Die
Original-Bastard-Operator-Geschichten von 1999
Autor: Simon
Travaglia
Übersetzer: Thomas Weidauer
Durch
den Jahresanfang großmütig gestimmt, begibt sich der
B.O.F.H. auf eine Tour
des guten Willens und verteilt
Geschenke, die ganz bestimmt nicht aus einer
Weinlese stammen, und
kümmert sich schließlich um, ähm, laute Ventilatoren
....
Es
ist ruhig - verdammt ruhig. Manche würden sagen, es ist zu
ruhig. Nicht aber ich.
Es ist diese Art von Ruhe,
die man erreicht, wenn man ein Stück Eisen oder ein
kurzes
Kupferkabel benutzt, um die Sicherungen kurzzuschließen, einen
Nagel für
die Sicherung auf dem Flur und eine Schraube für
die Hauptsicherung ... und dann läßt
man einen
Schraubenzieher durch einen Schlitz in den Lüfter des Netzteils
des
Hauptrechners fallen.
Vorsichtig tappe ich durch den
Rechnerraum, der von der Notbeleuchtung dürftig
erhellt wird,
zu meinem Büro, wobei ich einen kurzen Umweg mache, um schnell
eine
Sicherung auszuwechseln und einen arg zugerichteten
Schraubenzieher im
Abfalleimer zu plazieren.
Ich liebe es, das
neue Jahr mit einem Krachen zu beginnen - oder, um es zu
präzisieren,
mit einer ganzen Serie aus lautem Summen, ein oder zwei
Explosionen
und einem gedämpften BUMMM! aus dem
Kellergeschoß.
Es ist immer gut, die vielen Ahnungslosen
wissen zu lassen, wer am Ruder des
Schiffes steht.
Der PJ ist
in der Zwischenzeit im Urlaub, um ausgiebig seinen Weihnachtsbonus
zu
feiern - schließlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis
der Chef herausfindet, daß es
schon wieder ein Duplikat
seiner Kreditkarte gibt und er das
Kreditkartenunternehmen anrufen
wird.
Ich habe dafür gesorgt, daß der PJ sich richtig
erholen kann, indem ich die letzte
Monatsabrechnung der
Kreditkarte im Briefumschlag dem Aktenvernichter
anvertraut habe.
Offenbar nahm der Chef an, daß es sicherer ist, wenn er sich
seine
Privatpost ins Büro schicken läßt ... Ein
Irrtum, den er teuer bezahlen muß.
Wo ich gerade vom Chef
spreche - es wird Zeit, die Weihnachtsgeschenke, die
unsere
Lieferanten ihm geschickt haben, die ich abfangen konnte, in
bester
Robin-Hood-Manier unter den IT-Leuten zu verteilen.
"Was?
Ist das alles?" fragt ein besonders undankbarer
Vertragsprogrammierer (der
seinen Hintern ohne Kerze, Spiegel und
eine Karte im Maßstab 1:1 kaum selbst
finden kann), nachdem
ich ihm eine Flasche voll Rotwein geschenkt habe, der wohl
besser
zum Desinfektionsmittel als zum Trinken taugt.
"Bitte?"
"Das ist doch ein wenig, ähm, billig, oder?"
schnieft er.
Das muß man sich nun anhören, wenn der PJ
nicht mit seinem Tacker bewaffnet die
Flure unsicher macht.
"Entschuldige, Mike, aber das ist hier nicht wie daheim, wo
du dir dein
Weihnachtsgeschenk selbst aussuchen kannst." rufe
ich.
Er verstummt und akzeptiert widerwillig die Flasche.
Offenbar weiß er nicht, wie gut
ich mich an den
Betriebsausflug erinnere, nach dem er mich an der von meinem Ziel
am
weitesten entfernten U-Bahn-Station absetzte ... Drei Minuten NACHDEM
der
letzte Zug abgefahren war.
Da er niemandem zu trauen
scheint, versteckt er die Flasche in einem Fach
seines
Schreibtisches, was mir die Gelegenheit gibt, ein großes
Stück Schaumstoff auf den
Lüfteröffnungen seines
PCs zu plazieren.
Nachdem ich die Hitze-Zeitbombe losgeworden
bin, marschiere ich davon, um
weitere Geschenke aus Anlaß
des neuen Jahres zu verteilen.
Keinen Moment zu früh, denn
der Strom ist wieder da und das Gebäude erwacht
wieder aus
seinem erzwungenen Schlaf.
Als mir Schaumstoff und billige
Weinflaschen ausgegangen sind, greife ich mir die
guten Sachen und
mache meine WIRKLICHE Runde des guten Willens, verteile
Geschenke
an die Leute in der Vermittlung, das Reinigungspersonal und
schließlich
an den Hausmeister. Ich weiß eben, welche
Pflanzen man gießen muß - und auch
wann.
Nachdem
ich sicher bin, daß niemand sich um meine Ferngespräche
kümmern,
niemand die zerstückelte Kreditkartenabrechnung
des Chefs finden und niemand sich
fragen wird, was sich hinter der
mit einem feuersicheren Schloß gesicherten Tür mit
der
Aufschrift ´Zucht-Raum Nr. 3´ verbirgt, kehre ich mein
Büro zurück.
Wie das Schicksal es will, ist der Chef
schon da und wartet auf mich mit einem
verärgerten
Gesichtsausdruck. Es ist allerdings nur der Ausdruck
´allgemeiner
Verärgerung´, also hat er wohl noch
nichts über seine Kreditkarte herausgefunden,
was bedeutet,
daß ich das Kreditkartenunternehmen später anrufen werde,
um das
Limit heraufsetzen zu lassen, bis es eine Höhe solche
erreicht hat, daß er schon
weiche Knie bekommen wird, wenn
er auch nur daran denkt.
"Was bezwecken sie eigentlich
damit, die Lüftung von Mikes Rechner zu
blockieren?"
fragt er.
Bastard!
"Oh, das ... das ist kein Schwamm,
sondern ... ähm ... Material, das die Geräusche
dämpft."
"?..."
"Geräuschdämpfung - das
Material hat eine Struktur, die Luft ungehindert durchläßt,
aber
die Geräusche um bis zu 10 Dezibel je Megaliter europäischer
Standardluft
dämpft."
"Ähm, wirklich? Das
soll also nur die Geräuschentwicklung bekämpfen?"
"Natürlich!"
"Warten sie mal!"
Ich
glaube schon, es war zu schön, um wahr zu sein ...
"Ja?"
"Warum haben sie das nicht auch bei meinem PC installiert?"
Ich kann es kaum fassen ...
"Oh, ich war gerade auf dem
Weg zu ihnen - ihr Dämmstoff ist in der alten
Monitorkiste
dort drüben."
Er beschnüffelt die erwähnte
Kiste, bevor er etwas Verpackungsmaterial herausholt.
"Das? Das ist doch nur Verpackungsmaterial."
"Nein,
das ist geräuschdämmendes, die Luft säuberndes
Filtermaterial."
"Und warum steht dann ´Achten
sie darauf, diese Verpackung wiederzuverwerten´
auf der
einen Seite?"
"Weil ... es war mit altem Zeitungspapier
verpackt, das man nicht überdrucken
konnte."
"Oh
.... Und wie wende ich es an?"
"Nun, sorgen sie dafür,
es möglichst fest gegen den Lüfterausgang zu drücken,
so
daß keine, ähm, ´ungefilterte´ Luft mehr
durchkommt."
"Richtig. Gut, dann werde ich Mike einmal
aufklären", verkündet er fröhlich, als
er
davonmarschiert, um seinen PC zu zerstören.
"Nein,
nein!" rufe ich. "Überlassen sie das mir - ich werde
es ihm erklären."
Und ich werde es ihm wirklich
erklären.
Nachdem der B.O.F.H.
herausfindet, daß sein Lohnscheck zu niedrig ist, sind
die
Erbsenzähler nicht die einzigen, die zusammenzucken
werden ...
Es ist Donnerstag ... Zahltag-Donnerstag. Ich liebe Zahltage. JEDER liebt Zahltage.
Tatsächlich ist es so, daß die Arbeit an Zahltagen viel
leichter ist. Die Menschen
sind freundlicher, es gibt weniger
Beschwerden, Bank-Manager sind netter - ein
normaler Mann könnte
sich daran gewöhnen.
Ein Bastard dagegen könnte
vergessen, was ihn ausmacht - dieser feine Sinn dafür,
wer
von den Nutzern zur Spreu und wer zum Weizen gehört. Der Feind
heißt
Zufriedenheit.
Trotzdem erinnert der braune
Umschlag freilich daran, wofür wir dies alles tun.
Fröhlich
lächelnd fummle ich an dem selbstklebenden Siegel herum (der
Kleber muß
der gleiche sein, den sie dafür benutzen,
Hitzeschutzkacheln am Space Shuttle zu
befestigen), bevor ich die
Haltung verliere und den Umschlag auf der anderen Seite
öffne.
Ahhh! Der Geruch eine frischgedruckten Schecks ... Dieses Gefühl,
als er aus seiner
schützenden Umhüllung aus braunem
Papier gleitet. Das überwältigende aber wieder
vergehende
Gefühl des guten Willens gegenüber allem, was mit
Erbsenzählerei zu
tun hat, als ich den Namen der Firma gleich
neben der Summe von ... WAS ZUM
TEUFEL!?
DIESE VERDAMMTEN
ERBSENZÄHLERSCHWEINE HABEN MIR ZUWENIG
GEZAHLT!
Ich
schaue noch einmal hin, um sicherzugehen, daß ich mich nicht
irre. "Die
Erbsenzähler haben mir zuwenig bezahlt!"
sage ich.
"Sie scherzen!?"
"Nein! Sehen sie,
sie haben die Summe abgerundet!"
"Um wieviel?"
"27 Pence!"
"Heißt das, sie wollen wegen
dieser lächerlichen Summe jemanden - möglicherweise
dauerhaft
- bestrafen?"
"Es geht nicht darum, daß es 27
Pence sind, es geht um das Prinzip. Sie
BESTEHLEN mich! Das ist
unerhört! Das ist der Gipfel der Unverschämtheit! Bevor
wir
es merken, werden sie wieder die Lifte benutzen, werden
die
Spesenabrechnungen ablehnen, beim Mittagessen mit ihnen über
Geschäftspläne
diskutieren und ..."
Etwa zehn
Minuten später komme ich mit einer ziemlichen Beule und
schmerzendem
Rücken wieder zu mir.
"Entschuldigung",
höre ich den PJ hinter der Tür des Rechnerraums sagen,
wobei er
auf einen unserer weniger gefährlichen
Elektroschocker in seiner Hand deutet.
Er muß mir damit
einen Stromschlag verpaßt haben, während ich unter dem
Einfluß
des Schocks über den Diebstahl stand. "Das
ist in Ordnung", antworte ich ihm. "Eine
den Umständen
entsprechende Reaktion."
Ich will zu ihm in den Rechnerraum
gehen, um ihm zu versichern, daß ich keinen Groll
gegen ihn
hege, doch meine Zugangsberechtigung ist gelöscht worden, so daß
ich
meine Karte vergeblich in den Leser stecke.
"Entschuldigen
sie das bitte, aber sie wissen ja selber, wie sie sich fühlen."
ruft der
PJ durch das Sicherheitsglas.
"Aber natürlich!"
antworte ich. "Mir geht es hervorragend." Dabei angle ich
heimlich
meine spezielle Karte aus der Tasche, die in der
Datenbank als ´Feuer- und
Zivilschutz-Karte´ steht,
von der niemand weiß, daß sie exis ...
"Auch
diese Karte ist gesperrt", murmelt der PJ entschuldigend.
Man
muß ihm vergeben. Er ist noch aus dem guten alten Holz
geschnitzt.
Ich ziehe mich zurück, um abzuwarten, ob er
herauskommt, wenn er sich sicher fühlt,
doch so dumm ist er
nun auch wieder nicht.
Außergewöhnliche Zeiten
erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Ich
zünde
meinen Abfallkorb an und ändere die Richtung der
Klimaanlage im Büro so, daß sie
Luft in den Rechnerraum
bläst, statt sie dort abzusaugen.
Der Alarm, daß in
zehn Sekunden das Feuerlöschgas in den Raum geblasen wird,
geht
los, und der PJ rast zum Notfallschalter, um das Ausströmen des
Gases zu
verhindern - natürlich nutzt er den echten, als
Gegensprechanlage getarnten
Schalter und nicht den Köder, den
wir benutzen, um ´Kollegen´ zu erschrecken.
Jetzt
habe ich ihn da, wo ich ihn haben will. Während die Rauchmelder
noch immer
Rauch wittern ist die Löschgasanlage noch immer
aktiviert, nur hat der PJ die
Gaszufuhr blockiert - bei einem
Stand von 7 Sekunden bis zum Auslösen ...
Ich halte den
Abfalleimer hoch und packe noch mehr Papier und ein
Sicherungsband
hinein (damit auch genug Rauch herauskommt), um dem
PJ zu zeigen, daß ich es
ernst meine.
Außer
Hörweite kritzelt er schnell eine Botschaft an die Wand. "Sie
könnten Recht
haben, 27 Pence sind eine Beleidigung!"
Lächelnd schütte ich Kaffee in den Eimer, um die
Flammen zu löschen und setze
mich dann an meinen
Schreibtisch. Der PJ kommt heraus, als er sicher ist, daß
die
Löschanlage deaktiviert wurde.
"Was werden wir
unternehmen?" fragt er.
"Nun, ich glaube, wir müssen
ein Exempel statuieren. Entschlossen, aber nicht zu
brutal."
"Sie meinen Chilli-Soße in der Flasche mit den
Augentropfen, Abführmittel im
Trinkwasserspender oder Leim
auf den Toilettensitzen?"
"Nun ..."
"Alles
zusammen?"
"Schon besser ..."
"Wir leiten
ihre Daten durch das 3-phasige Strom-´Netzwerk´?"
"Schon geplant ..."
"Wir füllen
wasserfeste Farbe in den Tank der Sprinkleranlage und aktivieren
die
Anlage auf ihrer Etage?"
"Ja ... das kommt noch
hinzu ..."
Und so kommt es, daß der PJ eine halbe
Stunde später auf einer Leiter steht und
purpurrote Farbe in
den Wassertank füllt, als ... BDZZZT!!
Zu seiner
Verteidigung muß erwähnt werden, daß der PJ keinen
Laut von sich gab,
als ihn der Elektroschocker traf. Von dem
Geräusch des Sturzes in den Wassertank
einmal abgesehen.
Nachdem ich ihn herausgefischt habe, deaktiviere ich seine Karte,
schalte das
Feuerlöschsystem bei uns ab und sperre auch seine
Karte, die in der Datenbank als
´Installations-Karte´
geführt wird.
Was sein muß, muß sein ...
Der Chef will schon wieder
wissen, wie es um unsere Vorbereitungen für Notfälle
steht,
wie wir zum Beispiel reagieren können, wenn ein Erdbeben die
Gebäude
beschädigen würde ...
Mein Kommentar, daß ein Erdbeben während der
Arbeitszeit die Produktivität im
Haus wohl erhöhen
würde, erntet leider nicht das erwartete zustimmende Lachen.
Er
beharrt stattdessen darauf, zu erfahren, wie wir auf
seismische
Unregelmäßigkeiten vorbereitet sind. Und als
Teil seiner Untersuchungen will er all
unsere Notfallpläne
und Vorbereitungen inspizieren und sehen, wie gut wir auf den
Fall
der Fälle vorbereitet sind.
Ich könnte ihm die Wahrheit
sagen, daß wir auf Katastrophen ungefähr so
gut
vorbereitet sind wie Butch Cassidy und Sundance Kid, aber das
würde wohl nur
überflüssige Sorgen und
Befürchtungen hervorrufen.
Um ihn erst einmal
zufriedenzustellen, habe ich ihm eine Menge Unsinn erzählt,
der
gewöhnlich ausreicht, um das mittlere Management zu
beeindrucken: "Nun, wir sind
vollständig auf solche
Fälle vorbereitet, wir haben Sicherheitskopien außerhalb
des
Hauses und Bibliotheken mit unseren Programmen - Pläne
zur Widerherstellung der
Systeme, Vereinbarungen mit
Hardware-Lieferanten für Katastrophenfälle und
drei
verschiedene Notfallzentralen in entfernt voneinander
gelegenen Fillialen, die bei
Bedarf innerhalb von 36 Stunden
vollständig als Ersatzbüro hergerichtet werden
können.
Vielleicht einen halben Tag schneller oder langsamer."
"Und
dazu kommen noch unsere redundanten Netzwerkanbindungen,
Vereinbarungen
über Notfall-Service in Form von
Satellitenanbindungen oder zusätzlichen Leitungen
durch die
größten Netzanbieter. Ja, die Netzwerkseite dürfte im
Katastrophenfall am
einfachsten wieder in Betrieb zu nehmen sein.
Am langsamsten wird dabei noch das
Einspielen der
Sicherheitskopien auf den verschiedenen Servern
sein.
Arbeitsplatzrechner werden dabei berücksichtigt, wenn
sie gebraucht werden, was
davon abhängt, wie wichtig die
betreffenden Mitarbeiter sind."
"Ausgezeichnet!"
ruft der Chef mit vor Begeisterung glänzenden Augen. "Nun,
dann
bleibt uns wohl nur noch eine kurze Besichtigung der drei
Notfallzentralen!"
Und da gehe ich auf dünnem Eis. Der
Chef muß früher oder später herausfinden, daß
ich
ihm Unsinn erzählt habe und wird wissen wollen, wieso ich das
getan habe.
Der PJ bemerkt meine Resignation (darüber, daß
ich mir den Vortrag des Chefs über
´professionelle
Integrität´ und Sachverstand anhören muß) und
fragt, wo das Problem
liegt. Ich weihe ihn in die traurigen
Details ein.
"Nun, wir könnten ihn doch in eines der
Notfallzentren fahren und ihm sagen, daß sie
alle gleich
aussehen und dem Wachdienst sagen, sie sollten Besuche
aus
Sicherheitsgründen nicht erlauben." schlägt er
vor.
"Das mit dem Wachdienst könnte funktionieren, aber
die Notfallzentren sind das
wahre Problem."
"Funktionieren
sie nicht?" fragt der PJ.
"Oh doch, aber sie sind an
andere Mieter verpachtet."
"Was?!"
"Nun,
sie liegen doch gewöhnlich mitten in Geschäftsvierteln.
Also vermiete ich sie
normalerweise an andere Unternehmen und
investiere das Geld in lohnendere
Projekte - in diesem Falle in
die Erweiterung der Bandbreite unserer
Internetanbindung."
"Wie uneigennützig von ihnen." murmelt der PJ.
"Ja, nun ... Aber das ist jetzt alles vorüber, er wird
es herausfinden ..."
"Nicht unbedingt!" ruft der
PJ mit Befriedigung in seinem Blick, was wohl bedeutet,
daß
er einen Plan hat.
Zwei Tage später leistet mir der Chef auf
der Rückbank einer Limousine
Gesellschaft, mit der wir unsere
Notfallzentrale besuchen wollen. "Verdammt dunkel
hier."
beschwert er sich. "Man kann nicht einmal durch die Fenster
blicken."
"Ja", stimme ich ihm zu. "Das ist
ein Wagen unseres Partners, der sich um die
Speicherung unserer
Daten kümmert - sie machen keine Kompromisse, denn sie
haben
wichtige Kunden."
"Oh", murmelt der Chef
selbstzufrieden - sein Gefühl von Selbstherrlichkeit
erreicht
neue Höhen. "Und wo fahren wir hin?"
"Wir
fahren zur nächstgelegenen Notfallzentrale, was etwa zwei
Stunden dauern
wird. Ich denke, wir besuchen pro Tag eine
Zentrale, wenn sie nichts dagegen
haben."
Zwei Stunden
später rollen wir über eine Rampe auf die Parkfläche
im Kellergeschoß
unserer ersten Notfallzentrale. Ich helfe
dem Chef in einen frisch renovierten
Frachtaufzug (aus
Sicherheitsgründen) und wir fahren eine Etage nach oben
ins
Notfallzentrum.
"Das kommt mir irgendwie bekannt
vor", murmelt der Chef ein wenig verwirrter als
gewöhnlich.
"Wir haben die Notfallzentren so gestaltet, daß sie
vertraut aussehen, was den
Ortswechsel und die Neuorientierung für
die Mitarbeiter leichter macht."
"Wirklich? Das ist
eine gute Idee!"
Wir betreten den Rechnerraum und schauen
uns um. "Etwas ruhig, oder?" will der
Chef wissen.
"Nun, die Notfallzentren werden typischerweise erst im
Notfall in Betrieb
genommen - hauptsächlich, um Strom und
Wartungskosten zu sparen."
"Natürlich."
Der
Rest der Besichtigung verläuft problemlos und wir fahren zurück
zu unserer
Firma.
"Wohin fahren wir morgen?" fragt
der Chef.
"Nun, ich denke, daß wir früh losfahren
und das Zentrum in Wales besichtigen. Ich
hole sie gegen 6 Uhr
ab?"
Als der Chef gegangen ist, tippe ich an die
Trennscheibe, die Fahrer und Fahrgäste
trennt. Das Gesicht
des PJ erscheint, als die Scheibe verschwindet.
"Morgen geht
es nach Wales", murmle ich. "Stellen sie die Technik ein
wenig um,
hängen sie ein paar walisische Landkarten mit
farbigen Stecknadeln an strategisch
wichtigen Punkten auf und
stellen sie eine Kiste Porree in den Frachtaufzug. Oh, und
fahren
sie in einem etwas größeren Radius durch die Stadt.
Zweihundert Runden um
das Haus fordern skeptische Fragen geradezu
heraus."
Oh, mir bleibt jetzt noch, ein paar Rechnernamen in
glaubwürdiges Walisisch zu
übersetzen, um etwas für
die Bilthigung des Chefs zu tun (Compluthären etc.).
Diese
Notfallvorbereitungen sind wirklich mit Arbeit verbunden!
Als die Not am größten
ist, leiht der B.O.F.H. seine helfende Hand der
Nutzerbetreuung.
Dabei spielt eine gewisse Menschenliebe zwar eine Rolle,
doch
wichtiger noch ist die Aussicht auf zusätzliche
Einnahmen ...
Ich bin so nett, daß ich einen Orden verdiene! Als
herzensguter Mensch habe ich
mich entschlossen, in der
Nutzerbetreuung auszuhelfen, als diese dringend Hilfe
braucht. Es
scheint, daß sie wegen des Winterwetters und der Urlaubszeit
chronisch
unterbesetzt ist.
Der PJ, gepriesen sei er, ist vom
gleichen Geist der Aufopferung beseelt und hat
angeboten, mir
dabei zu helfen, die Nutzer zu bewachen - ich meine, mir dabei
zu
assistieren, wenn ich ihnen helfe.
Seit unserem letzten
Besuch hat sich nicht viel verändert. Nun, jetzt scheint
die
Sonne und ich schleppe keinen Sack und kein Brecheisen mehr
mit mir herum, doch
davon abgesehen hat sich wenig geändert.
"Das", belehre ich den PJ. "Das ist ein Telefon.
Sie haben bestimmt schon Menschen
gesehen, die dieses Gerät
benutzen. Jetzt können sie es ebenfalls versuchen."
Ich
ignoriere die Geste des PJs, die unter normalen Umständen wohl
etwa dies
ausdrücken würde: "sie haben sicher eine
erfüllende sexuelle Beziehung mit ihrer
rechten Hand"
(was ich wohl fehlinterpretierte als: "Ich sehne mich nach
einem
verdammt guten Tritt in den Hintern. Könnten sie mir
den Gefallen tun?"), und
kümmere mich um die Arbeit.
"Sie nehmen die Leitungen 1, 3 und 5, ich nehme die 2, 4 und
die 6." lege ich fest.
"Was? Ich dachte, wir leiten
alle Anrufe zu dieser religiösen
Motto-des-Tages-Nummer um
und schauen uns auf ihren Festplatten nach
interessanten und
belastenden Daten um!" jammert der PJ eingeschnappt.
"Das
wäre reine Zeitverschwendung", antworte. "Ich habe
doch die gesamte gute
Hardware durch die ausgemusterte aus unserem
Lager ersetzt, damit wir nun von
jeder Etage aus ein Quake II-Netz
aufbauen können."
"Sie meinen, wir können
nicht einmal Quake auf diesen Rechnern spielen?"
"Ich
fürchte, daß das hier wirklich unmöglich ist. Diese
Rechner werden sich schon
freuen, wenn sie uns ANSI-Grafiken
zeigen können, von SVGA ganz zu
schweigen."
"Aber
...." schnappt der PJ ein.
"Kein Widerspruch. Wir werden
unsere Zeit sinnvoll dazu nutzen, unsere Nutzer
etwas besser
kennenzulernen. Wir haben uns in diesem Jahr zu sehr von
ihnen
isoliert - es wird Zeit, daß wir unsere Beziehungen
erneuern!"
Meine Selbstlosigkeit stimmt mich ein wenig
nachdenklich, aber ich schlucke die
Übelkeit hinunter und
fahre fort.
"HIER!" rufe ich. "Stimmen wir unsere
Ausredenkalender aufeinander ab. Seite 47,
Hypotropisch-osmotische
Datenverluste."
Die Augen des PJs leuchten kurz auf als
seine Gedanken abschweifen, doch er ist
sofort wieder hellwach und
hört mir zu.
"Ich werde es H.O.D. nennen", murmelt
er, als er sein Bewußtsein wiedererlangt.
"In Ordnung!
Dann kann das Spiel beginnen!" rufe ich.
"Spiel?
Welches Spiel?" fragt der PJ.
"Sie werden es
herausfinden ..."
"Ich weiß noch immer nicht,
wieso der Chef das erlaubt hat", ruft der. "So dumm kann
er
doch gar nicht sein."
"Er war nicht so dumm",
antworte ich lächelnd. "Aber er wurde versetzt. In
unsere
Filiale in Leeds, nachdem er zu Beginn der Woche einen
kleinen Unfall hatte."
"Ja?" fragt der PJ voller
Neugier.
"Es war tragisch."
"WIRKLICH?"
Sein Interesse wächst.
"Es scheint so, als hätte
er sich bei diesem Training zum Thema "Sexuelle
Belästigung
am Arbeitsplatz", das uns die US-Zentrale verordnet hat, ein
wenig
gehenlassen."
"Das Training, für das sie
all die netten Leute aus der Geschäftsführung
zusammengetrommelt
haben? Hat er gesagt, er nehme an, das sei ein Training, bei
dem
vorgeführt wird, wie man das macht?"
"Nein -
offenbar hatte er etwas bei sich, das er bei dem Zusammentreffen
nicht
einziehen konnte. Ja, so könnte man es wohl am besten
ausdrücken ..."
"Sie meinen, er hatte einen ...."
"Anscheinend. Er hat wilde Verdächtigungen geäußert
und behauptet, jemand hätte
Viagra in seinen Kaffee gemischt,
aber ich frage sie ..."
"Abartig", pflichtet mir
der PJ bei. "Wo wir beim Thema sind, Kaffee?"
"Ja,
aber nehmen sie nicht den Instantkaffee bevor ich Zeit hatte,
ihn
auszutauschen."
"Sie verdammter ..."
Unsere Unterhaltung wird durch den ersten Anruf an diesem Tag
unterbrochen.
"Hallo, wie kann ich ihnen helfen?" frage
ich in einem Tonfall, der nur als guter Wille
gedeutet werden
kann.
"Hallo, mein Rechner vergißt ständig die
Zeit, und mein Kollege meinte, das könne an
der Batterie in
dem PC liegen!"
"Wie alt ist der Rechner?" frage
ich.
"Drei Monate."
"Normalerweise fallen die
Batterien nicht so schnell aus." antworte ich. "Ich
denke,
es liegt daran, daß ihr Rechner beim Starten die
aktuelle Zeit vom Netzwerkserver
holt, er aber nichts damit
anfangen kann, weil ihre Zeitzoneneinstellung nicht GMT
ist."
"Nun ..." >Klickklick< >Klickklich< "Genau,
da steht Winnipeg! Wo zum Henker ist
Winnipeg?"
"In
Kanada, glaube ich", antworte ich hilfsbereit.
"Vielen
Dank!"
"Keine Ursache!" antworte ich und lege auf.
Der PJ ist geschockt.
"Was war denn das?" ruft er
ungläubig.
"Oh, habe ich es ihnen nicht gesagt? Darum
geht es in dem Spiel. Alles oder nichts.
Wer als Erster eine
spitze Bemerkung zu einem Nutzer machte, zahlt am Freitag für
die
Biere."
"Das klingt nicht wie ein Spiel." murrt
er. "Und nach Spaß schon gar nicht!"
"Wollen
sie LIEBER MONOPOLY spielen?!"
"Nun, nein, aber das ist
nicht die Art von Spielen, die Spaß machen!"
"Ich
glaube, sie sind ein FEIGLING!" verhöhne ich ihn.
"Mitnichten!" ruft der PJ. "Das scheint eher auf
sie zuzutreffen."
"In Ordnung. Ich übernehme
Leitung 1, was die Anzahl potentieller Anrufer für
mich
verdoppelt. Jetzt zufrieden?"
Der PJ nickt - dann
grinst er, als ein Anruf auf Leitung 1 kommt.
Vielleicht habe ich
doch etwas zu hoch gepokert und mich und meine
Leidensfähigkeit
ein wenig überschätzt ...
Der B.O.F.H. beweist, daß
es (beinahe) möglich ist, sich gleichzeitig an mehreren
Orten
aufzuhalten, als es darum geht, sein Heiligtum gegen Besuche
durch
Dummköpfe zu verteidigen ...
Ich sitze unten im Café, um mich kurz (in Ordnung, es sind
ein paar Stunden) vom
Stress mit den verrückten Nutzern zu
erholen - Anrufe habe ich auf mein Handy
umgeleitet, dessen Nummer
geheim ist. Und prompt fängt es an zu piepsen.
"Hallo,
Netzwerk- und Systembetreuung", melde ich mich so freundlich,
als würde
ich noch am Wettbewerb ´Wer ist am nettesten
zu den Nutzern´ teilnehmen ...
... was ich freilich nicht
mehr tue, denn nachdem ich den PJ ausgetrickst habe, indem
ich
unheimlich viel Speicherplatz auf den Servern reserviert und ihn dann
mit schnell
zusammengebauten klingenden E-Mails ´vom PJ´
aufgefüllt habe, sehe ich gar keine
Veranlassung mehr,
freundlich zu sein. Die Stimmung der Mißgunst gegen den PJ
hat
den Chef sogar dazu veranlaßt, ihn in einen kurzen
Urlaub zu schicken.
"Wo sind sie?" will der Chef
wissen. Seine Stimme wird ein wenig von den
Außengeräuschen
meines gegenwärtigen Aufenthaltsortes gedämpft.
"Natürlich
im Rechnerraum!" antworte ich entrüstet.
"Wirklich?
Und woher kommen diese Hintergrundgeräusche? Ich kann Autos
hören!"
"Ja, natürlich. Das ist dieses
Multimedia-Demonstrationsprogramm, das gestartet
wird, wenn die
Server hochgefahren werden." erkläre ich ihm. "Ich
würde die
Lautsprecher ja abschalten, aber wir brauchen sie
für die akustische Fehlerdiagnose
beim Starten."
Mein
Schwachsinnsmesser registriert drei von zehn möglichen Punkten,
also dürfte
diese Entschuldigung wahrscheinlich für den
Chef ausreichen.
"Oh." antwortet er und bestätigt
meine Vermutung. "Nun, ich muß in den
Rechnerraum, da
ich einigen neuen Mitarbeitern unsere Technik zeigen will. Wenn
sie
also herauskommen könnten, um uns einzulassen ..."
Man
kann mich ja altmodisch nennen, aber das LETZTE, was ich will, ist
ein Haufen
schwatzender Verrückter, die keine Ahnung davon
haben, wie und warum Computer
funktionieren, im Allerheiligsten
vom Heiligen.
Da ich ein vorausschauender Mensch bin, habe ich
mich auf solche Fälle vorbereitet,
indem ich die Eingänge
für alle außer mir elektronisch blockieren kann.
"Ich
befürchte, daß wir ein Problem mit dem elektronischen
Schließsystem haben und
ich es auch nicht dazu bringen kann,
die Türen freizugeben." teile ich ihm mit. "Es
sieht
so aus, als wäre ich ein- und sie ausgesperrt."
"Aha",
murmelt der Chef langsam. "Dann versuche ich die
Notfall-Entriegelung."
Ein paar laute Schläge später
greift der Chef keuchend wieder zum Telefon. "Das
VERDAMMTE
GLAS läßt sich nicht einschlagen!" japst er. "Was
für eine Sorte
Sicherheitsglas ist das denn?"
"Ich
habe keine Ahnung, aber es klang gut für die Wachmannschaft."
antworte ich
und stelle ihn damit offenbar zufrieden.
"Dann
rufe ich die Hausmeister an, um durch das Glas zu kommen - sie
warten
einfach auf uns!" ruft er und will damit seinem
Anfängerpublikum wohl
Entscheidungsfreude und
Problemlösungsfähigkeit demonstrieren.
Was bedeutet,
daß ich nun doch noch an meinen Arbeitsplatz zurückkehren
muß, da
das Glas nur begrenzt den Bemühungen des
Hausmeisters standhalten wird.
Ich nehme ein Taxi und betrete das
Firmengebäude durch den Hintereingang,
schleiche aus einem
Frachtaufzug und lande hinter dem Chef und einer Gruppe
technischer
Dummköpfe, deren Intelligenzquotienten zusammengezählt
nicht einmal
den Hüftumfang eines Supermodels erreichen.
"Hallo!" sage ich und denke an die positive Wirkung,
wenn man nett zu angehenden
Nutzern ist.
"Wo kommen sie
denn her?" fragt der Chef und deutet verwirrt auf den
Hausmeister,
der sich noch mit seiner Bohrmaschine durch das
Panzerglas durcharbeitet - einen
halben Zoll hat er schon
geschafft, so daß ihm nur noch ein Zoll bleibt.
"Der
Rechnerraum!" rufe ich. "Ich habe es geschafft, die
Notausgangstür dadurch zu
öffnen, daß ich meine
Karte mehrmals durch den Leser gezogen
habe - möglicherweise
gab es Lesefehler oder ähnliches."
Wichtigtuerisch
blase ich in den Kartenleser und versuche es dann mit meiner
Karte.
Natürlich öffnet sich die Tür. Dann stoppe
ich heimlich das Blockierprogramm und
lasse die Meute eintreten.
"Das ist unser ... ähm ..." beginnt der Chef,
wobei er feststellt, daß ich mich seiner
Führung
zugesellt habe und sehr interessiert seinen Ausführungen
lauschen will.
"Ähm, vielleicht ist es doch besser, wenn
wir jemanden aus der ersten Reihe zu
Wort kommen lassen!"
Es
ist natürlich überflüssig zu betonen, daß meine
Vorführung ein durchschlagender
Erfolg war - ganz besonders
nachdem der Chef die Gefährlichkeit des
Arbeitsplatzes
dadurch demonstriert hatte, daß er über eine lose
Bodenplatte, die wir
dazu benutzen, Fremde am Herumstreunen bei
uns zu hindern, stolperte und mit dem
Gesicht voran in ein Regal
voller Technik stürzte.
Auf dem Weg nach draußen
trifft mich ein Typ aus der Personalabteilung und gibt mir
die
Einladung des Chefs, mit der ich am ´Willkommen in der
Firma´-Trinken am
Nachmittag teilnehmen kann, was bedeutet,
daß der Chef selbst wohl nicht hingehen
kann ...
Und
gerade als ich dachte, das Leben könnte nicht mehr besser
werden, ruft der PJ
an und erklärt, er wisse alles und würde
sich nur WIDERWILLIG an sein
Versprechen halten - aber eine Wette
sei nun einmal eine Wette.
Gedächtnisvermerk Nummer Zwei:
Rechtzeitig an das Vertauschen der Gläser
denken, wenn seine
Aufmerksamkeit im Pub abgelenkt wird. Letztlich ist die
Vorstellung,
eine Überdosis Abführmittel trinken zu müssen, doch
nicht sehr
verlockend.
Das Duo des Schreckens
entwickelt einen individuellen Plan zur
Gesundheitsvorsorge.
Einen, der es erlaubt, tagelang der Arbeit fernzubleiben, um
Pubs
oder Sehenswürdigkeiten zu besuchen ...
In den Tiefen ihrer kalten Herzen haben die Firmenmanager
beschlossen, daß wir
Angestellten unter angemessener
finanzieller Selbstbeteiligung (auf einem hohen
Niveau, versteht
sich) würdig sind, Mitglieder der
firmeneigenen
Krankenversicherung zu werden.
Verdammt. Ich
hätte nach all meinen Mühen ein Sonderangebot dafür
verdient. Gäbe
es mich nämlich nicht, so bräuchte
die Firma gar KEINE eigene
Krankheitsvorsorge - zumindest keine
mit so hohen Beiträgen zur Absicherung von
Arbeitsunfällen
....
"Aber das ist doch verdammt billig!" behauptet der
PJ. "Und bei Arbeitsunfällen wird
der komplette
Aufenthalt in einem privaten Krankenhaus bezahlt."
"Wo
man ihnen zweifellos Chilli-Einläufe verpassen wird, bis sie
selbst darum
bitten, entlassen zu werden." antworte ich, der
ich nur zu gut weiß, wie gut ´gute
Geschäfte´
wirklich sind.
"Nein, sie haben auch ein paar Bilder",
ruft er und wedelt selbstvergessen mit ein
paar
Hochglanzbroschüren. "Sehen sie sich das an!"
Ich
muß zugeben, daß die Bilder beeindruckend aussehen. Sie
zeigen große stattliche
Krankenzimmer, Bataillone hübsch
aussehender Krankenschwestern und prächtig
gedeckte Tische
mit dem Abendessen, doch ich habe schon zu viele
Hochglanzbroschüren
für Computersysteme gesehen, als daß ich der Werbung
noch
glauben könnte.
"Das ist doch nur der übliche
Werbemüll", erinnere ich den PJ. "Nichts davon
ist
wahr."
"Es könnte aber sein", murmelt
er eingeschnappt.
"Es ist eine der Grundregeln bei der
Arbeit in unserer Branche, daß man niemals
Broschüren
glauben kann, wenn man die Ware noch nicht selbst gesehen hat!"
weise
ich ihn zurecht.
"Aber wie können wir
herausfinden, wie es wirklich ist, wenn wir uns nicht
beteiligen?"
"Beteiligen?" ruft der Chef und stürmt in unser
Büro. "Sie meinen die
Gesundheitsvorsorge? Da bin ich
schon seit Jahren Mitglied."
"Und - wie sind die
Krankenhäuser? Haben sie schon eins gesehen?"
"Nein."
antwortet der Chef und beugt sich hinunter, um den neuen
19
Zoll-Flachbildmonitor hochzuheben, der für ihn bestimmt ist.
"Aber wenn es
einmal sein muß, werden sie die erst ...."
Er hat sich noch nicht wieder ganz aufgerichtet, als ich die
aufgeblasene Papiertüte
knallend zerplatzen lasse, die ich
der Hand hielt. Erschreckt reagiert der Chef etwas
schneller als
gewohnt. "Autsch!" ruft er, läßt den Monitor
fallen und hält sich den
Magen fest.
Ups.
Natürlich
nehmen der PJ und ich uns die Zeit, um uns zu versichern, daß
die
Genesung des Chefs von seinem Leistenbruch voranschreitet. Und
um ein wenig
einzukaufen. Gut, und um ein paar Bierchen zu
trinken. Und um eine Stadtrundfahrt
mit dem Bus zu machen - aber
danach steuerten wir zielstrebig das Krankenhaus an.
Dort stellen wir fest, da meine Befürchtungen grundlos waren
- das Gebäude ist in
einem tadellosen Zustand, ihre
Überwachungstechnik läßt unsere blaß aussehen.
Wir machen ihrem Administrator ein paar Komplimente, damit er uns
schnell ein
wenig herumführt, und zeigen starkes Interesse an
ihrem ZUPÜS (Zentralisiertes
Umfassendes
Patienten-Überwachungs-System).
"Grundsätzlich",
erklärt der Administrator uns, als wir das Zimmer des
Chefs
verlassen, "Grundsätzlich erlaubt das System die
Überwachung aller Patienten aus
der Rechenzentrale heraus,
von wo dann bei Bedarf Ärzte oder Schwestern alarmiert
werden
können, die vor Ort sind."
"Aha", antworte
ich. "Und was passiert, wenn die Ärzte mit den
Krankenschwestern
irgendwo sind und Arzt und Krankenschwester
spielen?"
Einen tadelnden Blick später fährt er
fort. "Die Software ist jederzeit darüber
informiert, wo
sich unser Personal aufhält. Ich kann ihnen wirklich versichern,
daß ihr
Chef bei uns in den besten Händen ist und
Unfälle ausgeschlossen sind."
Arschloch. Wir hoffen
nämlich auf einen (oder fünf) Rückfälle, damit
wir mehr
Arbeitszeit verbraten können, um, ähm, das
Krankenhaus zu besuchen.
"Tausende Kabel aus dem gesamten
Krankenhaus enden hier in der
Überwachungszentrale."
erklärt uns ein haariger Gnom. "Sie übermitteln alle
Daten,
die wir brauchen, und alle Patientendaten sind hier über
den berührungsempfindlichen
Monitor abrufbar."
"Wirklich?" sage ich und tippe auf das Kästchen
mit dem Namen des Chefs.
"Wie sie sehen können, werden
die Bilder zweier Kameras aus dem Zimmer ihres
Chefs, der Nummer
22b, angezeigt. Zusätzlich sehen sie noch seine Werte
für
Temperatur, Herzschlag und Atmung. Und hier sehen sie
seine Gehirnströme - all
das wird durch das eine Kabel
übertragen und hier angezeigt, was uns gewaltige
Ausgaben für
getrennte Überwachungstechnik erspart ... Oh, mein Gott!"
Der Monitor, der die Daten des Chefs zeigt, hat sich rot verfärbt
und es blinkt das
Wort ´HERZSTILLSTAND´ auf. In der
Folge können wir beobachten, wie eine
medizinisches Team
auftaucht und dem Chef ein paar Stromschläge verpaßt.
"Nun", fügt der Gnom hinzu. "Wie sie sehen
können, ist die
Reaktionsgeschwindigkeit unseres
medizinischen Personals hervorragend."
"Ja",
bestätigt der PJ und legt einen Schraubenzieher auf den Tisch.
"Aber irgendein
Anschluß an diesem Rechner war falsch
konfiguriert. Doch machen sie sich keine
Gedanken, ich habe das
Kabel unseres Chefs überprüft und wieder
angeschlossen
...."
Die Stille ist, wie man so schön sagt,
ohrenbetäubend. Der Gnom weiß nun, daß der
Chef
eine Behandlung bekommen hat, die gar nicht nötig war, und,
sollte es eine
Anfrage geben, das Krankenhaus - und sein Projekt -
nicht gerade gut dastehen
würden. Verzweifelt blickt er uns
an.
"Ein Zehner sollte für ein paar Biere reichen."
sage ich. "Pro Tag und Mann", fügt der
PJ hinzu.
Das Duo des Schreckens wird
beauftragt, ein Mitteilungsblatt zu verfassen. Eine
leichte
Aufgabe, wenn sicher wäre, daß niemand die technischen
Details
mißversteht ...
Der Chef hatte die Idee, daß es für das Ansehen unserer
Abteilung förderlich sein
könnte, wenn wir ein paar
Mitteilungen für die Nutzer herausgeben würden. (Nicht
in
elektronischer Form - das wäre dann doch zu
fortschrittlich; und eine Papierversion
ist viel nützlicher,
kann man sie doch jahrelang in Ordnern aufbewahren, selbst wenn
das
´Lesen bis´-Datum schon verstrichen ist.)
Seine
Theorie ist, daß dadurch, daß wir zweimonatlich ein paar
Blätter zu Themen
wie ´Die neueste Technik ist ....´,
´Wir haben gerade ... gekauft´ und ´Was sie über
....
wissen sollten´ herausgeben, die echten Arbeiter nicht
bemerken werden, daß all die
wunderbare neue Technik im
Management landet, während sie mit dem Müll von
vorgestern
ausgestattet werden. Eine Vertuschungsaktion also, um es
anders
auszudrücken ...
Ein schleimiger Typ aus der
Werbeabteilung soll uns dabei helfen, ein
ansprechendes
Mitteilungsblatt zu erschaffen, was von
weichgezeichneten Fotos (der Chef sieht
aus, als sei sein Gesicht
in Flammen aufgegangen und jemand hätte versucht, das
Feuer
mit einem Kartoffelschäler zu löschen) reicht bis zu
einem
pseudowissenschaftlichen Stil bei der Auswahl der Worte und
dem pastellfarbenen
Papier, auf dem die Mitteilungen erscheinen
sollen.
Er ist auch ein Talent bei der Auswahl der Themen, die so
unnütz sind, wie es nur
geht: wieviele Kilometer Cat-5
(Hochgeschwindigkeitskabel) im Haus verlegt sind,
wieviele Leute
aus der Nutzerbetreuung auf Fortbildungskursen waren, der
Wert
unserer Technik, Technologien, die wir beobachten ... Und,
natürlich, der Chef
wünscht, daß ich einen kurzen
Artikel schreibe über die neue Ausrüstung, die wir
gerade
prüfen, wann wir sie einsetzen wollen, ein paar nützliche
Informationen
darüber ... mit anderen Worten, ich soll das
verdammte Ding selber schreiben.
Nun, ich liebe es ungefähr
so sehr, die Nutzer mit Informationen zu versorgen,
wie
Parlamentsmitglieder es mögen, mit ihren Wählern zu
reden, also bin ich, um es
einfach zu sagen, sehr gespannt, wie
meine Ideen ankommen. Nein, eigentlich nicht,
denn es ist alles
klar.
Sein Befehl, alles so zu schreiben, daß es jeder
versteht, macht die Sache schwierig.
Ich hoffe nur, er denkt bei
´jeder´ nicht an die Leute vom Wachdienst, da ich
wirklich
nicht behaupten möchte, daß unsere
Laserdrucker das Papier mit Farbstiften
´bedrucken´.
Trotzdem schaffen der PJ und ich es, genügend Informationen
zusammenzukratzen,
um zwei Seiten damit füllen zu können
und sie schnellstmöglich an die Drucker zu
schicken -
natürlich nachdem der Chef seine Zustimmung gegeben hat. Und so
muß
ich gestehen, daß ich etwas bestürzt, ja,
beinahe geschockt bin, als der Chef am
nächsten Tag ins Büro
hereinstürmt in einer Stimmung, die wohl nur als ´kurz vor
der
Explosion´ beschrieben werden kann.
"Was zum
Teufel ist das?" fragt er und wedelt wütend mit einem
Blatt.
"Unser Mitteilungsblatt", antworte ich wenig
überrascht.
"Das weiß ich! Aber das sieht völlig
anders aus als das, was sie mir gestern gezeigt
haben!"
"Nein, ich mußte nur den technischen Fachjargon, den
sie gelesen haben, so
übersetzen, daß die Nutzer ihn
auch verstehen."
"Aber das ist ein verdammter
Alptraum!" schreit er. "Die Nutzer sind völlig
verwirrt!"
"Nun, ich muß zugeben, daß sich durch die
Vereinfachung des Textes die eine oder
andere technische
Ungenauigkeit eingeschlichen haben könnte, aber die
wesentlichen
Informationen sind noch da."
"TECHNISCHE
UNGENAUIGKEITEN?! Sie schreiben, daß die Tonerkassetten
relativ
leicht mit Tinte aufgefüllt werden können."
"Nun,
ich dachte, sie würden sonst nie begreifen, was Toner ist. Und
daß es wirklich
recht simpel ist, ein Loch in die Kassette
zu bohren und den Toner zu
ersetzen - solange die Druckwalze und
die Sicherung nicht beschädigt
werden - anders macht man es
beim Toner-Hersteller ja auch nicht."
"Ja, nun, wegen
dieses Artikels haben wir jetzt einen Drucker in der Werkstatt,
der
nur noch zum Ausschlachten taugt."
"Aber das ist
doch kein besonders schwieriges Problem, oder?" wirft der PJ
ein.
"Immerhin liegt die vorhergesagte Nutzungsdauer ohnehin
nur bei knapp 3 Jahren."
"Darum geht es doch gar nicht.
Wie auch immer, das war ja nicht der einzige
problematische
Artikel - wieso haben sie den Nutzern gesagt, sie sollten
ihre
Rechner auswaschen, wenn das Netzwerk träge reagiert?"
"Was?! Oh, sie meinen den Vergleich einer Netzwerkverbindung
mit dem
Wasserschlauch einer Waschmaschine. Nun, ein größerer
Schlauch läßt auch mehr
durch, oder?"
"Ja,
aber sie haben geschrieben, die Nutzer sollen ihre Maschinen
auswaschen!"
"Nein, ich habe nur geschrieben, daß
man als Eigentümer ja möglichst viel Wasser in
der
Maschine haben möchte, aber ich meinte damit doch den
Datentransfer."
"Und wieso haben sie empfohlen einen
Feuerwehrschlauch an die Maschine
anzuschließen?"
"Eine Analogie - großer Feuerwehrschlauch, viele
Daten. Es würde doch niemand
ernsthaft daran denken, einen
Feuerwehrschlauch ..."
"Der Wachdienst braucht eine
ganze Ladung neuer Rechner ..."
"Oh. Aber das ist doch
nicht mein Fehler. Selbst sie müssen zugeben, daß sie
nicht
gedacht haben, daß die Leute so einfältig sind
...."
"Ja, aber wie ist es mit etwas anderem, daß
NICHT so einfältig ist? Wieso haben sie
empfohlen ´Infector´
auf den Rechnern zu installieren?"
"Infector? Nein, ich
habe empfohlen, das Programm ´Detektor´ zu installieren.
Ich
würde niemals Infector installieren - das ist doch ein
Testpacket für die Qualität von
Antiviren-Programmen,
das all ihre Dateien zerstört ..."
"Würden
sie sich darum kümmern, die Festplatte der Sekretärin
des
Geschäftsführers wiederherzustellen?"
"Ich
werde den PJ damit beauftragen!" sage ich, als der Chef
davonbraust.
"Also wird es wohl kein weiteres
Mitteilungsblatt geben?" fragt der PJ.
"Das ist
wirklich sehr unwahrscheinlich." gluckse ich.
"Verdammt!
Dabei hatte ich noch die Idee, daß alle Nutzer ihren
Festplattenplatz als
einen verteilten Massenspeicher betrachten
sollen."
"Das klingt viel zu technisch; ändern sie
es in ´lassen sie nach der Arbeit ihren
Rechner
eingeschaltet und im Netzwerk angemeldet, wenn sie nach Hause
gehen´.
Oh, und es ist niemals zu spät für einen
kleinen Nachtrag ..."
"Also werde ich mich darum
kümmern!"
Ein guter Junge - immer gewillt, sich unsere
Nutzer aufzuopfern.
Konfrontiert mit einem
uralten Rechner, der die Händler in der Antike begeistert
hätte,
findet der B.O.F.H. heraus, daß er mit einem Gummihammer mehr
erreichen
kann als ein Ingenieur mit einem Schraubenzieher ....
Es sieht so aus, als stecke ich tief im Schlamassel. Und ein
leichter Ausweg ist
leider auch nicht zu sehen. Dummerweise habe
ich versucht, einen antiken aber
dringend nötigen Teil
unserer Technik zu reparieren, der in den letzten Wochen
täglich
mehrere Fehlermeldungen ausgespuckt hat. Gut, es waren nur
´Warnungen´
und alles lief fehlerlos, trotzdem ...
Doch das ist nun alles behoben ... Und wie es das Schicksal
wollte, ist die Maschine
vollgestopft mit alten und proprietären
Innereien, die so alt sind, daß sie wohl nur
noch von den
Staubschichten zusammengehalten wurden, die sich im Laufe der
Jahre
angesammelt haben. Doch, wie angedeutet, das war einmal ...
Natürlich ist der Chef ein verständnisvoller Mensch,
der es zu schätzen weiß, daß er
nun nicht mehr
täglich mit unzähligen E-Mails belästigt wird, die
unnötige
Warnungen enthalten, als er mit mir über meine
aggressive Herangehensweise an die
Lösung ungelöster
Probleme spricht.
"Wenn die Maschine eigentlich lief, wieso
haben sie sie dann repariert?!" keucht er.
"Das hat
etwas mit der Service-Qualität zu tun", antworte ich und
bringe den Ball
vorsichtig ins Rollen ...
"Was meinen sie
mit Service-Qualität? Die Maschine lief doch - und jetzt tut
sie
das nicht mehr!"
"Sie funktionierte nur
teilweise", seufze ich. "Aber sie hätte jederzeit
komplett
ausfallen können."
"Und das ist sie ja
nun auch!" schreit er.
"Sehen sie jetzt, was ich
meine?" frage ich und schalte in den Modus für
verwirrende
Logik um.
"SIE HABEN SIE ZERSTÖRT!"
ruft er.
"Sehen sie", versuche ich, ihn freundlich
aufzuklären. "Die Nutzer lynchen uns, wenn
das Netz ohne
Ankündigung ausfällt, oder?"
"Ja?"
"Und
wir umgehen das, indem wir Ausfälle ankündigen, oder?"
"Ja?"
"Und das ist ja nun ein angekündigter
Ausfall wegen dringender Wartungsarbeiten.
Und die Nutzer sollten
das System daher auch nicht benutzen, oder?"
"Oh ...
wie?"
"Also gibt es nichts, worüber sie sich
BERECHTIGT beschweren könnten?"
"Ich glaube
nicht", antwortet er, wobei er etwas verwirrt klingt.
"Und
während ich mit ihnen spreche, kann ich mich nicht um die
Reparatur kümmern,
oder"
"Oh ... nein ..."
Der Chef verschwindet, nachdem ihm klar wurde, daß wir nach
unserem Gespräch
wieder da angekommen sind, wo wir vorher
schon standen. Und das bringt uns
wieder auf das eigentliche
Problem ...
"Was ist dieses riesige Ding da?" fragt der
PJ und deutet auf ein Ungetüm von einer
20
Megabyte-Festplatte in den Innereien der Maschine, die ungefähr
soviel Strom
verbraucht wie die halbe Beleuchtung im Rechnerraum.
Man muß ihm seine
Unkenntnis nachsehen, denn er ist zu jung,
um sich überhaupt an MFM-Festplatten,
Echtzeitspeicherung auf
Bändern oder gar 8 Zoll-Disketten erinnern zu können -
auf
den Leserbriefseiten der Erwachsenenmagazine findet man
derartiges eben nicht ...
"Das", sage ich. "Das
haben wir in der guten alten Zeit benutzt, wir nannten es ..."
"Festplatte!" ruft der PJ, nachdem er die ´20
MB´-Markierung auf der einen Seite der
Festplatte gesehen
hat.
"Beinahe, aber nicht ganz! Vielmehr ist das" - ich
greife zu meinem guten alten
Gummihammer - "ein Anruf bei
unserem Vertragspartner, der gleich ..."
BANG! BANG! BANG!
SKEEEEeeeeeeereeerrrrrrrrt!
"... notwendig ist."
"Und
was wollen sie damit erreichen?" seufzt der PJ.
"Nun,
bevor diese Einheit ausfiel ..."
"Bevor sie sie mit
ihrem Gummihammer geschlagen haben, meinen sie."
"Ein
Hammer übrigens, der keine nachweisbaren Spuren hinterläßt",
füge ich hinzu.
"Vorher war es ein Softwarefehler in
Verbindung mit einer unbekannten Fehlfunktion
der Hardware."
"Und nun wird der Service-Ingenieur denken, er sei dafür
verantwortlich."
"Nachdem er die Festplatte repariert
hat ..."
"Genau!"
Wir tätigen einen
Anruf, und noch schneller als ein Fesselballon mit einem
Millionär
als Kapitän die Welt umrunden kann (mit den
Zwischenlandungen), erscheint ein
Ingenieur mit seiner Ausrüstung
bei uns.
"Was - die Platte wird nicht in einer versiegelten
Verpackung ausgeliefert?" keucht
der PJ.
"Woher
wissen wir dann, daß sie neu ist?"
"Das einzige,
was diese Ingenieure versiegelt bekommen, ist ihre
Bettlektüre",
kommentiere ich. "Nebenbei, es gibt
auf dem ganzen Planeten vermutlich nur drei
gleichartige
Laufwerke, die zweifellos in Handarbeit durch Schweizer
Nonnen
repariert werden, wenn ich mir deren Preise anschaue, wenn
sie nicht gerade als
Ersatzteil geliefert werden."
Der
Ingenieur repariert schließlich die Maschine - nachdem er
dreimal in sein Büro
fahren mußte, um einen Ersatz für
die defekte mysteriöse Komponente zu finden, die
auf das
Motherboard aufgelötet werden mußte - und wir schalten
sie, sehr zur
Freude des Chefs, wieder ein. Er hatte den Fehler in
meiner Logik gefunden,
nachdem ihm auffiel, daß ich die
Ankündigung für den planmäßigen Ausfall
des
Netzes zum Zwecke der Wartung erst abgeschickt hatte, nachdem
die Maschine
ausgefallen war.
"Also ist jetzt alles in
Ordnung?" will er wissen.
"Ja. Alles läuft
bestens."
Zufrieden darüber, daß das Unrecht aus
der Welt ist, trottet er zurück in sein Büro,
um darüber
nachzudenken, wie er diese Erfahrung als ´gute Beziehung zu
den
Nutzern´ darstellen kann. Ich kehre in der Zwischenzeit
zu meinem Schreibtisch
zurück und will gerade mit der Arbeit
beginnen, als eine E-Mail mit dem Betreff
´System-Warnung´
von der erwähnten Maschine eintrifft. Diesmal verzichte ich
auf
den Gummihammer und greife mir seinen Bruder aus Metall.
"Ich
bin gleich wieder da", sage ich dem PJ. "Ich muß mich
um eine ´Verbesserung´
kümmern."
Wartung
ist wirklich eine Arbeit, die niemals endet ...
Konfrontiert mit der
Aussicht, mit einem spitzbärtigen Veganer zusammenarbeiten
zu
müssen, kann der B.O.F.H. der Herausforderung nicht widerstehen
und schickt
den neuen Kollegen mit boshafter Genialität zum
Teufel ...
"Uhhhh ..." beginnt der Chef und versucht verzweifelt,
sich daran zu erinnern,
weshalb er überhaupt unser Büro
angesteuert hat. "Das ist, ähm, Nigel", fährt
er
dann fort und zeigt auf einen Spitzbart, der hinter ihm steht.
"Nigel wird sich um die
Betreuung der Nutzer kümmern. Da
ihr Mitteilungsblatt nicht gerade gut
angekommen ist und sie nicht
gern mit den Nutzern zusammenarbeiten, dürfte das
für
alle Beteiligten positiv sein. Könnten sie dafür sorgen,
daß er einen Schreibtisch,
einen Rechner und ein Telefon
bekommt? Bis morgen - das wäre großartig."
Der
Chef stiehlt sich mit Nigel davon, noch bevor wir protestieren
können.
"Das darf doch nicht wahr sein." stöhnt
der PJ.
"ICH WEISS", erwidere ich. "Ein Typ mit
Spitzbart in einer technischen Umgebung."
"Was?"
"Ein Spitzbart. Sie wissen schon, ein
Typ, der auf Künstler macht - oder, um es auf
die
Computerbranche anzuwenden, ein Kauz, der unbedingt ´modern´
sein will."
"Und er gehört dazu?"
"Wenn
ich mir seinen Pferdeschwanz anschaue, dann ist er das schlimmste
aus
beiden Welten - auf kauziger Künstler, der mit Computern
umgehen will. Er wird
einen Escher-Druck mitbringen, seine
gesammelten Wired-Ausgaben, einen
Mini-Disk-Player mit Liedern von
Cohen und ... einen Rucksack."
"Unfug!"
"Vertrauen sie mir. Bevor wir wissen, was mit uns geschieht,
wird er uns Kräutertee
servieren, während er versucht,
uns zu Veganern zu machen."
"Sie meinen Vegetarier?"
"Nein, das ist ein alter Hut - jeder Mann und sein Hund ißt
heute vegetarisch. Um
wirklich ´dabei zu sein´, muß
man heute eine ´Ich fühle wirklich mit
den
Tieren´-Gesinnung zeigen. Ich bin schon beinahe so weit,
deshalb weiß ich, worüber
ich rede."
"Sie
sind doch gar kein Vegetarier!"
"Nein, ich gehöre
zur ´Ich kann das Schicksal des Tieres wirklich
schmecken´-Sorte.
Ganz speziell bei einem nächtlichen
Kneipenbesuch, wo das Leid am nächsten
Morgen vorprogrammiert
ist."
"Sie sind voller Vorur ..." sagt der PJ und
wird durch Nigels plötzliches Erscheinen
unterbrochen.
"Es
gab nicht besonders viel zu sehen, also dachte ich mir, daß ich
so früh wie
möglich vorbeikomme. Ist das mein
Schreibtisch?" fragt Nigel.
"Ja", sage ich und
füge hinzu, daß der PJ sein Telefon und seinen
Computer
einrichten wird, er für den Moment aber noch nicht
gebraucht wird. Ich gestikuliere in
Richtung Kaffee-Automat.
"Den
würde ich ihnen nicht empfehlen", sagt Nigel, als das
Gesicht des PJs dessen
vorherigen Kommentar ´Unsinn´
erneut wiederspiegelt.
Ich bin unbeeindruckt von dieser doch
recht guten Vorstellung - das ist nur das
übliche Verhalten
am ersten Arbeitstag. Schon bald wird er, wenn er sich sicher
fühlt,
seinen Tannennadeltee mitbringen. In der Zwischenzeit entrollt er
seinen
Salvador Dali-Druck und bringt ihn an der Wand hinter
seinem Schreibtisch an.
Nicht exakt das Bild, das ich erwartet
habe, doch das Escher-Bild findet sich
schließlich auf
seiner Handgelenkauflage.
Eins zu Null für mich, und die
Handgelenkauflage ist dabei nur eine Zugabe. Dann
packt er seine
Auszeichnungen aus. Mit den Lippen forme ich für den PJ lautlos
das
Wort ´Anmaßung´, um ihm klarzumachen, daß
es nun Zwei zu Null für mich steht.
Und ich bemerke, daß
Nigel seinen Kaffee noch immer nicht angerührt hat.
Der
nächste Tag bringt das erwartete Vier zu Null: Nachdem Nigel
eine
Kaffee-Pause mit Rosenblütentee und die Mittagspause
mit
Apfel-Roggenkorn-Brot, daß mit Sojamilch zubereitet
wurde, verbracht hat,
entschließt er sich, seine Pfunde in
Bewegung zu setzen.
"Sie haben ja gar keine gedruckte
Dokumentation", verkündet er. "Wie sollen die
Nutzer
da mit dem Netz zurechtkommen? Zum Glück habe ich noch ein paar
Seiten,
die ich für meinen vorherigen Arbeitgeber angefertigt
habe, die ich anpassen kann.
Allerdings brauche ich hierzu einen
Administrator-Zugang zum Netzwerk."
"Den werden sie
selbstverständlich bekommen", erkläre ich ihm
freundlich und
verbringe den Rest das Tages damit, ihm zuzuhören,
wie er versucht, den PJ von den
Schrecken des Fleischverzehr zu
überzeugen.
"WISSEN sie, was sie mit den Tieren
machen?" fragt er.
"Sie erschießen sie."
kocht der PJ innerlich.
"Und das nennen sie humanes TÖTEN!"
"Ich ziehe auch das gute alte Gewehr vor", werfe ich
ein, als ich nicht mehr
widerstehen kann. Nigel springt verärgert
auf und verschwindet um zu schmollen.
"Was sollen wir tun?"
fragt der PJ und blickt Nigel hinterher. "Der Chef will, daß
wir
ihm Zugriff auf die Rechner gewähren."
"Ja",
seufze ich. "Aber darüber sollten wir uns nicht den Kopf
zerbrechen. Er wird es
nicht lange bei uns aushalten. Nicht mit
RSI."
"Aber er hat gar kein RSI", seufzt der PJ
verzweifelt.
"Zu zehn Prozent sind es Einflüsse am
Arbeitsplatz und zu neunzig Prozent
Einbildung." antworte ich
und krieche unter den Tisch, um meine neueste
Erfindung
hervorzuholen, auf die ich besonders stolz bin. "Hier
sind die zehn Prozent!"
"Das ist eine Tastatur",
stöhnt der PJ unbeeindruckt.
"Ja, aber dies ist eine
spezielle Tastatur."
"Das ist irgendwie ..." sagt
er, als er die Tasten ausprobiert. "... seltsam."
"Ja,
meine eigene Erfindung. Jede Taste verhält sich anders - einige
lassen sich nur
mit viel oder wenig Druck betätigen, während
andere gar nicht reagieren. Ich
garantiere ihnen, daß
dadurch die gewünschte Reizung der Hände und Gelenke
sicher
ist."
Erwartungsgemäß hält es
Nigel noch ganze zwei Tage aus. Natürlich haben wir auch
seinen
Arbeitssessel auch so justiert, daß er pro Minute einen
Millimeter nachgibt,
die Wiederholfrequenz seines Bildschirms
herabgesetzt und seine Teebeutel in
flüssiges Aufputschmittel
getaucht. Für einen künstlerisch veranlagten Kauz hat
er
trotzdem ziemlich lange durchgehalten. Er hat sich nicht einmal
beschwert, als der
PJ ihm ein Pfund Hackfleisch als
Abschiedsgeschenk überreichte ...
Es wird Zeit für den PJ, das schützende Nest zu
verlassen und in den
Bastard-Orden aufgenommen zu werden. Und er
hat es sich wirklich verdient ...
Es ist ein glücklicher Tag für die B.O.F.H.s auf der
ganzen Welt, denn der PJ bereitet
sich darauf vor, feierlich in
die Bastard-Bruderschaft aufgenommen zu werden. Als
er aus der
Herrentoilette herauskommt, richtet er seine schwarze Krawatte
und
betritt dann ein Hinterzimmer einer Kneipe, die die ganze
Nacht geöffnet hat.
Eine Träne stiehlt sich in meine
Augen, als er die Hände der vier Führungsmitglieder
des
Ordens schüttelt (von denen ich einer bin) und sich für die
mündliche Prüfung
bereitmacht. "Wer hat diesen
angehenden Bastard erzogen?" fragt der Große
Bastard.
"Ich." antworte ich feierlich.
"Und sie sind
zufrieden mit seiner Theorie, daß Hochspannung und ihre
Anwendung
eine Verringerung der Häufigkeit störender
Anrufe von Nutzern bewirken kann?"
"Das bin ich."
"Sehr gut." Er wendet sich an den PJ. "Nun wird
ihnen jedes Mitglied eine Frage
stellen, die sie beantworten
müssen."
Es geht ein wenig förmlich zu, aber
Regeln sind nun einmal Regeln.
Der PJ nickt wortlos.
"Sie
haben gerade einen Arbeitsvertrag mit einer neuen Firma
unterschrieben, die sie
gut bezahlt, aber von ihnen eine
Beschreibung ihrer bisherigen Tätigkeiten
fordert -
offensichtlich will ihr Arbeitgeber ihnen damit ihr schwerverdientes
Wissen
entlocken. Wie sorgen sie dafür, daß der Vertrag
trotzdem geschlossen wird und sie
ihr Wissen für sich
behalten können?"
Die erste Frage ist immer die
einfachste.
"Ah, ich würde ... erklären, daß
ich ein frommes Mitglied der Vereinten Kirche des
Hermetismus bin
und es mir deshalb nicht gestattet ist, meine Ideen
anderen
mitzuteilen."
"Aha ... wobei sie annehmen,
daß ihr Arbeitgeber sie nicht aus religiösen
Gründen
diskriminieren darf?"
"Ja."
"Und
es gibt die besagte Kirche?"
"Ja, ich habe sie vor zwei
Wochen gegründet - als uneigennützige Stiftung. Ich
habe
ihr all meine weltlichen Güter und mein Einkommen
vermacht."
"Sehr altruistisch", kommentiert das
zweite Mitglied. "Aber wie ist es hiermit? Sie
stellen fest,
daß dem firmeninternen Telefonverzeichnis an ihrem neuen
Arbeitsplatz
ein bunter Netzwerkplan beiliegt. Wie verhindern sie,
daß die Nutzer ihnen auf der
Nase herumtanzen?"
"Ich
würde ein paar Leitungen bei einer ´Erweiterung´ des
Netzes mit der
Stromversorgung koppeln und paar Beschriftungen
austauschen. Oh, und ich würde
noch 50 zusätzliche
Kopien anfertigen."
"Zusätzliche Kopien?"
"Ja, damit würde ich zur Waterloo-Station gehen und sie
an französische Touristen
als Netzplan der Metro verkaufen."
"Ausgezeichnet", lächelt das vierte Mitglied. "Ihr
Anrufbeantworter ist voll, die
Leitungen ihrer Nutzerbetreuung
glühen und ihr Chef kommt in ihr Büro und sieht, daß
sie
Quake II spielen. Was werden sie tun?"
"Ähm ...
ich würde mich nicht stören lassen und weiterspielen, damit
ich später
erklären kann, daß ich unter
posttraumatischen Störungen leide, seitdem ich das
Spiel in
der Mittagspause gestartet habe - dann würde ich für
mindestens sechs
Wochen bezahlten Erholungsurlaub fordern, weil
ich unter arbeitsbedingtem Streß
leide, falls es
Schwierigkeiten mit den Lohnzahlungen geben sollte."
"Ja
.... aber ich erwarte noch etwas mehr als das."
"Oh, sie
meinen, daß ich den Applikationsserver dazu benutze, das Spiel
auf allen
Rechnern zu installieren, so daß ich behaupten
kann, daß alle es spielen würden!"
"Ja, aber
ich würde gern noch ..."
"OH, NATÜRLICH! Ich
würde die Version auf dem Rechner des Chefs so ändern,
daß
sie homoerotische Szenarien zeigt und das Spiel immer dann
automatisch
startet, wenn er einen Gast in seinem Büro
empfängt."
"Ja, das wäre ein angemessenes
Vorgehen!"
Womit nun ich mit meiner Frage an die Reihe
komme. "Ihr Tutor für Bastardismus hat
irgendwie
herausgefunden, daß sie eine gewisse Summe Geld in einem
versiegelten
Festplattengehäuse in einem alten AT-Rechner
unter ihrem Tisch versteckt haben."
Ein kurzes Aufstöhnen
signalisiert mir, daß dem PJ gerade die praktische
Bedeutung
dieses Examens bewußt wurde.
"Nehmen wir,
rein THEORETISCH natürlich, einmal an, dies wäre geschehen
und ihr
Tutor hat einen nicht unbeträchtlichen Betrag von
diesem Geld verjubelt. Welche
Reaktion würden sie als
angebracht empfinden?"
"Nun, da wir uns hier auf
theoretischem Gebiet bewegen", kocht der PJ vor
unterdrückter
Wut. "Nun, ich würde den Betrag mit Geld ersetzen, welches
ich in
dem Feuerlöscher mit doppeltem Boden gefunden habe,
der hinter dem Schreibtisch
meines Tutors an der Wand angebracht
ist. Oh, sagte ich ist? Ich meinte natürlich
war."
DIESER BASTARD!!
"Gut", rufe ich fröhlich und
greife nach meiner Geldtasche und dem elektrischen
´Kalibriergerät´
darin. "Ich bin mit diesen Ausführungen zufrieden. Wenn es
keine
Einwände gibt, sollten wir zur Bar gehen, um ihr
bestandenes Examen zu fei ..."
Das menschliche Nervensystem
schickt Nachrichten mit einer Geschwindigkeit von
ein paar hundert
Kilometern pro Stunde durch den Körper. Elektrizität auf
der
anderen Seite ist ungefähr 800mal schneller. Pro Sekunde.
Und auch wenn ich es für einen kurzen Augenblick geahnt
haben sollte, als mein
Daumen die seltsam aufgerauhte Oberfläche
des Verschlusses meiner Geldbörse
berührte, ich konnte
es nicht mehr aufhalten ...
Nachdem ich aufgehört hatte zu
sabbern und die Beleuchtung nicht mehr aus
mindestens 10.000
Kerzen zu bestehen schien, habe ich dem PJ an der Bar ein
Bier
gekauft, um mit ihm auf seine Beförderung anzustoßen.
Man muß eben auch verlieren können.
Als der PJ durchdreht,
verdient er sich den Respekt des B.O.F.H., was bedeutet, daß
die
beiden demnächst wohl an einer Gruppentherapie teilnehmen müssen
....
Der PJ verspätet sich etwas (Schande über ihn!) und ich
habe die undankbare
Aufgabe, ihn darüber zu informieren, daß
der Chef ihn zu sehen wünscht. Sehr
dringend.
"Wieso
eigentlich?" fragt er und wundert sich, weshalb gerade ihm die
Ehre eines
persönlichen Gesprächs zuteil wird.
"Oh,
es geht um eine Beschwerde." antworte ich.
"Eine
Beschwerde?"
"Ja, dieser Linux-Möchtegern aus der
Entwicklungsabteilung hat sich über sie
beschwert."
"Welcher Linux-Möchtegern?"
"Sie erinnern
sich doch bestimmt - der, dem sie empfohlen hatten, seinen
Speicher
mit /dev/null zu verknüpfen."
"Und was
ist passiert?"
"Keine Ahnung, seine Maschine stürzte
etwa zehn Sekunden später ab ..."
"Aber ich habe
nicht ..."
"Natürlich haben sie nicht - das war
ich, aber ich habe ihren Namen benutzt."
"Oh."
"Aber was mich wirklich überraschte, als sie ihm an dem
Nachmittag anriefen, um
seine Absturzprobleme zu klären, war,
daß sie ihm empfahlen, den Prozessor im
laufenden Zustand
auszutauschen und ihm einen Ersatzprozessor schickten, dem
einige
bedeutenderen Beinchen fehlten. Und als er soweit war, den alten
Prozessor
wieder einzusetzen, fand er diesen im gleichen Zustand
vor. Seltsamerweise ..."
"Ich BIN wirklich ein Bastard,
nicht wahr?" keucht der PJ beeindruckt.
"Ja, ich konnte
es auch kaum glauben", stimme ich ihm zu.
"Aber wieso
sollte ich das tun?"
"Ich habe keine Ahnung",
erwidere ich. "Es könnte sein, daß er sich über
ihren, ich
meine natürlich meinen falschen Umgang mit dem
Ersatztoner in der vergangenen
Woche beschwert hat. Oder er könnte
sich darüber beschwert haben, daß sie sich
immer
genervt anhörten, wenn er sie mit seinen Linuxproblemen
belästigt hat. Oder
es könnte an der tiefsitzenden
Abneigung, die sie für ihn empfinden, liegen."
"Welche
tiefsitzende Abneigung?" fragt der PJ.
"Es liegt mir
fern, mich mit ihrer Psyche zu befassen, aber sie könnten an
wirklich
tief verwurzelten anti-soziopathischen Gefühlen
leiden ..."
"Soziopathisch oder anti-soziopathisch?"
"Gibt es da einen Unterschied?"
"Keine Ahnung
...."
Die Unterhaltung mit dem PJ über seine
Angewohnheit, Nutzer mit etwas
technischem Verständnis
herabzuwürdigen (und die Gründe dafür), wird durch
das
Klingeln des Telefons unterbrochen ...
"Oh, ich
glaube, hier haben sie eine Chance, das herauszufinden. Anscheinend
hat ihr
spezieller Freund aus der Entwicklungsabteilung Probleme
damit, daß Befehle wie ps
und einige andere Programme nicht
mehr funktionieren."
"Wieso?"
"Nun, ich
kann darüber nur spekulieren, aber ich würde meinen, sie
hätten ihm
geraten, Verweise auf das /proc-Verzeichnis zu
löschen."
"Aber das geht doch gar nicht!!"
behauptet der PJ empört.
"Nicht mit den konventionellen
Methoden, aber mit dem schnell zusammengehackten
Programm, das sie
ihm per E-Mail geschickt haben, war es ganz leicht."
"Oh,
also muß ICH den Chef treffen!"
"Ja, das sollten
sie. Und es sieht wohl wirklich so aus, als säßen sie in
der Falle."
"Er wird mich in der Luft zerreißen",
jammert der PJ.
"Oh, ich weiß nicht - aber es könnte
schon darauf hinauslaufen, nachdem sie diese
Zeile in die Datei
inetd.conf eingefügt haben, die dafür sorgt, daß
jede
Telnet-Sitzung auf Port 187 seines Rechners zugreift und Müll
in seinen
Kernel-Speicher kopiert ..."
"Ich laufe
Amok, oder?"
"Es scheint so. Sie brauchen Hilfe!"
"Wo werde ich Hilfe bekommen?"
"Bei einer
Spezialistin. Die Firma hat eine Ratgeberin für diese Art von
Problemen."
"Wirklich?"
"Natürlich.
Sie erinnern sich doch bestimmt an die Beraterin, die uns als
kritische
Fälle von größenwahnsinnigem
Machiavellismus bezeichnet hat?"
"Wirklich?"
"Ja,
kurz nachdem sie ihr diesen Virus untergeschoben haben, wobei sie
vorgaben,
per E-Mail einen Termin vereinbaren zu wollen ..."
"Und wann werde ich zu ihr gehen?!"
"Ich
glaube, wir haben morgen beide einen Termin für
eine
Gruppentherapie-Sitzung ..."
"Ich kann es kaum
erwarten."
"Ah, nun, Gesundheit ist Gesundheit, und ein
paar Minuten vorbeugende Therapie
sind allemal drei Stunden
bezahlte Freizeit wert ..."
Die Lichter sind
eingeschaltet - und zwar alle 2.996 - doch niemand ist da.
Das
Engagement des Chefs, der neuerdings überall mithelfen
will, endet in einem Anfall
aus Verrücktheit, einer
Krankentrage, einer Zwangsjacke und einer Reise in ein
Krankenhaus
....
"Stellen sie sie einfach zu den anderen Kisten." weise
ich den PJ an, als er eine
weitere Kiste mit
Kommunikations-Zubehör hereinbringt. Meine Aufmerksamkeit
wird
abgelenkt durch einen Anrufer, dessen Anruf ich irrtümlich
angenommen habe.
Es handelt sich um ein normales Telefon-Problem -
nicht gerade schwierig - zumal
der Nutzer das Netzwerk-Werkzeug
Nummer 2 in den Händen hält, nämlich
den
Kabelschneider.
"Ja, genau. Legen sie das Kabel
einfach zwischen die beiden Schnittflächen, ja, und
dann
drücken sie." CLICK.
"Haben sie das Telefon des
Nutzers abgetrennt?" fragt der PJ.
"Jetzt ja. Noch mehr
Kisten?"
"Nein, das ist die letzte. Was für ein
Müll ist in den Kisten eigentlich drin?"
"Oh, das
sind nur ein paar Kisten mit Leuchten und Piepsern", antworte
ich. "Ich
werde sie im Büro des Chefs installieren."
"Das würden sie nicht tun, wenn er nicht erklärt
hätte, er wolle sich selber verstärkt
um das Netzwerk
kümmern, oder?"
"So ist es. Wenn er uns helfen
will, das Netzwerk zu betreuen, warum sollte ich ihn
davon
abhalten?"
Der Chef strahlt voller Stolz, als der PJ und ich
den Inhalt der letzten Kiste in seinem
Büro installieren. Es
erstrahlt jetzt im Schein von mehr als 3.000 blitzenden Lichtern,
von
denen jedes mit einem speziellen Piepser verbunden ist, die in
verschiedenen
Tonhöhen Geräusche von sich geben können.
"Und diese Überwachungstechnik
entspricht der, die sie
im Rechnerraum verwenden?" fragt der Chef.
"Natürlich",
antwortet der PJ und schraubt die letzte LED fest, die in Wahrheit
eine
kleine Kamera ist, damit wir sehen können wie sich unser
Experiment entwickelt.
"Gewöhnlich prüfen wir im
Abstand von ein paar Tagen, ob es Fehler gibt, aber wenn
sie uns
dabei helfen, können wir Netzwerkprobleme wahrscheinlich
wirklich rasend
schnell ausmerzen. Das wird gut in den monatlichen
Statistiken aussehen."
"Das sieht ja alles sehr
beeindruckend aus, aber wie merke ich, daß es einen
Fehler
gibt?"
"Oh, dann geht eines der Lichter aus.
Ich schaue später noch einmal vorbei, um zu
sehen, ob alles
reibungslos funktioniert." sage ich, als der PJ das System
einschaltet,
worauf der Raum in einer Kakophonie aus Piepstönen
und blendenden Lichtern zu
explodieren scheint.
Als wir das
Büro verlassen, werfe ich einen kurzen Blick zum PJ. "Zehn
Pfund
darauf, daß er es keinen Tag aushalten wird."
"Die Wette gilt!" antwortet er und wittert
leichtverdientes Geld. Nun, er wird es wohl
nie lernen.
Später
am Tag wirkt der Chef sichtlich nervöser. Mehr als sonst stürmt
er durch die
Gänge, brüllt alle mit Ausnahme des PJs und
mir an. Er will nicht zugeben, daß die
Netzwerkbeobachtung
seine Fähigkeiten übersteigt.
"Und, wie sieht es
aus?" frage ich den Chef und trenne die gesamte vierte Etage
vom
Netzwerk in dem Moment, als er gerade auf die Technik starrt,
um es zu bemerken.
Eine schnelle Netz-Nachricht informiert den PJ.
"Oh, gut", antwortet er. "Bis jetzt habe ich keine
Probleme bemerkt."
Der PJ verpaßt seinen Einsatz
nicht. "Uh-oh, die vierte Etage ist ausgefallen!" ruft
er
und hämmert wie besessen auf seine Tastatur ein.
Der Chef
bricht in Panik aus als ich diskret seufze. "Wir müssen
wissen, was
ausgefallen ist. Können sie nachschauen, welche
Lichter ausgegangen sind?" Ich
reiche ihm den Netzwerkplan.
"Das ist ein Plan aller 3.000 Lichter. Markieren sie
einfach
die, die aussehen, als seien sie ausgeschaltet." rate ich ihm
freundlich.
Der Chef sieht jetzt wirklich sehr verwirrt aus. Wenn
er hier scheitert, wird er dem
Geschäftsführer erklären
müssen, wieso er wertvolle Zeit und Technik
verschwendet hat.
Also trottet er zurück in sein Büro, während ich
ferngesteuert vier
Lichter abschalte und die anderen abblende.
Ein paar Stunden später stehen der PJ und ich noch immer vor
seinem Büro, als ein
Nutzer vorbeikommt und sich darüber
beschwert, daß das Licht neben dem Schalter
seines Rechners
blinkt. Der ständige Einfluß der
Netzwerk-Überwachungstechnik
auf den Chef hat eine durchaus
zufriedenstellende Wirkung, würde ich sagen. "WIR
ALLE
MÜSSEN MIT UNSEREN LICHTERN LEBEN", brüllt der Chef.
"ICH ZUM
BEISPIEL HABE TAUSENDE VON IHNEN, DIE BLINKEN,
LEUCHTEN UND
PIEPSEN! SIE ALLE BLINKEN, LEUCHTEN UND PIEPSEN! ICH
KANN ES
NICHT MEHR AUSHALTEN DIESES BLINKEN, LEUCHTEN UND
PIEPSEN!"
Als der Ex-Chef auf einer Trage hinaus befördert
wird, jammert er unglücklich in
seiner Zwangsjacke. Der PJ
wirkt verunsichert. "Vielleicht waren wir etwas zu
hart.
Schließlich wollte er uns doch nur helfen."
Es
ist traurig. Nach all der Zeit versteht er noch nicht, daß
niemand einem B.O.F.H.
bei der Betreuung eines Netzwerkes helfen
kann. Nun, es wird Zeit für den
Elektroschocker - und einen
Kaffee mit Abführmittel ...
Eine Therapiesitzung zur
Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls führt
dazu,
daß der B.O.F.H. unangekündigte - und wahrlich
gewaltige - Wartungsarbeiten an
einem Server vornimmt, doch so
schafft die Therapie mehr Probleme als sie lösen
kann ....
Als Ergebnis der teuflischen Handlungen des PJs landen
er und ich in einer dieser
Therapiesitzungen, wo alle allen ihre
Gefühle mitteilen, wie sie sich und ihren Platz
in der Welt
oder in unserer Firma sehen. Als wäre es nicht schon demütigend
genug,
Schulter an Schulter mit den Nutzern in einem Zimmer zu
sitzen, wird von uns auch
noch erwartet, daß wir ihnen
unsere Gefühle und Gedanken mitteilen.
Und natürlich
hat der Anzug, der die Sitzung leitet, alle eingeladen, die nach
Aussage
des Chefs ganz besonders unter uns zu leiden hatten, die
sich als Opfer der
´aggressiven Vorgehensweise bei der
Problemlösung´ durch die Netzwerk- und
Systembetreuung
fühlen. Theoretisch sollen der PJ und ich, wenn wir mit
unseren
ehemaligen ´Kunden´ zusammentreffen, unsere
Fehler einsehen und bereuen.
"Nun, wer will anfangen?"
lächelt Mr. Anzug und blickt erwartungsvoll in die
Runde ...
Zehn Minuten später sind wir zurück im Büro, weil
niemand etwas zu sagen hatte.
Vielleicht lag das am Diktiergerät
des PJs - aber er hatte es nur mitgenommen, um
auch später
über die Gefühle der Nutzer nachdenken zu können ...
Der Chef, der unsere schnelle Rückkehr bemerkt, spart sich
seine ´Ich hoffe, sie
haben ihre Lektion gelernt´-Ansprache.
Und - er macht auch keine Anstalten uns für
einen Osterbonus
vorzuschlagen.
Da ich zu den aktiven Menschen gehöre,
entscheide ich mich, meine Enttäuschung
aus meinem Geist zu
verbannen und widme mich der präventive Wartung
der
Immobilienverwaltungs-Servers der Erbsenzähler.
Schließlich waren sie es, die sich
am lautesten über
unseren Service beschwert haben, bevor der PJ und ich den
Raum
betraten. (Vorsorglich hatten wir eine Wanze in dem Zimmer
plaziert.) Offenbar
läuft der Server ziemlich langsam.
Als
wir ihnen gestern mitteilten, daß sie doppelt so viele
Programmsitzungen auf ihm
laufen lassen, als sie vorher
angekündigt hatten, war das nicht als konstruktive
Kritik
aufgefaßt worden und man hatte verärgert reagiert.
"Vorsicht mit dem Hammer", ruft der PJ und duckt sich,
um dem Rückschwung
meines bewährten Wartungs-Werkzeuges
zu entgehen.
"Ups", sage ich entschuldigend. "Da
bin ich wohl etwas zu heftig gewesen."
"Kein Problem -
für mich jedenfalls", murmelt er, als er eine Bodenplatte
hochhebt
und das Ergebnis meiner ´Wartungsarbeiten´
durch die Öffnung stößt.
"Er braucht ein
paar Schläge, aber dann geht er wieder", sage ich und
bearbeite das
verschrammte Gehäuse. Und ich betätige den
Ausschalter - natürlich unabsichtlich.
Verdammt!
Vor
meinem geistigen Augen kann ich den obersten Erbsenzähler sehen,
wie er den
Notfallschalter drückt, um die Sicherheit der
Immobiliendaten doch noch zu
gewährleisten. Da er nicht an
Zufälle glaubt (obwohl es sich diesmal
ausnahmsweise wirklich
um einen handelt), muß er glauben, daß es sich hierbei
um
den Versuch handelt, unbeobachtet Modifizierungen am
Datenbestand vorzunehmen,
was er nicht zulassen kann.
Seufz.
Als ob wir das nicht schon vor vierzehn Tagen gemacht hätten.
Während des Tages.
Und angemeldet war ich im System mit
seinem Namen. Wenn also die Revision eine
Spur finden würde
.... Wie auch immer, das bringt uns jetzt nicht viel, wenn er
den
Server mit eigenen Augen sieht, denn dieser sieht aus, als
hätte er ein paar Wochen
in Beirut gestanden.
Natürlich
ist er nicht gerade erfreut, als der Chef ihn in den Rechnerraum
begleitet,
um seine Ängste zu zerstreuen, und den Server
sieht.
"Was ist denn mit dem Server passiert?" keucht
er, als er das kampferprobte
Gehäuse sieht. "Er ist
völlig verbeult!"
"Nun, nichts hält ewig -
die Abnutzung ..."
"Er ist doch erst zwei Monate alt."
"Zwei Monate sind eine lange Zeit in der Computerbranche."
werfe ich ein.
"Nebenbei, er wirkte schon etwas verbeult,
als die Lieferanten ihn aufgestellt
haben." ergänzt der
PJ.
"Warum haben sie dafür unterschrieben?"
"Nun,
er startete problemlos." sage ich.
"Großer Gott,
er sieht aus, als hätte man ihn mit einem Hammer bearbeitet.
Sind sie
sicher, daß die Lieferanten dafür
verantwortlich sind?"
"Nun, die Lieferanten trifft
etwas Schuld, aber die Reinigungskräfte haben ihnen
bestimmt
nicht unwesentlich dabei geholfen."
"Wir lassen die
Reinigungkräfte nicht in diesen Raum." unterbricht der
Chef.
"Ja, das weiß ich", antworte ich traurig.
"Deshalb mußte ich es ja tun."
"Also haben
sie die Maschine zerstört?"
"Ich fürchte, daß
es so ist", seufze ich. "Ich bin ein Systembetreuer, aber
keine
Reinigungskraft."
"Und ich bin ein
friedfertiger Mensch, kein Krieger, der sich mit seinem
Kollegen
anlegt", fügt der PJ hinzu, der zum Frühstück
vermutlich eine Überdosis
Magnetkopfreiniger zu sich genommen
hat.
Das humorvolle Zwischenspiel wird unterbrochen durch den
Server, der auf den
Boden stürzt, als die Schrauben, die sein
Gehäuse hielten - und die während der
Wartung gelockert
wurden - die Verbindung mit dem Regal verlieren.
Das weitere
Geschehen nach diesem kleinen Unfall muß nicht weiter
erwähnt
werden, aber es genügt wohl, wenn ich sage, daß
wir uns am nächsten Morgen in der
Gruppentherapie
wiederfinden, wo Mr. Anzug und Konsorten auf uns warten.
"Nun,
wer will anfangen?" fragt Mr. Anzug wohlwollend.
"Ah,
ich würde gern ..." sage ich. "Ich will meine Gefühle
mit ihnen teilen."
Seufz ...
Der Kneipenbesuch des PJ,
der junge Schönheiten sehen will, gleicht
einem
Überraschungsangriff. Und das ist nur der Anfang ....
Ich lande früh am Arbeitsplatz (nun, rechtzeitig zum
morgendlichen Tee), um
herauszufinden, daß einer unserer
Router über Nacht ausgefallen ist und es nötig
war, den
PJ zu rufen, um ihn wieder zu starten. Und da der Chef etwas
gegen
Überstunden hat, muß der PJ nun die entsprechende
Zeit abfeiern, statt dafür
zusätzlich bezahlt zu werden.
Zumindest ist das die offizielle Version.
Die vom B.O.F.H.
interpretierte Version sieht so aus: Der PJ hat die Nacht
mit
Alkoholmanövern verbracht, den Fahrplan der Metro
vergessen und mußte mit einem
Taxi heimfahren - nur hatte er
sein gesamtes Geld dabei verbraten, sich zu
besaufen. Also packte
er die Gelegenheit beim Schopf, seine Unkosten als
nächtliche
Wartungsarbeit abzurechnen und sich nebenbei noch Zeit zu
verschaffen,
um sich von den Strapazen der nächtlichen Kämpfe
zu erholen.
Plan 17b aus dem Großen Buch der
Entschuldigungen: Schalte ein wichtiges Gerät
aus, warte eine
Stunde und schalte die Maschine wieder ein. Rufe dann ein von
der
Firma bezahltes Taxi für die Heimfahrt und feiere die
Überstunden am nächsten
Morgen ab ...
Ich prüfe
das oberste Fach im Schreibtisches des PJ, falls er sich während
seines
´Nachteinsatzes´ wirklich genötigt sah
´Daten hochzuladen´, doch alles sieht gut
aus, also
setze ich mich, um die Zeitung zu lesen. Ein paar Stunden später
stolpert
der PJ herein, sein Gesicht sieht aus, als sei es als
Türklopfer benutzt worden.
Schließlich erfahre ich die
Geschichte vom PJ - er war in der Nacht in einem Pub um
´Vögelchen
zu beobachten´ und folgte einer ´Einladung´ zu
einem mitternächtlichen
Cocktail-Trinkgelage. Gereizt durch
einen Tom Cruise-Verschnitt hinter der Theke
sah er sich genötigt,
ein Streichholz anzuzünden und es in den Ausguß
für
alkoholische Getränke zu schnippen ... ein
Verhalten, das der große Prahlhans gar
nicht als akzeptieren
wollte. So ist man wohl, wenn man diese Art Arbeit macht.
Erwartungsgemäß fühlt der PJ sich nicht besonders
gut und es wäre unserem Ruf
bestimmt nicht förderlich,
wenn ich ihn mit der Liste der Nutzer, denen nicht mehr zu
helfen
ist, losschickte ... Also, warum nicht? "Ah, hier ist die Liste
der Nutzer mit
unbrauchbarer Technik, über die ich gestern
sprach - wenn sie sie besuchen und sich
um ihre Probleme kümmern
könnten ..."
Ich bin überzeugt, er weiß die
Gelegenheit zu schätzen, die ich ihm verschafft habe,
um mit
einen Nutzer über die Schwierigkeiten der korrekten Einstellung
von Kontrast
und Helligkeit bei seinem Monitor zu diskutieren ...
Ich hole mir das Bild der
Überwachungskamera, die eine der
Kabinen in der vierten Etage zeigt, auf den
Monitor, um zu sehen,
wie er sich schlägt ...
"Also werden ihre Termine immer
eine Stunde später angesetzt als bei den anderen?"
"Ja. Glauben sie, daß das mit den Zeiteinstellungen
zusammenhängt?"
"Schon möglich", murmelt
der PJ langsam. "Aber wir sollten dieser Sache wirklich
auf
den Grund gehen und nicht nur die Symptome bekämpfen."
"Könnte es an der Sommerzeit liegen?" fragt der
Nutzer hilfsbereit.
"Nein, das ist nur eine kleine
Komplikation. Der wahre Grund dürfte darin bestehen,
daß
es dem System nicht möglich ist, die festplattenbasierten Daten
für die
Zeitzonenkonfiguration zu finden."
Aha,
Finden und Festplatte im gleichen Satz - er will die gute
alte
F(ind)DISK-Lösung versuchen.
"Könnte es
nicht die RAM-Batterie auf dem Motherboard sein?"
"?"
blickt der PJ den Nutzer an und denkt über einen noch
teuflischeren FDISK-Plan
nach.
"Sie wissen schon, die
Batterie, die die Uhr weiterlaufen läßt."
"Nun,
wenn es das wäre, würde die Einstellung der Uhr bei jedem
Start
zurückgesetzt werden." erklärt der PJ.
"Oh."
"Wissen sie, es könnte ein Kapazitätsproblem der
Batterie sein!"
"Batteriekapazität?!"
"Ja,
sie kennen doch den Speichereffekt bei Nickel-Cadmium-Akkumulatoren,
der
mit dem Eigenwiderstand der Batterie zusammenhängt?"
sagt der PJ und appelliert
sichtlich an den ´technischen
Verstand´ des Nutzers.
"Oh, ja."
"Nun,
Batterien haben ebenfalls eine Kapazität, speichern also
praktisch eine
gegenpolige Spannung, die die Nutzspannung der
Batterie verringert, wenn ihre
Maschine abgeschaltet ist, was sich
dann in einem verringerten
Spannungsunterschied äußert."
DUMMY-MODUS EIN!
"Duh-huh."
"Was kann man
da tun?"
"Nun, für solche Fälle habe ich
einen Spannungsverstärker in meinem Büro, der die
falsche
Kapazität der Batterie beseitigen kann ..."
Fünf
Minuten später ... "Ist das kein Stroboskop mit einem
Kabelende da, wo sonst
die Lampe ist?"
"Ha ha ha",
lacht der PJ. "Nein, aber ich muß zugeben, daß es
beinahe so aussieht.
Doch das ist nur ein ...
Kapazitäts-Schutzschild."
"Oh."
"Und
nun verbinden wir nur noch diese Kabel, etwa so, schließen
den
Kapazitätsverstärker an und schalten ihre Maschine
ein ... treten sie zurück ... und
schalten das
Kapazitätsschild ein ..."
Eine kleine Explosion später
.... "Zum Glück haben wir den Übeltäter
ausgemacht!"
keucht der PJ. "Diese Batterie scheint
wirklich für die Probleme verantwortlich
gewesen zu sein."
"Aber meine Maschine ist ruiniert!"
"Nein, ist
sie nicht - sehen sie, der Prozessor macht sich gut als Anhänger!
Und
diese DIMM-Speicher sehen bestimmt gut aus, wenn sie sie in
ein Mobile
einbauen!"
"Ab ... Aber ..."
"Nein,
nein, danken sie mir nicht - seien sie glücklich, daß wir
den Fehler rechtzeitig
beseitigt haben! Oh!" Er hat den
Laptop auf dem Schreibtisch des Nutzers entdeckt.
"Hat ihr
Laptop das gleiche Problem?"
"NEIN!" ruft der
Nutzer niedergeschlagen und preßt den Laptop an seinen Körper.
"Nun, dann kann ich ja gehen." Und wieder ein
unzufriedener Nutzer ...
Was kann man gegen
inkompetente Nutzer unternehmen, die nur nerven? Man gibt
ihnen
die Chance, sich selbst einen elektrischen Schlag zu verpassen,
plaziert
Magnete in seinem Monitor und setzt die Reinigungskräfte
auf ihn an ...
Ich nehme Anrufe entgegen, weil der PJ einen Urlaub macht und ich
deshalb
niemanden habe, gegen den ich Quake spielen kann. Es sind
die üblichen
Beschwerden sogenannter ´Power-Nutzer´
aus der Werbeabteilung, die wissen
wollen, wieso sie den
Netzwerkdrucker nicht benutzen können.
Da ich relativ
entspannt bin, sage ich ihnen nicht, was ich über ihre
geistigen
Fähigkeiten denke, da sie offensichtlich unfähig
sind, entsprechende Mitteilungen zu
lesen, die ich vor etwa einem
Monat auf den Anschlagtafeln hinterlassen, am
fraglichen Drucker
angebracht und mittels E-Mail allen geschickt habe, als
der
Wartungsvertrag für den Drucker auslief.
Aber sie
rufen noch immer an. Trotzdem der Drucker schon vor einer
Woche
abgeholt wurde und nun ein Mitarbeiter in der Kabine sitzt,
in der der Drucker
installiert war ... Trotzdem ihnen der neue
Mitarbeiter gesagt hat, daß das Monster,
das zwei Seiten in
der Minute verschluckte nicht mehr da ist.
Ich beruhige meine
Gedanken, da ich nur zu gut weiß, daß ich mich darüber
nicht
aufregen sollte. Meine Entschlossenheit wird durch den
Bastard (L)User from Hell
auf eine neue Probe gestellt. Das Wort
Inkompetenz in Bezug auf seine technischen
Fähigkeiten zu
verwenden, wäre beinahe Hochstapelei - er könnte nicht
einmal
seinen Hintern finden, wenn man ihm eine anatomische Karte,
einen Kompaß, einen
Spiegel und eine Kerze geben würde.
Tatsächlich ist es so, daß man ihm ganz legal
Organe
entnehmen könnte, würde die Aktivität seines Gehirns
noch etwas
abnehmen. Aber der Chef hat ihn unter seine Fittiche
genommen - wieder eine seiner
Missionen, mit der er guten Willen
demonstrieren will.
In dieser Woche hat er mich schon dreimal
angerufen, weil seine Maschine gehackt
wurde (die Feststelltaste
war gedrückt, als er sein Passwort eingegeben hat). Er
hat
ebenfalls angerufen, um zu melden, daß er den ´Keine
Systemdiskette. Drücken sie
F1´-Virus hat, und um zu
sagen, daß unsere Server-Zeit der Zeit seiner
sprechenden
Uhr um drei Sekunden hinterherhinkt.
Und noch immer beobachtet
der Chef unsere Service-Bemühungen voller Neugier.
Das
Telefon klingelt.
"Meine Maschine hat mich wieder
ausgesperrt!" platzt der Nutzer heraus.
"Ist es wieder
die Feststelltaste?" frage ich.
"Natürlich nicht!"
stößt er hervor.
"Und welche Meldung kommt, wenn
sie ihr Passwort falsch eingegeben haben?"
"Ich gebe
mein Passwort nicht falsch ein! Ich schreibe es immer auf den
Boden
meiner Tastatur, um ganz sicher zu sein!"
"Natürlich
tun sie das", antworte ich ein wenig entgeistert über die
Versuche der
Nutzer, ihre Arbeit zu sichern. "Und was meldet
der Computer, wenn sie das
Passwort ... ähm ... korrekt
eingeben?"
"Er meldet gar nichts!"
"Aha.
Und haben sie das Passwort am Morgen geprüft?"
"Natürlich!
Ich kann mich schließlich nicht immer an alles erinnern!"
"Und haben sie den Tastaturstecker von der Rückseite
ihres Rechners abgezogen?"
Ein paar verräterische
Geräusche später ... "Nein, habe ich nicht."
Der
Lügendetektor meldet: ´Lügner! Lügner!´,
so daß ich mir schon ausmalen kann, was
gleich kommt.
"Oh,
jetzt hat es geklappt - muß wohl ein Wackelkontakt gewesen sein
...."
Seufz.
"... Aber ich festgestellt, daß
der Tastaturstecker ein wenig locker sitzt."
Richtig! Das
ist es! "Ja, das ist ..." Ich blättere schnell in
meinem Ausredenkalender.
"... Oh! Da ist es ja - das ist das
Kohlenstoff-Dioxidationsproblem."
"Was?"
"Die
Oxidation von Kohlendioxid in der Luft läßt den Kunststoff
schrumpfen.
Deshalb macht ihr Monitor vielleicht auch bald
komische Geräusche."
"Oh."
"Natürlich
können sie das beheben. Haben sie eine Topfpflanze in ihrem
Büro?"
"Ja, ich habe ein paar davon."
"Gut,
stellen sie eine davon hinter ihren Rechner und eine auf ihren
Monitor - das
wird das Kohlendioxid aus der Luft entfernen ... "
"Natürlich! Danke für den Tip."
"Kein
Problem. Sorgen sie jetzt nur dafür, daß die Pflanzen
immer gut gegossen
werden, damit sie dieses Oxygen produzieren
können. Viel Wasser."
Fünf Minuten später
steht der Chef mit den schlechten Nachrichten über
Mr.
Inkompetenz im Büro. Er hat es überlebt. Und er hat
nur seinen Monitor und eine
Sicherung zerstört.
Offensichtlich kann er sich nicht einmal selber unter Strom
setzen.
Also muß ich jetzt einen Ersatzmonitor für ihn
bereitstellen.
Nachdem ich den Monitor installiert habe, kehre
ich gerade rechtzeitig in mein Büro
zurück, um das
Klingeln des Telefons zu hören. Er will wissen, weshalb die
Farben
seines Monitors so falsch aussehen. Nur um ihn loszuwerden,
erkläre ich ihm, daß
dafür die zwei Magnete aus
Diskettenlaufwerken am Boden des Monitors
verantwortlich sind,
doch damit gebe ich, ernsthaft betrachtet, auf. Aber ich bin
niemand,
der so einfach aufgibt! Es wird Zeit, die Reinigungskräfte zu
alarmieren.
Später erzählt mir der Chef die blutigen
Details. "... Und dann ist er scheinbar
gestolpert und hat
Unmengen von Wasser über seine Maschine vergossen."
erzählt
er. "Ein ziemlich dummer Zufall, wenn man einmal
darüber nachdenkt."
"Also braucht er einen anderen
Monitor?" frage ich.
"Eigentlich nicht. Der Mann von
der Reinigung hat ihm dabei geholfen, den
Schlamassel aufzuwischen
und hat dabei die Hand von Dave versehentlich in ein
Schrankfach
eingeklemmt - dreimal!"
"Oh. Nun, alles ist gut, wenn
das Ende gut ist. Wie auch immer, ich habe keine Zeit,
ich bin mit
Mike im Pub verabredet."
"Dem Mann von der Reinigung?"
Manche Fragen läßt man lieber unbeantwortet ...
Was für ein Typ wird
der neue Chef wohl sein? Der B.O.F.H. ist erst beunruhigt,
doch
dann entspannt er sich, als er eine verwandte Seele spürt, die
ihm sogar ein
paar neue Tricks beibringen kann ...
Es ist ein Dienstagmorgen, an dem der neue Chef seinen Dienst
antritt, nachdem der
alte sich in den ´Vorruhestand´
verabschiedet hat. In den Büros wartet man nervös
darauf,
wie der neue Chef wohl sein wird. Ich bleibe dagegen ganz ruhig, denn
ich
weiß, daß er früher oder später bei uns
vorbeischauen muß.
Es gibt ein paar Kategorien, in die man
einen Chef einordnen kann. Da gibt es den
Typ, der sich in seinem
Büro verschanzt und niemanden verärgern will,
den
aufdringlichen ´Sagen sie mir, was sie WIRKLICH
DENKEN´-Typ und, als
schlimmste Variante, den
´Bananen-Republik-Diktator´-Typ.
Der neue Chef
scheint zur ersten Kategorie zu gehören, da er bisher sein
Gesicht
noch nicht den Truppen gezeigt hat ...
Doch dann kommt
eine große Kiste mit mir als Empfänger im Büro an.
Allerdings erwarte ich zur Zeit keine Lieferung - mit Ausnahme
eines kleinen
Schecks von der Manager-Vermittlung, den ich immer
dann bekomme, wenn sie uns
etwa dreimal im Jahr einen neuen Chef
schicken.
Eine schnelle Inspektion der Kiste ergibt, daß
sie eine für das gesamte Unternehmen
ausreichende Anzahl von
Kopien einer Software zum Datenbankzugriff enthält, die
wir
bisher aber noch gar nicht benutzen. Sekunden später wird eine
weitere Kiste
geliefert, die den entsprechenden Datenbank-Server
enthält, wenn ich mich nicht
irre. Hmmmm ...
Da ich die
Kisten nicht bestellt habe, lasse ich sie wieder zurückgehen.
Der wirkliche Urheber der Bestellung erscheint, als der neue Chef
uns Anweisungen
erteilt, wie, wann und wo wir das System
installieren sollen.
"Oh, ich habe alles zurückgeschickt,
weil ich es nicht bestellt habe." rufe ich.
"Aha. Nun,
ich habe es gestern bestellt", wirft er schnell ein. "Und
ab jetzt werde
ausschließlich ich Soft- und Hardware
bestellen."
BANANEN-DIKTATUR-ALARM!
"Oh. Und wofür
brauchen wir diese Software doch gleich?"
"Ich will die
Finanzverwaltung auf ein neues System migrieren, das leichter
zu
verstehen und zu warten ist." (Er hat einen Freund, der
bei einer kleinen Firma
arbeitet, die Finanzlösungen
programmiert.) Das gefällt mir nicht.
"Ich weiß
nicht, wo der Vorteil liegt, denn die bisherige Software wird von
den
Mitarbeitern ja auch beherrscht."
"Ähm,
aber die neue Software ist nach ISO 98000 zertifiziert",
schwärmt er.
"98000?" fragt der PJ. "Aber wir
sind doch erst bei ISO 9000."
"Nun, die 98000 ist eine
Kombination aus der ISO 9000 und der weniger bekannten
ISO 8000 -
die sich mit sicheren Finanztransaktionen befaßt." erklärt
er. "Sorgen sie
dafür, daß die Software
schnellstmöglich installiert wird."
Irgendwie glaube
ich ein Tier zu riechen, das einen grauen Pelz und eine Vorliebe
für
Lebensmittelabfälle hat.
Ich lasse eine kurze
Suche über die ISO-Titel laufen, um ganz sicher zu
gehen.
Nachdem ich die ISO-Wächter dreimal aus ihrem
Büroschlaf geweckt habe (für ihre
Trägheit sind sie
ja bekannt), finde ich meinen Verdacht bestätigt.
Dann
beginne ich mich zu wundern ... Dieses Verhalten kommt mir
irgendwie
bekannt vor.
Ich untersuche die Software
eingehender. In den blitzenden CD-Hüllen finde ich
einmal
beschreibbare CDR-Medien, die mit Filzstift beschriftet wurden.
Meine
Neugier steigt. Als ich die angegebene WWW-Adresse aufsuche,
begrüßt mich die
Mitteilung, daß die Seite neu
gestaltet werde.
Hmmm ... Ich entscheide mich dazu, den Chef
damit zu konfrontieren.
"Ja, ja, es handelt sich um ein
global agierendes Unternehmen mit vielen wachsenden
Kunden, so daß
sie keine Zeit haben, SSL-gesicherte Webseiten
mit
Java-Suchalgorithmen zu entwerfen." antwortet er.
Gute
Antwort. Eine Antwort, die man erwarten würde von einem Ba ...
"Mein Rechner hat Probleme", erwähne ich im
Vorbeigehen. "Ich glaube, daß das
Diskettenlaufwerk
müßte einmal gereinigt werden müßte."
"Wirklich?" sagt er. "Das sind vielleicht ... hmm
.... transiente
Überspannungsschleifen im Magnetkopf."
"Sind sie sicher?" frage ich und sehe meine Vermutung
bestätigt.
"Ja. Und sie müssen die
Überspannungsschleifen mit einem magnetischen
Entstör-
Gleichrichter beseitigen. Sie haben doch einen?"
"Nein."
"Nun, ich denke, sie können bei
Problemen auch einen Hammer und einen
Schraubenzieher benutzen."
schlägt er vor. "Sie schieben einfach den
Schraubenzieher
in das Laufwerk bis sie auf Widerstand stoßen ..."
"...
und prügeln dann das Leben aus dem Laufwerk heraus, bis nur noch
der Griff des
Schraubenzieher herausschaut?" frage ich.
"J-Ja, woher wußten sie das?"
"Sie sind
ein Bastard", antworte ich.
"Nein, bin ich nicht!"
"Doch, sie sind einer. Und sie sind noch nicht registriert
...."
"Nein, das bin ich durchaus - ich bin ein FBMFH",
sagt er verschmitzt. Ein Mitglied
der Freimauerischen Bastard
Manager from Hell! Ich bin beeindruckt.
"Gut. Also, was geht
hier vor?"
"Nun, man gründet ein paar
´produzierende´ Unternehmen, schreibt schnell
ein
Programm und sucht sich dann irgendwo einen Managerposten,
wobei man die
Empfehlungen der eigenen Firmen benutzt. Dann kauft
man das eigene Programm,
das alle Probleme lösen kann, zu
einem künstlich überteuerten Preis ein und
akzeptiert
dann gegen Zahlung einer hohen Abfindung die frühzeitige
Kündigung,
wenn das ganze Unternehmen Probleme bekommt."
"Womit nur noch zwei Fragen bleiben." sage ich.
"Was
ist für sie drin und wann platzt die Bombe? Nun, ich denke ein
paar Tausender
in Form von Abrechnungen für ´externe
Beratungen´ und, hmmm, der nächste
Mittwoch?"
"Mittwoch?"
"Ja, ich bin sicher, daß
sich ein tödlicher Virus auf den Installationsmedien befindet."
"Dafür werde ich sorgen!" rufe ich.
Es macht
doch immer wieder Spaß, mit Profis zu arbeiten.
Ein paar neue
Nutzungsmöglichkeiten für die Klimaanlage und den
Hauptrechner
machen den Chef nervös, während der PJ sein
Hühnchen mit Pilzauflauf nicht zu
knusprig will ....
Der Chef hat herausgefunden, daß ich den Hauptrechner mit
den vier Prozessoren
dazu nutze, mein Mittagessen warmzuhalten und
ist deshalb nicht gerade erfreut.
Ich wäre sicher damit
durchgekommen, wenn ich nicht noch eine Extraportion
Bratensoße
verlangt hätte, die irgendwie ein Loch in die Papiertüte
hat und auf die
Platine des Rechners tropfte.
Die Leute aus
der Forschungs- und Entwicklungsabteilung sind nicht gerade
erfreut
darüber, denn sie haben die Maschine benutzt, um eine
Serversoftware einem
Belastungstest zu unterziehen, mit dem sie
herausfinden wollten, wie viele Anfragen
die Server-Software
gleichzeitig beantworten kann.
Natürlich war ich auch nicht
gerade erfreut - nicht, nachdem ich herausgefunden
hatte, daß
die Probleme durch die Abwärme eines Prozessors verursacht
wurden, die
für das Loch in der erwähnten Tüte
verantwortlich war. Ein echter Rückschritt
bezüglich der
Belastbarkeit neuer Hardware ...
Also befindet der Chef sich
jetzt auf dem Kriegspfad, um sicherzugehen, daß nicht
auch
noch andere Geräte ´unpassend´ benutzt werden.
Und
als hätte ich es nicht geahnt, schafft er es bei seinen
ahnungslosen
Wanderungen durch das Haus, über den Schlauch zu
stolpern, der die Kühlerschlitze
eines alten Servers mit dem
zentralen Vakuumreinigungssystem verbindet.
"WAS ZUM HENKER
SOLL DAS SEIN?" schreit er.
"Ah, das ist das zentrale
Vakuumreinigungssystem."
"Und weshalb ist es mit dieser
Maschine verbunden?"
"Nun, sie wissen doch, wie
empfindlich Prozessoren auf Staub und ähnlichen
Schmutz
reagieren? Ich lasse das Reinigungssystem laufen, damit sich kein
Staub in
den Rechnern ansammelt."
"Aber das ist das
INNERE der Maschine! Wie soll denn Staub hineingelangen?"
quietscht
er.
Ich entscheide mich, Klartext zu reden. "Erinnern sie
sich noch daran, daß ich ihnen
sagte, daß das
Reinigungssystem zusammengebrochen sei?"
"Ja. Und?"
"Nun, das tat es wirklich. Und auch wenn die Chancen 1 zu
1.000.000 standen, es lag
daran, daß der Beutel, der den
Staub aufnehmen sollte, platzte. Und da habe ich
festgestellt, daß
der alte Rechner mit seiner Kühlanlage eigentlich gut geeignet
ist,
Staub von den anderen abzusaugen."
"Sie
benutzen diesen Server als Staubsauger?!?" schreit er und sieht
seine
schlimmsten Befürchtungen bestätigt.
"Nun
.... Ja."
"Sind sie geisteskrank?! Was ist mir der
Brandgefahr?"
"Machen sie sich keine Sorgen. Wir leeren
das Gehäuse immer dann, wenn der Staub
aus dem
Diskettenlaufwerk herausquillt. Und, nebenbei, die Prozessoren in
der
Maschine werden so selten genutzt, so daß sie sich kaum
aufwärmen!"
"Ich kann es nicht glauben!"
murmelt er mit leidverzerrtem Gesicht und schüttelt den
Kopf.
"Also nehme ich an, daß wir ihnen lieber nicht sagen
sollten, was wir mit den
Luftschächten der Klimaanlage
gemacht haben." erwähnt der PJ hilfsbereit.
"Die
Luftschächte?" schreckt der Chef zusammen, der nicht
wirklich wissen will,
welchen Ärger wir ihm bereiten könnten,
den seine Neugier aber zu dieser Frage
zwingt.
"Nun, wir
bewahren etwas Technik in ihnen auf - aber nur die Geräte, die
wirklich
heiß werden", gesteht der PJ.
"Ich
....", murmelt der Chef, dessen Gedächtnis für Momente
auszusetzen scheint.
"Wieso?"
"Nun, sie werden
eben zu heiß für den Rechnerraum, also haben wir sie in
den
Luftschächten installiert, wo sie immer schön
gekühlt werden und auch perfekt
funktionieren."
"Und
was passiert im Winter, wenn die Klimaanlage warme Luft liefert?"
"Oh, wir dachten, daß wir dieses Problem dann lösen,
wenn es akut wird."
Die Fantasie des Chefs läßt
ihn zuckende Flammen, die sich durch die Luftschächte
im
gesamten Gebäude ausbreiten, sehen, also zieht er lieber
murmelnd ab.
"Maschinen in den Luftschächten? Das ist
doch ein wenig sinnlos, oder?" frage ich.
"Ja, nun, ich
mußte mir etwas einfallen lassen. Und nebenbei, ich mußte
das sagen
oder die Wahrheit, daß wir die Sicherungsbänder
der Erbsenzähler auf der letzten
Weihnachtsfeier als
Dekoration benutzt haben."
Ein Keuchen aus der Tür
zeigt uns, daß der Chef wieder etwas spüren kann.
Ein
schneller Blick in sein Gesicht sagt mir, daß er dieses
Problem auf die harte Tour zu
lösen gedenkt.
"Natürlich,
ich bedaure den verantwortlichen Manager." rufe ich.
"Ich
auch", kommentiert der PJ gemäß der Regel aus dem
Bastard-Buch der
Entschuldigungen, nach der sowieso immer das
Management für die Taten der
Untergebenen verantwortlich
gemacht wird.
"Ja, ich möchte nicht in der Haut des
Managers stecken, wenn die Prüfer
dahinterkommen, daß
wir ihre Sicherungsbänder zerstört haben."
"Ich
auch nicht", sagt der PJ. "Das könnte so aussehen, als
hätte die Firma etwas
vor dem Finanzamt zu verbergen."
"Hat das Finanzamt nicht eine Nummer für anonyme Tips?"
frage ich.
"Sie können mir keine Angst machen!"
ruft der Chef. "Ich bin nicht verantwortlich für
die
Versäumnisse meiner Vorgänger."
"Natürlich
sind sie nicht verantwortlich!" stimme ich zu. "Nein, man
wird uns
rauswerfen - und ein paar Tage später wird das
gesamte Netzwerk der Firma
zusammenbrechen, weil die restliche
IT-Belegschaft mit den Problemen nicht fertig
wird. Ich würde
es hassen, Manager dieses Durcheinanders sein zu müssen."
"Nun, das ist dann der Fehler des IT-Chefs, aber nicht mein
Problem!" ruft der Chef.
"Ja." erwidert der PJ
trocken. "Ich bin sicher, daß er die Verantwortung
übernehmen
und nicht einfach einen Untergebenen über die
Klinge springen lassen würde."
"Dann werde ich nur
noch meine Kündigung einreichen", seufzt der Chef
schließlich
und schleicht gebrochen davon.
"Oh, und
könnten sie nach dem Hühnchen und dem Pilzauflauf im
Applikationsserver
sehen?" ruft der PJ ihm nach. "Ich
mag es nämlich nicht, wenn es zu knusprig ist ..."
Das verwegene Duo entwickelt
einige hinterhältige Taktiken, um ´ungeeignete´
Bewerber
für den Posten des Chefs zu entlarven. Hoffentlich haben deren
Hosen
wenigstens die richtige Farbe ...
Als Teil eines Versuches, die Mitarbeiter fühlen zu lassen,
daß sie in die
Entscheidungsvorgänge eingebunden sind
(ein neuer Gedanke aus der
Wohlfühl-Abteilung), wurden der PJ
und ich gebeten, uns die Lebensläufe der
Bewerber für
den Posten unseres Chefs anzuschauen.
"Schauen sie, als
Hobby gibt er Philatelie an ..." liest der PJ vor.
"...
das Sammeln von Münzen und, na sowas!, das Verbreiten von
Langeweile. Und
vorher hat er an ... einer Universität und
bei einer ... Bank gearbeitet."
"Und hat er seine
Filmkarriere erwähnt?"
"Seine Filmkarriere?"
"Ja, ganz offensichtlich war er der Star von ´Ein mehr
als langweiliges Leben´".
"Mmmm?" murmelt
der Mann aus der Personal-Abteilung.
"Nichts. Der nächste
Kandidat bitte!" rufe ich.
"Weg damit!" ruft der
PJ und schiebt den Lebenslauf in den Aktenvernichter. "Der
nächste
Bewerber kommt aus ... Leeds, seine Hobbies sind Fettbemmen und
die
Pflege von Hühnern. Musikalisch mag er die Bayerischen
Rülps-Chöre."
"Irgendwie glaube ich nicht
daran, daß ihre Bemerkungen auf Fakten beruhen",
kommentiert
der Personaler weinerlich.
"Nein", stimmt der PJ.
"Tatsächlich handelt es sich um Schweine und
knackige
Hintern."
"Das bedeutet, er kommt aus der
Oberschicht von Leeds."
"Meine FRAU kommt aus Leeds!"
wirft der Personalmensch verärgert ein.
"Wirklich?"
rufe ich unfähig, mich zurückzuhalten. "Welche
Position hat sie
bevorzugt?"
"WAS!?!"
"Rugby!
Sie wissen doch, in Leeds kommen nur Rugby-Spieler."
"Ich
glaube, da haben sie einen wunden Punkt angeschnitten", sagt der
PJ, nachdem
der Personalmensch offensichtlich leicht verärgert
hinausstürmte.
Schneller als man ´Umschalten auf den
Backup-Server´ sagen kann, bekommen wir
einen Ersatzmann aus
der Personal-Abteilung - diesmal die etwas robustere
Ausgabe, die
sonst nur zum Einsatz kommt, wenn sie jemandem mitteilen wollen,
daß
sie sich freuen würden, sein Kündigungsschreiben
entgegennehmen zu können.
"Gut, dann schauen wir uns
einmal diese Bewerber an", sagt er und greift zur
nächsten
Bewerbermappe. "15 Jahre IT-Erfahrung,
Management-Kenntnisse,
Microsoft-Zertifikate, verschiedene
erfolgreich besuchte Weiterbildungskurse zur
Netzwerk- und
Systemverwaltung ..."
"Das klingt mir zu technisch",
beschwere ich mich.
"Wie kann ein Manager ZU VIEL von
Technik verstehen?!"
"Wenn ihr Verstand zu technisch
geprägt ist, dann stören sie uns bei der Arbeit."
"Ich glaube kaum, daß das eine Entschuldigung ist für
...."
"Diese Typen verbringen ihre Arbeitszeit lieber
damit, irgendwelche Bagatellfehler
zu beheben, die sie zu
verantworten haben, als bunte Statistiken über
Kosteneinsparungen,
verbrauchten Speicherplatz etc. anzufertigen, die das
höhere
Management immer so glücklich machen. Also wird
die Geschäftsleitung sich
fragen, wer ZUM TEUFEL einen
solchen inkompetenten Manager eingestellt hat."
"Hmmm.
Das könnte stimmen", sagt der Personalmensch, der eine
Gefährdung
seines Arbeitsplatzes wittert. "Was schlagen
sie vor?"
"NÄCHSTER!" rufe ich und schiebe
den Lebenslauf in das mülleimerbasierte
Verschlüsselungsgerät.
"Ich bin sicher, daß es JEMANDEN mit den
richtigen
Fähigkeiten gibt."
"Gut", ruft
der PJ und hält ein Foto hoch. "Dann kommen wir zu DIESEM
feinen
Herrn."
"ICH BITTE SIE!" rufe ich aus,
denn ich kann mich nicht mehr zurückhalten.
"SCHAUEN SIE
SICH DIESE HOSEN AN! Welche Farbe ist das? Ein dunkles Pink
oder
ein leuchtendes Lila?"
"Sieht nach lila aus", sagt
der PJ. "Ein linkshändiger Golfer ...?"
"Sie
meinen, er ist schwul?", sagt der Personaler. "Was hat das
mit ...?"
"Nun, uns ist das egal, aber sie kennen doch
die Homophobie des Geschäftsführers."
"Ich kann nicht glauben ..." antwortet er und fragt sich
offenbar, in welchem
Jahrzehnt er sich befindet. "... aber
sie könnten richtig liegen."
"Das war wirklich
etwas boshaft, oder?" fragt der PJ später.
"Boshaft
trifft es nicht ganz. Für den Anfang habe ich dem Bild die
passenden
Farben verpaßt."
"Sie Bastard!"
"Und zweitens ist er ein Freund des Geschäftsführers.
Ich kann es kaum erwarten,
daß der Personaler ihm die
Ablehnung mitteilt und als Grund seine Vermutung angibt,
daß
der Bewerber schwul sein könnte."
Der Rest des Tages
vergeht ähnlich, wobei wir einige Bewerber ablehnen, die an
mehr
als einem Microsoft-Training teilgenommen haben (Gefahr
der
Gehirnwäsche!), einen Bewerber, der einen Lada fährt
(zu wenig Ehrgeiz) und
schließlich (darauf bin ich besonders
stolz) einen Bewerber, der in Balham wohnt
(der
Langweiligkeits-Faktor).
"Alles für den morgigen Tag
vorbereitet?" frage ich den PJ am Ende dieses Tages.
"Ja,
ich habe es geschafft, sieben Lebensläufe auszusortieren, die
recht
vielversprechend aussahen."
"Haben sie sie in
den ´Eingangs-Stapel´ in der Personal-Abteilung
geschmuggelt?"
"Ja, unter die von ihnen aussortierten
Schreiben - der offenherzige
Klebstoffschnüffler war doch von
ihnen, oder?"
"Genau - ich dachte, wir könnten ihn
ausnahmsweise akzeptieren, damit es nicht so
aussieht, als würden
wir alle Bewerber ablehnen."
Es ist schon lustig, daß
man mit etwas Mühe auch die eigenen Ansprüche
etwas
zurückschrauben kann ...
Die Kandidaten, die sich zu
einem Vorstellungsgespräch mit dem B.O.F.H. und dem
PJ
einfinden, sind zu bemitleiden. Nachdem sie an der
offiziellen
´Betriebsbesichtigung´ teilnahmen, finden
sie sich auf dem Parkplatz wieder ...
Nach der anstrengenden Auswahl potentieller Nachfolger für
den Posten des Chefs
sind nur noch wenige Kandidaten
übriggeblieben, von denen einer sogar nur
außerhalb
unserer wahrnehmbaren Welt existiert ...
Die hartnäckigen
Leute aus der Personal-Abteilung bestehen also darauf, daß
wir
uns mit drei Bewerbern zum Gespräch treffen.
Unser
erstes Opfer ist ein ehemaliger Technikmanager, dessen
´technische´
Fähigkeiten darin bestehen, daß
er die Fahrtrichtung der U-Bahn korrekt
voraussagen kann.
Wir
treffen uns in einem Verhandlungsraum der Wohlfühl-Abteilung und
lauschen
dem Typen aus der Personal-Abteilung, der darüber
referiert, was die Firma macht,
wo sie ihre Filialen hat, was sie
wert ist ...
Die Augen des Bewerbers beginnen abwesend zu glänzen
(natürlich hat er kein
neues Actionspiel auf seinem
persönlichen Assistenten installiert, das er gegen den
PJ
spielen könnte).
Plötzlich merke ich, daß die
monotone Stimme des Personalers fehlt. Also blicke ich
hoch, um
festzustellen, daß er mich erwartungsvoll anstarrt.
"Hmmm",
sage ich und spiele tiefes Nachdenken. "Ähmmm, nur eine
Frage noch -
wenn sie eingestellt würden, wo würden sie
ihre Rolle bei der Beschaffung von neuer
Technik und Software für
die Nutzung in der Firma sehen?"
"Eine gute Frage",
antwortet er, immer bemüht, nicht zu herablassend zu
klingen.
"Ich würde mich hauptsächlich mit der
Analyse, der Installation und dem Test neuer
Ausrüstung
beschäftigen. Sie als technikorientierte Menschen sind ja sicher
eher auf
die Handarbeit orientiert - das Lösen von Problemen,
die die Nutzer quälen, und
ähnliches - also werde ich
mich um neue Technik und Software kümmern, damit sie
sich
ganz ihren Aufgaben im Rahmen der Nutzerbetreuung widmen können."
"Aha", kommentiere ich vieldeutig. "Nun, das
beantwortet meine Frage - vielleicht
haben sie Interesse an einer
Betriebsbesichtigung?"
"Das wäre großartig!"
ruft er fröhlich in der Annahme, daß eine
Betriebsbesichtigung
bedeutet, ihm sei der Posten sicher.
"Hervorragend", antwortet der Personaler. "Simons
Assistent wird sie sicher gern
durch unsere Firma führen und
sich um sie kümmern."
Der PJ nickt und begleitet
Bewerber Nummer Eins nach draußen.
Bewerber Zwei erscheint,
und er gleicht dem ersten, mit der Ausnahme, daß er
noch
weniger kompetent im Umgang mit Technik ist - wenn dies einem
Menschen
überhaupt möglich sein sollte.
Ich lehne
mich zurück, um ein weiteres Kapitel der
Firmengeschichte
kennenzulernen ...
"ENTSCHULDIGUNG! Ich
muß mit meinen Gedanken wohl etwas abwesend
gewesen sein!!"
rufe ich, als ich aufschrecke. "Ich habe die Nacht damit
verbracht ...
ähm ... die ... die Verfügbarkeit der
Bandmaschinen zu sichern."
"Haben sie noch Fragen an
diesen Bewerber?" fragt der Personaler.
"Nur eine",
murmle ich und wiederhole die Frage, die ich vorhin gestellt habe.
"Nun, ich werde natürlich einen gewissen Einfluß
auf Einkaufsentscheidungen
nehmen - prüfen, ob die Technik
oder die Software den Anforderungen der Firma
genügt etc.,
aber davon abgesehen werde ich es ihnen überlassen zu
entscheiden, ob
die Bedürfnisse der Nutzer befriedigt
werden."
Hm, knapp am Ziel vorbei ist auch vorbei.
"Vielleicht haben sie Interesse an einer Betriebsführung",
kommt mir der Personaler
zuvor. Ein Nicken zum PJ ist so gut wie
ein Wink, also sind sie augenblicklich
verschwunden.
Der
dritte Kandidat ist aus dem gleichen Holz geschnitzt wie seine
Vorgänger. Er
verschwindet zur Betriebsbesichtigung als der
Vertreter der Personal-Abteilung
zum Lebenslauf des letzten
Kandidaten greift. "Ich muß zugeben, daß
dieser
Lebenslauf sehr beeindruckend aussieht", sagt er. "Ich
glaube, wir werden ihn und
den ersten Bewerber zu einem zweiten
Gespräch einladen, wenn er hält, was der
Lebenslauf
verspricht."
"Oh, der erste Bewerber wird nicht
zurückkommen, fürchte ich." wirft der PJ wie
zufällig
ein.
"Und weshalb wird er nicht zurückkommen?"
"Nun, sie sagten, wie sie sich sicher erinnern, ich solle
mich um ihn kümmern ..."
"Ja - und ihn ein wenig
herumführen!"
"Oh! Ich fürchte, daß ich
ihre Anweisung falsch interpretiert habe."
"Sie haben
doch nicht etwa schon wieder das Feuerlöschgas im
Rechnerraum
getestet?"
"Uh ..."
"Mein
Gott!" ruft der Personaler. "Das kann doch nicht wahr
sein!"
"Ich kann es auch kaum fassen!!" rege ich
mich auf. "Wissen sie eigentlich, wie
teuer das Löschgas
ist? Und denken sie an die Ozonschicht!"
Der Personaler
sieht aus, als würde er gleich explodieren ... weshalb wir ihm
wohl
besser nicht sagen sollten, daß der PJ die beiden
anderen Kandidaten am
Hinterausgang in der Tiefgarage ausgesetzt
und versprochen hat, daß wir uns bei
ihnen melden würden,
wenn die Hölle zufriert.
"Wie konnten sie nur annehmen,
daß ich das meinte ..."
"Aber so habe ich ihre
Anweisung auch ausgelegt!" rufe ich.
"Aber wir sind
doch ein Unternehmen und nicht irgendeine Untergrundbande!"
"Was der Geschäftsführer dazu wohl sagen wird ...."
keucht der PJ.
Ich schüttle den Kopf, so daß der PJ
(wie geplant) verstummt.
Zwei Tage später ist der
Arbeitsvertrag bestätigt und die drei beteiligten Personen
haben
Stillschweigen über die genauen Umstände vereinbart.
Er
glaubt, daß wir ihn nicht anschwärzen und als Gegenzug hat
er, ohne
Vorstellungsgespräch, den Kandidaten als Chef
eingestellt, den wir uns gewünscht
haben - den es in
Wirklichkeit gar nicht gibt, sondern nur auf dem Papier ...
Der B.O.F.H. und der PJ
genießen das Leben und fühlen sich hochmotiviert
durch
ihren neuen ´logischen´ Chef Roger. Doch
besondere Maßnahmen lassen sich nicht
vermeiden, als der
IT-Chef den Braten riecht ...
Wir verleben eine herrliche Zeit, da wir keinen Chef haben, und
nutzen die Situation
nach besten Kräften aus.
Nun, wenn
ich sage, wir hätten keinen Chef, so meinte ich natürlich
einen Chef aus
Fleisch und Blut. Den virtuellen Chef haben wir
installiert und gestartet - kurz:
/dev/roger (und /dev/rroger/,
wenn er uns schmutzige Witze erzählt).
Seinen gesamten
ersten Tag hat er damit zugebracht "Klienten zu treffen",
dann hat
er sich am zweiten Tag krankgemeldet. Damit habe ich etwa
eine Woche Frist
erkauft, bevor die ersten mißtrauischen
Fragen gestellt werden - ob ihn überhaupt
schon jemand
gesehen hat, um ein Beispiel zu nennen. In der
Zwischenzeit
"telekommuniziert" er regelmäßig
mit dem PJ und mir.
"Ich habe gerade eine E-Mail von ihm
bekommen", erkläre ich dem PJ. "Es sieht so
aus,
als findet er meine Idee, in die USA zu fliegen gut, um zu
untersuchen, was ...
ich habe keine Ahnung. Darüber werde ich
mir nach meiner Rückkehr Gedanken
machen. Hat er ihnen auch
eine E-Mail geschickt?"
"Ich arbeite gerade daran",
antwortet der PJ. "Anscheinend soll ich einige Zeit
damit
verbringen, die RJ45-Sockel in den Bodenplatten in der
Sekretärinnen-Abteilung zu
überprüfen, um allzeit
gute Verbindungen zu gewährleisten."
"Sie
perverser kleiner Bastard!" murmle ich neidisch.
Unser
Pläneschmieden wird durch den Chefbuchhalter unterbrochen.
"Ah,
haben sie Roger gesehen?" fragt er und schaut sich neugierig um.
"Roger kuriert seine Krankheit aus." antwortet der PJ.
"Schon am zweiten Arbeitstag?"
"Ja,
anscheinend hat er sich einen dieser 48-Stunden-Viren eingefangen,
aber er hat
eine Nummer hinterlassen, damit er im Notfall
erreichbar ist." erkläre ich und reiche
ihm einen
Notizzettel mit der Telefonnummer eines Anschlusses außerhalb
Londons.
Er nimmt den Zettel, spielt sichtlich mit dem Gedanken, den neuen
Chef anzurufen
und marschiert dann davon.
"Er wird es
tun." murmelt der PJ.
"Machen sie sich darüber
keine Sorgen. Ich bin mir sicher, daß er sich stundenlang
mit
meinem Stimmenerkennungs- und Antwortprogramm unterhalten kann, das
ich
mit den üblichen Schlagworten gefüttert habe."
"Sie haben was?"
"Stimmenerkennungs- und
Antwortprogramm - das ist ein Programm, das zuhört und
wie
ein Mensch antwortet. Wie eine modifizierte Version dieses
alten
Lisa-Programms und ähnlicher psychiatrischer
Programme."
"Er wird den Braten riechen ..."
"Nicht unbedingt. Das Programm ist so konfiguriert, daß
die Stimme so klingt, als
hätte der Sprecher jede Menge
Pillen geschluckt, um eine Krankheit zu bekämpfen.
Pillen,
die Nebenwirkungen auf den Geisteszustand haben können."
"Also ist das wie eine Gespräch mit ..."
"...
jemandem, der sich nur schwach an die Dinge erinnern kann; ein
Betrunkener, ein
Drogenabhängiger, ein Softwarelieferant, der
ihnen das Blaue vom Himmel
vorlügt ..."
"Hmmm
...." murmelt der PJ noch nicht ganz überzeugt.
Ich
mache ein paar Anrufe, um sicherzugehen, daß meine Reise und
das Hotel
gebucht sind und die Buchungen auch nicht mehr
rückgängig gemacht werden
können, falls der Notfall
eintritt. Und Roger hat gerade vorgeschlagen, daß ich in
der
Business Class fliegen soll, so daß ich erholt ankomme
und wirklich alle
Informationen in mich aufnehmen kann, die mir
präsentiert werden.
Doch das Ende von Roger läßt
sich nicht aufhalten. Und diesmal ist es der IT-Chef,
der sonst
eigentlich wenig Notiz von uns nimmt, der es einleitet. Er steht
dem
Vorschlag unseres Chefs, daß die Nutzer nur dann von uns
unterstützt werden, wenn
sie uns in einem Quake 2-Deathmatch
besiegen können, nicht gerade positiv
gegenüber. Nun,
das und die riesige Rechnung für Bücher aus der
Fachbuchhandlung,
deren Kauf uns die früheren Chefs untersagt
hatten, weil sie ein Vermögen kosten ...
"RICHTIG!"
ruft der IT-Chef, als er mit Bücher-Rechnungen, die locker
unser
Budget übersteigen, hereinstürmt. "DAS IST
DAS ENDE!"
"Ja", seufze ich und greife zu einem
schwarzen Band, das ich mir um den Arm
wickle. "Es ist
furchtbar."
"In der Blüte seines Lebens!"
schnieft der PJ mitleiderregend.
"Warum müssen die
Besten immer so jung sterben?" jammere ich.
"Worüber
zum Teufel sprechen sie?" stößt der IT-Chef hervor.
"Roger ...!" keuche ich und kämpfe mit den Tränen.
"... von uns gegangen!"
"In der Blüte seines
Lebens!" wiederholt der PJ.
"Wovon sprechen sie?"
fragt der IT-Chef verwirrt.
Ich schiebe ihm die vorbereitete
Titelseite einer Boulevardzeitung hin.
"´IT-Manager
von Software-Lieferant überfahren´. Oh mein Gott ... Aber
das stand
nicht in meinen Exemplar, das ich am Morgen bekam."
Dieser ...!
"Ah ... das ist die Pendlerausgabe",
antworte ich und denke schneller als ein
übertakteter Pentium
III. "Die Ausgabe mit den letzten Neuigkeiten und
Ergänzungen."
Er überfliegt den Artikel auf der Suche nach Anzeichen, daß
ich ihn belüge, während
ich mir vornehme, ein paar
Todesanzeigen in den Zeitungen von morgen zu schalten,
damit er
unsere Geschichte kauft.
"Sollten sie nicht eigentlich in
einem Taxi sitzen?" fragt der PJ im richtigen Moment.
"Oh,
das STIMMT! MEIN FLIEGER!"
"Ihr Flieger?" fragt
der IT-Chef.
"Ja, ja, ich bin ziemlich spät dran - der
PJ wird es ihnen erklären - Roger hätte es so
gewollt!"
stoße ich hervor.
"Nein, ich denke, es wäre sein
Wunsch gewesen, daß der Lieferwagen ihn verfehlt
hätte",
höre ich den PJ murmeln, als ich davonstürme.
Die Kunst
der Zurückhaltung hat offenbar einen großen Bogen um ihn
gemacht.
Nun, ich bin mir sicher, daß er sich in der
nächsten Runde mit
Vorstellungsgesprächen gut machen
wird.
Der PJ mischt sich in Dinge
ein, die er nicht versteht. Es geht um Maureen, bekannt
für
ihr dauerndes Jammern über ihre ´kaputten Programme´.
Der B.O.F.H.
entscheidet sich, dem PJ eine teure Lektion zu
erteilen ...
"Ich weiß ja nicht, wie es IHNEN geht", erklärt
der PJ zufrieden, als er zu später
aber noch akzeptabler
Stunde am Nachmittag ins Büro kommt. "Ich jedenfalls
habe
heute wirklich etwas vollbracht!"
"Das habe ich
auch. Sehen sie, ich habe hier eine voll funktionsfähige
Vorabversion
von Quake III ergattert. Meine Grafikkarte wird
allerdings leider noch nicht
unterstützt!"
Kaum habe
ich das gesagt, wird mir bewußt, wie erbärmlich das war,
denn es
erinnert mich an die Computer-Süchtigen, die auf
Konferenzen und Messen sich
abends an der Bar Geschichten erzählen
.... Ich sollte mir wohl eine
Elektroschocktherapie in einem
progressiven Club verschreiben, den ich bei der
nächsten
Gelegenheit besuchen muß, wenn diese kranke Fixiertheit auf
Computer
wieder nach mir greift.
"Wie auch immer",
fasse ich zusammen. "Worüber sprachen sie?"
"Ich",
zwitschert der PJ und plustert sich auf wie Paul Gascoigne, der einen
anderen
Trinker an der Bar zu vorgerückter Stunde
beeindrucken will. "Ich habe in einer
ganzen Etage die Kabel
zwischen den Rechnern und den Netzanschlüssen erneuert."
"Warum?" frage ich unschuldig, doch ich kenne die
Antwort eigentlich schon.
"Möglicherweise ..."
antwortet er und macht eine Pause, um den dramatischen Effekt
zu
erhöhen. "Möglicherweise liegt es daran, daß
DIESE Kabel in keiner Weise die
Cat-5- Spezifikationen erfüllten."
Er hält ein paar Kabel hoch, die ich, das muß ich
zugeben, vor vielen Monden für
einen verdächtig
niedrigen Preis angeschafft HABE ...
"Sehr vorausschauend",
erwidere ich und bin beinahe bereit, meine Niederlage in
dieser
Sache einzugestehen. "Sagen sie mir nur noch, ob es die dritte
Etage war."
"Wieso? Dort hat man sich doch am meisten
über Netzwerkprobleme beschwert."
Die eigene Anschauung
ist, so wird jedenfalls behauptet, der beste Lehrer, selbst
wenn
das Lehrgeld sehr hoch ist. Er ist noch jung, aber er wird es lernen.
"Haben sie auch Maureens Kabel ausgetauscht?" frage
ich.
"Natürlich."
"Maureen, die sich
notorisch bei uns beschwert?"
"Sie scherz ..."
Seine Antwort wird jäh durch das Klingeln des Telefons
unterbrochen.
"Das wird Maureen sein", erkläre
ich. "Sie haben alle Programme auf ihrem
Computer zerstört."
"Das habe ich nicht!"
"Diese zehn Pfund sagen,
sie hätten es getan."
"Die Wette halte ich",
antwortet er und fühlt sich sicher.
"Sie haben alle
meine Programme zerstört!" jammert sie prompt durch
die
Freisprechanlage.
Ich greife mir den Zehner und versuche
dabei, ein höhnisches Grinsen zu
unterdrücken.
"Ich
habe nur das Kabel für ihren Netzwerkanschluß
ausgetauscht", antwortet der
PJ.
"Das muß
meine Programme zerstört haben", erwidert sie. "Noch
am Morgen haben
sie funktioniert."
"Was läuft
denn alles nicht?" fragt der PJ.
"Alle Programme
funktionieren nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr anmelden!"
"Und das Passwort für ihren Bildschirmschoner ist
korrekt?"
"Ja."
"Und das Licht für
die Feststelltaste leuchtet nicht?"
"N ... ja. Aber das
leuchtet immer!" lügt sie.
"Gut, dann drücken
sie die Feststelltaste noch einmal und versuchen es erneut."
"Das wird nicht ... Oh, meine Maschine läuft jetzt."
"Jetzt leuchtet das Licht für die Feststelltaste nicht
mehr?"
"Ja, aber ich habe vorher ein wenig an dem Kabel
gewackelt, bevor ich es erneut
versuchte. Es liegt bestimmt am
Kabel ..."
Sie beendet den Anruf und der PJ legt
kopfschüttelnd auf.
"Wetten wir um das Doppelte, daß
sie in zehn Minuten wieder anruft?"
"NATÜRLICH!"
Zehn Minuten und zwanzig Pfund später versucht der PJ,
Maureen verständlich zu
machen, daß das neue Kabel die
Dateien, an denen sie gearbeitet hatte, gar nicht
löschen
kann. Weitere zehn Minuten und zwanzig Pfund später erklärt
der PJ
Maureen, daß das neue Kabel ihre Email nicht löschen
könne, sie stattdessen keine
E-Mail bekomme, weil niemand ihr
eine schicken würde. Und er verspricht ihr auch,
eine
Test-E-Mail an sie zu schicken.
Fünf Minuten und vierzig
Pfund später erklärt der PJ, daß er das Spiel
´Doppelt oder
nichts´ nicht mehr mitmachen würde
und erklärt, daß er ´Bestähtigung´
falsch
geschrieben habe und das neue Kabel für Tipp- und
Schreibfehler nicht
verantwortlich sei.
"Was soll ich nur
tun?" fragt der PJ, nachdem der neue Chef (erregt)
hereinkommt
und fragt, was er der Maschine dieser armen Frau
angetan hat.
"Worin besteht ihre Sünde?" frage
ich.
"KEINE SÜNDE! Ich habe nur das Kabel ausgetauscht.
Wenn ich gewußt hätte,
was noch passiert, hätte
ich sie gemieden wie die Pest!"
"Sie wird bemerkt
haben, daß alle anderen Rechner nun weniger Probleme
haben -
jetzt, da das neue Kabel verlegt ist ..."
"Aber wie
können wir ihr Problem lösen?" plärrt der PJ.
"Das ist nicht unsere Sache", sage ich und greife zum
Telefon. "Wir leiten das
Problem weiter."
Ich rufe
den Chef zurück und erkläre ihm, daß wir
herausgefunden haben, daß eines
der Kabel fehlerhaft ist.
Ahnungslos und neugierig wie er ist, entscheidet er sich
dazu, es
selbst auszutauschen. Der arme Kerl. Als der PJ und ich später
nach Hause
gehen, hören wir, wie er ihr bei dem Problem der
Feststelltaste hilft ...
"Ich schätze, ich schulde
ihnen ein Bier?" fragt der PJ.
"VIELE Biere!"
Eigene Erfahrungen sind wirklich großartige Lehrer, aber
das Lehrgeld ...
Nachdem sie von den
Erbsenzählern hintergangen wurden, entwickeln der B.O.F.H.
und
sein Gefährte ein paar unorthodoxe Testmethoden ...
Ich schaue in das Innere eines PCs - der PJ hat mich darum
gebeten, vermutlich weil
er etwas gesehen hat, daß ihm gar
nicht gefiel. Und wenn ihm etwas nicht gefällt,
dann will das
etwas heißen ...
Ich fahre fort, die Posten auf meiner
Liste abzuhaken. "Festplatte, geprüft; Pentium
II 300
MHz, geprüft; 128 MB RAM, geprüft; 512 kb L2 Cache, ge ...."
Ich stutze. Was beim ersten Blick wie ein L2 Cache-Baustein
aussieht, ist nichts
anderes als eine Nachbildung aus Plastik. Ich
überprüfe meine Vermutung, indem ich
die Nachbildung aus
der laufenden Maschine entferne. Und auch nach einem
Neustart
ändert sich nichts an meiner Diagnose.
"Wir wurden
bestohlen!" wende ich mich atemlos an den PJ, als ich
den
Inventaraufkleber der Firma am Gehäuse des Rechners
bemerke.
"Woher haben sie den Rechner?"
"Ich?"
antwortet der PJ. "Ich habe ihn nirgends herbekommen."
"Nun, ich habe ihn nicht bestellt, wir sind die einzigen in
der Abteilung, die Technik
bestellen könn ... DIE
ERBSENZÄHLER!"
"Sie haben es erraten",
kommentiert der PJ. "Die Erbsenzähler haben den
Rechner
selbst bestellt, weil die Technik, die wir bestellen,
ihnen ´zu teuer´ ist - sie können
sie 200 Pfund
billiger bekommen."
"Und um ein paar Komponenten ärmer
...."
"Dann kleben sie den Inventaraufkleber drauf und
nehmen ihn in Betrieb. Allerdings
scheinen diese Rechner nicht so
gut zu funktionieren ..."
"Aufhänger, Abstürze
und ähnliches?"
"Uh-huh."
"Ist der
Rechner übertaktet?" frage ich und kenne schon die Antwort.
"Ja - und sie versuchen, einen 6 Volt-Lüfter mit neun
Volt zu betreiben."
"Die von der 12 Volt-Leitung
kommen?"
"Ja, der 11.7 Volt-Leitung bei diesem Modell.
Sie benutzen ein paar Widerstände."
Seufz.
"Aber
sagen sie mir jetzt nicht, daß wir die Rechner jetzt reparieren
sollen!"
Der PJ deutet gestikulierend auf eine Ansammlung
von Rechnern in der Ecke.
"Werfen sie sie in den Müll!"
rufe ich und treffe dabei eine Entscheidung, die einige
Manager
ganz bestimmt verärgern wird.
"Was geht hier vor?"
fragt der Chef, der gerade rechtzeitig in Begleitung eines
Managers
aus der Erbsenzähler-Etage hereinkommt, der ihn um Beistand
gebeten
hat.
"Das ist ein nicht genehmigter
Computer-Einkauf."
"Genehmigt, nicht genehmigt; wo ist
da der Unterschied? Warten muß man die
Geräte so oder
so!" wischt der Chef meinen Einwand weg.
"Genehmigte
Technik ist Technik, die wir geprüft haben, Technik, die
verschiedene
Tests bestanden hat."
"Mein Laptop hat
ihre Tests nicht durchlaufen und funktioniert trotzdem!"
mischt
sich der Erbsenzähler-Chef ein. "Obwohl das Licht
hinten am Gerät doch etwas
schwach leuchtet."
Ich
spare mir den üblichen Kommentar - ein Faß voller Fische,
ein Gewehr ...
"Es kann ja sein, daß alles läuft,
aber wenn wir es nicht getestet haben, können wir
uns auch
nicht um die Wartung kümmern." murmle ich, während der
PJ das
Dokument mit den Betriebsregelungen der IT-Abteilung
hervorkramt und schließlich
auf die entsprechende Textstelle
deutet. Dagegen kann auch der Chef nichts
einwenden.
Fünfzehn
Minuten später hat der Erbsenzähler uns seinen Laptop zum
Testen
überlassen. Weitere fünfzehn Minuten später
lassen wir den Laptop von der Decke
auf den Tisch fallen.
"Hat
das Spuren hinterlassen?" frage ich.
"Ganz geringe",
bemerkt der PJ und blickt auf die Kratzer auf der Oberseite
des
Testtisches.
"Aber wir wiederholen den Test lieber,
um ganz sicher zu gehen ..."
Leider taucht der Eigentümer
des Rechners wenig später auf, um uns dabei zu
ertappen, wie
wir Dartpfeile auf seinen Laptop werfen.
"WAS ZUM TEUFEL
MACHEN SIE DA?"
"Fließkommatests", murmle
ich. "Was jetzt noch bleibt, ist die Int Spez."
(Natürlich
geht es hier um den SPEC INT-Benchmark, aber bei
der Übersetzung bietet sich Int
Spez an, wie man noch sehen
wird. [thomas w.])
"Int Spez?" fragt er und starrt auf
die verbeulten Überreste seines Laptops.
"Ja, das ist
ein Test der Leistungsfähigkeit von Rechnern."
"ICH
WEISS, WAS DAS IST!" schreit er.
"Nun, wir sind gerade
dabei, diesen Test durchzuführen."
"Und WIE wollen
sie das bewerkstelligen?"
"Ich prüfe, ob das Gerät
eine fremde SPEZies INTegrieren kann, den Hund des
Hausmeisters
zum Beispiel."
"Das ist doch lächerlich! Geben sie
mir meinen Computer!" stößt er hervor. Was,
rein
zufällig natürlich, ungefähr dem entspricht,
was dem Scharnier auf der Rückseite
beim Sturz des Gerätes
auf den Boden passiert.
"GIBT es etwa auch einen Test für
Bodenhaftung?" fragt der PJ. "Davon wußte ich ja
noch
gar nichts."
Überraschenderweise stürmt der
Erbsenzähler ohne Antwort davon. Sein Ziel ist
offenbar das
Büro des IT-Chefs.
"In Ordnung: Es scheint einen
Zusammenhang zwischen der Aktivität von
Wichtigtuern und dem
Ausfall von Rechnern zu geben. Wir müssen Rechner
testen!
Schnell, werfen sie sie zu mir herüber und passen sie
auf, daß sie keine
Testmarkierung vergessen. Wir wollen
schließlich gründlich arbeiten!"
"Richtig",
stimmt der PJ zu. "Alles andere wäre ja unprofessionell,
nicht wahr?"
Ein einsamer B.O.F.H. muß
sich selbst um Unterhaltung kümmern. Gehversuche
eines
Managers, Bewegungssensoren an Türen und dampfende Getränke
warten auf
ihren Auftritt ...
Ich langweile mich! Der PJ macht Urlaub, so daß es niemanden
im Haus gibt, gegen
den ich in einem Quake II-Deathmatch antreten
könnte. Und so bleibt mir nur noch
diese eine Möglichkeit
- ich muß mich selbst um Unterhaltung kümmern.
"Sie
sind einfach großartig!" erklärt der Chef des
Wachdienstes auf meine Frage
nach dem Sinn der neuen
elektronischen Mitarbeiterausweise, die die alten
Magnetkarten
abgelöst haben. "Die Nutzer müssen nicht mehr mühsam
in ihren
Brieftaschen nach ihren Karten suchen und wegen der
Bewegungssensoren wird es
auch keine Probleme mehr mit
verschmutzten Magnetkartenlesern geben - sie sind
einfach genial!
Und außerdem können wir verfolgen, wie die Leute sich
durch das
Haus bewegen. Das ist großartig!"
"Und
für uns ist das ebenfalls sehr nützlich", freut sich
der Chef der
Personalabteilung. "Wenn wir das mit der
Telefonanlage verbinden, werden Anrufe
immer auf das Telefon in
dem Raum umgeleitet, in dem man sich gerade aufhält. Das
ist
ein Geschenk des Himmels!"
"Also sind wir alle
begeistert und ich sollte nun die Rechnungen für die
neue
Telefonanlage und das neue Kartensystem übernehmen?"
Der Chef hält einen kurzen Augenblick inne, in dem er an die
Pluspunkte denkt, die er
für diese Entscheidung bekommen
kann, bevor er sich entscheidet ...
"Und die
Nutzerverfolgung WIRD WIRKLICH nur durch den Wachdienst
genutzt
werden, oder?"
"NATÜRLICH!" rufe
ich aus - denn ich weiß, daß dieses neue Produkt nicht
so
leistungsfähig ist wie das Programm, das wir in den
vergangenen zwei Jahren dazu
benutzt haben, die Nutzerbewegungen
zu verfolgen. "Es wird nur zwei Stationen
geben, an denen die
Daten abgerufen werden können. Die eine steht im Büro
des
Chefs des Wachdienstes und die andere unten beim Eingang."
"Wenn das so ist, wo soll ich unterschreiben?" fragt er
und lächelt zufrieden.
Alle lächeln beglückt, als
der Chef sein Signum unter die preislich akzeptablen
Rechnungen
gesetzt hat.
"Was bedeutet ´TEST-PROGRAMM´
eigentlich genau?" fragt er, als sein Blick auf
diesen
Begriff im Kleingedruckten fällt.
"Das bedeutet, daß
wir die Software für einen ermäßigten Preis bekommen,
wenn wir
uns bereiterklären, sie über Fehler und
Probleme des Programms zu informieren."
"PROBLEME mit
der Software?" fragt der Chef vorsichtig.
"Ja, sie
kennen das doch bei unserer gesamten Technik - nur WILL der
Lieferant
diesmal, daß wir ihn über Schwierigkeiten
informieren, damit er sie beseitigen kann!"
"Und dafür
bekommen wir einen PREISNACHLASS?!" fragt er ungläubig.
Offenbar
kann er unser Glück gar nicht fassen. Ich versichere
ihm noch einmal, daß es so ist,
was ihn zufriedenstellt.
Da
ich keine Zeit vertrödeln will, schnappe ich mir die
unterschriebenen Rechnungen
und bringe sie zu den Erbsenzählern.
Das Problem mit solchen Systemen ist, daß sie im Normalfall
niemals ihr volles
Potential zeigen können, bis jemand wie
ich kommt, der über den Tellerrand
hinausblicken kann und
sich die Zeit nimmt, sich zum Besten für alle mit ihnen
zu
beschäftigen - und für das eigene Vergnügen
natürlich auch.
Ich überstehe noch ein paar langweilige
Tage bis der Wachdienst die alten
Magnetkarten gegen die neuen
ausgetauscht und die Kartenleser entfernt hat, bevor
ich meinen
Plan umsetze. Zunächst modifiziere ich die ´Folge
mir´-Funktion des
Telefonsystems so, daß das Telefon
nicht mehr in dem Raum klingelt, in dem sich der
Kartenträger
gerade aufhält, sondern in dem Zimmer, in dem er sich
DAVOR
aufgehalten hat ...
Dann variiere ich die
Empfindlichkeit der Bewegungssensoren der Türen so, daß
man
sich wirklich direkt vor der Tür befinden muß,
bevor sie sich öffnet.
Die Bühne ist vorbereitet, die
Darsteller sind bereit ...
Ich entscheide mich, die
Überwachungskamera zu aktivieren, die die Tür
beobachtet,
bei deren Sensoren ich die geringste Empfindlichkeit
eingestellt habe - die Tür zum
Raum mit den Kaffee-Automaten.
Dann schiebe ich ein Videoband in den Recorder
und warte auf den
Chef.
Für die halbstündige Wartezeit werde ich
entschädigt, als der Chef durch die Tür
marschiert und
sich einen heißen Kaffee aus dem Automaten holt. Ich reduziere
die
Empfindlichkeit der Türsensoren auf Null, worauf der Chef
mit seinem dampfenden
Plastikbecher prompt gegen die Tür
rennt.
Hervorragend!
Ich schalte die Türsensoren wieder
ein, um ihn herauszulassen und rufe ihn dann an,
als er den Raum
gerade verlassen hat - er weiß, daß der Anruf für
ihn ist, da er mir
schon zweimal den Fehler der ´Folge
mir´-Funktion mitgeteilt hat ... und rennt erneut
gegen die
geschlossene Tür. Ich glaube, daß ich mit diesem Video
wirklich der
Gewinner einer ´Die lustigsten
Heim-Videos´-Sendung werden könnte.
Ein lauter Knall
kündigt die Ankunft des Chefs in meinem Büro an, der
sich
wutschnaubend vor mir aufbaut.
Ich hasse mich selbst,
wirklich.
Das ist nicht gut. Der Chef schreit mich an, was meine
Konzentration so sehr stört,
daß ich das Video
überschreibe, das ich gerade aufgezeichnet hatte. Verdammt!
"UND NOCH EINE SACHE! WIESO GEHT MEIN PAGER IMMER
30
SEKUNDEN NACHDEM ICH DIE TOILETTE BETRETEN HABE LOS!?"
schreit
er.
"Da ... das muß ein Programmfehler
sein", antworte ich und frage mich, ob der
Wachdienst wohl
eine Urinprobe vom Chef haben will ...
"HABEN SIE DAS
NOTIERT?" fragt er.
"Nun, normalerweise lassen wir die
Nutzer selber die Fehlermeldungen für die
entsprechende
Anschlagtafel anfertigen."
"RICHTIG! Wo kann ich das
tun?"
Mein Gewissen macht mir Vorwürfe, doch ICH WILL
DIESEN TV-PREIS!
"Ähm, an der Wand neben den
Kaffee-Automaten." antworte ich und spule das
Videoband
zurück.
Einen Knall später ist er verschwunden.
Zwei
laute Türknaller später wird in einer Zwangsjacke
hinausbegleitet.
Aber ich langweile mich noch immer ...
Beratungen in Hülle und
Fülle. Und sie alle sind natürlich nichts anderes
als
ergebnislose Zeitverschwendung. Gibt es eine bessere
Gelegenheit zum Anschauen
von Filmen?
"Sind sie jetzt endgültig VERRÜCKT geworden?"
fragt der PJ, nachdem wir ein paar
Runden mit technischem und
nichttechnischem Personal durchgestanden haben, die
uns
hinterhältig auf unserem Weg zum Mittagessen überfallen
hatten. "Eine
verdammte BERATUNG?!?"
"Ja",
antworte ich nachdenklich.
"Sie HASSEN Beratungen!"
jammert er.
"Nun, HASSEN ist ein so negatives Wort.
INTENSIVE Abneigung beschreibt es
genauer. Aber das spielt
eigentlich keine Rolle - ich habe uns davor bewahrt, ihnen
eine
halbe Stunde lang dabei zuzuhören, wie sie darüber
diskutieren, welche
persönlichen Daten über den internen
LDAP-Server bereitgestellt werden sollen. Ja,
es ist wahr. Da der
IT-Chef ein paar Bemerkungen darüber gemacht hat,
welche
Informationen man über den neuen LDAP-Server
unternehmensweit bereitstellen
könnte, gibt es nun zwei
Fraktionen mit unterschiedlichen Vorstellungen darüber.
Auf
der einen Seite gibt es Leute, die meinen, sogar die Nummer
ihres
Dienstapparates gehöre zu ihrer Privatsphäre und
dürfe deshalb nicht veröffentlicht
werden, und auf der
anderen Seite gibt es die ´Privatsphären-Nudisten´,
die alle
Informationen bereitstellen wollen: die Nummern der
Privattelefone, den Namen der
Frau oder Freundin und deren
Geburtstag, um die Welt fröhlicher zu machen."
"Aber
trotzdem sieht es nicht nach ihnen aus, Beratungen einzuberufen."
"In der Vergangenheit habe ich nur widerwillig an Beratungen
teilgenommen; wie
auch immer, das lag ganz einfach daran, daß
ich sie nicht initiiert hatte. DIESE
Beratung jedoch, an der sich
eine große Anzahl zerstrittener Teilnehmer beteiligen
wird,
wäre es wirklich wert, das Gewicht der Teilnehmer in 128
Megabyte
DIMM-Chips aufzuwiegen."
"Wie bitte?!?"
"Schauen sie!" rufe ich und deute auf meinen Monitor,
der die Oberflächen dreier
verschiedener
Terminplanungsprogramme zeigt, die wir in der Firma verwenden.
"Auf
der einen Seite haben wir die Programme, die unabhängig
voneinander arbeiten, dann
ist da noch der Terminplaner, der in
das Mail-Programm integriert ist, und schließlich
noch die
über Nacht schnell zusammengehackte Software, die so alt ist,
daß sie noch
mit dem Jahr 1000-Problem kämpft. Und sie
alle können NICHT untereinander Daten
austauschen. Die ersten
beiden Programme haben das Problem, daß sie sich durch
die
Zeit von einer Stunde unterscheiden, weil sie die Sommerzeit
unterschiedlich
behandeln. Und das letzte Programm kann nur mit
Stunden, Minuten, Tagen und
Monaten umgehen, nicht aber mit
Jahreszahlen, was bedeutet, daß die
Import/Export-Routine
irgendwie ein Datenfeld dazu nutzen muß, um zu
kennzeichnen,
in welchem Jahr die Beratung stattfinden soll - und dann ist da
noch
das Problem mit Beratungen aus vergangenen Jahren!"
"Das Problem wird wohl nicht mehr in diesem Jahr gelöst
werden können, oder?"
"Niemals!"
"Gut,
aber was bedeutet dies für uns?"
"Daß nach
verschiedenen mißglückten Versuchen DREI verschiedene
Beratungen
angesetzt werden, an denen ich teilnehmen muß."
"Aber sie HASSEN Beratungen!"
"Ja, aber ich
LIEBE es, mir Filme auf meinem tragbaren DVD-Player anzuschauen,
das
aussieht wie eine Mischung aus einem PDA und einem Laptop, wenn ich
die
Tastatur anschließe! Wenn ich dann auch noch so tue, als
würde ich etwas
´eintippen´, wenn es scheint, daß
es ein- oder zweimal pro Beratung zu einer
Entscheidung der
Diskussionsteilnehmer kommt, werden sie mich nicht ertappen. In
der
Zwischenzeit werden sie so hitzig ihre Standpunkte diskutieren, daß
ich gar nicht
gebraucht werde."
"Und wenn sie sich
einigen?"
"Überschätzen sie die Nutzer nicht!
Und wenn es brenzlig werden sollte, werde ich
die
Netzhaut-Kontrollen oder die Auflistung der Bankverbindungen
vorschlagen,
damit die Diskussion wieder losgeht."
"Früher
oder später werden sie sich einigen!"
"BIIIIEEETTEEE!"
rufe ich. "Ich habe sowieso schon eine LDAP
zu
Finger-Schnittstelle installiert. Und wenn sie sich tatsächlich
darauf einigen sollten,
welche Daten sie zur Verfügung
stellen wollen oder nicht, werde ich genau diese
gewünschten
Daten aus der Finger-Information löschen und wir werden wieder
im
Geschäft sein! Natürlich nachdem wir eine Woche
´angestrengt an der Installation
der neuen Software´
gearbeitet haben."
... drei Filme später ...
"Also
konnten wir keinen Konsens erreichen!" erklärt der Chef und
faßt mit kurzen
Worten nachträglich die Diskussion in
unserem Büro zusammen.
"Nun, wir hätten beinhae
eine Übereinkunft erreicht. Aber dann hat jemand
vorgeschlagen,
Vorstrafen und Angaben zur Gesundheit aufzuführen."
"Warum
zum Teufel sollten wir das tun?"
"Nun, ich glaube, die
Argumentation lief darauf hinaus, daß Informationen, die
im
Lebenslauf aufgeführt sind, auch wichtig für die
Firma sind. Und jemand warf ein,
daß er gerne wüßte,
ob sein Kollege ein Alkoholproblem hat, bevor er ihn
zur
Weihnachtsparty einlädt."
"Das ist doch
lächerlich!"
"Ja, darauf haben wir uns schließlich
auch geeinigt. Doch dann hat der gleiche
Diskussionsteilnehmer
vorgeschlagen, Angaben zur Verwandschaft, Blutgruppe und
HIV-Status
aus gesundheitlichen Gründen aufzunehmen ..."
"Das
kann doch nicht sein Ernst sein!"
"Nun, das haben wir
am Ende dann auch abgelehnt."
"Also glauben sie, daß
die nächste Beratung zu einem Ergebnis führen wird?"
"Mit ziemlicher Sicherheit."
... später ...
"Also stimmen nun alle den Vorschlägen zu?" frage
ich am Ende der nächsten
Beratung.
Zustimmendes Gemurmel
antwortet mir, als der PJ mit einem Päckchen für
mich
hereinkommt.
Von meinem DVD-Lieferanten.
"Ausgezeichnet,
also werden wir die Namen speichern, Zimmernummern,
Telefonnummern,
sexuelle Vorlieben, ein Foto, ein Nacktfoto und den
Brustumfang?"
sage ich und schiebe ´Staatsfeind Nummer
1´ in meinen ´Laptop´.
Bier und Curry. Was könnte
besser sein? Doch kann der B.O.F.H. die Belastung
aushalten? Der
Gedanke an einen Verzicht auf das gute alte Geflügel ist hart,
doch
dann lockt ein spendierfreudiger Vertreter ...
"Sie sehen ja schlimm aus!" stellt der PJ grinsend fest,
als ich mich zu meinem
Schreibtisch schleppe - etwa 26 Stunden zu
spät.
"Ja, ich habe die vorletzte Nacht mit einem
Sklavenhändler verbracht."
"Und das war so
schlimm, daß sie einen Tag krankmachen mußten?"
"Nein, ich habe mich nicht ´krankgemeldet´. Ich
habe telekommuniziert."
"Ja, richtig. Und sie haben das
Porzellan-Modem benutzt, oder?"
"Genug davon!"
unterbreche ich ihn und bin nach der Fahrt mit der U-Bahn noch
immer
etwas wackelig auf den Beinen.
"Und was kam dabei heraus?"
fragt der PJ.
"Ich hatte nur ein paar Biere."
"Ein
paar?"
"Nun, ein paar, denen ein paar weitere folgten.
Und dann noch ein paar. Aber es war
das Curry, das mich umgehauen
hat. Das kann ich mir nicht mehr zumuten. Ich muß
mich mit
den Fakten abfinden, die die Fähigkeiten meines Körpers
betreffen, selbst
mit gefährlichen Giften fertigzuwerden: ich
reagiere allergisch auf Curry."
"Sagen sie doch nicht
sowas!" jammert der PJ.
"Es hat keinen Zweck, sich
dagegen zu wehren", antworte ich. "Ein Mann kann eben
nur
eine bestimmte Menge Geflügel mit Curry verkraften."
"Sind
sie sicher, daß es nicht einfach am Alkohol liegen könnte?"
"Nein! Ich kann ein paar Biere trinken und wache am nächsten
Morgen ohne
Probleme auf. Aber JEDESMAL wenn ich Curry hatte,
wachte ich krank auf."
"Könnte es sein",
unterbricht uns der Chef, der voller administrativer Energie in
unser
Büro stürmt. "Könnte es sein, daß das daran
liegt, daß sie immer betrunken
sind, wenn sie Curry essen?"
"Ich muß gestehen, daß eine gewisse Logik in
ihrer Aussage steckt", antworte ich.
"Aber der Übeltäter
wurde identifiziert ..."
"Als Besäufnis",
stellt er unbeirrt fest. "Wie auch immer, sie werden die
Chance
bekommen, ihre Theorie zu überprüfen. Wir sind
zum Essen verabredet mit einem
Hersteller, der uns Festplatten zu
Niedrigstpreisen für das Terrabyte verkaufen will."
Na gut. Schließlich ist Curry ja Curry.
Unser
Verkaufstalent plaudert mit dem Chef, während der PJ und ich uns
über einen
Teller Pakoras hermachen, die wir mit Bier
herunterspülen.
"Sie verkaufen also SCSI-Festplatten?"
unterbricht der PJ den Verkäufer.
"Nein, kein SCSI.
Unsere Technologie basiert auf einer ausgereifteren ..."
"Proprietäre Technologie?" frage ich und gieße
noch etwas Öl ins Feuer.
"Ja, aber es ist eine bewährte
Technologie ..."
"DSSI!" rufe ich und bereite den
tödlichen Schuß vor.
Der Torpedo trifft und hinterläßt
ein ´Uh´-förmiges Loch in seinem Gesicht.
"Gut,
dann lassen sie uns zusammenfassen, worüber wir NICHT sprechen",
fahre
ich fort und spule noch ein paar technische Begriffe ab, bis
der Chef sich verzweifelt
in den kleinen Aufenthaltsraum für
Manager verzieht.
"Wir werden nicht kaufen." murmelt
der PJ.
"Nein", stimme ich ihm zu. "Wir haben
ohnehin schon all die alte Technik, die wir
brauchen."
"Hmmm
...." Der Verkäufer hat mit dieser Situation gerechnet.
"Kann ich noch etwas
für sie tun?"
"Nun,
ich hätte gern noch ein Bier für den Anfang", lächelt
der PJ und gießt die Reste
seines letzten Glases seine Kehle
hinunter.
"Für mich auch", stimme ich zu.
ZWEI
STUNDEN SPÄTER ...
"Also, lassen sie uns noch einmal
darüber reden", platzt der Chef heraus. "Wir
sollten
ein paar Terrabyte Festplatten kaufen und sie in unser altes
VAX-System
einbauen? Aber niemand nutzt das noch, also wäre
das doch sinnlos!"
"Nein, das ist es nicht. Hören
sie", erkläre ich langsam und versuche, ihn
nicht
anzublicken, damit er nicht riecht, was ich zuletzt
getrunken habe.
"Es wird weniger Beschwerden geben, wenn
niemand sie nutzt."
"Uh?"
Es sieht so aus, als
müsse ich die Logik ein wenig mißbrauchen und direkt auf
das
Ziel losgehen.
"Denken sie an die ´Durchschnittliche
Zeit zwischen Speicherfehlern´. Denken sie
an
´Verfügbarkeitserwartungen der Nutzer´ und die
´Verfügbarkeit der Services´.
´Erweiterte
Modularität´. Denken sie an ´Zuliefererunabhängigkeit´
und
´Zeitversetzte Installation´. Denken sie an
´Planmäßige Erneuerungen´." sage ich
und
schicke ein Dankesgebet an den Gott der Management-Schlagworte.
"Nun, wenn sie es so erklären ..."
Seine
stolze Kapitulationserklärung wird durch einen kräftigen
Schlag auf seine
Schulter unterbrochen, für den der PJ
verantwortlich ist, der alle Symptome eines
fortgeschrittenen
Alkoholüberschusses in seinem Blut zeigt. Seine Augen
glänzen,
als er hochkommt.
"WWWISSSN SSSI, WWWSSS
IIHHHR PPRBLLN STTT?" murmelt er undeutlich
und gibt damit
das weltweit gültige Signal für: ´Ignorieren sie
alles, was ich sage, ich
scheine vergiftet zu sein!´.
"Na
sowas! Ist das nicht Pamela Anderson?" lenke ich alle ab,
während ich dem
Abschaltknopf des PJ einen Tritt verpasse.
Nun, zumindest schweigt er danach.
Der nächste Tag bricht
an, und ich fühle mich schlecht. Der PJ fühlt sich
schlecht.
Und auch der Chef fühlt sich schlecht (der
Verkäufer hat die Kellner dafür bezahlt,
ihren
speziellen bolivianischen Wodka in den Diätfruchtsaft für
den Chef zu
mischen).
"Ich nehme alles zurück",
flüstert der Chef. "Anscheinend reagiere ich
auch
allergisch auf Curry."
"Ich auch", stimmt
der PJ zu.
Bei der nächsten Gelegenheit gehen wir zu Luigi.
Mit einer schönen Schüssel Pasta
kann man nie falsch
liegen.
Neue Mitarbeiter, die
herumgeführt werden, geben dem B.O.F.H. und seinem
treuen
Gefährten die Gelegenheit, ein paar (ungewöhnliche)
Sicherungsmethoden
vorzuführen - und den Chef ....
Eines Morgens trottet der Chef mit etwa 20 Leuten im Schlepptau in
unser Büro und
überbringt uns ´gute Nachrichten´.
Die gleichen Nachrichten, die er uns ALLE sechs
Monate bringt ...
"Simon", erklärt er überfreundlich (immer ein
schlechtes Zeichen). "Das sind die
Neueinstellungen der
letzten sechs Monate. Ich stelle ihnen gerade in einem Kurs
die
IT-Abteilung vor."
"Ein Kurs?" frage ich. "Wie
bei einem Hinderniskurs?"
Der Chef antwortet mit einem
wohlwollenden Lachen. "Simon macht gern Scherze,
meine Damen
und Herren."
"Ja", stimmt der PJ zu und taucht
hinter den angetretenen Neulingen auf. "Zum
Beispiel, als er
eine Schaltuhr, ein paar bunte Kabel und noch diverse
Leuchtgranaten
in ihre Aktentasche schmuggelte, als sie nach Dublin fliegen
wollten
...."
Der Chef zuckt bei der Erwähnung dieser
Angelegenheit zusammen - und ich könnte
schwören, daß
das auch für sein Hinterteil gilt.
"Das war nicht sehr
lustig." murmelt er.
"Nun, ich habe viel gelacht."
ruft der PJ.
"Wie auch immer", fährt der Chef fort
und starrt den PJ zornig an. "Ich möchte, daß
sie
der Gruppe den Rechnerraum zeigen."
Als ein Zeichen des
guten Willens reicht er mir eines seiner liebsten Spielzeuge,
seinen
Laserpointer. Seltsam - das ist beinahe so, als würde Obi-Wan
sein
Lichtschwert Darth Vader ´zum Saubermachen´
überlassen.
Unglücklicherweise zerstört Obi-Wan
den beinahe heiligen Moment, als er im
Hinausgehen über den
Türpfosten stolpert und mit dem Schwung von C3PO in den
Korridor
stürzt.
Trotzdem zeigt er auch nach seinem Sturz aus
unerfindlichen Gründen Vertrauen in
uns.
Zunächst
überläßt er mir unbeaufsichtigt eine Busladung
Anfänger UND dann hat er
mir etwas gegeben, daß ihm
wirklich etwas bedeutet. Womit ich nicht sagen will, daß
ihm
die Angestellten nichts bedeuten würden, sie sind nur leichter
zu ersetzen. Der
Laserpointer dagegen kostet IHN 30 Pfund, weshalb
ich auch sehr betrübt bin, als er
mir unter Zeugen
unglücklicherweise aus der Hand rutscht und durch eine Lücke
in
der Lifttür in den Fahrstuhlschacht fällt. Seufz.
In
der Zwischenzeit folgen die Anfänger mir, also sorge ich lieber
dafür, daß sie
etwas zu sehen bekommen. "Und das
ist unser System für Sicherungskopien", rufe
ich und
deute auf ein roboterhaftes Monstrum, als wir das Herz des
Rechnerraums
betreten. Damit dürfte auch bewiesen sein, daß
die Gerüchte, wir würden uns nicht
um diese
lebenswichtige Aufgabe kümmern, nicht stimmen.
"Wofür
war der Mülleimer unter dem Sicherungssystem?" fragt ein
Neugieriger, als
wir das Allerheiligste wieder verlassen haben und
in unserem Büro stehen.
Eine interessante Frage - ich hatte
dem PJ gesagt, er solle das Anfertigen von
Sicherungskopien
einstellen, damit die Nutzer nicht Zeuge davon würden, wie
die
Sicherungsbänder aus der Bandmaschine in den Müll
wandern.
"Ah, der dient dazu, die Bänder zu sammeln,
die wir außerhalb des Hauses bei einem
anderen Unternehmen
verwahren", improvisiere ich. "Wir warten noch auf
den
richtigen Behälter für die Bänder, aber in der
Zwischenzeit ..."
"Und warum hat ihr Kollege sie dann
einfach alle in den großen Müllschlucker
entleert?"
fragt der Neugierige weiter.
"Sicherheitsgründe."
"SICHERHEIT?!"
"Natürlich! Wenn wir
unsere Bänder in den üblichen Hüllen transportieren
würden,
dann wären sie doch eine willkommene Beute für
Diebe!" rufe ich. "Doch jetzt weiß
niemand, wann
die Bänder unser Haus verlassen."
"Nun, sie wurden
gerade von der Müllabfuhr abgeholt!" antwortet er und zeigt
auf
den LKW vor dem Fenster.
"Das sieht nur aus wie ein
Wagen der Müllabfuhr." seufze ich. "Es würde doch
nicht
überzeugend wirken, wenn ein Wagen der
Datenaufbewahrungsfirma unseren Müll
abholen würde,
oder?"
"Aber sie sammeln überall den Müll
ein." bohrt er weiter.
Es ist schon lustig, wie leicht es
manchen Leuten fällt, sich unbeliebt zu machen.
"Ja,
ja, aber NOCH EINMAL, es würde verdächtig aussehen. Viele
Dinge scheinen
nicht das zu sein, was sie in Wirklichkeit sind.
Wie dieser Handflächen-Scanner
zum Beispiel."
"Das
ist kein Handflächen-Scanner - das ist doch ein Waffeltoaster!"
Ich seufze erneut, diesmal etwas tiefer.
"ES SIEHT aus
wie ein Waffeltoaster. Ein Freiwilliger aus dem Publikum?" frage
ich.
Fünf Sekunden später ...
"OHMEINGOTT!"
rufe ich, um die Schreie zu übertönen. "Das ist
wirklich ein
Waffeltoaster! Der PJ muß den Scanner
irrtümlich im Pausenraum installiert haben!
Und, oh nein! Der
Hauptschalter ist blockiert!"
Als die Waffelhand zehn
Minuten später der Sanitäterin übergeben wurde ...
"Hat noch jemand Fragen?"
Die Stille ist
ohrenbetäubend und kündet von einer weiteren erfolgreichen
Belehrung.
Ich übergebe die Neulinge wieder dem Chef, damit
er ihnen die übliche
IT-Einführungsrede verpassen kann,
und marschiere dann zurück ins Büro.
"Ah, ich bin
nur vorbeigekommen, um meinen Laserpointer zu holen", sagt der
Chef,
als er etwas später hereinschaut.
Was zum Teufel!
"Ach, der liegt auf dem Regal mit den Sicherungsbändern
im
Rechnerraum", antworte ich und taste nach dem Schalter,
der den Kartenleser der
Tür abschaltet.
"Aber meine
Karte funktioniert nicht!" ruft er.
"Oh ja. Nehmen sie
einfach den Handflächen-Scanner ..."
Der
Chef ist offensichtlich einer vom Typ 37b - mit mehr Ahnung
vom
Speichellecken als von Technik - doch trotzdem schafft er es,
dem B.O.F.H. eine
unfreundliche Überraschung zu bereiten ....
Ich rieche die Probleme, sobald ich das Büro betrete.
Es
ist genau 11:30 Uhr. Nun, niemand kann ernsthaft erwarten, daß
ich früher
erscheine, denn ich war auf einer Verkaufsmesse
und mußte zuerst meine
unrechtmäßigen Gewinne
nach hause bringen. Oder, um es anders auszudrücken,
das
fortschrittliche brandneue Testsystem für die
hochmodernen interaktiven digitalen
Multimedia-Dienste (wahlweise
kann man natürlich auch andere Schlagworte
benutzen, die nach
Kapitalanlage klingen). Und die letzten Testpläne sahen vor,
daß
die Technik ihren Weg zu mir findet, um sie dazu zu
nutzen, die neuesten DVDs für
ein paar gute Freunde
(natürlich gegen ein kleines Entgelt) vorzuführen.
Bei
meiner Ankunft im Büro lechze ich nach einer Tasse Kaffee. Ich
funktioniere
nämlich nur, wenn ich einen Schuß
stärksten Kaffees hatte. Der PJ jammert zwar
immer, daß
die Menge Kaffee, die ich zu mir nehme, mich irgendwann noch einmal
in
ein völliges Nervenwrack verwandeln wird, doch was mich
angeht, bin ich völlig
apathisch bis ich meine morgendliche
Dosis Koffein hatte.
Der PJ sieht ängstlich aus, als ich ihm
in der Bürotür begegne. "Der Chef will sie
sofort
sehen", sagt er und deutet mehr als eindeutig mit seinem Daumen
in Richtung
des Büros unseres neuen Meisters. "Er hat
schon den gesamten Morgen damit
verbracht, nach ihnen zu rufen."
Das ist ein beunruhigendes Zeichen. Unser Chef ist erst einige
Wochen bei uns,
doch schon schnell wurde klar, daß er ein
Exemplar vom Typ 37b ist (kann gut mit
Schlagworten um sich
werfen, mit denen er sich ständig vor den Chefs und dem
Anführer
der Erbsenzähler aufplustert, so daß er gar nicht mehr
weiß, wie unsere
Technik funktioniert).
Seine
Ahnungslosigkeit ist phänomenal. So schaffte ich es, ihm unsere
stundenlange
´Beschäftigung´ mit Doom damit zu
erklären, daß wir eine neue ´Dial-up Object
Oriented
Machine´ testen müßten. Und dann gab es da den Fall,
als ein Vertreter, der
meinem Cousin verdächtig ähnlich
sah, ihm erklärte, daß Arcnet die kommende
Technologie
für Netzwerke sei, und ihm eine Ansammlung ´brandneuer´
Technik
verkaufen konnte, die er rein zufällig in seinem Ford
Escort hatte. Ich persönlich
kann die Rechnungsprüfung
in diesem Quartal kaum erwarten - ganz speziell den
Augenblick, zu
dem man feststellen wird, daß ich ihm eine E-Mail mit einer
Warnung
vor diesem Geschäft ´geschickt´ habe.
Aber das ist etwas, auf das ich mich in der Zukunft freuen kann.
Mich beschäftigt
vielmehr, was der Chef im Moment vorhaben
könnte. Die Besorgnis des PJs
jedenfalls ist durchaus
angebracht; jedes Gespräch mit dem Chef am Morgen
bedeutet,
daß wir eine VDBI (vor dem Bier-Idee) haben müssen - die
schlimmste
Sorte von Ideen, denn die Gedanken fließen da
noch nicht so frei wie die Gedanken
nach dem ersten Bier.
"Ah,
Simon", begrüßt 37b mich überfreundlich (ein
schlimmes Zeichen), als ich sein
mit Eichenholz vertäfeltes
Heiligtum betrete. "Ich habe nachgedacht." (Ein noch
viel
schlimmeres Zeichen.) "Das Netzwerk funktioniert seit
einiger Zeit recht träge und
scheint ein wenig Anschubhilfe
zu brauchen." (Ein extrem schlechtes Zeichen - man
möchte
´Anschubhilfe´ niemals von jemandem hören, der schon
Probleme damit hat,
den TV-Kanal zu wechseln.) "Ich glaube,
es wäre eine gute Idee, wenn wir
jemanden einladen würden,
der das Netzwerk unter die Lupe nehmen und uns
Vorschläge zur
Verbesserung der Leistung machen könnte." Ja, das ist eine
Idee,
aber keine, die mir Vergnügen zu bereiten vermag, oder,
in diesem Falle, eigentlich
jedem Lebewesen, das auf einer
atmenden kohlenstoffbasierten Lebensform basiert.
Wie auch immer,
natürlich stimmt es, daß das Netzwerk in letzter Zeit
etwas
langsam war. Hat er denn keine Ahnung, welche Bandbreite
ein
Echtzeit-Videostrom erfordert - selbst wenn man Multicast
benutzt? (Und davon
abgesehen waren die Bilder des Marketing-Chefs
und seiner ´kranken´ Assistentin
aus dem Sanitätsraum
jedes Megabit pro Sekunde wert - selbst wenn darunter
die
Übertragungsgeschwindigkeit für andere Anwendungen
litt.) Und das letzte, was ich
in diesem Augenblick brauche, ist
ein krötengesichtiger Schnüffler, der einen
flüchtigen
Blick auf unser System wirft und dann einen oberflächlichen
Bericht
zusammenkritzelt, der die Firma ruiniert. Das ist meine
Aufgabe.
Plötzlich bemerke ich, daß der Chef noch
immer spricht.
"... und bei der Messe habe ich diesen sehr
interessanten Burschen kennengelernt.
Er sagte mir, daß er
sich sehr gern einmal unser Netzwerk anschauen würde. Und
wenn
er keine Vorschläge machen würde, die uns Geld sparen, dann
müßten wir ihn
nicht einmal bezahlen. Ich habe ihm
erklärt, daß wir uns sehr um die
Zukunftssicherheit
unseres Netzes kümmern und deshalb Arcnet einsetzen
werden.
Darauf leuchteten seine Augen auf. Ich glaube, er war sehr
beeindruckt davon, daß
wir so fortschrittlich sind - er
sagte auch, daß er mir kaum noch etwas beibringen
könne."
Das ist schlimm. Schlimm. Schlimm.
"Also habe ich diesen
Mann eingeladen, morgen bei uns vorbeizukommen und sich
umzuschauen.
Er heißt Arty Murray und sie sollten ihn nach Kräften
unterstützen."
ARTY MURRAY!! Dieser Mann ist eine
Legende. Das ist das erste Mal, daß ich
dem Bastard
Consultant from Hell entgegentreten muß, und ich kann
nicht
behaupten, daß ich mich darauf freue.
Es wird
Zeit, einen Plan auszuhecken.
Wird fortgesetzt ...
Der B.O.F.H. verschwindet. Ist das das Ende?
Schweren Herzens schließe ich mich in der sicheren
Netzwerkzentrale ein, um diese
Zeilen niederzuschreiben. Den Leser
muß ich wegen meines Schreibstils um
Vergebung bitten, da
dies mein erster Versuch ist, meine Gedanken und
Beobachtungen
niederzuschreiben.
Es ist mir nicht entgangen, daß mein
Vorgesetzter so großzügig war, unsere
Abenteuer dem
aufmerksamen Leser mitzuteilen, und so fühle ich als sein
treuer
Assistent nun die Verpflichtung, diese traurige Geschichte
aufzuschreiben.
Es war ein typischer Freitagmorgen. Ich war damit
beschäftigt einen Nutzer mit der
ETE (Empohlene Tagesdosis an
Elektrizität) zu unterrichten, als meine
´Erziehungsmaßnahme´
durch das Versagen der Stromversorgung für die
Rechner
unterbrochen wurde. So aus der Umklammerung der
Elektrizität befreit, entkam der
Nutzer hinter dem B.O.F.H.,
dessen Hand auf der jetzt offenen Hauptsicherung lag.
"Noch
viel Arbeit?" fragte er und wirkte etwas abgelenkt, verwirrt.
"Nein", antwortete ich und deutete hinter dem
verschwundenen Nutzer her.
"Dann wird es ihnen ja leichter
sein, meinen Vorschlag anzunehmen, für ein paar
Tage auf
Tauchstation zu gehen."
"Das ist nicht wieder der
Scherz mit dem Camping-Urlaub, oder?"
"Ich fürchte
nicht. Haben sie jemals etwas von Arty Murray gehört?"
"Nein ... Oh, warten sie - ist das nicht der Mann, der sich
selbst als
´Netzwerk-Künstler´ bezeichnet?"
"Pinkel-Künstler trifft es wohl eher. Er schleimt sich
bei einem oder zwei Chefs auf
einer Messe ein und prüft dann
mit deren Einverständnis von außerhalb die WANs
und
LANs (als ´unabhängiger Sicherheits-Berater´). Dann
kombiniert es diese
Informationen mit denen, die er von den
Managern bekommen hat, mit denen er
Kontakt aufnahm."
"Und
....?"
"Und, unausweichlich, fabriziert er eine
Sicherheitslücke und empfiehlt die
Ausgliederung der GESAMTEN
IT-Abteilung an ein neugegründetes Unternehmen,
in das er
involviert ist, das freilich zu dumm ist, localhost anzupingen. Und
DANN,
wenn diese Firma aufgegeben hat, läßt er sich
selbst für diese Arbeit anheuern. Sie
wissen vielleicht
nicht, wie das ist, wenn man Angst um seinen Arbeitsplatz haben
muß
- aber jetzt, jetzt ist es soweit! Wenn ich diesen Mann schlagen
kann, wenn ich
die Computer-Gesellschaft von ihm befreien kann,
dann kann ich mich ganz ruhig um
eine neue Qualität meiner
Arbeit kümmern - bessere Nutzerunterstützung, die
Besatzung
der Nutzer-Betreung, Tanzveranstaltungen im TV."
"Natürlich
nicht!"
"Stimmt, ich ließ mich gehen. Aber er ist
eine Bedrohung, und er war HIER. Ich habe
in den vergangenen Tagen
seine Spuren verfolgt. Wir hatten unsere Begnungen im
Netz, und
nun ist er hinter mir her. Das ist jetzt eine persönliche
Angelegenheit!"
"Was wollen sie tun?" fragte ich.
"Tun? Elementare Dinge, mein lieber PJ! Wir werden das Netz
für ein paar Tage
unbeaufsichtigt lassen, bis er sich selbst
verrät. Er wird der Verlockung nicht
widerstehen können,
mit unserer Technik zu spielen."
Und so geschah es dann
auch. Wir buchten zwei Tickets in die Dritte Welt (Luton)
und
blieben dem Büro fern. Doch statt tatsächlich Urlaub zu
machen schlichen wir in
das Gebäude und besetzen die
Notfall-Zentrale in der 6. Etage und schlugen die Zeit
damit tot,
daß wir unsere ausgedienten Satellitenschüsseln auf die
Empfänger
unserer Konkurrenz ausrichteten und sie mit
hochfrequenten Strahlen
´bombardierten´.
"Jaaaa!"
rief der B.O.F.H. am zweiten Tag, als wir uns gerade über unser
indisches
Menü hermachten. "SEHEN SIE!" rief er und
zeigte auf ein blinkendes rotes Licht
auf dem Monitor. "Das
ist er, er ist an der RH-Sinkleitung!"
"RH-Sinkleitung?
Was ist eine Sinkleitung?"
"Das Gegenteil einer
normalen Steigleitung", schnappte er zurück. "Wo
das
Abwasser abfließt. Um Neugierige davon abzuhalten, an
den Leitungen
herumzuschnüffeln, sorge ich jedes Jahr dafür,
daß eines der Rohre ein Leck
bekommt. Kombiniert mit dem
bemerkenswerten Mangel an Bodengittern kommt so
immer ein
überzeugender Haufen Abfall zusammen, der auch die
Allerneugierigsten
vom Schnüffeln abhält."
"Warum?"
"Weil ich dort die verschwundene
Technik und größere Bestechungssummen
verstecke. Sie
wissen ja, daß ich den Banken mit ihren durch
Steuerhinterziehung
erschwindelten Gewinnen mißtraue."
"RH-Sinkleitung?"
"Es gibt vier Sinkleitungen
im Gebäude. Links vorn, rechts vorn, links hinten und
rechts
hinten."
"Und was ist in der Sinkleitung rechts
hinten?"
"Geld. All mein Geld. Über Jahre habe ich
es angespart. Und es steckt in etwas, das
aussieht wie ein
riesiges Kanalisationsrohr."
"Arty Murray hat das
Versteck gefunden?" stöhnte ich.
"Es sieht so aus.
Ich werde besser einmal nachsehen!"
"Ich begleite sie."
"Nein, sie bleiben hier. Ich möchte nicht, daß
jemand annehmen könnte, wir beide
wollten die Firma
verlassen." Mit diesen Worten griff der B.O.F.H. zum
als
Taschenlampe getarnten Elektro-Schocker, nahm ein paar
Sprungseile und schritt
davon.
Ich wartete einige Zeit. Ich
startete die Monitore der Überwachungsanlage, um
seine
Bewegungen zu verfolgen, doch konnte nichts sehen. Die
Stromleitung für die
Überwachungskameras war außer
Betrieb.
Ausgerüstet mit einem batteriegetriebenen Tacker
sprintete ich in die besagte Ecke
des Gebäudes. Ich fand eine
halbgeöffnete Tür, auf der
"Reichenbach -
Gebäudereinigung" stand. Offenbar ein Wortspiel.
Als
ich die Tür vollständig geöffnet hatte, erblickte ich
die Überreste eines Kampfes,
eine zersplitterte Latte hier,
einen Tropfen Blut da.
Aber es kam noch schlimmer. Eineinhalb
Etagen weiter unten sah ich einen
Kleidungsfetzen an einem Rohr,
der nur vom T-Shirt des B.O.F.H. stammen konnte.
Ich starrte in
den dunklen Abgrund und rief seinen Namen. Doch meinen
Rufen
antwortete nur das Echo ...