gedankengänge noch nicht an meine neue Position gewöhnt. Ich hatte vergessen, daß diese kleine Managergruppe nicht eine, nicht zwei, nicht drei, sondern VIER Umstrukturierungen in der Abteilung (um die Änderungen in der Managementhierarchie widerzuspiegeln) in den vergangenen 18 Monaten empfohlen hat. Nach nur zweistündiger Besprechung wurde beschlossen, daß wir die Pflanzen mieten, denn dann wäre ja der Vermieter dafür verantwortlich, sie zu gießen und zu pflegen. (Als ob der Geschmack des Tees und des Kaffees aus den Automaten nicht ohnehin dafür sorgen würde.) Und nach diesen zwei Stunden ging es eine weitere halbe Stunde lang darum, was mit den schon vorhandenen Pflanzen passieren soll, die in dem Gebäude stehen, seitdem es eröffnet wurde - in den oberen Etagen sind einige schon so groß, daß sie nicht mehr aus dem Gebäude transportiert werden können. Und da kam als kleinerer Geistesblitz der Müllzerkleinerer ins Spiel. Die Planungen sehen vor, eine Zerkleinerungsmaschine zu mieten, sie mit dem Lift nach oben zu befördern und vor Ort eine Art organische Entsorgung durchzuführen. Zu diesem Zeitpunkt sehnte ich mich nach dem Netzwerk. Die Dinge waren so simpel - ein Nutzer ruft an mit einem Problem, das zuerst natürlich durch ihn verursacht wurde, ich quäle ihn dafür ein wenig und beseitige das Problem dann auf bequeme Weise. Einfach. Effektiv. Schnell. Ich brauche Hilfe, also wende ich mich an jemanden, der den nötigen Verstand hat. Den Ex-Chef. Der Ex-Chef ist ein verwandelter Mensch. Er behandelt die Nutzer mit der typischen Geringschätzung eines Netzwerk-Profis, der die allgegenwärtige Frage, warum das Netzwerk nicht funktioniert, einmal zuviel gehört hat. Er hat gesehen, was wir sahen, er weiß, was wir wissen. Er IST ein Bastard! Ich finde ihn im Raum mit der Telefonanlage, wo er Wechselstrom mit 240 Volt durch die Telefonleitungen schickt, um die Telefone bestimmter Nutzer zu grillen. Ich erkläre ihm mein Problem, und er hört mir aufmerksam zu. "Es gibt nichts, was sie tun können", antwortet er. "Sie müssen es einfach mitmachen. Halten sie den Kopf unten, mucken sie nicht auf, denn sonst werden sie wieder eine Umstrukturierung ihrer Abteilung vorschlagen." Ein Gedanke kommt mir. "Wollen sie ihre alte Position zurückhaben?" frage ich. "Niemals!" antwortet er sofort. "Ach, kommen sie", flehe ich (da ich ein Manager bin, ist das nicht unter meiner Würde). "Das wird nicht billig", sagt er. DIESER BASTARD! Ich hätte ihn besser niemals eingestellt. "Wieviel?" Er nennt eine erpresserisch hohe Summe mit einem Klang seiner Stimme, der Verhandlungen ausschließt. Traurigerweise unterzeichne ich einen >Heul!< Barscheck >Jammer!< über die Summe, die er verlangt. Er verschwindet damit, um ihn einzulösen, nachdem er mir einen weiteren guten Rat gegeben hat. Die Ankunft des großen Abfallzerkleinerers ist ganz offensichtlich eine Möglichkeit, um auf einem Firmenfoto zu erscheinen, die sich keiner meiner Manager-´Kollegen´ entgehen lassen will - eine weiteres Merkmal der Firmenpolitik. Natürlich nehme auch ich an dem Ereignis teil und sehe mich mit paar "In Ordnung, zeigen sie jetzt auf den Zerkleinerer. Und nun noch ein Bild, auf dem sie in den Abfallschacht schauen"-Aufforderungen konfrontiert. Als alle Fotos gemacht wurden, setze ich mich zum Chef des Aufsichtsrates und schlage ihm vor, daß es doch eine gute Idee wäre, wenn er auf einem Foto auftauchte, wenn gerade Holz zerkleinert wird. Ich klopfe auf einen Plastiksack, der mit einem Geräusch antwortet, als klopfte ich auf Holz. Der Aufsichtsratschef lächelt. Wir warten, bis alle gegangen sind, dann bereiten die Fotografen alles vor, denn wenn die Maschine erst einmal läuft, werden bestimmt auch die anderen Manager zurückkommen, die die Chance auf ein weiteres Foto wittern. Der Chef des Aufsichtsrates muß sich also beeilen. Er baut sich auf, ich starte die Maschine und leere den Sack. Um fair zu bleiben, muß ich sagen, daß er die Verwandlung seiner Segeltrophäen in Staub mit Fassung trägt - er entläßt mich nur aus meiner derzeitigen Managerposition. Einen Tag später erreicht mich zuhause ein Anruf des ehemaligen Ex-Chefs, der jetzt wieder der Chef ist, der mir eine Arbeit bei einem sehr überzeugendem Lohn anbietet. Natürlich akzeptiere ich. Die neue Arbeit ist GROSSARTIG. Der Chef ist dank seiner neuen Erfahrungen recht annehmbar. Das Leben könnte kaum besser werden. "KOMMEN SIE SCHNELL!" schreit der PJ, als er in das Büro stürmt. "Es ist der Chef! Er hat sich auf der Management-Beratung eingeschlossen! Dann hat er die Sekretärin aufgefordert, ihm seine Axt zu bringen, und jetzt hören wir nur noch die Geräusche des Müllzerkleinerers!" Mistkerl. Ich wußte, daß es zu schön war, um wahr zu sein ... Nicht nur der Duft von Napalm am Morgen, sondern auch ein durchgebrannter Server stellt einen guten Tagesbeginn dar ... Nach einer harten Nacht im Pub komme ich zur Arbeit. Meine Sinne sind noch wach genug, um den Brandgeruch richtig zu deuten, der aus dem Computerraum kommt. Dieser Geruch und die Jacke des PJs auf der Lehne seines Sessels lassen nur einen Schluß zu. Er will eine weitere Lohnerhöhung. Und die ist mehr als überfällig, wenn ich bedenke, daß die letzte Lohnerhöhung schon sechs Wochen zurückliegt. Doch die Personalabteilung zeigt mit den Daumen nach unten. Der PJ kommt aus dem Computerraum und bringt einen Feuerlöscher und etwas, das wie ein wichtiger Teil des Kühlsystems des Servers der Personalabteilung aussieht, mit. Gemäß seiner Ausbildung strebt er sein Ziel mit ganzem Einsatz an und rammt jedem, der sich ihm dabei in den Weg stellt, die Faust in den Bauch. "Guter Junge", denke ich mit stolzgeschwellter Brust. Ich bereite mich auf den unausweichlichen Anruf vor. Momente später klingelt auch schon das Telefon. Die Rufnummernidentifikation zeigt, daß mein ´Kunde´ niemand anders ist, als der Vizechef der Personalabteilung, eine Person, mit der ich mehr als nur einen Zweikampf ausgetragen habe. "Was zum Teufel ist mit unserem Server passiert?" "Nun, ich bin mir noch nicht ganz sich, aber ich glaube, er litt unter Überhitzung ..." "Sie haben unseren Server in Brand gesteckt?" schreit er. "Nein, natürlich nicht. Das ist ein häufiger Fehler - wenn die Maschinen älter werden, kann der Staub im Gerät zur Selbstentzündung führen, weil ...." "Das verdammte Ding ist erst drei Wochen alt!" "Hmmm, sowas kommt manchmal vor. Sie können doch nicht erwarten, daß der PJ ihren Server rund um die Uhr bewacht - bei dem Hungerlohn, den sie ihm zahlen." erwidere ich. "Das ist es! Wir werden uns ein eigenes System beschaffen", schreit er und schmeißt den Hörer auf die Gabel. Ein paar Tage später sind meine Befürchtungen Realität, denn ein neuer Server taucht in der Personalabteilung auf. Er ist komplett eingerichtet, so daß ich keinen Zugriff auf ihn bekomme. Der Chef erkennt natürlich nicht den ganzen Umfang des Problems - wenn die Abteilungen alle eigene Server kaufen, ist es wahrscheinlich, daß sie einen kleinen Unterschied zwischen dem, was sie uns in der Vergangenheit für die Anschaffung von Servern zahlten, und dem, was die Server wirklich kosten, bemerken. Ein kleiner Unterschied von etwa 200 Prozent. Ich lasse den Dingen ihren Lauf - nach einer ´göttlichen´ Einmischung durch den PJ und mich. Und natürlich ruft am nächsten Tag der Chef der Personalabteilung an - die Freundlichkeit in Person. "Hallo", schnurrt er. "Hallo." "Wir haben ein wenig Ärger mit unserem Server und fragen uns, ob sie uns einen Rat geben könnten." "Wo liegt das Problem?" "Nun, wir wollen alle Dateien in einem Verzeichnis mit ihrem Erstellungsdatum anzeigen lassen." antwortet er. Aha, das ist eindeutig eine Falle. Offensichtlich will er mich testen, ob mein Rat gut oder schlecht ist, wobei er sein sehr beschränktes Wissen als Maßstab nimmt. "Kein Problem", sage ich. "Geben sie einfach ´ls -l´ ein. Wollen sie die Ausgabe seitenweise sehen?" "Oh, natürlich", antwortet er und erwartet das allgegenwärtige ´rm´ als Antwort. "Geben sie einfach noch ´| more´ ein." "Oh." Er ist offensichtlich unzufrieden, da er mich nicht dabei ertappte, daß ich ihm einen falschen Rat gab. In seiner Naivität entscheidet er sich dazu, mir zu vertrauen ... "Wir haben noch ein anderes Problem. Wir hatten Schwierigkeiten mit unserem System. Die Antwortzeiten waren viel zu hoch." Was kein Wunder ist, wenn man bedenkt, daß der PJ dafür gesorgt hat, daß die Ping-Anfragen etwa 30 Prozent ihrer Netzwerkbandbreite ausmachen. "Ich frage mich, ob sie mir etwas empfehlen können, damit wir das System wieder beschleunigen können?" "Nein, nicht wirklich. Die neueren Rechner werden eigentlich ordentlich konfiguriert ausgeliefert. Oh! Warten sie! Ich wette, sie haben die Speicher-Expansions-Routine noch nicht aktualisiert, oder?" "Ahhh ... nein, nein, ich glaube nicht." murmelt er und versucht, nichtvorhandenes Fachwissen vorzugaukeln. "Na gut, dann sollten sie das am besten gleich tun." "Gute Idee. Frischen sie mein Gedächtnis auf - wie ging das doch gleich?" "Das wissen sie doch", antworte ich hilfsbereit. "Echo ´MEMORY-EXPANSION´ > /dev/kmem - das ist normalerweise der erste Eintrag in /etc/inittab." "Oh, natürlich. Ich glaube, ich habe den Eintrag bei der Feinabstimmung gelöscht", antwortet er mit gespaltener Zunge. Eine Viertelstunde später ist er wieder am Telefon. Diesmal noch erregter ... "Der verdammte Server läuft noch immer nicht!" jammert er panisch. "Er startet nicht einmal mehr!" "Nun, ich schätze, wir könnten uns die Sache einmal anschauen. Wie lautet ihr Root-Passwort?" Nach einem kurzen Augenblick des Zweifels stößt er "MEHRGELD" hervor. Schnell wie ein Blitz prüfen der PJ und ich das Passwort auf ihren anderen Rechnern. Trefferquote: hoch. Einen Tag später ist der Server der Personalabteilung wieder unter unserer Kontrolle, der Vizechef der Abteilung wurde in die Schranken gewiesen und der PJ sitzt zufrieden im gutgepolsterten Sattel eines soeben beförderten Mitarbeiters. Er ist sogar so zufrieden, daß er dem Personalchef sagen will, was in ihrem Wasserspender wirklich ist. Ich überrede ihn dazu, diese Angelegenheit für eine spätere Gelegenheit aufzusparen ... Es ist Besuchszeit, und der B.O.F.H. geht hin, um, ähm, Informationen über die neueste Technik zu sammeln ... "Ich schätze, es ist Zeit, daß wir uns nach neuer Technik umsehen." Ich kann nicht glauben, was ich höre. Der Chef kauft neue Technik ungefähr so häufig, wie Margret Thatcher für die Labour-Partei stimmt. Es war damals seine Idee, auf die Pentium-Rechner zu verzichten und eine Menge alter XTs anzuschaffen, die er sehr billig bekommen konnte. Zum Glück hörte ich noch rechtzeitig von diesem Plan, so daß ich ´zufällig´ dem Geschäftsführer eine Notiz zuspielen konnte, in der stand, daß der Lieferant ein Cousin des Chefs ist, so daß dieser Plan aufgegeben wurde - ich konnte nicht glauben, daß der Chef meinen Anteil vergessen hatte. Wie auch immer, seitdem der Chef an unserem Service-Telefon saß, ist er ein neuer Mensch. Sein Geist ist immer offen für neue Möglichkeiten ... "Es gibt ein Forschungslabor, das einen Tag der offenen Tür veranstaltet", erklärt er. "Ich denke, sie sollten sich einmal umsehen, was es für Neuigkeiten gibt." Früher hätte er wohl gesagt: "stehlen sie, was neu ist" - doch seit seiner jüngsten Bastardisierung ist das eine Selbstverständlichkeit, die nicht mehr extra erwähnt werden muß. Ein paar Tage später sitzen der PJ und ich zu einer unmenschlich frühen Stunde in einem Zug, der durch die Landschaft tuckert. Natürlich haben wir unsere bewährten Aktentaschen mit den doppelten Böden dabei. Schließlich landen wir in einem Dschungel aus Forschungslabors und mitten in der Show. Unser Schicksal läßt uns zunächst an einer Vorbereitungstour, Entschuldigung, an einer geführten Besichtigung teilnehmen, bevor wir von der Leine gelassen werden und unseren eigenen Vorlieben nachgehen können. Die Tour ist langweilig, doch immerhin ist unser Führer so dumm, daß er nicht sieht, was wir anstellen. Schließlich werden wir uns selbst überlassen - mit ein paar ihrer Sachen, die nicht am Boden festgeschraubt waren. Es ist interessant, all die herumliegenden Spielzeuge zu sehen, doch meine Aufmerksamkeit wird von den Sicherheitsleuten angezogen, die um die Räume herumlungern, in denen die Apparate, die wirklich teuer sind, besichtigt werden können. Im ersten Raum scheint es um Telearbeit zu gehen, für die ich mich interessiere, seitdem der Chef eine Standleitung zu meiner Wohnung gelegt hat. "Nun, erzählen sie mir mal etwas über Telearbeit", sage ich begeistert zu dem jungen Anzug am ISDN-Werbestand. "Dieses Gerät kann sie mit dem Netzwerk ihrer Firma verbinden. Dabei merken sie gar nicht, daß sie ISDN nutzen. Alle Netzwerkprotokolle werden unterstützt, so daß es aussieht, als seien sie direkt mit dem LAN verbunden." erklärt er mit glänzenden Augen. "Sieht aus wie ein ISDN-Router." "Ähm ... ja, so ist es. Aber er hat ein hübsches blaues Gehäuse und blinkende Leuchtdioden." Ich betrachte das Gehäuse verächtlich - nein, daran verschwende ich keinen Gedanken. "Haben sie sonst noch etwas Interessantes anzubieten?" "Nun, wir haben einen Router auf einer PCMCIA-Karte." "Wieso?" "Damit sie ihren Laptop mit dem Netzwerk über einen Router statt per Modem verbinden können." "Wieso?" "Damit müssen sie keinen Modem-Einwählserver zusätzlich zu ihren Routern installieren." "Natürlich. Statt eines preiswerten Modem-Servers sollen wir einen teuren Router benutzen. Wie ökonomisch." Meine Gedanken werden durch einen Stoß des PJs unterbrochen. "Sie haben ein Sicherheitssystem hier, das wie bei uns über die Iris des Auges die Nutzer identifiziert." "Nicht ganz - unser System schädigt das Augengewebe nicht dauerhaft und ist auch nicht mit dem Sprinklersystem verbunden." Er muß noch soviel lernen ... Das Mittagessen ist besser als erwartet, hauptsächlich deshalb, weil wir nicht die Kantine benutzen, sondern den VIP-Bereich. Es dauerte nur ein paar Momente, den Leser für die Identitätskarten zu ´reparieren´, damit er unsere Karten richtig liest. Echte VIPs beim Versuch zu beobachten, sich Zugang zum VIP-Bereich zu verschaffen, ist eine interessante Mittagsunterhaltung ... Angenehm gestärkt durch Chateaubriand und einen recht edlen Rotwein sind wir bereit, den Rest der Ausstellung in Angriff zu nehmen. Das Gewicht meiner Tasche wird durch eine Flasche eines hervorragenden Cognacs erhöht, die achtlos auf dem Spirituosen-Regal herumstand. Unser Vorankommen wird durch einen der Sicherheitsleute unterbrochen. Während er uns lang und breit mitteilt, warum wir warten müssen, bevor wir Zugang zu den guten Sachen bekommen, verschwindet der PJ wie ein Schatten. Sektion Sechs wird lange vor der geplanten Zeit plötzlich geöffnet, wo wir diesen wunderbaren optischen Speicher sehen, der offenbar ohne eigene Stromversorgung arbeitet. "... wie sie sehen können, gibt es keine Kabelverbindung zur Stromversorgung mit der Basisstation", leiert der Langweiler herunter und versucht offensichtlich, die Aufmerksamkeit auf den Video-Datenstrom zu lenken, der auf das angeblich stromversorgungslose Gerät übertragen wird. "Und hier können sie eine Aussparung in der Datenleitung sehen. Wenn ich nun diese Karte in die Aussparung stecke, wird der Datenstrom unterbrochen, damit sie sehen, daß wir die Wahrheit sagen." Er plaziert die Karte in der Aussparung und dreht sich mit selbstgefälligem Grinsen zum Monitor, um auf ein Standbild zu deuten. Sein Gesichtsausdruck verändert sich plötzlich, und er sieht nun wie jemand aus, der einen Wasserbüffel in seinem Jakusi entdeckt. "Debbie macht es in Dalles. Ein netter Einfall", gratuliere ich dem PJ. Zeit zum Verschwinden ... Wir haben die Hälfte des Weges zum nächsten Pub zurückgelegt, als die Hölle losbricht. Sirenen, Feuerwehren, flüchtende Menschen - der ganze Krims-krams. Die Verwirrung des PJs ist direkt proportional zu meiner Zufriedenheit, als ich mich an die Theke lehne. "Ich setze fünf Pfund darauf, daß der Chef des amerikanischen Mutterkonzerns sich gerade einem Iris-Test unterziehen mußte", kommentiere ich und sehe, wie das Wasser aus ihrem Eingang herausläuft ... "Keine Chance", antwortet der PJ. "Noch ein Bier?" Eine lustige Sache, diese neue Technologie ... Dank des technischen Fortschritts geht der B.O.F.H. unter die Filmemacher ... Die Leute in der Chefetage wollen wieder neue Spielzeuge haben. Weil der Geschäftsführer einen Artikel über Video-Mail gelesen hat, ist er nun der Meinung, unserer Firma fehle etwas. Natürlich bin ich über die immensen Möglichkeiten zur Anschaffung neuer Technik begeistert. Der Chefbuchhalter andererseits wirkte ziemlich besorgt, doch schließlich verlangte er keinen Kostenvoranschlag mehr, der mit Blut unterschrieben ist. Natürlich war er es, der versuchte, mich aus dem Prozeß der Technikbeschaffung herauszuhalten. Offenbar wurde er mißtrauisch, als ich das Wrack, das ich bis dahin fuhr, seinem brandneuen BMW in den Weg stellte - nun, genaugenommen stand der BMW im Weg, doch Bewegung ist ja relativ. Ich rufe unseren Netzwerklieferanten an, um die Wünsche des Geschäftsführers zu erfüllen. "Hallo, Netzwerk Express." "Mein Name ist Farquarson. Könnte ich mit Jon sprechen?" "Bitte warten sie einen Moment." >Click< "Guten Morgen, Herr ... ähm ... Farquarson. Ist die Leitung sicher?" "Ja, keine Lauscher. Guten Morgen, Jon. Ich brauche ein paar Server." "Kein Problem. Mit welcher Last sollen sie klarkommen?" "Eine Riesenlast. Wir wollen Video-Mail einsetzen. Sie wissen schon, sie schreiben auf ein Grafiktablett, eine Kamera zeichnet alles auf und übersetzt die Worte in Töne." "Nett. Dual-Pentium Pro 200, würde ich sagen?" "Ähm ... für die Kosten muß ich mich nicht verantworten." "Oh, gut! Dann wollen sie bestimmt, acht, zehn oder zwölf Prozessoren?" "Zwölf sind in Ordnung. Und natürlich auch eine Menge Speicherplatz." "40 GigaByte pro Server?" "Wie bitte?" "Ups, ich habe wohl eine Null übersehen." "Gut. Ein halbes Gigabyte RAM müßte auch ausreichen - wir wollen ja nicht übertreiben. Wie hoch wäre der Schaden?" "Hmmm ... Der Listenpreis liegt bei 62.995 Pfund pro Server." "Und nach dem Erbsenzähler-Rabatt?" "124.999 Pfund. Die Steuern kämen natürlich noch dazu. Ich nehme an, ihr Anteil soll auf das übliche Konto überwiesen werden?" Pünktlich werden zwei Kisten geliefert. Der PJ hat die Server schnell installiert und schwirrt umher, um ein paar Dutzend Video-Mail-Tabletts, die wir in der vergangenen Woche in den Leitungsetagen verstreut haben, an das Netz anzuschließen. Wir kehren zurück in unsere Netzwerk-Zentrale, wo der PJ gleich nach einer Quake-Sitzung die Konsole für das Video-Mail-System startet. Eine kurze E-Mail informiert den Administrator-Assistenten in unserem anderen Büro, bringt die Manager aus anderen Niederlassungen an ihre Rechner, und bald sehen wir auf der Kontroll-Konsole die Worte durch das WAN fliegen. Zufrieden lehne ich mich für einen Moment zurück und versuche, in die Haut eines psychopathischen Mörders zu schlüpfen, unglücklicherweise natürlich nur in einer virtuellen Welt. "Sie haben das System offenbar begriffen - ich glaube, sie konkurrieren nun darum, wer die längste Video-Mail mit den meisten komplizierten Worten zusammenbauen kann." kommentiert der PJ, sorgfältig hinter der Mauer versteckt. "Nun", antworte ich. "Sie sind Kinder mit neuem Spielzeug. Hoffentlich haben wir bald genug Material." sinniere ich. "Material?" "Oh, machen sie sich darüber keine Sorgen." >BAMBAMBAMBAMBAM< "Ha! Stirb, Trottel!" Nach dem kurzen einstündigen Mittagessen kehren wir zurück. Ich inspiziere das Video-Mail-System und bin ziemlich überrascht, daß sie es geschafft haben, 40 Prozent des Festplattenplatzes in so kurzer Zeit zu verbrauchen. Doch da alles einem guten Zweck dient, stört mich das nicht weiter. Ich starte mein gutes altes Premiere und suche mir ein paar Dateien aus. "Was haben sie vor?" fragt der PJ. "Ich mache einen Film. Nach was sieht es denn ihrer Ansicht nach aus?" "Einen Film? Worüber?" "Über unseren Geschäftsführer. Ziemlich loyal, oder?" "Sehr. Genau das macht mir Sorgen." Es dauert eine Weile, bis ich mich wieder an die Bedienung des Programmes gewöhnt habe, doch bald sind die Video-Schnipsel hübsch zusammengeschnitten. Der PJ wirkt noch immer verwirrt und sucht das Weite, um irgendeinen Server in der Hoffnung abzuschießen, daß damit sein Geist etwas beruhigt wird. Eine Stunde später transferiert er die letzten Bits in den digitalen Mülleimer, während ich mich zufrieden zurücklehne. Der PJ bemerkt mein befriedigtes Lächeln und kommt zu mir. Er wirft einen Blick auf den Notizzettel, auf dem ich ein paar Sätze aufgeschrieben habe. "Jährliche Nachtwanderung mit Lagerfeuer ... Finanzdirektor ... Gerüchte besagen ... Wachschutz ... Tonstörungen ... Ziegenkäse als Vorspeise ... Was hat das zu bedeuten?" fragt er. "Warten sie einfach ab. Das Telefon müßte gleich klingeln ... JETZT." Er zuckt zusammen, als das Telefon klingelt. "Hallo, Nutzerbetreuung hier. Wessen Zugangskonto wollen sie sofort gelöscht haben? Aber ist er nicht der Finanzchef? Okay, okay, ich will mich nicht mit ihnen streiten, ich bin nur überrascht, denn ich dachte, er sei auf Ewigkeiten mit der Schwester des Geschäftsführers verheiratet. Wer hat ihnen den Auftrag gegeben? Was, der Geschäftsführer höchstpersönlich? In einer Video-Mail .... wie passend." Der PJ verabschiedet sich von unserem Administrator-Assistenten am anderen Ende, der selbstverständlich auch mit einer gewissen Prozentrate beteiligt wird und daher verschwiegen ist, und mustert mich neugierig. "Haben sie etwas dagegen, mir den Film einmal vorzuführen?" "Natürlich nicht." Ich betätige den Abspielbutton, worauf der PJ den Geschäftsführer sieht, der den restlichen Managern mitteilt, daß einige der seltsamen Gewohnheiten des Finanzchefs nicht zur Firmenpolitik passen und er deshalb leider verabschiedet werden muß. Dann folgen in verschiedenen Varianten noch die Anweisungen an die Administratoren, die sich mit Sicherheitsfragen und logistischen Problemen dieser Personalentsorgung befassen. Und selbstverständlich wird auch der Anruf bei der Polizei nicht vergessen. Natürlich hätte die reine Stimmaufzeichnung niemanden befriedigt, doch nun kann man den Geschäftsführer dabei auch sehen. Und wir alle wissen, daß man Video-Mails nicht fälschen kann - oder? Der PJ ist nicht mehr er selbst. Aber er muß ja auch einen Schleimer erdulden ... Manchmal kann ich das Offensichtliche ja ignorieren, doch der PJ zeigt alle Symptone einer sehr tiefen Enttäuschung. Und natürlich beantwortet er Fragen nach deren Ursache nicht. Seine Arbeit leidet merklich darunter - gestern ertappte ich ihn dabei, wie er den Papierschacht in einem Faxgerät neu auffüllte, nachdem ein Nutzer ihn angerufen hatte. Die Protokolldateien mit den Passwortänderungen zeigen, daß er tatsächlich Nutzern geholfen hat, die ihre Passwörter vergessen hatten, indem er sie abänderte zu Worten wie ´temporär´ und ´änderemich´, statt die üblichen ´hirnloseridiot´ oder ´wiekannmannursodummsein´ zu verwenden. Das schlimmste Anzeichen ist, daß er wirklich eine komplette Festplatte aus einer Sicherheitskopie wiederherstellte, nachdem ein Nutzer sie unbeabsichtigt gelöscht hatte. Bei einem ernsthaften Gespräch stelle ich ihn und erfahre so die Wahrheit. Es scheint so, als hätte seine Verwandtschaft in der Firmenleitung ihm einen neu eingestellten Internet-Berater vorgezogen, der so aalglatt ist, daß der Einsatz von Streusand angebracht zu sein scheint. Natürlich habe ich die Zeichen gesehen, doch ich dachte, der PJ hätte mehr Mut, sich den Herausforderungen zu stellen. Nun, es gibt offenbar noch Aufgaben, die den echten Profis vorbehalten bleiben. Natürlich kämpft der PJ mit einem Interessenkonflikt, denn wir wurden von oben aufgefordert, Mr. Schleimer bei der Durchsetzung seiner ´politisch korrekten Richtlinien zur Internet-Nutzung´ zu unterstützen - ein kaum verschleierter Versuch des Chefs, all jene zu bestrafen, die ihre Arbeitszeit dazu nutzen, die geheimsten Porno-Seiten zu finden. Ich versuche die Depression des PJ durch etwas Ablenkung zu lindern ... "Haben sie Lust auf einen Besuch im Labor von Dr. Bastard?" frage ich und enthülle meine neueste Erfindung. "Das ist eine Maus." antwortet der PJ lustlos. "Aber nicht irgendeine Maus", antworte ich. "Es ist eine ferngesteuerte Maus, sehen sie?" Ich spiele mit den Pfeiltasten meines persönlichen Des-Organizers, der über eine Infrarot-Schnittstelle verfügt. Die Maus bewegt sich entsprechend. "Nett", kommentiert der PJ unbeeindruckt. "Und wie wäre es damit?" frage ich und deute auf ein soeben modifiziertes Büro-Utensil. "Ein Aktenkoffer?" "Ja, ja - aber mit einer zusätzlichen Erweiterung", antworte ich. "Bringen sie ihn her." Er nimmt ihn, hat etwas mit dem unerwarteten Gewicht zu kämpfen und kommt zu meinem Tisch. Ein Tastendruck auf meinem Des-Organizer läßt das Schloß aufspringen und ein paar Ziegel herausfallen, die auf den Füßen des PJs landen. Manchmal muß man wirklich grausam sein, um freundlich zu sein. "Warum zum Teufel haben sie das gemacht?" schreit der PJ. "Ausbildung." antworte ich. "Sie litten offensichtlich unter der irrtümlichen Annahme, daß das Leben fair sei. Das ist es nicht. Deshalb handeln befähigte Menschen wie sie und ich so, wie wir es tun." "Ich verstehe sie nicht." Müde erkläre ich es ihm. "Stellen sie sich vor, sie wären ein Internet-Berater, der einen ganzen Tag lang der harten und ermüdenden Arbeit nachging, seinen Bürostuhl zu wärmen. Und nun betreten sie die U-Bahn mit der Aktentasche - voller Hausaufgaben, die sich nur darum drehen, wie sie die Netzwerk-Zentrale verärgern können. Und dann springt die Aktentasche plötzlich auf und verstreut ihren Inhalt auf die Gleise." "Also nimmt er heute die U-Bahn, um nach Hause zu kommen?" erwidert der PJ. "Keine Ahnung. Ich wollte hier nur die Möglichkeiten beschreiben. Und wo ich gerade bei Möglichkeiten bin - ich sehe keine Möglichkeit, daß wir uns vor der Teilnahme an seinem Internet-Bericht am heutigen Nachmittag drücken können." Der PJ, beinahe gerettet, verfällt wieder in Pseudo-Depressionen. Also wird es Zeit für einen Notfallplan, den ich mir eigentlich für eine andere Gelegenheit aufheben wollte. Einen kurzen Besuch im Land der Netzwerkprotokolle später wird der Feueralarm durch eine nicht lokalisierbare Rauchmeldung ausgelöst. Am späten Nachmittag erscheinen wir dann im Beratungszimmer der Firmenleitung, um den Internet-Empfehlungen des Schleimmonsters zu lauschen. Die Anwesenheit seines ehemaligen Verwandten hebt die Stimmung des PJs kaum. Der Schleimer beginnt seine Offensive, indem er den ´besorgten mordernen Mann´ spielt, der überall Gefahren wittert, während er gleichzeitig die Bedeutung der ´unvoreingenommenen Netzwerk-Menschen´ herunterspielt, die ich in den vielen Jahren als Eckpfeiler meines Wirkens betrachtet habe. Innerhalb weniger Minuten hat er die Zuhörer soweit, daß sie ihm aus der Hand fressen, als er seinen Plan für ein isoliertes Netzwerk darlegt, während sein Laptop ein Diagramm nach dem anderen liefert, um seine Intranet-Ideen zu untermauern. Der Chef grinst zufrieden, da sich die Dinge nach seinen Vorstellungen entwickeln. "Ich denke, sie wissen was zu tun ist." flüstere ich dem PJ zu. Er blickt ungerührt auf meinen Des-Organizer, den ich zu ihm schiebe. "Vielleicht findet sich etwas auf seiner Festplatte?" ermutige ich ihn. Tief in ihm drin erwachen seine Lebensgeister, schöpfen neuen Mut und kämpfen gegen die Depressionen. Eine halbe Stunde später schlucke ich mit dem PJ ein Bier, der seiner Verwandtschaft schon vergeben und die Bevorzugung des anderen vergessen hat. Der Schock und das Entsetzen, das auf die Anzeige einiger Aufnahmen aus der Damentoilette folgte, hat die Glaubwürdigkeit unseres Internet-Beraters nicht gerade erhöht - und seinen raketengleichen Abgang erfolgreich beschleunigt. Aber es diente einer guten Sache. "Noch ein Bier?" will der PJ wissen. "Nun, ich habe noch etwas vor. Ich muß dem Chef noch die Gefahren aufzeigen, die davon ausgehen, daß er seine Schlüssel blind einer Aktentasche anvertraute, die ihm anonym zugespielt wurde." Wie sagt man so schön, das eigene Erleben ist der beste Lehrmeister .... Die Nadelstreifen-Brigade hat nur Geld im Kopf und will nicht nachgeben .... Es hat mich schon immer gestört, daß die Erbsenzähler ihr eigenes Netzwerk betreiben dürfen, auf das wir keinen Zugriff haben. Der Nadelstreifen-Brigade wurde es vor einiger Zeit gestattet, auf unsere Dienste verzichten zu dürfen. Und so sehr wir uns in der Zwischenzeit auch bemühten, sie auf den rechten Weg zurückzubringen, es gab immer wieder einige Rebellen, die dafür sorgten, daß sie wenigstens die Kontrolle über die wichtigsten Systeme in ihrer Etage behielten. Dieses Verhalten kann ich gar nicht verstehen. Wir haben uns monatelang mit aller Kraft bemüht, für sie da zu sein, haben in endlosen Stunden ihre Notebooks dauergetestet etc. Die Sache mit dem Amboß war wirklich ein unglücklicher Zufall, und wir haben noch immer nicht herausgefunden, wieso die Transaktionen mit dem örtlichen Wettbüro als einzelner Posten in ihrem Jahresbericht auftauchen konnten. Aber ich bin sicher, daß dies nicht durch uns veranlaßt wurde. Trotz unserer gewaltigen Bemühungen beharren die Erbsenzähler noch immer darauf, daß sie ihre eigene Technik-Abteilung brauchen. Schlimmer noch ist die Tatsache, daß sie ihre Technik-Abteilung als Waffe gegen uns gebrauchen wollen. Der Mann, den sie für die Betreuung des Netzwerkes angeheuert haben, hat eine seltsame Einstellung gegenüber seinen Nutzern - er glaubt wirklich daran, daß seine heilige Aufgabe darin bestehe, ihnen zu helfen. Gefährlich für uns ist auch die Tatsache, daß die Buchprüfer nun den realen Wert der Technik kennen, die wir in den vergangenen Jahren angeschafft haben. Es war einige Rennerei nötig, um dafür zu sorgen, daß der Geschäftsführer nicht erfährt, daß die elekto-magnetischen Multiplex-Kommunikationsgeräte, für die wir eine Rechnung über 1.200 Pfund präsentierten, nichts anderes waren als schnurlose Telefone, die ein Freund des PJs zu Niedrigstpreisen in einem Elektroladen verschleuderte. Es ist offensichtlich, daß wir die Erbsenzähler wieder unter unsere Kontrolle bringen müssen. Wir vermissen nicht nur die ´Bonus´-Zahlungen unserer Zulieferer, es geht auch das Gerücht, daß andere Abteilungen sich ernsthafte Gedanken über unseren Service machen. Zum Glück neigt unser Chef zur Bösartigkeit, seitdem er an unserem Telefon saß, so daß wir von ihm Rückendeckung erhalten. Seitdem die Erbsenzähler ihm die Rückerstattung für seine geschäftlichen Auslagen für den ´Was immer sie wollen´-Begleitservice verweigerten, steht er auf unserer Seite. Es hilft auch nichts, daß der Netzwerkmanager der Erbsenzähler zu den irritierenden Individuen gehört, die immer mit einem selbstgefälligen Grinsen herumlaufen. Er sieht aus, wie einer der Alligatoren, die man sieht, wenn man die Sumpfgebiete besucht. Allerdings hat sein Gesicht eine etwas andere Färbung ... Er bewacht eifersüchtig sein Territorium, was an sich schon eine Herausforderung darstellt. "Ihr Netzwerk ist ja schon wieder zusammengebrochen", sinniert er, als er an uns vorbeigeht. Während eines Updates brach das Netzwerk plötzlich zusammen - gerade als das große Rennen beginnen sollte. "Es ist bemerkenswert, daß die Mitarbeiter immer dann vom Arbeiten im Netz abgehalten werden, wenn große Rennen oder Fußballspiele stattfinden, nicht wahr?" grinst er hintergründig. "Ja, wir haben eine Menge Schwierigkeiten mit Engpässen", höre ich mich sagen, bevor ich höflich die Tür vor ihm zuknalle und einen weiteren Espresso schlürfe. Ein paar Tage später finde ich mich auf dem Weg zu meinem Parkplatz ´zusammengebrochen´ vor dem Auto des Lächlers. Er betätigt die Dauerhupe, doch die Krankheit meines Wagens scheint unheilbar zu sein - zumindest seitdem ich die Zündkerze entfernt habe. "Ich habe keine Ahnung, woran es liegt", schreie ich unter der Motorhaube hervor. "Ich werde ihnen Hilfe holen." Ich weiß, daß der Parkplatzwächter ganz bestimmt nicht aufspringen wird, um irgendjemandem zu helfen; einerseits liegt das daran, daß er über 90 Jahre alt ist, andererseits daran, daß ich ihm ein paar Videobänder der Überwachungskameras überlassen habe, die den Personalchef und die stellvertretende Verkaufschefin dabei zeigen, wie sie einige neue hocheffektive Techniken diskutieren, die sie ausprobieren wollen - im Hotel am Ende der Straße. "Schnell", rufe ich den PJ. "Wir haben nur ein paar Minuten." Wir wissen, daß die Sitzung der Geschäftsleitung in wenigen Augenblicken beginnt. Nach ein paar kleineren Veränderung am Server der Erbsenzähler sind wir bereit für die Show. Als ich in meinem Büro sitze, schalte ich das Audioüberwachungsgerät ein - okay, die Wanze. Wir hören die einschmeichelnde Stimme des Geschäftsführers. "Ich freue mich außerordentlich, ihnen heute unser neuestes Produkt vorführen zu können. Mein Dank geht an Anthony, unser Computer-Genie aus der Finanz-Abteilung, der mir bei der Vorbereitung dieser Vorführung geholfen hat. Ich glaube, wir haben eine Liveschaltung zu den Forschungslabors." Liveschaltung, ja - Forschungslabors, nein. Der 3:30 Uhr in Newbury, definitiv. Keuchen aus der versammelten Runde sorgt dafür, daß der Lächler sofort in die Runde gebeten wird. Seine Proteste und Unschuldsbeteuerungen können nicht überzeugen, erst recht nicht, als die Sicherheitsleute, die der Parkplatzwächter begeistert (und in meinem Auftrag) alarmiert hatte, die Quittungen für die Geschäfte mit dem Wettbüro in seinem Schreibtisch ´finden´. Der Geschäftsführer gibt wenig später die Auflösung des Netzwerkes der Erbsenzähler bekannt. "Ich denke, daß es besser ist, wenn ich die Netzwerk-Betreuung unter einem Dach zusammenbringe - dann können die Abteilungen zumindest solchen Aktivitäten nicht mehr nachgehen." Netzwerke - es gibt Gewinner und es gibt Verlierer. Und irgendwie scheinen die guten Chancen immer auf meiner Seite zu sein ... Der Genuß der örtlichen kulinarischen Delikatessen läßt den neuen Kollegen verschwinden ... "Verdammt! Sie haben ihn vertrieben, stimmt´s?" schreit der Chef, dessen Stimmung Anzeichen heftiger Verärgerung darüber zeigt, daß ihm schon wieder ein potentieller Kandidat für den Posten des ´Kontaktmanagers´, der die Kommunikation zwischen uns und unseren Kunden verbessern soll, abhanden gekommen ist. Er ist der vierte innerhalb einer Woche - bei dieser ´Erfolgsrate´ werden wir unser Verhältnis zu den Kunden leider kaum verbessern können. "Wie bitte?" reagiert der PJ mit dem unschuldigsten Gesichtsausdruck, zu dem er in der Lage ist. "Er ist nicht hier, oder?" will der Chef wissen. "Au contraire", antworte ich. "Ich habe ihn noch am Morgen gesehen. Der PJ war auch bei mir. Er sah allerdings etwas kränklich aus - offenbar ist er mit einigen zukünftigen Arbeitskollegen durch die Kneipen gezogen." "Sie haben ihn dazu überredet?" "Nun, wir haben ein paar Biere getrunken. Natürlich nur zum besseren Kennenlernen und zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses." gebe ich widerwillig zu. "Und wo ist er jetzt?" "Nun, das ist wirklich lustig. Zuletzt sah ich ihn, als er zusammen mit dem PJ und mir im Lift fuhr. Wir haben diese leckeren neuen Zigarren ausprobiert, die es am Stand vor dem Eingang für ein Pfund gibt. Er sah wirklich krank aus. Dann ist er plötzlich aus dem Lift gestürmt." "Warum?" "Keine Ahnung. Ich glaube, der PJ hatte ihm gerade ein fettes Specksandwich angeboten." "Ähm, nein", unterbricht mich der PJ. "Ich glaube das war, nachdem sie ihm diese konservierte Alkoholikerleber gezeigt haben." "Wirklich? Wenn sie das sagen, wird es wohl so gewesen sein." "Ich wußte, daß das passieren wird", antwortet der Chef mit selbstgefälligem Lächeln und greift das Telefon, um mit der Rezeption zu reden. "Schicken sie bitte den nächsten Bewerber hoch." Aha, der alte Trick mit der doppelten Bewerberanzahl. Natürlich wird der neue Bewerber ("Nennt mich Dave.") eingestellt und bekommt seinen Schreibtisch. Der Chef gibt ihm die glänzende Broschüre über die Firma, in der völlig fiktive Tätigkeiten beschrieben werden, die wir angeblich durchführen. Dann fragt er Dave nach seinen Erfahrungen ... "Nun", antwortet der offenherzig. "Das könnte ich ihnen sagen, doch danach müßte ich sie leider töten." Meine Hände verkrampfen sich plötzlich in den Armlehnen des Stuhls, als mir klar wird, wie gefährlich die Arbeit mit jemandem sein kann, der so fanatisch ist. "Wann können sie beginnen?" fragt der Chef, der bemüht ist, den Posten schnell zu besetzen, da ihm sonst eine Umstrukturierung der IT-Abteilung droht. "Sofort, wenn sie wollen. Ich bin flexibel einsetzbar." Die Armlehne des PJs knarrt gefährlich - im Gleichklang mit meiner. Große Menschen haben den gleichen Gedanken. Später an diesem Morgen wird unser neuer ´Repräsentant´ im Vermittlungsraum versteckt, wo er ´ein Gefühl für unsere Arbeit bekommen soll´. Der PJ und ich erhöhen die Fühlbarkeit noch, indem wir die Temperatur um einige Grade senken und all die lautstarken Geräte einschalten, die wir für spezielle Gelegenheiten wie diese aufgehoben haben. Zur Mittagszeit sind seine Lippen bläulich und er wirkt irgendwie entrückt - ein Zustand, den man schwer beschreiben kann. Wir plazieren eine leere Wodka-Flasche im Abfalleimer der Vermittlung und melden unseren ´Fund´ dem Chef. Der läßt sich allerdings entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten ausnahmsweise nicht von uns hereinlegen. Am nächsten Tag ist unser Kollege wieder auf den Beinen und wird ziemlich unsanft mit der Arbeit in Netzwerken vertraut gemacht, als es in einem der Kabelschächte, die er entlangkriecht, zu einem ´plötzlichen Potentialunterschied´ zwischen seinen Füßen und seinem Oberkörper kommt. Schockierend! Ich werde bei der Arbeit gestört, als der Chef wenig später vorbeikommt. "Haben sie Dave gesehen?" fragt er. "Nicht in der letzten Zeit", antworte ich. "Warum?" "Oh, jemand ist über eine der Abdeckplatten der Kabelschächte gestolpert, die ungesichert herumlag." "Ja", bemerkt der PJ. "Er hat auch in der Vermittlung eine Abdeckplatte nicht wieder festgeschraubt. Das hätte einen schlimmen Unfall geben können, doch jetzt ist die Platte wieder festgeschraubt." Der Chef bemüht sich bei der Schilderung unserer Sicherheitsvorkehrungen, unschuldig zu lächeln, während er unbemerkt ein Stück Papier auf meinen Schreibtisch schmuggeln will. "Oh", rufe ich und schnappe es mir. "Ein offizielles Rundschreiben, in dem die Haftung des Arbeitgebers für Unfälle am Arbeitsplatz beschränkt wird - auf dem Gebiet ... Oh! ... der Sicherung von Abdeckplatten? Mit dem Datum von gestern? Ich kann mich gar nicht erinnern, daß das gestern gekommen ist. Und sie?" "Nein", antwortet der PJ. "Bis zum heutigen Morgen gehörte das noch nicht zur offiziellen Arbeitsschutzordnung." Der Chef setzt sein ´Wir sitzen alle im gleichen Boot´-Gesicht auf und appeliert an das Gute in uns, um seine negative Erwähnung im nächsten internen Arbeitsschutzbericht zu verhindern. "Das macht 20 Pfund für jeden." antworte ich, um die Sache abzukürzen. Das Geschäft wird gemacht, und der Chef verschwindet mit der Sicherheit, daß er für den Unfall nicht zur Verantwortung gezogen wird. "Übrigens", meldet sich der PJ. "Haben sie bemerkt, daß in diesem Rundschreiben nirgends gefordert wird, daß man vor dem Festschrauben der Abdeckplatten nachschaut, ob sich noch jemand in dem Kabelschacht aufhält?" "Das haben sie nicht getan!" rufe ich. "Nun, haben sie tatsächlich angenommen, daß die Klopfgeräusche durch die Klimaanlage verursacht wurden?" "Aber das ist ja furchtbar. Ich kann nicht glauben, daß sie das getan haben!" Nun, bei der Arbeit in Netzwerken kann man nie zu vorsichtig sein. Der B.O.F.H. und die Paintball-Schlacht ... Ich liebe den Geruch brennender Geräte am Morgen - das ist der Duft des Sieges. Ich überspringe den Sieg vorläufig und konzentriere mich auf die Stimmen, die das Mikrofon im Taschenrechner auf dem Schreibtisch des Chefs aufnimmt. (Erste Regel für die Anwendung von Wanzen: Plaziere sie in einem Gerät, das gut sichtbar ist, aber niemals wirklich benutzt wird.) "Ich denke, das ist eine FANTASTISCHE Idee!!" höre ich den Geschäftsführer aufgeregt sagen. "Das ist BRILLANT!" versucht der Chef den Geschäftsführer noch zu übertreffen. "Eine Paintball-Schlacht! Das ist genial!" Ich schalte den Lautsprecher aus. Endlich kann ich die Früchte monatelanger Arbeit, vieler ausgestreuter Hinweise und Andeutungen, unzähliger umgeleiteter Webseiten und zahlloser Spam-Mails ernten. Der Fehdehandschuh wurde aufgenommen .... .... Seufz ... "EINE PAINTBALL-SCHLACHT!" ruft der PJ besorgt. "Dieser Herausforderung werden sie sich nie stellen!" "Aber natürlich werden sie", antworte ich. "Wir gegen die Erbsenzähler! Gewehre, die Farbbeutel verschießen. Es sieht so aus, als hätte der Geschäftsführer, immerhin indirekt *IHR* Fleisch und Blut, beschlossen, daß es vernünftig und richtig ist, den offenen Krieg zwischen den Abteilungen auf dem Feld der Ehre mit einer Paintball-Schlacht zu beenden - niemand kann sich hinter der Technik verstecken oder mit Siegeln für genehmigte Anschaffungen herausreden!" "Sie klingen, als freuten sie sich auch noch darauf!" jammert er und ist noch immer nicht von dieser Chance überzeugt. "Gehen wir einfach davon aus, daß es nun nicht mehr abwendbar ist. ´Freuen´ ist allerdings etwas übertrieben. Aber ich muß zugeben, daß es mich reizt, unserem Gegner auf dem Feld der Ehre fair und ehrlich zu begegnen. Ohne Mißgunst und Neid (Sie haben meinen Benzinzuschuß zum Beispiel nur deshalb gesperrt, weil ich mein Auto verkauft habe und vorher drei Monate lang nicht mehr mit ihm auf Dienstreise war.) in einer ´Alles-ist-erlaubt´-Schlacht." "Aber sie werden uns einseifen!" plärrt er. "Sie haben Wochenendkrieger auf ihrer Seite!" jammert er mit letzter Kraft. "Und wir haben unsere Lieferanten! Ich bin sicher, daß ich ein oder zwei Leute finden werde, die mit einem Gewehr umgehen können! Wie auch immer, es ist alles von oben angeordnet. Jetzt bleibt uns nur noch, das Beste aus der Situation zu machen. Nehmen wir die bittere Medizin wie echte Männer und berechnen wir den doppelten Stundensatz für die Wochenendarbeit ..." Der PJ ist nicht überzeugt ... "Oh, habe ich schon erwähnt, daß im Interesse des Zusammengehörigkeitsgefühls der Chef - sie wissen schon, der, der ihre Handynummer an die Nutzerbetreuung weitergegeben hat - bald herausfinden wird, daß er zum Team gehört?" "Wirklich?" erwidert der PJ mit glänzenden Augen. Seine Zweifel sind Vergangenheit ... Eine Woche später ist es soweit. An diesem schicksalhaften Tag verlassen wir den Bus, wobei uns unsere Gegner höhnisch lächelnd beobachten - sie haben sich in den vergangenen Tagen intensiv auf diesen Tag vorbereitet und ausgiebig trainiert ... Meine eigenen Kenntnisse sind nicht so gut, habe ich doch nur ein paar Meldungen in den Newsgroups zum Thema lesen können. Seufz ... Der Paintball-Veranstalter verteilt die Munition und die Waffen an die Truppen, so daß das Spiel beginnen kann. Unser neulich bestelltes Buchverfolgungssystem für die Firmenbibliothek wird in diesem ´Feldversuch´ natürlich auch eingesetzt - die eigentlich für die Bücher bestimmten Sender sind in die Kampfanzüge unserer Gegner eingenäht. Offenbar eine lohnende Investition ... Ein Hinterteil präsentiert sich mir in meinem Versteck, so daß ich problemlos mitten ins Schwarze treffen kann. Selbstverständlich benutze ich meine Reservewaffe, die mit etwas mehr Druck feuert und als Munition gefrorene Farbbeutelchen verschießt ... Der resultierende Schmerzschrei läßt mich aus zwei Gründen lächeln: (a) Er beweist, daß Einträge in Newsgroups wahr sind und (b) läßt unsere restlichen Gegner sich noch tiefer ducken ... Eine halbe Stunde später haben wir die Erbsenzähler in ihrer behelfsmäßigen Festung umzingelt. "Wir ergeben uns!" rufen sie und kommen mit erhobenen Händen und Waffen heraus. "In einem echten Krieg müßten wir jetzt Gefangene machen", erkläre ich dem PJ. "Doch die Genfer Konvention bezieht sich ja nicht auf Paintball-Schlachten, was irgendwie traurig ist ..." Das folgende Massaker muß unnötigerweise schnell über die Bühne gehen. "Schnell!" ruft der PJ. "Sie flüchten in den Bus!!!" "Sie meinen den Bus, der zur Zeit vor einem ruhigen Landgasthaus in 4 Meilen Entfernung parkt, oder?" In Ermangelung unseres Gegners sah sich der Chef plötzlich von Mitgliedern seines Teams umgeben, das ausschließlich aus Leuten bestand, die er in den vergangenen Wochen verärgert hatte. Möglicherweise erklärt das seinen gehetzten Gesichtsausdruck ... Der Geschäftsführer taucht später auf, um zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln, ob die Unstimmigkeiten zwischen uns und den Erbsenzählern schon ausgeräumt wurden. "Freundliches Feuer", erkläre ich gegen das Protestgeschrei des Chefs dem Geschäftsführer. "Ein dokumentiertes Phänomen in Kriegszeiten. Und ein bedauerlicher Zufall." .... Am nächsten Montag sind wir zurück am Arbeitsplatz, und die Vorhersage des Geschäftsführers hat sich bewahrheitet - die Streitereien zwischen den Abteilungen haben einen neuen Tiefstwert erreicht. Das ist natürlich nicht verwunderlich, denn da die meisten Erbsenzähler noch unter den Folgen eines traumatischen Schocks leiden - die Nachwirkung des Hinterhaltes in der Nähe des ´ruhigen Landgasthauses´ -, ist auch niemand zum Streiten da. Nicht nur die Erbsenzähler leiden. Wir stecken bis zum Hals in Anforderungsformularen für neue Technik, die wir dem Chef zur Unterschrift vorlegen. Er hat etwas von einem Rückspiel in ein paar Wochen gehört und will es sich anscheinend nicht mit uns verderben ... Ich glaube, ich sollte den 29 Zoll-Stereo-Monitor für die Telearbeit in meiner Wohnung jetzt bestellen ... Der PJ erzielt hervorragende Resultate beim wichtigen ´Wie wird man ein richtiger Bastard Operator´-Test ... "Ich glaube, sie wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben!" Der PJ denkt kurz nach. "Hmm ... Carter, Rechnungsprüfer. Zimmer 402, Durchwahl 6473, Geburtstag: 22. Juni 1963. Verheiratet, ein Kind - nicht das eigene. Apfelsafttrinker. Ein roter Volvo mit einem kaputten Rücklicht. Hobby: Sammeln von Bierdeckeln. Das Passwort ist ... ähmmmm." "Etwas mit Fisch", helfe ich ihm. "Treibnetz." ruft der PJ. "Ausgezeichnet." antworte ich und wende mich unserem Besucher zu. "Und jetzt noch eine Sportfrage, bitte." "Aber ... ich ..." "Nein. Sport." erwidere ich nachdrücklich. Während der Nutzer wieder abzieht, fülle ich den Praxisteil auf dem Abschlußprüfungsvordruck des PJs aus. "Mal sehen. Ja, sie haben die nötige Punktzahl für das Stiften von Verwirrung und Demoralisierung erreicht. Sie haben ein paar Extrapunkte durch das Streuen von Zweifeln erzielt, indem sie den ´Nicht ihr Fehler´-Kommentar benutzten. Kommen wir nun zur Theorie. Die Festplatte ihres Rechners fällt nach Ablauf der Garantiezeit aus. Was werden sie unternehmen?" "Ich tausche sie mit der Platte des Chefs, so daß er sofort eine neue anfordert. Wenn die neue Festplatte bei uns ankommt, formatiere ich seine alte Festplatte und baue sie wieder in seinen Rechner ein." "Jaaaaa. Aber denken sie daran, daß sie auch für vorausschauendes Handeln Punkte bekommen ..." "Ja, natürlich!" antwortet der PJ schuldbewußt. "Dann baue ich die defekte Platte in den Rechner eines Beraters ein, so daß ich immer eine Festplatte in Reserve habe." "Exzellent. Jetzt helfen sie in ihrer Freizeit einem Nutzer, als ..." Der PJ lacht laut los. "Korrekt. Nächste Frage: Der Chef hat ein Gerät gekauft, das so alt ist, daß sogar die Ingenieure verstehen, wie es funktioniert. Wie werden sie es wieder los?" "Ich lasse es ein paar Treppen hinunterfallen?" "Zu offensichtlich." "Ich sorge dafür, daß das Gerät für eine Weile mit 115 Volt betrieben werden kann?" "Er kann das Netzteil austauschen." "Hmm ... Ich weiß schon, ich richte einen Hitzestrahler auf die Kühlschlitze." "Korrekt. Beenden sie diesen Satz: Macht korrumpiert, absolute Macht ...." "... ist noch mehr Spaß!" "Ausgezeichnet. Ihr Chef und ein Kunde haben sie zwei Stunden lang mit ihrem Geschwätz über die Zukunft der Rechentechnik genervt. Jetzt gehen die beiden tief in ein Gespräch vertieft die Treppen zum Gehsteig hinunter. Wer wird zuerst auf dem Boden der Realität aufschlagen?" "Wen interessiert das schon?" "Richtig. Wenn sie sich das Verhalten des Chefs anschauen, was glauben sie ist seine Ansicht darüber, wie unser Netzwerk betrieben wird?" "VZ-Management." "Seien sie etwas genauer." "Verf***te Zauberei." "Genau." "Wie lange braucht ein Ingenieur für den Reifenwechsel?" "Das hängt davon ab, wieviele Ersatzreifen er mitgebracht hat." "Richtig. Wo wir gerade beim Thema sind: Ein Ingenieur sagt: ´Das ist ja interessant´. Was ist passiert?" "Hm, entweder hat er ihren Computer zerstört, hat seinen Schraubenzieher irgendwo in dessen Gehäuse vergessen, hat ihn zusammengesetzt, wobei er ein paar herumliegende Teile vergessen hat, oder es kommt eine Fehlermeldung, die er nie zuvor gesehen hat." "Wirklich?" "Oh, er sagt das nur, um Zeit totzuschlagen, da es ihm nicht erlaubt ist, in Anwesenheit von Kunden zu fluchen." "So ist es. Einer unserer Nutzer bringt seinen Heim-PC mit, damit sie ihn reparieren. Sie ..." "Ich sorge mit Lötzinn dafür, daß die Sicherungen kurzgeschlossen werden, stelle das Netzteil auf volle Spannung, tausche alle funktionierenden Speicherchips durch Schrott aus und installiere ein paar Viren auf seiner Festplatte." "Und?" "Ups - und berechne ihm einen ´Freundschaftspreis´ von 20 Pfund pro Stunde." "Ja. Komplettieren sie diesen Satz: Die Sanftmütigen werden bekommen ...." "... was sie verdammt nochmal verdienen. Und sie sollen dankbar dafür sein." "Korrekt. Sie haben zehn von möglichen zehn Punkten beim ersten Versuch erreicht. Als letzte Aufgabe müssen sie 50 Nutzeranfragen verursachen und sie innerhalb von zwei Minuten behandeln. Ihre Zeit läuft - jetzt!" Eine Stunde später betrachten wir die rauchenden Überreste des Regals mit der Servertechnik der Erbsenzähler. "Ein abnormaler plötzlicher Kabelbrand?" fragt der PJ den Sachverständigen der Feuerwehr. "Es sieht ganz danach aus", erwidert der sehr zum Mißfallen des Cheferbsenzählers, der nicht so dumm ist, wie er aussieht. "Es sieht so aus, als hätte jemand eine 5 Ampere-Sicherung in einer tragbaren Lampe durch einen einfachen Nagel ersetzt, was zu einem kleinen Feuer führte, als die Isolierung von deren Kabel dadurch beschädigt wurde, daß sie in der Tür eingeklemmt wurde. Ein Unfall, zu dem es irgendwann kommen mußte." "Ja, und es ist insbesondere tragisch, daß die Rechnungsabteilung alle Daten über die Anschaffungen der IT-Abteilung ausschließlich auf diesem Server gespeichert hatte, obwohl wir sie wegen des Brandrisikos gewarnt haben." füge ich hinzu. "Sehr, sehr tragisch." stimmt der PJ zu. Ich gratuliere dem PJ zu seinem neuen Rang als ´Meister-Bastard´ als wir später in einem Pub in Soho sitzen, indem ich ihm ein Bier spendiere. "Und das war schon alles?" kommentiert er. "DAS?" rufe ich. "Das ist erst der Anfang. Morgen beginnen wird dann mit der weiteren Ausbildung." Auch jetzt hat der arme Junge noch viel zu lernen. Zum Beispiel, wie leicht es ist, Abführmittel in ein Bier zu schmuggeln .... Der B.O.F.H. soll ein begeisterter fröhlicher IT-Mensch sein. Und er kann es kaum erwarten, damit zu beginnen ... Es ist früher Nachmittag und wir befinden uns mitten in den jährlich stattfindenden ´14 Tagen zur Imageverbesserung der IT-Abteilung´. Die Dinge entwickeln sich einfach prächtig. Der Chef scheint mächtig aufgeregt über meine freizügige Interpretation des Werbespruchs ´Wir geben den Kunden, was sie brauchen´ zu sein. Offenbar liegen meine Anleitungen für den Service, wie wir den Kunden ´einen verdammt guten Tritt´ geben können, etwas außerhalb des beabsichtigten Themenspektrums .... Noch schlimmer gelaunt war er, als der berührungsempfindliche Folietaster am Drucker nicht funktionierte, mit dem er den Ausdruck von tausend Kopien der besagten Anleitung anhalten wollte. Der Rand des rasendschnell transportierten Papiers verpaßte ihm einen langen und tiefen Schnitt in der Hand, den er so schnell wohl nicht vergessen wird. Und der PJ und ich wissen leider auch nicht, wieso in der Flasche mit Desinfektionsmittel aus dem Erste Hilfe-Kasten plötzlich sehr, sehr salziges Wasser war. Doch die Verwirrung des Chefs begann schon etwas früher, als er ein PR-Foto eines Mitglieds der Rugby-Mannschaft unserer Firma sah (die durch die IT-Abteilung unterstützt und ausgestattet wird), auf dem das Shirt des Spielers nicht in der Hose steckte. Die Shirts wurden in teurer Handarbeit, deren Preis einen Erbsenzähler zum Heulen bringen würde, mit dem Logo der IT-Abteilung versehen (gekreuzte Tastaturen vor einem brennenden PC). Der Spruch ´IT - Wir geben ihnen mehr´ steht in großen Buchstaben auf der Rückseite. Und wenn das Shirt nicht in der Hose steckt, sieht man auch noch die Worte: ´mit der Latte´. Der Chef war nicht beeindruckt. Der PJ und ich machen keine Versuche, seiner Wut zu entkommen, denn wir wissen, daß er das Büro des IT-Chefs durchqueren muß, wenn er uns fassen will. Er ist nicht gerade wild darauf, seitdem ein Bastard einen neuen Klingelton für das Handy des IT-Chefs eingestellt hat - einen Klang, der an die Geräusche erinnert, die eine Linsensuppe nach ihrer Reise durch die Verdauungsorgane verursacht. Entsprechend kurz war das Treffen der Manager der IT-Abteilung, an dem er an diesem Morgen teilnahm. Und als Live-Übertragung zu PR-Zwecken eignete es sich noch weniger. Sogar das Personal der Cafeteria weigerte sich danach, ihm eine Zwiebelsuppe zum Mittag zu servieren. Nein, ich habe kein Mitleid mit dem Chef. Diese ganze Veranstaltung war schließlich seine Idee. Und, was noch schlimmer ist, er erinnerte den IT-Chef auch in diesem Jahr daran, daß es wieder Zeit dafür sei. Wirklich niemand mag diese PR-Wochen, denn die Chefs verlangen, daß man alle langweiligen Fragen, wie: ´Kann ich den Lebenslauf tausendmal ausdrucken? Kann ich mich mit den Netzwerk-Betreuern ein oder zwei Stunden unterhalten? Wissen sie, wer mein Auto in Brand gesteckt hat?´, mit ´Ja´, ´Ja´ und ´Nein´ beantwortet, statt, wie es angebracht wäre, zu sagen: ´Nicht, wenn sie ihren nächsten Geburtstag erleben wollen. Nicht wenn sie noch irgendeinen Geburtstag erleben wollen.´ und ´Wir. Wir dachten, sie haben heute Geburtstag.´ Was den Chef aber wirklich in die Schußlinie brachte, war seine Anordnung, daß jede Anfrage innerhalb einer ´Antwortzeit´ zu bearbeiten sei, die er in unseren Arbeitsverträgen versteckt hatte. Nun sollen wir innerhalb einer vernünftigen Zeit Fragen beantworten. In der PR-Woche bedeutet ´vernünftig´ zehn Minuten. Es mag ja sein, daß der Chef eine ordentliche Runde MDK in zehn Minuten spielt, doch ein Netzwerk-Profi schafft das nicht! Und natürlich habe ich MDK gerade gestartet, als das Telefon läutet. "Hallo?" "Ja?" antworte ich und erwarte das Schlimmste. "Ich habe ein Problem mit meinem Netzwerk." Ich habe es geahnt ... "Hmmm?" Warum sollte man Worte an diese Trottel verschwenden? Sie sind viel glücklicher, wenn sie Grunzen und ein beruhigendes Gluckern hören. "Es ist schwierig, das am Telefon zu erklären - könnte jemand hochkommen?" Seufz. Ich winke dem PJ und bin verblüfft, als ich verliere. Dann wird mir klar, daß er meine 50 Penny-Münze mit den Wappen auf beiden Seiten durch eine mit Zahlen auf Ober- und Unterseite ersetzt hat. Es macht mich stolz, daß er sich so gut entwickelt. Doch natürlich werde ich ihm trotzdem nicht sagen, daß ich das Schutzgitter vom Lüfters seines Rechners entfernt habe, so daß die messerscharfen Klingen des Ventilators ungeschützt im Kreise herumsummen, aber man wird sehen .... Ich trotte in das Büro des Nutzers. Das übliche Problem erwartet mich. Sie haben den PC umgestellt und dabei den Netzwerkanschluß vergessen ... "Aber das ist doch sonst nie passiert." "Nein, aber seitdem wir nicht mehr Thin Wire zur Verkabelung nutzen, passiert es." "Das klingt aber nicht nach einer guten Entscheidung." Ich schaffe es, mich nach einer Stunde wegzustehlen (nach der Geschichte über die gute alte Zeit der Fünfziger, in denen die Technologie noch hervorragend funktionierte). Der PJ grinst tückisch, als ich im Büro ankomme. "Er hat zurückgerufen - der Stecker ist abgefallen, und er hat Angst, ihn selbst wieder einzustecken." "Ein separater Anfruf", rufe ich. "Damit ist das ihre Sache!" "Werfen wir doch eine Münze." sagt er. Offenbar versteht er nicht, wann meine Schmerzgrenze erreicht ist. "Gut, diesmal nehme ich Zahl." "Bastard!" Einsichtig gibt er natürlich trotzdem nichts zu. "Oh, vergessen sie nicht zu erwähnen, wie zuverlässig die Technik heutzutage verglichen mit der in den Fünfzigern ist ..." Der PJ murmelt etwas, bevor er sich stöhnend erhebt. "Haben sie meine Zugangskarte gesehen?" "Ja", antworte ich. "Ich brauchte sie, um in den Vermittlungsraum zu kommen. Ich glaube, sie ist hinter ihren PC gefallen, als ich sie ablegen wollte. Auf der Seite mit dem Kühlventilator ..." Ein wenig Sabotage ist nötig, um die System-Abteilung und den Chef zu schlagen ... Wir befinden uns in der zweiten Woche der PR-Veranstaltung, und es ist endlich etwas ruhiger geworden. Die Leute rufen uns kaum mehr wegen der ´garantierten Antwort´ an. Vermutlich hängt das irgendwie damit zusammen, welche Antwort sie garantiert bekommen. Die Fanatiker der System-Abteilung liegen mit ihrer Hardware in der Popularitäts-Hitparade weit vor uns, der Netzwerk-Abteilung, nachdem sie die Nutzer dadurch bestochen haben, daß sie ihnen ein Terrybyte an Festplattenplatz offerierten und ein elektronisches ´Helft euch selber´ an uns schickten. Wenn wir jetzt jeden Rechner mit 100 Megabit Ethernet-Karten an das Netz anschließen würden, wären unsere Chancen, sie zu überholen, relativ gering. Die System-Abteilung muß geschlagen werden. Das Terrabyte Fesplattenplatz kommt als erstes dran - etwa 20 sorgfältige ´Behandlungen´ mit dem Gefrierspray und dann mit dem Hitzestrahler entlang der Festplattenelektronik dürften für einen märchenhaften ´Zufallsfaktor´ bei der Datensicherheit sorgen. In der Zwischenzeit versucht unser Chef, sich beliebt zu machen, indem er eine kräftige Speichererweiterung des Applikationsservers ankündigt, um wirkliche Verfügbarkeit zu erreichen. Dabei ignoriert er freilich die Ergebnisse der Prüfung durch die Software zur Schwachstellenanalyse, die eindeutig die mangelhafte Arbeitsgeschwindigkeit vor den Monitoren als Ursache ausgemacht hatte. Nun, manchen kann man nicht helfen. Natürlich versucht ein paar Stunden später ein Ingenieur, in unseren Serverraum einzudringen. "Was zum Henker tut er da?" frage ich. "Was meinen sie?" Der PJ ist momentan etwas durcheinander. "Sollte er nicht irgendwo im Lift feststecken?" "Ja, natürlich! Das war mir völlig entfallen. Ah, sie wollen sicher in die 5. Etage." Er deutet auf einen Lift, den nur das Personal und sehr dumme Leute benutzen. Zehn Minuten später ist der Ingenieur zurück. "Dort steht kein verdammter Server!" stößt er hervor, offenbar ein wenig über die kleine Verzögerung erregt, die die Liftprobleme hervorgerufen haben. "Server?" reagiert der PJ. "Ich dachte, sie wollten die Stahlträger in der 5. Etage reparieren." Der Ingenieur schaut ihn unfreundlich an, dann fragt er nach dem Prozessor, der mit neuen Speicherchips ausgerüstet werden soll. Der PJ zieht seine Nutzerkarte durch den Schlitz des Kartenlesers am Eingang der Serverraums. Der Kartenleser antwortet mit dem fürchterlichen ´Zutritt verweigert´-Piepen. Ich versuche es mit meiner Karte, doch habe ich auch keinen Erfolg. "Die Sicherheitsleute haben anscheinend wieder Probleme. Wir warten besser, bis sie wieder am Netz sind. Kaffee?" "Klingt wie ein verdammtes Anfängersystem." kommentiert der Ingenier und folgt dem PJ nach draußen. Kaum sind sie draußen hole ich das Skalpel hervor und entferne das Paketklebeband im Kartenleser wieder. Fünf Minuten später versuche ich es mit meiner echten Zugangskarte, und wir betreten den Serverraum. "So, dieses Baby bekommt also 2 Gigabyte", sagt der Ingenieur und greift nach dem Ausschalter des Applikationsservers. "NEIN!" rufe ich von panischem Schrecken gepackt. "Dieser Server soll nicht aufgerüstet werden. Es geht doch um diesen." Dabei deute ich auf ein System, das so alt ist, daß neben ihm ein 286er hochmodern wirkt. "Sie machen Witze." "Nein. Wieso?" "Zwei Gigabyte für diesen Server würden die Hälfte dieses Raumes in Anspruch nehmen, sofern der Speicher überhaupt adressiert werden könnte, was aber nicht möglich ist." "Aber warum haben ihre Leute das System dann an uns verkauft?" mischt sich der PJ ein. "Das haben wir ganz bestimmt nicht gemacht. Ich bin hier, um diesen Rechner aufzurüsten." Der Ingenieur wird langsam ärgerlich - was die kleinen Äderchen auf seiner Stirn beweisen. "Aber dieser Server braucht keinen zusätzlichen Speicher." "Sehen sie, es gibt hier offensichtlich einige Unklarheiten", sagt der Ingenieur. "Ich muß mit ihrem System-Chef reden." "Der ist leider krank." Ich glaube nicht, daß ich ihm etwas über die Hautentzündungen des armen Mannes berichten werde, die selbstverständlich in keinem Zusammenhang mit der vor einer Woche erfolgten irrtümlichen Lieferung von Lampen, die sonst in Bräunungsstudios eingesetzt werden, steht. Wir haben damals Wind von der geplanten Kriegserklärung mit dem Terrybyte Speicherplatz gehört. Der PJ hatte zufällig die Telefonanschlüsse überwacht. Natürlich nur mit der Absicht der Serviceverbesserung. Eigentlich ist es unnötig zu sagen, daß einige der etwas klügeren Mitarbeiter Sonnenbrillen und Pullover trugen - selbst als die Zetralheizung plötzlich begann, mitten im Sommer kräftig zu heizen. "In Ordnung", gibt der Ingenieur angesichts unseres Widerstandes auf. "Mein Chef wird Kontakt mit ihnen aufnehmen." Zehn Minuten später ist er gegangen, wobei er uns mit ein paar uralten MFM-Festplatten verläßt, die mit Paketklebeband in seinen Speichererweiterungs-Modulen fixiert wurden. "Ich denke, daß die Kamakuza Speicherbausteine AG den Chef mit einem Anruf und einem Angebot beglücken sollte, dem er nicht widerstehen kann." erkläre ich dem PJ und wiege die neuen Speicherbausteine in der Hand. "Wo ich gerade von Arbeitsspeicher spreche - könnten die beiden Zentralrouter nicht auch bessere Prozessoren brauchen?" Am Ende der Woche hat das Image unserer Abteilung neue Spitzenwerte erreicht. Dank des Gewinns, den wir aus dem Verkauf ungenutzter Speicherchips erzielen konnten, haben die für die Bewertung der Beliebtheit wichtigsten Leute nun 100 Megabit Ethernet-Karten. Unterdessen treffen sich der "Geschäftsführer" der Kamakuza Speicherbausteine AG und der "Geschäftsführer" der Kamakuza Router-Erweiterungen AG im Pub. "Wer hat diese Runde gewonnen?" fragt der PJ. "Sie, oder?" "Ja, ich glaube schon." seufze ich, als ich an die Theke gehe. Das Geschäftsführerdasein besteht leider nicht nur aus Spaß und Freude. Der Bankrott lauert an jeder Theke, wenn man dieses Geschäft richtig betreibt ... Der B.O.F.H. will eine Verkaufsausstellung besuchen ... "Da ist er wieder! Dieser Duft!" rufe ich den PJ und genieße voller Freude diesen vertrauten Wohlgeruch in der Luft ... "Was, Bohnensuppe?" will der PJ wissen, dessen Sinne durch den jahrelangen Genuß von leichter Musik und Bildungsfilmen geschädigt sind. "Nein! *DIESEN* Duft." "Angst?" "Nein!" "Brennende Technik?" "NEIN! Können sie es denn nicht in ihren Knochen spüren?" "Rheumatismus?" antwortet er sarkastisch. "Nein", antworte ich. "Aber es liegt ein Knochenbruch in der Luft, wenn sie ihre Sinne nicht schärfen ..." "Nun, ich fühle absolut ni ... oh, ja!" ruft er, als die Erleuchtung ihn trifft. "VERKAUFSAUSSTELLUNG!" kommt es simultan über unsere Lippen. "Jetzt brauchen wir nur noch eine zufriedenstellende Begründung für den Chef, der aus irgendwelchen Gründen etwas gegen Verkaufsausstellungen hat." "Könnte es an ihrem letzten Ausstellungsbesuch liegen?" fragt der PJ. "Wann soll das gewesen sein?" will ich wissen. "Ich kann mich nicht an ungewöhnliche Vorfälle erinnern." "Sie meinen, damals, als sie vor der Ausstellung ein paar Wochen in einer Hautklinik zubrachten, um dann auf der Ausstellung als Scheich El Al Hand Kebab aufzutauchen, der angeblich jedes Haus in seinem Emirat vernetzen wollte - ohne Rücksicht auf die Kosten!" "Ich kann mich nicht erinn ..." "Als sie zwei Lieferanten in den Konkurs tranken, für drei Tage mit dem Auto des Chefs, seiner Sekretärin, seiner Visa-Karte und den Nacktaufnahmen aus dem Urlaub verschwanden - und nur sie tauchten jemals wieder auf - angeblich hatten sie einen Ski-Unfall auf der M25." "Jetzt, da sie es erwähnen, erinnere ich mich an den Ski-Unfall. Ja, so war es. Und da der Unfall während der Arbeitszeit passierte, war die Firma verantwortlich für meine Behandlung ..." "In der Betty Ford-Klinik?" "Nur das Beste ist gut genug für die Angestellten, habe ich mir gedacht. Wie auch immer, es gab keinen Beweis dafür, daß ich etwas mit dem Auto, der Visa-Karte, der Sekretärin oder den Urlaubsbildern zu tun hatte." "Die Bilder, die in einem Umschlag mit der Aufschrift ´Anleitung zum Formatieren von MFM-Festplatten´ in ihrem Schrank im zweiten Fach von oben stecken?" Hmm. Ich glaube, irgendwie hat der PJ mich mit seiner Ausdauer bei der Wahrheitsfindung, möge er auch noch so tief im Schmutz wühlen müssen, überflügelt. Dabei habe ich ihm alles beigebracht, was er weiß .... "Nun, das ist doch längst vom Fluß der Zeit weggespült worden", sage ich, um das Gesprächsthema zu wechseln. "Zusammen mit dem Auto des Chefs, wenn man den Gerüchten glauben darf", unterbricht der PJ mich. "Immerhin haben sie sich nicht komplett wie Ted Kennedy benommen, denn sie bekommen noch immer Postkarten aus Spanien ..." Die Dinge entwickeln sich nicht so, wie ich das geplant hatte. Der PJ scheint bei dieser Unterhaltung die Oberhand zu behalten - worauf ich nicht vorbereitet bin. Und wohl fühle ich mich dabei schon gar nicht. "GENUG!" rufe ich. "Ich gebe zu, daß es ein paar Irrtümer gegeben hat, nicht nur was die Verkleidung in der Woche danach betrifft, vielleicht haben sie auch mehr erfahren, als sie wissen müssen." "Das sage ich ja!" ruft der PJ. "Sie hätten ihre Spuren besser verwischen müssen, damit niemand darüber redet, befürchte ich." Traurigerweise gehen mir die verbalen Möglichkeiten zur Änderung des Gesprächsthemas aus, so daß die Anwendung von Gewalt vor meinem Gewissen gerechtfertigt erscheint. Ich lasse ihn Kontakt mit dem leicht modifizierten Elektroschocker aufnehmen, der ein paar Ampere mehr liefert als sonst üblich. Und natürlich ist der PJ danach wieder viel, viel ruhiger. "ZURÜCK ZUM THEMA!" schreie ich. "Wir müssen diese Verkaufsausstellung besuchen, und ich werde weitere Unterbrechungen nicht dulden!" Der PJ nickt demütig. "Gut, dann brauchen wir jetzt einen idiotensicheren Plan, der uns die Teilnahme ermöglicht." "Ich könnte meinen Onkel anrufen." "Ja, ja, aber ein Gefallen des Geschäftsführers ist kein richtiger Plan. Es ist in jedem Fall besser, wenn wir dem Chef KEINE Möglichkeit geben, aus technischen Gründen dagegen zu votieren." "Nach den Vorfällen beim letzten Mal brauchen wir schon ein Erdbeben, um die Ansichten des Chefs zu ändern ..." sagt der PJ niedergeschlagen. "NATÜRLICH! EIN ERDBEBEN! GENIAL!" "Sie wollen ein Erdbeben auslösen??!?!" "Nein, nein, natürlich nicht! Nicht, wenn es nicht nötig ist. Nein, der Grund aller Gründe! Die Entschuldigung aller Entschuldigungen!" "Und was meinen sie dann?" fragt der PJ noch immer unwissend. "DIE NOTFALL-SYSTEME! Es ist JAHRE her, daß wir unsere Notfall-Systeme getestet haben. Und es ist durchaus möglich, daß sie Feuer fangen, wenn wir sie wieder hochfahren! BRILLANT!" Der PJ ruft seinen Onkel an, um die Kugel zum Rollen zu bringen. "Ah!" sagt der Chef, als er unser Büro ein paar Minuten später betritt. "Wissen sie, worüber ich gerade nachgedacht habe? Nun, ich glaube, es ist Zeit für einen Probelauf unserer Notfall-Systeme!" "Haben wir überhaupt Notfall-Systeme?" antworte ich und ebne den Weg. "Denn es findet in zwei Wochen eine Ausstellung zu diesem Thema statt, die der PJ und ich gern besuchen würden." "UNWAHRSCHEINLICH!" antwortet der Chef barsch. "Wir haben schon zwei getrennte Notfall-Systeme, die startklar sind. Und genau das werden wir jetzt auch tun." Gesagt - getan. Als etwa zwei Stunden später die Feuerwehr wieder abzieht, winkt mich der Geschäftsführer zu sich heran, damit ich auf die Sabotage-Vorwürfe des Chefs antworten kann. "Lächerlich!" rufe ich. "Das Feuer wurde durch den Staub verursacht, der sich über drei Jahre in den Gehäusen angesammelt hat. Wir sollten froh sein, daß nicht das gesamte Gebäude abgebrannt ist. Auf einer Ausstellung für Notfall-Systeme kann man sich über solche Themen besonders gut informieren. Und zufällig findet in zw ..." Zwei Wochen später beginnen der PJ und ich unsere dreitägige Pflichterfüllung auf der Ausstellung. Es ist eine harte Arbeit, doch irgendjemand muß sie ja erledigen. Wir werden sofort von einer charmant lächelnden jungen Frau begrüßt, die für einen bekannten Zulieferer arbeitet. "Guten Morgen und willkommen, Herr, ähm ..." "Scheich Ali Mohammed", antworte ich. "Und mein Sohn, Ahmed Mohammed. Wir sind hier, um ein wenig Rechentechnik für unseren Palast zu kaufen. Selbstverständlich ist das Allerbeste gerade gut genug für uns ..." Die Nachwirkungen der Verkaufsausstellung zwingen den PJ, sein Konto geschuldeter Gefallen zu vergrößern ... "Was zum Teufel ist eigentlich passiert?" will der PJ wissen, der etwas mitgenommen aussieht. "Ich nehme an, sie können sich nicht mehr daran erinnern, daß sie sich mit ihrer Freundin aus der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit, Salz- und Essigchips, einer Kiste Limonade sowie zwei Krügen mit alkoholbasiertem ´Magnetkopf-Reiniger´ für zwei Tage im Vermittlungsraum eingeschlossen haben, um angeblich ´ein paar Köpfe durchzuspülen´?" "Uhhhh, nein", antwortet der PJ verlegen. "Und ich konnte mich auch nicht mehr erinnern", antworte ich. "Ich wachte im Sanitätsraum zusammen mit dieser Frau von der Router-Firma auf. Ich mußte die Aufzeichnungen der Sicherheitskameras anschauen, um zu sehen, wie wir es dahin geschafft haben." "Haben sie sie gel ..." fragt er nervös. "Natürlich, jede Kopie ist vernichtet. Sie schulden mir einen Gefallen." "Ja, ich nehme an, es ist so", gibt der PJ mit einem Hauch von Verlegenheit und Schuld zu. "Trotzdem", sage ich. "Eine verdammt gute Verkaufsausstellung." "Ich bin mir nicht ganz sicher", antwortet der PJ. "Es gibt da ein paar Gedächtnislücken. Ich glaube mich an ein rotes Stroboskoplicht zu erinnern." "Das war eigentlich kein Stroboskop. Das war der Router, von dem sie behauptet haben, daß er nicht mit Wechselstrom läuft. Sie haben sogar fünf Pfund darauf verwettet." "Und, lief er?" "Ja. Natürlich nicht besonders lange. Erinnern sie sich an das alte Sprichtwort, daß eine Birne, die doppelt so hell leuchtet, nur die Hälfte der Zeit funktioniert? Nun, hier ging es um das gleiche Prinzip, allerdings müßte man die Aussage dahingehend modifizieren, daß Technik, die mit Dreifach-Strom läuft, dies ungefähr nur 2.5 Sekunden lang durchhält. Oh, sie schulden mir übrigens noch fünf Pfund." "Das ist nicht fair." "Eine Wette ist eine Wette. Wir haben niemals gesagt, wie lange der Router laufen soll. Nun, wenn das der Fall wäre, dann gäbe es auf der Welt nur noch halb so viele Softwarehersteller." Der PJ reicht mir das Geld, während wir darauf warten, daß der Chef hereinstürmt. Und wo ich gerade vom Teufel spreche - in diesem Moment biegt der Orkan um die Ecke. "Uh-oh", sagt der PJ. "Er sieht noch wütender als beim letzten Mal aus, als sie mit seinem Dienstwagen und seiner Sekretärin verschwanden." "Das liegt vielleicht daran, daß sie diesmal seinen Dienstwagen benutzt haben." "Ich kann mich daran wirklich nicht erinnern." "Das wird daran liegen, daß sie sofort ohnmächtig wurden, nachdem sie die Handbremse gelöst und mit dem Wagen frontal gegen die Wand gerast sind. Deshalb haben sie sich doch auch im Vermittlungsraum eingesperrt ..." "Ohhhh, ja. Jetzt erinnere ich mich wieder an die Mauer. Da steht mir das Wasser nun wohl bis zum Hals, oder?" "Nun", erwidere ich. "Als Antwort möchte ich die folgende Analogie benutzen: Sie sind im Turm des Herrn und schon im tiefsten Kellergeschoß angekommen, drücken aber noch immer den Knopf, damit der Lift weiter nach unten fährt." Ein Krachen unterbricht unsere Unterhaltung, als der Chef, bis oben gefüllt mit purer, konzentrierter Wut, in unserem Büro explodiert. "Verschwinden sie!" schreit er. Seine Stimme überschlägt sich vor Anstrengung. "Nehmen sie ihr Zeug und hauen sie ab. Jetzt! Ich will, daß sie einfach verschwinden, keine ´Wenns´ und kein ´aber´!" Meine Versuche, ihn zu beruhigen, treffen auf taube Ohren, und seine Tirade wird nur durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. Das Telefon, das rote Telefon. Ich schalte die Lautsprecher ein, damit alle mithören können. "Hallo, Gotham City." Wie immer reagiert der Geschäftsführer mit einem Lacher. Es sind die kleinen Dinge, die die höheren Etagen bei Laune halten. "Ich habe gerade einen Blick in ihren Notfall-System-Bericht geworfen." erklärt er. "Er ist sehr interessant. Ganz besonders die Ausführungen über eine mögliche Aussperrung aus dem Vermittlungsraum und einen Angriffsversuch über die Tiefgarage als Test unserer Verwundbarkeit durch Gruppen unzufriedener Mitarbeiter. Ich habe den Bericht gerade an den Aufsichtsrat weitergeleitet. Sie scheinen sehr angetan zu sein von ihrer Arbeit." Der Chef scheint unter einer Attacke zu leiden, die etwas mit gefährlich hohem Blutdruck zu tun haben könnte, deshalb eile ich ihm zu Hilfe. "Weg", ruft er, wird dann merklich ruhiger, um sich an den Geschäftsführer zu wenden. "Und darf ich fragen, wieso sie meinen Dienstwagen für die Simulation benutzt haben?" "Nun, mir wurde gesagt, sie hätten ihn zur Verfügung gestellt, um wenigstens etwas von dem Schaden wiedergutzumachen, den sie mit dem Feuer der Notfall-Systeme in der vergangenen Woche angerichtet haben. Ist das etwa nicht der Fall?" "Oh, natürlich. Ja, das stimmt." biedert sich der Chef an. "Aber ich glaube, der Aufsichtsrat interessiert sich bestimmt dafür, was sich genau abgespielt hat, so, wie es von den Überwachungskameras aufgezeichnet wurde." Die Augen des PJ verraten, daß er wieder seinen Untergang vorhersieht. Wo ich mit einem Tadel wegen meiner unorthodoxen Arbeitsweise davonkommen könnte, dürften die Aufzeichnungen aus dem Vermittlungsraum für ihn eine nicht so harmlose Wirkung zeigen wie die aus dem Sanitätsraum mit mir. "Ich denke, daß meine Dokumentation alle nötigen Gesichtspunkte abdeckt" erwidere ich. Trotzdem gibt sich der Geschäftsführer damit nicht zufrieden, so daß wir alle in sein Büro trotten, um uns Videos anzuschauen. Der Chef kostet den Moment aus, in dem er die Wiedergabe startet. "Was zum Teufel machen die Sicherheitsleute eigentlich den ganzen Tag?" fragt der Geschäftsführer, als der Vorspann von ´Unsere kleine Farm´ auf dem Monitor erscheint. "Habe ich von einem Gefallen gesprochen?" wende ich mich an den PJ. "Ich meinte natürlich zwei." "Wie ich schon in meiner Zusammenfassung feststellte", sage ich, "ist die Gefahr revoltierender unzufriedener Mitarbeiter bei diesem laschen Sicherheitsdienst durchaus eine reale Bedrohung." "Riechen sie das?" frage ich wenig später den PJ. "Das riecht wie ein Notfall-Budget mit meinem Namen drauf." Die Meinungen über die nötige Notfall-Ausstattung gehen auseinander - bis der B.O.F.H. den Beweis für deren Notwendigkeit erbringt ... Der PJ und ich studieren Kataloge mit Computerzubehör, als der Chef in unser Büro hereinplatzt. Er hat sich offenbar vorgenommen, einen Anteil vom Budget für die Notfall-Systeme zu fordern, welches dem PJ und mir hinter seinem Rücken zugewiesen wurde. Wir waren natürlich auch recht gut, als wir die Installation einer ´redundanten´ Satellitenschüssel an der Rückseite des Firmengebäudes empfahlen und selbstlos deren Ausrichtung auf ein etabliertes ´Testsignal´ einer niederländischen TV-Station forderten, um der Firma Geld zu sparen. "Was glauben sie eigentlich tun sie hier?" regt der Chef sich auf und wedelt mit einem kräftigen Stapel aus Anforderungsformularen für Notfall-Systeme aller Art, die der PJ und ich ihm vorlegen ließen. "Was meinen sie?" "Die Empfehlung einer weiteren Satellitenschüssel. Wir benutzen nicht einmal die, die wir schon haben." "Ja, aber wenn wir eine an jeder Seite des Gebäudes haben, dann haben wir einen redundanten Zugang zur Außenwelt, wenn die Sendeantennen einmal ausfallen sollten - wie das zum Beispiel bei einem Erdbeben passieren könnte ...." natürlich ist ein Erdbeben noch unwahrscheinlicher als daß der Chef eine Runde ausgibt, aber sorgfältige Planung erfordert nun einmal die penible Beachtung der kleinsten, obgleich unwahrscheinlichen, Details. Für ein paar Sekunden muß er mit sich kämpfen, um dies zu schlucken. "Machen sie sich doch nicht lächerlich! Wir haben gar keine USV an der Rückseite des Gebäudes." "Ja, aber ich glaube, daß ich das auf Seite 2 erhwähnt habe, zwischen der redundanten Espresso-Maschine mit einem zusätzlichen Akku und dem Notfall-Lagezentrum mit einer kompletten Wohnungseinrichtung." "Wenn sie auch nur einen Moment daran glauben, daß die Firma ihnen beiden eine Stadtwohnung bezahlt, in die sie Frauen abschleppen können, dann sollten sie sich lieber andere Gedanken machen", knurrt er. "Und was ihre verdammte Kaffee-Maschine angeht ..." "... nehmen sie die, die gleichzeitig drei Tassen zubereiten kann." vollendet der Geschäftsführer den Satz, als er hereinkommt. "Und da sie noch immer in der Planungsphase sind, dachte ich mir gerade, daß dies hier eine gute Farbe für den Teppichboden im Notfall-Lagezentrum wäre", erklärt er und hält ein Stück eines Axminster-Teppichs hoch, dessen Straßenpreis oberhalb jeder rechtfertigbaren Summe liegt. "Das ist genau der richtige Farbton, der den Stress in einer Belastungssituation vermindern dürfte." Und genau der richtige Farbton, wenn ich mich nicht irre, um dafür zu sorgen, daß die Chancen des PJs und mir, außerhalb der Ferien des Geschäftsführers einen Blick auf ihn zu werfen, ziemlich gering sind. Nun, im Dienste der höheren Sache müssen Kompromisse gemacht werden. Und die höhere Sache in dieser Woche ist die Sicherung von Exklusivität. Natürlich ist die Stadtwohnung an sich schon großartig, doch selbst mit der auf dem Dach geplanten ´wassergekühlten Speichereinrichtung´, selbstverständlich komplett mit einem Sprungbrett, werden der PJ und ich nur mit weiterer Technikaufrüstung glücklich sein. Der Chef verzieht sich - jahrelange Erfahrung hat ihn gelehrt, die Niederlage zu erkennen, wenn sie an seiner Tür klingelt -, um unsere weiteren Vorschläge zu prüfen. "Was zum Teufel soll das sein?" schreit er fünf Minuten später und fuchtelt mit der Empfehlung, die Thin Wire-Verkabelung zu ersetzen. "Das wird ein Vermögen kosten. Und das ist bestimmt kein Notfall." Seltsamerweise ist es ein paar Sekunden einer. Ein verzwickter Terminierungsfehler schlägt zwei Etagen über uns zu, der die Server der Personal-Abteilung vom restlichen Netzwerk isoliert. "Ah, wir brauchen jemanden für Überstunden", sagt der Chef mit gespielter Zwanglosigkeit. "Dann muß das der PJ erledigen. Ich habe in einer halben Stunde einen Termin mit meinem Arzt." "Oh", erwidert der PJ erwartungsgemäß. "Ich spüre die ersten Zeichen einer Migräne und glaube nicht, daß ich damit allein klarkomme." "Aber jemand muß es doch tun - die Server der Personal-Abteilung sind vom Netzwerk abgeschnitten!" "Das ist doch nicht das erste mal, also kein besonderes Problem", sage ich unschuldig. "Aber nicht, wenn am nächsten Tag die Lohnschecks fällig sind! Als das schon einmal geschah, randalierten die Angestellten und zerstörten den Platz! Das war eine richtiger Notfall!" Der Chef verstummt, als er erneut das bekannte Klingeln an seiner Tür hört. Als Netzwerkprofi begeistert es mich immer wieder, daß selbst die vereinte Geschwindigkeit von FDDI, CDDI und ATM schneckenlangsam gegenüber der Geschwindigkeit ist, mit der sich schlechte Neuigkeiten verbreiten. Der Chef gibt auf. "Wieviel?" Müde holt er seine Geldbörse hervor. "Wofür? Für unser Schweigen oder für die Reparatur?" "Beides." "Geben sie sie uns am besten gleich ganz. Wir geben ihnen dann morgen, was übriggeblieben ist." Ein Thin Wire-Kabel und einen Gedächtnisverlust unsererseits später können der PJ und ich einen Stapel Anforderungsformulare mit dem ´Genehmigt´-Stempel und der Unterschrift des Chefs betrachten. Neben einer Stadtwohnung, niederländischer Pornographie und neuen Kaffee-Maschinen geht ein weiterer Traum von mir in Erfüllung - das Ende von Thin Wire ist nahe. "Das müssen wir feiern. Kellner, ihren besten Champagner, bitte. Und wenn das Bargeld aus dieser Börse verbraucht ist, nehmen sie einfach die Kreditkarten." Es haben sich einige Beschwerden über den PJ angesammelt - und der B.O.F.H. muß diesen Vorwürfen nachgehen ... Dies ist ein trauriger Tag für die Netzwerker in der ganzen Welt. Als Netzwerkberater und Vorgesetzter des PJ wurde mir die Aufgabe übertragen, einige Beschwerden, die über den PJ vorliegen, zu untersuchen und angemessene Sanktionen für diese Vorfälle zu empfehlen. Offensichtlich hat der Chef an einem Kurs für ´progressive Personalleitung´ teilgenommen und ist mit einer Wagenladung Handbücher zurückgekommen, die sich mit der Erhöhung der Produktivität und dem Abbau von Streß am Arbeitsplatz befassen. Ich hätte ihm freilich eher die Lektüre von Literatur über die sieben Zwerge und Schneewitchen empfohlen, statt ihn sich mit den wirklichen Problemen des Managements befassen zu lassen. Noch ist es in unserer Etage recht ruhig, so daß ich mich entschließe, diese Ruhe zu beenden. Und natürlich kommt auch prompt ein Anruf aus der Personalabteilung - kaum daß ich um 11 Uhr am Arbeitsplatz erscheine. Bei Gesprächen wie dem bevorstehenden muß immer ein Repräsentant der Personalabteilung anwesend sein, so daß wir uns relativ schnell auf eine Zeit einigen und darauf, daß wir uns in einem ihrer ungenutzten Räume in der fünften Etage treffen. Ups, ich meinte einen Raum für Vorstellungsgespräche. "In Ordnung", beginne ich gleich bei meiner Ankunft. "Ich nehme an, wir wissen, weshalb wir uns heute hier treffen." Ich wende mich an den PJ. "Offenbar liegen drei Beschwerden über sie aus dem letzten Monat vor. Es ist unsere Aufgabe, diesen Beschwerden auf den Grund zu gehen und eine angemessene Antwort zu finden." "Ich verstehe." erwidert der PJ. "Gut, zunächst haben wir hier eine Beschwerde darüber, daß sie einem Mitarbeiter aus der Buchhaltung eine Software-Aktualisierung versprochen, sich aber nicht weiter darum gekümmert haben." "Ja, daran erinnere ich mich." antwortet der PJ. "Erzählen sie es mit ihren eigenen Worten. Wonach hat er gefragt?" "Nun, er rief mich im Büro um 16:50 Uhr an und sagte, daß er WYSIWYG (What you see is what you get [thomas w.]) wolle. Und er wollte es, bevor ich das Büro verlasse." "Was haben sie gemacht?" "Ich habe die Lichter und die Notbeleuchtung auf seiner Etage abgeschaltet." "Und was konnte er sehen?" "Nichts." "Und er bekam?" "Nichts." "Also haben sie seinen Wunsch erfüllt?" "Ich nahm es an." "Ausgezeichnet", rufe ich fröhlich. "Ich glaube nicht, daß ..." legt der Repräsentant aus der Personalabteilung los, doch mein eiskalter Blick läßt ihn sofort wieder verstummen. "Die Fragen stelle noch immer ich, glaube ich. Nun, kommen wir zu der ATM-Sache." "Ja, einer der Erbsenzähler wollte ATM in seinem Zimmer." "Und was taten sie?" "Nun, ich habe unseren Firmenarchitekt gebeten, sein Zimmer in das Erdgeschoß gleich neben den Geldautomaten zu verlegen (ATM - Automatic Teller Machine, Geldautomat [thomas w.])." "Also haben sie seinen Wunsch bestmöglich erfüllt." "Ich glaube, er wollte einen besseren Netzwerkanschluß." erklärt der Repräsentant der Personalabteilung in den Tiefen der Technik verfangen. "Immerhin ist das ja ihr Aufgabengebiet." (ATM - Asynchronus Transfer Mode, ein Netzwerkprotokoll [thomas w.]) "Wirklich? Hmm, da könnten sie Recht haben. Aber das werden wir wohl nie genau erfahren, da der Mann die Firma bereits verlassen hat. Offenbar haben ihn die Geräusche des Geldautomaten gestört. Ich konnte mir auch nicht vorstellen, weshalb er danach gefragt hatte. Seine Pläne, das IT-Budget zu kürzen, konnte er deshalb offenbar auch nicht vollenden ..." "Ein unglücklicher Zufall. Nun gut, die Schuld liegt damit wohl eindeutig bei den Nutzern, die ihre Wünsche nicht deutlich genug äußern. Sie haben ihr Bestes gegeben, auch wenn alles gegen sie zu sprechen scheint. Gut gemacht. Und zum Schluß", fahre ich fort, bevor der Personalabteilungsrepräsentant etwas sagen kann. "Ja, hier haben wir noch die Beschwerde darüber, daß jemand im Korridor hinter der Vermittlungsanlage eingesperrt wurde." "Nun, das war mein Fehler", stimmt der PJ zu. "Ein Datenbank-Mensch wollte prüfen, daß sein Büro korrekt an das FDDI-Netz angeschlossen ist, und muß sich dabei irrtümlich selbst in dem Korridor eingesperrt haben. Ich konnte ihn im Vermittlungsraum nicht sehen und nahm daher an, sie hätten ihn hinausbegleitet." "Ja, das ist ein verständlicher Irrtum", antworte ich. "Das ist mir auch schon passiert. Deshalb sollten wir eigentlich jeden Zugang zur Vermittlungsanlage verbieten." "Das ist doch lächerlich." regt sich Herr Personalabteilung verärgert auf. "Das kann doch gar nicht passieren. Das ist einfach unmöglich!" "Es kann passieren", antworte ich. "In dem Sicherheitskorridor gibt es keine Fenster, so daß man nie wissen kann, ob sich jemand in ihm aufhält. Wir haben diesen Umstand schon mehrfach dem Wachdienst mitgeteilt und nach einer Überwachungskamera gefragt, doch bisher hatten wir leider kein Glück." Es macht mich wirklich sehr traurig, daß er unseren Worten nicht glauben will. "Nun", sage ich etwas später dem PJ. "Ich sehe keinen Anlaß für einen Tadel. Wie wäre es mit einem Bier im Pub?" "Ausgezeichnet." erwidert der PJ. "Soll ich den Sicherheitskorridor prüfen?" "Nein, ich bin sicher, jemand hat ihn herausgelassen, als wir einen Tee in der Kantine tranken. Sorgen sie nur dafür, daß die Temperatur niedrig genug ist, nur für den Fall, daß es in der Nacht eine Hitzewelle gibt." Netzwerk-Grundsatz Nummer 4: Gelegenheiten sind, wie die Zigarren des Chefs, dazu da, ergriffen zu werden ... Wenn der Chef versucht, den B.O.F.H. mit seinen eigenen Mitteln zu schlagen, ist es Zeit, Notfallplan A zu starten, sich zurückzulehnen und das Feuerwerk zu genießen ... Ich mache mir wirklich Sorgen um den Chef. Sein Verhalten ist irgendwie unbeschreiblich - und zwar seitdem er in der vergangenen Woche auf dem Weg zu einer Präsentation mit seinen mühsam erstellten Folien über ein herumliegendes Kabelstück stolperte. Traurigerweise sind dabei seine Folien zum Thema ´Externe Auftragsarbeiter und fest angestellte Mitarbeiter - Wege zur Verringerung der Lohnausgaben´ ein wenig durcheinandergekommen, was seinem Vortrag wohl nicht besonders förderlich war ... Es ist mir auch nicht entgangen, daß er meinen Tip, seine Folien vor dem nächsten Vortrag zu numerieren, ignorierte. Auch den Hinweis des PJ, daß es Programme zur Erstellung von Präsentationen gibt, die sich selbst um die richtige Reihenfolge kümmern und billiger sind, läßt er ungehört verhallen. Man könnte beinahe annehmen, daß er die Folien heimlich und nicht auf einem Firmen-PC angefertigt hat, damit niemand etwas von seinem Vortragsthema erfährt. In diesem Fall wäre allerdings die Benutzung des Foliendruckers, der 98% seiner Lebenszeit ungenutzt herumsteht, keine gute Methode, um von den eigenen Aktivitäten abzulenken. Besonders schlimm ist, daß einer seiner Gedanken seinen Weg in eine mottenzerfressene Ecke im Gehirn des IT-Chefs gefunden hat - seitdem ist unser Leben nur noch mit Kummer und Leid verbunden. In dem Bemühen, eine weitere Prämie von den Erbsenzählern zu bekommen, hat der IT-Chef dem Plan unseres Chefs zugestimmt, den PJ und mich Arbeiten für andere Firmen erledigen zu lassen ... Sicher, nach den ersten paar Netzwerk-Zusammenbrüchen und einigen seltsamen Sicherheitsproblemen gingen die Wünsche nach unserer Hilfe etwas zurück - und gegen Null. Doch der Chef ließ sich auch dadurch nicht davon abbringen, es uns heimzuzahlen. Wir kommen gerade wieder einmal in unser Büro zurück, wo uns drei große Kisten begrüßen, die unübersehbar auf dem Boden stehen. Meine Sinne für furchtbar teures Equipment flattern, als mein Blick auf den Namen des Herstellers und die Produktbezeichnung fällt, die eine Seite einer der Kisten schmücken. Natürlich war auch der PJ nicht gerade langsam bei der Wahrnehmung der Technik, die dem Heiligen Gral im Netzwerkbereich entspricht. Wir stehen wie betäubt vor den Kisten und schweigen andächtig, als der Chef ´zufällig´ hereinschlendert und uns anspricht. "Ja", sagt er selbstgefällig. "Es ist genau das, was sie denken. Neueste und beste Switch- und Routertechnik von Teranet, vollkommen ausgerüstet mit Karten für alles, was von RS232 über ATM bis zu Gigabit Ethernet heute auf dem Markt zu haben ist. Sagen sie einfach etwas und es wird in dem Gerät stecken. Und sie sind als glückliche Tester auserkoren worden!" "Ein Test?" frage ich und blicke auf eine Ausrüstung, die ausreichend für einen kleinen Telefonnetzbetreiber ist. "Ja, verdammt. Sie haben die nicht etwa angenommen, ich hätte ihnen das Zeug gekauft? Sie werden dafür bezahlt, daß sie diese Technik einem unabhängigen Test unterziehen und einen Bericht darüber schreiben. Dann schicken wir die Technik selbstverständlich wieder zurück an den Hersteller - natürlich nachdem dieser die Vollständigkeit überprüft hat ..." Dieser Bastard. "Dieser Basterd", flüstert auch der PJ, als der Chef hinausmarschiert. Der Chef, ich kann es kaum zugeben, hat das Undenkbare getan - er hat uns einen Schlag versetzt, den uns nur ein richtiger Manager versetzen kann. Er weiß genau, daß die Rückgabe dieser wunderbaren Schatztruhen nach dem Test und der Umstieg auf unsere alte Technik auf uns ungefähr die gleiche Wirkung haben wird wie der Umstieg von einem Rolls Royce auf einen R 5. Ein Schlag tief unter die Gürtellinie. Einen Tag später können der PJ und ich der Versuchung nicht mehr widerstehen - wir spielen mit der neuen Technik. Sie ist leider nicht so gut, wie man es erwartet - sie ist besser. Der Chef macht alles zunichte - er füttert den Einzug des Reißwolfs sowohl mit unserem Bericht als auch mit unserer Einkaufsempfehlung und läßt uns dann stehen, um grinsend in die Kantine zu verschwinden. "Das können die doch nicht machen!" jammert der PJ, als die Leute des Herstellers die Technik wieder einpacken. "Alles in Ordnung, ich bin sicher, wir werden irgendwann derartige Technik bekommen." versuche ich ihn zu beruhigen. "Ja, wenn sie so verdammt alt ist, daß sie nur noch als Kühlung taugt." "Gut", murmele ich. "Ich sage ihnen etwas - wie wäre es mit ein paar Flaschen Bier zum Mittag. Sie mögen doch Bier, oder?" "Das geht heute nicht", platzt er heraus. "Ich habe Sharon gesagt, daß ich sie in der Mittagspause treffe. Und sie hat nur eine halbe Stunde Zeit." Einen Zug an einem Stück Schnur später dämmert es auch dem PJ, als hunderte Papierstückchen wie Konfetti in die Klimaanlage des Erdgeschoßes eingespeist werden. Die Rauchmelder tun, was sie tun sollen, und Notfallplan A läuft an. Wir sichern unsere Zentrale und reihen uns, der PJ, Sharon und ich, in die Schlange der anderen Schafe ein, die das Gebäude über die Notausgänge verlassen. Unterdessen folgt der Frachtlift am anderen Ende des Ganges seiner Notfallprogrammierung und fährt in den Keller. Die drei Kisten mit der Aufschrift ´Weihnachts-Dekoration´ werden nach dem Alarm von der Lagerabteilung ganz bestimmt korrekt gelagert. Ich denke, wir werden sie wiedersehen, wenn der Chef die Verantwortung für das seltsame Verschwinden unheimlich teurer Technik übernommen (und deren Bezahlung organisiert) hat. "Rechts!" rufe ich, als wir ins Tageslicht hinaustreten. "In den Pub. Ich glaube, dort wartet ein Vertreter von Teranet mit ein paar Bieren auf uns." Der Chef versucht erneut, den B.O.F.H. und den PJ zu vetreiben. George, einige Biere, ein Reißwolf und ein paar potentielle PJs treten auf ... Nachdem ich einige Stunden (und Biere) brauchte, um herauszufinden, was wirklich gespielt wird, fühle ich mich an diesem Morgen etwas unwohl. Es scheint, als hätte George, unser Spezialist für Reinigung und Reparaturen, ein erschütterndes Gespräch zwischen unserem Chef und dem IT-Chef mitgehört. Sie haben vor, dem Geschäftsführer einen Gefallen zu tun, um ihn auf ihre Seite zu ziehen und den PJ und mich dadurch loszuwerden. Ein kleines Vermögen später erzählte uns George, wie sie ihren Plan umsetzen wollen ... So kommt es nicht überraschend, daß der Geschäftsführer und die Schleimer-Truppe (unser Chef und der IT-Chef) bei uns erscheinen. "Ich wollte sie um einen kleinen Gefallen bitten", beginnt der Geschäftsführer freundlich. "Was kann ich für sie tun?" frage ich und bemerke einen leichten Anflug von Schleimerei bei mir. "Nun, es geht um den Computer-Kurs, an dem meine Enkel teilnehmen." erklärt er. "Aber sie sind doch viel zu jung, um schon Großvater zu sein." schmeichelt der IT-Chef. Der Geschäftsführer redet weiter: "Nun, die Kinder haben offenbar den Wunsch, die Theorie in der Praxis zu erleben. Und da dachte ich ..." "... daß wir ihnen zeigen könnten, wie ein echtes Computernetzwerk funktioniert." vollendet der PJ. "Genau." "Es wird uns eine Ehre sein." sage ich und übernehme die Führung beim Einschmeicheln. "Und ich kümmere mich um ein paar schöne Andenken, die Verpflegung und den Transport", setzt sich der PJ an die Spitze und erreicht mit einer Länge Vorsprung das Ziel, dicht gefolgt von mir und dem Chef. Zwei Tage später erscheint die Gruppe pickelgesichtiger Dreikäsehochs. Das halbe Haus ist auf den Beinen, denn es geht das Gerücht, daß man sich bei solcherlei Aktivitäten Freunde in den oberen Etagen machen kann. "Bevor wir beginnen, möchte ich ein wenig über die Sicherheitmaßnahmen in unserem Haus berichten." Der Geschäftsführer lächelt stolz, als er sieht, daß sein Nachwuchs bei mir in den besten Händen ist. Fünf Minuten später bereiten sich unsere Schüler darauf vor, die Vermittlung zu betreten, als ein lauter Schrei zu uns dringt. "Und schließlich", erkläre ich und entferne das Kabel, welches die Türklinke mit dem Transformator verband, "gilt unser Dank auch unserem Chef, der sich bereitwillig für diese Demonstration der Gefahren, die von elektrischem Strom ausgehen, zur Verfügung stellte." Ich öffne die Tür, um den Chef vorzustellen, der mit einem gehetzten Gesichtsausdruck und einem Haufen Zugangskarten für die IT-Abteilung, die wild um ihn herum verstreut sind, auf dem Boden sitzt. "Man kann nie vorsichtig genug sein." Der Chef wird zur Sanitäterin gebracht, die ihn schnell wieder aufpäppelt (und ihm wohl auch neue Unterwäsche gibt, wenn mich mein Geruchssinn nicht täuscht). Unterdessen gesellt sich der IT-Chef zu uns, als wir die Vermittlung ansteuern. Er starrt in Ehrfurcht auf die einzelnen Komponenten (von denen er ungefähr die Hälfte angeschafft hat), die wir unseren Besuchern erklären. Als wir in das Archiv für Software und Dokumente gehen, fordern wir sie auf, uns Fragen zu stellen. "Wofür sind diese Geräte da?" will der Nachkomme des Geschäftsführers wissen. "Das sind ein Reißwolf und ein Bandlöschgerät, die wir zur Vernichtung von Dokumenten benutzen. Wollt ihr sie ausprobieren?" Natürlich können einige es nicht erwarten, mit den Geräten zu spielen, also geben wir ihnen ein paar alte Videokassetten und einen Stapel Papier. "Und wofür ist dieser Fernseher?" will ein anderer wissen und zeigt auf den 29 Zoll-Monitor. "Das ist kein Fernsehgerät", gluckst der IT-Chef amüsiert. "Das ist ein Monitor für die Überwachungskameras." "Aber da ist doch ein Videorekorder angeschlossen." "Zur Aufzeichnung der Bilder der Kameraüberwachung, oder?" wendet er sich an mich. "Nun, für mich sieht das wie ein Fernseher mit einem Videorekorder aus. Ich frage mich noch immer, wieso sie das bestellt haben." "Bestellt?" taucht der PJ auf. "Er hat mich beauftragt, sie in seine Wohnung zu transportieren." "Sie haben es doch beantragt", verliert der IT-Chef langsam die Fassung. "Wofür eigentlich? Wie auch immer, ich habe Kopien aller Anträge. Ich hebe sie auf, bis die Anfrage erledigt ist. Dann werden sie vernichtet ..." Der IT-Chef stürzt im Superman-Modus los, versucht, einen hohen Kassettenstapel zu überspringen, und landet mit dem Gesicht voran auf dem Einzug des Reißwolfs. Kein schöner Anblick für unsere jungen Besucher, aber nicht so schlimm wie der Anblick des IT-Chefs, als die Messer des Reißwolfs zum Leben erwachen und sich über seine Krawatte hermachen ... Der PJ betätigt den Notschalter, um ihn vor weiteren Verletzungen zu bewahren, wobei freilich auch der Rückwärtsgang nun nicht mehr funktioniert. "Und wieder sehen wir, wie riskant es an unserem Arbeitsplatz zugeht." erkläre ich, während der IT-Chef versucht, sich mit rudernden Armen aus seiner Lage zu befreien. "Ein Reißwolf kann sehr gefährlich sein. Doch auch von einem Bandlöschgerät gehen gewisse Gefahren aus, wenn man eine Uhr trägt, deren Gehäuse nicht antimagnetisch beschichtet ist, wie wir dies bei unserem Vorgesetzten sehen." BZZZZZZZZZERT ... "Oh, oder wenn man eine Uhr trägt, die nur angeblich beschichtet wurde. Vielen Dank für diese eindrucksvolle Demonstration." Der Geschäftsführer lächelt zufrieden, weiß er doch, daß die jungen Besucher etwas gelernt haben. Normalzustand wiederhergestellt. Als der PJ Mitleid mit einem Nutzer zeigt, vermutet der B.O.F.H. eine beginnende Krise und leitet Notfallmaßnahmen ein ... Es ist ein ruhiger Nachmittag, als das Telefon klingelt. Der Anruf kommt nicht aus dem Haus, sondern von außerhalb, also ist er interessant. Das Glück ist auf meiner Seite, denn es ist mein Lieblingsvertreter, der mich zum zweimal jährlich stattfindenden Kneipenbesuch einladen will, bei dem er immer für Getränke, Speisen und die Unterhaltung sorgt, um mich als guten Kunden zu behalten. Natürlich könnte ich auch wieder wie früher einfach direkt Verträge abschließen, doch so muß jemand anderes die Rechnung für den Kneipenexzess bezahlen. Der PJ und ich sorgen dafür, daß wir früh davonschleichen können und treffen den Vertreter in der nahen Besäufnisanstalt. Die Nacht verspricht interessant zu werden ... Natürlich sind der PJ und ich am nächsten Tag noch etwas geschafft. Um zehn nach fünf und unter dem Einfluß einiger Biere klang die Idee, den Rekord im Biertrinken zu brechen, noch gut, doch um zehn nach zehn am nächsten Morgen ist unsere Begeisterung dafür nicht mehr so groß und hat irgendwie einen Dämpfer erlitten. Und der war groß genug, daß die Anwesenheit eines Nutzers in unserem Büro nur unbedeutende Reaktionen hervorruft. Halbherzig greift der PJ nach dem Tacker, der ein wenig dahingehend modifiziert wurde, daß er nun schneller die Heftklammern ausspuckt. Und der Sicherheitsschalter ist natürlich auch außer Betrieb. "Warten sie!" rufe ich, denn in meiner derzeitigen Verfassung habe ich keinen Bedarf ein paar hundert KLACKs gemischt mit Schreien zu hören. "Kann ich etwas für sie tun?" frage ich den Nutzer. "Ich suche ein Twisted Pair-Kabel für meinen Computer", sagt der Nutzer und zeigt damit schon einen gewissen Kenntnisstand, der Nutzern generell verboten sein sollte. (Natürlich nur, um sie vor Gefahren zu bewahren.) "Wie lang hätten sie es denn gern?" frage ich müde. "Nun, da verlasse ich mich ganz auf sie", antwortet er glucksend über den Witz, der so alt ist, daß schon Noah ihn beim Holzkauf für seine Arche benutzt hat. "Natürlich, nehmen sie sich einfach eins aus der braunen Kiste in der Ecke." Zufrieden verschwindet der Nutzer mit einem Kabel, während der PJ zu mir kommt. "Sind sie in Ordnung?" will er mit besorgter Miene wissen. "Sie haben einem Nutzer geholfen!?" "Indem ich ihm eines der defekten Kabel gab, die wir als Kupferschrott verkaufen? Ich habe mir nur einen zeitlichen Aufschub verschafft, bis meine Kopfschmerzen vorrüber sind. Er wird wieder zurückkommen, erinnern sie sich an meine Worte." "Oh", schluckt der PJ, als ihm aufgeht, daß auch in schlechten Zeiten die grauen Zellen noch arbeiten. Er hält für einen Moment inne - kein besonders Problem in seiner Verfassung. "Befürchten sie nicht, daß wir die Nutzer zu oft belügen?" Eine Sinnkrise! Ich hätte es früher bemerken müssen. All die Symptome waren da - die Sorge um andere, das langsame Angeln nach dem Tacker. "Machen sie sich nicht lächerlich!" rufe ich, um sein noch schwaches Gewissen am weiteren Wachstum zu hindern. "Nutzer erwarten, daß sie angelogen werden. Ebenso wie Versicherungen und die Finanzämter. Es ist unser Recht, nein, unsere Pflicht, sie im Interesse des technologischen Vorsprungs zu desinformieren." "Ich, ich habe gedacht - ich weiß nicht, ob ich dieser Arbeit wirklich gewachsen bin." Es ist schlimmer als ich dachte. Bevor die Krankheit sich weiter ausbreiten kann, rufe ich bei der Nutzer-Betreuung an und gebe ihnen die Handynummer des PJs, damit sie ihn bei 'problematischen Anrufen' erreichen können. Überraschend beginnen sie beinahe sofort, Anrufer zu ihm weiterzuverbinden. "Hallo?" Zwei Stunden später ist die Mission erfolgreich abgeschlossen und der PJ verhält sich wieder normal. Die Nutzerin, die danach fragte, weshalb die Rufumleitung bei ihrem Telefon nicht funktionierte, hat dem Kamel vermutlich das Rückgrat gebrochen. Der PJ brauchte eine Weile, bis er herausfand, daß die Anruferin das Telefon von ihrem Schreibtisch mit durch das Gebäude schleppte. Als Veteran hatte ich freilich nichts anderes erwartet. Der PJ ist wiederhergestellt, als unser Amateur-Netzwerker wieder auftaucht. "Das Kabel ist defekt!" beschwert er sich verzweifelt. "Das glaube ich nicht", antwortet der PJ völlig ruhig. "Wir haben alle Kabel geprüft." "Das stimmt", füge ich hinzu. "Natürlich konnten wir die Luftfeuchtigkeits-Differentiale nicht testen, weil unser Mulitmeter kaputt ist." "Natürlich." keucht der PJ. "Das wird es sein." ruft der Nutzer und spielt uns nichtvorhandene Kenntnisse vor. "Ich mache ihnen einen Vorschlag", wende ich mich an unseren leidenschaftlichen Amateur. "Sie nehmen einfach das eine Ende des Kabels und gehen damit in den Korridor vor der Vermittlung. Dann halten sie das Ende einfach an ihre Zunge. Wenn es den Luftfeuchtigkeits-Differential-Test besteht, werden sie ein leichtes Kitzeln spüren. Und wenn sie nichts spüren sollten, ist das Kabel defekt." Sekunden später wird die Stille im Korridor durch einen lauten Schrei und eine Reihe dumpfer Schläge unterbrochen. "Ups", platzt der PJ heraus. "Da habe ich das Kabel doch versehentlich an das Stromnetz angeschlossen." Die dumpfen Schläge in der Nähe der Tür hören auf, was nur bedeuten kann, daß unser Freund es geschafft hat, sich von dem Kabel zu trennen, indem er es durchgebissen hat. "Schön, daß sie wieder gesund sind", sage ich, als der PJ den Beweis entfernt. Ich meine - das Kabel. "Schön, wieder da zu sein." Ist es nicht lustig, wie sich die Dinge immer zum besten wenden? Es sieht so aus, als hätte der B.O.F.H. sich selbst ein Bein gestellt, doch der PJ steht ihm mit einem listigen Plan zur Seite ... Wenn ich die Worte ´Virtuelle Vorstandssitzung´ noch einmal höre, muß ich jemanden verprügeln. Der verdammte Chef hat es geschafft, das kindliche Interesse des Geschäftsführers an einem Videokonferenzsystem wiederzuerwecken. Im Normalfall würde ich aus diesem Anlaß ja bei dem Gedanken daran, noch mehr Firmengeld verpulvern zu dürfen, lächeln, doch wir haben einfach nicht genügend Leitungskapazität, um ein solches System im gesamten Unternehmen einzurichten. "Warum?" fragt der PJ, der den Geruch eines Nagetiers wittert. "Ah. Nun, ich muß ihnen sagen ..." "Daß sie unsere Leitungskapazitäten an andere weiterverkauft haben, oder?" "Nein, nicht ganz. Nein." "Sie haben den ISP-Service (Internet Service Provider [thomas w.]) unserer Firma aufgegeben?" "Nein, den habe ich vor ewigen Zeiten verkauft." "Sie haben ihn verkauft!" "Genau, ich habe den Kundenbestand und den Domainnamen an einen anderen Zulieferer verkauft. Zu sehr lukrativen Bedingungen." "Und sie haben mich nicht daran beteiligt?" "Nein. Ich habe nicht einmal meinen Anteil ausgezahlt." "Was haben sie dann mit dem Geld angestellt?" "Sie meinen: Was habe ich mit dem ´Venture Kapital´ gemacht?" "Wie bitte?" "Es ist ausreichend, wenn ich sage, daß wir die einzigen Partner der InterTelecom International sind, einem Anbieter sehr billiger Telefontarife ..." "Wie?" "Und unser neuester Kunde ist ein Unternehmen mit Außenstellen in der gesamten Welt. In einer dieser Außenstellen stehen sie gerade." "Sie verkaufen unsere Leitungskapazität wieder zurück an die Firma? Wieso hat sich die Firma darauf eingelassen?" "Nun, erinnern sie sich an den großen Ausfall des Netzwerks bei den Erbsenzählern?" "Welchen Ausfall?" "Den, als der Chefbuchhalter erklärte, daß wir besser nicht mehr telefonieren sollten, statt weiter Unsummen für Anrufe ins Ausland auszugeben. Wir sollten dafür besser einen freien Anbieter nutzen." "Ja, aber ich dachte, sie hätten eine Art Notfallplan gehabt und die Sache wieder gerichtet ..." "Das habe ich getan. Und sie werden bestimmt gern hören, daß die InterTelecom International alle anderen Anbieter leicht ausstechen konnte, da die Gebühren unheimlich niedrig sind." "Was bedeutet, daß wir unserer Firma Leitungskapazitäten stehlen!" "Stehlen klingt so negativ. Wir sorgen nur dafür, daß die ohnehin vorhandenen Leitungen zu 100 Prozent genutzt werden - dafür sollte uns die Firma belohnen. Und das tut sie immer dann, wenn wir unserer Bonuszahlungen von InterTelecom International bekommen." "Clever." stimmt der PJ widerwillig zu. "Aber wo liegt das Problem?" "Wenn wir das Konferenzsystem anschaffen, bekommen wir Probleme mit der Auslastung der Leitungen." "Sicher. Aber wir wissen doch, daß das nichts weiter als ein Spielzeug ist, das in den ersten Tagen benutzt wird, dann aber in Vergessenheit gerät." "Das hoffe ich", erwidere ich. "Dann habe ich einen Vorschlag ..." Eine Woche später wird sehr, sehr teure Technik unter den wachsamen Augen des Chefs in die Firma gebracht. Der PJ ist in unsere Außenstelle in die USA geflogen, während eine Hilfskraft in Rom die Stellung für die Tests hält. Die Tests sind gerade beendet, als der Geschäftsführer herunterkommt und gleich elektronische Grüße an den PJ und die Hilfskraft schickt. Die Antwort erfolgt prompt und in guter Qualität, so daß der Chef und der Geschäftsführer sehr zufrieden mit sich selbst wirken. "Jetzt würde ich gern zu den restlichen Außenstellen sprechen." sagt der Geschäftsführer. Drüben im Vermittlungsraum sorgt eine Vermittlungseinheit plötzlich dafür, daß eine Sicherung durchbrennt und die Leitung unterbricht. Die angerufenen Außenstellen erscheinen auf dem Monitor - ziemlich körnig und unscharf, würde ich sagen. Die versammelten Mitarbeiter lauschen, als der Geschäftsführer eine kurze Rede über die Wunder der Technik hält. Ein paar Kommentare wandern hin und her, bevor der Geschäftsführer ´auflegt´. "Was meinen sie?" fragt der Chef. "Nun, der Test sah sehr gut aus, doch die Bilder aus den Außenstellen sahen nicht besonders schön aus." "Stimmt", gebe ich zu. "Das ist ein Problem mit Heisenbergs Wahrscheinlichkeitsprinzip der Videokompression." "Was?" witzelt der Chef. "Heisenbergs Wahrscheinlichkeitsprinzip der Videokompression. Es handelt sich um ein bekanntes Experiment aus der Quantenphysik, bei dem Katzen in Kisten mittels Video überwacht wurden. Je mehr Katzen beobachtet werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, daß es zu Quantenstörungen bei der Videokomprimierung kommt." "Das kommt mir irgendwie bekannt vor", verrät sich der Chef. "Wie können wir das ändern?" fragt der Geschäftsführer. "Nun, die einzige Chance besteht darin, daß wir auf die Kompression verzichten, was allerdings bessere Leitungen mit höherer Kapazität erfordert ..." "Kümmern sie sich um die Sache", antwortet der Geschäftsführer, der während der Arbeitszeit offensichtlich ein paar Folgen ´Star Trek´ zuviel gesehen hat. Der Chef unterzeichnet ein paar Bestellungen und schleimt mit dem Geschäftsführer nach draußen. Ich gehe in das benachbarte Zimmer zum PJ und der Hilfskraft und zeige ihnen die Bestellungen. Dann kümmere ich mich um die Sicherung in der Vermittlung. "Soll ich den Telefon-Dienstleister anrufen?" fragt der PJ. "Ja, und sagen sie ihnen, daß InterTelecom International expandieren möchte ..." Ein Fisch, ein Faß, ein Gewehr. Was könnte einfacher sein ... Der Duft einer Umstrukturierung liegt in der Luft, als der B.O.F.H. das Herumkratzen auf einer CD zur Beseitigung von Viren empfiehlt ... Wenn ich jedesmal fünf Pfund bekommen hätte, wenn der IT-Chef glaubte, die Unfähigkeit von Managern durch eine ´Neustrukturierung der Abteilung´ beseitigen zu können, wäre ich heute ein reicher Mann. Es ist nicht so, daß er besonders trickreich dabei vorgeht. Vielmehr scheint ihm der Aufsichtsrat immer nur deshalb zuzustimmen, weil sie eine neue Anordnung der Beschäftigten sehen, die sie vorher nie zu sehen bekamen. Und das Meisterstück in dieser Woche ist die Bildung von Nutzergruppen, die von kompetenten Vertrauenspersonen betreut werden - was bedeutet, daß jedes Mitglied unserer Abteilung sich um eine andere Gruppe kümmern muß. Und weil er ein boshafter und rachsüchtiger Bastard ist, hat der IT-Chef mir eine Gruppe Vertriebsberater zugeteilt - Leute, deren technischer Sachverstand dem von Tomatensträuchern gleicht, deren soziale Fähigkeiten ´einzigartig´ sind. Der PJ hat es etwas einfacher, ihm teilt man eine Gruppe von Nutzerbetreuern zu, die schon wissen, daß man uns nur dann anruft, wenn man Verbrennungen dritten Grades liebt. Die Anrufe kommen prompt - ungefähr in dieser Art: "Der Drucker des Nutzers funktioniert nicht, deshalb muß das Netzwerk defekt sein". Und wenn man dann schließlich die Schritte zur Fehlersuche hinter sich hat, stellt sich heraus, daß das Papierfach leer ist. Zur Mittagszeit klingelt mein Handy, ein Berater schildert sein Problem, und mir wird klar, daß der IT-Chef meine persönliche Handy-Nummer weitergegeben hat. Ich mache mir im Geist eine Notiz, daß diese Indiskretion gerächt werden muß. Doch in der Zwischenzeit muß ich mich um den Berater kümmern. "Die Software, die ich auf dem Rechner eines Nutzers installieren will, bricht immer mit einem Schreibfehler ab." jammert er. "Glauben sie, daß die Festplatte voll sein könnte." "Hmmm", antworte ich nachdenklich. "Was haben sie installiert?" "Office, ein Spracherkennungsprogramm, ein 3D-Design-Programm und die Online Enzyklopädie. Ist das zuviel?" "Nein, natürlich nicht!" rufe ich. "Das ist doch nur ein Bruchteil von dem Platz, der auf dem 386er des Nutzers zur Verfügung steht. Nein, ich glaube, es ist schlimmer." "Schlimmer?" höre ich es am anderen Ende mit vereinten Stimmen fragen, die befürchten, daß dies ihren Erfahrungshorizont (Drücken der Return-Taste und das Einlegen von Disketten) übersteigt. "Ja, ich glaube, daß wir es mit einem weiteren Fall von Rückwärts-Maskierung einer CD-ROM zu tun haben." "Was ist passiert?" "Nun, diese Maskierung wirkt wie ein Filter, der dafür sorgt, daß die installierte Software nur noch mit Programmen des gleichen Herstellers funktioniert. Wenn sie versuchen, die Software eines anderen Herstellers zu installieren, kommt es zu Fehlern. Alle großen Firmen handeln heute so - Marketingtaktik, sie wissen schon." "Na sowas! Was soll ich tun?" "Nun, welche CD-ROMs haben sie?" "Ganze Ladungen. Unsere gesamte Software ist auf CD." "Hmmm, das ist möglicherweise schlimmer als ich dachte. Es überrascht mich, daß sie bisher noch keine Probleme hatten." "Da sie es erwähnen, mir fällt ein, daß die Enzyklopädie ziemlich langsam bei der Installation war. Könnte das etwas damit zu tun haben?" "Zweifellos. Da wirkt offensichtlich der Anti-Installationsvirus." "Was soll ich nun tun?" "Ich weiß nicht recht - wissen sie, was wir machen, wenn wir Computer-Bänder löschen wollen?" "Sie zerkratzen sie?" "Genau. Und das tun sie mit den CD-ROMs. Wenn sie allerdings die Daten erhalten und nur den Virus entfernen wollen, dann zerkratzen sie natürlich nur ein kleines Stück auf den CDs. Das Stück, auf dem sich die Daten befinden, die anzeigen, mit welcher Software die CD-ROMs nicht funktionieren." "Wie?" "Nun, sie haben doch ein chirurgisches Skalpel aus Keramik bei sich?" Dummy-Mode ein. "Nein?" "Oh, dann nehmen sie eine Rasierklinge. Sie müssen zwei möglichst eng beieinanderliegende Kratzer rund um die CD entlang der sogenannten ´Inhaltsspur´ machen. Dann kann die Software nicht mehr prüfen, ob sie funktionieren darf." "Wirklich?" "Aber sicher", antworte ich voller Überzeugung. "Mir können sie doch vertrauen." "Also soll ich das bei allen CDs machen?" "Bei jeder CD, die sie finden können." "Aber wir haben Hunderte davon." "Machen sie das nach der normalen Arbeitszeit, dann werden sie für die Nachtarbeit Überstundenzuschläge bekommen", appelliere ich an seine Habgier. "Ja!" sagt er und zählt in Gedanken die Pfundnoten. "Aber denken sie daran, es niemandem zu sagen." füge ich hinzu. "Denn sonst wollen auch die anderen sich daran beteiligen. Wenn sie den IT-Chef allerdings schon morgen früh überraschen wollen ..." "Kein Sterbenswort", ruft er. "Und wenn sie gerade dabei sind ..." sage ich. "Ja?" "Der Abteilungsleiter hatte übrigens ebenfalls Probleme mit einigen seiner Musik-CDs - wenn sie noch Zeit haben, dann ..." Der Rest ist - natürlich - Geschichte. Das Jammern, das Zähneknirschen, die prompten Hinauswürfe - ganz zu schweigen von der Zerstörung verschiedener teurer Sammler-Ausgaben von Jazz-CDs. Ich sehe eine Umstrukturierung am Horizont aufziehen. Ein Disput mit der Kantine fesselt den B.O.F.H. an Porzellan und läßt den Chef den Genuß von Bohnen bereuen ... Etwas ist faul im Staate Dänemark. Und unglücklicherweise hat die Betriebskantine es mir zum Mittagessen serviert. Ich fühle mich nicht gut. Ich bin ein kranker Mann. Es scheint, als sei das Abkommen über die friedliche Koexistenz zwischen mir und der Kantine in der fünften Etage durch meine zufällige Bemerkung zum PJ (Leider konnten sie sie hören.), daß ihr neues Motto - wie das der Luftwaffe - wohl ´Der Tod kommt von oben´ lautet, zerbrochen. Selbstverständlich ist das Menu du Jour nicht schlimmer als jemand in einer Todeszelle dies erwarten würde, doch trotzdem hätte ich auf ihrer ´Diätmahlzeiten´-Webseite im Intranet die Ankündigung von ungarischem Gulasch nicht in ungarischen Klebstoff ändern und auf das Geflügelklein Diarrhöe verzichten sollen. Manche Menschen haben eben keinen Humor. Der Chef duldet es natürlich, denn er weiß, daß jeder Mitarbeiter mit Selbstachtung sich erst dann krankmelden würde, wenn der Tod vor der Tür stand und seine Dienste angeboten hat. Das zählt zu den ungeschriebenen Gesetzen in unserer Firma. Nein, wenn ich schon den ganzen Tag auf Porzellanoberflächen zubringen muß, dann tue ich das während der Arbeitszeit. Seine häufigen Besuchen lassen keinen Zweifel daran, daß der Chef es darauf anlegt, ein paar Stunden auf meiner Arbeitszeitabrechnung streichen zu können. Doch meine Anwesenheit, auch wenn es mir schlecht geht, wird fortgesetzt. Die einzige Sache, die ich nicht ganz verstehe, ist, wie sie mir die tödliche Dosis verabreichen konnten. Im Normalfall bin ich sehr vorsichtig mit dem Essen (erste Regel - kein Fisch, kein Geflügel, kein Schwein), so daß mir der entscheidende Hinweis noch fehlt. Das selbstgefällige Grinsen und die auffällige Anteilnahme der Kantinenmitarbeiter an meinem Schicksal bestätigen meine Zweifel, als ich die Brottheke direkt ansteuere, um mein Krankenmahl zu holen. Ein Schlachtplan wird dringend gebraucht. Und ausgebrütet. Kaum hat der Chef den Platz nach seinem ´Vier Stück von allem´-Menü verlassen, starte ich Phase 1. "Nun, ich weiß nicht recht ..." wende ich mich an den PJ, als einer der Kantinenmitarbeiter, der sich unbeobachtet fühlt, heranschleicht. "... aber der Chef vermutet, daß mein Zustand mit dieser Kantine zusammenhängt. Er sagte, daß in irgendeiner Gasse in Soho bessere hygienische Bedingungen herrschen würden als an diesem Platz." "Wirklich?" fragt der PJ perfekt die Rolle des Dr. Watson spielend. "Nun, ich weiß nicht", antworte ich und bemerke die aufmerksam gespitzten Ohren im Hintergrund, "... aber der Chef haßt diese Kantine. Die Angestellten sollten froh sein, wenn sie noch eine Anstellung als Toilettenreiniger in einem Kebab-Restaurant bekämen, hat er mir erzählt." Während ich am nächsten Tag schon zum elften Mal dem Ruf der Natur folge, richtet der PJ den Monitor der Überwachungsanlage ein. Heutige Bildquelle ist der ´Thermostatsensor´ neben der Bedientheke. Der Chef kommt kurz vorbei, um zu sehen, ob wir schon Mittagspause machen, doch der PJ erklärt ihm durchaus wahrheitsgemäß, daß ich ein paar Notfall-Maßnahmen überwache. Ich komme rechtzeitig zurück, um dem Chef dabei zuzuschauen, wie er sein Tablett füllt. "Keine besonderen Vorkommnisse." kommentiert der PJ. "Ja. Nichts außergewöhnli ..." murmle ich, als mir etwas auffällt. Unter dem Vorwand, eine Schale Tapetenleim für Rindfleisch (angeblich Bratensoße) auszutauschen, schmuggelt ein Kantinenmitarbeiter einen zusätzlichen Teller Bohnensuppe auf das Tablett. Vergeßlich wie er ist, schleppt der Chef sein Tablett zu seinem Platz und bindet sich das alte Taschentuch um den Hals. "Sollten wir ihn nicht warnen?" will der PJ wissen. Das zynische Glänzen meiner Augen beantwortet seine Frage. Problemursache identifiziert, Phase 1 abgeschlossen. Der nächste Tag gehört zu denen, die diese Arbeit so angenehm machen. Der Chef hat sich krankgemeldet. Man sagt sich, daß er es noch in die Metrostation geschafft hat, bevor sein Frühstück wieder hochkam. Die Kantinenbelegschaft ist in der Zwischenzeit mit einer spontanen Gesundheitskontrolle beschäftigt (Ein anonymer Anruf ...), die neben anderen Verstößen echtes Rattenfleisch im Ratatouille entdeckt. Eine Woche später bin ich einigermaßen wiederhergestellt. Freilich habe ich noch ein wenig Angst vor Lebensmitteln. Der Chef ist nach seiner wundersamen Heilung ebenfalls wieder da. Er freut sich hämisch über die Vorteile der Gesundheitspläne der Firma, das Krankengeld, die Vorzüge des Daheimbleibens etc., etc., ... Zur Mittagszeit freut er sich noch mehr, als er seinen Teller vollpackt und sich geradezu lyrisch über die Vorteile äußert, ein bezahlter Angestellter unserer Firma zu sein. Seine Begeisterung wird auch nicht gebremst, als der PJ ihm dabei hilft, seine tägliche Portion Bohnensuppe auf dem Tablett zu verstauen. Am Nachmittag redet der PJ einmal mehr mit ihm durch die verklemmten Türen des Lifts. In meiner Eile, ihn aus seiner Lage zu befreien, habe ich den Hebel des Notfalltüröffners abgerissen, so daß wir den Wartungsdienst anrufen mußten. "Wie lange brauchen die denn noch?" heult der Chef. "Es kann nicht mehr lange dauern!" rufe ich ihm zu und winke dem PJ, daß er dem Service-Mann noch eine Tasse Kaffee machen soll, während ich den letzten Eintrag in der Liste der möglichen Verletzungen der Nutzungsbedingungen des Lifts vornehme. Ich gebe ihm noch maximal 10 Minuten ... Der Chef wurde ´ermutigt´, nach Tonga umzuziehen, doch sein Ersatz ist ein Alptraum ... "Wie haben sie das angestellt?" fragt der PJ, nachdem er zur Arbeit kam und sieht, wie der Chef seine Sachen packt ... "Ich?" frage ich unschuldig. "Nichts habe ich angestellt!" Der PJ wartet geduldig, bis ich mit der Wahrheit herausrücke. "Also, es könnte sein, daß ich ihn geringfügig verängstigt habe ...." "Wie ´geringfügig´ war das denn?" Ich bemerke gewisse Zeichen von Traurigkeit in seinem Tonfall, mit denen ich mich später befassen werde. Natürlich, der Chef ist mittlerweile formbar wie frische Knetmasse, doch man sollte immer bedenken, daß Veränderungen positiv wirken können. "Nun, ich könnte gesagt haben, daß es langfristig besser und sicherer wäre, in Tonga zu leben statt hier in Großbritannien." "Wie bitte?" "Es fing wohl damit an, daß der Chef wissen wollte, wie weit wir mit unserem Jahr 2000-Projekt sind. Ich denke, er ahnte, was in Wirklichkeit dahinter steckt - ein idiotensicherer Plan, um sich für fünf Monate im Büro zu verschanzen und danach mit einem Lächeln, den Worten: ´Alles in Ordnung´ und einem Stapel Rechnungen für Beratungen wieder herauszukommen." "Und?" fragt der PJ. "Und deshalb habe ich ihm gesagt, daß es wirklich keinen Grund zur Besorgnis gibt." "Wieso?" "Weil ich ihm sagte, daß die Welt unter dem Jahr 2000-Virus leidet. Und daß alles schon im Jahr 1999 vorbei sein wird, wie Nostrodamus und die meisten religiösen Gruppen das vorhersagen." "Und er hat das geglaubt?" "Nun, sie wissen ja, wie wahrscheinlich es ist, daß er mir vertraut ...." "Sie meinen, nachdem sie ihm empfohlen haben, den Toaster mit unter die Dusche zu nehmen, um am Morgen beim Frühstück Zeit zu sparen?" "Das und dem Empfehlung, Magnete als Diskettenhalter zu benutzen, ja. Wie auch immer, ich habe ihn daran erinnert, daß die älteren Nuklearverteidigungseinrichtungen aus der Zeit des Kalten Krieges von Computern kontrolliert werden, darunter auch die, die so programmiert wurden, daß sie den Startvorgang einleiten, wenn sie die Verbindung zum Pentagon verlieren." "Und?" "Und es ist doch offensichtlich, daß kurz nach 23:59 Uhr am 31. Dezember 1999 der Wert für die seit der letzten erfolgreichen Verbindungsaufnahme verstrichene Zeit dank der Datumsarithmetik sich von einer Minute zu tausenden negativen Minuten ändern wird ..." "... und - Start!" vollendet der PJ. "Sie haben es erfaßt!" "Und er hat ihnen geglaubt?" "Nun, beim Prüfen der Protokolldaten fiel mir auf, daß er ein regelmäßiger Besucher einiger Webseiten ist." "Sie meinen die Homepage der Liebhaber von Spitzenunterwäsche?" "Unter anderem, ja, aber wichtiger ist, daß er auch ´Nostrodamus sagt´-Seiten und solche mit Warnungen vor Gefahren des Nuklearwaffen besuchte. Ausgestattet mit diesen Informationen war es leicht, mit seinen Ängsten zu spielen." "Und jetzt geht er nach Tonga?" "Dahin oder an einen anderen Ort, der absolut ohne jegliche strategische Bedeutung, dafür aber sicher davor ist, etwa 10 Minuten nach Mitternacht von einer alten Rakete aus den 60er Jahren getroffen zu werden." "Aber sie glauben doch nicht wirklich, daß das passieren kann?" "Schon möglich. Aber wen kümmert das? Ich werde in der Silvesternacht betrunken wie ein Stinktier auf der Party feiern. Nebenbei - mein guter Wille, andere zu beraten, wird neue Tiefstände erreicht haben - dank meiner hervorragend finanzierten Aussage: ´Jetzt ist alles in Ordnung.´" "Also arbeiten sie an unserem Jahrtausend-Projekt?" "Seit dem heutigen Morgen bin ich nur noch damit beschäftigt." "Und womit werden sie es abschließen?" "Das werden sie in genau fünf Monaten sehen ..." Eine Woche später stehen die Dinge schlechter als erwartet. Der alte Spruch ´Der Teufel, den du kennst, ist besser als ein Tritt in die Rippen an einem kalten Morgen´ bewahrheitet sich einmal mehr. Der Ersatz für den Chef ist schlimmer, als dieser es jemals war. Er hat mir mein Jahr 2000-Projekt abgenommen und unsere Software- und Hardware-Zulieferer damit beauftragt, ihre Waren zu testen. Ich könnte heulen ... .... wenn ich nicht das Root-Passwort, Kontrolle über die Telefonvermittlung und einen beinahe psychopatischen Haß auf Manager hätte. Nach ein paar Tagen sieht der neue Chef wirklich krank aus. Ganz offensichtlich hat ein Fehler in der Vermittlungsanlage dafür gesorgt, daß die Hälfte der Einwahlnummern aus unserem Modem-Pool auf sein Privattelefon umgeleitet wird. Und die andere Hälfte landet auf seinem Handy. Als sei dies nicht schon schlimm genug, lief sein Telefon auch heiß, nachdem er seinen wöchentlichen Bericht in unserem Intranet veröffentlicht hatte, in dem aus ´Version Control Server´ ein ´Virgin Control Server´ wurde. Offenbar haben einige der jüngeren Erbsenzählerinnen angefragt, wie er denn diesen Jungfräulichkeitstest durchführen will ... Der PJ und ich schlagen die Zeit damit tot, daß wir die internen Uhren unserer Ausrüstung auf den 31.12.1999 setzen. Nach dem Ärger, den wir mit dem E-Mail-Server verursacht haben, ist es wohl Zeit, erneut unser siebenmonatiges Jahr 2000-Projekt vorzuschlagen. Veränderung ist wirklich gut. Der neue Chef entdeckt, daß Lernen manchmal schmerzhaft ist, besonders dann, wenn der Lehrer der B.O.F.H. ist ... Normalerweise wird die Vorstellung eines neuen Kandidaten für das mittlere Management begleitet von all dem Pomp, den man beim Auswechseln des Staubbeutels eines Staubsaugers veranstaltet, doch heute laufen die Dinge etwas anders. Dieser neue Chef ist angeblich eine Verbesserung gegenüber all seinen Vorgängern, denn er hat einen Universitätsabschluß in Management. Also haben wir nun einen unschuldigen, neugierigen und völlig ahnungslosen Chef zum Formen. Seine erste ahnungslose und neugierige Handlung besteht darin, ein Treffen zwischen sich selbst und einigen global agierenden Netzwerkanbietern zu vereinbaren, um bessere Preise für die Bandbreiten zu erzielen - eine Gruppe von Individuen, die ihre eigene Großmutter für fünf Pfund verkaufen würden. Der Chef bewegt sich so weit außerhalb seiner Heimatgewässer, daß er eine Schwimmhilfe braucht. Um ihn vor dem Wahnsinn (und die Firma vor dem Bankrott) zu bewahren, sorge ich dafür, daß ich in das Verhandlungsteam komme. Die Anrufe, die seitdem auf meinem Anrufbeantworter landen, lassen den Schluß zu, daß dies kein populärer Zug ist. "Nennen sie mich Alan." stellt sich der neue Chef vor, als wir die verschiedenen potentiellen Versorger treffen. Offensichtlich hat er die üblichen Seminare besucht, in denen ihm erzählt wurde, daß der informelle Ton die Verhandlungen erleichtern würde. Ginge es nach mir, würden wir die Verhandlungen erleichtern, indem wir die Vertreter in einen Raum zusammen mit ein paar Ziegelsteinen einsperren und nur mit dem ins Geschäft kommen, der als Letzter aufrecht stehen kann. "Die Vorschläge scheinen alle noch verhandelbar zu sein", eröffnet der Chef das Schachspiel. Er bemerkt anscheinend nicht, daß sie uns alle fünfzig Prozent mehr kosten würden als wir gegenwärtig zahlen - Zulieferer nennen das ´Anfangsangebot´. "Und dabei müssen sie das gewachsene Bandbreiten-Potential beachten", antwortet einer der Vertreter. "Sie meinen, das ist genau das, was wir jetzt schon haben, abgesehen von mehr Potential?" interpretiere ich die Aussage neu, damit der Chef mitkommt. "Wachstumspotential ohne zusätzliche Hardware-Installation, ja." "Und da wir ohnehin schon über überdimensionierte Leitungskapazitäten verfügen, bedeutet das also, daß wir ohne Grund 50 Prozent mehr bezahlen sollen?" "Potential kostet Geld", mischt sich ein anderer Vertreter ein. "Und ich bin mir sicher, daß unser Plan maximales Potential verspricht." "Während sie nichts zusätzlich liefern ..." füge ich hinzu. Das Treffen plätschert auf diese Weise noch etwas vor sich hin, bis der Chef endlich zu seinem letzten Mittel greift, um von niemanden über´s Ohr gehauen zu werden. Schließlich schafft er es, sein letztes Angebot zu machen. "Nun, was können wir hierfür bekommen?" fragt er und schreibt mit Verschwörermiene eine Zahl auf, die ungefähr 40 Prozent unseres Netzwerk-Budgets entspricht. "Ich werde meine Großmutter anrufen", sagt einer der Vertreter und greift nach seinem Handy. Ab jetzt geht es abwärts. Am Ende der stundenlangen Verhandlungen ist der Chef ein gebrochener Mann und bereit, unsere derzeitigen Kapazitäten durch eine Ansammlung von 300 Baud-Modems und Telefonzellen zu ersetzen. Zeit für eine strategische Pause, also rufe ich eine Mittagspause aus und schaffe den Chef schnellstmöglich aus dem Gefahrenbereich. "Das ist alles ziemlich technisch, oder?" jammert er, als wir außer Hörweite sind. "Das ist ein Ochsenjob!" antworte ich und fahre damit fort, ihn über die Methoden der Preisfestlegung zu informieren - offensichtlich ein Thema, das nicht zur Ausbildung für den Abschluß als Manager einer Pfarrgemeinde gehört. Ich bringe ihn in den Vermittlungsraum, damit der PJ mich ergänzen kann. Unsere Kommentare treffen auf taube Ohren. "Aber ich bin sicher, daß sie wissen, worüber sie reden." murrt er naiv. "Immerhin sind sie ja schon jahrelang in dem Geschäft." "Natürlich, weil ahnungslose Manager ihnen blind vertrauen." antworte ich. "Ehrlich, in diesem Geschäft können sie niemandem vertrauen." "Das ist aber eine zynische Ansicht", erwidert er erwartungsgemäß. Es wird offensichtlich Zeit für Plan B. "Es kostet ein Vermögen, um das Potential der Leitungen unserer Telefonanlage zu erhöhen." "Wieso?" "Ich denke, daß der PJ ihnen das Problem, über das wir sprechen, am besten demonstrieren kann." Zehn Minuten, einen Schrei und einen senkrechten Sturz auf den Boden später kann ich als Solist zu den Verhandlungen gehen, da ein weiterer Chef es vergessen hat, die Abdeckgitter im Vermittlungsraum zu überprüfen, die schmerzhafte Stürze vermeiden sollen ... Der Arme. "Gentlemen", beginne ich, nachdem ich ins Beratungszimmer zurückkomme. "Wegen eines Arbeitsunfalls ist Alan leider für den Rest der Verhandlungen verhindert, weshalb die Entscheidung über einen Vertragsabschluß nun in meinen Händen ruht. Ich denke, ich werde es ihnen überlassen, unseren Vertragspartner zu finden, indem ich sie alleinlasse. Oh, sie finden die Ziegelsteine unter ihren Sitzen." Manchmal muß man sich eben ein wenig dafür einsetzen, die Kunden zufriedenzustellen ... Monate des Biersaufens haben dem B.O.F.H. zugesetzt, so daß er beschließt, eine Erholungsreise zu unternehmen ... Ich habe mich entschieden, mir eine wohlverdiente Pause zu gönnen, um mich von den Anstrengungen der Arbeit (zum Beispiel Alkoholvergiftungen) zu erholen. Meine Reise soll mich an die Küste führen. Da ich vorsichtig bin, beauftrage ich den PJ, mich mit täglichen E-Mails über die Geschehnisse in der Firma zu informieren. Traurigerweise wartet mein Laptop noch auf seine Aufrüstung, die der Chef mir in einem seiner laxeren Momente genehmigt hat, so daß ich für Kontakte mit der zivilisierten Welt auf ein Internet-Café angewiesen bin. Wie 90 Prozent der kultivierten E-Mail-Nutzer bevorzuge ich es, meine persönliche Kommunikation in der Zurückgezogenheit meines Büros oder meiner Wohnung zu erledigen, wo ich nicht durch die Geräusche von Quake spielenden Jünglingen abgelenkt werde. Dafür ist genug Zeit in den restlichen Stunden des Tages. Außerdem warte ich nicht besonders gern darauf, daß mir ein Typ mit Pferdeschwanz den langsamsten Computer auf der Erde einschaltet, der so wenig Arbeitsspeicher hat, daß er selbst für die Eingabe des Passwortes nicht reicht. Als ich erwähne, daß ich gern mein bevorzugte E-Mail-Programm nutzen würde, ernte ich ein mitleidiges Lächeln. "Ihr erstes Mal?" gluckst der Pferdeschwanz selbstgefällig. "Niemand benutzt dieses Programm." Ich könnte ihm das Gegenteil beweisen, aber ich will mich ja erholen. "Ja, mein erstes Mal", antworte ich ängstlich. "Was empfehlen sie denn?" Er schwärmt mir etwas von der Alpha-Version der neuesten Fehleransammlung irgendeiner selbsternannten absolut hochmodernen Programmierfirma vor und tippt das Passwort (´verbinden´, wie ich mühelos mitbekomme) ein. Er beginnt seinen Monolog darüber, daß ich keine Angst vor der Technik haben müsse, die jemand mit seiner Erfahrung betreut, um mich zu beruhigen. Irgendwann verstummt er, wendet sich wieder dem Rechner zu, um festzustellen, daß alles nicht so ist, wie es sein sollte, was möglicherweise daran liegt, daß ich alle Programme in den Papierkorb verschoben habe, als seine Aufmerksamkeit nachgelassen hatte. Ich konnte mich nicht bremsen - alte Gewohnheiten wird man nicht so leicht los. "Das ist interessant", kommentiert er. "Oh, es funktioniert nicht?" jammere ich in einem Tonfall, der mir aus der Nutzerbetreuung sehr vertraut ist. "Ich wußte es, Computer hassen mich." In der Überzeugung, ich sei ein ahnungsloser Anfänger, meldet er sich erwartungsgemäß beim Datei-Server mit seiner eigenen Nutzerkennung an und verläßt sich dabei zur Geheimhaltung des Passwortes ganz auf sein ´blitzschnelles´ Tippen (´Mädchenschwarm´ - geschmacklos und größtenteils unwahr). Während er eine Neuinstallation durchführt mache ich 20 Pfund locker und kaufe mir von einem anderen fettigen Pferdeschwanz an der Espresso-Theke ein Nutzerkonto. Er setzt mich an einen anderen Rechner und gibt mir den Rat, mich einfach ein wenig im Internet umzusehen, während sie mit der Fehlersuche an dem anderen Rechner beschäftigt sind. Als er verschwunden ist, beende ich meinen Verlierer-Modus und lade die E-Mails von der Arbeit herunter. Ein weiterer Pferdeschwanz kommt vorbei und lächelt mitleidig, als er über meine Schulter blickt und beobachtet, wie die E-Mails mit 2.400 Baud hereinkriechen, weil eine Schulklasse an einem anderen Rechner sich ein Echtzeit-Video anschaut. Ein schneller Blick in meine E-Mail sagt mir, daß der Chef noch immer Schwierigkeiten macht, indem er in meiner Abwesenheit einen Netzwerk-Analysten anheuert. Darum werde ich mich kümmern müssen. Doch in der Zwischenzeit habe ich einen kleineren Fisch zu braten, denn ein Pferdeschwanz verschüttet hinter meinem Rücken seinen Espresso, als er von hinten zu dem ahnungslosen Kunden heranwatschelt. Ich melde mich auf dem Datei-Server als ´Pferdeschwanz1´ an und schaue mir die Dateien an. Um die Zeit totzuschlagen, modifiziere ich das Anmelde-Skript ein wenig. Wo ich gerade so schön dabei bin, beschließe ich, daß die Homepage des Cafés ein wenig aufgemotzt werden könnte. Ein schockiertes Keuchen wenige Augenblicke später sagt mir, daß jemand die erweiterte Fassung der Homepage mit den gerade hochgeladenen Videos anschaut. Ein kleiner Hauch von Schweden tut niemandem weh - speziell dann nicht, wenn, wie ein schneller Blick mir zeigt, das Keuchen von der Lehrerin der Schulklasse kommt, die versucht, ihre Schüler vom Monitor abzulenken. Mir scheint, er zeigt nicht die erwartete Dangermouse-Homepage. Ich lasse meine Finger noch einen Augenblick länger über die Tastatur gleiten, um meine Nutzerdaten anzupassen, dann gehe ich herüber um zuzuschauen, wie das Ende des Unterrichts aussieht, dem die Jugendlichen ausgesetzt waren. "Das ist ja ekelhaft!" rufe ich entsetzt. Ein Pferdeschwanz entschuldigt sich wortreich. "Es stimmt also, wenn man über das Internet sagt, daß es voller Perversitäten ist." wende ich mich an die junge Lehrerin. "Es ist doch nur ein Werkzeug", verteidigt sich der Pferdeschwanz. "Das habe ich gesehen." sagt die Lehrerin. Es ist lustig, wie warmherzig man zu Personen sein kann, die man kaum kennt. Einen Anruf bei der lokalen Fernsehstation später helfe ich der verlockend hübschen Lehrerin und ihren Schützlingen durch das Blitzlichtgewitter, die TV-Kameras und die Reporter-Mikrofone nach draußen und halte nur einmal an, um meine 200 Pfund, die ich für das Nutzerkonto bezahlt hatte, wieder in Empfang zu nehmen, die ich nun in ein Abendessen mit der Lehrerin zu investieren vorhabe. Ferien? Nichts als Arbeit, Arbeit, Arbeit ... Während der B.O.F.H. sich erholt, sieht sein Ersatz Karrierechancen - was Gegenmaßnahmen des PJ herausfordert ... Dieser Urlaubstag ist ein trüber Tag. Mein neuer Kontakt zum Bildungswesen muß arbeiten, so daß ich in die Stadt ausweiche, um meine tägliche E-Mail in Empfang zu nehmen. (Zur Zeit sind die Internet-Cafés an der Küste nur schwer zugänglich, weil sie von besorgten Eltern belagert werden und die Betreiber abgetaucht sind.) Als ich mich auf dem Firmenrechner anmelde, bemerke ich, daß der letzte Bericht des PJs sehr lang ist. Deshalb werfe ich die Espresso-Machine an und öffne dann den Bericht, den der PJ geschickt hat. Er ist ein Dokument von geradezu epischem Ausmaß, welches den Kampf eines kompetenten Netzwerkbetreuers angesichts schier unüberwindlicher Widerstände schildert. Anscheinend hat sich der vom Chef eingesetzte Netzwerk-Analyst innerhalb weniger Tage von der demütigen und unauffälligen Person zu einer heimtückischen und verschworenen Person gewandelt. Sicher, etwas derartiges war absehbar und wird auch vom Inhaber dieser Position erwartet, doch er hätte damit wenigstens warten können, bis ich gefeuert wurde. Der PJ hat freilich schnell herausgefunden, daß das Wissen des neuen Schoßhündchens des Chefs über Netzwerke und Unix gleich nach ´nichts´ kommt - obwohl es sehr nahe daran ist, beinahe noch weniger - wie auch immer, er hat keine Ahnung. Die hervorragend trainierten Instinkte des PJ bemerkten die Spuren, die auf heimliche Absprachen deuteten, so daß er die Telefonüberwachung aktivierte. Seine Sinne hatten ihn nicht getäuscht - sein neuer Vorgesetzter und der Chef kennen sich seit der Zeit, als die Elektrizität erfunden wurde. Weitere Nachforschungen ergaben erschütternde Übereinstimmungen zwischen seinem und meinem Lebenslauf - Wort für Wort vermutlich. Es scheint, als hätte der Chef meinen Lebenslauf seinem Freund geschickt. Und der hat offenbar das Potential meiner Postition richtig gedeutet, jede Arbeitsstunde damit verbracht, beim Nutzerservice und der Firmenleitung herumzuschnüffeln, um dadurch die Erinnerung an mich verblassen zu lassen. Die Beobachtungen des PJ deuten darauf, daß er entweder meine Arbeit übernehmen, den Nobelpreis bekommen oder auch beides will. Die Bemühungen gipfelten darin, daß mein Ersatz sich selbst in den Vordergrund spielen wollte, indem er mir eine Nachlässigkeit nachweist, die er in einer bewegenden halben Stunde beseitigt, um so seinen Ruhm unsterblich zu machen. Ich muß mich nun auf die Schilderungen des PJ verlassen ... "Etwas seltsames ist mit dem Mail-Server passiert", erklärte mein Ersatz dem PJ und spürte den kommenden Ruhm. "Es gibt einen Prozeß, der das Mailprogramm gestartet hat. Der Prozeß kommt aber von draußen. Ich glaube, wir werden angegriffen." "Woher kommt der Prozeß?" fragte der PJ nach und erahnte schon die Antwort. "Von einem Rechner, der sich bofh.stirbGeekstirb.com nennt." Der PJ erkannte natürlich meinen Domainnamen und weiß auch um meine Vorliebe, mittels E-Mail auf dem laufenden gehalten zu werden. Also entschied er sich, die Situation zu entschärfen, bevor sie außer Kontrolle geraten konnte. "Ja, das scheint ein Hacker zu sein." stimmte er zu. "Was können wir dagegen tun?" will der Aushilfs-B.O.F.H. wissen und denkt offenbar schon an die Verwertungsrechte an seinem Buch über Internet-Kriminalität. "Sollten wir das Anmelden auf unseren Maschinen verbieten?" "Natürlich nicht", rät der PJ ab. "Das würde sie nur ärgern. Am besten lassen wir das Desinfektionsprogramm durch das Netzwerk laufen." "Wie?" "Mit dem Spray-Kommando. Der Name kommt von Desinfektionsspray. Geben sie einfach SPRAY RECHNERNAME Strich c eine Million Strich l Zweitausend und ein UND-Zeichen ein. Das machen sie mit allen Rechnern, die zu unserem Netzwerk gehören. Das sollte das Netzwerk reinigen, während ich mir einen Kaffee hole." Als der PJ zurückkehrt, wird er von gequältem Heulen empfangen. "Das verdammte Netzwerk ist tot." "Nein, nein", kommentiert der PJ. "Es ist noch da und läuft - aus irgendwelchen Gründen allerdings nur sehr langsam." Ab dann ging es nur noch bergab. Ihn davon zu überzeugen, alle 10/100 MBit Ethernet Switch Ports auf 100 Non-Switched umzukonfigurieren, "für erhöhte Leistung", war ein Meisterstück - auch wenn 10 Prozent der Nutzer, die 100 MBit nutzen können, wirklich zufrieden mit der Leistung waren, die ihnen der Ausfall der restlichen 90 Prozent bescherte. Bei dem Versuch, die aufgebrachten Nutzer wieder zufriedenzustellen hat er von sich aus die Steuersoftware für die Router aktualisiert und dabei offensichtlich eine goldene Regel nicht beachtet: Traue niemals einer Aktualisierung, die du nicht selbst bearbeitet hast. Das führte zu einem weiteren heftigen Ausfall, als ein seltsamer Fehler die SLIP-Verbindungen (Protokoll zur Einwahl in Netzwerke mittels Telefon [thomas w.]) mit höchster Priorität versah, so daß das Netzwerk beinahe lahmgelegt wurde. Und das überraschte den PJ wirklich, hatte er doch noch nicht die Zeit gehabt, dies per Hand einzustellen. Ich will gerade meine Lektüre beenden, als ein neuer Bericht hereinkommt. Offenbar hat es einen scheußlichen Arbeitsunfall mit meinem Telefon gegeben. Anscheinend hat das Anschlußkabel meines Headsets die Isolierung des Netzkabels durchgescheuert, was dazu führte, das das Headset nicht nur dem Ego meines Ersatzes heftigen Auftrieb gab. Zum Glück haben wir als ordentliche Netzwerker einen Notfall-Ausschalter, doch unglücklicherweise lehnte eines der schweren Handbücher des PJs zu diesem Zeitpunkt vor ihm. Die Sanitäter haben es dann irgendwie geschafft, meinen Ersatz mit ein paar Schokokeksen und einer warmen Decke unter meinem Tisch hervorzulocken, aber es sieht so aus, als müßte ich nun bald damit rechnen, wieder in die Firma zurückgerufen zu werden. Man gönnt uns Arbeitenden eben keine Erholung. Oder unseren Vorgesetzten ... Die Fehler eines cleveren neuen Einkaufssystems bringen die bis dahin unterdrückten rachsüchtigen Seiten des B.O.F.H. zum Vorschein ... Die Leute der Systembetreuung gehen mir wirklich auf die Nerven. Sie sind nicht mehr damit zufrieden, daß sie in ihrem Maschinenraum die unumschränkten Herrscher - ähnlich wie der PJ und ich in der Netzbetreuung - sind, sondern haben nun auch noch das Bestell- und Einkaufssystem übernommen. Anstatt wie bisher ein Gerät, das seinen letzten Atemzug getan hat, zu identifizieren und eine Bestellung für ein besser ausgestattetes Ersatzgerät dem Chef unterzuschieben, damit er seine drei Kreuze darunter setzen kann, müssen wir nun jeden Wunsch nach Geräten, die etwas mit Computern zu tun haben, per E-Mail an das neue Bestellsystem schicken, damit die Systemleute die Bestellung lesen, genehmigen und sich um eine preisgünstigere Alternative umsehen können ... Ich bin darauf vorbereit, mit dieser Situation umgehen zu können. Doch der PJ fühlt sich wie in Ketten gelegt. Möglicherweise hängt das damit zusammen, daß wir einen ´Crisco´-Switch anstelle des ´Crisco´-Switches, den wir bestellt hatten, bekamen - direkt aus dem Silicon Back-Valley in Venezuela. Gemessen am Wert seiner Gesichter hätte dieses Land seine Exporte bei der Miss World-Herausforderer-Marke stoppen sollen. Ich schäme mich selbst dafür, dem Repräsentanten des gewählten Zulieferers ´zuzüglich der Früchtchen, die es für den Gegenwert von zwanzig 100base-T Hubs gibt´ gesagt zu haben, da diese Forderung offenbar buchstabengenau interpretiert wurde. Nun, zumindest dürfte die Kantine in den nächsten zwei Jahren keinen Engpaß bei Bananen zu befürchten haben. So schnell wie möglich beschwere ich mich beim Chef. "Wir können diese Lieferung nicht annehmen", rufe ich. "Das Netzteil hat nur zwei verschiedene Einstellungsmöglichkeiten: 12 und 24." "Das ist offensichtlich ein Beschriftungsfehler", antwortet er. "Man hat wohl die Null am Ende vergessen." Als ich einen der Betreuer des Bestellsystems mit den rauchenden Überresten der erwähnten Ansammlung von Müll konfrontiere, erklärt der Chef defensiv: "Nun können wir es wohl nicht mehr umtauschen. Letztlich stand auf dem Gerät ja 12 Volt beziehungsweise 24 Volt ... Wir müssen es reparieren! Und überhaupt, sie haben nicht gesagt, daß sie ein Gerät für 240 Volt Wechselstrom wollen, als sie die Bestellung an das Einkaufssystem schickten. Die Leute können ja schließlich keine Gedanken lesen." "Nein, denn dann hätte ich auch nicht gesagt: ´Vermeiden sie, Thinwire-Kabel mitzukaufen´, oder?" "Oh, das Kabel lagert noch im Erdgeschoß", unterbricht der System-Mensch. "Wir haben dank Crisco´s Winter-Aktion einen tollen Preis erzielt - ´Thikwire für wenig Geld´" "Sehen sie", sagt der Chef. "Wir sind schon dabei, Geld zu sparen." "Sie haben 4.000 Meter Thikwire-Kabel für die Büros gekauft?" "Genau. Und es war geradezu unheimlich billig." strahlt er. Im Rahmen eines außergewöhnlichen Wandels meines Charakters muß ich einen Tag lang krankmachen, da ich mich wirklich schlecht fühle. Als ich dies am nächsten Tag dem PJ erzähle, geht es ihm ebenso. Am nächsten Tag sind wir wieder an unserem Arbeitsplatz und entschlossen, etwas aus dem Tag zu machen. Ich zeige dem Chef ein Stück Thikwire-Kabel, den Kabelschacht und einen Bohrer mit sehr großem Durchmesser. "Wo sollen wir anfangen?" frage ich. "Uhm", murmelt der Chef, der genau weiß, daß seine Beliebtheitswerte in den Büros sich umgekehrt proportional zur Lautstärke eines Bohrers verhalten, der sich langsam seinen Weg von einem Ende des Gebäudes zum anderen bahnt. "Vielleicht sollten wir das Kabel zurückschicken." "Natürlich sollten wir", antworte ich. "Das ist nicht möglich", sagt der System-Mensch. "Wir müßten eine Stornierungsgebühr bezahlen, doch das Bestellsystem ist dafür noch nicht eingerichtet." Das bedeutet Krieg! Ich schreibe ein Skript, um 20 Disketten zu bestellen - eine nach der anderen. Dann ändere ich die Antwortadresse meiner E-Mails auf die Adresse des Bestellsystems. Fünf Minuten später geht dem Bestellsystem der Arbeitsspeicher aus, so daß der PJ und ich zu einem improvisierten Treffen mit dem Chef und den Leuten der Systembetreuung gebeten werden. "Er hat den Arbeitsspeicher unserer Server überlastet und sie abstürzen lassen!" heulen die vereinten Systembetreuer. "Kein Arbeitsspeicher!" Klickediklack. "Ich habe ihnen gerade neuen bestellt ... Oh-oh, schon wieder ein Absturz. Sie scheinen wirklich ziemlich wenig Arbeitsspeicher zu haben. Wissen sie, sobald ihr System wieder läuft, bestelle ich ihnen noch etwas mehr, damit sie auf der sicheren Seite sind ..." "Nein!" stößt der Chef hervor. "Aber wir müssen die Bestellung doch durch das Bestellsystem schicken." sage ich. "In Ordnung", seufzt der Chef. "Schreiben sie es auf und geben sie es den Systembetreuern, und die werden es dann selbst in das System eingeben." Der PJ mischt sich ein: "Aber sie werden Teile vergessen oder übersehen, von denen sie glauben, sie seien unwichtig, und wir bekommen wieder nur Schrott!" "Nein. Sie werden ihre Bestellung Wort für Wort eingeben", beschließt der Chef. "Sie haben verstanden!" Die Systembetreuer nicken, und der PJ und ich stimmen widerwillig zu. Kaum sind sie wieder verschwunden, beauftrage ich den PJ, einen neuen Switch zu bestellen. "Was soll ich schreiben, 240 Volt Wechselstrom-UTP-Switch ...?" "Schreiben sie, was sie wollen. Versichern sie sich nur, daß es nach den ersten 256 Zeichen kommt, denn für die Produktbeschreibung sind 256 Zeichen die oberste Grenze." "Das ist doch kindisch." "Nicht so kindisch wie ´Ein Idiot gibt dies ein´ in das Beschreibungsfeld zu schreiben." "Das würden sie nicht tun!" "Doch. Ich werde es wieder tun und ich gedenke auch, dies für den Rest der Abteilung zu dokumentieren. Noch Fragen?" "Nein, natürlich nicht." "Gut, dann kritzeln sie los. Und machen sie es so unleserlich wie möglich." Soweit der B.O.F.H. das einzuschätzen vermag, werden die Leute von der Systembetreuung nicht vom Geist der Weihnachtszeit beflügelt. Ganz im Gegenteil ... Es ist Weihnachtszeit und die Schleimerei erreicht Rekordwerte, denn für morgen sind die Schecks mit dem Weihnachtsgeld angekündigt, also will jeder seine Bedeutung im den Augen der IT-Chefs steigern. Natürlich haben sie dabei alle völlig vergessen, daß die anhand der Kundenzufriedenheit durchgeführten Berechnungen im vergangenen Jahr nur zwei Schecks mit extrem hohen Summen hervorgebracht hatten. Ich muß gestehen, daß der PJ und ich darüber wirklich überrascht waren, doch wie wir alle wissen, irren Computer sich ja nie. Das Problem ist nur, daß der IT-Chef selbst sich wegen einer Extra-Belohnung bei seiner Weihnachtsparty bei einer Frau aus der Werbeabteilung einzuschmeicheln versucht, indem er ihr eine technische Position in der Abteilung anbietet. Sehr viel technischer als die Position, die er ihr bietet, wenn er es schafft, sie während der Party im Kopiererraum zu treffen. Als ich durch die Nutzerbetreuung schleiche, um die Menge vor dem Büro des IT-Chefs zu umgehen, klingelt ein Telefon. Voller Weihnachtsfreude nehme ich den Anruf an. "Hallo, hier ist Bruce aus der Marketing-Abteilung. Jemand scheint das Administrator-Passwort für die Website der Firma geknackt und die Webseiten verändert zu haben. Ich würde unsere Website gern gegen Hacker schützen, damit während der Weihnachtsferien nichts passiert." "Wirklich?" frage ich und erinnere mich daran, wie leicht es war, die Produkt-Abbildungen gegen Bilder auszutauschen, die unsere Kunden wirklich begeistern werden. "Nun, dann sollten sie einfach das Passwort ändern." "Was soll ich nehmen? Nur ein paar Buchstaben und Satzzeichen?" "Nein, seien sie doch nicht albern, nehmen sie etwas, daß sich niemand aufschreiben muß, um sich daran zu erinnen. Den Namen der Firma zum Beispiel. Ich bin sicher, daß das ausreicht." "Wirklich? Jemand aus der Systembetreuung sagte, wir sollten das Passwort so kompliziert wie möglich gestalten." "Natürlich haben sie das gesagt." bemerke ich und erinnere mich nur zu gut an den alptraumhaften Ärger, den das Bestellsystem in den letzten Wochen verursacht hat. "Die Leute haben es gern, wenn sie angerufen werden, weil jemand das Passwort vergessen hat." "Das stimmt", antwortet er und erinnert sich ebenfalls gut an die damit verbundene Schande. Ich lege auf und schaue nach, wie weit der PJ mit seiner ´Kundenzufriedenheitsumfrage´ gekommen ist. Ein wenig Datenanpassung hat schließlich noch niemandem geschadet. Alles was ich noch tun muß, ist, mich darum zu kümmern, daß ich die Aufmerksamkeit des Chefs auf mich ziehe. Ich bewaffne mich also mit den Bilanzen der IT-Abteilung, locke ihn in die Falle und lulle ihn mit bizarren Begriffen wie Betriebsausgaben, innerbetriebliche Wertschöpfung, Kontenausgleich und ähnlichem ein, bis seine Augen glänzen, um ihn dann auf die kreative Buchführung hinzuweisen, um die es mir geht. "Und hier habe ich unser Anlagevermögen in Euro umgetauscht, wie wir das 1999 sowieso machen müssen. Ich dachte, es sei gut, wenn wir unsere Programme so früh wie möglich testen, denn dann können wir die Fehler schneller finden - und sie vor der Umstellung rechtzeitig beseitigen." "Oh, natürlich", antwortet der Chef. "Gute Idee. Und was ist das da?" "Hier habe ich alles wieder in Pfund umgetauscht, da wir im Moment den Euro ja noch nicht brauchen und auch noch nicht verwenden." "Aber die Ausgangs- und die Endwerte unterscheiden sich um ungefähr zehntausend Pfund!" "Ja, nun, dieser Wechselkurs, die Kommission, die Bearbeitungsgebühr und die Steuern müssen schließlich auch bezahlt werden." "Oh, Mann!" ruft der Chef aus. "Hoffentlich müssen wir nicht viele Tests dieser Art durchführen." "Nun, man kann nie sicher sein. Ich weiß, daß wir noch einen Test machen werden, bevor ich im nächsten Jahr meinen Osterurlaub antrete, doch abgesehen davon liegt alles in Gottes Hand - wer weiß, zu wievielen Tests uns die Buchprüfer noch verpflichten werden." "Hmm, nun, dann sollten wir bis zur Umstellung im Interesse der Firma wohl die Buchprüfer davon abhalten, daß sie unsere Finanzen prüfen - sehen sie ein Problem darin?" "Nein, da fällt mir im Augenblick nichts ein." antworte ich. "Gut. Aber was ist denn das da?" fragt er und deutet auf die einzige Grafik in roter Farbe. "Das?" frage ich. "Oh, das ist das Geld aus dem Budget der Systembetreuer, das angeblich niemand ausgegeben hat. Es scheint in zwei größeren Summen ausgezahlt worden zu sein, als zwei Systemleute ihren Urlaub antraten." "Oh", sagt der Chef und hat meine Erklärung für die finanziellen Unstimmigkeiten bei uns schon wieder vergessen. "Es ist schon lustig, daß das Geld genau dann verschwand, als sie ihren Urlaub antraten." sage ich, um seinen Verstand wieder in die richtige Richtung zu lenken. "Sie meinen, daß die uns bestohlen haben?" fragt der Chef, als die Erleuchtung seinen Geist erhellt. "Ich befürchte, diese Zahlen lassen keinen anderen Schluß zu", seufze ich traurig. "Soll ich die Polizei rufen?" "Mit welcher Begründung?" will ich wissen. "Das ist nur eine Zusammenfassung der Kontenbewegungen. Damit sie jemanden strafrechtlich verfolgen können, müssen wir eine komplette Buchprüfung mit all den Prüferrechnungen, möglichem Euro-Umtausch, Steuern, Gebühren und den Kosten für die Prüfungserlaubnis durchführen." "Prüfungserlaubnis?" "Die Erlaubnis, die Buchprüfung in zusätzlicher Zeit vorzunehmen", erkläre ich ihm. "Für die Arbeit in den Weihnachtsferien. Das könnten gut fünfzehntausend Pfund werden, schätze ich. Und dabei gibt es keine Garantie dafür, daß sie auch bestraft werden." "Also werfe ich sie raus ...", ruft er. "... und riskieren, für einen Rausschmiß ohne Grund verantwortlich gemacht zu werden." "Aber etwas muß doch dagegen unternommen werden." "Stimmt", antworte ich. "Und zwar vor dem nächsten Bilanztag, der in der zweiten Januarwoche liegt, wenn ich mich nicht irre." "Was schlagen sie vor?" "Nun, sie können ihnen eine Abfindung zahlen und den Vertrag am 1. Januar nicht verlängern." schlage ich vor. "Ausgezeichnet. Aber ..." "Aber?" will ich wissen. "Wer wird sich um die Systembetreuung kümmern?" "Nun, das ist nicht besonders viel Arbeit. Ich meine, wir könnten uns darum kümmern, wenn wir einen weiteren Lehrling einstellen würden. Wir könnten bis Mitte Januar bereit sein." "Wirklich?" "Natürlich würde das einen höheren Stundensatz für uns bedeuten." "Oh ..." "Was aber viel weniger wäre, als wir am 10. Januar verlieren würden, wenn die Situation sich nicht ändert." "In Ordnung, dann machen wir es so", ruft der Chef und watschelt davon, um es so zu machen. Ich erkläre dem PJ die letzten Entwicklungen, als die System-Leute sich selbst zu Knochenbrüchen verhelfen - die neuen Sicherheitsleute gehen ziemlich hart gegen Widerstand vor, wenn man sich weigert, das Haus zu verlassen. Vermutlich ehemalige Elite-Soldaten. "Noch mehr Arbeit?" jammert der PJ. "Verbunden mit einer Lohnerhöhung." "So?" "Und sie bekommen eine neue Auszubildende." "Was verdammt ..." "Ihrer Wahl." "Und?" "Und ist es nicht Zeit, mit der ´Befragung´ von Bewerberinnen aus der Werbeabteilung zu beginnen? Natürlich erst dann, wenn der Abteilungsleiter mit dem ´Kopieren´ fertig ist." "Hä?" ruft der PJ, doch dann kommt auch sein Verstand auf Touren. "Genau, bezeichnen sie mich ruhig als einen sentimentalen Weihnachtsmann ..."