Vorsicht vor kostenlosen Girokonten

Vorsicht vor „kostenlosen“ Girokonten

Wer auf der Suche nach einem Girokonto ist, hat mittlerweile die Qual der Wahl: die verschiedenen Banken versuchen sich gegenseitig mit attraktiven Prämien und Boni zu übertreffen und der Kunde hat das Gefühl, dass er endlich einmal wirklich etwas geschenkt bekommt. Doch auch hier sollte man stets beide Augen offen halten: denn wenn nicht auch die Banken profitieren würden, würden sie solche Konten wohl nicht anbieten. Ich habe mir darum die verschiedenen Angebote genauer angeschaut und bin dabei auf einige Fallen für den Verbraucher gestoßen.

Falle 1: Kostenlos WENN…

Einige Banken versuchen den Verbraucher mit tollen Angeboten zu locken, die, wenn man genauer hinschaut, jedoch an diverse Bedingungen geknüpft sind. So ist es zum Beispiel oft der Fall, dass Banken Konten nur dann kostenlos anbieten, wenn der Kunde einen bestimmten monatlichen Geldeingang vorzuweisen hat. Hierbei handelt es sich meist um recht hohe Summen, wie zum Beispiel bei der Postbank 1000 Euro.

Wenn man mehr als diese 1000 Euro im Monat verdient hat man Glück: für das Konto muss man dann tatsächlich keine Grundgebühr zahlen. Wenn man jedoch weniger verdient, wird die monatliche oder jährliche Gebühr fällig. In Deutschland müssen Banken deutlich machen, wann ein Konto kostenlos ist und wann nicht, viele lassen sich dennoch von dem Slogan “OHNE Grundgebühr” blenden und lesen nicht weiter. Der Schock ist dann natürlich groß, wenn am Ende Geld von der Bank abgebucht wird.

Für bestimmte Gruppen wie Schüler und Studenten bieten viele Banken an diese Zusatzregelungen für die Dauer der Ausbildung außer Kraft zu setzen, in diesem Fall muss man jedoch selbstständig regelmäßig Nachweise erbringen.

Falle 2: der Dispo-Zins

Für alle, die ihr Konto regelmäßig überziehen, kann ein Konto ohne Grundgebühr zur wahren Kostenfalle werden. Grund dafür ist, dass die Zinssätze von Bank zu Bank erheblich schwanken und zudem ständig durch die Banken “angepasst” werden.

Hier sollte man somit nicht nur dann schauen, wenn man gerade ein neues Konto abschließt, sondern auch ansonsten regelmäßig mal einen Blick drauf werfen. Zudem ist in den Geschäftsbedingungen der Bank geregelt, wie oft und in welchem Umfang der Zinssatz verändert werden darf, ein Blick in diese Dokumente ist somit empfehlenswert.

Falle 3: Zusatzkosten

Richtig gemein wird es bei den Zusatzgebühren, die Banken aufgrund der Niedrigzinspolitik der EZB immer öfter erheben. Hierzu gehören zum Beispiel die Kosten für eine Kreditkarte, für Überweisungen oder das Abheben von Bargeld an fremden Automaten. Zwar versuchen Verbraucherschützer stets darauf hinzuweisen, dass Kunden sich über solche Kosten informieren müssen und vor allem, dass diese Kosten transparent gestaltet werden, wenn man Bankkunden befragt, weiß jedoch nur ein Bruchteil, bei welchen Aktionen er wie viel an seine Bank zahlen muss.

Um hier keine bösen Überraschungen zu erleben, sollte man sich im Vorfeld überlegen, wozu man sein Konto nutzen wird und auf welche Leistungen man unter Umständen auch verzichten kann.

 Dann sollte sich Kundenbewertungen anschauen und die Konditionen verschiedener Girokonten vergleichen, um das passende Konto für die eigenen Bedürfnisse zu finden.

Finanzpolitik der EU: zwischen Genialität und Wahnsinn

Finanzpolitik der EU: zwischen Genialität und Wahnsinn

Das Zinsniveau ist so niedrig wie lange nicht mehr und dennoch kommt die schleppende Wirtschaft nichts ins Rollen. Der neue Schritt von EZB-Vorstand Mario Draghi: “Quantitative Easing”. Das bezeichnet den massenhaften Ankauf von Staatsanleihen. Dadurch sollen vor allem Krisenländer wieder flüssig werden und endlich Investitionen tätigen können, die die Wirtschaft des Landes ankurbeln. Doch welche Erfolgsaussichten hat dieses Programm?

Rückblick: Was wurde bisher unternommen?

Der Euro schwächelt und mit ihm die ganze Europäische Union. Die Krisenlände scheinen zwar aus dem gröbsten heraus zu sein, Schuldenfreiheit ist für so gut wie alle EU-Länder jedoch eine unerreichbare Utopie. Um den Staaten zu helfen und die Kassen wieder zu füllen, hat die EZB nun eine neue Maßnahme beschlossen. Nachdem das Senken des Leitzins auf ein Rekordtief kaum verbesserung brachte und nun kein wirkliches Instrument mehr darstellt den FInanzmarkt zu steuern, muss die EZB schwerer Geschütze auffahren.

Was bisher keine der Maßnahmen erreichen konnte, soll jetzt der massenweise Ankauf von Staatsanleihen vollbringen. Dabei gibt es zwar einige Regeln, die die EZB beachten will und muss, wenn das Programm jedoch scheitert, wird dennoch eine Menge Kapital verloren sein. Positiv ist anzumerken, dass nicht nur die hochverschuldeten Länder wie Griechenland und Frankreich von dem Programm profitieren werden, sondern auch Länder, deren FInanzprobleme bisher kein internationales Aufsehen erregt haben, wie zum Beispiel Deutschland.

Neuer Versuch, neues Glück?

Der Leitgedanke des “QE” ist dabei leicht zu verstehen: die EZB kauft Staatsanleihen, die eigenlich keine wirkliche Sicherheit mehr bieten zu einem guten Preis und verhilft den Ländern so zu Kapital, das diese wiederum in die Wirtschaft investieren sollen. Die Wirtschaft kann sich dadurch erholen und beschert dem Staat wiederum Einnahmen in Form von Steuern oder auch Krediten, die zurückbezahlt werden.

An sich ein plausibler Plan, bei dem es jedoch einen Hacken gibt: Wenn das Geld nicht tatsächlich investiert wird, sondern bei den Banken verbleibt oder genutzt wird um Haushaltslöcher zu stopfen, wird die Wirtschaft davon nicht profitieren. Dies derzeit bezüglich der Leitzinspolitik zu beobachten: Banken und Staaten profitieren von den niedrigen Zinssätzen, geben diese jedoch kaum an Verbraucher weiter und auch Kredite werden nicht schneller vergeben. Somit bleibt diese Maßnahme de facto wirklungslos, weshalb nun die neuen Maßnahmen beschlossen wurden.

Bildquelle: dpa