Die Original-Bastard-Operator-Geschichten von 1999
Autor: Simon Travaglia
Übersetzer: Thomas Weidauer


Durch den Jahresanfang großmütig gestimmt, begibt sich der B.O.F.H. auf eine Tour
des guten Willens und verteilt Geschenke, die ganz bestimmt nicht aus einer
Weinlese stammen, und kümmert sich schließlich um, ähm, laute Ventilatoren ....

Es ist ruhig - verdammt ruhig. Manche würden sagen, es ist zu ruhig. Nicht aber ich.
Es ist diese Art von Ruhe, die man erreicht, wenn man ein Stück Eisen oder ein
kurzes Kupferkabel benutzt, um die Sicherungen kurzzuschließen, einen Nagel für
die Sicherung auf dem Flur und eine Schraube für die Hauptsicherung ... und dann läßt
man einen Schraubenzieher durch einen Schlitz in den Lüfter des Netzteils des
Hauptrechners fallen.
Vorsichtig tappe ich durch den Rechnerraum, der von der Notbeleuchtung dürftig
erhellt wird, zu meinem Büro, wobei ich einen kurzen Umweg mache, um schnell eine
Sicherung auszuwechseln und einen arg zugerichteten Schraubenzieher im
Abfalleimer zu plazieren.
Ich liebe es, das neue Jahr mit einem Krachen zu beginnen - oder, um es zu
präzisieren, mit einer ganzen Serie aus lautem Summen, ein oder zwei Explosionen
und einem gedämpften BUMMM! aus dem Kellergeschoß.
Es ist immer gut, die vielen Ahnungslosen wissen zu lassen, wer am Ruder des
Schiffes steht.
Der PJ ist in der Zwischenzeit im Urlaub, um ausgiebig seinen Weihnachtsbonus zu
feiern - schließlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Chef herausfindet, daß es
schon wieder ein Duplikat seiner Kreditkarte gibt und er das
Kreditkartenunternehmen anrufen wird.
Ich habe dafür gesorgt, daß der PJ sich richtig erholen kann, indem ich die letzte
Monatsabrechnung der Kreditkarte im Briefumschlag dem Aktenvernichter
anvertraut habe. Offenbar nahm der Chef an, daß es sicherer ist, wenn er sich seine
Privatpost ins Büro schicken läßt ... Ein Irrtum, den er teuer bezahlen muß.
Wo ich gerade vom Chef spreche - es wird Zeit, die Weihnachtsgeschenke, die
unsere Lieferanten ihm geschickt haben, die ich abfangen konnte, in bester
Robin-Hood-Manier unter den IT-Leuten zu verteilen.
"Was? Ist das alles?" fragt ein besonders undankbarer Vertragsprogrammierer (der
seinen Hintern ohne Kerze, Spiegel und eine Karte im Maßstab 1:1 kaum selbst
finden kann), nachdem ich ihm eine Flasche voll Rotwein geschenkt habe, der wohl
besser zum Desinfektionsmittel als zum Trinken taugt.
"Bitte?"
"Das ist doch ein wenig, ähm, billig, oder?" schnieft er.
Das muß man sich nun anhören, wenn der PJ nicht mit seinem Tacker bewaffnet die
Flure unsicher macht.
"Entschuldige, Mike, aber das ist hier nicht wie daheim, wo du dir dein
Weihnachtsgeschenk selbst aussuchen kannst." rufe ich.
Er verstummt und akzeptiert widerwillig die Flasche. Offenbar weiß er nicht, wie gut
ich mich an den Betriebsausflug erinnere, nach dem er mich an der von meinem Ziel
am weitesten entfernten U-Bahn-Station absetzte ... Drei Minuten NACHDEM der
letzte Zug abgefahren war.
Da er niemandem zu trauen scheint, versteckt er die Flasche in einem Fach seines
Schreibtisches, was mir die Gelegenheit gibt, ein großes Stück Schaumstoff auf den
Lüfteröffnungen seines PCs zu plazieren.
Nachdem ich die Hitze-Zeitbombe losgeworden bin, marschiere ich davon, um
weitere Geschenke aus Anlaß des neuen Jahres zu verteilen.
Keinen Moment zu früh, denn der Strom ist wieder da und das Gebäude erwacht
wieder aus seinem erzwungenen Schlaf.
Als mir Schaumstoff und billige Weinflaschen ausgegangen sind, greife ich mir die
guten Sachen und mache meine WIRKLICHE Runde des guten Willens, verteile
Geschenke an die Leute in der Vermittlung, das Reinigungspersonal und schließlich
an den Hausmeister. Ich weiß eben, welche Pflanzen man gießen muß - und auch
wann.
Nachdem ich sicher bin, daß niemand sich um meine Ferngespräche kümmern,
niemand die zerstückelte Kreditkartenabrechnung des Chefs finden und niemand sich
fragen wird, was sich hinter der mit einem feuersicheren Schloß gesicherten Tür mit
der Aufschrift ´Zucht-Raum Nr. 3´ verbirgt, kehre ich mein Büro zurück.
Wie das Schicksal es will, ist der Chef schon da und wartet auf mich mit einem
verärgerten Gesichtsausdruck. Es ist allerdings nur der Ausdruck ´allgemeiner
Verärgerung´, also hat er wohl noch nichts über seine Kreditkarte herausgefunden,
was bedeutet, daß ich das Kreditkartenunternehmen später anrufen werde, um das
Limit heraufsetzen zu lassen, bis es eine Höhe solche erreicht hat, daß er schon
weiche Knie bekommen wird, wenn er auch nur daran denkt.
"Was bezwecken sie eigentlich damit, die Lüftung von Mikes Rechner zu
blockieren?" fragt er.
Bastard!
"Oh, das ... das ist kein Schwamm, sondern ... ähm ... Material, das die Geräusche
dämpft."
"?..."
"Geräuschdämpfung - das Material hat eine Struktur, die Luft ungehindert durchläßt,
aber die Geräusche um bis zu 10 Dezibel je Megaliter europäischer Standardluft
dämpft."
"Ähm, wirklich? Das soll also nur die Geräuschentwicklung bekämpfen?"
"Natürlich!"
"Warten sie mal!"
Ich glaube schon, es war zu schön, um wahr zu sein ...
"Ja?"
"Warum haben sie das nicht auch bei meinem PC installiert?"
Ich kann es kaum fassen ...
"Oh, ich war gerade auf dem Weg zu ihnen - ihr Dämmstoff ist in der alten
Monitorkiste dort drüben."
Er beschnüffelt die erwähnte Kiste, bevor er etwas Verpackungsmaterial herausholt.

"Das? Das ist doch nur Verpackungsmaterial."
"Nein, das ist geräuschdämmendes, die Luft säuberndes Filtermaterial."
"Und warum steht dann ´Achten sie darauf, diese Verpackung wiederzuverwerten´
auf der einen Seite?"
"Weil ... es war mit altem Zeitungspapier verpackt, das man nicht überdrucken
konnte."
"Oh .... Und wie wende ich es an?"
"Nun, sorgen sie dafür, es möglichst fest gegen den Lüfterausgang zu drücken, so
daß keine, ähm, ´ungefilterte´ Luft mehr durchkommt."
"Richtig. Gut, dann werde ich Mike einmal aufklären", verkündet er fröhlich, als er
davonmarschiert, um seinen PC zu zerstören.
"Nein, nein!" rufe ich. "Überlassen sie das mir - ich werde es ihm erklären."
Und ich werde es ihm wirklich erklären.


Nachdem der B.O.F.H. herausfindet, daß sein Lohnscheck zu niedrig ist, sind die
Erbsenzähler nicht die einzigen, die zusammenzucken werden ...

Es ist Donnerstag ... Zahltag-Donnerstag. Ich liebe Zahltage. JEDER liebt Zahltage.

Tatsächlich ist es so, daß die Arbeit an Zahltagen viel leichter ist. Die Menschen
sind freundlicher, es gibt weniger Beschwerden, Bank-Manager sind netter - ein
normaler Mann könnte sich daran gewöhnen.
Ein Bastard dagegen könnte vergessen, was ihn ausmacht - dieser feine Sinn dafür,
wer von den Nutzern zur Spreu und wer zum Weizen gehört. Der Feind heißt
Zufriedenheit.
Trotzdem erinnert der braune Umschlag freilich daran, wofür wir dies alles tun.
Fröhlich lächelnd fummle ich an dem selbstklebenden Siegel herum (der Kleber muß
der gleiche sein, den sie dafür benutzen, Hitzeschutzkacheln am Space Shuttle zu
befestigen), bevor ich die Haltung verliere und den Umschlag auf der anderen Seite
öffne.
Ahhh! Der Geruch eine frischgedruckten Schecks ... Dieses Gefühl, als er aus seiner
schützenden Umhüllung aus braunem Papier gleitet. Das überwältigende aber wieder
vergehende Gefühl des guten Willens gegenüber allem, was mit Erbsenzählerei zu
tun hat, als ich den Namen der Firma gleich neben der Summe von ... WAS ZUM
TEUFEL!?
DIESE VERDAMMTEN ERBSENZÄHLERSCHWEINE HABEN MIR ZUWENIG
GEZAHLT!
Ich schaue noch einmal hin, um sicherzugehen, daß ich mich nicht irre. "Die
Erbsenzähler haben mir zuwenig bezahlt!" sage ich.
"Sie scherzen!?"
"Nein! Sehen sie, sie haben die Summe abgerundet!"
"Um wieviel?"
"27 Pence!"
"Heißt das, sie wollen wegen dieser lächerlichen Summe jemanden - möglicherweise
dauerhaft - bestrafen?"
"Es geht nicht darum, daß es 27 Pence sind, es geht um das Prinzip. Sie
BESTEHLEN mich! Das ist unerhört! Das ist der Gipfel der Unverschämtheit! Bevor
wir es merken, werden sie wieder die Lifte benutzen, werden die
Spesenabrechnungen ablehnen, beim Mittagessen mit ihnen über Geschäftspläne
diskutieren und ..."
Etwa zehn Minuten später komme ich mit einer ziemlichen Beule und schmerzendem
Rücken wieder zu mir.
"Entschuldigung", höre ich den PJ hinter der Tür des Rechnerraums sagen, wobei er
auf einen unserer weniger gefährlichen Elektroschocker in seiner Hand deutet.
Er muß mir damit einen Stromschlag verpaßt haben, während ich unter dem Einfluß
des Schocks über den Diebstahl stand. "Das ist in Ordnung", antworte ich ihm. "Eine
den Umständen entsprechende Reaktion."
Ich will zu ihm in den Rechnerraum gehen, um ihm zu versichern, daß ich keinen Groll
gegen ihn hege, doch meine Zugangsberechtigung ist gelöscht worden, so daß ich
meine Karte vergeblich in den Leser stecke.
"Entschuldigen sie das bitte, aber sie wissen ja selber, wie sie sich fühlen." ruft der
PJ durch das Sicherheitsglas.
"Aber natürlich!" antworte ich. "Mir geht es hervorragend." Dabei angle ich heimlich
meine spezielle Karte aus der Tasche, die in der Datenbank als ´Feuer- und
Zivilschutz-Karte´ steht, von der niemand weiß, daß sie exis ...
"Auch diese Karte ist gesperrt", murmelt der PJ entschuldigend.
Man muß ihm vergeben. Er ist noch aus dem guten alten Holz geschnitzt.
Ich ziehe mich zurück, um abzuwarten, ob er herauskommt, wenn er sich sicher fühlt,
doch so dumm ist er nun auch wieder nicht.
Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Ich zünde
meinen Abfallkorb an und ändere die Richtung der Klimaanlage im Büro so, daß sie
Luft in den Rechnerraum bläst, statt sie dort abzusaugen.
Der Alarm, daß in zehn Sekunden das Feuerlöschgas in den Raum geblasen wird,
geht los, und der PJ rast zum Notfallschalter, um das Ausströmen des Gases zu
verhindern - natürlich nutzt er den echten, als Gegensprechanlage getarnten
Schalter und nicht den Köder, den wir benutzen, um ´Kollegen´ zu erschrecken.
Jetzt habe ich ihn da, wo ich ihn haben will. Während die Rauchmelder noch immer
Rauch wittern ist die Löschgasanlage noch immer aktiviert, nur hat der PJ die
Gaszufuhr blockiert - bei einem Stand von 7 Sekunden bis zum Auslösen ...
Ich halte den Abfalleimer hoch und packe noch mehr Papier und ein Sicherungsband
hinein (damit auch genug Rauch herauskommt), um dem PJ zu zeigen, daß ich es
ernst meine.
Außer Hörweite kritzelt er schnell eine Botschaft an die Wand. "Sie könnten Recht
haben, 27 Pence sind eine Beleidigung!"
Lächelnd schütte ich Kaffee in den Eimer, um die Flammen zu löschen und setze
mich dann an meinen Schreibtisch. Der PJ kommt heraus, als er sicher ist, daß die
Löschanlage deaktiviert wurde.
"Was werden wir unternehmen?" fragt er.
"Nun, ich glaube, wir müssen ein Exempel statuieren. Entschlossen, aber nicht zu
brutal."
"Sie meinen Chilli-Soße in der Flasche mit den Augentropfen, Abführmittel im
Trinkwasserspender oder Leim auf den Toilettensitzen?"
"Nun ..."
"Alles zusammen?"
"Schon besser ..."
"Wir leiten ihre Daten durch das 3-phasige Strom-´Netzwerk´?"
"Schon geplant ..."
"Wir füllen wasserfeste Farbe in den Tank der Sprinkleranlage und aktivieren die
Anlage auf ihrer Etage?"
"Ja ... das kommt noch hinzu ..."
Und so kommt es, daß der PJ eine halbe Stunde später auf einer Leiter steht und
purpurrote Farbe in den Wassertank füllt, als ... BDZZZT!!
Zu seiner Verteidigung muß erwähnt werden, daß der PJ keinen Laut von sich gab,
als ihn der Elektroschocker traf. Von dem Geräusch des Sturzes in den Wassertank
einmal abgesehen.
Nachdem ich ihn herausgefischt habe, deaktiviere ich seine Karte, schalte das
Feuerlöschsystem bei uns ab und sperre auch seine Karte, die in der Datenbank als
´Installations-Karte´ geführt wird.
Was sein muß, muß sein ...


Der Chef will schon wieder wissen, wie es um unsere Vorbereitungen für Notfälle
steht, wie wir zum Beispiel reagieren können, wenn ein Erdbeben die Gebäude
beschädigen würde ...

Mein Kommentar, daß ein Erdbeben während der Arbeitszeit die Produktivität im
Haus wohl erhöhen würde, erntet leider nicht das erwartete zustimmende Lachen.
Er beharrt stattdessen darauf, zu erfahren, wie wir auf seismische
Unregelmäßigkeiten vorbereitet sind. Und als Teil seiner Untersuchungen will er all
unsere Notfallpläne und Vorbereitungen inspizieren und sehen, wie gut wir auf den
Fall der Fälle vorbereitet sind.
Ich könnte ihm die Wahrheit sagen, daß wir auf Katastrophen ungefähr so gut
vorbereitet sind wie Butch Cassidy und Sundance Kid, aber das würde wohl nur
überflüssige Sorgen und Befürchtungen hervorrufen.
Um ihn erst einmal zufriedenzustellen, habe ich ihm eine Menge Unsinn erzählt, der
gewöhnlich ausreicht, um das mittlere Management zu beeindrucken: "Nun, wir sind
vollständig auf solche Fälle vorbereitet, wir haben Sicherheitskopien außerhalb des
Hauses und Bibliotheken mit unseren Programmen - Pläne zur Widerherstellung der
Systeme, Vereinbarungen mit Hardware-Lieferanten für Katastrophenfälle und drei
verschiedene Notfallzentralen in entfernt voneinander gelegenen Fillialen, die bei
Bedarf innerhalb von 36 Stunden vollständig als Ersatzbüro hergerichtet werden
können. Vielleicht einen halben Tag schneller oder langsamer."
"Und dazu kommen noch unsere redundanten Netzwerkanbindungen, Vereinbarungen
über Notfall-Service in Form von Satellitenanbindungen oder zusätzlichen Leitungen
durch die größten Netzanbieter. Ja, die Netzwerkseite dürfte im Katastrophenfall am
einfachsten wieder in Betrieb zu nehmen sein. Am langsamsten wird dabei noch das
Einspielen der Sicherheitskopien auf den verschiedenen Servern sein.
Arbeitsplatzrechner werden dabei berücksichtigt, wenn sie gebraucht werden, was
davon abhängt, wie wichtig die betreffenden Mitarbeiter sind."
"Ausgezeichnet!" ruft der Chef mit vor Begeisterung glänzenden Augen. "Nun, dann
bleibt uns wohl nur noch eine kurze Besichtigung der drei Notfallzentralen!"
Und da gehe ich auf dünnem Eis. Der Chef muß früher oder später herausfinden, daß
ich ihm Unsinn erzählt habe und wird wissen wollen, wieso ich das getan habe.
Der PJ bemerkt meine Resignation (darüber, daß ich mir den Vortrag des Chefs über
´professionelle Integrität´ und Sachverstand anhören muß) und fragt, wo das Problem
liegt. Ich weihe ihn in die traurigen Details ein.
"Nun, wir könnten ihn doch in eines der Notfallzentren fahren und ihm sagen, daß sie
alle gleich aussehen und dem Wachdienst sagen, sie sollten Besuche aus
Sicherheitsgründen nicht erlauben." schlägt er vor.
"Das mit dem Wachdienst könnte funktionieren, aber die Notfallzentren sind das
wahre Problem."
"Funktionieren sie nicht?" fragt der PJ.
"Oh doch, aber sie sind an andere Mieter verpachtet."
"Was?!"
"Nun, sie liegen doch gewöhnlich mitten in Geschäftsvierteln. Also vermiete ich sie
normalerweise an andere Unternehmen und investiere das Geld in lohnendere
Projekte - in diesem Falle in die Erweiterung der Bandbreite unserer
Internetanbindung."
"Wie uneigennützig von ihnen." murmelt der PJ.
"Ja, nun ... Aber das ist jetzt alles vorüber, er wird es herausfinden ..."
"Nicht unbedingt!" ruft der PJ mit Befriedigung in seinem Blick, was wohl bedeutet,
daß er einen Plan hat.
Zwei Tage später leistet mir der Chef auf der Rückbank einer Limousine
Gesellschaft, mit der wir unsere Notfallzentrale besuchen wollen. "Verdammt dunkel
hier." beschwert er sich. "Man kann nicht einmal durch die Fenster blicken."
"Ja", stimme ich ihm zu. "Das ist ein Wagen unseres Partners, der sich um die
Speicherung unserer Daten kümmert - sie machen keine Kompromisse, denn sie
haben wichtige Kunden."
"Oh", murmelt der Chef selbstzufrieden - sein Gefühl von Selbstherrlichkeit erreicht
neue Höhen. "Und wo fahren wir hin?"
"Wir fahren zur nächstgelegenen Notfallzentrale, was etwa zwei Stunden dauern
wird. Ich denke, wir besuchen pro Tag eine Zentrale, wenn sie nichts dagegen
haben."
Zwei Stunden später rollen wir über eine Rampe auf die Parkfläche im Kellergeschoß
unserer ersten Notfallzentrale. Ich helfe dem Chef in einen frisch renovierten
Frachtaufzug (aus Sicherheitsgründen) und wir fahren eine Etage nach oben ins
Notfallzentrum.
"Das kommt mir irgendwie bekannt vor", murmelt der Chef ein wenig verwirrter als
gewöhnlich.
"Wir haben die Notfallzentren so gestaltet, daß sie vertraut aussehen, was den
Ortswechsel und die Neuorientierung für die Mitarbeiter leichter macht."
"Wirklich? Das ist eine gute Idee!"
Wir betreten den Rechnerraum und schauen uns um. "Etwas ruhig, oder?" will der
Chef wissen.
"Nun, die Notfallzentren werden typischerweise erst im Notfall in Betrieb
genommen - hauptsächlich, um Strom und Wartungskosten zu sparen."
"Natürlich."
Der Rest der Besichtigung verläuft problemlos und wir fahren zurück zu unserer
Firma.
"Wohin fahren wir morgen?" fragt der Chef.
"Nun, ich denke, daß wir früh losfahren und das Zentrum in Wales besichtigen. Ich
hole sie gegen 6 Uhr ab?"
Als der Chef gegangen ist, tippe ich an die Trennscheibe, die Fahrer und Fahrgäste
trennt. Das Gesicht des PJ erscheint, als die Scheibe verschwindet.
"Morgen geht es nach Wales", murmle ich. "Stellen sie die Technik ein wenig um,
hängen sie ein paar walisische Landkarten mit farbigen Stecknadeln an strategisch
wichtigen Punkten auf und stellen sie eine Kiste Porree in den Frachtaufzug. Oh, und
fahren sie in einem etwas größeren Radius durch die Stadt. Zweihundert Runden um
das Haus fordern skeptische Fragen geradezu heraus."
Oh, mir bleibt jetzt noch, ein paar Rechnernamen in glaubwürdiges Walisisch zu
übersetzen, um etwas für die Bilthigung des Chefs zu tun (Compluthären etc.).
Diese Notfallvorbereitungen sind wirklich mit Arbeit verbunden!


Als die Not am größten ist, leiht der B.O.F.H. seine helfende Hand der
Nutzerbetreuung. Dabei spielt eine gewisse Menschenliebe zwar eine Rolle, doch
wichtiger noch ist die Aussicht auf zusätzliche Einnahmen ...

Ich bin so nett, daß ich einen Orden verdiene! Als herzensguter Mensch habe ich
mich entschlossen, in der Nutzerbetreuung auszuhelfen, als diese dringend Hilfe
braucht. Es scheint, daß sie wegen des Winterwetters und der Urlaubszeit chronisch
unterbesetzt ist.
Der PJ, gepriesen sei er, ist vom gleichen Geist der Aufopferung beseelt und hat
angeboten, mir dabei zu helfen, die Nutzer zu bewachen - ich meine, mir dabei zu
assistieren, wenn ich ihnen helfe.
Seit unserem letzten Besuch hat sich nicht viel verändert. Nun, jetzt scheint die
Sonne und ich schleppe keinen Sack und kein Brecheisen mehr mit mir herum, doch
davon abgesehen hat sich wenig geändert.
"Das", belehre ich den PJ. "Das ist ein Telefon. Sie haben bestimmt schon Menschen
gesehen, die dieses Gerät benutzen. Jetzt können sie es ebenfalls versuchen."
Ich ignoriere die Geste des PJs, die unter normalen Umständen wohl etwa dies
ausdrücken würde: "sie haben sicher eine erfüllende sexuelle Beziehung mit ihrer
rechten Hand" (was ich wohl fehlinterpretierte als: "Ich sehne mich nach einem
verdammt guten Tritt in den Hintern. Könnten sie mir den Gefallen tun?"), und
kümmere mich um die Arbeit.
"Sie nehmen die Leitungen 1, 3 und 5, ich nehme die 2, 4 und die 6." lege ich fest.
"Was? Ich dachte, wir leiten alle Anrufe zu dieser religiösen
Motto-des-Tages-Nummer um und schauen uns auf ihren Festplatten nach
interessanten und belastenden Daten um!" jammert der PJ eingeschnappt.
"Das wäre reine Zeitverschwendung", antworte. "Ich habe doch die gesamte gute
Hardware durch die ausgemusterte aus unserem Lager ersetzt, damit wir nun von
jeder Etage aus ein Quake II-Netz aufbauen können."
"Sie meinen, wir können nicht einmal Quake auf diesen Rechnern spielen?"
"Ich fürchte, daß das hier wirklich unmöglich ist. Diese Rechner werden sich schon
freuen, wenn sie uns ANSI-Grafiken zeigen können, von SVGA ganz zu
schweigen."
"Aber ...." schnappt der PJ ein.
"Kein Widerspruch. Wir werden unsere Zeit sinnvoll dazu nutzen, unsere Nutzer
etwas besser kennenzulernen. Wir haben uns in diesem Jahr zu sehr von ihnen
isoliert - es wird Zeit, daß wir unsere Beziehungen erneuern!"
Meine Selbstlosigkeit stimmt mich ein wenig nachdenklich, aber ich schlucke die
Übelkeit hinunter und fahre fort.
"HIER!" rufe ich. "Stimmen wir unsere Ausredenkalender aufeinander ab. Seite 47,
Hypotropisch-osmotische Datenverluste."
Die Augen des PJs leuchten kurz auf als seine Gedanken abschweifen, doch er ist
sofort wieder hellwach und hört mir zu.
"Ich werde es H.O.D. nennen", murmelt er, als er sein Bewußtsein wiedererlangt.
"In Ordnung! Dann kann das Spiel beginnen!" rufe ich.
"Spiel? Welches Spiel?" fragt der PJ.
"Sie werden es herausfinden ..."
"Ich weiß noch immer nicht, wieso der Chef das erlaubt hat", ruft der. "So dumm kann
er doch gar nicht sein."
"Er war nicht so dumm", antworte ich lächelnd. "Aber er wurde versetzt. In unsere
Filiale in Leeds, nachdem er zu Beginn der Woche einen kleinen Unfall hatte."
"Ja?" fragt der PJ voller Neugier.
"Es war tragisch."
"WIRKLICH?" Sein Interesse wächst.
"Es scheint so, als hätte er sich bei diesem Training zum Thema "Sexuelle
Belästigung am Arbeitsplatz", das uns die US-Zentrale verordnet hat, ein wenig
gehenlassen."
"Das Training, für das sie all die netten Leute aus der Geschäftsführung
zusammengetrommelt haben? Hat er gesagt, er nehme an, das sei ein Training, bei
dem vorgeführt wird, wie man das macht?"
"Nein - offenbar hatte er etwas bei sich, das er bei dem Zusammentreffen nicht
einziehen konnte. Ja, so könnte man es wohl am besten ausdrücken ..."
"Sie meinen, er hatte einen ...."
"Anscheinend. Er hat wilde Verdächtigungen geäußert und behauptet, jemand hätte
Viagra in seinen Kaffee gemischt, aber ich frage sie ..."
"Abartig", pflichtet mir der PJ bei. "Wo wir beim Thema sind, Kaffee?"
"Ja, aber nehmen sie nicht den Instantkaffee bevor ich Zeit hatte, ihn
auszutauschen."
"Sie verdammter ..."
Unsere Unterhaltung wird durch den ersten Anruf an diesem Tag unterbrochen.
"Hallo, wie kann ich ihnen helfen?" frage ich in einem Tonfall, der nur als guter Wille
gedeutet werden kann.
"Hallo, mein Rechner vergißt ständig die Zeit, und mein Kollege meinte, das könne an
der Batterie in dem PC liegen!"
"Wie alt ist der Rechner?" frage ich.
"Drei Monate."
"Normalerweise fallen die Batterien nicht so schnell aus." antworte ich. "Ich denke,
es liegt daran, daß ihr Rechner beim Starten die aktuelle Zeit vom Netzwerkserver
holt, er aber nichts damit anfangen kann, weil ihre Zeitzoneneinstellung nicht GMT
ist."
"Nun ..." >Klickklick< >Klickklich< "Genau, da steht Winnipeg! Wo zum Henker ist
Winnipeg?"
"In Kanada, glaube ich", antworte ich hilfsbereit.
"Vielen Dank!"
"Keine Ursache!" antworte ich und lege auf.
Der PJ ist geschockt.
"Was war denn das?" ruft er ungläubig.
"Oh, habe ich es ihnen nicht gesagt? Darum geht es in dem Spiel. Alles oder nichts.
Wer als Erster eine spitze Bemerkung zu einem Nutzer machte, zahlt am Freitag für
die Biere."
"Das klingt nicht wie ein Spiel." murrt er. "Und nach Spaß schon gar nicht!"
"Wollen sie LIEBER MONOPOLY spielen?!"
"Nun, nein, aber das ist nicht die Art von Spielen, die Spaß machen!"
"Ich glaube, sie sind ein FEIGLING!" verhöhne ich ihn.
"Mitnichten!" ruft der PJ. "Das scheint eher auf sie zuzutreffen."
"In Ordnung. Ich übernehme Leitung 1, was die Anzahl potentieller Anrufer für mich
verdoppelt. Jetzt zufrieden?"
Der PJ nickt - dann grinst er, als ein Anruf auf Leitung 1 kommt.
Vielleicht habe ich doch etwas zu hoch gepokert und mich und meine
Leidensfähigkeit ein wenig überschätzt ...


Der B.O.F.H. beweist, daß es (beinahe) möglich ist, sich gleichzeitig an mehreren
Orten aufzuhalten, als es darum geht, sein Heiligtum gegen Besuche durch
Dummköpfe zu verteidigen ...

Ich sitze unten im Café, um mich kurz (in Ordnung, es sind ein paar Stunden) vom
Stress mit den verrückten Nutzern zu erholen - Anrufe habe ich auf mein Handy
umgeleitet, dessen Nummer geheim ist. Und prompt fängt es an zu piepsen.
"Hallo, Netzwerk- und Systembetreuung", melde ich mich so freundlich, als würde
ich noch am Wettbewerb ´Wer ist am nettesten zu den Nutzern´ teilnehmen ...
... was ich freilich nicht mehr tue, denn nachdem ich den PJ ausgetrickst habe, indem
ich unheimlich viel Speicherplatz auf den Servern reserviert und ihn dann mit schnell
zusammengebauten klingenden E-Mails ´vom PJ´ aufgefüllt habe, sehe ich gar keine
Veranlassung mehr, freundlich zu sein. Die Stimmung der Mißgunst gegen den PJ hat
den Chef sogar dazu veranlaßt, ihn in einen kurzen Urlaub zu schicken.
"Wo sind sie?" will der Chef wissen. Seine Stimme wird ein wenig von den
Außengeräuschen meines gegenwärtigen Aufenthaltsortes gedämpft.
"Natürlich im Rechnerraum!" antworte ich entrüstet.
"Wirklich? Und woher kommen diese Hintergrundgeräusche? Ich kann Autos hören!"
"Ja, natürlich. Das ist dieses Multimedia-Demonstrationsprogramm, das gestartet
wird, wenn die Server hochgefahren werden." erkläre ich ihm. "Ich würde die
Lautsprecher ja abschalten, aber wir brauchen sie für die akustische Fehlerdiagnose
beim Starten."
Mein Schwachsinnsmesser registriert drei von zehn möglichen Punkten, also dürfte
diese Entschuldigung wahrscheinlich für den Chef ausreichen.
"Oh." antwortet er und bestätigt meine Vermutung. "Nun, ich muß in den
Rechnerraum, da ich einigen neuen Mitarbeitern unsere Technik zeigen will. Wenn
sie also herauskommen könnten, um uns einzulassen ..."
Man kann mich ja altmodisch nennen, aber das LETZTE, was ich will, ist ein Haufen
schwatzender Verrückter, die keine Ahnung davon haben, wie und warum Computer
funktionieren, im Allerheiligsten vom Heiligen.
Da ich ein vorausschauender Mensch bin, habe ich mich auf solche Fälle vorbereitet,
indem ich die Eingänge für alle außer mir elektronisch blockieren kann.
"Ich befürchte, daß wir ein Problem mit dem elektronischen Schließsystem haben und
ich es auch nicht dazu bringen kann, die Türen freizugeben." teile ich ihm mit. "Es
sieht so aus, als wäre ich ein- und sie ausgesperrt."
"Aha", murmelt der Chef langsam. "Dann versuche ich die Notfall-Entriegelung."
Ein paar laute Schläge später greift der Chef keuchend wieder zum Telefon. "Das
VERDAMMTE GLAS läßt sich nicht einschlagen!" japst er. "Was für eine Sorte
Sicherheitsglas ist das denn?"
"Ich habe keine Ahnung, aber es klang gut für die Wachmannschaft." antworte ich
und stelle ihn damit offenbar zufrieden.
"Dann rufe ich die Hausmeister an, um durch das Glas zu kommen - sie warten
einfach auf uns!" ruft er und will damit seinem Anfängerpublikum wohl
Entscheidungsfreude und Problemlösungsfähigkeit demonstrieren.
Was bedeutet, daß ich nun doch noch an meinen Arbeitsplatz zurückkehren muß, da
das Glas nur begrenzt den Bemühungen des Hausmeisters standhalten wird.
Ich nehme ein Taxi und betrete das Firmengebäude durch den Hintereingang,
schleiche aus einem Frachtaufzug und lande hinter dem Chef und einer Gruppe
technischer Dummköpfe, deren Intelligenzquotienten zusammengezählt nicht einmal
den Hüftumfang eines Supermodels erreichen.
"Hallo!" sage ich und denke an die positive Wirkung, wenn man nett zu angehenden
Nutzern ist.
"Wo kommen sie denn her?" fragt der Chef und deutet verwirrt auf den Hausmeister,
der sich noch mit seiner Bohrmaschine durch das Panzerglas durcharbeitet - einen
halben Zoll hat er schon geschafft, so daß ihm nur noch ein Zoll bleibt.
"Der Rechnerraum!" rufe ich. "Ich habe es geschafft, die Notausgangstür dadurch zu
öffnen, daß ich meine Karte mehrmals durch den Leser gezogen
habe - möglicherweise gab es Lesefehler oder ähnliches."
Wichtigtuerisch blase ich in den Kartenleser und versuche es dann mit meiner Karte.
Natürlich öffnet sich die Tür. Dann stoppe ich heimlich das Blockierprogramm und
lasse die Meute eintreten.
"Das ist unser ... ähm ..." beginnt der Chef, wobei er feststellt, daß ich mich seiner
Führung zugesellt habe und sehr interessiert seinen Ausführungen lauschen will.
"Ähm, vielleicht ist es doch besser, wenn wir jemanden aus der ersten Reihe zu
Wort kommen lassen!"
Es ist natürlich überflüssig zu betonen, daß meine Vorführung ein durchschlagender
Erfolg war - ganz besonders nachdem der Chef die Gefährlichkeit des
Arbeitsplatzes dadurch demonstriert hatte, daß er über eine lose Bodenplatte, die wir
dazu benutzen, Fremde am Herumstreunen bei uns zu hindern, stolperte und mit dem
Gesicht voran in ein Regal voller Technik stürzte.
Auf dem Weg nach draußen trifft mich ein Typ aus der Personalabteilung und gibt mir
die Einladung des Chefs, mit der ich am ´Willkommen in der Firma´-Trinken am
Nachmittag teilnehmen kann, was bedeutet, daß der Chef selbst wohl nicht hingehen
kann ...
Und gerade als ich dachte, das Leben könnte nicht mehr besser werden, ruft der PJ
an und erklärt, er wisse alles und würde sich nur WIDERWILLIG an sein
Versprechen halten - aber eine Wette sei nun einmal eine Wette.
Gedächtnisvermerk Nummer Zwei: Rechtzeitig an das Vertauschen der Gläser
denken, wenn seine Aufmerksamkeit im Pub abgelenkt wird. Letztlich ist die
Vorstellung, eine Überdosis Abführmittel trinken zu müssen, doch nicht sehr
verlockend.


Das Duo des Schreckens entwickelt einen individuellen Plan zur
Gesundheitsvorsorge. Einen, der es erlaubt, tagelang der Arbeit fernzubleiben, um
Pubs oder Sehenswürdigkeiten zu besuchen ...

In den Tiefen ihrer kalten Herzen haben die Firmenmanager beschlossen, daß wir
Angestellten unter angemessener finanzieller Selbstbeteiligung (auf einem hohen
Niveau, versteht sich) würdig sind, Mitglieder der firmeneigenen
Krankenversicherung zu werden.
Verdammt. Ich hätte nach all meinen Mühen ein Sonderangebot dafür verdient. Gäbe
es mich nämlich nicht, so bräuchte die Firma gar KEINE eigene
Krankheitsvorsorge - zumindest keine mit so hohen Beiträgen zur Absicherung von
Arbeitsunfällen ....
"Aber das ist doch verdammt billig!" behauptet der PJ. "Und bei Arbeitsunfällen wird
der komplette Aufenthalt in einem privaten Krankenhaus bezahlt."
"Wo man ihnen zweifellos Chilli-Einläufe verpassen wird, bis sie selbst darum
bitten, entlassen zu werden." antworte ich, der ich nur zu gut weiß, wie gut ´gute
Geschäfte´ wirklich sind.
"Nein, sie haben auch ein paar Bilder", ruft er und wedelt selbstvergessen mit ein
paar Hochglanzbroschüren. "Sehen sie sich das an!"
Ich muß zugeben, daß die Bilder beeindruckend aussehen. Sie zeigen große stattliche
Krankenzimmer, Bataillone hübsch aussehender Krankenschwestern und prächtig
gedeckte Tische mit dem Abendessen, doch ich habe schon zu viele
Hochglanzbroschüren für Computersysteme gesehen, als daß ich der Werbung noch
glauben könnte.
"Das ist doch nur der übliche Werbemüll", erinnere ich den PJ. "Nichts davon ist
wahr."
"Es könnte aber sein", murmelt er eingeschnappt.
"Es ist eine der Grundregeln bei der Arbeit in unserer Branche, daß man niemals
Broschüren glauben kann, wenn man die Ware noch nicht selbst gesehen hat!" weise
ich ihn zurecht.
"Aber wie können wir herausfinden, wie es wirklich ist, wenn wir uns nicht
beteiligen?"
"Beteiligen?" ruft der Chef und stürmt in unser Büro. "Sie meinen die
Gesundheitsvorsorge? Da bin ich schon seit Jahren Mitglied."
"Und - wie sind die Krankenhäuser? Haben sie schon eins gesehen?"
"Nein." antwortet der Chef und beugt sich hinunter, um den neuen
19 Zoll-Flachbildmonitor hochzuheben, der für ihn bestimmt ist. "Aber wenn es
einmal sein muß, werden sie die erst ...."
Er hat sich noch nicht wieder ganz aufgerichtet, als ich die aufgeblasene Papiertüte
knallend zerplatzen lasse, die ich der Hand hielt. Erschreckt reagiert der Chef etwas
schneller als gewohnt. "Autsch!" ruft er, läßt den Monitor fallen und hält sich den
Magen fest.
Ups.
Natürlich nehmen der PJ und ich uns die Zeit, um uns zu versichern, daß die
Genesung des Chefs von seinem Leistenbruch voranschreitet. Und um ein wenig
einzukaufen. Gut, und um ein paar Bierchen zu trinken. Und um eine Stadtrundfahrt
mit dem Bus zu machen - aber danach steuerten wir zielstrebig das Krankenhaus an.

Dort stellen wir fest, da meine Befürchtungen grundlos waren - das Gebäude ist in
einem tadellosen Zustand, ihre Überwachungstechnik läßt unsere blaß aussehen.
Wir machen ihrem Administrator ein paar Komplimente, damit er uns schnell ein
wenig herumführt, und zeigen starkes Interesse an ihrem ZUPÜS (Zentralisiertes
Umfassendes Patienten-Überwachungs-System).
"Grundsätzlich", erklärt der Administrator uns, als wir das Zimmer des Chefs
verlassen, "Grundsätzlich erlaubt das System die Überwachung aller Patienten aus
der Rechenzentrale heraus, von wo dann bei Bedarf Ärzte oder Schwestern alarmiert
werden können, die vor Ort sind."
"Aha", antworte ich. "Und was passiert, wenn die Ärzte mit den Krankenschwestern
irgendwo sind und Arzt und Krankenschwester spielen?"
Einen tadelnden Blick später fährt er fort. "Die Software ist jederzeit darüber
informiert, wo sich unser Personal aufhält. Ich kann ihnen wirklich versichern, daß ihr
Chef bei uns in den besten Händen ist und Unfälle ausgeschlossen sind."
Arschloch. Wir hoffen nämlich auf einen (oder fünf) Rückfälle, damit wir mehr
Arbeitszeit verbraten können, um, ähm, das Krankenhaus zu besuchen.
"Tausende Kabel aus dem gesamten Krankenhaus enden hier in der
Überwachungszentrale." erklärt uns ein haariger Gnom. "Sie übermitteln alle Daten,
die wir brauchen, und alle Patientendaten sind hier über den berührungsempfindlichen
Monitor abrufbar."
"Wirklich?" sage ich und tippe auf das Kästchen mit dem Namen des Chefs.
"Wie sie sehen können, werden die Bilder zweier Kameras aus dem Zimmer ihres
Chefs, der Nummer 22b, angezeigt. Zusätzlich sehen sie noch seine Werte für
Temperatur, Herzschlag und Atmung. Und hier sehen sie seine Gehirnströme - all
das wird durch das eine Kabel übertragen und hier angezeigt, was uns gewaltige
Ausgaben für getrennte Überwachungstechnik erspart ... Oh, mein Gott!"
Der Monitor, der die Daten des Chefs zeigt, hat sich rot verfärbt und es blinkt das
Wort ´HERZSTILLSTAND´ auf. In der Folge können wir beobachten, wie eine
medizinisches Team auftaucht und dem Chef ein paar Stromschläge verpaßt.
"Nun", fügt der Gnom hinzu. "Wie sie sehen können, ist die
Reaktionsgeschwindigkeit unseres medizinischen Personals hervorragend."
"Ja", bestätigt der PJ und legt einen Schraubenzieher auf den Tisch. "Aber irgendein
Anschluß an diesem Rechner war falsch konfiguriert. Doch machen sie sich keine
Gedanken, ich habe das Kabel unseres Chefs überprüft und wieder
angeschlossen ...."
Die Stille ist, wie man so schön sagt, ohrenbetäubend. Der Gnom weiß nun, daß der
Chef eine Behandlung bekommen hat, die gar nicht nötig war, und, sollte es eine
Anfrage geben, das Krankenhaus - und sein Projekt - nicht gerade gut dastehen
würden. Verzweifelt blickt er uns an.
"Ein Zehner sollte für ein paar Biere reichen." sage ich. "Pro Tag und Mann", fügt der
PJ hinzu.


Das Duo des Schreckens wird beauftragt, ein Mitteilungsblatt zu verfassen. Eine
leichte Aufgabe, wenn sicher wäre, daß niemand die technischen Details
mißversteht ...

Der Chef hatte die Idee, daß es für das Ansehen unserer Abteilung förderlich sein
könnte, wenn wir ein paar Mitteilungen für die Nutzer herausgeben würden. (Nicht in
elektronischer Form - das wäre dann doch zu fortschrittlich; und eine Papierversion
ist viel nützlicher, kann man sie doch jahrelang in Ordnern aufbewahren, selbst wenn
das ´Lesen bis´-Datum schon verstrichen ist.)
Seine Theorie ist, daß dadurch, daß wir zweimonatlich ein paar Blätter zu Themen
wie ´Die neueste Technik ist ....´, ´Wir haben gerade ... gekauft´ und ´Was sie über ....
wissen sollten´ herausgeben, die echten Arbeiter nicht bemerken werden, daß all die
wunderbare neue Technik im Management landet, während sie mit dem Müll von
vorgestern ausgestattet werden. Eine Vertuschungsaktion also, um es anders
auszudrücken ...
Ein schleimiger Typ aus der Werbeabteilung soll uns dabei helfen, ein ansprechendes
Mitteilungsblatt zu erschaffen, was von weichgezeichneten Fotos (der Chef sieht
aus, als sei sein Gesicht in Flammen aufgegangen und jemand hätte versucht, das
Feuer mit einem Kartoffelschäler zu löschen) reicht bis zu einem
pseudowissenschaftlichen Stil bei der Auswahl der Worte und dem pastellfarbenen
Papier, auf dem die Mitteilungen erscheinen sollen.
Er ist auch ein Talent bei der Auswahl der Themen, die so unnütz sind, wie es nur
geht: wieviele Kilometer Cat-5 (Hochgeschwindigkeitskabel) im Haus verlegt sind,
wieviele Leute aus der Nutzerbetreuung auf Fortbildungskursen waren, der Wert
unserer Technik, Technologien, die wir beobachten ... Und, natürlich, der Chef
wünscht, daß ich einen kurzen Artikel schreibe über die neue Ausrüstung, die wir
gerade prüfen, wann wir sie einsetzen wollen, ein paar nützliche Informationen
darüber ... mit anderen Worten, ich soll das verdammte Ding selber schreiben.
Nun, ich liebe es ungefähr so sehr, die Nutzer mit Informationen zu versorgen, wie
Parlamentsmitglieder es mögen, mit ihren Wählern zu reden, also bin ich, um es
einfach zu sagen, sehr gespannt, wie meine Ideen ankommen. Nein, eigentlich nicht,
denn es ist alles klar.
Sein Befehl, alles so zu schreiben, daß es jeder versteht, macht die Sache schwierig.
Ich hoffe nur, er denkt bei ´jeder´ nicht an die Leute vom Wachdienst, da ich wirklich
nicht behaupten möchte, daß unsere Laserdrucker das Papier mit Farbstiften
´bedrucken´.
Trotzdem schaffen der PJ und ich es, genügend Informationen zusammenzukratzen,
um zwei Seiten damit füllen zu können und sie schnellstmöglich an die Drucker zu
schicken - natürlich nachdem der Chef seine Zustimmung gegeben hat. Und so muß
ich gestehen, daß ich etwas bestürzt, ja, beinahe geschockt bin, als der Chef am
nächsten Tag ins Büro hereinstürmt in einer Stimmung, die wohl nur als ´kurz vor der
Explosion´ beschrieben werden kann.
"Was zum Teufel ist das?" fragt er und wedelt wütend mit einem Blatt.
"Unser Mitteilungsblatt", antworte ich wenig überrascht.
"Das weiß ich! Aber das sieht völlig anders aus als das, was sie mir gestern gezeigt
haben!"
"Nein, ich mußte nur den technischen Fachjargon, den sie gelesen haben, so
übersetzen, daß die Nutzer ihn auch verstehen."
"Aber das ist ein verdammter Alptraum!" schreit er. "Die Nutzer sind völlig verwirrt!"

"Nun, ich muß zugeben, daß sich durch die Vereinfachung des Textes die eine oder
andere technische Ungenauigkeit eingeschlichen haben könnte, aber die
wesentlichen Informationen sind noch da."
"TECHNISCHE UNGENAUIGKEITEN?! Sie schreiben, daß die Tonerkassetten
relativ leicht mit Tinte aufgefüllt werden können."
"Nun, ich dachte, sie würden sonst nie begreifen, was Toner ist. Und daß es wirklich
recht simpel ist, ein Loch in die Kassette zu bohren und den Toner zu
ersetzen - solange die Druckwalze und die Sicherung nicht beschädigt
werden - anders macht man es beim Toner-Hersteller ja auch nicht."
"Ja, nun, wegen dieses Artikels haben wir jetzt einen Drucker in der Werkstatt, der
nur noch zum Ausschlachten taugt."
"Aber das ist doch kein besonders schwieriges Problem, oder?" wirft der PJ ein.
"Immerhin liegt die vorhergesagte Nutzungsdauer ohnehin nur bei knapp 3 Jahren."
"Darum geht es doch gar nicht. Wie auch immer, das war ja nicht der einzige
problematische Artikel - wieso haben sie den Nutzern gesagt, sie sollten ihre
Rechner auswaschen, wenn das Netzwerk träge reagiert?"
"Was?! Oh, sie meinen den Vergleich einer Netzwerkverbindung mit dem
Wasserschlauch einer Waschmaschine. Nun, ein größerer Schlauch läßt auch mehr
durch, oder?"
"Ja, aber sie haben geschrieben, die Nutzer sollen ihre Maschinen auswaschen!"
"Nein, ich habe nur geschrieben, daß man als Eigentümer ja möglichst viel Wasser in
der Maschine haben möchte, aber ich meinte damit doch den Datentransfer."
"Und wieso haben sie empfohlen einen Feuerwehrschlauch an die Maschine
anzuschließen?"
"Eine Analogie - großer Feuerwehrschlauch, viele Daten. Es würde doch niemand
ernsthaft daran denken, einen Feuerwehrschlauch ..."
"Der Wachdienst braucht eine ganze Ladung neuer Rechner ..."
"Oh. Aber das ist doch nicht mein Fehler. Selbst sie müssen zugeben, daß sie nicht
gedacht haben, daß die Leute so einfältig sind ...."
"Ja, aber wie ist es mit etwas anderem, daß NICHT so einfältig ist? Wieso haben sie
empfohlen ´Infector´ auf den Rechnern zu installieren?"
"Infector? Nein, ich habe empfohlen, das Programm ´Detektor´ zu installieren. Ich
würde niemals Infector installieren - das ist doch ein Testpacket für die Qualität von
Antiviren-Programmen, das all ihre Dateien zerstört ..."
"Würden sie sich darum kümmern, die Festplatte der Sekretärin des
Geschäftsführers wiederherzustellen?"
"Ich werde den PJ damit beauftragen!" sage ich, als der Chef davonbraust.
"Also wird es wohl kein weiteres Mitteilungsblatt geben?" fragt der PJ.
"Das ist wirklich sehr unwahrscheinlich." gluckse ich.
"Verdammt! Dabei hatte ich noch die Idee, daß alle Nutzer ihren Festplattenplatz als
einen verteilten Massenspeicher betrachten sollen."
"Das klingt viel zu technisch; ändern sie es in ´lassen sie nach der Arbeit ihren
Rechner eingeschaltet und im Netzwerk angemeldet, wenn sie nach Hause gehen´.
Oh, und es ist niemals zu spät für einen kleinen Nachtrag ..."
"Also werde ich mich darum kümmern!"
Ein guter Junge - immer gewillt, sich unsere Nutzer aufzuopfern.


Konfrontiert mit einem uralten Rechner, der die Händler in der Antike begeistert
hätte, findet der B.O.F.H. heraus, daß er mit einem Gummihammer mehr erreichen
kann als ein Ingenieur mit einem Schraubenzieher ....

Es sieht so aus, als stecke ich tief im Schlamassel. Und ein leichter Ausweg ist
leider auch nicht zu sehen. Dummerweise habe ich versucht, einen antiken aber
dringend nötigen Teil unserer Technik zu reparieren, der in den letzten Wochen
täglich mehrere Fehlermeldungen ausgespuckt hat. Gut, es waren nur ´Warnungen´
und alles lief fehlerlos, trotzdem ...
Doch das ist nun alles behoben ... Und wie es das Schicksal wollte, ist die Maschine
vollgestopft mit alten und proprietären Innereien, die so alt sind, daß sie wohl nur
noch von den Staubschichten zusammengehalten wurden, die sich im Laufe der Jahre
angesammelt haben. Doch, wie angedeutet, das war einmal ...
Natürlich ist der Chef ein verständnisvoller Mensch, der es zu schätzen weiß, daß er
nun nicht mehr täglich mit unzähligen E-Mails belästigt wird, die unnötige
Warnungen enthalten, als er mit mir über meine aggressive Herangehensweise an die
Lösung ungelöster Probleme spricht.
"Wenn die Maschine eigentlich lief, wieso haben sie sie dann repariert?!" keucht er.
"Das hat etwas mit der Service-Qualität zu tun", antworte ich und bringe den Ball
vorsichtig ins Rollen ...
"Was meinen sie mit Service-Qualität? Die Maschine lief doch - und jetzt tut sie
das nicht mehr!"
"Sie funktionierte nur teilweise", seufze ich. "Aber sie hätte jederzeit komplett
ausfallen können."
"Und das ist sie ja nun auch!" schreit er.
"Sehen sie jetzt, was ich meine?" frage ich und schalte in den Modus für verwirrende
Logik um.
"SIE HABEN SIE ZERSTÖRT!" ruft er.
"Sehen sie", versuche ich, ihn freundlich aufzuklären. "Die Nutzer lynchen uns, wenn
das Netz ohne Ankündigung ausfällt, oder?"
"Ja?"
"Und wir umgehen das, indem wir Ausfälle ankündigen, oder?"
"Ja?"
"Und das ist ja nun ein angekündigter Ausfall wegen dringender Wartungsarbeiten.
Und die Nutzer sollten das System daher auch nicht benutzen, oder?"
"Oh ... wie?"
"Also gibt es nichts, worüber sie sich BERECHTIGT beschweren könnten?"
"Ich glaube nicht", antwortet er, wobei er etwas verwirrt klingt.
"Und während ich mit ihnen spreche, kann ich mich nicht um die Reparatur kümmern,
oder"
"Oh ... nein ..."
Der Chef verschwindet, nachdem ihm klar wurde, daß wir nach unserem Gespräch
wieder da angekommen sind, wo wir vorher schon standen. Und das bringt uns
wieder auf das eigentliche Problem ...
"Was ist dieses riesige Ding da?" fragt der PJ und deutet auf ein Ungetüm von einer
20 Megabyte-Festplatte in den Innereien der Maschine, die ungefähr soviel Strom
verbraucht wie die halbe Beleuchtung im Rechnerraum. Man muß ihm seine
Unkenntnis nachsehen, denn er ist zu jung, um sich überhaupt an MFM-Festplatten,
Echtzeitspeicherung auf Bändern oder gar 8 Zoll-Disketten erinnern zu können - auf
den Leserbriefseiten der Erwachsenenmagazine findet man derartiges eben nicht ...
"Das", sage ich. "Das haben wir in der guten alten Zeit benutzt, wir nannten es ..."
"Festplatte!" ruft der PJ, nachdem er die ´20 MB´-Markierung auf der einen Seite der
Festplatte gesehen hat.
"Beinahe, aber nicht ganz! Vielmehr ist das" - ich greife zu meinem guten alten
Gummihammer - "ein Anruf bei unserem Vertragspartner, der gleich ..."
BANG! BANG! BANG! SKEEEEeeeeeeereeerrrrrrrrt!
"... notwendig ist."
"Und was wollen sie damit erreichen?" seufzt der PJ.
"Nun, bevor diese Einheit ausfiel ..."
"Bevor sie sie mit ihrem Gummihammer geschlagen haben, meinen sie."
"Ein Hammer übrigens, der keine nachweisbaren Spuren hinterläßt", füge ich hinzu.
"Vorher war es ein Softwarefehler in Verbindung mit einer unbekannten Fehlfunktion
der Hardware."
"Und nun wird der Service-Ingenieur denken, er sei dafür verantwortlich."
"Nachdem er die Festplatte repariert hat ..."
"Genau!"
Wir tätigen einen Anruf, und noch schneller als ein Fesselballon mit einem Millionär
als Kapitän die Welt umrunden kann (mit den Zwischenlandungen), erscheint ein
Ingenieur mit seiner Ausrüstung bei uns.
"Was - die Platte wird nicht in einer versiegelten Verpackung ausgeliefert?" keucht
der PJ.
"Woher wissen wir dann, daß sie neu ist?"
"Das einzige, was diese Ingenieure versiegelt bekommen, ist ihre Bettlektüre",
kommentiere ich. "Nebenbei, es gibt auf dem ganzen Planeten vermutlich nur drei
gleichartige Laufwerke, die zweifellos in Handarbeit durch Schweizer Nonnen
repariert werden, wenn ich mir deren Preise anschaue, wenn sie nicht gerade als
Ersatzteil geliefert werden."
Der Ingenieur repariert schließlich die Maschine - nachdem er dreimal in sein Büro
fahren mußte, um einen Ersatz für die defekte mysteriöse Komponente zu finden, die
auf das Motherboard aufgelötet werden mußte - und wir schalten sie, sehr zur
Freude des Chefs, wieder ein. Er hatte den Fehler in meiner Logik gefunden,
nachdem ihm auffiel, daß ich die Ankündigung für den planmäßigen Ausfall des
Netzes zum Zwecke der Wartung erst abgeschickt hatte, nachdem die Maschine
ausgefallen war.
"Also ist jetzt alles in Ordnung?" will er wissen.
"Ja. Alles läuft bestens."
Zufrieden darüber, daß das Unrecht aus der Welt ist, trottet er zurück in sein Büro,
um darüber nachzudenken, wie er diese Erfahrung als ´gute Beziehung zu den
Nutzern´ darstellen kann. Ich kehre in der Zwischenzeit zu meinem Schreibtisch
zurück und will gerade mit der Arbeit beginnen, als eine E-Mail mit dem Betreff
´System-Warnung´ von der erwähnten Maschine eintrifft. Diesmal verzichte ich auf
den Gummihammer und greife mir seinen Bruder aus Metall.
"Ich bin gleich wieder da", sage ich dem PJ. "Ich muß mich um eine ´Verbesserung´
kümmern."
Wartung ist wirklich eine Arbeit, die niemals endet ...


Konfrontiert mit der Aussicht, mit einem spitzbärtigen Veganer zusammenarbeiten
zu müssen, kann der B.O.F.H. der Herausforderung nicht widerstehen und schickt
den neuen Kollegen mit boshafter Genialität zum Teufel ...

"Uhhhh ..." beginnt der Chef und versucht verzweifelt, sich daran zu erinnern,
weshalb er überhaupt unser Büro angesteuert hat. "Das ist, ähm, Nigel", fährt er
dann fort und zeigt auf einen Spitzbart, der hinter ihm steht. "Nigel wird sich um die
Betreuung der Nutzer kümmern. Da ihr Mitteilungsblatt nicht gerade gut
angekommen ist und sie nicht gern mit den Nutzern zusammenarbeiten, dürfte das
für alle Beteiligten positiv sein. Könnten sie dafür sorgen, daß er einen Schreibtisch,
einen Rechner und ein Telefon bekommt? Bis morgen - das wäre großartig."
Der Chef stiehlt sich mit Nigel davon, noch bevor wir protestieren können.
"Das darf doch nicht wahr sein." stöhnt der PJ.
"ICH WEISS", erwidere ich. "Ein Typ mit Spitzbart in einer technischen Umgebung."

"Was?"
"Ein Spitzbart. Sie wissen schon, ein Typ, der auf Künstler macht - oder, um es auf
die Computerbranche anzuwenden, ein Kauz, der unbedingt ´modern´ sein will."
"Und er gehört dazu?"
"Wenn ich mir seinen Pferdeschwanz anschaue, dann ist er das schlimmste aus
beiden Welten - auf kauziger Künstler, der mit Computern umgehen will. Er wird
einen Escher-Druck mitbringen, seine gesammelten Wired-Ausgaben, einen
Mini-Disk-Player mit Liedern von Cohen und ... einen Rucksack."
"Unfug!"
"Vertrauen sie mir. Bevor wir wissen, was mit uns geschieht, wird er uns Kräutertee
servieren, während er versucht, uns zu Veganern zu machen."
"Sie meinen Vegetarier?"
"Nein, das ist ein alter Hut - jeder Mann und sein Hund ißt heute vegetarisch. Um
wirklich ´dabei zu sein´, muß man heute eine ´Ich fühle wirklich mit den
Tieren´-Gesinnung zeigen. Ich bin schon beinahe so weit, deshalb weiß ich, worüber
ich rede."
"Sie sind doch gar kein Vegetarier!"
"Nein, ich gehöre zur ´Ich kann das Schicksal des Tieres wirklich schmecken´-Sorte.
Ganz speziell bei einem nächtlichen Kneipenbesuch, wo das Leid am nächsten
Morgen vorprogrammiert ist."
"Sie sind voller Vorur ..." sagt der PJ und wird durch Nigels plötzliches Erscheinen
unterbrochen.
"Es gab nicht besonders viel zu sehen, also dachte ich mir, daß ich so früh wie
möglich vorbeikomme. Ist das mein Schreibtisch?" fragt Nigel.
"Ja", sage ich und füge hinzu, daß der PJ sein Telefon und seinen Computer
einrichten wird, er für den Moment aber noch nicht gebraucht wird. Ich gestikuliere in
Richtung Kaffee-Automat.
"Den würde ich ihnen nicht empfehlen", sagt Nigel, als das Gesicht des PJs dessen
vorherigen Kommentar ´Unsinn´ erneut wiederspiegelt.
Ich bin unbeeindruckt von dieser doch recht guten Vorstellung - das ist nur das
übliche Verhalten am ersten Arbeitstag. Schon bald wird er, wenn er sich sicher
fühlt, seinen Tannennadeltee mitbringen. In der Zwischenzeit entrollt er seinen
Salvador Dali-Druck und bringt ihn an der Wand hinter seinem Schreibtisch an.
Nicht exakt das Bild, das ich erwartet habe, doch das Escher-Bild findet sich
schließlich auf seiner Handgelenkauflage.
Eins zu Null für mich, und die Handgelenkauflage ist dabei nur eine Zugabe. Dann
packt er seine Auszeichnungen aus. Mit den Lippen forme ich für den PJ lautlos das
Wort ´Anmaßung´, um ihm klarzumachen, daß es nun Zwei zu Null für mich steht.
Und ich bemerke, daß Nigel seinen Kaffee noch immer nicht angerührt hat.
Der nächste Tag bringt das erwartete Vier zu Null: Nachdem Nigel eine
Kaffee-Pause mit Rosenblütentee und die Mittagspause mit
Apfel-Roggenkorn-Brot, daß mit Sojamilch zubereitet wurde, verbracht hat,
entschließt er sich, seine Pfunde in Bewegung zu setzen.
"Sie haben ja gar keine gedruckte Dokumentation", verkündet er. "Wie sollen die
Nutzer da mit dem Netz zurechtkommen? Zum Glück habe ich noch ein paar Seiten,
die ich für meinen vorherigen Arbeitgeber angefertigt habe, die ich anpassen kann.
Allerdings brauche ich hierzu einen Administrator-Zugang zum Netzwerk."
"Den werden sie selbstverständlich bekommen", erkläre ich ihm freundlich und
verbringe den Rest das Tages damit, ihm zuzuhören, wie er versucht, den PJ von den
Schrecken des Fleischverzehr zu überzeugen.
"WISSEN sie, was sie mit den Tieren machen?" fragt er.
"Sie erschießen sie." kocht der PJ innerlich.
"Und das nennen sie humanes TÖTEN!"
"Ich ziehe auch das gute alte Gewehr vor", werfe ich ein, als ich nicht mehr
widerstehen kann. Nigel springt verärgert auf und verschwindet um zu schmollen.
"Was sollen wir tun?" fragt der PJ und blickt Nigel hinterher. "Der Chef will, daß wir
ihm Zugriff auf die Rechner gewähren."
"Ja", seufze ich. "Aber darüber sollten wir uns nicht den Kopf zerbrechen. Er wird es
nicht lange bei uns aushalten. Nicht mit RSI."
"Aber er hat gar kein RSI", seufzt der PJ verzweifelt.
"Zu zehn Prozent sind es Einflüsse am Arbeitsplatz und zu neunzig Prozent
Einbildung." antworte ich und krieche unter den Tisch, um meine neueste Erfindung
hervorzuholen, auf die ich besonders stolz bin. "Hier sind die zehn Prozent!"
"Das ist eine Tastatur", stöhnt der PJ unbeeindruckt.
"Ja, aber dies ist eine spezielle Tastatur."
"Das ist irgendwie ..." sagt er, als er die Tasten ausprobiert. "... seltsam."
"Ja, meine eigene Erfindung. Jede Taste verhält sich anders - einige lassen sich nur
mit viel oder wenig Druck betätigen, während andere gar nicht reagieren. Ich
garantiere ihnen, daß dadurch die gewünschte Reizung der Hände und Gelenke sicher
ist."
Erwartungsgemäß hält es Nigel noch ganze zwei Tage aus. Natürlich haben wir auch
seinen Arbeitssessel auch so justiert, daß er pro Minute einen Millimeter nachgibt,
die Wiederholfrequenz seines Bildschirms herabgesetzt und seine Teebeutel in
flüssiges Aufputschmittel getaucht. Für einen künstlerisch veranlagten Kauz hat er
trotzdem ziemlich lange durchgehalten. Er hat sich nicht einmal beschwert, als der
PJ ihm ein Pfund Hackfleisch als Abschiedsgeschenk überreichte ...

Es wird Zeit für den PJ, das schützende Nest zu verlassen und in den
Bastard-Orden aufgenommen zu werden. Und er hat es sich wirklich verdient ...

Es ist ein glücklicher Tag für die B.O.F.H.s auf der ganzen Welt, denn der PJ bereitet
sich darauf vor, feierlich in die Bastard-Bruderschaft aufgenommen zu werden. Als
er aus der Herrentoilette herauskommt, richtet er seine schwarze Krawatte und
betritt dann ein Hinterzimmer einer Kneipe, die die ganze Nacht geöffnet hat.
Eine Träne stiehlt sich in meine Augen, als er die Hände der vier Führungsmitglieder
des Ordens schüttelt (von denen ich einer bin) und sich für die mündliche Prüfung
bereitmacht. "Wer hat diesen angehenden Bastard erzogen?" fragt der Große
Bastard.
"Ich." antworte ich feierlich.
"Und sie sind zufrieden mit seiner Theorie, daß Hochspannung und ihre Anwendung
eine Verringerung der Häufigkeit störender Anrufe von Nutzern bewirken kann?"
"Das bin ich."
"Sehr gut." Er wendet sich an den PJ. "Nun wird ihnen jedes Mitglied eine Frage
stellen, die sie beantworten müssen."
Es geht ein wenig förmlich zu, aber Regeln sind nun einmal Regeln.
Der PJ nickt wortlos.
"Sie haben gerade einen Arbeitsvertrag mit einer neuen Firma unterschrieben, die sie
gut bezahlt, aber von ihnen eine Beschreibung ihrer bisherigen Tätigkeiten
fordert - offensichtlich will ihr Arbeitgeber ihnen damit ihr schwerverdientes Wissen
entlocken. Wie sorgen sie dafür, daß der Vertrag trotzdem geschlossen wird und sie
ihr Wissen für sich behalten können?"
Die erste Frage ist immer die einfachste.
"Ah, ich würde ... erklären, daß ich ein frommes Mitglied der Vereinten Kirche des
Hermetismus bin und es mir deshalb nicht gestattet ist, meine Ideen anderen
mitzuteilen."
"Aha ... wobei sie annehmen, daß ihr Arbeitgeber sie nicht aus religiösen Gründen
diskriminieren darf?"
"Ja."
"Und es gibt die besagte Kirche?"
"Ja, ich habe sie vor zwei Wochen gegründet - als uneigennützige Stiftung. Ich habe
ihr all meine weltlichen Güter und mein Einkommen vermacht."
"Sehr altruistisch", kommentiert das zweite Mitglied. "Aber wie ist es hiermit? Sie
stellen fest, daß dem firmeninternen Telefonverzeichnis an ihrem neuen Arbeitsplatz
ein bunter Netzwerkplan beiliegt. Wie verhindern sie, daß die Nutzer ihnen auf der
Nase herumtanzen?"
"Ich würde ein paar Leitungen bei einer ´Erweiterung´ des Netzes mit der
Stromversorgung koppeln und paar Beschriftungen austauschen. Oh, und ich würde
noch 50 zusätzliche Kopien anfertigen."
"Zusätzliche Kopien?"
"Ja, damit würde ich zur Waterloo-Station gehen und sie an französische Touristen
als Netzplan der Metro verkaufen."
"Ausgezeichnet", lächelt das vierte Mitglied. "Ihr Anrufbeantworter ist voll, die
Leitungen ihrer Nutzerbetreuung glühen und ihr Chef kommt in ihr Büro und sieht, daß
sie Quake II spielen. Was werden sie tun?"
"Ähm ... ich würde mich nicht stören lassen und weiterspielen, damit ich später
erklären kann, daß ich unter posttraumatischen Störungen leide, seitdem ich das
Spiel in der Mittagspause gestartet habe - dann würde ich für mindestens sechs
Wochen bezahlten Erholungsurlaub fordern, weil ich unter arbeitsbedingtem Streß
leide, falls es Schwierigkeiten mit den Lohnzahlungen geben sollte."
"Ja .... aber ich erwarte noch etwas mehr als das."
"Oh, sie meinen, daß ich den Applikationsserver dazu benutze, das Spiel auf allen
Rechnern zu installieren, so daß ich behaupten kann, daß alle es spielen würden!"
"Ja, aber ich würde gern noch ..."
"OH, NATÜRLICH! Ich würde die Version auf dem Rechner des Chefs so ändern,
daß sie homoerotische Szenarien zeigt und das Spiel immer dann automatisch
startet, wenn er einen Gast in seinem Büro empfängt."
"Ja, das wäre ein angemessenes Vorgehen!"
Womit nun ich mit meiner Frage an die Reihe komme. "Ihr Tutor für Bastardismus hat
irgendwie herausgefunden, daß sie eine gewisse Summe Geld in einem versiegelten
Festplattengehäuse in einem alten AT-Rechner unter ihrem Tisch versteckt haben."
Ein kurzes Aufstöhnen signalisiert mir, daß dem PJ gerade die praktische Bedeutung
dieses Examens bewußt wurde.
"Nehmen wir, rein THEORETISCH natürlich, einmal an, dies wäre geschehen und ihr
Tutor hat einen nicht unbeträchtlichen Betrag von diesem Geld verjubelt. Welche
Reaktion würden sie als angebracht empfinden?"
"Nun, da wir uns hier auf theoretischem Gebiet bewegen", kocht der PJ vor
unterdrückter Wut. "Nun, ich würde den Betrag mit Geld ersetzen, welches ich in
dem Feuerlöscher mit doppeltem Boden gefunden habe, der hinter dem Schreibtisch
meines Tutors an der Wand angebracht ist. Oh, sagte ich ist? Ich meinte natürlich
war."
DIESER BASTARD!!
"Gut", rufe ich fröhlich und greife nach meiner Geldtasche und dem elektrischen
´Kalibriergerät´ darin. "Ich bin mit diesen Ausführungen zufrieden. Wenn es keine
Einwände gibt, sollten wir zur Bar gehen, um ihr bestandenes Examen zu fei ..."
Das menschliche Nervensystem schickt Nachrichten mit einer Geschwindigkeit von
ein paar hundert Kilometern pro Stunde durch den Körper. Elektrizität auf der
anderen Seite ist ungefähr 800mal schneller. Pro Sekunde.
Und auch wenn ich es für einen kurzen Augenblick geahnt haben sollte, als mein
Daumen die seltsam aufgerauhte Oberfläche des Verschlusses meiner Geldbörse
berührte, ich konnte es nicht mehr aufhalten ...
Nachdem ich aufgehört hatte zu sabbern und die Beleuchtung nicht mehr aus
mindestens 10.000 Kerzen zu bestehen schien, habe ich dem PJ an der Bar ein Bier
gekauft, um mit ihm auf seine Beförderung anzustoßen.
Man muß eben auch verlieren können.


Als der PJ durchdreht, verdient er sich den Respekt des B.O.F.H., was bedeutet, daß
die beiden demnächst wohl an einer Gruppentherapie teilnehmen müssen ....

Der PJ verspätet sich etwas (Schande über ihn!) und ich habe die undankbare
Aufgabe, ihn darüber zu informieren, daß der Chef ihn zu sehen wünscht. Sehr
dringend.
"Wieso eigentlich?" fragt er und wundert sich, weshalb gerade ihm die Ehre eines
persönlichen Gesprächs zuteil wird.
"Oh, es geht um eine Beschwerde." antworte ich.
"Eine Beschwerde?"
"Ja, dieser Linux-Möchtegern aus der Entwicklungsabteilung hat sich über sie
beschwert."
"Welcher Linux-Möchtegern?"
"Sie erinnern sich doch bestimmt - der, dem sie empfohlen hatten, seinen Speicher
mit /dev/null zu verknüpfen."
"Und was ist passiert?"
"Keine Ahnung, seine Maschine stürzte etwa zehn Sekunden später ab ..."
"Aber ich habe nicht ..."
"Natürlich haben sie nicht - das war ich, aber ich habe ihren Namen benutzt."
"Oh."
"Aber was mich wirklich überraschte, als sie ihm an dem Nachmittag anriefen, um
seine Absturzprobleme zu klären, war, daß sie ihm empfahlen, den Prozessor im
laufenden Zustand auszutauschen und ihm einen Ersatzprozessor schickten, dem
einige bedeutenderen Beinchen fehlten. Und als er soweit war, den alten Prozessor
wieder einzusetzen, fand er diesen im gleichen Zustand vor. Seltsamerweise ..."
"Ich BIN wirklich ein Bastard, nicht wahr?" keucht der PJ beeindruckt.
"Ja, ich konnte es auch kaum glauben", stimme ich ihm zu.
"Aber wieso sollte ich das tun?"
"Ich habe keine Ahnung", erwidere ich. "Es könnte sein, daß er sich über ihren, ich
meine natürlich meinen falschen Umgang mit dem Ersatztoner in der vergangenen
Woche beschwert hat. Oder er könnte sich darüber beschwert haben, daß sie sich
immer genervt anhörten, wenn er sie mit seinen Linuxproblemen belästigt hat. Oder
es könnte an der tiefsitzenden Abneigung, die sie für ihn empfinden, liegen."
"Welche tiefsitzende Abneigung?" fragt der PJ.
"Es liegt mir fern, mich mit ihrer Psyche zu befassen, aber sie könnten an wirklich
tief verwurzelten anti-soziopathischen Gefühlen leiden ..."
"Soziopathisch oder anti-soziopathisch?"
"Gibt es da einen Unterschied?"
"Keine Ahnung ...."
Die Unterhaltung mit dem PJ über seine Angewohnheit, Nutzer mit etwas
technischem Verständnis herabzuwürdigen (und die Gründe dafür), wird durch das
Klingeln des Telefons unterbrochen ...
"Oh, ich glaube, hier haben sie eine Chance, das herauszufinden. Anscheinend hat ihr
spezieller Freund aus der Entwicklungsabteilung Probleme damit, daß Befehle wie ps
und einige andere Programme nicht mehr funktionieren."
"Wieso?"
"Nun, ich kann darüber nur spekulieren, aber ich würde meinen, sie hätten ihm
geraten, Verweise auf das /proc-Verzeichnis zu löschen."
"Aber das geht doch gar nicht!!" behauptet der PJ empört.
"Nicht mit den konventionellen Methoden, aber mit dem schnell zusammengehackten
Programm, das sie ihm per E-Mail geschickt haben, war es ganz leicht."
"Oh, also muß ICH den Chef treffen!"
"Ja, das sollten sie. Und es sieht wohl wirklich so aus, als säßen sie in der Falle."
"Er wird mich in der Luft zerreißen", jammert der PJ.
"Oh, ich weiß nicht - aber es könnte schon darauf hinauslaufen, nachdem sie diese
Zeile in die Datei inetd.conf eingefügt haben, die dafür sorgt, daß jede
Telnet-Sitzung auf Port 187 seines Rechners zugreift und Müll in seinen
Kernel-Speicher kopiert ..."
"Ich laufe Amok, oder?"
"Es scheint so. Sie brauchen Hilfe!"
"Wo werde ich Hilfe bekommen?"
"Bei einer Spezialistin. Die Firma hat eine Ratgeberin für diese Art von Problemen."
"Wirklich?"
"Natürlich. Sie erinnern sich doch bestimmt an die Beraterin, die uns als kritische
Fälle von größenwahnsinnigem Machiavellismus bezeichnet hat?"
"Wirklich?"
"Ja, kurz nachdem sie ihr diesen Virus untergeschoben haben, wobei sie vorgaben,
per E-Mail einen Termin vereinbaren zu wollen ..."
"Und wann werde ich zu ihr gehen?!"
"Ich glaube, wir haben morgen beide einen Termin für eine
Gruppentherapie-Sitzung ..."
"Ich kann es kaum erwarten."
"Ah, nun, Gesundheit ist Gesundheit, und ein paar Minuten vorbeugende Therapie
sind allemal drei Stunden bezahlte Freizeit wert ..."


Die Lichter sind eingeschaltet - und zwar alle 2.996 - doch niemand ist da. Das
Engagement des Chefs, der neuerdings überall mithelfen will, endet in einem Anfall
aus Verrücktheit, einer Krankentrage, einer Zwangsjacke und einer Reise in ein
Krankenhaus ....

"Stellen sie sie einfach zu den anderen Kisten." weise ich den PJ an, als er eine
weitere Kiste mit Kommunikations-Zubehör hereinbringt. Meine Aufmerksamkeit
wird abgelenkt durch einen Anrufer, dessen Anruf ich irrtümlich angenommen habe.
Es handelt sich um ein normales Telefon-Problem - nicht gerade schwierig - zumal
der Nutzer das Netzwerk-Werkzeug Nummer 2 in den Händen hält, nämlich den
Kabelschneider.
"Ja, genau. Legen sie das Kabel einfach zwischen die beiden Schnittflächen, ja, und
dann drücken sie." CLICK.
"Haben sie das Telefon des Nutzers abgetrennt?" fragt der PJ.
"Jetzt ja. Noch mehr Kisten?"
"Nein, das ist die letzte. Was für ein Müll ist in den Kisten eigentlich drin?"
"Oh, das sind nur ein paar Kisten mit Leuchten und Piepsern", antworte ich. "Ich
werde sie im Büro des Chefs installieren."
"Das würden sie nicht tun, wenn er nicht erklärt hätte, er wolle sich selber verstärkt
um das Netzwerk kümmern, oder?"
"So ist es. Wenn er uns helfen will, das Netzwerk zu betreuen, warum sollte ich ihn
davon abhalten?"
Der Chef strahlt voller Stolz, als der PJ und ich den Inhalt der letzten Kiste in seinem
Büro installieren. Es erstrahlt jetzt im Schein von mehr als 3.000 blitzenden Lichtern,
von denen jedes mit einem speziellen Piepser verbunden ist, die in verschiedenen
Tonhöhen Geräusche von sich geben können. "Und diese Überwachungstechnik
entspricht der, die sie im Rechnerraum verwenden?" fragt der Chef.
"Natürlich", antwortet der PJ und schraubt die letzte LED fest, die in Wahrheit eine
kleine Kamera ist, damit wir sehen können wie sich unser Experiment entwickelt.
"Gewöhnlich prüfen wir im Abstand von ein paar Tagen, ob es Fehler gibt, aber wenn
sie uns dabei helfen, können wir Netzwerkprobleme wahrscheinlich wirklich rasend
schnell ausmerzen. Das wird gut in den monatlichen Statistiken aussehen."
"Das sieht ja alles sehr beeindruckend aus, aber wie merke ich, daß es einen Fehler
gibt?"
"Oh, dann geht eines der Lichter aus. Ich schaue später noch einmal vorbei, um zu
sehen, ob alles reibungslos funktioniert." sage ich, als der PJ das System einschaltet,
worauf der Raum in einer Kakophonie aus Piepstönen und blendenden Lichtern zu
explodieren scheint.
Als wir das Büro verlassen, werfe ich einen kurzen Blick zum PJ. "Zehn Pfund
darauf, daß er es keinen Tag aushalten wird."
"Die Wette gilt!" antwortet er und wittert leichtverdientes Geld. Nun, er wird es wohl
nie lernen.
Später am Tag wirkt der Chef sichtlich nervöser. Mehr als sonst stürmt er durch die
Gänge, brüllt alle mit Ausnahme des PJs und mir an. Er will nicht zugeben, daß die
Netzwerkbeobachtung seine Fähigkeiten übersteigt.
"Und, wie sieht es aus?" frage ich den Chef und trenne die gesamte vierte Etage vom
Netzwerk in dem Moment, als er gerade auf die Technik starrt, um es zu bemerken.
Eine schnelle Netz-Nachricht informiert den PJ.
"Oh, gut", antwortet er. "Bis jetzt habe ich keine Probleme bemerkt."
Der PJ verpaßt seinen Einsatz nicht. "Uh-oh, die vierte Etage ist ausgefallen!" ruft
er und hämmert wie besessen auf seine Tastatur ein.
Der Chef bricht in Panik aus als ich diskret seufze. "Wir müssen wissen, was
ausgefallen ist. Können sie nachschauen, welche Lichter ausgegangen sind?" Ich
reiche ihm den Netzwerkplan. "Das ist ein Plan aller 3.000 Lichter. Markieren sie
einfach die, die aussehen, als seien sie ausgeschaltet." rate ich ihm freundlich.
Der Chef sieht jetzt wirklich sehr verwirrt aus. Wenn er hier scheitert, wird er dem
Geschäftsführer erklären müssen, wieso er wertvolle Zeit und Technik
verschwendet hat. Also trottet er zurück in sein Büro, während ich ferngesteuert vier
Lichter abschalte und die anderen abblende.
Ein paar Stunden später stehen der PJ und ich noch immer vor seinem Büro, als ein
Nutzer vorbeikommt und sich darüber beschwert, daß das Licht neben dem Schalter
seines Rechners blinkt. Der ständige Einfluß der Netzwerk-Überwachungstechnik
auf den Chef hat eine durchaus zufriedenstellende Wirkung, würde ich sagen. "WIR
ALLE MÜSSEN MIT UNSEREN LICHTERN LEBEN", brüllt der Chef. "ICH ZUM
BEISPIEL HABE TAUSENDE VON IHNEN, DIE BLINKEN, LEUCHTEN UND
PIEPSEN! SIE ALLE BLINKEN, LEUCHTEN UND PIEPSEN! ICH KANN ES
NICHT MEHR AUSHALTEN DIESES BLINKEN, LEUCHTEN UND PIEPSEN!"
Als der Ex-Chef auf einer Trage hinaus befördert wird, jammert er unglücklich in
seiner Zwangsjacke. Der PJ wirkt verunsichert. "Vielleicht waren wir etwas zu hart.
Schließlich wollte er uns doch nur helfen."
Es ist traurig. Nach all der Zeit versteht er noch nicht, daß niemand einem B.O.F.H.
bei der Betreuung eines Netzwerkes helfen kann. Nun, es wird Zeit für den
Elektroschocker - und einen Kaffee mit Abführmittel ...


Eine Therapiesitzung zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls führt dazu,
daß der B.O.F.H. unangekündigte - und wahrlich gewaltige - Wartungsarbeiten an
einem Server vornimmt, doch so schafft die Therapie mehr Probleme als sie lösen
kann ....

Als Ergebnis der teuflischen Handlungen des PJs landen er und ich in einer dieser
Therapiesitzungen, wo alle allen ihre Gefühle mitteilen, wie sie sich und ihren Platz
in der Welt oder in unserer Firma sehen. Als wäre es nicht schon demütigend genug,
Schulter an Schulter mit den Nutzern in einem Zimmer zu sitzen, wird von uns auch
noch erwartet, daß wir ihnen unsere Gefühle und Gedanken mitteilen.
Und natürlich hat der Anzug, der die Sitzung leitet, alle eingeladen, die nach Aussage
des Chefs ganz besonders unter uns zu leiden hatten, die sich als Opfer der
´aggressiven Vorgehensweise bei der Problemlösung´ durch die Netzwerk- und
Systembetreuung fühlen. Theoretisch sollen der PJ und ich, wenn wir mit unseren
ehemaligen ´Kunden´ zusammentreffen, unsere Fehler einsehen und bereuen.
"Nun, wer will anfangen?" lächelt Mr. Anzug und blickt erwartungsvoll in die
Runde ...
Zehn Minuten später sind wir zurück im Büro, weil niemand etwas zu sagen hatte.
Vielleicht lag das am Diktiergerät des PJs - aber er hatte es nur mitgenommen, um
auch später über die Gefühle der Nutzer nachdenken zu können ...
Der Chef, der unsere schnelle Rückkehr bemerkt, spart sich seine ´Ich hoffe, sie
haben ihre Lektion gelernt´-Ansprache. Und - er macht auch keine Anstalten uns für
einen Osterbonus vorzuschlagen.
Da ich zu den aktiven Menschen gehöre, entscheide ich mich, meine Enttäuschung
aus meinem Geist zu verbannen und widme mich der präventive Wartung der
Immobilienverwaltungs-Servers der Erbsenzähler. Schließlich waren sie es, die sich
am lautesten über unseren Service beschwert haben, bevor der PJ und ich den Raum
betraten. (Vorsorglich hatten wir eine Wanze in dem Zimmer plaziert.) Offenbar
läuft der Server ziemlich langsam.
Als wir ihnen gestern mitteilten, daß sie doppelt so viele Programmsitzungen auf ihm
laufen lassen, als sie vorher angekündigt hatten, war das nicht als konstruktive
Kritik aufgefaßt worden und man hatte verärgert reagiert.
"Vorsicht mit dem Hammer", ruft der PJ und duckt sich, um dem Rückschwung
meines bewährten Wartungs-Werkzeuges zu entgehen.
"Ups", sage ich entschuldigend. "Da bin ich wohl etwas zu heftig gewesen."
"Kein Problem - für mich jedenfalls", murmelt er, als er eine Bodenplatte hochhebt
und das Ergebnis meiner ´Wartungsarbeiten´ durch die Öffnung stößt.
"Er braucht ein paar Schläge, aber dann geht er wieder", sage ich und bearbeite das
verschrammte Gehäuse. Und ich betätige den Ausschalter - natürlich unabsichtlich.
Verdammt!
Vor meinem geistigen Augen kann ich den obersten Erbsenzähler sehen, wie er den
Notfallschalter drückt, um die Sicherheit der Immobiliendaten doch noch zu
gewährleisten. Da er nicht an Zufälle glaubt (obwohl es sich diesmal
ausnahmsweise wirklich um einen handelt), muß er glauben, daß es sich hierbei um
den Versuch handelt, unbeobachtet Modifizierungen am Datenbestand vorzunehmen,
was er nicht zulassen kann.
Seufz.
Als ob wir das nicht schon vor vierzehn Tagen gemacht hätten. Während des Tages.
Und angemeldet war ich im System mit seinem Namen. Wenn also die Revision eine
Spur finden würde .... Wie auch immer, das bringt uns jetzt nicht viel, wenn er den
Server mit eigenen Augen sieht, denn dieser sieht aus, als hätte er ein paar Wochen
in Beirut gestanden.
Natürlich ist er nicht gerade erfreut, als der Chef ihn in den Rechnerraum begleitet,
um seine Ängste zu zerstreuen, und den Server sieht.
"Was ist denn mit dem Server passiert?" keucht er, als er das kampferprobte
Gehäuse sieht. "Er ist völlig verbeult!"
"Nun, nichts hält ewig - die Abnutzung ..."
"Er ist doch erst zwei Monate alt."
"Zwei Monate sind eine lange Zeit in der Computerbranche." werfe ich ein.
"Nebenbei, er wirkte schon etwas verbeult, als die Lieferanten ihn aufgestellt
haben." ergänzt der PJ.
"Warum haben sie dafür unterschrieben?"
"Nun, er startete problemlos." sage ich.
"Großer Gott, er sieht aus, als hätte man ihn mit einem Hammer bearbeitet. Sind sie
sicher, daß die Lieferanten dafür verantwortlich sind?"
"Nun, die Lieferanten trifft etwas Schuld, aber die Reinigungskräfte haben ihnen
bestimmt nicht unwesentlich dabei geholfen."
"Wir lassen die Reinigungkräfte nicht in diesen Raum." unterbricht der Chef.
"Ja, das weiß ich", antworte ich traurig. "Deshalb mußte ich es ja tun."
"Also haben sie die Maschine zerstört?"
"Ich fürchte, daß es so ist", seufze ich. "Ich bin ein Systembetreuer, aber keine
Reinigungskraft."
"Und ich bin ein friedfertiger Mensch, kein Krieger, der sich mit seinem Kollegen
anlegt", fügt der PJ hinzu, der zum Frühstück vermutlich eine Überdosis
Magnetkopfreiniger zu sich genommen hat.
Das humorvolle Zwischenspiel wird unterbrochen durch den Server, der auf den
Boden stürzt, als die Schrauben, die sein Gehäuse hielten - und die während der
Wartung gelockert wurden - die Verbindung mit dem Regal verlieren.
Das weitere Geschehen nach diesem kleinen Unfall muß nicht weiter erwähnt
werden, aber es genügt wohl, wenn ich sage, daß wir uns am nächsten Morgen in der
Gruppentherapie wiederfinden, wo Mr. Anzug und Konsorten auf uns warten.
"Nun, wer will anfangen?" fragt Mr. Anzug wohlwollend.
"Ah, ich würde gern ..." sage ich. "Ich will meine Gefühle mit ihnen teilen."
Seufz ...


Der Kneipenbesuch des PJ, der junge Schönheiten sehen will, gleicht einem
Überraschungsangriff. Und das ist nur der Anfang ....

Ich lande früh am Arbeitsplatz (nun, rechtzeitig zum morgendlichen Tee), um
herauszufinden, daß einer unserer Router über Nacht ausgefallen ist und es nötig
war, den PJ zu rufen, um ihn wieder zu starten. Und da der Chef etwas gegen
Überstunden hat, muß der PJ nun die entsprechende Zeit abfeiern, statt dafür
zusätzlich bezahlt zu werden. Zumindest ist das die offizielle Version.
Die vom B.O.F.H. interpretierte Version sieht so aus: Der PJ hat die Nacht mit
Alkoholmanövern verbracht, den Fahrplan der Metro vergessen und mußte mit einem
Taxi heimfahren - nur hatte er sein gesamtes Geld dabei verbraten, sich zu
besaufen. Also packte er die Gelegenheit beim Schopf, seine Unkosten als
nächtliche Wartungsarbeit abzurechnen und sich nebenbei noch Zeit zu verschaffen,
um sich von den Strapazen der nächtlichen Kämpfe zu erholen.
Plan 17b aus dem Großen Buch der Entschuldigungen: Schalte ein wichtiges Gerät
aus, warte eine Stunde und schalte die Maschine wieder ein. Rufe dann ein von der
Firma bezahltes Taxi für die Heimfahrt und feiere die Überstunden am nächsten
Morgen ab ...
Ich prüfe das oberste Fach im Schreibtisches des PJ, falls er sich während seines
´Nachteinsatzes´ wirklich genötigt sah ´Daten hochzuladen´, doch alles sieht gut
aus, also setze ich mich, um die Zeitung zu lesen. Ein paar Stunden später stolpert
der PJ herein, sein Gesicht sieht aus, als sei es als Türklopfer benutzt worden.
Schließlich erfahre ich die Geschichte vom PJ - er war in der Nacht in einem Pub um
´Vögelchen zu beobachten´ und folgte einer ´Einladung´ zu einem mitternächtlichen
Cocktail-Trinkgelage. Gereizt durch einen Tom Cruise-Verschnitt hinter der Theke
sah er sich genötigt, ein Streichholz anzuzünden und es in den Ausguß für
alkoholische Getränke zu schnippen ... ein Verhalten, das der große Prahlhans gar
nicht als akzeptieren wollte. So ist man wohl, wenn man diese Art Arbeit macht.
Erwartungsgemäß fühlt der PJ sich nicht besonders gut und es wäre unserem Ruf
bestimmt nicht förderlich, wenn ich ihn mit der Liste der Nutzer, denen nicht mehr zu
helfen ist, losschickte ... Also, warum nicht? "Ah, hier ist die Liste der Nutzer mit
unbrauchbarer Technik, über die ich gestern sprach - wenn sie sie besuchen und sich
um ihre Probleme kümmern könnten ..."
Ich bin überzeugt, er weiß die Gelegenheit zu schätzen, die ich ihm verschafft habe,
um mit einen Nutzer über die Schwierigkeiten der korrekten Einstellung von Kontrast
und Helligkeit bei seinem Monitor zu diskutieren ... Ich hole mir das Bild der
Überwachungskamera, die eine der Kabinen in der vierten Etage zeigt, auf den
Monitor, um zu sehen, wie er sich schlägt ...
"Also werden ihre Termine immer eine Stunde später angesetzt als bei den anderen?"

"Ja. Glauben sie, daß das mit den Zeiteinstellungen zusammenhängt?"
"Schon möglich", murmelt der PJ langsam. "Aber wir sollten dieser Sache wirklich
auf den Grund gehen und nicht nur die Symptome bekämpfen."
"Könnte es an der Sommerzeit liegen?" fragt der Nutzer hilfsbereit.
"Nein, das ist nur eine kleine Komplikation. Der wahre Grund dürfte darin bestehen,
daß es dem System nicht möglich ist, die festplattenbasierten Daten für die
Zeitzonenkonfiguration zu finden."
Aha, Finden und Festplatte im gleichen Satz - er will die gute alte
F(ind)DISK-Lösung versuchen.
"Könnte es nicht die RAM-Batterie auf dem Motherboard sein?"
"?" blickt der PJ den Nutzer an und denkt über einen noch teuflischeren FDISK-Plan
nach.
"Sie wissen schon, die Batterie, die die Uhr weiterlaufen läßt."
"Nun, wenn es das wäre, würde die Einstellung der Uhr bei jedem Start
zurückgesetzt werden." erklärt der PJ.
"Oh."
"Wissen sie, es könnte ein Kapazitätsproblem der Batterie sein!"
"Batteriekapazität?!"
"Ja, sie kennen doch den Speichereffekt bei Nickel-Cadmium-Akkumulatoren, der
mit dem Eigenwiderstand der Batterie zusammenhängt?" sagt der PJ und appelliert
sichtlich an den ´technischen Verstand´ des Nutzers.
"Oh, ja."
"Nun, Batterien haben ebenfalls eine Kapazität, speichern also praktisch eine
gegenpolige Spannung, die die Nutzspannung der Batterie verringert, wenn ihre
Maschine abgeschaltet ist, was sich dann in einem verringerten
Spannungsunterschied äußert."
DUMMY-MODUS EIN!
"Duh-huh."
"Was kann man da tun?"
"Nun, für solche Fälle habe ich einen Spannungsverstärker in meinem Büro, der die
falsche Kapazität der Batterie beseitigen kann ..."
Fünf Minuten später ... "Ist das kein Stroboskop mit einem Kabelende da, wo sonst
die Lampe ist?"
"Ha ha ha", lacht der PJ. "Nein, aber ich muß zugeben, daß es beinahe so aussieht.
Doch das ist nur ein ... Kapazitäts-Schutzschild."
"Oh."
"Und nun verbinden wir nur noch diese Kabel, etwa so, schließen den
Kapazitätsverstärker an und schalten ihre Maschine ein ... treten sie zurück ... und
schalten das Kapazitätsschild ein ..."
Eine kleine Explosion später .... "Zum Glück haben wir den Übeltäter ausgemacht!"
keucht der PJ. "Diese Batterie scheint wirklich für die Probleme verantwortlich
gewesen zu sein."
"Aber meine Maschine ist ruiniert!"
"Nein, ist sie nicht - sehen sie, der Prozessor macht sich gut als Anhänger! Und
diese DIMM-Speicher sehen bestimmt gut aus, wenn sie sie in ein Mobile
einbauen!"
"Ab ... Aber ..."
"Nein, nein, danken sie mir nicht - seien sie glücklich, daß wir den Fehler rechtzeitig
beseitigt haben! Oh!" Er hat den Laptop auf dem Schreibtisch des Nutzers entdeckt.
"Hat ihr Laptop das gleiche Problem?"
"NEIN!" ruft der Nutzer niedergeschlagen und preßt den Laptop an seinen Körper.
"Nun, dann kann ich ja gehen." Und wieder ein unzufriedener Nutzer ...


Was kann man gegen inkompetente Nutzer unternehmen, die nur nerven? Man gibt
ihnen die Chance, sich selbst einen elektrischen Schlag zu verpassen, plaziert
Magnete in seinem Monitor und setzt die Reinigungskräfte auf ihn an ...

Ich nehme Anrufe entgegen, weil der PJ einen Urlaub macht und ich deshalb
niemanden habe, gegen den ich Quake spielen kann. Es sind die üblichen
Beschwerden sogenannter ´Power-Nutzer´ aus der Werbeabteilung, die wissen
wollen, wieso sie den Netzwerkdrucker nicht benutzen können.
Da ich relativ entspannt bin, sage ich ihnen nicht, was ich über ihre geistigen
Fähigkeiten denke, da sie offensichtlich unfähig sind, entsprechende Mitteilungen zu
lesen, die ich vor etwa einem Monat auf den Anschlagtafeln hinterlassen, am
fraglichen Drucker angebracht und mittels E-Mail allen geschickt habe, als der
Wartungsvertrag für den Drucker auslief.
Aber sie rufen noch immer an. Trotzdem der Drucker schon vor einer Woche
abgeholt wurde und nun ein Mitarbeiter in der Kabine sitzt, in der der Drucker
installiert war ... Trotzdem ihnen der neue Mitarbeiter gesagt hat, daß das Monster,
das zwei Seiten in der Minute verschluckte nicht mehr da ist.
Ich beruhige meine Gedanken, da ich nur zu gut weiß, daß ich mich darüber nicht
aufregen sollte. Meine Entschlossenheit wird durch den Bastard (L)User from Hell
auf eine neue Probe gestellt. Das Wort Inkompetenz in Bezug auf seine technischen
Fähigkeiten zu verwenden, wäre beinahe Hochstapelei - er könnte nicht einmal
seinen Hintern finden, wenn man ihm eine anatomische Karte, einen Kompaß, einen
Spiegel und eine Kerze geben würde. Tatsächlich ist es so, daß man ihm ganz legal
Organe entnehmen könnte, würde die Aktivität seines Gehirns noch etwas
abnehmen. Aber der Chef hat ihn unter seine Fittiche genommen - wieder eine seiner
Missionen, mit der er guten Willen demonstrieren will.
In dieser Woche hat er mich schon dreimal angerufen, weil seine Maschine gehackt
wurde (die Feststelltaste war gedrückt, als er sein Passwort eingegeben hat). Er hat
ebenfalls angerufen, um zu melden, daß er den ´Keine Systemdiskette. Drücken sie
F1´-Virus hat, und um zu sagen, daß unsere Server-Zeit der Zeit seiner
sprechenden Uhr um drei Sekunden hinterherhinkt.
Und noch immer beobachtet der Chef unsere Service-Bemühungen voller Neugier.
Das Telefon klingelt.
"Meine Maschine hat mich wieder ausgesperrt!" platzt der Nutzer heraus.
"Ist es wieder die Feststelltaste?" frage ich.
"Natürlich nicht!" stößt er hervor.
"Und welche Meldung kommt, wenn sie ihr Passwort falsch eingegeben haben?"
"Ich gebe mein Passwort nicht falsch ein! Ich schreibe es immer auf den Boden
meiner Tastatur, um ganz sicher zu sein!"
"Natürlich tun sie das", antworte ich ein wenig entgeistert über die Versuche der
Nutzer, ihre Arbeit zu sichern. "Und was meldet der Computer, wenn sie das
Passwort ... ähm ... korrekt eingeben?"
"Er meldet gar nichts!"
"Aha. Und haben sie das Passwort am Morgen geprüft?"
"Natürlich! Ich kann mich schließlich nicht immer an alles erinnern!"
"Und haben sie den Tastaturstecker von der Rückseite ihres Rechners abgezogen?"
Ein paar verräterische Geräusche später ... "Nein, habe ich nicht." Der
Lügendetektor meldet: ´Lügner! Lügner!´, so daß ich mir schon ausmalen kann, was
gleich kommt.
"Oh, jetzt hat es geklappt - muß wohl ein Wackelkontakt gewesen sein ...."
Seufz.
"... Aber ich festgestellt, daß der Tastaturstecker ein wenig locker sitzt."
Richtig! Das ist es! "Ja, das ist ..." Ich blättere schnell in meinem Ausredenkalender.
"... Oh! Da ist es ja - das ist das Kohlenstoff-Dioxidationsproblem."
"Was?"
"Die Oxidation von Kohlendioxid in der Luft läßt den Kunststoff schrumpfen.
Deshalb macht ihr Monitor vielleicht auch bald komische Geräusche."
"Oh."
"Natürlich können sie das beheben. Haben sie eine Topfpflanze in ihrem Büro?"
"Ja, ich habe ein paar davon."
"Gut, stellen sie eine davon hinter ihren Rechner und eine auf ihren Monitor - das
wird das Kohlendioxid aus der Luft entfernen ... "
"Natürlich! Danke für den Tip."
"Kein Problem. Sorgen sie jetzt nur dafür, daß die Pflanzen immer gut gegossen
werden, damit sie dieses Oxygen produzieren können. Viel Wasser."
Fünf Minuten später steht der Chef mit den schlechten Nachrichten über Mr.
Inkompetenz im Büro. Er hat es überlebt. Und er hat nur seinen Monitor und eine
Sicherung zerstört. Offensichtlich kann er sich nicht einmal selber unter Strom
setzen. Also muß ich jetzt einen Ersatzmonitor für ihn bereitstellen.
Nachdem ich den Monitor installiert habe, kehre ich gerade rechtzeitig in mein Büro
zurück, um das Klingeln des Telefons zu hören. Er will wissen, weshalb die Farben
seines Monitors so falsch aussehen. Nur um ihn loszuwerden, erkläre ich ihm, daß
dafür die zwei Magnete aus Diskettenlaufwerken am Boden des Monitors
verantwortlich sind, doch damit gebe ich, ernsthaft betrachtet, auf. Aber ich bin
niemand, der so einfach aufgibt! Es wird Zeit, die Reinigungskräfte zu alarmieren.
Später erzählt mir der Chef die blutigen Details. "... Und dann ist er scheinbar
gestolpert und hat Unmengen von Wasser über seine Maschine vergossen." erzählt
er. "Ein ziemlich dummer Zufall, wenn man einmal darüber nachdenkt."
"Also braucht er einen anderen Monitor?" frage ich.
"Eigentlich nicht. Der Mann von der Reinigung hat ihm dabei geholfen, den
Schlamassel aufzuwischen und hat dabei die Hand von Dave versehentlich in ein
Schrankfach eingeklemmt - dreimal!"
"Oh. Nun, alles ist gut, wenn das Ende gut ist. Wie auch immer, ich habe keine Zeit,
ich bin mit Mike im Pub verabredet."
"Dem Mann von der Reinigung?"
Manche Fragen läßt man lieber unbeantwortet ...


Was für ein Typ wird der neue Chef wohl sein? Der B.O.F.H. ist erst beunruhigt,
doch dann entspannt er sich, als er eine verwandte Seele spürt, die ihm sogar ein
paar neue Tricks beibringen kann ...

Es ist ein Dienstagmorgen, an dem der neue Chef seinen Dienst antritt, nachdem der
alte sich in den ´Vorruhestand´ verabschiedet hat. In den Büros wartet man nervös
darauf, wie der neue Chef wohl sein wird. Ich bleibe dagegen ganz ruhig, denn ich
weiß, daß er früher oder später bei uns vorbeischauen muß.
Es gibt ein paar Kategorien, in die man einen Chef einordnen kann. Da gibt es den
Typ, der sich in seinem Büro verschanzt und niemanden verärgern will, den
aufdringlichen ´Sagen sie mir, was sie WIRKLICH DENKEN´-Typ und, als
schlimmste Variante, den ´Bananen-Republik-Diktator´-Typ.
Der neue Chef scheint zur ersten Kategorie zu gehören, da er bisher sein Gesicht
noch nicht den Truppen gezeigt hat ...
Doch dann kommt eine große Kiste mit mir als Empfänger im Büro an.
Allerdings erwarte ich zur Zeit keine Lieferung - mit Ausnahme eines kleinen
Schecks von der Manager-Vermittlung, den ich immer dann bekomme, wenn sie uns
etwa dreimal im Jahr einen neuen Chef schicken.
Eine schnelle Inspektion der Kiste ergibt, daß sie eine für das gesamte Unternehmen
ausreichende Anzahl von Kopien einer Software zum Datenbankzugriff enthält, die
wir bisher aber noch gar nicht benutzen. Sekunden später wird eine weitere Kiste
geliefert, die den entsprechenden Datenbank-Server enthält, wenn ich mich nicht
irre. Hmmmm ...
Da ich die Kisten nicht bestellt habe, lasse ich sie wieder zurückgehen.
Der wirkliche Urheber der Bestellung erscheint, als der neue Chef uns Anweisungen
erteilt, wie, wann und wo wir das System installieren sollen.
"Oh, ich habe alles zurückgeschickt, weil ich es nicht bestellt habe." rufe ich.
"Aha. Nun, ich habe es gestern bestellt", wirft er schnell ein. "Und ab jetzt werde
ausschließlich ich Soft- und Hardware bestellen."
BANANEN-DIKTATUR-ALARM!
"Oh. Und wofür brauchen wir diese Software doch gleich?"
"Ich will die Finanzverwaltung auf ein neues System migrieren, das leichter zu
verstehen und zu warten ist." (Er hat einen Freund, der bei einer kleinen Firma
arbeitet, die Finanzlösungen programmiert.) Das gefällt mir nicht.
"Ich weiß nicht, wo der Vorteil liegt, denn die bisherige Software wird von den
Mitarbeitern ja auch beherrscht."
"Ähm, aber die neue Software ist nach ISO 98000 zertifiziert", schwärmt er.
"98000?" fragt der PJ. "Aber wir sind doch erst bei ISO 9000."
"Nun, die 98000 ist eine Kombination aus der ISO 9000 und der weniger bekannten
ISO 8000 - die sich mit sicheren Finanztransaktionen befaßt." erklärt er. "Sorgen sie
dafür, daß die Software schnellstmöglich installiert wird."
Irgendwie glaube ich ein Tier zu riechen, das einen grauen Pelz und eine Vorliebe für
Lebensmittelabfälle hat.
Ich lasse eine kurze Suche über die ISO-Titel laufen, um ganz sicher zu gehen.
Nachdem ich die ISO-Wächter dreimal aus ihrem Büroschlaf geweckt habe (für ihre
Trägheit sind sie ja bekannt), finde ich meinen Verdacht bestätigt.
Dann beginne ich mich zu wundern ... Dieses Verhalten kommt mir irgendwie
bekannt vor.
Ich untersuche die Software eingehender. In den blitzenden CD-Hüllen finde ich
einmal beschreibbare CDR-Medien, die mit Filzstift beschriftet wurden. Meine
Neugier steigt. Als ich die angegebene WWW-Adresse aufsuche, begrüßt mich die
Mitteilung, daß die Seite neu gestaltet werde.
Hmmm ... Ich entscheide mich dazu, den Chef damit zu konfrontieren.
"Ja, ja, es handelt sich um ein global agierendes Unternehmen mit vielen wachsenden
Kunden, so daß sie keine Zeit haben, SSL-gesicherte Webseiten mit
Java-Suchalgorithmen zu entwerfen." antwortet er.
Gute Antwort. Eine Antwort, die man erwarten würde von einem Ba ...
"Mein Rechner hat Probleme", erwähne ich im Vorbeigehen. "Ich glaube, daß das
Diskettenlaufwerk müßte einmal gereinigt werden müßte."
"Wirklich?" sagt er. "Das sind vielleicht ... hmm .... transiente
Überspannungsschleifen im Magnetkopf."
"Sind sie sicher?" frage ich und sehe meine Vermutung bestätigt.
"Ja. Und sie müssen die Überspannungsschleifen mit einem magnetischen Entstör-
Gleichrichter beseitigen. Sie haben doch einen?"
"Nein."
"Nun, ich denke, sie können bei Problemen auch einen Hammer und einen
Schraubenzieher benutzen." schlägt er vor. "Sie schieben einfach den
Schraubenzieher in das Laufwerk bis sie auf Widerstand stoßen ..."
"... und prügeln dann das Leben aus dem Laufwerk heraus, bis nur noch der Griff des
Schraubenzieher herausschaut?" frage ich.
"J-Ja, woher wußten sie das?"
"Sie sind ein Bastard", antworte ich.
"Nein, bin ich nicht!"
"Doch, sie sind einer. Und sie sind noch nicht registriert ...."
"Nein, das bin ich durchaus - ich bin ein FBMFH", sagt er verschmitzt. Ein Mitglied
der Freimauerischen Bastard Manager from Hell! Ich bin beeindruckt.
"Gut. Also, was geht hier vor?"
"Nun, man gründet ein paar ´produzierende´ Unternehmen, schreibt schnell ein
Programm und sucht sich dann irgendwo einen Managerposten, wobei man die
Empfehlungen der eigenen Firmen benutzt. Dann kauft man das eigene Programm,
das alle Probleme lösen kann, zu einem künstlich überteuerten Preis ein und
akzeptiert dann gegen Zahlung einer hohen Abfindung die frühzeitige Kündigung,
wenn das ganze Unternehmen Probleme bekommt."
"Womit nur noch zwei Fragen bleiben." sage ich.
"Was ist für sie drin und wann platzt die Bombe? Nun, ich denke ein paar Tausender
in Form von Abrechnungen für ´externe Beratungen´ und, hmmm, der nächste
Mittwoch?"
"Mittwoch?"
"Ja, ich bin sicher, daß sich ein tödlicher Virus auf den Installationsmedien befindet."

"Dafür werde ich sorgen!" rufe ich.
Es macht doch immer wieder Spaß, mit Profis zu arbeiten.


Ein paar neue Nutzungsmöglichkeiten für die Klimaanlage und den Hauptrechner
machen den Chef nervös, während der PJ sein Hühnchen mit Pilzauflauf nicht zu
knusprig will ....

Der Chef hat herausgefunden, daß ich den Hauptrechner mit den vier Prozessoren
dazu nutze, mein Mittagessen warmzuhalten und ist deshalb nicht gerade erfreut.
Ich wäre sicher damit durchgekommen, wenn ich nicht noch eine Extraportion
Bratensoße verlangt hätte, die irgendwie ein Loch in die Papiertüte hat und auf die
Platine des Rechners tropfte.
Die Leute aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung sind nicht gerade erfreut
darüber, denn sie haben die Maschine benutzt, um eine Serversoftware einem
Belastungstest zu unterziehen, mit dem sie herausfinden wollten, wie viele Anfragen
die Server-Software gleichzeitig beantworten kann.
Natürlich war ich auch nicht gerade erfreut - nicht, nachdem ich herausgefunden
hatte, daß die Probleme durch die Abwärme eines Prozessors verursacht wurden, die
für das Loch in der erwähnten Tüte verantwortlich war. Ein echter Rückschritt
bezüglich der Belastbarkeit neuer Hardware ...
Also befindet der Chef sich jetzt auf dem Kriegspfad, um sicherzugehen, daß nicht
auch noch andere Geräte ´unpassend´ benutzt werden.
Und als hätte ich es nicht geahnt, schafft er es bei seinen ahnungslosen
Wanderungen durch das Haus, über den Schlauch zu stolpern, der die Kühlerschlitze
eines alten Servers mit dem zentralen Vakuumreinigungssystem verbindet.
"WAS ZUM HENKER SOLL DAS SEIN?" schreit er.
"Ah, das ist das zentrale Vakuumreinigungssystem."
"Und weshalb ist es mit dieser Maschine verbunden?"
"Nun, sie wissen doch, wie empfindlich Prozessoren auf Staub und ähnlichen
Schmutz reagieren? Ich lasse das Reinigungssystem laufen, damit sich kein Staub in
den Rechnern ansammelt."
"Aber das ist das INNERE der Maschine! Wie soll denn Staub hineingelangen?"
quietscht er.
Ich entscheide mich, Klartext zu reden. "Erinnern sie sich noch daran, daß ich ihnen
sagte, daß das Reinigungssystem zusammengebrochen sei?"
"Ja. Und?"
"Nun, das tat es wirklich. Und auch wenn die Chancen 1 zu 1.000.000 standen, es lag
daran, daß der Beutel, der den Staub aufnehmen sollte, platzte. Und da habe ich
festgestellt, daß der alte Rechner mit seiner Kühlanlage eigentlich gut geeignet ist,
Staub von den anderen abzusaugen."
"Sie benutzen diesen Server als Staubsauger?!?" schreit er und sieht seine
schlimmsten Befürchtungen bestätigt.
"Nun .... Ja."
"Sind sie geisteskrank?! Was ist mir der Brandgefahr?"
"Machen sie sich keine Sorgen. Wir leeren das Gehäuse immer dann, wenn der Staub
aus dem Diskettenlaufwerk herausquillt. Und, nebenbei, die Prozessoren in der
Maschine werden so selten genutzt, so daß sie sich kaum aufwärmen!"
"Ich kann es nicht glauben!" murmelt er mit leidverzerrtem Gesicht und schüttelt den
Kopf.
"Also nehme ich an, daß wir ihnen lieber nicht sagen sollten, was wir mit den
Luftschächten der Klimaanlage gemacht haben." erwähnt der PJ hilfsbereit.
"Die Luftschächte?" schreckt der Chef zusammen, der nicht wirklich wissen will,
welchen Ärger wir ihm bereiten könnten, den seine Neugier aber zu dieser Frage
zwingt.
"Nun, wir bewahren etwas Technik in ihnen auf - aber nur die Geräte, die wirklich
heiß werden", gesteht der PJ.
"Ich ....", murmelt der Chef, dessen Gedächtnis für Momente auszusetzen scheint.
"Wieso?"
"Nun, sie werden eben zu heiß für den Rechnerraum, also haben wir sie in den
Luftschächten installiert, wo sie immer schön gekühlt werden und auch perfekt
funktionieren."
"Und was passiert im Winter, wenn die Klimaanlage warme Luft liefert?"
"Oh, wir dachten, daß wir dieses Problem dann lösen, wenn es akut wird."
Die Fantasie des Chefs läßt ihn zuckende Flammen, die sich durch die Luftschächte
im gesamten Gebäude ausbreiten, sehen, also zieht er lieber murmelnd ab.
"Maschinen in den Luftschächten? Das ist doch ein wenig sinnlos, oder?" frage ich.
"Ja, nun, ich mußte mir etwas einfallen lassen. Und nebenbei, ich mußte das sagen
oder die Wahrheit, daß wir die Sicherungsbänder der Erbsenzähler auf der letzten
Weihnachtsfeier als Dekoration benutzt haben."
Ein Keuchen aus der Tür zeigt uns, daß der Chef wieder etwas spüren kann. Ein
schneller Blick in sein Gesicht sagt mir, daß er dieses Problem auf die harte Tour zu
lösen gedenkt.
"Natürlich, ich bedaure den verantwortlichen Manager." rufe ich.
"Ich auch", kommentiert der PJ gemäß der Regel aus dem Bastard-Buch der
Entschuldigungen, nach der sowieso immer das Management für die Taten der
Untergebenen verantwortlich gemacht wird.
"Ja, ich möchte nicht in der Haut des Managers stecken, wenn die Prüfer
dahinterkommen, daß wir ihre Sicherungsbänder zerstört haben."
"Ich auch nicht", sagt der PJ. "Das könnte so aussehen, als hätte die Firma etwas
vor dem Finanzamt zu verbergen."
"Hat das Finanzamt nicht eine Nummer für anonyme Tips?" frage ich.
"Sie können mir keine Angst machen!" ruft der Chef. "Ich bin nicht verantwortlich für
die Versäumnisse meiner Vorgänger."
"Natürlich sind sie nicht verantwortlich!" stimme ich zu. "Nein, man wird uns
rauswerfen - und ein paar Tage später wird das gesamte Netzwerk der Firma
zusammenbrechen, weil die restliche IT-Belegschaft mit den Problemen nicht fertig
wird. Ich würde es hassen, Manager dieses Durcheinanders sein zu müssen."
"Nun, das ist dann der Fehler des IT-Chefs, aber nicht mein Problem!" ruft der Chef.
"Ja." erwidert der PJ trocken. "Ich bin sicher, daß er die Verantwortung übernehmen
und nicht einfach einen Untergebenen über die Klinge springen lassen würde."
"Dann werde ich nur noch meine Kündigung einreichen", seufzt der Chef schließlich
und schleicht gebrochen davon.
"Oh, und könnten sie nach dem Hühnchen und dem Pilzauflauf im Applikationsserver
sehen?" ruft der PJ ihm nach. "Ich mag es nämlich nicht, wenn es zu knusprig ist ..."


Das verwegene Duo entwickelt einige hinterhältige Taktiken, um ´ungeeignete´
Bewerber für den Posten des Chefs zu entlarven. Hoffentlich haben deren Hosen
wenigstens die richtige Farbe ...

Als Teil eines Versuches, die Mitarbeiter fühlen zu lassen, daß sie in die
Entscheidungsvorgänge eingebunden sind (ein neuer Gedanke aus der
Wohlfühl-Abteilung), wurden der PJ und ich gebeten, uns die Lebensläufe der
Bewerber für den Posten unseres Chefs anzuschauen.
"Schauen sie, als Hobby gibt er Philatelie an ..." liest der PJ vor.
"... das Sammeln von Münzen und, na sowas!, das Verbreiten von Langeweile. Und
vorher hat er an ... einer Universität und bei einer ... Bank gearbeitet."
"Und hat er seine Filmkarriere erwähnt?"
"Seine Filmkarriere?"
"Ja, ganz offensichtlich war er der Star von ´Ein mehr als langweiliges Leben´".
"Mmmm?" murmelt der Mann aus der Personal-Abteilung.
"Nichts. Der nächste Kandidat bitte!" rufe ich.
"Weg damit!" ruft der PJ und schiebt den Lebenslauf in den Aktenvernichter. "Der
nächste Bewerber kommt aus ... Leeds, seine Hobbies sind Fettbemmen und die
Pflege von Hühnern. Musikalisch mag er die Bayerischen Rülps-Chöre."
"Irgendwie glaube ich nicht daran, daß ihre Bemerkungen auf Fakten beruhen",
kommentiert der Personaler weinerlich.
"Nein", stimmt der PJ. "Tatsächlich handelt es sich um Schweine und knackige
Hintern."
"Das bedeutet, er kommt aus der Oberschicht von Leeds."
"Meine FRAU kommt aus Leeds!" wirft der Personalmensch verärgert ein.
"Wirklich?" rufe ich unfähig, mich zurückzuhalten. "Welche Position hat sie
bevorzugt?"
"WAS!?!"
"Rugby! Sie wissen doch, in Leeds kommen nur Rugby-Spieler."
"Ich glaube, da haben sie einen wunden Punkt angeschnitten", sagt der PJ, nachdem
der Personalmensch offensichtlich leicht verärgert hinausstürmte.
Schneller als man ´Umschalten auf den Backup-Server´ sagen kann, bekommen wir
einen Ersatzmann aus der Personal-Abteilung - diesmal die etwas robustere
Ausgabe, die sonst nur zum Einsatz kommt, wenn sie jemandem mitteilen wollen,
daß sie sich freuen würden, sein Kündigungsschreiben entgegennehmen zu können.
"Gut, dann schauen wir uns einmal diese Bewerber an", sagt er und greift zur
nächsten Bewerbermappe. "15 Jahre IT-Erfahrung, Management-Kenntnisse,
Microsoft-Zertifikate, verschiedene erfolgreich besuchte Weiterbildungskurse zur
Netzwerk- und Systemverwaltung ..."
"Das klingt mir zu technisch", beschwere ich mich.
"Wie kann ein Manager ZU VIEL von Technik verstehen?!"
"Wenn ihr Verstand zu technisch geprägt ist, dann stören sie uns bei der Arbeit."
"Ich glaube kaum, daß das eine Entschuldigung ist für ...."
"Diese Typen verbringen ihre Arbeitszeit lieber damit, irgendwelche Bagatellfehler
zu beheben, die sie zu verantworten haben, als bunte Statistiken über
Kosteneinsparungen, verbrauchten Speicherplatz etc. anzufertigen, die das höhere
Management immer so glücklich machen. Also wird die Geschäftsleitung sich
fragen, wer ZUM TEUFEL einen solchen inkompetenten Manager eingestellt hat."
"Hmmm. Das könnte stimmen", sagt der Personalmensch, der eine Gefährdung
seines Arbeitsplatzes wittert. "Was schlagen sie vor?"
"NÄCHSTER!" rufe ich und schiebe den Lebenslauf in das mülleimerbasierte
Verschlüsselungsgerät. "Ich bin sicher, daß es JEMANDEN mit den richtigen
Fähigkeiten gibt."
"Gut", ruft der PJ und hält ein Foto hoch. "Dann kommen wir zu DIESEM feinen
Herrn."
"ICH BITTE SIE!" rufe ich aus, denn ich kann mich nicht mehr zurückhalten.
"SCHAUEN SIE SICH DIESE HOSEN AN! Welche Farbe ist das? Ein dunkles Pink
oder ein leuchtendes Lila?"
"Sieht nach lila aus", sagt der PJ. "Ein linkshändiger Golfer ...?"
"Sie meinen, er ist schwul?", sagt der Personaler. "Was hat das mit ...?"
"Nun, uns ist das egal, aber sie kennen doch die Homophobie des Geschäftsführers."

"Ich kann nicht glauben ..." antwortet er und fragt sich offenbar, in welchem
Jahrzehnt er sich befindet. "... aber sie könnten richtig liegen."
"Das war wirklich etwas boshaft, oder?" fragt der PJ später.
"Boshaft trifft es nicht ganz. Für den Anfang habe ich dem Bild die passenden
Farben verpaßt."
"Sie Bastard!"
"Und zweitens ist er ein Freund des Geschäftsführers. Ich kann es kaum erwarten,
daß der Personaler ihm die Ablehnung mitteilt und als Grund seine Vermutung angibt,
daß der Bewerber schwul sein könnte."
Der Rest des Tages vergeht ähnlich, wobei wir einige Bewerber ablehnen, die an
mehr als einem Microsoft-Training teilgenommen haben (Gefahr der
Gehirnwäsche!), einen Bewerber, der einen Lada fährt (zu wenig Ehrgeiz) und
schließlich (darauf bin ich besonders stolz) einen Bewerber, der in Balham wohnt
(der Langweiligkeits-Faktor).
"Alles für den morgigen Tag vorbereitet?" frage ich den PJ am Ende dieses Tages.
"Ja, ich habe es geschafft, sieben Lebensläufe auszusortieren, die recht
vielversprechend aussahen."
"Haben sie sie in den ´Eingangs-Stapel´ in der Personal-Abteilung geschmuggelt?"
"Ja, unter die von ihnen aussortierten Schreiben - der offenherzige
Klebstoffschnüffler war doch von ihnen, oder?"
"Genau - ich dachte, wir könnten ihn ausnahmsweise akzeptieren, damit es nicht so
aussieht, als würden wir alle Bewerber ablehnen."
Es ist schon lustig, daß man mit etwas Mühe auch die eigenen Ansprüche etwas
zurückschrauben kann ...


Die Kandidaten, die sich zu einem Vorstellungsgespräch mit dem B.O.F.H. und dem
PJ einfinden, sind zu bemitleiden. Nachdem sie an der offiziellen
´Betriebsbesichtigung´ teilnahmen, finden sie sich auf dem Parkplatz wieder ...

Nach der anstrengenden Auswahl potentieller Nachfolger für den Posten des Chefs
sind nur noch wenige Kandidaten übriggeblieben, von denen einer sogar nur
außerhalb unserer wahrnehmbaren Welt existiert ...
Die hartnäckigen Leute aus der Personal-Abteilung bestehen also darauf, daß wir
uns mit drei Bewerbern zum Gespräch treffen.
Unser erstes Opfer ist ein ehemaliger Technikmanager, dessen ´technische´
Fähigkeiten darin bestehen, daß er die Fahrtrichtung der U-Bahn korrekt
voraussagen kann.
Wir treffen uns in einem Verhandlungsraum der Wohlfühl-Abteilung und lauschen
dem Typen aus der Personal-Abteilung, der darüber referiert, was die Firma macht,
wo sie ihre Filialen hat, was sie wert ist ...
Die Augen des Bewerbers beginnen abwesend zu glänzen (natürlich hat er kein
neues Actionspiel auf seinem persönlichen Assistenten installiert, das er gegen den
PJ spielen könnte).
Plötzlich merke ich, daß die monotone Stimme des Personalers fehlt. Also blicke ich
hoch, um festzustellen, daß er mich erwartungsvoll anstarrt.
"Hmmm", sage ich und spiele tiefes Nachdenken. "Ähmmm, nur eine Frage noch -
wenn sie eingestellt würden, wo würden sie ihre Rolle bei der Beschaffung von neuer
Technik und Software für die Nutzung in der Firma sehen?"
"Eine gute Frage", antwortet er, immer bemüht, nicht zu herablassend zu klingen.
"Ich würde mich hauptsächlich mit der Analyse, der Installation und dem Test neuer
Ausrüstung beschäftigen. Sie als technikorientierte Menschen sind ja sicher eher auf
die Handarbeit orientiert - das Lösen von Problemen, die die Nutzer quälen, und
ähnliches - also werde ich mich um neue Technik und Software kümmern, damit sie
sich ganz ihren Aufgaben im Rahmen der Nutzerbetreuung widmen können."
"Aha", kommentiere ich vieldeutig. "Nun, das beantwortet meine Frage - vielleicht
haben sie Interesse an einer Betriebsbesichtigung?"
"Das wäre großartig!" ruft er fröhlich in der Annahme, daß eine Betriebsbesichtigung
bedeutet, ihm sei der Posten sicher.
"Hervorragend", antwortet der Personaler. "Simons Assistent wird sie sicher gern
durch unsere Firma führen und sich um sie kümmern."
Der PJ nickt und begleitet Bewerber Nummer Eins nach draußen.
Bewerber Zwei erscheint, und er gleicht dem ersten, mit der Ausnahme, daß er noch
weniger kompetent im Umgang mit Technik ist - wenn dies einem Menschen
überhaupt möglich sein sollte.
Ich lehne mich zurück, um ein weiteres Kapitel der Firmengeschichte
kennenzulernen ...
"ENTSCHULDIGUNG! Ich muß mit meinen Gedanken wohl etwas abwesend
gewesen sein!!" rufe ich, als ich aufschrecke. "Ich habe die Nacht damit verbracht ...
ähm ... die ... die Verfügbarkeit der Bandmaschinen zu sichern."
"Haben sie noch Fragen an diesen Bewerber?" fragt der Personaler.
"Nur eine", murmle ich und wiederhole die Frage, die ich vorhin gestellt habe.
"Nun, ich werde natürlich einen gewissen Einfluß auf Einkaufsentscheidungen
nehmen - prüfen, ob die Technik oder die Software den Anforderungen der Firma
genügt etc., aber davon abgesehen werde ich es ihnen überlassen zu entscheiden, ob
die Bedürfnisse der Nutzer befriedigt werden."
Hm, knapp am Ziel vorbei ist auch vorbei.
"Vielleicht haben sie Interesse an einer Betriebsführung", kommt mir der Personaler
zuvor. Ein Nicken zum PJ ist so gut wie ein Wink, also sind sie augenblicklich
verschwunden.
Der dritte Kandidat ist aus dem gleichen Holz geschnitzt wie seine Vorgänger. Er
verschwindet zur Betriebsbesichtigung als der Vertreter der Personal-Abteilung
zum Lebenslauf des letzten Kandidaten greift. "Ich muß zugeben, daß dieser
Lebenslauf sehr beeindruckend aussieht", sagt er. "Ich glaube, wir werden ihn und
den ersten Bewerber zu einem zweiten Gespräch einladen, wenn er hält, was der
Lebenslauf verspricht."
"Oh, der erste Bewerber wird nicht zurückkommen, fürchte ich." wirft der PJ wie
zufällig ein.
"Und weshalb wird er nicht zurückkommen?"
"Nun, sie sagten, wie sie sich sicher erinnern, ich solle mich um ihn kümmern ..."
"Ja - und ihn ein wenig herumführen!"
"Oh! Ich fürchte, daß ich ihre Anweisung falsch interpretiert habe."
"Sie haben doch nicht etwa schon wieder das Feuerlöschgas im Rechnerraum
getestet?"
"Uh ..."
"Mein Gott!" ruft der Personaler. "Das kann doch nicht wahr sein!"
"Ich kann es auch kaum fassen!!" rege ich mich auf. "Wissen sie eigentlich, wie
teuer das Löschgas ist? Und denken sie an die Ozonschicht!"
Der Personaler sieht aus, als würde er gleich explodieren ... weshalb wir ihm wohl
besser nicht sagen sollten, daß der PJ die beiden anderen Kandidaten am
Hinterausgang in der Tiefgarage ausgesetzt und versprochen hat, daß wir uns bei
ihnen melden würden, wenn die Hölle zufriert.
"Wie konnten sie nur annehmen, daß ich das meinte ..."
"Aber so habe ich ihre Anweisung auch ausgelegt!" rufe ich.
"Aber wir sind doch ein Unternehmen und nicht irgendeine Untergrundbande!"
"Was der Geschäftsführer dazu wohl sagen wird ...." keucht der PJ.
Ich schüttle den Kopf, so daß der PJ (wie geplant) verstummt.
Zwei Tage später ist der Arbeitsvertrag bestätigt und die drei beteiligten Personen
haben Stillschweigen über die genauen Umstände vereinbart.
Er glaubt, daß wir ihn nicht anschwärzen und als Gegenzug hat er, ohne
Vorstellungsgespräch, den Kandidaten als Chef eingestellt, den wir uns gewünscht
haben - den es in Wirklichkeit gar nicht gibt, sondern nur auf dem Papier ...


Der B.O.F.H. und der PJ genießen das Leben und fühlen sich hochmotiviert durch
ihren neuen ´logischen´ Chef Roger. Doch besondere Maßnahmen lassen sich nicht
vermeiden, als der IT-Chef den Braten riecht ...

Wir verleben eine herrliche Zeit, da wir keinen Chef haben, und nutzen die Situation
nach besten Kräften aus.
Nun, wenn ich sage, wir hätten keinen Chef, so meinte ich natürlich einen Chef aus
Fleisch und Blut. Den virtuellen Chef haben wir installiert und gestartet - kurz:
/dev/roger (und /dev/rroger/, wenn er uns schmutzige Witze erzählt).
Seinen gesamten ersten Tag hat er damit zugebracht "Klienten zu treffen", dann hat
er sich am zweiten Tag krankgemeldet. Damit habe ich etwa eine Woche Frist
erkauft, bevor die ersten mißtrauischen Fragen gestellt werden - ob ihn überhaupt
schon jemand gesehen hat, um ein Beispiel zu nennen. In der Zwischenzeit
"telekommuniziert" er regelmäßig mit dem PJ und mir.
"Ich habe gerade eine E-Mail von ihm bekommen", erkläre ich dem PJ. "Es sieht so
aus, als findet er meine Idee, in die USA zu fliegen gut, um zu untersuchen, was ...
ich habe keine Ahnung. Darüber werde ich mir nach meiner Rückkehr Gedanken
machen. Hat er ihnen auch eine E-Mail geschickt?"
"Ich arbeite gerade daran", antwortet der PJ. "Anscheinend soll ich einige Zeit damit
verbringen, die RJ45-Sockel in den Bodenplatten in der Sekretärinnen-Abteilung zu
überprüfen, um allzeit gute Verbindungen zu gewährleisten."
"Sie perverser kleiner Bastard!" murmle ich neidisch.
Unser Pläneschmieden wird durch den Chefbuchhalter unterbrochen.
"Ah, haben sie Roger gesehen?" fragt er und schaut sich neugierig um.
"Roger kuriert seine Krankheit aus." antwortet der PJ.
"Schon am zweiten Arbeitstag?"
"Ja, anscheinend hat er sich einen dieser 48-Stunden-Viren eingefangen, aber er hat
eine Nummer hinterlassen, damit er im Notfall erreichbar ist." erkläre ich und reiche
ihm einen Notizzettel mit der Telefonnummer eines Anschlusses außerhalb Londons.

Er nimmt den Zettel, spielt sichtlich mit dem Gedanken, den neuen Chef anzurufen
und marschiert dann davon.
"Er wird es tun." murmelt der PJ.
"Machen sie sich darüber keine Sorgen. Ich bin mir sicher, daß er sich stundenlang
mit meinem Stimmenerkennungs- und Antwortprogramm unterhalten kann, das ich
mit den üblichen Schlagworten gefüttert habe."
"Sie haben was?"
"Stimmenerkennungs- und Antwortprogramm - das ist ein Programm, das zuhört und
wie ein Mensch antwortet. Wie eine modifizierte Version dieses alten
Lisa-Programms und ähnlicher psychiatrischer Programme."
"Er wird den Braten riechen ..."
"Nicht unbedingt. Das Programm ist so konfiguriert, daß die Stimme so klingt, als
hätte der Sprecher jede Menge Pillen geschluckt, um eine Krankheit zu bekämpfen.
Pillen, die Nebenwirkungen auf den Geisteszustand haben können."
"Also ist das wie eine Gespräch mit ..."
"... jemandem, der sich nur schwach an die Dinge erinnern kann; ein Betrunkener, ein
Drogenabhängiger, ein Softwarelieferant, der ihnen das Blaue vom Himmel
vorlügt ..."
"Hmmm ...." murmelt der PJ noch nicht ganz überzeugt.
Ich mache ein paar Anrufe, um sicherzugehen, daß meine Reise und das Hotel
gebucht sind und die Buchungen auch nicht mehr rückgängig gemacht werden
können, falls der Notfall eintritt. Und Roger hat gerade vorgeschlagen, daß ich in der
Business Class fliegen soll, so daß ich erholt ankomme und wirklich alle
Informationen in mich aufnehmen kann, die mir präsentiert werden.
Doch das Ende von Roger läßt sich nicht aufhalten. Und diesmal ist es der IT-Chef,
der sonst eigentlich wenig Notiz von uns nimmt, der es einleitet. Er steht dem
Vorschlag unseres Chefs, daß die Nutzer nur dann von uns unterstützt werden, wenn
sie uns in einem Quake 2-Deathmatch besiegen können, nicht gerade positiv
gegenüber. Nun, das und die riesige Rechnung für Bücher aus der Fachbuchhandlung,
deren Kauf uns die früheren Chefs untersagt hatten, weil sie ein Vermögen kosten ...
"RICHTIG!" ruft der IT-Chef, als er mit Bücher-Rechnungen, die locker unser
Budget übersteigen, hereinstürmt. "DAS IST DAS ENDE!"
"Ja", seufze ich und greife zu einem schwarzen Band, das ich mir um den Arm
wickle. "Es ist furchtbar."
"In der Blüte seines Lebens!" schnieft der PJ mitleiderregend.
"Warum müssen die Besten immer so jung sterben?" jammere ich.
"Worüber zum Teufel sprechen sie?" stößt der IT-Chef hervor.
"Roger ...!" keuche ich und kämpfe mit den Tränen. "... von uns gegangen!"
"In der Blüte seines Lebens!" wiederholt der PJ.
"Wovon sprechen sie?" fragt der IT-Chef verwirrt.
Ich schiebe ihm die vorbereitete Titelseite einer Boulevardzeitung hin.
"´IT-Manager von Software-Lieferant überfahren´. Oh mein Gott ... Aber das stand
nicht in meinen Exemplar, das ich am Morgen bekam."
Dieser ...!
"Ah ... das ist die Pendlerausgabe", antworte ich und denke schneller als ein
übertakteter Pentium III. "Die Ausgabe mit den letzten Neuigkeiten und
Ergänzungen."
Er überfliegt den Artikel auf der Suche nach Anzeichen, daß ich ihn belüge, während
ich mir vornehme, ein paar Todesanzeigen in den Zeitungen von morgen zu schalten,
damit er unsere Geschichte kauft.
"Sollten sie nicht eigentlich in einem Taxi sitzen?" fragt der PJ im richtigen Moment.
"Oh, das STIMMT! MEIN FLIEGER!"
"Ihr Flieger?" fragt der IT-Chef.
"Ja, ja, ich bin ziemlich spät dran - der PJ wird es ihnen erklären - Roger hätte es so
gewollt!" stoße ich hervor.
"Nein, ich denke, es wäre sein Wunsch gewesen, daß der Lieferwagen ihn verfehlt
hätte", höre ich den PJ murmeln, als ich davonstürme.
Die Kunst der Zurückhaltung hat offenbar einen großen Bogen um ihn gemacht.
Nun, ich bin mir sicher, daß er sich in der nächsten Runde mit
Vorstellungsgesprächen gut machen wird.


Der PJ mischt sich in Dinge ein, die er nicht versteht. Es geht um Maureen, bekannt
für ihr dauerndes Jammern über ihre ´kaputten Programme´. Der B.O.F.H.
entscheidet sich, dem PJ eine teure Lektion zu erteilen ...

"Ich weiß ja nicht, wie es IHNEN geht", erklärt der PJ zufrieden, als er zu später
aber noch akzeptabler Stunde am Nachmittag ins Büro kommt. "Ich jedenfalls habe
heute wirklich etwas vollbracht!"
"Das habe ich auch. Sehen sie, ich habe hier eine voll funktionsfähige Vorabversion
von Quake III ergattert. Meine Grafikkarte wird allerdings leider noch nicht
unterstützt!"
Kaum habe ich das gesagt, wird mir bewußt, wie erbärmlich das war, denn es
erinnert mich an die Computer-Süchtigen, die auf Konferenzen und Messen sich
abends an der Bar Geschichten erzählen .... Ich sollte mir wohl eine
Elektroschocktherapie in einem progressiven Club verschreiben, den ich bei der
nächsten Gelegenheit besuchen muß, wenn diese kranke Fixiertheit auf Computer
wieder nach mir greift.
"Wie auch immer", fasse ich zusammen. "Worüber sprachen sie?"
"Ich", zwitschert der PJ und plustert sich auf wie Paul Gascoigne, der einen anderen
Trinker an der Bar zu vorgerückter Stunde beeindrucken will. "Ich habe in einer
ganzen Etage die Kabel zwischen den Rechnern und den Netzanschlüssen erneuert."

"Warum?" frage ich unschuldig, doch ich kenne die Antwort eigentlich schon.
"Möglicherweise ..." antwortet er und macht eine Pause, um den dramatischen Effekt
zu erhöhen. "Möglicherweise liegt es daran, daß DIESE Kabel in keiner Weise die
Cat-5- Spezifikationen erfüllten."
Er hält ein paar Kabel hoch, die ich, das muß ich zugeben, vor vielen Monden für
einen verdächtig niedrigen Preis angeschafft HABE ...
"Sehr vorausschauend", erwidere ich und bin beinahe bereit, meine Niederlage in
dieser Sache einzugestehen. "Sagen sie mir nur noch, ob es die dritte Etage war."
"Wieso? Dort hat man sich doch am meisten über Netzwerkprobleme beschwert."
Die eigene Anschauung ist, so wird jedenfalls behauptet, der beste Lehrer, selbst
wenn das Lehrgeld sehr hoch ist. Er ist noch jung, aber er wird es lernen.
"Haben sie auch Maureens Kabel ausgetauscht?" frage ich.
"Natürlich."
"Maureen, die sich notorisch bei uns beschwert?"
"Sie scherz ..."
Seine Antwort wird jäh durch das Klingeln des Telefons unterbrochen.
"Das wird Maureen sein", erkläre ich. "Sie haben alle Programme auf ihrem
Computer zerstört."
"Das habe ich nicht!"
"Diese zehn Pfund sagen, sie hätten es getan."
"Die Wette halte ich", antwortet er und fühlt sich sicher.
"Sie haben alle meine Programme zerstört!" jammert sie prompt durch die
Freisprechanlage.
Ich greife mir den Zehner und versuche dabei, ein höhnisches Grinsen zu
unterdrücken.
"Ich habe nur das Kabel für ihren Netzwerkanschluß ausgetauscht", antwortet der
PJ.
"Das muß meine Programme zerstört haben", erwidert sie. "Noch am Morgen haben
sie funktioniert."
"Was läuft denn alles nicht?" fragt der PJ.
"Alle Programme funktionieren nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr anmelden!"
"Und das Passwort für ihren Bildschirmschoner ist korrekt?"
"Ja."
"Und das Licht für die Feststelltaste leuchtet nicht?"
"N ... ja. Aber das leuchtet immer!" lügt sie.
"Gut, dann drücken sie die Feststelltaste noch einmal und versuchen es erneut."
"Das wird nicht ... Oh, meine Maschine läuft jetzt."
"Jetzt leuchtet das Licht für die Feststelltaste nicht mehr?"
"Ja, aber ich habe vorher ein wenig an dem Kabel gewackelt, bevor ich es erneut
versuchte. Es liegt bestimmt am Kabel ..."
Sie beendet den Anruf und der PJ legt kopfschüttelnd auf.
"Wetten wir um das Doppelte, daß sie in zehn Minuten wieder anruft?"
"NATÜRLICH!"
Zehn Minuten und zwanzig Pfund später versucht der PJ, Maureen verständlich zu
machen, daß das neue Kabel die Dateien, an denen sie gearbeitet hatte, gar nicht
löschen kann. Weitere zehn Minuten und zwanzig Pfund später erklärt der PJ
Maureen, daß das neue Kabel ihre Email nicht löschen könne, sie stattdessen keine
E-Mail bekomme, weil niemand ihr eine schicken würde. Und er verspricht ihr auch,
eine Test-E-Mail an sie zu schicken.
Fünf Minuten und vierzig Pfund später erklärt der PJ, daß er das Spiel ´Doppelt oder
nichts´ nicht mehr mitmachen würde und erklärt, daß er ´Bestähtigung´ falsch
geschrieben habe und das neue Kabel für Tipp- und Schreibfehler nicht
verantwortlich sei.
"Was soll ich nur tun?" fragt der PJ, nachdem der neue Chef (erregt) hereinkommt
und fragt, was er der Maschine dieser armen Frau angetan hat.
"Worin besteht ihre Sünde?" frage ich.
"KEINE SÜNDE! Ich habe nur das Kabel ausgetauscht. Wenn ich gewußt hätte,
was noch passiert, hätte ich sie gemieden wie die Pest!"
"Sie wird bemerkt haben, daß alle anderen Rechner nun weniger Probleme
haben - jetzt, da das neue Kabel verlegt ist ..."
"Aber wie können wir ihr Problem lösen?" plärrt der PJ.
"Das ist nicht unsere Sache", sage ich und greife zum Telefon. "Wir leiten das
Problem weiter."
Ich rufe den Chef zurück und erkläre ihm, daß wir herausgefunden haben, daß eines
der Kabel fehlerhaft ist. Ahnungslos und neugierig wie er ist, entscheidet er sich
dazu, es selbst auszutauschen. Der arme Kerl. Als der PJ und ich später nach Hause
gehen, hören wir, wie er ihr bei dem Problem der Feststelltaste hilft ...
"Ich schätze, ich schulde ihnen ein Bier?" fragt der PJ.
"VIELE Biere!"
Eigene Erfahrungen sind wirklich großartige Lehrer, aber das Lehrgeld ...


Nachdem sie von den Erbsenzählern hintergangen wurden, entwickeln der B.O.F.H.
und sein Gefährte ein paar unorthodoxe Testmethoden ...

Ich schaue in das Innere eines PCs - der PJ hat mich darum gebeten, vermutlich weil
er etwas gesehen hat, daß ihm gar nicht gefiel. Und wenn ihm etwas nicht gefällt,
dann will das etwas heißen ...
Ich fahre fort, die Posten auf meiner Liste abzuhaken. "Festplatte, geprüft; Pentium
II 300 MHz, geprüft; 128 MB RAM, geprüft; 512 kb L2 Cache, ge ...."
Ich stutze. Was beim ersten Blick wie ein L2 Cache-Baustein aussieht, ist nichts
anderes als eine Nachbildung aus Plastik. Ich überprüfe meine Vermutung, indem ich
die Nachbildung aus der laufenden Maschine entferne. Und auch nach einem
Neustart ändert sich nichts an meiner Diagnose.
"Wir wurden bestohlen!" wende ich mich atemlos an den PJ, als ich den
Inventaraufkleber der Firma am Gehäuse des Rechners bemerke.
"Woher haben sie den Rechner?"
"Ich?" antwortet der PJ. "Ich habe ihn nirgends herbekommen."
"Nun, ich habe ihn nicht bestellt, wir sind die einzigen in der Abteilung, die Technik
bestellen könn ... DIE ERBSENZÄHLER!"
"Sie haben es erraten", kommentiert der PJ. "Die Erbsenzähler haben den Rechner
selbst bestellt, weil die Technik, die wir bestellen, ihnen ´zu teuer´ ist - sie können
sie 200 Pfund billiger bekommen."
"Und um ein paar Komponenten ärmer ...."
"Dann kleben sie den Inventaraufkleber drauf und nehmen ihn in Betrieb. Allerdings
scheinen diese Rechner nicht so gut zu funktionieren ..."
"Aufhänger, Abstürze und ähnliches?"
"Uh-huh."
"Ist der Rechner übertaktet?" frage ich und kenne schon die Antwort.
"Ja - und sie versuchen, einen 6 Volt-Lüfter mit neun Volt zu betreiben."
"Die von der 12 Volt-Leitung kommen?"
"Ja, der 11.7 Volt-Leitung bei diesem Modell. Sie benutzen ein paar Widerstände."
Seufz.
"Aber sagen sie mir jetzt nicht, daß wir die Rechner jetzt reparieren sollen!"
Der PJ deutet gestikulierend auf eine Ansammlung von Rechnern in der Ecke.
"Werfen sie sie in den Müll!" rufe ich und treffe dabei eine Entscheidung, die einige
Manager ganz bestimmt verärgern wird.
"Was geht hier vor?" fragt der Chef, der gerade rechtzeitig in Begleitung eines
Managers aus der Erbsenzähler-Etage hereinkommt, der ihn um Beistand gebeten
hat.
"Das ist ein nicht genehmigter Computer-Einkauf."
"Genehmigt, nicht genehmigt; wo ist da der Unterschied? Warten muß man die
Geräte so oder so!" wischt der Chef meinen Einwand weg.
"Genehmigte Technik ist Technik, die wir geprüft haben, Technik, die verschiedene
Tests bestanden hat."
"Mein Laptop hat ihre Tests nicht durchlaufen und funktioniert trotzdem!" mischt
sich der Erbsenzähler-Chef ein. "Obwohl das Licht hinten am Gerät doch etwas
schwach leuchtet."
Ich spare mir den üblichen Kommentar - ein Faß voller Fische, ein Gewehr ...
"Es kann ja sein, daß alles läuft, aber wenn wir es nicht getestet haben, können wir
uns auch nicht um die Wartung kümmern." murmle ich, während der PJ das
Dokument mit den Betriebsregelungen der IT-Abteilung hervorkramt und schließlich
auf die entsprechende Textstelle deutet. Dagegen kann auch der Chef nichts
einwenden.
Fünfzehn Minuten später hat der Erbsenzähler uns seinen Laptop zum Testen
überlassen. Weitere fünfzehn Minuten später lassen wir den Laptop von der Decke
auf den Tisch fallen.
"Hat das Spuren hinterlassen?" frage ich.
"Ganz geringe", bemerkt der PJ und blickt auf die Kratzer auf der Oberseite des
Testtisches.
"Aber wir wiederholen den Test lieber, um ganz sicher zu gehen ..."
Leider taucht der Eigentümer des Rechners wenig später auf, um uns dabei zu
ertappen, wie wir Dartpfeile auf seinen Laptop werfen.
"WAS ZUM TEUFEL MACHEN SIE DA?"
"Fließkommatests", murmle ich. "Was jetzt noch bleibt, ist die Int Spez." (Natürlich
geht es hier um den SPEC INT-Benchmark, aber bei der Übersetzung bietet sich Int
Spez an, wie man noch sehen wird. [thomas w.])
"Int Spez?" fragt er und starrt auf die verbeulten Überreste seines Laptops.
"Ja, das ist ein Test der Leistungsfähigkeit von Rechnern."
"ICH WEISS, WAS DAS IST!" schreit er.
"Nun, wir sind gerade dabei, diesen Test durchzuführen."
"Und WIE wollen sie das bewerkstelligen?"
"Ich prüfe, ob das Gerät eine fremde SPEZies INTegrieren kann, den Hund des
Hausmeisters zum Beispiel."
"Das ist doch lächerlich! Geben sie mir meinen Computer!" stößt er hervor. Was, rein
zufällig natürlich, ungefähr dem entspricht, was dem Scharnier auf der Rückseite
beim Sturz des Gerätes auf den Boden passiert.
"GIBT es etwa auch einen Test für Bodenhaftung?" fragt der PJ. "Davon wußte ich ja
noch gar nichts."
Überraschenderweise stürmt der Erbsenzähler ohne Antwort davon. Sein Ziel ist
offenbar das Büro des IT-Chefs.
"In Ordnung: Es scheint einen Zusammenhang zwischen der Aktivität von
Wichtigtuern und dem Ausfall von Rechnern zu geben. Wir müssen Rechner testen!
Schnell, werfen sie sie zu mir herüber und passen sie auf, daß sie keine
Testmarkierung vergessen. Wir wollen schließlich gründlich arbeiten!"
"Richtig", stimmt der PJ zu. "Alles andere wäre ja unprofessionell, nicht wahr?"


Ein einsamer B.O.F.H. muß sich selbst um Unterhaltung kümmern. Gehversuche
eines Managers, Bewegungssensoren an Türen und dampfende Getränke warten auf
ihren Auftritt ...

Ich langweile mich! Der PJ macht Urlaub, so daß es niemanden im Haus gibt, gegen
den ich in einem Quake II-Deathmatch antreten könnte. Und so bleibt mir nur noch
diese eine Möglichkeit - ich muß mich selbst um Unterhaltung kümmern.
"Sie sind einfach großartig!" erklärt der Chef des Wachdienstes auf meine Frage
nach dem Sinn der neuen elektronischen Mitarbeiterausweise, die die alten
Magnetkarten abgelöst haben. "Die Nutzer müssen nicht mehr mühsam in ihren
Brieftaschen nach ihren Karten suchen und wegen der Bewegungssensoren wird es
auch keine Probleme mehr mit verschmutzten Magnetkartenlesern geben - sie sind
einfach genial! Und außerdem können wir verfolgen, wie die Leute sich durch das
Haus bewegen. Das ist großartig!"
"Und für uns ist das ebenfalls sehr nützlich", freut sich der Chef der
Personalabteilung. "Wenn wir das mit der Telefonanlage verbinden, werden Anrufe
immer auf das Telefon in dem Raum umgeleitet, in dem man sich gerade aufhält. Das
ist ein Geschenk des Himmels!"
"Also sind wir alle begeistert und ich sollte nun die Rechnungen für die neue
Telefonanlage und das neue Kartensystem übernehmen?"
Der Chef hält einen kurzen Augenblick inne, in dem er an die Pluspunkte denkt, die er
für diese Entscheidung bekommen kann, bevor er sich entscheidet ...
"Und die Nutzerverfolgung WIRD WIRKLICH nur durch den Wachdienst genutzt
werden, oder?"
"NATÜRLICH!" rufe ich aus - denn ich weiß, daß dieses neue Produkt nicht so
leistungsfähig ist wie das Programm, das wir in den vergangenen zwei Jahren dazu
benutzt haben, die Nutzerbewegungen zu verfolgen. "Es wird nur zwei Stationen
geben, an denen die Daten abgerufen werden können. Die eine steht im Büro des
Chefs des Wachdienstes und die andere unten beim Eingang."
"Wenn das so ist, wo soll ich unterschreiben?" fragt er und lächelt zufrieden.
Alle lächeln beglückt, als der Chef sein Signum unter die preislich akzeptablen
Rechnungen gesetzt hat.
"Was bedeutet ´TEST-PROGRAMM´ eigentlich genau?" fragt er, als sein Blick auf
diesen Begriff im Kleingedruckten fällt.
"Das bedeutet, daß wir die Software für einen ermäßigten Preis bekommen, wenn wir
uns bereiterklären, sie über Fehler und Probleme des Programms zu informieren."
"PROBLEME mit der Software?" fragt der Chef vorsichtig.
"Ja, sie kennen das doch bei unserer gesamten Technik - nur WILL der Lieferant
diesmal, daß wir ihn über Schwierigkeiten informieren, damit er sie beseitigen kann!"
"Und dafür bekommen wir einen PREISNACHLASS?!" fragt er ungläubig. Offenbar
kann er unser Glück gar nicht fassen. Ich versichere ihm noch einmal, daß es so ist,
was ihn zufriedenstellt.
Da ich keine Zeit vertrödeln will, schnappe ich mir die unterschriebenen Rechnungen
und bringe sie zu den Erbsenzählern.
Das Problem mit solchen Systemen ist, daß sie im Normalfall niemals ihr volles
Potential zeigen können, bis jemand wie ich kommt, der über den Tellerrand
hinausblicken kann und sich die Zeit nimmt, sich zum Besten für alle mit ihnen zu
beschäftigen - und für das eigene Vergnügen natürlich auch.
Ich überstehe noch ein paar langweilige Tage bis der Wachdienst die alten
Magnetkarten gegen die neuen ausgetauscht und die Kartenleser entfernt hat, bevor
ich meinen Plan umsetze. Zunächst modifiziere ich die ´Folge mir´-Funktion des
Telefonsystems so, daß das Telefon nicht mehr in dem Raum klingelt, in dem sich der
Kartenträger gerade aufhält, sondern in dem Zimmer, in dem er sich DAVOR
aufgehalten hat ...
Dann variiere ich die Empfindlichkeit der Bewegungssensoren der Türen so, daß man
sich wirklich direkt vor der Tür befinden muß, bevor sie sich öffnet.
Die Bühne ist vorbereitet, die Darsteller sind bereit ...
Ich entscheide mich, die Überwachungskamera zu aktivieren, die die Tür beobachtet,
bei deren Sensoren ich die geringste Empfindlichkeit eingestellt habe - die Tür zum
Raum mit den Kaffee-Automaten. Dann schiebe ich ein Videoband in den Recorder
und warte auf den Chef.
Für die halbstündige Wartezeit werde ich entschädigt, als der Chef durch die Tür
marschiert und sich einen heißen Kaffee aus dem Automaten holt. Ich reduziere die
Empfindlichkeit der Türsensoren auf Null, worauf der Chef mit seinem dampfenden
Plastikbecher prompt gegen die Tür rennt.
Hervorragend!
Ich schalte die Türsensoren wieder ein, um ihn herauszulassen und rufe ihn dann an,
als er den Raum gerade verlassen hat - er weiß, daß der Anruf für ihn ist, da er mir
schon zweimal den Fehler der ´Folge mir´-Funktion mitgeteilt hat ... und rennt erneut
gegen die geschlossene Tür. Ich glaube, daß ich mit diesem Video wirklich der
Gewinner einer ´Die lustigsten Heim-Videos´-Sendung werden könnte.
Ein lauter Knall kündigt die Ankunft des Chefs in meinem Büro an, der sich
wutschnaubend vor mir aufbaut.
Ich hasse mich selbst, wirklich.
Das ist nicht gut. Der Chef schreit mich an, was meine Konzentration so sehr stört,
daß ich das Video überschreibe, das ich gerade aufgezeichnet hatte. Verdammt!
"UND NOCH EINE SACHE! WIESO GEHT MEIN PAGER IMMER 30
SEKUNDEN NACHDEM ICH DIE TOILETTE BETRETEN HABE LOS!?" schreit
er.
"Da ... das muß ein Programmfehler sein", antworte ich und frage mich, ob der
Wachdienst wohl eine Urinprobe vom Chef haben will ...
"HABEN SIE DAS NOTIERT?" fragt er.
"Nun, normalerweise lassen wir die Nutzer selber die Fehlermeldungen für die
entsprechende Anschlagtafel anfertigen."
"RICHTIG! Wo kann ich das tun?"
Mein Gewissen macht mir Vorwürfe, doch ICH WILL DIESEN TV-PREIS!
"Ähm, an der Wand neben den Kaffee-Automaten." antworte ich und spule das
Videoband zurück.
Einen Knall später ist er verschwunden.
Zwei laute Türknaller später wird in einer Zwangsjacke hinausbegleitet.
Aber ich langweile mich noch immer ...


Beratungen in Hülle und Fülle. Und sie alle sind natürlich nichts anderes als
ergebnislose Zeitverschwendung. Gibt es eine bessere Gelegenheit zum Anschauen
von Filmen?

"Sind sie jetzt endgültig VERRÜCKT geworden?" fragt der PJ, nachdem wir ein paar
Runden mit technischem und nichttechnischem Personal durchgestanden haben, die
uns hinterhältig auf unserem Weg zum Mittagessen überfallen hatten. "Eine
verdammte BERATUNG?!?"
"Ja", antworte ich nachdenklich.
"Sie HASSEN Beratungen!" jammert er.
"Nun, HASSEN ist ein so negatives Wort. INTENSIVE Abneigung beschreibt es
genauer. Aber das spielt eigentlich keine Rolle - ich habe uns davor bewahrt, ihnen
eine halbe Stunde lang dabei zuzuhören, wie sie darüber diskutieren, welche
persönlichen Daten über den internen LDAP-Server bereitgestellt werden sollen. Ja,
es ist wahr. Da der IT-Chef ein paar Bemerkungen darüber gemacht hat, welche
Informationen man über den neuen LDAP-Server unternehmensweit bereitstellen
könnte, gibt es nun zwei Fraktionen mit unterschiedlichen Vorstellungen darüber.
Auf der einen Seite gibt es Leute, die meinen, sogar die Nummer ihres
Dienstapparates gehöre zu ihrer Privatsphäre und dürfe deshalb nicht veröffentlicht
werden, und auf der anderen Seite gibt es die ´Privatsphären-Nudisten´, die alle
Informationen bereitstellen wollen: die Nummern der Privattelefone, den Namen der
Frau oder Freundin und deren Geburtstag, um die Welt fröhlicher zu machen."
"Aber trotzdem sieht es nicht nach ihnen aus, Beratungen einzuberufen."
"In der Vergangenheit habe ich nur widerwillig an Beratungen teilgenommen; wie
auch immer, das lag ganz einfach daran, daß ich sie nicht initiiert hatte. DIESE
Beratung jedoch, an der sich eine große Anzahl zerstrittener Teilnehmer beteiligen
wird, wäre es wirklich wert, das Gewicht der Teilnehmer in 128 Megabyte
DIMM-Chips aufzuwiegen."
"Wie bitte?!?"
"Schauen sie!" rufe ich und deute auf meinen Monitor, der die Oberflächen dreier
verschiedener Terminplanungsprogramme zeigt, die wir in der Firma verwenden. "Auf
der einen Seite haben wir die Programme, die unabhängig voneinander arbeiten, dann
ist da noch der Terminplaner, der in das Mail-Programm integriert ist, und schließlich
noch die über Nacht schnell zusammengehackte Software, die so alt ist, daß sie noch
mit dem Jahr 1000-Problem kämpft. Und sie alle können NICHT untereinander Daten
austauschen. Die ersten beiden Programme haben das Problem, daß sie sich durch
die Zeit von einer Stunde unterscheiden, weil sie die Sommerzeit unterschiedlich
behandeln. Und das letzte Programm kann nur mit Stunden, Minuten, Tagen und
Monaten umgehen, nicht aber mit Jahreszahlen, was bedeutet, daß die
Import/Export-Routine irgendwie ein Datenfeld dazu nutzen muß, um zu
kennzeichnen, in welchem Jahr die Beratung stattfinden soll - und dann ist da noch
das Problem mit Beratungen aus vergangenen Jahren!"
"Das Problem wird wohl nicht mehr in diesem Jahr gelöst werden können, oder?"
"Niemals!"
"Gut, aber was bedeutet dies für uns?"
"Daß nach verschiedenen mißglückten Versuchen DREI verschiedene Beratungen
angesetzt werden, an denen ich teilnehmen muß."
"Aber sie HASSEN Beratungen!"
"Ja, aber ich LIEBE es, mir Filme auf meinem tragbaren DVD-Player anzuschauen,
das aussieht wie eine Mischung aus einem PDA und einem Laptop, wenn ich die
Tastatur anschließe! Wenn ich dann auch noch so tue, als würde ich etwas
´eintippen´, wenn es scheint, daß es ein- oder zweimal pro Beratung zu einer
Entscheidung der Diskussionsteilnehmer kommt, werden sie mich nicht ertappen. In
der Zwischenzeit werden sie so hitzig ihre Standpunkte diskutieren, daß ich gar nicht
gebraucht werde."
"Und wenn sie sich einigen?"
"Überschätzen sie die Nutzer nicht! Und wenn es brenzlig werden sollte, werde ich
die Netzhaut-Kontrollen oder die Auflistung der Bankverbindungen vorschlagen,
damit die Diskussion wieder losgeht."
"Früher oder später werden sie sich einigen!"
"BIIIIEEETTEEE!" rufe ich. "Ich habe sowieso schon eine LDAP zu
Finger-Schnittstelle installiert. Und wenn sie sich tatsächlich darauf einigen sollten,
welche Daten sie zur Verfügung stellen wollen oder nicht, werde ich genau diese
gewünschten Daten aus der Finger-Information löschen und wir werden wieder im
Geschäft sein! Natürlich nachdem wir eine Woche ´angestrengt an der Installation
der neuen Software´ gearbeitet haben."
... drei Filme später ...
"Also konnten wir keinen Konsens erreichen!" erklärt der Chef und faßt mit kurzen
Worten nachträglich die Diskussion in unserem Büro zusammen.
"Nun, wir hätten beinhae eine Übereinkunft erreicht. Aber dann hat jemand
vorgeschlagen, Vorstrafen und Angaben zur Gesundheit aufzuführen."
"Warum zum Teufel sollten wir das tun?"
"Nun, ich glaube, die Argumentation lief darauf hinaus, daß Informationen, die im
Lebenslauf aufgeführt sind, auch wichtig für die Firma sind. Und jemand warf ein,
daß er gerne wüßte, ob sein Kollege ein Alkoholproblem hat, bevor er ihn zur
Weihnachtsparty einlädt."
"Das ist doch lächerlich!"
"Ja, darauf haben wir uns schließlich auch geeinigt. Doch dann hat der gleiche
Diskussionsteilnehmer vorgeschlagen, Angaben zur Verwandschaft, Blutgruppe und
HIV-Status aus gesundheitlichen Gründen aufzunehmen ..."
"Das kann doch nicht sein Ernst sein!"
"Nun, das haben wir am Ende dann auch abgelehnt."
"Also glauben sie, daß die nächste Beratung zu einem Ergebnis führen wird?"
"Mit ziemlicher Sicherheit."
... später ...
"Also stimmen nun alle den Vorschlägen zu?" frage ich am Ende der nächsten
Beratung.
Zustimmendes Gemurmel antwortet mir, als der PJ mit einem Päckchen für mich
hereinkommt.
Von meinem DVD-Lieferanten.
"Ausgezeichnet, also werden wir die Namen speichern, Zimmernummern,
Telefonnummern, sexuelle Vorlieben, ein Foto, ein Nacktfoto und den Brustumfang?"
sage ich und schiebe ´Staatsfeind Nummer 1´ in meinen ´Laptop´.


Bier und Curry. Was könnte besser sein? Doch kann der B.O.F.H. die Belastung
aushalten? Der Gedanke an einen Verzicht auf das gute alte Geflügel ist hart, doch
dann lockt ein spendierfreudiger Vertreter ...

"Sie sehen ja schlimm aus!" stellt der PJ grinsend fest, als ich mich zu meinem
Schreibtisch schleppe - etwa 26 Stunden zu spät.
"Ja, ich habe die vorletzte Nacht mit einem Sklavenhändler verbracht."
"Und das war so schlimm, daß sie einen Tag krankmachen mußten?"
"Nein, ich habe mich nicht ´krankgemeldet´. Ich habe telekommuniziert."
"Ja, richtig. Und sie haben das Porzellan-Modem benutzt, oder?"
"Genug davon!" unterbreche ich ihn und bin nach der Fahrt mit der U-Bahn noch
immer etwas wackelig auf den Beinen.
"Und was kam dabei heraus?" fragt der PJ.
"Ich hatte nur ein paar Biere."
"Ein paar?"
"Nun, ein paar, denen ein paar weitere folgten. Und dann noch ein paar. Aber es war
das Curry, das mich umgehauen hat. Das kann ich mir nicht mehr zumuten. Ich muß
mich mit den Fakten abfinden, die die Fähigkeiten meines Körpers betreffen, selbst
mit gefährlichen Giften fertigzuwerden: ich reagiere allergisch auf Curry."
"Sagen sie doch nicht sowas!" jammert der PJ.
"Es hat keinen Zweck, sich dagegen zu wehren", antworte ich. "Ein Mann kann eben
nur eine bestimmte Menge Geflügel mit Curry verkraften."
"Sind sie sicher, daß es nicht einfach am Alkohol liegen könnte?"
"Nein! Ich kann ein paar Biere trinken und wache am nächsten Morgen ohne
Probleme auf. Aber JEDESMAL wenn ich Curry hatte, wachte ich krank auf."
"Könnte es sein", unterbricht uns der Chef, der voller administrativer Energie in
unser Büro stürmt. "Könnte es sein, daß das daran liegt, daß sie immer betrunken
sind, wenn sie Curry essen?"
"Ich muß gestehen, daß eine gewisse Logik in ihrer Aussage steckt", antworte ich.
"Aber der Übeltäter wurde identifiziert ..."
"Als Besäufnis", stellt er unbeirrt fest. "Wie auch immer, sie werden die Chance
bekommen, ihre Theorie zu überprüfen. Wir sind zum Essen verabredet mit einem
Hersteller, der uns Festplatten zu Niedrigstpreisen für das Terrabyte verkaufen will."

Na gut. Schließlich ist Curry ja Curry.
Unser Verkaufstalent plaudert mit dem Chef, während der PJ und ich uns über einen
Teller Pakoras hermachen, die wir mit Bier herunterspülen.
"Sie verkaufen also SCSI-Festplatten?" unterbricht der PJ den Verkäufer.
"Nein, kein SCSI. Unsere Technologie basiert auf einer ausgereifteren ..."
"Proprietäre Technologie?" frage ich und gieße noch etwas Öl ins Feuer.
"Ja, aber es ist eine bewährte Technologie ..."
"DSSI!" rufe ich und bereite den tödlichen Schuß vor.
Der Torpedo trifft und hinterläßt ein ´Uh´-förmiges Loch in seinem Gesicht.
"Gut, dann lassen sie uns zusammenfassen, worüber wir NICHT sprechen", fahre
ich fort und spule noch ein paar technische Begriffe ab, bis der Chef sich verzweifelt
in den kleinen Aufenthaltsraum für Manager verzieht.
"Wir werden nicht kaufen." murmelt der PJ.
"Nein", stimme ich ihm zu. "Wir haben ohnehin schon all die alte Technik, die wir
brauchen."
"Hmmm ...." Der Verkäufer hat mit dieser Situation gerechnet. "Kann ich noch etwas
für sie tun?"
"Nun, ich hätte gern noch ein Bier für den Anfang", lächelt der PJ und gießt die Reste
seines letzten Glases seine Kehle hinunter.
"Für mich auch", stimme ich zu.
ZWEI STUNDEN SPÄTER ...
"Also, lassen sie uns noch einmal darüber reden", platzt der Chef heraus. "Wir
sollten ein paar Terrabyte Festplatten kaufen und sie in unser altes VAX-System
einbauen? Aber niemand nutzt das noch, also wäre das doch sinnlos!"
"Nein, das ist es nicht. Hören sie", erkläre ich langsam und versuche, ihn nicht
anzublicken, damit er nicht riecht, was ich zuletzt getrunken habe.
"Es wird weniger Beschwerden geben, wenn niemand sie nutzt."
"Uh?"
Es sieht so aus, als müsse ich die Logik ein wenig mißbrauchen und direkt auf das
Ziel losgehen.
"Denken sie an die ´Durchschnittliche Zeit zwischen Speicherfehlern´. Denken sie
an ´Verfügbarkeitserwartungen der Nutzer´ und die ´Verfügbarkeit der Services´.
´Erweiterte Modularität´. Denken sie an ´Zuliefererunabhängigkeit´ und
´Zeitversetzte Installation´. Denken sie an ´Planmäßige Erneuerungen´." sage ich
und schicke ein Dankesgebet an den Gott der Management-Schlagworte.
"Nun, wenn sie es so erklären ..."
Seine stolze Kapitulationserklärung wird durch einen kräftigen Schlag auf seine
Schulter unterbrochen, für den der PJ verantwortlich ist, der alle Symptome eines
fortgeschrittenen Alkoholüberschusses in seinem Blut zeigt. Seine Augen glänzen,
als er hochkommt.
"WWWISSSN SSSI, WWWSSS IIHHHR PPRBLLN STTT?" murmelt er undeutlich
und gibt damit das weltweit gültige Signal für: ´Ignorieren sie alles, was ich sage, ich
scheine vergiftet zu sein!´.
"Na sowas! Ist das nicht Pamela Anderson?" lenke ich alle ab, während ich dem
Abschaltknopf des PJ einen Tritt verpasse. Nun, zumindest schweigt er danach.
Der nächste Tag bricht an, und ich fühle mich schlecht. Der PJ fühlt sich schlecht.
Und auch der Chef fühlt sich schlecht (der Verkäufer hat die Kellner dafür bezahlt,
ihren speziellen bolivianischen Wodka in den Diätfruchtsaft für den Chef zu
mischen).
"Ich nehme alles zurück", flüstert der Chef. "Anscheinend reagiere ich auch
allergisch auf Curry."
"Ich auch", stimmt der PJ zu.
Bei der nächsten Gelegenheit gehen wir zu Luigi. Mit einer schönen Schüssel Pasta
kann man nie falsch liegen.


Neue Mitarbeiter, die herumgeführt werden, geben dem B.O.F.H. und seinem treuen
Gefährten die Gelegenheit, ein paar (ungewöhnliche) Sicherungsmethoden
vorzuführen - und den Chef ....

Eines Morgens trottet der Chef mit etwa 20 Leuten im Schlepptau in unser Büro und
überbringt uns ´gute Nachrichten´. Die gleichen Nachrichten, die er uns ALLE sechs
Monate bringt ...
"Simon", erklärt er überfreundlich (immer ein schlechtes Zeichen). "Das sind die
Neueinstellungen der letzten sechs Monate. Ich stelle ihnen gerade in einem Kurs
die IT-Abteilung vor."
"Ein Kurs?" frage ich. "Wie bei einem Hinderniskurs?"
Der Chef antwortet mit einem wohlwollenden Lachen. "Simon macht gern Scherze,
meine Damen und Herren."
"Ja", stimmt der PJ zu und taucht hinter den angetretenen Neulingen auf. "Zum
Beispiel, als er eine Schaltuhr, ein paar bunte Kabel und noch diverse
Leuchtgranaten in ihre Aktentasche schmuggelte, als sie nach Dublin fliegen
wollten ...."
Der Chef zuckt bei der Erwähnung dieser Angelegenheit zusammen - und ich könnte
schwören, daß das auch für sein Hinterteil gilt.
"Das war nicht sehr lustig." murmelt er.
"Nun, ich habe viel gelacht." ruft der PJ.
"Wie auch immer", fährt der Chef fort und starrt den PJ zornig an. "Ich möchte, daß
sie der Gruppe den Rechnerraum zeigen."
Als ein Zeichen des guten Willens reicht er mir eines seiner liebsten Spielzeuge,
seinen Laserpointer. Seltsam - das ist beinahe so, als würde Obi-Wan sein
Lichtschwert Darth Vader ´zum Saubermachen´ überlassen.
Unglücklicherweise zerstört Obi-Wan den beinahe heiligen Moment, als er im
Hinausgehen über den Türpfosten stolpert und mit dem Schwung von C3PO in den
Korridor stürzt.
Trotzdem zeigt er auch nach seinem Sturz aus unerfindlichen Gründen Vertrauen in
uns.
Zunächst überläßt er mir unbeaufsichtigt eine Busladung Anfänger UND dann hat er
mir etwas gegeben, daß ihm wirklich etwas bedeutet. Womit ich nicht sagen will, daß
ihm die Angestellten nichts bedeuten würden, sie sind nur leichter zu ersetzen. Der
Laserpointer dagegen kostet IHN 30 Pfund, weshalb ich auch sehr betrübt bin, als er
mir unter Zeugen unglücklicherweise aus der Hand rutscht und durch eine Lücke in
der Lifttür in den Fahrstuhlschacht fällt. Seufz.
In der Zwischenzeit folgen die Anfänger mir, also sorge ich lieber dafür, daß sie
etwas zu sehen bekommen. "Und das ist unser System für Sicherungskopien", rufe
ich und deute auf ein roboterhaftes Monstrum, als wir das Herz des Rechnerraums
betreten. Damit dürfte auch bewiesen sein, daß die Gerüchte, wir würden uns nicht
um diese lebenswichtige Aufgabe kümmern, nicht stimmen.
"Wofür war der Mülleimer unter dem Sicherungssystem?" fragt ein Neugieriger, als
wir das Allerheiligste wieder verlassen haben und in unserem Büro stehen.
Eine interessante Frage - ich hatte dem PJ gesagt, er solle das Anfertigen von
Sicherungskopien einstellen, damit die Nutzer nicht Zeuge davon würden, wie die
Sicherungsbänder aus der Bandmaschine in den Müll wandern.
"Ah, der dient dazu, die Bänder zu sammeln, die wir außerhalb des Hauses bei einem
anderen Unternehmen verwahren", improvisiere ich. "Wir warten noch auf den
richtigen Behälter für die Bänder, aber in der Zwischenzeit ..."
"Und warum hat ihr Kollege sie dann einfach alle in den großen Müllschlucker
entleert?" fragt der Neugierige weiter.
"Sicherheitsgründe."
"SICHERHEIT?!"
"Natürlich! Wenn wir unsere Bänder in den üblichen Hüllen transportieren würden,
dann wären sie doch eine willkommene Beute für Diebe!" rufe ich. "Doch jetzt weiß
niemand, wann die Bänder unser Haus verlassen."
"Nun, sie wurden gerade von der Müllabfuhr abgeholt!" antwortet er und zeigt auf
den LKW vor dem Fenster.
"Das sieht nur aus wie ein Wagen der Müllabfuhr." seufze ich. "Es würde doch nicht
überzeugend wirken, wenn ein Wagen der Datenaufbewahrungsfirma unseren Müll
abholen würde, oder?"
"Aber sie sammeln überall den Müll ein." bohrt er weiter.
Es ist schon lustig, wie leicht es manchen Leuten fällt, sich unbeliebt zu machen.
"Ja, ja, aber NOCH EINMAL, es würde verdächtig aussehen. Viele Dinge scheinen
nicht das zu sein, was sie in Wirklichkeit sind. Wie dieser Handflächen-Scanner
zum Beispiel."
"Das ist kein Handflächen-Scanner - das ist doch ein Waffeltoaster!"
Ich seufze erneut, diesmal etwas tiefer.
"ES SIEHT aus wie ein Waffeltoaster. Ein Freiwilliger aus dem Publikum?" frage ich.

Fünf Sekunden später ...
"OHMEINGOTT!" rufe ich, um die Schreie zu übertönen. "Das ist wirklich ein
Waffeltoaster! Der PJ muß den Scanner irrtümlich im Pausenraum installiert haben!
Und, oh nein! Der Hauptschalter ist blockiert!"
Als die Waffelhand zehn Minuten später der Sanitäterin übergeben wurde ...
"Hat noch jemand Fragen?"
Die Stille ist ohrenbetäubend und kündet von einer weiteren erfolgreichen Belehrung.
Ich übergebe die Neulinge wieder dem Chef, damit er ihnen die übliche
IT-Einführungsrede verpassen kann, und marschiere dann zurück ins Büro.
"Ah, ich bin nur vorbeigekommen, um meinen Laserpointer zu holen", sagt der Chef,
als er etwas später hereinschaut.
Was zum Teufel! "Ach, der liegt auf dem Regal mit den Sicherungsbändern im
Rechnerraum", antworte ich und taste nach dem Schalter, der den Kartenleser der
Tür abschaltet.
"Aber meine Karte funktioniert nicht!" ruft er.
"Oh ja. Nehmen sie einfach den Handflächen-Scanner ..."


Der Chef ist offensichtlich einer vom Typ 37b - mit mehr Ahnung vom
Speichellecken als von Technik - doch trotzdem schafft er es, dem B.O.F.H. eine
unfreundliche Überraschung zu bereiten ....

Ich rieche die Probleme, sobald ich das Büro betrete.
Es ist genau 11:30 Uhr. Nun, niemand kann ernsthaft erwarten, daß ich früher
erscheine, denn ich war auf einer Verkaufsmesse und mußte zuerst meine
unrechtmäßigen Gewinne nach hause bringen. Oder, um es anders auszudrücken, das
fortschrittliche brandneue Testsystem für die hochmodernen interaktiven digitalen
Multimedia-Dienste (wahlweise kann man natürlich auch andere Schlagworte
benutzen, die nach Kapitalanlage klingen). Und die letzten Testpläne sahen vor, daß
die Technik ihren Weg zu mir findet, um sie dazu zu nutzen, die neuesten DVDs für
ein paar gute Freunde (natürlich gegen ein kleines Entgelt) vorzuführen.
Bei meiner Ankunft im Büro lechze ich nach einer Tasse Kaffee. Ich funktioniere
nämlich nur, wenn ich einen Schuß stärksten Kaffees hatte. Der PJ jammert zwar
immer, daß die Menge Kaffee, die ich zu mir nehme, mich irgendwann noch einmal in
ein völliges Nervenwrack verwandeln wird, doch was mich angeht, bin ich völlig
apathisch bis ich meine morgendliche Dosis Koffein hatte.
Der PJ sieht ängstlich aus, als ich ihm in der Bürotür begegne. "Der Chef will sie
sofort sehen", sagt er und deutet mehr als eindeutig mit seinem Daumen in Richtung
des Büros unseres neuen Meisters. "Er hat schon den gesamten Morgen damit
verbracht, nach ihnen zu rufen."
Das ist ein beunruhigendes Zeichen. Unser Chef ist erst einige Wochen bei uns,
doch schon schnell wurde klar, daß er ein Exemplar vom Typ 37b ist (kann gut mit
Schlagworten um sich werfen, mit denen er sich ständig vor den Chefs und dem
Anführer der Erbsenzähler aufplustert, so daß er gar nicht mehr weiß, wie unsere
Technik funktioniert).
Seine Ahnungslosigkeit ist phänomenal. So schaffte ich es, ihm unsere stundenlange
´Beschäftigung´ mit Doom damit zu erklären, daß wir eine neue ´Dial-up Object
Oriented Machine´ testen müßten. Und dann gab es da den Fall, als ein Vertreter, der
meinem Cousin verdächtig ähnlich sah, ihm erklärte, daß Arcnet die kommende
Technologie für Netzwerke sei, und ihm eine Ansammlung ´brandneuer´ Technik
verkaufen konnte, die er rein zufällig in seinem Ford Escort hatte. Ich persönlich
kann die Rechnungsprüfung in diesem Quartal kaum erwarten - ganz speziell den
Augenblick, zu dem man feststellen wird, daß ich ihm eine E-Mail mit einer Warnung
vor diesem Geschäft ´geschickt´ habe.
Aber das ist etwas, auf das ich mich in der Zukunft freuen kann. Mich beschäftigt
vielmehr, was der Chef im Moment vorhaben könnte. Die Besorgnis des PJs
jedenfalls ist durchaus angebracht; jedes Gespräch mit dem Chef am Morgen
bedeutet, daß wir eine VDBI (vor dem Bier-Idee) haben müssen - die schlimmste
Sorte von Ideen, denn die Gedanken fließen da noch nicht so frei wie die Gedanken
nach dem ersten Bier.
"Ah, Simon", begrüßt 37b mich überfreundlich (ein schlimmes Zeichen), als ich sein
mit Eichenholz vertäfeltes Heiligtum betrete. "Ich habe nachgedacht." (Ein noch viel
schlimmeres Zeichen.) "Das Netzwerk funktioniert seit einiger Zeit recht träge und
scheint ein wenig Anschubhilfe zu brauchen." (Ein extrem schlechtes Zeichen - man
möchte ´Anschubhilfe´ niemals von jemandem hören, der schon Probleme damit hat,
den TV-Kanal zu wechseln.) "Ich glaube, es wäre eine gute Idee, wenn wir
jemanden einladen würden, der das Netzwerk unter die Lupe nehmen und uns
Vorschläge zur Verbesserung der Leistung machen könnte." Ja, das ist eine Idee,
aber keine, die mir Vergnügen zu bereiten vermag, oder, in diesem Falle, eigentlich
jedem Lebewesen, das auf einer atmenden kohlenstoffbasierten Lebensform basiert.
Wie auch immer, natürlich stimmt es, daß das Netzwerk in letzter Zeit etwas
langsam war. Hat er denn keine Ahnung, welche Bandbreite ein
Echtzeit-Videostrom erfordert - selbst wenn man Multicast benutzt? (Und davon
abgesehen waren die Bilder des Marketing-Chefs und seiner ´kranken´ Assistentin
aus dem Sanitätsraum jedes Megabit pro Sekunde wert - selbst wenn darunter die
Übertragungsgeschwindigkeit für andere Anwendungen litt.) Und das letzte, was ich
in diesem Augenblick brauche, ist ein krötengesichtiger Schnüffler, der einen
flüchtigen Blick auf unser System wirft und dann einen oberflächlichen Bericht
zusammenkritzelt, der die Firma ruiniert. Das ist meine Aufgabe.
Plötzlich bemerke ich, daß der Chef noch immer spricht.
"... und bei der Messe habe ich diesen sehr interessanten Burschen kennengelernt.
Er sagte mir, daß er sich sehr gern einmal unser Netzwerk anschauen würde. Und
wenn er keine Vorschläge machen würde, die uns Geld sparen, dann müßten wir ihn
nicht einmal bezahlen. Ich habe ihm erklärt, daß wir uns sehr um die
Zukunftssicherheit unseres Netzes kümmern und deshalb Arcnet einsetzen werden.
Darauf leuchteten seine Augen auf. Ich glaube, er war sehr beeindruckt davon, daß
wir so fortschrittlich sind - er sagte auch, daß er mir kaum noch etwas beibringen
könne."
Das ist schlimm. Schlimm. Schlimm.
"Also habe ich diesen Mann eingeladen, morgen bei uns vorbeizukommen und sich
umzuschauen. Er heißt Arty Murray und sie sollten ihn nach Kräften unterstützen."
ARTY MURRAY!! Dieser Mann ist eine Legende. Das ist das erste Mal, daß ich
dem Bastard Consultant from Hell entgegentreten muß, und ich kann nicht
behaupten, daß ich mich darauf freue.
Es wird Zeit, einen Plan auszuhecken.
Wird fortgesetzt ...


Der B.O.F.H. verschwindet. Ist das das Ende?

Schweren Herzens schließe ich mich in der sicheren Netzwerkzentrale ein, um diese
Zeilen niederzuschreiben. Den Leser muß ich wegen meines Schreibstils um
Vergebung bitten, da dies mein erster Versuch ist, meine Gedanken und
Beobachtungen niederzuschreiben.
Es ist mir nicht entgangen, daß mein Vorgesetzter so großzügig war, unsere
Abenteuer dem aufmerksamen Leser mitzuteilen, und so fühle ich als sein treuer
Assistent nun die Verpflichtung, diese traurige Geschichte aufzuschreiben.
Es war ein typischer Freitagmorgen. Ich war damit beschäftigt einen Nutzer mit der
ETE (Empohlene Tagesdosis an Elektrizität) zu unterrichten, als meine
´Erziehungsmaßnahme´ durch das Versagen der Stromversorgung für die Rechner
unterbrochen wurde. So aus der Umklammerung der Elektrizität befreit, entkam der
Nutzer hinter dem B.O.F.H., dessen Hand auf der jetzt offenen Hauptsicherung lag.
"Noch viel Arbeit?" fragte er und wirkte etwas abgelenkt, verwirrt.
"Nein", antwortete ich und deutete hinter dem verschwundenen Nutzer her.
"Dann wird es ihnen ja leichter sein, meinen Vorschlag anzunehmen, für ein paar
Tage auf Tauchstation zu gehen."
"Das ist nicht wieder der Scherz mit dem Camping-Urlaub, oder?"
"Ich fürchte nicht. Haben sie jemals etwas von Arty Murray gehört?"
"Nein ... Oh, warten sie - ist das nicht der Mann, der sich selbst als
´Netzwerk-Künstler´ bezeichnet?"
"Pinkel-Künstler trifft es wohl eher. Er schleimt sich bei einem oder zwei Chefs auf
einer Messe ein und prüft dann mit deren Einverständnis von außerhalb die WANs
und LANs (als ´unabhängiger Sicherheits-Berater´). Dann kombiniert es diese
Informationen mit denen, die er von den Managern bekommen hat, mit denen er
Kontakt aufnahm."
"Und ....?"
"Und, unausweichlich, fabriziert er eine Sicherheitslücke und empfiehlt die
Ausgliederung der GESAMTEN IT-Abteilung an ein neugegründetes Unternehmen,
in das er involviert ist, das freilich zu dumm ist, localhost anzupingen. Und DANN,
wenn diese Firma aufgegeben hat, läßt er sich selbst für diese Arbeit anheuern. Sie
wissen vielleicht nicht, wie das ist, wenn man Angst um seinen Arbeitsplatz haben
muß - aber jetzt, jetzt ist es soweit! Wenn ich diesen Mann schlagen kann, wenn ich
die Computer-Gesellschaft von ihm befreien kann, dann kann ich mich ganz ruhig um
eine neue Qualität meiner Arbeit kümmern - bessere Nutzerunterstützung, die
Besatzung der Nutzer-Betreung, Tanzveranstaltungen im TV."
"Natürlich nicht!"
"Stimmt, ich ließ mich gehen. Aber er ist eine Bedrohung, und er war HIER. Ich habe
in den vergangenen Tagen seine Spuren verfolgt. Wir hatten unsere Begnungen im
Netz, und nun ist er hinter mir her. Das ist jetzt eine persönliche Angelegenheit!"
"Was wollen sie tun?" fragte ich.
"Tun? Elementare Dinge, mein lieber PJ! Wir werden das Netz für ein paar Tage
unbeaufsichtigt lassen, bis er sich selbst verrät. Er wird der Verlockung nicht
widerstehen können, mit unserer Technik zu spielen."
Und so geschah es dann auch. Wir buchten zwei Tickets in die Dritte Welt (Luton)
und blieben dem Büro fern. Doch statt tatsächlich Urlaub zu machen schlichen wir in
das Gebäude und besetzen die Notfall-Zentrale in der 6. Etage und schlugen die Zeit
damit tot, daß wir unsere ausgedienten Satellitenschüsseln auf die Empfänger
unserer Konkurrenz ausrichteten und sie mit hochfrequenten Strahlen
´bombardierten´.
"Jaaaa!" rief der B.O.F.H. am zweiten Tag, als wir uns gerade über unser indisches
Menü hermachten. "SEHEN SIE!" rief er und zeigte auf ein blinkendes rotes Licht
auf dem Monitor. "Das ist er, er ist an der RH-Sinkleitung!"
"RH-Sinkleitung? Was ist eine Sinkleitung?"
"Das Gegenteil einer normalen Steigleitung", schnappte er zurück. "Wo das
Abwasser abfließt. Um Neugierige davon abzuhalten, an den Leitungen
herumzuschnüffeln, sorge ich jedes Jahr dafür, daß eines der Rohre ein Leck
bekommt. Kombiniert mit dem bemerkenswerten Mangel an Bodengittern kommt so
immer ein überzeugender Haufen Abfall zusammen, der auch die Allerneugierigsten
vom Schnüffeln abhält."
"Warum?"
"Weil ich dort die verschwundene Technik und größere Bestechungssummen
verstecke. Sie wissen ja, daß ich den Banken mit ihren durch Steuerhinterziehung
erschwindelten Gewinnen mißtraue."
"RH-Sinkleitung?"
"Es gibt vier Sinkleitungen im Gebäude. Links vorn, rechts vorn, links hinten und
rechts hinten."
"Und was ist in der Sinkleitung rechts hinten?"
"Geld. All mein Geld. Über Jahre habe ich es angespart. Und es steckt in etwas, das
aussieht wie ein riesiges Kanalisationsrohr."
"Arty Murray hat das Versteck gefunden?" stöhnte ich.
"Es sieht so aus. Ich werde besser einmal nachsehen!"
"Ich begleite sie."
"Nein, sie bleiben hier. Ich möchte nicht, daß jemand annehmen könnte, wir beide
wollten die Firma verlassen." Mit diesen Worten griff der B.O.F.H. zum als
Taschenlampe getarnten Elektro-Schocker, nahm ein paar Sprungseile und schritt
davon.
Ich wartete einige Zeit. Ich startete die Monitore der Überwachungsanlage, um seine
Bewegungen zu verfolgen, doch konnte nichts sehen. Die Stromleitung für die
Überwachungskameras war außer Betrieb.
Ausgerüstet mit einem batteriegetriebenen Tacker sprintete ich in die besagte Ecke
des Gebäudes. Ich fand eine halbgeöffnete Tür, auf der
"Reichenbach - Gebäudereinigung" stand. Offenbar ein Wortspiel.
Als ich die Tür vollständig geöffnet hatte, erblickte ich die Überreste eines Kampfes,
eine zersplitterte Latte hier, einen Tropfen Blut da.
Aber es kam noch schlimmer. Eineinhalb Etagen weiter unten sah ich einen
Kleidungsfetzen an einem Rohr, der nur vom T-Shirt des B.O.F.H. stammen konnte.
Ich starrte in den dunklen Abgrund und rief seinen Namen. Doch meinen Rufen
antwortete nur das Echo ...