Die
Original-Bastard-Operator-Geschichten von 2000
Autor: Simon
Travaglia
Übersetzer: Thomas Weidauer
Der B.O.F.H. kehrt aus dem Totenreich zurück ...
Es ist noch dunkel, als ich mir mit einer "Ersatz"-Magnetkarte
Zutritt zu meinem
künftigen EX-Arbeitsplatz verschaffe und
nach einer kurzen Phase des
vorgetäuschten Todes ins Büro
schlendere ...
Es gibt nichts besseres als den eigenen
inszenierten Tod, um wieder Spaß am Leben
zu haben ...
Als
ich leise ins Büro schleiche, bemerke ich den PJ, Gott schütze
ihn, in dessen
Augen sich tatsächlich ein paar Tränen
schleichen, als er meine Sachen
zusammenräumt und in einer
einfachen Pappschachtel verstaut - zu denen sich noch
ein paar
weitere ´Sachen´ gesellen, als ich die Schublade
zuschlage, in der seine
Hand steckt.
"Ich habe ihnen doch
wieder und wieder gesagt, daß mein Eigentum tabu ist!"
rufe
ich.
"A ... aber ... sie sind ... sie sind ..."
stammelt er und zieht behutsam seine Finger aus
der Schublade.
"... lebendig und gesund?" vollende ich.
"Aber
.... was ist mit ..."
"Arty Murray?" helfe ich
erneut aus. "Als ich ihn zuletzt sah, fiel er durch
einen
glitschigen Abwasserkanal nach unten und landete in der
Hauptabwasserleitung des
Hauses. Möglicherweise ist er in die
Themse gespült worden ... Das ist eben ein
schmutziges
Geschäft ..."
"Wie konnten sie ...?"
"Unversehrt entkommen? Nun, meine Chancen standen nicht gut,
doch eine Schlinge
aus Ethernet-Kabel (welches aus dem
Kabelschacht zu entfernen ich ihnen schon
vor mehr als einem JAHR
aufgetragen hatte) war seltsamerweise in den
Abwasserschacht
gestopft, wo ich es theoretisch niemals finden würde ..."
Der PJ schaut schuldig zur Seite, als ich fortfahre ...
"Die
Schlinge legte sich um eines meiner Beine, als ich abstürzte und
verursachte
weitaus weniger Verletzungen als ein fortgesetzter
Sturz in die Tiefe. Aber machen
sie sich keine Sorgen, für
den Lohnausfall während meiner langen Abwesenheit (zum
Zwecke
der Gesundung) wird die Firma aufkommen müssen, wie auch für
die extrem
hohen Rechnungen meiner Ärzte J. Beam und J.
Daniels."
"OhIchfreuemichjasodaßsiewiederhiersind!"
freut er sich mit der Selbstbeherrschung
eines Microsoft-Fans, der
sich im Schlafzimmer seines großen Meisters in
Gatesland
wiederfindet. "Die Dinge haben sich furchtbar entwickelt!"
"Furchtbar?" frage ich.
"Die IT-Abteilung
wurde umstrukturiert, sie haben uns den Erbsenzählern
unterstellt.
Und zusätzlich haben sie eine Ausgabensperre über uns
verhängt."
"Also ist eigentlich alles normal,
oder?"
"DAS GLAUBE ICH NICHT!" ruft der Chef
triumphieren, als er das Büro mit all dem
Stolz und der
Selbstsicherheit eines stattlichen Tieres mit großen Stoßzähnen
betritt.
Nach zehn Eimern Bier.
"Wieso?" frage ich
höflich.
"Weil sie hier nicht mehr ARBEITEN!" ruft
er fröhlich und zeigt auf die Klauseln in
meinem
Arbeitsvertrag, die sich auf unentschuldigtes Fehlen beziehen.
"Natürlich arbeite ich nicht mehr hier - es war schön,
ALS ich hier arbeitete. Aber
jetzt habe ich mich auf einer
grüneren, saftigeren Weide niedergelassen. Nebenbei,
gibt es
irgendwelche Jahr 2000-Probleme?"
"Es ist ein
Alptraum!" gibt der PJ zu. "Sie sagen es - sogar die
Technik, die erst
sechs Monate alt ist."
"Ausgezeichnet!
Also war meine Arbeit nicht umsonst."
"Sie haben unsere
Systeme sabotiert!" empört sich der Chef.
"Natürlich
nicht. Sie sagten, daß unsere Systeme auf Jahr
2000-Beschwerden
vorbereitet sein sollen."
Ich sagte, sie
sollen beschwerde-FREI laufen!"
"Nein, sie sagten
ausdrücklich, daß sie auf Beschwerden VORBEREITET
sein
sollen. Ich weiß es, denn ich habe mir eine Kopie
gemacht."
"A ..." stammelt der Chef, der offenbar
einen großen Teil seines Vokabulars
vergessen hat.
"Fragen
sie nicht mich nach IHREN Gründen! Und wenn sie glauben, die
jetzige
Situation sei SCHLECHT, dann warten sie auf den 29.
Februar - einige Programme
dürften sich in Viren verwandeln!"
"Das werden sie reparieren müssen!" ruft er.
"Bedaure, ich arbeite nicht mehr hier."
"Doch,
das tun sie!"
"Ich kann nicht, ich bin tot - wie sie es
in ihrer E-Mail an die Lohnbuchhaltung vor
ein paar Monaten
schrieben."
"Wie haben ..." beginnt der Chef, doch
beantwortet seine Frage gleich
selbst - offenbar stand er doch
etwas zu lange nicht mehr unter meinem Einfluß,
doch das
wird sich bis zum 29. Februar klären ...
Es ist wohl unnötig
zu sagen, daß von da an die Unterhaltung an Niveau verlor
und
damit endete, daß die Wachleute mir den Weg zur Straße
zeigten, wobei sie mir
vorher noch meine Magnetkarte abnahmen.
(Nun bleiben nur noch drei übrig, deren
Wert ungeahnte Höhen
erreichen dürfte, nachdem die Kartenleser für den Rest
des
Tages im Lösch-Modus arbeiten.)
Also betrete ich den
Arbeitsmarkt und finde auch innerhalb weniger Stunden eine
passende
Arbeitsstelle. Ein paar Stunden später hole ich meinen Anzug aus
der
Abstellkammer und nehme an einem Vorstellungsgespräch
teil.
Das Gespräch entwickelt sich gut - ich sage ihnen, was
sie hören wollen, lache über
ihre IT-Witze, die so alt
sind, daß sie in Blindenschrift auf der Rückseite einer
alten
UNIVAC stehen könnten, und beeindrucke sie durch meine
weitläufigen
Computerkenntnisse.
Eckelerregend, ich weiß,
aber es mußte sein.
"Nur noch eine Frage", melde
ich mich zu Wort. "Wie halten sie es mit der
Einführung
neuer Technologien?"
"Wir glauben an das Wachstum und
an den Fortschritt. Und mit ihnen können wir
eine
Führungsposition einnehmen. Natürlich wird das unsere
Ausgaben ein wenig
erhöhen und für sie bedeuten, daß
sie manchmal herumreisen müssen, um die für uns
passende
Lösung zu finden, doch diesen Preis muß man zahlen, wenn
man die
Konkurrenz schlagen will."
"Geld und Reisen,
mein liebstes Wortpaar ... Schneller als man ´Ich bin im
Team!´
sagen kann, bin ich im Team.
...
"Und
hier ist ihr Arbeitsplatzrechner - ein kostspieliges Ding, aber
etwas
schnelleres und aktuelleres gibt es kaum, glaube ich."
"Das ist ein Digital VT1000 ´X´-Terminal! Die
werden gar nicht mehr hergestellt!"
"Ja, sie werden
gerade überarbeitet, um weiterhin ihren Technologievorsprung
halten
zu können, hat uns unser Berater erklärt."
"Aber das ist ein Monochrom-Monitor!"
"Ja, zu
schnell für Farben, hat er gesagt."
Einen schnellen
Blick in den Rechnerraum (voller VAX-, Sparc 1- und ein
paar
NEXT-Rechner) und ein Gespräch von Mann zu Mann später
ist er darüber im
Bilde, welchem Betrug sie zum Opfer
gefallen sind.
"Was sollen wir unternehmen?"
"Nun,
es gibt viel Arbeit. Das werde ich nicht allein schaffen können.
Wir werden
einen IT-Manager brauchen ..."
...
"Yep?"
meldet sich der PJ knapp und unfreundlich. (Ich bin so stolz auf ihn,
daß er
ein so gute Schüler ist.)
"Hallo, hier
ist die günstige Gelegenheit, die an ihre Tür klopft. Und
sagen sie es
auch dem Chef. Ich hörte da etwas von einer
freien Position, für die er sich
interessieren könnte -
vor dem Ende des Februars."
Es ist wie in der alten Zeit -
und ich sitze wieder am Steuer ...
Gesucht: Bastard Operatoren zur Besetzung der Nutzer-Betreuung ...
Der PJ hat sich zu mir an meinem neuen Arbeitsplatz gesellt,
nachdem man den ihn
wegen "technischer Differenzen"
"gehenließ". Offenbar dachte er, der Laptop
des
Geschäftsführers würde den Sturz durch das
Fenster des Beratungszimmers der
Geschäftsleitung überleben,
was alle anderen nicht glaubten.
Tatsächlich irrte sich der
PJ nicht ... dank der ´unerwarteten´ Anwesenheit
eins
ärgerlichen Wachmannes, der die Fensterbretter nach
einem anonymen Anruf auf
potentielle Selbstmörder absuchte
und den Laptop auffing.
Und so sitzen wir beide nun in einem
Kennenlern-Treffen, bei dem uns unsere neuen
Kollegen vorgestellt
werden.
Und was für ein bunter Strauß sie sind. Da
gibt es ein paar altertümliche
Code-Hacker, die aussehen, als
hätten zum Entwicklerteam des Atoms gehört,
einen
Schraubenzieher-Magier, der bei Unfällen mit Stromschlägen
schon mehr Volt
eingefangen hat als ein Todeskandidat, der
erfolgreich auf dem elektrischen Stuhl
saß, und drei
kriecherische Typen, die einfach Berater sein MÜSSEN.
"Wo
sind die Leute von der Nutzer-Betreuung?" fühle ich mich
verpflichtet zu
fragen, als die Besprechung loszugehen scheint und
ich mit dem PJ ein paar Wetten
darüber abgeschlossen habe,
wer nun wer ist.
"Oh, es gibt keine Nutzer-Betreuung in
DIESEM Sinne", erklärt der Berater
Nummer 1. "Da
gibt es uns drei Applikations-Integratoren", (der PJ reicht mir
fünf
Pfund herüber), "die Hardware-Betreuung",
(und weitere fünf Pfund, als er auf den
Volt-Mann zeigt),
"und unsere Programmier-Ingenieure", (zehn Pfund für
das
Hattrick). "Und alles, was WIR nicht lösen können,
leiten wir an den
System-Betreuer weiter. Die System-Betreuer,
SIE!"
Also müssen wir wohl mit vielen Fragen über
Schnürsenkel, Ein/Aus-Schalter und
das Leben ganz allgemeinen
rechnen.
"Es gibt also keine Nutzer-Betreuung?"
"Nein.
Die Leute rufen sie an. Das hat bisher immer hervorragend
funktioniert",
erklärt unser neuer Abteilungsleiter, der
den Raum ganz im Trend der Zeit mit
Verspätung betritt,
seinen persönlichen Disorganizer in der Hand.
"Dann
brauchen wir Telefone."
"Es gibt Telefone in ihrem
Büro."
"Nein, da sind keine. Nur ein paar
Schreibtische und Stühle." antworte ich.
"Und
Computer", erwidert der Abteilungs-Chef und meint damit offenbar
den
Anker-Ersatz, den der PJ und ich am Morgen aus dem
Nachbargebäude abgeworfen
haben, um es mit der Straße
zu verbinden.
Nach den Telefonen ...
"Computer?"
fragt der PJ unschuldig.
"Ja, das Neueste vom Neuesten, das
wir erst vor einem Jahr von unserem
Lieferanten bekamen.
Angeschlossen sind sie an die USV neben ihrem
Schreibtisch."
"USV?" erwidere ich mit engelhafter Unschuld.
"Sind
sie sicher, daß sie über das richtige Büro sprechen?"
fragt einer der Berater,
der die Situation lösen will.
"Natürlich, mein Name stand an der Tür!"
antworte ich.
Zehn Minuten (und einen Massenauflauf in unserem
Büro) später ist es offiziell. Wir
wurden ausgeraubt!!!
Die Diebe haben sich offenbar am Wachdienst vorbeigeschlichen und
alte Technik
gestohlen, die Telefone, ein paar sehr schwere USVs
(So schwer, daß wir zweimal
Verschnaufpausen einlegen
mußten.) und das Buch mit der Besucherliste.
Es ist
wirklich unglaublich.
"Diese Hunde!" ruft der PJ
pathetisch und versucht, etwas positives aus der
Tragödie zu
machen. "Sie haben meinen Walkman mitgenommen!"
"Machen
sie sich darüber keine Sorgen", kommentiert der
Abteilungsleiter. "Die
Versicherung der Firma deckt Verluste
persönlichen Eigentums ab."
"Großer Gott!
Ich hoffe, sie haben nicht noch meinen ... tragbaren DVD-Spieler
und
die Sammlung neuer Filme mitgenommen!!!" jammere ich, als
ich das offene Tor
sehe ... "Oh NEIN!"
Ein paar
skeptische Blicke werden auf mich geworfen, aber diesmal habe ich
eine
plausible Entschuldigung. "Damit wollte ich mich selbst
für die neue Arbeitsstelle
belohnen!"
Der PJ ist
empört (weil er jetzt nicht mehr weitermachen kann ... das wäre
mehr als
verdächtig), aber es sieht so aus, als werde meine
Erfindung akzep ...
"Haben sie die Quittungen noch?"
fragt unser hilfreicher Berater Nummer 1 kurz
bevor ihm eine
schwere Festplatte auf den Fuß fällt, die etwas
unsicher
ausbalanciert auf der Tischkante gelegen hat - wie man
das von schweren alten
Festplatten erwarten kann.
Und als wäre
das nicht schon genug, stolpert der PJ auch noch über ein
Bücherregal,
als er Hilfe leisten will und stattdessen eine
Ohnmacht auslöst.
"Ach du liebe Zeit", murmelt der
PJ entschuldigend.
Berater Nummer 2 und 3 bieten Erste Hilfe an,
indem sie über Schock und ähnliches
reden ... das ist
sehr nützlich, als Berater Nummer 2 in Kontakt mit
einer
Büroklammer kommt, die es irgendwie geschafft hat, ihre
beiden Enden in die
Steckdose an der Wand zu schmuggeln ...
...
weniger nützlich sind die Tips, als Berater Nummer 3 die Starre
als Parkinsonsche
Krankheit fehldiagnostiziert und versuchte
Nummer 2 in einen Stuhl zu helfen ...
Kein schlechtes Ergebnis
für den ersten Arbeitstag ...
Alle überlebten (leider)
.... mit Ausnahme eines uralten Programmier-Ingenieurs, der
still
in seiner Ecke saß ... oder, um es zu präzisieren, still
und leise tot war ... es ist
nicht einfach, bei diesen Leuten die
Unterschiede festzustellen ...
Dabei gehörte er gar nicht zu
uns ... er hatte an einer früheren Beratung
teilgenommen und
war unbemerkt auf seinem Stuhl verstorben. Offenbar hat ihn
niemand
vermißt ...
"Und habe sie Erfahrung mit Windows?"
frage ich.
"3.1 - ja. Und ich habe Windows 95 ein- oder
zweimal benutzt."
NÄCHSTER!
"Ein Nutzer hat
ein Browser-Problem. Welches ist die erste Frage, die sie ihm
stellen
würden?" will der PJ wissen.
"Welches Magazin er
liest?"
NÄCHSTER!
"Eine Nutzerin hat gerade
ihr Passwort für Windows NT geändert und kann sich
nun
nicht mehr anmelden. Könnte es daran liegen, daß
sie die Feststelltaste betätigt
hatte, bevor sie das neue
Passwort festlegte?" frage ich und gebe dabei gleich
einen
Hinweis auf die korrekte Antwort.
"Nein,
wahrscheinlich war es ein Hackerangriff. Nein, bestimmt ist es ein
Virus!"
...
"Wie ist es gelaufen?" fragt der
Abteilungsleiter am Ende des Tages.
"Nun, sie sind alle so
.... ... ... so gleich", erwidert der PJ.
"Und was
haben sie gemacht?"
"Das, was wir immer in solchen
Situationen tun."
"Nicht den mit dem größten
...."
"Nein, wir haben Zettel mit Namen aus einem Hut
gezogen. Sie beginnen nächste
Woche."
Und das gilt
auch für den Krieg ...
Der B.O.F.H. enttarnt den Drucker-Zerstörer
Es läuft wieder alles wie gewohnt an meinem neuen
Arbeitsplatz - und zwar so
schlecht wie erwartet. Die Rechner und
das Netzwerk sind so alt, daß sie sich für
eine
Pensionierung (und einige Behinderungen) qualifiziert haben.
Die
neue Besetzung der Nutzer-Betreuung erfüllt all unsere
Erwartungen und neigt
dazu, alle Anrufer, die eine etwas
schwierigere Frage stellen, mit einem
Computer-Fachbegriff an uns
weiterzuleiten.
Es wird also Zeit für etwas Umschulung. Und
in der Zwischenzeit sind ein paar
Anrufe zu beantworten.
"Hallo,
ist dort die Netzwerk-Betreuung?!" will eine Stimme wissen.
"Ja, wie kann ich ihnen helfen?" frage ich so
freundlich wie es geht.
"Der verdammte Drucker im dritten
Stockwerk ist schon wieder ausgefallen."
"Was meinen
sie mit ´ausgefallen´?"
"Er druckt nicht.
Er druckt NIE! Sie reparieren ihn und eine Stunde später ist
er
wieder kaputt!"
"Aha. Um welchen Drucker geht es
genau?"
"Den grauen."
"Ja, aber welcher
Drucker ist das?"
"Der Drucker, der unter dem Fenster
steht."
"In Ordnung, nehmen sie einfach an, ich sei neu
hier und habe KEINE Ahnung,
worüber sie sprechen. Wissen sie,
wie der Drucker im Netzwerk heißt oder um
welchen Typ es
sich handelt?"
"Es ist ein Laserwriter II."
>Raketentechnik-Alarm<
"Nein, ich meinte, welchen
.... ... ach, vergessen sie es. Fällt er immer aus?"
"Ja,
IMMER nach der Reparatur."
"Richtig. In diesem Fall
gehen sie bitte in den Drucker-Raum, stemmen sie ihn hoch
und
lassen sie ihn auf den Boden fallen."
"Verzeihung?"
"Werfen sie ihn auf den Boden. Das Gerät basiert auf
einer Canon-Maschine und die
sind sehr robust. Am besten stellen
sie sich auf den Tisch und werfen den Drucker
dann herunter. Zwei-
oder dreimal sollte ausreichen. Dann sagen sie, er
sei
heruntergefallen oder etwas ähnliches."
"Das
kann nicht ihr Ernst sein!"
"Sehen sie, der Drucker hat
ungefähr 5 Squillionen Seiten gedruckt und leidet nun
unter
elektrischer Arthritis. Er wird solange nicht ersetzt werden, wie er
noch
repariert werden kann. Wenn ich etwas repariere, wird er
früher oder später wieder
ausfallen, oder?"
"Ich
schätze, sie haben ..."
"Natürlich sage ich
die Wahrheit, ich bin der Netzwerk-Betreuer. ABER wenn sie
dem
Gerät eine gewisse Gravitäts-Wartung verpassen, dann wird
der Drucker dabei
so ruiniert, daß er nicht mehr repariert
werden kann, und sie bekommen einen
schönen neuen Drucker -
möglicherweise sogar einen Farbdrucker, damit sie
Miss
Kournikova in all ihrer ..."
"Woher wissen sie
...." keucht er.
(Ein völliger Anfänger.)
"...
natürlichen Schönheit sehen können. Und er wird auch
so schnell drucken, daß sie
nicht mehr bis nach Dienstschluß
warten müssen, um die Bilder auszudrucken!"
"Ich
...."
"Sie sehen, worum es mir geht? Natürlich tun
sie das."
"Aber sie werden ..."
"Nichts
tun. Sagen sie einfach, der Drucker hätte nicht richtig auf dem
Tisch
gestanden. Damit ihre Aussage glaubwürdig wirkt, müssen
sie dafür sorgen, daß
einige ihrer Kollegen erklären,
sie seien ein wenig zu pedantisch und könnten
Unordnung nicht
ausstehen. Nichts schlimmes, aber sie stehen hinterher gut da!"
"Aber man wird sagen, daß ich mit Vorsatz gehandelt
habe!"
"Biiiettteee! Wer würde denn annehmen, sie
hätten einen Vorsatz gehabt? Man muß
doch verrückt
sein, wenn man das glaubt. Natürlich wird man ein
wenig
nachforschen, aber, wie ich schon sagte, das könnte
ernsthaft nur ein Verrückter
behaupten. Aber vergessen sie
nicht zu erwähnen, daß sie Ordnung lieben und der
Drucker
etwas schief auf dem Tisch stand, sonst könnte es wirklich
etwas
verdächtig klingen, wenn sie sagen, sie hätten ihn
nur zurechtrücken wollen ..."
"Sie glauben, daß
das funktionieren könnte?"
"Ich *WEISS*, daß
es funktioniert!"
"Warum tun sie das dann nicht?"
"Ich habe schon einen Farbdrucker, und er druckt auch
Hochglanzbilder. Mit dem,
was ich ihnen gesagt habe, und dem
Beschichter in der vierten Etage können sie sich
sogar
wasserfeste Bilder für ihr ..."
"Ich werde es
tun!"
"Ausgezeichnet - und denken sie immer an ihre
Ordnungsliebe."
"Ja!"
Ich lege auf und rufe
den Wachdienst an - wie in alten Zeiten.
"Hallo."
"Hallo", rede ich los. "Simon, Netzwerk-Betreuung.
Ich habe herausgefunden, wer
all die Drucker im Haus zerstört.
Er hat mich angerufen und mit seinen Taten
geprahlt. Ich konnte
den Anruf in die dritte Etage zurückverfolgen, ich glaube, er
will
sich über die Drucker dort hermachen!"
"Darum
werde ich mich sofort kümmert!" antwortet der Wachmann,
wirft den Hörer
auf die Gabel und rast zweifellos mit
Höchstgeschwindigkeit zum Lift.
Ich sorge dafür, daß
ich rechtzeitig vor Ort bin, um das große Finale nicht
zu
verpassen, als mein Anrufer einen Schlagstock in die Leiste
gerammt bekommt und
einen schnellen Ausflug in die
Sicherheits-Zentrale unternimmt.
"Er war immer sehr
unzufrieden mit dem Drucker", erklärt mir das freundliche
alte
Mütterchen am Einlaß etwas später. "Aber
ich hätte nicht gedacht, daß es dazu
kommen wird. Er
leidet unter dem kranken Zwang, Drucker zu zerstören, müssen
sie
wissen!"
"Das ist traurig, nicht wahr?"
antworte ich und lasse mitleidig meine Magnetkarte
aufblitzen. "Wo
war doch gleich sein Büro? Ich sorge lieber dafür, daß
sein PC
gesperrt wird."
Sie erklärt mir, wie ich
seinen Arbeitsplatz finde, und ich schlage etwas Zeit damit
tot,
daß ich seine Dateien lösche. Mit Ausnahme der
Kournikova-Bilder natürlich,
die ich in unser öffentliches
Verzeichnis verschiebe, wo sie sich zu all dem anderen
guten
Material gesellen. Und um noch ein paar Nägel in seinen Sarg
einzuschlagen,
lösche ich auch ein paar Dateien auf dem
Server seiner Abteilung, auf die er Zugriff
hat, und schalte dann
den Rechner ab.
...
"Klingt für mich wie ein
typischer ´Unterprivilegierter Nutzer-Komplex´. Wir
hatten
schon einige solcher Fälle." erkläre ich dem
Chef am Telefon. "Irgendwann ändern
sie sich plötzlich
und versuchen, das System von innen heraus zu unterwandern."
"Furchtbar", stimmt der Chef zu. "Aber ist das ein
Einzelfall?"
"Das ist schwer zu sagen", murmle ich
und verteile etwas hitzeempfindlichen
Klebstoff auf der Rückseite
eines weiteren Blattes Papier und suche nach dem
Zufallsprinzip
einen Drucker aus. "Wirklich schwer zu sagen ..."
Der B.O.F.H. geht nach Hollywood ...
Ich bin nicht besonders gut gelaunt - aber das ist ja nicht
besonders neu, oder?
Ich hatte vor, mich für einen
Auffrischungskurs in Erster Hilfe anzumelden (in
meinem Beruf ist
es immer besser, wenn man auf der sicheren Seite steht -
schließlich
kann man nie wissen, wie sich die Dinge entwickeln), mußte aber
leider
herausfinden, daß ich mich nicht anmelden kann, weil
ohnehin schon zu viele
Mitarbeiter einen Kurs in Erster Hilfe
gemacht haben.
Also werde ich darauf warten müssen, daß
einer der derzeitigen Helfer die Firma
verläßt, um zwei
bezahlte Arbeitstage in der Kneipe verbringen zu können - ups,
ich
meinte natürlich die Erweiterung meiner Erste
Hilfe-Kenntnisse ...
Nun gut, Geduld ist eine Tugend, und alles
guten Dinge finden ihren Weg zu dem, der
wartet. UND - man gewinnt
und verliert, was ich auch dem PJ erkläre, als wir
Strohhalme
ziehen, um herauszufinden, wer seine Hand in der Tür einklemmen
muß,
damit wir sehen, wer zur Zeit ein Zertifikat zum
Leisten Erster Hilfe hat ...
"Bastard!" kommentiert der
PJ, der traurige Verlierer, als ich die Reste eines
abgebrochenen
Strohhalms in den Mülleimer schmuggle, wo er sie nicht finden
kann.
Geschieht ihm recht, wenn er nicht professionell genug ist
zum Schummeln.
Doch dann sehe ich die anderen Reste eines
abgebrochenen Stohhalms im
Mülleimer ...
Ich will den PJ
gerade wegen seines mangelnden Sportsgeistes schelten, als der
Chef
mit Höchstgeschwindigkeit hereinstürmt (zehn Fuß in
vierzehn Tagen), um die
ausgedruckten Seiten zu diskutieren, die
er im Ausgabeschacht des Druckers
gefunden hat.
Das erinnert
mich daran, daß ich am Morgen an einem Manuskript für
einen Film mit
dem Titel ´Ein paar gute Chips´
gearbeitet habe, in dem Jack Nicholson mich spielen
soll, Demi
Moore die Rolle der schönen Unbekannten und Tom Hanks den
Chef.
(Ursprünglich hatte ich an Tom Cruise gedacht, aber das
wäre wohl doch eine
Fehlbesetzung.)
"Was ist das?"
fragt der Chef und reicht mir einen Stapel Papier. Ich blättere
zum
Ende meines Lieblingsabschnittes ...
B.O.F.H.: "Sie
wollen Antworten?"
Chef: "Ich glaube, ich habe ein
Recht darauf!"
B.O.F.H.: "SIE WOLLEN ANTWORTEN?"
Chef: "Ich will die Wahrheit!"
B.O.F.H.: "SIE
KÖNNEN DIE WAHRHEIT NICHT VERKRAFTEN! Sehen sie,
Prozesse
werden von einem System mit begrenzten Ressourcen
ausgeführt.
Ressourcen, die von Menschen kontrolliert werden,
die Erfahrung als
Systemadministrator haben! Wer soll sich um das
System kümmern? Sie? Oder etwa
der Mann aus der
Nutzer-Betreuung, der soviel geifert, daß er mit einem
Lätzchen
herumläuft?
Ich habe mehr Verantwortung als
sie sich vorstellen können.
Sie jammern wegen beendeter
Programme und verfluchen den Administrator
dafür - genießen
sie diesen Luxus! Genießen sie das Privileg, nicht zu wissen,
was
ich weiß - daß beendete Programme, so tragisch das
auch ist, Ressourcen schonen.
Und meine Existenz - auch wenn sie
sie einiges kostet und sie den Sinn nicht
erkennen können -
schützt eben Ressourcen!
Sie wollen die Wahrheit gar nicht
wissen, weil ich dann Worte benutzen müßte, die
sie
niemals verstehen könnten. Sie WOLLEN, daß ich mich um die
Systeme
kümmere? Nein, sie BRAUCHEN mich für die
Systeme!
Wir benutzen Worte wie "E/A Wartezeit",
"Seitenfehler" oder "CPU-Zeit" als
Fundament
eines Lebens, das wir der Beseitigung von Nutzer-Problemen
gewidmet
haben. Sie benutzen sie bei Beratungen mit anderen
Managern dazu, um fachliche
Kompetenz vorzuheucheln.
Ich habe
weder die Zeit noch die Neigung mein Handeln einer Person zu
erklären,
die das Netzwerk, für dessen Funktionieren ich
sorge, nur benutzt und dann WISSEN
will, auf welche Art und Weise
ich es pflege. Wenden sie sich doch an die
Nutzer-Betreuung. Die
ist für sie da!
Oder lesen sie ein Linux-Handbuch für
Administratoren und beobachten sie die
Performance-Monitore. Wie
auch immer, es interessiert mich nicht, worauf sie
glauben, einen
Anspruch zu haben!"
Chef: "Haben sie den
Datenbank-Server abgeschossen?"
B.O.F.H.: "Ich habe
meine Arbeit gemacht - ich habe dafür gesorgt, daß
das
Netzwerk funktioniert und genügend Ressourcen zur
Verfügung stehen!"
Chef: "Haben sie den
Datanbank-Server abgeschossen?!"
B.O.F.H.: "SIE HABEN
VERDAMMT RECHT! DAS HABE ICH GETAN!"
...
Nachdem ich die
Seite angeschaut habe, beantworte ich die Frage des Chefs.
"Das
ist ein Ausdruck eines Filmmanuskripts. Einer der Angestellten muß
es
ausgedruckt haben."
Ich werfe es in den Mülleimer,
damit er nicht auf die Idee kommt es zurückzufordern
und gehe
dann in die Offensive.
"War das schon alles, was sie wissen
wollten?"
"Nein, nein. Es hat sich offenbar jemand
darüber beschwert, daß sie ein Band mit
Daten, das
ihnen anvertraut wurde, gelöscht haben mit der Begründung,
das sei eine
Maßnahme zum Schutz vor Viren ..."
"Und
haben wir einen Virus auf dem Band gefunden?"
"Natürlich
nicht - das Band war ja gelöscht!"
"Klingt nach
einem guten Virenschutz, oder?"
"Sie können doch
nicht die Daten der Leute löschen, wenn sie ..."
"Wir
haben die Daten nicht gelöscht. Das Band war leer, als wir es
bekamen", sage
ich, um seine Erregung zu mildern.
"Und
was ist mit dem zweiten Band, daß sie geprüft haben, bevor
sie es ihnen
brachten?"
"Es gab kein zwei ..."
beginne ich, doch dann bemerke ich, daß der PJ sich
auffallend
interessiert mit den Deckenplatten beschäftigt.
"Es gab keine weiteren Daten auf diesen Bändern. Nur
die Namen, aber sonst
nichts."
"Ich werde es ihnen
zeigen!" mischt sich der PJ schließlich ein und schiebt
den Chef in
den Rechnerraum, um ihm die Bandschränke zu
zeigen.
Kaum eine Minute später ist er zurück ...
allein.
"OhmeinGott!" keucht er. "Es hat einen
furchtbaren Unfall gegeben. Ein Schrank
voller Bänder ist
umgefallen und hat den Chef unter sich begraben!"
Mission
erfüllt.
Wenige Sekunden später sind all die Erste
Hilfe-Profis der Abteilung im
Recher-Raum versammelt, um über
die beste Behandlungsmethode für die
eingequetschen Füße
des Chefs zu diskutieren.
...
"Seltsam, daß das
Feuerlöschgas aktiviert wurde", wundert sich der PJ später,
als
wir in der Kneipe über die Kündigungen zweier Helfer
sprechen.
"Ja, wirklich tragisch. Übrigens - wollen sie
ein Erste Hilfe-Zertifikat?"
"Was muß ich dafür
tun?"
"Nun, für den Anfang sollte ein weiteres
Bier für mich ausreichen ..."
Der B.O.F.H. bestellt einen himmlischen Quake-PC ...
Ich probiere Quake 3 auf meinem neuen Rechner (also das Exemplar,
das mir der
Chef überlassen hat, als er einen neuen Rechner
bekam) aus und muß feststellen,
daß er so langsam ist,
daß die Figuren auf dem Bildschirm beinahe einschlafen.
Also
trenne ich den Prozessorlüfter von der Stromzufuhr und
warte darauf, das der
Rechner den verdienten Tod stirbt.
Natürlich, es handelt sich um einen durchaus brauchbaren
Arbeitsplatz-PC (nur ein
paar Monate alt, allerdings ist seine
Farbe nicht mehr modern), so daß ich mich
eigentlich nicht
beschweren sollte.
"Das ist der schlimmste Müll, mit
dem ich jemals arbeiten mußte!" beschwere ich
mich
natürlich trotzdem beim Chef. "Die Grafikdarstellung ist
einfach schrecklich!"
"Sie betreuen das Netzwerk - wozu
brauchen sie da gute Gafiken?" antwortet er in
einer
Stimmung, die man wohl als mürrisch bezeichnen kann.
"Für
den SNMP-Monitor zum Beispiel. Gerade habe ich nämlich
zwei
Datenbank-Server neu gestartet, weil ich dachte, die Farbe
ihrer Icons auf dem
Monitor hätte sich von orange zu braun
geändert!"
"Wann war das?!" fragt der Chef,
der sich sofort Sorgen wegen der Flut der
Beschwerden macht, die
ganz sicher auf seinem Anrufbeantworter auf ihn warten.
"Sobald
ich in mein Büro zurückkehre. Möglicherweise ..."
"Ist das eine Drohung?!?"
"Natürlich
nicht. Wir drohen nicht! Wir machen Versprechungen, ja, aber
keine
Drohungen."
Als der Chef sieht, in welche Richtung
die Unterhaltung entwickelt, schaltet er in
den Spendier-Modus um
....
"Und was würde sie denn aufheitern?"
"Ein
paar 3D-Grafikkarten wären ganz gut", sage ich und
beschreibe ihm ein paar 32
Megabyte-Karten, die geradezu darum
BITTEN, ein wildes Gemetzel anzeigen zu
dürfen.
"Hmmm,
dann füllen sie einen Bestellschein aus und ich unterschreibe
ihn dann."
...
Mein siebter Sinn (Aufspüren von
Tricksereien) schlägt Alarm. Offenbar will er mich
aus
irgendwelchen Gründen so schnell wie möglich loswerden. Es
wird Zeit, die
Initiative zu ergreifen.
"Nun, da gäbe
es nur noch ein Problem. Diese Grafikkarten sind nicht
zur
ASIJMU-Technologie kompatibel, auf der unsere Rechner
basieren."
"ASIJMU?"
"Asymmetrische
Sychronisat..."
*DUMMY-MODUS EIN*
"Was wird es
kosten?" unterbricht er mich, bevor ich mir einen zur
Abkürzung
passenden Standard ausdenken kann.
"Ein
Rechner, der kompatibel ist? Da kämen ein gut zwei Tausender
zusammen."
"ZWEITAUSEND PFUND!" keucht er.
"Aber
es IST eine zukunftssichere Technologie!" antworte ich defensiv.
"Und,
nebenbei, ich könnte dem PJ meinen alten Rechner
überlassen, damit er sich
glücklich fühlt ..."
Zum Schluß gibt der Chef auf. Und das bestimmt nicht nur,
weil er Angst davor hat,
daß ich auf seine Seite des
Schreibtischs komme und all die Browserfenster mit den
Pornoseiten
sehe. (Eine Reflektion in seinen Brillengläsern.)
"Also
haben sie vielleicht ein Bestellformular?" frage ich und bin mir
sicher, daß die
Browserfenster schließen und seinen
guten Willen schneller verlieren würde als
OS/2 seine
Bedeutung, wenn ich ihn jetzt ohne ein unterschriebenes
Formular
verlasse.
"Nein, aber die Sekretärin hat
ein paar für sie."
Eine gute Antwort, doch nicht gut
genug. Zeit, den Druck etwas zu erhöhen ...
"Drucken
sie sich doch einfach noch eins aus, bevor sie es vergessen",
schlage ich
ihm vor und gehe auf seinen Monitor UND den Drucker
zu, in dessen
Ausgabeschacht ein paar Blätter liegen, die
anscheinend gerade gedruckt wurden.
"AH! Ich wußte es
doch", platzt er heraus und öffnet eine Schublade
seines
Schreibtischs. "Hier habe ich doch noch ein Formular."
Er wartet ungeduldig, während ich das Formular so ungenau
ausfülle, daß ich damit
selbst einen Fernseher kaufen
könnte.
Als ich seine Unterschrift habe, verziehe ich mich
schnell ...
... und rufe einen dieser Händler an, die immer
wie Geier im Western auf ein Opfer
lauern, um ihm zu sagen, was
wir wollen.
Und dann geht es los. Dieses Ritual, das an einen
Autokauf erinnert ...
"Wofür brauchen sie den Rechner
denn?"
Das ist der erste Weg, mir WIRKLICH auf die Nerven zu
gehen. Der Verkäufer, der
seinen Posten vor drei Wochen
bekommen hat, entschließt sich, meine Bestellung zu
ignorieren,
um mir einen Computer zu verkaufen, den ER will, wobei er
mit
Fachworten um sich wirft, um seine mangelnden Kenntnisse zu
kaschieren ...
"DHCP-Server", rufe ich genervt ins
Telefon. (Aber noch immer nicht genervt genug,
um
´Exchange-Server´ zu sagen, um wenigstens Mitleid zu
ernten.)
"Dafür brauchen sie doch nicht die bestellte
Grafikkarte!"
"Doch, die brauche ich! Digital High
Convergence-Peripherie-Geräte sind von einer
guten grafischen
Präsentation abhängig", antworte ich und laufe zu
kreativer
Hochform auf.
"Digital High
Convergence-Peripherie? Ich dachte, sie meinten Dynamic Hos ..."
"Ein alter Hut. Das hier ist der neueste Schrei."
"Also werden sie viel Festplattenplatz brauchen?"
"Natürlich."
"Gut, aber brauchen sie
wirklich ein so kleines Gehäuse - wie wäre es mit
einem
Tower-Gehäuse, in dem viel Platz für weitere
Laufwerke ist? Für nur zwanzig Pfund
Aufpreis?"
"Ich
brauche keine zusätzlichen Laufwerke, sondern nur die beiden
72
Gigabyte-Festplatten, die ich bestellt habe."
"Und
wie wäre es mit einem Dual-Prozessor-System - ich könnte
ihnen ein
großarti ..."
"Ich brauche keine
Dual-Prozessoren."
"Und eine RAID-Karte - schützen
sie ihre Daten mit ..."
"Wenn ich RAID gewollt hätte,
hätte ich eine solche Karte bestellt. Erinnern sie
sich
überhaupt an die Bestellung?"
Und so weiter und
so fort bis wir endlich den Rechner zusammengestellt haben, den
ich
vor dem Gespräch mittels Fax bei ihm bestellt habe ...
...
Zwei Wochen später trifft der Rechner ein. Ein Tower-Gehäuse
mit drei
Extra-Festplatten, einer RAID-Karte zu einem Preis,
dessen Höhe wohl schwer zu
schlagen sein dürfte. Ich
rufe also den Händler an, und er stimmt nach einigen
faulen
Ausreden (´Wir haben ihnen versehentlich den falschen
Rechner geschickt - aber
sie können sich noch anders
entscheiden.´) schließlich zu, den bestellten PC
zu
liefern.
Zwei Tage später kommt mein Rechner endlich
an - etwas zur selben Zeit ruft mich
der Verkäufer an und
will wissen, wo all die Innereien des Rechners seien, den er
mir
zuerst geschickt hatte.
"War der Karton geöffnet?"
frage ich.
"Nein, er war noch originalversiegelt", gibt
er zu.
"Dann muß es sich wohl um einen Fehler beim
Zusammenbau handeln."
"Ja, damit könnten sie Recht
haben ..."
"Selbstverständlich! Könnten sie
mir noch einen Gefallen tun?"
"Uh, ja."
"Könnten
sie mir sagen, wo ich Treiber für RAID-Karten bekommen, wie sie
sie mit
ihren Geräten ausliefern?"
Eigene Erlebnisse
sind großartiger Lehrmeister.
Wie ich.
Der B.O.F.H. meistert die Kunst kreativer Rechnungsstellung ...
Wir werden in den nächsten Tagen einen Besucher in unserem
Büro haben, der das
Hauptprogramm für die
Finanzverwaltung aktualisieren soll, das die Firma nutzt.
Und,
ich habe es ja geahnt, sein Stundensatz (Ich stolperte zufällig
darüber, als
seine Aktentasche umfiel, in deren Verschluß
ich eine Büroklammer geklemmt
hatte.) ist so hoch, daß
selbst MEINEN trainierten Augen die Tränen kommen - und
ich
bin ja auch nicht ungeübt in den Kunstsparten Erpressung und
allgemeiner
Diebstahl.
Natürlich versucht er es dadurch
zu verbergen, daß er TAGESSÄTZE berechnet, um
naive
Menchen (den Chef, den Abteilungsleiter, die Vertragsabteilung), die
das
Gefühl vermitteln, man bekomme in den 7.5 Stunden sehr
viel mehr fürs Geld. Gut,
eigentlich sind es 4.5, wenn wir
ehrlich sind und Essens- und Getränkepausen sowie
die
Zeitungslektüre abziehen.
Wie auch immer, es ist schon so,
wie man sagt: Man wird für das bezahlt, was man
weiß,
und nicht für das, was man tut ...
"Sie wollen also
sagen, daß er extrem überbezahlt wird?" fragt der PJ,
als ich ihm
diese Fakten erzähle.
"Wie kommen sie
denn darauf?"
"Weil er weiß, wie er sie alle
übers Ohr hauen kann!"
"Nun, er ist nicht so ein
Multitalent wie wir - seine Stärke ist zweifellos
das
Finanzprogramm und dessen Installation."
"Und
wieso liest er dann so aufmerksam die Dokumentation für die
Aktualisierung?"
"Das ist eine hochkomplexe Materie, es
gibt hunderte Prozeduren, die im Vorfeld der
Aktualisierung
abgeschlossen werden müssen", erinnere ich ihn. "Er
wird ganz
einfach die Prüflisten durchgehen. Welches Kapitel
liest er jetzt?"
"Die Einleitung - mit dem Titel ´Wie
benutzte ich diese Dokumentation´."
"Nun,
möglicherweise ..."
"Er liest schon seit einer
Stunde darin ..."
"Ah."
"Ah?"
"Ah.
Das bedeutet, daß wir es mit einem ´Lies es und wende es
an´-Aktualisierer zu
zun haben."
"´Lies
es und wende es an´?"
"Er ist einer von der alten
Schule, die immer erst prüfen, ob die
Stromversorgung
funktioniert."
"Er wird die Kabel
prüfen?"
"Machen sie sich nicht lächerlich -
das ist gefährlich! Ich werde sie damit
beauftragen, das zu
tun!"
"Oh. Und was hat das nun zu bedeuten?"
"Das
bedeutet, daß ich glaube, er wird den Anleitungstext
überfliegen, sich
versichern, daß wir eine komplette
Sicherungskopie der Daten haben und dann blind
die Aktualisierung
beginnen, wobei er alle Voreinstellungen übernehmen wird.
Und
das alles in der SICHERHEIT, daß er die Daten
wiederherstellen kann, wenn das
nötig wird."
"Ah."
"Genau. Und wenn es funktioniert, wird er zufrieden
herauskommen. Geht dagegen
etwas schief, wird er behaupten, es
gäbe ´einige Inkompatibilitäten zwischen
unserer
Software und dem Aktualisierungsprogramm´, und wir
führen eine Rücksicherung
durch."
"Rücksicherung?"
"Ja, das ist eine harmlose Art zu sagen, daß die ganze
Arbeit umsonst war und die
Beweise dafür durch die
Sicherungskopie beseitigt werden sollen."
"Hat man
ihnen schon einmal gesagt, daß sie ziemlich zynisch sein
können?"
"Könnte schon sein, aber die waren
nur verbittert ..."
Unser Gespräch wird Sekunden später
durch das erneute Auftauchen der bewußten
Person
unterbrochen, die mit der Anleitung und einem Stift zum Markieren
von
Texten erscheint.
"Ah, ich wollte nur fragen, ob sie
eine komplette Sicherungskopie des Systems
haben."
"Aber
natürlich!" lüge ich und gebe den Bändern einen
Stoß, so daß sie im Mülleimer
landen, als er den
Raum verläßt.
... einige Stunden später ...
"Ich
befürchte, wir brauchen eine Rücksicherung."
"Oh,
wieso denn das?"
"Offenbar gibt es eine
Inkompatibilität zwischen ihrer Programmversion und der
Version,
die das Aktualisierungsprogramm erwartet." murmelt er.
Die
Nadel meines Lügendetektors schlägt für einen
Augenblick über die Grenze der
Skala aus.
"Aber
sicher doch", rufe ich und greife ein Band von dem Stapel mit
den Bändern, die
nicht mehr lesbar sind.
... 10 Minuten
später ...
"Ich fürchte, daß das Band Fehler
hat und nicht mehr lesbar ist." stelle ich fest.
"Ich
...." keucht er. "Haben sie es denn nicht überprüft?"
"Aber selbstverständlich", antworte ich und
ignoriere erfolgreich den Klang meines
Lügendetektors. "Ich
vermute, daß es dieser Prüfvorgang war, der dem Kamel
das
Rückgrat gebrochen hat - bildlich gesprochen!"
"Können sie denn GAR KEINE Daten wiederherstellen?"
"Nein, die Lesefehler konzentrieren sich auf den Anfang des
Bandes - wie das
häufig bei dem meistgenutzten Bereich
magnetischer Speichermedien der Fall ist."
plappere ich.
"Oh, mein Lieber", sagt er sich nur halbherzig
entschuldigend. "Unsere Vereinbarung
über
Haftungsausschluß sieht eindeutig vor, daß wir nicht
verantw ..."
"Haftungsausschluß?"
"Ja,
als Teil unseres Vertrages lassen wir unsere Kunden ein Dokument über
einen
Haftungsausschluß unterzeichnen, falls es
Schwierigkeiten mit den Aktualisierungen
geben sollte. Ich habe es
in meiner Aktenta ... Hmmm, es müßte irgendwo hier
sein
...."
"Oh, sagen sie jetzt nicht, sie hätten keine
unterzeichnete Urkunde über den
Haftungsausschluß. Und
ich WETTE, daß sie einen Vertrag mit ihrer Firma haben,
der
IHRE FIRMA von der Haftung für ihre Handlungen freistellt?"
"I ..."
"Was bedeutet, daß sie
*persönlich* von unserer Firma verantwortlich gemacht
werden
für die Ausfälle ..."
"I ..."
"Es
sei denn, natürlich ... Aber andererseits ..."
"Es
sei denn - was?!?!?!"
"Nun, es sei denn sie würden
die Daten aus den ruinierten Tabellen selbst wieder in
die
Datenbank eingeben, bevor die Erbsenzähler am Morgen kommen
...."
"Aber die zerstörte Tabelle hat über
200.000 Zeilen!"
"Ja, und es würde Ewigkeiten
dauern. Es sei denn, sie würden es schaffen, die
Sekretärinnen
zu bestechen ... Unsere Schreibabteilung könnte es für sie
tun ...."
"WIRKLICH?!?!" stößt er
hervor.
"Ich weiß nicht - klingt teuer!" mischt
der PJ sich rechtzeitig ein. "Es ist ihre
Entscheidung, ich
weiß nicht, ein paar Tausender."
"Ich habe
zweitausen Pfund!" greift er nach dem rettenden Strohhalm.
"Ah,
das dürfte DREItausend Pfund kosten - schließlich müssen
mein Assistens,
ich und der Chef der Schreibabteilung die Sache
decken."
"Nehmen sie einen Sche ..."
"BARGELD.
Wenn sie sich beeilen, könnten sie es noch bekommen, bevor
die
Banken schließen und die Sekretärinnen
verschwinden."
Er braucht nur zehn Minuten, um wie eine
Rakete aus dem Gebäude zu rasen und
das nötige Geld zu
holen, um die Transaktion zu tätigen. Ich versichere ihm, daß
die
Sekretärinnen ihr Bestes geben und arbeiten werden, bis
sie es geschafft
haben - oder sie würden die Schuld auf sich
nehmen - was seinen Kummer sichtlich
mindert.
Als er
verschwunden ist, reiche ich dem PJ seinen Anteil (500 Pfund), wobei
ich
seinen Protest ignoriere.
"Haben SIE die Festplatte
heute früh gespiegelt?" frage ich ihn, während ich
die
Aktualisierung lösche und mit ein paar wohlplazierten
Tastaturanschlägen die
ursprünglichen Daten
wiederherstelle. "Waren SIE es, der die Vereinarung über
den
Haftungsausschluß aus seiner Aktentasche holte? Ich
glaube nicht! Sie haben ihre
Belohnung für ihre beiden
Einfälle in dieser Angelegenheit bekommen - ihren
Einwurf mit
den Kosten zum richtigen Zeitpunkt ..."
"Und?"
"Und die Idee, mir ein paar Biere zu spendieren!"
"Natürlich!"
Der B.O.F.H. bekämpft die Niedergeschlagenheit ...
"Warten sie bitte einen Augenblick, bis ich die Antwort auf
diese Frage aus meinem
HINTERN herausgeholt habe!" faucht der
PJ ins Telefon, an dessen anderen Ende
ein armer, ahnungsloser
Nutzer sitzt ...
... der diese Behandlung zweifellos verdient
hat.
Wie auch immer, das Verhalten des PJs ist etwas auffälliger
als sonst, so daß ich
mich entschließe, die Situation
durch meine ´Ruhig, ruhig´-Strategie zu entschärfen,
und
frage, worum es eigentlich geht.
"Sie glühen ja mehr
als ein 486 DX bei einem Megahertz ohne Wasserkühlung - was
geht
ihnen denn auf Nerven?" rufe ich, als er den Hörer auf die
Gabel geworfen hat.
(´Ruhig, ruhig´ bedeutet, daß
man grausam sein muß, um wirklich zu helfen.)
Natürlich
ist es wieder einmal Liebeskummer, der den armen Kerl peinigt.
Offenbar
bevorzugt seine letzte große Liebe die Gesellschaft
anderer Schwachköpfe. Nein,
nicht die VIELER Schwachköpfe,
sondern die Gesellschaft nur eines anderen
Schwachkopfes ...
...
aus unserem Haus.
"Nun, sie wissen ja, was ich immer sage
...." antworte ich, als er mir die traurige
Geschichte
schließlich erzählt hat.
"Das plötzliche
Herunterfahren aller Server muß nicht gerechtfertigt werden?"
"Ja, aber NEIN, daran dachte ich eigentlich nicht, sondern
...."
"Ein Schwachkopf, dessen Passwort bald jeder
kennt?"
"Ah, nein, ich dachte mehr an ..."
"Einen
Netzwerkausfall, der Bänder für Sicherungskopien spart?"
"NEIN! Ich sage immer ´Vergebung und Vergessen!´."
"Nein, sagen sie nicht!! Das sagen sie NIEMALS!"
"Tatsächlich? Dabei könnte ich schwören, daß
....! Erinnern sie sich noch an den
Erbsenzähler, der sich in
der Schlange in der Kantine vor mich gedrängelt hat?"
"Der
Kerl, dem sie entgegenstolperten und den wirklich heißen
Gulasch ins Gesicht
gekippt haben?"
"Ein Unfall, der
gar nichts bedeutet ..."
"Und der einen brennenden
Rechner fand, als er an seinen Arbeitsplatz
zurückkehrte
...."
"Ein Lüfterproblem, das völlig
bedeutungslos ist ...."
"... und dessen gasgefederter
Arbeitsstuhl völlig entladen war."
"Das war ein
völlig normaler Gasverlust, wie er in pneumatischen
Geräten
vorkommt ..."
"Und das verunstaltete
Bild mit seiner Familie?"
"Jetzt WARTEN SIE ABER EINMAL
EINE MINUTE! Das Bild war verunstaltet,
bevor ich in den Raum kam!
Natürlich, seine Familie sieht so aus, doch meine
Veränderung
sorgte dafür, daß die Ähnlichkeit mit Gorillas nicht
mehr so
offensichtlich war."
"Und das nennen sie
´Vergebung und Vergessen´, oder?"
"Natürlich.
Ihm wurde vergeben - und ich hatte die Sache vergessen, bis sie
die
Erinnerung daran wieder hochbrachten."
"Ich
glaube nicht, daß es das ist, was die Menschen darunter
wirklich verstehen."
"Aber Rache ist ein integraler
Bestandteil des Vergebens und des Vergessens! Wie
soll man
vergeben, wenn man noch einen Groll in sich hat? Dieser Erbsenzähler
hat
nun ein ganz normales Nutzer/System-Manager-Verhältnis zu
mir!"
"Und wieso haben sie sein Datenverzeichnis auf
dem Server gelöscht?"
"Weil wir eine normale
Nutzer/System-Manager-Beziehung haben! Wie auch
immer, er hat
angerufen und sich darüber beschwert, daß sein Platz auf
dem Server
knapp wurde, was meine Reaktion geradezu
HERAUSGEFORDERT hat!"
Der PJ begreift, daß diese
Unterhaltung vom Thema abkommt und will sich mit einem
Seufzer und
einem verzweifelten Gesichtsausdruck davonmachen.
"Also, was
MACHT dieser Schwachkopf in unserem Haus?"
"Irgendwas
in der Marketing-Abteilung - mehr weiß ich nicht darüber."
"Aber doch seinen Namen?" frage ich, um seine grauen
Zellen zu aktivieren.
"´Dave´, mehr weiß
ich nicht."
"Gut, dann lassen sie uns kurz die
Privatsphäre der Mitarbeiter-Datenbank
mißachten und
sehen, wer er ist ... >Klick Klick Kclick< Also, hier haben wir
DREI
Davids im Marketing - was die Auswahl ziemlich einschränkt,
wenn sie mich
fragen - und >Klick Klick< ZWEI von ihnen sind
älter als 50, woraus ich schließe,
daß sie nicht
gerade den Vorstellungen ihrer Geliebten entsprechen dürften.
Womit
wir nur noch die E-Mails von >Klick Klick< Rechner
PCMKT14 testen müssen, der
>Klick Klick< irgendwie
gegen Administratoren-Zugriffe gesperrt ist. Also
versuchen wir es
mit seinem Anrufbeantworter ..."
"Das wird niemals
funktionieren!" ruft der PJ. "Der Anrufbeantworter ist mit
einer
Zahlenkombination gesichert, und nur die Leute von der
Herstellerfirma können
diesen Schutz umgehen! Das ist
idiotensicher!"
Wir lachen, holen uns die auf dem Server
gespeicherten Aufzeichnungen seiner
Anrufe und spielen damit.
Natürlich lasse ich meinen Finger auf der STOP-Taste,
falls
es etwas haarig werden sollte. Sozusagen. Aber alles läuft gut
und dreht sich
um die Arbeit.
"Richtig!" rufe ich
und greife nach einer großen Kiste mit einem RJ45-Stecker.
"Wir
müssen improvisieren. Stecken sie das in seine
Netzwerk-Leitung im
Vermittlungsraum 4, Port, uh ... >Klick
Klick< E31."
"Was ist das?"
"Das ist
ein, ähm ... Netzwerkkarten-Tester ... *OH*, sollte er naß
werden, dann
lassen sie die Hände davon!"
Eine
Viertelstunde später bekommen wir einen Anruf von einem Nutzer,
der über den
Brandgeruch seines Rechners klagt - wir
entscheiden uns, die Sache zu prüfen und
besuchen den Nutzer.
"Er gab für etwa zwanzig Sekunden dieses hohe
Quietschen von sich und blieb dann
stehen." informiert Dave
uns.
"Wirklich? Möglicherweise ein Fall von
intermodularer Verzerrung durch die Spitzen
im Datenstrom."
*DUMMY-MODUS EIN*
"Duh-huh. Ist er kaputt?"
"Sehr,
wir werden ihn mitnehmen müssen."
"Oh, wie lange
wird das dauern?"
"Ah, nur ein paar ... Ich sehe gerade
ihren Stuhl - sieht aus, als wäre das Druckgas
entwichen -
sie sollten .... MEIN GOTT, ist das ihre FAMILIE?!"
"W-WAS
HABEN SIE MIT MEINEN FOTOS ANGESTELLT?!?"
"Mit ihren
Fotos gemacht?" fragt der PJ. "Ich halte einen PC, da kann
ich gar nichts
anstellen! Gleich werden sie mir vorwerfen, ich
hätte in ihre Topfpflanze uriniert,
während sie unter
dem Tisch die Kabel von ihrem PC getrennt haben!"
"Machen
sie sich nicht lächerlich! Das waren offensichtlich die
Raumpfleger!"
"Oh, mein Fehler. Trotzdem, sie können
ruhig einen Kaffee trinken, während wir uns
das Gerät
anschauen - lassen sie sich nicht stören ..."
Es ist
irgendwie offensichtlich, daß Dave die Warnsignale nicht
richtig zu deuten
vermag (die Begeisterung des PJs, die übervolle
Tasse) und nimmt einen großen
Schluck ...
Als wir später
in unserem Büro die Festlatte des Rechner wirklich
unbrauchbar
gemacht haben und den Rechner ein paarmal dem
Absturztest unterzogen haben,
macht der PJ ein paar Anrufe ...
"Uh ..." sagt er und läßt sich in seinen
Sessel fallen.
"MMMmmm ..."
"Es war, äh,
DOUG, nicht DAVE ..." murmelt er kleinlaut.
"Oh, mein
Lieber ... trotzdem, es war doch lustig! Wie auch immer", rufe
ich und
reiche ihm erneut den Netzwerkkarten-Tester. "Dann
prüfen sie eben die
Netzwerkkarte von Doug!"
Eins zu Null für den B.O.F.H.
"Und was wollen sie damit erreichen?" fragt der PJ, der
skeptisch einen
Projektvorschlag mustert, den der Chef nicht ohne
Genuß und Begeisterung
vorbeigebracht hat.
"Der
Plan sieht vor, daß unsere Arbeit und die der neuen
Nutzer-Betreuung dadurch
erleichtert wird, daß wir in jeder
Abteilung die fähigsten Köpfe schulen, damit sie
sich um
die alltäglichen Computerprobleme kümmern können, die
uns so sehr
plagen."
"Und sie glauben, daß das
funktioniert?"
"Natürlich. Wie eine nicht-kopierte
Look-and-Feel-Benutzeroberfläche." erklärt
der PJ
zynisch.
"Also glauben sie, daß die Kandidaten
sozusagen keine ganzen Kerle sind?"
"Zu 48 Prozent,
höchstens." erwidere ich.
"Nun, ich dach ..."
"Sie könnten WASSER nicht aufwischen ohne vorher
studiert zu haben ..."
"Ja, aber ..."
"Sie
glauben, daß Firewalls in Schornsteinen benutzt werden!"
"Ja, und sie werden ..."
"Daß nur Jenny
Craig Thin Clients macht ..."
"S ..."
"Die
einzige Hardware, die sie jemals angefaßt haben, haben sie im
Schlafzimmer
angefaßt - und selbst da gab es Fehler. Diese
Nutzer glauben, Linux sei ein Freund
von Charlie Brown ... Daß
>BZZZZZTTTTT<"
Der PJ, der eine mentale Endlosschleife
entdeckt zu haben glaubt, startet mich mit
dem bewährten
Elektro-Schocker neu. (Was er später natürlich bereuen
wird.)
"Also, was werden wir ihnen beibringen?" fragt
er zweifelnd.
"Die allerwichtigsten Grundlagen - wie man die
Tastaturabdeckung benutzt, wie
man die FESTSTELL-Taste betätigt,
wo der Netzschalter ist, wie ein
Netzwerkkabel aussieht - diese
Dinge eben."
"Aha", sagt er so nachdenklich wie
ich mich fühle.
...
"Kann jemand mir die wichtigste
Regel für den sicheren Umgang mit Computern
nennen?"
frage ich und schaue mich im Publikum um, ob einer der
herbeorderten
Zuhörer eine Antwort hat. Natürlich, IMMER
gibt es bei solchen Vorträgen einen
Besserwisser, der in
seiner Windelzeit einen Apple ][ E programmiert und nun
tausend
und eine unsinnige irrelevante nervtötende Geschichte zu
erzählen hat über
die Schwächen des 6502er
Befehlssatzes. Und wenn er das gerade einmal nicht tut,
dann
pflegt er den Monolog des Redners durch Zitate aus dem
´Computerführer für
Pedanten´ zu
korrigieren.
In Ordnung, jetzt bin ich etwas verbitterter.
"Das
muß das Netzteil sein!" ruft die heutige Ausgabe des
Besserwissers.
"Unheimlich viel Spannung in einem Netzteil,
die auch eine Stunde nach dem
Ausschalten des PCs noch in einem
Kondensator gespeichert sein kann."
Sie sehen, was ich
meine?
"Nein!" rufe ich. "Aber wir kommen später
auf dieses Thema zurück. Jetzt sprechen
wir über die
ZWEITWICHTIGSTE Regel zur Computer-Sicherheit, bei der es um
den
Schutz der Daten vor Fremden geht. Ein geschützter PC ist ein
sicherer PC,
müssen sie wissen! Nun, wie sollte also ein
Passwort aussehen?"
"Eine pseudozufällige
Kombination aus alphanumerischen Zeichen und Symbolen,
wobei große
und kleine Buchstaben gemischt auftreten sollen." plappert
der
Besserwisser los, bevor die anderen die Frage überhaupt
begreifen können.
Wegen des technischen Klanges der Antwort
nicken einige der Zuschauer
zustimmend mit den Köpfen.
"NEIN!" rufe ich enthusiastisch und gebe der Stimmung
einen Hauch von
Konspiration. "Genau das wird von ihnen ja
erwartet!"
"Wer erwartet was ...?" fragt meine
Nervensäge.
"Industriespione!" antworte ich und
senke meine Stimme. "Glauben sie es oder
lassen sie es, aber
Industriespionage existiert - selbst bei unseren dürftigen
Umsätzen.
Manchmal wollen sie nur Informationen - manchmal wollen sie aber
auch
unsere Abläufe unterbrechen oder zumindest stören!
Weshalb zum Beispiel in der
vergangenen Woche drei Rechnungsprüfer
zur Arbeit kamen und ihre Festplatten
komplett gelöscht
vorfanden und alle DIMM-Chips aus ihren PCs entfernt waren!"
Ein ängstliches Stöhnen geht durch den Raum, selbst
wenn 98 Prozent von ihnen
einen DIMM-Chip nicht erkennen könnten,
wenn sie einen in ihrem Kaffee fänden.
"Aber sie mußten
doch in das Gebäude gelangen, um die DIMMs zu stehlen,
also
hätten auch die Passworte nicht geholfen",
kommentiert der Besserwisser. "Sie
hätten auch die
Festplatten mitnehmen können und einfach die Daten bei
sich
anschauen können. Mit den neuen Geräten zur
Festplattenrettung kann man sogar
Daten wiederherstellen, die
vorher gelöscht wurden, selbst wenn man ein
besonders
ausgeklügeltes Programmm zum Überschrei ...."
GENAU! Ich habe genug!
"Sie liegen richtig, natürlich",
rufe ich dem Experiment, das sich vor mir entwickelt,
zu. "Deshalb
habe ich ja immer und immerwieder eine Erhöhung des Budgets für
die
Sicherheit gefordert! Wie auch immer, das ist erst einmal
alles zum Thema
Sicherheit. Speicherfehler! Kann mir jemand sagen,
wie man die DIMMs in diesem
PC ersetzen kann?"
Nein, es
gibt keinen Preis für die richtige Antwort darauf, wer diese
Frage
beantwortet, bevor ich den Satz beenden kann.
"Nun,
man schaltet das Gerät ab und zieht den Stecker aus der Dose.
>KLICK<
Dann öffnen wir das Gehäuse >SNICK<
etwa so, nehmen es ab und schon sehen wir
die Innereien des
Rechners."
"Richtig. Und nun der Austausch?"
"Ganz einfach, hier sind die DIMMs und man nimmt sie heraus,
indem man
>ZZZZZZZZzzzzzzzzzzzz ...<"
"Nun,
was hat er nicht beachtet?" frage ich die Zuschauer des
Feuerwerks.
>ZzzzzzZZzZZZZZZZZZZZZZZZZ<
"Genau, er
hat vergessen zu prüfen, ob sich in diesem Karton mit der
Aufschrift
´Druckerpapier´ eine Unterbrechungsfreie
Stromversorgung befindet!"
>ZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZZeeeeeeerrrrrrrrrrrrrr ...<
"Und
er hat übersehen, daß jemand eine aufgebogene Büroklammer
in die Maschine
fallenließ, die irgendwie die Phase des
Netzteils mit dem DIMM-Chip verbindet!
Wirklich ein seltsamer
Zufall ..."
...
Natürlich schalte ich die USV ab,
irgendwann ... Und er macht noch immer weiter!!
"Ich kann
nicht glauben, daß die USV nicht geerdet war!" keucht er.
"Sie muß defekt
sein - jemand sollte eine Reparat ...."
>ZZZZZZZZZZEEEEEEERRRRT!<
"Ups", rufe ich, als
mein kleiner Helfer ohnmächtig zu Boden fällt. "Kann
mir jetzt
jemand sagen, was die wichtigste Regel für
Computersicherheit ist?" frage ich.
"Man sollte ihnen
nicht auf die Nerven gehen?" murmelt jemand im Hintergrund.
Und
da behaupten manche, man könne den Leuten nichts mehr
beibringen.
Der B.O.F.H. findet einen Brandstifter ...
"Ich bedaure, aber das kann ich kaum glauben", sage ich
und schüttle ungläubig den
Kopf über diese
Unterstellungen.
"Ja, so werden sie auch zitiert." sagt
der Personaler und wedelt mit einem Stück
Papier, das einige
Beweise für die neueste Beschwerde über den PJ und
meine
grundgute Person enthalten soll.
"Nun, ich bin
wirklich verblüfft."
"Ja, das sollen sie auch
gesagt haben." antwortet er.
"Wer behauptet das?"
will ich wissen.
"Rechnungsprüfer."
"Wer
aus der Abteilung?" frage ich und weiß wirklich nicht, in
welche Richtung sich
diese Unterhaltung entwickeln wird.
"Alle."
"Alle?! Wie kann jeder aus der Rechnungs-Abteilung eine
Beschwerde über mich
haben!!?" rufe ich, da ich noch
immer nicht weiß, worum es eigentlich geht.
"Sie
sagen, daß sie absichtlich die Sprinkleranlage eingeschaltet
haben, um sie zu
ärgern."
"Das ist doch grotesk
- wir können das Brandschutzsystem doch gar nicht
kontrollieren.
Es wird komplett ferngesteuert!" rufe ich, während ich mich
zugleich
wundere, wie der PJ das geschafft haben könnte.
"Das ist mir bekannt!" erwidert unser Ankläger.
"Wie auch immer, die Fachleute von
der Feuerwehr glauben, daß
die optischen Sensoren durch den Rauch ausgelöst
wurden, der
aus einem PC herauskam, den sie gerade gewartet hatten. Ein
Rechner,
der vollgestopft war mit ölgetränktem
Zeitungspapier!"
Problem gelöst. Der PJ ist dafür
verantwortlich, der gern mit brennbarem Material
hantiert. Solche
Methoden gehören nicht unbedingt zu meinem Arsenal,
aber
trotzdem verdient er ein paar anerkennende Punkte für
die Mühe.
"Ich bedaure", erwidere ich und bemühe
mich, den PJ zu schützen. "Aber ich habe
noch immer
keine Ahnung, weshalb sie uns dafür verantwortlich machen, da
wir uns
zur Zeit gar nicht um die Arbeitsplatzrechner in der
Rechnungs-Abteilung kümmern.
Diese Tätigkeit wurde ja
ausgelagert und, für eine nicht unbedeutende Summe, darf
ich
sagen, einem Vertragspartner übertragen."
"Ja, wir
haben mit ihnen gesprochen, und sie haben erklärt, daß der
Rechner
funktionierte, als er ihr Büro verließ."
"Natürlich behaupten sie das! Welcher Ingenieur würde
zugeben, daß er ein Gerät
zurückgeschickt hat,
weil es zu viele Fehler hatte? Das Ding hätte im Rechnerraum
IN
FLAMMEN AUFGEHEN KÖNNEN und sie würden trotzdem behaupten,
daß es
nur Selbsttests ausgeführt hat. Ingenieure
LÜGEN! Das bringt man ihnen doch als
erstes bei!"
"Und
was ist nun hiermit?" fragt mein Ankläger und präsentiert
mir das Blatt Papier.
Hmmm. Etwas ist faul im Staate Dänemark,
und ich spreche nicht über den Atem
eines französischen
Touristen ... Der Lieferschein für den Rechner trägt
die
Unterschrift des PJs. Und das ist einfach lächerlich -
der PJ würde niemals seine
eigene Unterschrift benutzen. Er
nimmt entweder die eines anderen (normalerweise
die des Chefs)
oder setzt einen Krakel aufs Papier, der wie die Signatur von
Charles
Manson aussieht.
"Das ist ganz offensichtlich
eine Fälschung." antworte ich, habe aber trotzdem
noch
meine Zweifel.
"Nun, ich habe zufällig ein
Muster seiner Unterschrift dabei - vorgelegt VON
der
Rechnungs-Abteilung - für eine Bestellung, die er neulich
ausgefüllt hat. Und wenn
sie sich diese anschauen, nun, dann
stimmen die Unterschriften perfekt überein."
"Ja,
es gibt Kopierpapier." antworte ich und vergleiche die beiden
Signaturen. "Aber
stimmt es sie nicht nachdenklich, daß
die beiden Unterschriften PERFEKT
übereinstimmen?"
"Nein, das beweist nur, daß er nicht sehr vorsichtig
ist!"
Wir feilschen noch ein wenig, bis er davon überzeugt
ist, daß die Unterschrift des
PJs nichts beweist - jeder
hätte das Paket mit dem Rechner zwischen der
Anlieferung und
dem Auspacken am Arbeitsplatz manipulieren können. Trotzdem
will
er noch unter vier Augen mit dem PJ sprechen.
"Ich
schaue nach, was er heute macht", erkläre ich und klicke
auf das
´Terminplaner´-Icon auf dem Monitor des PJs.
Niemand weiß, daß dadurch eine SMS-Nachricht auf das
Handy des PJs geschickt
wird, in der er davor gewarnt wird, in der
Firma aufzutauchen. Diese Terminplaner
sind wirklich eine
hervorragende Sache ...
"Oh, schauen sie sich das an!"
rufe ich und deute auf eine Fehlermeldung auf dem
Monitor. "Sein
Kalender ist defekt."
"Wer er nicht auch schon kaputt,
als ich ihn neulich suchte?" fragt der Chef, der
einen
mittelgroßen Braten zu riechen glaubt.
"Ja",
antworte ich. "So sind eben diese großen
Software-Hersteller - ohne eine
richtige Qualitätskontrolle!"
Irgendwann haben es der Chef und der Personaler satt, noch länger
auf den PJ zu
warten und trotten auf eine saftigere Weide, als ich
ihnen verspreche, sie zu
informieren, SOBALD der PJ auftaucht. Ich
vertreibe mir die Zeit damit, die Beweise
zu studieren und ein
paar Anrufe zu machen, um zu einer Entscheidung zu kommen.
Später
an diesem Nachmittag treffe ich den PJ im Fahrstuhl und nutze
einen
´Notfall-Halt´, um ihn über die Ereignisse
zu informieren. Ein leuchtender Punkt auf
meinem Pager zeigt mir,
daß mein Opfer gerade sein Büro verlassen hat und sich
zu
den Fahrstühlen begibt.
"Abwärts?"
frage ich freundlich, als der Erbsenzähler besorgt aufblickt.
Eine halbe Etage später stoppen wir für ein Gespräch.
"Weshalb haben sie ihren Rechner angesteckt?" frage
ich.
"Ich habe meinen Rechner nicht ..."
"Belügen
sie mich nicht. Ich weiß, daß sie den Rechner vom
Lieferanten bekommen
und die Unterschrift des PJs gefälscht
haben, die sie auf einer Bestellung, die sie
bearbeiten sollten,
fanden. Und ich weiß, daß das Papier in dem Rechner von
der
Financial Times kam - die im ganzen Haus nur zwei Leser hat:
den Geschäftsführer
und sie, denn in ihr findet man
keine nackten Brüste. UND sie waren abwesend, als
der
Sprinkler losging!"
"Ich ..." stottert er.
"...
war es?" schlägt der PJ vor.
"Ich ..."
"Wieso?" frage ich interessiert.
"WEIL ICH SIE
NICHT AUSSTEHEN KANN!" erleichtert er sich. "IMMER
NERVEN
SIE MICH MIT IHREN DUMMEN FRAGEN!!! ´Was bedeutet
diese
Meldung?´, ´Wo ist die ANY-Taste?´, ´Wie
kann ich dieses Programm beenden?´,
´Was ist ein gutes
Passwort?´ ICH HASSE DAS! SIE VERFOLGEN MICH!"
Plötzlich
wird mir alles klar. Seit dem Vortrag in der vergangenen Woche nerven
die
verschiedenen Abteilungen ihre eigenen Leute statt bei uns
anzurufen!
"Ich kann ... ich kann mit ihnen fühlen",
sagt der PJ und setzt den Lift wieder in
Bewegung. "Jetzt
wissen sie, wie wir uns an manchen Tagen fühlen. Aber daß
sie
meine Unterschrift benutzt haben ..."
Nach seiner
großzügigen Entschuldigung lassen wir ihn gehen und kehren
in unser
Büro zurück. Ich muß gestehen, daß
es ein gutes Gefühl ist, einen verwandten Geist
bei den
Erbsenzählern zu haben. Jemanden, dem wir in die Augen schauen
können.
Jemanden, der versteht, mit welchen Idioten wir zu
kämpfen haben. Jemanden, den
wir verantwortlich machen können
für all das ölgetränkte Zeitungspapier, mit dem
der
PJ und ich die Rechner in dieser Nacht ausstatten werden.
Ja, das
ist wirklich gut ...
Der B.O.F.H. spielt mit Würmern ...
"Aber mein Passwort KANN nicht ungültig sein",
wimmert ein Nutzer durch die
Leitung. "Ich habe es erst an
diesem Morgen geändert!"
"Wenn sie mit ÄNDERN
meinen, daß sie aus ´Wurm21´ ein ´Wurm22´
gemacht
haben, dann haben sie kein Glück, fürchte ich.
Das neue Passwort-Programm erlaubt
solche Änderungen nicht
mehr."
"Aber ich liebe das Wort ´Wurm´!"
"Und ich liebe Worte wie ´leichte körperliche
Schäden´, aber ich benutze sie nicht
als Passwort.
Nicht mehr."
"Aber es gab doch noch nie Probleme!"
schmeichelt er.
"Das stimmt - das Prüfprogramm für
Passworte, das wir bis jetzt hatten, erlaubte
beinahe jede
Änderung - sie hätten sogar einen einzelnen Buchstaben
nehmen
können."
"Wirklich?" keucht der
Nutzer und überschlägt offensichtlich, wieviel Zeit er
damit
beim Anmelden im Netzwerk gespart hätte ...
"Ja,
wirklich. Aber zum Glück haben wir jetzt ein Programm, das
weitaus sicherer
ist."
"Trotzdem mag ich ´Wurm´",
ruft er. "Warum kann ich ´Wurm´ nicht
mehr
verwenden? Könnten sie nicht dafür sorgen, daß
das Programm mein früheres
Passwort vergißt?"
"Das könnte ich, aber ich werde es nicht tun - das ist
einfach zu unsicher. Und
nebenbei ..." >Klick< Unsere
Konversation wird plötzlich unterbrochen, als ich den
Hörer
auflege.
"Warum haben sie das gemacht?" fragt der PJ.
"Das ist die Hauptregel für Telefongespräche -
IMMER dann auflegen, wenn *sie*
gerade sprechen. Auf diese Weise
glaubt niemand, daß sie es waren, der aufgelegt
hat!"
"Hallo?" gehe ich wieder an das Telefon.
"Wir
wurden wohl unterbrochen!" sagt der Nutzer. "Die Leitung
war plötzlich tot!"
"Ja, wir haben hier ein paar
Probleme mit der Zuordnung der Nummern. Ich glaube,
die
Telefongesellschaft fummelt an ihren Leitungen herum, so daß
wir ..." >Klick<
Der PJ grinst vielsagend. Der
Groschen ist also gefallen.
Das Telefon klingelt erneut, und die
Rufnummernidentifizierung meldet, daß es
wieder unser
jammernder Nutzer ist ...
"Hallo. Israelische Botschaft. Wie
kann ich ihnen helfen?" meldet sich der PJ und
versucht dabei
das zu imitieren, was er für einen israelischen Dialekt hält
....
... und wieder ...
"Australische Botschaft. Was
kann ich für sie tun?"
... und so weiter ...
"ICH
WEISS, DASS SIE DA SIND! SIE SIND DER VERDAMMTE
ADMINISTRATOR!"
ruft der Nutzer wütend.
"So werden sie den Botschafter
nie erreichen!" sage ich und übernehme den Anruf
vom PJ.
"Ich will, daß mein verdammtes Passwort wieder
zurückgesetzt wird, wie es früher
war!"
"Nun,
ich werde sehen, was ich ma ..." >Klick<
>Klingel<
"Warum unterbrechen sie immer unser Gespräch?!"
"Wir tun nichts derar ..." >Klick<
>Klingel<
"Netzwerk- und Systembetreuung. Hal ..." >Klick<
>Klingel<
"Ne ..." >Klick<
>Klingel<
>Klick<
Nach der Erledigung dieser Sache bleibt dem PJ
und mir nur noch übrig, uns im Raum
mit den Sicherungsbändern
zu verstecken, während der Chef randalierend durch die
Büros
zieht und wild um sich schreit, um uns zu finden. Das ist eigentlich
ganz
lustig, schade ist nur, daß die Kneipen noch nicht
geöffnet sind. Um die Zeit
totzuschlagen, haben PJ und ich
eine Wette laufen, wieviele Runden der Chef auf
seiner Suche nach
uns drehen wird, bevor er aufgibt.
"Der Chef wirkt heute
ziemlich energisch", kommentiere ich das Ergebnis und reiche
dem
PJ seine fünf Pfund, nachdem der Chef seinen persönlichen
Rekord von drei
Runden gebrochen hat.
"Er hat
Vitamin-Pillen genommen", erwidert der PJ. "Ich habe sie
auf seinem
Schreibtisch gesehen."
"Nein, in
Wirklichkeit hat er Hormonpräparate, die IN den Vitamin-Pillen
steckn
genommen." antworte ich und erlaube mir ein leichtes
Grinsen.
"Sie sind ein kompletter Bastard!"
"Nein,
nicht wirklich. In der nächsten Woche, wenn ich stattdessen ein
langsam
wirkendes Abführmittel oder eine Präparat, das
seine Blase auf Touren bringt,
einsetze, DANN bin ich ein Bastard.
Aber ich habe mich noch nicht entschieden."
"Sie werden
wieder die Toiletten blockieren?"
"Alle. Bis auf die
eine, in der das Toilettenbecken nicht richtig festgeschraubt ist."
"Sie sind ein kompletter Bastard!"
"Ja, da
könnten sie richtig liegen ..."
Nachdem wir eine
angemessene Zeit abgewartet haben, schleichen wir aus dem
Zimmer -
und laufen dem Chef direkt in die Arme.
"Wer von ihnen hat
mein Passwort gelöscht?!" ruft er, als er den Raum betritt.
"Wir?" frage ich schockiert und unschuldig.
"Ich
weiß, daß sie etwas damit zu tun haben!"
"Ich
habe nur ein neues Programm installiert, das war alles. Wie lautete
ihr Passwort
denn?"
"A."
"Wie in dem
Buchstaben?"
"Ja, ich habe keine Zeit dafür, all
diese anderen Buchstaben einzutippen. Wie auch
immer, wer würde
den annehmen, daß ich ein einbuchstabiges Passwort habe?!"
"Guter Gedanke! Und sie haben die Erlaubnis, Anschaffungen
bis zu welcher Höhe
zu genehmigen?"
"Das ist
irrelevant. Es gab damit noch keine Probleme!"
"Ja,
traurig, wirklich. Aber leider können wir da nichts machen, das
Programm ist
hochmodern und paßt hervorragend in die Firma."
"Die Firma kam bisher auch ganz gut ohne dieses Programm aus
- woher haben sie
es eigentlich?!"
"Oh, ich habe es
im Fernsehen gesehen und erinnerte mich daran, als ich eine
Anzeige
dafür sah."
"IM FERNSEHEN?!! Sie kaufen etwas, das
sie im Fernsehen gesehen haben?!"
keucht er mit gespieltem
Entsetzen, wobei er offensichtlich an diese lästigen
Werbesendungen
denkt.
"Nun, ja - aber ich habe ´Technik der Zukunft´
nur gesehen, um mich über die
Vorteile der Supraleittechnik
zu informieren und ich ..."
"´Technik der
Zukunft´!" ruft der Chef plötzlich begeistert aus.
"Das wußte ich nicht.
Ja, nun, dann schätze ich,
daß ein Passwort aus sechs Zeichen ganz gut wäre."
"Ein Passwort aus acht verschiedenen Zeichen, von denen
keines ein Buchstabe
sein darf, ja."
"Ich ... Ja,
das ist sehr weise." kommentiert er bei seinem Abgang.
"Uh,
was ist denn hier passiert?" fragt der PJ verwundert.
"Die
alte ´Technik der Zukunft´-Geschichte - erwähnen
sie, daß sie etwas in dieser
Sendung gesehen haben KÖNNTEN,
und schon verzehnfacht sich dessen
Reputation. Natürlich, sie
könnten es auch auf dem Tisch vor ihnen gesehen haben,
während
die Sendung lief, doch das ist egal - die Unterschrift für die
Anschaffung
bekommen sie auf jeden Fall ..."
"Sie
scherzen!"
"Nein, ich sage die Wahrheit! Solange sie es
nicht übertreiben, können sie einen
Dummkopf sogar dazu
bringen, mit Büroklammern auf Stromleitungen loszugehen,
wenn
sie sagen, sie hätten einen entsprechenden Bericht in ´Technik
der Zukunft´
gesehen!"
"Unfug!"
"Es
ist wahr! Das ist nur eine Erweiterung des ´*DUMMY
MODUS*´-Prinzips."
Unsere Unterhaltung wird durch
unseren jammernden Anrufer unterbrochen, der sich
leibhaftig zu
uns bemühte ...
"Wegen meines Passwo ..." beginnt
er.
"Das ist das neue Programm, daß ich bei ´Technik
der Zukunft´ gesehen habe!"
antwortet der PJ.
"WIRKLICH?" ruft der Nutzer begeistert, was dem PJ
nicht offenbar gefällt. "Nun, in
diesem Fall ..."
"Sie werden ihr Passwort ändern?" frage ich.
"Aber sicher."
"Nun, das Minimum sind acht
unterschiedliche Zeichen, von denen keines ein
Buchstabe sein
darf."
"Sie machen Scherze!"
"Nein, aber
wenn sie sich wegen der zusätzlichen Tipperei sorgen, ich habe
da
dieses nützliche Gerät gesehen, während ´Technik
der Zukunft´ lief ..."
Es ist wie immer - ein Faß,
ein Fisch und eine Kanone ...
Der B.O.F.H. entdeckt die automatische Stimmerkennung ...
"Schauen sie sich dieses Schmuckstück an", sage ich
zum PJ und deute voller Stolz
auf einen PC, aus dessen offenem
Gehäuse unzählige Kabel herausquellen.
"Ja, es ist
wirklich gut ausgestattet - DIESER Rechner wird nicht
lange
durchhalten!" stimmt der PJ lächeln zu.
"Was?!"
"Dieser PC - sie haben ihn völlig ruiniert!"
"Er
ist nicht ruiniert, er ist bereit zur Arbeit!"
"Als
Anker? Oder als Türpuffer?" fragt der PJ unfreundlich.
"NEIN, er kann UNSERE Arbeit für uns erledigen!"
"Schwachsinn!" erwidert der PJ mit der für ihn
üblichen Vorschnelligkeit.
"Fünf Pfund darauf, daß
er das tut!"
"Zehn Pfund dagegen!"
"Dann
rufen sie einmal diese Nummer an", antworte ich und deute auf
den Aufkleber
auf den Innereien eines Telefons im Herzen des
Kabelgewirrs.
Pflichtbewußt folgt der PJ meiner
Aufforderung, worauf ein Klingeln im Innern des
PCs ertönt.
"Hallo, Netzwerk- und Systembetreuung. Wie kann ich helfen?"
fragt die Stimme
des PJs.
"Hallo?" erwidert der PJ.
"Netzwerk- und Systembetreuung, wie kann ich ihnen helfen?"
fragt die Stimme des
PJs erneut.
Ein Groschen fällt im
Kopf des PJ. "Sie haben Stimmerkennungsprogramm mit
meiner
Stimme gefüttert!" schnappt er nach Luft.
"Entschuldigung,
ich weiß nicht genau, was sie meinen. Könnten sie das noch
einmal
wiederholen?" fährt die Stimme fort.
"Uh,
ich habe ein Problem mit meinem System."
"Sie haben ein
Problem mit ihrem System?"
"Ja, es startet nicht
richtig."
"Sie sagen, daß ihr System nicht
korrekt startet?"
"Das ist ein Programm nach dem Muster
von Elisa!" keucht der PJ.
"Sie haben ein Problem mit
ihrem Elisa-Programm?"
"Nein, es ist meine Festplatte!"
"Es geht um ihre Festplatte?"
"Ja, sie gibt
seltsame Geräusche von sich."
"Ihre Festplatte
macht seltsame Geräusche?"
"Hey!" kommentiert
der PJ und deckt das Mikrofon des Telefons ab. "Dieses Ding
hat
ein Gedächtnis!"
"Natürlich!" antworte
ich. "Aber selbst das einfachste Elisa-Programms hatte
ein
Gedächtnis!"
"Es dürfte aber recht
langweilig sein, wenn es nur Fragen stellt. Die Anrufer dürften
das
schnell herausfinden ..."
"Machen sie sich nicht
lächerlich - es kommt noch mehr, machen sie einfach
weiter -
bevor das Programm abbricht."
"Ja, meine Festplatte
macht seltsame Geräusche!"
"Wie lange geht das
schon?"
"Phase Zwei", murmle ich.
"Informations-Sammlung. Gegenwärtig gibt es nur
drei
mögliche Fragen: ´Wie lange geht das schon?´;
´Habe auch andere dieses Problem?´
und ´Ist das
ihre Etage, in der die Gasleitung ein Leck hat?´."
"Ein
Leck in der Gasleitung?"
"Ja, mir fiel keine dritte
Frage ein, aber ich habe herausgefunden, daß diese Frage
den
Anruf schnell beenden kann."
"Ein paar Stunden."
sagt der PJ.
"Es geht schon ein paar Stunden so? Hmmm, gab
es irgendwelche
Fehlermeldungen?"
"Nein."
antwortet der PJ.
"Nun, es KLINGT nach einem
Festplattenproblem ..."
"Duh ..." kommentiert der
PJ mit rollenden Augen.
"... das vermutlich hervorgerufen
wird durch ..."
Die Klänge heftigster
Festplattenbewegungen kommen aus dem Innern der
Maschine.
"...
resonant-harmonische Verzerrungen."
Der Rechner macht eine
Pause um das Umschalten in den DUMMY-MODUS zu
ermöglichen,
bevor er weiterspricht.
"... Auch wenn es schwierig ist, in
diesem Fall eine genauere Prognose abzugeben."
"RESONANT-HARMONISCHE VERZERRUNGEN! WAS FÜR EIN UNFUG!"
"Ups!" rufe ich. "Unfug ist ein reserviertes Wort
für das Umschalten in einen
anderen Modus."
"Es
ist nicht ungewöhnlich, daß durch harmonische Resonanzen
...." >Ratter< "...
elektronische Störungen
im Datenfluß ..."
"Modus-Umschalter?" fragt
der PJ mit der Hand auf dem Mikrofon.
"... allerdings könnte
es auch eine Datei im Netzwerk sein, die das
Fehlverhalten
verursacht. Geben sie mir einfach ihren Nutzernamen
und ich werde das
kontrollieren."
"AHA! Der
aggressive Modus. Als ob ich ihnen meinen Nutzernamen geben
würde!"
murmelt der PJ.
"Das sollten sie besser
tun, da sonst der Name genommen wird, der zur Nummer des
Anrufers
gehört."
"Dieses Programm hat ohnehin Zugang zur
Nummer des Anrufers?" ruft der PJ
begeistert.
"Die
Nummer ist nur die Spitze des Eisbergs! Das Programm kennt
ihre
Personaldaten, ihre Parkplatznummer, ihre private
Telefonnummer und ihre
meistbesuchten Webseiten. Sagen sie das
Stichwort ´Sie Schlappschwanz´ oder
eines der anderen
Umschaltworte und das Programm wird die Adressen ihrer
zehn
meistbesuchten Seiten an ihren Chef schicken - wenn sie in
der ´schwarzen Liste´
stehen. Wiederholen sie eines
der Worte, so wird irgendwann nach zwei Uhr
morgens ein Programm
gestartet, das Pizzadienste und Taxis zu ihnen bestellt!"
"Und
wenn es sowieso Zugriff aufdiese Daten hat, wieso fragt es dann noch
nach
einem Nutzernamen?"
"Ich wollte nur gründlich
sein. Und aus historischen Gründen natürlich."
Der
PJ nennt den Namen eines sehr bald zu bedauernden Hundes in
der
Rechnungsabteilung und läßt noch ein paar
Schaltworte vom Stapel.
"Ich will das Programm nur einem
Stresstest unterziehen ..." murmelt er.
"Das ist eine
andere Sache, die ich schon implementiert habe - die Messung
von
Stress!"
"Stimmen-Stress AND eine gute
Spracherkennung. Wie funktioniert das?"
"Nun, die
Spracherkennung ist ziemlich simpel, aber zum Glück ist das
technische
Vokabular, das gebraucht wird, wenig umfangreich, also
wird es recht akkurat sein.
Und der Grund dafür, daß
wir angerufen werden, ist meistens sowieso der gleiche, so
daß
auch das gut funktioniert. Die Stress-Messung wird dazu
genutzt
herauszufinden, wie schnell sie aufgeben zeichnet das auf,
zusamen mit dem Rest
des Gesprächs übrigens, das wir für
spätere Zwecke benutzen können ..."
"In
Ordnung", erklärt die Maschine. "Ich glaube, wir haben
das Problem
eingekreist ..."
"Was bedeuten könnte,
daß alle Netzwerk-Dateien gelöscht wurden, daß
Passwort
in SCHLAPPSCHWANZ geändert wurde und ihr Auto gerade
abgeschleppt wird."
kommentiere ich.
"... wobei es
etwa eine Stunde dauern könnte, bis die System-Synchronisation
auch
auf ihrem Rechner bemerkbar wird."
"Und das ist
der Abschluß. Also, was denken sie?"
"Das klingt
nicht sehr dynamisch."
"Dynamik - wenn es dieses Wort
überhaupt gibt - wird überschätzt", antworte
ich.
"Wie auch immer, meine Vorführung war erfolgreich.
Zeit für das Mittagessen!"
...
Als ich Sekunden
später am Büro des Chefs vorbeilaufe, ruft er mich zu sich
herein.
"Mein Programm ist stehengeblieben!" schnieft
er.
"Oh, ich bin gerade auf dem Weg in die Kantine, aber ...
sie können den PJ unter
dieser Nummer erreichen." sage
ich und reiche ihm eine Notiz mit einer
Telefonnummer.
"Gut."
"Oh, und könnten sie ihm diese Passworte übermitteln,
die er gesucht hat: >Kritzel<
´Eibenholz-Anker´,
>Kritzel< ´Warteschlangen-Entfernung´. Wenn sie ihm
das
übermitteln könnten ..."
EXTRASPASS!
Der B.O.F.H. verkauft SOFTWARE-MÜLL ...
An manchen Tagen WEISS man einfach, daß es dort oben
jemanden gibt, der gegen
einen arbeitet. (In der fünften
Etage, nicht Gott ...)
Und so kommt es, daß ein Umschlag
mit interner Post seinen Weg auf den
Schreibtisch des Chefs
findet, in seinen Mülleimer, aus seinem Mülleimer
heraus,
hinüber zum Kaffee-Automaten, in die Toilette, zurück
auf seinen Schreibtisch, wo
er schließlich geöffnet
wird, zehn Minuten Aufmerksamkeit erntet, ein paar längere
Worte
im Lexikon nachgeschlagen und mit Notizen versehen werden, dann
wieder
zum Automaten, zurück in die Toilette, zurück zum
Kaffee-Automaten und
schließlich in mein Büro.
Vermute
ich ...
"Schauen sie sich das einmal an." murmelt der
Chef, während er einen Stapel
Hochglanzbroschüren auf
meinen Tisch wuchtet, deren einziger Zweck es ist, mental
schwächere
Trottel zu beeindrucken.
"Das ist ein Stapel Papier für
den Lokus", sage ich.
"Was?! Oh, ja, wie kommt das nur
hierher. Nicht das, sondern das hier!" antwortet er
und
hantiert nervös mit den verräterischen doppellagigen
Papiertüchern.
"Was soll das denn genau sein?"
frage ich.
"Ah, eine neue Software, die unsere
Geschäftsabläufe noch besser nachbilden
kann."
zwitschert er schnell.
"Wirklich? Ich hätte nicht
geglaubt, das es auf dem Markt eine ernsthafte
Konkurrenz zu
unserem bisherigen Programm gibt", antworte ich unbeeindruckt.
"Es
sei denn, OS/2 würde wiederauferstehen ..."
"Ja, ja, natürlich", murmelt er, offensichtlich
vom schwierigen Nachdenken, was es
heute wohl in der Kantine gibt,
abgelenkt. "Aber schauen sie sich das einfach einmal
an und
sagen sie mir, was sie davon halten."
"In Ordnung",
gebe ich nach. "Das ist ein Stapel bunter Broschüren,
gedruckt auf ...
Papier, das 100 Gramm pro Quadratmeter wiegen
dürfte, und beim Druck wurde ein
Verfahren zur Mischung der
Farben verwendet, das sie heute bei ..."
"DIE SOFTWARE
IN DEN BROSCHÜREN!" schreit er.
"Oh, die Software
meinen sie! Nun, werfen wir einen Blick darauf."
Meine
ersten Vermutungen waren korrekt. Der "DIE SOFTWARE, DIE
IHR
UNTERNEHMEN *NICHT* IGNORIEREN DARF!!!"-Aufkleber ist
schon eine
deutliche Bestätigung. "ZEHN JAHRE
ERFAHRUNG!!" bestätigt es nur noch
einmal.
"Das
ist Schrott!"
"Wie können sie das behaupten - sie
haben doch noch nicht einmal in die Broschüren
hineingeschaut!"
"Ich muß nicht hineinschauen, diese Broschüren
sehen alle gleich aus. Innen werden
sie ein paar bunte Statistiken
finden, die bestätigen, was immer ihre Macher
behaupten, ein
kleines Bild eines schmächtigen Kerls mit Brille und einem
Abschluß
in Informatik, der das Programm liebt, und die
Namen einiger Firmen, die so dumm
waren, die Software zu kaufen.
Und auf der Rückseite steht noch, daß es sich um ein
GANZ
SPEZIELLES SONDERANGEBOT handelt."
"Ich glaube nicht,
daß ..." stammelt er, als er eine Broschüre öffnet,
um festzustellen,
daß ich die Wahrheit gesagt habe. "Nun,
aber ich denke, sie ist mit Sachverstand
erstellt worden."
"Gut kopiert, trifft es wohl eher."
"Aber die
Software wurde von erfahrenen Profis entwickelt, die die Orientierung
auf
das Geschäft immer im Auge haben - eine Tatsache, die
ihnen geholfen hat, ähm ...,
unumstrittener Marktführer
im Bereich der Nachrichten-Übermittlungs-Software zu
werden!"
plappert er los, wobei er offensichtlich ein paar Satzfetzen aus
seinem
Gehirn mit Worten, die er auf der Titelseite der Broschüre
gelesen hat, kombiniert.
"SCHNELL UMUMSTRITTENER MARKTFÜHRER
GEWORDEN IN ..."
wiederhole ich. "Mit anderen Worten:
´Wir haben über einen neuen Weg
nachgedacht, ein
gelöstes Problem erneut zu lösen, haben ihm eine griffige
Phrase
für die Werbung verpaßt, so daß wir
Marktführer sind, weil vorher niemand diesen
Begriff
verwendet hat!´."
"Ich glaube nicht ..."
"Oh, sehen sie!" rufe ich und deute auf den PJ. "Hier
kommt die Person, die in
kürzester Zeit der unumstrittene
Marktführer im Bereich des Kabeltransports aus
dem Lager
wurde. Oder, wie wir es gern nennen, dem ´Management
physischer
Medien zum Datentransport´."
"Ja,
ja, sehr lustig, aber ich denke, daß ..."
"Warten
sie bitte einen Moment, ich bekomme gerade einen Anruf von
jemandem,
der mir sagen will, wer in kürzester Zeit
Marktführer bei technischen
Kommunikations-Protokollen werden
wird", rufe ich und beantworte einen Anruf.
"Glauben
sie, daß es die Person sein könnte, die der Marktführer
für die
Rückkopplung beim Lebensmittelverkauf wird - und
fragt, ob ich Senf zu meinem
Mittagessen will?"
"Sie
sind ein richtiger Zyniker", seufzt der Chef traurig und
schüttelt seinen Kopf, als
er langsam hinausschleicht.
"ZYNISCH!" rufe ich und versuche, ihn zum Bleiben zu
bringen, was mir allerdings
mißlingt. "Das ist die
Computer-Branche, die geschaffen wurde, um
gescheiterten
Gebrauchtwagenverkäufern eine neue Chance zu
geben!"
Aber es ist zu spät, der Chef ist verschwunden.
"Worum ging es denn?" will der PJ wissen.
"Software-Müll."
"Vom unumstrittenen
Marktführer im Bereich der
Nachrichten-Übermittlungs-Software?"
fragt der PJ.
"Ja - woher wissen sie das?"
"Ich
habe es vor ein paar Tagen auf einer Broschüre gesehen - ich
habe ihr Exemplar
gleich in den Mülleimer entsorgt."
"Danke. Aber worum ging es denn dabei eigentlich?"
"Ein leicht angepaßtes E-Mail-Programm, das beim Start
das Firmenlogo zeigt."
"Interessant. Wie kommt es, daß
sie sich damit so gut auskennen?"
"Die Broschüre
ist von mir!" gibt der PJ selbstgefällig zu.
"SIE
VERKAUFEN SOFTWARE-SCHROTT!?!?" rufe ich leicht entsetzt über
den
charakterlichen Mangel des PJs. "Ohne mich einzuweihen!?"
"Ach was, sie sind in der zweiten Broschüre vertreten -
als ´unumstrittener
Markführer für
plattform-unabhängigen Datentransfer´ ..."
"?"
"Ein FTP-Programm mit dem Firmenlogo ..."
"Was
kostet es?"
"Das ganze Paket? Vier Pfund pro Nutzer."
"Dummkopf!"
"Zu teuer?" fragt der PJ.
"Nein, ich habe es dem Chef nur gerade ausgeredet. Jetzt
brauchen wir etwas, das
überzeugender wirkt."
"Verdammt. Wir könnten eine Pressemeldung von Gartner
fälschen?"
"Zu kompliziert für ihn - er weiß
nicht einmal wer die sind!"
"Ein bearbeitetes Bild von
Bill Gates mit der Software?"
"Schon besser, aber wir
brauchen etwas, daß glaubwürdiger ist ..."
"Ein
gefälschtes Titelbild eines Computer-Magazins!"
"DAS
IST ES!" rufe ich.
...
Einen halben Tag und eine
glänzende Seite später ist der Chef überzeugt und
die
Bestellungen kommen herein. Und, wer hätte das geahnt,
der Chef hat das Programm
einem seiner Freunde empfohlen, der
ebenfalls sehr neugierig ist ...
Integrität ist der
Schlüssel. Wenn man ihn fälschen kann ...
Der
B.O.F.H.-Interpretationstest - lassen sie sich nur darauf ein, wenn
sie
WIRKLICH MUTIG sind ...
Der B.O.F.H. will wissen, ob sie in der Lage sind, Versprechungen
richtig zu deuten.
Interpretieren sie die folgenden Aussagen:
1. Sie werden wieder einmal von der Verkaufsberaterin eines
großen
Software-Herstellers angerufen. Aus Erfahrung wissen
sie, daß sie überfreundlich
sein wird und ungefähr
soviel von Computern versteht, wie Sonny Bono vom
Schifahren in
einem Wald. Sie kommt gleich zur Sache und erklärt, daß
sie gerade ein
Programm bekommen hätte, daß einfach zum
besten gehört, was sie jemals gesehen
hat. Sie wissen sofort:
A.Es handelt sich um ein ausgezeichnetes und hochentwickeltes
Programm.
B.Es handelt sich um ein recht gutes Programm.
C.Es
ist Schrott.
D.Es gibt gar kein Programm, sie verkauft nur Luft,
doch sie kaufen trotzdem
ein Exemplar.
2. Ein Ingenieur besucht sie und nachdem er einen
Geschwindigkeitsrekord beim
Auseinandernehmen und teilweisen
Zusammensetzen ihrer Technik aufgestellt hat,
erklärt er, daß
nun wieder alles laufen würde. Das bedeutet:
A.Es wird alles fehlerfrei laufen, bis er wieder auftauchen muß.
B.Alles wird laufen, bis er in seinem Auto sitzt.
C.Alles
wird laufen, bis er einen Fahrstuhl bekommen hat.
D.Er hat die
Technik von der Wand weggerückt, so daß sie kein Feuer
fangen
kann, solange er noch im Gebäude ist.
3. Ein Nutzer ruft sie an, um herauszufinden, welche Art von
Sicherheitskopien sie
anlegen. Er erklärt, daß er KEINE
Dateien gelöscht hat und sein System
hervorragend
funktioniert. Das bedeutet:
A.Er will einfach wissen, welche Art von Sicherheitskopien sie
machen.
B.Er hat eine Datei gelöscht, deren
Wiederherstellung einen gewissen
Zeitaufwand erfordert.
C.Er
hat eine Datei gelöscht, deren Wiederherstellung sehr viel Zeit
in
Anspruch nehmen würde.
D.Er hat die Dateien
irgendeines ANDEREN Nutzer gelöscht und weiß nun
nicht,
wie er sich aus der Klemme befreien soll.
4. Die Erbsenzähler zweifeln eine ihrer Bestellungen für
Ausrüstung an, weil die
Preise angeblich überhöht
sind. WIRKLICH meinen sie aber, daß:
A.die Technik zu teuer ist.
B.die Geräte recht teuer
waren und mit ein wenig mehr Mühe ein billigeres
Angebot
hätte gefunden werden können.
C.sie das zu allen
Anschaffungen sagen, deren Wert über 50 Pfund liegt.
D.sie
einen Morgen voller Strom- und Netzwerkausfälle wollen.
5. Ihr Chef kommt in ihr Büro marschiert und hält in
seiner Hand einen Stapel noch
nicht genehmigter Bestellungen. Er
erklärt, daß er weitere Empfehlungen für die
Technik
braucht, die sie anschaffen wollen. Er meint offensichtlich, daß:
A.er sich vor dem IT-Chef rechtfertigen muß wie jeder andere
auch.
B.er die Ausgaben vor den Erbsenzählern rechtfertigen
muß wie jeder andere
auch.
C.er nicht weiß, worum
es eigentlich geht, aber nicht dumm dastehen will.
D.er ein Auge
auf eine Laptop-/Arbeitsplatzrechner-Kombination geworfen
hat,
deren Anschaffung für ihre Bestellung keinen Platz im Budget
mehr läßt.
6. Der Wachdienst schickt ein Rundschreiben, in dem jeder darüber
informiert wird,
daß er ihre übliche Arbeitsplatz- und
Bürosicherheitsprüfung in den nächsten
Tagen
durchführen wird. Was sie wirklich meinen, ist, daß:
A.die Sicherheit in den Büros höchstwichtig ist und sie
besorgt über die Unfälle
sind.
B.die Sicherheit in
den Büros höchstwichtig ist und sie besorgt sind wegen
der
Einbrüche.
C.sie einen Zusammenhang sehen zwischen
den Stoßspuren auf den Gehäusen
verkaufter Rechner und
dem spitzen Stock, den sie zum ´Herausheben
der
Bodenabdeckungen´ benutzen.
D.der Chef des
Wachdienstes seinen Tresor zurückhaben möchte.
7. Sie lesen ein Magazin, in dem behauptet wird, ein bestimmtes
Betriebssystem aus
den 80er feiere seine Rückkehr. Im
Klartext bedeutet das:
A.Ernsthafte Entwicklungsarbeiten haben ein echtes Ergebnis in
der
OS/2-Zentrale hervorgebracht.
B.Ernsthafte
Entwicklungsarbeiten haben ein echtes Ergebnis in der
VMS-Zentrale
hervorgebracht.
C.Ernsthafte Entwicklungsarbeiten haben ein
echtes Ergebnis in der
Amiga-Zentrale hervorgebracht.
D.Alkoholgenuß in der Redaktion hat seltsame Wirkungen
gezeigt.
8. Sie suchen neue Mitarbeiter, als ein Sklavenhändler sie
anruft und erklärt, er habe
einen fantastischen Kandidaten
für ihr Team. Ihre bisherigen Erfahrungen mit
Sklavenhändlern
sagen ihnen, daß:
A.der Kandidat ideal für sie ist.
B.der Kandidat
möglicherweise ganz in Ordnung sein könnte.
C.der
Kandidat möglicherweise einen Computer erkennen könnte,
wenn er
einen sieht.
D.der Kandidat den Weg zu ihrem Büro
nicht finden wird.
9. Sie besuchen eine Verkaufsausstellung, bei der die neueste und
beste Technik
zum Testen bereitsteht. Der Vorführer, der vor
den Geräten steht, die EXAKT so
aussehen wie die, die der
Chef im vergangenen Jahr gekauft hat, erklärt, daß die
neue
Version die doppelte Leistung zum halben Preis bietet!!! Sie
glauben, daß:
A.die Geräte einfach HERRLICH sind.
B.die Beschreibung
herrlich klingt.
C.der Chef die Technik herrlich finden würde.
D.es herrlich ist, daß sie es wagten, damit in der
Ausstellung zu erscheinen!
Wie haben sie geantwortet?
Meistens A: Sie sind ein Anfänger,
nicht wahr? Sind sie wirklich sicher, daß hier
nicht
Literatur lesen, die die Manager ihnen verboten haben? Nebenbei, ich
hätte da
dieses attraktive Stückchen Land in Leeds, das
bekannt ist für seine von den
Touristen geliebten
Minigolf-Bahnen ...
Meistens B: Oder SIND SIE gar der Manager?
Ich weiß, daß hier einer
herumschnüffelt.
Meistens C: Schon ganz gut. Eine gute Mischung aus Zynismus und
Erfahrung. Mit
etwas mehr Praxis könnten sie Mitglied im Club
werden.
Meistens D: HERVORRAGEND! Wir haben einen Gewinner! Sie
lassen sich nicht
durch die kleinen Lügen beeindrucken, die
andere so häufig benutzen, um sie über
ihre wahren
Absichten (sie zu übertölpeln) zu täuschen.
Gratulation. Nun, noch
einmal zurück zu dieser Investition in
Leeds ...
Der B.O.F.H. greift zu M$-Tricksereien ...
Der PJ und ich grinsen über die neueste Episode der
Seifenoper mit dem Titel
´Microsoft bekämpft
Raubkopien´, als wir ein beunruhigendes Geschehen
bemerken.
Nein, der Chef ist nicht gerade dabei, einen Auftrag
über die Programmierung von
Software für OS/2
anzunehmen. Es ist schlimmer ...
"Wer ist denn das?"
fragt der PJ und deutet auf einen jungen Anzugträger, der
sich
offenbar sehr bemüht, dem Chef Honig ums Maul zu
schmieren.
"Das sieht verdächtig nach der ´neuen
Generation´ der Computer-Branche aus",
antworte ich.
"Der gründlich gebügelte Anzug, der Gürtel, der
zu den Schuhen paßt,
UND die prahlerische Seidenkrawatte
...."
"Was will der hier?"
"ICH glaube,
er ist ein Schützling des Chefs - vielleicht hat er als Kind
seinen Rasen
gemäht - der seinen Weg durch das College
gemacht hat und nun glaubt, er
verstünde etwas von Computern.
Ja, ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, daß er
sich
um die freie Stelle in der IT-Abteilung bewirbt."
"Es
gibt keine freie Stelle in der IT-Abteilung!"
"Oh, habe
ich ihnen das nicht gesagt?" kommentiere ich. "Sie werden
wohl gehen
müssen. Es soll etwas mit unprofessionellem
Verhalten zu tun haben."
"Was?"
"Ja, sie
glauben offenbar, daß es zuviel war, als sie den Monitor
dieses
Erbsenzählers durch das Fenster warfen."
"Ich
habe ihn entmagnetisiert, indem ich ihn durch ein statisches
Magnetfeld bewegt
habe."
"Statisches Magnetfeld?"
"Das Magnetfeld der *Erde*!"
"Natürlich.
Wie auch immer, sie haben sich wohl darüber aufgeregt, daß
der Monitor
an den entsprechenden Erbsenzähler gefesselt
war."
"Er hat sich in seiner Kleidung verfangen!"
"Mit einem doppelten Seemannsknoten?"
"Ich
weiß nicht, wovon sie reden", lügt er wenig
überzeugend. "Aber wie kommt es,
daß SIE etwas
davon wissen?"
"Eine fehlerhaft adressierte E-Mail
landete in meinem Postfach."
"Eine falsche Adresse von
wem?"
"Dem Geschäftsführer."
"Und
wie kann man da eine fehlerhafte Adresse benutzen?"
"Nun,
etwas, das man geheimhalten will, sollte man nicht an den
Geschäftsführer
schicken."
"Ah. Und wie
geht es nun weiter?"
"Ein hoher Rauswurf für sie,
fürchte ich - freilich nicht so hoch, wie das die
Erbsenzähler
erwarten. Und sie werden nicht so heftig landen, wie die
Monitorteile
auf der Ladefläche dieses Frachters, aber es ist
trotzdem ein Rauswurf. Und ich
werde dann das Vergnügen
haben, mit dem neuen Kerl zu arbeiten, bis er sich dazu
entscheidet,
seine Karriere in einem anderen Unternehmen fortzusetzen."
"Also sollte ich in zwei Wochen für einen neuen Vertrag
vorsprechen?"
"Eine Woche sollte ausreichen."
Und
so kommt es wie erwartet - der PJ wird zu einer BESPRECHUNG
eingeladen,
von der er nicht mehr zurückkehrt. Und als Ersatz
erscheint ein Kind, daß so
unschuldig und poliert ist, daß
ich glaube, Möbelpolitur zu riechen, wenn er in der
Nähe
ist. Und sowas von neugierig und begeistert, daß er nicht einen
Fuß nach
draußen setzt. Seufz.
"Hallo, ich
bin David - ich habe gerade meinen Abschluß in Informatik
gemacht und
bin wirklich froh, mein Wissen nun in der Praxis
anwenden zu können!" plappert er
los und umklammert
begeistert meine Hand.
"Ich weiß, daß sie schon
seit Jahren in ihrem Beruf sind, aber hoffentlich kann ich sie
mit
den fantastischen Möglichkeiten der Technologie bekanntmachen,
die es seit
ihrem letzten Besuch in der Industrie vor zehn oder
mehr Jahren gibt."
Ich schlucke meinen Ekel und die
Verwünschungen herunter und sage ihm, daß er mir
folgen
solle, um ein paar Nutzer zu besuchen - das sollte ihm klarmachen,
wer hier
der Chef ist. Unser erstes Ziel ist unsere notorische
Heulerin, um seinen Willen zu
brechen. Ich erkläre ihm, daß
er nur eine minimale Änderung an ihrem Rechner
vornehmen muß
(zum Beispiel die Maus bewegen), um für die tausend
nächsten
Probleme verantwortlich gemacht zu werden, die sie
ganz sicher haben wird.
In Phase 2 setze ich ihn auf ein
unlösbares technisches Problem an, was ihn gehörig
unter
Druck setzen dürfte.
"... und er stürzt einfach
immer ab!" jammert der Nutzer.
"Jetzt, da sie es
erwähnen, fällt mir ein, daß ich erst gestern in
einer Fachzeitschrift
einen Artikel gelesen habe, in dem als
Hauptursache für Abstürze die Installation
von
Raubkopien genannt wird. Sie haben doch keine Raubkopien install
...."
WIR UNTERBRECHEN DIESE EPISODE FÜR EINE
UNTERSCHWELLIGE
BOTSCHAFT EINIGER SOFTWARE-VERKÄUFER.
PJ:
Ach was! Ich bin überzeugt davon, daß Raubkopien schlecht
sind. Und ich glaube
nicht, daß jemand, der Raubkopien
benutzt, sich mit meinem fiktiven Charakter
identifizieren könnte.
Das gilt speziell für Microsoft-Produkte. Das macht dann
tausend
Pfund, bitte.
B.O.F.H.: Für mich ebenfalls.
Chef: Und
für mich.
PJ: Wen interessiert schon, was sie denken? Sie
sind eine austauschbare Randfigur.
Holen sie uns einen Kaffee und
schätzen sie sich glücklich, daß sie das dürfen!
NUN KEHREN WIR WIEDER ZUR URSPRÜNGLICHEN GESCHICHTE
ZURÜCK,
WOBEI WIR DARAUF ACHTEN, DIE UNTERSCHWELLIGE
BOTSCHAFT VOR IHREM
BEWUSSTSEIN ZU VERBERGEN, WÄHREND WIR
SIE FEST IN IHR
UNTERBEWUSSTSEIN (TRINKT COKE!) EINPFLANZEN.
"... iert?"
"Nein", lügt der Nutzer.
"Haben sie ihre
Systemeinstellungen geändert?"
"Niemals!"
spielt er weitder den Pinocchio.
"Nun, dann muß ich
gestehen, daß ich wirklich verblüfft bin. Es könnte
an einem
fehlerhaften Programm liegen, doch in meinem Abschlußjahr
habe ich eine Arbeit
über die Standards bei der
Qualitätskontrolle von Software verfaßt. Und ich
kann
ihnen versichern, daß nur ein verschwindend geringer
Teil der Programme nicht den
härtesten Test unterzogen wird."
Der Ekel, den ich vorhin verspürte, meldet sich stärker
zurück. Er ist so grün, daß er
zurechtgestutzt
werden muß!
Aber unglücklicherweise ist er
gewissenhaft und pedantisch, so daß selbst meine
besten
Versuche, seinen Willen zu brechen, scheitern. Er geht völlig in
seiner Arbeit
auf, versucht, den Problemen auf den Grund zu gehen
und sie wirklich zu lösen.
Meine Hauptsorge ist nun, daß
die Nutzer die gleichen Ansprüche an meine Arbeit
stellen
könnten - daß ich in ihre Büros eile, wann immer sie
an ihren Monitor- und
den Papier-Einstellungen des Druckers
herumgespielt haben.
Es will einfach nicht gelingen! Selbst das
versehentliche Einklemmen seiner
Krawatte in der Tür, so daß
er mit dem Arm nicht an den Magnetkartenleser
herankommt, zeigt
nicht das gewünschte Ergebnis. Er ist noch immer freundlich
und
hört sich voller Begeisterung das Gejammer der Nutzer an.
HAT DIESER MANN
DENN KEINE ACHILLES-FERSE!?
Natürlich!
Wieso habe ich nie daran gedacht!
"So", murmle ich und
schleiche im Büro um ihn herum, um ein Thema anzuschneiden,
das
ihm sehr am Herzen liegt, wenn meine Beobachtungen richtig waren.
"Sie haben
wirklich *GROSSEN* Eindruck auf die Sekretärin
gemacht."
"Wirklich? Sie hat mir gesagt, ich solle mich
verziehen, statt ständig um ihren
Drucker herumzuschleichen."
"Unsinn! Sie weiß doch, was man in der Firma von uns
hält und will uns aus der
Schußlinie heraushalten -
sicher haben sie das auch bemerkt?"
"Ich ..."
...
zwei Tage später ...
"Und wie haben SIE ihn dazu
gebracht, Nacktbilder von sich selbst an sie zu
schicken?"
will der PJ wissen.
"Ich habe ihm nur gesagt, als Künstlerin
wisse sie die Schönheit des männlichen
Körpers zu
schätzen und daß sie es möglicherweise zu schätzen
wisse, wenn ihr
jemand in dieser Hinsicht entgegenkommt. Und wie
das nun einmal bei diesen
Technik-Süchtigen ist, die ihr
Leben in Rechnerlaboren und nicht in der realen Welt
verbringen,
wußte auch er nicht, wo die Grenze zwischen geschmackvoll
und
geschmacklos ist."
"Also ist er verschwunden -
gefeuert?"
"Noch besser - er wartet auf seine
Verhandlung wegen Exhibitionismus in einem
Foto-Automaten."
"Was?"
"Nun, ich sagte ihm, daß die
ersten Bilder ihr als Künstlerin nicht authentisch und
´rauh´
genug wären."
"Sie Bastard!"
"Ich
hoffe, sie werden das nie vergessen!"
Der B.O.F.H. träumt von einem straflosen Mord an einem Nutzer ...
Es ist 3:17 Uhr, ich schlafe sicher in meinem Bett und träume
von einer Welt, in der
"Dummheit" als Entschuldigung für
einen straflosen Mord ausreicht, als das Telefon
klingelt.
"Hallo. Ich weiß ja, daß es spät ist ...."
beginnt die Stimme.
"Es ist nicht spät, sondern früh
...."
"Ja, nun, ich mußte anrufen, denn es
handelt sich um einen Notfall!"
"Uh-huh. Und woher
haben sie meine Nummer?"
"Sie stand in der Liste mit
den Kontaktpersonen, die nach Büroschluß erreichbar
sind,
unter ´Pakistanische Botschaft´. Ihr Chef hat mir gesagt,
wo ich sie finde."
Was natürlich die Frage aufwirft,
WIE der Chef herausgefunden hat, daß es sich
dabei um meine
Nummer handelt, die doch nur dei Person kennen sollte, die
die
nächsten Wochen damit verbringen wird, mit einem
Tastatur-Staubsauger die
Zwischenetage unter dem Rechnerraum zu
säubern ...
"Wie auch immer, ich habe sie angerufen,
weil der Laserdrucker in Raum 440 nur
noch wenig Toner hat. Und
der möglicherweise auch noch völlig ausgeht, bevor wir
mit
dem Ausdrucken der Berichtsentwürfe mit den Ergebnissen
der
Kundenbefragung fertig sind, die wir für die morgige -
nun, die
HEUTIGE - strategische Besprechung mit den Direktoren aus
der Zentrale in den
USA brauchen."
"Warum nehmen sie
nicht einfach einen anderen Drucker?" seufze ich und
versuche,
hilfsbereit zu klingen.
Ich muß noch halbwach
sein ...
"Das KÖNNEN wir NICHT, weil wir Spezialpapier
in diesen Drucker gelegt haben!"
"Wieso ist es
Spezialpapier?"
"Das Wort ENTWURF ist als Hintergrund
aufgedruckt!"
"Natürlich - und sie können das
Papier nicht in einen anderen Drucker einlegen oder
gar einen
dieser teuren Farbdrucker benutzen, die im ganzen Gebäude
verstreut sind,
mit denen sie ENTWURF als rotes Hintergrundbild
drucken können ..."
"Ah ... Ja, das ist eine gute
Idee."
Kaum bin ich wieder eingeschlafen, klingelt das
Telefon erneut.
"Hallo, da bin ich wieder!" meldet sich
fröhlich der Nutzer, den ich am wenigsten
mag - und es nervt
mich wirklich, daß er mich jetzt wie einen alten Freund
anspricht,
weil wir ein gemeinsames Druckerproblem hatten ...
"Natürlich, das Papier wird mit der Seite, die bedruckt
werden soll, nach oben
eingelegt."
"Oh."
"Sie
wissen schon, so, wie sie es aus dem anderen Drucker
herausgenommen
haben ..."
"Oh. Natürlich. Es
ist nur so, daß ich dabei nichts verkehrt machen will ..."
"Dabei" ist der wichtigste Begriff in seiner Aussage.
Wenn er damit das Anfertigen
des Berichts meint, bewegt er sich
auf sicherem Boden. Wenn er mit "dabei" aber
"meine
Karriere", "meine Chancen auf eine Weihnachtsprämie"
oder "meine
Chancen, die Toilette zu besuchen und ohne einen
starken elektrischen Schlag
wieder herauszukommen" meint,
dann ist es ohnehin schon zu spät für ihn.
Aber seinem
Schicksal kann man nicht entkommen.
Das Schicksal schlägt
erneut zu, als er um 4:16 Uhr anruft, um zu fragen, wie der
Drucker
im Druckerraum in der 4. Etage im Netzwerk heißt.
"Ich
weiß es nicht, was steht dann auf dem weißen Aufkleber an
der Seite?"
"Uh ... A4PS04331."
"Wie in
A4 Postscript Version 4, Raum 33, Drucker 1?" frage ich gereizt.
"Also ist A4PS04331 die Druckerbezeichnung?"
"Nein
das sind nur ein paar Zahlen und Buchstaben, die wir auf die Seiten
der
Drucker kleben, um sie interessanter zu gestalten."
antworte ich wenig freundlich.
"Oh. Und wie heißt der
Drucker denn nun?"
Seufz.
Um 4:47 Uhr stelle ich mir
einen Mord vor, nachdem ich gefragt wurde, wie man
einen
Tonerbehälter ausstausch ...
5:02 Uhr ...
"Er
druckt nicht, ES KOMMT NUR WEISSES PAPIER HERAUS!!!" keucht er.
"Haben sie den Verschluß entfernt, bevor sie den Toner
eingesetzt haben, wie es in
der Anleitung steht?"
"NATÜRLICH
HABE ICH DAS!"
"Und wie sah er aus?"
"Ein
schwarzes Plastikstück!"
"Und da war kein Stück
aus transparentem Plastik dabei?"
"NEIN!"
"Dann
ist der Verschluß noch immer da."
"Was soll ich
nun tun?"
Ich zähle langsam bis 10.
Seufz.
"Nun,
da sie den Verschluß nicht mehr lösen können, da sie
den Plastikgriff
abgebrochen haben, müssen sie ihn wohl
auflösen. Haben sie ein parfümiertes
Lösungsmittel?"
"Äh ... nein?"
"Was ist mit ihrem
Sanitätskasten?"
"Ich glaube nicht!"
"Nun,
prüfen sie das. Wenn sie nichts finden, müssen sie etwas
Lösungsmittel aus
dem Service-Zentrum holen. Nein, warten
sie, das ist jetzt ja geschlossen. Wissen
sie, nehmen sie einfach
etwas Benzin. Eine halbe Gallone sollte ausreichen ..."
Später
am Morgen ...
"Und der Drucker EXPLODIERTE plötzlich
und ging in Flammen auf!!!" berichtet
mein Anrufer einen
Neuling vom Wachdienst, als ich durch die Überreste von Raum
443
schleiche.
"Und sie sagen, er hat ihnen befohlen, Benzin in
den Drucker zu schütten?!" fragt der
Wachmann.
"Ja,
um den Kleber aufzulösen! Zum Glück habe ich den Drucker
abgeschaltet, sonst
hätte ich genau daneben gestanden, als es
passierte!!!"
"Ja, da haben sie Glück gehabt."
nickt der Wachmann. "Nun, wenn sie mit in unser
Büro
kommen, können wir gleich einen Unfallbericht ausfüllen und
die
Geschäftsführung informieren."
"Ich
werde den Lift rufen." grinst der Nutzer hilfsbereit.
"Sind
sie sicher, daß sie den Lift benutzen wollen?" fragt der
Wachmann und schaut
sich vorsichtig um. "Es gibt ...
Gerüchte, daß die Fahrstühle sich in der letzten
Zeit
manchmal seltsam verhalten ..."
"Gut, dann
nehmen wir die Treppen!"
...
"Und dann rutschte er
unglücklich aus und stürzte die Treppe hinunter",
erklärt der
Wachmann später dem Chef.
"Er fiel
eine Treppe hinunter!" keucht der Chef mitleidig.
"Nun,
es waren gleich zwei Treppen, um ehrlich zu sein - dabei brach er
sich sein
linkes Bein und das rechte Handgelenk!" antwortet
der Wachmann.
"Natürlich haben wir das Treppengeländer
und die Stufen sorgfältig geprüft, doch
alles sah völlig
harmlos aus. Natürlich werden wir seiner Beschwerde
nachgehen,
wenn er sich erholt hat, doch gegenwärtig können
wir den Fall nicht
weiterverfolgen ..."
Seltsam. Und noch
seltsamer wird es, als ich den PJ dazu befrage, der jegliches
Wissen
leugnet.
Nicht mehr so seltsam wirkt die ganze Sache als eine
wohlbekannte Person in einer
blauen Uniform sich mit einem Band,
das aussieht, als stamme es aus einer
Telefonüberwachungsanlage.
"Hallo!" beginnt der PJ. "Sind sie nicht ..."
"Ihr neuer stiller Teilhaber?" sagt der Wachmann. "Der
auf ein Bier wartet!"
Der B.O.F.H. trifft auf eine Kollegin ...
Ich arbeite an einem Rechner, als ein Geruch an meine Nase dringt,
der nur eins
bedeuten kann - der PJ hat eines unserer eher
empfindlichen Geräte ´repariert´.
Nur macht der
PJ gerade eine Woche Urlaub - ich bin wirklich verwirrt. Das
kann
doch kein Defekt sein?! Nicht bei meiner Technik.
Aber es
sieht ganz danach aus. Ich folge meiner Nase dorthin, wo der Geruch
am
stärksten ist, um eine alte Festplatte mit Hitzespuren auf
der Vorderseite als
Ursache zu finden. Sie sieht wirklich nicht
gut aus.
Ich prüfe unseren Wartungsplan, aber - natürlich
- das Gerät wurde nicht mehr
gewartet, da der Chef denkt, daß
ein Gerät, das in der Vergangenheit funktionierte,
auch in
der Zukunft nicht ausfallen kann. Die billigste Variante von
Technikpflege
eben.
Also, die Festplatte ist hin. Und da sie
antik ist, kostet ihr Ersatz etwa das, was man
heute für
einen kompletten Arbeitsplatzrechner zahlen würde, der über
die zehnfache
Rechenleistung und den zehnfachen Plattenplatz
verfügt. Und selbst dann würde
man nur über einen
Pentium 75 mit einer 2 Gigabyte Festplatte sprechen, also könnte
man
auch das noch einmal mit 10 multiplizieren.
Und wo wir gerade
dabei sind, könnte man auch noch die Kosten für das
Herbeirufen
des Technikers hinzufügen, der, da wir keinen
Wartungsvertrag mit seiner Firma
haben, 200 Pfund allein für
die Anfahrt und weitere 150 Pfund je Stunde kassiert.
Eigentlich
ein lukratives Geschäft, über das ich einmal nachdenken
sollte.
Die Technikerin, die sich mir schließlich
vorstellt, ist eine echte Überraschung. Sie
wirkt aus
verschiedenen Gründen interessant auf mich, wovon nicht der
geringste
ist, daß sie gar nicht einfältig aussieht,
oder die Sorte von häßlich ist, mit der Eltern
ihren
Kindern drohen, wenn diese mit Streichhölzern gespielt haben.
Ja, ich würde
sogar soweit gehen, daß sie mehr als
attrak ...
"Und wo ist das Laufwerk?" fragt sie.
"Im
Rechnerraum."
"Haben sie eine Zugangskarte für
mich?"
"Ja, aber wir müssen alle Arbeiten im
Rechnerraum beaufsichtigen - sensitive Daten
etc." antworte
ich. "Also werde ich sie hineinlassen."
Sie folgt mir
in den Rechnerraum und zeigt keine Hemmungen, die Machine
zielstrebig
herunterzufahren, indem sie sie einfach abschaltet.
Sie gefällt
mir.
Mehr als doppelt so schnell ist die Festplatte ausgetauscht
und der Rechner läuft
wieder.
"Noch einen Kaffee
bevor sie gehen?" schlage ich vor.
"Aber gern",
sagt sie, nachdem sie einen Blick auf ihre Uhr und
ihren
Nachrichten-Pieper geworfen hat.
Ich eile aus dem Büro
und flitze doppelt so schnell mit einem Kaffee zurück, der
genau
ihren Vorlieben entsprechen dürfte, wenn ich mich nicht irre.
"Ich fürchte, ich kann nicht länger bleiben, ich
muß an das andere Ende der Stadt und
wenn ich mich nicht
beeile, komme ich in den Berufsverkehr. Ich habe keine Lust
auf
Beulen in meinem P76!"
Ein P76 Leyland, das
Markenzeichen eines offensiven Fahrstils. Ein
wahrhafter
Straßenkreuzer! HAT DIESE FRAU ÜBERHAUPT
EINEN FEHLER!?!
Kaum ist sie gegangen, stelle ich fest, daß
das auch auf meine Geldbörse zutrifft.
Und vom Schreibtisch
des PJ ist ein Bandlaufwerk verschwunden ...
DAS MUSS LIEBE SEIN!
...
Und so kommt es, daß sie einen Tag später
wieder im Büro ist, um einen Server zu
reparieren, der
unglücklicherweise dreimal aus dem Regal gefallen ist
(die
Reparaturkosten sind so hoch, daß der Chef bestimmt die
Kontrolle über seine Blase
verloren hat, als er die Rechnung
gelesen hat). Diesmal bin ich nicht so dumm und
sorge dafür,
daß ich die Sachen auf unseren Schreibtischen im Auge behalte
und
meine Geldbörse sicher im Safe liegt.
Lustigerweise
ist mir wirklich niemals im Laufe ihres Besuchs das klaffende Loch
im
Server der Erbsenzähler aufgefallen, wo früher vier
50 Gigabyte Festplatten waren.
Erst zwei Stunden nach ihrem
Verschwinden bemerke ich es ...
Die Erbsenzähler haben es
freilich schon etwas eher festgestellt.
Nun gut.
Da ich mich
durch diese Situation nicht länger aufhalten lassen will,
schiebe ich ein
paar Ersatzfestplatten aus unserem Sondervorrat in
den Rechner, den der PJ und ich
angelegt haben, um ... äh ...
lizensierte Software zu installieren (und ganz sicher
KEINE
MP3-Dateien aus dem Internet zu speichern), und erkläre
den
Erbsenzählern, der Ausfall sei durch einen Fehler IHRER
RAID-Konfiguration
(Level MINUS 1, so daß keine Daten
gespeichert werden) verursacht worden.
Erwartungsgemäß
kaufen sie meine Geschichte ...
Trotzdem, es muß etwas
geschehen, denn nächste Woche wird der PJ zurückkehren,
der
mit Sicherheit meine Unachtsamkeit verhöhnen wird.
...
Nachdem sie gekommen ist, um eine Tastatur zu reparieren, die
alle Anzeichen einer
Behandlung mit einem großen stumpfen
Werkzeug zeigt, in Wirklichkeit aber nur
unter Abnutzung und
Tränen leidet, schuggle ich fünf brandneue Festplatten in
ihren
Werkzeugkoffer, als sie gerade nicht hinschaut und überlasse
sie sich selbst.
Ich kann ihre Gedanken nicht begreifen, als ich
die fünf Laufwerke später am
Nachmittag auf einer
Maschine im Rechnerraum finde, wo sonst der
Bandzerkleinerer
steht.
Etwas muß geschehen.
Ich rufe in ihrer Firma an
und lasse mich zu ihr durchstellen. Sie nimmt den Anruf an.
Und da
es Zeit ist, die Angelegenheit auszudiskutieren, mache ich ihr
einen
Vorschlag.
"Wie wäre es mit einem kleinen Bier
nach der Arbeit?"
Sie akzeptiert und wir verabreden uns für
den Abend in einem netten Plätzchen
außerhalb der
Stadt.
Der Abend bricht an, wir plaudern harmlos über alles
mögliche, bis wir schließlich
beim Thema landen und ich
sie frage, wieso sie eine Kleptomanin ist.
"Oh, ich bin
keine Kleptomanin. Es ist nur so langweilig, tagein tagaus die
gleichen
Dinge zu tun. Also sorge ich dafür, daß mir
nicht langweilig wird bei der Arbeit."
"Was auch
erklären würde, weshalb sie den Bandvernichter mitgenommen
haben und
die Festplatten zurückließen."
"Den
Bandzerkleinerer, 4 ihrer Stifte, ihre Kaffee-Tasse und das Buch, das
sie als
Unterlage benutzt haben, als sie meine Arbeit
quittierten."
"Das Besucherbuch?!?" keuche ich.
"Ja, ich denke, das ist es. Je auffälliger der
Diebstahl ist, desto interessanter ist er.
Ich wette, daß
sie noch nicht bemerkt haben, daß in ihrem Büro zwei
Stühle fehlen,
oder?"
Ja, es könnte Liebe sein.
Um eine lange Geschichte abzukürzen, kann ich sagen, daß
wir einen großartigen
Abend miteinander verbrachten, an
dessen Ende ich sie zu ihrer U-Bahn-Station
begleitete UND bei ihr
blieb bis ihre Bahn kam.
Und ich habe ihr ihre Geldbörse
geklaut, denn solch eine günstige Gelegenheit
konnte ich
nicht ungenutzt verstreichen lassen ...
Der B.O.F.H. und der Mahariji ...
"Sie GEBEN AUF!" ruft der PJ in einem Tonfall, den man
nur als unfreundlich
bezeichnen kann.
"Ich denke, sie rea
...." verteidge ich mich, um mitten im Satz unterbrochen
zu
werden.
"DAS TUN SIE! Sehen sie sich doch an! Sie
füllen Tätigkeitsprotokolle aus!
´Nutzer-Passwort
zurückgesetzt´, ´Bei der Instalation von MS Office
geholfen´."
"Ich schreibe nur auf, welche
Arbeiten erledigt sind, um den Service zu verbessern."
"Sie
HASSEN Tätigkeitsprotokolle - es gab Zeiten, da haben sie die
Protokolle von
der Nutzerbetreuung geklaut, um zu verhindern, daß
sie Sonderprämien bekommen!
Sie sagten, das sei virtuelle
Arschkriecherei."
"Ach was, ich sagte, es wäre
BEINAHE virtuelles Arschkriechen. Virtuelles
Arschkriechen ist es,
eine dieser elektronischen Postkarten mit Geburtstagsgrüßen
an
den Chef zu schicken. Wie auch immer, sie sind wohl sehr negativ
gelaunt."
Die nächste Tirade des PJs wird durch das
schnelle Eintreffen des Chefs verhindert.
"Ich wollte ihnen
nur für die Hilfe bei meinem Problem mit meinen PC helfen. Er
läuft
jetzt sehr viel besser!"
...
"Sie
haben DEM CHEF geholfen!? Bei seinem PRIVAT-PC?!! Sie HABEN
verloren!
Sie wollten die Gesräche über eine
Gehaltserhöhung in der nächsten Woche
beeinflussen!"
"Gehaltserhöhung? Ich habe das Streben nach Reichtum
und Macht überwunden und
meine Ersparnisse dem Mahariji
gespendet. Ich habe es nicht nötig, wegen
materieller Dinge
meine Vorgesetzten milde zu stimmen."
"VORGESETZTE!!!
Sie sind ein SCHWÄCHLING geworden!" ruft der PJ
angeekelt.
"Ich WUSSTE doch, daß da etwas nicht stimmt,
als sie den Mann vom Wachdienst
einfach so akzeptierten! Der ALTE
B.O.F.H. hätte es dazu gar nicht kommen
lassen!"
"Der
ALTE B.O.F.H. ist Geschichte. Er war nicht im reinen mit seiner
Aura."
"Seiner Aura?"
"Ja, das Mantra
seines persönlichen Wohlbefindens."
"Persönliches
Wohlbefinden?! Ist es diese Technikerin gewesen?! Sie hat sie
um
ihren Finger gewickelt!"
"Ich muß gestehen,
daß unsere Beziehung sehr schön war, doch der Mahariji hat
mir
gezeigt, daß sie einfach nur eine Manifestation
tiefsitzender Bedürfnisse war. Die
Beziehung ist beendet und
ich bin nun eine seelisch reichere Person als vorher."
"Ein
noch größerer Schwachkopf sind sie!"
"Ich
bin mir sicher, daß der ALTE B.O.F.H. darauf mit Negativität
geantwortet
hätte - möglicherweise hätte er Folge
katastrophaler Unfälle organisiert, für die man
sie zur
Verantwortung gezogen hätte. Aber ich werde das nicht tun. Der
Mahariji hat
mir gezeigt, daß der einzige Weg, die eigene
Aura zu pflegen, darin besteht anderen
zu helfen."
"Trottel!" beharrt der PJ.
"Der Mahariji sagt,
daß das Benutzen von Beleidigungen ein Zeichen von
Verzweiflung
ist. Eine gute Aura dagegen wird mit Fröhlichkeit belohnt."
"Fünfzig Pfund darauf, daß ich am Ende des Tages
die fröhlichere Person von uns
beiden bin."
"Eine
Wette? Ich brauche kein Geld!"
"Hundert Pfund!"
ruft er.
"Ich brauche wirkl ..."
"FÜNFHUNDERT
PFUND!"
"Hören sie bitte auf!" rufe ich. "Das
ist unanständig! Aber ich werde ihre Wette unter
der
Bedingung annehmen, daß sie meinen Gewinn - sollte ich gewinnen
- an den
Mahariji zahlen!"
"In Ordnung!"
Der
Handel kommt zustande, nachdem wir noch eine Nebenwette
abgeschlossen
haben, die vorsieht, daß der Verlierer am
Freitagabend die Getränke der gesamten
IT-Abteilung bezahlen
UND sich ihre Beschwerden über den Service anhören
muß.
Eine Aussicht, auf die sich selbst eine erleuchtete
Person nicht freuen dürfte ...
Wir haben unsere Abmachung
gerade per Handschlag bestätigt, als wir in das Büro
des
Chefs gerufen werden. Zweifellos will er mir noch einmal dafür
danken, daß ich
die Probleme gelöst habe ...
"Ah
.... Ich habe gerade eine Beschwerde über die Servicequalität
bekommen, mit der
sie den Nutzern helfen!" erklärt der
Chef hart und blickt dabei zum PJ.
Der PJ schaut erwartungsgemäß
mit unschuldigem Gesichtsausdruck weg ...
Seufz.
"Ich
muß mich für den jugendlichen Übermut meines
Assistenten entschuldigen",
sage ich. "Er ist jung und
handelt manchmal impulsiv. Und vielleicht behandelt er
manchmal
einen Nutzer nicht mit der nötigen Aufmerksamkeit, aber mit
etwas ..."
"Genug!" schnappt der Chef. "Man
kann es wohl kaum als impulsiv bezeichnen,
wenn er dreimal das
Passwort eines Nutzers in ein Schimpfwort ändert - das ist
eine
geplante Handlung!"
"?" reagiert der PJ,
bevor ich seine Verteidigung übernehmen kann. "Vielleicht
ein
Mißverständnis seitens des PJ", antworte ich.
"Er hat vielleicht gedacht, der Nutzer
habe die Paswort
GEWÜNSCHT - manche Nutzer verwenden eine sehr bildhafte
Sprache,
wenn sie Probleme haben. Er hat sicher angenommen, sie
verwenden
dieses Wort als Passwort und hat es entsprechend
aktiviert."
"Aha? Und wie steht es mit dem Tip, daß
sich MS Office schneller installieren ließe,
wenn man
gleichzeitig alle CD der Entwicklerausgabe in das
CD-Laufwerk
klemmt?"
"Ich ... ich ..." stottere
ich und schaue den PJ entsetzt an.
Was ungefähr dem Ausdruck
entspricht, mit dem er mich anstarrt. Natürlich, er
denkt an
meinen neuen guten Ruf, seine Chancen, alles auf mich abwälzen
zu
können, die 500 Pfund, die sich in Bier auflösen
werden, SOWIE das Gejammere der
Nutzer über unseren Service,
über die gute alte Zeit, in der die Netz schneller
war,
Passworte nur aus einem Buchstaben bestanden und so weiter
.... Gesprächsstoff,
der locker für acht Stunden
ausreicht. Nicht zu vergessen freilich auch seine
Aussichten auf
eine Gehaltserhöhung ...
"Lassen sie mich mit ihm
reden", wende ich mich an den Chef. "Ich werde mich
darum
kümmern ..."
...
"Sie Bastard!" schreit
der PJ, als wir wieder in unserem Büro sind. "Diese
ganze
Mahariji-Geschichte ist absoluter Unsinn! Aber sie werden
sich nicht freuen, denn
es war ausgemacht, daß der Mahariji
das Geld bekommt, also wird der Scheck auf
seinen Namen
ausgestellt."
"Ausgezeichnet!" antworte ich. "Soll
ich ihnen als Entschädigung eines unserer
Pamphlete schicken?
Ich habe gerade eins über die göttliche Aura
fertiggestellt."
"Sie sind der Mahariji?"
"Sie
haben es! Ich habe das Büro dieser New Age-Vegetarier
übernommen,
nachdem sie faule Äpfel oder etwas andere
verdorbene Sachen gegessen und
verschwanden. Und jetzt habe ich
ein narrensicheres Steuerschlupfloch. Mindestens
für ein paar
Jahre! Brillant! Alles was ich tun muß, ist, pro Jahr ein paar
Pamphlete
herauszugeben, für irgendwelche Meditationskurse
werben, einen Riesenverlust pro
Jahr zu produzieren und schon muß
ich keine Steuern mehr zahlen! Es sei denn, die
Beatles würden
sie reformieren ..."
"Auf welchen Namen soll ich also
den Scheck ausstellen?" fragt der PJ und atmet
schwer.
"Auf
die Heilige Gesellschaft von Tfosorcim."
"Tfosorcim?
Microsoft rückwärts buchstabiert?"
"Sie mögen
es? Nun, das ist wie mit der Umkehrung von Evil." (Live -
Leben
[thomas w.])
"Ich hasse sie!"
"Aber
das ist nicht gut für ihre Aura!!!"
Der ICHHASSEDICH-Virus erobert das B.O.F.H.-Land ...
Wir nähern uns der Mittagszeit, als der Chef ins Büro
kommt und mich bei der
Lektüre der Morgenzeitung stört.
Gut, ich habe mich etwas zu lange damit
aufgehalten, mich darüber
zu wundern, welch hohe Farbqualität heute auf billigstem
Papier
möglich ist.
"Dieses Seite 3-Mädchen sind wirklich
so echt aus, daß man meinen könnte, sie
würde vor
uns stehen!" erkläre ich dem PJ, der von seiner Lektüre
der Aktienkurse
hochblickt (der arme Kerl). Irgendwie wirkt nicht
gerade erfreut.
"Ja, ja, ja, das sagen sie beinahe täglich",
antwortet er und widmet sich wider dem
Studium seiner
Kurstabellen. Offenbar mag er diese trockene Morgenlektüre.
"Aber schauen sie sich diese hohe Qualität der
Farbmischung an!" rufe ich.
"Um", unterbricht mich
der Chef. "Wenn sie nicht zu beschäftigt sind ..."
Seine Zurückhaltung ist durchaus angebracht, denn in der
Vergangenheit hat sich
mehrfach gezeigt, daß ich nicht
gerade kollegial handle, bevor ich meinen
vierfachen
Frühstücks-Espresso hatte.
"Ja?"
frage ich freundlich und breche mit der Tradition, um einmal eine
andere
Herangehensweise auszuprobieren.
"Es geht um diese
ICHLIEBEDICH-Geschichte."
"Machen sie sich doch nicht
lächerlich - sie sind nicht mein Typ. Und außerdem
nicht
einmal vom richtigen Geschlecht!"
"Nein, der Virus!"
"HIV? Nun, ich bewundere ihre Ehrlichkeit in diesen
intoleranten Zeiten, aber ..."
"Nein, es geht nicht um
mich, sondern diesen E-Mail-Virus. ICHLIEBEDICH!"
"Oh,
das."
"Ja! Was werden wir dagegen unternehmen?"
"Nun, der PJ und ich haben das Thema ausführlich
diskutiert und glauben nun, daß
wir den Nutzern vertrauen
können, daß sie sich an die einfache Regel
halten,
unbekannte Dateianhänge nicht zu öffnen, so wie
wir es ihnen immer und immer
empfohlen haben."
"Das
ist ja schön und gut, aber irgendjemand wird sich bestimmt nicht
daran halten."
fügt er besorgt hinzu.
"Also
haben sie ihren Arbeitsplatz-PC infiziert?" seufze ich.
"Uh,
nein - den der Sekretärin. Sie wollte, daß ich nachprüfe,
ob es sich um den
Virus handelte."
"Also haben sie
den Anhang geöffent, um ihn zu prüfen?"
"Ja,
nun ..."
"Tatsächlich ... Da scheint unser Windows
2000-Projekt ein erstes Opfer gefunden
zu haben. Ich meine
natürlich ein Testobjekt."
"Gibt es nichts, was
wir tun können?"
"Davon abgesehen, daß man
Dateianhänge nicht öffnen sollte?"
"Äh,
ja."
"Nicht wirklich - eine Neuinstallation ist
einfacher und auch sicherer."
"Oh, könnten sie ein
Rundschreiben dazu vorbereiten, damit wir alle informieren
können?"
"Ich schätze, daß wir das tatsächlich
könnten, doch wir sind noch besorgter über
den
ICHHASSEDICH-Virus und was passiert, wenn wir einen davon
bekommen."
"Der ICHHASSEDICH-Virus? Was ist das?"
keucht er entsetzt.
"Nun, das ist eine Abart des
ICHLIEBEDICH-Virus, nur wirkt er weitaus
zerstörerischer."
"DAS KANN DOCH NICHT SEIN!" schnappt er nach Luft.
"Aber ja. Er sieht aus wie ein einfaches Textdokument, doch
in Wirklichkeit macht er
all den üblichen Kram und noch
einiges mehr. Ist er einmal im Arbeitsspeicher, wird
die
System-Registrierung durcheinandergebracht - gut, das kann Microsoft
schon
lange; nach dem Zufallsprinzip werden Termine aus der
Vergangenheit in ihrem
elektronischen Planer neu eingetragen ...
Und IMMER, wenn sie sich beim System
anmelden, ähm, schickt
er den gesamten Inhalt ihrer Posteingangs- und
Postausgangsordner
an alle Adressen in ihrem Adressbuch - was nicht gerade lustig
ist,
wenn sich darin noch private E-Mails befinden, die sie nicht gelöscht
ha ..."
Hier schnappt der Chef hörbar nach Luft.
"...
ben; und, hmm, er druckt alle Bilder, die er in den Cache-Ordnern
ihrer Browser
findet auf allen verfügbaren Druckern im
Netzwerk aus, was auch recht unangenehm
werden kann, wenn sie in
den letzten zwei Monaten Pornoseiten besu ..."
Raketenschnell
verläßt der Chef unser Büro mit der Absicht
schlimmeres dadurch zu
verhindern, daß er das Netzkabel
zieht, schätze ich.
"Ich nehme an, sie haben ihm eine
Nachricht mit dem Betreff ICHHASSEDICH
geschickt?" fragt der
PJ.
"DREI Nachrichten, um genau zu sein. Und als Anhang habe
ich eine Textdatei mit
der Überschrift ´Zehn Gründe,
weshalb ich dich hasse´ mitgeschickt."
"Welche
Gründe sind das?"
"Nur ´Sie sind ein
Arschloch´ jeweils zehnmal ..."
"Kein Virus?"
"Nein, das wäre zu aufwendig. Besser als jetzt kann es
doch gar nicht werden.
Allerdings ist es bedauerlich, daß er
schon verschwunden war, bevor ich erzählen
konnte, daß
jede neu empfangene E-Mail automatisch mit einer Nachricht mit
dem
Betreff ´Verpiß dich, du Idiot´ beantwortet
wird."
"Das können wir doch später noch
benutzen."
"So ist es! Nun, jetzt müssen wir nur
noch die Inhalte der genannten Ordner aus der
Sicherungskopie an
alle Mitarbeiter im Haus schicken und ein paar Pornobilder an
die
Drucker schicken."
"Also bediene ich mich in
unserem Porno-Archiv?"
"Ähm ... NEIN! Nein, suchen
sie im WWW nach ein paar Schwulenbildern. Wenn die
ausgedruckt
werden, können wir so tun, als hätten wir schon immer
gewußt, was
seine Annäherungsversuche vom Morgen zu
bedeuten hatten."
"Er wird alles abstreiten und
leugnen, daß die Bilder von seinem Rechner stammen!"
"Natürlich wird es das. Aber ´Ich schaue mir nur
normale Pornos an´ dürfte als
Ausrede für die
Geschäftsleitung nicht besonders gut klingen."
...
"Wirklich, das hat NICHTS mit mir zu tun!" jammert der
Chef, als der PJ und ich ihn
aufmerksam mustern.
"Natürlich
nicht." antworte ich freundlich. "Sind sie noch immer
sicher, daß es nichts
gibt, das sie uns sagen wollten?"
"Das sind NICHT meine Bilder!"
"Nein, ich
hatte da an etwas anderes gedacht ..."
"Und was sollte
ich ihnen nach ihrer Meinung sagen?" fragt er verwirrt.
"Nun,
ich hatte GEHOFFT, daß sie sich dafür entschuldigen
werden, daß sie uns bei
der Lektüre der Morgenzeitung
gestört haben und daß das nie mehr vorkommen
wird."
"Ich ..." beginnt er, um mit einem "SIE waren
das!?" zu enden.
"Den Zug können sie nicht mehr
aufhalten!" rufe ich. "Und wenn sie nicht wollen, daß
die
Protokolldateien der Drucker mit dem Namen IHRES Rechners ihren Weg
in das
Postfach unseres konservativen IT-Chefs finden ..."
"Ja!" keucht er und denkt offenbar an seine Aussichten,
wenn der IT-Chef Wind von
einem Gerücht wie diesem bekommt.
"Sie werden hinunter in das Café gehen und einen
vierfachen Espresso für mich
einen doppelten für meinen
Assistenten holen."
"In Ordnung", gibt er
resigniert auf.
"... für die nächsten vierzehn
Tage."
"Ja ..."
Es ist eine dreckige Arbeit,
aber jemand muß sie ja erledigen ...
Der B.O.F.H. heuert auf der
Enterprise an ...
(Die Episode, die nie gesendet wurde.)
"Logboch des Kapitäns, Datum: Neunundzwanzig Punkt Zwei
Punkt
Sechsunddreißig, Vierundzwanzig, Dreiundsechzig,
hhhmmmm hhhhmmm. Wir haben
Probleme mit dem Bordcomputer, also
sind wir durch Zeit und Raum zurückgereist
zur Erde zu Beginn
des 21. Jahrhunderts und haben einen Experten an bord gebeamt,
der
uns bei der Beseitigung der Probleme helfen kann."
...
Also
erwache ich auf dem Raumschiff Enterprise. Und es ist so
offensichtlich, daß
ich träume, daß ich gar nicht
an etwas furchbares denke, das mich aufwachen lassen
würde
(wie zum Beispiel an die Arbeit bei einem Teleshopping-Sender).
Ich
entschließe mich, erst einmal abzuwarten, wie sich die
Sache entwickelt. Natürlich
prüfe ich vorher noch, ob
ich einen dieser senffarbenen hautengen Anzüge trage, falls
es
sich um einen Alptraum handeln sollte.
Zum Glück ist das
nicht der Fall.
"Willkommen an Bord", lächelt Kirk
und läuft mit ausgestreckter Hand auf mich zu.
"Danke,
Kapitän", antworte ich und schaffe es bei unserem
Handschlag, ihm
unbemerkt seine verlockend modern aussehende Uhr
vom Arm zu streifen. "Und ich
kann ihnen gar nicht sagen, wie
sehr es mich freut, diese Uniform zu sehen."
"Wirklich?"
fragt Kirk fröhlich.
"Nein, nicht wirklich. Aber kommen
wir zu ihrem Problem. Wo drückt sie denn der
Schuh?"
"Nun, es hat etwas mit unserem Steuersystem zu tun - immer
wenn wir in einer
Umlaufbahn um einen Planeten kreisen wollen,
scheint das Raumschiff auf einer
Tangente vom Kurs abzuweichen."
"Wie ihre Sendung?"
"Hä?"
"Nichts.
Also handelt es sich um ein Problem mit der Steuerung?"
"Ja.
Ich schätze, es ist ein Kabel locker oder etwas ähnliches."
"Sie haben eine Menge davon, oder?"
"Nein,
eigentlich nicht, wenn ich jetzt daran denke ..." antwortet
Kirk.
"Und es ist sicher auch nicht etwas so triviales, wie
Spock, der ein Tasse Kaffee auf
seiner Konsole umgeschmissen hat,
oder jemand, der während der Hektik einer
Weltraumschlacht zu
oft die falschen Tasten gedrückt hat?"
"Nein, das
haben wir geprüft."
"In Ordnung, und es hat in der
letzten Zeit auch niemand die Programme aktualisiert
oder
geändert?"
"Nein."
"Und was macht
Spock dann mit diesen Disketten?"
"Ich habe versucht,
ein vom Hersteller zertifiziertes Diagnose-Programm zu
installieren,
das die wahre Ursache für die Fehlfunktion auf dem Wege
der
strategischen Elimi ..." plappert Spock los, bevor ich
ihn unterbreche.
"Falls das das Service Pack 6 ist,
verschwinde ich jetzt!"
Nach ein paar vernuschelten
Entschuldigungen stimme ich zu und verspreche, einen
Blick auf die
Maschinen zu werfen ...
"Äh, das ist der
Kaffee-Automat."
"Natürlich ist er das, aber ich
ziehe die holistische Methode der Computer-Wartung
vor - alles ist
mit allem verbunden und reflektiert daher in sich wieder das
ganze
System. Nebenbei, nach einem Espresse kann ich besser
denken."
"Expresso? Uh, wir haben nur Pulverkaffee!"
Es ist wohl doch ein Alptraum.
"... wie meinten sie das
mit der holistischen Methode?"
"Nun, nehmen wir als
Beispiel diesen Automat. Sehen sie den braunen Satz, der sich
in
der Leitung angesammelt hat und anscheinend den Erhitzer blockiert?"
"Ja?"
"Und daraus kann man nun schließen,
daß ihr Steuerprogramm auf eine ähnliche
Weise
blockiert sein könnte."
"Durch Kaffee?"
"Nein, aber durch die Überreste unfachmännisch
ausgeführter Wartungsversuche."
"Es fällt mir
schwer, das zu gl ..."
"Schauen sie sich diesen Ruß
auf den Dilithium-Kristallen an!"
"Das sind keine
Dilithium-Kristalle. Das ist unser Mittagesse - es wurde nur
noch
nicht hydriert!"
"Wenn sie mir jetzt sagen, daß
das Kebab mit Chips sein soll, muß ich mich
übergeben."
... sechs Stunden später ...
"In Ordnung, ich
brauche ein Werkzeug zum Auswechseln des RAMs, ein Kabel zur
Erdung,
einen akustischen Schraubenzieher ..."
"Einen
akustischen Schraubenzieher?"
"Oh, mein Fehler - einen
entmagnetisierten Schraubenzieher mit einem flachen Ende
und einer
integrierten Spannungsanzeige."
"Etwas derartiges haben
wir leider nicht", murmelt Scotty, der mit einer
Werkzeugkiste
anrückt.
"Und wie sieht es mit einem Schweizer
Offiziersmesser und einem Hammer aus?"
"Kein Problem!"
strahlt er.
... zehn Minuten später ...
"So, das
sollte funktionieren", rufe ich und knalle das Gehäuse zu.
Seit ich mit dem
Sandstrahler die Magnetköpfe gereinigt habe,
war das die scheuslichste Arbeit, die
ich je gemacht habe.
"Und
was machen wir jetzt?" fragt Kirk.
"Nun, einfach
starten und sehen, was passiert."
... weitere zehn Minuten
später ...
"Nun, die Steuerung scheint wieder zu
funktionieren", murmelt Scotty und schaut von
seinen
Instrumenten hoch. "... allerdings bekomme ich Meldungen
angezeigt, die vor
der Überhitzung des Navigations-Moduls
warnen."
"Oh, das wird nur das Klebeband sein, daß
vor dem Lüfter hängt. Aber die Steuerung
müßte
funktionieren, es sei denn, wir geraten in einen ..."
"METEORITEN-SCHAUER, das Schiff unternimmt ein
automatisches
Ausweichmanöver!" ruft Spock.
"...
ah, nun, damit müssen sie jetzt selber klarkommen. Wenn sie mich
einfach zur
Erde zurückbeamen könnten, wäre ich
ihnen sehr verbunden."
"Nein, das geht jetzt nicht."
ruft Kirk. "Scotty, alle Energie in die Schubumkehr!!"
"WENN ICH SIE NOCH STÄRKER BELASTE, FLIEGT UNS DER
GANZE
LADEN UM DIE OHREN!" brüllt Scotty aufgeregt.
"Nein, das wird in jeden Fall passieren!" rufe ich,
gehe zum Teleporter und drücke
den Knopf mit der Aufschrift
´Koordinatenumkehr´ ...
...
Was für ein
seltsamer Traum.
Das muß wohl an dieser himmlischen
Weltraumuhr liegen ...
Der B.O.F.H.-Test: Was halten sie von Werbetexten?
Wir alle haben sie schon gesehen, manche haben sie sogar gelesen.
Aber
traurigerweise haben sie seit der weiten Verbeitung von
Gasheizungen keinen
wirklichen Nutzen nutzen mehr ... Nun, der
B.O.F.H. hat einen kleinen Test
vorbereitet, wie sie die
Propaganda gedruckter Werbung interpretieren.
1. Sie lesen in der Werbung eines Programms, das perfekt zu ihnen
passen könnte,
"Läuft auf den meisten kompatiblen
PCs". Dies bedeutet:
A.Das Programm wird auf jedem Rechner mit einem x86er Prozessor
laufen.
B.Es wird auf den meisten x86er Rechnern laufen.
C.Es
läuft unter DOS.
D.Es läuft nicht unter DOS.
E.Es
funktioniert gar nicht.
2. Sie lesen in der Werbung die Phrase: "Entwickelt von
hochqualifizierten
Programmierern".
A.Das Programm wurde durch gleichgesinnte fanatische
Programmierer
entwickelt.
B.Es wurde entwickelt von Studenten,
die nachts und an Wochenenden als
Aushilfen für uns arbeiten.
C.Die Idee wurde von zwei Studenten in einem Thesenpapier
entwickelt und
wir haben es gestohlen.
D.Zwei Abiturienten,
die Visual Basic lernen, haben das Programm
geschrieben.
E.Bei
den Qualifikationen, die wir meinen, geht es um das Jonglieren
und
Country-Tanz.
3. Sie lesen ebenfalls, daß das Programm "kompatibel zu
internationalen Standards"
ist. Das heißt:
A.Das Programm hält sich an aktuelle Standards.
B.Es
erfüllt die meisten Industriestandards.
C.Es erfüllt
einen Standard, den sie gerade selbst entwickelt haben
und
durchsetzen wollen (wie bei Microsoft).
D.Sie haben ihre
eigene Auslegung von Standards, selbst wenn man nachfragt.
E.Das
Verpackungsmaterial wird an ihren Schuhen kleben, wenn sie
darauf
standen.
4. In dem Hochglanzprospekt steht: "vollständig
besetzter weltweiter
Rund-um-die-Uhr-Service", was in
Wirklichkeit bedeutet:
A.Es gibt ein Service-Team in jedem Land, das täglich 24
Stunden im Einsatz
ist.
B.Es gibt ein Service-Team in einem
Land, das täglich 24 Stunden erreichbar
ist.
C.Sie haben
einen vollen Mann für den weltweiten Service angestellt.
D....
und mit ´voll´ meinen sie betrunken.
E.... und er
spricht ausschließlich Hindi.
5. Die Werbung verspricht, daß sie Experten für
"vollständige Fehlertoleranz" sind.
Das bedeutet:
A.Sie haben sehr viel Erfahrung bei der Lieferung von Anwendungen,
die rund
um die Uhr störungsfrei laufen.
B.Sie haben
Erfahrung bei der Nutzung von störungsfrei laufenden
Programmen.
C.Sie wissen, daß eine Woche 7 * 24 Stunden hat.
D.Sie
kennen vollständig fehlerhafte Situationen.
E.... und sie
akzeptieren sie in ihren Programmen.
6. Die Firmenbeschreibung erwähnt, daß sie "stark
im Silicon Valley vertreten" sind,
also:
A.Sie sitzen im Herzen der Computerwelt.
B.Sie lesen die
Computerwelt.
C.Sie haben irgendwann gehört, daß es
Computer in dieser Welt gibt.
D.Es handelt sich um einen
Druckfehler, denn gemeint war DEATH Valley.
E.Der Druckfehler
besteht darin, daß Silicon "Alley" (Gasse [thomas
w.])
gemeint ist - sie haben ihre Firmenzentrale im Hinterzimmer
eines Ladens,
in dem TV-Geräte repariert werden.
7. Großer Gott! Am unteren Ende der Seite steht in großen,
fetten Buchstaben, daß
das Programm völlig kostenlos
ist.
A.Es kostet keinen Pfennig.
B.Es ist eine eingeschränkte
Programmversion.
C.Es handelt sich um eine eingeschränkte
Version, für die der Service
kostenpflichtig ist.
D.Haben
sie erwähnt, daß man sich für 24 Monate vertraglich
binden muß?
E.HOSEN RUNTER und NACH VORN BEUGEN! HIER KOMMT
DER
GROSSE ROTE STACHEL!!
8. "Rufen sie uns jetzt an, wir rufen sofort zurück." Das bedeutet:
A.Sie werden nur anrufen, wenn sie Interesse bekunden.
B.Sie
werden anrufen, wenn sie glauben, daß ihre Botschaft nicht
verstanden
wurde.
C.Sie werden in jedem Fall anrufen.
D.Sie
werden ihren Namen auf die Empfängerliste für Werbung
setzen, um
langsam ihren Widerstand zu brechen.
E.Sie kennen
ihren Namen, sie wissen, wo sie arbeiten und leben - und sie
werden
beim ´Readers Digest´ anrufen!!!
9. "Kann ihre Firma es sich leisten, diese Gelegenheit nicht zu nutzen?"
A.Nein.
B.Keine Ahnung.
C.Ja.
D.Die Gelegenheit, einen
Anruf beim ´Readers Digest´ zu machen?
E.Die Chance,
bei den bewaffneten Ordnungshütern anzurufen, daß sie
einen
Mann gesichtet haben, der einen ´Ich hasse die
westliche
Zivilisation´-Aufnäher auf der Jacke hat, ein
tickendes Paket mit sich
herumträgt und ´Lebend werden
diese kapitalistischen Schweinehunde mich
nie kriegen!´ und
ähnliches murmelt? Nein.
10. "Für weitere Informationen teilen sie uns bitte
ihnen Namen und ihre Adresse
mit." Das bedeutet:
A.Man wird sie über Neuigkeiten informieren, die wichtig für
ihr Geschäft sind.
B.Man wird sie über Neuigkeiten
informieren, die wichtig für IHR Geschäft
sind.
C.Beides, A.) und B.), und zwar noch lange, nachdem sie nicht
mehr bei ihrer
Firma arbeiten.
D.Der Typ aus dem Nachbarbüro
wird demnächst viel Post bekommen.
E.Aber das ist noch gar
nichts verglichen mit der Menge Post, die jeder
Erbsenzähler
bekommen wird, wenn ich ein paar Anrufe gemacht habe ...
Wie bekommen sie nun heraus, wie gut sie sind? Ich weiß
schon, was sie
denken - einige Antworten klingen so ... gleich,
oder? Wenn sie jetzt ja sagen, dann
macht das schon einmal zehn
Minuspunkte für den Anfang!
Im anderen Fall gibt es 0 Punkte
für jedes A (und weitere zehn Minutpunkte, wenn
sie das als
etwas hart empfinden), 2 für jedes B ... 8 für jedes E.
-20-20: Sie haben es nicht verdient, einen Computer zu besitzen.
Es ist schon
verwunderlich, daß sie überhaupt lesen
können. Aber ich habe da ein Angebot für sie:
hochmoderne
1 Megabyte SIMMs, die sie für nur zwanzig Pfund pro
Stück
bekommen können.
21-40: Oder dann wären
da noch die brandneuen 4 Megabyte SIMMs für 50 Pfund je
Stück.
Kein Interesse? Nun, dann besteht noch Hoffnung, aber sie müssen
noch viel
arbeiten.
40-60: Ja, das ist schon besser. So leicht
kann man sie nicht hereinlegen. Gute
Arbeit, aber sie schenken
ihnen noch immer zu viel Vertrauen.
60-80: Ja, so ist es richtig,
das einzige, was diese Typen verdienen, ist eine gute
Krankheit.
Und damit sie diese bekommen, werden sie einen kleinen
scheußlichen
Unfall haben ...
80-100: Sie betrügerischer
Hund! 20 Zusatzpunkte für den Versuch.
100-120: Mein
Vorbild!
Was die drohende Zerschlagung von Microsoft wirklich bedeutet ...
Ich bin mit der Revision der Technik befaßt, was
hauptsächlich bedeutet, daß ich
durch die Büros
marschiere und mir die Rechner der Nutzer anschaue. Das tue ich,
um
mich zu vergewissern, daß das, was die Nutzer WIRKLICH haben,
dem
entspricht, was meine Datenbank ihnen zugesteht.
Keine
besondere Herausforderung, das gebe ich zu ...
Und wie immer
mußte ich dazu früh aufstehen, damit mich die Nutzer nicht
mit ihren
geistlosen Fragen nerven können. (Jeder
Administrator kann nur eine bestimmte
Anzahl von Fragen nach dem
Ändern des Bildschirmhintergrundes, des Passwortes
oder nach
den Helligkeiteinstellungen des Monitors beantworten, bevor er
das
dringende Verlangen verspürt, den Gehaltsscheck des
betreffenden Nutzers dem
Papierzerkleinerer anzuvertrauen.)
Ich
bin damit fertig, die Gehaltsschecks eines Nutzers in den Shredder zu
stopfen
(Eine reine Präventivmaßnahme - die beste
Verteidigung ist noch immer ein guter
Angriff.), als ein
Frühaufsteher hereinkommt und sich darüber wundert, daß
sein
Rechner geöffnet auf dem Tisch steht.
"Ich
prüfe nur, ob ihre installierte Hardware mit dem Inventar
übereinstimmt",
antworte ich auf seine Frage.
"Aber
das haben sie doch erst vor einem Jahr schon einmal gemacht!"
erwidert er
leicht empört.
"Wir machen das einmal
pro Jahr", antworte ich. "Damit können wir alle
Reparaturen
und Erweiterungen, die in den vergangenen Monaten
stattgefunden haben, noch
besser erfassen."
"Nun,
dann hoffe ich, daß es diesmal etwas weniger problematisch
abläuft als im
letzten Jahr. Ich bin mir nämlich sicher,
daß mein Rechner langsamer lief, nachdem
sie ihr
Prüfprogramm ausgeführt hatten."
Seufz.
"Manchmal
entdeckt das Prüfprogramm Unregelmäßigkeiten wie
übertaktete
Prozessoren oder fehlerhaft konfigurierten
Speicher, was möglicherweise zu
Zugriffsverletzungen und
Abstürzen führen kann", erkläre ich ihm. "Und
diese
Fehlerquellen beseitigen wir natürlich."
*
DUMMY-MODUS EIN! *
Natürlich, ich könnte ihm den wahren
Grund nennen - das Prüfprogramm hatte
nämlich WIRKLICH
eine Unregelmäßigkeit gefunden. Der betreffende
Rechner
verfügte über 64 Megabyte Arbeitsspeicher,
obwohl 32 Megabyte auch ausreichend
sind. Und kaum hatte ich diese
Fehlkonfiguration ausgemacht, war sie auch schon
beseitigt. (Ich
habe mein Leben eben dem Wohl der Nutzer gewidmet - man könnte
mich
auch Vater Theresa nennen.)
"Oh. Na gut, und wann werden sie
ihren Test beenden?"
"Ich bin gleich fertig",
antworte ich fröhlich und unterdrück ein kurzes Gefühl
der
Reue, als die letzten Überreste seiner Gehaltsschecks im
Schlitz des Todes
verschwinden. "Ich muß nur noch das
Gehäuse zusammensetzen, dann können sie
wieder mit ihm
arbeiten!"
"Wie sie gerade hier sind, kann ich ihnen
eine Frage stellen?"
"Aber selbstverständlich!"
"Nun, ich habe einiges über die Zerschlagung von
Microsoft gehört - wird sich das
auf meine Programme
auswirken?"
"Sie meinen, ob die Umstrukturierung bei
Microsoft die installierten Programme
beeinflussen kann?"
"Genau."
Mein Gewissenbisse wegen der Schecks lösen
sich schneller in Luft auf, als eine
Herstellergarantie beim
Übertakten eines Prozessors.
"Nun, das ist nicht
einfach zu beantworten. Der Richterspruch besagt ja, daß
Microsoft
zu mächtig geworden ist und begonnen hat, den Markt
zu
monopolisieren - irgendwie ist das wohl eine Art offizieller
Witz der US-Regierung."
"Ähm?"
"Nun, erst laden sie die Menschen
ein, eine große Firma aufzubauen und große
Steuerbeträge
zu zahlen. Und wann das dann geschieht, erklärt die Regierung,
das
sei schlecht und fordern die Aufgabe der Geschäfte oder
weniger Druck auf die
Konkurrenz."
"Aber hat
Microsoft nicht unfaire Geschäftspraktiken angewandt?"
"Das Wort ´Geschäft´ macht den Begriff
´unfair´ in diesem Satz überflüssig."
"Sie klingen, als seien sie damit EINVERSTANDEN!"
"Ich
kann Microsoft nicht ausstehen, um ehrlich zu sein. Doch darum geht
es gar
nicht. Sie wollten wissen, ob ihr Rechner davon beeinflußt
werden kann."
"Ja."
"Unglücklicherweise
könnte das wirklich geschehen. Wegen der Zerschlagung der
Firma
wird es zu Limitationen bei der Größe der Dokumente, die
sie mit den
Programmen erstellt haben, kommen. Doch eigentlich
sollte sie das nicht besonders
stören - sofern sie keine
Dokumente haben, die größer als 20 kb sind."
"Aber
die MEISTEN meiner Dokumente sind größer - ich bin für
die
Einstellungsverträge zuständig."
"Wirklich?"
(Die Sache wird besser und besser.) "Es könnte passieren,
daß sie pro
Dokument nur eine Seite zu einem Zeitpunkt
bearbeiten könnten. Vielleicht nur eine
einzige Seite."
"EINE SEITE! All meine Dokumente sind länger als eine
Seite. Was soll ich nun
tun?"
"Nun ... Ich weiß
nicht recht, ob ich ihnen das sagen darf ..."
"Oh,
bitte! Ich käme um, wenn ich all meine Dokumente aufteilen
müßte."
"Nun ... Gut, ich glaube, ich kann
es ihnen sagen. Sie müssen die Dokumente
DELIMITIEREN."
"Wie geht das?"
"Wechseln sie einfach ins DOS
und tippen sie DEL *.* ein."
"HEY! Wird das die Dateien
nicht löschen?"
"Nein, das Löschkommando
heißt REM wie in remove. Man hat das schon vor Jahren
geändert.
Sie haben offenbar viel zu lange mit Windows gearbeitet."
"Oh."
schluckt er.
"Und wenn sie gerade dabei sind, wollen sie
vielleicht auch die Dateien der anderen
Nutzer delimitieren. Und
die auf dem Server - ich befürchte, daß
der
Delimitations-Befehl von dem neuen Betriebssystem, das wir am
Nachmittag
installieren werden, nicht mehr unterstützt wird."
"Gut, gut, dann kümmere ich mich gleich darum."
"Ausgezeichnet. Und vielleicht delimitieren sie auch NTLDR
und die boot.ini, und
alle Profiles-Verzeichnisse auf den Rechnern
- nur damit wir auf der sicheren Seite
sind, falls sie nach der
Zerschlagung auch das multinationale Darstellungssystem
aus dem
Basissystem entfernen."
*** DUMMY-MODUS UNWIDERRUFLICH EIN
***
"Ähm, in Ordnung."
Ein Faß voller
Karpfen, eine Angel ...
An den Händen des B.O.F.H. klebt Blut ...
Im Rahmen des Lippenbekentnisses der Firmenleitung zum Arbeits-
und
Gesundheitsschutz wurde jeder, der an einem gefährlichen
Platz arbeitet, dazu
verpflichtet, an einem Auffrischungskurs in
Erster Hilfe teilzunehmen. Und wie das
Schicksal so spielt, wurde
unser Rechnerraum wegen einer kleinen statistischen
Unregelmäßigkeit
bei der Häufigkeit von Arbeitsunfällen als der
gefährlichste Ort im
gesamten Gebäude ermittelt.
Nun,
so sollte es auch sein.
Aber der PJ und ich wurden trotzdem dazu
VERPFLICHTET, an dem
Auffrischungskurs teilzunehmen, was
eigentlich nicht so schlimm ist, wenn man
bedenkt, daß wir
damit auf Firmenkosten einen ganzen Tag durch Abwesenheit
glänzen
können.
Und wir bekommen auch eines glitzerndes
Teilnahme-Abzeichen.
Um es später in der Kneipe zu tragen.
Nachdem wir unsere Kentnisse unter Beweis gestellt haben.
"Ja,
das IST die korrekte Anwendungsweise eines Defilibrators",
informiert unsere
Ausbilderin voller Ruhe den PJ. "Aber er
gehört nicht zu den empfohlenen
Behandlungsmethoden für
gebrochene Arme, und das ist unser eigentliches Thema."
Seufzend löst der PJ seine Hände von dem Spielzeug, das
nun zweifellos unter einem
wirklich starken Energiemangel zu
leiden scheint, wenn ich mir die glühenden
Überreste der
Übungspuppe anschaue.
"Kehren wir zu den gebrochenen
Armen zurück; was ist die beste
Behandlungsmethode für
solche Unfälle?"
"Das kommt ganz darauf an, wie
sie gebrochen wurden ..." antwortet der PJ eifrig.
Offenbar
will der verliebte Streber die Aufmerksamkeit der Ausbilderin am
liebsten
ganz auf sich allein ziehen.
"Ja, das stimmt."
antwortet sie. "Wenn es sich um einen offenen Bruch handelt,
dann
müssen wir ihn anders behandeln, als einen inneren
Bruch."
"Oh. Ich dachte eher über die Frage nach,
ob ich, wenn ich die Tür zugeschlagen
habe und rein zufällig
damit den Arm eines Nutzers gebrochen habe, die Tür noch
einmal
kräftig zuzuwerfen, damit er begreift, was ich von ihm halte.
Etwas in dieser
Art."
"Jaaaa ..." antwortet sie
und entschließt sich, dieses Thema nicht durch weitere
Fragen
zu vertiefen. "Wie auch immer, wir müssen uns darum
kümmern, ob es bei der
Verletzung zu Blutungen kommt oder
nicht. Und ob es nötig ist, diese zuerst zu
stillen."
In der Zwischenzeit hat sich die Gesichtsfarbe des Chefs (auch er
weiß es zu
schätzen, einen Tag lang auf Firmenkosten
seinem Büro fernbleiben zu dürfen)
auffällig
geändert. Er sieht jetzt etwas blaß aus - offenbar ist er
nicht besonders
neugierig auf die Geschichte mit dem Blut ...
Das
beste ist gerade gut genug für ihn.
"Blut, sagten sie",
rufe ich laut. "Geht es dabei um VIEL Blut?"
"Das
hängt wirklich davon ab, welche Organe betroffen sind und wie
schwer sie
verletzt wurden."
"Also könnte das
Blut richtig HERAUSSPRITZEN und ALLES in der Umgebung
treffen,
oder wird es nur einfach aus der Wunde HERAUSRIESELN?"
Der
Chef sieht jetzt aus wie ein Lied von Procol Harum und schwankt
bedenklich auf
seinem Stuhl, was der günstigste Augenblick
für eine Unterbrechung ist ...
"Ich glaube, er braucht
etwas frische Luft", rufe ich und zeige der Ausbilderin
den
Chef.
"Ja. Ja, gute Idee."
"Ich bringe
den Defilibrator!" springt der PJ hilfsbereit auf.
"Das
ist nicht notwendig", erwidert sie. "Er braucht nur eine
kurze Pause und etwas
frische Luft."
Der PJ schluckt
seine Unzufriedenheit herunter, blüht aber sichtlich wieder auf,
als
er dem Chef hilft, sich aus dem Fenster zu lehnen - wobei er
ihm die Geldtasche
klaut. Die frischen Abgase in seiner Lunge
bringen den Chef wieder ins Reich der
Lebenden zurück.
"Wo
ist meine Geldbörse!?!" ruft er, als er formvollendet
seinen Selbsttest
durchführt.
"Hier ist sie",
antwortet der PJ. "Ich habe auf sie aufgepaßt."
Hastig durchwühlt der Chef sie, doch es scheint alles in
bester Ordnung zu sein.
Zehn Minuten später haben wir einen
Verband in Aktion gesehen und sollen nun
paarweise selbst den
Umgang damit üben. Ich habe traurigerweise wohl noch nicht
ganz
begriffen, wie das geht, denn ich wickle die Nase - ich meine den
Verband - so
straff um den Kopf des Chefs, daß der nicht
mehr atmen kann. Und es stimmt
wirklich - ein guter Seemannsknoten
läßt sich nicht einfach wieder öffnen.
Nachdem
der Chef seine zweite Portion frische Luft bekommen hat, geht es
weiter,
um während der blutigeren Phase wieder durch die
Wartezeit auf das Erwachen des
Chefs unterbrochen zu werden.
Seufz.
Am nächsten Tag sind wir frohgemut wieder am
Arbeitsplatz, und ich führe den Chef
durch den Rechnerraum.
Er will über JEDEN blutigen Unfall informiert werden, um
zu
sehen, ob der Kurs auch alle relevanten Themen abgedeckt hat, bevor
er die
Rechnung unterschreibt. Seufz.
...
"Und hier
rutschte der Ingenieur aus und fiel durch die geöffnete
Abdeckung nach
unten, wobei er sich den Arm brach. Zufällig
geschah das genau einen Tag, nachdem
er uns mitgeteilt hatte, daß
wir gar kein Anrecht auf eine Reparatur innerhalb von 24
Stunden
haben ..."
"Ja, ja", murmelt der Chef und macht in
einer Liste, die er mit sich herumträgt
irgendwelche Häkchen.
"Wir werden Warnhinweise an die Wände kleben."
"...
oh! Und hier gab es diese leichten elektrischen Schläge, als das
aufgescheuerte
Stromkabel mit dem Schrank in Berührung kam.
Es gab ein paar Verbrennungen und
etwas Hysterie."
"Gut,
wir sollten vorschreiben, daß jeder, der den Raum betritt und
an den Schrank
will, Isolierhandschuhe tragen muß."
plappert er vor sich hin.
"Ah!" ruft der PJ. "Hier
kletterte der Berater, der sich immer darüber beschwert hat,
daß
er keinen Zutritt zum Rechnerraum hat, auf die Maschine. Und hier
zerbrach er
mit seinem Kopf den Rauchmelder und löste das
Löschgas aus."
"Wirklich - er hat ihn mit seinem
Kopf zerbrochen?"
"Soweit wir das beurteilen können
- er kündigte nach dem Unfall, so daß wir ihn
nicht
mehr befragen konnten."
"Nun, die Berater haben alle
eine Ausbildung in Erster Hilfe, oder? Ich habe eine
Idee! Warum
sollten wir nicht allen von ihnen den Zutritt zum
Rechnerraum
gewähren - das würde die Sicherheit in
diesem Raum wirklich erhöhen!"
ALARM!!!
"Ich
soll sie in meinen Rechnerraum lassen?" frage ich.
"Ja."
antwortet der Chef glücklich über seinen Geistesblitz.
"Nun, ich schätze, daß das wirklich Sinn hätte",
erwidere ich und ignoriere den
ängstlichen Gesichtsausdruck
des PJs. "Sie wären damals bestimmt in kürzester
Zeit
herbeigeeilt und hätten mir mit meinem Finger helfen können,
den ich an einer
scharfen Kante in diesem Schrank geschnitten
hatte ... Oh, sehen sie! Es ist schon
wieder passiert!"
Ich
hole meinen Arm aus dem Schrank und natürlich quillt das Blut
aus einer langen
Schnittwunde heraus.
"Und das",
sage ich und deute auf eine Bodenplatte. "Das ist der Ort, an
dem der
Chef diesmal ohnmächtig wurde in sich >KRACH<
den Zeigefinger brach."
Besondere Zeiten erfordern nun
einmal besondere Maßnahmen.
Zutritt zu meinem Rechnerraum
gibt es nur, wenn man den Notschlüssel für die
Löschanlage
aus meinen kalten, steifen Fingern herausholt.
Der Tag der miesen Laune ....
Ich glaube, ich muß gleich in die Luft gehen. Ich habe
versucht, mich zu beruhigen,
ich habe bis 10 gezählt, und ich
habe ein paar Runden Quake II gegen ein paar
Deppen aus dem
Marketing gespielt, die keine Ahnung haben, weshalb sie immer
gleich
explodierten, wenn ich sie mit einer normalen Pistole treffe.
Aber
es hat nichts gebracht. Ich habe genug! Diese Woche ist einen Tag zu
lang, und
dieser Tag ist heute! Alle nerven mich. Die Nutzer, der
Chef - und sogar der PJ ...
Es begann an diesem Morgen, als ich
eine simple Anforderung für die Anschaffung
ein paar neuer
Fastplatten vorlegen mußte, die den alten Schrott in einem
der
wichtigeren Datenbank-Server ersetzen sollten. Festplatten,
die so alt sind, daß auf
ihrem Gehäuse die Spuren von
Noahs Schraubenzieher zu sehen sind. Und der war
nicht gerade ein
Techniker, wenn man sich den Kabelsalat in dem Rechner
anschaut
....
Wie auch immer, ich habe schnell das Anforderungsformular
ausgefüllt und zum Chef
gebracht, der es genehmigen muß.
"Hier fehlt ein Vergleich mit Konkurrenzanbietern",
sagt er, nachdem er das
Formular überflogen hat.
"Bei
Anschaffungen, die unter 2.000 Pfund kosten, ist es nicht
nötig,
Konkurrenzangebote einzuholen." antworte ich.
"Ja, aber hier geht es um mehrere Festplatten, die mit
Mehrwertsteuer insgesamt ...
2.014 Pfund kosten." erwidert
er, nachdem er ein paar Zahlen in seinen
Taschenrechner gehämmert
und es schließlich geschafft hat, dabei die richtigen
Tasten
zu treffen.
Also stehe ich zehn Minuten wieder in seinem Büro,
nur habe ich diesmal ZWEI
Bestellungen für jeweils die halbe
Anzahl Festplatten dabei.
Und er unterschreibt. Gut, er
marschiert er zur Sekretärin, um mit ihrem Wörterbuch
die
korrekte Schreibweise meiner Bestellung nachzuprüfen.
"Ich
kann nicht glauben, daß sie zwei Bestellungen ausgefüllt
haben, um dem
Einholen eines Konkurrenzangebots zu entgehen",
erklärt er selbstgefällig grinsend,
als er wieder
zurückkommt, um mich wissen zu lassen, daß er sich nicht
so leicht
hinters Licht führen läßt.
Zweifellos
wird seine Selbsgefälligkeit nur solange anhalten, bis er
herausfindet, daß
das Portemonnaie auf dem Schreibtisch leer
ist, seine Kaffeetasse seltsamerweise
beinahe überläuft
und sein Telefonanschluß auf einen
Telefon-Sex-Anbieter
umgeleitet ist.
Ich schnappe mir die
genehmigten Bestellungen und marschiere in die Zentrale
der
Erbsenzähler, um herauszufinden, daß sie sie heute
nicht mehr bearbeiten werden.
(Sie schicken Bestellungen mit der
Morgenpost ab, doch jetzt ist es schon nach
11:00 Uhr.)
Mein
Angebot, die Bestellung selber in die Datenbank einzugeben, wird
abgelehnt.
Es gibt keine Ausnahmen. Regeln sind Regeln.
Aber
das ist in Ordnung, ich kann damit leben. Als ich in mein Büro
zurückkomme,
schwatzt der PJ lang und breit über
Sinnlosigkeiten mit seiner aktuellen Flamme ...
"Ich stimme
dir ja *SO* zu", plappert er in den Hörer und macht mich
mit Gesten auf
eine Warnmeldung auf seinem Monitor aufmerksam, die
den Einsatz eines
Reinigungsbandes für eines der Laufwerke
empfiehlt.
Da ich ein großzügiger Mensch bin, schiebe
ich das Reinigungsband in das Laufwerk
und verschwinde nach unten
zu einer frühen Mittagspause.
Und kaum habe ich mein zweites
Bier bekommen, als eine laute Horde Kauze aus
dem Elektronikladen
am Ende der Straße hereinkommt.
"Und ich habe ihm
gesagt: ´Sie können Debian nicht auf einen
Auto-Computer
portieren - DAS IST KEIN OFFENES SYSTEM´ -
WAAAA HAHAHA!" ruft einer
von ihnen und läßt alle
anderen laut lachen.
...
Ich verziehe mich besser und finde
den PJ noch immer am Telefon sitzen, die
Warnungen des
Bandlaufwerkes blinken nach immer, ein Berater wartet auf
jemanden,
der ihm bei seinem Computer-Problem hilft (zweifellos hat er es
selbst
verursacht), und ein paar Nutzer warten in den Leitungen,
weil die
Nutzer-Betreuung geschlossen Mittagsause macht ...
Etwas
muß geschehen.
Die Nutzer werde ich in Rekordzeit los,
indem ich die Zwei-Wort-Lösung verwende,
die die Worte ´Sex´
und ´Reisen´ beinhaltet (dabei gebe ich mich
als
Nutzer-Betreuung aus, damit ich keine Probleme bekomme), und
widme mich dann
dem Problem PJ.
Ich deute auf die Warnmeldung,
die er seit einer oder mehr Stunden ignoriert hat, und
zeige ihm
den Stecker des Todes, der aussieht wie ein unheimlich wichtiger
Stecker,
was er auch ist. Doch der PJ ignoriert mich.
Was ganz
zufällig auf das Verhalten seines Rechners und seines Telefons
zutrifft,
als ich den Stecker herausziehe.
"Was zum
Teufel ..." legt der PJ los, um sich sofort zu unterbrechen, als
er sieht, daß
ich ihm ein kleines Päckchen reiche. Er
weiß zwei Dinge: (1) die Postabteilung liefert
Pakete nur um
10:00 Uhr und 15:00 Uhr aus und (2) die meisten Pakete sind nicht
mit
leitfähiger Folie verpackt. "Ich kümmere mich
schnell um die Bänder ..."
Problem gelöst, jetzt
bleibt nur noch der störende Berater mit seinem Problem. Als
er
sich mir allein und ohne Unterstützung durch seine
Kollegen gegenübersieht,
entschließt er sich zum
Angriff.
"Ich habe Probleme mit der Installation von NT",
legt er los und zeigt mir ein Blatt
Papier, auf dem er die
´Fehlermeldung´ festgehalten hat. "Es liegt keine
Diskette im
Laufwerk." murmle ich.
"Natürlich
ist KEINE Diskette im Laufwerk!" erwidert er.
Seufz.
"Der
Rechner erkennt das CD-Laufwerk nicht und BRAUCHT daher eine
Diskette
zum Starten." erkläre ich.
"Nein,
braucht er nicht! Vorher ging das auch ohne."
Doppelseufz.
"Es ist ungewöhlich, aber manchmal passiert sowas."
"Sehen sie, ich müßte es doch wissen, ich
installiere diese Sachen jeden Tag!"
"Uh-huh."
seufze ich erneut, doch dann habe ich den rettenden Einfall. "Oh,
welches
Service-Pack ist eigentlich auf der CD?"
"Sechs."
"Aha. Nehmen sie die Version Sieben, dort sind die
CD-Treiber gleich mit in die CD
eingebaut."
"Aber
wie soll das denn funktionieren?"
"Haben sie schon
etwas von vorausschauendem Datenzugriff gehört?"
"Nein?"
"Nun, genau darum geht es, es handelt sich um eine
erweiterte Methode zum Zugriff
auf CDs, die es dem System erlaubt,
die Treiber für die CD vorzuspeichern."
Der glasige
Ausdruck seiner Augen zeigt mir, was ich über die
Glaubwürdigkeit
meiner kleinen Lüge wissen muß.
"Ah ... In Ordnung."
"Helfen sie sich selbst,
in dem silbernen Paket dort drüben sind die CDs ..."
Einen
hohen Schmerzenslaut später fällt ein kleiner
batteriegetriebener Kondensator
zu Boden. Der Chef, immer auf der
Suche nach Abwechslung, eilt herbei.
"Was ist denn hier
passiert?" fragt er mich und ignoriert den Berater der
mit
verwirrtem Blick auf dem Boden sitzt.
"Oh, er ist
voller Begeisterung für die neueste Version von
Solitär
zusammengebrochen, die heute geliefert wurde."
"SIE HABEN EINE BESSERE SOLITÄR-VERSION!" keucht
er - sein Tag scheint
gerettet.
"Ja, die
Installationsdiksetten sind in dem glitzernen Paket dort am Boden.
Ich hatte
noch nicht die Gele ..."
>EEEEEEEEEEEEEE<
Nun, vielleicht ist das doch kein ganz so übler Tag.
Der B.O.F.H. fragt: Wie gefährlich sind ihre Nutzer?
Natürlich, sie sehen wahrscheinlich aufmüpfiger aus als
die hirnlosen Schafe, die sie
in Wahrheit sind - doch kann man
ihnen trauen?
Lesen ihre Nutzer verbotene Literatur?
Versuchen
sie, sich hinter ihrem Rücken weiterzubilden?
Wie kann man
das herausfinden?
Wird der Elektroschocker auch in Zukunft
zuverlässig funktionieren?
Es ist Zeit für einen Test!
Versetzen sie sich in die Rolle eines Nutzers und beantworten sie
diese einfachen
Fragen, um herauszufinden, ob weitere Maßnahmen
an IHREM Arbeitsplatz nötig
sind.
1. Eine MAC-Adresse
ist:
A.ein Laden, in dem es Big Macs gibt.
B.ein Straßenname
in Schottland.
C.etwas technisches.
D.eine Hardware-Adresse
im Netzwerk.
E.etwas technisches, das der System-Administrator
dazu benutzt, daß der
Rechner des Chefs die Verbindung zum
Netz verliert.
2. Sie rufen die System- und Netzwerkbetreuung an, weil der Server
gerade
ausgefallen ist. Sie wollen wissen, wann er wieder
funktioniert. Als Antwort
erwarten sie:
A."In ein paar Minuten."
B."In ein paar Tage."
C."Verpissen sie sich!"
D.Sie rechnen damit, den
Beweis für die Urheberschaft des Ausfalls in ihrer
E-Mail zu
finden.
E.Sie haben den Beweis für die Verantwortung an dem
Ausfall gerade in ihrer
E-Mail gefunden.
3. Die Komponenten in ihrem Laptop sind optimiert für welche Stromart?
A.DC?
B.AC?
C.Was immer der Adapter sagt.
D.Irgendwas
unter 3 Volt.
E.240 Volt Wechselstrom und kein Volt weniger!
4. Sie bringen einen Karton voller Datenbänder mit ihrem
Lebenswerk zum Operator
und bitten ihn, die Daten einzulesen,
damit sie sie sich später auf ihren PC
herunterladen können.
Der Operator erklärt, daß er in eine Stunde damit fertig
ist.
Dies bedeutet:
A.Die Daten stehen in einer Stunde in ihrem Netzlaufwerk bereit.
B.Die Daten liegen irgendwann am heutigen Tag in ihrem
Netzlaufwerk.
C.Irgendwann in dieser Woche sind die Daten in
ihrem Netzlaufwerk.
D.Die Daten liegen für sie bereit, wenn
in der Hölle der Frost ausbricht.
E.Der Mülleimer des
Operators quillt gerade über.
5. Sie riechen Rauch. Sie wissen sofort:
A.Sie sollten den Alarm auslösen.
B.Sie sollten
schnellstmöglich aus dem Gebäude rennen und dabei die
anderen
informieren.
C.Sie sollten ihren Rechner sofort
abschalten, falls die Sprinkler losgehen.
D.Der
System-Administrator unterhält sich mit den Beratern.
E.Der
Mülleimer des Operators muß nicht mehr geleert werden.
6. Das schlimmste Stück Dreck im Gebäude:
A.liegt im Mülleimer vor dem Büro des IT-Chef.
B.sitzt
auf dem Boden außerhalb des Büros des IT-Chefs.
C.sitzt
auf dem Boden im Büro des IT-Chefs.
D.sitzt auf dem
Schreibtisch des IT-Chefs.
E.sitzt im Sessel hinter dem
Schreibtisch des IT-Chefs und telefoniert.
7. Der sicherste Platz für Sicherungskopien ist:
A.das persönliche Verzeichnis im Netzwerk, wie es der
Administrator
empfohlen hat.
B.das TEMP-Verzeichnis, wie der
Administrator gesagt hat.
C.eine ZIP-Disk.
D.(c) oder mehrere
davon und möglicherweise eine CD.
E.der Mülleimer, um
dem Administrator die Arbeit abzunehmen.
8. Es ist gefährlich, den Rechner im eingeschalteten Zustand
unbeaufsichtigt zu
lassen, weil:
A.er in Flammen aufgehen könnte.
B.er ein
Sicherheitsrisiko darstellen könnte.
C.die Festplatte
abstürzen könnte.
D.dadurch Strom verschwendet wird.
E.der Prozessor die Hand des Administrators verbrennen könnte,
wenn er ihn
in der Nacht gegen einen ... ähm, schnelleren ...
austauschen will.
9. Die Sicherheit und die Integrität ihrer E-Mail wird geschützt durch:
A.ihr Passwort.
B.die Firmenpolitik.
C.PGP-Verschlüsselung.
D.Microsofts Streben nach Qualität. Waaaaa ha ha ha!
E.zwei
Biere für den Administrator an jedem Freitagabend.
10. Ein System-Administrator legt ihnen ein Blatt Papier mit
vielen technischen
Begriffen vor ... mit denen sie nichts anfangen
können. Er zeigt auch auf eine
gestrichelte Linie und will,
daß sie unterschreiben.
A.Sie unterschreiben.
B.Sie unterschreiben.
C.Sie
unterschreiben.
D.Sie unterschreiben.
E.Sie weigern sich, das
Papier zu unterschreiben, dann prüfen sie, ob die
Zahlungen
für ihre Lebensversicherung ordnungsgemäß erfolgt
sind.
Wie hätten ihre Nutzer geantwortet?
Meistens A:
Es gibt keinen Grund zur Besorgnis. Ihre Nutzer
sind so einfältig, daß sie sich schon
glücklich
schätzen, wenn sie es schaffen, nicht in die Tastatur zu
sabbern.
Meistens B:
Auch hier ist alles im grünen Bereich.
Möglicherweise sollten sie alle Abonnements
für
PC-Zeitschriften abbestellen, die sie in einem Papierkorb entsorgen.
Nur für den
Fall, daß jemand den Papierkorb gefunden
hat ...
Meistens C:
Auch noch kein Grund für Überreaktionen,
aber sie sollten die Büros nach Büchern
durchsuchen, die
ein 'für Dummies' im Titel haben (nachdem sie die
erwähnten
Abonnements abbestellt haben).
Meistens D:
Hier müssen sie sich wirklich Sorgen machen.
Es könnte sein, daß jemand, der etwas
mehr von Technik
versteht, es durch den Prozeß bei der Bewerberauswahl
geschafft
hat. Sie sollten Nachforschungen anstellen.
Meistens E:
Nein, nein, nein! Sie sollten sich in die Rolle
eines ihrer NUTZER versetzen, und
nicht als Administrator
antworten! Wo waren sie nur mit ihren Gedanken? Also noch
einmal
von vorn!
Lügen, verdammte Lügen und die B.O.F.H.-Statistik ...
Der Paketdienst bringt mir ein Band mit Daten, das - WIE ÜBLICH
- "sehr
dringend" ist. Was bedeutet, daß der Chef
vorbeikommen wird, um zu sehen, was
Sache ist ...
"Was
halten sie von dem Band?" fragt er dann, als er mit
0.000000003-facher
Warp-Geschwindigkeit hereinstürmt, bevor
ich die Gelegenheit habe, das Band vom
Schreibtisch in den
Mülleimer zu befördern.
"Welches Band?"
"Das
Band mit den Daten der Kundenbefragung!" erwidert er. "Mit
sehr wichtigen
Daten für uns. Wir haben dem
Marktforschungsunternehmen 25.000 Pfund dafür
bezahlt, daß
sie für uns eine elektronische Umfrage durchführen, um
herauszufinden,
was unsere Kunden wirklich wollen."
"Gute
Produkte zu einem vernünftigen Preis?" schlägt der PJ
vor.
"Nein, nein", lächelt der Chef herablassend.
"Wir wollen wissen, was die Kunden
sich WIRKLICH wünschen
- Produktfarbe, -name, ob wir es verchromen sollen oder
nicht."
"Unheimlich wichtige Eigenschaften", kommentiere ich
und blicke den PJ mit
rollenden Augen an.
"Ja! Wo könnte
das Band sein?"
"Vielleicht wurde es noch nicht
geliefert." sage ich.
"Nun, ich dachte, ich hätte
den Mann vom Paketdienst gesehen, wie er das Haus
verläßt",
erklärt der Chef und zaubert eine Lieferschein für ein
Paket hervor. "Und er
hat gesagt SIE hätten das Paket
bekommen."
"Ja", springt der PJ ein, der meine
Leidenschaft für das Unterschreiben von
Lieferscheinen nur zu
gut kennt. "... oder vielmehr jemand ... ähm ... der John
Major
heißt. Arbeitet ER eigentlich bei uns?"
"Bei
den Erbsenzählern vielleicht?" schlage ich hilfreich vor.
"Das ist auch unwichtig", erklärt der Chef einmal
mehr und zaubert mit einem
triumphierenden Lächeln ein
weiteres Band hervor. "Für diesen Fall habe ich
mir
ebenfalls eine Kopie liefern lassen!"
Er reicht es
mir und verfolgt mit Argusaugen, was ich mache.
"Machen sie
schon!" ruft er. "Was für Daten sind darauf?"
"Nun, da ich das Band gerade erst bekommen habe, ist das nur
schwer zu sagen",
antworte ich und kann die Neugier des Chefs
nicht verstehen.
"Es ist aber wirklich wichtig!"
plappert er und stellt damit noch einmal für die
KOMPLETTEN
Idioten klar, weshalb er in unserem Büro ist.
"Ja, ja."
murmle ich und schiebe das Band in das externe Lesegerät
meines
Rechners.
Im Normalfall - das muß ich zugeben -
lese ich fremde Datenbänder nur
einmal - indem ich sie durch
die Virenscanner-/Lösch-Kombination schicke (Und
tatsächlich
hat es noch kein Virus durch die soliden magnetischen
Prüfroutinen
geschafft.). WIE AUCH IMMER, wenn ich von dieser
Regel abweiche, so tue ich
das nur, um den Chef wieder
loszuwerden, der uns sonst den ganzen Tag lang mit
seiner
Anwesenheit nerven würde.
Als das Band im Lesegerät
liegt, mache ich eine interessante Feststellung: "Das
Band
ist leer." erkläre ich dem Chef, wobei ich den Ausdruck des
Unglaubens in
seinem Gesicht ignoriere.
"Das kann nicht
sein! Es wurde von einem professionellen Unternehmen
beschrieben!"
"Dann müssen sie Blindenschrift verwendet haben."
"Oder eine Filzstift!" meint der PJ, der sich daran
erinnert, daß ich einmal mit einem
Stift den Anfang von
Bändern mit ´Der Chef ist impotent!´ beschriftet
habe, damit der
Verantwortliche für die Sicherheitskopien
auch einmal etwas zu lachen hat.
"Nun, spulen sie doch etwas
vor, vielleicht beginnen die Daten weiter hinten." ruft
der
Chef aufgeregt. "Vielleicht hatten sie es nicht korrekt
zurückgespult, als sie es
beschrieben."
"Das
kann nicht passieren", antworte ich. "Alle Datenbänder
haben eine Markierung,
die den Beginn darstellt. Wenn nach dieser
Markierung nichts ist, dann ist das Band
leer."
"Aber
.... aber ..."
"Schauen sie mal, ich werde es ihnen
zeigen", sage ich und greife nach dem erst vor
kurzer Zeit im
Müll gelandeten Band, von dem ich noch schnell den
Aufkleber
abziehe, damit der Chef keinen Verdacht schöpft,
und lege es ein. "Hier ist ein Band
mit, ähm, periodisch
auftretenden Lesefehlern, das wir deshalb ausgemustert haben."
Ich starte den Lesevorgang.
"Hier, schauen sie, Daten!"
"Tatsächlich."
"Und der Datenblock
beginnt am Anfang des Bandes. Alles gültige Daten. Nebenbei,
mit
welchem Programm wollten sie denn die Daten auswerten?"
"Oh,
mit diesem Programm", erwidert der und holt eine Diskette aus
der Büchse der
Pandora hervor, die sein Anzug darstellt.
Ich
schiebe die Diskette in meinen Rechner und starte das Programm (ohne
den
üblichen Virentest, da ich das Risiko liebe) und lasse es
auf die Daten auf dem Band
los.
"Nun", rufe ich.
"Wenn wir DIESES Band als Beispiel nehmen, dann sagen die
Daten,
daß ... 68% der Kunden englisches Rasengrün oder
Kobaltblau bevorzugen,
während 11% rötliche oder braune
Farbtöne bevorzugen ... 73% wünschen sich einen
Namen,
der nach dem Englischen klingt, um sich von asiatischen
Produkten
abzugrenzen ... 67% mögen Chrom, wobei 53% davon
die Dominanz dieser
Oberfläche nicht wünschen ... uh,
67% der Befragten gehören zu den
Besserverdienenden und
erstaunliche 83% sagen, daß sie regelmäßig
unsere
Produkte kaufen."
"Das klingt nicht schlecht.
Und tatsächlich die meisten ein höheres Einkommen."
erklärt
der Chef.
"Halt", unterbreche ich ihn und bringe seine
Seifenblasen zum Platzen. "Das ist ein
Band, das ich aus dem
Müll gefischt habe. Die Ergebnisse stellen nur
eine
Interpretation der Binärinformationen auf dem Band dar."
"Ja, aber es ist so genau - das KÖNNTEN die Daten der
Umfrage sein!" antwortet
er.
"Hmmm, und das stimmt
sie nicht nachdenklich?"
"Nachdenklich? Wieso?"
"Nun, wenn eine Umfrage ALLES bestätigt, was sie
ohnehin schon wußten, wieso
sollte man dann Unsummen für
eine solche Befragung ausgeben? Ich zum Beispiel
möchte nicht
in der Haut desjenigen stecken, der die Befragung vorgeschlagen
hat
und dann mit einem Befragungsergebnis wie diesem auftaucht
...."
Der Chef ist plötzlich völlig ruhig.
"Nein", fahre ich fort. "Was sie brauchen, sind
Ergebnisse, die niemand
erwartet - die uns etwas sagen, das wir
nicht wissen! Ähnliche Ergebnisse, aber ein
wenig variiert."
Eine 15 Watt-Birne erleuchtet plötzlich das Gehirn des
Chefs.
"Haben sie noch ähnliche Daten wie auf diesem
Band?"
"Keine Ahnung", murmle ich und blicke zum
PJ. "Was war eigentlich auf dem Band?"
"Leichte Pornographie." antwortet er, der es offenbar
irrtümlich für eines unserer
Archivbänder hält.
"WAS?!?"
"Wir, nun, wir machen Kopien von den
Dateien der Nutzer, bevor wir sie löschen",
erkläre
ich. "Falls sie sich beschweren und hinterher alles leugnen
sollten."
"Ah. Also bräuchte ich milde
Pornographie für die Datenauswertung."
"NEIN!"
rufe ich. "Leichte Pornographie wird nicht funktionieren, die
Ergebnisse
wären unglaubwürdig, wie wir gesehen haben.
Wir brauchen ANDERE Daten. Harte
Pornographie sollte
funktionieren."
"Harte Pornographie?!" fragt er
ängstlich.
"Ja", antwortet der PJ. "Vielleicht
sogar mit Tieren. WENN sie wirklich gute
Ergebnisse wollen, die
ihren Hintern retten ..."
...
Zwei Tage später gibt
der Chef seine Abschiedsfeier (nach dem großen
Porno-Skandal,
der dem großen Umfrage-Skandal folgte, bei dem der
Chef
Ergebnisse präsentierte, nach denen die Kunden
lila-gelblich-glänzende Produkte
mit Namen wie ´Kamakuza´
bevorzugen würden, die reichlich von Leuten mit
niedrigen
Einkommen gekauft würden) ...
"Wie konnten sie das nur
herausfinden?" fragt mich der Chef.
"Nun, ich fürchte,
es war ihr Fehler, daß sie die Dateiendung der Daten, die sie
mit
der E-Mail herumgeschickt haben, bei .mpeg belassen haben."
murmle ich.
Seufz ...
Trotzdem, es war Zeit für einen
Wechsel ...
Der B.O.F.H. schmeckt seine eigene Medizin ...
Diese Episode basiert auf wirklichen Erfahrungen mit einem der
größten
Computer-Unternehmen auf der Welt. Namen und
Firmen wurden geändert, um die
Schuldigen zu schützen
....
...
Ich rufe den technischen Service an und, wie üblich,
lande ich in ihrer
Warteschlange, was eher einer Verurteilung
gleichkommt, wenn man wirklich Hilfe
braucht. Und natürlich
wird man schließlich nicht mit einem Menschen
verbunden,
sondern einem dieser modernen Spracherkennungssysteme,
die bei jedem Betreiber
anders strukturiert sind. Und
selbstverständlich erfordern sie die gleiche Zeit, nur
fühlt
man sich noch ausgelieferter als beim menschlichen Service ...
...
"... wenn sie ein Problem mit einem Softwareprogramm haben,
drücken sie 1-7.
Haben sie Schwierigkeiten mit der Technik,
drücken sie 2-3."
Ich drücke 2 3.
"Leider
konnte ich ihr Kommando nicht verstehen. Bitte geben sie es erneut
ein.
Wenn sie ein Problem mit einem Softwareprogramm haben,
drücken ..."
Langsam drücke ich die 2, dann,
ebenfalls langsam, die 3.
"Willkommen beim Software-Service,
bitte halten sie ihre Kundennummer bereit."
Ich lege auf und
wähle erneut.
...
"Willkommen beim technischen
Service. Wenn sie mit einem Operator sprechen
wollen, drücken
sie jetzt 0-0. Wollen sie dagegen ein ..."
Langsam drücke
ich die 1 und die 7.
"Willkommen beim Technik-Service. Bitte
halten sie die Seriennummer ihres
Rechners bereit. Für ein
Gerät unserer Super-Premium-Serie drücken sie 7-4,
für
unsere Super-Mega-Serie drücken sie 9-9, für
andere Produkte bitte 2-1."
Ich traue der Sache nicht und
warte ab.
"... außer unsere Enterprise-Modell, für
die sie 0-3 drücken sollten."
Langsam betätige ich
0 und 3.
"Bedauerlicherweise ist gerade kein Techniker für
sie verfügbar. Bitte geben sie die
Modellnummer und die
Seriennummer ein, damit wir sie unter der Nummer, die sie
beim
Einkauf angegeben haben, zurückrufen können."
Ich
tippe die vierstellige Modellnummer ein und bin dabei die
Seriennummer
einzugeben, als ...
"Leider wurde diese
Nummer nicht in unserem System gefunden. Gültige
Modellnummern
sind: B101, B102, B103, B104, B1 ..."
Ich lege auf, da ich
merke, daß ich so nicht weiterkomme, rufe erneut an und
drücke
langsam 0-0. Zwölf Minuten lang muß ich
warten und dem Rufzeichen lauschen, bis
jemand meinen Anruf
annimmt. (Von diesen Leuten kann sogar ich noch etwas
lernen.)
"Hallo, Service. Wie lautet ihr Kunden-Referenz-Code?"
"Ähm, 2734278", antworte ich.
"Nein, das
ist ihre Kundennummer, ich brauche ihren
Kunden-Referenz-Code."
Erwidert sie kaltherzig.
"Wie
soll der aussehen?" frage ich, da ich noch nie davon gehört
habe.
"Der Kunden-Referenz-Code besteht aus einer
siebzehnstelligen alphanumerischen
Zeichenkombination, die sie
ganz oben auf jeder Rechnung finden." antwortet sie.
"Ich
fürchte, ich habe gerade keine Rechnung greifbar. Kann ich nicht
meine
Kundennummer benutzen?" frage ich höflich.
"Leider nicht, mein Rechner akzeptiert nur den
Kunden-Referenz-Code." erklärt sie.
"Gut, dann rufe ich später noch einmal an."
Ich
arbeite mich durch einen Stapel von Rechnungen, um herauszufinden,
daß dieser
Kunden-Referenz-Code erst seit zwei Wochen
benutzt wird. Dafür brauche ich ihn
jetzt für alle
Anrufe beim Service. Ausgezeichnet. Ich rufe wieder an.
"BBETA7873884A671F", beantworte ich zehn Minuten später
ihre Frage.
"Ich befürchte, wir haben keinen Kunden mit
dem Referenz-Code
PPECA7873884A671S", erwidert sie.
Natürlich nicht.
"Entschuldigen sie, ich
wiederhole: BRAVO, BRAVO, ECHO, TANGO, ALPHA,
7873884, ALPHA, 671,
FOXTROTT."
"Ah", antwortet sie, wobei ich glaube,
einen leichten Hauch von Enttäuschung zu
hören. "Da
sind sie. Wie lautet ihre PIN-Nummer?"
"Bitte?"
"Ihre PIN-Nummer, die zu diesem Referenz-Code gehört."
"0000", rate ich.
"In Ordnung", antwortet
sie schon etwas verdrießlicher. "Und womit glauben sie,
ein
Problem zu haben?"
"Wir haben eine fehlerhafte
Festplatte."
"Aha. Und wie lautet die Seriennummer der
Festplatte?"
"Ich fürchte, die kann ich ihnen
nicht nennen, da ich dazu ja den Rechner öffnen
müßte,
was der Wartungsvertrag mit ihnen ausdrücklich verbietet."
Antworte ich und
weiß nur zu gut, daß die Götter
gegen mich sind.
"Hmm ... Und unter welcher Nummer erreiche
ich sie?"
Ich gebe ihr die direkte Durchwahl, die sie
widerstrebend aufschreibt. Dann lasse ich
sie die Nummer noch so
oft wiederholen, bis sie wirklich stimmt - so leicht lasse ich
mich
auch nicht hereinlegen.
"In Ordnung, dann werde ich einen
Ingenieur damit beauftragen, innerhalb einer
Woche bei ihnen
anzurufen."
"Innerhalb von vier Stunden, dachte ich."
"Ähm ... Nein, sie sind Premium-Kunde, das bedeutet,
wir reagieren innerhalb einer
Woche."
"Nein, vier
Stunden."
"Nein, eine garantierte Antwortzeit von vier
Stunden haben Premium Direkt-Kunden,
sie sind nur Premium-Kunde."
"Aha. Kann ich ihnen eine außerdienstliche Frage
stellen?"
"Natürlich."
"Kommen
überhaupt viele Anrufer bis zu diesem Punkt?"
"Was
meinen sie?"
"So weit, daß ein Techniker sie
anrufen wird."
"Außerdienstlich?"
"Ja."
"Etwa 3 Prozent. Zwanzig Prozent scheitern an den
Schwierigkeiten des
automatischen Antwortsystems, weitere zehn
Prozent verirren sich in den
verschiedenen Möglichkeiten und
werden möglicherweise verrückt, 13 Prozent
kennen ihren
Kunden-Referenz-Code nicht oder finden ihn niemals. 8 Prozent
finden
ihn, kennen aber ihre PIN nicht, 25 Prozent nennen mir eine
´falsche Telefonnummer´
für Rückrufe und 18
Prozent wollen keine ganze Woche warten und steigen auf den
Premium
Direkt-Tarif um. 3 Prozent werden verrückt und landen in der
Anstalt."
"Haben sie eigentlich irgendwelche
Techniker?"
"So do you have any engineers?"
"Außerdienstlich?"
"Ja, ja."
"Einen. Er lebt in Wales. Wir benutzen das Geld, das wir für
Premium Direkt
bekommen, meistens dazu, einen Vertrag mit einem
anderen Service-Dienstleister
abzuschließen - der gibt uns
einen Rabatt, wenn es weniger als drei Anrufe pro Jahr
gibt. Und
sonst müssen sie eben darauf warten, bis es eine billige
Zugfahrkarte nach
London für den Techniker gibt."
"Und
wieviele Angestellte hat ihr Unternehmen?"
"Außer
mir und dem Ingenieur?"
"Ja."
"Keine."
"Aha. Also kann ich damit rechnen, ihren Ingenieur ..."
"Dave."
"... Dave in der nächsten Woche
kennenzulernen."
"Ja."
"Das war ... sehr
aufschlußreich."
Ich fühle mich wie ein Anfänger.
Kauft niemals einen PC von diesem Bastard ...
Ich bin auf der Tottenham Court Road und blicke durch ein
Schaufenster auf ein
überteuertes System, als ich einen
unserer früheren Nutzer in dem Geschäft sehe.
Nun, wenn
ich von einem "Nutzer" spreche, meine ich jemanden, der
mich mit Sätzen
wie: ´Der Rechner muß defekt
sein.´, ´Das kann ich ja viel besser erledigen.´
nervt.
Jemand, der noch immer einen Zweifarbmonitor als moderne
Erfindung empfindet.
Und er hat mir Löcher in den Bauch
gefragt, die er, der kaum weiß, wie er eine
Tastatur
bedienen muß, aus einem mit Lesezeichen
versehenen
Computer-Käufer-Magazin hatte. Wie auch immer,
Gelegenheiten wie diese sind
nicht gerade häufig, also
springe ich in den Laden.
"KANN ich ihnen behilflich sein?"
frage ich und lächle dabei so unterwürfig, wie er
das
zweifellos von einem Computerverkäufer erwartet.
"Ja,
können sie mi ... Oh, Simon, sie sind es? Ich habe gehört,
daß man ihnen
gekündigt hat - jetzt müssen sie für
ihren Lebensunterhalt wohl richtig
ARBEITEN?" grinst er
selbstgefällig.
"Ja, wissen sie, manchmal muß man
eben von vorn beginnen", murmle ich unterwürfig
mit dem
gesenktem Blick eines Verkaufsprofis.
"Und jetzt arbeiten
sie HIER?" fragt er und mustert den Laden mit kritischem
Blick,
wobei er ein hämisches Grinsen aufsetzt.
"Nun,
man tut eben, was man kann." murmle ich.
"KANN ich
ihnen helfen?" mischt sich ein echter Verkäufer ein, der
das
Computer-Magazin entdeckt hat, das mein ehemaliger Kollege mit
sich herumträgt.
"Nein, danke ... ähm ... Ahim",
antworte ich mit einer Überdosis Vertraulichkeit im
Tonfall,
die ihn überzeugt. Seinen Namen lese ich dabei von seinem
Anstecker ab.
"Ich kümmere mich schon um die Kunden."
"In Ordnung, melden sie sich, wenn ich ihnen helfen kann",
murmelt er und
verschwindet.
"Wird gemacht." rufe
ich ihm fröhlich hinterher, um mich sogleich wieder meinem
Opfer
zu widmen. Ich meine natürlich, meinem Kunden. Wo war ich nur
mit meinen
Gedanken?
"Manchmal ist das ein ziemlich
aufreibendes Geschäft", sage ich meinem
Kunden - George,
hieß er, wenn ich den Adressaufkleber auf der Rückseite
seines
Computer-Magazins richtig deute. "Nun, was kann ich
denn für sie tun? Wollen sie
sich einen Computer kaufen?"
"Nein, nicht für mich", antwortet er ausweichend -
unwillig, mir sein Herz
auszuschütten - und blickt zu einer
etwa gleichaltrigen Frau, die ebenfalls im Laden
ist. "Alice
wollte ein wenig über PCs wissen, also haben wir uns
entschlossen, uns
einen anzuschaffen, und ich werde ihr dann
beibringen, was ich weiß."
Es ist schwer zu
entscheiden, aber ich schätze, daß Alice WIRKLICH
begeistert
sein wird, ihm dabei zuzuschauen, wie er immer die
falschen Tasten drückt.
"Ausgezeichnet. Also, sie haben
schon einiges über Computer gelesen, wie ich
sehe? Sie wollen
einen solchen Kauf nicht überstürzen."
"Nein,
nein. Diese Zeitschrift bekomme ich schon seit einigen Jahren. Man
muß sich
ja über den technischen Fortschritt
informieren ..." gibt George scharfsinnig zu.
"Ein
guter Vorsatz", antworte ich. "Nun, wofür haben sie
sich entschieden?"
"Ein Pentium III mit 733 Megahertz,
128 Megabyte RAM, 18 Gigabyte Festplatte,
Windows 2000, Microsoft
Office, ein 56K Modem, einen Farbtintenstrahler und ein
internes
ZIP-Laufwerk", plappert er los und liest die einzelnen Posten
von der
handgeschriebenen Liste ab, die er aus dem Magazin holt.
"Pentium III. Wirklich? Nun, ich SCHÄTZE, sie wissen,
was sie tun."
"Wie meinen sie das?"
"Sie
haben doch sicherlich gelesen, daß der Pentium IV schon fertig
ist."
"Ja."
"Nun, der Preis für
einen Pentium III-Prozessor wird erheblich fallen, wenn der
Pentium
IV in den Handel kommen. Ganz besonders, wenn ..." - ich blicke
mich
verstohlen um - "... die Öffentlichkeit
herausfindet, daß das zwei
aufeinandergesetzte Pentium
II-Prozessoren sind."
"Wirklich?"
"Natürlich
- dafür werden ja all die zusätzlichen Beinchen
gebraucht!!"
"Aber sie verkaufen den Pentium IV noch
nicht!"
"Nein, aber sie KÖNNEN sich selbst auf
eine Aufrüstung vorbereiten."
"Wie denn?"
Wieder schaue ich mich vorsichtig um, als hätte ich ein
großes Geheimnis zu hüten.
"Nun, sie kaufen
einfach einen aufrüstbaren Pentium II und dann, wenn der
Pentium
IV im Handel ist, löten sie einfach einen weiteren
Pentium II auf den anderen
Prozessor. Aber es muß sich
unbedingt um einen aufrüstfähigen Pentium II
handeln
...."
"Warum kann ich das nicht schon jetzt so machen?"
"Weil die Betriebssysteme das noch nicht unterstützen!"
"Oh, natürlich!"
"Jetzt hätten wir
nur noch eine Sache, die mich nachdenklich stimmt. Weshalb
wollen
sie kein Diskettenlaufwerk für ihre Sicherungskopien?"
"Ich habe doch das ZIP-Laufwerk!"
"Ja, die sind
gut - aber oft werden sie zusammen mit dem Rechner gestohlen.
Deshalb
empfehlen wir die normalen Disketten."
"Aber für
18 Gigabyte brauche ich ..."
"Rund 180
Diskettenpäckchen, ja. Oder 18 ZIP-Disks. Was kann man wohl
leichter
stehlen?"
"Die ZIP-Disks!" ruft
George.
"Wogegen die normalen Diskettenschachteln den
Bösewicht nur abschrecken
würden."
"So
habe ich das noch nie betrachtet."
"Da geht es Menschen
wie Leuten. Es ist nämlich so", füge ich hinzu und
schaue
mich wieder sorgfältig um. "Es ist nämlich
so, daß die meisten Verkäufer tatsächlich
versuchen,
den Kunden Disketten auszureden ..."
"Wieso?"
"Nun, ich will keine Namen nennen", antworte ich. "Aber
mit der
´GARANTIE-URKUNDE´ für das ZIP-Laufwerk
bekommen die ihren Namen und
ihre ADRESSE."
"Sie
meinen, sie steh ..."
"Nein, das habe ich nie
behauptet!" rufe ich. "Aber ich schreibe NIEMALS
meine
richtige Adresse in solche Formulare."
"Das
stimmt! Aber der Rest von dem, was ich will, ist in Ordnung, oder?"
"Nun, das 56K-Modem ist ein wenig ... nun ..."
"Was?"
"Oh, es wird auf sie sicher nicht zutreffen, aber, nun,
EINIGE Modems haben
eingebaute Pornographie-Detektoren, die nachts
Kontakt zu kostenlosen
Rufnummern aufnehmen, um die Regierung
darüber zu informieren, daß sie ein Pornos
anschauen."
"Sie machen Scherze!"
"Ich wünschte, es
wäre so. Diese Detektoren werden seit den
38K-Modems
eingesetzt."
Etwa hier fühle ich mich wie
ein richtiger Hund, aber dann erinner ich mich an sein
Gejammer.
"Sagte ich 38K?" rufe ich. "Ich meinte natürlich
19K! Aber man sollte da lieber ganz
sichergehen, also ein 9.600er
Modem nehmen. Und das beste an der Sache ist, daß
diese
Ausstattung praktisch nichts mehr kostet - Pentium II,
Disketten,
9K-Modems ..."
"Ich bin wirklich froh,
daß sie mich beraten", erklärt George. "Wie wäre
es, wenn sie
mir nun einen verkaufen?!"
"Momentan
bin ich leider nur als Berater eingestellt, aber ich werde einen
Verkäufer
über ihre Wünsche informieren."
antworte ich hilfsbereit.
Blitzschnell eile ich davon, um Ahim zu
suchen.
"Hallöchen, mein Freund sammelt veraltete
Technik und sucht nach Bestandteilen,
um ein Modell
zusammenzubauen, daß den Stand der Computertechnik zum Ende
der
90er Jahre widerspiegelt. Könnten sie ihm dabei helfen?"
Ich habe den Satz noch nicht ganz beendet, da ist Ahim schon
verschwunden und
denkt offensichtlich an die Prämien, die er
von seinem Chef bekommt, wenn er den
Müll, den selbst
Touristen nicht mehr kaufen, losschlagen kann.
Meine Arbeit hier
ist getan - ich warte noch bis der Einkaufswagen voller Schrott
im
Wagen von George verschwunden ist und lenke meine Schritte dann
im Licht der
untergehenden Sonne auf eine Kneipe, um ein
Belohnungs-Bier zu trinken.
Das Leben ist süß, aber
Rache - noch viel mehr.
Der B.O.F.H. will es wissen: Sind sie ein guter Ingenieur?
Sie glauben also, von Hardware einiges zu verstehen? Und sie
glauben auch, sie
KÖNNTEN sich mit den großen Geistern
der Computer-Reparatur-Branche messen
und ungeschoren davonkommen?
Nun, es wird Zeit für einen Test!
1. Sie hören laute Knattergeräusche aus der
Belüftungseinheit einer Maschine, die
sie betreuen. Eine
gelbe LÜFTER-Diode an der Vorderseite des Rechners
leuchtet
hell. Intuitiv spüren sie:
A.Ein Lüfter ist kaputt, ein andere Lüfter wird bald
ausfallen.
B.Ein Lüfter ist kaputt, und ein weiterer Lüfter
kann bei einem späteren
Wartungstermin repariert werden.
C.Ein Lüfter muß geschmiert werden, ein anderer muß
ausgewechselt werden.
D.Der gestoppte Lüfter ist in den
standby-Modus übergegangen, während der
andere noch
läuft, so daß es keinen Bedarf für eine Reparatur
gibt.
E.Möglicherweise verursacht ein Diagnoseprogramm
dieses Verhalten.
2. Es ist 23 Uhr, sie liegen im Bett und bekommen einen Anruf
wegen einer
fehlerhaften Festplatte. Sie antworten sofort:
A.Bin gleich mit einer Ersatzfestplatte da.
B.Bin gleich da,
doch möglicherweise brauche ich noch eine Ersatzfestplatte.
C.Ich schaue am Morgen bei ihnen vorbei, da wir im Moment
keine
Ersatzfestplatte im Lager haben.
D.Ich glaube, sie haben
die falsche Nummer gewählt. Hier ist Daves Minitaxi.
E.Ein
anderer Auftrag beschäftigt mich gerade außerhalb der
Stadt - mein
Telefon wird umgeleitet. Ich komme irgendwann in der
nächsten Woche
vorbei und bringe die Rechnung für die
Anrufumleitung gleich mit.
3. 24 x 7 x 4 bedeutet:
A.24 Stunden an 7 Tagen in der Woche Reparatur innerhalb von 4
Stunden.
B.24 Stunden an 7 Tagen in der Woche Rückruf
innerhalb von 4 Stunden.
C.24 Stunden an 7 Tagen in der Woche 4
Stunden Wartezeit bis zu einer
Rückmeldung.
D.C., dann
noch einmal 4 Stunden Wartezeit, bis sie aus dem Bett
aufgestanden
sind.
E.24 Tage Reparaturzeit, noch 7 Minuten bis ihr Vertrag
endet und 4 Stunden
Wartezeit, bis jemand den Anruf beantwortet.
4. Sie werden beauftragt, eine Maschine zu warten, wie sie sie
noch nie gesehen
haben. Sie wissen nicht einmal, was die Maschine
eigentlich macht.
A.Sie erklären dies ihrem Kunden und rufen einen anderen
Ingenieur herbei.
B.Sie erklären dies ihrem Kunden.
C.Sie
schauen sich die Handbücher an.
D.B., dann C..
E.Holen
den Schraubenzieher heraus - WIRD SCHON NICHT SO SCHWER
SEIN!
5. Nachdem sie eben mit E. geantwortet haben, bauen sie die
Maschine wieder
zusammen, wobei eine Kiste voller Einzelteile
übrigbleibt. Doch das grüne Licht
leuchtet auf, wenn sie
den Netzschalter drücken.
A.Sie schauen sie jetzt die Handbücher an und bauen die Teile
noch ein.
B.Sie lassen ihren Kunden mit den Teilen allein.
C.Sie
verkaufen die Teile ihrem Kunden als Ersatzteile.
D.Sie werfen
die Teile in den Müll.
E.Sie nehmen die Teile mit und bauen
ihre eigene Maschine mit den Teilen auf,
die bei der NÄCHSTEN
Reparatur übrigbleiben.
6. Sie werden alarmiert, weil ein Detektor für die Erdung an
einem ihrer Geräte
anschlägt.
A.Sie prüfen das Netzteil.
B.Sie führen mit einem
Multimeter einen Test durch, um zu prüfen, ob die
Erdung bis
zum Boden funktioniert.
C.Sie nehmen dazu ein Prüfgerät,
das Stromstöße in die Leitung eispeist und
mit einem
Aufkleber gekennzeichnet ist, auf dem steht: 'Nicht
bei
Computer-Technik anwenden'.
D.Sie erklären ihrem
Kunden, daß dieses Gerät nicht mit Detektoren für
die
Erdung kompatibel ist.
E.Sie fixieren mit Klebestoff den
Aus-Schalter für den Alarm, so daß dieser
nicht mehr
ausgelöst werden kann.
7. Sie haben KEINE VER****TE AHNUNG, was mit einem Gerät, das
sie warten,
nicht stimmt.
A.Sie rufen einen bekannten Ingenieur an und fragen ihn um Rat.
B.Sie ersetzen das komplette Gerät.
C.Sie basteln ein
paar STUNDEN daran herum, da ihnen vielleicht ein
Zufallstreffer
gelingen könnte.
D.Sie fummeln an dem Gerät herum, bis
der Kunde den Raum verläßt, dann
packen sie zusammen
und verdrücken sich.
E.D., sie nehmen das Gerät mit und
leugnen dann, daß sie jemals da gewesen
sind.
8. Der Satz ´Keine wartbaren Teile in dem Gerät´ bedeutet:
A.Die Einheit ist nicht durch den Kunden wartbar.
B.Die
Einheit besteht aus Komponenten, die ausgetauscht werden müssen
und
nicht wartbar sind.
C.Für den Kunden besteht große
Gefahr, wenn er das Gehäuse öffnet.
D.Es besteht auch
für den Ingenieur eine gewisse Gefahr, um ganz ehrlich zu
sein.
E.Sie können die Einheit ungesehen austauschen.
9. ´Garantie ERLISCHT, wenn das Siegel beschädigt ist´ bedeutet:
A.Das Siegel garantiert, daß ein Produkt im Betrieb ausfiel
und nicht dadurch,
daß das Siegel beschädigt wurde.
B.Das Siegel garantiert, daß das gesamte System nicht
verändert wurde.
C.Das Siegel verhindert, daß die
Leute neugierig werden.
D.Das Siegel verhindert, daß die
Leute herausfinden, daß ihr teurer 2000
Pfund-Rechner aus
einem kleinen Mikrochip und einem Sack Sand als
Gewicht besteht.
E.C. - deshalb kleben sie es auf alles, das sie in ihrer
Wühlkiste finden.
10. Das Ohmsche Gesetz besagt, daß
A.zwei parallelgeschaltete Widerstände wirken, wie ein
Widerstand mit der
Hälfte des Widerstands der beiden
Bauteile.
B.zwei parallelgeschaltete Widerstände wirken, wie
ein Bauteil mit einem
geringeren Widerstand als jedes einzelne der
beiden Bauteile.
C.es keinen Ersatz für ein Bauteil mit dem
korrekten Widerstand gibt.
D.eine Zange das Problem lösen
wird.
E.zwei parallelgeschaltete Widerstände zum doppelten
Teilepreis
ausgetauscht werden können, um die hohen
Arbeitskosten zu decken.
Nun, wie haben sie geantwortet?
Meistens A:
Sie sind ganz selbstverständlich kein
Ingenieur - das ist ganz offensichtlich. Sie sind
zu ehrlich und
wissen zu viel. Sie müssen gestoppt werden.
Meistens B:
Auch sie wissen zuviel für ihr eigenes Wohl
und das ihrer Firma. Widmen sie sich
ihren akademischen Studien
und lassen sie die reale Welt allein.
Meistens C:
Ehrlichkeit mit gelegentlichen Geistesblitzen. Sie
müssen sich noch etwas
anstrengen, wenn sie in der 'Berechne
jetzt, Frage später nach'-Welt bestehen
wollen.
Meistens D:
Sie haben, was sie brauchen, doch sie wissen noch
nicht, wie sie es anwenden. Sie
müssen diese Fähigkeiten
vertiefen, bis sie den Idealzustand erreicht haben.
Meistens E:
Eine große Anzahl wichtiger Lieferanten
wartet auf sie. Sie haben diese spezielle
Mischung aus
hervorstechender Verantwortungslosigkeit und Ignoranz, die
sie
unbezahlbar machen für jede Organisation, die sie
beschäftigen wird! Gute Arbeit!
Der B.O.F.H. will es wissen: Sind sie ein guter Ingenieur? (Teil 2)
Sie wollen noch immer ein Ingenieur sein, oder? Hat sie die
zwangsläufig
bevorstehende Operation ihrer Hirnlappen nicht
abgeschreckt? Oder der Zwang zum
Tragen von Anzughosen? Nun,
dieser Test sollte ihnen endgültig verdeutlichen, worin
ihr
Schicksal besteht.
1. Sie haben soeben ein fehlerhaftes Teil in einem Kundenrechner
ausgetauscht. Das
alte Teil:
A.schicken sie zurück zum Hersteller, um herauszufinden, was
falsch gelaufen
ist.
B.wandert in ihre Ausschuß-Kiste.
C.wird in den Mülleimer geworfen.
D.bleibt zusammen mit
ähnlich aussehenden funktionierenden Teilen auf dem
Tisch
liegen.
E.wird in einen Sack mit der Aufschrift ´reparierte
Gebrauchtteile´ gestopft.
2. Das Ohmsche Gesetz besagt, daß zwei Widerstände in Reihenschaltung:
A.die gleiche Wirkung haben, wie drei Widerstände mit den
gleichen Werten,
die parallel verschaltet werden.
B.mehr
kosten als ein Widerstand.
C.länger sind als ein einzelner
Widerstand.
D.den Wert haben, der sich aus der Summe der Quadrate
der
gegenüberliegenden Seiten ergibt.
E.mehr Lötzinn
brauchen als ein Widerstand (oder zwei in einer
Parallelschaltung)
und daher für eine höhere Summe abgerechnet werden
könne.
3. "Keine Fragen-Austauschgarantie" bedeutet:
A.Alle fehlerhaften Teile werden, aus welchen Gründen auch
immer, sofort
ersetzt.
B.Ein fehlerhaftes Teil wird - wenn es
fehlerhaft ist - sofort, aus welchen
Gründen auch immer,
ersetzt.
C.Alle Teile, die fehlerhaft und unverändert sind,
werden ohne Nachfrage
ausgetauscht.
D.Wir fragen nicht, um
welches Teil es sich handelt - wir ersetzen einfach
irgendein
Teil.
E.Es ist dem Kunden nicht gestattet, Fragen zu stellen,
wie: "Wann trifft mein
Ersatzteil ein?", "Hallo,
ist dort der Technik-Service?".
4. Neunzig Prozent einer bestimmten Lieferung Festplatten sind
fehlerhaft. Dies
deutet darauf hin, daß:
A.die Einheiten unzuverlässig sind.
B.es zu erhöhtem
Wartungsaufwand mit den Geräten und ihrer Konfiguration
kommen
kann.
C.die Kunden die Festplatten falsch benutzen.
D.Außerirdische unseren Luftraum infiltriert und die
Festplatten zerstört haben
(da die Geräte so gut sind).
E.es eine Verschwörung der Regierung gibt - sie will, daß
man neue
Festplatten mit eingebauten Kontroll-Chips anschafft.
5. Ein Rechner, den sie warten, scheitert ohne ersichtlichen Grund
schon bei der
Diagnose beim Start des Rechners. Das bedeutet, daß:
A.der Fehler irgendwo im BIOS des Teils steckt.
B.der Fehler
in den Diagnoseroutinen steckt.
C.der Rechner - Aber berufen sie
sich dabei nicht auf mich! - defekt ist.
D.sie es versäumt
haben, den Hasenschwanz, der ihr Glücksbringer ist, dreimal
zu
streicheln.
E.sie all die glitzernden Einzelteile ersetzen
müssen, die sie aus dem Gehäuse
gestohlen haben.
6. Ihnen passiert ein Mißgeschick und sie setzen einen
Rechnerraum ihres Kunden in
Brand.
A.Sie entschuldigen sich überreichlich und rufen die
Versicherung ihrer Firma
an.
B.Sie entschuldigen sich dafür,
daß die Technik auf diese Weise ausfiel und
rufen dann die
Versicherung ihres KUNDEN an.
C.Sie erklären ihrem Kunden,
daß er seine Versicherung anrufen soll.
D.Sie leugnen, daß
sie jemals den Rechnerraum betreten haben.
E.C. und stellen ihre
zur Brandbekämpfung aufgewandte Zeit in Rechnung,
verklagen
ihren Kunden wegen der zusätzlichen nervlichen Belastung
und
nehmen sich drei Monate frei, um ihr Trauma zu auszukurieren.
7. Ihre Firma bietet einen ´RUND UM DIE UHR´-Datenrettungsservice an. Das ist:
A.ein an jedem Wochentag rund um die Uhr betreuter Rechnerraum, um
die
Daten der Kunden wiederherzustellen.
B.Firmenpolitik, die
vorsieht, daß ein Datenrettungsversuch nach Möglichkeit
am
nächsten Arbeitstag durchgeführt wird.
C.B., sofern der
Kunde die gleiche antike Technik benutzen, die in ihrem
Rechnerraum
diesem Zweck herumsteht.
D.C., wobei alle Daten auf Bändern
gespeichert sind, die mit einer
Geschwindigkeit von 9 Bit pro
Sekunde gelesen werden.
E.eine Ansammlung von übertakteten
Pentium 80-Rechnern, die auf
Stundenbasis gemietet werden kann.
8. Ein Kunde ruft an und will einen Wartungsvertrag mit ihnen kündigen.
A.Sie nehmen die Information entgegen und beenden sofort den
Vertrag.
B.Sie nehmen die Information entgegen und beenden ihn
nach der vereinbarten
Kündigungsfrist von drei Monaten.
C.B., wobei sie dem Kunden noch eine Rechnung für die
Wartung erstellen, die
ungefähr dem sonstigen Durchschnitt
von 9 Monaten entspricht.
D.Sie schicken dem Kunden ein
Kündigungsformular. Mit der Post. An ihre
Firma. In Peru.
E.D., möglicherweise auch B., dann starten sie einen neuen
Wartungszyklus
am Beginn des nächsten Jahres - wenn sie es am
wenigsten erwarten.
9. Sie kümmern sich um die Rechner eines Kunden, wo die
Dioden, die auf einen
NETZTEILFEHLER hinweisen hell leuchten. Sie
wissen, daß sie kein
Austausch-Netzteil haben, der
Wartungsvertrag sie aber dazu verpflichtet innerhalb
von sechs
Stunden eines zu beschaffen.
A.Sie sorgen dafür, daß ihnen das Ersatzteil geliefert
wird, EGAL wie teuer es
wird.
B.Sagen dies ihrem Kunden und
fragen ihn, ob er mit ihnen leiden kann.
C.Sagen dies ihrem
Kunden und gewähren ihm einen Nachlaß wegen der
Mühe.
D.Sie unternehmen eine ´Vorbeugende Wartung´
bei einem anderen Kunden
und STEHLEN ein Ersatznetzteil.
E.Sie
erklären dem Kunden, daß es sich um einen Diodenfehler
handelt und
klemmen sie ab.
10. Sie warten ein Gerät und stellen dabei fest, daß
das Erdungskabel des Gerätes
verschwunden ist.
A.Sie informieren ihren Kunden und kehren in ihr Büro zurück,
um einen Ersatz
zu holen.
B.Sie sagen ihrem Kunden, daß
das Problem schwieriger sei als erwartet und
holen dann aus ihrem
Büro einen Ersatz.
C.Sie schauen nach, ob der Kunde einen
Ersatz hat, um Zeit zu sparen.
D.Halten sich am Metallrahmen des
Gerätes fest und setzen die Arbeit fort.
E.Sie geben vor,
einen Ersatz dabeizuhaben. Die Erdung wird sowieso
überschätzt,
ist also unnötig. Und wenn sie schon dabei sind, jonglieren
sie
mit ein paar Speicherchips, wenn sie in ihren Nylonhosen über
einen Teppich
laufen.
Bewertung? Auszeichnungen? - Hatten wir das nicht schon in der letzten Episode?
Vertrauen sie mir, ich bin der B.O.F.H.!
Nach ein paar beruhigenden Bieren zum Mittagessen arbeite ich
hart, als das Telefon
bimmelt. Großmütig - denn ich
will, daß das Gebimmel aufhört, damit ich meinen
Schlaf
fortsetzen kann - nehme ich den Hörer ab ...
"Hallo,
ist da die Systembetreuung?"
"Aber gewiß doch!"
rufe ich voll jugendlichem Eifer, der so typisch ist für
einen
Netzwerkprofi nach dem Mittagessen.
"Hm, in
Ordnung. Ich konfiguriere gerade meinen neuen PC und das Handbuch
will,
daß ich die Konfigurationskarte am Ende ausfülle."
"Sie tun WAS?"
"Ich konfiguriere meinen neuen
PC. Mein alter war so langsam, daß der Chef meinte,
ich
könne den nehmen, den er bisher zuhause hatte, wenn ich ihn
selber einrichte."
"Ahhh - sie sollten das aber nicht
tun, ein Privat-PC könnte mit Viren verseucht
sein."
"Nein, nein. Ich habe ihn erst am Morgen mit einem
Virenschutzprogramm getestet."
"Welches Programm haben
sie benutzt?"
"Ich bin nicht sicher, aber ich habe es
im vergangenen Jahr in einem
Diskussionsforum gefunden."
"In
Ordnung, dann ist das vermutlich korrekt - auf welche Rechner im
Netzwerk
haben sie damit bisher zugegriffen?"
"Nur
ein paar Rechner in meiner Abteilung - glauben sie, daß das in
Ordnung war?"
"Hmm. Haben sie Schreibrechte für
die Nutzerverzeichnisse?"
"Ja ..."
"Ah,
gut. Das sollte nicht problematisch sein, würde ich sagen. Nun,
was sollen sie
denn genau aufschreiben?"
"Ich soll
eine MAC-Adresse notieren."
"Hmm. Wir nehmen
normalerweise die nächstgelegene. Wenn ich mich nicht irre,
dann
finden sie die Nummer, wenn sie das Gebäude verlassen und nach
links
wenden, Dann finden sie die Nummer am Eingang des
Restaurants. Springen sie
einfach runter, notieren sie sie sich
und bringen auf dem Rückweg ein paar
Hamburger und einen
dieser neuen Eisbecher vorbei, die sie da bekommen."
"Duh-huh."
"Was wollen sie noch wissen?"
"Hier steht:
´Druckertreiber?´"
"Oh, da müssen sie
Dave fragen, er ist der neue im Rechnergeschäft - aber er
hat
auch Drucker im Angebot."
" ... gut, Dave. Als
nächstes steht hier ´Arbeitsspeicher´ und ´MB´
- soll ich 128
schreiben, wie es beim Start auf dem Monitor
steht?"
"Nein, schreiben sie 32."
"Aber
beim Start steht da etwas anderes!"
"Machen sie sich
keine Sorgen. Ich bin mir sicher, daß wir das bis zum
Morgen
korrigiert haben werden ..."
"Oh, gut.
Ausgezeichnet! Jetzt steht das etwas von einer IP-Adresse. Wie
lautet
meine IP-Adresse?"
"127.0.0.1 - das brauchen
sie für die TCP/IP-Einstellungen im Netzwerk ihres
Rechners.
Benutzen sie das ´Ping´-Kommando um zu sehen, ob es
funktioniert."
"Subnetz-Maske?"
"Ah, das
müßte 0.0.255.255 sein - wir bezeichnen das
als
B-Minus-Subnetz-Maske."
"Hervorragend.
Name-Server-Adresse?"
"*NAME*-Server-Adresse? Steht das
wirklich so in dem Handbuch?"
"Ja, da steht N-A-M-E."
"Ich denke, daß es sich dabei um einen Druckfehler
handelt, da müßte
´SAME´-Server stehen -
das kommt aus dem Englischen. Da nehmen sie die
gleiche 127er
Nummer wie vorhin."
"Warum wollen sie sie dann wissen?"
"Oh, das ist typisch für die Computerbranche. Man läßt
die Kunden unzählige
Kästchen ausfüllen, damit sie
glauben, sie hätten wirklich einen Wert für ihr
Geld
bekommen. Ich habe schon solche Handbücher gesehen, in
denen nach
WINS-Servern und anderem Kram gefragt wurde."
"Ja, das steht auch hier!"
"Oh, mein Lieber,
fragt man auch nach dem DNS-Suffix?"
"JA!"
"Das
´Don´t need Service´-Suffix, wieder eine dieser
verwirrenden englischen
Abkürzungen - ich meine, wer würde
schon zugeben, daß ein Geräte nicht wartbar
ist?"
"Und weshalb steht das dann da?"
"Das habe ich
doch schon gesagt - das wird gemacht, damit die Kunden glauben,
sie
hätten ein besonders wertvolles Gerät gekauft."
"Ich kann kaum glauben, daß diese Leute sowas machen!"
"Das kommt häufiger vor, als man glaubt. Aber könnten
sie mir nun noch ein paar
Angaben für unsere Datenbank
machen, damit wir ihnen besser helfen können, wenn
sie einmal
Probleme mit ihrem Rechner haben?"
"Uh, natürlich."
"Büronummer?"
"302."
"Nummer
ihres Telefons - 4781, oder?"
"Korrekt."
"Name:
Jim Forford?"
"Ja."
"Netzwerk-Anschluß-Nummer?"
"Wie bitte?"
"Die Nummer, die an der Steckdose
steht, in die das blaue Netzwerkkabel
eingesteckt ist ..."
"Oh, ah ... ah ... >KRITZEL< 302-R-1."
"Nein,
das muß die von ihrem Netzkabel sein, die brauchen wir später.
Jetzt geht es
um das BLAUE Kabel. Die Nummer muß muß
ihre Büronummer und ein U enthalten."
"Oh, in Ordnung, hier ist sie - 302-U-4."
"Gut.
Jetzt noch die Nummer ihrer Zugangskarte?"
"Moment ...
>KRITZEL< 301009."
"Steht noch eine Statusnummer
unter der Kartennummer?"
"Ja, Status 1."
"Also
sind sie neu in der Firma?"
"Stimmt. Ich habe vor zwei
Wochen angefangen."
BINGO!
"Gut - jetzt brauche ich
noch die Geheimzahl ihrer Kreditkarte."
"Wofür
brauchen sie die denn?!?!"
"Nun, nur für den Fall,
daß der hochemittierende Magnetstreifen ihre Kreditkarte
den
niedrigstrahlenden Streifen auf ihrer Zugangskarte
überschreibt. Wir brauchen ihre
Geheimzahl, damit der
Computer sie trotzdem in die Firma läßt."
***
DUMMY-MODUS EIN ***
"Oh, ja, natürlich. 4732."
"Hervorragend. Und jetzt brauchen wir noch die Tiefe der
Buchsen der Steckdose, an
der ihr Rechner angeschlossen ist."
"Hä?"
"Ich muß wissen, wie tief die
Löcher in der Steckdose 302-R-1 sind. Damit ihr
Rechner den
Strom bekommt, den er braucht."
"Wie soll ich das
messen?"
"Stecken sie einfach eine Büroklammer in
der Erdungsloch und messen sie, wie weit
sie hineinpaßt."
"Ist das nicht gefährlich?"
"Nein, das
ist doch die Erdung."
"Oh, na gut. Uh ... >HERUMKRAM<
>HERUMKRAM<. Ah, etwa einen halben
Zoll."
"Und
jetzt messen sie die beiden anderen Löcher, während sie die
andere
Büroklammer festhalten."
"In Ordnung. Uh
>HERUMKRAM<, uh, etwas weniger als ein halber Zoll
und
>SCRZZZZZZZZIIIIIISSSSSSCCCCHHHHH<!"
Schnell
wie der Blitz rufe ich den PJ an, der, wie es das Schicksal will,
im
Vermittlungsraum in der dritten Etage schläft ...
"Hier,
ein Neuling in der Probezeit. Büro 302. Abbuchung für den
ATM-Lehrgang, die
Glückszahl ist 4732."
"Bin
schon dabei!" ruft der PJ und läßt in seiner Hast den
Hörer fallen.
Das ist wie eine wohlgeschmierte
Nach-dem-Essen-Maschinerie - perfekt.
Aber jetzt ruft - Morpheus.
Der B.O.F.H. kümmert sich um ein Problem ...
Der Chef hat meine Dienste den Erbsenzählern angeboten, so
daß ich nun einige
Programme auf ihren unter Unix
betriebenen PCs mit den neuesten (und letzten,
wenn es einen Gott
gibt) Versionen aktualisieren muß. Die Versionen, die sie
jetzt
benutzen sind so alt, daß sie vermutlich schon auf der
Arche die Nutzer zur
Verzweiflung trieben.
Und wie das bei
uralter und fehlerhafter Software immer der Fall ist, gibt es
mehr
Klauseln zum Ausschluß der Gewährleistung als
echte Gewährleistung (oder gar
eine Dokumentation), so daß
dies nach einer nervenaufreibenden Schufterei
aussieht.
Ich
hasse das!
Ich biete ihnen an, Linux zu installieren und die
Systeme für sie zu konfigurieren,
aber es scheint, als setze
eines dieser dummen Programme zwingend DIESE ganz
spezielle
Version von Unix voraus, so daß es bei einem anderen
Betriebssystem
genau das tut, was die meisten Nutzer machen -
ahnungslos in einer Ecke
herumhocken.
Als ich mir die Lizenzen
für die Programme anschaue, die auszudrucken teurer ist als
die
Programme wert sind, stoße ich auf das Problem, daß sie
nur für eine ältere
Version der Programme gelten und
nicht für die neue Version, der sie beilagen.
Seufz.
Also
habe ich nun die Wahl, ob ich die alten Versionen von den
Sicherheitsdisketten
wiederherstelle, indem ich das einzige
Programm zum Einspielen von Backups nutze,
das installiert ist,
cpio, um dann die Aktualisierung durchzuführen oder die
ganze
Sache vergesse.
Ich bereite mich auf meine Arbeit vor,
als der Chef hereinwatschelt.
"Wie sieht es aus?" fragt
er und versucht, einen Blick auf die Dokumentationen zu
werfen, um
vorzugeben, daß er mehr als eine Silbe in der Minute lesen
kann. "Sieht
verzwickt aus ..."
"Mehr als
schwierig", reagiere ich. "Totaler Müll - die Lizenzen
sind ungültig und die
Dokumentation ist unbrauchbar!"
"Unsinn, das ist nur ein Druckfehler!" ruft er, als ich
ihm die Beweise zeige. "Es muß
sich einfach um einen
Druckfehler handeln!"
Und um mir den Tag noch mehr zu
versüßen, kommt der Nutzer, um dessen PC es
geht,
vorbei, um nach dem Fortschritt zu fragen.
"Geht es voran?"
fragt er nervös.
"Hervorragend!" ruft der Chef.
"Wir können sofort anfangen! Nun, darum kümmern
sie
sich!"
Er verschwindet mit dem Nutzer, um eine Tasse mit
einem Getränk zu genießen, von
dem ich hoffe, daß
es sich um Säure handelt ...
Und ich bleibe zurück und
frage mich, was Lassie wohl tun würde ... Würde sie
die
verdächtig einfache kostenlose Hilfe-Nummer in den USA
anrufen? Würde sie die
hiesige "wertvollere" Nummer
des Verkäufers anrufen? Oder würde sie sich
selbst
entlasten und dann davonwandern?
Also erleichtere ich
mich selbst auf das Gehäuse (natürlich ist der
PC
ausgeschaltet), als der Nutzer in sein Büro zurückkommt
....
Er wirkt etwas schockiert.
"Zum Glück sind sie
da!" rufe ich und improvisiere wie der Teufel. "Schnell,
holen sie
den Feuerlöscher - ich kann es gerade noch in
Schach halten!!!"
Er rennt wie ein Verrückter nach
draußen, und ich nutze die Gelegenheit, die Sache
ein wenig
zu eskalieren, indem ich noch ein paarmal auf das Gehäuse hüpfe
bis es
aufspringt, damit ich die ´schmorenden Kabel´
ausschalten kann.
Als der Nutzer zurückkommt, entleere ich
den halben Feuerlöscher in das
Disketten- und das
CD-Laufwerk, damit es keine ´spontanen Selbstentzündungen´
mehr
gibt.
...
"Nur zur Sicherheit!" erkläre ich
meinem Helfer, als ich das restliche Löschpulver
durch die
Lüfterschlitze in das Netzteil spühe.
"Mein
System!" stöhnt er. "JAHRELANGE Arbeit!"
"Oh,
machen sie sich deshalb keine Sorgen, es ist alles gespeichert."
Beruhige ich
ihn.
"Wirklich?!"
"Nein, wir
hatten keinen Platz. Aber die Festplatte ist ja noch in Ordnung!"
"Meinen sie?"
"Ganz sicher - sie sehen die
Festplatte doch. Kein Kratzer, abgesehen von diesen
Fußabdrücken."
"Welche Fußabdrücke?"
>KNACK<
>KNACK< >KNACK<
"Diese da!"
...
So
landen wir im Büro des Chefs, und er kauft mir die Geschichte
mit dem Feuer
kaum eine Minute lang ab. Auch meine ´Der Hund
hat die Bänder mit den
Sicherungskopien gefressen´-Geschichte
mag er nicht.
"Jetzt sind sie fällig!" ruft er,
greift zum Telefon und tippt die Nummer der
Sicherheitsleute. "Sie
sind so gut wie gefeuert!"
"Gefeuert?!" ruft der
PJ und riecht den Braten. "Das ist ja großartig! Ich kann
mein
Glück gar nicht fassen!"
"Was?" fragt
der Chef.
"Nun, ICH werde den Posten übernehmen! Ich
kann endlich meine eigenen
Entscheidungen treffen! Ich kann die
Systeme abstürzen lassen, wenn ich es will,
kann dafür
sorgen, daß sie keinen Zugriff auf ihre Lieblingsseiten haben,
kann die
Netzwerkverbindungen trennen ..."
Ich
unterbreche den PJ mit einem schnellen >PLATSCH!< bevor er
völlig im Land
des Größenwahns ankommt. Natürlich
sabbert er noch ein wenig bei dem Gedanken
daran, das Leben der
Nutzer nach seinen Vorstellungen zu bestimmen, die
IT-Manager als
die Dummköpfe zu entlarven, die sie sind, und so weiter.
Ein
weiterer Klaps bringt ihn zurück ins wirkliche Leben ...
"Nun, ich glaube, ich war etwas voreilig." meint der
Chef, der jetzt sichtlich nervös
wird, wenn er an den Teufel
denkt, den er ja kennt.
"Nein, nein!" rufe ich, als mir
das geradezu furchterregende Potential bewußt wird,
daß
im PJ steckt. "Ich denke, sie sind mehr als im Recht! Ich bin
eine wandelnde
technische Zeitbombe. Mir kann man keine Technik
anvertrauen! Wie zum Beispiel
ihren Monitor."
"Mein
Monitor?"
>KRACH!<
"Ja!"
"Ein
Unfall", ruft der Chef. "Das kann doch jedem einmal
passieren! Schauen sie!"
>KRACH!< gesellt sich ein
Laptop zu den Trümmern des Monitors.
10 Minuten später
liegt jedes Gerät in Einzelteilen auf dem Boden, da der
Chef
versucht, mir zu beweisen, daß ich kein kompletter und
heimtückischer
Schweinehund bin, sondern nur recht anfällig
für Arbeitsunfälle. Ein Riesenspaß also.
Und noch mehr Spaß macht es, als die Sicherheitsleute, die
von den Geräuschen der
heruntergeworfenen Geräte
alarmiert wurden, hereinkommen, um den Chef dabei zu
sehen, wie er
sein Buchregal umwirft - ein ´Unfall´.
"Zum
Glück sind sie hier!" rufe ich und benutze einen Satz, der
mir in der jüngeren
Vergangenheit sehr dienlich war. "Er
ist völlig ausgerastet! Eine wandelnde
Zeitbombe - eine
Gefahr für sich selbst und andere! Ja, er hat sogar verlangt,
daß ich
in den PC eines Nutzers uriniere!"
Der Rest
ist Geschichte - wie der Chef. Das Heulen, das Zähneknirschen,
die
Dementies - schlimmer als eine Untersuchung gegen einen
Präsidenten.
Am besten holen sich die Erbsenzähler 6
oder 7 Tassen Kaffee. Falls ich diese
Aktualisierung einmal
vollende ...
Der B.O.F.H. wird ausgegliedert ...
"Ausgliederung!" Unser Chef und der IT-Chef glucksen
zufrieden, als sie in unser
Büro watscheln. "Das ist
brillant!"
Seufz.
"Nein, ist es nicht!" rufe
ich, als ich von der Seite mit Aktualisierungen für
Spiele
aufblicke, die gegenwärtig meine volle Aufmerksamkeit
hat. "Wir kennen doch schon
ein paar ausgegliederte Firmen.
Wir müssen ihnen für jeden Anruf eine Riesensumme
zahlen,
sehen sie - wenn überhaupt - einmal in der Woche bei uns, und am
Ende
müssen wir doch jemanden einstellen, der das Problem
dann wirklich löst, da sie
unsere Infrastruktur nicht kennen!
Das ist wie eine Lizenz zum Gelddrucken - nur
nicht für uns!"
"Genau darum geht es ja! Es ist eine Goldmine! Wir können
ein Vermögen machen!!!"
"Ein Vermögen *MACHEN*?!"
"Ja, denn es ist
wohl ziemlich sicher, daß es einige Firmen da draußen
gibt, die die
ihre Dienste und die ihres Assistenten brauchen!"
"Entschuldigung, wollen sie damit andeuten, daß sie
UNS ausgliedern wollen?"
"Ja! Wir verkaufen den
Interessenten die Zeit, in der sie nicht beschäftigt sind.
Sie
wissen schon, die Zeit, in der sie das Internet nutzen."
"In der ich mich über neue Entwicklungen informiere,
meinen sie?"
"Oder über die der Pornographie, wenn
ich mir ihren Assistenten anschaue." bemerkt
der IT-Chef, der
seine Augen nicht von den rosaroten Farbtönen trennen kann,
die
den Monitor des PJs beherrschen.
"Ich überprüfe
gerade unseren Web-Cache, um ihn für die Firma zu
optimieren!"
antwortet der PJ angeriffslustig, als er hinter
einem Bücherregal auftaucht.
"Web-Cache?"
"Ja,
ich untersuche, WIESO der Zwischenspeicher immer voller Bilder statt
voller
arbeitsrelevanter Informationen ist. Wenn ich die
vollständige Liste der Nutzer habe,
die diese Daten
heruntergeladen haben, können wir unheimlich viel
Bandbreite
sparen. UND NOCH WICHTIGER ist, daß wir dann
wissen, wer wie lange während
der Arbeitszeit statt zu
arbeiten sich Pornographie anschaut."
"Ich glaube
nicht, daß das zu ihren Aufgaben gehört." erwidert
unser Chef nervös.
"Ja, auch ich denke nicht, daß
es dafür eine Notwendigkeit gibt!" stimmt der IT-Chef
ihm
zu, der ebenfalls etwas nervös wirkt. "Wir bezahlen sie
beide ja schließlich für
ihre technischen Erfahrungen -
solche Aktivitäten gehören aber nicht dazu. Für
diese
Form der Hexenjagd bekommen sie ihren Lohnscheck jedenfalls nicht!"
Falls da noch Zweifel waren, wer für das Material in dem
Web-Zwischenspeicher
verantwortlich ist, so verpuffen sie jetzt
blitzartig ...
"Und genau darum geht es!" ruft der
Chef, der wieder Morgenluft wittert. "Sie sitzen
hier
beschäftigungslos herum, während wir Gewinne machen
könnten!"
Innerhalb eines Tages kommt eine Vereinbarung
über die Ausgliederung mit einem
alten Freund des IT-Chefs
zustande, bei dem es nur einen schäbigen technischen
Service
zu geben scheint. Der PJ und ich sind komplett gegen diese Idee, bis
wir
herausfinden, daß es sich bei der besagten Firma um eine
Model-Agentur mit freiem
Büfet handelt. Modisch gekleidete
Models brauchen einfach eine professionelle
Betreuung, die nur der
PJ und ich leisten können ...
[Später am gleichen Tag]
"Und da wären wir!" erklärt Brian, unser
neuer Teilzeitchef voller Stolz und deutet
auf eine Ansammlung von
Rechnern und Kabeln, die in einem mehr als warmen Büro
verstreut
herumstehen beziehungsweise -liegen.
"Mit anderen Worten -
ein Schweinestall", sage ich und starre auf die Unordnung
vor
meinen Augen.
"NEIN!" Ein langhaariger Kauz mit mit
wirrem Blick taucht hinter uns auf. "Alle
Systeme sind in
einem hervorragenden Zustand - ich weiß das, weil ich sie
installiert
habe."
"Wenn sie mit ´installiert´
meinen, daß sie sie auf jeder freien horizontalen
Fläche
gestapelt haben, nun, dann war das gute Arbeit. Aber
hier gibt es keine Klimaanlage,
keine Unterbrechungsfreie
Stromversorgung - der gesamte Raum könnte jederzeit
ausfallen!"
erwidert der PJ.
"Ich glaube kaum, daß das ..."
fängt der Kauz an.
"Es ist ja nicht einmal eine
Verriegelung in der Tür!" rufe ich schockiert.
"Jedes
Model, dessen Gesicht dem Hintern eines Schweins
gleicht, könnte mißgelaunt
hereinkommen und die Rechner
einfach ausschalten! Ich bin wirklich verwundert
darüber, daß
noch niemand über ein Kabel gestolpert ist und ein paar
Geräte
mitgerissen hat!"
...
Ein schnelles
"Ups!" vom PJ, der versteckte Hinweise schnell in die Tat
umsetzen
kann, später ist Brian prompt rückwärts
über ein Kabel gestolpert und hat dabei den
Hauptschalter
betätigt, von dem er schwören würde, daß der
vorher noch nicht da
war ...
Den wahren Profi zeichnet eben
eine gewisse Fähigkeit zum Blicken in die nähere
Zukunft
aus ...
Nachdem wir nun unsere technischen Fähigkeiten
bewiesen haben, wechselt auch
Brian schnell auf die Seite der
Guten.
"Großer Gott! Das ist ja eine tickende
Zeitbombe! Alle Informationen über die
Models sind auf diesen
Maschinen gespeichert! Die sind ja ein Vermögen wert!"
"Wir brauchen einen Rechnerraum." erkläre ich.
"Selbstverständlich!"
"Einen Platz, der
gut von der Klimaanlage bedient wird und über
genügend
elektrische Anschlüsse verfügt, kein
normales Büro", schlägt der PJ vor. "Am
besten
einen Raum, in dem wir ein paar hohe Regale aufstellen
können ...."
"Ich glaube kaum, daß wir etwas
derartiges finden werden - wir haben nur drei
Etagen in dem
Gebäude." antwortet Brian.
"Einen Raum mit VIEL
LICHT?" antwortet der PJ. "Damit wir keine Probleme bei
der
Beobachtung der Server haben."
"Nein, ich glaube
ni ..."
"Mit viel PLATZ, damit die Luft gut zirkulieren
kann, falls es Probleme mit der
Klimaanlage gibt ..."
"DER
KELLER!" ruft Brian. "EIN LAGERRAUM!!!"
"Da
könnte es zu Überschwemmungen kommen", wende ich ein.
"Außerdem soll
nicht der ZUTRITT BEGRENZT sein ..."
"DAS FOTOSTUDIO!" ruft Brian, der endlich alle Hinweise
begriffen hat!
"Natürlich!" freut sich der PJ und
atmet so heftig, daß er wohl bald seine Zunge
verschluckt.
"Wieso bin ich nicht auf diese Idee gekommen?!?!"
...
Und am schlimmsten bei einer Ausgliederung ist, daß es nur
ARBEIT, ARBEIT,
ARBEIT gibt!
Kaum sind wir einsatzbereit (es
dauerte etwas länger , bis Brian alle Gerätschaften
die
Treppen hinaufgeschleppt hatte [weil ihm jemand plausibel erklärt
hat, daß die
elektrostatische Aufladung des Aufzugs den
Geräten schaden würde]), werden wir
auch schon zum
ersten Einsatz gerufen. Es gab Zugriffsprobleme, die - kaum sind
wir
da - wieder verschwunden sind, so daß wir wohl noch lange die
Rechner
beobachten müssen, bis das Problem wieder auftaucht.
Zufällig werden gerade
Aufnahmen für einen
Bikini-Katalog gemacht, doch das Problem läßt sich Zeit.
Nun, das ist wohl der Preis, den man zahlen muß, schätze
ich.
Der B.O.F.H. wird ausgesperrt ...
Ich komme zur Arbeit - ausnahmsweise einmal sehr früh - und
will durch die Tür
gehen, als ... nichts geschieht. Es bringt
offensichtlich auch nichts, die Magnetkarte
noch einmal durch den
Leseschlitz zu ziehen. Zu diesem Zeitpunkt wird es nötig,
den
Wachdienst ins Spiel zu bringen. Also schlage ich gegen die
Glasscheibe, um den
Alarm auszulösen, der sie aus ihrem
produktiven Schlaf weckt.
Da ich in der Vergangenheit das eine
oder andere Geschäft mit ihnen gemacht habe,
lassen sie mich
ein, und ich marschiere zu meinem Büro, um festzustellen, daß
ich es
nicht betreten kann. Gemäß Plan B öffne ich
die Notfallbox mit dem Hammer und
schlage die Scheibe ein, um mich
selbst einzulassen.
15 Minuten später kommt der Wachdienst,
um auf den Alarm zu reagieren.
"Die Karte hat nicht
funktioniert", murmle ich und zeige auf das störrische
Ding. "Sie
muß defekt sein!"
"Nein, ich
habe das geprüft, bevor sie kamen. Das Personalverzeichnis sagt,
daß sie
nicht mehr länger bei uns arbeiten ..."
murmelt der Wachmann entschuldigend. "...
was bedeutet, daß
ich sie fragen muß, ob sie ... hm, ob sie einen Kaffee
haben
wollen?"
"Das wäre nett - bitte schwarz
und ohne Zucker."
...
Eine Stunde später kommt ein
Typ aus der Personalabteilung und klärt das Rätsel
auf.
Es scheint so, daß jeder, dessen Vertrag im Juli auslief,
automatisch als
entlassen gilt, wenn der Vertrag (zu besseren
Bedingungen bei höherem Lohn) nicht
bis zum gleichen Tag im
September erneuert wurde.
"Das ist nur ein kleiner
Schwachpunkt im Programm!" werde ich von Fielding, dem
Mann,
der für die Personalabteilung die Nutzerbetreuung macht, obwohl
seine
praktischen Erfahrungen nicht über das hinausreichen,
was man in der Sesamstraße
lernen kann, unterrichtet.
"Und
wann wird das berichtigt?"
"Nun, das ist eine
schwierige Sache - da sie offiziell nicht mehr für uns
arbeiten,
können sie auch keine Aktualisierung verlangen -
wir brauchen einen
entsprechenden Antrag von einem höhergestellten
Mitglied der Belegschaft, das sich
für sie einsetzt ..."
"Höhergestellt in welcher Weise?" frage ich.
"Höher auf der Leiter."
"In der Firma
oder in der Evolution?"
"In der Firma."
"Also
wollen sie, daß mein Chef sie anruft?"
"Uh, wir
brauchen einen schriftlichen Auftrag."
"Und wenn mein
Chef nicht im Büro ist?"
"Sein Chef?"
"Der
macht mit meinem Chef einen Ausflug ..."
"Kennen sie
den Geschäftsführer?" grinst er blöd.
"Nein."
"Nun, dann haben wir irgendwie eine Sackgasse erreicht,
oder?" erklärt er
selbstgefällig. "Und ich
habe keine Lust, Datenbankeinträge zu fälschen."
"Wenn nur alle Mitarbeiter so pflichtbewußt wären."
erwidere ich.
>Klick Klick Klick<
"... da wären
wir, die Datenbank sagt nun, daß ich - und mein Assistent, der
auch als
entlassen geführt wurde - wieder auf der Liste der
vertraglichen Mitarbeiter stehen."
"Nun, bedauerlicherweise kann ich nicht ..."
"Natürlich
können sie nicht." >Klick Klick Klick< "Ohmeingott!
Ich habe gerade
LÖSCHE ANGESTELLTE getippt!"
"Das
ist in Ordnung!" ruft er schnell. "Es passiert nichts, bis
sie BESTÄTIGT
eingeben."
>Klick Klick Klick<
"Gut, ich habe BESTÄTIGT eigetippt, wie sie es sagten.
Und was machen wir
jetzt?"
Er antwortet nicht, sondern
hämmert wild auf der Tastatur herum.
"Ich sagte, sie
sollten NICHT ´BESTÄTIGT´ eintippen!" keucht er
gehetzt. "Wir
müssen das rückgängig machen!!!"
"Das kann man nicht rückgängig machen, es ist
bestätigt!" antworte ich mit
gespielter Angst.
"Die
Sicherungskopie!!!"
"Das geht auch nicht!"
"Wieso
nicht, haben sie etwa keine Sicherheitskopien?!?!"
"Doch,
haben wir, aber nicht für die Datenbanken - das funktioniert
TECHNISCH
nicht mehr!"
"Sie müssen es tun!"
"Nun, ich KÖNNTE da vielleicht etwas machen, aber ...."
"Aber was?"
"Nun, sie arbeiten nicht mehr in
der Firma - TECHNISCH BETRACHTET - also
kann ich ihren Wunsch nach
dem Einspielen der Sicherungskopien nicht annehmen."
"Aber
sie WISSEN doch, daß ich hier arbeite. Fügen sie mich
einfach wieder der
Datenbank hinzu!"
"Ich glaube, da
sind wir wieder in einer Sackgasse angekommen ...." antworte
ich.
"WAS?!?!"
"Nun, ich habe keine Lust,
meinen Arbeitsplatz zu riskieren, indem ich
Datenbankeinträge
manipuliere!"
"ABER DAS HABEN SIE DOCH EBEN AUCH
GETAN!!!"
"Ja, aber da war ich KEIN Angestellter der
Firma - TECHNISCH gesehen. Doch
jetzt bin ich wieder Angestellter
und kann meinen Arbeitsplatz nicht riskieren!"
"Sie
sind ebenso entlassen wie ich!"
"Vielleicht, aber
eigentlich NICHT. Als Vertragsarbeiter stehe ich nicht auf der
Liste
der Angestellten wie sie ..."
"Aber ..."
"Aber ich GLAUBE, wenn ein höherer Angestellter sich
für sie einsetzen würde,
könnte ich ..."
"Mein Chef?"
"Der steht auch auf der
gelöschten Angestelltenliste."
"Sein Chef ..."
"Die gleiche Liste - kennen sie den Geschäftsführer?"
"Nein."
"Nun, damit hätten wir die
Firmenhierarchie überschritten. Versuchen wir es mit
der
Evolution. Haben sie einen Goldfisch an ihrem Arbeitsplatz?"
"Nein."
"Irgendwelche Ratten?"
"Was?!"
"Wie wäre es ... mit dem Assistenten eines IT-Profis?"
"Wer?"
"Mein Assistent zum Beispiel."
"Ja, aber würde der sich für mich einsetzen?!??"
"Vielleicht ..."
"Können sie ihn bitte
anrufen?"
"Ah, ich glaube, wir brauchen eine
schriftliche Bestätigung."
"Ich schreibe sie und
er muß sie dann nur noch signieren!"
"Nun, wir
nehmen es sehr genau mit solchen Bestätigungen ...."
"Was?"
"Sie sollte auf 50 Pfund-Geldscheinen
geschrieben sein. Auf vier Scheinen, um
genau zu sein ..."
"DAS IST ERPRESSUNG!!!"
"Ja, richtig erkannt!
Am besten beeilen sie sich, damit sie die Öffnung
der
Bankenschalter nicht verpassen und aus dem Gebäude
ausgesperrt werden. Oder,
noch schlimmer, bevor man nach ihnen
sucht, da sie als Einbrecher in das Gebäude
gekommen sind
..."
...
20 Minuten und eine Jagd auf einen Einbrecher
später (ich konnte der Verlockung
nicht widerstehen) sind der
PJ und ich ein wenig reicher.
"In Ordnung!" rufe ich,
als Fielding zurückruft. "Die Datenbank ist wieder in
Ordnung
und der Normalzustand widerhergestellt."
"Ich,
uhm", erwidert Fielding. "In Ordnung."
"Keine
Ursache, es war mir ein Vergnügen!" antworte ich und trenne
die Verbindung.
>AKTUALISIERE MITARBEITERSTATUS = 0 FÜR FAMILIENNAME
=
´FIELDING´ UND VORNAME = ´PAUL´<
"Hallo, Wachdienst? Ich glaube, der Einbrecher ist wieder da
...."
>BESTÄTIGT<
Ohne Service kein Ausfall ...
"Ich bin besorgt wegen dieser Computer-Viren, die in den
Netzwerken kursieren!"
plappert der Chef, als er in unser
Büro kommt. Offenbar hat ihm jemand ein aktuelles
PC-Magazin
in die Hände gedrückt, aus dem er seine Weisheiten hat.
"Viren?" frage ich und versuche, den Sinn seines
Besuches zu erraten.
"Ja. Wie diese D.O.S.-Viren."
"Sie meinen diesen Virus, den Microsoft in Umlauf gebracht
hat? Und ich dachte,
daß nur ich etwas davon wüßte!"
"Was?! Nein, die Denial of Service-Viren, die die Rechner
mit Anfragen
bombardieren und sie dann abstürzen lassen."
"Ach so, diese Viren meinen sie. Ja, auch ich mache mir
darüber ein paar Gedanken.
Aber wir haben herausgefunden, wie
man damit fertig wird."
"Und wie geht das?"
"Nun,
wir haben herausgefunden, daß wir, wenn wir keinen Service
haben, uns auch
darüber keine Sorgen machen müssen, daß
er wegen Überlastung ausfallen
könnte ..."
"Bitte?!"
"Ein kleiner Scherz!" lüge
ich. "Aber wir wurden noch nicht Opfer eines
D.O.S.-Angriffs."
"Woher wollen sie das WISSEN?"
"Nun, schauen
sie, ein Ausfall eines Servers wegen Überlastung mit Anfragen
würde
etwa so aussehen."
>KLICK!<
>ZZZZZIIIIIsch ...<
"Was haben sie da eben gemacht?"
"Ich habe den Datenbank-Server der Finanzabteilung
abgeschaltet."
"Wieso?"
"Um meine
Erklärung zu illustrieren. Die Nutzer sind immer die ersten, die
einen
Ausfall bemerken ..."
>Klingeling<
>Klick<
>zzzzZZZZIIIISCH ...<
"Und sehen sie sich all die
Anrufe an, die in der Warteschlange hängen. SO erfahren
WIR,
ob etwas passiert ist."
"Es sei denn, wir sind einmal
nicht am Platz und können die Leistung der Server
nicht
überwachen." fügt der PJ hinzu, der
offensichtlich versucht, einen Vorwand dafür zu
finden, acht
Stunden am Tag nach Pornobildern im Internet zu suchen -
natürlich
ohne die sonst übliche Mittagspause ...
Eine
Viertelstunde später läuft der Server der Finanzabteilung
wieder, aber dem Chef
hat offenbar jemand einen Floh ins Ohr
gesetzt, der sich nun genauer mit der ganzen
Virengeschichte
befassen will.
"Wir haben Antiviren-Programme für
unseren E-Mail-Server und die
Windows-PCs, aber haben wir
eigentlich ein passendes Programm für unsere
Unix-Server?"
"Nein. Die brauchen solche Programme nicht."
"Woher
wollen sie das WISSEN?"
Traurigerweise stellt er sich vor
den Server, so daß ich die Demonstration von vorhin
nicht
wiederholen kann. Denn offenbar hat ihm die erste Vorführung
noch nicht
ausgereicht. Schade ...
"Ich habe keine
Ahnung, wovon sie sprechen."
"Nun, vor Jahren, als ich
ein Unix-Administrator war ..."
Ich schaffe es gerade noch,
den Hinweis, er sei nicht einmal qualifiziert genug, das
ARSCHLOCH
eines Unix-Adminstrators zu sein, herunterzuschlucken, als
er
losplappert ...
"... und da habe ich das Programm
strings benutzt, um verdächtige Vorgänge
zu
identifizieren." endet der Chef schließlich und
fühlt sich sichtlich wohl dabei, daß er
sein
Geheimwissen mit uns teilen kann.
"Strings?" fragt der
PJ und spielt erfolgreich den Dummkopf. "Sie meinen doch
nicht
etwa diese Programme mit nicht nach dev/null umgeleiteten
Ausgaben?"
"?" erwidert der Chef, um sogleich
weiterzuplappern. "Nein, es geht um das
Programm strings."
"Strings ..." sage ich nachdenklich und lasse den Chef
sich im Licht des Triumphes
zu sonnen. "Nein, davon habe ich
tatsächlich noch nichts gehört."
"Und sie
bezeichnen sich als Profis!" ruft er fröhlich aus und reizt
sein angeblich
hervorragendes Wissen aus. "Strings - ein
großartiges Programm, mit dem man
Texte aus Dateien
extrahieren kann. Dann kann man darin nach verdächtigen
Zeichen
suchen."
"Oh, sie schlagen also vor, daß wir die
Texte aus den Dateien extrahieren sollten und
dann nach
verdächtigen Kombinationen suchen?"
"JA!"
antwortet er und strahlt zufrieden.
"Aber was machen wir,
wenn die ein paar triviale Verschlüsselungsmethoden
anwenden,
damit reine Textpassagen nicht im Programm auftauchen?"
"Nun,
offensichtlich gibt es ein paar Programme, die man damit nicht prüfen
kann,
doch um die können wir uns später kümmern,
wenn wir die überwachen, wann die
Dateien geändert
wurden." kontert er, der offenbar einen Text mit dem Titel
"Wi3
Hak3r ihr3n PC ausspäh3n" hat. Etwa im Jahr
1981, schätze ich.
"Gut, aber wonach sollen wir konkret
suchen?" fragt der PJ und setzt sich an die
AIX-Konsole der
Datenbankservers der Finanzabteilung.
"Verdächtige
Zeichen." sagt der Chef und bringt uns damit wirklich weiter.
"Zum Beispiel?"
"Ich weiß nicht.
Verdächtige eben."
"Vielleicht Verweise auf die
Passwortdatei?" schlage ich vor.
"Genau!! Die wollen
Nutzernamen und Passworte stehlen!!!"
"Nein ... nichts
..." murmelt der PJ leise. "Oh, WARTEN SIE, hier ist etwas
in einem
Programm mit dem Namen init. Und hier, noch eins:
cron!!!"
"Diese hinterhältigen Hunde!" rufe
ich und gehe auf das Spiel des PJs ein. "Sie haben
diese
Hintertüren in Programme eingebaut, die der Superuser ausführt
..."
"... und in id, at und atrm!!!"
"Das
ist ja schlimmer als befürchtet!!!" rufe ich. "Was tun
sie, holen sie sich die
Passworte und zeigen Fehlermeldungen?!?"
"Ja, da sind Fehlermeldungen in den Programmen - glauben
sie, daß die genutzt
werden, um die Zugriffe zu
verschleiern?"
"Aber natürlich!" ruft der
Chef begeistert. "So verbergen sie ihre Machenschaften.
Mit
FEHLERMELDUNGEN!!!"
"Uh-oh, ich sehe gerade, daß
das Programm cron gerade ausgeführt wird!!!"
"Stoppen
sie es!!!" keucht der Chef atemlos.
>Klick. Klick<
"Auch ls hat Fehlermeldungen!!!" ruft der PJ, um die
Panik zu steigern.
"LÖSCHEN SIE ES SCHNELL, BEVOR ES
JEMAND AUSFÜHRT!!!"
Und lustig ist es, zu beobachten,
wie lange ein Betriebssystem läuft, wenn man alle
ausführbaren
Programme, die meisten Bibliotheken und ein paar Dateisysteme
löscht.
"JETZT HABEN SIE DAS SYSTEM ABGESCHOSSEN!!!" ruft der
PJ.
"DAS BEDEUTET, DASS SIE AUF EINEN ANDEREN SERVER
GEWECHSELT
SIND!!!" rufe ich, damit der Chef den Braten nicht
riecht ...
Und der Rest der Geschichte ist, wie man so schön
sagt, Geschichte.
Der Chef wurde das Opfer seiner eigenen Waffen.
Ich fühle mich etwas schuldig, doch wenn ich mir überlege,
daß sicher viele freie
Stellen als Unix-Administrator auf
ihn warten ...
Der B.O.F.H. zieht in den Krieg ...
"Es gab in der Nacht ein paar Probleme mit der Firewall",
erklärt der PJ, als ich durch
die Tür ins Büro
komme. "Offenbar hat sie sich während eines
D.O.S.-Angriffs
entschlossen, diesen durch ihren Absturz zu
bekämpfen."
"Es ist doch immer wieder gut, daß
wir einen Notfallplan für solche Situationen
haben."
antworte ich. "Läuft wieder alles?"
"Ja, es
sieht so aus, als läuft alles wieder normal ... WAS zum TEUFEL
tragen sie
da!?!?!"
"Was, dieses alte Ding?"
erwidere ich und fingere an der feinen
Woll-Nylon-Mischung herum,
aus der mein einziger Anzug besteht.
Den ich dreimal getragen
habe.
"Nein, DAS!" ruft er und zeigt ängstlich in
meine Richtung.
"Oh, man nennt das eine KRAWATTE. Meistens
werden sie getragen, um dem
Träger mehr Respekt zu
verschaffen - der meistens freilich völlig fehl am Platze ist."
"Und warum tragen sie eine?"
"Weil, wie man so
schön sagt, heute der erste Tag des Rests meines Lebens ist."
"Uh-huh. Und deswegen wollen sie jetzt dem neuen Chef in den
Hintern kriechen?
Ich dachte, er sei ein Säufer - ein
ehemaliger Soldat ohne Computererfahrungen ..."
"Ja.
Aber diese Chefs sind die besten ..."
"Ah,
entschuldigen sie bitte", werden wir von einer scheuen Stimme
unterbrochen.
Die Sekretärin des IT-Chefs informiert uns,
daß ihr Chef unter einer seltenen
Vireninfektion leidet, die
er sich beim Genuß verdorbener Nahrungsmittel zugezogen
hat,
was es ihm unmöglich macht, unseren neuen Chef herumzuführen
...
Was für ein bedauerlicher Zufall ...
"Das kann
ich doch übernehmen!"
...
"Hallo",
begrüße ich das neue Chef-Exemplar mit einem freundlichen
Händedruck,
den ich sorgfältig einen kleinen Moment
länger hinziehe, als man normalerweise als
angenehm
empfindet. "Ich bin Brian, der IT-Chef. Ich nehme an, sie wollen
sich
zunächst einen Überblick über die bei uns
eingesetzte Technik verschaffen, oder?"
"Hallo, ich bin
Dave. Hmm, ich habe die Technik schon bei meinem
Bewerbungsgespräch
mit, äh, dem IT-Chef gesehen."
"Der andere Brian?"
erwidere ich perfekt verstellt. "Ja, das ist etwas
verwirrend,
schätze ich. Aber von jetzt an, werden sie mit
mir zusammenarbeiten, nachdem ...
nun, sie wissen schon."
"Ich habe kei ..."
"Ja, es war etwas tragisch,
aber andererseits war das vorauszusehen, nachdem wir
das Loch in
der Abschirmung der Mikrowelle gefunden hatten. Das soll jetzt
ja
repariert sein, also müssen sie sich keine Sorgen machen.
Aber jetzt werde ich sie
erst einmal herumführen, damit man
ihr Büro etwas herrichten kann. Eine
Computertomographie von
ihnen wurde doch schon gemacht, oder?"
"Nein, wieso?"
fragt Dave nervös.
"Oh, nur so ein Gedanke!"
erwidere ich. "Aber vielleicht ist es besser, wenn sie sich
mehr
in der LINKEN Hälfte ihres Büro aufhalten, um ganz sicher
zu sein."
"Die linke Seite aus welcher Perspektive?"
fragt er.
"Ja, das ist richtig. Bisher hatten sie noch nicht
die Gelegenheit, sich mit Computern
zu befassen, hatten sie
gesagt?"
"Ich war bei der Armee, aber nach 20 Jahren
habe ich mich entschlossen, in die
IT-Branche einzusteigen."
"Aber sie haben doch schon mit Computern gearbeitet?"
"Nein, wir waren mit der Truppenbewegung, Waffenlager und
ähnlichem beschäftigt.
Aber ich bin sicher, daß
ich mich schnell einarbeiten kann. Wie schwer kann das
schon sein?
Wir werden in kürzester Zeit funktionieren wie ein Uhrwerk."
So soll es denn geschehen ...
"Hat die Personalabteilung
ihnen schon ihre Zugangskarte ausgehändigt?" frage ich,
als
wir unser Büro betreten.
"Ja."
"Gut, dann
lasse ich einen Angestellten der System- und Netzbetreuung die
Karte
validieren, damit ..."
Der PJ eilt mit dem
Magnetkartenlöscher herbei und ein kurzes
>BZZZZZZZZssss<
später wird Dave Schwierigkeiten haben, am nächsten
Arbeitstag
das Gebäude zu betreten ...
"So, und jetzt besichtigen
wir ihr Büro. In dieser Richtung ..."
Ich führe
Dave in Brians Büro - die Glaubwürdigkeit meiner Geschichte
wird in dem
Büro dadurch verstärkt, daß Brian
seinen Mülleimer offenbar dazu benutzt hat, die
Überreste
des Essens, das ihm gestern so durcheinanderbrachte, zu speichern.
"Oh, das tut mir jetzt aber leid", seufze ich.
"Offenbar haben sie es noch nicht
geschafft, das Büro
auszuräumen. Vielleicht könnten sie ja einspringen. Werfen
sie
einfach alles, was zu seinen persönlichen Sachen gehört,
in eine Kiste."
"A ... A ... Aber ist das nicht IHR
Büro?" will er wissen.
"Ah, nein, jetzt nicht
mehr. Man hat entschieden, daß ich am anderen Ende des
Flurs
arbeiten soll. Nach all den Vorfällen, sie wissen schon
... Also wenn sie einfach
seine Sachen packen und nicht zu nahe an
die linke Wand kommen würden ..."
"Von der linken
Wand FERNHALTEN ..." murmelt Dave, als ich die Tür hinter
mir
schließe.
"Er räumt ein wenig für
Brian auf", sage ich der Sekretärin, als ich zurück in
mein
Büro marschiere. "Er scheint ziemlich pedantisch zu
sein ...."
Der PJ und ich machen eine zehnminütige
Lachpause wegen der
Mikrowellengeschichte, worauf ich ihm dann
meinen Plan erkläre und für die zweite
Runde
zurückmarschiere.
Dave sitzt in der Mitte des Raumes, da er
sich nicht entscheiden kann, welche Wand
die linke ist und welchen
Abstand er von ihr halten soll ...
"Wunderbar. Und jetzt
sollten wir ihre Managerausstattung mit Visitenkarten, und
der
Firmenkreditkarte holen ..."
"In Ordnung", stimmt
Dave mir zu, der mehr als froh darüber zu sein scheint,
die
Gefahrenzone verlassen zu können.
"Ich vermute,
daß sie bisher noch nicht die Gelegenheit hatten, über das
Internet
Technik zu bestellen?"
"Niemals ..."
"Oh, das ist gut, da ich ihnen gleich zeigen kann, wie das
geht."
Zwei Stunden und einige größere
Bestellungen später verläßt Dave sein Büro.
Er
schwitzt leicht, was er wohl auf die Mikrowellen schiebt. Ich
sorge dafür, daß die
Sekretärin ihn sieht, als er
den "Anti-Mikrowellen-Hut" aus Aluminiumpapier trägt,
bevor
ich ihn in die Grundlagen der Computertechnik einweihe ...
"...
und das nennen wir Neustart ..." erkläre ich ihm und trete
gegen den Server. Dann
reiche ich ihm ein Paar Stahlkappen für
seine Schuhe. "Sie könnten uns helfen, wenn
sie die
abgestürzten Server in der vierten Etage neu starten könnten.
Ich muß noch
die Funktionalität der Alarmanlage
prüfen."
"Natürlich!" ruft Dave als sei
er wieder bei der Armee. Und offenbar ist ihm die
Herausforderung
in der vierten Etage lieber als sein Büro ...
Später am
Tag unterhalte ich mich mit dem Wachdienst über die ganze
traurige
Geschichte. Dave ist - das bestätigt auch die
Sekretärin - offenbar nicht gerade ein
geistig stabiler
Mensch, der sich plötzlich in den Krieg in Vietnam, Korea
oder
sonstwo versetzt fühlte und einen Amoklauf gegen die
Rechner durch das Gebäude
veranstaltete.
"Ich bin
wirklich verwundert, daß jemand wie er einen Waffenschein
BEKOMMEN
konnte", kommentiert der PJ, der schon dafür
sorgt, daß der nächste Arbeitstag von
Dave
abwechslungsreich verläuft.
Und ich wünschte, ich hätte
Dave nicht gesagt, daß morgen eine ´Kampf
gegen
Viren´-Party stattfindet. Mit geschwärzten
Gesichtern ....
Beurteilungszeit für den B.O.F.H. ...
Als sein direkter Vorgesetzter muß ich den jährlichen
Beurteilungsbogen für den PJ
ausfüllen, während der
neue Chef - Ausgabe II - als mein "väterlicher"
(natürlich
nicht im biblischen Sinn) Vorgesetzter mich
beurteilen soll.
Was für ihn ein kleines Problem darstellt,
da er so neu ist, daß er sich auf die
Berichte seiner
Vorgänger und der anderen Manager verlassen muß, um
eine
Beurteilung zu schreiben, die mich glücklich macht,
während sie zugleich nicht zu
unkritisch aussehen soll. Er
hat mittlerweile festgestellt, daß er zu den weniger
populären
Leuten in der Firma gehört, also wird er sich bemühen, sein
Ansehen zu
steigern.
"Und, wie sieht es aus?" fragt
er mich beiläufig nach den positiven und negativen
Punkten in
der Beurteilung des PJs.
"Sehr gut, wirklich. Insgesamt bin
ich sehr zufrieden mit seiner Entwicklung, obwohl
es da noch ein
paar Dinge gibt, die mir nicht gefallen."
"Ja?"
fragt der Chef, offensichtlich neugierig darauf, negatives über
andere zu hören.
"Ja, gestern mußte ich
feststellen, daß er EINEN Anruf beantwortet hat!"
"Das
ist ja furchtbar!" ruft der Chef.
"Ich weiß - ich
hätte es einfach klingeln lassen. Ich habe noch zu ihm gesagt:
´Das
ist nur ein Nutzer - er wird noch einmal anrufen, wenn
das Neustarten des Rechners
das Problem nicht löst. Oder wenn
der Schreibtisch in Flammen steht.´ Ich frage
mich, ob der
PJ meint, er sei da, um den Nutzern zu helfen."
Der Chef
lacht nervös, aber er glaubt mir nicht wirklich. "Schreibtisch
in Flammen",
gluckst er.
"Also habe ich ihm erklärt,
daß das Abstellen der Telefonklingel das moralische
Problem,
sich zwischen dem Helfen oder dem Ignorieren zu entscheiden,
lösen
würde."
"Nun, TECHNISCH betrachtet
SIND sie da, um den Nutzern zu helfen ..." bemerkt
der Chef
leise.
"Nein, in dem Punkt ist unser Vertrag eindeutig. Wir
sind dafür verantwortlich, daß
die Systeme problemlos
laufen - aber es wird nichts über Nutzer gesagt.
TATSÄCHLICH
lasse ich die Nutzer nur AN DIE RECHNER, weil ich ein
hilfsbereiter
Mensch bin, da sie THEORETISCH die Funktionalität der
Technik
gefährden. Ich bin eben zu weichherzig ..."
Der
Chef gluckst wieder nervös, da er diese Angelegenheit offenbar
nicht weiter
vertiefen will. Stattdessen entscheidet er sich, zur
ernsthaften Arbeit
zurückzukehren.
"Nun",
beginnt er. "Dann kümmern wir uns mal um ihre Rolle
ihre
Leistungsindikatoren ... >KRITZEL< ... Mal sehen ...
VERFÜGBARKEIT DER
SYSTEME - befriedigend."
"Befriedigend?"
"Nun, mir wurde erklärt,
es habe eine Menge unerwarteter Ausfälle gegeben, die sie
nicht
angekündigt haben."
"Was? Ich kündige
Ausfälle IMMER an!"
"Ja, aber ich glaube nicht,
daß das Management das Übertragen von ... hm ...
´I´m
going down´ von Bruce Springsteen auf die
Rechner der Nutzer als ordentliche
Ausfallankündigung
akzeptiert!"
"Es sorgt dafür, daß die Nutzer
ihre Rechner herunterfahren!"
"Da bin ich mir JETZT
sicher - aber ich glaube, sie sollten den Nutzern VORHER
mitteilen,
wann das Netzwerk ausfällt! Das war bei meiner letzten Tätigkeit
nicht
anders."
"SIE HABEN ZEIT BIS ZUM ENDE DES
LIEDES!" rufe ich.
"Ja, bis zum ´n´ ... Wie
auch immer, machen wir weiter. Service-Anfragen
beantwortet -
eingeschränkt."
"Natürlich geschieht das
eingeschränkt! Ich kann mich nicht mehr beim Server
der
Nutzerbetreuung anmelden, also habe ich keinen Zugriff auf die
Datenbank!"
"Könnte das daran liegen, daß
sie ... hm ... >BLÄTTER< eine Ecke der
Netzwerkkarte
des Servers abgebrochen haben?"
"Ein Unfall. Ich habe
nur versucht, das Vorhängeschloß, das den Rechner
davor
schützen soll, geklaut zu werden, herauzuschneiden, da
es nicht mehr brauchbar
war."
"Ja, weil jemand mit
Epoxid-Harz ein Streichholz in das Schloß geklebt hatte."
"Stimmt, Vandalen gibt es anscheinend überall!"
"Sogar in Räumen, zu denen NUR sie und ihr Assistent
Zugang haben, nicht wahr?"
"Ganz besonders dort. Das
ist der letzte Ort, wo man etwas derartiges erwarten
würde.
Offenbar steckt dahinter eine Strategie, um uns zu schaden!"
"Natürlich! Und deswegen leidet also die Qualität
ihrer Arbeit? Weil eine defekte
Netzwerkkarte sie davon abhält,
auf eine Datenbank zuzugreifen?"
"Ja. Aber wir kümmern
uns um Probleme, die uns schriftlich gemeldet werden?"
"Wie?"
"Wir heften sie ab. Dabei haben wir eine hundertprozentige
Erfolgsquote erreicht!"
"Sie haben alle Probleme
beseitigt?!?"
"Nein, wir haben sie alle in den
Mülleimer geworfen. Ups, ich meine das einfache
Ablagesystem
für Problemmeldungen."
"Gut ... ich glaube, ich
muß diesen Punkt in *SEHR* beschränkt ändern.
´Beschwerden
über die Leistung´ - häufig."
"Bitte?
Das kann ich aber nicht glauben!"
"Nun, wie es der
Zufall will, liegt mir gerade eine Beschwerde über sie von
einem
Manager der Finanzabteilung vor. Er sagt, es hätte
Schwierigkeiten beim Versand
bestimmter Dokumente mittels E-Mail
gegeben."
"Ja, wir haben für Anhänge von
E-Mails eine Grenze von 2 Megybyte eingeführt, die
schnell
überschritten wird, wenn ..."
"Sie sagten er solle
seinen Terminkalender nehmen und in das Diskettenlaufwerk
seines
Rechners stopfen, wenn er seine Termine mit der Sekretärin
abstimmen will!!"
"Das ist doch lächerlich!" rufe ich und erinnere
mich an den Spaß, den der PJ und ich
in dieser Angelegenheit
hatten.
"Wir sind noch nicht fertig!" antwortet er,
wobei er etwas lauter wird. "Er behauptet
ebenfalls, sie
hätten ein paar Kopien von Red Hat Linux angeschafft und
die
Ausgaben unter ´Brandschutz - Feuerwehrhelme´
abgerechnet!"
"Nun, dieses Betriebssystem ist für
die Rechner des Wachdienstes bestimmt."
"Also haben sie
es installiert?"
"Unglücklicherweise waren die
Datenträger in ihren CD-Laufwerken nicht lesbar."
"Kein
ISO-Format?"
"Nein, die Laufwerke waren mit
eingeklebten Streichhölzern blockiert."
"Das ist
einfach lächerlich!" ruft er. "Sie können doch
nicht ernsthaft annehmen, sie
könnten all ihre Probleme mit
Kleber und Streichhölzern lösen!"
"Stimmt.
Deshalb habe ich mir gestern ein Lötset gekauft."
Einmal
mehr entschließt sich der Chef, einen ernstgemeinten Hinweis zu
ignorieren
und widmet sich stattdessen einer weiteren Anklage.
"Und hier - offenbar haben sie einen Nutzer überfallen?!?!"
"Ach was. Das war ein Irrtum, der jedem einmal passieren
kann .... Wir waren dabei,
seinen Netzwerkanschluß zu
konfigurieren, und haben ihn gefragt, welche Farbe er
für das
Kabel bevorzugt. Und da habe ich ihn wohl nicht richtig verstanden,
denn ich
nahm an, er hätte HAU gesagt statt blau."
"Seit wann gibt es denn so eine Kabelsorte?!"
"Jetzt.
Bei uns."
"Aber wer würde danach verlangen?"
"Nun, bis jetzt erst eine Person ..."
Ab diesem
Zeitpunkt geht es nur noch abwärts mit unserem Gespräch,
und ich bin
gezwungen, mich in mein Büro zurückzuziehen,
um micht davon zu erholen.
"Soll ich zu ihm gehen und ihn um
eine mildere Bewertung bitten?" fragt der PJ und
spielt mit
seinem neuen Elektroschocker, den er gerade als
´Unterbrechungsfreie
Stromversorgung´ angeschafft hat.
"Oh, ich denke, die Sache wird sich von selbst entspannen."
"Was, sie wollen den Kampf aufgeben?" fragt der PJ
überrascht.
"Nein, es scheint so, als hätte
gestern jemand seinen Türgriff festgelötet, so daß
er
ihn nicht mehr drehen, und sein Fenster zugeklebt, so daß
es nicht mehr geöffnet
werden kann."
"Diese
Hunde!" ruft der PJ empört.
"Ja.Wir können
nur hoffen, daß sie nicht auch noch seinen Schreibtisch in
Flammen
aufgehen lass ..."
>Bimmel< >Bimmel<
>Bimmel<
Ein Spezialist wird gerufen ...
"... und in diesem Fall sollten wir einen Spezialisten
herbeirufen, der uns helfen
kann." antwortet der Chef auf die
schlechte Nachricht, daß weder der PJ noch ich
etwas über
´E-Shopping´ wissen - und auch keine Lust haben, uns
damit in der
näheren Zukunft abzugeben. "Und tatsächlich
weiß ich auch schon, wer dafür der
geeignete Mann ist!
Ich habe mit ihm einmal in Beirut zusammengearbeitet, müssen
sie
wissen."
"Beirut ist ja DAS HERZ des elektronischen
Handels!" kommentiert der PJ trocken.
"Das hat doch
damit nichts zu tun! Wie auch immer, damals hat er sich noch
nicht
mit Computern befaßt, sondern Flugzeuge repariert."
"Also ist er eher ein Schraubenzieher-Profi als ein
Computer-Spezialist?" lache ich,
da ich der Versuchung, einen
Seitenhieb anzubringen, kaum widerstehen kann.
"Natürlich
nicht! Das war doch schon vor Jahren! Nein, heute ist er wirklich
SEHR
groß in der Computer-Branche."
"Was wohl
bedeuten soll, daß er nicht unbedingt GUT darin ist?"
fragt der PJ
spitzfindig ...
"WISSEN SIE WAS, ER IST
GENAU DER MANN, DEN WIR BRAUCHEN! Und
ich *WERDE* ihn zu uns
holen!" ruft der Chef und verkündet uns das Ergebnis
seines
Entscheidungsprozesses.
...
"Das sieht nach Arbeit aus!"
erkläre ich dem PJ, als wir uns in die Sicherheit unseres
Büros
zurücgezogen haben.
"Aber er klang doch gar nicht SO
schli ..."
"Merken sie sich meine Worte. Er wird seinen
eigenen Satz Schraubenzieher
mitbringen, den er seit den
Flugzeug-Tagen besitzt UND den er benutzt hat, um
Computer
zusammenzuschrauben, als er davon leben mußte - und er wird
einen
kompletten Satz neuer Schlagworte mitbringen, die vorher
noch niemand gehört hat."
"Ach, ich glaube
trotzdem ni ..."
"Er gehört zu der Sorte, die sich
beim Management anbiedern und sich für Ausfälle
entschuldigen.
Er wird nach einer Woche wieder verschwinden, sein Projekt wird
toter
sein als das Beta-Format für Videos UND man wird uns
beschuldigen, nicht
genügend mit ihm zusammengearbeitet zu
haben!"
"Warum warten wir nicht einfach ab, wie ..."
"100 Pfund?" frage ich, um meine Vorhersage mit
handfesten Argumenten zu
untermauern.
"Die Wette gilt!"
ruft der PJ, dessen Verstand bei der Aussicht auf das Geld
offenbar
aussetzte.
...
Ich weiß auch nicht, wieso der PJ so
süchtig nach Wetten ist. Was auch immer dafür
verantwortlich
ist, es kann nicht gut für ihn sein. Und deshalb fühle ich
mich immer
wieder verpflichtet, sein Geld anzunehmen, damit er
daraus lernt.
...
Und für MEIN Geld sieht es sehr gut
aus, als Jim, unser neuer Experte, am
folgenden Tag eintrifft -
wie es der Zufall wollte, hatte er gerade Zeit zwischen
zwei
Aufträgen, erklärt er uns.
Das überrascht
mich nicht.
"Man hat mir gesagt, sie seien ein wahres Genie,
wenn es um diese
Online-Handels-Geschichte geht?" frage ich
ihn beiläufig, als wir die
Begrüßungsformalitäten
hinter uns gebracht haben.
"Online-Handel?" fragt er
ahnungslos.
"Ja, sie wissen schon, E-Shopping, E-Commerce -
all das."
"Nein, ich - OH! Sie meinen
internetgestütztes kommerzielles Marketing! So nennen
wir es
nämlich."
"´Wir´ ist wer?"
"Oh,
wir Leute im Handel."
Der PJ kann dabei zuschauen, wie seine
100 Pfund den Bach hinuntergehen und
entscheidet sich, Jim mit ein
paar Hinweisen zu unterstützen.
"Kann ich ihnen
vielleicht unsere Serverplattformen für den Handel zeigen,
unsere
zertifizierten Server-Programme und die
Benutzerschnittstellen vorführen?"
Was für ein
Schummler!
"Nein, nein. Ich bin sicher, daß das auch
von selbst läuft. Was wir brauchen, sind
leuchtende blinkende
Bilder als Blickfänger auf der Firmen-Website, um die
Besucher
auf den elektronischen Handel hinzuweisen."
"Animierte
Bildchen sorgen dafür, daß Leute von nah und fern unsere
Website
besuchen?" frage ich ihn, während ich dem PJ
schon einmal zeige, daß ich in meiner
Geldtasche schon Platz
für sein Geld geschaffen habe. "Das klingt doch
recht
abenteu ..."
"Offensichtlich erhöht eine
maßgeschneiderte Portalseite das Vertrauen der Kunden
in
unsere Firma." meint der PJ, als der Chef hereinkommt.
"Das
sehen sie es!" ruft der Chef, der glaubt, semi-positive
Argumente zu hören.
"Ich wußte doch, da Jim unser
Mann ist. Nun, über welchen Zeitrahmen reden wir
eigentlich?"
"In einer Woche sollte es laufen", antwortet Jim und
nennt eine Zahl, die er wohl aus
seinem Hintern gezogen hat.
EINE
WOCHE SPÄTER
"... weil sie mich nicht ausreichend bei
der Installation der Programme unterstützt
haben!"
plappert Jim. "Aber ich BIN SICHER, da ich es in einer Woche
geschafft
hätte, wenn ich alles SELBST gemacht hätte
..."
"Oh, ich bin sicher, daß sie sich auf diese
beiden Herren VERLASSEN können",
murmelt der Chef mit
einem drohenden Unterton in der Stimme, die uns bedeutet, daß
wir
keine Wahl haben.
EINEN TAG SPÄTER
"Das ist
fantastisch!" ruft der Chef, als er sich die Website anschaut,
die mehr
geklaute Informationen anbietet, als eine
durchschnittliche Website mit Raubkopien.
"Diese bewegten
Bilder SIND wirklich ein Blickfänger, nicht wahr?"
"Wie
ein Verkehrsunfall", stimme ich ihm zu. "Es ist nur schade,
daß Jim nicht mehr
hier ist. Was hat er doch gleich
geschrieben?"
"Oh, er hinterließ eine Nachricht,
in der er sagte, daß er zurück nach Beirut fliegen
will
- anscheinend hat er schon gepackt und ist abgeflogen - immerhin hat
er noch
die Arbeit hier fertiggestellt."
EINE MINUTE
SPÄTER
"Und sie wollen wirklich den ganzen Ruhm Jim
überlassen?"
"Für eine Website, die
massenweise urheberrechtlich geschützte Bilder und
andere
Inhalte anbietet, was uns zwangsläufig rechtliche
Probleme einringen wird? Ja, ich
glaube schon."
"Aber
dann wird er dafür bezahlt!" wendet der PJ ein.
"Stimmt.
Aber wenn er in Beirut ankommt, wird er sich sicher über das
Geld freuen."
"Aber fliegt er wirklich nach Beirut?"
fragt der PJ nachdenklich. "Für mich sieht das
alles
etwas zweifelhaft aus."
"Ich bin mir ganz sicher, daß
er unterwegs ist nach Beirut."
IN DER ZWISCHENZEIT IN EINER
HOLZKISTE MIT DER AUFSCHRIFT
"LEBENDES TIER" IN EINER
LAGERHALLE DES FLUGHAFENS
"MMMmmmMMMMF!!!"
"MMMMMmmmMMMMMMMMM MMM M MMMMMMFFF!"
"MMMMMMMMMFMFMFMMMMFFF!"
Wissen sie, 100 Pfund sind
nun einmal 100 Pfund ...
Der B.O.F.H. übernimmt die Reiseplanung für den Firmenwanderer ...
Ich bin gerade dabei, ein Programm zu testen, das ich eben
zusammengetippt habe,
mit dem ich die vom Management besuchten
Webseiten auswerten will, denn es
stehen einmal wieder
Verhandlungen über Lohnerhöhungen an, in die ich
nicht
unvorbereitet gehen will.
Und ich hasse den
Firmenwanderer. Jede Firma hat einen - es ist die Person, die
neben
dem Spielen von Solitär keine wirkliche Aufgabe hat. Und um dies
zu
verbergen, verbringt diese Person die meiste Zeit damit, mit
anderen in deren Büros
zu "arbeiten".
"Morgen",
murmelt er und ignoriert die Tatsache völlig, daß er
ungefähr so
willkommen ist, wie Bill Gates auf einer Party
von Linux-Nutzern. "Was machen sie
gerade?"
"Ah,
ich suche Programmfehler." antworte ich und versuche, mich
weiter auf meine
Tätigkeit zu konzentrieren.
"Wissen
sie was? Ich habe früher auch selber programmiert", legt er
los, wobei er
sich zweifellos an die technischen Höchstleistungen
erinnert, die er erreichte, wenn
er sich daran erinnerte, am
Zeilenende die ´Return´-Taste zu drücken.
Nennen
sie mich einen Pedanten, meinetwegen auch ein ELITÄRES
GROSSMAUL,
doch wenn es etwas gibt, das mir *WIRKLICH* auf die
Nerven geht, dann ist das
jemand, der meint, er sei ein
´Programmierer´, weil er beim Gang zum Geldautomaten
eine
Geheimzahl eintippen muß, Texte mit einer Textverarbeitung
erstellt und dabei
nur dummes Zeug von sich gibt. -
Wir haben
die alten Black Boxes benutzt", fährt er fort. Offenbar hat
er aber
niemals auch nur eines dieser Dinger benutzt, die nicht
voller Hilfeseiten und
Assistenten sind, während es damals
nur die Funtionstasten gab, die aber meistens
wenig Hilfe boten,
so daß man alles selbst herausfinden mußte ...
Ziellos
plappert er ohne Punkt und Komma weiter und ich frage mich, wie lange
er
wohl noch braucht, um zur großen Tabulator-Tasten-Krise
von 1983 zu kommen und,
noch wichtiger, ob wohl jemandem ein 6 Fuß
hoher Schrank für Rechentechnik im
Müllcontainer neben
dem Firmengebäude auffallen würde ....
"... so
oft, wie wir mit der F2-Taste das Dokument neu anlegen mußten -
ich kann
mich nicht mehr genau daran erinnern, aber das war der
letzte Ausweg, zu dem wir
manchmal greifen mußten. Ich sage
ihnen was - soll ich ihnen nicht bei ihrem
Programm helfen. Früher
war ich ziemlich gut mit Computern - ich habe ein wenig
mit dem
Editor programmiert und all diese Sachen ...!"
"In
Ordnung", antworte ich und frage mich, ob er mich wohl in Ruhe
läßt, wenn er
merkt, daß er keine Ahnung von dem
hat, was ich mache. "Was wissen sie über
Perl?"
"Pearls? Perlen, hm, die gibt es zum 30jährigen
Firmenjubiläum." plappert er stolz.
"Nein, Perl,
die Skriptsprache", sage ich mit spitzer Zunge.
"Ist
das wie vi?" erwidert er. "Ich habe ein paar Sachen in vi
programmiert - kein
großer Meister, natürlich, aber ein
talentierter Amateur, würde ich sagen."
Arghhhh ...
Mein Geist ist nun leerer als ein leeres Blatt Papier und begrüßt
die Unterbrechung,
die der Anblick des PJs in der Tür bietet.
Er und meine letzte Hoffnung verschwinden
schneller als die
Alkoholvorräte auf einer Pressevorstellung, noch BEVOR
der
Firmenwanderer überhaupt mitbekommt, daß der PJ da
war und die Gelegenheit daher
nicht nutzen kann, ihn mit
Geschichten aus der Zeit zu nerven, als er ein Assistent
war und
die Schraubenzieher damals viel einfacher zu bedienen waren als
die
heutigen Elektro-Schrauber.
Dieser Bastard!
"Nun,
es hat mit vi NICHT viel zu tun - ich versuche herauszufinden, wieso
ein
Datenfeld überzulaufen scheint, obwohl es nur eine
gewisse Anzahl von Einträgen
speichern SOLL, die alle aus
mehr als einem Zeichen bestehen."
"Ähm ..."
Ich bin mir sicher, daß er mir bis zum Begriff ´Datenfeld´
folgen konnte, also kann es
nicht schaden, noch etwas weiter zu
bohren ...
"Haben sie etwas derartiges shon bei ihrer Arbeit
mit vi erlebt?"
"Äh ..."
"Oder hatte
ihre Arbeit eher etwas mit der Skalierbarkeit zu tun?"
"Nun,
wie ich schon sagte, ich habe die Black Boxes programmiert, die im
alten
Gebäude standen - und ich kann ihnen sagen, daß
wir damals manchmal nicht
wußten, WELCHE Tasten wir
eigentlich drücken sollten!"
Mir wird klar, daß
mein Dummy-Modus-Plan gescheitert ist - er *LEBT* diesen
Modus,
also ist er immun gegen dessen Wirkungen. Was mich zum
Ersatzplan
übergehen läßt ...
"Das kann
ich mir gut vorstellen", stimme ich ihm zu. "Tatsächlich
glaube ich zu
wissen, daß das Problem vom dritten
Datenfeld-Desynchronisations-Zähler
verursacht wird. Und
dafür liegt die Ursache in der Hardware!"
"Hardware!!"
keucht er. "Also, *DAMIT* kenne ich mich aus!"
Ich
irgnoriere die Erinnerung daran, wie oft wir gerufen wurden, nachdem
er
jemandem mit PC-Problemen ´geholfen´ hat und rede
weiter. "Da könnten sie mir
sicher wirlich helfen. Hier,
ich zeige es ihnen ..."
"Das ist ein leere
Computerschrank!" sagt er, als ich auf den besagten
Schrank
zeige.
"Nein, der Desynchronisationszähler
ist an der Rückseite angebracht. Das ist nur
der Kühlraum!"
"Oh, das ist mir klar >hineinkletter<. Und das was
aussieht wie eine
geräuschdämmende Verkleidung ist eine
Form von thermischer Isol ..."
>*KLATSCH*<
Und so
werden meine Bemühungen, ein Programm, das ich eben
zusammengetippt
habe, nach Fehlern zu durchsuchen, noch einmal
unterbrochen, als ein großer
Müllwagen unter meinem
Fenster vorbeidonnert.
Zum Glück habe ich seine Ladefläche
nicht verfehlt.
So, aber nun zurück zu meinem Programm und
zur Frage, was *strptr++ WIRKLICH
macht ...
Licht aus für den Spezialisten ...
Ich bin dabei, einen
Routinefehler ("Mein Rechner funktioniert nicht.")
im
Erdgeschoß zu untersuchen - was ich wegen der
seltsamen Typen, die dort in
Massen auftreten, hasse wie die Pest
- als meine Untersuchungen mich dazu
bringen, erstmalig den
Serverraum im Erdgeschoß zu betreten.
Mit einigen
Befürchtungen - ich habe schließlich dieses Räume in
den anderen
Etagen des Gebäudes schon gesehen - öffne
ich die Tür, werfe schnell einen Blick
hinein und schmeiße
die Tür wieder zu.
Nun, ich VERSUCHE, die Tür wieder zu
schließen, doch bei all den Kabeln, die mir
entgegenquellen,
kann ich das nur dadurch sichern, daß ich einen Keil unter die
Tür
schiebe, bevor noch mehr Kabel ihren Weg in die Freiheit
suchen. Dann mache ich
mich auf die Suche nach dem Chef.
"Was",
frage ich ihn, als er schnaufend im Erdgeschoß ankommt. "Was
*ZUM
TEUFEL* ist DAS?"
"Das ist ein SERVERRAUM!"
bricht er seinen bisherigen Rekord im Entziffern der
Türbeschriftung
ohne sich auf die Zunge zu beißen.
Ich öffne die Tür,
um ihm den Schrecken des Raumes dahinter zu enthüllen.
Ein
Rattennest voller Kabel, Thinwire und Thickwire, Kabeln, die
aussehen, als seien sie
serielle Kabel ohne Abschirmung, Twisted
Pair und - großer Gott! - etwas, das
aussieht, wie ein
mißglücktes Token Ring-Experiment ...
"Offensichtlich
muß hier etwas aufgeräumt werden ...." stimmt der
Chef widerwillig
zu.
"Etwas?"
"Nun, sie
dürften es schaffen, ohne einen Ausfall zu verursachen, aber
vielleicht
könnten sie dabei gleich, nun, die Nutzer neu
verkabeln, immer ein paar gleichzeitig."
Ein paar Minuten
und eine "So ist das Leben"-Beratung später ist der
Chef über die
unendlich kleine Wahrscheinlichkeit
unterrichtet, das Chaos ohne einen spürbaren
Ausfall
beseitigen zu können.
"Na gut. Also schaffen sie es in
der Nachtschicht?"
"Eine Nacht würde es schon
dauern, um die Kabel aus den Maschinen
herauszuziehen - wenn wir
einen Rasenmäher und eine Axt benutzen würden.
Nebenbei,
wir können ohnehin nur raten, was hier womit verbunden ist."
"Was schlagen sie vor?"
"Jemand muß
herkommen und sich darum kümmern."
"Jemand?"
"Jemanden, der sich mit Netzwerktechnologie auskennt ..."
Der PJ blickt sich heimlich nach einem Ausweg um.
"...
und etwas jünger und beweglicher ist als ich ...."
Der
PJ beginnt zu schwitzen ...
"... jemanden, der für ein
paar Tage verschwinden kann ohne daß jemand es bemerkt
und
sich Sorgen macht!"
"EIN SPEZIALIST!" rufen der PJ
und der Chef gemeinsam, beide froh darüber, daß
die
genannten Kriterien auf sie nicht exakt zutreffen ...
"Ja,
und wer wäre besser geeignet, als jemand, der die Verkabelung
aus erster Hand
KENNT, jemand, der sie möglicherweise SELBST
verlegt hat", rufe ich, als ich einen
Werbeaufkleber auf der
Rückseite der Tür ertaste.
"DER
ORIGINAL-SPEZIALIST!" leuchtet eine Glühbirne über dem
Kopf des Chefs
auf.
BINGO!
... AM NÄCHSTEN TAG ...
Es sind ein paar Stunden vergangen, seitdem der Kabel-Spezialist
gekommen
ist - natürlich hat er sich abwertend zum Chef über
die ´heutigen IT-Ahnungslosen´
ausgelassen, als er
annahm, wir könnten ihn nicht mehr hören. Nachdem er
einen
enorm hohen Stundensatz ausgehandelt und den Vertrag
unterschrieben hatte, ging
er schließlich tatsächlich
an die Arbeit.
"Der arme Hund", murmelt der PJ leise
und schüttelt nachdenklich den Kopf, womit
er einmal mehr
beweist, daß er keine Abneigung gegenüber Leuten
empfindet, die
seinen guten Namen verunglimpfen.
"Aber
nicht arm genug, um den Keil nicht trotzdem unter die Tür zu
schieben, als er
den Raum betreten hatte ..."
"Ich
war besorgt wegen ... hm ... hm ... möglicher Schwierigkeiten
mit dem Kühler im
Lüftungsschacht über dem Raum."
improvisiert er.
"Wir HABEN keine Kühlaggregate in dem
Lüftungsschacht ...."
"Oh. Na gut."
...
Schließlich öffnen wir die Tür, nachdem es
Beschwerden über den "Ausfall des
Internets"
bekamen, und stellen fest, daß die arme Sau ziemlich verwirrt
zu sein
scheint.
"Welcher Hund von ihnen beiden hat das
Licht abgeschaltet?" schreit er uns etwas
hysterisch an.
"Sind sie sicher, daß das kein Ausfall der Sicherung
war - das passiert hier ständig!"
schlägt der PJ
hilfsbereit vor. "Vielleicht haben sie ja minderwertige
Kabel
verlegt ..."
"Natürlich! Und es ist auch
REINER ZUFALL, daß der Türgriff an der Innenseite der
Tür
fehlt UND eine Kiste mit Verbindungsstücken GANZ ZUFÄLLIG
durch den
Lüftungsschacht herabstürzte."
"Da
sind sie also gelandet!" antwortet der PJ. "Ich habe sie
wirklich überall gesucht!
Natürlich war es dunkel, im
Lüftungsschacht gibt es kein Licht, so daß ich
sie
möglicherweise durch einen Spalt gestoßen haben
könnte ...."
"... dann stürzte ich über
die Abdeckung des Bodenventilators, die nicht korrekt
gesichert
war!" jammert unser Spezialist weiter.
"Und mein Gott,
sie haben eine kleine Unordnung produziert!"
"Es
herrschte schon Unordnung, als ich begann!"
"Ja, aber
das war eine FUNKTIONIERENDE Unordnung. Deshalb stehen ja
auch
umfangreiche Haftungsklauseln in den Standardverträgen
unserer Firma - um in
einer solchen Situation für die
entgangenen Gewinne entschädigt zu werden. Ich will
gar nicht
darüber nachdenken, was sie dafür zahlen müssen!"
"Aber das hat doch alles nichts mit mir zu tun!"
"Die
Kabel haben sich von selbst aus den Steckdosen und dem Switch
gezogen?"
"J-Nein, aber das war nicht mein Fehler!"
"Natürlich nicht. Sie waren es ja auch nicht, der all
die Kabel ursprünglich verlegt
hat, eine Unsumme dafür
verlangt hat, indem er die längstmöglichen
Kabelstücke
benutzt hat, die die Technologie zuläßt.
Sie waren es natürlich auch nicht, der ihre
damalige Arbeit
nicht dokumentiert hat, keines der Geräte beschriftet und
keinen
Ersatz bereitgestellt UND sich nicht an die elektrischen
Vorgaben gehalten hat. Ich
bin ganz sicher, daß das Gericht
in ihrem Sinne entscheiden wird."
"GERICHT?!"
"Nun, diese Angelegenheiten landen immer vor Gericht, wenn
es zu Ausfällen in
diesem Ausmaß gekommen ist. Und die
Neuverkabelung wird sie noch weitere Tage
kosten, was weitere
Ausfälle bedeu ..."
"Was soll ich nur tun?"
"Nun, ich vermute, daß sie ein paar Leute anheuern
sollten, die über intime
Kenntnisse der Netzwerkstruktur
verfügen und ihnen helfen könnten. Allerdings wird
das
so kurzfristig sicher nicht billig ..."
"Ich werde
zahlen!!!"
"Nun, ich glaube, dann könnten wir
ihnen aushelfen. Natürlich brauchen wir
jemanden, der die
Glasfaserkabel in der gesamten Etage neu verlegt ...."
Und
so kommt es, daß er uns seine helfende Hand reicht. Und kaum
hat er den
Scheck über eine größere Summe
unterzeichnet, erklären wir, daß es sich um
einen
angekündigten Ausfall für Wartungsarbeiten
gehandelt hat, damit er die
Glasfaserkabel im Kellergeschoß
verlegen kann.
Und während der PJ die Sicherung im Keller
gegen eine mit Wackelkontakt
austauscht, staple ich ein paar
Kisten mit Terminatoren im Lüftungsschacht.
Es funktioniert
alles wie ein Uhrwerk ...
Wenn sie denken, der B.O.F.H. sei verschwunden ...
Es läuft schon eine ganze Weile alles normal und ohne größere
Probleme, und es gibt
Gerüchte, daß sie ihre Schärfe
verloren hätten! Wissen sie wirklich noch, was eine
vollständige
Ausgabe von Handbüchern ist und wie heftig sie damit auf
Nutzer
einschlagen müssen, die nerven?
Dieser einfache
Test kann ihnen helfen, ihr Niveau wiederzuerlangen ...
1. Sie kommen um 8:17 Uhr zur Arbeit, wo sie schon ungeduldig von
jemandem
erwartet werden. Jeder weiß jedoch, daß sie
erst um 8:30 Uhr mit der Arbeit
beginnen, nachdem sie das
Zeitungsstudium beendet haben. Doch ihr Gast ist neu
und sie
spüren Mitleid mit ihm.
A.Sie helfen ihm, sein Problem zu lösen.
B.Sie klären
ihn über ihre normalen Arbeitszeiten auf und helfen dann bei
der
Problemlösung.
C.Gehen zur Routine über, um den
geregelten Ablauf des restlichen Tages
nicht zu gefährden.wird
in den Mülleimer geworfen.
D.Studieren bis 9:00 Uhr die
Zeitung, um ihre Haltung zu untermauern.
E.Sie bringen ihm bei,
was sie unter ´nur ein paar Augenblicke Geduld´
verstehen,
indem sie mit ihm einen Ausflug in den Serverraum unternehmen
und
ihn die Wirkung des Feuerlöschgases spüren lassen.
2. Ein Nutzer, der mit den einzelnen Innenteilen seines PC
herumgespielt hat, um
herauszufinden "wie sie funktionieren"
wird bezeichnet als:
A.ein Hacker?
B.ein Herumpfuscher?
C.ein Idiot?
D.ein
Techniker?
E.Patient in einer Klinik. Möglicherweise?
3. Der Film über jemanden, der den System-Administrator genervt hat, hieß
A.Das Netz?
B.Matrix?
C.Marry Poppins?
D.Eine Frage
der Ehre?
E.E. Todessehnsucht II?
4. Sie gehen mit ihrem Chef, einem Verkäufer und einem
Erbsenzähler asiatisch
essen. Ihre größte Sorge
ist:
A.daß der Erbsenzähler das großartige Geschäft,
das sie gerade gemacht
haben, absegnet.
B.daß ihr Atem
nach dem Essen noch gut ist.
C.daß sie rechtzeitig wieder in
ihrem Büro sind.
D.wie viele kalte Eisvögel sie in
einer Stunde verdrücken können.
E.wie sie eine Handvoll
gehacktes Chili ins Essen des Erbsenzählers
schmuggeln können
ohne dabei aufzufallen.
5. Die Arbeitsschutzinspekteure besichtigen ihren Arbeitsplatz und
stellen eine
extreme Gesundheitsgefährdung fest.
A.Sie meinen damit offensichtlich die scharfen Kanten an den
Metallschränken
und Regalen.
B.Sie meinen damit den
Rechner, den sie reparieren ohne die Stromversorgung
unterbrochen
zu haben.
C.Sie meinen damit die entfernten Bodenabdeckplatten im
Rechnerraum.
D.Sie sind schockiert über die fehlende externe
Frischluftzufuhr.
E.Sie haben offenbar übersehen, daß
sie die Beschriftung der Knöpfe zum
Öffnen der Tür
und zum Auslösen des Feuerlöschgases vertauschten, als
sie
den Raum betraten.
6. Ihr Lieblings-Ingenieur hat Geburtstag. Sie wollen ihm ein
Geschenk machen, das
er sich schon immer am meisten gewünscht
hat. Sie schenken ihm:
A.einen entmagnetisierten Minischraubenzieher, in dessen Schaft
sein Name
eingeritzt ist.
B.ein Buch mit dem Titel "Elektronik
für Anfänger".
C.ein "Windows für
Einsteiger"-Buch.
D.eine Wartungsanleitung für die
Technik, für deren Funktionieren er zuständig
ist.
E.einen
größeren Hammer.
7. Ein Nutzer hat sie schon dreimal in einer Woche damit genervt,
daß er sein
Passwort vergessen hat.
A.Sie ändern es für ihn.
B.Sie ändern es in
etwas wie: ´IchliebeAnalsexOhja´.
C.B., dann
entziehen sie ihm die Rechte, es wieder zu ändern.
D.C.,
dann sorgen sie dafür, daß sein Passwort im Klartext und
groß auf seinem
Bildschirm angezeigt wird.
E.D., dann
holen sie ihren Lötkolben und ihr ´Handbuch für
Tätowierer´ hervor.
8. Ihr Chef kommt vorbei, um sich mit ihnen darüber zu
unterhalten, daß sie zuviel
Zeit im Internet verbringen.
A.Sie geben zu, daß es in der letzten Zeit doch etwas viel
war.
B.A., aber sie sagen, daß alles Seiten, die sie
angeschaut haben, etwas mit
ihrer Tätigkeit zu tun hatten.
C.Sie leugnen alles.
D.Sie leugnen alles und machen einen
anderen für das erhöhte
Datenaufkommen verantwortlich.
E.Sie geben alles zu, lassen dann auf ihrem Monitor die
Protokolle anzeigen,
wer alles die einschlägigen Pornoseiten
besucht hat und versprechen, Namen
zu nennen.
9. Jemand hat den Schlüssel zum Aufbewahrungsschrank für
die Sicherungskopien
verloren. Sie sind jetzt extrem besorgt:
A.weil sie nun keinen Aufbewahrungsort mehr für die
Sicherungskopien haben.
B.weil sie nun nicht mehr an die
Sicherungskopien herankommen, wenn sie
gebraucht werden.
C.weil
sie gar nicht gewußt haben, daß es Schlüssel für
den Schrank *GAB*.
D.weil der Interessent, dem sie den Schrank
angeboten haben, jeden Tag
auftauchen kann.
E.weil der Inhalt
ihres Spirituosenlagers nun für jedermann zugänglich ist.
10. Sie treffen sich mit ihren Benutzern, wo sie gefragt werden,
wieso sie so häufig
ihr Hochspannungswerkzeug zur Fehlersuche
verwenden.
A.Sie stimmen zu, es niemals wieder einzusetzen.
B.Sie stimmen
zu, es nur noch mit einer Spannungsbegrenzung einzusetzen.
C.B.,
und sie versprechen, es niemals bei Datenträgern anzuwenden.
D.C., und sie versprechen, auch die Schaltkreise der Telefon zu
verschohnen.
E.B. und C., solange Geschlechtsteile nicht verboten
sind.
Wie lautet die Antwort?
Wie bei den meisten Tests dieser Art
gibt es keine richtige Antwort, nur Antworten,
über die sie
selbst nachdenken müssen und ihre Schlüsse ziehen sollten.
Es sei
denn, sie sind ein Microsoft Certified Engineer (MSCE),
denn in diesem Fall wird
ihnen die Auswertung in
leichtverdaulichen Häppchen serviert werden.
Wir danken für
ihren Anruf beim Bastard-Service, sie sind Anrufer Nummer 473.
Wer gab dem Trottel diesen Posten?
Der Chef sieht aus wie ein Außerirdischer, als er mit seinem
brandneuen Spielzeug
auf dem Kopf, einem Headset, in unser Büro
spaziert. Und dummerweise gehört er
nicht zu den
Außerirdischen, die man zur Erde geschickt hat, um die Ursache
für das
seltsame Klappern zu finden. Und das geht mir langsam
wirklich auf die Nerven.
"Wo kommt diese Klappern eigentlich
her?" frage ich den PJ und ertappe mich dabei,
laut zu
denken.
"Welches Klappern?" fragt der Chef.
Nun, die
Gelegenheit will ich mir dann doch nicht entgehen lassen ....
"Ein
klapperndes Geräusch. Beinahe so, als wackle etwas in einer
Verankerung ..."
"Das ist ein Gebäude, das ist
nicht mit Ankern am Boden befestigt." antwortet er.
"Oh,
mein Fehler", seufze ich.
Schade.
"Ja, ja",
murmelt der Chef dann in sein Mikrofon, das an einem Kabel baumelt.
"Uh,
hmmm ... Richtig!"
Der PJ und ich warten
gespannt auf die Neuigkeiten, die *ENORM* wichtig zu sein
scheinen,
wenn sie eine mobile Konversation wie diese nötig machen.
"Dieser Virus ist wieder da!" ruft der Chef
schließlich.
"Welcher?"
"Dieses
Liebesding. Sie hatten ihn vor einer Weile schon einmal - unter
einem
meiner Vorgänger." antwortet er
selbstgefällig.
"Ach so, der Virus, der sich selbst an
alle Adressen verschickt, die er im
Adressbuch findet, wenn man so
blöd ist, die Nachricht aufzurufen. Wenn man so
blöd
ist, Outlook zu benutzen, wenn man blöd genug ist, keinen
aktuellen
Virenscanner installiert zu haben ..."
"Kann
denn wirklich jemand SO blöd sein?" fragt der Chef, der uns
mit dem, was er
unter technischer Kompetenz versteht, beeindrucken
will.
"Nun, Bill Gates lebt von solchen Leuten. Und das
nicht schlecht." wirft der PJ ein.
"Programmiert er
etwa auch die Viren?"
Was uns zum Kern des Problems führt.
Noch SCHLIMMER als ein Chef, der etwas
von Technik versteht, ist
ein Chef, der glaubt, Erfahrung und Sachverstand werden
mit dem
Titel verliehen - also zum Beispiel glaubt er, er könne ein
Netzwerk
betreuen, weil er zum IT-Manager ernannt wurde ...
Ähnlich ist es mit dem Headset.
Und dem brandneuen PC und dem
Laptop, die er als ´IT-Profi´ angefordert
hat -
komplett mit einem externen Wartungsvertrag für die
installierte
Antiviren-Software. Ähnlich ist es mit seinem
eingebildeten Sachverstand ...
Seufz.
"Nein, nicht
wirklich. Wie auch immer, wir benutzen ein Programm, das
eingehende
E-Mails automatisch prüft, so daß wir
relativ sicher sind, was diesen speziellen
Virus und seine
Varianten betrifft." antworte ich. >GEISTESBLITZ< "...
aber wir
sind ein wenig besorgt über die Menge an
pornographischen Bildern, die täglich an
unsere Nutzer
geschickt wird."
Das ist ein Thema, bei dem er mitreden
kann, also widmet er uns nun seine volle
Aufmerksamkeit. Und dabei
ist er so schnell, daß es aussieht, als hätte er
gerade
das Geheimnis der Teleportation entdeckt. Aber natürlich
ist er als IT-Manager eher
an dem Problem interessiert und nicht
an der Pornographie ... Seufz.
"PORNOGRAPHIE sagten sie?"
"Ja, ganze Ladungen davon!" antworte ich. "Und ich
glaube ´Ladung´ ist der richtige
Begriff. Ich bin
gerade dabei, die Daten bei dem betreffenden Nutzer zu löschen
und
ihn zu warnen, doch es scheint so, als hätte er das
Verzeichnis mit der Hälfte seiner
Abteilungskollegen
geteilt!"
"Wäre es nicht besser ... ein paar
Beweise zu sichern?" dessen Neugier mit seiner
professionellen
Zurückhaltung zu kämpfen schein. "Nur für den
Fall, daß er es
leugnet?!"
Der Köder ist
ausgelegt, und er hat angebissen ...
"Nein, dafür haben
wir nicht genügend Speicherplatz. Sehen sie, es sind Gigabytes!"
Ich zeige ihm ein Netzlaufwerk, auf dem sich ein paar hundert
Megabytes mit
Pornographie befinden und zeige ihm ein paar Bilder,
um sein Interesse in die richtige
Richtung zu lenken.
"Er
hat sie sogar nach Kategorien sortiert!" ruft der PJ
überrascht.
"Das stimmt!" fügt der Chef hinzu,
der offenbar überrascht ist, wie schnell der PJ zu
diesem
Schluß kam.
(Wenn wir einmal davon ausgehen, daß wir
gerade das Archiv des PJs anschauen,
ist das freilich nicht
besonders überraschend.)
"Wie auch immer, es wäre
sicher besser, wenn wir sie löschen, um Speicherplatz auf
dem
Server freizugeben", schlage ich vor und ziehe die markierten
Dateien auf das
Papierkorbsymbol.
"ICH GLAUBE, wir
sollten einen Beweis sichern. Was ist, wenn dort irgendwo
Dateien
gespeichert sind, die wirklich arbeitsrelevant sind? Was ist, wenn er
alles
leugnen würde und behaupten, die Bilder seien niemals
vorhanden gewesen?"
"Ich kann sie ja verstehen, aber
wir haben wirklich nicht genügend Speicherkapazität
auf
dem Server, wie sie sehen können ..."
"Ah, stimmt.
Aber wir könnten meine Maschine nehmen - ich habe eine
18
Gigabyte- Festplatte mit einem Pentium III 866!" ruft er
und leiert die
Ausstattungsmerkmale seines PCs runter (offenbar
ein beliebtes Party-Spiel) wie
ein Maschinengewehr. "Und 256
Megabyte Arbeitsspeicher!"
(Wenn das nur der Fall wäre
- nach dem großen Hardware-Raub in der vergangenen
Woche ...
Gut, das Umprogrammieren des BIOS, damit es falsche
Informationen
liefert, dauerte länger als das Austauschen des
Prozessors und des
Arbeitsspeichers, aber die Mühe hat sich
gelohnt ...)
"Nun, ich glaube, wir könnten darauf die
Bilder für ein Weile speichern ..." stimme ich
zu. "Nur
für den Fall, daß jemand nachfragt."
... Zwei Tage
später ...
"Der Chef arbeitet ziemlich lange."
meint der PJ später, als wir den Pub unter dem
Einfluß
eines gewissen Hopfenderivats verlassen und einen leichten
Lichtschimmer
hinter den Gardinen seines Büros bemerken.
"Ja, aber er ist ein gefeuerter Mann!" stimme ich ihm
zu. "Nicht jeder würde Beweise
so gründlich
´katalogisieren´ ..."
"Sie glauben, er geht
in dieser Nacht nach Hause ..."
"Zumindest um sich zu
waschen und die Kleidung zu wechseln ...."
... Weitere zwei
Tage später ...
"Und als sie seine Bürotür
öffneten fanden sie ihn splitterna ..." schwatzt
seine
Sekretärin Sharon mit ihrer Freundin in der Kantine,
wobei sie ein Headset benutzt,
daß uns recht bekannt
vorkommt. Sie unterbricht sich, denn offenbar stören wir nur
mit
unserem Wunsch, unsere Post abzuholen.
... andererseits erklärt
das aber auch den ´Versiegelt durch den
Wachdienst´-Aufkleber
auf dem Türschloß des Chefs ....
"Kann ich ihnen
helfen?" fragt Sharon mürrisch, nicht gerade erfreut
darüber, mitten
im Tratsch untebrochen zu werden.
"Ja,
ich frage mich, ob sie dieses Klappergeräusch der Verankerung
des Hauses
prüfen könnten und bei Bedarf die Hausmeister
informieren könnten."
"Warum machen sie das
nicht?"
"Weil sie den einzigen Generalschlüssel
haben - aber wenn sie ihn mir leihen
könnten ..."
"NIEMAND bekommt den Generalschlüssel!" ruft sie
ihr Reich verteidigend. "Also
werde ich mich um die Sache
kümmern, wenn ich etwas Zeit habe. Wo ist diese
Verankerung?"
"Nun, sie wissen doch, wo der Ausgang des Müllschluckers
im Erdgeschoß ist?"
"Nein?"
"Ich
zeichne ihnen eine Karte ..."
Der B.O.F.H. kümmert sich um den Ausverkauf ...
"Sie sagen also, daß ihr Angebot die zuverlässigste
Technik umfaßt, die wir jemals
kaufen können, und die
Angebote ihrer Konkurrenten von ausgebeuteten Kindern in
der
Dritten Welt aus Teilen zusammengeschraubt werden, die durch
ihre
Qualitätskontrollen gefallen sind?" murmelt der PJ
undeutlich.
"Ja", murmelt unser Gastgeber und
Zulieferer und zeigt mit seinem Glas in der Hand
auf die
ausgestellten Rechner, wobei das überschwappende Bier auf dem
Boden
aufklatscht. "Wir stellen die beste Technik her!"
Ich liebe Weihnachtsparties bei den Lieferanten - sie entlarven
auf so herrliche
Weise deren leere Versprechen und enthüllen
die Wahrheit.
"Das klingt gut!" ruft der PJ. "In
diesem Fall sollten wir die gestrigen Bestellungen
stornieren und
so schnell wie möglich hier bestellen."
"Schneller,
wenn das möglich ist", antwortet unser Verkäufer, der
mit einem
Geschäft, das er vor Weihnachten abschließt,
noch auf eine höhere
Weihnachtsprämie hoffen kann.
"Nun, wenn sie einen Vordruck hätten, könnte ich
ihn ausfüllen und dem Chef zum
Unterschreiben vorlegen."
antwortet der PJ keinen Moment zu früh, um
unsere
Alkoholversorgung zu sichern.
"Ich werde sofort
ein Bestellformular ausdrucken!" murmelt unser Verkäufer
und
wankt davon.
Als er zwei unbetreute Kunden, die schon
einiges an Getränken hatten, sieht, stürzt
sich der
Verkaufsgeier Nummer 2 auf uns, der sich die Chance auf
einen
Weihnachtsbonus ebenfalls nicht entgehen lassen will.
"Wohin ist John verschwunden?" will er den freundlichen
Kollegen heuchelnd
wissen.
"Ah, er hat gesagt, er fühle
sich nicht besonders. Dabei habe ich nur gefragt, ob er
noch Lust
auf eine weitere Runde hat", antworte ich und schwenke mein
leeres Glas
vor seinem Gesicht. "Wir haben vor, noch ein
wenig einzuka ...."
"Ich lade sie beide ein", ruft
er.
"Ausgezeichnet. Ich nehme ein Bier und einen Tequila
Wallbanger, wenn es den hier
gibt."
"Ich auch."
fügt der PJ hinzu.
Abgang von Verkäufer Nummer 2 ...
"Tequila Wallbanger?"
"Ja, sie werden sich
fragen, ob wir einen Tequila Sunrise oder einen Harvey
Wallbanger
wollten und schließlich beides nehmen."
"Ich
glaube kaum, daß ich auch nur eines von beiden verkraften
kann!"
"Oh, ich habe auch nicht vor, es zu trinken -
damit kaufe ich uns nur etwas Zeit."
"Zeit? Wofür?"
"Hallo, ich bin Dave, der Verkaufsdirektor für
Geschäftskunden. Hatten wir schon
das Vergnügen?"
[Geier Nummer 3 ist im Spiel]
Der PJ begreift meinen Plan,
als der Verkaufsdirektor verschwindet, um sich nach
dem Essen zu
erkundigen und ein paar Biere und Scotch und Tonic zu holen ...
und
prompt stürzt ein weiterer Geier auf uns herab.
"Eine
Art Wettbewerb, wenn ich mich nicht irre?" murmelt der PJ leise.
"Ja, ich glaube, es geht bei dieser Party um die Erhöhung
der Weihnachtsprämien ..."
Nummer 4 verschwindet, um
die technischen Daten für die Lüfter
zusammenzusuchen,
mit denen wir die Wagenladung Rechner kühlen können, die
wir
bestellen wollen - wir wollen schließlich sicherstellen,
daß ihre vereinte Kühlkraft
unsere Klimaanlage nicht
aus dem Tritt bringt. (In Ordnung, ich klammere mich jetzt
schon
an die billigsten Ausreden wie an einen Strohhalm, aber es
funktioniert.)
"Da bin ich wieder", freut sich Geier
Nummer 1, der mit einem Stapel Papier wedelt.
"Sie müssen
nur noch die Anzahl der Rechner eintragen und an den
markierten
Stellen unterschreiben!"
"Ausgezeichnet!"
ruft der PJ. "A-aber wo sind die Infrarot-Mäuse? Und
die
ergonomischen Tastaturen?"
"Bin gleich wieder
da", murmelt er und steuert die Tür an mit Warp-Faktor
0.003 an,
nachdem er einen unangenehmen Zusammenstoß mit dem
Türrahmen hatte, den
seine Augen wohl etwas weiter links
vermutet hatten, als er wirklich war.
Nummer 3 kommt zurück.
Mit Bier, Gin und Tonic. Und als Verkaufsdirektor hat er
sich
offenbar schon Gedanken darüber gemacht, was wir
wirklich
brauchen - nachdem er gesehen hat, daß ihm ein
anderer zuvorkommen könnte. Er
verschwindet wieder, um nähere
Informationen über die angebotenen Speisen zu
sammeln,
nachdem wir ihm versichern konnten, daß Nummer 1 uns nur die
ersten
Kapitel seines Buches gezeigt hat, in dem es um einen
Manager von Microsoft und
ein paar Callgirls geht.
Nummer 2
und 3 haben ein paar Probleme, aneinander vorbeizukommen, als
Nummer
2 mit 3 Gläsern für jeden von uns zurückkommt,
wie ich es prophezeit hatte.
"Sie haben sicher über die
gewünschte Technik nachgedacht, oder?" fragt er und
bemüht
sich, nicht zu gierig zu erscheinen. Er legt uns einen Katalog in dem
Moment
vor, als Nummer 4 mit den Daten zur Schubkraft der Kühler
zurückkommt ...
...
"Sie haben eine Schlägerei
unter den Verkäufern unseres Hauptlieferanten
provoziert?!"
keucht der Chef ungläubig. "Ein Kampf, der damit endete,
daß ein
Verkaufsdirektor mit schweren Verbrennungen ins
Krankenhaus eingeliefert werden
mußte!!!!"
"Das
waren wir nicht!" antwortet der PJ schnell. "Er hat
plötzlich verlangt, daß die
Hälfte der Belegschaft
sich ausziehen soll. Das mochten wohl die weiblichen
Angestellten
nicht besonders."
"Sie wissen aber schon, daß sie
damit deren Verkaufschancen für die Zeit der
Zwangsbeurlaubung
verringert haben? Möglicherweise gehen ihnen nur ein
paar
tausend Pfund durch die Lappen!"
"Ja, das
könnte passieren", gebe ich zerknirrscht zu und warte auf
das
unausweichliche Donnerwetter ...
"VERDAMMT
AUSGEZEICHNET!" ruft der Chef und zaubert eine Flasche
Brandy
hervor, die er in seinem Schreibtisch versteckt hat.
Dieser hinterhältige Bastard.
"DIESE Nachricht ist
unbezahlbar!" fährt er fort und füllt
weihnachtlich-großzügig
ein paar Gläser.
"Sie
hassen sie, oder?"
"Ja, ich habe einmal für sie
gearbeitet. Sie haben Bristol zu meinem Verkaufsgebiet
gemacht und
mich dann gefeuert, weil da nichts zu verkaufen war. Jetzt müssen
sie
mir aber noch sagen, ob sie etwas gekauft haben."
"Nun,
wir fühlten uns nach all den Vorfällen verpflichtet,
wenigstens ein paar PCs zu
bestellen. Ich schätze, sie
sollten die Bestellungen stornieren, da wir nicht zu
solchen
Einkäufen berechtigt waren."
"Ganz sicher nicht!
Haben sie die Standardverträge unterschrieben?"
"Ich
glaube schon." antworte ich und hole unser Exemplar der
Bestellung hervor.
"Ausgezeichnet - sie garantieren die
Lieferung innerhalb von 10 Arbeitstagen! Wir
werden sie deswegen
im nächsten Jahr wegen Nichteinhaltung vor Gericht
belangen."
"Woher wissen sie, daß sie nicht liefern werden?"
"Oh, es ist gängige Praxis, daß die Bestellungen
von beurlaubten Mitarbeitern
blockiert werden, bis sie vom Kunden
ausdrücklich bestätigt wurden. Also, denken
sie daran,
ab jetzt keine Anrufe mehr annehmen! Nur noch eins: sind sie
für
irgendeine Verletzung meines ehemaligen Chefs
verantwortlich?"
"Nun, eine oder zwei", weicht der
PJ aus.
"Er wollte uns gebrauchte Pentium II-Rechner mit 300
Megahertz als hochmoderne
Geräte andrehen." füge
ich hinzu.
"Eine oder zwei, sagten sie?"
"Jeder
von uns."
"Ausgezeichnet! Wollen sie noch einen
Brandy?"
Und so bestätigt sich einmal mehr, daß
die Weihnachtsstimmung das Management
und die Untergebenen näher
zusammenbringt ...