Die
Original-Bastard-Operator-Geschichten von 1998
Autor: Simon
Travaglia
Übersetzer: Thomas Weidauer
Eine
häßliche Saga von glühendem Ehrgeiz und
geschmuggeltem Likör - ein
herzliches Willkommen zur
B.O.F.H.-Weihnachtsgeschichte ...
Ein neues Jahr. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Dabei scheint
es, es sei erst
gestern gewesen, als die vorweihnachtliche Feier
der IT-Abteilung stattfand.
Zugegeben, ich hatte ein paar Gläser
dieser erwärmten Medizin, die in dieser
Jahreszeit immer so
populär ist, getrunken, so daß meine Erinnerung nicht mehr
so
klar ist, doch ich erinnere mich noch daran, einem unserer
lautstarken Klienten dabei
geholfen zu haben, in der Bowleschüssel
nach Äpfeln zu tauchen - gelegentlich ließ
ich ihn zum
Luftschnappen hochkommen - kurz bevor der tragische Unfall mit
dem
Weihnachtsbaum passierte.
Wer hätte auch erahnen
können, daß die Weihnachtsbaumbeleuchtung mit
Starkstrom
gespeist wird, vom Installateur der Firma B-Electrix natürlich
einmal
abgesehen. Der Brandgeruch, das Schreien und die
improvisierte Tanzvorführung, die
dem Sturz des
Weihnachtsbaumes in die große Bowleschüssel folgten,
gerade als
der Chef einen weiteren Eimer des alkoholfreien
Erfrischungsgetränks nachfüllte,
waren ein gutes Finale
dieses Tages - und kosteten wesentlich weniger als ein
eingekauftes
Feuerwerk.
Und dann fällt mir noch ein, daß die Dinge
sich ursprünglich anders entwickeln
sollten als bei der
Weihnachtsfeier 1997. Von oben kam nämlich die Anweisung,
daß
jeder, der sich mit Alkohol erwischen läßt,
mit der Genehmigung der
Personalabteilung gnadenlos gefeuert wird.
Manche Menschen haben eben keinen Humor, denke ich, als ich mich
daran erinnere,
wie ich ein paar halbleere Schnapsflaschen in die
untersten Schubladen der
Schreibtische einiger besonders lästiger
Nutzer schmuggelte. Leider rief die Pflicht,
so daß ich
nicht zuschauen konnte, wie der Sicherheitsdienst zehn Minuten
später
einem anonymen Tip wegen heimlichen Trinkens am
Arbeitsplatz folgte. Aber man
kann ja nicht alles haben, oder?
Der PJ und ich hatten gemäß den Anweisungen für
eine ´sichere´ Weihnachtsfeier
unsere Getränke
sicher in der Netzwerkzentrale versteckt in Geräten, die
für
Außenstehende wie Feuerlöscher aussehen -
Geräte, die ich mir für spezielle
Gelegenheiten wie
diese aufhebe.
Es ist verblüffend, was man für Geld
kaufen kann. Und wenn es nicht Geld ist, dann
sind es ein paar
Fotos, die einen mit Netzstrümpfen bekleideten und
tanzenden
Arbeitsschutzverantwortlichen auf dem Tisch eines
angeblich privaten Clubs in
London zeigen.
Nach dem
Zwischenfall mit dem Weihnachtsbaum muß ich mich leider auf
die
Erinnerungen des PJ verlassen, da ich wohl einen ganzen
Feuerlöscher hatte und
mein Gedächtnis ungefähr so
klar war wie die Formulierungen eines typischen
Lizenzvertrages
für Software.
Scheinbar hat sich das Geschehen wie folgt
entwickelt:
Gegen 16:15 Uhr half ich dem PJ die alkoholfreie
Bowle auszutauschen, nachdem wir
ein paar Feuerlöscher geholt
hatten, um die zu ersetzen, die wir für das Ausschalten
des
Chefs gebraucht hatten.
Etwa 17 Uhr kam die Feier voll in
Schwung, die Menschen begannen die
´alkoholfreie´
Bowle so sehr zu schätzen, daß ich noch ein paar weitere
Feuerlöscher
holen mußte, um den PJ davor zu bewahren,
Opfer einer spontanen Selbstentzündung
von Orangensaft zu
werden, während er weitere Bowle zubereitet.
Gegen 18:17 Uhr
(so die Zeitangabe auf dem Band der Sicherheitskamera) kletterte
ich
auf einen Tisch und begann das auf unseren Feiern so beliebte Spiel
´Der Chef ist
so dumm´.
"Wie dumm ist er?"
rief die mit Getränken wohlversorgte Menge.
"Er ist so
dumm, daß er nicht einmal IT buchstabieren kann."
"Er
ist so dumm, daß er sich den Fuß beim Neustart seines
Rechners brach."
"Er dachte, vorbeugende
Wartungsmaßnahmen bedeutet, daß der Ingenieur
ausgesperrt
werden muß."
"Er muß für eine
Urinprobe studieren. Aber er ist auch faul."
"Wie faul
ist er?"
"Er hat gerade seine Autobiographie beendet -
In 80 Tagen einmal um die Cafeteria."
Gegen 20:30 Uhr ging es abwärts (oder aufwärts, das
hängt von der Perspektive des
Betrachters ab), die
Mixgetränke waren alle, so daß die Bowle jetzt
eine
Kombination aus Gin und Reinigungsalkohol darstellte. Der PJ
zeigte jedem der es
wissen wollte, wie man einen Rechner mit
Windows NT wirklich sicher macht, und
benutzte dazu nichts weiter
als einen Hammer und den neuen Laptop des Chefs.
Das Ende kam
etwa 22:45 Uhr - wie üblich - als der Chef aus dem
Krankenhaus
zurückkehrte.
Wegen der Verbrennungen im
Gesicht ohnehin schon wütend, wurde seine Stimmung
nicht
gebessert durch die Party-Musik, die aus den Funkgeräten der
Sicherheitsleute
erklang, die Radio IT und seine betrunkenen DJs
sendeten.
Wegen der Verbände erkannte der PJ ihn zunächst
nicht und versuchte, ihn zur
Teilnahme am Spuckwettbewerb zu
überreden - wer am nächsten an die
Kaffeetasse des Chefs
herankommt, gewinnt (und Sonderpreise gibt es, wenn die
Tasse
getroffen wird).
"Schluß!" schrie der Chef und
warf die Bowle-Schüssel um, als er zu den
Plattenspielern
hechtete, um die Musik und die Lichter abzuschalten.
Im Rückblick
betrachtet bin ich sicher, daß der Chef es sich besser zweimal
überlegt
hätte, statt mit seinen nassen Hosen wütend
auf die brennenden Kerzen der
Weihnachtstorte loszugehen. Sogar
mein lückenhaftes Gedächtnis kann sich daran
erinnern,
wie der Chef von Schmerzen gepeinigt mit brennenden Hosen
herumhüpfte.
Wenn sie nur nicht die am nächsten
herumliegenden Feuerlöscher genommen hätten,
dann wäre
das Ende der Feier anders verlaufen. Doch andererseits sind
zwei
Feuerwerke besser als eins, und die Leute hatten Spaß
dabei, sich am Feuerlöscher
abzuwechseln - ein zusätzlicher
Weihnachtsbonus sozusagen ...
Der B.O.F.H. und der PJ
zeigen, daß in der Welt der Netzwerke noch immer Platz
für
Liebe und Mitleid ist ...
"Netzwerk- ... UND Systembetreuung", rufe ich. "Ich
liebe es!"
Der PJ teilt meine Begeisterung für das nun
schier unendliche Potential krummer
Geschäfte. "Was hat
Orwell doch gleich gesagt?" antwortet er fröhlich.
"Macht
korrumpiert. Absolute Macht ..."
"...
macht noch mehr Spaß." beende ich.
Als Folge des
gelungenen Putsches am Ende des vergangenen Jahres haben der PJ
und
ich nun alles bekommen - das Netzwerk, die Rechner, alle Geräte,
das Wissen
über die Strategie des IT-Chefs zum jährlichen
Passwortwechsel - einfach das
gleiche Wort verwenden und nur die
Zahl am Anfang um eins erhöhen.
Das schlägt beinahe
noch die Methode, die er ursprünglich angewendet
hat -
nämlich alljährlich ein ´s´ an das Ende des
Wortes zu hängen.
"Bitte einen neuen Wagen", rufe
ich.
Der PJ drückt einen Knopf und unten in einem
vollgepackten Lagerraum erwacht eine
Bandwechselmaschine zum
Leben. Doch statt aus einer riesigen Rolle Magnetband,
die sonst
zu ihrer Nutzmasse gehört, besteht die derzeitige Ladung aus
sieben Autos
für die Autorennbahn, die wir in dem
verschlossenen Raum aufgebaut haben. Mit der
Überwachungskamera
prüfe ich die Position des Rennwagens und drehe mich dann
zum
PJ.
"Wie wäre es mit einem Wettkampf über zehn
Runden? Der Verlierer muß den
Bandwechsler wieder richtig
bestücken und für den Rest des Tages die
Anrufe
entgegennehmen."
"In Ordnung", sagt der
PJ eingelullt von dem trügerischen Gefühl der
Sicherheit,
welches ihm meine vorherigen Bemühungen geben,
die tragisch in einer dunklen Ecke
endeten.
Ganze 15 Minuten
später ist der PJ unten im Keller und bestückt den
Bandwechsler.
Während er weg ist stelle ich den
Geschwindigkeitsregler an der Fernsteuerung
seines Autos wieder
auf normal - bei einem Geschicklichkeitsspiel zu manipulieren,
wie
konnte ich nur so tief sinken? Jahrelange Praxis, das ist es.
Anfänglich fiel es mir
schwer, doch nun kann ich tiefer
sinken als ein Pygmäe beim Limbotanz.
Bei seiner Rückkehr
wird dem PJ die ganze Last seiner Niederlage bewußt.
Unser
erweiterter Wirkungsbereich bedeutet auch eine gewachsene
Verantwortung und,
das ist schlimm, verstärkten
Nutzerkontakt. Eines der neuen Telefone klingelt. Ich
lächle
versonnen, als der PJ abhebt.
"Hallo, sehen sie, ich habe
mein Passwort für die Personaldatenbank vergessen,
doch ich
muß an diesem Morgen die Datenbank bearbeiten."
"In
Ordnung", antwortet der PJ in einem unerwartet hilfsbereiten
Tonfall. "Bringen
sie nur ihre Nutzerkarte vorbei und wir
ändern es dann hier für sie."
Ich bin gerade
dabei, meinen Kalender auf Termine zu prüfen, als ich bemerke,
wie
der PJ die Lifte in den Wochenend-Modus schaltet - was
bedeutet, daß sie im
Keller verharren.
Ein paar Minuten
später keucht ein stämmiger Mensch aus der
Personalabteilung
durch unsere Tür, nachdem er die zwei
Treppen nach oben erklommen hat.
"Ich bin hier, damit mein
Passwort geändert wird."
"Oh, das tut mir jetzt
aber leid. Der PJ ist gerade hinunter in ihr Büro geeilt, um es
zu
ändern." sage ich, während der PJ sich unter
seinem Schreibtisch verkriecht.
"Er hat mir gesagt, ich
solle heraufkommen." japst unser Besucher.
"Nein, ich
bin sicher, daß er sagte, er käme zu ihnen herunter."
"Oh. Nun, können sie das Passwort denn nicht ändern?"
bittet der Nutzer.
"Ich könnte, doch es ist
wahrscheinlich, daß der PJ meine Änderungen
wieder
überschreiben wird."
"Oh", murmelt
der Nutzer und watschelt davon.
Ein paar Minuten später ist
er wieder am Telefon.
"Es geht um mein Passwort", sagt
er.
"Ah, ja." antwortet der PJ. "Sie waren nicht
in ihrem Büro, als ich dort ankam. Wie
wäre es, wenn sie
hochkämen und ich ändere es dann von hier aus?"
"Aber
ich war gerade bei ihnen und habe mit ihrem Kollegen gesprochen."
"Nun, dann müssen sie eben noch einmal vorbeikommen,
oder?"
Der Hörer fällt auf die Gabel und der PJ
kümmert sich wieder um den Lift.
Nach dem dritten Mal klingt
das Keuchen so schlimm, daß ich den PJ aus seinem
Versteck
herauskommen und das Passwort ändern lasse, bevor der arme Mann
einen
Herzanfall bekommt. Ich weiß, ich weiß, ich bin
ein Weichei ...
Natürlich hätte das alles den armen
Mann weniger angestrengt, wenn der PJ nicht
die Füllung
seines Asthma-Inhalators gegen Heliumgas ausgetauscht hätte, was
ihn
in Panik wegen seiner plötzlich veränderten Stimme
versetzte und schließlich
ohnmächtig werden ließ.
Auf seinem Weg auf den Boden hat er auch noch mein
CD-ROM-Laufwerk
mitgerissen, was mich in eine hinterhältige Stimmung versetzt.
Ich bin gezwungen, den nächsten Anruf anzunehmen, während
der PJ den
Bewußtlosen zur Sanitäterin bringt. Nun,
zumindest plaziert er ihn im Frachtaufzug
und stellt die richtige
Etage ein. Man soll uns nicht nachsagen können, wir
kümmerten
uns nicht um unsere Nutzer.
"Hallo, ich habe ein paar
wichtige Verkaufsdaten auf einer Diskette, auf der steht,
sie sei
im DOS-Format."
"DOS-Format?"
"Ja."
"Das ist leicht. Wechseln sie ins DOS."
"Uh-Ah."
Klickklick.
"Und benutzen sie den FORMAT-Befehl."
"Oh, natürlich."
Und wieder ein erfolgreicher
Schuß in das Fischfaß.
Chaos herrscht im Büro,
und ein Besucher aus der Vergangenheit ist beeindruckt von
den
modernen Ausdrucksformen abnormalen Benehmens ...
Wir begeben uns nun in die Baker Street, wo Sherlock Holmes und
sein ergebener
Assistent, Doktor Watson, aufgrund eines bisher
noch nicht entdeckten Gesetzes
der Quantenphysik in unsere Zeit
transportiert wurden ...
"Es scheint, als hätten wir
uns vorwärts in der Zeit bewegt", entscheidet der
große
Mann.
"Das ist doch unmöglich, Holmes."
rief ich ungläubig.
"Wieso, Watson?" antwortete er
und griff nach seiner Tabakdose. "Bei
verschiedenen
Gelegenheiten habe ich mich selbst davon überzeugen
können,
während ich dieses weiße Pulver genoß.
Den Spiegel bitte, Watson. Doch warum
sind wir hier, das macht mir
Sorgen."
"Ich ..."
"Lassen sie uns
untersuchen, ob es etwas gibt, an dem wir unsere Intelligenz
messen
können."
Und so kamen Holmes und ich zu einem großen
Gebäude, dessen Türen sich wie von
magischer Hand bewegt
selbst öffneten. Eine bewegte Treppe, die, so vermutete
Holmes,
von elektrischem Strom angetrieben wird, führte uns in ein
Untergeschoß,
wo eine rauchende Kiste auf dem Boden lag.
"Ich weiß nicht, wie das passierte", erklärt
ein Mann einem uniformierten Gentleman.
"Ich hatte die
Nutzerbetreuung angerufen, weil das Bild flackerte, und da hat
man
mich mit dem Netzwerk- und Systembetreuer verbunden. Ich war
mit meiner
Erklärung noch nicht fertig, als der Monitor auch
schon in Flammen aufging."
"Haben sie ein Klickgeräusch
gehört, etwa so wie bei einer Schreibmaschine?"
fragte
Holmes den Mann.
"Warum? Ja, stimmt." antwortete der.
"Und konnten sie am Telefon ein Geräusch hören,
das nach einem Lachen klang?"
"Jetzt, da sie es
erwähnen ..."
"Und was ist damit?" fragte
Holmes und zeigte auf ein kleines Gerät, das kleine
Menschen
zeigte, die in Panik durcheinanderliefen.
"Das ist der
Notfall-Raum - es gibt eine Panik, weil der Feueralarm losging und
die
Schalter für das Abschalten des Gasgemischs, das das
Feuer durch
Sauerstoffentzug ersticken soll, nicht funktionieren."
Während wir zuschauten, fiel eine der Gestalten über
ein Kabel.
"Uh-oh. Noch jemand, der gestürzt ist."
"Vermute ich richtig, daß dieser Raum nur selten
benutzt wird?" fragte Holmes.
"Stimmt. Deshalb liegt
überall das Kabel herum." antwortete der Uniformierte.
"Und haben sie zufällig verlangt, daß die
Netzwerk- und Systemleute ihnen diesen
Raum überlassen?"
"In der Tat, das hat man verlangt."
"Genau wie
ich es erwartet habe."
"Was?" fragte der
unifomierte Gentleman.
"Ich bin noch nicht ganz sicher."
antwortete Holmes geheimnisvoll. "Wir müssen
noch
weitere Ermittlungen anstellen. Wenn sie so nett wären, mir zu
zeigen, wo ich
diese Netzwerk- und Systemleute finde, von denen
sie sprachen ..."
"Das kann ich ihnen nicht zeigen,
weil sie eine Zugangskarte brauchen, um in den
Lift hinein- wieder
herauszugelangen. Ich werde sie stattdessen persönlich
hinbringen."
Und so kam es, daß wir einen mechanischen Fahrstuhl
betraten, der uns in eine
höhergelegene Etage das Gebäudes
beförderte.
"Klopfen sie einfach an diese Tür,
damit sie eingelassen werden", raunte der
Uniformierte leise,
als hätte er vor etwas Angst.
Weil ich keine Zeit
verschwenden wollte, klopfte ich, während Holmes
sich
überschwenglich händeschüttelnd von dem
Wachmann verabschiedete. Als er sich
wieder der Tür zuwandte,
hatte es noch keine Reaktion aus dem Raum gegeben,
trotzdem ich
durch das Glas Menschen sehen konnte, die sich durch das
Zimmer
bewegten.
"Es sieht nicht so aus, als würde
man uns aufmachen, Holmes."
"Unsinn", sagte er und
schob eine flache Karte durch einen Spalt. Mit einem
Piepston
öffnete sich die Tür.
"Guter Gott!" rief ich
aus. "Wo haben sie diese Karte her?"
"Aus der
Geldtasche des Wachmannes."
"Aber braucht er sie nicht,
um den Fahrstuhl wieder verlassen zu können?"
Holmes
dachte für einem Moment nach und lauschte aufmerksam. Ein
gedämpftes
Klopfen war entfernt zu hören ... "Es
scheint so."
Bei unserem Eintritt in den Raum fanden wir
zwei Männer, einen jüngeren mit
Hautausschlag im Gesicht
und einen etwas älteren, von dem eine Aura der Macht
ausging,
die mich unwillkürlich an Holmes erinnerte. Eine wortlose
Verständigung
schien zwischen ihnen stattzufinden.
"Ich
glaube, ich kann dieses Rätsel nun lösen", sagte
Holmes.
"Aber erst ein paar Biere." rief der ältere
der beiden Fremdlinge.
Knapp zehn Minuten später saßen
Holmes, ich, die beiden Männer und vier Frauen in
einer
nahegelegenen Taverne und genossen ein paar Biere.
"Und
wieder ein erfolgreich gelöster Fall", murmelte Holmes.
"Sie haben doch auf
meinen Tabakdose geachtet, Watson?"
"Ihre spezielle Tabakdose, Holmes?"
"Ja, die,
die ich für Gäste reserviert habe."
"Ziemlich
.... Verdammt - das ist Puder mit Cayennepfeffer. Ich dachte, daß
sie sie
für Gäste reserviert hätten!"
"Nun,
natürlich ist das so, Watson. Das würde ich doch niemals
selbst genießen,
oder?"
"Sie verdammter Hund,
Holmes!"
Durch tränende Augen sah ich, wie Holmes den
Fremden die Hände schüttelte.
Rätsel über
Rätsel ...
Die Midlife-Krise des
IT-Chefs und wie aus einer Karriere als Fotomodel eine
Qualifikation
für eine leitende Position wurde ...
Es ist wirklich mitleiderregend. Schmerzlich wird
Abteilungsleitern in einem
bestimmten Alter immer bewußt,
daß sie nicht mehr länger zu den Jüngeren oder
auch
nur zum mittleren Alter gehören. Und dann versuchen sie, durch
eine plötzliche
Änderung ihres Lebensstils dies zu
kompensieren.
Und so kam es, daß der IT-Chef sich ein
Designer-Handy, einen Laptop sowie ein
neues Kabriolett zulegte -
und eine auffallend junge Schwätzerin als Beraterin.
Es ist
leicht zu sehen, daß ihre Erfahrung in der Model-Branche soviel
mit
Informations-Systemen zu tun hat, daß selbst das
Blättern in Hochglanzmagazinen
ihre Qualifikation schon
merklich verbessert ...
"Ich sehe nicht, weshalb sie ein
Problem darstellt", ruft der Chef.
"Sie kann nicht
einmal IT buchstabieren und macht jetzt Zusagen an jeden, der
sie
danach fragt." protestiere ich.
"Sie muß
aber etwas über IT wissen, sonst hätte sie diese Position
nicht besetzen
können." antwortet der Chef und bestätigt
damit meinen Verdacht, daß er ein
Mitglied von NaivetE
International ist.
"Na gut. Wie lange brauchte sie gleich
noch, um ihren PC einzuschalten?"
"Der Schalter ist
wirklich schwer zu finden." antwortet er mit der Loyalität
eines
Terriers.
Meine schlimmsten Ängste werden wahr, als
sie entscheidet, daß wir eine ganze
Ladung Netzwerk-Computer
(NC) anschaffen werden, "weil wir uns dann nicht
mehr um die
Aufrüstung kümmern müssen". Diese schlecht
durchdachte
Entscheidung hat den Segen des Chefs bekommen, so daß
sie nun bei mir landet,
damit ich mein technisches Einverständnis
erklären kann. Ich werfe das Formular
schneller in den
Zerkleinerer als der durchschnittliche Nutzer ´Wo ist
meine
Festplatte?´ buchstabieren kann.
In Rekordzeit
steht der Chef in unserem Büro.
"Diese
Netzwerk-Computer sind großartig", stößt er
hervor und wedelt mit ein paar
Hochglanzbroschüren.
"Und
wieso sind sie das?" frage ich.
"Weil sie sich wie PCs
ohne Festplatte verhalten." ruft er. "Sie sind
hervorragend,
weil alles, was sie zum Laufen brauchen, vom Server
geladen wird."
"Klingt nach einem dummen Terminal mit
Grafik und Klangwiedergabe."
"Uh ... nein, viel
schneller und in Farbe."
"Also ist das so, als würde
man einen Schwarzweißfernseher gegen einen
Farbfernseher
tauschen."
"Uh ... nicht ganz."
"Wir
verabschieden uns also von unabhängigen Computern und setzen nun
solche
ein, die davon abhängen, daß der Server
funktioniert - wie in den alten Tagen mit den
Terminals. Und wenn
der Server gerade abgestürzt ist, dann kann auch
niemand
arbeiten. War das nicht eigentlich der Grund, weshalb wir
unabhängige PCs
angeschafft haben?"
"Ähm
.... Nein, nicht wirklich."
"Oh. Dann unterscheiden sie
sich also von einem, sagen wir, Arbeitsplatz-PC
wodurch?"
"Dadurch, daß wir die Technik nicht aufrüsten
müssen. Es wird wie bei ihrem
Farbfernseher sein", ruft
er triumphierend. "Wenn sie erstmal einen haben, brauchen
sie
sich nie wieder Gedanken über seine Aufrüstung zu machen -
wir müssen nur die
Software auf dem Server aktualisieren."
"Auch dann nicht, wenn die Programme mehr Arbeitsspeicher
verlangen?"
"Nein."
"Auch nicht, wenn die
Programme die neuesten Spielereien ausnutzen
wollen - denken wir
an Stereo-Bilder, Dolby Surround oder Widescreen?"
"Sehen
sie, wir werden so oder so ein paar dieser Dinger anschaffen.
Unterschreiben
sie einfach!" ruft der Chef.
Also, was
soll´s, denke ich mir, soll er seine Unterschrift bekommen. Ich
kritzle
einen Namen auf das Formular. Natürlich nicht meinen,
aber wen wird das schon
stören? Abgesehen vom Chef natürlich,
sofern jemand die Unterschrift mit seiner
vergleicht.
"Und
da sie mit der gleichen Technologie arbeiten sollten, mit der auch
ihre Nutzer
arbeiten, bestellen sie gleich ein paar für sich
mit."
BASTARD!!
Ein paar Tage später sind die
Netzwerk-Computer da und werden zum Test auf
verschiedene
Abteilungen verteilt. Der PJ und ich bringen unsere zum Laufen,
indem
wir ihre Innereien gegen die eines modernen Laptops
austauschen - doch von außen
sehen sie noch immer aus wie
die Original-NCs.
Das Blutbad kann beginnen!
Fernwartung ist
eine hervorragende Erfindung, ganz besonders dann, wenn man
damit
andere Rechner neu starten kann. Ich ersetze in der Netzwerkversion
von
Doom die Gesichter der Monster mit denen der NC-Nutzer und
sorge dafür, daß bei
ihrem Tod ihr Netzwerk-Computer
neu gestartet wird. Wenn ich einen Nutzer töte,
stirbt auch
der Netzwerk-Computer.
Natürlich, das ist nicht sehr
sportlich, also rufe ich die Nutzer an und gebe ihnen eine
Chance.
Doch wie groß kann die Chance schon sein, wenn man eine Kopie
des Spiels
benutzen muß, die auf dem Server liegt und nur
die Benutzung der Pistole erlaubt?
Trotzdem ist es interessant zu
sehen, wie ein Erbsenzähler zu kämpfen vermag,
wenn er
die nächsten zwei Stunden mit der Tabellenkalkulation arbeiten
will und im
Spiel gewinnen muß, damit er die Funktion zum
Speichern nutzen kann.
Zur unserer Überraschung lehnen die
meisten Nutzer die Netzwerk-Computer ab, so
daß sie nach nur
4 Tagen (und 327 getöteten Nutzern) außer Betrieb
genommen
werden.
"Ich habe an eine PC-Variante dieses
Spiels gedacht", kommentiert der PJ.
"Das gleiche
Spiel, nur daß es den Prozessor der Arbeitsplatz-PCs zum
Stillstand
bringt?"
"Wollen sie damit sagen, daß
sie auch schon daran gearbeitet haben?"
"Ich habe daran
gedacht, es installiert und warte nur noch auf neue Mitspieler
mit
einem Gewehr."
Der Chef ist auf der Spur
zweier mysteriöser Angestellter, C. Omputer und R.
Amchip,
doch der B.O.F.H. schaltet sich ein ...
Wenn der PJ und ich an der Spitze stehen, ist es einfach, daß
Netzwerk am Laufen
zu halten, doch wenn sich der Chef einmischt,
um das zu tun, was er als seine
Aufgabe ansieht, wird es schwierig
....
"Wer ist dieser Charles Omputer?" fragt er und
schielt auffällig auf ein paar Zettel
mit
Arbeitszeitabrechnungen.
"Nie von ihm gehört."
"Natürlich haben sie, denn sie haben seine Abrechnung
unterschrieben."
"Charles Omputer? ... Oh, sie meinen
Chazzer. Er ist ein Teilzeitarbeiter, der uns
dabei geholfen hat,
die Telefonkabel zu ersetzen, die durchbrannten, weil ein Idiot
mit
seinem Computer die Sicherungen auf seinem Schreibtisch
blockierte."
"Sie wissen genau, daß die Sicherung
defekt war. Wie auch immer, ich weiß nicht,
wieso mein
Computer so weit zurückgeschoben wurde."
Der PJ könnte
nicht unschuldiger blicken, selbst wenn er es versuchte.
"Und
das hätte die Telefonleitungen nicht beeinflussen dürfen",
fährt der Chef fort.
"Nicht, wenn nicht jemand
entschieden hätte, dadurch Kosten zu sparen, daß wir
die
zusätzlichen Stromleitungen für die Büros in
den Kabelschächten für die
Datenleitungen verlegen ...."
Der Chef scharrt mit dem Fuß. "Trotzdem, Herr Omputer
hat Überstunden
abgerechnet, oder?"
"Ja, aber
das ist nicht unser Fehler. Schließlich haben sie uns
beauftragt, Frank
Irmware in der vergangenen Woche zu feuern, weil
er den Server zum Absturz
brachte."
"Wir können
uns solche Fehler nicht leisten", sagt der Chef hart. "Wir
müssen
wachsam sein. Können wir einen Ersatz einstellen
für Omputer?"
"Nun, wir haben einen Lebenslauf von
Roger Amchip."
"Wie ist er?"
"Er ist seit
Jahren im Computerbereich tätig." flötet der PJ.
"Es
hat den Anschein, als würden wir ziemlich viele Ausländer
beschäftigen",
kommentiert der Chef. "Und wie kommt
es, daß ich sie niemals treffe?"
"Nun, sie wissen
ja, wie sie sind - jung, neugierig und voller Tatendrang."
"Ja.
Nun, dann rufen sie diesen Amchip an und vereinbaren ein Treffen mit
ihm. Aber
machen sie ihm klar, daß ich keine Überstunden
bezahlen werde!"
Arschloch.
"Wie weit ist ´Omputer´
mit der ´Kabelreparatur´ vorangekommen?" frage ich
den PJ.
"Sollte morgen fertig sein ..."
"Und es sieht
noch immer aus, als seien wir schwer beschäftigt?"
"Gemessen an der gedrückten Stimmung im Tee-Zimmer
scheint es so zu sein ..."
Ich habe es nicht nur einmal
gesagt, sondern tausendmal - es sind die kleinen Dinge,
die
zählen. Man kann nicht einfach nur 50 Telefonkabel in der
Vermittlung aus den
Anschlußdosen herausziehen, eine
Sicherung mit Klebstoff außer Gefecht setzen
und dann alles
auf einen Kabelbrand schieben, der angeblich den Telefonhub der
Etage
zerstörte - was mindestens zwei Wochen Überstunden
bedeutet. Nein, man
muß auch so tun, als arbeite man unter
Hochdruck an der Problembeseitigung,
während man in der
Vermittlung die Telefonkabel wieder in die entsprechenden
Dosen
steckt - fünf pro Nacht, um genau zu sein.
Und deshalb
lassen der PJ und ich Kabelstücke und Isoliermaterial auf dem
Boden in
einem der Büros herumliegen - gleich neben der
Pflanze, die nur dürftig ein irrtümlich
in die Wand
gehämmertes Loch verdeckt. Und es geht doch nichts darüber,
ein wenig
Wechselgeld von einem der Nutzer zu stehlen und
Zigarettenstummel in ihren
Kaffeetassen zu hinterlassen, um jedem
Verdacht, es würde gar nicht an der
Verkabelung gearbeitet
oder es gäbe gar keinen Teilzeitarbeiter, der uns dabei
hilft,
vorzubeugen.
Mit wenig Aufwand kann man so jeden
Verdacht wirksam bekämpfen.
Womit nur noch das Problem mit
Roger Amchip zu lösen wäre ...
Der Chef kommt
rechtzeitig in sein Büro, um zwei Beine zu sehen, die unter
seinem
Schreibtisch hervorlugen. Da er ein absoluter Schwächling
ist, läßt er mich
nachschauen. Ich schalte die
Sicherung an seinem Schreibtisch ab und rutsche ein
wenig herum.
"Kein Puls", rufe ich.
Der Chef schreit in Panik
auf und läßt sich sein letztes Abendessen
mit
Hochgeschwindigkeit noch einmal durch den Kopf gehen.
"Ich
werde die Ambulanz rufen."
"Keine Chance. Er ist
eiskalt - hier, fühlen sie an seinem Bein."
Der Chef
berührt widerwillig das Bein. "Guter Gott. Wer ist das?"
fragt er mit
gedämpfter Stimme.
"Amchip. Er war
gestern abend so wild darauf, endlich arbeiten zu können. Es
muß
ein Stromschlag gewesen sein. Hätten wir nur
niemals die Stromkabel zusammen mit
den Datenkabeln in einem
Schacht verlegt."
"Wir müssen die Polizei rufen."
"Das stimmt. Und, wenn ich das so sagen darf, das ist sehr
tapfer von ihnen."
"Was?"
"Daß sie
sich der Verantwortung stellen wollen. Viele Leute hätten
einfach Amchips
Witwe einen Scheck überreicht, damit sie
vorgibt, er sei spurlos verschwunden, statt
wegen Totschlag vor
Gericht zu landen."
"Totschlag!"
"Nun, es
war doch nicht vorsätzlich, oder? Obwohl, es ist ja bekannt, was
sie von
Überstunden halten ... Arme Frau Amchip."
"Meinen sie, sie würde Geld akzeptieren?"
"Nun,
wir leben in harten Zeiten. Ich denke, sie würde sich eine gute
Ausrede
einfallen lassen, weshalb ihr Mann verschwunden ist."
Der Chef holt in Rekordzeit sein Scheckheft heraus ...
"An
wen soll der Scheck gehen?"
"Charlotte Amchip. Nein,
das wäre zu verdächtig ... Schreiben sie ihn für
ihr
gemeinnütziges Projekt aus - Charlotte Amchips
Schizophrenie Hospiz."
"Wie wird Schizophrenie
buchstabiert?"
"Oh, nehmen sie einfach die
Anfangsbuchstaben."
Eine Stunde später beruhigt der
Chef seine Nerven mit einem Drink, der PJ und ich
feiern unsere
neueste Bonuszahlung und der Chef der Arbeitsschutzinspektion
kriecht
ein wenig auf dem Boden herum, nachdem er seine
Modellpuppe
wiedergefunden hat, mit der er immer die verschiedenen
Beatmungstechniken
demonstriert.
Es ist doch schön, daß
sich die Dinge immer zum besten entwickeln, oder?
Als der B.O.F.H. einen
Wochenendausflug zur Stärkung des
Zusammengehörigkeitsgefühls
vorschlägt, muß das etwas mit dem teuflischen
Gebräu
vom Vortag zu tun haben ...
"Natürlich habe ich das erledigt!" schreit der PJ
wütend und wirft den Telefonhörer
auf die Gabel.
Ich
spüre die Spannung, die in der Luft liegt, und frage ihn, was
los ist.
"Ein verdammter Nutzer - er war beim Chef und hat
sich über die Geschwindigkeit
seines Netzanschlusses
beschwert. Natürlich hat der Chef ihm versprochen, daß
ich
das Problem löse ..."
"Und sie haben die
Arbeitszeit nicht als Überstunden abgerechnet?"
"Ich
bin krank wegen all der Überstunden."
Der arme Kerl
wird noch verrückt, wenn er mehr Zeit im Büro verbringt.
Ich erinnere
mich noch gut an meine tiefen Depressionen, nachdem
ich einen weiteren Tag damit
verbracht hatte, Anrufe
entgegenzunehmen, in denen sich die Nutzer über
nichtfunktionierende
Passwörter beschwerten, die natürlich nicht funktionierten,
weil
sie die Shift-Taste gedrückt hatten. Meine Depressionen
lösten sich allerdings auf,
als ich die wundersame Wirkung
von Elektrizität, etwas Klebstoff und Stanniolpapier
entdeckte.
Doch das ist eine andere Geschichte.
"Was sie brauchen",
antworte ich und bemerke einen Schatten hinter dem Glas
unserer
Tür. "Was sie brauchen, ist eine Pause. Eine Chance, um
sich wieder als
Mitglied eines Teams fühlen zu können.
Wenn es etwas gibt, was die Harmonie am
Arbeitsplatz bessert, dann
ist es das Gefühl, zu einer Gruppe zu gehören, die
eine
gemeinsame Aufgabe löst."
Ich unterbreche den
PJ, der nach dem Branchenbuch greift - zweifellos um nach
einer
psychiatrischen Klinik zu suchen -, und deute auf den unscharfen
Schatten des
Chefs hinter der Tür.
"Aber das ist
keine gute Idee."
"Warum nicht?" spielt der PJ
mit.
"Verraten sie es nur nicht dem Chef, aber in einer
Firma, in der ich einmal gearbeitet
habe, hat ein Wochenende zur
Ausbildung des Teamgeistes zu einer solchen
Verbesserung des
Arbeitsklimas und der Produktivität geführt, daß
danach 30
Prozent der Belegschaft entlassen wurden."
Als
ich wieder zur Tür blicke, ist der Schatten verschwunden.
Später am Nachmittag kommt der Chef großzügig
lächelnd vorbei.
"Ich weiß, daß das jetzt
etwas kurzfristig kommt", sagt er und beobachtet uns
aufmerksam.
"Doch ich habe festgestellt, daß die Moral bei uns
ziemlich am Boden
ist. Also dachte ich, daß einige von uns
an einem Wochenende zur Stärkung des
Zusammengehörigkeitsgefühls
teilnehmen sollten. Ein Hotel in Brighton hat noch
freie Zimmer,
Konferenzräume und Möglichkeiten zur Erholung. Ich dachte
an dieses
Wochenende?"
Die 30 Prozent müssen ihn
wirklich gepackt haben, denn fast die halbe IT-Abteilung
steht auf
seiner Liste. Der PJ und ich zieren uns erst ein wenig, um dann
das
Angebot zu akzeptieren.
Es wird Freitagnacht und der PJ
und ich finden uns zusammen mit den anderen
Schafen der Abteilung
in einem Hotel wieder. Dank eines seltsamen Zufalls erlauben
die
elektronischen Schlüssel dem PJ und mir nicht mehr, die Türen
der gebuchten
Zimmer zu öffnen. Statt dessen öffnen sie
die großen Suiten an den
gegenüberliegenden Gangenden
für uns.
"Wer sind wir, daß wir mit dem Schicksal
hadern?" frage ich den PJ und stecke
den
Magnetkarten-Programmierer wieder ein.
"Wir sehen uns
morgen."
Der Morgen kommt, und es ist Zeit, daß wir
für unsere Sünden büßen ...
Der Chef der
IT-Abteilung will eine Übung zur Vertrauensbildung durchführen,
bei
der das Opfer sich auf einen Tisch stellt und sich nach hinten
in die Arme eines
Kollegen fallen läßt. Doch
seltsamerweise hat plötzlich niemand mehr Interesse an
dieser
Übung, als der PJ in einem besonders kritischen Moment Kevin
Costner
draußen vorbeigehen sieht.
Unser Chef läßt
sich auch von dem bedauerlichen Unfall, der den IT-Chef ans
Bett
fesselt, nicht davon abbringen, uns mit unzähligen
Spielen zu bezaubern.
"Ich halte das nicht mehr aus!"
japst der PJ, als wir schließlich gegen 20 Uhr in die
Bar
verschwinden können.
"Ich weiß. Das ist ein
verdammter Alptraum."
"Und er wird morgen eine weitere
dieser ´Vertrauensübungen´ veranstalten, bei
der
einer Person die Augen verbunden werden, während jemand
anderes sie um das
Gebäude leiten muß."
"Widerlich. Obwohl ..."
"Nein, nein, er hat
gesagt, daß er sich nicht daran beteiligen wird. Doch
davon
abgesehen, er weiß, wo die Treppen und Balkone sind."
"Verdammt! Nun, besondere Zeiten erfordern besondere
Maßnahmen."
"Was wollen sie tun?"
"Ich
kaufe dem Chef ein oder zwei Drinks."
Ein paar Stunden
später habe ich die Schlüsselkarte aus der Tasche des
Chefs
stibitzt und mache mich auf den Weg in sein Zimmer, während
der PJ ihn an der Bar
festhält ...
Am nächsten
Morgen sind alle an Deck, doch der Chef läßt sich nicht
blicken. Ich
geselle mich zu den Zuschauern.
"In Ordnung,
was haben sie getan?" fragt der PJ neugierig.
"Raten
sie."
"Sie haben seine elektrische Wärmedecke
unter Wasser gesetzt?"
"Nein."
"Sie haben
seinen Toilettensitz zum Leben erweckt?"
"Nein, aber es
wird schon wärmer."
"Wieviel wärmer?"
"So warm wie, sagen wir, Jalapeno-Pfeffer umhüllt von
Glyzerin und an einer
strategisch wichtigen Stelle auf dem Regal
mit den Pillen plaziert, so daß ein
Betrunkener sie vor dem
Schlafengehen zuerst greifen muß."
"Sie Bastard!
Wird er noch kommen?"
"Keine Ahnung." Ich denke
ein wenig über das Thema nach. "Wie groß sind wohl
die
Chancen, daß die Polizei jemanden entläßt,
den sie nackt in der Empfangshalle eines
Hotels dabei erwischte,
wie er den Eisautomaten verprügelte?"
"Ungefähr
so groß, wie die Chance, daß die heutige Übung zur
Stärkung des
Zusammengehörigkeitsgefühls nicht in
der Bar stattfindet?"
"Exakt." antworte ich und
bin stolz, daß der PJ über eine so
schnelle
Auffassungsgabe verfügt. "Ich nehme ein Bier."
Eine Inventur muß
durchgeführt werden und unbequeme Fragen warten auf
Antworten,
doch der B.O.F.H. bleibt eiskalt, auch als es heiß wird ....
Ich hasse die Zeit der Inventur. In jedem verdammten Jahr das
gleiche Ritual: man
muß herumlaufen und die Seriennummern,
die auf jedes Gerät geklebt wurden,
aufschreiben. Irgendein
Trottel meint wohl, man könne damit den Diebstahl
von
Firmeneigentum verhindern. Und dann kommt noch die
unvermeidliche Stichprobe,
um sicherzugehen, daß wir nicht
gelogen haben.
Es wäre natürlich nur dann wirklich
mühsam, wenn wir nicht eine Liste mit den
Seriennummern und
keine Kontrolle über das Programm hätten, das die
Geräte
aussucht, die kontrolliert werden sollen.
Und wenn
es tatsächlich jemanden gäbe, der eine Festplatte mit einer
Kapazität von
5 Megabyte, das 600 Bits pro Zoll-Bandlaufwerk
oder die Speichererweiterung für
den ZX81 stehlen würde,
dann wäre das wirklich ein Anlaß für Fragen.
Natürlich sind die Geräte, die zu unserer Stichprobe
gehören, alle da und in
perfektem Zustand - schließlich
brauchen wir sie ja auch nur ein paar Stunden pro
Jahr. Und sollte
sich die Stichprobe ändern, dann hätten wir noch viel Platz
in einem
der verlassenen Lagerhäuser in Peckham, die mit all
dem Gerümpel gefüllt werden,
das niemand klauen würde.
Nicht, daß das wirklich nötig wäre. Die
beängstigende Fluktuation bei den
Erbsenzählern sorgt
dafür, daß die Chance, zweimal den gleichen Prüfer zu
haben,
ungefähr so groß ist, wie die Chance, daß
jemand die drei Autos entdeckt, die der
Chef in der genannten
Lagerhalle hinter Umzugskartons versteckt hat.
Das ist eben das
gute an einem hervorragenden Alarmsystem - es läßt
keine
Klingeln ertönen, um Einbrecher abzuschrecken - es
schickt einfach die Bilder auf
meinen Rechner.
Und so kam es,
daß der PJ und ich die Ankunft dreier brandneuer,
hochmoderner
Autos im Langzeitspeicherbereich des Lagerhauses
mitbekamen.
Der Chef, gerade zurückgekehrt von der Polizei,
ist natürlich zu bedauern. Er hat
versucht, sich beim
Geschäftsführer einzuschmeicheln, indem er den
jährlichen
Austausch der Fahrzeuge der Chefetage zu einem
besonders günstigen Geschäft
machen wollte. Doch er hat
einen Fehler gemacht.
Es scheint, als wurde - von ihm unbemerkt -
auf dem Bestellschein Mercedes durch
Lada ersetzt. Und statt die
Bestellung an einen reputierlichen Händler für
Luxuswagen
zu faxen, hat wohl ein Speicherfehler dafür gesorgt, daß
die Bestellung
an einen weniger angesehenen Händler für
Billigautos geschickt wurde. Einen
Händler, der, so wollte es
das Schicksal, auch drei brandneue Ladas hinten in seinem
Vorführraum
stehen hatte - seit sechs Jahren.
Der Chef hat die Lieferung
trotzdem gut überstanden. Besser übrigens als
das
wiederholte Spielen von Johnny Cash´s "Ring of
Fire" in der Kantine, nachdem er
sich von der unorthodoxen
Medizin erholt hatte, die er auf dem letzten
Wochenendausflug zur
Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls zu
sich
genommen hatte.
Und so kommt es, daß ich eine Spur
von Feindschaft spüre, als der Chef sich
herabläßt,
um einen Erbsenzähler bei der Prüfung unseres
Bestandsberichtes zu
begleiten.
"Eine 600 Bit pro
Zoll-Bandmaschine?" fragt der Prüfer.
"Ja, die
steht gleich hier", antworte ich und zeige auf das Ungetüm.
"Die stand gestern aber noch nicht da!" ruft der Chef
und riecht wohl den Braten.
"Stimmt, wir mußten sie
wegen der neuen Verkabelung umstellen." antworte ich in
einem
Tonfall, der überzeugend klingt - ich habe mich eben
vorbereitet.
"In Ordnung. Eine Seagate-Festplatte mit 5
Megabyte Speicherkapazität?"
"Die läuft im
E-Mail-Server."
"Aber wir benutzen solche kleinen
Festplatten doch gar nicht mehr!" ruft der Chef
wieder.
"Ich
fürchte, da irren sie sich." antworte ich. "Denn die
Server-Software läuft auf
einem alten XT, der nur mit alten
MFM-Festplatten umgehen kann."
"Das ist ja lächerlich."
ruft er, greift sich den Papierstapel des Prüfers und
blättert
wütend darin herum.
"Wie steht es mit
dem 29 Zoll-Fernseher?"
"Der Monitor mit Textanzeige?"
frage ich. "Der steht nicht hier, sondern im
Beratungszimmer
des Geschäftsführers."
"Gut, und wo ist die
Sega-Spielkonsole?"
"Die steht in der
Personalabteilung. Sie wollen sie der Kinderkrippe für
die
Angestellten überlassen." antworte ich ohne mit der
Wimper zu zucken.
"Richtig", sagt er entschlossen. "Und
die neue Klimaanlage, die für diesen Raum
bestimmt war - wo
ist sie?"
"Noch im Warenlager, denke ich."
"Nein,
das habe ich am Morgen überprüft. Sie sagten, sie sei schon
zu ihnen
geschickt worden."
"Nun, dann steht sie
möglicherweise vor dem Frachtaufzug."
"Nein, aber
ich habe eine Idee, wo wir sie finden können. Sie haben eine
schöne
Wohnung, nicht wahr?" fragt er und zeigt eine
Außenaufnahme meiner Wohnung, auf
der die neue Klimaanlage
zu sehen ist.
"Nun, ich war so von den Daten der Anlage
beeindruckt, daß ich mir ebenfalls eine
zugelegt habe."
"Und wo haben sie die gekauft?" fragt er gehässig.
"Das war in dem Lager in Peckham, oder?" mischt sich
der PJ ein, um mich zu retten.
"Wegen all der
hitzeproduzierenden Technik, die wir erst neulich
ausgemustert
haben", erinnert er sich.
"Ja, stimmt",
fällt es dem Chef jetzt ein. "Natürlich, ich hätte
es wissen müssen.
Nun, damit wäre das Problem ja
geklärt."
Schneller als man ´verminderte
Zurechnungsfähigkeit´ aufsagen kann sind der Chef
und
der Prüfer verschwunden.
"Er wird das gegen uns
verwenden, das wissen sie", murmelt der PJ.
"Ja, ich
weiß. Und das ist einfach nicht gerecht. Nun, wie buchstabiert
man doch
gleich ´Trabant´?"
Die Service-Abteilung
wittert Morgenluft, doch der B.O.F.H. hat einen schlauen
Plan, um
sie wieder zurechtzustutzen ...
Ich sitze an meinem Tisch, als der PJ kurz aufblickt. Er ist
gerade damit beschäftigt,
Nutzern zu helfen, die sich über
Geschwindigkeitsprobleme beim Zugriff auf den
Backup-Server
beschweren.
"Das Kill-9-Kommando funktioniert nicht mehr."
"Stimmt. Ich habe es neu geschrieben und mit ein paar
Erweiterungen versehen,
damit wir mehr machen können, als nur
´Hang up´ als Parameter einzugeben."
"Wie
lauten die Parameter denn?"
"Sie sind vielfältig -
alles, was ein guter Systemadministrator braucht."
"Was?"
"Nun, schauen sie - da wäre zunächst
´Kill-Godfather´, das sich einem laufenden
Prozeß
von hinten nähert und ihn in einer ruhigen Ecke abschießt.
Und zusätzlich,
wenn wir schon dabei sind, hinterläßt
es das Bild eines Pferdekopfes als
Bildschirmschoner."
"Bezaubernd."
"Dann haben wir ´Kill-CIA´,
was den Prozeß beendet, es aber so aussehen läßt,
als
handele es sich um einen ganz natürlichen Vorgang."
"Uh-huh."
"Natürlich wird bei einer
Untersuchung der Protokolldateien das Wort ´Grashügel´
auffallen,
was die Leute aus der Forschungs-Abteilung auf die Beine bringen
dürfte."
"Ja ..."
"Hm, ´Kill-Shotgun´, wenn
sie sich nicht mehr an die korrekte Nummer des
Prozesses erinnern
können. Damit werden gleich alle Prozesse, die ähnliche
Nummern
haben, beendet. ´Kill-Driveby´ beendet den gewünschten
Prozeß und
gleich noch den mit der nächsthöheren
bzw. nächstniedrigeren Nummer."
"Ist das nicht ein
wenig zu viel?" fragt der PJ milde lächelnd.
"Nein,
´Kill-viel´ beendet alle laufenden Prozesse, schickt eine
widerliche E-Mail
an Bill Gates, in der steht, wie wir gegen die
Lizenzverträge verstoßen, überschreibt
dann den
Kernel des Betriebssystems und läßt das System abstürzen.
Oh, und es
stellt einiges mit den Arbeitsplatzrechnern an."
"Das System ist gerade abgestürzt."
"Ja,
´-viel´ ist die Standardvorgabe, wenn der Nutzername
´Service´ ist. Ich habe
ihnen die entsprechenden
Rechte gegeben, so daß sie nun über all die
Macht
verfügen, die sie im Service so dringend wollten."
Das Telefon klingelt und etwas sagt mir, daß es die
Service-Leute mit einer
Beschwerde sind. Manche Leute sind wohl
nie zufrieden.
"Sie wissen, was das bedeutet, oder?"
fragt der PJ ängstlich.
"Daß die
Service-Abteilung arbeitet? Ja, ich weiß. Ich hatte gehofft,
daß die
Schachtel mit Stiften uns ein oder zwei Wochen Ruhe
verschafft, die sie mit ein paar
simplen Spielen zubringen, doch
der Chef hat ihnen die Stifte nach den ersten paar
Tagen wieder
weggenommen."
"Wir können es nicht zulassen, daß
die Service-Leute sich um Probleme
kümmern - es hat zwei Tage
gedauert, bis die Datenbanken wieder liefen."
"Stimmt -
nun, dann habe ich einen Plan ..."
Der nächste Tag
kommt, und ich erwarte die Belohnung für meine Mühen.
Und
erwartungsgemäß meldet sich das Telefon ziemlich
früh.
"Die Diktiersysteme sind irgendwie kaputt",
sagt der Service-Gnom.
"Und was ist das genaue Problem?"
frage ich.
"Nun, das Sprachmodul für normales Englisch
ist auf allen Arbeitsplatz-PCs
verschwunden, so daß die PCs
die Nutzer nicht mehr verstehen. Und das Programm
zur Anpassung
der Sprache ist ebenfalls verschwunden."
"Aha."
antworte ich nachdenklich und winke dem PJ. "Sie sagen also, daß
bei allen
PCs die Nutzereinstellungen zur Spracheingabe nicht mehr
wiederherstellbar sind,
was möglicherweise eine Folge des
Server-Absturzes ist, den ihre Abteilung
gestern verursachte?"
"Ja."
"Aber sagen sie nicht, daß auch
die Installations-CDs verschwunden sind!"
"Ja, woher
wußten sie das?"
"Ein Zufallstreffer", ruft
der PJ.
"Aber müßte es da nicht noch andere
Sprachmodule neben dem für normales
Englisch geben?"
"Ja, das ist eine seltsame Sache."
"Tatsächlich?"
"Ja, da ist ein Sprachmodul, das ich vorher nie gesehen
habe. Es heißt ´Betrunkener
Schotte´."
"Wirklich?"
"Ja, aber ich weiß nicht,
was das ist."
"Nun, es gibt nur einen Weg, es
herauszufinden. Nehmen sie eine Flasche Scotch
und gehen sie zu
Don McCloud in der dritten Etage, lassen sie ihn den Scotch
trinken
und setzen sie ihn dann auf das Sprachmodul an."
"Das ist nicht ihr Ernst."
"Stimmt. Sagen sie
einfach den Erbsenzählern, daß sie ihre Berichte selbst
eintippen
sollen."
"Aber die sollen morgen gedruckt
werden."
"Nun, was auch immer sie tun, vergessen sie
nicht, daß Don nur Single-malt Scotch
trinkt."
Kaum
hat er aufgelegt, rufe ich Don an und setze ihn ins Bild. Er nimmt es
wie ein
echter Profi, stürzt sich auf die Aufgabe und hat
auch keine Probleme damit, von
anderen verstanden zu werden. Doch
seine Bemühungen, ohne Akzent zu sprechen,
enden, als ich ihm
etwas über Diskriminierung am Arbeitsplatz erzähle und wie
das
in den Zeitungen aussehen würde.
Später lauschen
wir in der Kneipe seinem Bericht ...
"Nun, ein paar von
ihnen haben den Akzent wirklich gut gemeistert", murmelt
Don
nachdem er zwei Tage hauptsächlich damit verbracht hat,
Scotch zu trinken. "Aber
ich habe gehört, daß sie
es nun gar nicht mehr brauchen, da die
Original-Sprachmodule am
Montag neu installiert werden sollen."
"Oh, machen sie
sich deswegen keine Sorgen", antworte ich. "Es ist nur eine
Frage
der Zeit, bis ein Service-Mensch die Worte ´Computer,
Kill, Minus, viel´ für die
technische Dokumentation
diktiert."
Ein betrunkener Erbsenzähler, der wie Sean
Connery an einem schlechten Tag klingt,
bringt die nächste
Runde.
Eine schmutzige Arbeit, aber jemand muß sie ja
machen ...
Aufgeben oder Kürzungen
seines Budgets hinnehmen - was wird der B.O.F.H. tun?
Nun, mit der
Hilfe von Eis und Ausrüstung für Ausgrabungen ....
Man kann sich unentdeckt immer nur eine bestimmte Zeit vor seinen
Aufgaben
drücken. Und so haben wir nun die Anweisung
bekommen, uns mit dem mittleren
Management zu versöhnen, da
sonst unser Budget gekürzt wird.
Ich kann es nicht erlauben,
daß das Budget für verschiedenste Ausgaben zur
Steigerung
meines Wohlbefindens gekürzt wird - nicht nach den
vorausgegangenen
Kürzungen, die ich in den vergangenen
Monaten wegen der erhöhten
Aufmerksamkeit der Rechnungsprüfer
vornehmen mußte.
Der PJ und ich entscheiden uns für
die ´Teile und Herrsche-Methode´, um uns mit
den
Nutzern auszusöhnen. Ich schreite aufgeweckt zum ersten
Beschwerdeführer,
einem Kostenmanager, der wohl über
recht lockere Verbindungen zu den
Erbsenzählern verfügt.
"Ich habe Leistungsprobleme", schreit er verzweifelt,
als ich hereinkomme. "Ja, ich
habe die Gerüchte gehört",
antworte ich und bringe das, was wie eine knospende
Beziehung
zwischen ihm und seiner jungen persönlichen Assistentin
aussieht, zu
einem vorschnellen Ende.
"Aber machen sie
sich keine Sorgen, das passiert schließlich auch den Besten
unter
uns. Und was ist nun mit ihrem PC?"
"Ich habe
über meinen Computer gesprochen!" ruft er.
Er führt
mich in sein Büro, wo ich feststelle, daß nicht einmal die
Erbsenzähler ihn
besonders mögen, denn sein PC ist so
alt, daß der Vorderseiten-Aufkleber in der
Handschrift Noahs
beschrieben wurde.
Ich empfinde ein wenig Mitleid für ihn.
"Das sieht nach einem Magnum-Problem
aus." sage ich.
"Doch nicht das Gewehr?" fragt er ängstlich.
"Nein, das Eis. Schieben sie es hinten in das Gehäuse,
schalten sie den PC ein und
verschwinden sie zum Mittagessen. Und
entfernen sie alles Brennbare vom Tisch,
denn man weiß ja
nie ..."
"Aber man wird mich beschuldigen."
"Nicht, wenn sie die Verpackung im Mülleimer ihrer
Assistentin liegenlassen."
"Aber sie ist ..."
"... ersetzbar." sage ich.
Problem gelöst,
also suche ich mein nächstes Opfer. Auf der Suche treffe ich den
PJ,
der in keiner guten Verfassung zu sein scheint.
"Wie
war der Manager der Entwurfs-Abteilung?" frage ich.
"Ein
Manager? Der konnte nichtmal ohne schriftliche Instruktionen die
Toilette
aufsuchen."
"Verärgert?"
"Ja,
er hat von mir verlangt, daß ich eine dieser verdammten
Workstations mit zwei
21 Zoll-Monitoren nach unten trage."
"Ah ja", rufe ich und erinnere mich an die lauten
Geräusche, die ich erst jüngst hörte.
"Also
ist es wohl besser, das Treppenhaus im Südflügel in der
nächsten Zeit zu
meiden, oder?"
"Die beiden
untersten Etagen und das Kellergeschoß. Ich habe sie nach unten
fliegen
lassen, ohne das Geländer zu berühren."
"Guter Schuß, Kamerad!" rufe ich zustimmend und
klopfe ihm auf die Schulter. "Wir
werden noch einen guten
Administrator aus ihnen machen. Richtig, ich muß jetzt
gehen
und schauen, womit ich dem IT-Chef helfen kann."
"Sie
suchen unseren Chef? Wieso?" will er wissen.
"Möglicherweise
braucht er einen guten Rat."
"Wirklich?" grinst
der PJ mit glänzenden Augen.
Ein paar Minuten später
stehe ich im Büro unseres Abteilungsleiters und ahne
langsam,
was er will.
"Wir denken daran, unseren Wirkungskreis zu
erweitern und nach Asien zu
expandieren", meint er und
bestätigt meine Vermutungen. "Dazu brauchen wir
dringend
dieses Videokonferenzsystem."
Es war nur eine Frage der
Zeit. Und es scheint, als sei der Zeitpunkt jetzt
gekommen. Noch
bevor der PJ und ich es richtig wissen, sollen wir die
Bandbreite
freigeben, die wir dazu nutzen, das Kabel-TV aus den
Staaten zu empfangen.
"Ja?" murmle ich.
"Ich
habe gute Dinge über etwas gehört, was sie IP-Tunnelung
nennen. Ich weiß
nicht, was die Vor- oder Nachteile sind,
also, was können sie mir darüber erzählen?"
"Nun, es ist eine Methode, den Internet-Datentransfer von
einem Punkt zu einem
anderen zu realisieren. Man nutzt es, um
Virtuelle Private Netzwerke aufzubauen."
Ich schalte in den
Idioten-Modus.
"Ist es schnell?"
"Oh,
natürlich."
"Wie teuer kann es werden?"
"Nun, das Kabel dürfte ziemlich billig sein, da wir
alles nötige bereits haben. Ich
denke, daß die
Ausrüstung für das Graben am teuersten sein wird."
"Ausrüstung?"
"Ja, wir müssen einen
Tunnel nach Asien graben."
"Aber wir können keinen
Tunnel nach Asien graben. Das würde Jahre dauern."
"Nein,
nein." lache ich. "Das war ein Scherz."
"Oh,
Gott sei Dank."
"Nein, wir müssen nur einen Tunnel
zur nächsten Vermittlungsstation der
Telefongesellschaft
graben, die etwa eine halbe Meile entfernt ist. Das dürfte
uns
vier oder fünf Tausender für die Miete kosten."
"Vier- oder fünftausend?"
"Nun, wir
könnten sicher ein wenig sparen, wenn wir sie bar bezahlen. So
etwa
dreitausend, denke ich. Und wir müßten unseren
eigenen Projekt-Manager stellen."
"Wo bekommen wir den
her?"
"Nun, es gibt Gerüchte, daß es da eine
Assistentin in der Finanz-Abteilung gibt, die
sich nach einer
neuen Aufgabe umsieht. Ich würde eng mit ihr zusammenarbeiten,
um
das Projekt zu beaufsichtigen."
"Tun sie das."
ruft der Chef wie ein richtiger Star Trek-Spezialist.
Hol mich
rauf, Scotty! Auf diesem Planeten gibt es kein intelligentes Leben.
Die Nutzer sind nicht mehr
in ihren Büros und - unglaublich, aber wahr - der
B.O.F.H.
und der PJ vermissen sie. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen
....
Langeweile, Langeweile, Langeweile. Das Gebäude ist einsam
und verlassen, da die
Firma ihre neue ´W3-Initiative´
in die Tat umsetzt, die darin besteht, daß die
verschiedenen
Abteilungsleiter an diesem speziellen Tag die Mitarbeiter über
die
berühmten drei Wos unserer Existenz aufklären -
woher kommen wir - wo stehen
wir - wohin gehen wir.
Ich
bemerke, daß die Aufkleber mit Toilettensymbolen von den
Postern der Cafeteria
verschwunden sind. Vielleicht ist das der
Grund für die Vermutung des PJs und mir,
daß neben uns
nur noch die Leute vom Wachdienst keine Einladung für diesen
Tag
bekommen haben.
Es ist wirklich überraschend, wie man
sich als Administrator langweilen kann, wenn
das Netzwerk nicht
durch Nutzer gestört wird. Auch der PJ ertrinkt in
Melancholie,
weil es keine Nutzer gibt, über deren Fehler er
sich aufregen könnte. Jemand mit
weniger starken Nerven würde
aufgeben und an seiner Qualifikation zweifeln. Der PJ
und ich
haben jedoch andere Fische zu braten - über der Heizung unter
dem
Schreibtisch des Chefs.
Es ist bemerkenswert, wie heiß
sie werden kann, nachdem wir die Hitzesicherung
entfernt haben.
Im Handumdrehen haben wir ein geschmackvolles Mittagessen - und
knusprig ist es
ebenfalls, was der Entdeckung des PJs zu verdanken
ist, daß man das
Sicherheitsgehäuse entfernen und damit
das Essen näher an den Heizspiralen
plazieren kann.
"Wissen
sie, es ist schon lustig", meint der PJ und läßt sich
die letzten Stücke
seines Fisches schmecken. "Irgendwie
vermisse ich die Nutzer."
"Wir sollten Dr. Robb
anrufen."
Dr. Robb ist unser Psychologe. Früher kam er
einmal pro Woche in die Firma, um
sich das Gejammer der
Angestellten anzuhören, doch die Installation
einer
Überwachungskamera in seinem Zimmer hat seiner
Popularität wohl ziemlich
geschadet. Ich vermute, daß
der Vizechef der Verkaufs-Abteilung niemals damit
fertig wurde,
daß sein Video an einem Freitagabend nach den Drinks auf
den
Sicherheitsmonitoren abgespielt wurde.
"Hallo?"
"Hallo, Dr. Robb."
"Ah ... Hallo Simon."
"Wie geht es dem PC?"
"Ich benutze keine
Computer mehr", sagt er nervös.
"Ich benutze nicht
einmal elektrische Geräte."
"Aber sie haben doch
ein Telefon? Ist das nicht auch ein elektrisches Gerät?"
<KLICK>
"Das ist seltsam." kommentiert der
PJ. "Er hat aufgelegt. Und wie war das mit den
nichtgenutzten
elektrischen Geräten?"
"Ich weiß - klingt
nach einer Neurose, wenn sie mich fragen. Es scheint, als brauche
er
eine weitere Dosis der Schocktherapie, über die man neuerdings
soviel hört."
"Was meinen sie damit?"
"Oh,
nichts. Wir müssen eben selbst mit dem Problem klarkommen. Ich
denke, die
traurige Wahrheit ist, daß wir unsere Nutzer
brauchen."
"Nein!" ruft der PJ hysterisch.
Den
Rest des Nachmittags verbringen wir mit trübsinnigen Gedanken.
Die Normalität kehrt zurück, als das erste Opfer der
W3-Veranstaltung
zurückkommt und Sicherheitskopien seiner
Linux-Station anfertigen will, solange die
Bandlaufwerke frei
sind.
"Hallo", sage ich und greife mir das Telefon.
"Es geht um mein Backup - es funktioniert nicht."
"Das
liegt daran, daß sie all ihre Programme sichern wollen, statt
nur die Daten, an
denen sie arbeiten. Sie müssen ihre
Anwendungsprogramme nicht sichern, weil wir
sie ohnehin auf dem
Server sichern."
"Aber ich muß meine Anwendungen
wirklich sichern", ruft der Nutzer und ignoriert
meinen Rat.
"Dann müssen sie das superschnelle nichtgekrümmte
längsgerichtete Laufwerk
benutzen."
Dummy-Mode ein.
"Äh ... In Ordnung. Wie kann ich es ansprechen?"
"/dev/null"
"Gut. Das ist ja wirklich schnell.
Wie mache ich nun die Sicherung?"
"Hm, das Kommando
lautet ´cat /dev/null´, auf das sie die Ausgabe von ´ls
-alR /´
umleiten."
"Sehr gut. Danke."
"Keine Ursache."
"Wie war das?" keucht
der PJ. "Ich dachte, wir hätten festgestellt, daß wir
unsere
Nutzer brauchen?"
"Seien sie doch nicht
töricht. Ich brauche niemals einen Nutzer, wenn ich Doom,
Quake
und das Internet habe. Und einen gegrillten Fisch zum Mittagessen.
Oh, wo
ich gerade dabei bin, haben sie das Sicherheitsgehäuse
...."
Ein Schrei aus dem Büro des Chefs beantwortet
meine Frage, bevor der PJ reagieren
kann.
"Ups",
meint der PJ.
Während der PJ mit der
Tunnel-Arbeit beschäftigt ist, kümmert sich der B.O.F.H.
um
das E-Mail-System und leitet Beschwerden an Telefonsexnummern
weiter ...
Es ist ein langweiliger Morgen in der Netzwerkzentrale, so daß
ich die Zeit damit
totschlage, den PJ damit zu beschäftigen,
die Kabel in den Kabelschächten zu
prüfen.
Natürlich
ist das eine nicht besonders angenehme und ziemlich beengte Arbeit,
doch
das wird ihm einen weiteren Einblick in die Welt der
Netzwerke geben. Und es wird
ihm dabei helfen, sich daran zu
erinnern, daß "Finger weg von meinem Laptop"
genau
das bedeutet.
Die Anrufe kommen an diesem Morgen schnell
und reichlich, und ohne den PJ muß
ich mich um sie kümmern.
Die Nutzer-Betreuung hat unsere Nummer an jeden
herausgegeben, der
wichtig sein könnte. Und seitdem der Chef die Nummer in
der
Vermittlungseinheit fest einprogrammiert hat, funktioniert
auch der sonst übliche
tägliche Wechsel der Nummer nicht
mehr.
Nach ein paar Anrufen erkenne ich den Trend, daß alle
Anrufe auf eine Beschwerde
hinauslaufen, so daß ich alle
weiteren Anrufe auf die Nummer eines
Telefonsexanbieters
weiterleite - ich weiß ja nun, worum es geht. Dann schicke
ich
eine E-Mail an die Erbsenzähler, in der ich sie darauf
aufmerksam mache, daß der
Mißbrauch der Firmentelefone
beängstigend ansteigt und sie sich vielleicht darum
kümmern
sollten.
Doch anders als in der guten alten Postkutschenzeit wird
meine Nachricht nicht
zugestellt. Sie werden eigentlich nie mehr
zugestellt, seitdem unsere Vorgänger in
der Systembetreuung
den E-Mail-Server mit einer neuen ´phantastischen´
Software
aufgerüstet haben, die beinahe alles kann, außer
einen roten Kußmund an das Ende
privater E-Mails anzuhängen.
Alles, außer meine Nachrichten zu befördern.
Ich
mache den Chef einmal mehr auf die vielen Mängel der Software
aufmerksam,
doch er weicht mir nur aus.
"Nun, die
E-Mail-Software hat uns ziemlich viel gekostet. Und davon
abgesehen,
unsere Terminverwaltungsprogramme sind in sie
integriert!"
Und so kommt es, daß der Chef ein paar
Tage später seine Handbuch-Bibliothek auf
der Suche nach der
Bedienungsanleitung für sein E-Mail-Programm durchsucht, als
der
PJ mich bei meiner hingebungsvollen Arbeit mit einer Frage stört.
"Was tun sie?"
"Ich stelle sicher, daß
mein geliebtes Sendmail zurückkommt." antworte ich.
"Wie?"
"Hm, ich helfe nur der ´Blitzzusteller´-Software,
die E-Mails des Chefs zuzustellen.
Die Anzeige der Mails in der
Warteschlange ist wirklich gut - sie erlaubt mir, einige
E-Mails
persönlich ´zuzustellen´."
"Wie?"
"Nun, sie markieren einige Nachrichten und verschieben sie
einfach in den
Papierkorb."
"Welche Nachrichten?"
"Oh, immer nur einen Teil einer mehrteiligen E-Mail."
Ich zeige es ihm auf dem Monitor. "Hier sehen sie sein
Postfach. Die Betreffzeile
enthält die Zuordnungsnummer der
einzelnen Teile. Und nun lösche ich Teil 23 von 24
und lasse
die anderen Teile durch. Das wird ihn verrückt machen. Und
natürlich
stelle ich auch alle E-Mails, die er abschickt, auf
diese Weise zu, und so muß er all
seine wichtigen
Nachrichten mit der Hauspost verschicken und weiß nie, ob
sie
ankommen oder nicht."
"Nun, was er nicht weiß,
wird ihn auch nicht stören", murmelt der PJ.
"Diese
Aussage müßte erst noch bewiesen werden. So glaube ich zum
Beispiel, daß
der Chef bis jetzt noch nicht weiß, daß
die oberste Sprosse der Leiter im Lagerraum
sehr locker ist ...."
Wir beiden lauschen angestrengt auf das Geräusch eines
übergewichtigen
Managers, der aus eineinhalb Metern Höhe
in einen Haufen Kartons mit Knüllpapier
stürzt.
Während
ich dabei bin, den Mailserver wieder mit der Software auszustatten,
für die
ich mich zuerst entschieden hatte (Ich glaube, es
waren die 10 E-Mails an die
Hausmeister, in denen ich mich über
die unsichere Leiter beschwerte, die das Faß
schließlich
zum Überlaufen brachten.), kommt der PJ herein und sieht mich
verwirrt
an.
"Ich verstehe nicht, wieso wir das
installieren ..." sagt er.
Seufz. Wenn man glaubt, er hat
begriffen, stellt sich heraus, daß er noch immer in
einer
anderen Welt lebt und nach Antworten sucht.
"Wenn sie in der
Hierarchie der Firma aufsteigen, dann wächst auch
ihr
Verantwortungsgefühl, während sich ihre
Verantwortung in Wahrheit verringert. Und
ihre Ahnung von den
Dingen, die um sie herum vorgehen, verringert sich
ebenfalls."
beschreibe ich.
"Warum haben wir das
Programm dann gekauft?"
"Wir haben es gekauft, weil es
jemandem eingefallen ist, der meinte, diese Software
sei eine gute
Idee und den Managern würde nicht auffallen, daß sie
absoluter Schrott
ist."
"Ich glaube, das ist ein
wenig zynisch ..."
Ich unterbreche ihn, um einen Anruf über
die Freisprechanlage zu tätigen.
"Hallo?" fragt
der Chef.
"Hallo, ich frage mich gerade, weshalb sie die
Anschaffung der neuen
objektorientierten Programmiersprache
genehmigt haben."
"Nun, das war doch ihre Idee - sie
sagten, wir hätten bald keine Objekte mehr."
"Natürlich.
Danke."
Ich lege auf.
"Begriffen?" frage ich.
"Ich glaube nicht ..."
Ich greife erneut zum
Telefon.
"Hallo?" meldet sich der Chef.
"Es
geht um diesen Grafikbeschleuniger, den ich aus ihrem Computer
entfernt habe.
Wieso eigentlich?"
"Weil ... weil ...
irgendetwas mit den Grafiken, die zu schnell waren?"
"Natürlich, jetzt erinnere ich mich." antworte ich
und lege auf.
"Aber ..." erwidert der PJ.
"Kein
ABER - es ist ganz einfach: sie oder wir. Sie können einen Chef
bei seiner
Entscheidung beeinflussen, doch sie werden es niemals
schaffen, daß er mit dem
Denken anfängt."
Seufz.
Die Anwesenheit des
Firmenarchitekten sorgt für eine erwartungsvolle Stimmung
und
läßt den B.O.F.H. zu Tricksereien greifen ...
Ein gewisses Gefühl der Erregung, das ich schon
lange nicht mehr gespürt habe,
liegt in der Luft. Die Sorte
von Spannung, die die jährlichen Weihnachtsparties
ausstrahlen,
auf denen die Bonuszahlungen verteilt werden. (Die letzten
Jahre
natürlich ausgenommen.)
Die Ursache dieser Spannung
ist schnell ausgemacht. Der Firmenarchitekt, der
normalerweise nur
dann gerufen wird, wenn wieder einmal eine
Abteilungsumstrukturierung
ansteht, ist im Haus. Allein dies ist schon Überraschung
genug,
denn ich kann mich nicht erinnern, im Vorfeld etwas von einer
bevorstehenden
Umstrukturierung vernommen zu haben.
Und
diesmal geht es wohl auch nicht darum, die Axt auszupacken und
die
Abteilungen neu zurechtzustutzen. (Seufz.) Nein, es muß
etwas anderes sein. Und
der IT-Chef muß davon wissen.
Der
PJ, darauf trainiert, in solchen Situationen ohne falsches Zögern
zu handeln, ruft
die Überwachungskameras des Hauses auf die
Monitore und im Handumdrehen
finden wir das Büro des
IT-Chefs, wo wir seine Gürtelschnalle bewundern - ein
protziges
Metallgebilde, das vermutlich einem Raketenangriff standhalten
könnte
und in das eine üppige Wassernixe eingraviert ist
- ein Geschenk loyaler
Mitarbeiter.
Und da behaupten manche
noch, Qualität werde immer modern sein. Das Schicksal
meint
es gut mit uns, denn noch vor seinem Vortrag können wir an die
Gürtelschnalle
herankommen und sie mit Technik ausrüsten,
die Bürgerrechtsgruppen wohl auf die
Straßen treiben
würde.
Manche Leute haben eben keine Ahnung.
"Glauben
sie, daß der Gürtel funktionieren wird?" fragt der
PJ, bevor ich das
Wunderwerk aktiviere.
"Natürlich",
antworte ich. "Die Wanze ist so empfindlich, daß sie eine
furzende
Ameise in 10 Meilen Entfernung aufzeichnen würde. Da
fällt mir ein, schalten sie sie
etwa eine Stunde nach dem
Mittagessen ab - wir wollen die Schaltkreise ja nicht
überlasten."
Doch in der Zwischenzeit hört das Miniaturmikrofon im Auge
der Nixe alles mit ...
"Gentlemen", wendet unser IT-Chef
sich in beschwichtigendem Tonfall an die
versammelte
Geschäftsleitung. "Als Vorsitzender der Kommission zur
Evaluierung
unserer Expansionschancen kann ich ihnen folgendes
berichten: Erstens ist die
Miete für dieses Gebäude sehr
teuer. Zweitens wird es mittelfristig zu klein für uns
sein.
Und drittens fehlt in diesem Gebäude die für das nächste
Jahrhundert nötige
Netzwerk-Infastruktur. Nach der Beratung
mit verschiedenen Abteilungen ..." Er
macht eine Pause und
zeigt zweifellos auf einige Mitglieder der Geschäftsleitung,
die
für ihre seltsamen Ansichten bekannt sind. "Und daher
empfehle ich den Umzug
in ein größeres Gebäude am
Flußufer, das nicht nur weniger Miete kostet, sondern
auch
kurzfristig bezogen werden kann."
"VERDAMMT!" ruft
der PJ und gibt damit ziemlich genau wieder, was ich dazu
denke.
"Das kann nicht sein Ernst sein!"
"Es hat den
Anschein", erwidere ich. "Und wenn ich an seine fehlenden
technischen
Kenntnisse denke, dann hat man ihn wohl über den
Tisch gezogen."
"Fehlendes Wissen?" regt sich der
PJ auf. "Er kann nicht so verrückt sein. Immerhin
war er
in dieser TV-Sendung. Wie hieß sie doch gleich? ´Unsere
Zukunft 2000´?"
"Nein, die Sendung, an der er
teilnahm, hieß ´Hilflos 2000´, eine völlig
andere Art von
Dokumentation, würde ich sagen."
Innerhalb einer Stunde kommt unser Chef mit den Neuigkeiten zu
uns.
"Wir ziehen um", schreit er ängstlich und
deutet in Richtung Fluß. "Ich habe es
gerade
herausgefunden!"
"Dann fangen sie am besten mit dem
Packen an", rufe ich.
"Sie meinen ... sie ... sie
wollen den Umzug nicht verhindern?" fragt er.
"Warum?"
erwidere ich ungläubig. "Ich kann es kaum erwarten! Das ist
die Chance,
ein völlig neues und zukunftssicheres Netzwerk
aufzubauen."
"Aber dann, dann sind wir nicht mehr in
der Stadt", jammert er.
"Das wird überbewertet -
Smog, Gedränge. Lassen sie mich auf den Fluß blicken."
"Mich auch", stimmt der PJ mir zu.
"Aber all
ihre Arbeit, die sie hier getan haben?"
"Das ist
Vergangenheit. Jetzt freue ich mich auf die Herausforderungen
der
Zukunft."
"Aber ..."
"In Ordnung,
für fünfzig Pfund werde ich mich um die Angelegenheit
kümmern. Wie
ist es mit ihnen?"
"Zwanzig
Biere", ruft der PJ.
"Das ist nicht ihr Ernst!"
"Na gut, dann ist es eben nicht unser Ernst. Lassen sie uns
packen."
"Uh ... oh. Was wollen sie tun?"
"Nun,
das könnte ich ihnen sagen, doch dann müßte ich ihren
Kopf in den
Zerkleinerer stecken und ihre Überreste irgendwo
verscharren."
"Sie meinen, es ist so geheim?"
"Nein, nicht wirklich. Ich bin nur neugierig, was geschehen
würde."
Meinen Hinweis verstehend trollt sich der Chef.
Ich greife zum Telefon und rufe den
Oberschwindler der Firma an,
einen Anwalt, der sich wirklich hervorragend zu
drücken weiß,
denn sogar auf seiner Visitenkarte steht der Name eines anderen.
Ich
lade ihn zu einem Gespräch über den Pachtvertrag ein
und weise ihn auf den
Schwachpunkt hin, den wir entdeckt haben ...
Wir brauchen etwa 10 Minuten.
Und selbstverständlich finden
wir am Abend den Chef in Geberlaune.
"Ich weiß nicht,
wie sie das gemacht haben", lacht er erleichtert. "Aber
mein Geld ist
gut angelegt. Wie haben sie den Chefanwalt nur dazu
gebracht - ich dachte, er wäre
einer der Landeigentümer?"
"Ach, er ist durchaus eine nette Person, wenn man ganz
normal mit ihm redet."
antworte ich.
"Oh",
mischt sich der PJ ein. "Wo wir gerade darüber sprechen -
soll ich den
Aktenvernichter abschalten?"
"Hmmm.
Vielleicht noch nicht sofort. Warten wir besser noch ein paar
Stunden."
Es stimmt schon, was man sagt - man muß nur
wissen, wie man mit diesen Leuten
redet ...
Der B.O.F.H. und der PJ sind
traurig, denn sie werden nicht zu einem
Wochenendausflug
eingeladen - doch mit einem Holzhammer und etwas Gewalt
werden sie
es schon richten ...
Der PJ und ich sind zutiefst verletzt, weil der Geschäftsführer
sich nach dem
abgeblasenen Umzug dazu entschlossen hat, den
enttäuschten Proleten der anderen
Abteilungen Gelegenheit zu
geben, sich an einem ´Spiele´-Wochenende - ein ´Wer
ist
der Mörder´-Rollenspiel am Abend des Samstags
eingeschlossen - an der
IT-Abteilung zu rächen - ohne den PJ
und mich.
Die Gerüchteküche vermutet, daß unser
´bezähmter´ Anwalt über die Sache mit
dem
Pachtvertrag geplaudert hat, bevor er in der relativen
Sicherheit unserer Konkurrenz
unterkommen konnte ...
Was aber
am meisten schmerzt, ist, daß der IT-Chef eine unserer eigenen
Ausreden
gegen uns verwendet hat - nämlich, daß das
Netzwerk rund um die Uhr laufen muß
und wir daher auch für
unsere Niederlassungen in der ganzen Welt erreichbar sein
müssen
- ganz besonders an einem Wochenende, an dem die gesamte
IT-Abteilung
abwesend ist.
Was natürlich völliger
Schwachsinn ist, denn die Hälfte unserer
ausländischen
Niederlassungen könnte sich nicht einmal
an unsere Nummer erinnern, wäre sie nicht
über die
oberste Funktionstaste mittels Schnellwahl erreichbar.
Es scheint
beinahe so, als wolle man nicht, daß der PJ und ich
Freundschaften mit
anderen Leuten aus der Abteilung schließen
und Spaß mit ihnen haben. Man scheint
uns nicht zu trauen.
Allerdings ließ das Interesse an dem Wochenende sichtlich
nach,
als das ´Wer ist der Mörder´-Spiel angekündigt
wurde.
Trotzdem unsere Nicht-Einladung ein unschöner Zug ist
- nun haben wir wenigstens
die Chance, ein paar Garantietests an
den Festplatten (ein paar Schläge mit einem
gummiummantelten
Hammer, der kurz vor dem Ende der Garantiezeit keine
Spuren
hinterläßt) vorzunehmen. Es ist überraschend,
wie viele Tests damit enden, daß wir
kostenlosen Ersatz
anfordern müssen.
Ich prüfe, ob unsere Testausrüstung
vollständig ist, als der Chef am
Freitagnachmittag
hereinstürmt.
"Guten Abend", ruft er fröhlich
und muß sich offensichtlich bemühen, etwas
nicht
auszuplaudern, das neu für uns ist.
"Raten
sie, was ich für sie eingefädelt habe!"
"Was?"
erwidere ich ohne Begeisterung.
"Man hat zugestimmt, daß
sie an den Spielen am Sonntag teilnehmen
können - nachdem sie
ein paar Programme auf den Computern der
Personal-Abteilung
installiert haben." sagt er und gibt mir eine Liste, die länger
ist
als die der bekannten Fehler in Windows 95.
Der Sonnabend
kommt und da der PJ und ich nicht zu denen gehören, die
eine
Herausforderung scheuen, sorgen wir dafür, daß die
Software wunschgemäß
installiert wird. Und weil wir
danach noch etwas Zeit haben, verbringen wir sie
sinnvoll.
Als
ich dann am Montag zur Arbeit komme, rechne ich schon damit, daß
ich einem
Gespräch mit dem Chef nicht entkommen kann.
Erwartungsgemäß läßt er mich rufen
bevor ich
auch nur einen Schritt in unser Büro setzen kann und führt
mich aufgeregt
gestikulierend in sein Büro, wo sich aus
meiner Sicht viel mehr Leute aus der
Personal-Abteilung versammelt
haben als sonst. Der PJ ist ebenfalls unter den
Leuten, so daß
das es sehr eng im Büro des Chefs ist.
"Simon",
beginnt der Chef. "Ich habe hier eine Liste mit Beschwerden, die
Justin über
ihr gestriges Verhalten angefertigt hat."
"Gestern?" frage ich und Unschuld ist mein zweiter
Vorname.
"Bei den Spielen? In Balesworth Castle Ground?"
schlägt Justin vor.
"Ach so! Sie sagen, es gibt
Beschwerden?"
"Ja! Sie wissen, daß dies eine
Spaßveranstaltung sein sollte, bei der sich die
Mitglieder
der verschiedenen Abteilungen im Sinne von Sportlichkeit
treffen
können?"
"Ja, das weiß ich. Und
ich habe mich doch wirklich bemüht, an allen
Spielen
teilzunehmen, auch wenn mir deren Regeln nicht ganz
geläufig waren."
"Es sieht so aus. Justin scheint
zu glauben, daß sie ein wenig zuviel Begeisterung
zeigten."
"Wirklich? Ich kann mich nicht erinnern. Können sie?"
frage ich den PJ.
"Nicht wirklich."
"Und was
war mit dem Kegeln?"
"Kegeln?"
"Ja, als
sie ihre Kugel vom Dach heruntergeschmissen haben?"
"Ach
so, das! Nun, das mußte ich - ich bekam einen Anruf für
die Nutzerbetreuung
und der Empfang am Boden war wirklich
schlecht, so daß ich mit dem Handy auf das
Dach steigen
mußte. Und im ´Geiste der Sportlichkeit´ wollte ich
die anderen
Teilnehmer nicht auf meinen Wurf warten lassen. Wie
auch immer, ich glaube, in den
Regeln wird nichts darüber
gesagt, aus welcher Höhe die Kugel geworfen werden
muß."
"Natürlich nicht, aber das Vortäuschen des
Anzündens einer Zündschnur an einer
der Kanonen des
Schlosses hat dem Wohlbefinden ihrer Mitspieler nicht gerade
gedient
...."
"Das war doch nur Spaß."
"Wie
die Kugel, die die Haube von Justins Coupé traf?"
"Oh,
ich brauchte einen Probewurf zur Verbesserung meiner Fähigkeiten",
rufe ich
und spiele weiter das Unschuldslamm.
"Und das
ist wohl auch ihre Entschuldigung für das ´Schlag den
Sack´-Spiel?" will er
wissen.
"Ich gebe zu,
daß ich da wohl ein wenig zu begeistert war", antworte
ich. "In
Kombination mit dem Einfallswinkel des Sonnenlichts
könnte das für einige
Verwirrung gesorgt haben."
"Verwirrung ... ja", antwortet Justin bissig.
"Nun,
immerhin habe ich es geschafft, einen Sack zu treffen."
"Sie
haben es geschafft, einen Sack zu treffen. Aber zum Unglück für
Justin ist der
Sack, den sie getroffen haben, eher als Skrotum
bekannt."
"Wie ich schon sagte, ich bin es nicht
gewohnt, Schuhe mit Stahlkappen zu
tragen ..."
"Ich
könnte all diese Entschuldigungen gelten lassen, wenn es nicht
so aussähe, als
hätte niemand von ihnen die gewünschte
Software installiert, worum ich sie gebeten
hatte ..."
"Das
haben wir getan", ruft der PJ.
"Keiner der Rechner
startet!" schreit Justin und verliert völlig
die
Selbstbeherrschung. "Die haben nur herumgesessen."
"Ich habe es ihnen doch gesagt", wende ich mich an den
PJ. "Diese Festplatten sind
defekt."
"Womit wir
bei diesem Ding wären", seufzt der Chef und hält ein
Teil unserer
Festplatten-Testausrüstung hoch. "Kann mir
vielleicht jemand sagen, wie es in das
Büro von Justin
kommt?"
"Er hat den Schaden an seinem Coupé
selbst ausgebessert, um die
Versicherungsprämie niedrig zu
halten?" schlage ich hilfreich vor.
Der PJ und ich lehnen
uns bequem zurück, um auf das folgende Gejammer
und
Zähneknirschen vorbereitet zu sein ...
Die Übernahme durch ein
amerikanisches Unternehmen führt zu einem Besuch in den
USA
und einer Lektion zur sinnvollen Nutzung von Fahrstühlen ....
Es ist ein kurzweiliger Montagmorgen, als der Geschäftsführer
in unser Büro kommt,
um uns um einen Gefallen zu bitten. Der
Chef, der immer einen Riecher für solche
Gelegenheiten hat,
schleicht ebenfalls herein.
"Ich wollte sie bitten, das
Videokonferenzsystem zum Laufen zu bringen, damit ich
eine kurze
Ansprache halten kann." verlangt der Geschäftsführer.
"Sie wollen sich doch nicht etwa zurückziehen?"
platzt der Chef heraus, der sich
schon auf der Karriereleiter
aufsteigen sieht.
"Nein, nein."
"Ein früher
Ostergruß an die Belegschaft?"
"Nein. Es ist nur
so, daß wir verkauft wurden. Die Firma, die Gebäude,
die
Mitarbeiter."
"DIE VERDAMMTEN JAPANER!"
ruft der Chef.
"Nein, nein!" seufzt der
Geschäftsführer. "Angesichts der derzeitigen Lage auf
dem
Geldmarkt gibt es eigentlich nur zwei Alternativen: Amsterdam
und die USA. Und
Amsterdam ist es nicht."
"Gott sei
Dank!" entfährt es dem Chef. "Ich kenne kein einziges
belgisches Wort!"
Das sind die Dinge, die man sich anhören
muß, wenn man kein Gewehr hat ...
Nun, der Tag kommt und
der Geschäftsführer erklärt der Belegschaft auf dem
ganzen
Globus, daß uns ein amerikanischer Konzern aufgekauft
hat, der im Ausland
investieren wollte und in unseren perfekt
verschönerten Bilanzen genau das sah, was
er sehen wollte. Es
gäbe auch keine Pläne für Umstrukturierungen, erklärt
der
Geschäftsführer, was ein kollektives Aufatmen
verursacht. Für den Moment geht
also alles so weiter wie
bisher ...
"Simon", murmelt der Geschäftsführer,
der sich schon zum zweiten Mal in dieser
Woche aus der relativen
Sicherheit seines Büros heraustraute (ein neuer Rekord),
ein
paar Tage später. "Ich brauche sie und ihren Kollegen, um
unsere
Muttergesellschaft zu besuchen. Sie sollen sich anschauen,
wie man in den USA
arbeitet. Plaudern sie mit den Leuten und sehen
sie sich ein wenig um, sie wissen
schon. Die Chefs dort haben ihre
Techniker beauftragt, sich um sie zu kümmern,
damit wir die
Netzwerke zusammenschalten können. Es macht ihnen doch
keine
Mühe?"
Ein bezahlter Ausflug in die USA ...
Hmmm.
"Nun, das könnte durchaus hilfreich sein, aber es
würde Jahre dauern, die Technik in
die Staaten zu
transportieren."
"Oh. Wir lassen sie in der
Business-Class fliegen, da können sie es als Gepäck
mitnehmen."
meint er.
"Ich glaube nicht, daß damit die GESAMTE
Ausrüstung zur Netzwerkanalyse
abgedeckt wäre ..."
"Gut, ich nehme an, daß wir sie auch in der ersten
Klasse unterbringen können!" ruft
er schließlich
mimosenhaft ...
Und so kommt es, daß der PJ und ich zwei
Tage und viele, viele Drinks in der ersten
Klasse später in
der Ausnüchterungszelle auf dem Flughafen landen. Offenbar
haben
die Zöllbeamten etwas gegen betrunkene Besucher,
besonders dann, wenn man den
´andere Bräuche´-Witz
zu oft macht.
Zu unserem Glück kümmert sich unser
Mutterkonzern um die Sache und schafft es,
uns aus der Haft
herauszuholen. Nach einer erholsamen Nacht treffen wir
unseren
´Reiseführer´ - dem Äquivalent zu
unserem Chef. Er gibt uns einen kurzen Überblick
über
ihre Tätigkeiten, stellt uns den System- und Netzwerkbetreuern
vor und zieht
sich dann hastig zurück. Wir schauen uns die
Technik an und müssen gestehen, daß
wir sehr
beeindruckt sind.
"Wirklich sehr gut", wende ich mich
an meinen amerikanischen Kollegen, als wir ihre
Sammlung neuester
Technik bewundern.
"Nun, wir wollen eben mit der Zeit gehen.
Ganz nebenbei, ziemlich viel von der alten
Technik wurde zerstört,
als wir in den zweiten Stock umziehen mußten."
"Zerstört?" frage ich und wittere einen Profi.
"Ja, wir wissen noch immer nicht genau, weshalb die
Fahrstuhltüren geöffnet waren,
obwohl der Aufzug gar
nicht da war ..."
"Ah." nicke ich wissen. "Und
der vollgepackte Wagen mit der Technik plumpste in
den Schacht?"
"DREI vollgepackte Wagen - unglücklicherweise hatte ich
die Ohrenschützer
aufgesetzt, die wir im gekühlten
Serverraum tragen müssen, so daß ich die
Geräusche
beim Aufprall nicht hören konnte."
"Wie
bedauerlich", seufze ich vielsagend.
"Nicht so
bedauerlich wie das Mißtrauen des Chefs gegen uns, der
seine
Zimmerpflanzen lieber selbst zum Aufzug brachte."
"Wo
er sie fallen ließ?" frage ich grinsend.
"Nein,
eigentlich hat er sie bei seinem gesamten Sturz nach unten
festgehalten.
Wissen sie, die Sanitäter haben die Pflanzen
dann bei ihren Rettungsversuchen
zertrampelt."
Eine Woche
später werden der PJ und ich aus der Ausnüchterungszelle
auf dem
Londoner Flughafen herausgeholt (eine ungenutzte
Gelegenheit ist eine für immer
verlorene Chance), um am
nächsten Tag den Chef und den Geschäftsführer
zu
informieren.
"Ihre Technik ist unserer um Jahre
voraus! Wir brauchen unbedingt eine teure
Aufrüstung! Hinzu
kommt noch, daß unser Netzwerk Geschwindigkeitsprobleme
hat,
weil die Leitungen zur Satellitenschüssel für die
Datenübertragung zu lang sind. Wir
müssen mindestens
zwei Stockwerke nach oben ziehen, damit wir die Entfernung
und die
Wartezeiten verringern können. Ich schlage vor, daß wir
mit dem Umzug
beginnen, nachdem wir die Bestellung der neuen
Technik mit den Amerikanern
organisiert haben, damit wir
kompatibel bleiben ..."
In der Zwischenzeit präsentiert
auf der anderen Seite des großen Teiches mein
Gegenstück
seine Kompatibilitätsvorschläge ...
"Ihre Technik
ist unserer um Jahre voraus ..."
Ein paar Tage später
bekomme ich den Scheck aus den USA, um kompatible Technik
zu
besorgen ...
Meine Gedanken, was ich mit dem Geld am besten
anstellen könnte, werden nur
durch den Krach gestört,
den ein vollgepackter Rollwagen nach seinem Aufprall
verursacht.
Darum hat sich der PJ gekümmert ...
Und es ist doch wirklich
ein netter Zug unseres Chefs, sich selbst um den Umzug
seiner
geliebten und ausgezeichneten Kakteen zu kümmern ...
Das Übersetzen der
Ausreden von Ingenieuren in die Umgangssprache ist eine
schwierige
Aufgabe - aber nichts ist zu schwierig für die Bastard-Bibel ....
Ich bin dabei, Hand an die Bastard-Bibel, oder - wie der PJ und
ich das Werk
nennen - an ´Alles, was unsere Nutzer über
die Systeme und das Netzwerk wissen
wollen, aber Angst haben,
danach zu fragen, da sie keine Lust haben, ein
Wochenende in einer
chemischen Toilette eingesperrt zu werden´ zu legen.
Der PJ
marschiert nach draußen, nachdem er einen Hardwareschaden in
einem der
alten RAID-Rechner festgestellt hat, der ohnehin schon
dem Ende seines Lebens
verdächtig nahe ist. Er bemerkt meine
mitleidigen Blicke, so daß er sich an mich
wendet: "Sie
mögen Wartungs-Ingenieure nicht besonders, oder?"
"Nicht
im geringsten. Diese Arbeit ist so mies bezahlt, daß die Guten
sich frühzeitig
selbständig machen, während all die
anderen Versager - oder Neulinge - zu uns
geschickt werden, um
sich um unsere Technik zu kümmern."
"Ganz so
schlimm ist es nicht", meint der PJ kopfschüttelnd.
"Immerhin machen sie
ja ihre Arbeit."
"Wir
werden sehen." Ich will seine Hoffnungen nicht unsinnig
steigern, da ich weiß,
daß unsere Wartungsfirma zur
Kosteneinsparung in geradezu religiösem Eifer darauf
beharrt,
daß die Fehler durch unsere Programme hervorgerufen werden und
nicht
durch ihre Technik. Und wenn das fehlschlägt, dann
versuchen sie, die Technik bei
uns mit unserer Ausrüstung zu
reparieren, um zu verstecken, daß sie gar keine
eigene
Werkstatt haben, was kein Wunder ist, da es sich um eine Firma
handelt, die
im Hinterzimmer eines Autohändlers sitzt.
Erwartungsgemäß erscheint der Wartungs-Ingenieur genau
um 11:58 Uhr, um sich
den Massen anzuschließen, die zum
Mittagessen in die Kantine marschieren. Er will
sich unter den
Rest der Abteilung mischen, um sich ein kostenloses Essen
zu
erschnorren. Wie das Unternehmen - so seine Mitarbeiter.
Nach
dem Mittagessen lassen wir ihn in den Rechnerraum, um zu sehen, ob er
weiß,
was er tut. Er spielt ein wenig mit den Schaltern der
RAID-Einheit herum, um zu
sehen, ob das Lämpchen verlischt,
das den Festplattenfehler anzeigt.
Als das nichts bringt, erfreut
er uns mit seiner sorgfältig durchdachten Analyse:
Vielleicht
könnte die Festplatte defekt sein?
"Hmmm, das ist aber
interessant", sagt er, während ich den Blick des PJ auf
den
entsprechenden Eintrag in der Sektion für
´Ingenieurssprache´ in der Bastard-Bibel
lenke: "Ich
habe keine Ahnung, wo der Fehler liegt."
"Also hat die
Festplatte einen Defekt?" frage ich.
"Könnte sein,
aber ich muß mein Diagnosewerkzeug aus dem Auto holen."
Der PJ findet die Übersetzung selbst: "Ich muß
xxx aus dem Auto holen" wird
übersetzt mit "Ich muß
mich in mein Büro davonschleichen und hoffen, daß
die
Anrufe an einen anderen Ingenieur weitergeleitet werden."
"Oh, wir haben das Werkzeug hier!" rufe ich und
versetze ihn in Angst und
Schrecken.
"Oh ... großartig."
Jetzt ist er gefangen. Er muß das Gehäuse öffnen
und im Inneren herumstochern, da
wir sonst wissen, daß er
keine Ahnung hat. Ich gebe ihm einen Hinweis, indem ich
auf die
falsche Festplatte deute.
"Ich denke, sie müssen diese
Platte austauschen."
"Das ist denkbar", antwortet
er und vermeidet es noch immer, sich festzulegen.
"Aber ich
muß das erst einmal überprüfen."
Als ich ihn
verlasse, bereitet er das Gehäuse mit einem Hammer auf den
Austausch
vor. Eine Minute später erscheint er in unserem
Büro.
"Haben sie einen größeren Hammer?"
An diesem Punkt fühle ich mich, und sei es auch nur, um
meinen Verstand unter
Beweis zu stellen, gezwungen, ihn auf die
kleinen Halterungen hinzuweisen, die das
Herausfallen der
Festplatte verhindern sollen. Er reißt das Laufwerk aus
dem
Gehäuse und bringt es in unser Büro, um es zu
testen.
"Ja, es ist, wie ich vermutet habe. Eine Lötstelle
auf dem Logikschaltkreis ist
trocken. Ich muß das einfach
mit etwas Lötzinn reparieren."
"Ich bin dabei,
ihre Technik zu ruinieren." liest der PJ vor.
"Wie
bitte?"
"Nichts", antwortet der PJ und schließt
die Übersetzungstabelle, bevor der Ingenieur
einen Blick auf
sie werfen kann. "Ich rede mit mir selbst."
Der
Ingenieur schließt unseren Lötkolben an, der sich prompt
durch das Mauspad,
auf dem er liegt, hindurchfrißt.
"In
einem Augenblick ist die Platte wieder einsatzbereit." verkündet
er fröhlich.
"Das wird ein verdammt teurer
Briefbeschwerer", übersetzt der PJ.
"Wie bitte?"
"Nichts - ich rede mit mir selbst."
Bevor sich der
Lötkolben vollständig durch das Mauspad bis zur
Tischplatte
hindurcharbeiten kann, entschließe ich mich zum
Eingreifen.
"Sollten sie das nicht im Computerraum machen,
um mögliche thermische
Expansions- oder Kontraktionsprobleme
auszuschließen?" frage ich.
DUMMY-MODUS EIN.
"Hmmm
.... Ja ... ich bin gerade dabei. Ich wollte nur sichergehen, daß
der Lötkolben
funktioniert."
Er wandert hinüber
in den Rechnerraum, um eine Minute später wieder bei uns
zu
sein.
"Haben sie etwas Lötzinn? Ich habe mein
eigenes wohl im Wagen vergessen."
"Aber natürlich",
antwortet der PJ und reicht ihm etwas aus unserem Vorrat.
"Warten
sie!" rufe ich. "Nehmen sie lieber das Lötzinn mit dem
Flux-Kern, der als
Beschleuniger für den Haftvorgang wirkt."
DUMMY-MODUS UNWIDERRUFLICH EIN.
Ich gebe ihm etwas von dem
Zeug, das sich eher für Heizungsrohre als für
Elektronik
eignet, und bringe den Ingenieur zum Lächeln.
"Sehr gut, ich wollte sie gerade nach dem Beschleuniger
fragen."
Fröhlich zieht er in den Rechnerraum.
"Warum
haben sie ihm diesen Schrott gegeben?" will der PJ wissen. "Das
Zeug kann
man kaum benutzen und es entwickelt unheimlich viel Ra
...."
Seine Frage wird beantwortet, als der Feueralarm im
Computerraum ausgelöst wird.
Wir beobachten eine Weile, wie
der Ingenieur an dem Schalter für die
Löschgaszufuhr
herummacht, den ein echter Bastard mit Klebstoff so behandelt
hat,
daß sich die Löschgaszufuhr nicht abschalten läßt.
Natürlich befreien wir ihn, bevor er umkippt. Im letzten
Moment ...
Nun, ich bin eben ein Weichei ...
Als der Chef und der PJ
unter einem akuten ´Computer-Abkürzungsfimmel´
leiden,
wird es Zeit für den B.O.F.H., sich einzumischen und
einen Besuch in der
Harley-Street zu empfehlen ...
"... also denke ich, daß ihr Vorschlag, ein
ATM-Netzwerk als Backup des
FDDI-Backbones ASAP einzurichten,
nicht ganz angemessen ist", erklärt mir der
Chef.
"Wie
bitte?" frage ich und fühle mich, als sei ich in einer an
meinen Arbeitsplatz
angepaßten Version von ´Twilight
Zone´ gelandet.
"Ich habe ihre FYI über die
TCP/IP-Verzögerungen in der vergangenen Nacht
gelesen. Ich
glaube, wir sollten das Problem PQD lösen!"
"Das
sehe ich", antworte ich, wobei mir langsam dämmert, was
geschehen ist.
Schneller als der Wind eile ich aus dem Büro
des Chefs und wecke den PJ in
unserem Büro.
"Was ist
los?" will er wissen.
"Es ist furchtbar!" antworte
ich zutiefst besorgt. "Ich glaube, der Chef leidet unter
einem
schrecklichen Abkürzungsfimmel ... Diese Krankheit tritt dann
auf, wenn
jemand seine Ahnungslosigkeit in technischen
Angelegenheiten ..."
"... durch die übermäßige
Verwendung von Abkürzungen zu verstecken
versucht ...
Meistens sind Manager und Verkäufer davon betroffen, da sie
meinen,
sich damit den Schein von Kompetenz geben zu können."
Unterbricht mich der PJ
und trifft die richtigen
Schlußfolgerungen. "Ich habe ihren Artikel darüber
gestern
während der Mittagszeit in einer Newsgroup gelesen."
"Sie lesen die Newsgroups in ihrer Pause?" frage ich
besorgt.
"Nun, ja", antwortet der PJ schuldbewußt.
"Aber das tat ich nur nebenbei, als ich
darauf wartete, daß
ein Bild vollständig geladen wird."
"Pornographie?"
frage ich zustimmend.
"Hm ... nein, es ging um ein Foto vom
Layout des Motherboards des neuen
Pentium-Pro-Laptops ... es ist
wirklich alles ziemlich klein darauf ..."
"Verdammt!
Sie sind noch schlimmer als der Chef! Sie sind vom Computer
abhängig!"
"Nein, das bin ich nicht!" ruft er.
"Das sind
sie wohl! Oder lesen sie etwa keine Computer-Magazine, wenn sie
zu
Hause sind?"
"Nein ..."
"Lügen
sie mich nicht an!"
"Nun, vielleicht ein paar, aber es
ist keine Sucht. Ich kann jederzeit damit aufhören."
"Natürlich, denn sie lesen sie nur oberflächlich,
richtig?"
"Es sind nur ein paar Magazine! Was ist daran
so schlimm?"
"Also hätten sie nichts dagegen, wenn
ich ihr Bild und ihren Namen den
Zeitschriftenhändlern
mitteilen würde, damit sie ihnen diese Magazine nicht
mehr
verkaufen?"
"Oh ... nein." schluckt er.
"Sie besitzen einen privaten PC, oder?"
"Was
wäre wenn? Es ist nur ein alter 486er, den ich auf den Müll
werfen sollte. Ich
dachte, das wäre Verschwendung, also ...."
"Also stellten sie ihn bei sich auf! Ich habe sie doch über
die Gefahren der Arbeit mit
Computern belehrt! In der einen Minute
sind sie ein hochbezahlter Spezialist, in der
anderen ein
ahnungsloser Geek, der Werbeanzeigen nach günstigen
Anoraks
absucht. Sie müssen wissen, wann es Zeit zum
Abschalten ist."
"Wann ist das?"
"Am
besten zehn Minuten, nachdem sie am Arbeitsplatz erschienen sind,
doch in
ihrem Fall sind härtere Maßnahmen notwendig!"
"So schlimm ist es doch auch nicht!" ruft er ängstlich.
"Nicht so schlimm? Ich habe das schon hundertmal gesehen! An
dem einen Tag
arbeiten sie mit einem normalen menschlichen Wesen
und am anderen sitzt ihnen
R2D2 gegenüber, der darüber
redet, wie man Linux auf den Computer im Auto
portieren könnte!"
"Das ist doch albern. Linux würde niemals in den
Arbeitsspeicher passen. Man
müßte ein paar SIMMs
hineinstecken und jemanden finden, der den Kernel neu
compiliert
...."
"Sehen sie jetzt, was ich meine?" frage ich.
"Was soll ich tun?"
"Nun, in solchen Fällen
empfehle ich den Kollegen immer, die betreffende Person
zur
Harley-Street zu begleiten."
"Gibt es dort einen
Spezialisten?"
"Nein, aber der Verkehr dort ist
mörderisch. Im besten Wortsinne. Wenn man den
Geplagten
anschubst ... Das ist der einzige Ausweg, fürchte ich ..."
"Aber es muß doch einen anderen Weg geben!!"
schnieft er.
"Nun, es gäbe noch kalten Truthahn."
"Sie meinen, ich soll keine Computer mehr anfassen?!?!?"
"Nein, ich meine wirklich kalten Truthahn - er wird heute in
der Cafeteria serviert
und ich habe in der Nacht mit den
Kühlschrankeinstellungen gespielt. Am Morgen
wird man sie so
hochkantig hinauswerfen, daß sie es niemals mehr riskieren
werden,
in die Nähe elektrischer Geräte zu kommen!"
"Kann ich nicht einfach ... mich selbst auf Entzug setzen?"
"Sie meinen, ein Buch lesen, das beinahe so gefährlich
ist - zum Beispiel ein
Reisejournal - als eine Art
´Computer-Methadon´?"
"Ja!"
"Nun,
das könnte man versuchen. Aber sie müssen von diesen
Magazinen und den
Maschinen wegkommen."
"In Ordnung.
Aber haben sie nicht auch einen Computer in ihrer Wohnung?"
"Sie meinen den, den ich brauche, um mich auf Arbeit
einzuwählen?"
"Ja."
"Den
brandaktuellen Pentium Pro II mit allen Schikanen?"
"Ja!"
ruft der PJ, der einen ´Zuckerbrot und Peitsche´-Ausweg
zu sehen scheint.
"Den habe ich gegen eine neue Stereoanlage
getauscht."
"Aber was ist, wenn sie in der Nacht
angerufen werden?"
"Auf dem Apparat, den ich abgeklemmt
habe?" erwidere ich.
"Ah."
"Richtig, ich
glaube, sie haben es begriffen! Nun, ich denke, sie brauchen ein
paar
Wochen Urlaub."
"Wie freundlich", seufzt
der PJ. "Aber wo soll ich denn hinfahren?"
"In
eine Gegend, in der man nichts von Computern versteht ... wo man
RAM-Chips
nicht von Kartoffelchips unterscheiden kann!"
"Aber ich will Microsoft nicht besuchen!" wimmert er.
Unsere Konversation wird vom Chef unterbrochen, der mit einem
blutenden Finger
hereinkommt.
"Ich habe meinen Finger
gerade an der BT-Vermittlungsanlage geschnitten. Glauben
sie, daß
ich eine Tetanusspritze brauche?"
"Hmmm ..."
erwidere ich. "Warum lassen sie sich vom PJ nicht zu einem Platz
in der
Nähe der Harley-Street begleiten. Sie können in
wenigen Augenblicken dort sein ..."
Genau das ist mein
Problem - ich kümmere mich zu sehr um das Wohlbefinden der
Leute
....
Der PJ zeigt
besorgniserregende Zeichen von Computer-Fanatismus - eine Brille
mit
dicken Gläsern und einen sprießenden Bart - kann er
gerettet werden?
Es ist eine ziemlich hektische Zeit. Der Chef ist im
Erholungsurlaub - offenbar ist er
in der vergangenen Woche auf die
Harley-Street gestolpert, als der PJ ihn zu einem
Spezialisten
bringen wollte. Aber irgendwie hat er es noch geschafft, sich auf
die
einzige Verkehrsinsel zu retten, nachdem er von ein paar Autos
´angerempelt´
wurde ...
Nun, Glück im Unglück
....
Der PJ ist vorgeblich ebenfalls im Urlaub - aber in
Wirklichkeit hatte er einen
Rückfall. Anscheinend hat er sich
in einem Internet-Café mit 10 Kisten voller
Mars-Riegel,
drei Kisten Coke und einem Exemplar von
Steven´s
´Netzwerk-Programmierung unter Unix´
verbarrikadiert. Als sie es schließlich
schafften, sich zu
ihm durchzukämpfen, trug er dicke Brillengläser und
einen
sprießenden Bart.
Der Seelenklempner hat ihm für
ein paar Tage computerfreie Bettruhe verordnet, die
vervollständigt
wird durch verdächtig hohe Dosen eines Beruhigungsmittels, um
ihm
den Teufel auszutreiben.
Und, als hätte ich es nicht
geahnt, immer dann, wenn nicht genügend Arbeitskräfte
da
sind, schaffen es ein paar Anrufer zu mir durchzudringen - zwei am
ersten und
drei am zweiten Tag. Ich vermute, daß die
Nutzerbetreuung dafür verantwortlich ist,
denn der Chef ist
ja nicht da, um Öl ins Feuer zu gießen ...
Seufz.
"Hallo?"
"Hallo, System- und
Netzwerkbetreuung."
"Mein Computer gibt komische
Schleifgeräusche von sich. Sie scheinen von dort zu
kommen,
wo das Netzkabel angeschlossen ist."
Hm, was würde
Lassie wohl tun?
"In der Nähe des Lüfters?"
"Ja, ich vermute, daß es von dort kommt, aber ich weiß
es nicht genau."
"Nun, dann nehmen sie einen Stift und
schieben ihn in einen der Lüfterschlitze."
>KRACH<
"Sehen sie!"
"Interessant! Jetzt ist es still.
Wo ich sie gerade am Telefon habe - manchmal
startet mein PC mit
Speicherfehlern, und der Techniker meint, daß es ein Problem
mit
der Halterung der SIMMs geben könnte. Kann das stimmen?"
"Ja", gluckse ich. "Natürlich. Das ist eine
der bekanntesten Ursachen für
Speicherfehler. Wir hatten
schon ein paar davon in dieser Woche. Wegen ..."
>BLÄTTERBLÄTTER< Ich liebe den Ausredenkalender
....
DUMMY-MODUS EIN!
"Oh. Was kann man da machen?"
"Nun, sie können natürlich auf den Techniker
warten, aber wenn sie es eilig haben,
könnte ich ihnen eine
andere Lösung empfehlen."
"Ja. Wie geht das?"
"Sie wissen doch, wie die Speicherchips aussehen?"
"Die langen schmalen Streifen, die in das Motherboard
gesteckt werden?"
"Ja, genau. Ziehen sie sie heraus.
Und machen sie sich keine Sorgen, wenn dabei die
Plastikhalter
kaputtgehen, die dienen ohnehin nur zu Transportzwecken."
"Hmm
.... Gemacht."
"Und jetzt wickeln sie die Chips in
Silberfolie ein, um mögliche
Kapazitätsunterschiede
auszugleichen ... Und dann stecken sie die Chips wieder in
das
Motherboard."
"In Ordnung ..."
"Dann
schalten sie den Rechner wieder ein und lassen ihn über die
Nacht laufen."
"Wird gemacht ..."
"Oh,
und vergessen sie nicht den Stift."
"In Ordnung.
Danke."
"Keine Ursache."
Als ich am nächsten
Tag zur Arbeit kommen, klingelt schon das Telefon.
"Hallo?"
Die Stimme am anderen Ende beginnt, über ein Feuer, die
Gesundheit und die
Sicherheit am Arbeitsplatz zu plappern, doch
meine Aufmerksamkeit wird durch die
Rückkehr des PJ
abgelenkt. Die Behandlung war offenbar erfolgreich, wenn man
seine
Interessenlosigkeit gegenüber seiner Umgebung betrachtet.
In
der Zwischenzeit hat die Stimme am Telefon aufgehört zu reden,
so daß ich mit
einem: "Ich kümmere mich darum!"
antworten kann und auflege.
Um den PJ wieder für die Arbeit
zu begeistern, lasse ich ihn fünf doppelte Espressos
trinken,
begleite ihn nach unten in den Pub und mache ihn mit ein paar
Bierchen und
Kebab scharf.
Geschafft! Ich setze ihn auf den
heißen Stuhl und gebe ihm den Telefonhörer.
"Hallo?"
antwortet er auf den ersten Anruf, der ihn erreicht.
Dem Geschrei
nach zu urteilen, ist mein Anrufer vom Morgen am anderen Ende,
der
offensichtlich verärgert über die vierstündige
Teepause ist, die ich ihm verschafft
habe.
"Ja."
antwortet der PJ. "Wir waren unterwegs, um uns um die
Auswirkungen der ..."
>BLÄTTERBLÄTTER< Klingt
nach einer erfolgreichen Therapie!
"Wir hatten deshalb
einige Schwierigkeiten. Die Drucker haben nicht gedruckt,
Dateien
verschwanden von den Festplatten ... Oh, bei ihnen auch? Dann sind
sie
wohl auch betroffen ... Hmm, ich weiß nicht recht, ob
ich sie auf den Techniker
warten lassen soll oder, warten sie,
vielleicht können sie sich auch selbst darum
kümmern ...
Schalten sie den Rechner erst einmal ab. Gut, und jetzt öffnen
sie das
Gehäuse. Um die entropischen Interferenzen zu
beseitigen, müssen sie nun
einfach ... Keine Ursache, ich
helfe doch gern."
"Lust auf ein Bier?" fragt der
PJ hoffnungsvoll und greift sich seinen Mantel. "Wir
haben
nur noch 15 Minuten bis zum Feueralarm ..."
In der Sprache
der Systembetreuer würde man wohl sagen, daß wir ein
Dialogfenster
der Hoffnung sahen und draufgeklickt haben ...
Der B.O.F.H. erklärt
seine neue ´Manager-Gedächtnis-Theorie´ dem PJ, der
ihr
skeptisch folgt - bis der Chef hereinkommt ...
"Also, wer sollte doch gleich überflüssig werden?"
fragt der Chef und bricht damit die
Stille nach meiner
Präsentation.
Es ist ruhig in dem Raum, während der
Chef und der Rest des mittleren
Managements auf die Antwort auf
diese schwierige Frage warten.
"Niemand wird überflüssig",
schäume ich leicht verärgert. "Ich habe über
unsere
Technik gesprochen, über Router und Switches. Ich
möchte einen Router durch zwei
Switches ersetzen, so daß
beim Ausfall eines Switches der andere in Aktion tritt, der
dann
dessen Kernaufgaben übernehmen kann."
"Zwei
Switches, die die gleiche Sache erledigen." sagt der Chef.
"Ja,
die gleichen Kernaufgaben."
"Wie zwei Lichtschalter an
den entgegengesetzten Enden eines Ganges?"
"In etwa,
ja."
"Wenn also der eine eingeschaltet ist, muß
der andere abgeschaltet sein, damit das
Licht brennt?"
Seufz.
Als wir später in unserem Büro sind, erkläre
ich dem PJ meine Theorie von der
Leistungsfähigkeit eines
Manager-Verstandes, da er keine Ahnung zu haben
scheint, wieso die
Präsentation so schnell an Niveau verlor.
"Manager sind
von ihrem Kurzzeitgedächtnis abhängig." beginne ich.
"Die erste
Regel besagt, daß es gerade ausreicht, um
zwei technische Fachbegriffe zu
speichern. Erwähnen sie einen
technischen Ausdruck und sie werden ihn speichern.
Nennen sie
einen weiteren, landet er ebenfalls im mentalen Speicher, doch
beim
nächsten Begriff kommt es zum Speicherüberlauf und
einem Neustart. Deshalb
denken sie immer daran, was sie nach der
Arbeit machen können, wie weh ihnen ihr
Hintern tut oder ob
die Bluse der Marketingassistentin wohl durchsichtig sein wird
und
so weiter."
"Doch dann müßte ihr Gehirn doch
ständig Neustarts durchführen." sagt der PJ.
"Ich
glaube nicht. Regel 1 Abschnitt B befaßt sich mit
Speicherverlusten. Technische
Begriffe verschwinden aus dem
Gedächtnis mit der Geschwindigkeit von etwa einem
Begriff pro
Satz."
"Oh."
"Die zweite Regel besagt,
daß der verfügbare Platz für einen technischen
Ausdruck
begrenzt ist - er ist jämmerlich klein. Deshalb
werden die Fachausdrücke
komprimiert, damit sie in den
Speicher passen. Ich sage
´Diskettenzugriffs-Such-Latenz´
und sie hören ´Disketten-Latex´, ´Suche
Latex´
oder ähnliches."
"Also wollen sie
damit sagen, daß sie von ihrer Präsentation nicht viel
verstanden
haben? So dumm können die Manager doch aber auch
nicht sein." kommentiert der
PJ.
Oh, diese Unschuld ...
"Womit wir bei der dritten Regel wären", erwidere
ich. "Nach dem Neustart des
Verstandes ist der Speicher nicht
leer, was bedeutet, daß sich Fragmente völlig
zufällig
miteinander verbinden, was dann zu ´Suche eine durchsichtige
Latexbluse´
führen kann."
"Aha."
erwidert der PJ, der mir noch nicht ganz glaubt.
Ich glaube, er
braucht einen Beweis meiner Theorie ...
"Nun, wenden sie
meine Regeln auf die folgenden Sätze an. Nehmen sie ein
Blatt
Papier als Manager-Verstand."
"In Ordnung."
akzeptiert der PJ die Herausforderung.
"Ich glaube, wir
brauchen redundante Switches ..."
Sorgfältig schreibt
der PJ ´redundante Switches´ auf sein Blatt.
"Sie
haben die zweite Regel vergessen", erinnere ich ihn.
Der
verbessert sich: ´Rede über Swatch´.
"...
die wir dynamisch routen können ..."
Der PJ schreibt:
´Dynamo-Route´.
"... was uns erlauben würde,
multi-home ..."
´Mein Hintern tut weh´ schreibt
der PJ und streicht alles andere durch.
"Korrekt",
kommentiere ich. "Und was bleibt nach dem Neustart davon übrig?"
"Ich brauche eine Swatch für den Mann mit dem
Root-Passwort."
"Klingt vernünftig, wenn sie mich
fragen."
"Das ist doch Unfug!" plappert der PJ, um
vom Chef unterbrochen zu werden, der
seinen Kopf durch die Tür
steckt und hereinkommt.
"Tut ihr Hintern auch weh?"
fragt er, als er die Notizen des PJs sieht. "Meiner hat
während
der ganzen Präsentation geschmerzt. Ach so, wer von ihnen
brauchte die
neue Uhr?"
Triumphierend lächle ich den
PJ an.
"Das bin ich", sage ich und grabsche mir ein
neues Schmuckstück für mein
Handgelenk.
"Wofür
brauchten sie die Uhr doch gleich?"
"Oh, ich benutze
sie, um die Leistungsfähigkeit des L2-Caches auf den
neuen
symmetrischen Multiprozessor-Maschinen zu testen."
*NEUSTART*
Wenn der Chef eine Anzeigemöglichkeit hätte,
würde ich jetzt gern einen Test
seines Gedächtnisinhaltes
vornehmen ...
"Wie war das?" fragt er.
"Ich
sagte nur, daß ich einen Dual-Port-PC brauche, um
die
Lempel-Ziv-Komprimierung durchzuführen - anscheinend ein
neuer Algorithmus."
*NEUSTART*
"Zyklische
Redundanzprüfung! Elektrisch löschbare EPROMs!
Voraussschauende
Lesezugriffe!" sage ich schnell, bevor der
Chef sich wieder sammeln kann.
Jetzt hat er einen seltsam
entrückten Ausdruck in seinen Augen.
"Was ist
passiert?" fragt der PJ und fuchtelt mit seinen Händen vor
dem Gesicht des
Chefs herum.
"Oh, davon habe ich auch
schon gehört", antworte ich. "Er ist im
Neustart-Modus
steckengeblieben. Ich glaube, wir müssen ihm
helfen."
"Und wie sollen wir das machen?" Der PJ
sieht besorgt aus.
"Oh, das ist einfach. Geben sie ihm einen
Tritt ..."
"Das kann ich nicht", jammert der PJ.
"Das oder er wird den ganzen Tag lang so vor ihrem Tisch
stehen ..."
Widerwillig verpaßt der PJ dem Chef einen
Tritt in den verlängerten Rücken. Der
Chef geht zu
Boden.
"Was ist passiert?" ruft er, als er wieder auf
die Füße kommt.
"Sie sind gerade ohnmächtig
geworden und auf die Ecke des Tisches gefallen. Und
dabei haben
sie den Schluß meiner Darlegungen über den Einsatz einer
Level
5-RAID-Maschine verpaßt, die alle Daten speichern und
sie dann als Data
Warehouse über eine SQL-Datenbank mit den
entsprechenden Frontends auf den
PCs verfügbar machen kann."
Stille ...
"Ich glaube, er braucht einen weiteren
Neustart." Und ich nehme ein paar Schritte
Anlauf ...
Die Rechnung für die
LAGER sollte keine Probleme bereiten, doch ein
verräterischer
Erbsenzähler veranstaltet eine
Rechnungsprüfung ...
Man sollte es nicht glauben, aber ich habe nun schon zehnmal in
diesem Monat
Toner in einem unserer 44 Zoll-Drucker nachgefüllt!
Und das GEHT MIR
WIRKLICH AUF DIE NERVEN! Da es sich dabei immer
um die rote Farbe handelt,
kann dies nur eins bedeuten - jemand
tapeziert sein Schlafzimmer mit Pornobildchen.
Natürlich ist es nicht schwer, den Schuldigen zu finden, wenn
ich mir in den
Protokolldateien anschaue, wer wann Druckaufträge
losgeschickt hat. Allerdings
reicht allein die Tatsache, daß
jemand einen geradezu besorgniserregenden
Verbrauch roter Farbe
verursacht, noch nicht aus, ihn zu erpressen. Bis auf
diesen
Heimlichtuer aus der Design-Abteilung, der seine
Zwergenfetisch-Bilder
NIEMALS am Tag ausdruckt. Und wer nur nachts
den Drucker benutzt, kann einfach
nicht mit meinem Verständnis
rechnen.
Und so sieht die Netzwerk-Lager-Kasse, LZ9030-NSAXBK-002
("Laufende
Zuwendungen, Kostenstelle 9030,
Nicht-Standard-Ausgaben, Beschaffung, Konto
2") in der
Sprache der Erbsenzähler, in dieser Woche besonders gesund aus.
Es ist einfacher, erpreßtes Geld durch das System der
Buchhaltung zu
transferieren - das Opfer wehrt sich auch nicht so
heftig, wenn es nicht um sein
persönliches Geld, sondern das
der Abteilung geht ...
Ja, die Lager-Kasse sieht so gesund aus,
daß es Zeit wird, für den nächsten
Freitag
´Ausrüstung einzukaufen´, damit die
Erbsenzähler nicht auf das Konto aufmerksam
werden ...
Eine
Rechnung trudelt ein, und ich gehe mit ihr zum Chef, um sie von
ihm
unterschreiben zu lassen, da der PJ gerade nicht da ist.
"Wofür ist diese Rechnung?"
"Ach, das ist
die Rechnung für eine neue ... Licensing Attribute
Geopositional
Accounting Receipt-Software - LAGER, um es kurz zu
sagen."
<KLICK>
"Ein neues System. Gute
Sache. Hier haben sie die Unterschrift. Oh, warten
sie ... sind
sie sicher, daß diese Zahl stimmt? Nur 270 Pfund?"
Die
Aussicht auf hundert weitere Biere für den versammelten
Bastard-Club stimmt
mich froh, und um jeden Verdacht abzuwenden,
entschließe ich mich, die geistigen
Anstrengungen des Chefs
zu erleichtern.
"ZWEIhundertsiebzig Pfund!?!" schreie
ich auf. "Mein Irrtum - das sollte
FÜNFhundertsiebzig
Pfund heißen."
Ich nehme mir vor, ein Taxi für
die Heimfahrt zu bestellen, bevor ich in die Kneipe
gehe, da ich
vermutlich nicht in der Lage sein werde, mein Handy zu
bedienen,
nachdem ich meinen Anteil der ´Software´
getrunken habe.
Ich schicke die Rechnung an die Erbsenzähler
und rufe meine B.O.F.H.-Freunde an.
Doch irgendein unerfahrener
und junger Erbsenzähler will mehr zu der Rechnung
wissen, da
´Blue Posts´ nicht zu unseren normalen
Softwarelieferanten gehört. Das
an sich ist nicht das
Problem, da ich vor Jahren ohnehin die meisten Programme, die
wir
eingekauft haben, über eine Kneipe bestellte und liefern ließ.
Das wirkliche
Problem besteht darin, daß ein anderer
verräterischer Erbsenzähler, der mir einige
Gefallen für
das Verschwindenlassen eines Videos, das ihn und eine
junge
Sekretärin zeigte, schuldet, angeordnet hat, daß
das Lager-Konto überprüft wird.
Beunruhigend daran ist,
daß er einen externen Berater zu diesem Zweck angestellt
hat,
der uns überprüfen soll ...
Ich rufe den PJ an und
informiere ihn. Er taucht unter und trifft sich beim
Mittagessen
mit einem Freund, der daraufhin einen anonymen Drohanruf tätigt.
Und
wo er schon dabei ist, bestellt er für uns auch eine
Pizza, mit der wir die Langeweile
während das Tee-Nachmittags
bekämpfen können.
Die Sicherheitsleute - gelangweilt
von der monatelangen Ruhe - reagieren mit Eifer
auf den Drohanruf.
Türen, die monatelang geöffnet waren, werden geschlossen,
die
Betriebsausweise werden kontrolliert und Durchsuchungen des
Gebäudes
organisiert. Alles scheint normal zu sein.
Mit
Interesse beobachte ich, wie der Chef der Erbsenzähler sich mit
einem
Anzugträger trifft. Sie nehmen leider nicht den
Fahrstuhl, um in die
Erbsenzähler-Etage zu gelangen, sondern
die Treppe ...
Jetzt muß ich nur noch abwarten. Der
Transporter der Firma, bei der wir
Sicherheitskopien lagern,
taucht rechtzeitig auf, und ganz sicher bringt er die Bänder
mit
den Kopien der Datenbank der Erbsenzähler, die deren eigener
Rechnerspezialist
nach dem Ausfall von gleich drei Platten seiner
RAID-Maschine (Was für ein
seltenes Ereignis!) angefordert
hat. Die Datenverluste müssen enorm sein - aber
das würde
natürlich kein Erbsenzähler zugeben.
Die Bänder
mit den Daten, die von einer mißtrauischen Person in
der
Erbsenzähler-Abteilung angefertigt wurden (was ein
Glücksfall ist, da unsere
eigenen Bänder unter
ungeklärten Umständen bei unserem Partner für
die
Aufbewahrung der Sicherheitskopien verschwunden sind), werden
von den
Sicherheitsleuten durchgelassen und über die Treppe
nach oben gebracht.
Die Lieferung unserer Pizza verursacht eine
kleine Aufregung unter den
Sicherheitsleuten, doch die
Metalldetektoren bleiben stumm, also schicken sie den
Lieferanten
ebenfalls zu den Erbsenzählern, wo wir sie in Empfang nehmen
wollen.
"Da stimmt etwas nicht." sagt der Anzugträger
zum Chef der Erbsenzähler, als wir
uns zu ihnen gesellen.
"Die Bänder sind irgendwie in den Laufwerken verklemmt!"
"Dann nehmen sie das andere Laufwerk!" ruft der
Erbsenzähler und bemerkt uns.
"Das habe ich getan - es
klemmt!"
Verärgert durch die scheinbar vorübergehende
Verzögerung schenkt der oberste
Erbsenzähler uns seine
Aufmerksamkeit.
"Was wollen sie denn hier?"
"Wir
nehmen nur eine Lieferung entgegen." antworte ich, als unsere
Pizza gebracht
wird.
"VERDAMMT!!" schreit der PJ
überzeugend. "Das ist ja heiß wie ein Feuer!!"
"Oh nein!" seufze ich. "Sagen sie mir nicht, daß
der Röntgen-Scanner für Pakete
wieder im Einsatz ist!
Beim letzten Einsatz dieses Dings haben wir eine ganze Kiste
mit
.... NEIN, SAGEN SIE NICHT, DASS IHRE BÄNDER DURCH DEN
SCANNER
GINGEN!"
[Später in dieser Woche ...]
"UURGGLE
MURG HURGRLE", keuche ich.
"Natürlich, das ist
doch in der Nähe des Sloane Square, oder?" fragt der
Taxifahrer
und reicht mir einen Eimer nach hinten.
"Unnnn!"
antworte ich und verabschiede mich in ein durch Lager verursachtes
Koma.
Nichts liebt der B.O.F.H.
mehr als eine Vertragsprogrammierer, der noch grün hinter
den
Ohren ist. Doch zeigt er auch Mitleid mit ihm, als der Chef ihn mit
seinen
seltsamen Einfällen quält ...
Genau das ist das Problem, wenn sich IT-Manager treffen - weil sie
sich
gegenseitig übertrumpfen wollen, verkünden sie
voller Begeisterung, daß sie schon
Programme benutzen, die
die anderen noch gar nicht kennen. Zum Beispiel behauptet
unser
IT-Chef, daß wir schon im ganzen Unternehmen Software
einsetzen, die es
jedem Mitarbeiter ermöglicht, am
Arbeitsplatz Waren zu bestellen und liefern zu
lassen.
"Und
hier ist ihr künftiger Arbeitsplatz", erklärt der Chef
väterlich, als er unser Büro
in Begleitung eines
Auftragsprogrammierers betritt, den die Vermittlungsagentur
nach
einer kurzen Anforderung durch den Chef geschickt hat. Offensichtlich
soll er
das Programm schreiben, über dessen Existenz der Chef
gelogen hat. Ich fühle
etwas Mitleid mit dem Programmierer
(Immerhin mußte er den halbstündigen Vortrag
des Chefs
über die Wunder der Kopiertechnik über sich ergehen lassen
- eine Dosis,
die im Normalfall fatal wirken kann.), so daß
der PJ und ich uns nicht darüber
beschweren, daß der
Chef unbefugt in unser Territorium eindringt.
"Geben sie ihm
einen Rechner, mit dem er das Online-Bestellsystem entwickeln
kann."
"Ein Online-Bestellsystem?" frage ich. "Das könnte
schwierig werden - dafür
braucht er einen besonderen
Rechner."
"Gut, dann bestellen sie eben einen. Kommen
sie ASAP mit der Bestellung zu mir!"
Die nächsten zehn
Minuten verbringen der PJ und ich damit, die Bestellung für
einen
PC zusammenzustellen, der mit allen erdenklichen
Zusatzgeräten und Erweiterungen
ausgestattet ist.
Der
Chef unterschreibt die Bestellung ohne mit der Wimper zu zucken, und
ich
schicke sie als Fax an unseren Zulieferer, der anruft, um die
prompte Lieferung
anzukündigen.
Als der neue Rechner
ankommt, installieren der PJ und ich noch ein paar
zusätzliche
Erweiterungen - mit anderen Worten, wir stehlen
alles, was wir brauchen können,
und überlassen den
umkonfigurierten Rechner dem Programmierer ...
Der hat in der
Zwischenzeit seine Wandtafel bemalt.
"Was bedeuten diese
Kästchen?" fragt ihn der PJ.
"Nun, sie
repräsentieren die drei Lebenszyklus-Phasen von Software -
Entwurf,
Entwicklung und Pflege." antwortet er begeistert.
Er ist so grün ...
"Sie haben gerade ihre
Ausbildung zum Programmierer abgeschlossen, oder?" frage
ich
freundlich.
"Nun, ich habe etwas Erfahrung mit der
Entwicklung von Web-Applikationen."
"Aber keine
Praxiserfahrung?"
"Ich ..."
Der PJ und ich
seufzen unisono, wobei ich ein paar Pfeile auf die Tafel zeichne.
"Der wahre Lebenszyklus eines Programms sieht eher so aus",
sage ich. "Design,
Implementierung, Rückmeldungen,
Implementierung, Rückmeldungen,
Implementierung und so weiter
bis sie sterben - wenn sie überhaupt jemals bis
zur
Implementierung und aus der Design-Phase herauskommen."
"Und wie reagieren sie darauf?"
"Ganz einfach,
es gibt nur eine Phase: die Implementation."
"Aber es
muß doch Rückmeldungen geben."
"Die gibt es
natürlich. Genau deshalb werden ja die meisten Büros mit
Ablagen für
Rückmeldungen ausgestattet, die die
Reinigungskräfte in der Nacht für sie
auffüllen."
"Ich weiß nicht recht. Ich denke, ich werde es
ordentlich programmieren."
"Aber sagen sie nicht, wir
hätten sie nicht gewarnt."
Einen Tag später hat
der arme Trottel noch immer keine Ahnung, was er
eigentlich
programmieren soll, so daß der PJ und ich ihm
raten, die Design-Phase zu
überspringen und eine passable
Abfrageoberfläche für eine Datenbank
mit
E-Mail-Funktionalität aus den brauchbarsten Bestandteilen
des Web-Systems der
Personalabteilung zu programmieren. Er
verbringt lange Stunden damit,
phantasievolle Funktionen zur
Bestandsverwaltung zu programmieren und so
weiter ...
Nachdem
wir ihn sorgfältig auf die Präsentation seiner Arbeit
vorbereitet haben,
entlassen wir ihn in die Obhut des Chefs.
Eine
halbe Stunde später kommt er mit einem traurigen
Gesichtsausdruck zurück.
"Wie ist es gelaufen?"
fragt der PJ.
"Er hat es nicht einmal ausprobiert. Ich soll
nur die Farben der Schaltflächen, die
Schriftgröße
etc. ändern."
"Das überrascht mich nicht."
kommentiere ich. "Also haben sie es geändert?"
"Ja,
aber dann wollte er noch weitere Farben ausprobieren."
"Natürlich. Und andere Schriftarten?"
"Ja."
"Wie ist es mit dem Firmenlogo? Wollte er auch da
Änderungen?"
"Ja, er wollte, daß ich es in
der Mitte plaziere und nicht linksbündig."
"Machen
sie sich keine Sorgen", antwortet der PJ. "Morgen wird er
verlangen, daß
sie das Logo wieder am linken Rand
unterbringen. Dann auf der rechten Seite und
später wieder in
der Mitte ..."
"Was soll ich tun?" schnieft er.
"Er wollte das Programm nicht einmal in Aktion
sehen."
"Er hat nur gesagt, daß es in Ordnung ist und hat
ihren Vertrag gekündigt?" frage ich
wissend.
"Ja,
so ist es. Ich soll nur die ästhetischen Feinheiten vollenden,
und dann läuft mein
Vertrag aus."
Die
demoralisierende Wirkung die davon ausgeht, daß all sein Wissen
und Können
darauf reduziert wird, Farben und Schriftarten zu
ändern, fordert ihren Tribut von dem
armen Wicht.
"Ja,
er hat sich nicht darum gekümmert, was das Programm macht.
Hauptsache, es
sieht gut aus. Nun, haben sie ihm gesagt, was wir
ihnen empfohlen hatten?"
"Ja, ich sagte ihm, daß
es sich um eine Testversion handelt, die noch nicht verteilt
werden
kann."
"Gut. Das bedeutet, daß er die URL dem
IT-Chef bestimmt schon gegeben hat."
"Und der wird sie
allen anderen Abteilungsleitern gegeben haben." fügt der PJ
hinzu.
"Aber das Programm ist doch noch nicht fertig."
schluchzt er, eindeutig zutiefst
erschüttert von dem
Gedanken, daß er eine fehlerhafte Software programmiert
haben
könnte. "Ich will wirklich, daß es gut
funktioniert."
Ich sehe, daß dies eine Aufgabe für
den wahren Profi ist ...
Zwei Tage (und 5.000 Rollen
Toilettenpapier, die dem Chef und dem IT-Chef
geliefert wurden)
später sitzt unser begeisterter Programmierer wieder an
seinem
Projekt.
Ich bin mehr als erfreut darüber, daß
seine Ablage für Rückmeldungen vollgepackt ist
mit
Zetteln, auf denen der Chef in Handschrift seine Design-Ideen
verewigt hat.
Nun, er wird es schon noch schaffen ...
Nichts lieben der B.O.F.H.
und der PJ mehr als die Herausforderung - abgesehen von
Gewalt,
doch ein hinterhältiger und listiger Plan fordert letztere
geradezu heraus ...
"Hallo, hier ist Sonya, die persönliche Assistentin von
David. Ich soll für ihn ein paar
Dinge klären, bevor er
zurückkommt."
"David?"
"Ihr Chef."
"Ist das sein Name? Er hat keine Assistentin."
"Jetzt
hat er eine. Er hat gelesen, wie gut ihre Hilfe beim Klären von
Dingen ist ..."
Ich schalte ab, während sie mir lang
und breit die Vorteile persönlicher
Assistentinnen erklärt.
Immerhin muß ich mit leichter Verwunderung feststellen, daß
der
Chef seine Management-Magazine während seines Erholungsurlaubs
vom Streß
am Arbeitsplatz gelesen hat.
Es ist schon
überraschend, wie manche Leute auf 100 Volt reagieren, die
gewissen
Körperteilen in ihrem Bürosessel verabreicht
werden ...
Leider bedeutet die Anwesenheit einer persönlichen
Assistentin für uns eine
zusätzliche Schwierigkeit, die
es zu überwinden gilt, wenn der PJ und ich unseren
Plan in
die Tat umsetzen wollen, dem Chef etwa dreißig Zentimeter
seines Büros zu
stehlen, um unser Büro entsprechend zu
vergrößern - eigentlich eine leichte
Aufgabe, da wir
ein paar Bauleute kennen, die uns noch einen Gefallen schulden.
Dieses Arschloch von einem Chef!
"Wie kann ich ihnen
helfen, äh ..."
"Sonya", stößt sie
hervor, offenbar ein wenig verärgert darüber, daß ihr
Name
meinem Kurzzeitgedächtnis schon wieder entfallen ist.
(Ich nutze bei solchen
Sachen nur meinen mentalen
Zwischenspeicher, da sie ohnehin bald Geschichte sein
wird ...)
"Natürlich. Nun, wie kann ich ihnen helfen, äh
...."
"SONYA!" stößt sie erneut hervor.
"David will, daß ich die Einkäufe überprüfe,
für
die er die Bestellungen unterzeichnet hat. Er will
wissen, ob alles korrekt geliefert
wurde."
"Das ist
schon geschehen, als die Technik geliefert wurde", antworte ich,
denn ich
habe den Plan des Chefs schon durchschaut. Da er zur Zeit
nicht in der Lage ist,
herauszufinden, ob der PJ oder ich Technik
gestohlen haben, die geliefert wurde, hat
er neues Blut darauf
angesetzt - jemanden, der noch nicht weiß, wie solche
Versuche
meistens enden. Ich glaube, sie hat gute Chancen, beim nächsten
Besuch
des Chefs einigen ihrer Vorgänger zu begegnen.
"Er
will nur ganz sichergehen, wenn sie also einfach eine Liste mit den
Bestellungen
ausdrucken könnten ..."
"Nun, das
würde ich gerne tun, aber unglücklicherweise hat die
Festplatte mit der
Datenbank schwere Defekte, so daß wir die
Daten verloren haben."
"Wann soll das passiert sein?"
fragt sie. "Vor zehn Minuten habe ich die Datenbank
noch
benutzt und sie funktionierte - allerdings hatte ich keinen Zugriff
auf die Daten
der Bestellungen."
"In der Tat traten
die Fehler tatsächlich gerade jetzt auf", sage ich und
reiche dem PJ
den Gummihammer, den wir für Festplattenfehler
in Notfallsituationen aufbewahren.
"Und wie wäre es mit
einem Ausdruck aus einer Sicherheitskopie?" fragt sie.
"Alle
alten Ausdrucke werden aus Sicherheitsgründen nach der
Benutzung
vernichtet, und im Laufwerk der Bandmaschine, mit der
wir die Sicherungsbänder
einspielen können, klemmt ein
anderes Band." sage ich und reiche dem PJ die
Suizid-Kassette
(gefüllt mit Klebstoff).
"Also gibt es keine
Aufzeichnungen?"
"Der Chef - David - hat Ausdrucke und
die Lieferanten haben ausgedruckte
Lieferbestätigungen. Ich
bin sicher, sie können sie zusammensammeln - keine
leichte
Aufgabe, aber sie werden das schon schaffen."
Ein Schniefen
dringt an mein Ohr, als sie auflegt.
"Furchtbares ist
geschehen!" ruft der PJ mit gespieltem Entsetzen, als er den
Raum
betritt.
"Natürlich ist es geschehen",
antworte ich, da ich gerade ein wenig die Zukunft
plane. Aber der
Reihe nach. Ich rufe das Netzwerk der privaten Institution an,
die
sich um das Wohlbefinden des Chefs kümmert und schaffe es
beim dritten Versuch,
ihr Administrator-Passwort zu erraten
(´Freud´).
Ich nehme ein paar Veränderungen im
Datensatz des Chefs vor, ändere die Einträge
in
´Vorfälle in der Vergangenheit´ von ´keine´
in ´extrem gewaltbereit´ und, das ist
das wahre
Meisterstück, den Eintrag unter ´Rechnung an´ vom
Namen seiner
Privatversicherung in den Nationalen
Gesundheitsdienst (NHS) - was sicherstellt,
daß er an ein
Metallbett im billigen Erdgeschoß gefesselt wird. Natürlich
wird er
nach drei Behandlungen mit Stromstößen
´geheilt´ entlassen werden, aber was soll´s.
So entgeht er der teuren Privatbehandlung, denn ich finde heraus,
daß ein Volt nicht
ein Pfund kostet - der Nationale
Gesundheitsdienst geht in diesem Fall wohl bis
10.000 Volt ...
Und wo ich gerade dabei bin, ändere ich auch den ´Besuche
erlaubt´-Eintrag - er
wird die Ruhe brauchen.
"Wo
liegt das Problem?" will der PJ neugierig wissen. "Ich
dachte, wir haben in
diesem Vierteljahr keine Ausrüstung
gestohlen?"
"Haben wir auch nicht, aber eine
sorgfältige Durchsicht der Bücher könnte an den
Tag
bringen, daß wir für einige Geräte zweifach bezahlt
haben - einmal durch unsere
Abteilung und einmal durch die
Abteilung, für die die Technik bestimmt war. Das
war, als sie
die Kostenstellen neu verteilt haben und niemand genau wußte,
wer für
welche Technik bezahlt hat ..."
"Also
haben sie das Geld genommen?"
"Nein, nein - das hätte
nur die Aufmerksamkeit auf uns gelenkt. Nein, ich habe die
doppelte
Anzahl der Geräte bekommen und die überzähligen dazu
genutzt, die
Ausrüstung in der Datenverarbeitung zu
aktualisieren."
"Die Datenverarbeitung, in der nur
Frauen arbeiten? Die ihnen die Geburtstagsgrüße
und den
Kuchen geschickt haben?"
"Könnte sein ..."
"Mit der Einladung zu einem Geburtstagsumtrunk?"
"Ja,
das könnte sein. Ich glaube, da war etwas ..."
"Der
Tag, an dem sie verspätet mit einem Taxi zur Arbeit kamen, in
dem auch einige
der erwähnten Frauen saßen?"
"Ja,
ja. So war es! Und was ist schlimm daran?"
"Oh,
nichts." murmelt der PJ und marschiert nach draußen.
Und
wer erscheint wohl am nächsten Tag wieder bei uns? Der Chef!
Gemessen an
seinen glasigen Augen hat er die dem NHS-Budget
entsprechende Dosis Elektrizität
abbekommen, was bedeutet,
daß er gar nicht so verrückt ist, wie alle anderen
immer
behaupten. Er ist, wie das Schicksal so spielt, in
Signierlaune - wenn man seine
Hand und seinen Arm hält und
ihm den Stift wegnimmt, bevor er darauf herumkauen
kann. Also
schreiben wir seiner persönlichen Assistentin eine hübsche
Beurteilung
und geben ihr noch zwei Wochen. Für die
Datenverarbeitung bestellen wir gleich
noch eine ganze Ladung
gasgefederter Bürosessel, denn schließlich hat der PJ
bald
Geburtstag ...
Soweit so gut, ich schließe den
Stuhl des Chefs wieder an die Spannungsversorgung
an ...
Das Ziel des Spieles ist es,
den Chef zu treffen, doch der pariert, indem er die neue
Frau an
der Seite des IT-Chefs den Einkauf erledigen läßt ....
Das ist wirklich erbärmlich! Nachdem ich die Invasion der
persönlichen Assistenten
erfolgreich abgewehrt habe, bin ich
eigentlich geneigt, die Friedenspfeife zu rauchen.
Bis, und das
ist wirklich traurig, der IT-Chef, ausgerüstet mit
Designer-Handy,
Laptop und einem brandneuen Firmen-Kabriolett, die
ehemalige Assistentin des
Chefs zur neuen ´Managerin´
ernennt, die sich um die Kommunikation in der
Chefetage kümmern
soll.
Ich bin wirklich sicher, daß diese Beförderung
nichts mit den langen Ausflügen der
genannten Frau zusammen
mit dem IT-Chef im erwähnten Firmenwagen zur
Mittagszeit zu
tun hat. Denn es ist ja ganz offensichtlich, daß ihre
zweitägige
Erfahrung in ihrer vorherigen Position ausgereicht
hat, sie für die IT-Abteilung zu
qualifizieren.
"Sie
ist ausgezeichnet!" ruft der Chef und verteidigt seine ehemalige
Assistentin.
"Ausgezeichnet!" erwidere ich. "Wenn
sie mehrmals die Anzahl ihrer Backen zählen
würde, käme
sie jedesmal auf ein anderes Ergebnis ..."
"Sie muß
aber etwas über die IT wissen, wenn sie diese Stellung bekommen
hat!"
erwidert der Chef und ignoriert meinen Kommentar.
"Natürlich ... Und wie lange brauchte sich doch gleich,
um ihren Arbeitsplatz-PC
einzuschalten?"
"Der
Schalter ist ja auch schwierig zu finden!" antwortet er mit der
Loyalität eines
Terriers.
"Ja - der Schalter ist
wirklich irreführend deutlich an der Vorderseite des
Rechners
angebracht ..."
Der Chef sieht ein, daß
seine Argumente schneller als die Titanic versinken und
sucht das
Weite. Da das Problem nicht gelöst wurde, erwarte ich die
schlimmsten
Dinge für die Zukunft ...
Meine Befürchtungen
werden bestätigt, als sie eine Ladung Netzwerk-Computer
zu
Sonderpreisen bestellt. Diese jämmerlich recherchierte
Entscheidung hat die
offizielle Genehmigung bekommen, und ich soll
nun mein technisches Einverständnis
erklären. Schneller
als der normale Nutzer ´Wo sind meine Daten?´ sagen
kann,
stopfe ich die Papiere in den Aktenvernichter.
Der Chef
erscheint beinahe etwas schneller in unserem Büro.
"Diese
Netzwerk-Computer sind großartig!" sagt er. "Sonya
hat uns das gerade
vorgeführt."
"Wirklich? Ich
kann nicht sagen, daß ich dem zustimme, aber was soll´s,
was gut für
Amsterdam ist, ist wohl auch gut für
London!" rufe ich.
"Nein. Ich meine, sie hat uns
umgedreht, wirklich überzeugt."
"Also sind sie
alle käuflich? Ich würde nicht so bald kündigen, wenn
ich sie wäre!"
"Ich rede über
Netzwerk-Computer!" schnappt er.
"Natürlich. Und
ihre Käuflichkeit?"
"Es gibt keine Käuflichkeit!!"
"Natürlich nicht! Die Wände haben Augen und
Ohren", murmelt der PJ zwinkernd.
Der Chef gibt auf und faßt
sein Gerede zusammen ...
"Wie auch immer, diese
Netzwerk-Computer sind wie PCs - nur ohne Disketten und
Festplatten."
verkündet er.
"Sie booten nicht?" fragt der PJ.
"Nein!" antwortet der Chef. "Sie laden alles von
einem Server."
"Wie die dummen Terminals, die wir vor
zehn Jahren hatten. Immerhin haben sie ja
jetzt Grafik- und
Tonfähigkeiten."
"Uh ... nein, schneller und in
Farbe!!"
"Sie meinen, wie die X-Terminals, die wir vor
drei Jahren ausgemustert haben?"
frage ich.
"Uh ...
nicht genau."
"Also ist ein Arbeitsplatzrechner, der
von einem Server abhängig ist, besser, als ein
Rechner, der
auch ohne Server funktioniert?"
"Hm ... weil wir die
Technik nicht aufrüsten müssen!"
"Niemals?"
"Nein, das ist wie bei einem Farbfernseher!" stößt
der Chef triumphierend hervor.
"Wenn sie erst einmal einen
haben, müssen sie sich keinen neuen mehr kaufen, weil
alles,
was sie brauchen, von den Sendern kommt."
"Auch nicht,
wenn die Programme diese neuen Möglichkeiten wie Nicam
Stereo,
Dolby Surround oder Widescreen nutzen?"
"Uh
.... nein ..."
"Und wenn es neue, schnellere
Prozessoren, bessere Mäuse, Scanner und
Programme gibt, die
sie nutzen?"
"Wissen sie, wir kaufen ein paar dieser
Netzwerk-Computer, also unterschreiben
sie!" schreit der Chef
schließlich, als ihm gegen meine Logik keine Argumente
mehr
einfallen, und zaubert aus dem Nichts eine Kopie der
Bestellung hervor, die ich dem
Zerkleinerer anvertraut hatte.
Nun, warum auch nicht. Ich schreibe eine Unterschrift auf das
Papier. Natürlich nicht
meine, aber wen interessiert das
schon? Den Chef vielleicht, sollte jemand auf die
Idee kommen, den
Vorgang zu prüfen, doch, wie gesagt, wen interessiert das
schon
....
"Und weil sie die gleiche Technik nutzen sollen, wie
ihre Nutzer, werde ich ihnen
auch ein paar Netzwerk-Computer
schicken." fährt der Chef fort.
BASTARD!
Als die
Lieferung kommt, werden Testrechner über die verschiedenen
Abteilungen
verstreut, der PJ und ich bekommen die für uns
bestimmten, so daß die Schlacht
beginnen kann!
Die
Möglichkeiten zur Fernwartung der Netzwerk-Computer sind
großartig,
besonders dann, wenn man die Rechner
ferngesteuert zum Neustart veranlassen
kann. Ich versehe die
Monster in Netzwerk-Doom mit den Gesichtern der Nutzer
und sorge
dafür, daß ihr Rechner neugestartet wird, wenn sie
getroffen werden ...
Ich rufe die betreffenden Nutzer noch an und
informiere sie über die Chancen, die sie,
da sie das Spiel ja
vom Server laden müssen, haben, wenn sie nur die Pistole
nutzen
können, wobei sie mit der Munition besonders sparsam
umgehen sollten, denn
Nachschub gibt es für sie nicht.
Natürlich, manche Erbsenzähler werden richtig
gute
Pistolenschützen, wenn es von ihrer Schießkunst
abhängt, ob sie die Tabelle, an der
sie zwei Stunden saßen,
auch speichern können (ein weiterer kleiner Eingriff in
das
Programm auf dem Server).
Am Freitag trudeln die
Testergebnisse ein. Zu meiner Überraschung sind
die
Netzwerk-Computer nicht sehr beliebt, so daß sie wieder
durch normale PCs ersetzt
werden.
Oh, 327 Tote gab es übrigens
....
Der Chef bekommt eine Verwarnung, weil er die Bestellung
unterschrieben hat, die
kleine Helferin des IT-Chefs dagegen eine
Gehaltserhöhung (ihr Lohn scheint wohl
an spezielle
Vorführungen gebunden zu sein) und der PJ und ich freuen uns
wieder
über normale Zustände.
"Ich denke an
eine PC-Version dieses Spiels", kommentiert der PJ später.
"Sie meinen das gleiche Spiel, nur sollte es den
Pentium-Fehler ausnutzen, um die
PCs zum Stehen zu bringen?"
"Sie haben auch schon daran gedacht?"
"Nicht
nur das, ich habe es auch schon installiert und warte nun auf Gegner
...."
Seufz. Schon wieder so ein anstrengendes Gemetzel ...
p.s.: gewisse ähnlichkeiten zu einer vorhergehenden episode
sind unübersehbar, aber
anscheinend doch gewollt. jedenfalls
habe ich meine dateien einer sorgfältigen
prüfung
unterzogen, um irrtümer auf meiner seite auszuschließen
.... </thomas w.>
Die ´Millenniums-Bombe´
hat nichts mit der zu tun, die den Chef nach nur einem
Bier dazu
bringt, die Tarnung des B.O.F.H. auffliegen zu lassen ....
Ich sitze in einer Besprechung, in der ein amerikanischer
´Experte´ für das Jahr
2000-Problem seinen
Vortrag hält.
Ich bin weit davon entfernt, jemandem
vorzuwerfen, daß er seine Chance erkannt hat
und nun
scheinheilig mit beiden Händen das Geld scheffelt, aber er hätte
seinen
Vortrag immerhin etwas unterhaltsamer gestalten können.
Doch der ist ungefähr so
langweilig, wie das Beobachten des
Trocknens von Nagellack. Was ich zufällig
gerade mache -
nämlich auf den Fingern einer attraktiven jungen
Systembetreuerin
neben mir.
Bis zur üblichen Zeit für
den Morgentee - als ihr Verstand erwacht und sie
davonläuft.
Das ist das Problem unserer Zeit - niemand hat mehr
Pflichtgefühl.
Abgesehen vom Chef natürlich, der mich
dabei erwischt, wie ich mich ebenfalls
davonstehlen und den Pub
aufsuchen will, in dem wir uns treffen wollen.
"Beeilen sie
sich!" ruft er. "Oder sie verpassen die Ausführungen
über ..."
(*blätterblätter*) "... die
Notwendigkeit, in Cobol geschriebene Programme zur
Datenbankabfrage
neu zu entwickeln."
Soweit es mich betrifft, gibt es für
dieses Problem zwei Lösungsansätze für jeden
jemals
in Cobol programmierten Müll:
a) Das "rm-rf"-Kommando,
es sei denn das Betriebssystem dieser Zeit (vor RSI
[Repetitive
Strain Injury - thomas w.] und damit vor der Angst, noch vor
dem
Abschluß der Befehlseingabe zu sterben) versteht diesen
Befehl noch nicht, dann
muß er entsprechend durch
"DELETE/ERASE/NO CONFIRM [...] *.*; *" ersetzt
werden.
Oder, mein ganz persönlicher Favorit:
b) Eine Axt.
Wie
auch immer, da er gesehen hat, wie ich das Zimmer verließ, kann
ich mich nicht
im Pub sehen lassen, bevor der Chef eingeschlummert
ist.
Eine Viertelstunde später bin ich dann im Pub und
plaudere über den erst jüngst
getrockneten Nagellack auf
den Fingernägeln einer Verantwortlichen für
die
Systemsicherheit.
"Was machen sie eigentlich als
Sicherheits-Ingenieurin?" frage ich und verwickle
sie sofort
in ein Gespräch unter Fachleuten.
"Nun, ich kümmere
mich um alle Aspekte der Sicherheit von Soft- und Hardware.
Das
schließt den Schutz der Privatsphäre ein wie auch die
Gestaltung von Software
und deren Test unter besonderer Beachtung
der Aufgabe, daß keinem Nutzer
irgendwelche Schäden
durch ihren Einsatz entstehen - physisch, geistig wie
auch
finanziell. Es ist eine sehr interessante Aufgabe, bei der
man immer auf dem
neuesten Stand sein muß."
Mein
Gehirn schaltet sich ab, als ich versuche, meinen Kummer zu
verbergen, den
sie damit verursacht - und nicht nur, weil sie
meint, die Nutzer seien wichtig. Mir ist
gerade das schlimmste
passiert, was überhaupt passieren kann. SIE IST
DER
ANTI-BASTARD!
Sofort versuche ich, mich etwas von ihr zu
entfernen, damit es nicht einmal zu
zufälligen Berührungen
kommt. Ich erinnere mich schließlich noch gut an
meine
Physikstunden, in denen es darum ging, was geschieht, wenn
Materie und
Antimaterie zusammentreffen ...
"Und was
machen sie?" fragt sie.
"Nun, ich bin System- und
Netzwerk-Administrator."
"Und was führt sie zu
dieser Jahr-2000-Veranstaltung?" fragt sie und erwartet eine
vor
Selbstlosigkeit und Sorge um die Nutzer triefende Antwort.
"Nun,
ich bin hier, um mich zu versichern, daß unsere Nutzer nicht
mit potentiellen
Problemen, die vor, während und nach dem
Jahreswechsel auftreten könnten, zu
kämpfen haben ...."
antworte ich. Zugleich hasse ich mich dafür, daß ich solch
ein
Schleimer sein kann, während ich mir im Geiste dazu
gratuliere, daß ich damit die
erste Hürde auf dem Weg
zu weiteren Vergnügungen genommen habe.
Ich kann mir einfach
nicht helfen ...
"Wirklich?" fragt sie voller Freude,
eine verwandte Seele in der Masse der
Computer- und Netzwerkprofis
gefunden zu haben, die sie zweifellos in der
Vergangenheit
kennengelernt hat. "Aber natürlich", erkläre ich.
"Sie haben ja KEINE
AHNUNG, wie lange mein Assistent und ich
brauchen, um unseren Nutzern zu
geben, was sie benötigen."
Sie denkt an Händchenhalten mit den Nutzern, ich denke
an
einen Tritt in den Unaussprechlichen, aber das ist ja
unaussprechlich, also lasse
ich sie denken, was sie will. Zum
Teufel mit den Physikern, sie müssen sich geirrt
haben ...
Wir plaudern noch eine Weile, doch dann weht der Nordwind
einen
unangenehmen Geruch herein, und der Chef tritt ein.
Das
kann nur eins bedeuten ...
"Es gibt gar kein kostenloses
Mittagessen!" ruft der Chef entmutigt.
"Stimmt, ich
dachte auch, hier bekäme ich eins", antworte ich und
besänftige ihn,
indem ich ihm ein Bier auf meine Kosten
anbiete, um damit einerseits an sein
´Zusammengehörigkeitsgefühl´
zu appellieren, und andererseits, um seine bekannte
´Ein
Bier - Ein Betrunkener´-Schwäche auszunutzen.
Ich
verstärke den Effekt noch mit einem doppelten Wodka, was
bedeutet, daß er
spätestens in 15 Minuten unter dem
Tisch liegen sollte. Ich kehre von der Bar
zurück, und der
Chef läuft vor Gutmütigkeit geradezu über, weil ich
ihm ein Bier
spendierte.
Nachdem er ein halbes Bier geschluckt
hat, bemerke ich meinen fatalen Fehler.
"Holen sie
Wiesserdochgleich her!" ruft er an niemanden spezielles gewandt
und
sucht in seinem Mantel nach seinem Handy. Er findet es und
ruft den PJ an, dem er
einen überzeugenden Beweis seines
Zustandes liefert. ARSCHLOCH.
Nachdem ich meine letzten Chancen
auf einen ruhigen Abend mit meinem Gast
verspielt habe, schreitet
der Chef auf dem Pfad der Vernichtung voran. "Dieser Kerl
da
ist großartig", ruft er voller Zuneigung zu mir. "Erinnern
sie sich daran, wie dieser
Nutzer es brandeilig hatte, freien
Festplattenplatz zu bekommen? Sie haben ihm eine
in der Mikrowelle
aufgeheizte Festplatte in den Schoß fallen lassen!" Ich
versuche,
den Chef mit dem Geräusch umfallender Biergläser
abzulenken, doch er kramt weiter
in seinen Erinnerungen. "Oder
als sie diesem Rechnungsprüfer erklärt haben,
sein
Bürostuhl wäre statisch aufgeladen, weshalb er ihn
erden solle? UND SIE
BRACHTEN IHN DAZU, SEINEN STUHL AN DIE
STECKDOSE
ANZUSCHLIESSEN! HA! HA! HA!"
Und so kommt es,
daß der PJ nur noch mich und den Chef antrifft, als er
endlich
kommt. Da der Chef nur noch halb bei Bewußtsein ist,
brauche ich ganze 10
Sekunden, um den PJ einzuweihen. Ich kaufe
dem Chef ein Abschiedsgetränk und
schiebe ihn, zusammen mit
dem Glas, in ein Taxi, das ihn heimbringen soll.
"Ich muß
sagen, daß sie das ziemlich gut wegstecken", sagt der PJ.
"Vergeben und vergessen", rufe ich großmütig.
"Aber davon einmal abgesehen, er
dürfte etwa in diesem
Moment erkennen, daß sein Getränk kein Bier ist."
"Schnaps?"
"Machen sie sich nicht lächerlich!"
rufe ich. "Wir reden von einem warmen
Milchshake mit
Fischgeschmack - genau das richtige Getränk für
einen
empfindlichen Magen ..."
Eine neue Kollegin namens
Sharon, eine verbesserte Sicherheitsausrüstung und
ein
GPS-Sender sorgen dafür, daß der B.O.F.H. den
Sonnenuntergang bei Tequila
genießen kann ...
"Ja, wir kennen uns schon", erklärt die neue
Kollegin, als sie zusammen mit dem
Chef unser Büro betritt.
"Wir haben uns auf der Veranstaltung zum Jahr
2000-Problem in
der vergangenen Woche kennengelernt. Können sie sich nicht
daran
erinnern? Sie habe ich doch beim Mittagessen kennengelernt."
"Mein Erinnerungsvermögen an bestimmte Ereignisse ist
.... ein wenig schlecht."
murmelt der Chef.
"Ja",
unterbreche ich ihn. "Bedauerlicherweise wurde er anscheinend
von einem
wütenden Taxifahrer angegriffen, nachdem sich zwei
Biere, ein Teller Chips und ein
Fisch-Milchshake auf dem
Beifahrersitz wiederfanden, nachdem sie sich im Magen
des Chefs
aufgehalten hatten."
"Sei es wie es sei", ruft der
Chef und will die Herrschaft über das Gespräch wieder
an
sich reißen. "Sharon hat angerufen und uns angeboten,
unsere Systeme auf
potentielle Risiken zu untersuchen - sie wissen
schon, die Haftung der Firma,
Software und Hardware-Fehler, die zu
Verletzungen oder anderen Unfällen führen
können,
die Sicherheit insgesamt und so weiter."
Wie nett von ihr.
"Wie auch immer", fährt der Chef fort. "Ich
bin sicher, sie werden Sharon bei allem
unterstützen, was sie
tut. Für uns wird es Zeit, den IT-Chef zu besuchen."
Der
Chef und unsere neue Sicherheitsberaterin verlassen das Büro in
Richtung des
Büro des IT-Chefs, während der PJ
herbeiflitzt.
"Was hat das zu bedeuten?" fragt er und
erinnert sich daran, welche Rolle der Chef
dabei gespielt hat,
mich und Sharon auseinanderzubringen. Dank seines Verhaltens
wird
es mich einige Anstrengungen kosten, Sharon wieder etwas näher
zu kommen.
"Ich bin mir nicht sicher", antworte ich.
"Aber ich denke, es bedeutet Ärger."
Am nächsten
Tag wird die Wahrheit meiner Vermutung bewiesen, denn Sharons
Analyse
der Liste der Arbeitsunfälle markiert geradezu blutig, daß
die System- und
Netzwerk-Betreuung ein sehr gefährliches
Terrain ist.
"Diese Vorfälle hätten sich mit
entsprechenden Detektoren vermeiden lassen", ruft
sie und
findet die größte Fehlerursache heraus, die schon mehr als
einen Ingenieur
erst in den Kabelschacht fallen und dann bei der
Sanitäterin aufwachen ließ.
(Während der PJ und
ich seine Ausrüstung durchwühlten.)
"Ah, nein, wir
benutzten einen anderen Detektor für Löcher im Boden",
sage ich und
deute auf ein Strommeßgerät auf dem Tisch.
"Fäkalien und Urin - wenn jemand die
Kontrolle über
seine Körperfunktionen verliert, wird der Strom unterbrochen."
"Das ist doch lächerlich", ruft Sharon. "Aber
davon abgesehen - sie können das doch
niemals testen."
"Ich teste es jeden Monat." ruft der PJ entrüstet.
"Das tut er wirklich." stimme ich ihm zu. "Er ißt
eine Schüssel Bohnen und dann
testet er das Meßgerät,
wenn seine Verdauung dazu bereit ist."
Da sie dieses Thema
nicht weiter vertiefen will, verschwindet Sharon, um
herauszufinden,
weshalb der Warenaufzug in der 6. Etage wartete, während der PJ
in
der 5. Etage einen Wagen voller Nutzer-Technik durch die
geöffneten Türen des
Aufzugs rollen ließ.
Ich
könnte ihr sagen, daß das unsere Standardprozedur ist, um
den Chef davon
abzubringen, unsere Dienste als Umzugshelfer
anzubieten, statt etwas über
PLU-Controller zu murmeln, die
von Nägeln in der Wand beeinflußt werden.
Am Ende des
Tages ist Sharon zu den von mir gewünschten
Schlußfolgerungen
gekommen - unsere Ausrüstung braucht
eine Verbesserung der
Sicherheitsmaßnahmen. Diese
Erkenntnis, die noch kombiniert wird mit ein paar
Hochglanzmagazinen
über ´Systemsicherheit´, die der Chef in seinem
Briefkasten
gefunden hat (die die Vorteile einer ganz bestimmten
amerikanischen Firma
hervorheben), ist für den Chef mehr als
ein Wink mit dem Zaunspfahl.
"Ich glaube nicht, daß
wir das alles benötigen", erklärt Sharon, nachdem sie
den Plan
des Chefs gehört hat. "All das, was wir
brauchen, finden wir auch hier."
"Wir sollten alle
Optionen betrachten", ruft der Chef, der nicht geneigt ist, auf
eine
Vergnügungsreise in die USA zu verzichten.
Plangemäß
versucht er, unsere Zustimmung zu seinen Vorstellungen zu
gewinnen,
indem er uns alle zu dieser Reise einlädt, um ´alle
technischen Bereiche
abzudecken´.
Und der Chef weiß
es schließlich am besten.
Das Flugzeug hebt ab, und der PJ
und ich machen uns ASAP über die Drinks her,
während
Sharon in die Business-Class geht, um dem Chef weitere Gefallen zu
tun.
"Ich verstehe das nicht", sagt der PJ.
"Wieso?"
erwidere ich. "Wenn sie etwas haben wollen, dann ist es immer
gut, wenn
sie dafür sorgen, daß jemand anderes es ´aus
technischen Gründen´ fordert, denn
dann sieht es
legitimer aus, als wenn sie es selbst gefordert hätten. Handys,
Laptop,
wünschen sie sich etwas!"
"Was werden
wir tun, wenn wir angekommen sind?"
"Ich habe vor,
Tequila in einer Strandbar zu trinken."
"Ich glaube
nicht, daß es in Ohio Strände gibt."
"Ohio?"
rufe ich. "Wir fliegen nicht nach Ohio. Nicht nach der
Entführung."
"Sie wollen das Flugzeug entführen?"
flüstert der PJ. "Das können sie doch nicht
tun!"
"Natürlich."
"Aber ..."
"Oh,
keine Angst, Waffen werden wir nicht brauchen. Nur den ersten Titel
dieser
CD", sage ich leise und deute auf meinen tragbaren
CD-Spieler.
"Das ist ein CD-Spieler!"
"Scheinbar,
ja, aber es ist auch ein ... ein kleiner GPS-Sender."
"Sie
wollen das Navigationssystem des Flugzeugs manipulieren?"
"Ich
ziehe die Bezeichnung ´kleine Berichtigung des Kurses´
vor. Dieses kleine
Gerät wird in Kürze damit beginnen,
Signale auszusenden, um so langsam aber
sicher den Kurs zu
verändern, denn sonst würde der Pilot etwas merken."
"Damit kommen sie nicht durch!" flüstert der PJ
ängstlich.
"Natürlich. Habe ich sie jemals
belogen?"
"Oh, in der vergangenen Woche sagten sie, daß
sie den Strom abgeschaltet hätten,
als ich die Sicherungen
austauschen wollte. Und in der Woche davor sagten sie mir,
daß
alle Abdeckplatten auf dem Kabelschacht von innen Griffe hätten,
so daß es
völlig in Ordnung sei, sie von innen zu
schließen." '
"Ich habe sie doch wieder
herausgeholt, oder?"
"Nachdem sie all das Bier
getrunken hatten, das ich im Schrank des Chefs fand."
Und so
kommt es, daß ich in Südamerika an einer Bar sitze und
Tequilas trinke,
während der Chef versucht, uns einen
Rückflug in die Zivilisation zu organisieren.
Und Dank meiner
selbstlosen Bemühungen, bei der Rettung des Flugzeugs zu
helfen,
nachdem der Treibstoff knapp wurde, ist Sharon nun meine
neue beste Freundin.
Um der Langeweile der
Routine zu entgehen, meldet sich der B.O.F.H. freiwillig für
die
Nutzer-Betreuung. Doch ist er noch clever genug, es mit den
Problemchen der
Nutzer aufnehmen zu können?
Es ist ein ruhiger Nachmittag, als der Chef betont unauffällig
hereinschlendert und zu
meinem Tisch schleicht.
"Ich
wollte ihnen nur sagen, daß ich die kleine Verwechslung im
Dienstplan der
Nutzer-Betreuung berichtigt habe." murmelt er
leise.
"Welche Verwechslung im Dienstplan?" will ich
wissen.
"Oh, irgendein Witzbold hat ihren Namen auf den
Dienstplan der Nutzer-Betreuung
gesetzt, wenn diese ihr Wochenende
zur Stärkung des
Zusammengehörigkeitsgefühls
abhält."
"Stimmt. Das war ich. Ich glaube, ich
fange in der Mittagszeit an und arbeite dann
bis fünf Uhr,
wenn ich mich nicht irre. Ich freue mich schon darauf."
"Ah!"
ruft der Chef und reißt blitzschnell sein Handy aus der Tasche,
um per
Schnellwahl die Versicherung der Firma anzurufen.
Der
PJ wirkt verunsichert - es gibt in der Nutzer-Betreuung keine Technik
mehr, die
uns begehrenswert erscheint, da wir alles brauchbare
mitgenommen haben, als der
Sicherheitsdienst die ausgefallenen
Überwachungskameras reparieren ließ. Die
Wahrheit ist -
ich langweile mich. Langeweile, Langeweile, Langeweile.
Und
deshalb beherzigte ich den Ratschlag, daß ein kleiner
Ortswechsel die gleiche
Wirkung hat wie ein Urlaub, als ich mich
für einen vierstündigen Aufenthalt in der
Schaltzentrale
der Idioten einschrieb. Und nebenbei will ich herausfinden, ob ich
es
noch schaffe, den Nutzern, die mich wegen irgendwelcher
Probleme mit ihren
Programmen anrufen, die richtigen Antworten zu
geben.
Der nächste Tag bricht an und pünktlich nach dem
Mittagessen steuere ich direkt die
Nutzer-Betreuung an, um mein
Bestes zu geben. Natürlich für unsere Nutzer. Und
um
ehrlich zu sein, es ist nicht einmal halb so schlimm wie ich annahm -
es ist sogar
himmlisch ruhig.
Und so schließe ich sogar
die Telefone wieder an, worauf die Warteschlange mir drei
Anrufe
meldet. Ich wähle zufällig einen aus und melde mich.
"Hallo, wissen sie, mein Rechner raucht ein wenig und es
riecht verbrannt. Als ich
ihn heute einschaltete, gab er schon so
komische Geräusche von sich. Sollte ich ihn
nun besser
ausschalten?"
"Nein. Machen sie sich keine Sorgen - wir
hatten heute ein paar Ausfälle in der
Systembetreuung, wo
wohl ein paar Sicherungen eines Servers durchgeschmort sind,
der
Rauch und der Brandgeruch dürften durch den Kabelschacht zu
ihnen gekommen
sein."
"Gibt es etwas, das ich tun
sollte?"
"Nein, eigentlich nicht. Ich würde an
ihrer Stelle die Bürotür schließen und
zum
Nachmittagstee gehen, bis der Rauch sich verzogen hat - etwa
eine Stunde, schätze
ich."
"Halt, warten sie!
Wieso ist nichts mit den anderen Rechnern passiert?"
"Weil
sie gerade mit dem Backup-Server ihrer Abteilung verbunden sind, der
heute
die Probleme mit den Sicherungen hatte."
"Oh,
natürlich!" stimmt mir der Anrufer beinahe begeistert zu,
bedankt und
verabschiedet sich in eine frühe Pause.
Da
ich jetzt nur noch über begrenzte Zeit verfüge (bis der
Feueralarm die Sprinkler
auslöst), entschließe ich
mich, die letzten beiden Anrufe so schnell wie möglich
zu
bearbeiten.
"Hallo", zwitschert eine Sekretärin
aus der PR-Abteilung. "Immer dann, wenn ich
eine E-Mail
abschicke, meldet das Programm etwas über Probleme mit
diesem
DNS-Zeug."
"Stand da etwas wie ´DNS
Zuordnungsfehler´?"
"Ja ... ich glaube, das stand
da." murmelt sie.
"Oh, meine Liebe", seufze ich.
"Das tut mir aber leid."
"Was, was ist?"
"Sie meinen, sie wissen das nicht?"
"Nein,
was?"
"Nun, DNS steht für Datenbank der Namen und
Saläre."
"Das verstehe ich nicht."
"Nun,
wenn sie nicht der Datenbank zugeordnet werden können, wenn sie
eine
E-Mail verschicken wollen, dann kann das nur bedeuten ...
nun, sie sind wohl
gefeuert. Oder man wird sie demnächst noch
entlassen."
"Aber ich bin doch erst seit ein paar
Monaten hier!"
"Ja, aber ich wette, sie haben ihren
Chef verärgert, als sie es ablehnten, ihn zum
Mittagessen zu
begleiten, oder?" frage ich und deute dabei nur
die
Aufreißerklamotten und das Cabrio ihres Chefs richtig.
Und seine aufdringliche Art,
sich um die vermeintlichen Probleme
der weiblichen Belegschaft zu kümmern. Nicht
daß ich
eifersüchtig wäre, aber ...
"Aber das konnte ich
doch nicht machen, weil ich mich um die Rechnungen von der
Bank
kümmern mußte!" schnieft sie zutiefst verunsichert.
"Nun", antworte ich freundlich. "Soweit ich sie
kenne, war es angenehm, mit ihnen zu
arbeiten ... Ich werde sie
vielleicht ein wenig vermissen, es sei denn ..."
"Es
sei denn was?"
"Nun, sie könnten sich in der
Personalabteilung darüber beschweren, daß er ihnen
damit
gedroht hat, sie zu feuern, wenn sie nicht ... nun, sie wissen
schon."
"Was? Was?"
"Naja, seine
Ausrüstung bewundert haben, sozusagen ..."
"Was!"
"Nun, es liegt bei ihnen. Wenn sie warten, bis sie gefeuert
werden, dann wird jeder
denken, sie suchten nach Ausreden. Wenn
sie sich aber jetzt schon beschweren und
nichts über die
DNS-Sache verlauten lassen, werden alle denken, ihre Vorwürfe
würden
stimmen."
"Glauben sie, daß das funktionieren
kann?"
"Ich denke schon. Es wäre ja nicht gerade
eine Premiere, wissen sie. Sie hätten
dabei nur mehr Glück
als ihre Vorgängerinnen ..."
"Ich glaube, sie
haben recht. Gut, ich werde es so machen. Vielen Dank für
ihren
Rat."
"Keine Ursache, dafür sind wir ja
da." erwidere ich und wende mich dem dritten
Anrufer zu,
während ich dem PJ mit Gesten zu verstehen gebe, er solle schon
einmal
die ´Kündigung´ des Chefs der PR-Abteilung
vorbereiten.
"Hallo, mein Linux scheint die CD im Laufwerk
nicht mounten zu wollen. Es verlangt,
daß ich die CD ´read
only´ mounte. Welchen Parameter muß ich dazu angeben?"
"Linux basiert auf einem Hardware-Schreibshutz. Sie müssen
die CD selbst mit
einem Schreibschutz versehen."
"Was?
Davon habe ich noch nie gehört!"
"Nun, die meisten
Betriebssysteme machen das tatsächlich mit spezieller
Software,
doch Linux arbeitet mit einer offenen hardwarebasierten
Cache-Technologie",
antworte ich und überzeuge ihn mit
ein paar Schlüsselworten von der Richtigkeit
meiner
Ausführungen.
Mit anderen Worten: *DUMMY MODUS EIN*
"Und
was soll ich tun?"
"Machen sie einfach ein drei
Millimeter großes - aber nicht größer! - Loch in die
CD.
Genau in der Mitte zwischen dem Rand und dem Loch in der
Mitte. Dort wird
nämlich der Schreibschutz erwartet. Aber
denken sie daran, daß das Loch nicht
größer sein
darf und genau in der Mitte liegen muß, da sie sonst auch den
Leseschutz
aktivieren könnten."
"Oh ... In
Ordnung ..."
Er legt auf, ohne danach zu fragen, wieso
jemand lesegeschützte CDs benutzen
sollte, und entgeht damit
meiner Erklärung der WORN-Technologie (Write once,
never read
- wie bei den normalen Disketten).
Als der Feueralarm dann
losgeht, blicke ich auf meine Tagesleistung zurück:
früherer
Feierabend wegen eines Feuers, ein eitler Gockel
weniger und ein übertölpelter
UNIX-Fanatiker.
Ja,
ich glaube, ich kann es noch!
Wird der B.O.F.H. den
RoboChef auch beim diesjährigen Gladiatorenkampf mit den
Jungs
aus der Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung einsetzen? Oder wird
ein
mutierter Flurpolierroboter das Derby gewinnen?
Es ist wieder soweit! Die Netzwerk- und Systembetreuung gegen die
Forschungs-
und Entwicklungs-Abteilung. Nein, kein simpler
Wettkampf darum, wer das meiste
Abführmittel in den
Wasserspender des anderen Teams schmuggeln kann - auch
wenn das
ein Riesenspaß ist, wenn man jemanden in der Fabrik kennt, in
der das
Mineralwasser abgefüllt wird. Nein, es geht um ein
Spiel für echte Könner - einen
Roboterkrieg!
Der PJ
und ich liefern uns jährlich die Schlacht mit den Leuten aus der
Abteilung für
Forschung und Entwicklung. Die Regeln sind
einfach: beide Teams treten mit einem
oder mehreren Robotern, die
selbständig den Weg durch ein recht einfaches
Labyrinth
finden müssen, das aus Räumen und Gängen im
Kellergeschoß besteht, an.
Der PJ ist wirklich begeistert, da dies sein erster Roboterkrieg
ist..
"Das ist also eine jährliche Veranstaltung?"
will er wissen, während er mit mir an
unserem mechanischen
Teilnehmer schraubt.
"Seit dem vergangenen Jahr."
"Ich
kann mich gar nicht daran erinnern."
"Natürlich
nicht, sie waren ja auch nicht da."
"Was?"
"Auf
einer Vergnügungsreise."
"Oh, und wie haben wir
abgeschnitten?"
"Nun, wie ich das beurteile, haben wir
fair und überzeugend gewonnen - keiner der
sieben Roboter der
Forschungs- und Entwicklungsabteilung war schließlich noch
im
Spiel, trotzdem gab es wohl einige Proteste wegen meines
Roboters."
"Warum?"
"Aaaahhh, weil es
eigentlich der Chef war, dem ich eine Autoantenne auf den
Rücken
gebunden hatte, der sich auf der Suche nach seinem neuen Laptop in
der
Dunkelheit des Kellergeschosses verirrt hatte."
"Und
er hat gewonnen?"
"Ja, dabei gab es gar keinen Laptop;
und als seine Begeisterung abnahm, habe ich
das Licht aus- und den
Feueralarm eingeschaltet, was seine Geschwindigkeit
dramatisch
erhöhte."
"Und worüber haben sie sich
beschwert?"
"Nun, da gab es eigentlich zwei Beschwerden
- erstens, weil der Chef blindlings
herumtappte und dabei ihre
Roboter zerstörte (was uns freilich dabei half, den
Wettbewerb
zu gewinnen) und zweitens, weil der Chef gar kein Roboter war."
"Und was ist passiert?"
"Ich habe ihnen
bewiesen, daß er, unter Berücksichtigung aller notwendigen
Fakten,
ein Roboter war - er verfügt über einen
endlichen Vorrat an einfach auszuführenden
Befehlen und man
muß ihn mit Informationen füttern, ohne die er nicht
selbständig
handeln kann ..."
"Stimmt. Und
weshalb lassen wir ihn in diesem Jahr nicht wieder antreten?"
"Hm. Nun, die Regeln sind in diesem Jahr etwas strenger. Der
Roboter muß auf dem
Prozessor basieren, den die Abteilung
Forschung und Entwicklung für diese
automatischen
Polierroboter entwickelt hat."
"Die Roboter, die in der
Nacht auf zufälligen Routen durch das Gebäude huschen?"
"Genau die."
"Und wofür ist all dieser
Müll?" fragt er und deutet auf den Haufen Elektronik, der
für
die Eröffnung eines eigenen Geschäfts
ausreichen würde.
"Nun, zum diesjährigen Kampf
gehört ein Demolierwettbewerb, der überlebende
Roboter
wird zum Gewinner erklärt. Und ich denke mir, je größer
der Roboter ist,
desto größer ist die
Wahrscheinlichkeit, daß er am Ende noch mobil ist."
"Also
benutzen wir dieses große Regal auf Rädern?"
"Ja.
Erstens wird es vor dem Wettkampf nicht besonders auffallen und
zweitens
fordern die Regeln, daß die Stromversorgung durch
Batterien erfolgen soll. Und ich
brauche eine Menge Energie, um
die rotierenden Sägeblätter zu betreiben. Und
drittens
ist es ein über ein Meter langes Fahrgestell, das den Wettkampf
einfach
gewinnen muß, reichen doch die größten
Roboter der anderen nur etwa bis zu seiner
halben Höhe."
"Wo haben sie all die Batterien her, die sie dafür
brauchen?"
"Oh, die habe ich in der vergangenen Nacht
von der Unterbrechungsfreien
Stromversorgung geborgt."
"Hat
das niemand bemerkt?"
"Nein, ich habe die USV
abgeschaltet - da kann es auch keine Fehlermeldungen
geben. Wie
auch immer, jetzt muß ich nur noch diesen Prozessor mit
dem
modifizierten Programm zur Navigation durch ein Labyrinth und
die Batterien
einsetzen. Und noch ein wenig Ballast ..."
"Zauberhaft!"
Drei Nächte später treffen
wir im Keller die Jungs aus der Forschung und
Entwicklung, die
ihre Roboter vorbereiten, während wir auf unserem sitzen.
Einiges
Geld scheint in einem Roboter mit dem Namen "Reggie"
zu stecken, da er besonders
schnell um die Ecken flitzen kann.
"Ich schätze, damit haben sie einen Punkt Vorsprung",
murmelt der PJ, nachdem er
eine Vorführung der Fähigkeiten
des Roboters gesehen hat. "Er ist schneller in den
Ecken als
unser ´Kleiner´ jemals sein kann."
"Au
contraire!" antworte ich. "Sie vergessen zwei wichtige
Punkte, die ich ihnen
noch nicht mitgeteilt habe; mit den 20
USV-Batterien und den vier von jeweils einem
Präzisionsmotor
getriebenen Rädern ..."
"Fünf ..."
beginnt der Starter zu zählen.
"... verfügt unser
Teilnehmer über eine phänomenale Beschleunigung ..."
"Vier ..."
"Aber er kann trotzdem nicht so
schnell wenden!"
"Drei ..."
"Das ist der
zweite Punkt: mit all seinem Gewicht ..."
"Zwei ..."
"Ja?"
"Eins ..."
"... wäre
es glatte Zeitverschwendung, als Favorit um die Ecken zu fahren ...."
"Los!"
Zehn Minuten später sind der PJ und ich
auch schon in der Kneipe. Zugegeben, die
Idee, den Roboter einfach
durch die Wände rollen zu lassen, gehört wohl nicht zu
den
naheliegendsten, doch sie hat ihren Erfolg deutlich unter
Beweis gestellt.
"Wer hätte auch ahnen können, daß
der Roboter Amok laufen würde und mit den
rotierenden
Sägeblättern die Hauptleitung der Energieversorgung
durchtrennen
würde?" frage ich den PJ.
"Zumindest
nicht ernsthaft", bestätigt der PJ und wedelt zufrieden mit
der
Siegprämie, die die Leute der Forschungs- und
Entwicklungs-Abteilung in ihrer
Panik vergessen haben ... "Er
hätte doch auch das andere Team durch das Gebäude
jagen
können ..."
"Nein, nein!" rufe ich. "Das
heben wir uns als Überraschung für das nächste
Jahr
auf ..."
Während der PJ Feuer
und Flamme für Carole ist, legt jemand Feuer in der
Außenstelle
in Wales. Doch diese Vorfälle sind bedeutungslos gegenüber
dem
großen Meisterplan ...
Es ist früher Morgen, als der Chef in ausgesprochen mieser
Stimmung in das Büro
platzt.
"In Ordnung, wer von
ihnen beiden hat dem Berater in unserer walisischen
Außenstelle
gesagt, sie könnten seine Datenbank-Dateien nicht aus dem
Backup
auf dem Magnetband wiederherstellen, da das Band zu kalt
ist?"
"Wie war das?" frage ich unschuldig. Und da
mein Gewissen wirklich rein ist, kann
das nur der PJ gewesen sein.
"Wer hat den Walisern gesagt, sie sollten das Band erst in
einem Toaster erwärmen,
bevor sie die Datenbank mit den
offenen Rechnungen wiederherstellen können?"
"Ich
habe keine Ahnung, wovon sie reden!" rufe ich und spiele die
Rolle des
Unschuldslamms weiter, wobei ich es natürlich
vermeide, den PJ in irgendeiner
Weise zu belasten.
"Kommen
sie mir nicht damit! Sie hätten beinahe die ganze Außenstelle
in Brand
gesteckt mit ihrem Vorschlag, einen Stapel Druckerpapier
auf den Toaster mit dem
Band zu legen!"
"Das hätte
ich niemals getan!" rufe ich. Insgeheim bewundere ich freilich
den
Einfallsreichtum meines Kollegen.
Zehn Minuten später
hat sich der Chef verkrümelt, und der PJ und ich sind
wieder
allein.
"Gute Arbeit", wende ich mich an den
PJ als ich sicher bin, daß uns niemand
belauscht.
"Wovon
reden sie? Ich wollte gerade IHNEN gratulieren!" erwidert er.
"Wollen sie damit sagen, daß sie es wirklich nicht
waren?"
"Nein!" beteuert er.
"Aber wer
zum Teufel war es dann?" frage ich mich laut.
"Können
wir das wirklich nicht herausfinden?"
"Ach, machen sie
sich darüber keine Gedanken, holen sie einfach die
gestrigen
Bänder aus dem Gesprächsrekorder, während
ich mich um die Protokolle der
Telefongespräche kümmere."
"Welche Gesprächsprotokolle? Ich dachte, wir überwachen
nur die Verhandlungen
mit Lieferanten?"
"Das ist
das, was jeder glaubt, daß wir nämlich keine Gespräche
überwachen - es
ist ja auch unmöglich."
"Und
was glauben wir?"
"Jeder Anruf, dessen Dauer, die
angerufene Nummer und die Position auf den
Bändern. Und was
die Bänder angeht, die großzügige Anwendung
der
Lautstärkeregelung sorgt dafür, daß es so
aussieht, als würden wir nur die Händler
aufnehmen."
"Und wie sieht es wirklich aus?"
"Wir
überwachen alle Anschlüsse bis auf einen ..."
"Bis
auf einen?"
"Ja, den in unserem Büro, der als
´Faxmodem´ beschriftet ist und den wir für
unsere
privaten Auslandsgespräche nutzen."
Eine
knappe Viertelstunde später haben wir den Anruf aus Wales
gefunden, und
beim Abhören der Gesprächsaufzeichnung
finden wir auch schnell heraus, daß der
Bösewicht die
zuletzt eingestellte Mitarbeiterin der Nutzerbetreuung ist -
eine
Mitarbeiterin, die beim Einstellungsgespräch alle
Merkmale einer unterwürfigen
Schleimerin gezeigt hatte, deren
einziger Lebenszweck darin besteht, den Nutzern
zu helfen.
Ich
rufe in der Nutzerbetreuung an, lasse mich mit ihr verbinden, stelle
mich vor und
spiele ihr den Mitschnitt vor.
Eine plötzliche
Stille am anderen Ende bestätigt meine Vermutungen, während
der PJ
die Datenbank der Personal-Abteilung durchsucht, um ihrem
Namen ein Gesicht zu
geben.
"Ah, wenn sie gestatten,
kümmere ich mich um die Sache", schlägt er plötzlich
vor
und dreht seinen Monitor so, daß ich ihn nicht sehen
kann.
Das hätte vielleicht funktioniert, wenn ich nicht PC
Anywhere installiert hätte und
ein Fenster auf meinem Desktop
mir immer zeigen würde, was er sieht. Ein kurzer
Blick darauf
genügt, um den Grund für den erwachenden Altruismus des PJs
zu
erkennen.
"Ich glaube, ich kann mich ebenso um den
Monitor von Carole kümmern wie sie."
Antworte ich.
"Ihr
Monitor ist nicht defekt!" ruft der PJ, der ernsthaft um die von
ihm offenbar
langfristig angestrebte Liebesbeziehung zu Carole
fürchtet, wenn sie mich trifft.
Ganz besonders, wenn ich auf
ihre Fragen nach seinem Verbleib vielleicht sagen
würde:
"Einsatzbesprechung mit dem neuen Schönling aus der
Nutzerbetreuung" ...
"Nein, aber Vorsicht ist besser
als Nachsicht. Ich werde mich jetzt darum
kümmern."
"Sie Bastard!" murmelt er niedergeschlagen.
"Durch
und durch, in ihrem Home-Verzeichnis und in ihrer E-Mail!" rufe
ich und
beginne meinen Siegeszug zur Nutzerbetreuung.
Ein
kurzes Gespräch mit der besagten Frau läßt mich eine
Blutsverwandte
erkennen - ein technikverliebtes Lebewesen, das
diese Arbeit nur angenommen hat,
um die Rechnungen bezahlen zu
können ...
"Also arbeiten sie nicht gern mit den
Nutzern?"
"Besonders nicht mit denen aus Wales. Sie
bekommen keine technische
Unterstützung und ihre Ausrüstung
hat noch immer die Aufkleber aus der Zeit der
Arche Noah."
"Ja, das ist unser System zur Wiederverwendung der Technik.
Unsere veraltete
Technik liefern wir nach Schottland, und sie
schicken ihre ausgemusterte Technik
nach Wales."
"Das
ist eine verdammte Schufterei, besonders dann, wenn sie einen Berater
an der
Leitung haben, der die beiden Enden eines Netzkabels nicht
voneinander
unterscheiden kann."
"Aber es gäbe
da eine Möglichkeit." antworte ich und schildere ihr meinen
Plan ...
Zwei Tage später liest der PJ die E-Mails des
Chefs, als ...
"VERDAMMT!" ruft er. "Diese Frau
wird nach Wales versetzt! Sie müssen
herausgefunden haben,
daß sie für die Anrufe verantwortlich war. Das ist
grausam."
"Nein", erwidere ich. "Sie wollte
die Versetzung. Wenn sie es erst einmal schafft,
ihren neuen
Arbeitsplatz etwas umzugestalten und die neue Technik eingerichtet
hat,
kann sie ihre Arbeit von London aus über das Netzwerk
erledigen ..."
Unser Gespräch wird vom Chef
unterbrochen.
"Ich dachte nur, ich sollte vorbeikommen und
mich entschuldigen. Es hat den
Anschein, daß ich etwas
vorschnell war, als ich sie beschuldigte, die Filiale in Wales
zu
sabotieren."
"Ach, wirklich?" antworte ich.
"Ja,
anscheinend ist der technische Berater dort ein Pyromane - die Leute
vom
Wachdienst fanden ihn in der vergangenen Nacht, wie er
Feuerzeugbenzin in den
Anwendungsserver sprühte. Er wollte
sich tatsächlich damit entschuldigen, daß
jemand aus
der Nutzerbetreuung ihm etwas von einer zu
niedrigen
Betriebstemperatur für die CPU erzählt hat."
"Schrecklich."
"Ich weiß. Wie auch
immer, ich wollte sie nur informieren", seufzt er und
watschelt
davon ...
"Vorwärts WVBN!" rufe ich.
"WVBN?"
"Weltweites Virtuelles Bastard
Netzwerk. Mein großer Plan!"
"Uh-ohh ..."
Der B.O.F.H. und der PJ
nehmen an einer ´langweiligen´ Versammlung teil, bei
der
alle in Schweiß ausbrechen, und der Chef muß für
die Ideen überhitzter Aktionäre
büßen ....
Der PJ und ich wurden gezwungen, an einer Aktionärsversammlung
teilzunehmen,
damit wie einspringen können, falls dem Chef
schwierige technische Fragen gestellt
werden, die er nicht
beantworten kann (Beispielsweise: "Wo ist die Leertaste?").
Es gibt Wein und Knabbergebäck, damit die Aktionäre in
guter Stimmung sind, damit
sie die Dinge so sehen werden wie das
gegenwärtige Management.
"Hmm, ein 89er Cabernet
Sauvignon, wenn ich mich nicht irre", höre ich
einen
Anzugträger der alten Schule zu meiner Linken sagen.
"Ich glaube, es ist eher der 90er Jahrgang." gluckst
sein Gesprächspartner wissend.
"Wirklich?" platzt
der PJ heraus. "Ich dachte, es war ein 88er Ford Grenada -
die
Ghia-Version mit Ledersitzen und der Holzverkleidung!"
Man muß ihm verzeihen - er wird immer etwas unausstehlich,
wenn er mehr als eine
Stunde lang an einem solchen Treffen
teilnehmen muß. Ich selbst werde auch schon
etwas nervös
....
Ich ziehe ihn von den Leuten weg und kümmerte mich
gleichzeitig um die
Klimaanlage (dank eines kleinen Senders, der
in meinem persönlichen De-Organizer
untergebracht ist).
Innerhalb von zehn Minuten erhitzt sich das Gebäude und
die
menschliche Zurückhaltung der Aktionäre löst
sich in Schweiß auf, während alle
Versuche, die
Klimaanlage wieder unter Kontrolle zu bringen, scheitern. (Aber
das
ist eben der Preis, den man zahlen muß, wenn man noch
immer das Passwort für die
Fernsteuerung nutzt, mit dem die
Anlage ausgeliefert wurde.) Nach ein paar
geflüsterten
Gesprächen mit den Leuten vom Catering stimmt der
Geschäftsführer
allem zu, was die Aktionäre davon
abhalten wird, wirklich unangenehm zu werden.
Und wie es der
Zufall will, finden wir 12 Kästen Bier, die im Kühlschrank
auf die
Siegesfeier des Yacht-Clubs der Firma warten ...
Zwölf
Kästen eiskaltes Bier später entwickelt sich die
Aktionärsversammlung zu
einem lustigen Beisammensein.
Großzügig gestimmt haben die Aktionäre von
der
Geschäftsführung verlangt, die Löhne für
alle Angestellten zu erhöhen - mit
sofortiger Wirkung. Und da
man das Eisen schmieden muß, solange es heiß ist,
habe
ich sie auch noch dazu gebracht, daß mir 100 "dringend
benötigte neue PCs" mit
"allem Zubehör"
genehmigt werden. Der Chef, bekannt dafür, daß er nach
einem Bier
normalerweise zusammenklappt, verteilt Fotokopien
seines Hinterns - zum Glück
hat er noch seine Unterhosen an.
Der Wachdienst wird vom ´Weitsprung-Wettberb´
alarmiert. (Ein Bürostuhl mit
Rollen wird mit aller Kraft
über eine geneigte Rampe - ein langer Tisch, dem an
einem
Ende die Tischbeine abgebrochen wurden - nach oben gestoßen.)
Ein ´herrenloser Bürostuhl´ widerstand nach
seinem fulminanten Start den
Versuchen zweier Fenster, ihn zu
stoppen - einem Fenster im Beratungszimmer und
einem Fenster in
einem unten abgestellten Taxi.
Am nächsten Tag brodelt die
Gerüchteküche - alle wissen, wem sie die
Lohnerhöhung
zu verdanken haben.
Der PJ und ich fühlen uns wie Robin Hood
und nehmen voller Bescheidenheit die
Danksagungen entgegen. Lao
Tsu wäre stolz auf uns.
Doch unser Ruhm hält freilich
nicht lange an, da es eine Notfall-Versammlung der
Aktionäre
gibt, die die Fehler der vergangenen Nacht wieder berichtigt.
Das
ist schlimm. Die Annullierungen kommen schnell herein, und wir kommen
gerade
rechtzeitig, um zu sehen, wie unser Plan zur Anschaffung
neuer Technik in den
Fluten versinkt.
"Ah", werfe
ich ein, als dieser Punkt angesprochen wird. "Das ist jetzt
vielleicht kein
guter Zeitpunkt, doch ich habe die genehmigten
Rechner schon in der Nacht
bestellt."
"Dann machen
sie die Bestellung eben wieder rückgängig!" rät
eine Stimme.
"Dann müssen wir eine Vertragsstrafe von
10 Prozent zahlen ..."
Zehn Prozent sind weniger als hundert
Prozent Verlust, also werden wir beauftragt,
die Bestellung
rückgängig zu machen.
"Aber sie haben doch noch
gar nichts bestellt!" platzt der PJ heraus, der genau weiß,
daß
das einzige, was ich in der vergangenen Nacht noch geregelt habe, ein
Disput
mit der Drehtür war, die mich auf dem Weg zum Taxi
aufhielt.
"Nein, nein, aber wenn ich 10 Rechner bestelle,
die auf der Rechnung als
´Vertragsstrafe für
Vertragsrücktritt´ deklariert sind und nach Wales
geliefert
werden ..."
"Oh!" ruft der PJ. "Das
Weltweite Virtuelle Bastard Netzwerk rückt näher!"
"Was für ein Weltweites Virtuelles Bastard Netzwerk?"
fragt der Chef und erscheint
im Büro.
"Weltweites
Virtuelles Bastard Netzwerk?" frage ich unschuldig.
"Ja
.... über das sie gerade sprachen."
"Oh, sie meinen
das Weltweite Virtuelle Bargeldkarten Netzwerk?" frage ich
und
klammere mich an den erstbesten Strohhalm. "Für ...
elektronischen Handel?"
"Nein, ich denke, daß ich
es richtig verstanden habe. Sie haben diese neuen Rechner
für
ein globales Netzwerk nach ihren eigenen Vorstellungen bestellt. Ich
glaube, die
Aktionäre werden sich sehr dafür
interessieren."
Ich bin schockiert. Der Chef, der
normalerweise kaum zwei und zwei
zusammenzählen kann ohne auf
eine Zahl unter 22 zu kommen, hat den Nagel auf
den Kopf
getroffen. Er weiß zuviel.
Während ich an meinem
De-Organizer herumfummle, fordert der Chef den PJ auf,
sich vom
Netz abzumelden und uns in das Beratungszimmer der Geschäftsleitung
zu
begleiten.
Um klaustrophobischen Anfällen vorzubeugen,
empfehle ich die Treppen für den Weg
nach oben.
Zehn
Minuten und drei Etagen später keucht der Chef und verlangt vor
dem
Beratungszimmer eine Pause. Er hat wohl sein Asthmaspray
verloren, das die
Treppen nach unten fiel, als der PJ ihn
unglücklich anstieß. Wir öffnen die Tür
und
betreten den Raum.
"Sie schickt der Himmel!"
keucht jemand, als die Hitzewelle uns trifft. "Die Tür
konnte
nicht von innen geöffnet werden und die Klimaanlage ist schon
wieder
ausgefallen. Schließen sie die Tür ja nicht,
wenn ihnen ihr Leben lieb ist!"
Zwölf Ersatzkästen
Bier später sind wir noch immer eingesperrt und begutachten
das
Loch im Fenster, das der Chef bei seinem Versuch,
den
´Weitsprung´-Wettbewerb zu gewinnen, hinterließ.
Gut, man könnte einwenden, daß
es ihm bestimmt nicht
gepaßt hat, an den Stuhl gefesselt zu werden, aber ich
kann
beschwören, daß er erfreut genug war, um über
die ganze Zeit ein leises "Wheeeee"
von sich zu geben
....
Und natürlich kam er in den Genuß eines ganz
besonderen Ritts auf einem Taxi ...
Als das Gebäude in den
blitzenden Farben aus dem Teletubby-Land erstrahlt, gibt es
nur
einen Weg, den alten Zustand wiederherzustellen ...
Ich komme rechtzeitig zum Morgentee zur Arbeit, als mein Blick auf
den Boden fällt,
den ich mir mit dem PJ teile.
Noch bevor
ich das Foyer durchquert habe, habe ich mein Handy aus der
Tasche
geholt und rufe den PJ an.
"Hallo, nigerianische
Botschaft", meldet er sich mit der in dieser Woche
aktuellen
Ansprache.
"Sie erraten niemals, was sie im
Flur anstellen!" rufe ich.
"Sie malen die Wände
mit Leuchtfarbe orange an?" fragt er.
"Oh, natürlich,
sie haben ja die Überwachungskameras. Wo habe ich nur
meine
Gedanken?"
"Ja, und nicht nur das!"
"Was?"
"Nun, wollen sie die gute oder die
schlechte Nachricht zuerst hören?" fragt der PJ
verspielt.
"Die gute Nachricht ..." antworte ich und nehme zur
Abwechslung einmal den Lift.
"Die gute Nachricht ist, daß
es nur eine schlechte Nachricht gibt."
"In Ordnung, die
schlechte Nachricht bitte."
"Die Maler haben in der
vergangenen Nacht in der vierten Etage angefangen."
"Wie
schlimm ist es?" frage ich, als sich die Lifttüren öffnen
und meine Frage
beantworten.
Ich starre auf ein Büro, das
wie das Innere einer Bräunungslampe aussieht.
Der Chef kommt
herbeigeschlendert und lächelt wohlwollend - oder ist es
ein
boshaftes Grinsen?
"Furchtbar, nicht wahr?"
fragt er mit belegte Stimme.
Ah! Was ich als wohlwollendes
Lächeln interpretiert hatte, war in Wirklichkeit ein
stilles
und kummervolles stilles Jammern. Es ist zur Zeit leicht, den Chef,
der sich
gerade von seinen Verletzungen erholt hat, falsch
einzuschätzen.
"Wer hat das getan?" frage ich.
"Die Eigentümer des Gebäudes", antwortet der
Chef. "Sie haben damit auf eine
Anfrage des mittleren
Managements reagiert. Doch das ist noch nicht alles. Die
Lieferanten
haben gerade angerufen und mitgeteilt, daß unsere violetten
Teppiche
angekommen sind."
Ich kämpfe gegen den
Brechreiz und schaffe es, ein "Warum?" hervorzubringen.
"Wegen dieser Studie", ruft der PJ und hält einen
zerknitterten Fetzen hoch, den ich
als Manager-Magazin
identifiziere. "Hier wird behauptet, daß bestimmte
Farben
dafür sorgen, daß die Mitarbeiter produktiver
und energiegeladener an die Arbeit
gehen."
"Ja,
waren das nicht hellblaue und rosafarbene Bemalungen?"
"Nein",
erwidert der PJ und erinnert sich an bestimmte Abschnitte des
Artikels.
"Hellblau und rosa fördern eine ruhige
Arbeitsweise - was, ganz nebenbei, die neuen
Farben ihres Büros
sind."
"Sie machen einen verdammten Scherz!"
"Nein. Oh, ich habe wohl gelogen, als ich sagte, es gäbe
nur eine schlechte
Nachricht."
Ich renne in mein Büro
um nachzusehen.
"Ja, ja, ich sehe, was sie meinen",
sage ich und lehne mich in meinem Stuhl zurück.
"Es ist
etwas ruhiger als das metallische Grau, das wir vorher hatten.
Irgendwie
beruhigt es wirklich."
"Es ist nicht gut,
sich hier aufzuhalten", kommentiert der PJ. "Es
ist
gefährlich - erinnern sie sich an die Ionengeneratoren
....?"
Wie könnte ich die Ionengeneratoren vergessen?
Das Management hatte geplant,
durch die Erzeugung negativ
geladener Ionen und deren Verteilung über die
Klimaanlage
dafür zu sorgen, daß der PJ und ich netter zu unseren
Klienten sind.
"Der Computer-Raum!" rufe ich.
Der
PJ, der Chef und ich flüchten in die klinische Sauberkeit des
Computer-Raumes
mit seinen rohen grauen Wänden.
"Viel
besser!"
Durch das Fenster der Brandschutztür sehe ich
die Mitarbeiter der IT-Abteilung
ihrer routinemäßigen
Arbeit nachgehen, ohne daß sie sich gegen die Wirkung der
neuen
Wandfarben wehren könnten.
"Arme Schweine!" ruft
der PJ.
"Sie sind verloren! Wir müssen uns zunächst
um unser Wohlbefinden kümmern!"
erklärt der Chef
und gibt damit exakt meine Gedanken wider.
(Was mich übrigens
etwas verwundert. Aber jetzt fällt mir ein, daß sein Büro
ja
schon immer diese bläulich-pinkfarbenen Wände hatte
....)
"Hm, mal nachdenken ..." murmle ich, um
herauszufinden, ob der Chef uns nicht
hereinlegen will. "Was
könnte man da tun?"
So geht das noch ein paar Minuten,
dann wirkt das Grau der Wände auf den Chef und
er hat eine
Idee.
"Ein Feuer!" ruft er, worauf ich mir vornehme,
seinen Nachfolgern pro Woche eine
Stunde Therapie im Computer-Raum
zu verordnen. "Nein! Das funktioniert nicht -
die
Feuerlöscher würden es sofort löschen."
"Das
ist es!" antworte ich. "Und all das Wasser an den
semi-therapeutischen
Wänden ..."
"Das würde
sie nie abwaschen!" wendet der PJ ein.
"Das muß
es ja auch nicht! Es genügen ein paar Flecke ..."
"...
die einen neuen Anstrich nötig machen würden!"
vollendet der PJ.
Während der PJ und der Chef ihr ´Dick
und Doof´-Spiel vollenden, entferne ich die
Vertäfelung
von der Wand.
"Was tun sie da?" fragt der Chef
verwirrt.
"Ein kleines Feuer ist zwar gefährlich, aber
es hilft uns nicht unbedingt weiter ..."
beginne ich und
überlasse dem PJ die Vollendung des Satzes.
"... ebenso
wie ein großes Feuer. Wir brauchen ein kleines Feuerchen am
richtigen
Ort."
"Und wo ist der?"
"Hier
...." rufe ich und reiße weitere Platten von der Wand, um
die dahinterliegende
Rohrleitung freizulegen. "Die
Klimaanlage ..."
"Damit kann der Rauch im gesamten
Gebäude verteilt werden!" ruft der PJ
begeistert.
"Freunde, Kameraden", rufe ich. "Leiht mir eure
Jacken und Schuhe!"
"Werden wir sie zurückbekommen?"
fragt der Chef dümmlich.
Ich schaue mich ein wenig in der
Leitung um, dann stopfe ich die Jacken, Schuhe, ein
paar
Inventarlisten, einige Sicherungsbänder ein paar Liter
Reinigungsflüssigkeit in
Plastikflaschen und - alte
Gewohnheiten wird man so schnell nicht los - die
Brieftasche des
Chefs in die Öffnung.
"Löschgas!" rufe ich.
Der PJ springt los und schaltet den Feueralarm ein.
"Was
tun sie da?!" schreit der Chef entnervt.
Nichts passiert.
"Ein kleiner ´Fehler´ in der Verkabelung."
erklärt der PJ. "Wenn der Feueralarm
eingeschaltet wird,
wird zugleich das Gas zum Feuerlöschen blockiert, während
man
das Löschgas abschalten muß, um es ausströmen
zu lassen."
"Ihr ´Fehler´?" fragt der
Chef.
"Sie sind zu freundlich", grinse ich und werfe
das brennende Streichholz in das Loch
und bringe die Verkleidung
wieder an.
Schneller als man fragen kann "Ist das der
Feueralarm?" leuchten alle Lämpchen an
der
Kontroll-Konsole der Feuermelder auf, während das Echo der
Alarmsirenen an
unsere Ohren dringt.
"Auf die neuen
Farben!" rufe ich, hebe eine Abdeckplatte am Boden auf und hole
aus
dem Hohlraum darunter drei Flaschen Bier, die genau die
richtige Temperatur haben,
hervor ...
"Prost!" rufen
der Chef und der PJ gemeinsam.
Und da behaupten manche
tatsächlich, Orange würde das
Zusammengehörigkeitsgefühl
steigern ...
Weiß der B.O.F.H.
etwas über das Verschwinden des Telekommunikations-
Managers,
dessen Rasenmäher und die Frau, der dieser den Rasen
hinterlassen hat?
Ein ruhiger Morgen.
Zyniker könnten freilich behaupten,
das läge daran, daß ich alle Anrufe aus
der
Nutzerbetreuung an den Manager in der Marketing-Abteilung
weiterleite, der uns in
der vergangenen Woche mit der Behauptung,
wie würden seinen PC nicht schnell
genug aufrüsten,
nervte. Offenbar konnte er nicht begreifen, daß Doom wichtiger
als
die Aufrüstung seines Arbeitsspeichers ist. Aber
möglicherweise haben es die 71
Anrufer, die sich über
ein langsames Netzwerk beschwerten, mittlerweile geschafft,
etwas
Weisheit in sein Gehirn zu pflanzen.
Auch wenn wir die Nutzer
wieder an das Netz angeschlossen haben, so sind sie
doch noch
immer rastlos und irgendwie verwirrt wegen eines ´Zungenproblems´
mit
dem neuen Kaffee-Automaten. Im Rahmen der ziemlich unerwartet
über uns
gekommen Neuausstattung, zu der auch der irgendwie
mißglückte neue Anstrich
gehörte, haben die Mächte
entschieden, die alten und verbrauchten
Getränkeautomaten
durch gepflegte neue zu ersetzen.
Diese Entscheidung war eine
angenehme Überraschung für uns unten in der
Netzwerk-
und Systembetreuung. Als die alten Getränkeautomaten
installiert
wurden, hatten der PJ und ich natürlich sofort
versucht, den Knopf für ´Tee´ so
umzuprogrammieren,
daß er eine vegetarische Suppe liefert und der Knopf für
die
Suppe den gekochten Inhalt von Staubsaugerbeuteln.
Unglücklicherweise war das
Endprodukt unserer Bemühungen
noch beliebter als das Original, so daß wir uns
entschlossen,
die Programmierung wieder rückgängig zu machen.
Jetzt,
da wir diese neuen Automaten haben, können die Nutzer nur
eines
sagen - nämlich, daß sie ganz bestimmt niemals
das bekommen, was sie wollten,
was das ganze Konzept der
Neuprogrammierung doch sehr lohnend erscheinen läßt.
Und
die Igelfleischbrühe hat einige wohlwollende Kritiken bekommen.
Ganz zu
schweigen vom fröhlichen Augenzwinkern derjenigen,
die wirklich glauben, daß die
Aufkleber nur vertauscht
wurden und sie in Wirklichkeit Rindfleischbrühe
bekommen.
Das Telefon klingelt und ich nehme den Hörer ab. Teilweise
tue ich das, weil wir uns
langweilen und andererseits, weil der PJ
in der Personal-Datenbank gestöbert hat
und die Anruferin
hübsch genug aussieht, um ihr unsere Aufmerksamkeit zu
schenken
- nach dem 18. Klingeln.
"Ich brauche ein E-Mail-Programm
auf meinem Laptop", höre ich die Anruferin aus
dem
Lautsprecher reden. Etwas zu selbstsicher, wenn es nach mir geht.
Der PJ prüft das Inventar und bestätigt, daß die
Anruferin zu den Nutzern gehört, auf
deren Tischen noch die
Rechner stehen, die bei der Gründung der Firma aktuell
waren.
Die einzige Aufrüstung bestand darin, daß auf ihrem 386er
mit 8 MB
Arbeitsspeicher jetzt Windows NT läuft. "Von
welchem Laptop reden sie?"
"Von dem, das ich benutze,
um meine Dissertation zu schreiben."
"Dissertation?"
"Ja, ich besuche nach der Arbeit die Abendschule."
"Also handelt es sich dabei nicht um einen Computer, der der
Firma gehört?"
"Nun, er gehört einem Freund,
aber die Dissertation ist wichtig für meine Arbeit, und
die
Firma bezahlt die Kurse, die ich belege."
"Ich bedaure,
aber wenn der Laptop nicht zum Inventar gehört, können wir
ihn nicht
ans Netzwerk anschließen."
"Das ist
kein Problem, das habe ich schon gemacht. Ich brauche nur noch
ein
E-Mail-Programm."
"Oh, wie nett von ihnen, daß
sie uns die Arbeit abgenommen haben."
Dem PJ wird endlich
klar, weshalb ich aufgeregt auf einen bisher unidentifizierten
Punkt
auf dem Netzwerkplan auf meinem Bildschirm zeige. Der Punkt
repräsentiert
einen Laptop, den ich mittels SNMP als ein
´Nicht vor Dezember
verkaufen´-Exemplar der brandneuen
Laptop-Serie identifiziere, von denen zur Zeit
im ganzen Land nur
ein Dutzend zum Testbetrieb ausgeliefert wurden. Offenbar muß
die
Anruferin mit wirklich bedeutsamen Arbeiten befaßt sein, wenn
sie ein Exemplar
des Laptops hat. Ich beginne damit, den Laptop
über das Netzwerk
auszukundschaften.
"Hallo",
ruft der PJ mit belustigter Begeisterung in das Telefon. "Ich
habe schon
davon gehört - es soll nur 11 Exemplare davon
geben."
"Nun, ja, eigentlich sind es 12."
Ein
gedämpfter Knall, der durch die Lautsprecher zu uns dringt,
bestätigt, daß es
sich tatsächlich um das Modell
handelt, von dem berichtet wird, daß es mit einem
explosiven
Desktop Management Interface ausgestattet ist, das auch
als
Detonierende Maschinen Interrupt-Problem (DMI) bezeichnet
wird.
"Nein, definitiv 11", gluckst der PJ, als er den
Hörer zufrieden über eine ordentlich
erledigte Aufgabe
wieder auflegt.
Zu diesem Zeitpunkt kommt der Chef zufällig
vorbei (Offenbar haben wir ihn zuletzt
zu freundlich behandelt,
denn er hat den mißtrauischen Blick, seine Nervosität
und
die Angewohnheit, unter seinen Wagen zu schauen, bevor er
einsteigt,
verloren - trotzdem trägt er immerhin noch
Handschuhe, wenn er Türgriffe angreift.).
Er sucht den
Telekommunikations-Manager, der anscheinend spurlos verschwunden
ist.
"Es ist sehr traurig, daß er verschwunden ist."
erkläre ich dem Chef. "Doch
andererseits wird es ja
immer weniger interessant, ob nun Daten oder Sprache
übertragen
wird - also ist sein Verlust vielleicht doch verschmerzbar."
"Darum geht es nicht!" schäumt der Chef in seinem
unübertrefflichen
´Das-ist-wirklich-wichtig´-Tonfall..
"Er wurde schon seit einiger Zeit nicht mehr
gesehen, und
seine Frau hat sich darüber beschwert, daß das Gras zu
lang ist!"
Ich schlage die Gelben Seiten bei ´Psychiatrische
Kliniken´ auf und reiche sie dem
Chef.
Er schaut mich
prüfend und fragend zugleich an.
"Es ist schon
bemerkenswert", denke ich laut. "Es gibt einige seltsame
Leute, die
meinen, eine Nebenstellenanlage sei so kompliziert
einzurichten, daß man die
Aufgabe einem Experten aus dem
eigenen Unternehmen nicht zumuten könne. Leute,
die glauben,
ein Telefon am Arbeitsplatz sei eine Selbstverständlichkeit und
kein
Privileg. Menschen, die glauben, Netzwerk-Spezialisten seien
Abschaum, weil sie
geplante Ausfallzeiten haben. Menschen, die
nicht wissen, daß man 30.000 Volt
durch eine Leitung zur
Sprachübertragung schicken kann, ohne auch nur eine Leitung
des
verwendeten Glasfaser-LANs zu beschädigen."
Jetzt weiß
der Chef, daß es sinnlos wäre, seine Zeit für
Aussagen wie: "Ich wußte
doch, daß sie etwas
vorhatten, als ich sie in der letzten Woche traf!" oder "Geht
es
ihm gut?" zu verschwenden. Stattdessen konzentriert er
sich für ein paar
Augenblicke auf das Gewicht in seinen
Händen, schlägt das Buch dann schließlich
zu,
stellt es zurück in das Regal und lächelt dann freundlich.
"Also wird er wohl seinen Rasenmäher nicht so bald
zurückverlangen, oder?"
Der B.O.F.H. hilft den
Mitarbeitern, ihre Identitätskrise zu überwinden, während
der
PJ einen Keil zwischen die Systembetreuung und den Chef treibt
....
Ich komme früh zur Arbeit, um das System zu warten.
Nun,
wenn ich von ´früh´ spreche, dann meine ich 9:15 Uhr
- denn dann sind alle mit
den Datenbank- und Applikationsservern
verbunden.
Mein Überwachungsprogramm piept, als es 200
aktive Verbindungen feststellt, so
daß ich mein Vorhaben zur
Wiedereinführung von Überstunden starten kann ...
Ich
programmiere eine Endlosschleife, und das System bricht innerhalb
weniger
Augenblicke zusammen.
Erwartungsgemäß
stürmt der Chef einem Tornado gleich aus seinem Büro und
will zu
uns hereinkommen, doch dieser Versuch endet in einem
dumpfen Aufschlag, den all
seine Energie wird durch einen Keil,
den ich unter unsere Tür geklemmt habe,
geschluckt. Der Keil
ist meine Antwort auf die neuen Brandschutzvorschriften,
die
vorsehen, daß bestimmte Türen, die nur mit einer
Magnetkarte geöffnet werden
können, während der
Bürostunden offengehalten werden müssen, die
elektronische
Verriegelung also aufgehoben wird.
Unglücklicherweise bedeutet das auch, daß
jeder
halbgebildete Mensch aus der PR-Abteilung die geöffnete
Tür als Einladung
mißverstehen könnte, uns lang
und breit zu erzählen, daß jemand seinen PC
"gehackt"
hat.
Und wo ich gerade vom Teufel sprach - promt taucht auch ein
Kauz aus der
Werbung auf.
"Ich habe doch gesagt, daß
wir einen größeren Keil benutzen sollten." murrt der
PJ.
"Hallo", ruft der Werbemensch. "Ich glaube,
mein Benutzername wurde gehackt!"
"Nein, es ist alles
in Ordnung", antworte ich ohne aufzuschauen.
"Doch! Das
geht nun schon seit ein paar Wochen so in unserer Abteilung!"
"Etwa seitdem sie die Kamera für Porträtfotos
einsetzen, die sie direkt auf
selbstklebendem Fotopapier
ausdrucken?"
"Ja, das könnte sein, aber was hat
das eine mit dem anderen zu tun?!"
"Sie wollen doch
nicht sagen, daß sie nicht auch ein Foto ihrer Frau, ihres
Haustiers,
ihres Autos oder ihrer kleinen Freundin ausgedruckt und
auf den unbenutzten Platz
auf ihrer Tastatur geklebt haben, wo das
´Großbuchstaben´-Licht sonst immer
aufleuchtete,
wenn sie die Feststell-Taste gedrückt hatten, oder?"
"Uh
...." murmelt er und hat sichtlich Probleme die Situation zu
begreifen.
"Hier ist mein Rat für sie - schneiden sie
die Augen aus den Bildern aus und drücken
sie immer dann die
Feststell-Taste, wenn ihre Frau oder ihr Haustier irgendwie
besessen
aussieht ..."
Unser Besucher verschwindet mit beschämtem
Schweigen, als der PJ herbeikommt.
"Selbstklebendes
Fotopapier?"
"Ja", antworte ich. "Für
die diesjährige Erneuerung der Mitarbeiterausweise."
"Ich
dachte, darum kümmert sich der Wachdienst?"
"Das
haben sie im letzten Jahr auch noch getan, doch der neue PR-Chef ist
der neue
blauäugige Liebling des Geschäftsführers,
und sie wissen, was Blauaugen
bekommen ..."
"Eine
braune Nase vom Arschkriechen?"
"Korrekt. Also hat der
PR-Chef sich eine Menge Aufgaben unter den Nagel
gerissen, die
irgendwie in der Grauzone zwischen den verschiedenen
Abteilungen
angesiedelt sind."
"Wieso?"
"Mehr
Aufgaben, mehr Mitarbeiter. Mehr Verantwortung ..."
"Mehr
Kohle!"
"Schon wieder richtig. Ein dürftig
getarnter Plan, um mehr Geld zu bekommen."
"Es fällt
mir schwer, das zu glauben!" kommentiert der Chef, als er das
Büro betritt,
da sein Gleichgewichtssinn offenbar
wiederhergestellt ist. "Das spart nur Kosten,
die dadurch
entstehen, daß sich verschiedene Abteilungen unabhängig
voneinander
um Fotos kümmern."
"Was?"
fragt der PJ.
"Weil die PR-Abteilung ein elektronisches
Archiv mit allen Fotos der Mitarbeiter
unterhält, die sie
auch an die Presse herausgeben."
"Ja." antworte
ich. "Wenn zum Beispiel ein Erbsenzähler
zum
Profit-und-Verlust-Regulierer des Jahres gewählt wird
...."
"Ich ..." beginnt der Chef. "... wie
auch immer, deshalb bin ich nicht hier. Wieso ist
der
Applikationsserver nicht am Netz?"
"Applikationsserver
...." murmle ich und schaue auf den Kalender mit
den
Wartungsterminen. "Ja, das ist die geplante
Routinewartung."
Ich zeige ihm den entsprechenden Eintrag.
"Solche Wartungsarbeiten sollten sie doch außerhalb
der normalen Bürozeit
durchführen!"
"Nun,
das hätte ich gern getan, doch sie sagten doch, wir sollten
Überstunden
vermeiden."
"Ja, aber das gilt doch
nicht für solch wichtige Server!"
"Das sagten sie
doch!" rufe ich und erinnere ihn an Vorfälle in der
jüngeren
Vergangenheit. "Sie haben es gesagt, nachdem
wir ein ganzes Wochenende mit der
Wartung einer wichtigen Maschine
verbracht hatten."
"Der verdammte Getränkeautomat
ist kein wichtiger Server!"
"Da sprechen sie aber nur
für sich selbst", stichelt der PJ, der Blut geleckt zu
haben
scheint.
"Der Automat ist nicht wichtig! Fahren sie
jetzt den Server wieder hoch!"
"Aber ..." wende
ich ein.
"Keine Ausreden mehr, fangen sie an!"
Mit
gespieltem Widerwillen starte ich den Server.
Womit nur noch das
Problem des Eindringlings bei den PR-Typen bliebe.
Eine schnelle
Prüfung ihres Netzwerks liefert mir den richtigen PC und dank
äußerst
lascher Sicherheitsvorkehrungen und der
verwendeten Standard-Passwörter kann
ich innerhalb einer
Minute schon in der Datenbank für den Fotodrucker lesen
und
schreiben.
Und da der Drucker nicht über viele
Speicherplätze für die Unterschriften unter den
Bildern
verfügt, ersetze ich gleich noch ´Wachdienst´,
´Vertragsarbeiter´,
´Reinigungsdienst´,
´Geschäftsführung´ etc. durch sinnvolle
Begriffe.
Am nächsten Tag kündigt ein neuerlicher
dumpfer Aufschlag den Chef an. Nach einer
weiteren Minute
bestätigt ein weiterer Aufschlag die Theorie des PJ, daß
ein
größerer Keil besser funktionieren könnte ...
Nach seiner Entlassung aus dem Krankenzimmer kommt der Chef mit
leichten
Prellungen vorbei und klopft freundlich an unsere Tür.
Der PJ führt ihn schließlich
herein.
"Was ist
das?" fragt mich der Chef.
"Das ist ein neuer
Mitarbeiterausweis", antworte ich.
"Und wieso steht
unter dem Foto ´Erbsenzähler´?"
"Weil
das seine Arbeit ist?" vermute ich.
"Sollte das der
Fall sein, wie viele Wichser sind wohl in diesem Haus angestellt?"
"Darüber will ich lieber nicht spekulieren ..."
"Offenbar dreiundsiebzig. Siebenundzwanzig Erbsenzähler,
35 Idioten und ein
Arschloch. Damit bin ich gemeint! Oh, und zwei
gute Kameraden - aber das wissen
sie ja sicher ..."
"Jemand
hat den Rechner eines PR-Mitarbeiters gehackt!" schlägt der
PJ vor.
"Ja, es scheint so. Aber ich kann nicht glauben, daß
die Werbeleute die Fotos nicht
geprüft haben, bevor sie sie
an die Wachleute weitergaben." antworte ich. "Ich
schätze,
da müssen wohl alle Fotos neu ausgedruckt werden."
"Das
geht nicht!" ruft der Chef. "Der Wachdienst hat keine
Blanko-Karten mehr, und
die nächste Lieferung kommt
frühestens in vierzehn Tagen ..."
Am nächsten Tag
herrscht dann auch etwas Verwirrung, als der Wachdienst die
neuen
Karten austeilt. Es ist lustig, irgendwie sind die Nutzer trotz der
aktualisierten
Fotos nicht zufrieden ...
Wann ist schweigen wirklich
Gold? Wenn der Chef vorschlägt, große Festplatten
zu
kaufen und man die neuen Kapazitäten weitervermieten kann.
"... und deshalb schlage ich vor, daß wir die
Arbeitsplatzrechner standardisieren und
mit großen
Festplatten ausstatten, um all den ungenutzten Platz in den
Gehäusen
auszunutzen ..."
Etwas rüttelt mich
auf und ich erwache inmitten einer Runde von Managern in
einer
IT-Beratung. Diese Beratungen waren eine Idee des Chefs, um
den Sachverstand
der Abteilung zusammenzubringen.
Unglücklicherweise gibt es keinen
Mindest-Intelligenzquotienten - die einzige
Hürde, die man
vor der Teilnahme an einer solchen Beratung überwinden
muß,
besteht darin, das Beratungszimmer zu finden.
Ich
freunde mich mit dem Gedanken an, daß, wenn wir überziehen,
ich hören werde,
was das Reinigungspersonal sagt, was immer
ein wenig Abwechslung in die
Konversation bringt.
"Ah,
ich glaube nicht, daß das eine gute Idee angesichts der Sparplä
.... Autsch!!"
kommentiert der PJ, als ihn unter dem Tisch ein
Tritt trifft.
Es ist zu spät, natürlich. Jetzt, da ein
Widerspruch geäußert wurde, tritt das Gesetz
über
inkompetente Diskussionsrunden in Aktion. Was bedeutet, daß
jetzt ein
Diskussion darüber fällig ist, ob die
Ablehnung würdig erscheint, überhaupt diskutiert
zu
werden. Das wird uns zwar eine halbe Stunde näher an das Ende
der normalen
Arbeitszeit bringen, bringt uns aber auch weiter von
einer Lösung der technischen
Fragen weg.
Wir machen ein
Kaffeepause, in der ich mir den PJ schnappe und zur Rede stelle.
So
ruhig, wie mir das möglich ist, frage ich ihn, was er mit
seiner Aktion bezweckt.
"Aber er hat diese großen
Laufwerke für alle Arbeitsplatz-PCs empfohlen!"
verteidigt
er sich. "Viele von den Rechnern haben gar keinen Platz für
solche
Laufwerke!"
"Das ist unwichtig. Sie wissen
doch, daß die Manager sie nun verspotten und
verhöhnen
werden, wodurch die Beratung unnötig in die Länge gezogen
wird, so daß
sie heute nicht mehr arbeiten können."
"Aber ist es nicht unsere Aufgabe, gute Ratschläge zu
geben?"
"Machen sie sich nicht lächerlich! Es ist
unsere Aufgabe, ihre Entscheidungen zu
interpretieren und zu
unserem Vorteil zu nutzen."
"Also sind die großen
Laufwerke ...?"
"Hmm, halblange 18 Gigabyte-Platten mit
7200 Umdrehungen pro Minute."
"Aber die PCs brauchen
doch all die Speicherkapazität gar nicht!"
"Nein,
aber wenn wir genügend davon bekommen, können wir ein Wide
Area
RAID-5-System mit verteilten Kopien aufbauen!"
"Hä?"
"Also, was hat der durchschnittliche Nutzer auf seiner
Festplatte?"
"Das Betriebssystem?"
"Ja,
ja, und sonst?"
"?"
Seufz. Nach all unseren
gemeinsam durchgestandenen Abenteuern ist er in seinem
Herzen noch
immer ein Amateur.
"Ihre E-Mail-Ordner, eine paar eigene
Dokumente, die Raubkopie von Leisure Suit
Larry - ihre
Pornosammlung versteckt im Verzeichnis YENROH1.DDL im
Windows-Ordner
und so weiter."
"Oh! Wirklich?"
"Nun, all
das. Und wieviel Platz brauchen wir dafür wirklich? Ein
Gigabyte, maximal.
Was bedeutet, daß wir die restlichen 17
Gigabyte für wirklich wichtige Projekte
nutzen können!"
"Zum Beispiel?"
"Unsere Dokumente, Spiele, all
unsere Pornobilder, die wir auf den Bändern mit der
Aufschrift
´Systemkopie´ 1 bis 200 gespeichert haben."
"Also
benutzen wir ihre Festplatten?"
"So ähnlich. Aber
sie wissen ja, wie Nutzer sind - sie können die Leertaste
nicht
finden, wenn ihr Bauch nicht zufällig draufplumpst.
Also müssen wir mehrere Kopien
parallel anlegen."
"Aber
warum nutzen wir dann gleich RAID-5?"
"Nur für den
Fall, daß einer der Arbeiter die Post abholt und eine
Bombe
zurückbringt. Ich habe keine Lust, die automatische
Bilderpräsentation nur deshalb
unterbrechen zu müssen,
weil die halbe Erbsenzählerzentrale auf der anderen
Straßenseite
gelandet ist."
"Sie scherzen doch, oder?"
"Größtenteils. Aber vergessen sie nicht, wie das
mit Abteilungen voller Schafsköpfe
ist - sie fahren alle ihre
Rechner herunter, um dann zum Mittagessen zu trotten."
"Nein.
Ich glaube, sie verschweigen mir noch etwas."
Mißtrauischer
Kerl!
"In Ordnung. Ich habe ein halbes Terrabyte als
Online-HSM-Plattenplatz
vermietet."
"Hierarchisches
Speicher Management?"
"Ja. Unsere Nutzer können
mit dem Speicherplatz nichts anfangen, also vermiete ich
ihn als
Netzwerk-Speicher."
"Sie verkaufen den Plattenplatz der
Firma!?"
"Ja, an ein paar Ölmultis, die ihre
Sicherheitskopien außerhalb ihrer Unternehmen
lagern
wollen."
"Das kann ich nicht glauben!" ruft der PJ
zutiefst erschüttert.
"Was, meinen machiavellistischen
Größenwahn?"
"Nein, daß sie mich nicht
eingeweiht haben!"
"Nun, es ist lustig, daß sie
das erwähnen. Wenn Dave wieder die Anschaffung von
Festplatten
vorschlägt, erwarte ich, daß sie ihr vorlautes Mundwerk
halten. Das gilt
auch, wenn er die Anschaffung von
Monochrom-Monitoren empfiehlt, um die
Ausfallzeiten, die durch
übermäßige Augenbelastung verursacht werden,
zu
verringern. Wir haben einen Interessenten, der eine Wagenladung
Farbmonitore
braucht."
"Aber das ist doch lächerl
.... Oh, Dave arbeitet für sie, oder?" ruft der PJ, als
der
Groschen endlich fällt.
"Nicht für, sondern
mit mir."
"Aber er ist doch ein kompletter Dummkopf!"
"Oh, so soll er auch nach außen wirken. Er äußert
dumme Ideen schneller als das die
anderen Manager tun können
und hält sie damit davon ab, selber nachzudenken."
Es
klopft an der Tür.
"Wo wir gerade vom Teufel sprachen."
"Uh, ich glaube, ich habe mein Passwort vergessen",
murmelt Dave.
"Alles in Ordnung, er ist eingeweiht."
antworte ich.
"Oh. Gut. Nun, ich habe Gerüchte gehört,
nach denen ihr Chef vorschlagen will, die
Manager mit Laptops für
ihre Autos auszurüsten - komplett mit
12 Volt-LCD-Monitoren,
Handyschnittstelle etc."
"Verdammt!" schluckt der
PJ. "Das würde unser Budget für Technik über
Monate
belasten! Was werden wir dagegen unternehmen?"
"Nun",
kommentiert Dave. "Zunächst werde ich die
Monitor-Geschichte abblasen,
werde Dvorak-Keyboards vorschlagen,
um RSI-Erkrankungen (RSI - Repetitive
Strain Injury,
´Tastaturkrankheit´ [thomas w.]) zu verhindern,
RS232-Schnittstellen
empfehlen, um Ethernet-Kollisionen zu
vermeiden, und, wenn das alles nichts hilft,
Wählverbindungen
zwischen den Etagen vorschlagen."
Die Schwachstelle des
Plans wird uns zwei Tage später bewußt, als
18
Hochgeschwindigkeits-Modems geliefert werden - mit der
Erlaubnis des Chefs, der
so von dem Vorschlag, die Netzwerke in
den Etagen mittels Modem zu verbinden,
begeistert war, daß
er unser gesamtes Technik-Budget dafür ausgegeben hat.
Nun,
man kann nicht immer gewinnen ...
Seufz.
Hypochondrie wütet im
Büro. Doch eigentlich ist es die blanke Wut, die im Büro
wütet.
Bis ein herbeigerufener Psychiater alles aufklärt ....
Das Schicksal will es, daß ich mit dem Chef
aneinandergerate. Ich weiß es, er weiß
es, und der
Rest ist eigentlich nur schmückendes Beiwerk.
Natürlich
ist es sein Fehler. Er hat neulich eine Sekretärin eingestellt,
die unter
XXXX leidet; mit anderen Worten, sie kann aus
medizinischen Gründen nichts tun,
was sie nicht tun will. Und
wenn es nicht RSI ist, dann ist es eine Version einer
bisher
unbekannten und daher nicht heilbaren Grippe.
Schließlich
reichte es mir, und ich nahm mir den Chef vor, um ihn danach zu
fragen,
was er in dieser Angelegenheit zu tun gedenkt. Ein
Assistent des Chefs der
Personalabteilung ist natürlich eher
zufällig dabei.
"Nun, ich würde durchaus etwas in
dieser Angelegenheit unternehmen", erklärt
dieser. "Doch
unser Unternehmen hat strenge Regelungen für die Behandlung
von
Mitarbeitern, die unter Krankheiten leiden ..."
"Also
wird sie bei uns bleiben?"
"Es sei denn, sie würden
Disziplinarmaßnahmen gegen sie vorschlagen. Aber mit
welchem
Vorwurf?" antwortet er.
"Sie ist unfähig?"
"Sie ist nicht unfähig. Sie leidet nur unter einigen
schwierigen Krankheiten, die durch
die Arbeit bei uns
hervorgerufen wurden. Wir werden ihr Arbeitspensum verringern,
um
ihr die Chance zur Erholung zu geben."
"Ihr
Arbeitspensum verringern?! Sie tut doch schon jetzt gar nichts!"
"Sie organisiert hervorragend meine Versammlungen."
wirft der Chef ein.
"Das kommt daher, daß ihre Hand zu
sehr schmerzt, um die Details und Termine
aufzuschreiben! Sie
haben sich mit niemandem getroffen, seit sie bei uns ist."
"Ich
treffe sie, oder?" kontert der Chef selbstgefällig.
An
dieser Stelle wird mir einiges klarer. Offenbar ist sie Bestandteil
eines Plans
unseres Chefs, der vorhat, jeden Kontaktversuch seiner
Untergebenen an der
unfähigen Sekretärin scheitern zu
lassen ...
Als ich ihn verlasse, bemerkte ich ein vielsagendes
Lächeln im Gesicht der
betreffenden Person, die Gegenstand
unserer Diskussion war.
"Was er kann, kann ich schon lange!"
rufe ich, als ich in unser Büro komme. Ich
schiebe den PJ zur
Seite und veranlasse einen Neustart aller Switches und aller
Router
im Gebäude.
Sekunden später stürmt der Chef
herein, wobei ihn seine persönliche Sekretärin
begleitet.
"Was geht hier vor?"
"Die Router sind
ausgefallen. Ich habe ´all reboot´ getippt statt mit ´all
status´ ihre
Verfügbarkeit zu kontrollieren. Ich leide
wohl unter einer Schreibstörung!"
"Nun, dann
fahren sie sie wieder hoch!" schreit er und hat nur den ihn in
der nächsten
Managerversammlung bedrohenden Ärger im
Auge ...
"Ja, das würde ich gern tun, aber ich leide
auch unter Aufmerksamkeitsproble ... Oh!
Sehen sie, ein grünes
Handy! Ist das neu?"
Der Chef geht zum PJ und fordert ihn
auf, das Netzwerk wieder zu starten.
Als die ersten ahnungslosen
Schäfchen sich den Weg zu uns freigekämpf haben, ist
der
Startvorgang gerade abgeschlossen, und der PJ befolgt die Anweisungen
des
Chefs und kündigt einen sechzigminütigen Test
unserer Unterbrechungsfreien
Stromversorgung (USV) in fünf
Minuten an - wobei 60 Minuten genau 23 mehr sind,
als es die
Spezifikation des Herstellers beschreibt.
"Oh nein!"
rufe ich. "Tastaturwahnsinn!"
"Wovon sprechen
sie?!" schreit der Chef.
"Tastaturwahnsinn! Wie bei
Leuten, die im Verkehr durchdrehen, nur viel schlimmer!
Aber das
ist nicht sein Fehler, dieses Verhalten wird nur durch die
enorme
psychische Belastung am Arbeitsplatz hervorgerufen! Er war
heute auch schon bei
dem Doktor, der auch meine Aufmerks ... Na
sowas! dieser Bürosessel funktioniert
wirklich hervorragend!
Das müssen sie sich anschauen!"
"Ich will, daß
sie den USV-Test anhalten!" ruft der Chef.
"Bitte
schreien sie nicht so laut", schniefe ich. "Meine
Schreibstörung wird unter
Druck nur schlimmer. Sehen sie, was
sie angerichtet haben! Jetzt habe ich den Test
des Feueralarms
abgeschaltet ohne es zu wollen!"
In der Zwischenzeit
bearbeitet der PJ seine Tastatur in einer sehr überzeugenden
Art
und Weise, während unsere beiden Besucher zur Tür
flüchten.
"Seien sie vorsichtig!" rufe ich. "Ich
kann mich nicht erinnern, ob ich die Fahrstühle
eingeschaltet
oder abgestellt habe, und wenn ich es getan habe - Ohhh, ist das
ein
Anzug von Armani?!"
Am nächsten Tag sitzen der
PJ und ich mit unserem Chef beim Leiter der
Personalabteilung, wo
sich auch unser Abteilungsleiter zu uns gesellt.
Ein leises
Klopfen an der Tür kündigt unseren persönlichen
psychiatrischen Beistand
an.
"Oh, ich glaube, sie kennen
unseren persönlichen Psychiater noch nicht. Das ist
Doktor
Brian Analpeeper - Doktor des Psychologie mit dem speziellen
Fachgebiet
´Abnormales Verhalten´ von der Bognor Regis
Universität."
"Guten Morgen, meine Herren."
beginnt Brian. "Ich habe hier die Diagnosen des
Zustandes
meiner Patienten. Und ich muß sagen, sie leiden wirklich stark
darunter,
daß ihre Überichs ihre Gedanken über
aktuelle Personalentscheidungen nicht
ausdrücken dürfen
...."
Brian beschreibt dann, daß unser gestriges
Verhalten beim Strom- und
Systemausfall nur eine Folge davon ist,
daß wir wegen einer unfähigen Sekretärin
keinen
Termin beim Chef bekamen.
"Die beiden sind doch nur
Faulpelze, die die Firma auspressen wollen." kommentiert
der
Chef wütend.
"Ich glaube, daß ich nach diesem
Vorwurf mit meinen Patienten allein reden muß,
um
herauszufinden, ob ihr Kommentar ihrer angegriffenen Psyche
geschadet hat."
"Was zum Teufel geht hier eigentlich
vor?!"
"Meine Patienten sind sensible Menschen. Wer
weiß, was ihr Vorwurf in ihrer
Psyche angerichtet hat.
Dieses Treffen kann eine ganze Reihe neuer Probleme
ausgelöst
haben, könnte neue Schwierigkeiten verursachen, die aus
der
fortgesetzten Unterdrückung ihrer Untergebenen
resultieren."
"Was?!" schreit der Chef, nahe
daran, vor Wut zu zerplatzen.
"Warten sie", unterbricht
ihn der Personalchef, der eine ausweglose Situation
erkennt, wenn
sie eintritt. "Wir werden sie versetzen."
"Zum
Briefmarkenanlecken in der Post-Abteilung?" frage ich bissig.
"Wir haben eine Frankiermaschine", kommentiert der Chef
trocken.
"Nicht mehr lange", erwidert der PJ. "Ich
glaube, ich fühle einen Anflug von
Frankierwahnsinn in mir
aufsteigen."
"Eine interessante Manifestation eines
Traumas", kommentiert Brian. "Nun, ich sehe
keinen
Grund, länger zu bleiben."
"Sie Bastard!"
knurrt der Chef, bevor er laut aufschreit, weil Brians Aktenkoffer
ihm
die Hand bricht.
"Entschuldigung", erklärt
Brian. "Ich bin gerade dabei, mich von
meinem
Aktenkofferwahnsinn zu erholen."
Es ist schon
beeindruckend, was Psychiater herausfinden, wenn man ihnen nur
genug
bezahlt ...
Der B.O.F.H. befürchtet
die Ausbreitung der Heimarbeit - aber nicht für lange. Er
und
der PJ finden listigere Wege, um den Stand des Kontos für
besondere
Gelegenheiten aufzubessern ...
Es gibt Tage, an denen scheinen der PJ und ich die einzigen zu
sein, die ihre
Arbeitszeit im Büro verbringen.
Es scheint
einen Trend zu mehr Hausarbeit zu geben, was eine wirklich
schlechte
Nachricht für mich ist.
Eine schlechte
Nachricht in mehrfacher Hinsicht. Zunächst sind nun
weniger
Menschen im Haus, die unsere ´Bemühungen´
zur Unterstützung der
Netzwerknutzer bewundern können;
dies bedeutet auch, daß nun weniger potentielle
Opfer
bereitstehen.
Weiterhin bedeutet jeder Heimarbeiter mehr, daß
wir weitere 64 kBps unserer
Bandbreite, mit der wir mit einen
Quake-Server im amerikanischen Arm der Firma
verbunden sind,
hergeben müssen.
Schließlich, und das ist am
wichtigsten, bedeutet mehr Heimarbeit, daß mehr Nutzer
uns
in den Ohren liegen werden, weil sie mit ihren Einwahlverbindungen
nicht
zurechtkommen.
Man sieht also, daß Heimarbeit mit
Netzzugang schwer handhabbar ist. Sie erfordert
nicht nur die
Verwendung von Windows NT auf den Workstations, sondern auch
die
Benutzung von Modems und von Telefonanschlüssen. Sie
macht es auch nötig, daß
man die richtige Nummer wählt,
um Zugang zum Firmennetz zu erhalten.
Eine schwierige Situation,
könnte man denken, wenn man einmal davon absieht, daß
wir
Windows NT Workstations benutzen, damit wir die Leitungen noch
einfacher
kappen können als ... nun, mir kommt da die
Anatomie eines bestimmten weißen
Wasservogels in den Sinn.
Das Modem ist in die PCs schon eingebaut, also dürften
die
Heimarbeiter wohl kaum Probleme mit falsch verbundenen Anschlüssen
haben.
Und das Telefonkabel ist fest mit dem Modem verbunden, so
daß sie eigentlich nicht
das falsche Ende in die falsche
Buchse stecken können. Und am freien Ende hängt
ein
großes grünes Etikett, auf dem ´In die Telefonbuchse
stecken´ steht. Das Etikett
ist übrigens aus Stahl, und
die Einwahlnummer ist fest in die Modem-Software
programmiert. Und
bei zehn Prozent der Rechner stimmt sie sogar.
Woran kann es also
liegen, daß die Leute sich so schwer damit tun? Immerhin
sind
es Menschen, die lang und breit beschreiben können, wie
man sich richtig auf die
Toilette setzt. Die - mit Ausnahme eines
altgedienten Rechnungsprüfers - wissen,
welches Ende eines
Kugelschreibers auf das Papier gehört. Menschen, die
irgendwie
diese Prüfung überstanden haben und nun große,
schwere Autos mit großen, starken
Motoren fahren dürfen,
es aber nicht schaffen, den Stecker des Netzkabels in die
einzige
Dose zu stecken, in den er hineinpaßt.
Neulich führte
der PJ zufällig zum Beispiel das folgende Gespräch:
"Ich
kann mich nicht in das Netzwerk einwählen."
"Wirklich?
Ist das Modem angeschlossen?"
"Ja, das Problem hatten
wir schon gelöst, also habe ich nachgeschaut, ob
es
angeschlossen ist."
"Konnten sie sich überhaupt
schon einmal einwählen?"
"Ja, das funktionierte
gestern."
"Haben sie etwas verändert?"
"Nein."
"Wirklich?"
"NEIN!"
"Versuchen sie es jetzt noch einmal."
"Gut ...
warten sie ... da steht ´kein Freizeichen´."
"Wie
viele Telefonleitungen haben sie in ihrer Wohnung?"
"Nur
eine. Wieso?"
>KLICK<
Aber nicht alles ist
schlimm. Nutzer, die daheim arbeiten, haben auch ihre Vorteile.
Zum
Beispiel haben die Erbsenzähler vor einiger Zeit beschlossen,
den Nutzern ihre
privaten Anrufe vom Arbeitsplatz aus nicht mehr
zu bezahlen.
Sie haben herausgefunden, daß Menschen, die
nicht ins Büro kommen, ihre
Dienstapparate auch nicht
benutzen können. Deshalb haben wir, der PJ und ich,
uns
entschlossen, ein wenig Freundlichkeit gegenüber den
armen Engeln zu zeigen, die
zu sensibel sind, um tägliche
Änderungen zu verkraften, und haben ihnen eine
kostenlose
Einwahlnummer gegeben, über die sie Firmenleitungen zum
Telefonieren
nutzen können.
Traurigerweise scheint jedoch
etwas mit dem Abrechnungssystem der lokalen
Telefongesellschaft
schiefgegangen zu sein, denn irgendwie hat es nicht den
Anschein,
daß die Rechnung für diese angeblich kostenlosen Gespräche
bei dem PJ
und mir landen wird. Stattdessen gibt es Gerüchte,
daß sich Schwierigkeiten in den
Beziehungen unserer
Heimarbeiter besorgniserregend verbreiten. Einige Ehefrauen
sollen
angeblich 800 Pfund-Telefonrechnungen voller verdächtiger
Nummern
gefunden haben ... Wie auch immer, der Betrag auf unserem
Konto für besondere
Gelegenheiten wächst um 44 Pence pro
Minute (35 Pence außerhalb der
Spitzenzeit).
Doch nicht
nur das, auch das Management scheint über die Heimarbeit und
ihre
Folgen nachzudenken. Sie haben sich etwas ausgedacht, daß
sie variable
Arbeitsplätze nennen.
Dabei haben sie sich
wohl gedacht, daß sie, wenn niemand im Büro sitzt,
trotzdem
dafür Miete zahlen. Also, so schlußfolgerten
sie, sollte man jemanden in die leeren
Büros setzen und Geld
sparen. Natürlich ist es völlig logisch, neue Leute für
30.000
Pfund pro Jahr einzustellen, um einen leeren Büroplatz
zu besetzen, der 80 Pfund
Miete im Jahr kostet ...
Wie auch
immer, der PJ und ich erblicken durch das Fenster eine
riesige
Ansammlung von Lieferwagen und Leuten, die etwas in das
Gebäude befördern, das
verdächtig nach Trennwänden
für quadratische Arbeitskabinen aussieht. Ein
Verdacht kommt
mir in den Sinn ...
Ich wundere mich ...
Es wird drei Uhr,
und der PJ und ich finden, daß der richtige Moment gekommen
ist,
um unseren gemütlichen Beratungsraum aufzusuchen, der
über einen Billardtisch
verfügt und in dem dieses
herrliche Bier serviert wird ...
Als wir uns unseren Weg durch
die verbalen und handgreiflichen
Auseinandersetzungen bahnen,
finden wir es amüsant, daß die Ironie des Schicksals
wohl
dafür gesorgt hat, daß ein eben eingestellter
Programmierer mein vor fünf
Jahren für das Management
(das größtenteils freilich nicht mehr bei uns arbeitet
oder
gerade in der Rehabilitierung ist) geschriebenes Programm zur
Planung der
Aufteilung der Büroflächen in Arbeitskabinen
gefunden hat.
Aus unerfindlichen Gründen hatte es damals
wohl auch nicht richtig funktioniert.
Das Büro des B.O.F.H.
erstrahlt im Glanz bunter Lichter, als der Chef der
Erbsenzähler
verlangt, daß der B.O.F.H. und der PJ Abrechnungen für
ihre
Tätigkeiten vorlegen ...
Eine Anordnung von oben hat ihren Weg zu uns nach unten gefunden,
die fordert, daß
wir unsere Arbeitsstunden korrekt mit
Nachweisen abrechnen sollen. Es geht dabei
um die interne
Wertschöpfung, die Arbeitskosten und den ganzen
Kram.
Anscheinend hat man den Chef dafür verantwortlich
gemacht, daß er so hohe Kosten
verursacht. Also hat er sich
entschieden, aus uns eine Einnahmequelle zu machen,
indem wir jede
Arbeit auch intern abrechnen, die anderen also für unsere
Dienste
zahlen müssen. Der oberste Erbsenzähler fand
Gefallen an der Idee, also hat er uns
ein paar Formulare mit den
Vertragsbedingungen und zur Regelung von
Haftungsfragen etc.
geschickt.
"Wir zahlen, oder besser, verlieren wieviel in
der Stunde?"
Der PJ wird durch meine Worte erschüttert,
allerdings fällt der Groschen recht
schnell, als er auf
meinem Monitor das Fenster der Textverarbeitung
des
Chef-Erbsenzählers sieht. Es scheint so, als würde
jemand in unserer Abteilung viel
Geld verlieren, wenn mein braver
Assistent und ich es nicht schaffen, einen
bestimmten Rechner
rechtzeitig zu reparieren. Zum Stundenpreis von 1.000 Pfund
plus
minus ein paar Pennies.
Natürlich es ist schön, zu
arbeiten, wenn man weiß, daß sie annehmen, wir
seien
wirklich soviel wert, doch im Moment versuchen sie wohl nur,
die Sache zu
beschleunigen. Sie glauben natürlich auch daran,
daß wir dabei Rücksicht darauf
nehmen würden,
welche Verluste wir dem Budget des Chefs verursachen, doch das
ist
ein völlig anderes Thema.
"Schnell, verändern sie
das Dokument, bevor es beim Drucker ankommt", ruft der PJ,
der
den ´Drucken´-Dialog auftauchen sieht. Er rennt los zu
seiner Tastatur, bremst
jedoch, als er mein Grinsen sieht.
Und
natürlich spaziert der Chef mit seinem Kollegen von den
Erbsenzählern im
Schlepptau ein paar Tage später bei uns
herein, um zu sehen, was wir machen. Und
damit er sich freut,
haben wir ein riesiges ´Auftragsstatus´-Display (103
Zoll
TFT-Displays sind nicht billig, doch damit wir es an der Wand
anbringen konnten,
mußte es ja flach sein.) installiert, auf
dem viele gesunde ´grüne´ Aufträge zu
sehen
sind.
Aber zum besseren Verständnis muß ich
das näher beschreiben. Ein ´roter´ Auftrag
ist
ein Auftrag, den wir nicht innerhalb einer gesetzten Frist erledigen
konnten. Ein
´grüner´ Auftrag dagegen ist ein
Auftrag, den wir gerade entgegengenommen haben,
aber noch nicht
die Zeit hatten, uns um ihn zu kümmern, wobei die Frist
zur
Erledigung noch nicht abgelaufen ist. Wir haben das Management
davon überzeugt,
daß es keinen Sinn hätte,
erledigte Aufträge anzuzeigen, da dies ja für
den
Fortschritt irrelevant wäre. Natürlich, die
Tatsache, daß es auch noch keinen
bearbeiteten Auftrag
anzuzeigen gibt, macht diese Information noch überflüssiger,
aber
so genau haben wir das freilich niemandem erklärt.
"Das
sieht ja ganz gut aus, Kameraden", erklärt der
Chef-Erbsenzähler in seinem
´Ausgemusterter-Leutnant,
der sich noch immer als Oberst fühlt´-Tonfall. "Die
Sache
geht ja voran, wie ich sehe!"
"Oh, natürlich, Sir,
wir kümmern uns darum, unser Ziel zu erreichen." Ja, aber
ich
werde mich hüten, dir zu sagen, was unser Ziel ist.
Das
Telefon klingelt und der PJ zuckt, aufgeschreckt durch den ´Nimm
ab oder
stirb´-Blick des Chefs, zusammen, bevor er den Hörer
abnimmt.
Er lernt ja noch.
"Systembetreuung, PJ am
Apparat."
Der Chef schafft es, den obersten Erbsenzähler
hinauszubugsieren, während der
sich noch freut und sich der
PJ um seinen ´Kunden´ kümmert.
"Ja, ich
weiß, daß wir es bisher noch nicht geschafft haben, bei
ihnen
vorbeizukommen. Das liegt daran, daß wir im Moment
wirklich beschäftigt sind. Aber
wir liegen ja noch in der
festgelegten Frist zur Behebung des Problems - ja, ich weiß,
daß
sie am 8. September angerufen haben - ja, wir haben heute den 30.
September.
Was ist das? Aber sicher werde ich mich darum kümmern
- ah, hier steht es ja. Der
14. April 2003 scheint der
letztmögliche Termin zu sein. Wissen sie was, ich werde
sie
einfach am 13. April anrufen und fragen, ob sie noch bei uns
arbeiten, um
sicherzugehen, daß meine Bemühungen nicht
umsonst sind, weil sie vielleicht aus
dem Fenster gefallen sind.
Nein, das soll keine Drohung sein, nur eine
Möglichkeit.
Wiederhören."
Die Tage vergehen,
während sich unser Teilzeit-Assistent (den wir für
zwei
Stunden am Tag verpflichtet haben) um die weniger schwierigen
Probleme, die es
mal hier mal da gibt, kümmert, damit wir uns
voll auf die wirklich wichtigen Aufträge
konzentrieren können
und damit das Auftragsstatus-
Display nicht zu voll wird.
In
der Zwischenzeit macht sich Unmut unter den Nutzern breit, die
offenbar nicht
begreifen wollen, wie schwer es ist, daß
Display voller grüner Anzeigen zu erhalten.
Es dauert
vierzehn Tage, bis der Chef begreift, was wir wirklich tun, doch
unser
Trainig hat scheinbar schon gewirkt, als er vorbeikommt, um
sich zu erkundigen, was
passiert.
"Sagen sie mir",
fordert er. "Sagen sie mir, wie viele Anrufe sie bisher
endgültig
bearbeitet haben?"
"Das hängt
davon ab, wie sie ´endgültig´ definieren."
erwidere ich.
"Als ´Problem wurde gelöst´!"
"Das hängt ganz davon ab, was sie unter ´gelöst´
verstehen."
"AAAAAGGGGHHHHHH!!"
"In
Ordnung, lassen sie es mich beschreiben. Wir legen für jeden
Auftrag eine
angemessene Frist fest, in der wir den Auftrag
richtig bearbeiten können. Richtig?"
"Riiiicccchhhhtttiiiigggg ..."
"Wir haben nun
zwei Möglichkeiten. Erstens könnten wir uns darum kümmern
und
das Problem lösen. Dies erfordert Zeit, die uns davon
abhält, unsere eigentlichen
Aufgaben zu erledigen."
"Nein, ich werde jetzt nicht fragen, was sie sich darunter
vorstellen. Was ist die
andere Möglichkeit?"
"Wir
besuchen eine Kneipe und kümmern uns um die wirklich
wichtige
Netzwerkwartung. Und, während die Zeit vergeht,
rückt das Ende der Frist für die
Erledigung der vielen
Aufträge näher, während das Problem, oder, besser
noch, der
Nutzer, schon von selbst verschwunden ist. Der
Fristengenerator ist nämlich direkt
mit der
Mitarbeiterdatenbank verbunden."
Ein Zwinkern seiner Augen
verrät mir, daß der Chef verstanden hat. Und er weiß
gut,
daß er uns jetzt nur etwas vorschlagen kann, das meinen
Kollegen und mich erfreuen
wird.
Entschlossen marschiert er
nach draußen, um eine halbe Stunde später mit
einem
triumphierenden Lächeln zurückzukommen.
"Ich
habe den Finanzchef davon überzeugt, daß die Aufgaben noch
vor dem Ablaufen
der gesetzten Fristen erledigt werden könnten,
wenn er einem Prämiensystem für
unsere Abteilung
zustimmt."
"Wieviel?"
"Fragen sie nicht.
Genügend."
Innerhalb eines Tages ist das halbe Display
der Auftragsstatusanzeige dunkel, und
unsere Kasse für
besondere Gelegenheiten, die mit dem Budget des Chefs verknüpft
ist,
sieht gesünder aus als jemals zuvor. Ich beginne, die Idee der
´öffentlichen´
Rechenschaftslegung zu mögen.
Eine Wette und ein Besäufnis
später fühlt der B.O.F.H. sich nicht ganz wohl, weil
er
sich auf das Teepausen-Kontinuum einließ ...
Es geht mir nicht gut.
In Wirklichkeit kann ich sogar sagen,
daß ich mich erbärmlich fühle.
Doch da ich die
mir zustehende bezahlte Krankenzeit schon während
der
Weltmeisterschaft aufgebraucht habe und die Erfindung eines
Bombenangriffs wohl
zu drastisch wäre, kämpfe ich mich
an meinen Arbeitsplatz. Und wenn ich mich
schon schlecht fühle,
kann ich meine Kopfschmerzen auch am Arbeitsplatz pflegen.
Dabei
fühle ich mich schon etwas besser. Die Ursache für meinen
Zustand war
leicht gefunden, als ich nach dem Aufstehen die
eingetrockneten Überreste von
halbverdautem Kebap auf meinem
Fernseher und die halbvolle Tasse Kaffee auf
meinem Tisch sah.
Eine vage Erinnerung tauchte in meinem Geist auf, kollidierte mit
einer anderen
dunklen Ahnung und verschwand wieder ... Es scheint,
als könne ich mich an ein
Riesenbesäufnis erinnern, das
im Pub begann, der gleich neben unserem
Firmengebäude liegt,
und daß es das Ergebnis einer Wette war, die das Schicksal
mich
gewinnen ließ.
Eine Wette, an der zweifellos auch der Chef
in irgendeiner Weise beteiligt
war - direkt oder indirekt - dessen
imperialer Aufforderung, die morgendliche und die
nachmittägliche
Teepause sorgfältig zu beachten ich folgen sollte. Offenbar
wird
aber vorausgesetzt, daß wir diese Pause pro Tag nur
einmal in Anspruch nehmen.
Und sie soll dann auch nur 15 Minuten
dauern - eine Zeitspanne, die von den Uhren
der Firma und nicht
durch eigene Zeitmesser überwacht wird. Ja, ich rede über
eine
grausame und unangebrachte Bestrafung.
Natürlich
konnte niemand ahnen, daß diese Anordnung wirklich durchgesetzt
werden
sollte - bis ein Lohnscheck über eine Summe, die
niedriger war als erwartet, zeigte,
daß die unautorisierten
Zeitpläne, denen der PJ und ich folgten, nicht
unbeobachtet
geblieben waren.
Ich schaffe es irgendwie, mich
zur Arbeit zu schleppen, doch ich muß zugeben, daß
es
mich mächtig geschafft hat, die relative Sicherheit meines Büros
zu erreichen. Es
ist Zeit für eine Ruhepause.
Ich leite
Anrufe auf meine Apparate an die Netzwerkbetreuung der Firma um, die
drei
Häuser entfernt von uns residiert und gönne mir den
wohlverdienten Schlaf.
Eine Stunde später werde ich durch
die Ankunft des PJs im Büro geweckt. Nun, um
ganz genau zu
sein, das Geräusch des durch die Tür fallenden PJ ist es,
was mich
weckt.
Ihm geht es nicht viel besser als mir, doch
ich hoffe, daß sein Gedächtnis in einem
besseren
Zustand als das meinige ist.
Eine Hoffnung, die sich schnell
verflüchtigt, als mir erklärt, er könne sich nur
noch
daran erinnern, daß wir die Toner aus der Faxmaschine
herausgenommen und die
Lämpchen für ´Toner leer´
und ´Toner entfernt´ ausgetauscht haben.
Weiteres
Fragen bringt nichts, als der PJ erklärt, daß er sich als
nächstes daran
erinnert, wie er im Kabelschacht im Hinterteil
des Hauses aufwachte.
Ich werde neugieriger und neugieriger ...
Ich kann mich daran erinnern, daß der Anlaß wohl
irgendeine größere Feier war,
etwas, das man in der
Computerbranche nur selten erlebt (so selten, wie
die
Veröffentlichung eines fehlerfreien Programms durch
Microsoft).
Die Aufzeichnungen der Überwachungskameras sind
keine Hilfe, da sie nur zeigen,
wie wir gegen 17:22 Uhr das
Gebäude in ziemlich zerknautscht aussehender
Kleidung in der
Begleitung einiger Sekretärinnen, deren Kleidung nicht viel
besser
aussieht, verlassen.
Da ich ein über langjährige
Erfahrungen bei der Problemlösung verfügender Profi
bin,
folge ich der ersten Regel zur Lösung von Problemen und
stelle die Frage: "Was hat
sich verändert?" Meine
Beobachtung zeigt, daß nicht gerade viele Leute im Haus
gesund
aussehen.
Ich befolge die zweite Regel beim Lösen von
Problemen und kehre zum
Ausgangspunkt zurück - 17:22 Uhr ist
viel zu spät für mich, um noch zu arbeiten.
Ganz
offensichtlich muß ich also etwas anderes getan haben.
Ich
rufe einen der menschlicheren Anwälte der Firma an, der diese
Woche damit
verbringt, in seiner Bar seiner Zweitbeschäftigung
nachzugehen, und frage ihn, ob er
sich an uns erinnert.
Und
schließlich schaffe ich es, ihn an seinem Handy zu erreichen.
"Ja, sie haben mich gebeten, die Bar viel früher zu
öffnen ..."
"Wann war das?" frage ich.
"Etwa
10:30 Uhr am Vormittag."
Da ich zeitliche und sonstige
Erinnerungen verloren habe, folgen wichtigere Fragen.
"Haben
wir viel ausgegeben?" frage ich mit leichter Bestürzung.
"Nein, eigentlich nicht." antwortet er. "Nicht,
nachdem sie darauf hingewiesen
haben, daß ein Rundschreiben
ihres Chefs die Verantwortung der Firma für die
Getränke,
die sie und die gesamte Belegschaft zwischen 10 Uhr und 11 Uhr zu
sich
nehmen, bekräftigt."
"Und was geschah um
11 Uhr?" fragt der PJ hinter mir.
"Es ist noch nicht 11
Uhr. Die Uhr zeigt 10:49 Uhr an, wobei sie wirklich ziemlich
langsam
zu laufen scheint. Ich habe keine Ahnung, wieso, aber es ist so ...."
Ein weitere Groschen fällt, und ich kann mich verschwommen
daran erinnern, daß wir
die Kalibrierung des Impulsgebers
für die Uhren der Firma verändert haben, um uns
eine
längere Teepause zu verschaffen. Anscheinend war der Hammer
nicht gerade
das beste Werkzeug dafür.
"Sie meinen,
ein Tag dauert von 10:30 bis 11:00?" schnappt der PJ nach Luft.
"Ah ... zwei Tage, um genau zu sein."
Ein kurzer
Blick auf die unwahrscheinlich kleinen Ziffern meiner
Armbanduhr
bestätigt diese Version.
"Verdammt! Wie
hat das Management darauf reagiert?"
"Nun, ihr Chef hat
uns vor 16 Stun ... ich meine 6 Minuten verlassen, und er wollte
in
fünf Minuten zurückkommen. Die gesamte
Rechtsabteilung ist hier, da sie ihren
spätmorgendlichen Tee
genießen wollen, und die Leute aus der
Personal-Abteilung
nehmen ihren Tee in Ein-Minuten-Abständen
zu sich."
43 Stunden [11 Minuten] später werden der PJ,
ich und einige zum harten Kern
gehörende Trinker der Rechts-
und der Personal-Abteilung aus dem Haus begleitet.
Durch die
Polizei.
Ich sagte es einmal, und ich sagte es tausendmal: "SSS
GEEETTT MRRRR
GGGTTTT!" Und das darf zitiert werden.
Eine gefälschte
Dokumentation mag die Prüfer beeindrucken, doch der Chef
landet
trotzdem im Krankenhaus ...
Ich spüre, daß etwas in der Luft liegt. Ich weiß
es sofort. Erfahrene Profis haben
dafür einen siebten Sinn
entwickelt.
Der PJ bestätigt meine Ahnungen, als er von der
morgendlichen Teepause - im
Pub - zurückkommt und sich
neugierig umschaut, ob noch alle Dinge an ihrem
angestammten Platz
stehen.
Es ist wie ein vielversprechender Duft.
Der Chef
führt etwas im Schilde. Wir sind vielleicht überempfindlich,
doch ich
glaube, er nimmt es uns ein wenig übel, daß
wir das Gerücht verbreitet haben, es
handele sich bei dem
grauen Staub, der über Nacht überall in der
Nutzerbetreuung
auftauchte, um Asbeststaub. Das war vor zwei
Tagen, doch die Massenhysterie und
die grassierende Hypochondrie
flauten noch immer nicht ab, obwohl mittlerweile
bewiesen wurde,
daß es sich bei dem Staub um gefärbtes Puder handelt.
Wir
ahnen, daß er Rache üben will, und als er zu uns
hereinwatschelt, hat das
Warten darauf endlich ein Ende.
"Ich
denke es wird Zeit, daß wir uns um die Dokumentation kümmern",
sagt er,
nachdem er seinen Vorrat an unverbindlichen Nettigkeiten
("Wie geht es ihnen?",
"Was macht das Netzwerk?"
und "Sind das da die Speicherchips, die ich in meinem
PC
vermisse?") verbraucht hat.
"Dokumentation?"
"Ja,
eine Beschreibung der Technik, der Konfigurations-Standards, der
Netzwerk-
und Systemtopologie, spezielle Anpassungen",
plappert er und spult dabei offenbar
sorgfältig gelernte
Sätze herab, mit deren Studium er sein Gehirn unter
größtem
persönlichen Risiko, andere wichtige
Informationen (wo er wohnt, wie er heißt, wann
es angebracht
ist, den Reißverschluß seiner Hose zu öffnen, etc.)
zu vergessen,
gemartert hat.
"Aber das haben wir doch
schon getan - im brandsicheren Schrank für
die
Sicherungsbänder", antworte ich und deute auf ein
graues Monster von einem
Möbelstück in der Ecke, das ich
bisher nur einmal geöffnet habe.
"Gut, dann werfen wir
doch einmal einen Blick drauf."
"Nun, das würde
ich ja gern tun, doch mein Assistent hat den Schlüssel
verloren,
nachdem er die Informationen auf den neuesten Stand
gebracht hatte!" rufe ich und
mache den PJ zum Sündenbock
für diese spezielle Ausrede. (Natürlich haben wir das
so
abgesprochen ...)
"Dann holen sie einen Schlosser herbei!"
schreit der Chef, der sich von kleinen
Details nicht aufhalten
lassen will.
Drei Stunden und einen Feueralarm später ist
die ´Dokumentation´ nur noch ein
Haufen Asche in dem
nun geöffneten Schrank. Daß sie das auch schon war, als
ich
sie im Schrank hinterlegte, tut natürlich nichts zur
Sache.
"Ich habe keine Ahnung, weshalb der PJ die Flasche
mit dem Magnetkopfreiniger
gleich neben der Stelle plaziert hat,
die der Schlosser mit seinem Schweißbrenner
behandeln mußte,
um den Schrank zu öffnen. Was für ein Versehen!"
jammere ich
und muß gegen ein Kichern kämpfen, als der
Chef, der es natürlich zu eilig hatte, an
die Dokumentation
zu kommen, seine Hände behutsam mit Brandsalbe behandelt.
"Das
ist jetzt irrelevant. Ich brauche eine Dokumentation, um sie den
Prüfern
vorzulegen."
"Die Prüfer!"
protestiere ich. "Welcher geheiligte Erbsenzähler will von
uns eine
Dokumentation?"
"Nicht die Rechnungsprüfer,
Firmenprüfer. Seit die Firma sich an die Amerikaner
verkauft
hat, müssen wir jeden unserer Schritte prüfen lassen, damit
sie sicher sind,
daß wir wie eine Maschine sind, bei der
alles ohne Schwierigkeiten läuft."
"Mein Geld
steckt in einem 73er Ford Escort, der mit drei Zylindern und Wasser
im
Benzin läuft, aber ich denke, daß ich sie begriffen
habe."
"Also erwarte ich neue Ausdrucke der
Dokumentation am nächsten Morgen", sagt
der Chef und
verläßt uns.
"Prüfer?" fragt der PJ.
"Davon habe ich noch nie gehört."
"Es wäre
wohl besser, wenn sie ein paar Handbuchseiten scannen und mit
der
Texterkennung an die Textverarbeitung schicken, um die
Dokumentation etwas
aufzublähen. Ich werde die Ausgabe des
Topologie-Monitors in ein anderes
Dokument umleiten und mit 24
Pixeln Zeichengröße ausdrucken, was für etwa
hundert
Seiten reichen sollte. Dann lasse ich ein Perl-Skript über den
Domain Name
Server laufen, um ein paar ergänzende
Informationen hinzuzufügen. Und schließlich
werde ich
mich um das Inhaltsverzeichnis kümmern, etc.", antworte
ich.
"Werden sie nicht merken, daß es Müll ist?"
fragt der PJ.
"Nein, es werden so viele Seiten sein, daß
sie nur das Inhaltsverzeichnis überfliegen
und zufällig
ein paar Seiten aufschlagen werden. Was mich darauf bringt, daß
ich für
die Seiten mit dem glaubwürdigen Inhalt noch
etwas schwereres Papier brauche,
damit diese Seiten leichter
gefunden werden können."
"Man könnte meinen,
sie hätten das schon einmal gemacht."
"Einer der
Tricks bei Vertragsgeschäften. Die Nachfrage nach Papier mit
100
Gramm Gewicht je Quadratzentimeter steigt immer, wenn eine
schriftliche
Firmenpräsentation fällig ist."
Drei
Sunden später haben wir ein Dokument, das den durchschnittlichen
Anfänger
wohl beeindrucken kann, doch wenn man bedenkt, daß
die Prüfer ja keine Anfänger
sind, so muß ich noch
ein paar Seiten mit glaubwürdigen Inhalten anfertigen.
Eine
weitere Stunde später habe ich ein paar gute Seiten über
´Hot Swapping´,
´Fehlervorbeugung´,
´Ausfallsicherheit´, ´Vergabe von Namen im
Netzwerk´ und
´Routerkonfiguration´
zusammengesammelt.
Ich füge noch einige akkurat klingende
Palaver über die Verkabelung, Steckdosen
und Anschlüsse
hinzu, ein paar Beschreibungen über unsere Notfallmaßnahmen
und
Sicherheitseinstellungen. Ich hefte alles in einem
entsprechend benannten Ordner
zusammen, dann übergebe ich ihn
dem ´Alterungsprozeß´, der darin besteht, daß
ich
ein wenig darauf herumhüpfe, den Ordner durch den Raum
werfe, wobei ein paar
Seiten herausfallen, und Essensreste auf
einigen Seiten verteile, damit sie aussehen,
als wären sie
häufig genutzt.
Das Dokument wird vorgelegt und, da es keine
weiteren Reaktionen gibt, macht die
Prüfer offenbar
glücklich.
Und so kommt es, daß der PJ und ich am
nächsten Tag neben dem
Netzwerk-Monitor stehen, der anzeigt,
daß ein Router demnächst wohl damit
beginnen wird, mit
niemandem anderen mehr zu kommunizieren.
"Das wird den Chef
auf die Idee bringen, redundante Router anzuschaffen."
"Sind
sie sich dessen sicher?"
"Nun, die Software der alten
Router unterstützt Redundanz noch nicht - das
würde
Speicherfehler verursachen. Natürlich habe ich
vergessen, das zu dokumentieren.
Gerade ist es mir eingefallen,
daß ich auch nicht dokumentiert habe, daß ..."
Ein
lauter Knall aus der nächsten Etage unterbricht mich.
"Die
Leiter für den Notausstieg ist noch nicht am Dach
festgeschraubt."
Fünf Minuten später ist der Chef
auf dem Weg ins Krankenhaus und die
Dokumentation auf ihrer Reise
in den Ofen.
Ein gefälschter
Leistungsvergleich für Computer mag Hohlköpfe in
Polyesteranzügen
beeindrucken, doch der kluge B.O.F.H. hält
eine kleine Überraschung in seiner
Tasche bereit ....
Ich bin auf einer Veranstaltung, auf der ein Hersteller seine
neuesten
Mini-Computer vorstellt.
Und wie erwartet besteht das
Publikum aus Hohlköpfen, bei denen es anscheinend
modern ist,
Anzüge aus 100 Prozent Polyester zu tragen.
Und, ebenfalls
erwartungsgemäß, der Hersteller preist seine neue Technik
in
höchsten Tönen, während er gleichzeitig seiner
Stammkundschaft zu versichern
versucht, sie sei kein ERSATZ für
die Technik, die sie sich vor ein paar Monaten
angeschafft haben,
sondern nur ein parallel hergestelltes Produkt.
Die Tatsache, daß
die Rechner aus dem letzten Quartal aus dem
Hardware-Katalog
gestrichen wurden (zusammen mit dem
Herstellerservice) ist reiner Zufall ... Wie
auch die Seriennummer
auf dem Vorführgerät, die impliziert, daß dieses vor
SECHS
Monaten hergestellt wurde. Nein, nein, das war kein billiger
Ramschverkauf damals,
sondern das ist wirklich ein reiner Zufall.
Oh, und ein Wechsel auf eine völlig neue Architektur ...
Also sehen wir das neue Modell mit den neuen Anschlüssen
(was bedeutet, daß die
auf Vorrat angeschafften Steckkarten
und Peripheriegeräte ungefähr so wertvoll sind
wie
XT-Thin Wire-Steckkarten), das zwanzig Prozent
mehr
Prozessorgeschwindigkeit bringt, achtzig Prozent teurer ist
und durch ein um
zweihundert Prozent größeres und
häßlicheres Logo gekennzeichnet ist. Natürlich
bricht
bei den Zuhörern angesichts dieser neuen Errungenschaften sofort
die
typische Begeisterung der Ahnungslosen aus.
"Wie sie
sehen", erklärt der Vorführer mit einem schleimigen
Grinsen. "Wie sie hier
sehen, zeigt der SpecWUPGW Int, daß
unsere Modelle besser bewertet werden, als
die Modelle der
gesamten Konkurrenz ..."
"Ah", unterbreche ich ihn
und unterdrücke den Anflug von Trauer, den diese
plumpe
Vorspiegelung von Ehrlichkeit in mir hervorruft. "Könnte
das daran liegen, daß sie
den SpecWUPGW Int erfunden haben,
um die Vorteile ihrer neuen Architektur
auszunutzen?"
"Natürlich nicht", erwidert der Vorführer
pikiert. "Der SpecWUPGW Int ist ein
offener
Industriestandard!"
"Und wer", fahre ich fort,
obwohl ich schon weiß, was noch kommt. "Wer hat
diesen
Standard entwickelt?"
"Nun, ich muß,
mit etwas Stolz, zugeben, daß unser Unternehmen in der Lage
war,
diesen Standard zu entwickeln, der die wirklichen Bedürfnisse
eines Nutzers
widerspiegelt und so einen echten Vergleich
verschiedener Systeme ermöglicht, der
weitaus
aussagekräftiger ist, als die üblichen Testmethoden, die
nur ein paar
Integer-Berechnungen durchführen."
"Mit
anderen Worten - sie haben diesen Standard für sich entwickelt?"
"Nein, nein! Die anderen Standards zum Vergleich von
Systemen haben nicht
genügend berücksichtigt, daß
es verschiedene Arten von Nutzern gibt, die an einem
Computer
arbeiten - seien es Programmierer, Nutzer von Datenbanken und
so
weiter. Der SpecWUPGW bezieht all diese Faktoren mit ein und
liefert ein Ergebnis,
welches das ´Gesamtsystem´ oder,
wie wir es nennen, die ´Holistische
Interoperativität´
vollständig repräsentiert."
Ich schaue mich um und
stelle fest, daß die anderen Zuhörer zu 60 Prozent
das
typische Verhalten von Einkäufern zeigen, deren Verstand
schon längst kapituliert
hat.
"Und wofür steht
SpecWUPGW eigentlich?" will ich wissen.
"Spezifikation
wenn Ummmmmdmd Pdndn Guidnd Wdrn", murmelt er.
"Entschuldigung?"
"Spezifikation wenn unsere
Peripherie genutzt wird." murmelt er scheu.
"Oh! Sie
sagen also, daß, wenn wir eine ihrer SCSI-Festplatten in, sagen
wir, das
Modell eines Konkurrenten einbauen, der Prozessor so
damit beschäftigt sein wird,
die Fehler zu berichtigen, die
ihr dem Standard nicht gehorchendes Gerät verursacht,
daß
er kaum dazu kommt, wirklich zu arbeiten?"
"Nein, das
ist es nicht", keucht er verärgert. "Aber lassen sie
mich ihnen das System
in Aktion vorführen. Das wird sie
sicher überzeugen!!!"
Er schaltet das Gerät ein,
und es startet mit einem wirklich beeindruckenden Klang.
Allein
dieser rechtfertigt, kombiniert mit dem neuen bunten Begrüßungsbild,
die
Hälfte des Kaufpreises!!!
"Und wenn sich
vielleicht ein Freiwill ..."
Beinahe hätte ich meine
Achillessehne verletzt, als ich nach vorn zum Podium eile.
Bestimmt
bin ich nicht der Freiwillige, den er erwartet hat - wahrscheinlich
hat er
mit einem vorbereiteten Schauspieler gerechnet, dessen
einfache Fragen er mit
einem "Schauen sie sich das hier an!"
beantworten kann.
"Ah", murmelt er bemüht, mich
nicht in die Nähe seines Vorführgerätes gelangen
zu
lassen, doch ihm bleibt nun keine andere Wahl mehr. "Wie
wäre es, wenn sie die
graphische Benutzeroberfläche
starten, indem sie auf das kleine Symbol klicken?"
Ich folge
seinem Vorschlag und bin wirklich von der Geschwindigkeit
beeindruckt.
Wie übrigens auch der Rest der Zuschauer, die
näherkommen, um alles besser zu
sehen ...
Ich verberge
meine Hand für kurze Zeit ... Und schneller als man "Was
ist das,
zerschnittene Aluminiumfolie? Die Verpackung einer
Schokoladentafel?
Eisenspäne?" sagen kann, habe ich eine
kleine Menge Aluminiumfolie durch die
gierigen Löcher der
Kühlanlage in das Gehäuse geschmuggelt.
Der folgende
Kurzschluß, der Rauch und die mittlere Explosion schlossen
das
Vergnügen für diesen Nachmittag ab - sie ruinierten
die Verkaufsprospekte und
ließen den Vorführer mit
einer ´schockierenden´ neuen Frisur flüchten -
nachdem er
aus seiner Ohnmacht wieder erwacht war. Es ist
eigentlich unnötig zu sagen, wie es
weiterging, denn das ist,
wie man so schön sagt, Geschichte. Das neue Modell
wurde
nicht grundsätzlich vom Markt genommen, sondern eine neue
Vorführung
organisiert, nachdem man die ´Netzteilprobleme´
behoben hatte, aber immerhin hat
die Verzögerung dafür
gesorgt, daß die Preise für die Peripheriegeräte, die
ich im
Angebot habe, wieder stiegen und ich die Geräte an
einen anderen ahnungslosen
Kunden unseres Lieferanten loswerden
konnte.
Wie sagt man so schön - in der Liebe und beim
Hardwareverkauf ist alles erlaubt ...
Man glaubt kaum, was mit der
Kreditkarte des Chefs passiert ... und es ist nicht nur
der
B.O.F.H., der seine Finger im Spiel hat - er hat einen neuen
flexiblen Freund ...
Ich wühle mich durch die Wagenladung morgendlicher E-Mails,
sortiere all die
Werbung aus, die etwas mit Kreditkarten,
kostenlosen Krediten, Karrierechancen
und neuen, erweiterten
Sex-Angeboten im WWW zu tun hat.
Den Web-Cache, der für den
Chef bestimmt ist, mit Pornographie aufzufüllen, ist
der
sicherere Weg, um ungestraft während der Arbeitszeit
entsprechende Bilder
anzuschauen. Und er spart uns die Mühe,
darauf zu warten, daß die Daten sich erst
durch die
überlastete Ethernet-Anbindung des Anbieters zu uns quälen
müssen.
Ja, daß wir die Daten der Firmenkreditkarte
des Chefs für unser kleines Programm
benutzt haben, das
automatisch nach Pornoseiten sucht, war vielleicht etwas
unanständig,
doch das zählt nicht, wenn man über einen gut gefüllten
Cache verfügen
will.
Und der Chef zahlt bestimmt - allein
in diesem Monat mußte ich sein Limit zweimal
erhöhen
lassen, damit unser freundliches und aufmerksames Programm all die
Seiten
bedienen konnte, die es gefunden hat.
Wenn er nicht
vorgehabt hätte, etwas mit seiner Kreditkarte zu kaufen, dann
hätte er
schließlich auch keine beantragt. Noch hätte
er sie achtlos in einem versiegelten
Umschlag herumliegen lassen,
der in einer Aktentasche versteckt war, die in einem
Schrank mit
der Aufschrift ´IT94 Konferenz-Unterlagen´ stand, in dem
wir
Sicherungskopien aufbewahren. Ja, die Karte lud wirklich
geradezu dazu ein, sie
auch zu nutzen.
Wie auch immer, der
Cache machte sich sehr bezahlt, als ich die beiden neuen
9
Gigabyte-Festplatten in den Server eingebaut hatte. Mit anderen
Worten - ein sehr
schöner Abschluß - oder ein Anfang
....
"Ich habe ein Problem mit den Nutzungsstatistiken für
die Rechner", beschwert er
sich und stürmt so schnell
ins Büro, daß ich die ´Cache-Ausnutzungs-Statistik´
nur
löschen kann, indem ich meinen Monitor abschalte.
"Worum
geht es?" frage ich.
"Nun, dieser Statistik entnehme
ich, daß mein Rechner unheimlich viel Datenverkehr
außerhalb
der Bürozeiten verursacht."
"Wirklich!"
erwidere ich. Offenbar schaut meine Porno-Goldmine dem Ende
ihrer
Existenz entgegen.
"Oh, das ist das DHCP Mapping",
springt der PJ ein. "Das liegt daran, daß unser
DNS
nicht dynamisch ist, also wird das alles ihrer Maschine zugerechnet,
obwohl es
in Wirklichkeit eine andere Maschine ist, die ihre
IP-Adresse benutzt und so in den
Nutzungsstatistiken auftaucht."
"Hmmm ... wirklich?" reagiert der Chef, dessen
technischer Verstand offenbar nahe
daran ist, in unbekannten
Gewässern unterzugehen.
"Ja, darüber müssen
sie sich keine Sorgen machen."
"Oh", sagt der Chef
und ist glücklich darüber, daß sein PC nur ihm treu
ergeben ist.
"Aber wer hat den Datentransfer mit meiner IP
dann verursacht?"
"Ah ... das könnte
möglicherweise unser eigener Webserver gewesen sein",
werfe
ich ein.
"Aber ich dachte, sie hätten mir
letzte Woche gesagt, die Server nutzen DHCP
nicht?" bemerkt
der Chef und verblüfft mich damit, daß seine Gegenfrage
durchaus
korrekt ist.
"Nein, nein, ich sagte, daß
die Surfer DHCP nicht benutzen - weil ... ah ... die
meisten von
ihnen nicht einmal PCs besitzen ... und die, die einen besitzen,
nehmen
ihn bestimmt nicht mit an den Strand ..."
"Was
haben Surfer mit unserer Firma zu tun?" platzt der Chef heraus.
Er ist nun noch
mehr verwirrt als sonst ...
"Ich habe
keine Ahnung", antworte ich.
"Und warum haben sie davon
angefangen?"
"Ich wollte nur etwas Zeit totschlagen
...."
Unsere Konversation wird durch die Ankunft eines
Erbsenzählers unterbrochen,
dessen Blick einen besorgten
Ausdruck zeigt, was nur bedeuten kann, daß
der
Kreditkarten-Adler gelandet ist. Mit einer Bruchlandung, wenn
ich seinen
Gesichtsausdruck richtig deute.
"Es geht um
ihre Firmenkreditkarte", murmelt der Erbsenzähler
vorsichtig.
"Was soll damit sein?"
"Das Konto
steht bei 23.000 Pfund. In roten Zahlen!"
Ich bin leicht
schockiert über diese Zahl, da ich das Limit nur auf 10.000
Pfund
hochgesetzt hatte, doch die Kreditkartenfirma war wohl ganz
wild darauf, neue
Einnahmen zu erzielen ...
"Das ist doch
lächerlich!" erwidert der Chef.
"Hier steht alles
schwarz auf weiß - doch meistens rot", sagt der
Erbsenzähler und
wedelt mit einigen Ausdrucken. "Was hat
das zu bedeuten, www.spank-spank.org ...
und
zu-enge-lederhosen.com? Und wer zum Henker ist die ´Progressive
Presse´ in
Amsterdam?"
Eine Warnglocke schlägt
in meinem Kopf, da ich mich nicht an Web-Sites mit
diesen Namen
erinnern kann. Ich schnappe mir die Ausdrucke des Erbsenzählers
und
stelle fest, daß die Kosten für die Webseiten nur
etwa zehn Prozent der
Gesamtsumme ausmachen, der Rest ging für
ergänzende Artikel drauf, die nach
Großbritannien
geschickt wurden ...
"Ich habe keine Ahnung, wie das
ablief", erwidert der Erbsenzähler. "Aber das
wurde
alles mit ihrer Karte bezahlt ..."
"Das kann
nicht sein! Meine Karte ist sicher weggeschlossen. In einem Fach
in
einem Schrank."
"Dem Fach für
Reinigungsmittel, glaube ich", wende ich hilfsbereit ein.
"In
einem Schrank für Sicherungskopien." fügt der PJ
hinzu.
"In einem versiegelten Umschlag in einem
Aktenkoffer", vollendet der Erbsenzähler
mit einem
selbstgefälligen Grinsen, das den PJ und mich mehr als
überrascht.
Es sieht so aus, als gäbe es einen neuen
Mitspieler - einen Erbsenzähler auf
Abwegen. Ausgezeichnet.
Der Chef murmelt etwas davon, daß wir damit nicht
durchkommen werden, und
braust davon, um seine Karte sperren zu
lassen.
"Nun, da kann man wohl nichts mehr machen",
zwitschert der Erbsenzähler fröhlich.
"Nebenbei,
ich habe seine alten Kreditkartendaten dazu benutzt, eine neue bei
einer
anderen Bank zu beantragen."
"Und ...?"
frage ich und bin bereit, sofort in den Krieg zu ziehen.
"Ich
habe ihrem Chef die Details in einer E-Mail mitgeteilt, die ich
natürlich nicht mit
seinem öffentlichen Schlüssel
verschlüsselt habe, sondern mit ihrem - was für
ein
Mißverständnis!"
"Also sagen sie, daß
der Chef eine E-Mail bekommen hat, die er nicht lesen kann ...."
"Die jeder mit ihrem privaten Schlüssel abfangen können
sollte ..."
Es ist ein feuchter und windiger Nachmittag, als
die Leute vom Wachdienst in das
Büro des Chefs stürmen,
um ihn nach oben in die Chefetage zu bringen, wo eine
ordentliche
Tracht Prügel auf ihn wartet. Seine Unschuldsbeteuerungen
treffen auf
taube Ohren, als Nachforschungen ergeben, daß
die Magazine der ´Progressiven
Presse´ an die Adresse
seines Ferienhauses geliefert wurden ...
Einer weniger, aber noch
viele werden ihm folgen.
Doch immerhin haben wir einen neuen
Freund im Lager des Gegners ...
Das Auge an der Wand hat
alles gesehen, also ist es Zeit für riskante Maßnahmen,
um
das gefährliche Maß Sherry im Beratungsraum zu verstecken
....
Früher oder später mußte es ja passieren. Wir
wissen es, wir bereiten uns darauf vor,
doch trotzdem trifft es
uns dann wie der sprichwörtliche Tritt in die Weichteile.
Der
Wachdienst will seine Systeme zurückhaben. Nun, nicht der ganze
Wachdienst
- wir pflegen eine großartige Beziehung - doch es
ist der neue Manager, ein
ehemaliger Offizier, der seine Arbeit
wohl etwas zu ernst nimmt. Er nimmt
(grauenhafterweise) an, daß
die Überwachungskameras durch den Wachdienst
kontrolliert
werden sollten und daß wir von der System- und
Netzwerkbetreuung
nicht mehr unbegrenzten Zugang zu allen, auch
den sicherheitsrelevanten, Bereichen
im Gebäude haben
sollten, um "schnellen Service" zu ermöglichen.
Mit
anderen Worten - er versucht, aus uns ahnungslose Schäfchen zu
machen.
Unser neuer Chef ist auch keine Hilfe. Mit dem Rückgrat
einer Qualle hat er sich in
Rekordzeit zurückgezogen.
Ich
mag das nicht.
Der PJ mag das nicht.
Etwas muß
geschehen.
Und es wird etwas geschehen. Der Tropfen, der das Faß
schließlich zum Überlaufen
brachte, war die Frage des
Chefs, was wir in der vergangenen Nacht um 18:25 Uhr
im
Beratungszimmer des Geschäftsführers zu suchen hatten.
Ganz offensichtlich ist die Antwort ´Wir betranken uns bis
zur Besinnungslosigkeit
mit ein paar Sekretärinnen´
nicht das, was er hören möchte.
Also müssen wir
wohl etwas improvisieren - und ich rede nicht von Musik.
"Ahhh
.... Wir haben die Verbindungsqualität der ISDN-Anschlüsse
der einzelnen
PCs überprüft." erkläre ich
schnell.
"Wirklich? Es sieht aber nicht so aus!" ruft
er und wedelt mit einem ausgedruckten
Standbild der
Überwachungskamera, das den PJ dabei zeigt, wie er den
halbvollen
Sherry-Krug mit einer verarbeiteten Version des
Originals wiederauffüllt.
"Das ist ja ekelhaft!"
rufe ich erregt.
"Ja, das ist es", stimmt mir der Chef
zu und bereitet sich darauf vor, die nächste
Hürde zu
nehmen. "Wie auch das hier", setzt er fort, wobei er einen
weiteren
Ausdruck zeigt - diesmal von mir, wie ich die
enttäuschende Fehlleistung des PJs
berichtige. (Er ist eben
noch jung.)
"Und was haben sie dazu zu sagen?" will der
Chef herausfordernd wissen.
"Nun, offensichtlich sollte ich
meinen Konsum von Vitamin B einschränken." rufe
ich.
"Was?"
"Das sollte ein Scherz sein. Das ist
ganz offensichtlich eine Fälschung."
"Nun, wenn
das eine Fälschung ist", erwidert er und hält einen
seltsam vertrauten
Krug hoch. "Dann haben sie sicher nichts
dagegen, einen schnellen Schluck hiervon
zu nehmen."
"Natürlich nicht", antworte ich und genehmige mir
einen gesunden Schluck, oder 57,
und leere den Krug in Rekordzeit.
"Wie ich schon sagte - das ist eine Fälschung, mit
der
der Chef des Wachdienstes uns in Mißkredit bringen will, indem
er
Falschinformationen verbreitet. Offensichtlich wurde das Video
bearbeitet. Schauen
sie sich die Pixel rund um die Sache an. Es
wurde digitalisiert und wieder auf Band
gebracht."
"Ich
.... uh ..." murmelt der Chef, dessen großartiger Plan sich
in Asche aufgelöst hat.
Nachdem er niedergedrückt
davonschlich (ohne eine Flasche oder gar einen Krug),
um den Chef
des Wachdienstes zur Rede zu stellen, kommt der PJ zu mir.
"Ich
kann nicht glauben, daß sie das verdammte Zeug getrunken
haben", keucht er
angeekelt.
"Ah, seien sie nicht so
naiv - ich habe den aufgefüllten Krug nach hinten ins
Regal
gestellt und den Verschluß mit dem dieses Krugs
vertauscht. Die Geschäftsleitung
ist blöd, aber nicht
blöd genug, um den Kruginhalt tatsächlich für Sherry
zu halten.
Jedenfalls nicht, wenn sie nicht vorher ein paar andere
Krüge geleert haben. Deshalb
habe ich ihn nach hinten
gestellt."
Ein Geräusch von einer Kamera hinter uns
macht mich auf ein potentielles Problem
aufmerksam.
"Glauben
sie, daß er von den Lippen lesen kann?" frage ich den PJ
und verberge
meinen Mund hinter meiner Kaffeetasse.
"Könnte
sein", kommentiert der PJ perfekt gähnend.
"Richtig.
Es wird Zeit für eine Notfallaktion!"
Der PJ und ich
rennen zur Treppe und zum Beratungsraum der Firmenleitung, um
den
Beweis zu beseitigen. Doch wir kommen zu spät. Der Chef
des Wachdienstes ist
schon in dem Zimmer und hat bei seiner
eiligen Suche nach dem Krug Glaswaren im
ganzen Raum verteilt.
Mit etwas Glück ... doch nein - der bewußte Krug
enthält eine viel, viel hellere
Flüssigkeit, als die,
die ich vorhin getrunken habe.
"Wir sitzen in der Falle",
flüstert der PJ.
"Noch nicht", antworte ich und
erinnere mich an die Voreinstellungen des
Kartenleser an der Tür
zum Beratungsraum. Ich schiebe meine Karte in den Leser,
dann gebe
ich einen falschen PIN-Code ein. Noch einmal. Und noch einmal.
Mein
vierter Versuch löst den Alarm aus, und die
Sicherheitsverriegelung schließt
automatisch die Tür.
Der Sicherheitschef versucht von innen das Schließen der
Tür
aufzuhalten, doch zu spät ... Die zehnminütige
Verriegelung wirkt.
Schnell wie ein Blitz trennt der PJ die
Telefon- und Netzwerkverbindung des
Beratungszimmer, dann
verschließt er mittels Handsteuerung den Korridor
zum
Beratungsraum.
"Warten sie! Er wird das Glas vor dem
Notausgangsschalter einschlagen." ruft der
PJ.
"Er
könnte. Wenn ich das Glas nicht vor Jahren durch Panzerglas
ersetzt hätte."
Wir nehmen uns ein paar Sessel und
warten auf das Unvermeidliche, sorgen dafür,
daß die
Sicherheitsverriegelung alle neun Minuten erneut in Aktion tritt.
Zu
seiner Verteidigung muß gesagt werden, daß der Chef des
Wachdienstes sicher
tapfer hält - offenbar der militärische
Einfluß. Es dauert beinahe zehn Stunden, bis er
durstig
wird. Und zwei weitere, bevor er den Krug wieder auffüllt.
"Ich
hätte den Krug auf dem Boden umgekippt", sagt der PJ leise,
als wir am
nächsten Tag im Pub sitzen. "Das hätte
das Problem gelöst."
"Ja, es wird wohl niemand
verstehen, was in einem militärischen Geist so vorgeht",
seufze
ich, als ich mich an die Namen erinnere, die ihm seine Truppen
gegeben
haben, die zu beschäftigt waren, ihm zu Hilfe zu
eilen und die Aufzeichnungen zu
modifizieren - selbst wenn sie es
gewollt hätten.
Nun, jedem das, was er verdient ...
Ein alter Freund in Wales,
der nicht über Kabel-TV verfügt, entpuppt sich als
idealer
Vorwand für die Anschaffung weiterer
Leitungskapazitäten ...
Ich schicke ein paar Folgen einer außerirdischen TV-Serie
durch das Netz nach
Wales zu einem guten alten Bastardfreund (Ja,
ein armer Bastard, aber ein Freund.),
der sie noch nicht gesehen
hat, sich aber die Videos nicht kaufen will.
Als Folge der Ton-
und Bildübertragung, die natürlich komprimiert erfolgt, ist
die
Geschwindigkeit unserer Verbindung zum Rest der Welt praktisch
Null.
Und es gibt KEINEN ANLASS, mit dem neuen Chef über
eine größere Bandbreite zu
diskutieren, da er sich
zurückgezogen hat, um sich durch die Aufzeichnungen
seiner
Vorgänger zu wühlen (eingeschlossen derer, die in
Krakelschrift behaupten: "SIE
SIND HIER, UM MICH ZU
KRIEGEN!"), und er mich darüber informieren ließ,
daß
es KEINE Chance für eine Erweiterung der Kapazität
gibt.
Wie auch immer, das löst nicht das Problem der
merklich verzögerten Antwortzeiten
bei unseren sonstigen
Datenübertragungen, aber mit etwas Glück kann ich es
lösen,
indem ich das Video auf die von unserem Netzbetreiber
bisher ungenutzte
Vermittlungsstelle umleite, die nur durch einen
Schalter ´außer Betrieb´ gesetzt
wurde, sonst
aber voll funktionstüchtig ist.
Ich meine, das MUSS ich doch
als EINLADUNG auffassen, da all ihre Konkurrenten
keine
ungenutzten Leitungen in unsere Haus gelegt hätten.
Natürlich
ist mir bewußt, daß unsere Firma früher oder später
für diese Leitung
zahlen muß, doch ich beruhige mein
Gewissen, indem ich mir einmal die Höhe der
Summe vorstelle.
Doch schließlich dient ja alles einem guten Zweck!
Ich
nehme die Leitung in Betrieb und starte einen Test. Natürlich,
der
Router-Anschluß ist auch noch aktiviert! Also schicke
ich das Video über diese
Leitung und danke Gott für
einen Provider, der mehr Anschlüsse und Geld hat
als
Geschäftssinn ...
Es ist freilich nur eine Frage der
Zeit, bis sie etwas merken, also sorge ich dafür, daß
die
Rufnummernanzeige bei Anrufen von draußen zuverlässig
funktioniert. Und schon
wenige Stunden später kommt der
erwartete Anruf von der Kundenbetreuung
unseres Providers.
"Hallo, Belgisches Steak- und Waffel-Restaurant ... sie
wollen reservieren?" sage
ich und achte darauf, daß
mein Akzent nach Osteuropa klingt.
"Entschuldigung, falsche
Nummer." murmelt der Anrufe und legt auf. Zwei Sekunden
später
ist er wieder dran. "Hallo, Belgisches Steak- und
Waffel-Restaurant ... sie
wollen reservieren?"
Jetzt ist
er verwirrt. Er prüft noch einmal die Nummer und fragt dann, ob
wir
Computer im Haus haben.
"Isch deengke, tzie maihnen
diiee Loide iim Oobergeeeschoß", sage ich. "Tsie
haabenn
fieele Gomputerr."
Er fragt nach den Namen der Firma, dann
nach ihrer Telefonnummer.
"Oh, dass iist einee lanngee
Geeeschischde", erkläre ich. "Ess gaabb
einneen
großeenn Unfahl im gantsen Hauss, und jetztt lauffen
die Telllefohne nicht mehr
richtig, seit diesserr Mannn kahm, umm
die Feeehler tsu beseitigen ..."
Ich bemerke, daß mein
Akzent ins Mexikanische abgleitet, also mache ich eine
Pause.
"Enddschuldigungk, isch habbe einnenn Anrufer - rrufen ssie
misch nnach
demm Essen tzurüggk!"
Jetzt läuft
die Zeit für mich. Ich weiß, daß sie die Leitung
nicht kappen werden, da
sie nicht wissen, ob das Problem eine
Folge IHRER Aktivitäten ist - oder, für den
Fall der
Fälle, daß die Leitung schon berechtigt in Betrieb ist, es
ihnen nur noch
niemand gesagt hat. Aber ich weiß auch, daß
sie mich nicht lange mit dieser
kostenlosen Bandbreite arbeiten
lassen werden.
Ich brauche also einen Plan.
Ich rufe unseren
Kundenbetreuer bei ihnen an (natürlich mit
abgeschalteter
Rufnummernweiterleitung) und frage ihn was zum
Teufel mit der
Übertragungsgeschwindigkeit ihrer Leitung los
ist.
"Was meinen sie?" fragt er.
"Etwas
scheint die ganze für uns bestimmte Bandbreite aufzufressen!"
jammere ich.
"Das begann, nachdem einer ihrer Techniker zu
uns kam, um unsere Leitungen zu
warten und sich auch um unsere
Telefone zu kümmern."
"Aber wir warten ihre
Telefone gar nicht!" erwidert er.
"Ja, das merke ich!"
rufe ich. "Aber jetzt ist alles vertauscht mit den anderen
Firmen
hier im Gebäude und niemand ist in der Lage, noch
ernsthaft zu arbeiten!"
"Aber wir haben niemals einen
Anruf von ihnen bekommen!" beklagt er sich. "Haben
sie
eine Auftragsnummer?"
Ich schalte die Telefonleitung auf das
Modem um und lasse es eine Verbindung
aufbauen, so daß er
eine Ladung Müll zu hören bekommt. Dann schalte ich
wieder
zurück auf das Telefon, was sich anhört wie ein
pubertierender Rüde.
"Sie haben keinen Anruf mit der
Fehlermeldung bekommen?" frage ich.
"Nein."
bestätigt er genervt. Ich prüfe mit den
Überwachungskameras, ob der
Dienstwagen des Chefs noch in der
Garage steht.
"Aber ich habe erst vor ..." beteuere ich
und lasse das Modem den Anruf fortsetzen,
während ich in die
Garage eile.
Nachdem ich die Linse der Kamera mit etwas Schmutz
geblendet habe, öffne ich die
Motorhaube des Dienstwagens und
plaziere ein Paar Ersatzkontakte am
Starterkabel. Jetzt muß
ich nur noch den Rückwärtsgang und
den
Starten-nur-im-Parkenmodus-Schalter kurzschließen.
Keine halbe Stunde später bricht der Chef mit 30 km/h mit
seinem Wagen durch die
Wand der Vermittlungsanlage und zerstört
dabei mehr als zuverlässig jegliche
Netzwerk- und
Telefonverbindungen.
Ich stürze ins Parkdeck und helfe dem
Chef aus seinem Wagen bis zu einem Punkt,
von dem aus er nicht
sehen kann, wie ich etwas System- und Netzwerktechnik aus
dem
Wagen heraushole.
Während er noch mit dem Schock kämpft,
führe ich die endgültige Behandlung einiger
Netzanschlüsse
mit einer der Äxte durch, die die amerikanische
Konzernzentrale
uns im Rahmen ihres Sicherheitsplanes geschickt
hat.
"Es ist einfach losgefahren!" plärrt der
Chef.
"Nun, das ganze Gebäude ist ohne Netz!" sage
ich.
"Können sie das nicht reparieren?"
"Ja,
aber das würde mindestens die ganze Nacht dauern und wir müßten
den bisher
ungenutzten Anschluß in Betrieb nehmen, um den
Datenaustausch zu gewährleisten.
Und wir werden neuere,
schnellere Anschlüsse brauchen, da die alten nicht
mehr
reparierbar sind und auch nicht mehr verkauft werden ..."
Einen Tag später schaue ich mir das Video der erwähnten
TV-Serie an, das aus
Wales zu mir kommt. Die Geschwindigkeit der
Netzwerkverbindung ist wirklich
perfekt.
"Wie lange
brauchen wir die zusätzliche Verbindung?" fragt der Chef.
"Ach", murmle ich wegwerfend. "Ich weiß es
nicht - wie lang ist wohl die komplette
Star Trek Serie?"
"Wieso?"
"Ach, nur so ein Gedanke."
Als der B.O.F.H. sich zur
Teilnahme an Therapiesitzungen entscheidet, will er frei
über
Probleme reden. Doch über wessen Probleme soll er sprechen?
Erpressung liegt
in der Luft ...
An einem Morgen komme ich zur Arbeit und sehe einige Plakate in
der Nähe des
Kaffee-Automaten, die im Auftrag der US-Zentrale
aufgehängt wurden und im
Rahmen ihres Gesundheits- und
Wohlstandsplanes ´für alle Mitarbeiter´ (was
die
Hälfte der Angestellten schon einmal ausschließt)
für kostenlose Therapiesitzungen
für jeden, der meint,
er brauche sie, werben sollen.
"Das ist doch verrückt!"
sage ich dem PJ, als er später auftaucht und zeige ihm eines
der
genannten Plakate.
"Wieso?" fragt er und klingt
irgendwie verdächtig nach jemandem, der ernsthaft mit
dem
Gedanken spielt, das Angebot anzunehmen.
"Bittttteeee! Wer
würde denn schon ernsthaft die Mühe auf sich nehmen,
sich
während der Arbeitszeit hinunterzubegeben, um sich
darüber zu beschweren, daß er
nicht von seiner Mutter
gemocht wurde oder eine Heidenangst vor Zugfahrten durch
Tunnel
hat?"
"Bitte?" fragt der PJ, der sich
offensichtlich nicht gut mit Freud auskennt.
"Sehen sie, die
halbe Belegschaft jammert sich doch ohnehin schon ständig
die
Ohren voll, wie schwer sie es haben. Das würde dieses
Geheul ja nur noch
legitimieren!"
"Sie haben
wirklich ein Problem damit, oder?" stichelt der PJ. "Vielleicht
sollten sie
jemanden aufsuchen, der ihnen behilflich bei der
Erforschung ihrer Gefüh ..."
(Einen langen und
lautstarken Schrei später): "So, haben sie verstanden, was
ich
ihnen zu erklären versuchte?" frage ich und öffne
die Schublade wieder, die die
Familienjuwelen des PJs enthält
(Wie das anatomisch und möbeltechnisch realisiert
wurde, weiß
ich nicht. [thomas w.]).
"Ja. Ja." schnappt der PJ auf
seinem Weg zum Boden nach Luft. "Aber ..."
"Aber?"
rufe ich und öffne die Schublade für die zweite Runde.
"Aber glauben sie nicht, daß das Management weiß,
daß die Belegschaft viel Zeit mit
Jammerei verschwendet ...."
"Und nun versucht, diese Verschwendung dadurch einzudämmen,
indem der ganze
Prozeß quasi ´legalisiert´
wird?" vollende ich.
"Ja. Wenn sie wirklich Hilfe statt
der Möglichkeit zum Grollen bekommen ..."
"...
könnten sie produktiver arbeiten?"
"Genau!"
"Ich sehe, worauf sie hinauswollen. Aber ich glaube nicht,
daß das Management viel
darüber weiß, wie gern
sich die Belegschaft tatsächlich beschwert. Aber trotzdem
sollte
man einmal ein Auge darauf werfen ..."
Und so kommt es, daß
ich zwei Tage später diese Therapie-´Sache´ selbst
in
Augenschein nehme.
"... was wir hier benutzen, nennt
man ´RET´ - rational-emotionale Therapie. Dabei
geht
es darum, daß wir sie auffordern, sich ihren Problemen zu
stellen, indem sie sie
als solche identifizieren und die Ursachen
für ihr Auftreten finden."
"Aha." unterbreche
ich ihn, um meinen Fall in ein Langweiligkeitskoma zu
verhindern.
"Ich habe schon einige Therapien versucht,
meistens ´ZBC´, aber das scheint nicht
zu
funktionieren - meine Probleme sind bei der nächsten Sitzung
wieder da."
"ZBC? Damit bin ich nicht vertraut."
"ZBC? Zehn Bier und eine Curry-Wurst. Jeden Freitag unten am
Imbiß und dann im
Pub um die Ecke."
"Ja, sehr
drollig." kommentiert er und lehnt sich in seinem Sessel zurück.
"Nun
können wir aber darüber reden, was sie zu mir
führt?"
"Natürlich! Ich bin daran
interessiert, alles zu erfahren, was sie von der Belegschaft
gehört
haben!"
"Verzeihung?"
"Sie wissen schon,
die schmutzigen Dinge - wer ist ein Bettnässer, wer hat
eine
Vorliebe für kleine pelzige Tierchen - solche Sachen."
"Alle Informationen, die ich erhalte sind gehei ..."
"Wie die, daß der Chef impotent ist?" frage ich.
"Wie haben sie das ...?"
"Es steht alles in
ihren Notizen", murmle ich.
"Ich tippe sie nicht in den
Computer ein!"
"Aber sie machen sie sich auf einem
Schreibblock, der von der Überwachungskamera
am Lift
beobachtet wird ..."
"Aber ich stenographiere!"
"Diese abgekürzte Schreibweise?! Der Prozessor brauchte
acht Minuten, um sie zu
analysieren ..."
"Aber ...."
"Finden sie sich damit ab - ich werde sowieso sagen, sie
hätten geplaudert. Also
können sie es mir auch gleich
sagen."
"Das kann ich nicht. Ich habe einen Eid
geschworen!"
"Den, daß sie im Suff nicht
plaudern"
"Wir benutzen Begriffe wir ´Suff´
nicht."
"Oder ´unkorrektes Verhalten´?"
"Was wollen sie wirklich?"
"Schmutz!"
"Oh, alles klar!" ruft er ärgerlich.
"Ihr
Chef hat eine irrationale Angst vor elektrischen Tackern."
"Das
ist nicht irrational. Beinahe jedem, den ich kenne, geht es so! Der
PJ hat
Alpträume deswegen. Oh, und wegen Schubladen, wenn ich
mich nicht irre ..."
"Und eine ihrer Telefonistinnen
meint, sie sei eine Nymphomanin."
"Wie heißt
sie!?" ruft der PJ und kommt hinter der Tür hervor.
Wirklich, er sollte weniger Fleisch essen ...
"Kleine
Fische", beschwere ich mich. "Ich will den echten Schmutz
hören. Den, über
den wirklich niemand etwas wissen soll
...."
"Den gibt es nicht!"
"Der Bruch der
Schweigepflicht zieht Maßnahmen der Personalabteilung nach
sich,
oder?" wende ich mich an den PJ.
"Natürlich."
zwitschert er mit einem teuflischen Grinsen.
"Sie haben
gewonnen", stöhnt mein Therapeut und beginnt sich zu
erleichtern ...
Nach dieser Sitzung fühle ich mich wirklich
besser. So gut sogar, daß ich mich zu
wöchentlichen
Sitzungen durchringe ...
"... für etwa zwei Wochen, bis
Gerüchte aufkommen, daß Geheimnisse gar nicht so
geheim
sind", erkläre ich dem PJ, als ich am frühen
Freitagnachmittag meine
ZBC-Therapie beginne.
"Wird das
wirklich so lange dauern?" fragt der PJ.
"Ich weiß
nicht. Fragen sie mich nach dem sechsten Bier noch einmal, wenn
die
´Arbeiter´ hereinkommen. Ich spüre, daß
meine Therapie Wirkung zeigt und mich ein
großes
Redebedürfnis überkommt ..."
"Klingt
unangenehm ..."
"Vielleicht. Jetzt sind sie dran, für
meine Therapie zu bezahlen, oder?" murmle ich
und reiche ihm
mein leeres medizinisches Glas.
Das ist es, was Therapien
erfolgreich macht - man muß sie nur wollen, dann sind sie
auch
erfolgreich.
Wenn man ein paar
Ersatzteile braucht, muß man nur das geliebte
Minesweeper-Spiel
des Chefs versenken und die Ersatzteile dazu benutzen, ihn
zu
schockieren ...
Der Chef ist festgenagelt. Nachdem ich neue Software auf seinem
brandneuen
Laptop installiert hatte, habe ich einen
´Garantiesiegel - Keine Haftung, wenn das
Siegel zerstört
ist´-Aufkleber über die Vorderseite geklebt.
Die
Schweißtropfen auf seiner Stirn und seine zitternden Finger -
als er versucht,
mit seinen Händen an das Gerät zu
kommen - sprechen eine deutliche Sprache über
seinen
Geisteszustand. Er ist offensichtlich süchtig nach Minesweeper,
auch wenn
ich die Version auf seinem alten Laptop durch eine
Variante ersetzt hatte, bei der die
Bombe gleich beim ersten
Mausklick explodiert.
Ich überlasse ihn seinem persönlichen
Trauma.
Und natürlich hält er dem Druck nicht stand und
kommt 15 Minuten später in mein
Büro.
"Das
verdammte Ding funktioniert nicht!" bellt er.
Das ist auch
nicht weiter verwunderlich, wenn man bedenkt, daß der PJ und
ich alle
Teile bis auf die Tastatur, das Netzteil und das Display
ausgebaut haben, um sie für
unser neuestes großartiges
Projekt zu nutzen - den IT-Reinemachroboter, der
unendlich
intelligenter ist als die Roboter, die nachts die Gänge
reinigen. Ich habe
sein Steuerprogramm selbst geschrieben, auch
die automatische Bilderkennung und
die Such- und Zerstör-Routinen
- ich meine natürlich die Such- und
Putz-Anweisungen. Ein
echtes Kunstwerk.
"Was ist passiert?" frage ich.
"Nun,
ich habe es geöffnet und ..."
"Was, sie haben es
geöffnet!"
"Ja."
"Und haben das
Garantiesiegel zerstört?!"
"Ich kann das Laptop ja
nicht nutzen, ohne es zu öffnen, oder? Wenn es geschlossen
ist,
befindet sich die Tastatur doch innen."
"Oh, jetzt
verstehe ich. Und ich dachte schon, sie hätten eines dieser
Garantiesiegel
zerstört!" rufe ich mit gespielter
Erleichterung darüber, daß uns die Ausgabe großer
Summen
erspart bleibt.
"Ah, nun, da war ein Siegel, das ich
zerstören mußte. Aber es klebte über dem Riegel
zum
Öffnen."
"Sie wollen damit sagen, daß sie
keinen Ingenieur geholt haben, um es
einzurichten?!" stöhne
ich.
"Sie haben es eingerichtet!"
"Nein, ich
habe nur die Software über den passiven SCSI-Eingang
transferiert. Sie
brauchen einen Ingenieur, der die eingebauten
Programme für sie persönlich
einrichtet."
(Dummy-Modus ein.)
"Aber das ist ein normales Laptop,
kein Großrechner", schnieft er.
"Ja, aber der
Ingenieur muß die Ländereinstellungen auf der Maschine
vornehmen
und das Gerät personalisieren. Sie wissen schon,
Passwörter und so weiter ..."
"Na gut. Nun, das
könnten sie doch machen, oder?"
"Sie machen
Scherze, oder? Mit einem zerstörten Garantiesiegel kann man
das
Gerät nicht mehr anrühren."
"Warum?"
"Weil sie als Ländereinstellung zum Beispiel Peru oder
etwas anderes aktiviert
haben könnten. Und das wird alles in
einem permanenten, unveränderlichen, doppelt
redundanten,
gerätespezifischen und statischen Speicher gesichert."
(Dummy-Modus auf eine neue Stufe gehoben.)
"Was bedeutet
das?"
"Das bedeutet, daß alle eingebauten
Komponenten gespeichert haben, daß ihr Laptop
in Peru, der
Antarktis oder irgendwo sonst installiert wurde. Und wenn diese
Angabe
nicht mit den Daten des GPS-Systems übereinstimmt ...."
"Mein Laptop hat einen GPS-Empfänger eingebaut!?"
ruft er aufgeregt.
"Ja, aber wenn die Daten nicht
übereinstimmen, nun, dann ist das Laptop praktisch
wertlos,
weil der Prozessor, der Arbeitsspeicher, die Disketten- und
CD-Laufwerke
nicht funktionieren werden."
Natürlich,
selbst Ray Charles hätte gesehen, welchen Bären ich dem
Chef
aufbinde - doch es funktioniert, also ...
"W ... w
.... was soll ich denn nun machen?" murmelt er und malt sich aus,
wie es
wohl ist, wenn er einen ganzen Tag ohne sein Lieblingsspiel
überleben muß.
"Nun, wir könnten neue
Einzelteile kaufen und sie einbauen. Dann könnte ich
die
Ingenieur-Einstellungen vornehmen. Aber die Garantie wäre
dann natürlich
verfallen."
Schneller als ein
geflüstertes ´Entscheidung einer Führungspersönlichkeit´
durch
eine Telefonleitung kriechen kann, hat der Chef die
Anschaffung der vorhin
erwähnten Teile genehmigt.
Ich
baue all die alten Teile wieder in das Gerät ein - und sorge
natürlich dafür, ein
paar Kratzer auf dem Gehäuse
und einige Schrauben zu hinterlassen, so daß es
aussieht,
als hätte wirklich ein Ingenieur daran gearbeitet. Dann erwecke
ich das
Gerät wieder zum Leben und gebe es dem Chef zurück.
Und schon sind alle zufrieden. Der Chef hat seinen neuen Laptop,
und unser
IT-Roboter verfügt über brandneue Innereien.
Ich starte den Roboter und überlasse
dem PJ die Steuerkonsole
mit dem Versprechen, daß er für jeden gefundenen
Fehler
ein Glas Bier bekommt, um für harte Testbedingungen zu
sorgen.
"Er läßt sich nicht nahe an Wände
heransteuern", beschwert der PJ sich ohne
aufzublicken.
Hingabe ist offenbar sein zweiter Vorname - bei den Treffen der
anonymen
Alkoholiker.
"Nein, das ist kein Fehler. Er ist
so programmiert, daß zwischen dem Roboter und
anderen
Gegenständen immer mindestens ein Fuß Abstand ist, damit
er Dingen nicht
unbeabsichtigt zu nahe kommt."
"Aha."
sagt er. "Und was ist mit Objekten, die sich bewegen?"
"Auch hier beträgt der Mindestabstand einen Fuß",
antworte ich und vereitle damit
seinen Plan, den Roboter mit
voller Geschwindigkeit gegen eine Mauer rasen zu
lassen oder sich
selbst dem Roboter auf die gute alte Weise zu nähern
und
´physisch´ zu behandeln.
"Der Gedanke
wäre mir niemals gekommen", antwortet der PJ eingeschnappt.
"Ich
habe mich nur gefragt, wie der Roboter sich in einer
solchen Situation verhalten
würde." sagt er und deutet
auf den Überwachungsmonitor, der den Eingang zum Lift
zeigt,
den der Chef gerade mit seinem Laptop betritt.
"Also haben
sie tatsächlich nicht daran gedacht, eine Hysteriesicherung
zu
programmieren?" murmelt der PJ zufrieden (und betrunken),
als wir später an diesem
Abend im Pub sitzen.
"Uh-huh",
antworte ich. "Wo waren wir doch gleich stehengeblieben?"
"Ah, ich glaube, es war der Punkt, als der Roboter einen Fuß
Abstand zwischen die
Liftwand und sich zu bringen versuchte und
den Chef bemerkte - um dann Abstand
zwischen sich und den Chef zu
bringen - direkt über den Laptop hinweg auf die
andere Wand
zu ... und dann wieder zurück - zum elften Mal."
Ah,
meine Arbeit ist wirklich viel spannender als Minesweeper.
Nach Beschwerden über
seine ´beruhigenden Bässe´ sorgt der B.O.F.H. dafür,
daß
der Chef ihn versteht - sehr laut und deutlich ....
Der Chef kommt mit einem teigigen Gesichtsausdruck herein, was nur
bedeuten
kann, daß er etwas tun muß, was ihm nicht
zusagt.
"Ähm, ich habe eine Beschwerde über sie",
murmelt er traurig.
"Wirklich?" antworte ich
zuvorkommend, während ich unter dem Tisch nach meinem
2er
Golfschläger greife, den ich dort für spezielle
Gelegenheiten aufbewahre.
"Ja, ja. Aber ich bin mir nicht
sicher, ob sie begründet ist." beteuert er und
versucht,
sich so klein wie möglich zu machen.
"Wirklich?"
frage ich und tausche nachdenklich das 2er gegen das 6er Eisen aus,
da
mir die Unterhaltung ziemlich seltsam vorkommt.
"Ähm,
nein. Wissen sie, es geht um eine Beschwerde über ihre Musik."
"Welche Musik?" fragt der PJ. "Diese Musik etwa?"
antwortet er selbst und greift
mit seinen Händen in die Luft.
"Diese Musik?" frage auch ich und fuchtele mit meinen
Händen ebenfalls in der Luft
herum, während ich meine
Möglichkeiten neu überdenke.
"Ja, man hat sich
beschwert, daß die Musik zu laut ist."
"Zu laut?"
will der PJ mit skeptischem Blick wissen. "Aber wir können
die Musik
doch kaum hören."
"Ich nutze sie zur
Entspannung." murmle ich. "Sie sorgt dafür, daß
ich in Notzeiten
ruhig bleibe."
Da nun die
unausgesprochene Drohung in der Luft liegt, gibt es für den Chef
nichts
mehr zu tun, außer sich zu entfernen - oder sein
Leben bei dem Versuch, vor einem
Golfschläger zu flüchten,
zu riskieren.
"Ich weiß, daß sie fast nichts
hören können, doch das gilt leider nicht für die Leute
in
der Etage unter ihnen. Wie auch immer, ich glaube auch nicht,
daß sie dabei
entspannen können."
Also hängt
er sein Leben selbst an den berühmten seidenen Faden.
"Offspring ist eine sehr entspannende Gruppe." sage
ich. "Ja, es ist dieser
trostreiche Bass", zwitschert
der PJ.
"Nebenbei", füge ich hinzu, "er ist
sehr leise."
"NICHT IN DEM VERDAMMTEN RECHNERRAUM!"
schreit der Chef und
verliert endgültig die Geduld.
"Nun,
das mag stimmen, doch wenn wir die Musik leiser machen würden,
könnten
wir sie durch die schalldichte Wand ja nicht hören."
"Die Leute in der Etage darunter können sie hören!
Warum benutzen sie ihren
CD-Spieler nicht hier?"
"Das
haben wir versucht, aber er ließ die Sicherungen herausfliegen,
wenn wir eine
Lautstärke über der Stufe 3 einstellen
wollten."
"DANN LEGEN SIE SICH EINE NORMALE ANLAGE ZU!"
"Aber das IST eine normale Stereo-Anlage", hauche ich.
"NORMAL?"
"Ja, so gewöhnlich wie der
Karneval in Rio."
"Nun, dann ist sie nicht gut genug.
Ich will, daß sie diese Musik ABSTELLEN!"
Das wird
nicht funktionieren. Der PJ und ich sind abhängig von diesem
´beruhigenden
Bass´, der seinen Zauber auf einen
Festplatten-Server ausübt, der schon längst
ausgemustert
sein sollte, wenn wir nicht ein dummes Management hätten,
das
gleichzeitig keine Ausfallzeiten und einen kostengünstigen
Service fordert.
Also wird es Zeit, die nächste Karte zu
spielen. Ich stülpe die flugplatztauglichen
Ohrenschützer
über, denn ich habe aus dem Fehler des PJs gelernt. (Der arme
Junge
hat die Wassereinbruchdetektoren ausgelöst, als er nach
dem Hochschalten der
Lautstärke auf Stufe 6 seine Hosen
naßgemacht hatte.)
Als ich den Rechnerraum betrete, bemerke
ich die Zeichen seines Irrtums - er hat
den Lautstärkerregler
auf Stufe 6 belassen, als er in seine eigenen
Körperflüssigkeiten
abstürzte UND hat den Bass-Verstärker nicht eingeschaltet.
Ich stelle fest, daß das Netzteil des Verstärkers ´ein
wenig heiß´ wird, wie wir
Kenner uns auszudrücken
belieben. Das ist nicht gut. Ich breche den
Lautstärkeregler
ab (der jetzt auf Stufe 11 zeigt), verdrücke mich wieder in
mein
Büro, wo ich gerade rechtzeitig ankomme, um den wild um
sich blickenden Chef
durch die Tür stürmen zu sehen.
"ICH SAGTE, SIE SOLLTEN DIESEN KRAWALL LEISER STELLEN
UND
NICHT LAUTER!"
"Ich habe versucht, die
Lautstärke zu verringern", beteuere ich
wahrheitsgemäß.
"Doch der Regler ist dabei
abgebrochen!"
"Warum haben sie die Anlage dann nicht
abgeschaltet?!"
"Weil das Netzteil so warm war, daß
ich annahm, es würde die Hitzesensoren
anspringen lassen, die
das giftige Feuerlöschgas auslösen."
Jetzt sitzt
er in der Falle. Er WEISS, daß dies ein ´tragischer
Arbeitsunfall´ mit
seiner Unterschrift unter dem Bericht
sein wird. Und deshalb versucht er erst gar
nicht, wie ein
Kampfhund um sich beißen.
"Nun, können sie den
Strom nicht über die Sicherungen außerhalb des
Rechnerraums
abschalten?" fragt er.
Was für ein
Schwächling.
"Das können wir tatsächlich
versuchen!" rufe ich und renne zum Sicherungskasten.
"Alle
Geräte, die ihren Strom über die Deckenleitung bekommen,
hängen an
Sicherungen mit einer roten Markierung, also muß
es eine von diesen sein."
30 Sekunden später ...
"Rot?
Ich dachte, es wären die blauen Sicherungen." wendet der PJ
ein.
Und weitere 30 Sekunden später ...
"Also sind
es die Sicherungen mit der gelben Markierung", schreit der Chef
gegen
den Mißklang der um uns herum erklingenden
Alarmsirenen an, die von massiven
Ausfällen künden.
"Also versuchen wir es!" rufe ich und betätige
einen Schalter.
"Nein, das ist der alte Festplattenserver",
ruft der PJ, der vor dem Fenster zum
Rechnerraum steht.
CLACK!
"Wieder der Plattenserver."
"Mein Fehler!"
jammere ich unschuldig und betätige den nächsten Schalter.
"Richtig. Mal sehen, was sie diesmal angerichtet haben"
ruft der Chef und schiebt
sich an mir vorbei in den Rechnerraum.
"Ich würde nicht ..." rufe ich, doch meine Warnung
kommt wohl zu spät.
"Sie sehen, wo das Problem mit
dieser Technik liegt", erkläre ich dem PJ am Fenster,
durch
das wir in den Rechnerraum blicken. "Wenn man den Strom
abschaltet, wird
auch der Lüfter abgeschaltet. Wenn man
dagegen den Schalter am Gerät benutzt,
läuft der Lüfter
weiter bis das Gerät abgekühlt ist."
"Also
wird die Maschine heißer?"
"Nun, sehen wir,
welches Urteil die Richter fällen." antworte ich und deute
auf einen
der Hitzesensoren.
Ein paar kurze gedämpfte
´Hil ... Hil ...´-Rufe später ...
"Ist der
Schalter zum Abstellen des Löschgases noch immer defekt?"
fragt der PJ.
"Nun, die Entscheidung des Richters in dieser
Sache lautet ... endgültig, so wie es
aussieht. Aber noch
haben wir etwas Zeit für Musik." rufe ich.
Natürlich,
wir haben ihn herausgeholt ... irgendwann. Schließlich ist er
ja noch ein
Anfänger.
Jemand hat unter den Augen
des B.O.F.H. Technik gestohlen. War es der Chef? Die
Erbsenzähler?
Nein. Ein neuer Bastard ist in der Stadt ...
Ich bin verwirrt. Der Chef macht mich verantwortlich für
verschwundene Technik,
was eigentlich nicht schlimm ist, doch
diesmal habe ich keine Ausrede parat. Der
einfache Grund dafür
ist, daß ich diesmal wirklich unschuldig bin. Und diesmal
ist
wirklich wertvolle Technik verschwunden.
Selbstverständlich
ist es ein ungeschriebenes Gesetz, daß ein gewisser Anteil
der
Technik seinen Weg zur B.O.F.H. GmbH findet, doch das fällt
mengenmäßig kaum
ins Gewicht - und wertmäßig
landet das unter ´besondere Auslagen´ in den
Abrechnungen
der Erbsenzähler. Und kaum etwas von diesen
´besonderen
Auslagen´ landet wirklich in meiner
Geldbörse, da damit meistens ein Urlaub in
Acapulco oder in
anderen schönen Städten dieser Welt bezahlt wird.
"Das
ist mysteriös", sage ich zum PJ, als wir aus dem Heiligtum
des Chefs
entkommen sind, wobei dessen laute Schmähungen noch
in unseren Ohren klingen.
"Es ist sehr seltsam, daß
derjenige, der das getan hat, all unsere sorgfältig
präparierten
Fallen umgehen konnte (eine elektrische Türklinke und eine
strategisch
günstig plazierte Axt) und es geschafft hat,
unsere neuesten Geräte wegzuschaffen.
Er hat sich nicht mal
von dem ´Defekt´-Aufkleber täuschen lassen."
Nun gibt es drei Möglichkeiten: wir wurden das Opfer eines
Einbrechers, der genau
wußte, was er wollte; der Chef ist
dahintergekommen, wie wertvoll unsere ´defekte´
Technik
ist; oder wir haben es mit einem bisher unerkannten Bastard zu tun.
Die erste Möglichkeit scheidet zweifellos aus. Keiner
unserer Alarme ist
losgegangen und einen Einbruch von außen
hätte unser Farbfernseher
(Entschuldigung, der hochauflösende
Multimedia-Apparat.) gezeigt, den der PJ und
ich benutzen, wenn
das Netz ´gewartet´ wird oder gerade ein Fußballspiel
ansteht.
(Hm, es scheint da einen seltsamen Zusammenhang zwischen
Netzausfällen und
Fußballspielen zu geben.)
"Könnte
es der Chef gewesen sein?" fragt der PJ. "Glauben sie, daß
er seinen
Ausbruch gespielt hat?"
"Unmöglich.
Der Chef ist keine helle Leuchte, 20 Watt, wenn sie mich fragen.
Ich
glaube, er braucht eine genaue Anleitung, damit er den Weg zu
seiner Wohnung
findet."
"Und selbst dann verirrt er
sich." sagt der PJ und erinnert an den Abend, als der
Chef
herunterkam, um mit den Leuten in den Pub zu gehen. Dort
mußte er dann feststellen,
daß der extra-starke
polnische Schnaps in einem guten Bier nicht bemerkbar
ist - und
nach drei Gläsern war er dann in einem entsprechenden Zustand.
"Aber es
war ja nur eine Taxifahrt zum Preis von 30 Pfund,
die ihn aus der Wildnis Ostlondons
herausbrachte."
Und so
bleibt uns, so unglaublich es auch klingt, nur noch die Möglichkeit,
daß einer
unserer Kollegen, für die technischer
Sachverstand gleichbedeutend mit der
Fähigkeit ist, die
Schriftfarbe in der Textverarbeitung zu verändern, für
das
Verschwinden unserer Technik verantwortlich ist.
Aber wer
kann es gewesen sein? Offensichtlich war es niemand aus
der
Werbeabteilung - sie haben kaum die Intelligenz, einen
Türgriff richtig zu benutzen.
Es war ganz sicher auch niemand
aus der Verkaufsabteilung, denn die sind während
der
Öffnungszeiten der Pubs immer unauffindbar - und danach sind sie
nicht mehr
nüchtern genug. Die Erbsenzähler kommen mir
in den Sinn - diese besonderen
Auslagen gehen ihnen wirklich unter
die Haut - doch andererseits hätten sie sicher
einen
subtileren Weg gewählt, um sich an uns zu rächen. Vom
Reinigungsdienst
kann es auch niemand gewesen sein ...
Da war
doch etwas. Dieser neue Mann, der vor ein paar Wochen herumlief
und
Fragen stellte, ´um die Sicherheit zu prüfen´.
Selbstverständlich habe ich ihm nicht
die richtigen Antworten
gegeben, doch wie konnte ich nur so naiv sein ...
Wenn ich
darüber nachdenke, könnte es sein, daß dieser Mann im
Vergleich zum
Durchschnitt im Haus etwas herausragt - obwohl das
freilich auch auf die
Intelligenz eines ausgewachsenen Orang Utans
zutrifft. Die Frage ist nun nur noch,
wie wir unsere Gerätschaften
zurückbekommen oder wenigstens einen
angemessenen Anteil.
Auf der Suche nach einem Hinweis schaue ich mir die Protokolle
der ausgehenden
E-Mails an. Eine verdächtige Nachricht zieht
meine Aufmerksamkeit an.
Und so wandere ich am nächsten Tag
ein paar Etagen tiefer durch das Gebäude und
habe das Glück,
Kevin reden zu hören. Als die Worte ´Monitor´ und
´Tastatur´ fallen,
weiß ich, daß er unser
Mann ist. Es ist Zeit für einen Anruf.
Zurück im Büro
schalte ich den Lautsprecher ein, um Kevins Telefonate
mitzuhören.
Eine tiefe fremdländisch klingende Stimme
meldet sich: "Mister Kevin?"
"Ja. Wer spricht da?"
"Nennen sie mich einfach Stefan. Es geht um die Waren, die
sie uns zum Verkauf
geschickt haben."
"Ja, sind sie
bei ihnen angekommen?"
"Ja, aber das ist das Problem.
Mir wurde gesagt, daß etwas anderes geliefert wurde
als sie
uns angekündigt haben."
"Aber ... aber ..."
"Ich gehe davon aus, daß sie wissen, daß der
letzte Mann, der uns betrügen wollte,
heute Teil der
Straßeninfrastruktur ist."
"Aber ... aber ..."
"Ich bin mir sicher, sie wollen Mißverständnisse
ausräumen. Wenn sie uns also die
Summe zurückschicken,
die sie von uns bekommen haben und noch 500 Pfund für
meine
Bemühungen drauflegen, könnten wir unglückliche
Unfälle vermeiden. Ich
denke, sie hinterlegen das Geld am
besten bis zur Mittagszeit hinter den Rohren der
Klimaanlage,
oder?"
Ich höre nur noch ein unterdrücktes ´Ja´.
Ich schalte die Lautsprecher ab. "Ihr Cousin ist wirklich
gut." sage ich dem PJ. "Ich
bin mir sicher, daß er
eine große Karriere als Schauspieler vor sich hat."
"Stimmt." antwortet er. "Aber wir haben noch Zeit
für eine Runde Doom, bevor wir
unseren Gewinn, ähm, die
besonderen Auslagen einkassieren."
Man braucht eben einen
Bastard, um einen Bastard zu fangen.
Als der B.O.F.H. das Büro
des Chefs verwanzt, ahnt er noch nicht, daß die Technik,
die
er installiert, auch einen verrückten Erbsenzähler davon
abhalten wird, Unheil
anzurichten ...
Der PJ und ich sitzen im Büro und unterhalten die Nutzer
unseres Netzwerkes damit,
daß wir ihre Netzwerkadressen
immer dann ändern, wenn sie versuchen, ihre
E-Mails
abzurufen, als der Netzwerkmonitor ein Alarmsignal gibt .
"SE?"
murmelt der PJ. "Was zum Henker bedeutet SE?" Er klickt auf
das zugehörige
Symbol, um weitere Informationen abzurufen.
"Der Alarm kommt aus dem Büro des
Chefs."
Er
spürt meine unterdrückte Panik, also kehrt er zur
ursprünglichen Fragestellung
zurück: "Was zum
Teufel ist SE?"
"Das ist das neue maßgeschneiderte
Stück Technik, das ich erfunden und installiert
habe."
antworte ich.
"Es hat also etwas mit dem Netzwerk zu tun?"
"Ja. Es schickt eine Netzwerknachricht an mich als Antwort
auf das Eintreten
bestimmter vordefinierter Umstände."
"Umstände, die zweifellos mit dieser kryptischen
Abkürzung zu tun haben?"
"Genau."
"Eine
Abkürzung, die was bedeutet?" seufzt der PJ und verliert
die Beherrschung.
"Schwachsinns-Erkennung."
"Schwachsinns-Erkennung?"
"Ja,
Schwachsinns-Erkennung. Ich habe herausgefunden, daß es
völlige
Zeitverschwendung ist, wenn ich mir täglich
stundenlang die Aufzeichnungen der
Gespräche des Chefs mit
seinen Gästen anhöre, nur um herauszufinden, welche
Ideen
er oder sie entwickeln. Und deshalb habe ich eine Kombination aus
Hard- und
Software entwickelt, die diese Aufgabe für mich
übernehmen kann."
"Die woraus besteht?" fragt
der PJ mit wachsender Neugier.
"Ah, ein Programm zur
Spracherkennung, das Gespräche mit Rücksicht auf
bestimmte
Schlüsselworte belauscht, wenn sie zusammen mit anderen
Worten
fallen."
"Welche Schlüsselworte?"
"´Einkauf´, ´anschaffen´ oder
´investieren in´ - in Verbindung mit ´neue
Technologie´,
´aktualisierte Software´ etc., und noch ein paar anderen
Sachen, die
nur Ärger für uns bedeuten können."
"Worte wie ´Budget für Wartungsarbeiten´?"
"Ganz genau. Der Chef sollte eigentlich nur darüber
reden, wenn er es erhöhen will.
Und das kann eigentlich nicht
ausbleiben, nachdem ich mich gestern darum bemüht
habe, die
Erbsenzähler in unser System zu integrieren, die noch dieses
antike
System für ihre Sicherheitskopien benutzt hatten."
"Ihre Bemühungen um Nutzer ... Oh, sie meinen, sie
haben die Maschine angezündet
und aus einem Fenster in der
dritten Etage geworfen?"
"Ich habe die Maschine nicht
angezündet! Das war eine spontane Selbstentzündung,
wie
sie bei alten Rechnern schon einmal vorkommen kann - die
Boulevardpresse
berichtet doch immer wieder darüber. Und
nebenbei war es der sicherste Weg, das
Ding gefahrlos loszuwerden,
wenn man bedenkt, daß weit und breit kein
Feuerlöscher
bereitstand."
"Drei Etagen tiefer gab es aber auch
keinen, oder?" fragt der PJ spitzbübisch.
"Ich
glaube nicht, aber ich sehe nicht, was das mit ..."
"Als
das brennende Ungetüm durch das offene Verdeck des Wagens des
Chefs der
Erbsenzähler stürzte, das dort parkte, hat es
dieses in Brand gesteckt."
"Ein Zusammentreffen
unglücklicher Umstände."
"Unglückliche
Umstände?"
"Ja, aber ich frage mich wirklich, was
sie damit andeuten wollen."
"Nichts, nichts."
erwidert der PJ unschuldig. "Es hat mich nur interessiert.
Aber
zurück zu dieser Schwachsinns-Erkennung. Auf welchem
System läuft das
Programm? Bestimmt kein Gerät, das der
Chef entdecken könnte - oder das er
vermissen könnte,
wenn es nicht dort ist, wo er es erwartet?"
"Nun, das
ist ja das schöne an der Sache. Weil ohnehin schon jede Menge
Technik in
seinem Büro herumsteht, hat er doch diesen
Ventilator, der ganz zufällig dem Kühler,
von dem sich
die anderen Nutzer schon verabschiedet haben, ziemlich ähnlich
sieht."
"Doch nicht dieses monströse Ding aus Eisen, das in der
sechsten Etage
herumstand und dessen Teile angeblich aus
Tschernobyl stammen, die gefährlich
hohe Strahlendosen
aussenden!!"
"Genau das ist es."
"Ich
hätte nicht geglaubt, daß man ihnen diese Geschichte
glaubt."
"Nun, am Anfang waren sie auch mißtrauisch,
doch nachdem ich diesen schwarzen
Stift den Röntgenstrahlen
im Krankenhaus ausgesetzt hatte, konnten sie das Gerät
nicht
schnell genug loswerden."
"Tatsächlich",
erwidert der PJ unwirsch. "Und wie haben sie das Monster dann in
die
Decke eingebaut?"
"Nun, unser Hausmeister George
hat mir dabei geholfen, es hochzustemmen, weil er
den
Originalventilator für sein Bad haben wollte."
"Ein
fairer Handel." sagt der PJ. "Aber was bedeutet nun die
Warnung?"
"Nun, es gibt ganz einfach einen
Schwellenwert für den Schwachsinnsanteil im
Gespräch: je
mehr Schwachsinn im Büro des Chefs geredet wird, desto
mehr
Datenverkehr wird hier gemeldet - auf diese Weise kann auch
niemand Verdacht
schöpfen."
"Und wie hoch ist
der Anteil jetzt? Und wer ist beim Chef?"
"100 Prozent
und Dave C., wenn ich mich nicht irre."
"Das bedeutet
also, daß Dave C. jetzt im Büro des Chefs steht und ihn
mit
Vorschlägen eindeckt, welche Geräte wir anschaffen
sollten, Gelder, die man ihm
dafür geben sollte ..."
"Er ist ein selbsternannter Computer-Experte, oder?"
fragt der PJ vorsichtig.
"Korrekt. Es gibt ein Gerücht,
daß er seine eigene Tastatur einmal ganz allein
angeschlossen
hat, aber sie wissen ja, was die Nutzer so reden."
"Aber
ist das nicht schlimm?"
"Natürlich." antworte
ich und deute auf meinen Monitor. "Sehen sie hier den
30
Sekunden-Durchschnitt. Solange hält der Chef es
durchschnittlich durch,
Vorschläge abzulehnen."
"Aber
jetzt liegt der Wert bei Null!"
"Und das bedeutet?"
"Er wird Dave erlauben, unser Budget auszugeben."
Gleichzeitig springen wir auf und rennen zur Tür, um den
Chef vor der
Fehlentscheidung zu bewahren.
Doch bevor wir am
Ort des Geschehens ankommen, hat der Computergott schon
eine
Entscheidung gefällt.
Später rekonstruieren der
PJ und ich die Geschehnisse.
"Offenbar hat er versucht, den
lärmenden Ventilator zu reparieren, indem er mit dem
Regenschirm
des Chefs gegen die Deckenverkleidung klopfte, was den Lüfter
auf
dem Dachbalken aus dem Gleichgewicht brachte, der dann den
Gesetzen des
Schwerkraft folgte und dabei unseren selbsternannten
Fachmann traf." vollendet der
PJ.
Gerechtigkeit setzt
sich offenbar doch noch durch.
Eine Weihnachtsgeschichte ....
Er war tot. Eindeutig.
"Diesmal sind sie zu weit
gegangen." sagte der PJ atemlos.
"Nun, ich scheine
tatsächlich die Spannung unterschätzt zu haben, die
am
elektrischen Türgriff anliegt."
Es ist
Heiligabend und unser weihnachtlicher Scherz ist wohl ein
wenig
danebengegangen. Wirklich, der alte Ebenezer Bastard hat den
alten Scherz mit dem
unter Strom gesetzten Türgriff bestimmt
schon dutzendmal aufgeführt und bisher war
es auch immer ganz
lustig. Andererseits war das nicht der erste Manager, der
daran
gestorben ist, und er würde bestimmt auch nicht der
letzte sein.
Ebenezer war an diesem Abend etwas länger als
gewöhnlich im Pub
geblieben - solche Vorfälle können
ihn schon ein wenig schockieren und so brauchte
er wohl ein paar
Biere mehr, um seine Nerven zu beruhigen. Natürlich, die
Tatsache,
daß ein jüngerer Erbsenzähler sich
´verpflichtet´ sah, alle Biere an diesem Abend
zu
bezahlen, hatte gewiß auch einen nicht zu
unterschätzenden Einfluß - und das nur,
weil Ebenezer
etwas über ein Video einer Büroparty erzählt hatte.
Sehr unscharf,
aber doch sehr effektiv.
Wie auch immer, die
Biere mußten ihm mächtig zugesetzt haben, denn als er
vor
seiner Tür stand, hätte er schwören können,
das Gesicht seines Chefs auf dem
Türgriff zu sehen (bevor es
die Brandflecken entstellten, natürlich).
Da er diesen
Effekt auf die Wirkung der zehn zusätzlichen
Gedächtnislöscher
zurückführte, ignorierte er
ihn und ging nach oben. Aber irgendwie fand er in dieser
Nacht
keine Ruhe. Tatsächlich war es schon Ewigkeiten her, daß
er sich an
Weihnachten gefreut hatte. Er haßte all die
falsche Großzügigkeit, das nette
Geplauder mit Leuten
mit denen er nichts gemeinsam hatte; er haßte die Art
und
Weise, wie die Leute ihr Geld für ihre Kinder ausgaben,
das doch viel besser auf dem
Konto der Bastard-Urlaubs-Kasse
aufgehoben wäre. Und was noch schlimmer war,
einige seiner
Kollegen erwarteten von ihm, daß er ihnen Getränke
spendierte.
Auch der junge Cratchit, sein PJ, war von der
Stimmung angesteckt worden und
verbrachte seinen Tag damit,
wehmütig an Denise, eine Sekretärin, zu denken und
von
ein paar schnellen Schmatzern unter dem Mistelzweig zu träumen.
Der arme
Trottel lud Ebenezer sogar ein, mit ihm ein paar Biere zu
trinken - natürlich würde er
dafür bezahlen.
"Ach,
Humbug." sagte Ebenezer laut zu sich selbst, als er die
Tütensuppe
aufwärmte, die an diesem Tag die einzige
richtige Mahlzeit für ihn sein sollte.
Als er in diesem
spärlich eingerichteten und ungeheizten Zimmer, das er sein
Heim
nannte, zu Bett gehen wollte, sah er etwas in der Ecke:
diesmal konnte es sich nicht
um einen Irrtum handeln. Es war
definitiv der Schatten seines vormaligen Chefs. Und
da war noch
dieser furchtbare Lärm, der Ebenezer voller
Angst
zusammenschrumpfen ließ.
"Ebenezer Bastard!"
rief eine Stimme, die zwar deutlich als die des Chefs erkennbar
war,
der aber auch ein gewisser Hauch des Totenreichs anhaftete.
"Ebenezer Bastard!" wiederholte die Stimme. "Ich
wurde verurteilt, an einem
furchtbaren Ort zu leben, wo unheimlich
gemeine Männer ihre Tage verbringen."
Ebenezer hauchte
ein Zeichen des Verstehens. "Also sind sie nicht tot. Sie
arbeiten
jetzt nur für Microsoft. Ich frage mich ..."
"Schweig!" donnerte die Erscheinung und das Klappern
wurde lauter. "Ich spreche
von einem Platz, der dir zur
Strafe für deine Taten bis in alle Ewigkeit Qualen
bereiten
wird."
"Was meinst du damit, Geist?" stammelte
Ebenezer, der erwartet hatte, daß die
Wirkung der zehn
zusätzlichen Biere irgendwann nachlassen würde.
"In
dieser Nacht wirst du von drei Geistern besucht werden: vom Geist
der
Nutzerbetreuung der Vergangenheit, vom Geist der
Nutzerbetreuung der Gegenwart
und vom Geist der Nutzerbetreuung
der Zukunft. Höre auf sie und bereue deine
Taten."
"Geist", fragte Ebenezer. "Woher kommt dieses
Klappern, das ich höre?"
"Du meinst das hier!"
sagte der Schatten und schüttelte etwas, das wie ein
langer
Schwanz aussah.
Ebenezer Bastard spähte in die
Dunkelheit. Verschwommen nahm er eine Kette
wahr, an der alle
Arten von Geräten befestigt waren, die sein Leben
einfacher
gemacht hatten: da war der Gummihammer, ein
hervorragendes Gerät zur
´Neukonfiguration´, da
war der Amboß, auf dem er so gern neue PCs ´testete´,
und es
war da eine Anzahl elektrischer Tacker; ja es war
tatsächlich jedes Gerät vorhanden,
das es auf der Erde
gibt und welches das Leben leichter macht.
"Ich sehe, du
kennst einiges davon." sagte die Erscheinung mit einer Grimasse.
"Ich
habe das alles benutzt, als ich ein junger Bastard war.
Jetzt haben meine Untaten
mich eingeholt und ich muß meine
Ausrüstung bis in die Ewigkeit mit mir
herumtragen. Doch sei
gewarnt, diese Kette ist lang, und sie ist wirklich schwer.
Aber
die Kette, die auf dich wartet, ist schon doppelt so lang und dreimal
so
schwer."
Nachdrücklich schüttelte er die
Kette, bis alle Geräte auf und nieder hüpften, der
gesamte
Raum schien zu beben.
"Ich muß mich jetzt
verabschieden, aber erinnere dich daran, drei Geister ..." Und
mit
einem leisen Stöhnen verschwand er.
Ebenezers Mut
kehrte wieder zurück.
"Bah, Humbug! Geister! Das Bier
war wirklich stärker als ich dachte."
Und mit diesen
Gedanken fiel er ins Bett und schlief in seiner Kleidung ein.
Es
war kurz nach Mitternacht, als er erwachte und in die Dunkelheit
starrte. Es
schien, als schwebte ein kleines Kind über dem
Fußende des Bettes.
Plötzlich kam der Mond hinter den
Wolken hervor und Ebenezer konnte erkennen,
daß es sich
nicht um ein Kind handelte, sondern um einen alten Mann,
dessen
Umrisse denen eines Kindes glichen. Die Kleidung, die wie
eine weiße Tunika
wirkte, entpuppte sich als seine Augen
sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten als ein
altes
Werbe-T-Shirt, auf dessen Vorderseite ein CP/M-Logo prangte. Die Füße
und
die Beine der Erscheinung waren nackt, doch als Gürtel
trug der Geist ein
Ethernet-Kabel.
"Bist du der Geist der
Nutzerbetreuung der Vergangenheit?" fragte Ebenezer.
"Bin
ich", antwortete der Geist.
"Welche Vergangenheit?"
"Deine Vergangenheit."
Der Geist bewegte die Hände
und plötzlich lösten sie die Wände des Zimmers
auf.
Ebenezer und der Geist fanden sich in einem vollen Büro
wieder, in dem eine
Weihnachtsfeier in vollem Gange war. Die
Stimmung war hervorragend, Leute aus
der Verkaufsabteilung
versuchten, Sekretärinnen unter Mistelzweigen anzubaggern,
der
Chef der Erbsenzähler war in die Ecke gestellt worden und der
Marketing-Chef
erzählte dem aus der Personal-Abteilung, wie
seine vorletzte Kampagne gelaufen
ist. Die Luft war angefüllt
mit dem Lachen der Leute, Gesprächsfetzen schwirrten
durch
den Raum, Geschnatter, das Geräusch zerbrechenden Glases und
ein
mitreißender Rhythmus aus den Lautsprechern: kurz und
gut - eine typische
Büroparty.
"Sieht lustig aus,
nicht", sagte der Geist. "Aber fehlt da nicht eine Person?"
"Stimmt." antwortete Ebenezer.
Tief in den
Eingeweiden des Hauses saß eine einsame Person noch immer vor
ihrem
Computer. Methodisch durchsuchte sie die Einträge der
Personaldatenbank (das
Passwort war schon lange bekannt). Der
junge Ebenezer sorgte dafür, daß er seine
Überstundenzeit
nicht umsonst hier verbrachte.
"Hat man dich nicht zu der
Party eingeladen?" fragte der Geist.
"Nein",
erwiderte Ebenezer. "Nicht seit dem Jahr, in dem plötzlich
der Feueralarm
losging und die Sprinkleranlage auslöste. Und
natürlich waren auch alle
alkoholischen Getränke spurlos
verschwunden. Aus unerfindlichen Gründen nahmen
sie an, ich
sei für den Alarm verantwortlich, weil man mich ein paar Tage
vorher mit
dem Handbuch der Alarmanlage gesehen hatte. Armselige
Intriganten, denn
schließlich habe ich es doch nur für
sie getan."
Plötzlich verschwand die Vision und
Ebenezer fand sich in seiner Wohnung wieder,
noch immer
beeindruckt von dem, was er gesehen hatte.
Er hörte ein
Geräusch aus einem anderen Raum und starrte um die Ecke. Der
Raum
war erfüllt von Licht. Umringt von PCs saß ein
belustigter Gentleman. Sein riesiger
Bauch schien die eine Hälfte
des Raumes auszufüllen und sein Bart - es sah so aus,
als
gäbe es mehr Bart als Gesicht - die andere Hälfte.
"Bist
du der Geist der heutigen Nutzerbetreuung?" fragte Ebenezer.
Der Geist lachte zustimmend.
"Nimm meine Hand",
sagte er. "Und lasse uns zuschauen, wie der Rest der
Welt
Weihnachten verbringt."
Plötzlich schwebten sie
durch die Stadt. Wieder und wieder zogen Computerräume
vorbei,
in denen Gruppen von Arbeitern sich fleißig damit abmühten,
Probleme genau
dann zu lösen, wenn sie auftauchten, wobei sie
zufrieden lächelten und die
Weihnachtslieder, die aus den
Brüllwürfeln in den Zimmerecken erklangen,
mitsummten.
Bei Megabank gab es ein besonders vertracktes Problem. "Das
ist leicht zu lösen",
dachte Ebenezer. "Einfach den
Hauptschalter betätigen und sagen, daß es
einen
Netzwerkausfall gibt, der nicht in den nächsten Tagen
zu beheben sein wird, weil
Weihnachten ist ... und trotzdem
bekommt man den Weihnachtsbonus."
Doch trotzdem konnte er
mit geöffnetem Mund zuschauen, wie sein Berufskollege
das
Passwort eintippte und sich systematisch mit dem Finden des
Fehlers
beschäftigte.
"Die Traditionen verfallen
immer mehr", dachte er sich.
Doch plötzlich änderte
sich die Szenerie, sie landeten in einem Pub, wo der PJ gerade
eine
Runde Bier bestellte.
"Auf das Weihnachtsfest", sagte
er zu Denise, wobei er freundlich sein Glas erhob.
"Und auf
uns", kicherte sie.
"Und die Freunde, die nicht hier
sind", sagte der PJ. "Das ist für den alten Ebenezer."
"Was, dieser alte Kauz", sagte Denise. "Ich kenne
niemanden, der die Welt und die
Menschen so sehr haßt wie
er. Ich wünschte, er würde die Firma verlassen, aber
warum
werden sie ihn nicht los? Traut sich denn niemand?"
"Nun,
er weiß zuviel über die Menschen in der Firma. Zum
Beispiel glaube ich nicht,
daß der Vorstandsvorsitzende
möchte, daß alle Details seiner Reise nach
Amsterdam
ans Licht kommen. Aber wo ist denn deine
weihnachtliche
Großzügigkeit?"
Widerwillig
erhob sie das Glas zum Toast, und die Unterhaltung widmete sich
wieder
Themen, die für junge Leute interessant sind.
In
der Entfernung sah Ebenezer eine verschrumpelte Figur auftauchen. Aus
den
Tiefen ihres Mantels kam ein Finger hervor, der auf Ebenezer
zeigte und ihn
heranwinkte.
"Bist du der angekündigte
Geist der Nutzerbetreuung der Zukunft?" fragte Ebenezer.
Der Geist nickte und signalisierte Ebenezer, ihm zu folgen.
Sie
flogen durch die Dunkelheit, bis sie sich schließlich im Büro
eines
Bestattungsunternehmens wiederfanden.
Zwei Mitarbeiter
waren damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen an einem
Sarg
zu treffen.
"Gut, daß wir ihn los sind",
sagte der eine in einem seltsam offenen Verstoß gegen
die
Heiligkeit seines Gewerbes.
"Ich dachte, der kratzt niemals
ab." bestätigte der andere, dem seine Berufsehre
offenbar
ebenfalls wenig wertvoll war.
"Wann ist die Beerdigung?"
"Das ist unwichtig. Ich glaube, das wird ohnehin niemanden
interessieren. Bestimmt
werden sie ihn einfach in die Erde
hinablassen und dann wieder verschwinden."
Beide lachten
hysterisch.
"Über wen sprechen die beiden?" fragte
Ebenezer.
Der Geist bewegte seinen Finger und plötzlich
öffnete sich der Sargdeckel. Bestürzt
erblickte der alte
Misanthrop sein eigenes Gesicht.
Er saß aufrecht auf seinem
Bett und sah die ersten Anzeichen des kommenden
Tages durch die
Vorhänge schimmern. Es war alles ein Traum gewesen. Und
dennoch
hatten ihn die Vorgänge der Nacht beeindruckt. Irgendwie spürte
er ein
seltsames Gefühl sich in sich ausbreiten.
Er zog
seine Schuhe an und raste zu Cratchit, seinem PJ. Laut trommelte er
an
dessen Tür und forderte Einlaß.
Ein PJ mit
verschwommenen Augen ließ ihn ein.
"Wasispassiert?"
"Ich hatte gerade eine beeindruckende Erleuchtung!"
"Sagen sie jetzt nicht", gluckste der PJ. "Sagen
sie nicht, daß sie die drei Geister
gesehen haben, wie der
Kauz aus dem Buch, und nun ein besserer Mensch werden
wollen."
"Wer denkt denn daran. Langfristig betrachtet sterben wir
sowieso, da können wir
vorher noch etwas Spaß haben.
Nein, ich habe das Administrator-Passwort für
das
Megabank-System erfahren. Lassen sie uns denen zeigen, was ein
echter Bastard
zu tun und zu lassen hat ..."