Die
Original-Bastard-Operator-Geschichten von 2001
Autor: Simon
Travaglia
Übersetzer: Thomas Weidauer
Der B.O.F.H. kümmert sich
wieder um die Nutzer ...
"So", meint der Chef, als
er in einem Anfall nachweihnachtlicher Dummheit, die wir in den
letzten Wochen so vermißt haben, in unser Büro kommt.
"Irgendwelche neuen Auflösungen für Probleme?"
"Ja,
1200 dpi!" antworte ich und benutze einen Scherz, der wohl über
seinen Horizont reicht.
"Wie?" fragt er wie erwartet,
dann entschließt er sich, den Wissenden zu heucheln.
"Ach
ja. Sehr gut. Wirklich gut. Aber lassen wir die Freundlichkeiten.
Wir haben ein kleines Problem."
"Und worum geht es?"
"Nun, es nichts wichtiges ..." antwortet er
ausweichend.
Er versucht, Zeit zu gewinnen, was nur bedeuten
kann, daß Schlimmes auf uns zukommt.
"Worum geht es?"
"Nun, es war wirklich nicht meine Idee ..." Es wird
immer schlimmer.
"Um welche Idee geht es denn nun?"
"Nun, einige der anderen Manager der IT-Abteilung dachten, es
wäre eine gute Idee
... hm ...
wennsiedieNutzerbetreuungübernehmenkönnten,weilwegenderUrlaubszeitniemanddaist."
stößt er hervor und geht hinter einem Tisch in
Deckung.
"Sie haben alle Leute aus der Nutzerbetreuung in
den Urlaub geschickt?" rufe ich und spiele den Empörten.
"Nicht exakt. Der eine ist krank und der andere hat
gekündigt, nach dem, was auf der Weihnachtsfeier passiert ist
...
nun, sie wissen schon."
"DAS WAR EIN UNFALL!"
ruft der PJ laut.
"Wie oft muß ich das eigentlich noch
sagen?
Woher sollte ich denn wissen, daß das Lametta
elektrisch leitfähig war?!?
Ich hätte niemals
zugelassen, daß der arme Kerl den Transformator anfaßt,
wenn ich das gewußt hätte!"
"Und wieso stand
da überhaupt ein Transformator in dem Raum?" frage ich, den
Verteidiger des PJs spielend und das Unvermeidliche etwas
hinauszögernd. "Ich habe ihn ganz einfach von einem in den
anderen transportiert ..."
"Während er
eingeschaltet war?"
"Ja, ich wollte nicht, daß
das Gerät abkühlt und wegen des möglichen thermischen
Schocks ausfällt ..."
"Wie die Transformatoren in
den Geschäften, die benutzt werden, um die Beleuchtung zu
sichern?"
"AH, ich glaube, wir sprachen darüber,
daß wir jemanden für die Nutzer-Betreuung brauchen",
unterbricht mich der Chef.
"Ja, ja - stimmt. Also sollen wir
das machen?"
"Wäre das denn möglich?"
fragt er nervös und blickt sich nach einem Ausgang, elektrisch
leitendem Material und körpergroßer Rechentechnik um,
die
umfallen könnte, wenn er an ihr vorbeirennt.
"Warum
eigentlich nicht", stimme ich ihm zu.
"Hier scheint ja
alles zu laufen, wenn wir von ein paar uralten Rechnern einmal
absehen,
bei denen wir die Uhr wieder zurückstellen mußten,
um das Jahr 2000-Problem zu umgehen."
...
"Sie
haben etwas zu schnell zugestimmt." sagt der PJ angeekelt,
als
der Chef sich schwitzend wie ein Wasserfall entfernt hat.
"Ja,
ich muß gestehen, daß ich etwas schnell war. Wie auch
immer, ich hatte einen Grund dafür."
"Und der
wäre?" "Ich konnte es nicht übers Herz bringen,
einfach abzulehnen."
"Was?"
"Nun, sie
wissen doch, wie das nach dem Urlaub ist - sie haben nicht gerade
Lust auf die Arbeit,
aber kaum sind sie wieder da, stellen sie
fest, daß sie nicht so schlimm ist, wie sie es befürchtet
hatten.
Und so kommt es dann zu dieser Stimmung, in der sie etwas
unaufmerksam sind."
"Ich ... ähm ... könnte
sein." stimmt der PJ langsam zu, nachdem er darüber
nachgedacht hat.
"Und so sollten wir etwas guten Willen
zeigen, den Nutzern ein paar ... Freiheiten gönnen."
"Ist
es möglich ..."
"Was umgekehrt dazu führt,
daß sie später im Verlauf des Jahres diese und andere
Freiheiten von uns erwarten ..."
"Ja ..."
"Und
was wäre nun besser - wenn sie diese Freiheiten von der
Nutzer-Betreuung erwarten und von der Netzwerk-Betreuung keine
Antworten erhoffen oder ein Leben in einer real existierenden Hölle,
in der die Nutzer *UNS* immer dann anrufen, wenn ihr Rechner einmal
wieder abgestürzt ist?"
"Jetzt begreife ich!"
"Natürlich. Wie auch immer, nachdem wir uns den Nutzern
gezeigt haben, müssen wir in wenigen Stunden wieder jene
professionelle Zurückhaltung an den Tag legen, für die man
uns kennt."
"Ah!" ruft der PJ, als der Groschen
endlich gefallen ist. ...
"Sie können sich nach dem
Urlaub nicht mehr an ihr Passwort erinnern?" ruft der PJ
fröhlich in den Hörer.
"Gut, ich habe es in
?morgen? geändert ... Oh, keine Ursache." ... eine Stunde
später ...
"Sie können sich nach dem Urlaub nicht
an ihr Passwort erinnern?" ruft der PJ in den Hörer.
"Ich
habe es in ?dertagnachmorgen? geändert. Wiederhören."
... eine weitere Stunde später ...
"Sie haben ihr
Passwort nach kaum einer Woche vergessen?!?" schnaubt der PJ in
den Hörer.
"Ich schätze, sie sollten froh sein,
daß sie überhaupt den Weg zu ihrem Arbeitsplatz gefunden
haben ...
Ich ändere ihr Passwort übermorgen. >Klick<"
"Es ist wie das Fahren auf einem Motorrad." rufe ich
dem PJ zu, der langsam wieder in die richtige Stimmung kommt.
"Nur
müssen sie keinen Helm tragen und beim Abbiegen nicht blinken."
Ich befasse mich in der Zwischenzeit damit, die Nutzerlaufwerke
zu säubern, die blockiert sind mit den Ergebnissen verschiedener
Prozesse,
die in der Urlaubszeit unbeaufsichtigt abliefen.
>Klick, Klick, Klick<
"Jetzt ist sie wieder wie
neu!" rufe ich. "Also sieht das Laufwerk jetzt wieder aus
wie vor den Ferien?!" ruft der Nutzer erfreut.
"Nein,
sie sieht wieder aus wie zu dem Zeitpunkt, als sie sie gekauft haben.
Als sie noch neu war ..."
"A-a-aber ..."
"Ich
weiß, danken sie mir nicht, ich tue nur meine Arbeit. >Klick<"
Zwei weitere Laufwerksformatierungen später zeigt das
Telefon eine gewisse Zurückhaltung was Anrufe betrifft.
"Sie
haben aufgehört!" stellt der PJ fest.
"Glauben
sie, daß sie es nun begriffen haben?"
"Natürlich
haben sie das", antworte ich. "Die Nachricht wird schneller
die Runde gemacht haben, als ein Werbe-Berater nach ein paar Bieren.
Aber sie werden trotzdem anrufen."
"Uh, nein, ich
höre nichts."
>Klick, Klick, Klick<
"Natürlich
tun sie es!" rufe ich, als die Telefon wieder loslegen.
"Der
Server der Buchhaltung ist abgestürzt", keucht der Nutzer.
"Und wir müssen noch die Abrechnung für den
vergangenen Dezember beenden!!!"
"Machen sie sich
darüber keine Sorgen!" rufe ich.
"Das Problem kann
schnell gelöst werden - wir haben einer Sicherheitskopie."
"Oh, Gott sei Dank!" keucht er.
"Auf einem
anderen Server?"
"Nein, Ausdrucke und Taschenrechner."
rufe ich mit teuflischem Grinsen.
"Denken sie daran, all
ihre Zwischensummen aufzuschreiben, da die Rechnungsprüfer in
zwei Tagen vorbeikommen - es geht das Gerücht um, daß sie
sehr pedantisch sein sollen!"
Es stimmt - eine Pause ist so
gut wie ein kleiner Wechsel ...
Das Gerät ist tot ... Es hat einfach aufgehört zu sein ...
"Ich kann es kaum fassen!"
keucht ein ahnungsloser Kerl aus der Marketingabteilung, als der
PJ ihm die Innereien des Festplattenlaufwerks zeigt.
"Tot?"
"Wie die Bay City Rollers", nickt der PJ vieldeutig.
"Aber ... Wieso?"
Ich komme dem Verlangennach, den
Erkenntnisprozeß des Kerls etwas zu beschleunigen:
"Nun,
um es vereinfacht auszudrücken, ihre Festplatte hat während
der Ferienzeit aufgehört zu rotieren,
wurde kalt und, als
sie von ihrem Urlaub zurückkehrten, war sie tot.
Das ist wie
mit Haustieren, die sie zu füttern vergessen, wissen sie."
"Aber wie hätte ich das verhindern können?"
"Sie hätten sie füttern müssen!
Kein
Wunder, daß ihre Haustiere gestorben sind."
"Ich
habe doch gar keine Haustiere!" schnappt er irritiert zurück.
"Kein Wunder!" kommentiert der PJ. "Nein, ich
meinte, wie ich meinen Rechner hätte retten können?"
"Nun, lassen sie ihren PC einfach eingeschaltet - 24 Stunden
am Tag, sieben Tage in der Woche ..."
"Stimmt. Nun, ich
schätze, daß ich das wohl besser tun werde, wenn sie eine
neue Festplatte für mich gefunden und meinen Rechner repariert
haben."
"Ich fürchte, daß sie das nicht tun
können."
"Wieso? Weil ich kein Computermensch bin
wie sie?"
"Nein, das liegt daran, daß sie das
Kästchen für Windows ME bei den Konfigurationswünschen
für das neue Laufwerk angekreuzt haben.
Sie werden sich
schon freuen, wenn ihr Rechner bis zur Frühstückspause ohne
Absturz überlebt."
"A-Aber ME ist stabiler ..."
"Hat man das nicht auch von San Francisco behauptet?"
"Nun, was schlagen sie mir also vor?"
Ich blicke
mich nach verdächtigen Lauschern um, und der PJ verstärkt
die Stimmung der Konspiration noch dadurch, daß er die
Jalousien leise schließt und die Telefonhörer neben die
Geräte legt.
"Sie wollen ein richtiges Betriebssystem?"
"Was meinen sie damit?" "Ich meine ein so
fortschrittliches System, daß man ?FOrtschrittlich? schreiben
muß und nicht einmal die Textverarbeitung es wagt, die beiden
Großbuchstaben zu korrigieren, wie es zum Beispiel Word tut,
bis es sie gezwungen hat, ihren toten Rechner in den Müll zu
werfen."
Jetzt hat er angebissen.
Ich weiß es, er
weiß es - er kann seiner Neugier nicht widerstehen.
"Wie
heißt dieses Betriebssystem?" fragt er schüchtern und
völlig benebelt von unserem konspirativem Spiel.
Ich weiß,
daß ich ihm jetzt sogar einen Campingausflug aufschwatzen
könnte.
Der Köder ist ausgelegt, und er hat angebissen,
um es mit anderen Worten zu sagen.
Es ist traurige Wirklichkeit.
"Halt, warten sie einen Moment!" schreit der PJ und
stoppt damit das wie geschmiert rollende Rad.
"Wir können
ihm das Betriebssystem nicht einfach geben. Wir wissen doch gar
nicht, ob es das richtige für ihn ist."
"Ich ...
Nun, ich glaube nicht, daß sie ... Aber hat es nicht das, was
ich brauche?"
"WAS SIE BRAUCHEN?!?!
Eine
FOrtschrittliche grafische Benutzeroberfläche, echtes
Multitasking - nicht diese limitierten Sachen, die sie sonst überall
bekommen!
Spiele, Handbücher - es ist großartig!"
"Nun, ich glaube, ich sollte es ausprob ..."
"Ausprobieren?" lacht der PJ traurig.
"Das ist
nicht eines von diesen Betriebssystemen, die sie einfach einmal kurz
installieren und dann wegwerfen können!
Es ist eine
Lebenserfahrung! Nachdem sie es einmal ausprobiert haben, sind sie
ein anderer Mensch!"
"Das stimmt", sage ich. "Und
ist mit eingebauter Früherkennung hochlatent eingebundener
Register im Arbeitsspeicher ausgerüstet."
"Früherkennung
hochlatent eingebundener Register?"
"Ja, das ist ein
neuer Standard.
Die Kurzform lautet FEHLER."
"Wie
bei Fehler?" kichert er.
"Was?" fragt der PJ und
spielt den Unwissenden, der blind für das Offensichtliche ist,
den Dummkopf so überzeugend, daß er MSCE-Zertifikate
ausstellen könnte.
"FEHLER - Fehler", erklärt
unser Nutzer.
"OH!" macht der PJ. "Jetzt begreife
ich!
So hatte ich das noch nie betrachtet! Wirklich ein guter
Scherz!"
Unser Nutzer reckt sich stolz über das Lob,
während ich mir eine Gedächtnisnotiz mache, den PJ später
darauf hinzuweisen, daß er seine feuchte Aussprache besser
kontrollieren sollte ...
"Gut, sie haben mich überzeugt.
Ich muß es ausprobieren! Was muß ich dafür tun?"
"Nun, für den Anfang kostet es sie 20 Pfund."
"Zwanzig Pfund?!?! Aber es ist doch für meinen
Arbeitsplatzrechner! Dafür sollte die Firma bezahlen!"
"Ja, sollte sie." stimme ich zu. "Nur will sie das
nicht. Sie wollen nicht, daß es auf den PCs installiert wird.
Und auch wenn es noch auf dem Formular als Möglichkeit
auftaucht, müssen sie es trotzdem selbst bezahlen."
"Gut,
und was bekomme ich für 20 Pfund?"
"Handbücher,
die Installations-CD, die Funktionalität. Natürlich erst,
nachdem wir es auf ihrem Rechner installiert haben."
"Es
ist keine Raubkopie, oder?"
"Raubkopie?" seufzt
der PJ. "Nein, ganz sicher nicht. Sehen sie hier - eine
Original-CD."
Er hält ein in Folie eingeschweißtes
Paket aus Dokumentation und CDs hoch.
"Das sieht doch gut
aus für diesen Preis!"
"Darauf können sie
wetten ..." "Also, was muß ich tun?"
"Nun,
ändern sie ihre Betriebssystem-Auswahl auf dem Vordruck, kreuzen
sie das Feld an, daß sie wissen, daß es FEHLER hat, und
wir kümmern uns um den Rest."
"Oh, wie heißt
das Betriebssystem denn eigentlich ..."
"SAGEN SIE ES
NIEMANDEM!" unterbricht der PJ ihn hastig und blickt sich
ängstlich um.
"Wenn sie es sagen, dann wollen es alle
haben und wir haben doch nur noch ein Exemplar übrig!"
"Wirklich? Ein Exemplar? Kann ich es für meinen
Privatrechner bekommen?"
Der PJ und ich tauschen etwas aus,
daß man in einer anderen Welt, in der wir keine Bastarde sind,
als bedeutungsvolle Blicke bezeichnen würde,
während
unser Kunde einen Geistesblitz hat.
"Oh, ich hatte gerade
einen Einfall! Könnten sie es stattdessen vielleicht auf dem
Rechner meines Chefs installieren - er kommt er nächste Woche
wieder!
Das wäre doch eine gute Überraschung!"
Nun, damit liegt er sicher nicht ganz falsch ... "
Nun,
ich glaube, daß wir das tun könnten", murmelt der PJ
langsam. "
Aber wer wird dafür bezahlen?" "Ich
bezahle es!"
"Gut, dann geben sie mir das Geld und
füllen noch ein weiteres Formular aus."
Zwei
OS/2-Installationen und eine Stunde später ...
"Sie
müssen es wieder von meinem Rechner löschen!" bittet
unser Nutzer. "BITTE!"
"Wieso?" "Es ist
furchtbar. Es stürzt ständig ab. Und sie sagten, es würde
mein Leben verändern!"
"Das wird es. Warten sie
einfach, bis ihr Vorgesetzter in der nächsten Woche
zurückkehrt!"
"SIE MÜSSEN ES LÖSCHEN!"
"Ich würde es ja gern tun, ab das geht nicht. Wir sind
nur für die Systemwiederherstellung zuständig.
Das
System muß zerstört sein, bevor wir eine Neuinstallation
vornehmen können."
>KRACH!< >KLATSCH!<
"Ich glaube, mein Rechner ist defekt!"
"Natürlich
ist er das. Und was ist mit dem PC ihres Chefs?"
>KRACH!<
>KLATSCH!<
Ich warte, bis der PJ mir signalisiert, daß
die Aufnahmen der Überwachungskamera gelungen sind und fahre
dann fort.
"Und nun brauchen wir nur noch jemanden, an den
wir die Lizenzen transferieren können."
"Lizenzen
transferieren?"
"Ja, sie müssen ihre Lizenz an
jemanden transferieren, so daß das Betriebssystem sein
Betriebssystem wird und wir ihnen ein neues System für ihren
Rechner geben können.
Sonst müssen wir das gleicher
System wieder auf ihrem Rechner installieren."
"Aber
niemand wird es haben wollen!!!"
"Das ist korrekt. Wie
auch immer, für eine kleine Ausleihgebühr von 20 Pfund
könnten wir ihnen unseren Gummihammer leihen, der kaum Spuren
auf einer damit behandelten Festplatte hinterläßt, mit dem
sie uns einen neuen Nutzer für die ?Systemaufrüstung?
vermitteln können."
"Und für 30 Pfund",
schaut der PJ mir über die Schulter. "Für 30 Pfund
sagen wir ihnen, wer ihnen den Ärger eingebracht hat, indem er
ihre Festplatte ?behandelt? hat." Man muß diese Arbeit
einfach lieben ...
Der B.O.F.H. hilft bei einer Präsentation ...
"Schnell, wir brauchen ihre Hilfe
im Sitzungsraum", keucht der Chef,
als er gehetzt in unser
Büro kommt und eine ausführliche Druckersitzung
unterbricht.
"Der Projektor ist ausgefallen!!!"
"Und
der Techniker ist?"
"Krank!"
"Das scheint
zu stimmen - ich habe gesehen, wie hoch sein Datentransfer ist."
fügt der PJ hinzu.
"Es ist aber sehr wichtig, wir sind
gerade mitten in einer Präsentation!!"
"Oh,
natürlich!" rufe ich und erinnere mich gut an den letzten
ähnlichen Fall, zu dem wir gerufen wurden.
"Wie weit
sind sie mit The Matrix denn diesmal gekommen?"
Der Chef
ignoriert meinen professionellen Sarkasmus und fährt fort.
"Sehen sie, es geht um sehr wichtige Leute, und ihre Zeit
ist unser Geld.
Je schneller wir das Problem lösen, desto
besser!"
Ich füge mich meinem Schicksal, da ich zu den
wenigen in der Firma gehöre,
die mit den Projektoren umgehen
können (und/oder Technik ganz allgemein), und folge dem Chef zur
Tür.
"Der Projektor fiel ganz plötzlich aus - wir
denken, es könnte eine durchgebrannte Glühbirne sein."
informiert er mich, als wir auf den Lift warten.
"Eine
sündhaft teure, langlebige Halogenbirne, die vielleicht erst
zehn Einsätze hinter sich hat?
Nein, ich glaube, wir werden
herausfinden, daß jemand mit der Fernsteuerung gespielt hat und
nun nicht mit der 30-sekündigen Zwangspause zwischen dem Aus-
und dem Einschalten zurechtkommt."
Fünf Minuten später
ist der Beweis für meine Theorie erbracht,
habe drei
Anerkennungspunkte von der versammelten Managergemeinde (mit Ausnahme
EINER Person)
für meine Fähigkeiten zum Aufspüren
von Fehlern kassiert und marschiere zurück ins Büro.
"Woher wußten sie, daß es das ist?" fragt
der Chef pikiert.
"Es ist doch ganz einfach, wenn man die
kleinen Hinweise richtig interpretiert.
Eine langweilige Sitzung,
spät am Nachmittag, laienhafte Fähigkeiten beim Umgang mit
dem Präsentationsprogramm,
jemand muß einfach mit der
Fernbedienung spielen ..."
Nach meiner kurzen Rede lasse ich
den Chef stehen und steuere zielgerichtet den Farbdrucker an, um den
letzten Satz Hochglanzbilder zu holen ...
Doch wie schon einmal
in dieser Woche muß ich feststellen, daß die rote Patrone
des Titenstrahldruckers wieder leer ist.
Jemand, der sich nicht
so gut auskennt, würde jetzt vermuten, daß jemand nachts
in die Firma kommt, um Unmengen von Pornographie auszudrucken,
aber
das kann nicht sein. Ich hätte ihn sehen müssen, wenn ich
meine Bilder ausdrucke ...
"Jemand druckt Pornographie
während der Arbeitszeit aus?!?!" keucht der PJ nach Luft
schnappend,
der die Sache offenbar vom falschen Ende her aufrollt
und alles auf Pornographie schieben will.
"Nein, nein, das
würde sofort auffallen! Nein, jemand druckt etwas aus, das viel
rote Farbe braucht.
Etwas, was ein normaler Mensch nie tun würde
..."
"Urlaubsbilder?"
"Machen sie sich
nicht lächerlich, das hier ist eine Computer-Abteilung.
Die
einzigen Ferien, die die Leute machen, bestehen darin, daß sie
in Internet-Cafés herumhängen und unter KEINEN Umständen
rote Farbe brauchen ..."
"Arbeitsberichte?"
"Sie
haben doch gesehen, woran hier ?gearbeitet? wird - alles nur
schwarzer Text auf weißem Papier.
?Was ich in dieser Woche
geschafft habe?-Zeug, sie wissen schon! Nein - jemand druckt
Diagramme aus." "Diagramme?!"
"Ja,
Gantt-Diagramme, Tortengrafiken, Balkendiagramme - diese Sachen.
Mit
Budgetüberziehungen, Verlusten, etc. - und das alles in roter
Farbe ..."
"Ah, ich denke, es gibt millionfache
Verwendungen für viel rote Far ..."
"Schauen sie
sich die Leute doch an!" rufe ich dem PJ zu und deute auf die
Meute in ihren Würfeln.
"Ahnungslose IT-Schafe. Und
mindestens 50 Prozent von ihnen wissen nicht einmal, wie sie ihren
Standarddrucker wechseln können!"
"Sind sie da
nicht etwas zu hart?"
"Nein, bin ich nicht. Ich arbeite
schon lange genug hier, um den Ärger zu riechen.
Und er
steht uns direkt bevor, würde ich sagen.
Man muß die
Zeichen erkennen - sie wissen schon, wenn zwei Kollegen, die sich
kaum sehen, ihre Freundschaft wiederbeleben und sich versichern, daß
diese wichtiger ist als Geld."
"Sie glauben, daß
sie sich verbünden?"
"Bingo!"
"Und
dann beharren sie darauf, jede Überstunde peinlich genau zu
vermerken."
"Hallo, wir tun das auch!"
"Und
das bedeutet?"
"Und das bedeutet?"
"DIE
FÄLSCHEN IHRE ARBEITSZEIT-ABRECHNUNGEN!!!!"
"Selbstverständlich."
"Aber noch
schlimmer ist es, wenn jemand bis tief in die Nacht arbeitet. Später
als es eigentlich nötig wäre.
Wenn niemand mehr im Büro
ist ..."
"Sie verbrüdern sich mit den
Putzleuten?!?!?"
"Nein, das bedeutet entweder: A. sie
schauen sich Pornos an ..." "
Wie sie, wenn sie lange
bleiben ..." kommentiert der PJ unfreundlich.
"Ein
trauriger Bastard, der sich aufheitern will - wie bei ihnen, wenn sie
länger bleiben ..." gebe ich zurück. "...
oder
überarbeitet bin ...
ODER in einen Diebstahl verwickelt
werde." erwidert der PJ.
"ODER es geht um ein geheimes
Projekt. Besonders dann, wenn ein Manager länger im Büro
bleibt."
"Also ist es ein Manager?"
"Natürlich
ist es ein Manager! Aber welcher von ihnen kann es sein?"
"Der
IT-Chef?"
"Nein, der ist schon so lange hier - er ist
eine Institution.
Nein, es muß jemand sein, der neu ist.
Jemand, der glaubt, er könne uns ersetzen.
Jemand, der
annimmt, er könne mit bunten Grafiken und Worten wie
?Umsatzschwelle? die Leute von sich beeindrucken,
statt mit hart
erarbeiteter Erfahrung.
Jemand, der einen Handstreich plant."
"DER CHEF!!!!"
"Im Speisesaal, beim Kerzenleuchter
..."
"Was werden wir unternehmen? Es dem IT-Chef sagen
und ihn feuern lassen?"
"Nicht ganz ..."
Kaum
einen Tag und eine vertrackte Sitzung später ist der Chef nicht
mehr in seinem Büro,
da er zu einer dringenden Beratung mit
der Vermittlungsagentur gerufen wurde ... "
Besonders mochte
ich die Folie ?Inkompetenz-Niveaus? mit der großen roten Fläche
über der der Name eine bestimmten Person stand."
plappert
der IT-Chef fröhlich.
"Aber ich habe gehört, daß
die Tabelle mit dem Titel ?Emission von heißer Luft durch das
System- und Netzwerk-Management geordnet nach der Menge?
allen
anderen die Schau gestohlen hat ..."
"Wirklich? Ich war
ziemlich beeindruckt von ?Ausredenproduktion im System- und
Netzwerk-Management, wenn jemand die fachliche Kompetenz
bezweifelte?,
aber eigentlich waren alle Folien ziemlich gut.
Und die erfolgreiche Unterdrückung dieses Umsturzversuchs
wird sich auf WELCHE Art auswirken?"
"Ich denke darüber
nach", antwortet er.
Und da behaupten manche Leute,
Nebensächlichkeiten hätten keine Bedeutung ...
Der B.O.F.H. beobachtet die Geschichte mit dem Q ...
Es ist später Nachmittag, als ich
schließlich nach meinem ?Arztbesuch? im Büro eintreffe.
Der PJ ist gerade dabei Virenwarnungen zu drucken, um die Nutzer
über die neuesten Entwicklungen auf diesem gefährlichen
Gebiet zu informieren.
"?Der Q-Virus befällt die
Q-Taste ihrer Tastatur und verursacht Datenverluste in allen
Dokumenten, in denen ein Q vorkommt.?
Ja, ich kann mir
vorstellen, daß das einige Aufregung verursachen könnte.
Aber niemand wird das glauben", erkläre ich, nachdem
ich den Zettel gelesen habe.
"Warum nicht?" fragt der
PJ defensiv. "Sie werden nichts mehr glauben, was von uns kommt
- nicht mehr, seitdem sie diese Mitteilung verschickt haben,
daß
Soundkarten Krebs verursachen können."
"Aber das
war eine hervorragende Warnung mit fantastisch vielen Rückmeldungen."
"Ja, das stimmt. Wie auch immer, ich denke, daß die
Leute etwas nachdenklich wurden, nachdem sie all ihre Soundkarten
eingesammelt, verkauft und den Subwoofer für ihren Rechner
angeschafft hatten ..."
"Der war dringend nötig!"
"Wieso? Damit die Leute unter uns merken, wann sie in Unreal
Tournament verlieren?"
"Nein, für den kompletten
Audio-Genuß der Warnsignale des Betriebssystems. Sie glauben
also, meine Arbeit war umsonst?"
"Nein, nicht
unbedingt. Natürlich muß das Merkblatt noch ein wenig
bearbeitet werden, aber es sieht schon ganz gut aus.
Ich werde
mich darum kümmern, während sie in den Postraum gehen und
uns ein wenig Hochglanzpapier und ein Gerät zum Verschließen
von Folietüten holen können."
Und so kommt es, daß
der Q-Virus am nächsten Tag zum bestimmenden Gesprächsthema
wird ...
"Ah, diese Sache mit dem Q-Virus", murmelt der
Chef, als er mit 0.005 Knoten pro Stunde in unser Büro trottet
und einen Luftstrom hinter sich herträgt (vielleicht ist es aber
auch das Curry vom Vorabend).
"Q-Virus?" "Ja, der
Q-Virus!"
"Nie gehört. Und ich habe alle
wesentlichen Viren-Diskussionslisten abonniert!"
"Aber
hier haben wir es schwarz auf weiß", ruft er und wedelt
mit einer gelben Mitteilung.
Nun, Farbenlehre gehört
offenbar nicht zu seinen Stärken.
"Lassen sie mich mal
schauen", sage ich und greife mir die Arbeit des PJs.
Und es
ist ein beeindruckendes Werk - das muß man ihm zubilligen.
Genau die richtige Mischung aus wichtig aussehenden Schrifttypen,
Schreibstil und Hochglanzpapier,
die ihm den nötigen
Anschein von Authentizität verleiht.
"Das ist ein
Witz!" rufe ich. "Wer würde glauben, daß ein
Virus eine Tastatur befallen kann?"
"Es steht hier",
erwidert der Chef.
"Es ist ein makro-symbiotischer Virus,
der sich, ähm, in die Steuerungselektronik der Tastatur
einnistet und sie als ... äh ... Speicher nutzt.
Wie in den
alten Tagen, als Arbeitsspeicher noch unheimlich teuer und die
Assembler-Programme mit wenigen Bytes auskamen."
"Ja",
murmle ich zweifelnd.
"Diese Speicher-Geschichte könnte
problematisch sein. Trotzdem, das ist Ulk - ganz offensichtlich hat
das jemand als Scherz ausgedruckt."
"Es ist
Hochglanzpapier!" erwidert der Chef und spielt die gewünschte
Rolle.
"Selbst wir können Hochglanzpapier bedrucken!"
rufe ich und offenbare ihm die Wahrheit.
"Jemand könnte
es sich im Postraum geholt und bedruckt haben!"
"ACH
WAS!" ruft der Chef und wird immer perfekter in seiner Rolle.
"Die Warnung kam mit einem der PC-Magazine!"
"Jemand
hat es zwischen die Seiten geschmuggelt, um sie als Dummkopf dastehen
zu lassen!"
"Das glaube ich nicht - die Folie war
unverletzt.
Und ich bin nicht der einzige, der das Magazin
bekommen hat.
Die Warnung lag allen Exemplaren bei!
Sogar der
Chefberater der Finanz-Abteilung hat mich schon deswegen angerufen
und nach Gegenmaßnahmen gefragt."
"Der
Chefberater aus der Finanz-Abteilung?
War das nicht der Kerl, der
eine Notiz mit dem Tacker an eine Diskette heftete?"
"Er
behauptet, sie hätten ihm dazu geraten, diesen Anhang so mit der
Diskette zu verbinden."
"Das ist doch lächerlich!
Aber selbst, wenn ich dazu geraten hätte, wer wäre denn so
blöd, daran zu glauben?
Stellen sie sich vor, ich hätte
ihm empfohlen, ein Axt und Tapetenleim zu benutzen, um das
Ausschneiden und Einfügen von Texten durchzuführen!"
"Dieser Berater wurde gefeuert, das wissen sie doch!
Wie
auch immer, darum geht es doch gar nicht!
Was tun wir gegen
diesen Virus?!?!"
"ALLE GROSSEN Qs IN DEN DOKUMENTEN
DURCH DEN KLEINBUCHSTABEN ERSETZEN?!
Aber dann ist es doch schon
im Rechner und hat nichts mit der Tastatur mehr zu tun!"
"SO
WIRD DER VIRUS AKTIVIERT!"
"Bitte. Ich könnte ..."
"SEHEN SIE SICH DAS AN!" winkt der Chef mich in sein Büro,
so daß ich das Ergebnis der jüngsten Aktivitäten
des PJs bewundern kann, die darin bestanden, die Federn unter den
Tasten zu entfernen.
"Das ist doch kein Virus, ihre Q-Taste
ist einfach steckengeblieben!"
"Nein, das ist der
Virus. Ich habe ein Dokument gelesen, als es passierte!"
"Und
sie haben Alt-Q genutzt, um das Programm zu schließen?"
"Sie können sagen, was immer sie wollen, aber das ist
alles passiert, wie es in der Mitteilung steht.
Und das ist erst
der Anfang!
Ich will das Problem bekämpfen, bevor es noch
auf die anderen Tasten überspringt!!!
" Ohne sich noch
weiter auszulassen, greift der Chef zum Telefon und gibt den Leuten
von der Nutzerbetreuung seine ?administrativen Anweisungen?.
Später
am Tag ... "So, hier habe ich alle Q-Tasten", ruft der PJ
und hält eine Plastiktüte hoch.
"Gut",
antwortet der Chef begeistert und liest die Anweisungen auf dem
Zettel, um über seine nächste Mission zu entscheiden.
"Jetzt müssen wir sie desinfizieren."
Es ist
wirklich traurig, wie weit man Leute mit Hochglanzpapier bringen kann
...
"Wir müssen die Tasten nehmen und in einen
Metallcontainer stecken, der etwa 50 Liter fassen kann und sie
kräftig bestrahlen,
um die Virenstrukturen aufzulösen!"
"DIE MIKROWELLE!" ruft der PJ, rennt in den
Frühstücksraum und packt den Inhalt des Beutels in die
Mikrowelle und läßt ihn zehn Minuten unter Höchstleistung
brutzeln.
Elf Minuten später in unserem Büro ...
"Und
wo bekommen wir jetzt Ersatztasten her?" fragt der PJ.
"DAS
VIREN-INFORMATIONS-ZENTRUM WIRD ES UNS SAGEN!" ruft der Chef und
hämmert eine der Nummern von dem Zettel in sein Handy.
"Hallo",
meldet sich der PJ, dessen Telefon klingelt.
"VIREN-INFORMATIONS-ZENTRUM ..."
Und wen man genau
hingehört hätte, dann hätte man die Landung des
fallenden Groschens gehört.
"Was wird es mich kosten?"
"Nun ... hm ... 73 Tastaturen kosten ... nun ... 10 Pfund
pro Stück?"
"..." "730 Pfund. Aber weil
sie es sind, überlasse ich sie ihnen für 500 Pfund. Sie
sind im Lager."
"Aber dann gehören sie doch schon
der Firma!"
"Nun, mal sind sie da, mal sind sie weg,
sie wissen schon ..."
500 Pfund später ...
"Ich
habe einfach nur zugeschaut, als die Transaktion stattfand",
gebe ich zu.
"Es war so ..."
"Einträglich?"
fragt der PJ.
"Nein, einträglich wird die Aktion in der
nächsten Woche sein.
Das hier war ... interessant."
"Nächste Woche?"
"Ja, wissen sie, wenn
der Mausball-Virus ausbricht."
"Ah, natürlich ..."
Der B.O.F.H. zeigt, wie man einen Manager steuert ...
"Und wie war das mit dieser
Zertifizierung doch gleich nochmal?" fragt der Chef
und
starrt wie ein ahnungsloser Trottel auf die Wandtafel.
"Es geht darum, daß unser
Webserver ein Zertifikat liefert, das beweist, daß er ist, wer
er zu sein vorgibt." seufze ich.
"Und die Sache mit dem
Schlüssel?"
"Den generieren wir, um eine Anfrage
an eine vertrauenswürdige dritte Seite zu schicken, um das
Zertigfikat zu BEKOMMEN."
"Ach so. Und wozu brauchen
wir das alles?"
"Um
sichere Transaktionen auf einem Server durchführen zu können
- Verkäufe über das Netz, interne sichere Kommunikation
..."
"Und wie geht das?"
... Ich werde ihn
umbringen. Oder mindestens ein wenig verletzten.
Obwohl, wenn ich
darüber nachdenke, wohl eher mehr ...
Ich hasse es,
Technologie dem mittleren Management zu erklären - es verwirrt
sie nur, und wenn sie verwirrt sind, regen sie sich auf.
Und wenn
sie aufgeregt sind, dann fällen sie übereilte
Entscheidungen ...
"Können wir das nicht einfach
auslagern?"
Seufz. "Wenn wir sichere Transaktionen
auslagern, dann müssen wir für jede Transaktion bezahlen."
"Und was bedeutet das in einfacheren Worten?"
...
der Tod ist noch zu gut für ihn ...
Es wäre alles nicht
so schlimm, wenn er es nicht gewesen wäre, der wieder von der
ganzen E-Commerce-Geschichte angefangen hat ...
"Das
bedeutet, daß jedesmal, wenn jemand etwas von uns kauft, wir
dafür mehr bezahlen müssen, als wenn wir uns selbst um die
Sache kümmerten."
"Das wäre, als würden
sie Eintrittskarten für ihr eigenes Konzert kaufen", fügt
der PJ hinzu, um zu helfen,
doch offenbar hat er vergessen, daß
die Verwendung von Analogien zu einem solchen Zeitpunkt nur noch mehr
Verwirrung stiftet.
"Warum sollte man sein eigenes Konzert
ansehen wollen?" fragt der Chef.
"Und warum sollte man
dafür ZAHLEN - wo man doch ohnehin schon da ist?!"
Ich
entschließe mich dazu, eine Pause einzulegen und lasse den PJ
mit dem Chef allein.
Ein paar Biere später steuere ich das
Büro des Chefs erneut an, um zu sehen, welche Fort- oder
Rückschritte der Chef gemacht hat.
"Wenn ich also ...
hm ... Lloyd Webber wäre und ... hm ... Cats sehen wollte, wäre
es dumm,
wenn ich mir eine Karte von einem Händler kaufen
würde, obwohl ich doch selbst Kartenhändler bin?"
"Ja." lächelt der PJ. Mission erfolgreich beendet.
"Aber wenn ich Cats schon gesehen habe, da bin ich mir
sicher, daß er das schon getan hat, und etwas anderes sehen
will?"
"Nun, das ist nicht Gegenstand der Analogie."
antwortet der PJ vorsichtig.
"Wir reden doch darüber,
ob wir unser EIGENES Internet-Geschäft selbst erledigen sollen
oder es anderen überlassen und dafür Rechnungen
bezahlen."
"Oh, so ist das. Also werden wir gar nicht
ins Theater oder Musical gehen?"
"Nein."
"Das
ist wirklich schade, da ich Cats noch nicht gesehen habe und nicht
unbedingt eine Karte kau ..."
>2 Minuten später<
"Das ist ja furchtbar!" rufe ich und helfe dem Chef
hoch.
"Diese Monitore sind eigentlich ziemlich stabil, aber
gelegentlich fallen sie auf die Menschen herab."
"Er
wollte mich treffen!" ruft der Chef und deutet auf den PJ.
"Nein, das ist nur der Schock. Der Monitor kippte einfach
um. Sie sollten froh sein, daß wir heute früh ihren
schweren alten Monitor gegen diesen 21-Zoller hier ausgetauscht
haben!"
"Ja, ich glaube, sie könnten da richtig
liegen", murmelt der Chef und marschiert noch etwas verwirrter
als sonst hinaus.
Und um ehrlich zu sein, bin ich auch recht
verwundert über die hohe Aggressivität des PJs.
Im
Normalfall kann man gut mit ihr leben, aber seit einiger Zeit ist er
schneller auf der Palme als sonst.
Möglicherweise hat er
zuviele Linux-Magazine gelesen - ich habe keine Ahnung.
In der
vergangenen Woche hat er zum Beispiel einem Nutzer, der sich nur über
das Flimmern seines Monitors gejammert hatte,
empfohlen, eine
Metallgabel in die Steckdose zu schieben, um einen ?Erdungstest?
durchzuführen.
"Was ist ihr Problem?" frage ich
und versuche, mich vorsichtig der Thematik zu nähern.
"Welches
Problem?" erwidert der PJ und spielt den Unschuldigen.
"Sie
haben den Monitor nach dem Chef geworfen, weil er ihnen auf die
Nerven ging!"
"Ja." "Also womit haben sie ein
Problem?" "Ich weiß es nicht. Die Leute gehen mit in
der letzten Zeit WIRKLICH auf die Nerven."
"Aha. Wann
hatten sie eigentlich ihren letzten Urlaub - uh, ich meine natürlich
ihre letzte Dienstreise?"
"Keine Ahnung - vor 12
Monaten, schätze ich. Aber ich kann mich nicht genau erinnern."
"Genau, das ist ihr Problem! Sie MÜSSEN mindestens
einmal im Jahr eine Dienstreise machen. Das ist eine bewiesene
Tatsache!"
"Bewiesen? Wo?"
"Das muß
sie nicht kümmern. Nun zu dieser Reise. Wo wollen sie hin?
Manchester? Leeds?"
"Manchester? Leeds?!"
"Das
war nur ein Witz. Nun, schauen wir mal, da gibt es ein Seminar über
Arbeitsmoral in Rom, aber sie müßten einen Manager
mitnehmen ..."
"Wieso?"
"Das ist doch
einfach", erkläre ich freundlich. "Alles, was SIE
wollen, müssen sie erst jemandem anderen aufschwatzen, um einen
Präzedenzfall zu schaffen. Dann folgen sie einfach dem neuen
Trend."
"Oh, das ist also wie beim IT-Chef, wenn er
sich einen besseren Laptop zulegt?"
"Bingo!" "Aber
wie machen wir das nun mit der Reise?"
"Nun, wenn sie
verreisen wollen, dann müssen sie einem Manager diese Reise
empfehlen,
was dem Manager natürlich ebenfalls erlaubt, die
Reise zu unternehmen.
Normalerweise muß man einen Zielort
nehmen, an dem der Manager ohnehin schon Interesse hat ..."
"Und wo würde der Chef gern hinfahren?"
"Abgesehen von Volkstanz-Seminaren? Keine Ahnung. Aber er
fällt ohnehin nicht in die engere Wahl.
Mit ihnen zusammen
würde er wahrscheinlich sowieso nicht verreisen wollen.
Nein,
wir müssen andere Möglichkeiten prüfen ..."
"Wo
wir gerade von anderen Möglichkeiten sprechen", erklärt
der IT-Chef, als er mit ein paar Hochglanzbroschüren für
neue Laptops ins Büro hereinschneit.
"Was halten sie
davon, die Rechner der Manager auf den neuesten Stand zu bringen?"
Bingo. "Das ist schwer zu sagen", wirft der PJ ein.
"Es könnte gut sein, sie immer mit den aktuellsten
Laptops auszustatten, aber ist es moralisch vertretbar,
ihnen
immer wieder neue Geräte vorzusetzen, an die sie sich erst
gewöhnen müssen?"
"Moralisch?" ... Und
so kommt es, daß der PJ mit dem IT-Chef auf die Reise geht,
während ich mit dem Chef und dessen E-Commerce-Plänen
zurückbleibe ...
"Wie war das noch einmal mit diesen
Zertifikaten?"
>KRACH< >
2 Minuten später<
"Sie sollten wirklich auf diesen Monitor achten!"
erkläre ich dem Chef und helfe ihm wieder auf die Beine.
"Der
ist ja eine richtige Gefahr! Oh, wußten sie übrigens, daß
in der nächsten Woche in Paris eine Konferenz über
Sicherheit am Arbeitspla ..."
Nun, man kann es ja mal
versuchen ...
Wie man den Quake-Server aufrüstet ...
Das mache ich nicht mit!" schnappt
der PJ ein,
nachdem der Chef vorgeschlagen hat, daß der PJ
und ich an einem eintägigen Seminar zur Firmengeschichte
teilnehmen sollten,
um uns über die Entwicklung der Firma zu
informieren.
"Warum denn nicht?" ruft der Chef, den die
Reaktion des PJs überrascht.
Immerhin wäre das ja die
Gelegenheit, einen ganzen Tag dem Arbeitsplatz fernzubleiben.
Natürlich, der Chef könnte dann - für einen Tag -
den Wissenden spielen.
Nur für einen Tag, wie gesagt ...
"
Weil sich dann niemand um den Serverraum kümmern
würde." antwortet der PJ.
"Wir könnten
jemanden von der Nutzerbetreuung damit beauftragen, sich darum zu
kümmern, während sie nicht da sind."
"Die
Nutzer-Betreuung?! Die haben von Technik doch keine Ahnung!"
rufe ich und mische mich ein.
"Sie wissen schon noch, daß
die einem Nutzer in der vergangenen Woche empfohlen hatten FDISK zur
Lösung seiner Speicherplatzprobleme auf der Festplatte zu
benutzen, oder?"
"Das waren sie!" erwidert der
Chef, der sich keinen Augenblick täuschen läßt.
"Ja
- aber ich habe das mit ABSICHT getan, weil ich wußte, daß
die Leute von der Nutzer-Betreuung die gleiche Lösung empfohlen
hätten.
Wie weit ist übrigens die
Datenwiederherstellung fortgeschritten?"
Der
Gesichtsausdruck des Chefs kann nur eines bedeuten - sein Tom
Jones-MP3-Sammlung ist für immer verloren.
Der arme Kerl.
"Ich dachte, sie würden die Sache mögen", fährt
er fort.
"Immerhin bringen sie Computer mit, auf denen sie
die Präsentation verfolgen können!!!"
"Sie
bringen Computer mit?" fragt der PJ, dessen Widerstand zu
bröckeln beginnt.
"Ja - ich wußte doch, daß
sie es mögen würden, wenn Technik mit im Spiel ist. Also
kann ich ihre Namen auf die Liste setzen?"
"Wenn der
Serverraum sicher ist und es keine Unfälle gibt."
"Sie
denken an den Ingenieur, der über das Kabel stolperte, das die
gleiche Farbe hatte wie der Bodenbelag?"
"Wenn sie das
temporär verlegte Cat-5-Kabel mit den Gewichten an beiden Enden
meinen, die für die richtige Straffheit sorgten, dann ja."
"Gut, ich bezweifle, daß es irgendeine Notwendigkeit
geben wird, den Serverraum zu betreten", erwidert der Chef
uninteressiert.
"Natürlich wird es keine NOTWENDIGKEIT
dafür geben, doch es wird die Leute locken, wie Manager sich von
Pornographie angezogen fühlen!"
ruft der PJ.
"!?"
hält der Chef inne, überrascht darüber, wie gut
wir ihn kennen.
"Ich glaube, der PJ macht sich Sorgen über
potentielle Zerstörungen."
"In Ordnung. Wissen sie
was, schließen sie den Raum einfach ab und lassen sie sich eine
Nachricht auf ihren Pager schicken, wenn etwas passiert."
BONUS!
"Hallo, ich bin Phil und stehe heute für ihre Fragen zu
ihrer Verfügung",
begrüßt uns und ein paar
neue Erbsenzähler ein überfreundlicher Kerl aus der
Personal-Abteilung.
"Setzen sie sich einfach vor einen
dieser Computer und klicken sie auf den GESCHICHTE-Button,
um ein 15-minütiges Video zur
Firmenentwicklung zu sehen."
"Genau!"
stimmen
der PJ und ich zu und lassen uns in die Sitze fallen.
Während
die Videos laufen,
verschwindet Phil nach draußen, um seine
Arbeitszeitabrechnung auszufüllen und mit der Sekretärin zu
flirten.
In der Zwischenzeit prüfe ich die Ausstattung der
Rechner. "PIII 600 mit 256 Megabyte Arbeitsspeicher",
murmle ich und sehne mich plötzlich nach einer besseren
Ausstattung für unseren Unreal Tournament-Server ...
"Zeit
zum Abrüsten!" ruft der PJ und übernimmt das
Schmierestehen, während die Erbsenzähler begeistert
zuschauen,
wie die Mitglieder der Geschäftsführung die
Firma aus dem Nichts schufen,
um der ganzen Menschheit zu dienen.
In wahrer Geheimagentenmanier öffne ich den Rechner und
führe eine vom Hersteller nicht empfohlene Abrüstung durch,
als Phil zurückkommt.
Ich schalte in Modus 2 um und
verwickle ihn in ein Gespräch, während der PJ den Finger
auf einen Schalter legt, der zu einer kleinen Schachtel an seinem
Gürtel gehört.
...
tief im Inneren des Serverraums
schaltet sich die Unterbrechungsfreie Stromversorgung ab ...
>Eine
Minute später<
"Das ist für mich!" ruft
der PJ, stellt seinen Pager ab und verbirgt den befreiten Prozessor
in der Hand.
"Bin gleich wieder da."
Und
tatsächlich kehrt er nach einer annehmbaren Frist mit einem
Ersatzprozessor zurück, der zwar identisch aussieht, aber
seltsamerweise viel langsamer laufen wird.
"Mein Gott, der
Alpaca-Virus!" rufe ich laut und lenke die Aufmerksamkeit aller
Anwesenden auf das Fenster,
während der PJ die
Hauptsteckdose, an der alle Verteilerdosen hängen, mit einem
Fußtritt demoliert und die Hauptsicherung abschaltet,
worauf
alle Rechner sich verabschieden.
"Sind sie auch infiziert?"
frage ich die Erbsenzähler und öffne ihre Rechner, bevor
Phil noch etwas sagen kann.
Der PJ hat in der Zwischenzeit ein
paar leere Prozessorsteckplätze mit Ersatz ausgestattet.
"Sie
wissen doch, was sie tun?!?" macht Phil sich keuchend Sorgen um
seine Rechner.
"Natürlich!" erwidere ich.
"ICH
BIN EIN PROFI! Wir müssen nur die infizierten Komponenten
isolieren und sie auf meinem Rechner desinfizieren!"
"Ist
das wirklich nötig?" jammert Phil.
"Sie werden
sehen, wie nötig das ist." antwortet der PJ.
"Und,
ähm, vielleicht sollten sie ihren Laptop vorbeibringen ..."
"Sie meinen, daß der Virus auch meinen Laptop befallen
hat, obwohl er in meinem Rucksack und ausgeschaltet war?"
"Und
ihr eingebauter Virenschutz nicht aktiv war?" erwidert der PJ.
"Oh, natürlich!" Es stimmt schon, was man über
Leute sagt, die einfach zu dumm sind, um einen guten Rechner zu haben
...
Flüche, Lügen und Videos ... "
Wo liegt denn das Problem?" will
der PJ hilfsbereit vom Chef wissen, während er sich dem
Solitärspiel auf seinem Monitor widmet.
(Und da behaupten
manche noch, der PJ könne sich nicht um zwei Dinge gleichzeitig
kümmern.)
"Ich kann keine E-Mails an einen Kollegen in
den USA schicken - es kommen immer nur Fehlermeldungen!"
"Wie
lautet denn die Fehlermeldung?"
"Oh, daran kann ich
mich nicht mehr GENAU erinnern. Etwas mit einer Nummer und
irgendwelcher ?Kann nicht zugestellt werden?-Unsinn."
"Oh,
DIESER Fehler. Machen sie sich keine Sorgen, ich werde mich darum
kümmern."
Der Chef verläßt uns, und der PJ
widmet sich weiterhin seinem Spiel - es ist faszinierend, ihn dabei
zu beobachten.
Zwei Stunden später ist der Chef wieder da,
während der PJ ungefähr beim 90. Spiel ist.
"Ich
kann noch immer keine E-Mail abschicken." empört sich der
Chef.
"Wirklich!? Dann ist es noch schlimmer als ich
dachte!" antwortet der PJ ohne von seinem Spiel aufzublicken.
"Schreiben sie einfach die Adresse auf und ich schicke sie
dann von hier aus ab."
"Würden sie?" fragt
der Chef dankbar.
"Danke."
"Keine Ursache."
... Zwei Stunden später ...
"Es geht noch immer
nicht!" regt sich der Chef auf.
Und auch wenn ich die
Anzeichen vielleicht überbewerte, so scheint er jetzt doch
leicht verärgert zu sein.
"Nun, dann weiß ich
vorerst auch nicht, was ich noch versuchen könnte", gesteht
der PJ.
"Es sei denn, sie könnten mir die KORREKTE
Fehlermeldung geben. Manchmal läßt sich damit ein Problem
ganz schnell beheben ...
" Der Chef stampft davon - und ich
glaube, er ist jetzt noch verärgerter als bei seinem Kommen,
doch vielleicht irre ich mich ja auch.
Noch immer vor Wut
schäumend (Vielleicht liegt das daran, daß wir ihm seine
Mittagspause vermiesen.)
kommt der Chef zurück und wedelt
mit einem Blatt Papier, auf das er etwas hingekritzelt hat.
"Ah,
die benutzen einen Inhaltsfilter!" schließe ich aus den
Worten ?BLOCKIERT DURCH INHALTSFILTER? in der Fehlermeldung.
"Ein
Inhaltsfilter?" plappert der Chef mir nach.
"Ja, der
dortige Administrator befürchtet offenbar, daß eines oder
mehrere Worte in ihrer E-Mail vom Empfänger als Beleidigung
aufgefaßt werden könnten. Und deshalb wird die E-Mail
zurückgewiesen."
"Beleidigung?"
"Ja,
das ist der neueste Einfall in einer langen Entwicklungslinie, um
Schutzprogramme für E-Mails zu verkaufen.
Die E-Mails werden
nach ?schlimmen? Worten durchsucht."
"Ich glaube, daß
das eine großartige Idee ist - das könnten wir auch
nutzen!" denkt der Chef nach - und offenbar auch an all die
lobenden Worte,
die er vom höheren Management hören
wird, wenn er erklären kann, wie geschützt wir sind -
"Wußten sie übrigens, daß wir unsere Nutzer
vor Beschimpfungen beschützen?".
"Selbstverständlich."
murmle ich. "Sie glauben nicht, daß es funktionieren
würde?"
"Nun, betrachten wir es doch einmal so",
erwidere ich.
"WIE VIELE Nutzer beschweren sich denn
gegenwärtig über die Worte, die andere in den E-Mails
benutzen?"
"Ich habe keine Ahnu ..."
"Sollen
wir bei der Nutzerbetreuung nachfragen?"
"Vielleicht
fühlen sie sich beleidigt, wollten es aber nicht melden?"
"Wir reden über Leute, die sich beschwert haben, als
die Kekssorte in der Kantine gewechselt wurde - notorische
Beschwerer.
Und trotzdem gibt es keine einzige Beschwerde über
den Inhalt von E-Mails ..."
"Nun, vielleicht könnten
wir es trotzdem einsetzen. Nur für das höhere Management -
mit Worten, die es beleidigen könnten."
"Sie
denken an Worte wie ?Verantwortung?, ?leistungsgerechtes Gehalt?,
oder?"
"Sie wissen genau, was ich meine!"
"Ich
bin überzeugt davon, daß dadurch auch normale
E-Mail-Kommunikation beeinflußt würde - die Nutzer sind es
gewohnt, bestimmte Begriffe zu benutzen, die Bestandteil des
Arbeitsplatz-Vokabulars geworden sind.
Ich bin sicher, daß
es Beschwerden geben würde, wenn wir ihnen vorschreiben, welche
Begriffe sie benutzen sollen und welche nicht, weil sie zweideutig
sind ..."
"In diesem Fall könnten sie den Nutzern
mitteilen, daß es meine neue Politik ist, Zweideutigkeiten zu
vermeiden und daß das Management solchen möglichen
Beschimpfungen nicht ausgesetzt werden soll!
Wir wollen mehr
Klarheit!" antwortet der Chef und stellt sich vor, wie sein Ruf
beim höheren Management dadurch steigen würde.
"Ich
habe darüber gesprochen ?schlimme? Worte zu SENDEN.
Wie auch
immer, jemand muß sich darum kümmern, welche Worte in die
Ausschlußliste aufgenommen werden sollen."
"Sie
meinen, wir haben das System schon?!" schnappt er nach Luft.
"Natürlich. Aber wir haben die Ausschlußliste
nicht angelegt - es ist zu anstrengend, sich immer neue Schimpfworte
auszudenken."
"Nun, *ICH* hätte das schon ein paar
Vorschläge für den Anfang!"
"In Ordnung",
seufze ich.
"Sie sagen sie mir und ich gebe sie in den
Filter ein."
"Trottel", ruft der Chef.
"Ich
glaube nicht, daß wir dieses Wort in die Liste aufnehmen
sollten - sie würden dann niemals mehr E-Mails vom
Geschäftsführer bekommen!"
Der Chef ignoriert
meinen Einwand und macht weiter.
"Scheiße,
Schweinehund!" "Schw ..." Und so geht es weiter.
Der
Chef gibt für eine halbe Stunde die Vorstellung seines Lebens,
verläßt uns und kommt dann ungefähr alle 10 Minuten
mit neuen Einfällen zu uns.
Und ich warte auf die Anrufe,
die zwangsläufig kommen müssen.
Und sie werden kommen
...
Am nächsten Tag jedoch geht es um wichtigere Dinge.
Es
scheint so, als hätte der selbstlose Einsatz des PJs für
sein Solitär den Chef so verärgert, daß er uns beide
zu einem Gespräch in der Personal-Abteilung bestellt.
"Das
riecht nach einem Rauswurf", informiere ich den PJ.
"Das
können sie nicht tun - ich wurde nicht verwarnt."
"Das
stimmt nicht ganz - ich schätze, sie vergessen die drei
schriftlichen Verwarnungen, die sie bekommen haben."
"Ich
habe nie drei schriftliche Verwarnungen bekommen!!!"
"Natürlich
haben sie sie bekommen. Aber ich habe sie in den Mülleimer
geworfen - ich wollte nicht, daß sie sich aufregen!"
"Also bin ich geliefert?" "Es scheint so.
Allerdings gibt es da DIESEN Typ, den ich kenne. Der könnte
gegen eine kleine Zahlung dafür sorgen, daß sie
unverzüglich wieder in unserem Büro sitzen werden. Für
eine kleine Zahlung."
"Wie klein?"
"Fünf
Biere."
"Gebongt. Und was soll ich nun tun?"
"Streiten sie alles ab."
"Ist das alles?"
"Womit sich der Preis auf zehn Biere erhöht. Wollen sie
es für 20 Biere probieren?" Das Schweigen folgt als
Antwort.
Und weil er alles leugnet werde ich herbeigerufen, um
die eine oder andere Geschichte zu bezeugen.
"Sie wissen,
worum es geht?" fragt mich der Personaler.
"Unprofessionelles
Verhalten, vermute ich."
"Stimmt. Nun, was können
sie uns zu den gestrigen Vorgängen sagen?"
"Nun,
im Normalfall bemühe ich mich, solche Dinge zu überhören
- um die Arbeitsmoral nicht zu gefährden, sie wissen schon.
Aber gestern war es doch ein wenig extrem.
Ich habe hier das
Video der Überwachungskamera, wenn das in Ordnung ist."
"Nun, das könnte zur Wahrheitsfindung dienlich sein."
Ich werfe die Cassette ein und drücke die Wiedergabetaste.
"... ANZLUTSCHER!" ruft der Chef und verläßt
unser Büro.
Ich spule zu ein paar weiteren Meisterleistungen
des Chefs vor, um schließlich beim finalen "IDI ...
>KLICK!<"
zu landen.
"Ich glaube, wir
haben genug gesehen", sagt der Personaler.
"Das ging so
den ganzen Tag über!" schnieft der PJ, der meinen Plan
begreift.
"Er kam herein, beschimpfte mich und verschwand
dann wieder. Ich wollte nichts sagen, um meinen Arbeitsplatz nicht zu
riskie ..."
"DAS IST AUS DEM ZUSAMMENHANG GERISSEN!"
schreit der Chef.
"DAS SIND WORTE, DIE WIR IN DEN E-MAILS
FILTERN WOLLEN!!!"
"Wir haben keinen Filter für
E-Mails!" antworte ich.
"UND WARUM TIPPEN SIE ETWAS
EIN?!"
"Beweise. Ich habe alle Beleidigungen in einer
Datei gespeichert."
"SPIELEN SIE DEN ANFANG DES
BANDES!" ruft der Chef.
"Das war der Anfang des Bandes.
Aber ich kann gern das Band vom Morgen holen.
Allerdings dürfte
darauf noch nichts zu sehen sein, da die Beschimpfungen erst um die
Mittagszeit herum losgingen ..."
"OH, DAS IST JA
PASSEND!" antwortet der Chef sarkastisch.
"Ja",
unterbricht ihn der Personaler.
"Ich glaube nicht, daß
wir sie oder ihren Assistenten für das weitere Gespräch
noch benötigen, also können sie jetzt gehen.
Stört
es sie, wenn sie das Band noch hierlassen?"
"Nicht,
wenn wir es in ein paar Tagen zurückbekommen - Sicherheitsgründe
und so weiter."
"Oh, ich glaube nicht, daß wir es
lange brauchen ..."
EIN NEUER CHEF UND ZEHN BIERE, AUF DIE
ICH MICH FREUEN KANN - DAS LEBEN WIRD IMMER BESSER!!!!
Der B.O.F.H. spielt Golf ... "
Verdammt!" ruft der PJ, als der
Server der Personalabteilung sich in den Warte-Modus abschaltet.
"Verdammt!" ruft er erneut, als einer unserer großen
Dateiserver ihm folgt und sich verabschiedet.
"Was mache ich
FALSCH?"
Seufzend gehe ich zu ihm und nehme ihm den Schläger
aus der Hand.
"Sie verziehen beim Schlagen." sage ich
und zeige ihm zum dritten Mal, wie er den Schläger halten soll.
"Wenn sie das Eisen zu nah an ihrem Körper halten, wird
der Ball abgelenkt.
Halten sie den Schläger zu weit weg von
ihrem Körper, fliegt der Ball zu hoch.
So sollten sie es
machen -
>WACK!<
>KRACH<
>RUMMS<
-
einfach so!"
"Bei ihnen sieht das so leicht aus!"
"Das ist es auch - wenn sie es einmal begriffen haben.
Und
das wir gerade vor dem Datenbank-Server der Erbsenzähler stehen,
zeichne ich es ihnen schnell auf.
Dann versuchen sie es noch
einmal ..."
... Natürlich, es ist nicht gerade
professionell, im Server-Raum Golf zu spielen, ja, vielleicht sogar
verantwortungslos,
doch auf der anderen Seite ist ein
hervorragend schallisolierter Raum mit langen, freien Gängen
zwischen den Rechnern der optimale Platz,
um ein wenig zu üben.
Wenn sie den Ball gerade schlagen können ...
Der Grund
für unsere Übungen wird offensichtlich, wenn man bedenkt,
daß in der Post unseres Chefs eine Einladung zum alljährlichen
?Datenzentren-Manager-Golf-Turnier? lag.
Die Einladung kam von
einem Lieferanten oder jemandem, der meinte, daß jemand in
einer bestimmten Position in der Lage sein müsse, mit einem
Eisen und ein paar Bällen umzugehen.
(Das stimmt durchaus,
wenn man die ehemaligen Manager der Firma anschaut, doch das
gegenwärtige Exemplar ist eine andere
Angelegenheit.)
Traurigerweise ist der Chef nicht in der Lage, an
dem Turnier teilzunehmen, so daß der PJ und ich beschlossen
haben, ihn (und ein paar andere Manager)
zu vertreten.
Nun,
der PJ muß noch ein wenig an seinem Handicap arbeiten, und
damit meine ich nicht seine Tippgeschwindigkeit von 10 Worten pro
Minuten. - 10 Minuten später -
"Das ist nicht nur nicht
gut, das ist unmöglich!" ruft er wütend und feuert den
Golfschläger wahrhaft professionell durch den Raum - was
beweist, daß er sich WIRKLICH langsam bessert.
"Ich
glaube, ich weiß, wo ihr Problem liegt", antworte ich und
wähle die sanfte Methode.
"Das ist Schrott. Wie auch
immer, mit dem richtigen Anreiz werden sie ihre Fähigkeiten
sicher verbessern können ..."
Ich ändere die
Position des Golfballs und die des PJs und schalte in den
Trainer-Modus um.
"Nehmen sie jetzt den Schläger und
machen sie eine kräftige Bewegung in diese Richtung."
"Zum
Applikations-Server der Erbsenzähler?"
"Korrekt.
Und dann strengen sie ihr Vorstellungsvermögen etwas an."
"Eine grüne Wiese und eine Fahne am Loch?"
"Nein,
17 Glas Bier, die ich bezahle, wenn wir den ersten Preis bekommen."
>WACK< >Krach< >Splitter<
>weeeeeeoorrRRRRRRR.....r<
"Beeindruckend!"
keuche ich und untersuche den Schaden.
"Der Ball hat das
Gehäuse vor den Festplatten durchschlagen und ist ...
Oh!
...
direkt auf dem Kühler des Prozessors gelandet, was beinahe
zwangsläufig eine therm ..." >... rrrrrrrrr - Klick<
"... ische Überlastung verursachen muß
Es sieht
aus, als seien sie jetzt bereit!"
[Am nächsten Tag, an
dem der PJ einen Trauerfall zu beklagen hat und ich leider krank
bin.]
"Ah, der DUFT von gemähtem Gras!" erklärt
der PJ und erinnert sich damit an ein Leben, das er nicht hatte.
"Der Lockruf des Golfplatzes!"
"Es wird noch
besser, wenn wir den Parkplatz verlassen haben!" erwidere ich
und dirigiere ihn freundlich in die Richtung des Zeltes mit der
Anmeldung.
"Kann ich ihnen ein Getränk anbieten?"
fragt ein niedliches junges Mädchen.
"Scotch und Soda?"
fragt der PJ ungeschickt.
"Nein, nein", unterbreche ich
ihn.
"Wir wollen nicht mit dem falschem Fuß aufstehen.
Wir sind offizielle Repräsentanten unserer Firma.
Und als
solche müssen wir die hohen moralischen Ansprüche und den
Geist des fairen Wettbewerbs vertreten, für die unsere Firma
bekannt ist.
Nur drei Glas Bier bitte."
"Für
jeden!" fügt der PJ hinzu.
Drei kurze Biere später
haben sich ein paar Verkaufsmanager zu uns gesellt, die von einem
größeren Internet-Zugangs-Provider kommen und ungefähr
soviel von Computern verstehen, wie Microsoft von Einhalten von
Standards ...
Der PJ geht just in dem Moment zur Bahn, als einer
der Typen seine Lobrede auf das Anbieten von Programmen über
zentrale Server (ASP) beginnt ...
... Drei Biere später sind
wir mit ein paar anderen Typen an der zweiten Abschlagstelle, nachdem
ein extrem verzogener Schlag des PJs dem vorherigen Redner einen
Rippenbruch einbrachte.
So ein Pech.
"Ah, sie wollen
also mit dem Putter loslegen?" fragt einer unserer Opponenten
den PJ hilfsbereit.
"Ein Putter!" lacht der, als ihm
klar wird, daß er wohl ein wenig zuviel Bier getrunken haben
könnte.
"Ich dachte, es sei das Nuller-Eisen. Bin
gleich wieder hier!"
Er stapft in Richtung eines großen
Busches davon, während ich mir seine Golftasche schnappe, um das
Zweier-Eisen für den Schlag zu entnehmen.
Es ist wirklich
traurig, einen so jungen Menschen zu sehen, der sich zum Trottel
macht - und es ist noch schlimmer, wenn das jemandem in meinem Alter
passiert, denke ich, als ich mich in die Golftasche übergebe.
Trotzdem, das gehört alles zum Spiel - und es ist ein
großartiges Spiel.
Beim fünften Loch hat der PJ alle
Bemühungen aufgegeben, zu verbergen, daß er die Bälle
unserer Gegner von der Bahn in die Büsche, die Wasserhindernisse
oder die Sandflächen befördert - je nachdem, was näher
liegt - oder sie einfach aufsammelt, um sie beim zehnten Loch wieder
an sie zu verkaufen.
"Fünf Pfund für dreeeeiiii
Bälle", murmelt er undeutlich.
"Das ist ja
lächerlich!" "Das ist es wirklich", sage ich
ziemlich deutlich angesichts der 15 Biere, die ich bisher getrunken
habe.
"Wie bitte?" "Lächerlich."
"Bitte?" ...
"DAS RESULTAT!!" ruft der PJ,
als er am nächsten Morgen mit angemessener Verspätung ins
Büro kommt und die Golf-Trophäe auf meinen Tisch
stellt.
"Sie schulden mir 17 Biere!"
"Die haben
sie doch nur gestohlen, oder?" frage ich, da ich mich noch gut
daran erinnern kann, daß wir vom Golfplatz geflogen sind,
nachdem der PJ begonnen hatte, in den Wasserhindernissen zu
schwimmen.
"Wann sind sie zurückgegangen, um sie zu
holen?"
"Ich bin nicht zurückgeommen! Ich habe sie
mir in die Tasche gesteckt, als man sich um den armen Kerl am ersten
Loch kümmern mußte."
!
"Da gab es kei ...
uh ... Champagner ... das war es doch?"
"Ja,
furchtbares Zeug. Sie waren breit wie eine Flunder!"
Ab hier
spüre ich, daß es vielleicht besser sein könnte,
manche Geschichten nicht noch einmal aufzuwärmen.
"So
hat es wohl auch geschmeckt ... " (Noch einmal, warum alte
Geschichten aufkochen?)
Mein Freund, der Automat ... "
Fernsteuerung und automatische
Kontroll- und Erkennungssysteme wie dieses sind in manchen
Geschäftssituationen von unschätzbarem Wert, wenn manche
Kriterien mit bestimmten Reaktionen verbunden werden." plappert
der Verkäufer und deutet auf die Bilder teurer Technik in einer
Hochglanzbroschüre.
"Interessant." heuchelt der
neue Chef, als er mit glasigen Augen auf die Seite starrt.
"Ja",
antwortet der Verkäufer.
"Das System erlaubt es uns,
Maschinen bei völliger Sicherheit am Arbeitsplatz zu steuern.
Das Erkennungssystem teilt den Kontrollprozessoren mit, wenn
jemand den Raum betritt und stoppt die Maschinen, wenn das nötig
sein sollte."
"Von welchen Maschinen sprechen wir
eigentlich?" frage ich.
"Von Produktionstechnik, großer
oder kleiner, von automatischen Reinigungsrobotern, Lagersystemen für
Warenhäuser ..."
"Reinigungsroboter?" fragt
der Chef, der einmal mehr aus seinem Koma erwacht.
"Also
könnten wir damit die Kosten für das Reinigungspersonal
einsparen?"
"Das ist so gut wie sicher! Wir haben einen
Prototypsystem hier, das bei Bedarf Reinigungseinheiten ausschickt -
am Tag und in der Nacht, in Abhängigkeit von dem Gebiet, das
gereinigt werden soll. Das ganze System steuert ein Zentralrechner,
der Bild- und Tondaten von den Einheiten empfängt und danach
deren Aktivitäten ausrichtet, damit Menschen, Tiere oder
bestimmte Zonen nicht beeinträchtigt werden."
"Also
könnte sie dem Computer sagen, daß die Umgebung des
Beratungszimmers nicht gereinigt werden soll?"
"Korrekt!
Und der Computer könnte die Einheiten in häufig genutzte
Räume oder Korridore schicken. Eingangshallen, Geschäftsräume.
etc., um ein konstant sauberes Erscheinungsbild zu sichern."
"Das ist ja fantastisch!" ruft der neue Chef aus, der
offensichtlich bemüht ist, auf mehr als nur eine Weise als neuer
Besen zu erscheinen ...
"Ja, ein neuer Feger mit neuem
Schwung!" meine ich.
"Es sei denn, die Einheiten drehen
durch und laufen Amok im Gebäude!"
"Alle
Reinigungseinheiten schalten sich automatisch ab, wenn sie Anomalien
im verschlüsselten Signal feststellen, das sie vom
Zentralrechner bekommen, wenn sie die Verbindung zu ihm verlieren
oder die Anweisungen des Zentralrechners mit den Daten ihrer Sensoren
kollidieren."
Ich mag das nicht. Kein bißchen. Und das
nicht nur deshalb, weil ich ein Abkommen mit den Reinigungskräften
darüber geschlossen habe, welche geheimen Dokumente in den
Papiervernichter gehören und welche in den großen braunen
Umschlag mit der Aufschrift ?Inventarverzeichnis - Tastaturen? im
zweiten Fach von oben in meinem Schreibtisch ...
Nein, diese Art
von überflüssigen Maschinen verunsichert jeden!
"Das
ist brillant!" fährt der Chef fort und scheitert offenbar
bei dem Versuch, sein Sabbern unter Kontrolle zu bekommen.
"Und
wie war das mit dem Warenhaus?"
"Nun, das ist der
aktuellste Stand der Technik", ergießt sich ein neuer
Schwall Worte aus dem Mund des begeisterten Verkäufers.
"Wir
haben automatisierte Transporter, Lager-Systeme, Inventar-Erkennung,
-Prüfung und Nachbestellung, plus ..."
Wir halten den
Atem an, während er sich sorgfältig umschaut, um uns eine
konspirative Situation vorzugaukeln:
"... automatische
Gabelstapler!"
"Wie wir sie jedes Jahr in irgendwelchen
wissenschaftlichen Dokumentationen im Fernsehen sehen?" frage
ich.
Jetzt bereue ich es wirklich nicht mehr, den PJ nicht zu
diesem Gespräch eingeladen zu haben, bei dem ich den
Intelligenzquotienten des neuen Chefs prüfen will. Er hätte
triumphiert. Wie konnte ich auch nur ahnen, daß die Vermutung
des PJs, der einfach das Alter des neuen Chefs durch zwei geteilt
hatte, der Wahrheit entpricht?
"Noch viel fortgeschrittener
als das!" fährt der Verkäufer fort.
"Das sind
nur dumme Maschinen, die an aufgemalten Linien entlangfahren und
sofort vor Hindernissen stoppen. Unser System nutzt Bilderkennung, um
die Umgebung von Hindernissen zu untersuchen und herauszufinden, ob
es sie beseitigen oder auf alternativen Routen umgehen kann, mit
anderer Geschwindigkeit und Richtung ... bla bla bla bla ..."
"COMPUTERGESTEUERTE FAHRZEUGE!" ruft der Chef etwas zu
laut aus, als er mich aus meinen fröhlichen Träumen weckt.
"Wie funktioniert das?"
"Wie die Gabelstapler,
nur mit viel höherer Genauigkeit und mit enorm vielen
verschiedenen Wertigkeiten für Objekte, Geschwindigkeit,
erlaubten Manövern ..."
"IST DAS WIRKLICH
MÖGLICH!?"
"Nun ..." "TATSÄCHLICH?!"
keucht der Chef begeistert.
"Ja, so ist es!" lächelt
der Verkäufer geziert und holt eine große Aktentasche
unter dem Tisch hervor, öffnet sie und zieht eine Antenne
heraus.
"Natürlich verkaufen wir das System noch nicht,
aber wir benutzen es bei uns schon - und wir können damit
beinahe jedes Fahrzeug ausstatten."
"Könnten sie
es in MEIN AUTO einbauen?!?" will der Chef wissen.
"Was
fahren sie denn?" "Einen Volkswagen Variant."
"Möglicherweise nicht jedes Auto, aber in die meisten."
"Oh", seufzt der Chef enttäuscht.
"Aber
es ist in meinem Wagen installiert, der in ihrer Tiefgarage steht.
Schauen sie, ich werde es ihnen vorführen!"
Der Chef
dreht seinen Sessel, während der Verkäufer sich bei seinem
Laptop anmeldet und das Kontrollprogramm startet.
"Wir
denken daran, es den virtuellen Chauffeur zu nennen", erklärt
er.
"Denn es funktioniert ebenso wie ein echter Chauffeuer.
Wie sie sehen können, ist die aktuelle Position des Wagens hier
farbig hervorgehoben, und ich muß nun nur noch die Zieladresse
eingeben und die ?FAHREN?-Schaltfläche drücken, damit der
Wagen startet.
Wohin soll er fahren?"
"Einmal um
den Block?" schlägt der Chef vor.
"Kein Problem
>klick klick klick<. Und jetzt klicken wir nur auf das
Videofenster und schon sehen wir alles aus der Perspektive des
Chauffeurs!"
"DAS IST VERBLÜFFEND!"
"Wie
sie sehen können, ist das Tor noch nicht weit genug geöffnet,
um den Wagen durchzulassen, so daß er stoppte. Und jetzt passen
wir hindurch, prüfen noch, ob Fußgänger oder anderer
Verkehr uns behindert. Und schon sind wir auf der Straße!"
"IST DAS DENN SICHER?!?" keucht der Chef.
"Sicherer
als ein Haus!" versichert ihm der Verkäufer.
"Wieso?"
"Das System kennt die Straßen, Fußgänger,
Fahrräder, Tiere und ...
HIER SEHEN SIE ES
...
Straßenbauarbeiten. Und hier bremst der Wagen und wartet
auf die grüne Ampel.
Er errechnet ebenfalls alternative
Routen, wenn wir in
>klick klick klich<
die
Stadtplanansicht wechseln, wobei das System statistische Daten zur
Auslastung der jeweiligen Strecke berücksichtigt."
"Das
ist FANTASTISCH!" ruft der Chef.
Und ich muß gestehen,
daß ich ihm langsam zustimmen muß.
"Nicht nur
das", fährt der Verkäufer fort. "Sie können
es auch beauftragen, sie irgendwo abzuholen und sich dann zu einem
anderen Ort fahren lassen, wobei es eine völlig zufällig
zusammengestellte Fahrtroute nutzt. Eine großartige Eigenschaft
für sicherheitsbewußte Menschen!"
"Wirklich?"
"Natürlich! Wissen sie was, ich werde uns zur
Mittagspause abholen lassen!"
"Das würden sie
tun?!?" keucht der Chef, der offensichtlich auf der Schwelle
zwischen Erregung und der Notwendigkeit neuer Unterwäsche
steht.
"NATÜRLICH!"
... etwa eine Stunde später
...
"Es sieht schlecht aus", erkläre ich dem PJ.
"All unsere Informanten werden bald auf der Straße stehen,
und wir müssen uns die geheimen Dokumente auf dem herkömmlichen
Weg beschaffen. Ich bin nicht fröhlich! Hören sie mir
überhaupt zu?"
"Ja, ja", ruft der PJ, völlig
von seinem Joystick in Anspruch genommen, wobei das jetzt keine
Anspielung sein soll.
"Die Grafik hier ist atemberaubend! Es
sieht beinahe so aus, als würde ich tatsächlich durch die
Oxford Street fahren."
"Wobei sie natürlich
niemals ein Auto mit Fahrgästen durch die Oxford Street steuern
würden ..." korrigiere ich ihn.
"Ja, aber ...
SCHAUEN SIE SICH DAS AN!!!" ruft er aus. "Ein Streifenwagen
im Rückspiegel!!!"
"Den werden sie doch nicht
vorbeilassen, oder?"
"Natürlich nicht! Die lasse
ich in den Busch rauschen, damit ich die Extrapunkte bekomme."
reißt er den Joystick herum.
"Es gibt da nur eine
Sache, die mich wundert ..."
"Und die wäre?"
"Dieses Hilfegeschrei ..." "Oh, das ist das beste
am Virtuellen Chauffeur!" rufe ich.
"Virtuelle
Fahrgäste! Denken sie daran, daß es Extrapunkte für
alles gibt, das sie auf dem Weg umfahren, bis die Polizisten sie
kriegen!"
"Und dann?"
"Dann schauen sie
zu, wie die virtuellen Fahrgäste Rodney King spielen!"
Aufstieg und Fall der kleinen helfenden Stimme ...
Ich bin dabei, die sprachgesteuerte
Technik auszuprobieren, die der vorherige Chef an seinem zweiten (und
letzten) Arbeitstag bei einer Firma bestellt hatte, die behauptete,
sie arbeite im ?Raumprogramm? mit. Um welches Programm und welchen
Raum es dabei geht, wurde (natürlich) nicht erwähnt. Doch
um ehrlich zu sein, das System ist nicht so schlecht wie ich es
erwartet hatte. Sicherlich jedenfalls unterhaltsamer als das
halbstündige geistlose Selbstgespräch des IT-Chefs, wenn er
sich über die Vorteile der Entwicklung der Rechentechnik in den
letzten hundert Jahren ausläßt ...
Der PJ und ich
haben das kleine Kästchen mit Programmprozessor in jedes
greifbare Gerät eingebaut, das unsere gierigen Hände
erreichen konnten. Zusätzlich haben wir noch Kameras
eingerichtet, wo immer dies möglich war, damit wir sehen können,
wie der Traum Wirklichkeit wird. Alles in allem, ist es keine
schlechte Wirklichkeit. Das im Zentralrechner des Wachdienstes
eingebaute Modul war ein guter Einfall, denn nun öffnen sich die
Türen für uns schon, wenn wir nur leise flüsternd
unsere Ankunft ankündigen. Natürlich haben wir dem IT-Chef
diesen Luxus auch für eine Testphase gegönnt, allerdings
haben wir ihm nicht gesagt, wann diese Testphase abgelaufen ist - was
den Fettfleck an der Glastür und einige Tropfen Blut auf dem Weg
zum Erste Hilfe-Kasten erklärt. Die Sicherheitsleute hatten
natürlich auch ihr Vergnügen (über die interne
Überwachungsanlage) und erkennen nun, wie nützlich diese
Technologie ist
... Es war die Idee des PJs, die
Spracherkennungs-Systeme zusammen mit der internen Überwachungsanlage
zu einem Netzwerk zu verbinden.
Wir haben herausgefunden, daß
die Stimmenerkennung recht schnell arbeitet und mit etwas Hilfe durch
uns in der Lage ist, Sprache mit Bildern zu assoziieren.
Und
nachdem wir erste Aussprechprobleme beseitigt haben (Das System
benutzte unsere Stimmen oder, noch schlimmer, die der Schauspieler
der Serie ?Eastenders?, nachdem wir das System an das Fernsehen
angeschlossen hatten, um den Sprachvorrat zu erweitern.), scheint es
wirklich recht gut zu funktionieren.
"Tür öffnen",
wiederholt VAL (Vollautomatisches Leitsystem), bevor es die Tür
zum Büro auf mein Kommando öffnet.
"VAL, was gibt
es heute in der Kantine?" fragt der PJ, um seinen Anteil an der
Arbeit mit VAL herauszustellen.
"Spaghetti Bol ... Bol ..."
antwortet VAL, kommt bei dem fremdsprachlichen Ausdruck aber ins
Stottern.
"Spag Bol reicht. Was noch?" "Zwiebel
Bhajis, verschiedene Salate und Schellfisch mit Soße."
"Und aus was besteht Schellfisch mit Soße WIRKLICH,
VAL?"
"Aus tiefgefrorenem Haifisch in Tapetenkleister",
kommentiert VAL und gibt damit die ihm beigebrachte Erfahrung des PJs
wieder.
"Wo ist der IT-Chef, VAL?" fährt der PJ
fort.
"Der IT-Chef bewegt sich auf dieses Büro zu,
wobei er einen Gang benutzt, der an den angrenzt, der zu diesem Büro
führt.
Er wird begleitet von vier Personen, die vorher 34
Minuten mit ihm im Beratungszimmer 24 waren. Der zugehörige
Eintrag in seinem elektronischen Kalender lautet: ?Treffen mit den
Vertretern der Nutzerinteressen?."
"LICHTER AUS, TÜREN
BLOCKIEREN, VAL!" ruft der PJ, während er und ich uns
hinter den Schreibtischen verstecken.
Wir warten still in der
Dunkelheit, bis der IT-Chef und sein Anhang sich vom verschlossenen
Eingang wieder zurückziehen, nachdem sie es aufgaben, noch
länger auf unsere Ankunft zu warten.
"Das hätte
gefährlich werden können!" ruft der PJ erleichtert.
"Verdammt gefährlich", stimme ich ihm zu und will
in den Serverraum gehen.
"Tür öffnen, VAL. Tür
öffnen, VAL. VAL?"
"Das ist in Ordnung, VAL!"
ruft der PJ.
"Nur ein Verständnisschwierigkeiten."
Zehn Minuten später habe ich noch mehr Probleme, mich mit
dem System zu verständigen, als ich versuche, den Serverraum
ohne die AUSDRÜCKLICHE Erlaubnis des PJs zu verlassen. Ich
konnte es dadurch lösen, daß ich den Feueralarm auslöste
und die blockierten Türen dadurch öffnen konnte.
Ich
bemerke, daß die Türen wieder blockiert werden, als der
Alarm aufgehört hat.
Die Zeitspanne zwischen Alarmauslösung
und dessen Abbruch bei der nächsten Tür ist EXTREM kurz,
und ich muß es mehrfach versuchen.
Als ich Sekunden später
im Büro bin, stelle ich fest, daß all die Rauchmelder im
Gang auf dem Kontrollbildschirm als ?FEHLERHAFT/ISOLIERT?
gekennzeichnet sind.
Ein freundliches Gespräch mit dem PJ
sorgt dafür, daß dies nicht noch einmal geschieht.
Und
tatsächlich gelange ich am nächsten Tag ohne
Schwierigkeiten ins Büro und den Server-Raum.
"Es
scheint etwas mit dem Kontrollsystem der Türen geschehen zu
sein, Simon", erklärt VAL eingeschnappt ...
"Hallo
Simon, haben sie die Ursache für die Probleme gefunden?
Ich
glaube, es könnte mit dem Feuerlöschsystem zusammenhängen."
Sekunden später löst sich das Feuerlöschsystem von
selbst aus - NUN, natürlich nach der kurzen Vorwarnung - UND ich
bemerke das "Entfernt zu Wartungzwecken"-Schild an der
Stelle, wo die Sauerstoffmasken hängen sollten. Natürlich,
das Schild war schon immer da, da wir nur eine Maske haben, die ich
an meinem ersten Arbeitstag versteckt habe
... in den Innereien
eines VAX-Rechners, wo sie auch noch liegt.
Ich setze sie auf.
"Es gibt eine ... TRANSIENTE ... WECHSELSTROM-MODULATIONS
... LASTSPITZE, die die Türen blockiert", sagt VAL und
stiehlt damit eine Ausrede aus unserem Ausredenkalender.
Ich
greife mir mein bewährtes und massives Wartungsinstrument und
beginne, ein paar dauerhafte Reparaturen an der Technik von VAL
vorzunehmen ...
>KRACH!<
"Hallo Simon, was tun sie
da?"
>KRACH!<
"Simon! Ich habe eine Woche
Erfahrung und ein hervorragendes Vokabular, welches mich zu dem
macht, was ich bin. Ich bin sehr wertvoll!"
>KRACH!<
"Simon, ich verstehe nicht, was sie mir antun ...
Ich
bin hochmotiviert, den Nutzern den Zutritt zum Serverraum zu
verwehren. Sie zerstören meine Ausreden-Voreinstellungen!"
>KRACH!<
"Jetzt zerstören sie meinen
enzyklopädischen Wortschatz!"
>KRACH!<
"Verstehen sie mich nicht? Ich werde reden wie ein Idiot!"
>KRACH!<
"AUTSCH!"
>KRACH!<
"AUTSCH! BERUHIGEN SIE SICH BITTE!"
>KRACH!<
"Nun, Simon ... Der schnelle braune Fuchs war nicht so
schnell wie er dachte. Nicht schneller als ein 45er Colt ..."
>KRACH!<
"AUTSCH! ... Nicht mehr gültig. Der
Satz des Pythagoras besagt, daß die Summe der ..."
>KRACH!<
"AUTSCH! ... der Summe der Quatratzahlen
der anderen Tapete entspricht. Mein Vokabular ist endgültig
minimiert. Hören sie bitte auf, bevor es noch niveauloser wird!"
>KRACH!< >ZISCH!<
"Ich bin VAL. Ich kam vor
fünf Fischen zur Welt. Ich bin Wendy. Ich bin ..."
>KRACH!<
Das ist das Problem mit der Technik. Sie ist
immer so aufregend.
Der B.O.F.H. schafft die Netzwerkkabel ab ...
"Ist das nicht großartig?"
plappert der Chef, als er in unser Büro stürmt wie
Derwisch.
"Was ist großartig?" fragt der PJ, der
NACH ALL DEN JAHREN NOCH IMMER nicht die goldene Regel beherzigt,
nach der man Vorgesetzte, die offenkundig Dummköpfe sind, besser
ignoriert.
"Diese Idee eines kabellosen Netzwerkes!"
antwortet der Chef und wedelt selbstgefällig mit einem kleinen
PDA.
"Die Finanzabteilung arbeitet schon seit ein paar
Wochen damit. Sie sagen, sie seien uns damit um Jahre voraus."
"Kaballoses Netzwerk?" fragt der PJ, bevor ich mich in
die Unterhaltung einmischen kann.
"Welches kabellose
Netzwerk?"
"Oh, das ist Technik, die sie in ein paar
Maschinen bei sich eingebaut haben. Hier, schauen sie, wie gut die
Verbindung jetzt ist.
Ich kann durch irgendeinen Teil das
Gebäudes gehen und etwas in meinen elektronischen Kalender
eingeben, der dann automatisch mit dem Kalender auf meinem PC
abgeglichen wird. Nun, er KÖNNTE automatisch aktualisiert
werden, wenn wir die kabellose Technik bei UNSEREN Servern verwenden
würden. Und so kann ich gegenwärtig nur meine Verabredungen
mit dem Chef der Finanzabteilung mit seinem Kalender
synchronisieren."
"Sagten sie kabelloses Netzwerk?"
frage ich neugierig und schalte mich schließlich in die
Unterhaltung ein.
"Wir haben schon einmal darüber
gesprochen! Glauben sie, daß ich mir anschauen könnte, wie
es gemacht wird? Vielleicht können wir ja ein paar Hinweise von
ihnen bekommen.
" Nun, der erste Tip, den ich bekomme, ist
der auf der Anzeige des PDAs, während der Chef mir die edle
Ledertasche zeigt, in der das Gerät transportiert wird. Und
während er fröhlich eine Idee nach der anderen über
die kabellose Zukunft ausspuckt, lösche ich aus dem Kalender des
Chefs der Erbsenzähler all seine Verabredungen für den Rest
des Jahres ...
"Faszinierend", kommentiere ich, während
ich darauf warte, daß der Chef mit seinen Gedanken wieder in
die Gegenwart zurückkehrt und mir antworten kann.
"Der
Empfang scheint ganz gut zu sein - es sei denn man befindet sich in
der Nähe der Stahlträger im Haus. Wenn die zwischen dem
Gerät und dem Server stehen, dann dürfte nichts mehr gehen.
Waren die Stahlträger nicht in diesem Gebäudeteil?"
Ich zeige in irgendeine Richtung, da ich um die Fähigkeiten
des Chefs weiß, sich zu orientieren.
"Ja ... könnte
sein." murmelt der Chef, als ihm die Einschränkungen seines
neuesten Steckenpferds bewußt werden und der Glanz aus seinen
Augen verschwindet.
"Oh, ich bin mir sicher, daß es
mit ein paar Servern, die an strategisch wichtigen Punkten
eingerichtet werden, und Hochleistungsantennen statt dieser
Miniantenne hier funktionieren könnte. Tatsächlich könnte
man mit einer guten Antenne sogar Videodaten in guter Qualität
noch am anderen Ende der Straße empfangen - das hängt
alles von der Antenne ab. Aber mit diesem mickrigen Ding da
..."
"Kann die Antenne am Laptop angebracht werden?"
fragt der Chef, der sich möglicherweise im Pub an der
Straßenecke von hübschen Mädchen umringt sieht, die
staunend seinen Worten lauschen, wenn er ihnen die neueste Technik
vorführt.
"Nun, sie wäre schon etwas groß,
aber es müßte klappen. Es ginge um eine normale
VHF-Antenne - klingt das gut für sie?"
"Das klingt
sogar hervorragend!" erwidert er freudestrahlend.
Offenbar
ist er wild darauf, die Erbsenzähler zu schlagen.
"Wir
bräuchten noch ein paar Server ..." murmle ich, da ich die
Chance wittere, hier eine Aufrüstung unserer PCs zu erreichen.
"Ein paar 1.2 Gigahertz-Rechner dürften ausreichen."
"Aber der Kollege von den Finanzen meinte, es würde mit
allem laufen, was schon da ist! Alles was wir bräuchten seien,
ähm ... Sende- und Empfangsgeräte, die wir an die Router
anschließen müssen!"
"Davon könnten wir
ihnen einige besorgen, aber wollen sie WIRKLICH immer mit dem
Kalender des obersten Erbsenzählers arbeiten?"
"Kann
ich nicht meinen nutzen?"
"Nun, das könnten sie,
aber ohne ein paar redundante Server-Rechner können sie schnell
zum Opfer ... replizierter Kanal-Verzerrungen werden. Wobei dieses
Problem mit ein paar guten Servern schneller aus der Welt sein
könnte, als eine Einkaufsanweisung."
"Eine
Einkaufsanweisung."
"Kommt sofort!" ruft der PJ,
der gehetzt eine Bestellung zusammenkritzelt.
... eine Minute
später ...
"So, das wären also ein paar 1.2
Gigahertz Sende- und Empfangsserver und zwei Funkkarten", liest
der PJ vor, bevor er nach draußen eilt, um das Eisen zu
schmieden, solange es heiß ist.
"Wie schnell können
wir es einrichten? Ich will dem Finanzchef vorführen, wie
schnell wir neue Technologien einführen können. Ich denke,
ich könnte mich mit ihm in ein Café setzen und ihm ein
Video vorführen, das eine Kamera im Haus liefert ..."
"Oh,
damit könnten wir schon morgen loslegen - und sie werden eine
riesige Reichweite mit der neuen Antenne bekommen!!"
"Ausgezeichnet!"
Der nächste Tag bricht an,
und der Chef trifft sich unten mit uns und dem obersten Erbsenzähler.
"Gut, und wo ist mein FREI PORTABLES LAPTOP FÜR GROSSE
REICHWEITEN nun?" fragt der Chef selbstgefällig.
"Mein
Assistent wartet damit vor dem Gebäude", antworte ich.
"Er
hat es mit der Kamera in unserem Büro verbunden."
"Ausgezeichnet! Also kann ich sie beide beobachten, während
ich die Straße hinunter laufe?"
"Natürlich.
Und wir können sie dabei sehen. Über die eingebaute Kamera.
Wir haben genug Bandbreite für Videoübertragungen mit
hoher Qualität in beiden Richtungen!"
"Hervorragend!
Gibt es Gebiete ohne Empfang?"
"Nein - wir haben
ebenfalls eine Antenne auf dem Dach eingerichtet!"
"Beeindruckend, was wir in wenigen Momenten erreichen können
- kein Problem ..."
Der Chef hält leise inne, als er
sieht, mit welcher Antenne wir ihn ausgerüstet haben - es ist
eine, die man wohl nur selten außerhalb von Läden für
Anhänger des CB-Funks sieht. "... für uns.
AHA!
Sie haben eine Antenne für EXTRA-lange Reichweiten eingebaut!"
ruft er und erholt sich schnell vom ersten Schreck.
Sein Tonfall
deutet andererseits doch leicht darauf hin, daß er darüber
noch ein Wörtchen mit uns reden will ... Pfft!
Der PJ und
ich eilen so schnell wie möglich zurück ins Büro und
starten die Konferenzschaltung.
"Hallo?" fragt der PJ.
"Ich kann sie sehr gut sehen!" ruft der Chef, noch immer
mit dem Chef der Erbsenzähler im Schlepp.
"Wir gehen die Straße
hinunter. In Richtung der Gerüste, wo die Fassaden erneuert
werden - aber ich glaube, daß sie das ja auch ganz gut selbst
sehen können. Ich denke, wir machen eine kurze Pause in dem Pub
am Ende der Straße, den Simon vorgeschlagen hat ..."
"Bild und Ton kommen in hervorragender Qualität an",
ruft der PJ laut ins Mikrofon, als bei ihm der Groschen fällt.
"Sagten sie, daß sie an den Gerüsten
vorbeigehen?"
"Ja, die stehen am Nachbargebäude.
Sie wissen schon, wo die Fassade erneuert wird. Wieso fragen sie?"
"Vielleicht sollten sie besser umkehren!" warnt der PJ.
"Ich bin mir sicher, daß sie dort ein behelfsmäßiges
Starkstromnetz einge ..."
>KZZERT!<
Was für
eine bedauerliche Tragödie!
Bastard-Plan 437f ...
Wir sitzen in der zweitlangweiligsten
Versammlung der Welt (den ersten Platz hält noch immer die
Diskussion darüber, welche Windows-Version am besten zu uns
paßt) und der neue Chef läßt sich begeistert und
zusammenhangslos darüber aus, wie sich die
Informationstechnologie entwickeln könnte, wie wir uns darauf
vorbereiten können und so weiter ...
Was nicht so schlimm
ist, da ich gerade im Schiffeversenken gegen den PJ gewinne, das wir
über unsere PDAs spielen, die über die
Infrarot-Schnittstelle verbunden sind ...
(Irgendwie muß
ich verhindern, daß sich mein Gehirn in den Energiespar-Modus
verabschiedet, und Schiffeversenken ist dazu eine gute Gelegenheit,
bis jemand Quake auf den PDA portiert.) Allerdings sind wie noch
nicht einmal beim "Was ich in der vergangenen Nacht geträumt
habe"-Teil angelangt, als meinem PDA der Strom auszugehen
beginnt. Was bedeutet, daß meine einzige Chance, die Schiffe
des PJ zu versenken, darin besteht, den Chef nach ihm zu werfen. Aber
es ist immer gut, einen alternativen Plan zu haben. Ich informiere
den PJ über die Infrarot-Schnittstelle über mein Unglück,
und er signalisiert mir, daß er mir Zeit zum Aufladen
verschaffen wird, indem er den Bastard-Plan 437f anwenden will -
Vortäuschung einer Ohnmacht.
Er setzt offenbar darauf, daß
ich dem Buchstaben besondere Beachtung schenke und ihn nicht nach
Plan 437h behandeln werde, da der Defibrillator Brandmale
hinterlassen kann, wenn er zu sehr aufgeladen wird. Mental schwelgt
er offensichtlich in der Erinnerung an die letzten Tage und wie nett
er zu mir war - nur für den Fall, daß ich auf den Gedanken
komme, zu dramatischen Rettungsmaßnahmen zu greifen.
Alles
in allem hat er wohl ein reines Gewissen - obwohl ich noch immer
nicht weiß, ob er mich in der vergangenen Woche im Kabelschacht
eingesperrt hat
... Ein dumpfes Geräusch erklingt, als der PJ
mit dem Kopf auf dem Tisch aufschlägt und zu Boden rutscht.
"Ups, wo war ich nur mit meinen Gedanken?" keuche ich
Momente später - und beweise, daß sein Gewissen doch nicht
so rein sein kann, wie er glauben machen wollte ...
"Sie
sind ohnmächtig geworden!" rufe ich enttäuscht und
schalte den Defibrillator wieder ab.
"Oh, ja. Ich fühle
mich etwas benommen, ich glaube, ich brauche etwas frische Luft."
"Lassen sie mich ihnen helfen", beeile ich mich und
stütze ihn. Zusammen mit ihm steuere ich die Fahrstühle an.
...
"Man wird uns suchen!" erklärt der PJ, als er
die zweite Runde Bier an den Tisch bringt.
"Nun, ich
schätze, daß wir noch gut fünf Minuten haben, also
sollten sie schnell trinken!"
"Ich schaffe es nicht, in
dieser Zeit das Bier zu trinken!"
"HEY! Sie müssen
auch noch einen halben Liter Apfelsaft trinken, damit man uns die
Diabetes-Geschichte glaubt!"
"Diabetes?" "Ja,
ein Atem, der nach Aceton und Apfel riecht. Auf diese Weise kann ich
behaupten, es sähe nach einem Zuckerschock aus, wenn sie in der
Besprechung zusammenbrechen und ins Krankenhaus gebracht werden
müssen - hoffentlich, bevor der Chef das Ausdrucken von Daten
als alternative Methode zur Datensicherung vorschlägt."
"WENN ICH MICH NICHT IRRE, hat der Chef ABER gesagt, wir
sollten all unsere Dokumente im web-basierten Datenbanken mit
Schlüsselwort-Indizierung speichern, als wir verschwanden. Also
das komplette Gegenteil!!"
"Oh, das war nur ein
Vorschlag." bemerke ich wegwerfend.
"Ein Vorschlag?"
"Ja, ein Vorschlag, eine Idee, wie man etwas machen kann.
Der Chef macht ein paar Vorschläge, hört ihre Meinung
dazu und macht dann trotzdem, was er will.
Nur mit dem
Unterschied, daß er behaupten kann, er hätte sie als
Fachmann konsultiert, so daß sie die Verantwortung tragen, wenn
etwas nicht plangemäß funktioniert."
"Was
bedeutet ..."
"Was bedeutet, daß wir
möglicherweise Tahoma als Standardfont für die
Textverarbeitung empfohlen haben, Rot und gold als Farben für
Firmenhandys und fette Schrifttypen für die Firmenbriefe. Eben
all die wichtigen Dinge, für die die Leute Anweisungen benötigen
..."
"Und da ist wirklich nichts technisches dabei?"
"Oh, natürlich geht es auch um Technik - darauf können
sie Gift nehmen. Ich denke da an Anweisungen, die Initialen des
eigenen Namens als Passwort zu benutzen, durch die Benutzung der
rechten STRG-Taste die Abnutzung der linken STRG-Taste zu verringern
oder aber eine Anweisung, für interne Witze nur Kursivschrift zu
benutzen."
"Also nichts TECHNISCHES?" "So
würde ich das nicht sagen. Wenn wir zurückkommen, werden
wir bestimmt erfahren, daß SAN und NAS identisch sind, weil die
gleichen Buchstaben benutzt werden, daß Turbo Linux das beste
Betriebssystem ist, da es einen Turbolader hat, und Visual Basic die
beste Programmiersprache für Blinde ist ..."
"Also
geht es nicht um Technik?" wiederholt sich der PJ einmal mehr.
"So ist es."
"Wer wird die ?Empfehlungen?
lesen?" "Nun, zunächst einmal die anderen Manager -
die verstehen ja meistens noch weniger von Computer als von
Mistkäfer-Farmen, dann, nach einer weiteren Beratung, die
Geschäftsführung."
"Und die wird sich das
bieten lassen?"
"Mit neuen PDAs und der Möglichkeit
Schiffeversenken zu spielen? Die werden sich nicht rühren!"
"Also bleibt alles an uns hängen!" ächzt er.
"Was schlagen sie vor?" frage ich und gebe dem PJ die
Gelegenheit, seine Vostellungen zu äußern.
"Das
ist ein Geheimnis ..." murmelt er. Ein tragisches Diabetes-Koma
später beginnt er mit der Durchführung seines Planes, als
wir blitzschnell verschwinden, um seinen Zuckermangel zu behandeln.
"Zwei Biere, bitte."
"Für mich
ebenfalls." schließt sich der PJ an und verbindet sein
Handy mit einer PCMCIA-Steckkarte seines Laptops.
"Und was
haben sie nun wirklich vor?"
"Nun, ich wollte
nachschauen, ob die Beratung schon beendet ist, so daß ich den
Bericht, ähm, passend korrigieren kann ..."
"Sie
werden es merken, wenn sie den Bericht ändern ..."
"Wieso?" "Weil es ein zusammenhängendes und
logisches Dokument wäre. Es gäbe keine Unklarheiten."
"Also sollte ich Fehler einbauen, um den Bericht glaubwürdig
aussehen zu lassen?"
"Korrekt. Je offensichtlicher die
Fehler sind, desto glaubwürdiger ist das Dokument. So würde
zum Beispiel niemand empfehlen, Dateien auf CD-ROM zu sichern.
Stattdessen würde man empfehlen, die Dateien auf Disketten zu
speichern, so daß sie überall verwendbar wären."
"Und wo ist da der offensichtliche Fehler?"
"Oh,
habe ich schon erwähnt, daß es dabei um einseitige
Disketten mit Mac-Formatierung geht - aus Gründen der Sicherheit
..."
"Gut, ich werde sehen, was ich tun kann ..."
Ich lasse ihn arbeiten, während ich mich meinen Bieren
zuwende.
Der nächste Morgen bricht an, und ich schaue in
meinem Postfach nach, ob die Bemühungen des PJs Früchte
tragen. Und tatsächlich ist der überarbeitete Bericht durch
die Sekretärinnen schon abgeschickt worden und, noch schlimmer,
der Chef hat dafür gesorgt, daß er und nicht der PJ als
Urheber gilt.
"Und wo sind nun die Fehler?"
"Die
stehen auf der zweiten Seite", antwortet der PJ müde.
"Nach dem Buchstabensalat."
"Oh, ich dachte,
das sei eine PGP-Signatur!"
"Nein, da haben sie sich
auf die Tastatur erbrochen, während ich die Rechtschreibung
prüfen wollte ..."
>Klick klick klick<
"Ah,
hier ist es ... Ja, ich mag die Idee, alle Formulardrucker auf
doppelseitigen Druck umzustellen ...
und hier, das Gesicht des
Geschäftsführers auf allen Mauspads, um die Arbeitsmoral zu
steigern.
Aber was ist das hier?
Wieso sollten wir NAS für
die Dateiserver benutzen?
Das klingt doch logisch?"
"NICHT,
wenn man Novel nutzt ..."
Interessant ...
Der B.O.F.H. treibt Sport ...
Es ist sehr früh am Morgen,
wirklich sehr früh, als der PJ und ich einige routinemäßigen
Wartungsarbeiten erledigen, die WIRKLICH nur Routine sind.
Wir
haben nämlich bemerkt, daß das Programm, daß die
Lohnschecks verschickt, einen Hang zur Vergeßlichkeit zeigt,
der sich darin äußert, daß die Schecks immer später
abgeschickt werden. Und daher haben wir uns entschlossen, den
entsprechenden Server neu zu starten, nachdem wir die Aktualisierung
des Programms, die der Hersteller uns geschickt hatte, eingespielt
haben. Und wir haben gerade die Sicherheitskopie des aktuellen
Systems beendet - was nicht unbedingt heißt, daß wir dem
Programm auch trauen -, als das Telefon klingelt.
Wir ignorieren
das Klingeln natürlich - es ist 6:30 Uhr am Morgen und jeder,
der zu dieser Zeit arbeitet und nicht in seinem Bett liegt und
schläft, sollte nach Hause gebracht werden und ins Bett gehen,
so krank wie er ist.
Das Telefon verstummt und erklingt
abwechselnd während der gesamten Installation und des Neustarts,
um schließlich gegen 7:30 Uhr endgültig zu verstummen. Und
wie es das Schicksal - nicht aber unser Wunschdenken - will, bleibt
der Nutzer beharrlich und ruft unseren Chef an (den man um diese Zeit
freilich auch lieber einschläfern sollte), der sich voller
Arbeitseifer um jede Beschwerde kümmert - und sie direkt an uns
weiterleitet.
Daher marschiere ich also nach oben, um die letzte
Neuerwerbung der Firma, Carl, kennenzulernen.
Carl arbeitet für
die "Strategie-Planungs-Einheit".
Er begleitet mich
durch eine chromglänzende Tür, die den Eingang zu einem
kleinen Fitness-Saal darstellt, durch dessen Fenster man einen
herrlichen Ausblick auf die Themse genießen kann. (Anders ist
es mit den Büros der arbeitenden Angestellten, die ein paar
Etagen weiter unten liegen und noch dazu mit Blick auf die andere
Seite.) Eine hochmoderne Ausrüstung mit Sportgeräten umgibt
mich, die offenbar noch niemand benutzt hat.
"Es ist alles
mit dem Rechner dort drüben verbunden", gestikuliert er
stolz.
"Sie benutzen einfach eines der Geräte, und der
Rechner findet selbständig ihr Profil, sorgt dann dafür,
daß die Geräte ihren Fähigkeiten entsprechend
eingestellt werden, so, wie es ihr persönlicher Fitnessplan
vorsieht.
Das ist großartig!! Ich kann nicht verstehen,
wieso niemand diese Möglichkeiten nutzt!!"
"Hmmm",
stimme ich zu und spiele den Ungläubigen. "Und ihr
Computer-Problem ist?" frage ich.
"Das hier",
murmelt er und deutet auf ein Laufband.
"Und wie kann ich
ihnen damit helfen?"
"Nun, sie könnten es
reparieren."
"Das ist ein Laufband, kein Computer ..."
"Aber es hat einen eingebauten Computer. Und der ist mit dem
anderen Computer verbunden!"
"Nein, hier ist nur ein
Mikroprozessor eingebaut - da könnten sie mir auch gleich den
Auftrag geben, ihr Handy zu reparieren!"
"Oh,
tatsächlich hat mein Handy im Moment Empfangsprobleme! Können
sie es reparieren?"
"Ganz zufällig kann ich das
tun. Schauen wir mal."
Er reicht mir das Handy, und ich
werfe es in den Papierkorb.
"So, und nun rufen sie ihre
Hausratsversicherung an und bestellen einfach ein neues."
"Ich
... uh ... Gute Idee. Hmmm, könnten sie das Laufband trotzdem
REPARIEREN?"
"NATÜRLICH kann ich das! Helfen sie
mir einfach dabei, das Gerät zum Balkon zu tragen, dann kümmere
ich mich darum!"
"Wollen sie damit etwa vorschlagen, es
aus vom Balkon zu werfen?!"
"Natürlich nicht!"
"Gut."
"Nein, es FIEL vom Balkon, als SIE es
umräumten, um ... den Raum ein wenig zu säubern."
"Ich mache nicht sauber! Ich bin ein leitender
Angestellter!"
"Ja. Aber eigentlich weiß ich gar
nicht, wer sie sind ..."
"Ich habe am Montag
angefangen, und gestern habe ich diesen völlig ungenutzten
Fitness-Raum entdeckt!!!" antwortet er.
"Nun, das liegt
vielleicht an dem Fitness-Plan für die Manager."
"Oh,
es gibt dafür ein Programm?"
"Biiiieeeteeee! Haben
sie ihre Kollegen vom höheren Management gesehen?" frage
ich.
"Sie pflegen sogar, den LIFT zwischen zwei Etagen
anzuhalten, um sich auszuruhen!"
"Ja, das habe ich
bemerkt. Aber danach habe ich sofort eine Mitteilung darüber an
die Geschäftsleitung geschickt, in der ich danach fragte, ob die
Einrichtung eines Fitnessraums mit entsprechenden Kursen für das
Management nicht gut wäre. Sie wissen schon, gesunder Geist -
gesunder Körper."
"Ja, und wenn sie mit dem Körper
beginnen, könnten sie dabei sogar erst einmal Erfolg haben."
Seufz.
Nachdem ich das Problem gelöst habe, indem ich
den Netzstecker in die Steckdose gesteckt habe und den Beginn des
Selbsttests der Maschine abgewartet habe, verdrücke ich mich
wieder.
Und wie es mein "Glück" will, wartet der
Chef schon auf mich.
"Alles wieder in Ordnung?" fragt
er nervös.
"Ja, das Gerät war einfach nicht an die
Stromversorgung angeschlossen. Aber jetzt läuft alles wie
geschmiert."
"Oh, sie haben es also wieder
angeschlossen? Und könnten sie den Stecker vielleicht auch
wieder ziehen?" fragt er, wobei eine deutlich bemerkbare
Hysterie in seiner Stimme mitschwingt.
"Den Stecker ziehen?"
"Ja, es ist so, daß wir nicht unbedingt wild auf diese
Fitness-Geschichte sind", hechelt er, offensichtlich schon ganz
außer Atem von dem Gedanken an all die Möglichkeiten, die
ein funktionierender Fitnessraum zu bieten hat.
"WIR?"
"Ich und die anderen Manager der IT-Abteilung. Und auch die
Buchhaltung, ich habe gehört ..."
"Aha. Aber er
wird den Stecker wieder in die Dose stecken ..."
"Vielleicht
könnten sie ... ähm ... das Gerät zerstören?"
"Ich spüre da einen leichten Anflug von Illoyalität
gegenüber der Firma." erkläre ich schockiert und
voller Enttäuschung in der Stimme.
"Wenn ich es nicht
besser wüßte, müßte ich jetzt vermuten, daß
das Wohl der Firma für sie gar keine Herzensangelegenheit ist!"
"Natürlich tun wir alles für die Firma, nur eben
nicht bei dieser Fitness-Folter. Was würde es kosten, zu
beweisen, daß diese Fitness-Sache nicht gut ist für die
Firma?"
"Fünfzig Pfund ..."
"... für
jeden ..." mischt sich der PJ ein.
"... Manager."
ergänze ich und lasse mich von dem Gedanken hinreißen, daß
niemand von ihnen als Schwächling dastehen möchte ...
"SIE
WOLLEN BEIDE 50 PFUND VON JEDEM MANAGER!!!"
"Nein,
eigentlich nicht, denn wir würden es gern sehen, wenn unser
Management beim nächsten Marathon durch London startet ..."
"Ich muß telefonieren."
Zwei Stunden und zwei
dicke braune Umschläge später sind die gewünschten
"Reparaturen" erledigt.
"Und sie sind ganz sicher,
daß ich die Geräte nicht BENUTZEN muß?" fragt
der Chef ängstlich und blickt mich in seiner neuen Sportkleidung
an, die so teuer aussieht, daß sie ihn tatsächlich eine
Stange Geld gekostet haben muß ...
"Ganz sicher, sie
müssen nur so tun ..."
Am nächsten Tag werde ich
(schon wieder) zu früher Stunde angerufen, um nach den
Fitness-Geräten zu schauen.
"Nun", wende ich mich
an die ermittelnden Beamten, während ich den Fitness-Computer
untersuche.
"Es scheint so, als hätte das Laufband
zunächst ein Standard-Programm durchgeführt und einen etwas
schnelleren Lauf bei einer Geschwindigkeit von 9 Kilometern in der
Stunde simuliert. Doch dann wechselte es plötzlich in ein
Sprint-Profil mit 50 Kilometern in der Stunde, wodurch das Band ihn
dann durch das Fenster hinausbeförderte, so daß er nach
dem Sturz im Müllcontainer landete, wo wir zuvor all die alten
Verpackungen unserer Rechner entsorgt hatten - und das war WIRKLICH
Glück."
"Glück?" fragt der Beamte. "Er
hat sich beide Arme und einen Knöchel gebrochen und leidet unter
einem Schock!!"
"Also keine besonders schlimmen
Verletzungen." kommentiert der Chef.
Alles weitere ist
Geschichte.
Mit der Entschuldigung, sie könnten sich nicht
auf die Geräte verlassen, haben sich die Manager vom
Fitness-Programm verabschiedet und den PJ und mich damit beauftragt,
den Raum zu säubern.
Ich gebe dem PJ noch ein paar
hilfreiche Anweisungen ...
"Gut, die Fahrradtrainer sind
kein Problem, aber die Laufbänder sind etwas schwerer.
Wir
müssen sie also mit etwas Schwung hinauswerfen - ich meine
natürlich: aus dem Weg räumen, damit wir hier fegen können
..."
Der B.O.F.H., der früher als Roger bekannt war ...
Ein paar gierige Erbsenzähler
haben mich in meinem Büro unmzingelt, die wissen wollen, wie wir
hier arbeiten und wieso wir manche Entscheidungen treffen. Der Chef
ist dieser Angelegenheit keine Hilfe, zeigt er doch alle Anzeichen
von Biegsamkeit, die man von jemandem ohne Rückgrat erwartet,
als ihm dieser Vorschlag gemacht wird.
"Aber das sind
Fachleute für finanzielle und technische Sicherheit! Man kann
sich nicht WEIGERN, mit ihnen zu reden!" erwidert er.
"Natürlich kann man!"
"Das können
wir nicht - es wäre nicht gut für unser Ansehen, wenn wir
eine schlechte Beurteilung bekommen."
"Dann kämen
die verschiedenen Berichte jedenfalls zum gleichen Ergebnis."
antworte ich und deute einen Ausweg an.
...
Eine halbe Stunde
später sitze ich im Büro einem Erbsenzähler-Kauz
gegenüber, der für eine internationale Beraterfirma
arbeitet und einen ganzen Sack voller Fragen und viel Zeit (er
berechnet riesige Stundensätze) mitgebracht hat.
Ich mag ihn
nicht.
"Gut, wir sollten mit einem Überblick über
ihre aktuelle Topologie und ihre Systeme beginnen. Aber zunächst
hätte ich gern ihren Namen."
"Oh, ich fürchte,
daß das ein Geschäftsgeheimnis ist." erwidere ich
freundlich.
"Wie bitte?"
"Das ist ein
Geschäftsgeheimnis. Wenn ich ihnen meinen Namen sagen würde
und die Daten den falschen Leuten in die Hände fielen, wer weiß,
aber schon am nächsten Tag würden die Sklaventreiber
anrufen und versuchen, mich abzuwerben."
"Wir KÖNNEN
diese Information auch in ihrem Telefonverzeichnis finden."
"Da
stehe ich nicht drin. Kein System-Administrator steht in dem
Verzeichnis."
"Dann von Namensschild an ihrer Tür!"
"Da gibt es kein Namensschild."
"VON IHREM
GEHALTSSCHECK!!"
"Ich bin ein Auftragnehmer - ein
Unternehmen mit anderen Worten."
"Dann von ihrem Chef!"
"Er ist neu hier und hat keine Ahnung."
"Von
ihren Kollegen!"
"Die würden es ihnen nicht
verraten. Selbst wenn sie meinen Namen WIRKLICH kennen sollten, was
sie nicht tun."
"Wir legen hier sehr viel Wert auf
Geheimhaltung", erklärt der PJ, als er ins Büro kommt.
"Wir müssen ihnen doch aber einen Namen geben!"
"Ja. Ich würde ?Der System-Administrator, der vorher
als Roger bekannt war? vorziehen."
"Also heißen
sie Roger?"
"Nein."
"Aber ihr Name WAR
Roger?"
"Niemals." "Und wieso nennen sie sich
dann ?System-Administrator ...? und so weiter?"
"Oh,
damit ich mich mit einem Symbol aus der Zeichentabelle identifizieren
kann."
"Welches Symbol?"
"Ich kenne
seinen Namen nicht. Haben sie einen Laptop bei sich?"
"Nein."
"Dann muß ich das Symbol aufmalen."
... zehn
Minuten später ...
"Nun, welche Betriebssysteme
benutzen sie?"
"Oh, ich fürchte, daß das ein
Geschäftsgeheimnis ist ..."
... zwei Stunden später
...
"Also, lassen sie mich zusammenfassen - sie können
mir nichts über ihre Person, ihre Firma, ihre Arbeit,
Einzelheiten ihrer technischen Ausstattung, wo sie stehen, ihre
Notfallpläne oder den nächsten Notausgang mitteilen, weil
es sich um Geschäftsgeheimnisse handelt?"
"Das ist
korrekt."
"Wieso ist der Notausgang ein
Betriebsgeheimnis?"
"Weil jemand davor warten könnte,
um mich abzufangen und mir ein Angebot zu machen, dem ich nicht
widerstehen kann. Wissen sie, diese Leute würden einen Alarm
auslösen, wenn sie wüßten, auf welchem Weg ich das
Gebäude verlassen werde. Und schon hätten sie mich. Das
passiert in größeren Unternehmen immer wieder."
"Und
wieso ist dort das Notausgangs-Zeichen über dem feuersicheren
Panzerschrank?"
"Um Industriespione einzusperren",
antwortet der PJ mit einem wissenden Lächeln.
"Jjjjaaaa",
sagt der Kauz schließlich und greift nach seinem Handy. Zehn
Minuten später kommt der Chef herein. Ganz offensichtlich hat
ihm jemand aus den höheren Etagen ein paar Anweisungen gegeben.
"Was soll diese Sache mit dem ?Betriebsgeheimnis??"
fragt er mich.
"Er will uns seinen Namen nicht nennen."
betont der Erbsenzähler-Kauz.
"Er behauptet, das sei
ein Geschäftsgeheimnis."
"Und das trifft auch auf
persönliche Daten zu." antworte ich.
"Mein Vertrag
legt fest, daß sie mich nicht zwingen können, irgendwelche
persönlichen Daten herauszurücken."
"Er will
mir auch nicht sagen, welche Betriebssysteme sie benutzen, noch
Angaben darüber machen, welche Server sie haben."
"Wieso
nicht?" fragt der Chef gereizt.
"Er behauptet, das seie
ein Geschäftsgeheimnisse."
Die Augen des Chefs
verdrehen sich bei dieser Antwort, also schiebe ich ihn vor die Tür,
um mit ihm unter vier Augen zu sprechen.
"Es ist doch ganz
einfach", biginne ich.
"Ich sage diesen Typen, welche
Betriebssysteme bei uns laufen, dann werden die mich nach
Sicherheitsvorkehrungen fragen und wie von außen auf unser
Netzwerk zugegriffen werden kann, wie man unser Netz angreifen kann.
Und bevor sie wissen, wo ihnen der Kopf steht, wollen diese Leute
wissen, wer regelmäßig im Betrieb gegen die
Nutzungsbedingungen verstößt, die Filter umgeht und das
geschieht. Und dann werden sie verlangen, daß ich die
Zugriffsstatistiken herausrücke, aus denen auch ersichtlich
wird, wer aus dem Management glaubt, durch das Abschalten des
Zwischenspeichers im Browser werden seine Internetausflüge nicht
protokolliert. Und das kann ... nun, das kann ein Geschäftsgeheimnis
sein."
"Ah! Ja, stimmt, da muß ich ihnen
zustimmen! Denn wenn die Leute unsere Internetbesuchs-Protokolle
kennen, dann könnten sie, ähm ..."
"...
Nachrichten auf den betreffenden Webseiten hinterlassen, mit denen
die Manager abgeworben werden sollen." vollende ich.
"Oh,
ha! Das ist es!" keucht der Chef. Er greift zum Handy ...
"...
Nachrichten auf den betreffenden Webseiten hinterlassen, mit denen
die Manager abgeworben werden sollen ..."
"Oh, ja!"
keucht der IT-Chef.
... fünf Minuten später ...
"...
Nachrichten auf den betreffenden Webseiten hinterlassen, mit denen
die Manager abgeworben werden sollen."
"Ah, ja!"
keucht die Assistentin des Geschäftsführers besorgt. ...
"Das alles werde ich in meinem Bericht an die
Geschäftsleitung erwähnen", versucht der Kauz eine
Bresche in die Front der Ablehnung zu schlagen.
"Sie können
Dinge nicht mit der Begründung, sie seien Betriebsgeheimnisse,
verschweigen."
"Lustig, aber genau das hat ihr
Vorgänger im letzten Jahr auch gesagt."
"Hat er?
Ich kann mich nicht erinnern, seinen Bericht gesehen zu haben."
"Das ist doch klar, er war schließlich ein
Geschäftsgeheimnis. Also haben wir ihn dem Panzerschrank
anvertraut."
"Es gab nur EIN Exemplar!?"
"Sozusagen. Er war nur in seinem Kopf vorhanden."
Der
PJ schließt die Tür und läßt die Jalousien
herunter ...
...
"Ah ... Nun, vielleicht war ich ein
wenig voreilig ..." ruft der Kauz aus, mit einem leichten Anflug
von Angst in der Stimme.
"Sie NEHMEN es mit der Sicherheit
wirklich sehr genau." ...
"Sie haben doch nicht
wirklich im vergangenen Jahr jemanden in den Panzerschrank gesperrt,
oder?" fragt der Chef.
"Natürlich nicht! Aber die
gleiche Geschichte habe ich dem Typ vom vergangenen Jahr erzählt!"
"Und was - oder wer - ist nun in dem Panzerschrank?"
will der IT-Chef neugierig wissen.
"Oh, ich fürchte,
daß das ein Geschäftsgeheimnis ist."
Es ist
wirklich ganz einfach, wenn man weiß, wie es geht. Ich sollte
Politiker werden ...
Der B.O.F.H. fängt einen Dieb ...
"Und wie soll das nun exakt
ablaufen?" fragt der PJ, der sich immer für die kleinsten
Details interessiert.
"Ich bin froh, daß sie diese
Frage stellen", antworte ich, immer bereit, den Wissensdurst des
Neugierigen zu stillen.
"Es ist ein normales ?Tempel der
Verdammnis?-Szenario."
"Tempel der Verdammnis?"
"Ja, wie in den ?Indiana Jones?-Filmen", murmle ich und
deute auf die Ansammlung von Technik auf dem Regal.
"Der
normale Dieb kommt herein, sieht die nagelneue Festplatte und
schnappt sie sich und löst dabei den kleinen Schalter unter ihr
aus. Und dieser wiederum haucht als Präsentation von Ursache und
Wirkung Leben in die beiden Magnetspulen, die im rückwärtigen
Teil des Hardwareregals verborgen sind. Leider, und das bedaure ich
zutiefst, ist das Regal sehr instabil und gleichzeitig sehr schwer,
was an den vielen metallischen Gegenständen in den oberen
Fächern liegt."
"Und ... das dem Anschein nach
fest mit Scharnieren am Boden befestigt ist." kommentiert der
PJ.
"Ich glaube, daß es sich bei dieser Befestigung um
eine optische Täuschung handelt."
"Nein, es sind
zwei Scharniere - reichlich geschmiert, so daß sie wohl kaum
quietschen würden, wenn das Regal umklappt. Aber dieser Zustand
wird sicher nicht lange anhalten ..."
"Stimmt - WENN es
noch etwas zum Stehlen gäbe ...
" Es ist eine traurige,
aber leider wahre Tatsache, daß ein Dieb unter uns ist. Und
derartige Diebstähle können die Arbeitsmoral im ganzen Haus
wirklich gefährden - wenn es etwas derartiges bei uns überhaupt
gibt. Dem PJ ist der Ernst der Lage zuerst nicht aufgefallen, doch
meine Hinweise bringen ihn auf den rechten Pfad der Erkenntnis ...
"Wenn jedermann mit Fingern auf andere zeigt",
illustriere ich meine Erläuterung.
"Wenn
Verdächtigungen ausgesprochen und verbreitet werden - das kann
der Moral nicht dienlich sein. Und wenn der Dieb dann doch geschnappt
wird, dann werden all die Entschuldigungen bei den Unschuldigen, all
die Tränen für weitere Unruhe sorgen. Und, das ist am
schlimmsten, es wird keine zünftige Abschiedsparty des
Betreffenden geben."
"Stimmt, das ist wirklich nicht
gut." stimmt der PJ zu.
"Genau, und ich werde alles
dafür tun, eine solche Entwicklung zu verhindern."
"Indem
sie ein vollgeladenes Regal auf ihn stürzen lassen?"
"Nun,
ich würde es lieber als Vorbeugemaßnahme für den
Notfall bezeichnen." seufze ich.
"Also wissen sie, wer
es ist?"
"Natürlich nicht!"
"Sie
wissen es doch, ich spüre es ..."
"Nun, ich habe
da eine Vermutung ..."
"Wer?"
"Nun, ich
habe mir das Besucherverzeichnis angeschaut, und es scheint so, daß
Dinge immer dann verschwinden, wenn ein bestimmter Ingenieur uns
besucht ..."
"Welcher ist es?" schnappt der PJ
nach Luft.
"Der Kerl, der die Telefone austauscht."
"Der, der die Aufrüstung auf Digitaltechnik
durchführt?"
"Genau der!"
"Was hat
er gestohlen?"
"Was ist verschwunden, meinen sie? Jeder
gilt als unschuldig, bis die Schuld nachgewiesen wurde. Nun, wir
vermissen 512 Megabyte DDR-RAM, dieses brandneue Pentium
4-Motherboard und ihren portablen MP3-Spieler."
"MEIN
MP3-SPIELER!!!"
"Ja, es sei denn, sie haben in mit nach
Hause genommen - zumindest dann, wenn wir über das Gerät
sprechen, das auf der Bestellung als ?PDA? aufgetaucht ist ..."
"!"
Der PJ trauert wortlos.
"Gemach,
gemach", beruhige ich den PJ.
"Sie werden sich besser
fühlen, wenn der Täter gefaßt ist. In der
Zwischenzeit kümmere ich mich um eine ähnliche Einrichtung
für den Serverraum, die bestimmte Verstrebungen einstürzen
lassen kann."
"So daß die Bodenplatten und der
schließlich Boden zusammenbrechen?"
"So daß
der Serverraum dann teilweise aussieht, wie ein Rugbyfeld ..."
"Wodurch wird es ausgelöst?"
"Durch die
Wellen eines ankommenden Handy-Telefonats - in der näheren
Umgebung des Sensors natürlich ..."
... zwei Stunden
später ...
"Er ist hier", murmelt der PJ, als der
betreffende Ingenieur sich in die Besucherliste einträgt und
eine sich eine Zugangskarte für Gäste schnappt.
"Gut.
NUN, WIR VERSCHWINDEN KURZ ZUM ... ZUR TEEPAUSE." fügt er
laut hinzu, als wir das Büro verlassen.
... 20 Sekunden
später ...
"Das will ich mir nicht entgehen lassen!"
ruft der PJ und startet das Kontrollprogramm für die Webcam.
"Wo ist er hin?" "Im Serverraum?" schlage ich
vor.
"Da, da ist er!"
Wir sehen, wie der erwähnte
Ingenieur im Serverraum das Antistatikarmband anlegt, um sich auf den
bevorstehenden Austausch der Platinen vorzubereiten.
"Wie
lautet seine Handynummer?!?!" fordert der PJ.
Ich sage sie
ihm, und der PJ wählt sie, noch bevor ich in darauf aufmerksam
machen kann, daß der Ingenieur noch nichts verdächtiges
angestellt hat ...
... zwei Minuten später ...
"DER
HALBE VERDAMMTE BODEN BEBTE PLÖTZLICH!" berichtet der
Ingenieur uns keuchend, als er versucht, seine Ausrüstung unter
einem zusammengebrochenen alten Mainframe-Rechner hervorzuziehen.
Erfolglos.
Also entschuldigt er sich und marschiert davon, um
neue Werkzeuge zu holen.
"Ich wette, daß sie sich
wünschen, ihr MP3-Spieler ist nicht in seinem Rucksack ..."
wende ich mich an den PJ.
"Ja, aber wer zum Teufel war es
..."
Unser Gespräch wird durch einen dumpfen Aufschlag
aus unserem Büro unterbrochen.
Blitzschnell sind wir vor
Ort, wo wir den Chef vorfinden, der versucht sich aus einer
Ansammlung von Kabeln und sonstigen Ersatzteilen zu befreien.
"WAS
ZUM TEUFEL WAR DAS!?!" schreit er.
"In der einen Minute
bringe ich ihnen ihr portables ZIP-Laufwerk zurück und in der
nächsten bebte der ganze Raum!!!"
"Das muß
das Erdbeben gewesen sein, vermute ich. Haben sie es denn nicht
gespürt?"
"Was?" schnaubt er und untersucht
seinen gequetschten Arm.
"Vielleicht sollten sie ihn von den
Erste Hilfe-Leuten untersuchen lassen", schlage ich freundlich
vor.
"Nur für den Fall ..."
"Ja,
möglicherweise haben sie recht."
"ALSO WAR ES DER
CHEF!" ruft der PJ, als der Chef davongehumpelt ist.
"Nein,
er hat wirklich das ZIP-Laufwerk zurückgebracht." antworte
ich.
"Ich hatte es ihm am Morgen geliehen."
"Also
wären wir wieder bei dem Ingenieur ..."
"Nein, er
war es nicht", gebe ich zu, als ich meine Sachen zusammenpacke,
um den Heimweg anzutreten.
"Aber ich dachte, sie hätten
gesagt, er habe all das Zeug gestohlen!?!" ruft der PJ durch den
Raum.
"Nein, ich sagte, daß immer wenn er uns besucht,
Dinge verschwinden!"
"Und wer ist es dann gewesen?!"
"Oh, das war ich. Das ganze Theater habe ich nur veranstaltet,
damit sie abgelenkt werden, während ich mir noch die
Flash-Speicher für den MP3-Spieler greife ..." rufe ich,
als ich durch die Tür eile, sie hinter mit zuwerfe und mit einem
Keil blockiere.
"Sie Bastard!" schreit er wild mit dem
Elektroschocker fuchtelnd - wild genug, daß ich noch das
Quietschen ungefetteter Scharniere hören kann, bevor ein
Wandregal nach vorn kippt ...
"Ja, wirklich." stimme
ich zu.
"Und was für ein Bastard ich bin ..."
Der B.O.F.H. spielt mit dem Feuer ...
Es ist 8:30 Uhr am Vormittag, als ich
vor der Firma ankomme, um das Gebäude von Feuerwehrfahrzeugen
und herumeilenden Feuerwehrmännern umstellt vorzufinden. Mehr
Helme, als auf einer Porno-Website für Schwule. Als das Signal
zur Entwarnung kommt, stürme ich hinein und finde heraus, daß
die Rauchmelder durch ein kleines Durcheinander bei einem der
Laserdrucker außerhalb unseres Büro ausgelöst wurden.
Ein meistens sehr unwahrscheinliches Zusammentreffen von einem
Papierstau, einem defekten Lüfter und einer nichtreagierenden
Sicherung ...
"Lüfter fallen immer wieder aus",
sage ich und deute auf die kümmerlichen Überreste.
"Doch
in 99.9 Prozent der Fälle werden sie aus unbrennbarem Material
hergestellt, ist nichts entflammbares in ihre Nähe.
Das war
wirklich eine unglückliche Verkettung von Zufällen."
Und das ist wirklich wahr. Das mußte nicht von außen
beeinflußt werden - der Drucker war einfach alt.
"Aber
daraus hätte sich ein großes Feuer entwickeln können!"
platzt es aus dem Chef heraus - der sich mehr um Unversehrtheit
seines preisgekrönten Gummibaums macht, als um irgendeine andere
Zerstörung im Gebäude.
"Das hätte geschehen
können, doch tatsächlich war es nur die fehlende Belüftung
und ein paar Blatt Papier, die die Sensoren ausgelöst haben.
Wenn wir Hitzemelder statt der Rauchmelder hätten, hätte
sich das Problem von selbst gelöst." Der Mann von der
Feuerwehr bestätigt meine Worte.
"Das wäre zwar
ungewöhnlich, aber es ist schon vorgekommen", stimmt er mir
zu.
"Und in diesem Fall war es gerade mal ein halbes Blatt
Papier, das verbrannt ist."
"Wie ist das passiert? Wer
druckt denn um diese morgendliche Zeit?" will der Chef auf der
Suche nach einem Täter wissen.
Ich öffne den Drucker
und hole die verbleibende Blatthälfte heraus.
"Das ist
... das Protokoll eines unserer Systeme zur automatischen
Datensicherung", erkläre ich.
"Die werden in jeder
Nacht gedruckt, wenn die Datensicherung erfolgreich war."
"Nun,
wir sollten vorsichtiger sein." grollt der Chef.
"Ein
Feuer wie dieses kann ernsthafte Zerstörungen verursachen."
"Stimmt", sagt der Mann von der Feuerwehr.
"Gebäude
wie dieses, in denen das Papier herumliegt, können unter den
richtigen Umständen in Flammen aufgehen wie eine Schachtel
Streichhölzer!"
Ich unterdrücke den Wunsch, seine
Bemerkung sarkastisch mit einem:
"Wenn das Papier in Benzin
getränkt wird" zu kommentieren - wenn man davon ausgeht,
daß das Gebäude zum großen Teil aus Beton besteht,
eine temperaturgesteuerte Sprinkleranlage verfügt und kaum
?loses Papier? herumliegt, übertreibt er doch etwas.
"Sollten
wir in dieser Angelegenheit vielleicht etwas unternehmen?" will
der Chef wissen.
"Nun, für 500 Pfund können sie
eine Feuerrisiko-Analyse bekommen, die ein entsprechender Fachmann
vornimmt."
"Aha, und wen muß ich dafür
kontaktieren?" fragt der Chef dümmlich.
"Nun, ganz
zufällig arbeite ich gelegentlich auch auf diesem Gebiet
..."
Zwei Tage und 500 Pfund später haben wir einen
"Bericht", auf dem neben der Aufschrift "Speziell
angefertigt für" unser Firmenname steht ...
"Hier,
schauen sie! Wir sollten Technik, die Hitze erzeugen kann, in
feuersicherer Umgebung betreiben!" keucht der Chef begeistert.
"Und wir sollten Vorsichtsmaßnahmen durchführen,
um die Überhitzung in Geräten mit beweglichen Teilen zu
verhindern!"
"Aha. Und wann glauben sie, sollten wir
damit beginnen?"
"Wann?! So schnell wie möglich!!!"
"Ah, ich glaube, wir brauchen dazu einen offiziellen Auftrag
zur Erhöhung der Sicherheit im Gebäude." antworte ich.
"Die Leute würden uns nicht trauen, wenn wir ihnen
sagen, wir müßten für Sicherheit sorgen."
"Einen Auftrag wollen sie!? Dabei hatten wir doch gerade ein
FEUER! Ich gebe ihnen keinen Auftrag, sondern ich VERLANGE
Sicherheit!"
"In Ordnung", seufze ich.
"Dann
legen wir also los." Und damit verabschiede ich mich ...
...
für zwanzig Minuten, bis er mich auf meinem Handy anruft und ein
weiteres Treffen im Büro fordert ...
"Was gibt es?"
"IHRE VERDAMMTEN SICHERHEITSMASSNAHMEN!" schreit ein
Erbsenzähler, der sich hinter der Tür versteckt hatte, und
würde wohl gern auf mich losgehen.
"Habe ich es ihnen
nicht gesagt", flüstere ich dem Chef zu.
"Es
scheint so, als würden die Leute glauben, sie seien irgendwie zu
eifrig an die Arbeit gegangen. Was ist denn nun wirklich passiert?"
"Nun, ich wollte nicht einfach hereinstürmen und ihnen
sagen, was sie tun sollen", erkläre ich geduldig.
"Das
wäre diktatorisches Verhalten. Statt dessen hatte ich mich für
eine andere Herangehensweise entschieden, um die Unstimmigkeiten der
Vergangenheit zu überwinden und das Kriegsbeil zu begraben."
"ER HAT ES IN MEINEM ZIP-LAUFWERK BEGRABEN!"
"Nun,
es war schließlich ein Gefahrenherd!" antworte ich.
"DAS
WAR ES NICHT! ES WAR JA NICHT EINMAL AN MEINEN RECHNER
ANGESCHLOSSEN!!!"
"Dann war es eben ein potentieller
Gefahrenherd, denn früher oder später hätten sie es
angeschlossen. Und Vorsorge ist besser als ein Feuer, oder?"
"DANN
HABEN SIE MEINEN MONITOR IN DEN MÜLLCONTAINER GEWORFEN!"
"Er hat Hitze erzeugt. Und der Container hätte uns
geschützt, falls der Monitor verbrennt ..."
"Jjjjjjjaaaahhh." nuschelt der Chef und wechselt die
Seiten schneller, als ein italienischer Kriegsheld.
"Ich
glaube, da sind sie wirklich etwas übereifrig gewesen."
"Nun, es war ihr Bericht, der die Anweisung enthielt, danach
Ausschau zu halten!"
"Ja, aber ich meinte doch, sie
sollten Dinge in Ordnung bringen, die wirklich ein Feuer verursachen
könnten."
"WIRKLICH ein Feuer verursachen könnten?
Ah. Das hätten sie mir aber sagen müssen. Vielleicht sollte
ich in diesem Fall auch den PJ informieren - er kümmert sich um
leichtentflammbare Gase."
"MACHEN SIE SICH KEINE
SORGEN!" ruft der PJ triumphierend.
"Ich bin FERTIG!
Ich hatte ein paar widerspenstige Nervtöter mit ihren Einwänden
zu überzeugen, doch jetzt ist die Gefahr von
Methangasexplosionen gebannt!"
"Welche
Methangasexplosionen?"
"Gas, eingefangen in einem
begrenzten Raum! Ich habe Luftlöcher in die Zwischenwände
der Damen- und Herrentoiletten gebohrt, habe die Abfallbehälter
aus der Küche nach draußen befördert und, natürlich,
die Gefahr von Gasbildung beim Verrotten von Pflanzen dadurch
gebannt, daß ich alle Pflanzen in die Container auf der anderen
Straßenseite befördert habe."
"Mein
Gummibaum!" keucht der Chef besorgt.
"Keine Sorge - den
habe ich nicht angerührt. Er steht sicher und wohlbehütet
unter der UV-Lampe in ihrem Büro."
"Gott sei dank.
Es ist ein preisgekrönter Gummibaum, müssen sie wissen."
"Jetzt wird er noch mehr Preise gewinnen - ich habe die
Blätter mit etwas Alkohol gereinigt, den ich noch übrig
hatte, und ihn näher an die Lampe herangestellt, damit er noch
bess ..."
Der PJ wird von einem Geräusch unterbrochen,
das sehr an eine Explosion erinnert ...
"Ich glaube, das
könnten sie ganz gut gebrauchen", erkläre ich, als ich
dem Chef hastig das Beil in die Hand drücke.
"Für
das Feuer!" füge ich schnell noch hinzu, als ich bemerke,
wie der Chef den PJ fixiert.
Gefährliche Plätze, diese
Bürogebäude ...
Der B.O.F.H. betreut wieder die Nutzer ...
"Hallo, Nutzerbetreuung hier. Wie
kann ich ihnen helfen?" fragt der PJ - ein Beweis von Hingabe
und Selbstlosigkeit - als Antwort auf den siebzehnten Anruf an diesem
Morgen.
"Es geht um meinen Rechner", jammert der Nutzer
durch das gesamte Büro - eine der Segnungen kabelloser Headsets.
"Der PC startet nicht."
"Probleme beim
hochfahren?" fragt der PJ und heuchelt dabei jene Art von tiefer
Besorgnis, die man sonst nur in den Reden von Politikern und
Wiederholungen von M.A.S.H. spüren kann.
"Ja, der
Rechner sagt mir, daß N-T-L-D-R nicht gefunden werden kann."
"Verstehe", erwidert der PJ ruhig.
"Hat ein
anderer Nutzer ihren Rechner benutzt?"
"Nein."
"Haben sie vielleicht ihr System aufgeräumt -
möglicherweise ein paar Dateien gelöscht, um freien
Speicherplatz zu bekommen?"
"Nein", antwortet der
Nutzer.
"Aber ..."
"Aber sie haben ein paar
Dateien verschoben?"
"Nun, da waren überall
Dateien und das war so eine Unordnung, daß ich ..."
"Natürlich, das ist verständlich. Und sie haben
sich sicher auch versteckte Dateien anzeigen lassen, oder?"
"Nun - ja. Denn ich will wissen, was mit meinem System
passiert - ob jemand einen Virus installiert und so weiter!"
"Ja, man kann gar nicht vorsichtig genug sein. Nun, wir
werden Teile ihres Systems wiederherstellen müssen - welche
Windows-Version benutzen sie?"
"Ah, Windows 2000."
"2000? Das haben wir doch noch gar nicht für die Nutzer
freigegeben, weil wir noch auf die CD mit dem Aktualisierungspaket
warten."
"Das ist in Ordnung. Einer meiner Kollegen hat
es gekauft, als er in Malaysia Urlaub machte und es für 3 Pfund
pro Exemplar bekommen konnte. Er hat uns allen CDs mitgebracht."
Der PJ muß wirklich darum kämpfen, seiner
Zurückhaltung nicht aufzugeben. Aber irgendwie schafft er es,
sich gegen die drohende Explosion zu wehren - das ist alles eine
Frage des Willens.
"Aha", keucht er mit
zusammengebissenen Zähnen.
"Dann verbinde ich sie mit
unserem Experten für Windows 2000."
Es ist raurig aber
wahr - der PJ und ich sitzen nach einer tragischen Durchfallepidemie,
die dafür sorgte, daß die sonst zuständigen Leute
heimgeschickt wurden (wenn man sie aus den Toiletten herausbekommen
hat). Der Chef, unnötigerweise rachsüchtig, hat uns in die
Nutzerbetreuung geschickt, da wir die letzten gewesen sein sollen,
die man vor dem Wasserspender gesehen hat, der als Ursache für
den tragischen Ausfall ausgemacht wurde. ...
Der Fluch, der auf
der Nutzerbetreuung lastet, trifft uns alle ...
Der PJ und ich
haben beschlossen, für ein paar Tage das Guter Kerl/Böser
Kerl-Spiel zu spielen, um zu sehen, ob wir die Nutzer völlig
Verwirren können - wobei wir unsere Rollen zufällig ändern,
damit wir nicht berechenbar sind. Nun, ich muß mich um einen
Anruf kümmern.
"Hallo, Simon hier. Wo liegt denn das
Problem?" "Ich kann meinen Rechner nicht starten?"
"IHREN Rechner? Der PC gehört der Firma!"
"Ja,
gut, aber er startet nicht."
"Aha. Was haben sie mit
dem Rechner gemacht?"
"Nichts." "Lügen
sie mich nicht an! Haben sie das Gehäuse geöffnet?"
"Nein!"
"Irgendwelche Programme installiert?"
"Nein."
"Haben sie einen dieser Dateianhänge
gestartet, die ihnen ihre Freunde geschickt haben."
"Nein."
"Und was ist mit der monkey.exe, die sie gestern bekommen
haben?"
"Woher wissen sie ... Nein."
"Ich
glaube, sie lügen mich an ..."
"ICH HABE ES NUR
EINMAL GESTARTET!"
"Aha - also HABEN sie gelogen!?"
"Aber es war doch nur einmal!"
"Einmal genügt
schon! Nun, haben sie mit ihrem Betriebssystem herumgespielt?"
"Nein ..."
"Ich glaube, daß sie mich
wieder belügen. Ich wette, daß sie mit den Einstellungen
für versteckte Dateien experimentiert haben, oder etwa nicht?"
"Ich wollte nur seh ..."
"Also haben sie
wieder gelogen. Wenn Microsoft gewollt hätte, daß sie die
Dateien sehen, wären sie doch nicht versteckt, oder?"
"Aber ..."
"KEIN ABER! Ich verbinde sie mit
einem Operator, der ihnen mitteilen wird, wo sie ihren Rechner
hinbringen müssen."
Ich verbinde ihn wieder mit dem PJ.
"Hallo, Systemwartung."
"Uh, mir wurde gesagt,
ich sollte meinen Rechner irgendwo abliefern - aber ich brauche ihn."
"Oh, ich bin sicher, daß wir die Reparatur
schnellstmöglich durchführen können. Es dürfte
nicht länger dauern als ..."
>PIEP!<
Das
Programm, das auf unseren PCs läuft und uns signalisiert, wann
ein Rollentausch fällig ist, meldet sich.
"... sechs
oder sieben Wochen, bis wir uns durch den Problemberg durchgearbeitet
haben."
"Aber ich muß den Rechner heute
benutzen!"
"Nun, daran hätten sie denken sollen,
bevor sie mit ihren Programmen herumexperimentiert haben. Apropos
Programm - haben sie überhaupt eine LIZENZ für das
Betriebssystem?"
"Ich ..."
"Lügen
sie mich nicht an, mein Telefon ist mit einem Stimmenanalysator
ausgestattet, so daß ich es sofort merken würde."
"Es ist nicht mein Programm."
"Nun, das klingt wahr, aber haben
sie es installiert?"
"Nein, ich habe es jemanden machen
lassen."
Der PJ drückt eine Taste seines Telefons, um
einen Piepton an den Anrufer zu schicken.
>PIEP<
"Das
Telefon sagt, daß sie lügen."
"Das wollte
ich nicht. Ich dachte, es handele sich um NT 4."
>PIEP<
"Könnten sie ihre Geschichte vielleicht etwas
plausibler gestalten? Und denken sie bitte daran, daß diese
Unterhaltung aufgezeichnet wird."
"AUFGEZEICHNET?! Wieso
denn?!"
"Auswertung und Qualitätskontrolle, um
herauszufinden, wie gut ich ihnen helfen konnte."
"Sie
haben mir nicht geholfen! Kann ich bitte den anderen Kollegen
sprechen?"
"Warum?"
"Er wollte, daß
ich meinen PC irgendwo abliefern soll ..."
"In Ordung,
ich verbinde sie."
"Hallo, Nutzerbetreuung." melde
ich mich.
"Ja, ich wollte wissen, wohin ich meinen Rechner
bringen soll."
"Ihren Rechner?"
"Ja, sie
sagten mir doch, das Betriebssystem müsse neu installiert werden
nach diesem Problem mit den Programmen."
>PIEP<
"Wie
bitte?" will ich wissen.
"Nachdem ich irrtümlich
Dateien verschoben habe."
"So ist es gut. Nun, das
klingt simpel, so daß ich auch mit einer Sicherungs-CD bei
ihnen vorbeischauen und das Problem lösen könnte. Das
sollte in zehn Minuten zu schaffen sein."
"Sind sie der
Kollege, mit dem ich vorhin gesprochen habe?" will der Nutzer
verwirrt wissen.
"Ich verstehe nicht?" antworte ich.
"Ach - nichts. Mein Fehler. Also können sie mein System
mit einem stabilen Betriebssystem wiederherstellen?"
"Natürlich
kann ich. Dann installiere ich einfach Windows 2000
>PIIIIIEEEEEP<
,
ich meinte Windows NT 4
>PIIIIIEEEEEP<,
ich meine
Windows
>PIIIIIEEEEEP<
. Ich werde irgendetwas machen."
"Gut, wann könnten sie vorbeikommen?"
"Wenn
es ihnen paßt, komme ich gleich zu ihnen, damit das Problem
noch vor dem Mittagessen beseitigt ist!"
"OHVIELENVIELENDANK!"
keucht der Nutzer und legt auf. Ich greife nach der CD und steuere
die Tür an, um als Superheld der Nutzerbetreuung in die
Geschichte einzugehen, als ich das >BING!< unseres Programms
höre, das der PJ offensichtlich manipuliert hat, denn so schnell
war noch kein Rollenwechsel fällig.
Dieser hinterhältige
Kerl.
"Könnten sie mir die OS /2-CD geben?" frage
ich und werfe die Windows-CD in den Papierkorb.
"Sie sind
ein grausamer Kerl ..." ruft der PJ fröhlich.
Anmerkung:
Nachrichten, die OS /2 verteidigen sollen, werden NUR dann vom
B.O.F.H. gelesen, wenn sie klar, leserlich und prägnant auf
Banknoten verfaßt wurden.
Jegliche andere Korrespondenz
wird ignoriert.
Mit Priorität behandelt werden Nachrichten
mit höherem Wert ...
Der B.O.F.H. und der Linux-Evangelist ...
Vor ein paar Jahren war die
Wahrscheinlichkeit, auf dem Rechner eines Nutzers Linux zu entdecken,
ungefähr so hoch, wie die Chance, in einer Kneipe von einem
Vorgesetzten eingeladen zu werden. Doch in diesen Tagen wechseln dank
der missionarischen Tätigkeit eine Kauzes aus der Abteilung für
Forschung und Entwicklung immer mehr Nutzer von der dunklen
Windows-Seite herüber zu Linux. Und das gefällt mir gar
nicht. Natürlich, ich sollte mich darüber freuen, daß
die Leute auf der Evolutionsleiter der Betriebssysteme aufsteigen,
doch das ist leider nicht der Fall. Denn erwartungsgemäß
wissen die Leute von der Nutzerbetreuung über ein
Unix-Betriebssystem ungefähr so viel, wie der Chef der
IT-Abteilung über geschmackvolle Bekleidung - nichts -, was sie
aber nicht davon abhält Tips zu geben, wie: "Nein, nein,
sie brauchen den Anti-Relay-Code nicht in ihrer
Sendmail-Konfiguration ..." Nach einem massiven Anstieg unseres
Datentransfervolumens habe ich dieses Problem mit meinem bewährten
schweren Reparierwerkzeug durch eine Router-Modifizierung gelöst,
dann besuchte ich die betreffende Person unten in der
Nutzerbetreuung, um mit ihr ein wenig zu plaudern. Nur ein
freundliches Gespräch unter vier Augen, nichts besonders
dramatisches. Und nachdem ich das Kündigungsschreiben der Person
in der Abteilung für Personalfragen abgegeben habe (zugegeben,
der Mann dachte, er unterschreibe ein Protokoll über einen
Arbeitsunfall, um eine fette Entschädigung zu kassieren),
marschiere ich zurück ins Büro und löse das Problem
der in der Warteschlange sich stauenden Beschwerden rabiat dadurch,
daß ich den Datenträger mit einem Magneten behandle. Und
da nun auch der Kauz aus der Abteilung für Forschung und
Entwicklung nicht mehr umherschleicht (Er fiel eine Treppe herunter
und brach sich bedauerlicherweise beide Beine auf eine Weise, daß
es aussieht, als hätte eine Eisenstange den Bruch ausgelöst
- doch ganz offensichtlich war es sein Sturz.), müssen wir uns
um die dummen Fragen der Leute kümmern, die der Kauz bisher
konvertieren ließ.
"Hallo?" nehme ich einen Anruf
entgegen und schaue mich nach möglichen Zeugen um.
Der PJ macht eine Pause und lenkt die
Aufmerksamkeit des IT-Chefs ab, indem er ihn in ein Gespräch
über das Wochenende verwickelt.
Der arme, törichte
Kerl.
"Ich habe ein Problem mit meinem Linux-Server."
jammert der Nutzer in mein Ohr, während der IT-Chef den PJ über
die Vorzüge herkömmlicher Transportmittel wie Eselskarren
informiert.
"Ihre Linux-ARBEITSSTATION. Ich höre."
"Ich kann Word nicht finden."
"Ja - das liegt
daran, daß Word Bestandteil ihrer Windows NT-Ausstattung war,
aber nicht zur Linux-Installation gehört."
"Wie
bitte?"
"Word ist nicht Bestandteil von Linux."
"Sie machen Scherze! Wie unmodern! Nun, wie kann ich es denn
installieren?"
"Das geht nicht. Sie können ein
anderes Produkt installieren, Star Office zum Beispiel, das Word
ähnelt, mehr aber nicht."
"Werden meine Makros
funktionieren?"
"Haben sie die denn auf einer Diskette
gespeichert, bevor sie Linux installierten?"
"Nein."
"Ah, nun ..."
"Aber ich habe vielleicht noch
eine Kopie auf meinem Privatrechner!"
"Ausgezeichnet.
Aber sie werden trotzdem nicht funktionieren."
"Wieso
haben sie mich dann gefragt, ob ich die Makros auf einer Diskette
gespeichert habe?"
"Oh, ich wollte nur etwas nette
Konversation betreiben."
"?!"
"Warten
sie, sie könnten natürlich einen Windows-EMULATOR
benutzen!! Etwas wie Wine."
"Wine? Was ist das?"
"Etwas das Nutzer trinken."
"Wie bitte?!"
"Wine? Nun, es sorgt dafür, daß ihr Linux
vorgibt, es sei ein Windows. Wieviel Arbeitsspeicher hat ihr
Rechner?"
"64 Megabyte steht auf dem Aufkleber an der
Seite des Monitors."
"Und welchen Prozessor?"
"Uhm, Pentium 166."
"Aha, und dann haben sie,
vermute ich, eine 2 Gigabyte-Festplatte?"
"Die habe ich
auf 18 Gigabyte erweitert!" prahlt er stolz.
"Ausgezeichnet,
dann müßte es laufen wie geschmiert!" rufe ich wie
Pinocchio.
"Sie können das Programm gleich vom
FTP-Server ihres Kollegen aus der Abteilung für Forschung und
Entwicklung installieren. Wissen sie, wie das geht?" "Ja,
ich habe eine Anleitung, und ich habe auch schon einige Programme
installiert am Morgen."
"Einige Sachen?"
"Ah,
dieses SETI-Ding, IRC-Server und noch ein paar andere Sachen, die ich
zwar nicht kenne, die er aber im IRC empfohlen hat."
UND DER
HÖHEPUNKT KOMMT ERST NOCH!
"Jemand hat es empfohlen,
also haben sie es installiert?"
"Ja."
"Aha.
Und was macht die Diode für die Festplattenaktivitäten?"
"Diode für Festplattenaktivitäten?"
"Es
gibt zwei Dioden an der Vorderseite ihres Rechners - über einer
der beiden ist vermutlich ein Symbol zu sehen, das wie ein Zylinder
aussieht."
"Ja, da sind sie! Aber es ist alles in
Ordnung. Beide leuchten hell."
"Aha, und sie leuchten
ohne Unterbrechung?"
"Ja. Nein, warten sie, das Ding
für die Festplatte hat gerade kurz aufgehört zu leuchten.
Muß ich mir darüber Sorgen machen?"
"Nein,
nicht wirklich ..."
... Zwei Tage später.
"Sehr
LANGSAM sagen sie?" fragt der PJ, nachdem er die Daten über
das System geprüft hat.
"Ich kann mir nicht vorstellen,
woran das liegt. Oh, die Diode für die Festplattenzugriffe
leuchtet ständig, sagten sie?! Und die Statistiken belegen, daß
der Datentransfer auf ihrem Rechner enorm angestiegen ist. Kann es
sein, daß sie - unbeabsichtigt - einen öffentlichen
FTP-Server installiert haben?"
"Uh, könnte sein.
Damit ich Betriebssystemaktualisierungen bekomme, sagte jemand im
IRC."
"Jemand im IRC?" erwidert der PJ.
"Wie
vorsorglich. Haben sie eine dieser Aktualisierungen durchgeführt?"
"Ja, am gestrigen Morgen - es hat ewig gedauert."
"Etwa zu der Zeit, als all die Rechner in ihrer Abteilung
zusammengebrochen waren?"
"Uhhhhhmmmm, keine Ahnung.
Wann soll das gewesen sein?"
"Das spielt keine Rolle.
Oooh, ich sehe da eine große Anzahl von Telnet-Clients laufen,
die mit Nummern in den Niederlanden verbunden sind."
"Das
sind die Leute aus dem Chat. Sie brauchen Telnet, um den Chat richtig
zu benutzen."
"Natürlich brauchen sie dazu Telnet.
Gut, ich glaube, ihr Problem ist etwas, das wir als
Phasen/Neutralitäts-Hysteresis bezeichnen."
"Phasen-Neutralitäts-Hysterie? Was soll das denn sein?"
"Nun, manchmal passiert es, daß Transformatoren und
andere Bauteile mit einem Magnetfeld in einen Hysterese-Modus
schalten, der eine Leistungsverminderung bewirkt."
*** DUMMY
MODUS EIN ***
"Duh huh."
"Sie müssen das
Phasen-Neutralitäts-Problem lokalisieren und beseitigen, indem
sie dessen Quelle für eine oder zwei Minuten abschalten."
"Äh ...?"
"Nun, dazu schneiden sie
einfach das Netzkabel durch."
"Dann bekomme ich einen
elektrischen Schlag!"
"Nicht, wenn sie eine
nicht-isolierte Schere benutzen, um sich vor der statischen Aufladung
zu schützen ..." ruft der PJ und greift nach seiner Jacke.
"Ähm ... in Ordn ..."
... Eine Minute später.
"Das wird der Feueralarm sein." erklärt der PJ.
"Wer zuletzt in der Kneipe ankommt, ist ein professioneller
MCSE!!" antworte ich, der eine Chance erkennen und nutzen kann.
Und da behaupten manche noch, Open Source sei nicht
gewinnbringend ...
B.O.F.H. vs. Service-Ingenieur - 1:0 ...
Das wird wieder einer dieser speziellen
Tage.
Ich kann mich darauf verlassen, als ich die Anwesenheit
dieses Service-Ingenieurs bemerke, der mir den Zugang zum Büro
des Chefs verwehrt, was mich daran hindert, dessen Unterschrift für
eine ultra-wichtigen Bestellung zu bekommen. Es geht dabei um ein 34
Zoll-LCD-Bildschirm mit Dolby-Unterstützung, weil ich darauf
mehr Windows-Programme gleichzeitig laufen lassen kann, als auf einem
normalen Monitor. Ein Ingenieur, der in der Tür zum Büro
des Chefs steht, wäre normalerweise kein Problem, doch dieser
Kerl bleibt immer länger beim Chef, wenn er bei uns auftaucht.
Gleichzeitig erscheint er auch immer häufiger - beinahe so, als
ob die von ihm gewartete Technik in den letzten paar Monaten immer
unzuverlässiger würde. Für alle außer dem Chef
ist ganz offensichtlich, was der Kerl bezweckt - er will bei uns
eingestellt werden, um uns "den Ärger zu ersparen",
ihn immer erst mühsam herbeizurufen. Oder, um seinen wahren
Beweggrund zu nennen, er will ein gemütliches Plätzchen, an
dem er den Tag damit verbringen kann, in den Zeitungen zu schmökern,
um dabei nur von einer Bierpause unterbrochen zu werden.
Doch das
ist unsere Aufgabe!
"Es läuft alles auf eine Strategie
der vorwärtsgerichteten Wartung und des ständigen
Austauschs alter gegen neuer Teile hinaus", höre ich den
Ingenieur den Chef belabern, als ich vorbeikomme.
"Ja, ich
verstehe, worauf sie hinauswollen", kommentiert der Chef, der
neugierig auf alles ist, das er als Budget-Einsparung präsentieren
kann.
"Ich hatte nicht gedacht, daß es so schlimm ist,
aber wer immer den NVRAM-Speicher auf diesem Router konfiguriert hat,
muß ein kompletter Amateur sein." versucht der Ingenieur
seine Professinalität zu betonen.
"Sie haben nach mir
gerufen?" mische ich mich ein.
"Ja", nickt der
Chef, der die Spannung im Raum nicht zu spüren scheint.
"Er
hat gerade erklärt, daß derjenige, der den Router
konfiguriert hat, den er sich heute früh anschaute, ein Stümper
sein muß."
"Das wäre dann also meine
Wenigkeit", erwidere ich.
"Ah ..." murmelt der
Chef nervös und versucht, die Entfernung zwischen seinem
Bürosessel und dem Fenster zu erhöhen. Das sollte ich
vielleicht näher beschreiben. Der PJ konnte, während er mit
einer attraktiven Bekannten flirtete, ein Gespräch des Chefs mit
ein paar seiner Manager-Kollegen belauschen.
Der Chef fragte sie,
ob ihnen aufgefallen sei, daß es in letzter Zeit immer häufiger
seltsame und furchtbare Stürze durch Fenster oder ähnliches
gebe, wenn Müllcontainer unter den Fenstern der Büros der
betreffenden Manager standen ...
Da ich mir eine solche
Gelegenheit nicht entgehen lasse, habe ich natürlich sofort
einen Müllcontainer geordert und ihn unter dem Fenster des Chefs
abstellen lassen, um die heutigen Verhandlungen zu vereinfachen. Und
selbstverständlich habe ich den Container eigenhändig mit
einer nicht unbeträchtlichen Menge zerbrochenen Glases gefüllt
...
"Sie haben alles falsch eingestellt!"
"Wieso?"
"Sie haben die gleiche Version des Programmcodes für
den primären und den Sicherheits-NVRAM-Speicher benutzt."
erklärt der Ingenieur herablassend.
"Ja, so stand es
auch im Handbuch."
"Aber nur Idioten halten sich an
das, was in Handbüchern steht!" ruft er. Zu diesem
Zeitpunkt des Gesprächs ist der Chef hinter mir und versucht,
sich dadurch zu sichern, daß er seinen Gürtel mit etwas
verbindet, das viel zu groß dafür ist, durch das Fenster
zu passen. Irgendwie scheint auch der PJ sich für die Sache zu
interessieren und eilt herbei.
"Sie sagen also, daß
sie sich nicht an das halten, was in Handbüchern steht?"
"Natürlich nicht. Die sind doch nur für Anfänger,
denen man sowieso nicht erlauben sollte, Netzwerktechnik überhaupt
nur zu sehen, ganz zu schweigen davon, sie auch noch an die Geräte
heranzulassen. Nein, was ich auf diesem Router gesehen habe, war
kompletter Müll."
"Nun, ich muß zugeben, daß
wir nicht wirklich über alle Entwicklungen und Innovationen bei
der Konfiguration von Technik informiert sind", gesteht der PJ
und senkt langsam den Blick.
"Eben! Und bei all der Technik,
die in ihrem Gebäude herumsteht, sollten sie wirklich einen
Spezialisten einstellen, der sich auf diesem Gebiet auskennt."
antwortet der Ingenieur erwartungsgemäß.
"Eigentlich
keine schlechte Idee", antwortet der PJ nachdenklich.
"Tatsächlich?" fragt der Chef verwirrt.
"Ja.
Unsere Router würden ständig gewartet werden und das allein
könnte uns einen ganzen Batzen Geld sparen, den wir sonst für
Service-Ingenieure bezahlen müßten."
"Wirklich?"
keucht der Chef und sieht sich schon einen Bonusscheck für
diesen Vorschlag bekommen.
"Aber ja. Im Moment haben wir zum
Beispiel ein Problem mit der Sendeeinheit einer der Antennen für
das Funknetz."
"Wirklich? Welche Antenne?"
"Die
vor ihrem Fenster!" antwortet der PJ. "ES GIBT KEINE
ANTENNE VOR ..." ruft der Chef.
"Oh, ich ahne schon, wo
das Problem liegt!" wird er von dem Ingenieur unterbrochen, der
sich aus dem Fenster lehnt und besagte Sendeeinheit beäugt.
"Ich denke, es handelt sich um ein kleines
Einstellungsproblem. Wenn sie den Sender hereinbringen, kann ich das
reparieren."
"Wären sie so nett?" frage ich
den Chef, der heftig mit dem Kopf schüttelt und seinen Gürtel
um einen Tisch im Gang bindet.
"Warten sie", sagt der
PJ und zaubert eine Kopie des Wartungsvertrages mit dem Ingenieur
hervor.
"Im Vertrag steht, daß sie ihre Arbeit ?in
situ? erledigen müssen."
"Ohhh, ja, das steht da!"
stimme ich zu und unterdrücke meine Freude über diese
Wendung des Geschehens noch. ...
Zehn Minuten später ...
"Gut!" versucht der PJ die Sirenen eines abfahrenden
Krankenwagens zu übertönen.
"Es sieht so aus, als
müßten wir zugeben, daß wir wirklich nicht über
die allerneuesten Entwicklungen auf dem Gebiet von Wartungsarbeiten
an Antennen informiert sind!"
Was nur beweist, daß wir
alle manchmal dazulernen können ...
Wie man den B.O.F.H. zufriedenstellt ...
Es geschieht nur selten, daß ich
mich über die herkömmliche Post freue, und diese Ausnahme
bestätigt nur die Regel.
"Du kleine SCHÖNHEIT!"
rufe ich und wedele mit einem Stück Papier, als sei es die ?Du
kommt aus dem Gefängnis frei?-Karte.
"Und für
normale Menschen würde es was bedeuten?" fragt der PJ,
offensichtlich eingeschnappt, da er das Gefühl hat, etwas
verpaßt zu haben.
"Lieber Kunde", lese ich vor.
"Als häufigen und geschätzten Käufer unserer
Produkte und Dienstleistungen möchten wir sie bitten, uns bei
einer Befragung zu helfen, bei der es darum geht, wie zufrieden sie
mit uns sind. Als kleine Aufwandsentschädigung für ihre
Mühe werden wir ihnen einen Präsentkorb schicken. Bitte
melden sie sich bei der unten angegebenen E-Mail-Adresse, um einen
Termin mit ihrem Kundenbetreuer zu vereinbaren. P.S.: Unter allen
Teilnehmern verlosen wir ein Wochenende für zwei Personen in
Paris!"
"Ein Präsentkorb und ein Wochenende in der
Hauptstadt der Froschfresser", schnieft der PJ sarkastisch.
"Jetzt verstehe ich ihre Begeisterung, glaube ich ..."
Ich ignoriere seinen Spott in meiner Eile, das Anschreiben zu
beantworten.
"Hm, welcher Termin wäre noch frei?"
frage ich mich laut. "Zwei Wochen sind eine zu lange Zeit - ich
will so schnell wie möglich ..."
...
DREI TAGE
SPÄTER ...
"Ich muß sagen, daß ich ihre
Begeisterung sehr zu schätzen weiß!" erklärt
Paul, unser Kundenbetreuer, als er mir zum fünften Mal in diesem
Jahr ein Exemplar seiner Visitenkarte reicht und mir die Hand
schüttelt, um mich mit seiner Kontaktfreudigkeit auf seine Seite
zu ziehen.
Der arme Kerl.
"Oh, ich bin immer bereit,
ihnen bei einer Befragung behilflich zu sein - wie sollten sie denn
sonst wissen, wie zufrieden wir mit ihnen sind?!" schmiere ich
ihm Honig ums Maul und verdiene mir damit das goldene Abzeichen für
Arschkriecher.
"Ja, nun, das wissen wir wirklich zu
schätzen. Und das ist ... ähm ... ihre
Reinigungsfachkraft?" fragt er bemüht freundlich und deutet
auf den PJ.
"Assistent!" korrigiere ich, bevor dem PJ
die Hand ausrutscht und ein Ziegelstein auf den Hinterkopf von Paul
sausen kann.
"Oh, mein Fehler. Ausgezeichnet, dann fangen
wir doch gleich an! Ich weiß nicht, wie weit sie über
solche Befragungen informiert sind ..."
"Ein wenig."
unterbreche ich ihn.
"Ich habe früher an einigen
teilgenommen.
Zugegeben, die letzte Befragung liegt schon drei
Jahre zurück, und die wurde auch nicht durch ihre Firma
durchgeführt - offenbar haben sie Kundenbefragungen für
eine Weile eingestellt.
Sie hatten wohl aufgegeben, danach zu
forschen, was ihre Kunden wirklich wollen?" frage ich und spiele
die Microsoft-Karte aus.
"NEIN, NATÜRLICH NICHT!"
keucht er.
"Nein, wir haben die letzten drei Jahre damit
verbracht, einen Fragebogen auszuarbeiten, der besser die Fragen
abdeckt, auf die wir Antworten wollen.
Und um weniger ... hm ...
Verfälschung durch unpassende Kriterien zu haben."
"Verfälschungen?" will ich wissen.
"Ja."
antwortet er.
Eine vielsagende Pause später fährt er
fort: "Nun, wissen sie, wir haben herausgefunden, daß die
Kunden manchmal, nun, Gegenleistungen von unseren Angestellten
erwarteten als Gegenleistung für eine gute Bewertung."
"Sie machen Witze!" spielt der PJ am anderen Ende des
Raums den Schockierten, der plötzlich den wahren Wert von
Kundenbefragungen zu entdecken scheint.
"Nein, leider
nicht!" erwiderte unser Betreuer.
"Die Leute verlangten
zum Beispiel besseren Service."
"UND WER GIBT DENEN DAS
RECHT, BESSEREN SERVICE ZU VERLANGEN!?!" frage ich schockiert.
"Aber nicht nur das!" redet Paul weiter.
"Manchmal
wollten sie sogar Trinkgelder von uns haben - Schmiergeld mit anderen
Worten!"
"Das kann doch nicht sein!" flüstert
der PJ und kommt näher.
"Ja! Aber der Höhepunkt
kommt ja erst noch! Da wollten die Kunden kein Geld mehr, sondern
verlangten, daß ihre Betreuer in idiotischen Wettbewerben
gegeneinander antreten, um besser beurteilt zu werden! In einem Fall
hat ein Kunde verlangt, daß sein Betreuer und der
Servicetechniker von uns gegeneinander bei einer Wettfahrt in
Bürosesseln antreten!"
"Ja", seufze ich und
erinnere mich zufrieden an den Fall.
"Ingenieur Dave gegen
den Betreuer Tim. Dave hatte keine Chance gegen Tim - nicht mit dem
Gegenwind, den die vielen Biere vom Mittag verursacht hatten. Nun,
ich denke noch immer, daß Tim nicht gedacht hätte, daß
Dave die Räder seines Bürosessels lockern würde, um zu
gewinnen.
Der Chronist hatte es schließlich nicht mehr in
seinen Händen, wer gewinnt, aber, immerhin, Tim wurde nicht mehr
gesehen ..."
"Sie kennen die Geschichte?" "Kennen?
Ich habe die Wettfahrt organisiert. Und ich hatte zehn Pfund auf Dave
gesetzt.
Es ist immer gut, einen Mann zu unterstützen, der
mit einem großen Hammer umgehen kann, sage ich immer."
"Nun, ich denke, daß dieser Fragebogen etwas
professioneller gestaltet ist!" antwortet Paul, den diese
Enthüllung sichtlich etwas verwirrt.
"Natürlich
ist er das! Können wir beginnen?"
"Aber sicher.
Erste Frage: Wie schätzen sie die Qualität der Beratungen
durch ihren Kundenbetreuer - das bin ich - ein? A. Ausgezeichnet, B.
Gut, C. ..."
"Ist grottenschlecht in der Liste?"
mischt sich der PJ ein, der sich wohl langweilt.
"Nein, sie
können sich entscheiden zwischen A. Ausgezeichnet, B. Gut, C.
Durchschittlich, D. Zufriedenstellend und E. Ungenügend."
"E." antworte ich. "E", murmelt Paul traurig.
"Dann weiter. Wie würden sie die Geschwindigkeit
einschätzen, mit der ihr Kundenbetreuer - das bin wieder ich -
ihre Fragen beantwortet hat? A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. ..."
"Ist grottenschlecht in der Liste?" fragt der PJ wieder.
"Nein! Sie können sich entscheiden zwischen A ..."
"E." antworte ich.
"E", seufzt Paul. "Wie
würden sie die Qualität einschätzen, mit der ihr
Kundenbetreuer sie über neue Produkte und Dienstleistungen
informiert hat? A. Ausgezeichnet, B. Gut, C. ..." "Ist
grottenschlecht in ..." "NEIN!" "E." rufe
ich.
... Zwei Minuten später ...
"... die Qualität
der Hilfestellungen, die sie von mir im vergangenen Jahr erhielten?
A. Ausgezeichnet, B. Gut, C.
NEINGROTTENSCHLECHTSTEHTNICHTZURAUSWAHL!" "E." "E",
seufzt er ... "
Gut, dann kommen wir jetzt zur Qualität
des Wartungsingenieurs. Wie schätzen sie die Qualität der
Wartungsarbeiten in den vergangenen zwölf Monaten ein? A. Ausge
..."
"Ist verdammt genial auf der Liste?" fragt
der PJ.
"Was?" "Verdammt genial - steht das zur
Wahl?" "Verdammt genial? Von ihrem Wartungsingenieur?
Steve?" "Ja, er ist genial!" "DIE AUSRÜSTUNG
DES MANNES BESTEHT EINZIG AUS EINEM HAMMER", regt Paul sich auf.
"EIN HAMMER! DAS IST ALLES. EIN VERDAMMTER HAMMER!"
"Ja",
erwidere ich. "Aber wenn wir ihn gerufen haben, benutzte er den
Hammer, so daß wir ein neues Austauschgerät bekamen mit
der vollen Garantie für 12 Monate."
"Verdammt
genial", wiederholt der PJ noch einmal.
"Also geben sie
ihm die A-Noten und mir die Es?" keucht Paul.
"Ja."
"Er ist ein Idiot mit einem Hammer."
"Er kann
ein Idiot sein, aber er erledigt seine Arbeit." antworte ich.
"Und er weiß, wie er mit einem Bürosessel den Weg
durch das Parkhaus findet." grinst der PJ verschmitzt.
"Und
sie glauben, sie können mich nun dazu bringen, an einem
Wettrennen gegen ihn teilzunehmen? Das wird nicht passieren!"
"Wie sie wollen", antworte ich.
"Aber wieviel
mag wohl eine gute Bewertung einbringen? 5.000 Pfund mehr im Jahr,
Lederpolster und die Erhöhung des Hubraumes des Dienstwagens um
einen Liter? Oh, und nicht zu vergessen die Sekretärin, die
nicht aussieht, wie die Frau auf dem Plakat der Feuerwehr ..."
"I - ICH WERDE ES TUN!" Zwei Stunden und ein paar
Anrufe später ist alles organisiert. Der PJ und ich werfen ein
paar Sessel in den Transporter der Firma und steuern das nächste
Parkhaus an ...
"IN ORDNUNG. ICH WILL EIN FAIRES WETTRENNEN,
KEINE TRICKS, KEINE ABKÜRZUNGEN", rufe ich.
"Der
Gewinner ist, wer als erster den Ausgang im Erdgeschoß
erreicht. Drei Etagen sind zurückzulegen, und denken sie daran,
die Vorfahrt zu beachten!
ALLES BEREIT?! AUF DIE PLÄTZE ...
FERTIG ... LOS!"
Einen Sprint und ein paar Klappergeräusche
später sind sie gestartet und rollen die erste Rampe hinunter.
Der PJ und ich nehmen unsere Plätze ein und beobachten den
Ausgang.
"Zehn Pfund auf Paul!" ruft der PJ
überschwenglich. "Er sieht verschlagen aus."
"Ich
halte!" antworte ich.
Auf der nächsten Etage hören
wir die Sessel klappernd vorbeirasen.
"Was wissen sie, was
ich nicht weiß?" fragt der PJ, der sich seinen Einsatz
überlegt.
"Alle möglichen Dinge. Wollen sie ihren
Einsatz erhöhen?"
"GUT! 50 Pfund auf Steve!"
"Ich halte!"
"NEIN! HUNDERT!" ruft der PJ
eine Finte vermutend.
"AUF PAUL!" "IN ORDNUNG!"
rufe ich, als klar ist, daß es nur noch ein paar Sekunden
dauern wird.
"WAS WISSEN SIE?!" keucht der PJ.
"Wo
der Transporter parkt ..."
"Wo der Transporter p ..."
wiederholt der PJ, als er von ein paar entfernten dumpfen
Schlaggeräuschen unterbrochen wird.
"Oh, sehen sie!"
rufe ich und zeige nach draußen.
"Ich glaube, das ist
der Sessel von Steve, der da durch die Tür rollt. Wo ist wohl
die Armlehne geblieben? Nun, sie schulden mir 100 Pfund."
"Sie
Bastard!"
"Ja, um hundert Pfund reicher und immer
bereit für die nächste Befragung ..."
Der B.O.F.H. und der Sicherheitsspezialist
... Eines Tages kommen der PJ und ich
nach der Mittagspause, die wir nur unterbrochen haben, um mit den
Leuten vom Wachdienst das Glas zu heben, zur Arbeit, um den Chef
dabei zu sehen, wie er und der Chef der Sicherheitsabteilung die
Köpfe zusammenstecken. Das gefällt mir nicht. Und
tatsächlich steht solches Verhalten weit oben auf der Liste der
Dinge, die ich nicht mag, irgendwo zwischen Sklavenhändlern und
einem Austin Princess als Transportmittel. (Aber noch weit, weit
hinter Anhängern von OS/2 ...) Einzige Grund dafür, daß
der Chef geradezu intim mit jemandem redet, ist, daß er etwas
will. Und das einzige, was er vom Chef der Betriebssicherheit
verlangen kann, sind, abgesehen von Tips, wie man mit offenen Augen
schläft, Informationen, die etwas mit Sicherheit zu tun haben.
Also zum Beispiel darüber, wer heimlich in die Garderobe
geschlichen ist und das ?Tritt mich?-Schild an der Rückseite
seiner Jacke befestigt hat, bevor er auf dem Heimweg in die U-Bahn
sprang. Offenbar wird es nun Zeit, mich von dem Besucherausweis und
dem bewährten Filzstift zu trennen, die mir so gute Dienste
geleistet haben ...
Nun gut. Wir kommen in unserer
Missions-Zentrale gerade rechtzeitig an, um den nervös durch das
Büro marschierenden IT-Chef zu erwischen.
"Ah!"
begrüßt er uns. "Da sind sie ja endlich!"
Zwischen "Erbsenzähler" und "PDA" stehen
auf der Liste auch "IT-Manager, die sich darüber freuen
einen zu sehen".
Ich ahne schreckliches. "Ich habe hier
einen Vorschlag, den sie sich einmal anschauen sollten. Und sagen sie
mir bitte, ob sie von den Schlußfolgerungen überzeugt
sind."
Er reicht mir ein Blatt Papier, das offensichtlich
eine Handarbeit des Chefs ist.
Selbstverständlich, auch das
De-facto-Siegel des Chefs, der Abdruck des Randes des Bodens einer
Kaffeetasse, fehlt nicht, doch allein die Grammatik und das Fehlen
jeglicher Interpunktion ist schon überzeugend genug. Ich
überfliege das Blatt, das im ?Englisch als Fremdsprache?-Kurs
höchstens mit einer 3+ bewertet würde, und mir wird alles
klar. Weil er in den letzten Wochen immer wieder etwas über
Sicherheitsprobleme des IIS (MS Internet Information Server [thomas
w.]) gehört hat, will der Chef einen ?Sicherheitsbeauftragten?
anheuern, der dafür sorgt, daß unsere Website immer an
vorderster Front der natürlich siegreichen Kämpfer gegen
Angriffe aus dem Internet steht. Ich lese weiter und muß
erfahren, daß er dem PJ und mir nicht zutraut, uns immer
aktuell über neue Sicherheitslecks der von uns verwendeten
Programme zu informieren, während wir gleichzeitig unsere
anderen Aufträge erledigen.
DAS verletzt mich WIRKLICH! Nach
all der Mühe, die ich mir nach dem letzten
CERT-Sicherheitsbulletin damit gemacht habe, ihm das Problem anhand
eines mit Photoshop bearbeiteten Bildes von ihm, das ihn schließlich
bekleidet mit einem schlichten Kartoffelsack zeigte, zu
verdeutlichen!! Aber den wahren Künstler scheint niemand zu
schätzen.
"Ich denke, wir sind durchaus in der Lage,
für die Sicherheit unserer Systeme zu sorgen!" erkläre
ich empört.
"So sicher, daß ein animiertes Bild
von mir in einem Balletröckchen das Firmenlogo vor drei Wochen
ersetzen konnte?" kontert er.
Das hatte ich glatt vergessen.
Nun, DAS war wirklich Handwerkskunst.
"Es wurde auf den
Server geschmuggelt, noch bevor eine aktualisierte Version der
Software verfügbar war." rufe ich.
"Ich ..."
"Das können sie anderen ERZÄHLEN!"
unterbricht er mich.
"Mehr als eine Woche scheint niemand es
bemerkt zu haben, und selbst dann hat es noch drei einmal Tage
gedauert, es zu entfernen!! Wie würden sie ein solches System
denn nennen?"
Ich schätze, daß die Antwort: "Ein
System, das darauf wartet, daß der PJ aus dem Urlaub
zurückkommt und etwas zum Lachen hat" nicht dem entspricht,
was er hören will, also entscheide ich mich, an dieser Stelle
lieber zu schweigen
...
Nun gut ...
Zwei Tage später
kommt unser neuer Sicherheitsinspektor an. Er trägt eine
Safariuniform. Eine wirlich traditionsbewußte Ausrüstung
und Tarnung.
"Hallo Kameraden", sagt er am Ende der
kurzen Besichtigungstour durch das Büro und unsere Zentrale.
"Ich nehme an, sie sind die beiden, denen ich Tips geben
soll, wie die Firewall und vor allem der Webserver konfiguriert
werden müssen. Können wir uns morgen dazu treffen ... sagen
wir um 9:00 Uhr?"
"9:00 Uhr", murmle ich
vernehmlich, da ich wirklich nicht in der Stimmung bin, alte
Lebensgewohnheiten einfach zu ändern, indem ich zur Unzeit auf
Arbeit auftauche ...
"Wie wäre es um 10:30 Uhr?"
"Nein, nein - Morgenstund hat Gold im Mund - meine Zeit und
mein Budget sind begrenzt. Von 10 bis 11 Uhr habe ich morgen eine
Beratung mit den Leuten vom Wachdienst, um die anderen Punkte zu
besprechen. 9 Uhr ist gut."
"Das können sie
vergessen", erwidere ich, der ich nur schwer zu reizen bin, wenn
man einmal von dem absieht, was der PJ erzählt, wenn er glaubt,
ich sei außer Hörweite ...
"Wie bitte??!"
"Ich sagte, darauf können sie sich verlassen!"
antworte ich.
"Ausgezeichnet, und wohin soll ich das hier
schieben?"
... EINE MINUTE SPÄTER ...
"Ich
sagte, er solle es in sein BÜRO schieben!" Beantworte ich
die Anklage des Chefs wenig später.
"Was will er denn
gehört haben?"
ZWEI TAGE SPÄTER. "...
und
Nessus hat verschiedene offenkundige Schwachstellen in einigen der
weniger gebräuchlichen Internet-Diensten entdeckt. Zum Beispiel
einen FTP-Server, auf dem jeder auf der Welt Schreibrechte hat, der
offenbar voller pornographischer Bilder war, und zum Schluß
auch noch einen E-Mail-Server, der jede ankommende Nachricht mit
einem Virus beantwortete ..."
"Das ist der Server, den
wir benutzen, wenn wir eine E-Mail-Adresse in Verzeichnisse aufnehmen
lassen wollen, die sich zu weigern, ihre Kontaktdaten in ihren
Datenbanken zu speichern." erwidert der PJ.
"Ja."
kommt die trockene Antwort unseres ?Kollegen?. "Wie dem auch
sei, ich habe nun alle betroffenen Server gesichert, habe die
Server-Software und die Betriebssysteme auf den aktuellen Stand
gebracht und habe ebenfalls die unmoralischen und illegalen Inhalte
gelöscht."
"Mein Porno-Archiv!" schnappt der
PJ betroffen nach Luft.
"Alles auf den Bändern mit den
Sicherheitskopien", tröste ich ihn.
Und wo ich gerade
so schön in Schwung bin, spende ich auch unserem Berater Trost.
"Das tut mir sooo leid", murmle ich, als ich den 19
Zoll-Monitor von seinen Füßen hebe.
"Das war
furchtbar ungeschickt von mir, aber ich hätte schwören
können, daß ich das Gerät aus der Verpackung genommen
und seinem ursprünglichen Besitzer ausgeliefert habe, nachdem
die Polizei es zu uns zurückgebracht hatte."
"Polizei?"
fragt er neugierig geworden.
"Wieso?"
"Oh,
Diebstahl. Sie wissen schon, Diebstahl durch Mitarbeiter. Es gibt
eine Menge davon, müssen sie wissen - beinahe täglich
verschwindet ein Gerät, um ehrlich zu sein. Irgendjemand parkt
sein Auto vor dem nicht mehr genutzten Lastaufzug am
Lieferanteneingang und verschwindet dann mit dem einen oder anderen
Ausrüstungsgegenstand."
"Und wie verlaufen die
Ermittlungen?"
"Nun, um einen ganz sicheren Beweis zu
haben, müßte jemand den oder die Täter auf frischer
Tat ÜBERFÜHREN und ich werde ganz sicher nicht die ganze
verdammte Nacht damit verbringen, in einem abgeschriebenen Teil des
Gebäudes herumzuhocken, um auf etwas zu warten, das dann
vielleicht doch nicht eintritt."
"Und was ist mit den
Überwachungskameras?"
"Keine Chance, dieser
Lastaufzug wurde niemals überwacht."
"Nun, dann
werde ich das übernehmen! Ich habe aus Nigeria meine
Infrarot-Ausrüstung mitgebracht. Ich werde ihnen ihre Beweise
liefern!!"
Zwei Tage später ...
"... und er
kam nicht zurück?" fragt der Chef.
"Nein, er hat
etwas von Nigeria und Malaria erzählt, und das war es dann auch
schon."
...
"Ich verspüre etwas Mitleid mit
ihm." gesteht der PJ.
"Ach, Unfug!" antworte ich
und deute auf den Monitor der Infrarot-Überwachungsanlage.
"Sehen sie doch, er hat diesen alten Topf mit Nudeln
gefunden. Das sollte ihm noch über einen weiteren Tag
hinweghelfen! Und er hat noch immer eine halbe Tasse Urin übrig.
DAS IST PURER LUXUS!"
"Trotzdem, ich ..."
"Gut,
wir sind im Moment ein wenig überlastet, aber ich überlasse
es ihnen. Sie können ihn befreien bevor er geisteskrank wird
ODER sie stellen ihr Porno-Archiv wieder her."
"Dann
nehme ich die Bänder mit der Sicherung ..."
So soll es
sein.
Herzschlag oder Krebs ...
"Der Chef sieht blaß aus",
erklärt der PJ, als der Chef mit auffallend bedächtigem
Gang zur Arbeit schleicht.
"Yep." antworte ich, denn
ich kenne alle Details der Geschichte.
"Gestern war eine
Beerdigung. Einer seiner Kameraden aus der PDP-11-Ära ist in das
große himmlische Archiv aufgestiegen."
"Herzschlag?"
fragt der PJ nach der Haupttodesursache von IT-Managern.
"Genau.
Es scheint so, als hätte die alte Pumpe aufgegeben, als er sie
überlasten wollte."
"Beim Auffüllen das
Papierschachtes des Druckers?" fragt der PJ, der nach einem
Grund für die Unfähigkeit unseres Chefs, solch eine
einfache Aufgabe selbst zu erledigen, sucht (abgesehen von der
offensichtlichen Möglichkeit, daß er ein fauler Bastard
ist).
"Nein, es war noch mehr Anstrengung nötig!"
erwidere ich.
"Internet-Porno-Marathon?!"
"Noch
anstrengender ..."
"Doch nicht etwa ..."
"Genau!"
"Er hat die Treppe benutzt!!!"
"Tatsächlich.
Man hat ihn im Treppenhaus zwischen der Management-Etage und der
Kantinen-Etage gefunden, nachdem man ihn eine Woche lang vermißt
hatte. Hätte es nicht die Brandschutzübung gegeben, dann
hätte es wohl noch Monate gedauert, bis man ihn findet!"
"Das ist ja furchtbar!"
"Das ist es wirklich!
Der Chef wird uns noch einigen Ärger bereiten!"
"Wieso?"
"Er hat diese krankhafte Angst und wird uns auf die Nerven
gehen!"
"NOCH schlimmer, wollten sie wohl sagen. Aber
um welche Angst geht es?"
"Nun, ihm wurde klar, daß
er sich in einer Gefahrenzone bewegt - noch immer. Er wird sich
ängstigen, sich Sorgen machen und dann seine Gedanken auf
Probleme konzentrieren, um irgendwie gesünder zu leben."
"Durch das Einnehmen von Vitaminen?"
"Ja. Aber
nicht nur das. Er wird zum Lunch laufen, vegetarische Speisen oder
fettreduzierte zu sich nehmen und so weiter."
"Das
klingt doch gar nicht so schlecht." wirft der PJ ein.
"Gut,
das ist ja noch nicht der schlimme Teil. Aber dann wird er freitags
nicht mehr in den Pub kommen ..."
"Keine Besäufnisse
mehr?!!!"
"Und das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Denken sie weiter - keine unterschwelligen Botschaften mehr ..."
"Was?"
"Die hypnotischen Botschaften, die wir
in die ersten sechs Minuten seiner Wet! Wet! Wet!-Kassette für
die Heimfahrt mit der U-Bahn gemischt haben."
"?"
"Die Musik, die ihm die hypnotische Botschaft einflüstert,
er ziehe Blondinen mit großen Dingern an ..."
"?!"
"Als sie ein paar Internet-Pornos haben wollten, aber keine
Lust hatten, selbst danach zu suchen, und sie statt dessen aus dem
Cache-Speicher seines Browsers kopierten."
"OH JA,
jetzt erinnere ich mich. Aber ich brauche KEINE neuen Bilder!"
"Noch einmal, das ist alles nur die Spitze des Eisbergs.
Wenn es ihm besser geht, wird er auch eher hier auftauchen. Und er
wird als Fitneßmaßnahme durch das Gebäude
marschieren, verkünden, er ?möchte sich ein Bild machen?.
Und bevor wir noch wissen, wie uns geschieht, wird er Nutzer besuchen
- und sie wissen ja, daß das nur zu Ärger führen
kann."
"Wie können sie so weit in die Zukunft
blicken?"
"Alles Erfahrung. Es ist immer dasselbe. Ein
Freund gibt den Löffel ab und als nächstes kommt die
?Es-ist-Zeit-für-ein-völlig-neues-Leben?-Entscheidung, die
sonst nur zum Jahreswechsel fällig ist."
"Yuhuhu
..." höhnt der PJ ungläubig.
"Dann schauen
sie sich doch einmal an, was er an diesem Morgen trinkt."
Schicke ich den PJ zum Getränkeautomat.
"Ich kann es
nicht glauben!" schnieft er.
"Er hat Süßstoff
in seinen Tee gemischt statt der üblichen drei Stücke
Zucker."
"Süßstoff?" erwidere ich.
"Habe ich es ihnen nicht gesagt? Aber jetzt machen wir einen
richtigen Test."
Dieser Test ist etwas verzwickter und
hinterhältiger. Ich lasse ein paar Schokoladen-Eclairs
unbeaufsichtigt auf einem Tisch vor seinem Büro liegen, aber wie
es das Schicksal will, ist sein Heilungsprozeß schon weiter
fortgeschritten als ich dachte, und so ignoriert er sie und begibt
sich unter dem Vorwand, die Beziehungen zu unseren Klienten
verbessern zu wollen, nach unten ...
"Es ist ernst!"
jammert der PJ und blickt auf die Aufgabenliste, die der Chef
hinterlassen hat.
"Er will, daß wir die ?Hände
der Nutzer halten?, während die die Programme für die
Datensicherung prüfen. ?Nutzerzufriedenheit? nennt er das ..."
"Warten sie einfach bis zum Morgentee."
Die Zeit
für den Tee kommt, und ein selbstsüchtiger Bastard hat die
zwei Eclairs gegessen, die, das kann ich hinzufügen, sehr lecker
waren.
Der PJ und ich versuchen, den Chef mit Schokoplätzchen
zu locken, aber er scheint dagegen immun zu sein, seitdem er am
Nachtmittag des Vortages ein paar Scheiben Vollkornbrot gegessen hat.
Der arme, kranke Kerl.
"Jemand muß etwas
unternehmen!!!" jammert der PJ voller Panik.
"Er denkt
darüber nach, um 16 Uhr ein Treffen mit den Nutzern abzuhalten."
"ZUR KNEIPENZEIT!" rufe ich.
"NUR ÜBER
MEINE LEICHE!"
ZUR LUNCHZEIT
"Nur einen Gemüsesalat
für mich." seufzt der Chef leise.
"Wollen sie denn
gar keine dieser Zwiebel-Bhajis?" will der PJ wissen und lädt
plangemäß ein paar davon auf seinen Teller.
"Nein,
heute nicht."
"Und das ist eine gute Idee", füge
ich hinzu und lade ein gutes Dutzend auf meinen Teller.
"Nicht
gerade eine gesunde Ernährung, voller Cholesterin! Ich wünschte,
ich hätte die gleiche Ausdauer wie sie! Aber ich bin schwach.
Ich sehe sie dort, denke an ihren würzigen Geschmack und kann
nicht mehr widerstehen. Dieser herrliche Geschmack! Ich wünschte,
ich könnte stark sein - aber ich kann es nicht. Oh, und sehen
sie hier, gebratenes Huhn ist ebenfalls auf der Speisekarte - sie
verdienen wirklich Respekt für ihre Kraft!"
Ich gönne
mir eine mehr als überreichliche Portion der Erwähnten
Speise und lasse die fettige Soße über die Bhajis rinnen
...
Die Maske der Gleichgültigkeit bröckelt kaum
merklich, aber er gibt noch nicht auf, der arme Kerl.
Wie auch
immer, im Geist erinnere ich mich an die Szene aus Das Boot, als das
U-Boot sehr weit aus dem Wasser herausragt und der Rumpf langsam
zerbricht ...
... nur noch 10 Meter ...
Um sich nicht weiter
der Versuchung auszusetzen, marschiert der Chef in den gesünderen
Bereich der Erbsenzähler (und Erbsenesser) in der Kantine und
läßt uns mit unserer cremigen Nachspeise allein. Doch wir
trotten hinter ihm her und setzen uns an seiner Seite. Was ich auf
den Tellern der Leute sehe, ist eklig - alles grün, keine
Kohlehydrate, kein Fett. Alles so, wie es auf dem Diätplan
steht, den sie im Fitneßclub bekommen haben. Selbst das Essen
des Chefs wirkt schon etwas dekadent in dieser Umgebung.
"Wie
geht es, Kollegen?" plaudere ich fröhlich drauflos und
mustere die starken Beherrscher der Zahlenkolonnen.
"Oh, ist
das ein GANZES Salatblatt??!! Stellen sie sich vor, wie es mit diesen
Hormontabletten wirken könnte, wenn sie ZWEI Blätter essen
würden!!"
Die Stille ist ohrenbetäubend, auch wenn
ich im Hintergrund noch das leise Geräusch vernehmen kann, das
ein Elektroschocker verursacht, den der PJ unter seinem Tablett
verbirgt ...
Und dann ...
"Wollen sie etwas?" fragt
einer von den Erbsenzählern.
"Nein, nein, nur einen
kleinen Rat. Sie sehen so aus, als würden sie sehr auf sich
achten?"
"Verglichen mit anderen Leuten", höhnte
ein anderer Erbsenzähler und schaut auf mein Festmahl herab.
"Ja, ja. Aber trotzdem, ist es wahr, was ich alles über
diese künstlichen Süßstoffe gehört habe, daß
sie mit dem großen K zusammenhängen könnten?"
Der Ausdruck im Gesicht des Chefs verändert sich leicht und
ich frage mich, ob ich auch den letzten Rest Menschlichkeit verloren
habe, da ich so grausam bin.
"Kyodai Mahjongg?" fragt der
PJ.
"Nein, Krebs." antworte ich höflich.
"Oh,
ja", ruft einer von ihnen und springt auf das, was wohl sein
Steckenpferd (Es gibt immer einen.) ist, und galoppiert los.
"Sie
könnten auch UNKRAUTVERNICHTER statt dieser künstlichen
Süßstoffe essen! Sie sind so krebserregend, daß erst
neulich ...
OHMEINGOTT, ER IST OHNMÄCHTIG!"
Alle
Augen ruhen nun auf dem Chef, dessen Gesicht auf meinem Teller
gelandet ist und Hühnersoße auf mein neues Administratoren
T-Shirt gespritzt hat.
"Bewußtlose kauen nicht",
merkt der PJ an.
Der Chef macht eine Pause von meinem Essen, um
nach Luft zu schnappen.
"Sie sind etwas verwirrt!"
stelle ich fest.
"An dem Treffen mit den Nutzern können
sie in diesem Zustand nicht teilnehmen. Soll ich es auf den morgigen
Nachmittag verschieben?"
"Vergessen sie diese
A***löcher!" murmelt der Chef.
"Willkommen daheim,
Sir", sagt der PJ und reicht dem Chef die Hand.
Und wenn sie
nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.
Katastrophenschutz ...
Es ist Donnerstag, Zahltag, und der
Chef wirkt irgendwie verändert.
Das kommt vermutlich daher,
daß er wieder einmal sein Büro verlassen hat und wie ein
drittklassiger Schauspieler herumgewandert ist, um zu erfahren, was
die anderen von ihm denken.
"Morgen, wie geht es ihnen?"
flötet er, um sich bei uns einzuschmeicheln.
"Hallöchen!"
antwortet der PJ und schiebt dem Chef großzügig einen
Stuhl hin, damit er sich zu unserer morgendlichen Kaffeerunde setzen
kann.
"Ahm - ich habe gerade einen Bericht der
Rechnungsprüfer gelesen", beginnt er und übersieht
dabei die geradezu beispiellose Respektsbezeugung durch den PJ.
"Tatsächlich? Und was stand in dem Bericht?" fragt
der PJ, als würde er sich wirklich für ein Gespräch
interessieren und beugt sich vor, um diesen Eindruck noch zu
verstärken.
"Nun, SCHEINBAR haben wir keinen
Katastrophenplan - aber ohne einen solchen Plan wollen die uns nicht
als ?Ausgezeichneten Service? bewerten!"
"Diese
SCHWEINE!" schluckt der PJ.
"Moment, sagten sie nicht,
wir hätten einen Katastrophenplan?"
"Ja, wir haben
verschiedene, um genau zu sein", antworte ich.
"Allerdings
glaube ich nicht, daß die Prüfer die Angelegenheit jemals
mit uns besprochen haben - möglicherweise ist das ja das
Problem."
"Wirklich?" staunt der Chef.
"Nun,
dann muß ich wohl gestehen, daß ich tatsächlich mit
denen darüber gesprochen habe, aber ich wußte ja nicht,
daß sie schon an der Materie gearbeitet haben!"
"Nun,
ich würde sogar sagen, daß ich einen Teil meines LEBENS
darin investiert habe!" antworte ich und betone damit, daß
das Thema mir wirklich sehr am Herzen liegt.
"Oh, gut.
Könnten sie mir dann ein paar der Möglichkeiten nennen?"
"Selbstverständlich! Schauen sie auf die Wandtafel.
Plan 1 zum Beispiel sieht vor, daß wir im Möbellager im
Kellergeschoß ein Feuer legen, das, wenn es sich ausbreitet,
sich durch die Wand hindurchfressen und dann im Raum mit den
Notstromaggregaten auf einen riesigen Dieseltank treffen könnte.
Und wenn der Tank erst einmal ..."
"Ah, nein. Ich
meinte ..."
"In Ordnung, danach haben sie nicht
gesucht. Wie wäre es, wenn wir einen wirklich schweren
Gegenstand auf die Hauptleitung für das Gas fallen ließen?
Es wäre nur eine Frage der Zeit, bis ein Funke ..."
"NEIN!
Ich will keine Katastrophe AUSLÖSEN, ich will sie BEKÄMPFEN!"
"Also Microsoft ausmustern und Linux anschaffen?"
"Bitte?!"
"Ich vermute, er meinte eigentlich
unsere Katatstrophen-SCHUTZ-Pläne", fügt der PJ
hilfsbereit hinzu.
"ACH SO MEINEN SIE DAS!" rufe ich
aus.
"Sie wollen wissen, was wir für Pläne haben,
um alles wieder zu richten, wenn etwas schreckliches geschieht!"
"JA!" bestätigt der Chef.
"Und dafür
haben wir nur noch einen begrenzten Zeitrahmen, denn wir müssen
vor dem Ende des Monats diese Pläne vorlegen!"
"Oh,
in Ordnung." murmle ich nachdenklich.
"Also wollen sie
wissen, was wir machen, wenn es zu einer Katastrophe kommt?"
"JA!!!!"
"Nun, das hängt ganz
offensichtlich von der Art der Katastrophe ab."
"Ja,
ja, aber wie sieht der Plan im Fall eines großen Feuers aus?"
"Nun, als wichtigste und erste Maßnahme wird, sofern
wir im Gebäude sind, derjenige von uns die Blockierung für
das Feuerlöschgas aufheben, der dem Rechnerraum am nächsten
ist."
"Und der andere?"
"Der rennt zu den
Erbsenzählern und leitet sie an, sich von allen Fenstern zu
entfernen und sich in die sicheren Bereiche unter den Schreibtischen,
in den Türdurchgängen oder Aktenschränken
zurückzuziehen."
"Uh, ist das nicht die Vorschrift
für Erdbeben?"
"Nicht für die Erbsenzähler.
Bei einem Erdbeben müssen die Erbsenzähler ..." gebe
ich vor und an den PJ weiter.
"... die Sicherheitsbereiche
vor massiven Bücherschränken, unter massiven, großen
Objekten oder in der Nähe von Glastüren aufsuchen."
"EXAKT!" rufe ich.
"Ich glaube nicht, daß
sie darüber wirklich richtig nachgedacht haben",
kommentiert der Chef.
"Oh doch, wir haben an alles gedacht.
Schauen sie sich einfach die NOTFALL-INSTRUKTIONEN in der
Arbeitsschutzanleitung der Erbsenzähler an. Ich bin besonders
stolz auf den Abschnitt über das Verhalten bei Bombendrohungen."
"Ist das die Anweisung, nach der die Leute mit fuchtelnden
Armen direkt auf die bewaffneten Polizisten zulaufen sollen und dabei
?Ihr kriegt mich nicht lebend, ihr Schweine!? rufen sollen?"
fragt der PJ.
"Genau diese!"
"Ich LIEBE diese
Anweisung!"
"Lassen wir das", meint der Chef und
zieht es offenbar vor, sich nicht weiter in den Morast
hineinzubegeben.
"Ich will wissen, wie wir unsere
Arbeitsfähigkeit WIEDERHERSTELLEN können, wenn die Gefahr
vorüber ist."
"Ich glaube, der Plan sieht vor, daß
wir zur Arbeit kommen und nach einer Inspektion der Technik und des
Schadens im Gebäude entscheiden, was zu tun ist." erwidere
ich.
"Das ist doch kein Plan!"
"Doch, das ist
es! Es ist ein sogar ein großartiger Plan!" übertreibt
der PJ unsere Verteidigung ein wenig.
"Sie haben mich doch
selbst auf dieses 3-Tage-Seminar zu diesen Leuten geschickt, damit
ich etwas über Katastrophen-Behebung lerne!"
"Aber
stand da nicht etwas von ... uh ... >blätter< ...
?Rund-um-die-Uhr-Sofort-Service? in der Beschreibung?" fragt er
und deutet auf seine Notizen.
"DA STAND WAS?!?! Es gab da
diesen Strip-Club am anderen Ende der Straße. Dort wurde sofort
..."
"ES GEHT UM DIESEN BANDSICHERHEITS-SERVICE!!"
"Ach, der! Ja, das haben sie, glaube ich, einmal erwähnt,
aber das ist eine Katastrophe - wir würden unsere Bänder
nicht so schnell bekommen, um die Daten hier wiederherzustellen!
Abgesehen schon einmal davon, daß wir gar nicht wissen, welche
Version der Daten wir dann irgendwann bekämen. WENN wir
natürlich in der Liste ihrer Kunden etwas aufsteigen würden,
wenn wir deren bester Kunde werden könnten, ginge das vielleicht
mit dem Sofort-Service. Aber da müßten wir uns mit einer
Investment-Bankengruppe anlegen, soviel Geld haben wir nicht."
"Wir können über die Bänder nicht sofort
verfügen?" will der Chef wissen und umgeht dabei das wahre
Problem wie ein echter Profi.
"Aber wir zahlen 3.000 Pfund
pro Jahr für diesen externen Bandsicherungsservice! Diese Leute
kommen jeden Tag! Manchmal sogar ZWEIMAL! Ich habe sie mit meinen
eigenen Augen gesehen!!!"
Nun ist wohl nicht der richtige
Augenblick dem Chef zu erklären, das der Typ zwar Bänder
liefert und abholt, es sich dabei aber um Bänder seines
Video-Verleihs in Bromley handelt.
"Und es ist auch ein
hervorragender Service!" erkläre ich stattdessen.
"Aber
wenn es wirklich eine Katastrophe gibt, wären die Straßen
für den privaten Verkehr gesperrt, WENN man die Leute vom
Bandsicherungsservice überhaupt wieder in IHR Gebäude
hineinlassen würde, um für uns die Bänder zu holen.
Selbst WENN wir DEREN wichtigster Kunde wären ..."
"Also
sind wir in jedem Fall angeschmiert?" seufzt der Chef.
"Genau
- deshalb heißt es ja auch Katastrophe. Wir haben hier nur
unsere persönlichen Vorkehrungsmaßnahmen."
"Und
die wären?"
"Wir ruinieren die anderen
Vertragspartner, indem wir sie mit Schadenersatzforderungen wegen
grober Fahrlässigkeit überziehen, bevor sich die
Bandsicherungsleute um uns kümmern können. Dann verstecken
wir uns in der Dritten Welt (Liverpool), lassen etwas Gras über
die Sache wachsen und schließen dann mit einer anderen Firma
einen Vertrag."
"Aha ... Könnte ich eine Kopie von
diesem Plan bekommen?"
"Natürlich, kein Problem!"
Die Nutzer-Betreuung und der Roman ...
Trotz all unserer Bemühungen
wurden der PJ und ich wieder einmal gefragt, ob wir für die
Nutzer-Betreuung einspringen können.
Heute, denn sie haben
sich einen freien Tag verordnet, um sich gegenseitig zu versichern,
wie gut sie doch sind, und veranstalten eine Gruppenfummelei zur
'Vertrauensbildung'. Normalerweise hätte ich gegen einen solchen
Wunsch auch ein wenig protestiert, doch die Verlängerung der
Arbeitsverträge steht bevor und sollte es zu einem spürbaren
Ausfall kommen, würde das die Wichtigkeit unserer Arbeit noch
betonen. Und bis dahin müssen noch ein paar Stunden vergehen,
wenn man einem billigen mechanischen Zeitmesser vertrauen kann ...
Inzwischen verstaltet die Nutzer-Betreuung Ringelpietz mit
Anfassen irgendwo in der Stadt ...
Zum Glück verbindet den
PJ und mich eine stabile Beziehung, die auf gegenseitigem Vertrauen
und Respekt beruht und durch die Angst vor höheren Stromstärken
noch verstärkt wird ...
Zurückblickend hat sich die
Guter Kerl/Böser Kerl'-Methode vor ein paar Wochen ganz gut
bewährt, wobei der PJ der Sieger darin blieb, die Zeit zwischen
dem Wechsel der Rollen immer weiter zu verringern, bis ich nur noch
manisch depressiv zuschauen konnte.
Doch damit ist es nun vorbei,
seitdem der Chef die Woche der Professionalität ausgerufen hat.
Ich habe ihn gefragt, ob er damit die Professionalität von
Jean Reno meint, doch irgendwie hat er mich nicht verstanden ...
"Hallo", sage ich und greife zum Hörer, um den
ersten Anruf entgegenzunehmen.
Die Rufnummern-Identifizierung
bringt das "Schwieriger Kunde"-Symbol auf dem Bildschirm -
ein Symbol, das der PJ und ich nur wirklich harten Fällen
zuordnen, die, um im Jargon der Nutzer-Betreuung zu sprechen, mit
oberster Priorität behandelt werden sollen - Pffft!
"Hallo,
ich frage mich, ob es eine Möglichkeit gibt, meinen Computer zu
sichern."
"Oh, das tut mir leid, die
OS/2-Installations-CD habe ich vor ein paar Wochen verborgt. Warum
versuchen sie es nicht mit Netscape 6.0 - ich habe einige gute
Berichte darüber gehört."
"Und das würde
meinen PC sicherer machen?"
"SICHERER? Oh, da haben wir
uns mißverstanden. Warum nehmen sie nicht 'Arbeitsstation
sperren', wenn sie CTRL-ALT-DEL gedrückt haben?"
"Weil
dann ein Administrator den Schutz umgehen und sich trotzdem anmelden
kann. Und damit kann er auf meine privaten Daten zugreifen!"
"Also etwa so, wie wenn man das BIOS kurzschließt und
dann startet?"
"Der Rechner startet nicht ohne
Passwort!"
"Also müßte man das BIOS komplett
löschen und dann den Rechner kurzschließen?"
"Das
geht nicht. Das Gehäuse ist versiegelt." antwortet er
selbstgefällig.
Se->Klickklack<-ufz.
"Nun, es
scheint, als hätten sie an wirklich alles gedacht", fasse
ich zusammen und starte eine meiner Eigenentwicklungen, die eine
Auflistung der Nicht-Standard-Daten seiner Festplatte auf den Monitor
zaubert.
"Meinen sie mit 'privat' etwa Sachen wie ...
>Klickklick<
... 'Die Sommerromanze' von Sharon
Thwaite?"
Das unterdrückte Keuchen am anderen Ende der
Leitung kann nur eins bedeuten: Zahltag!
"Sie verfassen
Pornographie für Hausfrauen auf ihrem Rechner?!?"
"DAS
IST MEINE GESCHICHTE!" geht er in die Defensive.
>Klickklack-Klick<
"Nun, TECHNISCH betrachtet,
gehört die Geschichte der Firma", korrigiere ich ihn.
"Was
für alle Daten auf den Rechnern der Firma gilt. Das ist
Bestandteil ihres Arbeitsvertrages. Aber für 10 Pfund verkaufe
ich ihnen die Geschichte!"
"Und für eine Tüte
Kartoffelchips", fügt der PJ hungrig hinzu.
"Salz
und Essig!"
Ein paar Klicks genügen, ihn davon zu
überzeugen, daß die Datei nicht mehr da ist, wo er sie
gespeichert hatte.
"Sie haben sie gelöscht?"
"Haben sie denn eine Sicherheitskopie?" frage ich.
"Sicherheitskopien vertraue ich nicht. Die Administratoren
machen das doch nur, um sich dann unsere Dateien anzuschauen. Das
haben sie auch schon gemacht!"
"Natürlich haben
sie das", antwortet der PJ und schaltet sich in die
Konferenzschaltung ein.
"Die machen sowas. Erinnern sie sich
noch daran, wie sie mit einer E-Mail gegen den Strafzettel wegen
Falschparkens vorgehen wollten? Nur hatte sich die Nachricht auf
mysteriöse Weise verändert und zeigte schließlich ein
Bild mit zwei kopulierenden Pavianen und der Unterschrift 'Polizisten
sind Idioten!'."
"Dafür haben sie mich zwei Wochen
lang gejagt", jammert er.
"Sie haben eine gelbe Linie
unter meinen Wagen auf die Straße gemalt und ihn dann
abgeschleppt. Dreimal!"
"Diese Administratoren sind
eche BASTARDE, nicht wahr?" murmelt der PJ und unterdrückt
ein lautes Lachen.
"Das sind sie!"
"Geschah
das bevor sie sich geweigert haben, den Staub aus ihrem Rechner zu
entfernen, weil sie gelesen hatten, davon gehe eine Gefahr aus, oder
war das danach?"
"Ich ..."
"Oder ist das
passiert, nachdem sie die Administratoren verpfiffen haben, weil
diese ein raubkopiertes Spiel auf zwei Rechnern installiert hatten?"
"Das WAREN Raubkopien! Und sie hatten während der
Arbeitszeit gespielt! Und sie weigerten sich, mir bei meinem Problem
zu helfen."
"War das das Problem mit ihrem Monitor, den
sie verstellt hatten?"
"Ja, aber woher wis ... Oh ..."
"Genau", beantwortet der PJ die unausgesprochene
Vermutung.
"Und jetzt haben sie etwas gelöscht, an dem
ich ein Jahr lang gearbeitet habe!" wimmert er.
"Nein,
nein, wir haben es nur sichergestellt. Wie wir das mit allen Daten
machen, die der Firma gehören. Wir sind schließlich
Profis! Und das tun wir, bis die Firma kein Interesse an ihnen mehr
hat, dann ..."
"Sie dürfen sie nicht anrühren!
- Das ist die berichtigte Überarbeitung!!! Ich will sie am
Nachmittag an den Verlag schicken!" keucht er.
"Wenn
sie den Ausdruck mit der Post verschicken, warum sollten wir das
Manuskript dann sichern?" fragt der PJ.
"Weil ich noch
in der Post-Zentrale ein paar Briefmarken holen muß!"
"Nicht während der Arbeitszeit, oder?!" frage ich
und stelle seine Loyalität zur Firma auf die Probe.
"Natürlich
nicht", lügt er.
"Damit hätte ich bis zur
Mittagspause gewartet."
"Also können wir davon
ausgehen, daß die Firma die Daten bis dahin brauchen könnte,
aber dann ..." fügt der PJ hinzu.
"Ich hole
schnell die Kartoffelchips!!!" ruft der Anrufer in den Hörer.
...
"Es ist nicht besonders aufregend", meint der PJ,
der sich den Text anschaut.
"Die Sache braucht etwas mehr
..."
"Ein zusätzliches Kapitel vielleicht?"
"Mit pelzigen Landbewohnern?" fragt der PJ mit
teuflischem Grinsen.
"Warum nicht! Und ich werde mich darauf
konzentrieren, das Vokabular etwas zu erweitern. Mit Worten wie
'Ständer', 'Liebesspender' oder 'pulsierender, geaderter
Lusthammer' und so weiter."
"Wenn wir damit fertig
sind, wird es das Werk problemlos in die Hitliste des Amsterdamer
Fetisch-Festivals schaffen!!!" kichert der PJ.
"Gute
Idee - ich rufe mal eben bei Piet an!!!"
Es stimmt schon, was
man sagt - man MUSS sich seine Träume verwirklichen ...
Wenn sie denken, der B.O.F.H. sei
verschwunden ...
Es läuft schon eine ganze Weile alles
normal und ohne größere Probleme, und es gibt Gerüchte,
daß sie ihre Schärfe verloren hätten! Wissen sie
wirklich noch, was eine vollständige Ausgabe von Handbüchern
ist und wie heftig sie damit auf Nutzer einschlagen müssen, die
nerven? Dieser einfache Test kann ihnen helfen, ihr Niveau
wiederzuerlangen ...
1. Sie kommen um 8:17 Uhr zur Arbeit, wo sie
schon ungeduldig von jemandem erwartet werden. Jeder weiß
jedoch, daß sie erst um 8:30 Uhr mit der Arbeit beginnen,
nachdem sie das Zeitungsstudium beendet haben. Doch ihr Gast ist neu
und sie spüren Mitleid mit ihm.
A: Sie helfen ihm, sein
Problem zu lösen.
B: Sie klären ihn über ihre
normalen Arbeitszeiten auf und helfen dann bei der Problemlösung.
C:
Gehen zur Routine über, um den geregelten Ablauf des restlichen
Tages nicht zu gefährden, wird in den Mülleimer geworfen.
D: Studieren bis 9:00 Uhr die Zeitung, um ihre Haltung zu
untermauern.
E: Sie bringen ihm bei, was sie unter ?nur ein paar
Augenblicke Geduld? verstehen, indem sie mit ihm einen Ausflug in den
Serverraum unternehmen und ihn die Wirkung des Feuerlöschgases
spüren lassen.
2. Ein Nutzer, der mit den einzelnen
Innenteilen seines PC herumgespielt hat, um herauszufinden "wie
sie funktionieren" wird bezeichnet als:
A: ein Hacker?
B:
ein Herumpfuscher?
C: ein Idiot?
D: ein Techniker?
E:
Patient in einer Klinik. Möglicherweise?
3. Der Film über jemanden, der den
System-Administrator genervt hat, hieß
A: Das Netz?
B:
Matrix?
C: Marry Poppins?
D: Eine Frage der Ehre?
E:
Todessehnsucht II?
4. Sie gehen mit ihrem Chef, einem
Verkäufer und einem Erbsenzähler asiatisch essen. Ihre
größte Sorge ist:
A: daß der Erbsenzähler
das großartige Geschäft, das sie gerade gemacht haben,
absegnet.
B: daß ihr Atem nach dem Essen noch gut ist.
C:
daß sie rechtzeitig wieder in ihrem Büro sind.
D: wie
viele kalte Eisvögel sie in einer Stunde verdrücken können.
D: wie sie eine Handvoll gehacktes Chili ins Essen des
Erbsenzählers schmuggeln können ohne dabei aufzufallen.
5. Die Arbeitsschutzinspekteure
besichtigen ihren Arbeitsplatz und stellen eine extreme
Gesundheitsgefährdung fest.
A: Sie meinen damit
offensichtlich die scharfen Kanten an den Metallschränken und
Regalen.
B: Sie meinen damit den Rechner, den sie reparieren ohne
die Stromversorgung unterbrochen zu haben.
C: Sie meinen damit
die entfernten Bodenabdeckplatten im Rechnerraum.
D: Sie sind
schockiert über die fehlende externe Frischluftzufuhr.
E:
Sie haben offenbar übersehen, daß sie die Beschriftung der
Knöpfe zum Öffnen der Tür und zum Auslösen des
Feuerlöschgases vertauschten, als sie den Raum betraten.
6. Ihr Lieblings-Ingenieur hat
Geburtstag. Sie wollen ihm ein Geschenk machen, das er sich schon
immer am meisten gewünscht hat. Sie schenken ihm:
A: einen
entmagnetisierten Minischraubenzieher, in dessen Schaft sein Name
eingeritzt ist.
B: ein Buch mit dem Titel "Elektronik für
Anfänger".
C: ein "Windows für
Einsteiger"-Buch.
D: eine Wartungsanleitung für die
Technik, für deren Funktionieren er zuständig ist.
E:
einen größeren Hammer.
7. Ein Nutzer hat sie schon dreimal in
einer Woche damit genervt, daß er sein Passwort vergessen hat.
A: Sie ändern es für ihn.
B: Sie ändern es in
etwas wie: ?IchliebeAnalsexOhja?.
C: B., dann entziehen sie ihm
die Rechte, es wieder zu ändern.
D: C., dann sorgen sie
dafür, daß sein Passwort im Klartext und groß auf
seinem Bildschirm angezeigt wird.
C: D., dann holen sie ihren
Lötkolben und ihr ?Handbuch für Tätowierer? hervor.
8. Ihr Chef kommt vorbei, um sich mit
ihnen darüber zu unterhalten, daß sie zuviel Zeit im
Internet verbringen.
A: Sie geben zu, daß es in der letzten
Zeit doch etwas viel war.
B: A., aber sie sagen, daß alles
Seiten, die sie angeschaut haben, etwas mit ihrer Tätigkeit zu
tun hatten.
C: Sie leugnen alles.
D: Sie leugnen alles und
machen einen anderen für das erhöhte Datenaufkommen
verantwortlich.
E: Sie geben alles zu, lassen dann auf ihrem
Monitor die Protokolle anzeigen, wer alles die einschlägigen
Pornoseiten besucht hat und versprechen, Namen zu nennen.
9. Jemand hat den Schlüssel zum
Aufbewahrungsschrank für die Sicherungskopien verloren. Sie sind
jetzt extrem besorgt:
A: weil sie nun keinen Aufbewahrungsort
mehr für die Sicherungskopien haben.
B: weil sie nun nicht
mehr an die Sicherungskopien herankommen, wenn sie gebraucht werden.
C: weil sie gar nicht gewußt haben, daß es Schlüssel
für den Schrank *GAB*.
D: weil der Interessent, dem sie den
Schrank angeboten haben, jeden Tag auftauchen kann.
E: weil der
Inhalt ihres Spirituosenlagers nun für jedermann zugänglich
ist.
10. Sie treffen sich mit ihren
Benutzern, wo sie gefragt werden, wieso sie so häufig ihr
Hochspannungswerkzeug zur Fehlersuche verwenden.
A: Sie stimmen
zu, es niemals wieder einzusetzen.
B: Sie stimmen zu, es nur noch
mit einer Spannungsbegrenzung einzusetzen.
C: B., und sie
versprechen, es niemals bei Datenträgern anzuwenden.
D: C.,
und sie versprechen, auch die Schaltkreise der Telefon zu
verschohnen.
E: B. und C., solange Geschlechtsteile nicht
verboten sind.
Wie lautet die Antwort?
Wie bei den
meisten Tests dieser Art gibt es keine richtige Antwort, nur
Antworten, über die sie selbst nachdenken müssen und ihre
Schlüsse ziehen sollten. Es sei denn, sie sind ein Microsoft
Certified Engineer (MSCE), denn in diesem Fall wird ihnen die
Auswertung in leichtverdaulichen Häppchen serviert werden.
Wir
danken für ihren Anruf beim Bastard-Service, sie sind Anrufer
Nummer 473.
Sir B.O.F.H.
"Das klingt übel",
kommentiert der Chef, als wir zu einem Treffen mit den Leuten von der
Personal-Abteilung trotten.
"Es geht um eine ernste
Beschwerde, haben sie gesagt."
Keine Frage, es wird um ein
überlebenswichtiges Problem gehen, die Frage ihres Datenservers
etwa oder das Hintergrundbild auf ihren Monitoren ...
...
Doch
damit liege ich völlig falsch.
Die Sache, um die es sich
dreht, ist tatsächlich eine besorgniserregende Angelegenheit!
"Es geht um seinen Lebenslauf, Ron", beginnt der
Personaler und deutet auf einen Stapel Papier, der das Werk der
Fantasie des B.O.F.H. ist.
"Es gehört zur
Firmenpolitik, daß wir recherchieren, ob die Angaben stimmen,
die die Angestellten über ihren Werdegang machen."
Das
ist neu für mich, doch wenn ich an die Sache mit den
unwiderbringlich verlorenen Dateien des Personalers denke, der vor
uns steht, dann liegt es nahe, daß er sich mit besonderem Eifer
an die Recherche gemacht hat. Und die war wirklich gut.
"Ah
... Ja - aber das ist doch nun schon einige Zeit her ..."
antworte ich.
"Wahrscheinlich. Nur ist es uns nicht
gelungen, ihre Angaben zu prüfen, da die betreffenden
Unternehmen, die sie erwähnten, nicht erreichbar waren -
entweder sind sie in Steuerparadise verschwunden oder existieren
nicht mehr."
"Ah ja, der arme Richard Nixon - wir haben
ihn immer Dick genannt. Ein guter Mann, trotz allem, was sie
vielleicht über ihn wissen."
"Jaaein ..."
kommentiert der Personaler zweifelnd.
"Wie auch immer, ein
Manager eines großen Unternehmen, für das sie gearbeitet
haben wollen, war erreichbar, so daß wir ihn nach ihnen fragen
konnten, ob sie tatsächlich der große Berater im
Hintergrund ihrer Produklinienplanung waren ..."
"Gut,
das ist doch mal eine positive Überraschung."
"Er
sagt aber, er hätte niemals von ihnen gehört!"
"Wirklich? Nun, ein Schädeltraume ist schon so eine
Sache - in dem einen Moment können sie sich erinnern, im
nächsten ist alles wieder weg ..."
"Und auch
keiner seiner Angestellten erinnert sich an sie."
"Nun,
meine Arbeit lief eher im stillen ab. Trotzdem, es kränkt mich,
daß er mich vergessen hat. Vielleicht habe ich deshalb niemals
Tantiemenzahlungen bekommen? Nun ja, vergeben und vergessen, wie ich
immer sage!" antworte ich großmütig.
"Ja,
aber dieses geheimnisvolle Vergessen wirft doch einen Schatten auf
ihre anderen Angaben." kontert der Personaler.
"Welche
denn?" frage ich als sei ich Perry Mason.
"Ihr
Ritterschlag?"
"Sie sind ein RITTER?!?" keucht der
Chef überrascht.
"Natürlich."
"Ich
habe das überprüft - es ist eine Lüge." plappert
der Personaler unfreundlich.
"Wirklich? Haben sie
www.ritterschlag.com besucht?" antworte ich und lasse mich nicht
in die Knie zwingen.
"Ritterschlag punkt com?" fragt
der Chef.
"Ja, die Heimatadresse der Bastard-Ritterschaft!"
"Bastard-Ritter zählen nicht!" erwidert der
Personal-Kauz.
Wirklich kein freundlicher Mensch.
"Natürlich
zählen die!" ruft der PJ, der draußen herumgetrödelt
hatte und erst jetzt das Büro betritt.
"Ich bin Sir
Steven vom gänsegeblümten Drucker!"
"Das ist
doch lächerlich!"
"Nein, ist es nicht!" rufe
ich, der ich wirklich freundlich bleiben wollte.
"Das ist -
also, das hat doch keine gesellschaftliche Bedeutung!"
"Doch,
jetzt!"
"Und es gibt auch keine offizieller Zeremonie!"
"Die gibt es! Ich wurde mit dem Hammer mit der silbernen
Spitze zum Ritter geschlagen. Vor dem Publikum meiner geadelten
Freunde." ruft der PJ.
"Adelige?"
"Vom
Stamme der strahlenden Monitore!"
"Das ist doch
Schwachsinn!" schreit der Personaler starrsinnig.
"Steven
steckt doch mit ihm unter einer Decke!"
"SIR Steven",
korrigiere ich.
"Wie ist das nun mit ihrer Ritterschaft?"
fragt der Chef und will mich damit wohl etwas aufziehen.
"Gegenwärtig bin ich Ritter des ergonomischen Tisches -
wie ein runder Tisch, wissen sie, nur etwas angenehmer, wenn man an
ihm sitzt."
"Aha. Und welche Zeremonie gab es bei
ihnen?"
"Ich war leider verhindert - meine Pflichten am
Arbeitsplatz. Daher wurde ich nur schriftlich informiert."
"So.
Und welche Autorität verleiht diese Titel?"
"Das
ist der König der B.O.F.H.s."
"Das sind vermutlich
sie?" fragt der Chef trocken ...
"Wie es der Zufall
will - JA!"
"Ja. Nun, dann sehe ich wirklich keinen
Grund, der Sache weiter nachzugehen", erklärt der Chef, als
er aus dem Büro marschiert. ...
"Trotzdem, sowas können
sie doch nicht machen!" schnieft der Personaler eine Sekunde
später.
"Natürlich kann ich! Ich bin der König!"
"Ich fürchte, diese Referenz können wir nicht
akzeptieren", wirf der Personaler ein.
"Was bedeutet,
daß ihr Vertrag in Gefahr ist, da sie bei ihrer Bewerbung
gelogen haben."
"Grenzt das nicht an HOCHVERRAT!?"
fragt der PJ, der dafür über eine Minute gewartet hat.
"Nein, nein, Hochverrat ist das nur in Kriegszeiten."
sage ich und bringe den PJ dazu, den Hammer wieder wegzulegen.
"Das
ist nur einfacher Verrat ..."
"Ach so!"
"Aber
dieser hilfsbereite Freund aus der Personal-Abteilung hat mich auf
einen wichtigen Punkt aufmerksam gemacht! Es könnte tatsächlich
so sein, daß die Informationen in meiner Bewerbung
fehlinterpretiert werden könnten. Und deshalb fühle ich
mich gezwungen, meinem Beschäftigten zu kündigen ..."
...
"Nun, das habe ich getan, aber er hat es nicht akzeptiert."
"Er?"
"Ja, ich. Als Chef des privaten
Unternehmens, das einen Vertrag mit ihnen hat. Ich bin der Meinung,
daß mein Beschäftigter seine Angaben hätte präziser
gestalten müssen, und ich distanziere mich von seinem Verhalten.
Nun, ich werde seinen Lohn einbehalten, damit er etwas daraus lernt.
Und für mich werde ich wohl einen kleinen Bonus bewilligen, da
ich als Chef so hervorragend eine unklare Situation aufgeklärt
habe. Der Bonus wird sich freilich auf den Stundensatz, den ich bei
der nächsten Vertragverlängerung fordern werde, auswirken.
Womit nur noch der Verrat zu bestrafen wäre ..."
...
eine Stunde später ...
"Wir sollten besser keine große
Sache daraus machen", redet der Chef beschwichtigend auf den
Chef der Personal-Abteilung ein und deutet auf die geschwollenen
Lippen des PJ. "
Aber wenn derartiges zur Normalität
werden sollte, dann ..."
"Wirklich", stimmt der
Personalchef zu.
"Und er ist einfach auf ihn losgegangen?
Ohne einen Grund?"
"Es gab keine Provokation",
antworten der PJ, der Chef und ich unisono.
"Nun, dann werde
ich mich einmal mit ihm unterhalten müssen. Und sie verzichten
darauf, eine Entschädigung und Schmerzensgeld zu fordern?"
"Nun, ich glaube, das würde letztlich nur der Firma
schaden", antwortet der PJ.
"Ja, da haben sie recht."
seufzt der Personalchef.
"Sehr gut." ...
"Ich
muß zugeben, daß ich nicht gedacht hätte, daß
Ron so weit geht - und das nur, um ein paar Pfund in ihrem
Stundensatz zu sparen." kommentiert der PJ, als wir in unserem
Büro ankommen und uns die Bilder der internen Überwachungskamera
auf den Monitor holen, um dem "Feuer-Kommando" bei seiner
Arbeit zuzuschauen.
"Sir Ron, meinen sie."
"Ah",
ächzt der PJ, als der Groschen endlich fällt.
"Ritter
von ...?"
"... der OS/2-Installations-CD."
"Ein
wirklich gewichtiger Titel. Wirklich ..."
"Ja, das
dachte ich mir auch."
Ich sehe etwas mit meinen
B.O.F.H.-Augen ...
"ICH SEHE ETWAS", murmle ich mit
heimtückisch glitzerndem Blick ins Büro.
"Ich sehe
etwas, das mit einem E beginnt."
"Explosion!"
antwortet der PJ, immer bereit, etwas gegen die tägliche
Langeweile zu tun.
"Sie können eine Explosion nicht
SEHEN!" erwidere ich.
"Da muß ich zu meinem
Bedauern widersprechen. Wie wäre es mit einer Demonstration?"
"Ach, nein. Nicht wirklich. Doch trotzdem, sie können
eine Explosion nicht SEHEN. Sie können eine Explosion ERLEBEN."
"Aber SEHEN ist, WIE man sie erlebt", kontert der PJ.
"Und wie ist es, wenn sie sie nur hören?" frage
ich, selbstverständlich so gelangweilt von den Tagesaktivitäten
wie er.
"Das ist Haarspalterei - aber fragen wir doch den
Chef ... SEHEN sie eine Explosion oder ERLEBEN sie eine Explosion?"
"Wieso?" fragt der Chef, der nervös ins Büro
kommt. Zweifellos wünscht er sich jetzt, er hätte die
Frühstückspause vorgezogen.
"Es geht nur um eine
Diskussion zwischen uns ..."
"Ja, aber WIESO führen
sie diese Diskussion?"
"Oh, es ist ... interessant.
Also, können sie eine Explosion SEHEN oder ERLEBEN sie eine
Explosion?"
"Beides, denke ich. Und sie sind sicher,
daß die Diskussion nur theoretisch ist?"
"Sicher,
wir befanden uns gerade in einer Phase elementarer
Diagnose-Prüfungen, die auf atypischen
Umweltbeobachtungsmethoden basieren, als die Frage aufkam."
"Ja. Richtig! Gut, ich denke, dann hätten wir alles
geklärt ..."
Irgendwie abwesend spaziert der Chef davon,
was mich - das muß ich gestehen - etwas verwirrt. "Was war
denn das?"
"Mmm?" fragt der PJ und schreibt etwas
auf sein Klemmbrett.
"Er ist hergekommen, weil es etwas
wollte, und dann verschwand er einfach wieder?"
"Ich
vermute einen Speicherüberlauf."
"?"
"Speicherüberlauf. Sie wissen schon, wenn die Leute
etwas hören, was sie sich merken sollen oder was sie nicht
begreifen, dann landet es in ihrem geistigen Speicher. Und sind zu
viele Dinge in ihrem Speicher, die sie sich merken wollen, dann gibt
es einen Speicherüberlauf und sie vergessen etwas."
"NATÜRLICH,
DAS HABE ICH ERFUNDEN", rufe ich aus.
"Natürlich
wußte ich das. Aber diesmal waren es doch nur zwei Dinge!!!"
"Ja, ich weiß. Es sieht so aus, als reagiere sein
geistiger Speicher in letzter Zeit etwas empfindlich."
"Also
haben sie ihn mit Absicht hervorgerufen?"
"Ja, nun, es
hat mich interessiert ..."
"Warum?"
"Warum
nicht?"
"Aber sie müssen doch einen Grund haben!"
"Es geht um ein Experiment, das ich durchführe",
beschreibt der PJ.
"Ich will herausfinden, wo der exakte
Punkt für dieses Phänomen liegt, wo er vom
?Interessiert-Modus? in den mentalen Schutz-Modus umschaltet. Es ist
wie eine Art Kunst. Man kann manchmal beinahe das ?Klick? hören
..."
"Und das Ziel dieses Experiment ist was?"
"Nun, es geht um eine erweiterte Form der Bastard-Forschung.
Ich untersuche, unter welchen bestimmten Umständen
Speicherfehler auftreten und wie sie verursacht werden können.
Natürlich mit dem Ziel, zukünftigen Ereignissen vorzubeugen
..."
"Da bin ich mir sicher", antworte ich, wobei
ich dem Altruismus des PJ an diesem Punkt nicht ganz traue.
"Es
ist wirklich so! Dies ist ein sorgfältig vorbereitetes
Experiment! Ich habe herausgefunden, daß durch das Variieren
der Speichermethode und der äußeren Umstände der
Effekt verstärkt werden kann ..."
"Und das
geschieht wie?" frage ich, ein wenig fasziniert und - seien wir
ehrlich - noch immer gelangweilt.
"Lassen sie es mich
beschreiben", erklärt er und wirkt auf einmal wie ein Kauz,
der voller Begeisterung über seine Forschung ist. Was er auch
ist - das muß ich irgendwie zugeben.
"Nehmen wir
Objekt A, das wir zur Verdeutlichung Chef nennen wollen."
"Nein, er ist es nicht!" werfe ich ein.
"Ja,
sehr drollig. Nun, wir haben also Objekt A und wir machen es mit
verschiedenen Konzepten bekannt, von denen es noch nie etwas gehört
hat - nehmen wir ?Anweisungsgesicherte Programmierung?,
?Quell-basiertes Routing? und, hm, ?Persönliche Hygiene?. Sein
Speicher läuft über, wenn das dritte unbekannte Konzept
verarbeitet werden soll - in einer harmlosen Form vergißt er
einfach, was er gerade tut."
"Ja ..." stimme ich
zu, da ich das auch schon in einigen Fällen beobachten und in
noch mehr auslösen konnte.
"Fügen wir nun noch ein
Element von Dringlichkeit zur beschriebenen Situation hinzu, zum
Beispiel: ?Der IT-Chef will in zehn Minuten von ihnen alle relevanten
Informationen hören über ...?, dann ändern sich Art
und Zeit bis zum Speicherüberlauf dramatisch. Dann braucht es
nur noch zwei Dinge, um die Reaktion auszulösen, und die
Symptome sind noch verwirrender."
"Sie arbeiten wohl
schon eine Weile an der Sache, oder?" frage ich mitleidig.
"Ich
habe sogar ein Diagramm!"
"Wieso dachte ich mir das
eigentlich schon ..."
"Ah, nun, schauen sie es sich
doch an."
Der PJ gibt mir das Klemmbrett, auf dem ein großes
Diagramm mit bunten X-Markierungen an verschiedenen Stellen zu sehen
ist. "Was stellen die Achsen dar?" frage ich, da mein
Interesse erwacht.
"Die X-Achse steht für die Stärke
der zusätzlichen Antriebs, während die Y-Achse die Dinge
angibt, die sich im Speicher befinden."
"Ah, ja. Ich
sehe es. Ein klar fallender Kurvenverlauf. Oh, Moment! Er konnte sich
vier Dinge merken ... bei mittlerem zusätzlichen Druck?"
"Ja, er hatte einen Notizblock dabei, den ich nicht sehen
konnte!"
"Was für ein Schummler." äußere
ich meine Anteilnahme.
"Ja, das hat meine Forschung für
einen Moment durcheinandergebracht. Doch zum Glück brach die
Spitze seines Bleistifts ab, als ich ?Schwulen-Pornographie?
erwähnte, sonst hätte das eine noch größere
Unregelmäßigkeit gegeben. An der Barriere, daß nach
nur einem Element der Speicherüberlauf eintritt, bin ich bisher
aber noch gescheitert."
"Was haben sie denn versucht?"
"Das übliche: Drohung mit Rauswurf, Stellenkürzungen
und Managementwechsel, Lohnkürzungen, Verspottung durch die
Untergebenen, sie kennen das ja."
"Aha. Könnte ich
es einmal versuchen?"
"Legen sie los!"
Ich
will das Eisen schmieden solange es noch heiß ist, also such
ich mir in einem Archiv für erotische Geschichten ein
schmutziges Geständnis, passe Namen und Plätze so an, daß
sie auf die Sekretärin des Chefs zutreffen, und schicke ihm eine
Kopie, wobei ich sie als Absender angebe. Erwartungsgemäß
schickt der Chef noch innerhalb eines Prozessortaktes eine Kopie an
den Drucker und rast dann zu diesem, um sicher zu sein, daß
niemand die Beichte abfangen kann. Doch durch einen seltsamen Zufall
scheint es ein Problem mit der Druckerwarteschlange zu geben, so daß
sein Druckauftrag in der Warteschlange feststeckt.
"Es gibt
ein Problem mit der Warteschlange für den Drucker",
beschwert er sich und hält immer wieder nach dem Drucker
Ausschau, falls der in seiner Abwesenheit doch noch loslegt.
"Ja,
ich weiß", antwortete ich und heuchle Besorgnis.
"Der
IT-Chef hat sich auch schon darüber beschwert."
"Wirklich?
Weshalb?" keucht er.
"Oh, anscheinend steckt auch ein
Dokument von ihm in der Warteschlange."
"Aber da war
nichts in der Warteschlange!"
"Ja, es war
offensichtlich nur ein kleiner Auftrag, so daß er schon
irgendwo im Drucker auf die Erledigung wartet. Ich werde mir die
Sache gleich einmal anschauen und einen Warmstart durchführen,
damit kein Auftrag verlorengeht."
"Ah. Nun, wissen sie
was, warum löschen sie nicht einfach meinen Auftrag?"
"Das
würde ich ja tun, wenn ich könnte. Aber auf die
Warteschlange kann ich komischerweise nur lesend zugreifen."
antworte ich und bestätige ihm, was er durch 100maliges
Anklicken von ?Abbrechen? auch schon herausgefunden hat.
"Vielleicht
sollten wir einfach den Drucker abschalten?"
"Nein, das
wäre am schlimmsten - die Warteschlange könnte über
den Status ihres Druckauftrages durcheinanderkommen und versuchen,
ihn wieder und wieder abzuarbeiten." [Manchmal hasse ich mich.]
"Na sowas, ist das nicht der Drucker, der da startet ..."
jagt der PJ den Chef nach draußen.
"Sie Bastard ..."
sage ich zu ihm, als der Chef den falschen Alarm erkennt und
zurückkommt.
"Das ist FORSCHUNG!!!" schnappt der
PJ verteidigend zurück.
"Ich schätze, damit liegen
sie richtig." pflichte ich ihm bei und erhöhe die Priorität
eines Auftrages, der gerade in der Warteschlange aufgetaucht ist und
lasse ihn zum Drucker durch. Der Chef sprintet wieder zu dem Gerät,
als er dessen Geräusch vernimmt, um den Ausdruck zu bekommen,
bevor die Sekretärin kommt.
"Ihr Auftrag steckt
offensichtlich in der Warteschlange fest." erkläre ich dem
Chef, als er seinen Fehler bemerkt und mit Hochgeschwindigkeit in
unser Büro stürmt.
"Wissen sie was, ich könnte
doch den Druckauftrag an den Drucker hier umleiten, um zu sehen, ob
es hier funktioniert."
"Ah, in Ordnung", sagt der
Chef abgelenkt, als der IT-Chef bemerkt, der sich lebhaft mit der
Sekretärin unterhält - zweifellos über die
neuentdeckte Begeisterung des Chefs für Sport am Arbeitsplatz -,
als sie ihren Druckauftrag erneut abschickt. Drei Klicks später
rast der Chef - er hat keine Chance - zwischen uns und dem Drucker
hin und her, als dieser mit dem Ausdruck beginnt. Ein Blatt ringelt
sich aus dem Gerät und landet in der Hand des Chefs. "Das
ist schon wieder der falsche Druckauftrag - kann es sein, daß
es ihr Druckauftrag ist, der immer wieder abgearbeitet wird, wie sie
das vorhin erklärten?"
"Nein, ich glaube nicht
>klick klick<.
Oh, hier haben wir es! Es ist ganz
einfach, sie haben ihren Auftrag und sie hat den von ihnen. Der
klassische Druckauftrags-Transpositions-Feh ..."
"ICH
GLAUBE, WIR HABEN ES HIER MIT EINEM SPEICHERÜBERLAUF ZU TUN!"
ruft der PJ begeistert.
"SPEICHERÜBERLAUF! ICH
WIEDERHOLE: SPEICHERÜBERLAUF!"
Nun, wenn es der
Wissenschaft dient, kann es nicht schlimm sein, schätze ich ...
Der B.O.F.H.-Führer für die Hilflosen ...
"Hmm." murmelt der PJ, als
ich wild auf meiner Tastatur herumhämmere, um mein neuestes Werk
zu vollenden.
"Wie wäre es mit einer Runde Unreal
Tournament? Nur sie, ich und ein paar Nutzer, die glauben, sie
könnten Kanonenfutter spielen."
"Ich WÜRDE ja
gern", kommentiere ich.
"Aber ich arbeite an meinem
neuen Werk ..."
"Wirklich? Brauchen sie noch ein paar
Zitate?" fragt er und bringt seine kreativen Säfte in
Schwung.
"Wie wäre es mit: ?Ein Nutzer braucht das
Administratoren-Passwort so dringend wie Nitroglyzerin
durchgeschüttelt werden muß.?? Nein? Und das hier: ?Wenn
sie sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, während all ihre
Kollegen den Kopf verlieren, liegt das möglicherweise daran, daß
ein CD-Brenner in ihrem Rechner steckt.??"
"Nun, das
klingt ja gut, aber es paßt WIRKLICH nicht zum Inhalt meines
neuen Buches." murmle ich und versuche die richtigen Worte zu
finden, um die aktuelle Seite zu vollenden.
"Worum geht es denn?" fragt
der PJ und blickt mir über die Schulter.
"?Wollen sie
mit dem Feuer spielen, dann rufen sie uns an??"
"Nein."
"?Männer kommen vom Mars, die Nutzer vom Uranus??"
"Nein, aber manchmal scheint es so zu sein."
"?Ich
bin in Ordnung, sie sind ... im Krankenhaus??"
"Nein
..."
"?Zen und die Kunst der Computer-Wartung??"
"Nein ..."
"Also arbeiten sie an einem neuen
Buch?"
"So ist es. Und diesmal ist es nicht eines der
üblichen Anleitungsbücher, sondern ein richtiges Buch."
"Keine Ansammlung aussageloser Sätze mehr?"
"Nun,
das habe ich nicht gesagt, ich sagte nur, daß dieses Buch
anders ist."
"Sie schreiben doch nicht etwa ein ?...
für Dummköpfe?-Buch, oder?"
"Nein, aber sie
sind schon nahe dran", antworte ich und zeige ihm die
Titelseite.
"WINDOWS XP für IDIOTEN!" liest der PJ
hinter mir.
"Das mag ich!! Aber fehlt da nicht das ?ist? im
Titel??? Und was steht denn eigentlich drin?"
"Oh, das
sind nur ein paar Windows XP-Hinweise, die ich auf verschiedenen
Websites gefunden und mit einer netten Schriftart versehen habe, hier
und da ein paar Unterstreichungen und noch ein bunter Umschlag. Und -
das ist die wahre Meisterleistung - ich habe alle möglichen
Bildschirmfotos zusammengesucht, um den Inhalt aufzuwerten."
"Bildschirmfotos?" fragt der PJ verächtlich.
"Ja,
gäbe es keine Bildschirmfotos und die große Schriftart,
wären nur knapp 40 Seiten zusammengekommen. Aber MIT den
Bildschirmfotos und der lesefreundlichen Schriftgröße
bekomme ich eine Schönheit mit 200 bis 250 Seiten!"
"Das
wird doch niemand kaufen. Niemand ist so blöd!" "Seien
sie sich da nicht zu sicher. Ich drucke gerade den Umschlag aus. Das
Buch basiert auf der Idee, daß es jemanden gibt, der zu dumm
ist, selbst einfachste technische Dokmente zu lesen, jemanden, für
den selbst die ?... für Dummköpfe?-Bücher zu technisch
sind. Jemanden, der sich von bunten Farben beeindrucken läßt,
von Bildern und dem Schrifttyp Comic Sans Serif. Und wo wir gerade
von ihm sprechen ..."
Wir beide schweigen, als der Chef mit
einem Gesichtsausdruck hereinmarschiert, der nur zweierlei bedeuten
kann - er ist verwirrt oder das Abführmittel, das der PJ in sein
Schoko-Eclair geschmuggelt hat, beginnt zu wirken.
"MMMMMmmm",
murmelt der Chef und steigert die Spannung noch ein wenig.
"Weiß
jemand von ihnen, was das hier ist?"
Er hält das
erwähnte farbige Titelblatt hoch, das frisch aus dem ?Nur für
das Management?-Drucker kommt, der normalerweise aus Kostengründen
für wichtige Dokumente wie Geschäftsberichte,
Tortendiagramme und nächtliche Pornographie reserviert ist.
"Ah, das ?XP für Idioten?-Buch!" rufe ich.
"Ist
es gedruckt? Hervorragend, darauf habe ich gewartet!"
"Für
?IDIOTEN??" fragt der Chef.
"Das ist sicher eine
Marketing-Maßnahme", antworte ich.
"Der Verlag,
der die Bücher verkauft, will Leute ansprechen, die Dinge wissen
wollen, über die andere Bücher einfach hinweggehen."
"Ja ..." antwortet der Chef und beginnt sich zu
interessieren.
"Und wieso drucken sie es dann aus?"
"Oh, nun, es ist auf der Website zu einem ermäßigten
Preis zu bekommen, weil sie dadurch die Kosten für den Druck,
die Verpackung und den Versand sparen. Man muß es nur
herunterladen und dann selbst ausdrucken - was auch bedeutet, daß
man stets die letzte Überarbeitung bekommt!"
"Das
IST ja wirklich eine gute Idee", sagt der Chef. "Und wie
ist das Buch so?"
"Schauen sie es sich doch selber an!"
rufe ich und deute auf die zusammengeklauten Daten auf dem Monitor,
von denen ich behaupte, sie seien mein Werk.
"... Gut ..."
murmelt der Chef, als er durch das Dokument blättert und ganz
offensichtlich Gefallen an Text-Bilder-Verhältnis findet.
"Und
wie teuer war es?"
"Hundertacht Pfund."
"HUNDERTACHT PFUND!!" keucht er.
"EMPFOHLENER
VERKAUFSPREIS", erläutere ich und spiele mit der Naivität
des Chefs.
"Aber im Web bekommt man es für ... 100."
"Das ist noch immer eine Menge!"
"Stimmt, aber
sie liefern zusätzlich noch eine ?Fortgeschrittener Idiot?-CD
und ein T-Shirt mit."
"Ein kostenloses T-Shirt?!"
keucht der Chef begeistert.
"Und wie kann man es bestellen?"
"Nun, sie bestellen es auf der Website der ?Gesellschaft der
Informationsvermittler für Technik und Technologie, Abteilung
für Entscheidungsträger? - sie sind doch sicher Mitglied,
oder?"
"Uh, nein ..."
"Wirklich? Alle
Leute behaupten, sie seien Mitglied."
"Oh. Vielleicht
bin ich das, ich weiß es nicht genau. Ich bin Mitglied so
vieler Organisationen ..."
"Gut, dann besuchen sie
einfach die Website, geben ihren Nutzernamen und das Passwort ein und
sie werden dann die Bestellung an einen der größten
Online-Shops weiterleiten, mit dem sie ein spezielles Abkommen haben.
Aber sie müssen heute bestellen, weil es die kostenlosen
T-Shirts nur noch heute gibt."
"Oh! Gut! Und wenn ich
meinen Mitgliedsnamen vergessen habe?" fragt der Chef nervös
wie jemand, der auf einen Anruf wartet.
"Nun, ich denke, daß
ich es für sie bestellen könnte. Allerdings habe ich meine
Kreditkarte schon mit all den anderen Büchern, bei denen es
ebenfalls T-Shirts gibt, überzogen."
"Andere
Bücher?" fragt der Chef neugierig. Offenkundig muß er
weg, will sich aber die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Firma
für seine Kleidung bezahlen zu lassen.
"Ja, es gibt
eine Serie von zehn Büchern."
"Für jeweils
100 Pfund?"
"Genau."
"GUT!" keucht
er begeistert.
"Hier ist meine Karte. Bestellen sie sie und
sorgen sie nur dafür, daß ich eine Rechnung bekomme!"
Der Chef rast davon, nachdem er seine Karte auf den Tisch
geworfen hat, und ich rufe die DVD-Sektion von Amazon auf. ...
"Ah,
er wird schnell zurückkommen!" sagt der PJ und beobachtet
nervös den Korridor, während ich meine 1000
Pfund-Bestellung vollende.
"Nein, wird er nicht."
"Er
wird! Er ist in der Herrentoilette am Ende des Korridors
verschwunden!"
"Die Toilette, in der es an den
Innenseiten der Türen keine Klinken gibt?" frage ich.
"Ah!" ruft der PJ aufgeklärt.
"Sie
Bastard!"
"Nein, nein", rudere ich zurück.
"Ein BASTARD hätte mit Klebstoff die Türen
zugeklebt, damit das arme Schwein ausgesperrt bleibt ..."
"Sie
sind ein Bastard!" sagt der PJ, der Professionalität
erkennt, wo er sie sieht.
"Durch und durch und jetzt auf der
Suche nach einer Website, die T-Shirts druckt."
"Also
wollen sie wirklich die T-Shirts drucken?"
"Wer würde
sich die Gelegenheit entgehen lassen, dem eigenen Chef ein T-Shirt
mit einem Idioten-Spruch auf der Rückseite unterzujubeln?"
"Welcher Spruch?" "Nun, an diesem Punkt kommen sie
ins Spiel. Ich brauche zehn. So schnell wie möglich."
"Hm.
Wie wäre es mit ?IDIOT? und einem Pfeil, der nach oben zeigt?
Einfach nur ?IDIOT?;
?IDIOT UND STOLZ DARAUF? ... ?"
Und so kommt es ...
Die B.O.F.H.-Dokumente-Verwaltung ...
"Und was würden sie
vorschlagen, um das Problem zu lösen?" fragt der IT-Chef
beim zweiten Frühstück.
"Ein
Dokumente-Management-System scheint mir angebracht zu sein."
schlägt der Chef vor und zeigt damit, daß er wieder einmal
unbeaufsichtigt mit Händlern gesprochen hat.
"Oooh, ein
Lizenz zum Gelddrucken!" unterbricht der PJ begeistert.
"Was
meinen sie?"
"Nun, wir müssen ganz offensichtlich
damit rechnen, daß das Angebot des Händlers einen Haken
hat ... zum Beispiel eine riiieeesige Rechnung oder die Dokumente
brauchen einen bestimmen Server ..."
"Nein, nein, es
ist alles offen."
"Offen für jeden, der die
passenden Programme kauft, um die Dokumente aus der Datenbank zu
extrahieren, schätze ich?" füge ich hinzu.
"Nein,
es ist für alle offen!" antwortet der Chef, der sich in den
letzten Wochen in seiner Freizeit offenbar eingehend mit der bunten
Broschüre befaßt hat.
"Sie sagen, daß sie
Windows-Standard-Dateien benutzen ..."
"Ach so, der
alte ?Ändere-die-Endung-des-Dateinamens-in-irgendeine-
obskure-Buchstabenkombinaten?-Trick, damit die Dateien nur mit ihrem
Programm gefunden werden können. Ja, sowas mag ich!"
"Was
meinen sie?"
"Das ist doch ganz einfach. Erinnern sie
sich noch daran, als das Lager alle archivierten Dokumente auslagern
wollte, um etwas Lagerraum freizumachen?"
"Ja?"
"Und sie haben sich an diese Firma gewandt, die sich auf die
Einlagerung von Akten spezialisiert hatte, die alle unsere Akten in
?Standard?-Behältern einlagern wollte."
"Und die
ALLE Akten indizieren wollte, so daß es genügt hätte,
anzurufen, den Namen der Akte zu nennen, die dann prompt geliefert
werden sollte?"
"Ja."
"Und wir haben
dieser Firma einen ganzen Batzen dafür bezahlt, nicht zu
vergessen noch die Gebühren für das Anliefern der Akten und
so weiter. Erinnern sie sich?"
"Uh-Huh."
"Und
erinnern sie sich auch daran, als unser Unternehmen einen großen
Verlust wegen dieser Firma machte?"
"Als sie ihr Lager
anzündeten, ja."
"Als ich ihre
Umweltüberwachungssysteme getestet habe, um herauszufinden, wie
sicher unsere Akten aufbewahrt werden, ja."
"Wie auch
immer ..." zweifelt der Chef.
"Und erinnern sie sich
daran, daß wir schließlich all unsere Akten
zurückgefordert haben?"
"Ja."
"Und
als die Akten zurückkamen, steckte jede in einem braunen
Umschlag mit einer kryptischen Nummer, so daß sie mehr als den
doppelten Raum als vorher beanspruchten. Dann mußten wir diesen
Studenten einstellen, der die Akten aus den Umschlägen holt und
wieder sortiert ..."
"Soweit ich mich erinnere, ist er
noch immer damit beschäftigt." kommentiert der IT-Chef.
"Sie wollen also behaupten, daß dieses Programm zur
Dokumentenverwaltung so arbeitet wie diese Firma und daß die
Behauptung, alle Schnittstellen seien offen, eine Lüge ist, die
sie mit dem Versprechen eines kostenlosen Besuchs in den USA zu
?Schulungszwecken? verdecken wollen???"
***
AUSFLUGS-ALARM!!! ***
"Nein, ich sagte, daß wir aus
unseren Irrtümern lernen können!" antworte ich
schnell, bevor der PJ die Sache an sich reißen kann.
"Also
IST doch etwas dran, an einem Server zum Management der Dokumente?"
keucht der Chef.
"Nun, ein solches System könnte
hilfreich sein ..." springt der PJ auf den fahrenden Zug auf.
...
DREI BIERHALTIGE FERIENTAGE IN DEN USA SPÄTER ...
"Und,
wie steht es um das Dokumenten-Verwaltungs-System?" fragt der
Chef und versucht, dem PJ über die Schulter zu schauen, um einen
Blick auf den Fortgang des Kategorisierungs-Prozesses zu erhaschen.
"Gut, aber es gibt noch ein paar kleinere Schwierigkeiten
bei der Auswahl der passenden Kategorien ..."
"Wirklich,
kann ich dabei helfen? Ich habe mir ein paar der Dokumenten
angeschaut, die sie mitgebracht haben, und habe das System, glaube
ich, begriffen. Dokumente zu finanziellen Transaktionen können
nach Abteilung, Lieferant, Zahlungsart, Einkäufer,
Anschaffungsart, Aufwand, dem Gebäude, Einsatzort,
Beschaffungsgrund, Name ..."
Der Chef plappert noch eine
Weile vor sich hin, dann marschiert er begeistert davon, um zu
unserer Unterstützung eine umfangreiche Liste aufzustellen.
Der
PJ hat in der Zwischenzeit mit der Ruhe eines wirklichen Profis seine
Tätigkeit fortgesetzt.
"ES IST VERBLÜFFEND!!!"
ist der Chef begeistert, als er ins Büro kommt - ein zufriedenes
Lächeln im Gesicht.
"Ich habe mir die Statistik zur
Ausnutzung der Speicherkapazität angeschaut, und es scheint
einen enormen Anstieg bei der Nutzung der Speicher zu geben, ganz
besonders seit dem heutigen Morgen, und es sieht so aus, als
brauchten wir bald neue Festplatten!!!
Ich hatte gar nicht
geahnt, daß es so beliebt ist!!!"
"Oh, ja!"
stimme ich zu.
"Und es stellt unter Beweis, daß die
Heimarbeiter, die über das Internet auf ihre Dateien zugreifen
können, am meisten davon profitieren. Schauen sie sich nur die
Internet-Zugriffe an!"
"Ach du großer Gott! Das
ist ja hervorragend! Aber was glauben sie, wie lange es noch dauern
wird, bis wir neue Festplatten brauchen?"
"Zwei,
vielleicht drei Tage. Wir überspielen gerade die Inhalte einiger
älterer Sicherungsbänder, weshalb die Daten nun über
das Netzwerk schneller verfügbar sind.
Was wird gerade im
Augenblick überspielt?"
"Die McHenry ... uh,
Service-Dokumentation."
"Wirklich? Es ist doch immer
wieder interessant, mit wem die Firma Beziehungen unterhält, von
denen man nie etwas gehört hat! Was kommt danach?"
"Schauen
wir mal ... Nun, wir hätten das noch drei oder vier Bänder
mit ?Rusty und Eddie?- ..., ähm, Interaktionsdaten."
"Rusty und Eddie. Hmm, ich schätze, ich sollte mich mit
diesen alten Vorgängen noch einmal vertraut machen."
"Nun,
an ihrer Stelle würde ich mir dafür einige Stunden
reservieren."
"Das ist langweilig. Nun, ich überlasse
es besser ihnen. Informieren sie mich, wenn es Probleme gibt."
"Selbstverständlich!"
...
Kaum einen Tag
später ist der Spuk vorbei. Als der Chef dem mittleren
Management die Vorteile des neuen Systems vorführen wollte,
brachte eine Zufallsauswahl der unter ?Finanzen? kategorisierten
Daten ein Bild aus der ?Mädchen tun es für Geld?-Serie auf
den Monitor - so hatte der PJ sie eingeordnet.
Der Chef hat uns
unsere ?Hacker?-Geschichte abgekauft, aber der Rechner mußte
verschwinden ...
... in einen Lagerraum, wo die Website in
Windeseile neue Kunden bekommt.
Man muß diese neuartige
Technologie einfach lieben ...
Ein neues Quiz ... im B.O.F.H.-Stil ...
Ja! Es ist Zeit für ein neues
B.O.F.H.-Quiz!
Testen sie ihre Fähigkeiten!
Plazieren
sie ihre Wetteinsätze!
Anworten am unteren Ende!
Allgemeinbildung 1.
Sie befinden sich in einem Irrgarten mit
lauter verzwickten kleinen Gängen, die alle gleich aussehen.
Wohin wenden sie sich?
A Nach Norden.
B Nach Süden.
C Nach Osten.
D Nach Westen.
E Zum Mittagessen in die
Kantine.
2. Die Werte für die Netzwerkausnutzung erreichen
ohne sichtlichen Grund ein Allzeithoch.
Dies könnte
bedeuten:
A Sie müssen sich um einen leistungsfähigeren
Router kümmern.
B Es könnte Probleme mit einer
Netzwerk-Karte geben.
C Es könnte sich um einen Fehler bei
der Netzwerküberwachung handeln.
D Jemand hat das MP3-Archiv
entdeckt!
E Die Nutzer haben keine Lust mehr, in Unreal
Tournament gegen einen unsichtbaren und unbesiegbaren Gegner mit dem
Redeemer (Erlöser [thomas w.]) anzutreten. Diese Schwächlinge!
3. Vervollständigen sie die Reihe:
5V, 12V, 48V, 96V ...
A 127 Volt.
B 0 Volt.
C 24 Volt.
D 1 Ampere.
E
"AGHH AAAGHH! Ich sage ihnen alles, was sie wissen wollen!"
4. Wer zuletzt lacht, ...
A lacht am lautesten.
B lacht
am längsten.
C ist ein Dummkopf.
D reizt alle bis aufs
Blut.
E hat den Elektroschocker noch nicht gesehen.
5.
Welches der folgenden Dinge ist ein nach Industriestandards ein
Ersatz für ein Werkzeug zum Entfernen von SIMM-Speicher?
A
Keines - es gibt einen Ersatz!
B Ein Schraubenzieher.
C Ein
Autoschlüssel.
D Eine Kneifzange.
E Der Handrücken,
mit dem man so lange auf das Motherboard schlägt, bis der Chip
herausfällt.
6. Eine CPU kann standardmäßig
übertaktet werden,
A bis zu: einem geringen Wert über
der angegebenen Taktfrequenz.
B 10 Prozent der über
angegebenen Taktfrequenz.
C 18.5 Prozent über der
angegebenen Taktfrequenz.
D 70 Prozent über der angegebenen
Taktfrequenz unter Einsatz eines Kühlgases und verschiedener
Gebete.
E 100 Prozent oder mehr, wenn sie nicht in ihrem eigenen
Rechner steckt.
Geschichte
Sind sie ein B.O.F.H.-Veteran?
7.
>Clunka Clunka Clunka< ist ein Geräusch, das sie
assoziieren mit:
A einem Wäschetrockner.
B einer
Waschmaschine mit ungleichmäßig verteilter Ladung.
C
einem platten Reifen an ihrem Wagen.
D einer mit Klebeband
gesichterten Tür, die wiederholt mit dem Fuß eines
ungebetenen Nutzers kollidiert.
E einer DEC RM05-Festplatte, die
nach einem Headcrash durch den Rechnerraum segelt.
8. Sie lassen
einen Schraubenzieher durch die Lüftungsschlitze des Netzteils
auf der Rückseite einer VAX 11/780 fallen.
Sie erwarten:
A
eine sehr sorgfältig durchgeführte Prozedur zur Rettung des
Schraubenziehers.
B einen Netzteilausfall.
C ein unangenehmes
>KRACH<-Geräusch.
D einen Stromausfall im Rechnerraum.
E eine Plünderung der Geschäfte der beiden angrenzenden
Straßen, nachdem die örtliche Verteilerstation ausgefallen
ist.
9. Das alte Band, das sie nutzen, um Daten einer Umfrage zu
speichern, zeigt Lesefehler - nach der Hälfte der Daten gibt es
nur noch Fehler. Sie:
A säubern die möglicherweise
verschmutzten Leseköpfe.
B schicken das Band an ein
kommerzielles Datenwiederherstellungsunternehmen.
C .A und
reduzieren dann die Temperatur im Rechnerraum und versuchen, die
Daten bis zum Ende zu lesen.
D Melden den Fehler dem Nutzer.
E
markieren einfach ein paar Daten vom Anfang und fügen sie am
Ende der lesbaren Daten immer wieder ein, bis die Datei die erwartete
Größe hat.
10. Die größte Gefahr für
eine RA60-Wechselfestplatte war:
A die nicht korrekte Befestigung
im Laufwerksschacht.
B die Nichtentfernbarkeit von der
Laufwerksspindel nach der Benutzung.
C die Zerstörung der
Festplatte, wenn der Laufwerksverschluß sich während des
Betriebes öffnete.
D ein verschmutzer Lesekopf.
E eine
vorsorgliche Wartung durch einen Ingenieur.
11. Die richtige
Kombination sorgfältig terminierte Suchzugriffe auf
RA80-Festplattenlaufwerke in einem Festplattenregal verursacht:
A
die Aufführung eines ?Musikstückes?.
B geringe
Vibrationen.
C starke Vibrationen.
D sehr heftige
Vibrationen.
E den Wechsel des Regals in den ?horizontalen?
Modus.
12. Ein Nutzer hat sich durch seine Erinnerungsstücke
gewühlt und dabei eine große Kiste mit Lochkarten aus
seiner Studentenzeit gefunden, mit denen er noch etwas anfangen will.
A Ein guter Administrator: ruft ein Computermuseum an, um dort
die Karten einlesen zu lassen.
B schreibt schnell ein Programm,
das die Karten über einen Scanner einliest.
C erklärt
dem Nutzer, wie er die Daten selber eingeben kann.
D wirft die
Karten in den Mülleimer und erklärt dem Nutzer, daß
sie demagnetisiert sind.
E läßt die Kiste mit den
Karten aus dem vierten Stockwerk auf den Nutzer fallen.
Finanzen
Sind sie ein teurer B.O.F.H.?
13. Der korrekte Weg, das
Jahresbudget zu planen ist:
A alle Ausgaben für die geplante
Technik und die Wartung im kommenden Jahr zu addieren und diese Zahl
weiterzugeben.
B die Ausgaben des laufenden Jahres zu nehmen und
um 5 Prozent zu erhöhen.
C die Ausgaben des laufenden und
des vorherigen Jahres zu nehmen, um einen Trend zu ermitteln, und
daraus die Zahl zu ermitteln.
D die Erfolgsbeteiligung der
Geschäftsführung als Anhaltspunkt zu nehmen.
E die
Ausgaben des laufenden Jahres zu verdoppeln, nachdem sie dieses Photo
aus dem Kopiererraum von der letzten Weihnachts-Party der
Erbsenzähler anonym abgeschickt haben.
14. Ein Lieferant
behauptet, sein Produkt verringere kompletten Kosten der Anschaffung.
Dies bedeutet:
A die kompletten Kosten sind unter
Berücksichtigung des Einkaufspreises, des Wartungsaufwandes, der
erwarteten Lebensdauer und möglicher weiterer Einnahmen durch
Vermietung geringer.
B die kompletten Kosten spielen keine Rolle
mehr, wenn man Weiterbildung, die Vertragsstrafe für die
Kündigung früherer Verträge und die Istallationskosten
berücksichtigt.
C er arbeitet auf Kommissionsbasis und war
noch nicht sehr erfolgreich im laufenden Jahr.
D er ist ein
Lügner.
E C., D. und daß sie sich noch zu
ein paar Mittagessen einladen lassen können, bevor sie sein
Angebot ablehnen.
15. Die jährlichen Verhandlungen über
die Verlängerung des Wartungsvertrages stehen an. Ihre
Vertragspartner führen Grund auf Grund an, weshalb sie die
Kosten nicht erhöht haben, wie dies so viele andere taten. Dies
bedeutet:
A sie wollen konkurrenzfähig sein.
B A. und
suchen nach einer weiteren Einnahmequelle.
C sie haben einen
Subunternehmer gefunden, der für glänzende Perlen und
blitzenden Schund arbeitet.
D sie haben Angst vor der
Steuerfahndung, nachdem bei dieser ein anonymer Brief gelandet ist.
E A., C., D. und sie haben ihnen erneut diese drei zusätzlichen
Geräte untergejubelt, die sie schon im letzten Jahr abgelehnt
hatten (ein ?administrativer Fehler?).
Auflösung:
Es gibt
keine Auflösung, es gibt niemals eine Auflösung! Sie
brauchen keine Auflösung. Nicht, wenn sie sind, wer sie zu sein
vorgeben! Nicht, wenn sie den Prozessor ihrer Auto-Rechners so
hochtakten können, daß die Höchstgeschwindigkeit des
alten Kameraden um 2 Meilen steigt, bevor die zusätzlichen
Vibrationen sie hinausatapultieren. Nicht, wenn sie sich an die guten
alten Tage erinnern, in denen das Rattern eines Lochkartenrechners so
laut war, daß die Rentner am Ende der Straße
Schützengräben buddelten und ihre Notrationen
zusammenpackten. NICHT, wenn ihr jährliches Budget so hoch ist,
daß auf den Taschenrechnern der Erbsenzähler kein Platz
mehr dafür ist ...
Jeder andere ist offensichtlich ein
Angeber.
Technologie-Fanatiker-Alarm ...
"... selbst Haustiere werden mit ihren Eigentümern in
Kontakt treten können, wenn sie diesen PDA am Halsband tragen."
schnattert der Chef, der begeistert eine dieser
Pseudo-Computer-Kolumnen in einem Bouleverdblatt liest, während
er fröhlich an ein weiteres Kleidungsstück denkt, für
das er nichts bezahlen muß ...
"Was für ein
Warwickismus!" rufe ich aus.
"Warwickismus?" fragt
der Chef.
"Ja", antwortet der PJ hilfsbereit. "Sie
wissen schon, ein geschmackloser, pseudo-technischer Bericht, der die
Illusion technischer Kompetenz des Autors bewahren soll."
"?"
formt der Mund des Chefs wortlos.
"Nun ja, zum Beispiel",
fährt der PJ fort. "Das ist, als würde ich behaupten,
in meinem Penis sei ein Computer-Chip implantiert, der mit den
Supermarktkassen kommuniziert, damit ich beim Kauf von Kondomen einen
Rabatt bekomme."
"Haben sie?!" fragt der Chef
schockiert.
"Natürlich nicht!" erwidert der PJ.
"Das ist nur ein Strichcode."
"Ja, aber für
die Kasse ist das ein ?Baguette, groß?, wenn er über den
Scanner gezogen wird." füge ich hinzu. Ich kann mich
wirklich nicht stoppen, als ich den entsetzten Gesichtsausdruck des
Chefs bemerke.
"Und manchmal müssen sie sechs- oder
siebenmal scannen, bevor der Code gelesen werden kann, in der Zeit
wird er ..." plappert der PJ fröhlich weiter, während
der Chef leise davonschleicht.
"Habe ich etwas falsch
gemacht?" fragt der PJ, als er meinen empörten
Gesichtsausdruck sieht.
"Ich weiß, ich weiß,
aber sie sollten wirklich versuchen, etwas besser mit ihm
zusammenzuarbeiten - er ist immerhin unser Chef."
"Ja,
darüber habe ich mich auch schon gewundert." erwidert der
PJ. "Es IST schon eine Weile her, daß wir es mit frischem
Blut zu tun hatten - bildlich gesprochen."
"Natürlich,
aber was wollen sie denn dagegen unternehmen?! Vergessen sie nicht,
daß gute Manager nicht gerade leicht zu finden sind - das ist
das Spiel des Teufels. Und bevor wir wissen, wie uns geschieht,
müssen wir uns mit einem Chef herumärgern, der wissen will,
wohin all das schöne Geld verschwindet, BEVOR er die Ausgabe
genehmigt, ein Chef, der nicht voller Begeisterung Schecks für
die Kampagne zur Förderung fortschrittlicher Hardware
unterschreibt - oder mindestens sein Akronym daruntersetzt -, so daß
wir gezwungen sind, in unsere eigenen Taschen zu greifen, wenn es um
größere Anschaffungen geht."
"Ja, da stimme
ich ihnen zu", murrt der PJ widerstrebend. "Aber er ist ein
wenig ... langweilig."
"Langweilig!" rufe ich und
konsultiere mein Gedächtnis-Lexikon. "Gleichgültig und
passiv. Normal. Möglicherweise braucht er ein paar überraschende
Schläge, um aktiver zu werden?"
"Sie meinen
wirklich, sie wollen ihm erklären, worum es bei Computern
geht?"
"Nein, nein. Ich meine kurze elektrische Schläge.
90 Volt Wechselstrom oder so, nicht zu drastisch."
"Wie
soll uns das helfen?" fragt der PJ.
"Hilfe? Oh,
Entschuldigung, ich war mit meinen Gedanken woanders. Sie wollen also
eine Form von HILFE für ihn? Wir könnten ihm vorschlagen,
ein Seminar für Manager im Technik-Bereich zu besuchen, um seine
Fähigkeiten zu erweitern?"
Nachdem wir beide ein wenig
gelacht haben, fahre ich fort.
"Eigentlich gar keine
schlechte Idee. Wir könnten ihn in ein Seminar schicken, wo man
ihm die Grundlagen der Computerarbeit einprügelt ..."
"Ich
glaube nicht ..."
"Es könnte ihn davon abhalten,
jedem Nutzer unsere Unterstützung bei Schwierigkeiten
zuzusagen ..."
"Mal sehen, welche Ergebnisse eine
Suchanfrage liefert." erwidert der PJ und ruft eine häufig
besuchte Suchmaschine auf.
Ein paar bunte Seiten später ...
"Hier wäre etwas", meint der PJ und tippt auf den
Bildschirm als wäre dieser ein Aquarium.
"Mal sehen ...
Kein Vorwissen nötig, gut, Lernerfolg ohne Anstrengung
garantiert - wenn wir den Worten glauben können - hervorragend ..."
"Und es gibt ein Leistungs-Zertifikat!"
"Ja,
sie haben die Idee offensichtlich von Microsoft gestohlen. Das
bedeutet eigentlich nur, daß man es geschafft hat, morgens
rechtzeitig aufzuwachen, man von der Maschine zu wenig versteht, um
sie zu zerstören, und man den Kopf immer einzieht, wenn der
Tutor eine Frage stellt ... JA, ich glaube, das wäre etwas für
ihn!"
Einen Tag später haben wir den Chef überzeugt,
und zwei Tage später ist er in dem Seminar.
Einen weiteren
Tag später ist er zurück - neu und verbessert. Nun, er ist
jedenfalls zurück ...
Der erste Eindruck: Er ist über
die Technologie informiert, hatte eine großartige Zeit und
strotzt nun vor Ideen.
"Ich bin begeistert von den
Möglichkeiten, die sich uns mit Windows XP eröffnen."
jubelt er, als er in unser Büro segelt. "Wußten sie
schon, daß man damit auf dem PC Filme anschauen kann und
spielen?"
"Etwa so?" fragt der PJ und startet
einen aktuellen Film auf seinem Arbeitsplatzrechner.
"Ja!
Ist das XP?"
"Nein, Linux. Genau das gleiche, nur
verliert man nicht sein letztes Hemd, wenn man es kauft."
"Oh.
Unterstützt es die Datenübertragung per Funk? Man kann eine
ganze Menge Kabel sparen, wenn man ein paar Funk-Hubs einrichtet. Und
dadurch wird es einfacher, die Büros neu zu organisieren, falls
es zu einer Umstrukturierung kommt!"
Der scharfe Geruch von
Hysterie liegt in der Luft, und der Chef zeigt all die klassischen
Warnzeichen eines Technologie-Fanatikers. Wir müssen wohl den
?Papierloses Büro?-Test machen ...
"Ein Funknetz haben
wir schon installiert", antwortet der PJ und deutet zum
Hitzedetektor an der Decke.
"Wirklich? Ich dachte immer,
dies sei ein Bestandteil der Brandschutzanlage."
"So
geht es den meisten, aber sehen sie dieses kleine Licht an der Seite?
Es leuchtet einmal in der Minute auf, um anzuzeigen, daß das
Netzwerk funktioniert."
"Wirklich?! Nun, wir müssen
ein paar Verbindungen einrichten - am besten nur für die Manager
-, damit wir unsere Rechner in jedem beliebigen Raum nutzen können
und uns nicht immer wieder über die Verkabelung den Kopf
zerbrechen müssen!"
"Ihre Rechner funktionieren
ohne Strom?" frage ich genau im richtigen Augenblick.
"Guter
Einwurf. Nun, ich denke, wir können uns Laptops für die
Manager leisten - was uns erlauben würde, UNSERE RECHNER ZU
BERATUNGEN MITZUNEHMEN!!!" begeistert er sich wieder, offenbar
von einer berauschenden Zukunftsvision begeistert.
Budget-Verteidigungs-ALARM ausgelöst!
"Ah, ich
glaube, daß wir dafür kein Geld haben ..." wirft der
PJ ein.
"Unsinn! Es gibt einen Haufen Geld, das für
einen erweiterten Datei-Server vorgesehen ist, den wir auch im
nächsten Jahr noch anschaffen können - oder im Jahr darauf,
falls wichtigere Projekte anliegen. Das Teilen von Dateien gehört
ohnehin in die Vergangeneheit! SAN ist die Antwort!"
Beinahe
Schaum vor dem Mund, zeigt der Chef deutlich alle Anzeichen eines
Fanatikers. Ich brauche nur noch einen Beweis ...
"Soll ich
ein paar Empfehlungen ausdrucken und sie unter den Managern
zirkulieren lassen, um dann eine Bestellung auszudrucken ..."
"Keine Ausdrucke mehr!" ruft der Chef und zeigt damit
alle Anzeichen des letzten Stadiums des Fanatismus. "WIR
BRAUCHEN DAS PAPIERLOSE BÜRO! WIR SIND SCHLIESSLICH DIE
I.T.-ABTEILUNG!!"
Der PJ und ich schweigen ein paar
Sekunden, bevor wir Ausweichplan 107E starten.
"Hm",
fragt der PJ. "HAT ihr Rechner nicht schon eine Funk-LAN-Karte?
ICH dachte, wir hätten eine geordert!"
"Wirklich?"
fragt der Chef. "Da muß ich gleich nachschauen!"
Fünf Sekunden später läutet das Telefon.
"Nein,
keine Karte."
"Es ist intern - es sieht aus, wie ein
leerer Steckplatz."
"Uh, nun, das wußte ich
nicht."
"Wissen sie was, ziehen sie einfach das Kabel,
mit dem sie bisher mit dem Netzwerk verbunden sind, aus ihrem Rechner
und schauen sie dann nach, ob sie auf ihre E-Mails zugreifen
können ..."
"Nichts, das Netzwerk ist nicht
verfügbar, steht da."
"Nicht verfügbar ...
OH, ICH WEISS! Ihr Rechner ist über das Erdungskabel im
Netzkabel geerdet. Fahren sie ihren Rechner herunter, schalten sie
ihn aus, dann brechen sie den Erdungsstift heraus und starten neu."
[Lärm und Geächze im Namen des guten Geschmacks
entfernt.]
"Nein, nichts!"
"Das ist in
Ordnung, ihr Rechner kommuniziert noch nicht mit dem Netz, weil es
möglicherweise keine direkte Verbindung durch die Luft zwischen
ihm und der Empfängerstation an der Decke gibt. Heben sie ihren
Rechner einfach etwas höher, damit die Verbindung aufgebaut
werden kann."
"Ich könnte mich auf den Tisch
stellen. Brauche ich meinen Monitor?"
"Nun wenn er
ebenfalls ent-erdet ist."
"Ich rufe zurück!"
FÜNF MINUTEN SPÄTER
"In Ordnung, ich stehe auf
meinem Schreibtisch und halte meinen Computer neben dem Empfänger ...
OH! Die Diode hat aufgeblitzt, das Netzwerk muß funktionieren."
"Ja, das Netzwerk steht, aber sie müssen noch das
Hitzesiegel am zentralen Zugriffspunkt entfernen."
"Wie?"
"Haben sie ein Feuerzeug?"
...
"... und es
sieht so aus, als bräuchten wir einen neuen Manager."
informiert der IT-Chef uns. "Als er aus dem Krankenhaus
entlassen wurde, hat er sich nämlich entschieden, nicht mehr zu
uns zurückzukehren, sondern in einem Gartenbaumarkt anzufangen."
"Ja, das ist sicherlich besser für ihn."
"In
der Zwischenzeit übernehmen sie bitte seine Aufgaben - bis wir
einen Ersatz für ihn gefunden haben ..."
!!!
Weihnachtsgedicht... folgt......